„Gut ist, wer dazulernt“

Der Trainer, Coach und Interviewer Mario Müller-Dofel (43) hat ein Buch verfasst, in dem er den Akademisierungstrend hinterfragt und eine Lanze für beruflich Qualifizierte bricht. Hier wird er befragt – und spricht über einseitige Bildungsdebatten, Chancenvielfalt und Vorbilder ohne Studium.

Das Interview können Sie links mit Bildern und weiteren Informationen zum Buch downloaden. Weitere Informationen zum Buch finden Sie auch auf der Website karriere-ohne-studium.de.  Presseinformationen zum Buch finden Sie hier. Den Blog von Mario Müller-Dofel auf altii finden sie hier.

Herr Müller-Dofel, was hat Sie für Ihr Buch motiviert?
Mario Müller-Dofel:
Motiviert haben mich zum Beispiel viele TV-Sendungen, in der ausnahmslos Akademiker darüber diskutierten, warum unser Bildungssystem ungerecht sei, Nichtakademiker wenig Chancen auf eine tolle Berufswege hätten und deshalb immer mehr junge Menschen studieren müssten. Dies ist seit mehr als 15 Jahren herrschende Meinung in Politik und Öffentlichkeit. Dabei gibt es auch andere chancenreiche Bildungs- und Karrierewege, die von den Diskutanten viel zu wenig reflektiert werden. Darauf möchte ich aufmerksam machen, damit wir unsere Chancenvielfalt in Deutschland erhalten.

Wie passt „Chancenvielfalt erhalten“ mit einer anderen herrschenden Meinung zusammen: dass Deutschland ein Land mit ausgeprägter Chancenungerechtigkeit ist.
Das sehe ich anders, zumal ich mich lieber mit Menschen und ihren Stärken beschäftige als mit Statistiken, die jegliche Vielfalt auf Durchschnittswerte, also Mittelmaß eindampfen. Und selbst der Durchschnitt kann je nach Interessenlage und Weltsicht anders interpretiert werden. Mir und Millionen anderen Menschen hierzulande haben das deutsche Ausbildungs- und Fördersystem, mutige Chancengeber und ein hohes Maß an Selbstmotivation erfolgreiche Berufswege ohne Studium ermöglicht. Deutschland ist ein Ort dafür!

Warum haben Sie nicht studiert?
Anfangs, weil mir in der DDR wegen gefärbter Haare, Ohrringen, meiner Abneigung gegen die Nationale Volksarmee und manchmal einer großen Klappe das Abitur verweigert wurde. Damals war es mir egal. Später hätte ich manchmal gerne studiert, vor drei Jahren hätte ich sogar fast angefangen: Wirtschaftspsychologie – gibt’s leider nicht als Berufsausbildung. Aber dann fehlte mir die Zeit dafür. Nun bleibe ich halt erstmal bei meinen drei Berufsausbildungen und drei umfangreichen Fortbildungen. Meine akademischen Pläne habe ich aufs Rentenalter verlegt und studiere derweil weiter die Praxis (lacht).

Im Buch interviewen Sie fünf erfolgreiche Nichtakademiker zu deren Berufswegen. Einen Fliesenlegermeister, Starkoch Tim Mälzer und Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer zum Beispiel. Was wollen Sie mit den Interviews erreichen?
Ich möchte dazu beitragen, dass Menschen wie diese öfter angehört werden, wenn es um Bildung, Berufe und Karrieren geht. Man braucht in Deutschland nicht den Kopf in den Sand zu stecken, wenn einem das Studium fehlt. Wir haben so viele hervorragend aus- und fortgebildete Facharbeiter, Fachangestellte, Meister, Techniker, Fachwirte oder Selbstständige, die ein zufriedenes Berufsleben führen – viele davon können für jeden von uns echte Vorbilder sein.

Joschka Fischer ist vielleicht etwas hochgegriffen.
Warum? An seinen Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen gemessen, ist er vergleichbar mit vielen anderen beruflich erfolgreichen Menschen. Am Ende seiner Politikerkarriere hatte er eben einen seltenen und besonders verantwortungsvollen Job. Nach dem Interview empfand ich Joschka Fischer in vielen Punkten als sehr gutes Vorbild.

Was erfahren die Leser von Fischer und Co?
Sie erfahren, wie die Fünf ihre Zukunft angepackt haben, statt sie wegen des fehlenden Studiums perspektivlos zu denken. Sie erfahren, was sie geprägt, wer sie blockiert und wer sie gefördert hat. Und sie erfahren, was Menschen neben Fachwissen brauchen, um ihre beruflichen Vorstellungen umzusetzen. Diese Interviews sind sehr persönlich, teilweise bewegend emotional.

Zudem haben Sie mit fünf Personalexperten wie Bundesarbeitsagentur-Chef Frank-Jürgen Weise und Psychologieprofessor Heinz Schuler gesprochen. Was tragen diese bei?
Sie rütteln auf, indem sie die menschlichen Seiten sozialer Undurchlässigkeit erläutern. Sie regen an, indem sie einseitige Positionen und unfaire Vorurteile hinterfragen. Sie machen Mut, auch talentierten Menschen berufliche Entwicklungschancen zu geben, denen formale Voraussetzungen fehlen. Arbeitsagentur-Chef Weise wünscht sich zum Beispiel, dass Personalverantwortliche „formale Ausbildungsabschlüsse weniger hoch gewichten als bislang üblich in Deutschland und sich stattdessen mehr mit Talenten und Kompetenzen befassen.“ Bei den Experteninterviews kommen die Risiken und Nebenwirkungen des Akademisierungstrends sehr deutlich zur Sprache.

Wie haben Sie die Interviewpartner ausgewählt?
Das war insbesondere bei den Nichtakademikern erst schwer und dann leicht. Schwer, weil Hunderttausende „High Potentials“ in Frage gekommen wären. Und leicht, weil ich mich angesichts dieser Masse einfach für fünf verschiedene Berufe entschieden habe, damit die Leser auch in dieser Hinsicht Vielfalt erleben. Zudem fand ich eine Mischung aus Promis und weniger bekannten Persönlichkeiten wichtig – und dass die Nichtakademiker schon über längere Zeit erfolgreich sind.

Wie haben Sie Ihre Gesprächspartner befragt? Eher provokant, suggestiv, auf bestimmte Thesen hinarbeitend?
Nein, ganz anders als üblich in der journalistischen Praxis. Ich habe versucht, meine Ansichten weitgehend herauszuhalten. Sehr viele Fragen habe ich offen gestellt, um den Interviewten einen großen Antwortspielraum zu lassen.

Wer soll das Buch lesen?
Schulabgänger, Nichtakademiker, Akademiker, Eltern, Lehrer, Personaler, andere Unternehmensentscheider und Politiker, die sich zum Mut machen und Umdenken bewegen lassen möchten.

Sie waren erst im Immobilien- und Finanzierungsvertrieb und dann im Wirtschaftsjournalismus erfolgreich. Jetzt sind Sie’s auch beim Training und Coaching. Wie geht’s Ihnen als Exot in der akademischen Welt?
Exot? In der Statistik bin ich das wohl, aber nicht von meinen Neigungen und Fähigkeiten her. Ich bin unter Akademikern und beruflich Qualifizierten gleichermaßen zu Hause und habe in beiden Gruppen tolle Freunde. Wünschen würde ich mir, dass sie sich viel mehr vermischen, weil beide Gruppen voneinander lernen und sich ergänzen könnten. Warum das im Berufsleben leider nur schlecht statt recht klappt, steht ebenfalls im Buch.

Haben Sie eine Aussage im Kopf, die sich die Leser an den Spiegel kleben könnten?
Na klar, die letzten Worte im Buch: „Gut ist, wer dazulernt.“

Vielen Dank für das Gespräch. 

Unentdeckte Investitionschancen: Der britische Wohnungsmarkt

Von Klaus Schmitt, Chief Operating Officer, PATRIZIA Immobilien AG

Großbritannien bietet institutionellen Investoren dank einer positiven demografischen Entwicklung und eines starken Wirtschaftswachstums attraktive Anlagemöglichkeiten – auch abseits der Hauptstadt London. Noch zum Teil unentdeckte Investitionschancen bietet der britische Wohnungsmarkt, insbesondere der Mietmarkt. Dieser befindet sich aktuell zwar noch im Dornröschenschlaf, wird aber zunehmend für Investoren interessant – aus zwei Gründen: Zum einen wird der Erwerb von Eigentumswohnungen seit Ausbruch der Finanzkrise weit weniger staatlich gefördert als in den Jahren zuvor, was dem Mietermarkt zugutekommt. Zum anderen bietet der derzeit relativ kleine britische Mietwohnungsmarkt bislang noch ungenutztes Potenzial.

Eigentumsquoten in Europa rückläufig

Insgesamt wird der Kauf einer Wohnimmobilie seit Ausbruch der Finanzkrise in vielen europäischen Ländern erschwert. Die Krise hat die negativen wirtschaftlichen Folgen einer hohen Eigentumsquote in Verbindung mit einer hohen Hypothekenlast zum Vorschein gebracht. Denn eine exzessive, sorglose Kreditvergabe vor der Krise führte in vielen Ländern zu großen Schwierigkeiten im Bankensektor und der Wirtschaft insgesamt. Seither stehen Subventionen für eigengenutzte Wohnimmobilien auf dem Prüfstand und die Vergabeverfahren für Bankendarlehen werden strenger. Dies führt letztlich dazu, dass die Eigentumsquote in Europa sinkt – so auch in Großbritannien. Aus diesem Grund könnte es sich für Investoren lohnen, auch den Mietmarkt in Augenschein zu nehmen.

Dieser birgt immenses ungenutztes Potenzial, wenngleich dieses zu heben nicht von heute auf morgen möglich sein wird. Denn aktuell gibt es noch keinen nennenswerten Mietwohnungsbestand: Lediglich zehn Prozent der Bevölkerung wohnen in gemieteten Immobilien.

Risikodiversifizierung durch britische Wohnimmobilien

Britische Wohnimmobilien bieten Anlegern einige Vorteile. So wird der britische Wohnimmobilienmarkt nur in geringem Maße von den Entwicklungen auf den Büro-, Einzelhandels- und Industrieimmobilienmärkten beeinflusst, sodass er auch von den Renditeentwicklungen anderer Immobilienmärkte entkoppelt ist. Während das Segment Wohnen mit dem gesamten britischen Immobilienmarkt mit etwa 60 Prozent korreliert, liegen alle anderen Immobilienklassen mit rund 80 Prozent deutlich darüber. Innerhalb eines Multi-Asset-Portfolios sind britische Wohnimmobilien daher ideal zur Risikodiversifizierung geeignet und bringen zusätzliche Stabilität ins Portfolio.

Des Weiteren bieten Wohninvestments in Großbritannien im Vergleich zu anderen Assetklassen hohe Renditen. So wurden von 1982 bis 2013 auf dem Aktien- und Wohnungsmarkt mit jeweils über 14 Prozent pro Jahr die höchsten jährlichen Renditen erzielt. Ähnlich positiv haben sich lediglich britische REITs mit einer Rendite von zwölf Prozent pro Jahr entwickelt. Diese wiesen jedoch im gleichen Zeitraum mit einer Schwankungsbreite von 26 Prozent auch eine sehr hohe Volatilität auf. Die Volatilität bei Wohninvestments liegt dagegen bei nur zehn Prozent und ermöglicht stabilere laufende Erträge.

Attraktiver Investmentstandort: Manchester

Neben London sollten auch andere Ballungszentren Großbritanniens in den Fokus von Investoren rücken. Als kulturelles, sportliches und wirtschaftliches Zentrum ist derzeit Manchester eine der begehrtesten Städte, wenn es um Immobilieninvestitionen geht. Der Arbeitsmarkt floriert und befördert den Zuzug in die Stadt. Besonders der private Mietsektor stellt hier ein besonders zukunftsträchtiges Segment dar. Dem Markt mangelt es an qualitativ hochwertigen Mietobjekten und die Stadtverwaltung treibt den Wohnungsneubau aktiv voran. Diese Entwicklungen zeigen: Der britische Wohnungsmarkt ist im Aufwind. Investoren sollten dieses Segment daher für Investitionen unbedingt berücksichtigen.

Über den Autor
Klaus Schmitt ist Chief Operating Officer der PATRIZIA Immobilien AG. Nach seinem Eintritt bei Patrizia hatte Klaus Schmitt von 2003 bis 2005 die Leitung der Rechtsabteilung inne. Seit 2005 verantwortet er als Geschäftsführer die operativen Geschäftseinheiten der Patrizia und ist seit Januar 2006 Mitglied des Vorstands.

Niedrigzinsen und der Abstieg vom Schuldengipfel

Weltweit haben die Zentralbanken die Geldhähne weit aufgedreht oder drehen sie derzeit noch auf. Im Euroraum wächst der „Klub der negativen Zinsen“ weiter dank der quantitativen Lockerung (QE) der Europäischen Zentralbank. Damit hat die Phase der Finanziellen Repression ihr nächstes Stadium erreicht. Ob die Niedrig- bzw. sogar Negativzinsen beim Abstieg vom Schuldengipfel überhaupt helfen können, wird am Beispiel einiger europäischer Länder und der USA in dieser Studie analysiert. Letztlich „zahlen“ die Anleger diesen Schuldenabbau indirekt durch entgangene Zinseinkünfte.

Das vollständige Dokument von Allianz Global Investors finden Sie links zum Download.

"Wie relevant ist Social Media?"

Auf dem Business Wire MediaTreff in Frankfurt wurde über die “Relevanz von Social Media” diskutiert. Die drei Teilnehmer der Podiumsdiskussion verfolgen dabei verschiedene Ansätze und berichten aus der Praxis. Von Marcus Eichhorn am 06. Juli 2015 auf pr-journal.de veröffentlicht.

Der große Social Media Hype scheint vorüber - zumindest, wenn man den Publikationen der letzten Monate glaubt, die einheitlich den Abgesang der sozialen Netzwerke - meist der großen Vertreter - anstimmen. Für viele Unternehmen und deren Unternehmenskommunikation kommen diese Nachrichten überraschend bis ungelegen, wo doch die meisten gerade erst oder eben noch nicht einmal richtig angefangen haben, sich mit diesem Themenfeld intensiv auseinanderzusetzen.

Was ist also dran am - immer wieder - propagierten Tod von Facebook und Co.? Diese Diskussion stand im Zentrum des zweiten MediaTreffs, den der Branchendienstleister Business Wire Germany am 2. Juli im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main veranstaltete. Die Antwort auf die zentrale Fragestellung "Wie relevant ist Social Media?" wurde bei hochsommerlichen 36 Grad und wolkenlosem Himmel von den Gästen alleine schon über ihre Anwesenheit gegeben.

Wie viele Fragen in der Kommunikation, so ist auch das Thema Social Media schwer zu greifen. Wir sind weit davon entfernt die Auswirkungen sozialer Medien auf unsere Kommunikation, unser berufliches und privates Leben, in seiner gesamten Bedeutung beurteilen zu können. Viele Einschätzungen beruhen auf einem Bauchgefühl, das sich zwischen nie dagewesenen Chancen für offene, transparente, dialogbasierte und messbare Kommunikation und einem unbestimmten Gefühl von Überforderungen und Angst hin und her zu bewegen scheint.

Da stellt sich die Frage, ob ein Liveformat, wie hier eine Podiumsdiskussion, in der Lage ist die komplexen (Wirk-) Zusammenhänge annähernd zu erfassen und zur Diskussion zu stellen. Die Antwort - auch an diesem Abend - lautet: ja und nein.

Natürlich können auf einer einzelnen Veranstaltung Themen nur angerissen werden. Und natürlich gibt es eine große Zahl tiefergehender, meist kritischer Detailfragen, die nur ungenügend behandelt werden können. Der sinnvolle Anspruch der Veranstaltung war, aus der Praxis zu berichten, wie Social Media eingesetzt wird, ob bzw. welche Bedeutung soziale Medien im beruflichen Alltag haben und welche sie in Zukunft haben werden.

Wenn Antworten zu vielfältig ausfallen - schon die Eingangsfrage nach der Relevanz müsste in viele kleine Häppchen aufgeteilt werden, um sie zu beantworten - setzt man am besten auf Beschreibungen persönlicher Erfahrungen und Nutzungsszenarien, durch die der interessierte Zuhörer eine Basis erhält, über eigene Erfahrungen und Einschätzungen zu reflektieren - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Umso wichtiger sind Freiräume, in denen die Gäste frei unter sich diskutieren können. Hierzu bot sich vor und nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung viel Gelegenheit, was von den Gästen des MediaTREFFS erneut ausgiebig genutzt wurde.

Unterschiedliche Blickwinkel
Zur Diskussion begrüßten Gastgeber Ralph Dittmar, Regional Sales Manager D/A/CH Region Business Wire, und Moderator Kai Prager, Media Relations Specialist, drei Gäste, die beruflich jeweils einen ganz individuellen Blick auf soziale Medien vermitteln konnten: Maike Haselmann, Social Media Koordinatorin - Frankfurter Allgemeine Zeitung, Christian Salow, Geschäftsführer - altii GmbH und Peter Hauff, freier Redakteur.

So unterschiedlich die Gäste, so unterschiedlich auch ihre Präferenzen im Bereich Social Media. Für die FAZ ist beispielsweise Facebook der zentrale Kanal, um über soziale Medien mit den Lesern in Austausch zu kommen, gefolgt von Twitter und neuerdings auch Bildportalen wie Instagram. Für Businessnetzwerke wie Xing fehlen noch passende Ansprachekonzepte. 

Für den freien Redakteur Peter Hauff stellen diese, genannt wurden LinkedIn und Xing, eine wichtige und funktionierende Austauschplattform dar. In der Redaktionsarbeit dominiert aber auch bei ihm der Austausch mit Lesern über Facebook. Persönlich hob er die Bedeutung von Plattformen wie Wordpress hervor, die noch immer viel zu oft unterschätzt werden, aber für die Darstellung umfassenderer Sachverhalte klar im Vorteil sind.

Christian Salow, als Betreiber eines Fachportals für Asset Management Strategien und Finanzprodukte, setzt wiederum mehr auf Twitter, da er hier viele professionelle Ansprechpartner, auch Journalisten, erreichen kann. In der Finanzszene - insbesondere auf internationaler Ebene - sei LinkedIn Pflicht, während ein Engagement auf Facebook eher grenzwertig sei, obwohl auch hier viele seriöse Anfragen generiert wurden.

Fortlaufende Trends oder Strohfeuer?
In der fortlaufenden Diskussion ergaben sich einige Trends, die in sozialen Medien vorherrschen und die von allen Protagonisten ähnlich beurteilt wurden. Allen voran wurde hier die Nutzung von visuellen Medien und insbesondere von Bewegtbild genannt. Nichts verteilt sich in sozialen Medien so gut wie Videoinhalte - dennoch steht die Nutzung dieser Medien in den hier beschriebenen Szenarien oftmals noch immer ganz am Anfang: Die FAZ experimentiere sehr stark in diesem Bereich, bis hin zur Nutzung von Livestreaming Anwendungen wie Periscope. Auch die Plattform altii setzt immer mehr auf Bewegtbildinhalte, auch wenn in der Finanzbranche hier noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse.

Die Aussagen überraschen auf der anderen Seite doch ein wenig, denn die Erkenntnis, dass Film und Video, aufgrund der persönlichen, authentischen und emotionalen Ansprache Zuschauer besser erreichen und dadurch schneller geteilt werden, ist alles andere als neu. Noch immer scheinen inhaltliche und technische Hürden im professionellen Kommunikationsumfeld zu existieren, die den Einsatz von Bewegtbild verhindern oder zumindest eindämmen. Ein Blick in die zweitgrößte Suchmaschine nach Google - Youtube - sollte Unternehmen hier schnell eines Besseren belehren. Und das hoffentlich bald!

Ein anderer Trend wurde von den Teilnehmern des Podiums als weniger zukunftsträchtig beurteilt: Instant Articles - also das Einstellen ganzer Artikel auf Plattformen wie Facebook, statt Teaser auf eigene Angebote zu verlinken. Diese Ansätze zeigen ein wichtiges Problem für Unternehmen in sozialen Medien: die Monetarisierung. Wie kann man Geld mit Inhalten verdienen, wenn diese komplett in fremden Kanälen angeboten werden? Eine Frage, die insbesondere von Peter Hauff mit Nachdruck gestellt wurde. Die Einschätzung der Experten lautete: An dieser Stelle wird zurzeit etwas experimentiert, aber an besagter Frage der Monetarisierung werden diese Modelle auf Dauer kranken. Entscheidend sei, für sich und sein Unternehmen zu klären, welche Strategie man verfolge. Vornehmliche Ziele in sozialen Medien sind für Unternehmen, Organisationen und Verlage Aufmerksamkeit und Reichweite, mit Qualität zu überzeugen, Dialog anzubieten - also Menschen zu erreichen, bis hin zum Ziel Beziehungen aufzubauen.

Das Feedback ist der wesentliche Faktor. Über die Auswertung von Rückmeldungen in sozialen Medien, können Organisationen nun wirklich erfahren, was Leser wollen und diese gewinnen und binden. Hierzu ist aber eine durchdachte Strategie, mit von Anfang an geplanten Werkzeugen zur Überprüfung, Transparenz in der Methodik und fortlaufende Beobachtung der Kanäle und deren Wandel notwendig, wie Christian Salow betonte. Instant Articles beurteilte auch er eher als vernachlässigbar.

Wo Licht ist, ist auch Schatten
Während die Podiumsdiskussion, sicher gestützt durch die Tatsache, dass alle Beteiligten aktive, überzeugte Nutzer sozialer Medien sind, zunächst positive Anwendungen im Fokus hatte, lenkten die anschließenden Fragen der Zuhörer die Blickrichtung auf schwierige und kritische Bereiche der Nutzung sozialer Medien. Themen wie fehlender Schutz der Privatsphäre und der Überfluss oftmals banaler und unnützer Informationen, die schon die Recherche interessanter Inhalte schwierig machen, konnten nur in Ansätzen behandelt werden. Dass Inhalte auch vermarktet werden müssen, um die gewünschte Aufmerksamkeit zu erzielen, ist aber auch nicht erst seit dem aktuellen Content-Marketing-Hype bekannt.

Einig war man sich, dass für die diskutierten Bereiche mehr Medienkompetenz hilfreich wäre, Kompetenzen die bereits in jungen Jahren absolut notwendig sind, aber auch von älteren Generationen weiter ausgebaut werden müssen. Uneinigkeit herrschte bei der Beurteilung, wie viel Einfluss der einzelne Nutzer wirklich hat, seine Privatsphäre zu schützen und Datenmissbrauch zu verhindern. Ein Thema, das bekanntermaßen für sich ganze Veranstaltungsformate sprengt.

Ärgerlich hierbei waren allerdings wieder einmal die Anmerkungen über die "Unfähigkeit der Verbraucher" Prioritäten zu setzen und mit den Medien adäquat umzugehen. Dass alle Anwesenden auch zu diesen genannten Anwendern gehören und dass die Grenzen zwischen beruflich und privat, zwischen Profi und Privatperson nicht nur fließend sind, sondern die eigene Rolle stetig wechselt, muss wohl doch noch ein paarmal mehr betont werden.

Zu erwartende Schlagworte, wie Big Data, personalisiertes Marketing, Kommunikation gesellschaftlicher Verantwortung oder umfassende Möglichkeiten des Monitorings waren dann nicht mehr Thema der eigentlichen Podiumsdiskussion, konnten aber im Nachhinein ausführlich in kleineren Gesprächsgruppen vertieft werden.

Was bringt die Zukunft? Social Media alles andere als tot.
Die Zukunft der sozialen Medien beurteilten die Protagonisten ähnlich. Auch wenn zeitweise das Wachstum einzelner Plattformen sich verlangsamt oder sogar rückläufig sei, werde die Bedeutung sozialer Medien auch für die Unternehmenskommunikation ganz klar zunehmen. Die großen Plattformen haben sich als sehr flexibel und handlungswillig gezeigt. Sie besitzen durch Einfluss und finanzielle Mittel zu große Vorteile gegenüber kleineren Lösungen, als dass sie, zumindest momentan, wirklich gefährdet wären.

Insbesondere für Nischeninhalte und Angebote für Special Interests bieten sich allerdings noch viele Möglichkeiten – und „es ist noch eine Menge Geld im Markt“, wie Christian Salow betonte.

So schlossen die Experten Ihre Ausführungen mit den Hinweisen, dass Unternehmen und Organisationen das Abenteuer Social Media unbedingt wagen sollten. Verschiedene Wege ausprobieren, authentisch bleiben und sich auf die Kanäle festlegen, die persönlich passen, lauteten die grundlegenden Tipps für den Einstieg.

Auch wenn viele Inhalte in sozialen Medien banal sind und viele Konzepte daran scheitern, dass sie interkulturelle Unterschiede und persönliche Präferenzen nicht abgebildet bekommen, besteht doch das grundlegende Bedürfnis der Menschen nach emotionaler Kommunikation - nach authentischen Geschichten. Das sind die Inhalte, die in sozialen Netzwerken überzeugen.