„Es ist uns wichtiger einen Track Record zu verstehen als einen guten Track Record zu kaufen“

Im Juli dieses Jahres fand in Monaco beim FundForum International im Rahmen einer Paneldiskussion zu den Themen Family Offices, Due Diligence und Fondsboutiquen ein intensiver Gedankenaustausch zwischen Investoren und Produktanbietern statt. Marcel Müller von HQ Trust in Bad Homburg hatte als einer der Family Office-Vertreter als Panelist unter anderem Punkte wie Track Record, Entscheidungsprozesse, Active Share sowie das Thema Karriererisiko im Bereich der Managerselektion angesprochen. Moderator Markus Hill sprach für IPE Institutional Investment mit dem Fondsselektor im Nachgang zu der intensiven Fachdiskussion. Das Interview führte Markus Hill und ist zuerst bei IPE Institutional Investment erschienen.

Hill: Wir hatten ja die Gelegenheit auf dem Fund Forum Panel in Monaco uns über das Thema Managerselektion bei Family Offices auszutauschen. Jedes Haus hat eigene Kriterien bei der Due Diligence. Wie sieht die Vorgehensweise bei der Auswahl von Fondsmanagern bei Ihnen aus?
Müller: Wir haben bei HQ Trust einen sehr stringenten und systematischen Selektionsprozess. Im ersten Schritt führen wir ein quantitatives Screening durch, welches uns zunächst einen guten Überblick über das Risikoverhalten und das Leistungsverhalten der Peer-Gruppe gibt. Hier spielen Kennzahlen wie Volatilität, Upside Capture, Downside Capture Ratios und Active Share eine größere Rolle. Allerdings ist das für uns zunächst nur ein Tool zur Ideengenerierung. Der Schwerpunkt des Selektionsprozesses bei HQ Trust ist stark qualitativ getrieben. Warum qualitativ? Wir glauben das Asset Management ein „People’s Business“ ist, und die Qualität des Portfoliomanagements einen erheblichen Einfluss auf die Performance der Fonds hat. Und dies macht eine detaillierte, qualitative Due Diligence der Fondsmanager und deren Teams notwendig. Daher ist es enorm wichtig, die handelnden Personen zu interviewen und vor Ort zu besuchen. Wir versenden zudem sehr detaillierte Fragebögen, die ausgefüllt teilweise bis zu 100 Seiten lang sein können. Die Auswertung der Fragebögen ist insbesondere für die Vorbereitung auf einen Due Diligence Termin vor Ort von großer Bedeutung. Es geht darum zu verstehen, warum ein Fondsmanager in der Vergangenheit gute Ergebnisse erzielt hat und ob dies in der Zukunft systematisch wiederholt werden kann. Dies geht nun einmal nicht rein quantitativ über eine Fondsdatenbank. Wir analysieren daher sehr genau die Investmentprozesse der Fondsmanager und achten vor allem auf kompetitive Vorteile in der Analyse und der Verarbeitung von Informationen. Welche Quellen der Ideengenerierung und wie viele potentielle Alpha-Quellen besitzt ein Fondsmanager? Finden diese Ideen ihren Weg in die Portfoliokonstruktion und letztendlich in das Portfolio? Wie qualitativ hochwertig ist das Risikomanagementsystem bzw. findet es überhaupt Anwendung? Kann der Fondsmanager seine Performance zu jedem Zeitpunkt genau erklären und passt der Investmentprozess zur Investmentphilosophie? Fazit: Es ist uns wichtiger einen Track Record zu verstehen als einen guten Track Record zu kaufen.

Hill: Interessanter Punkt. Was genau meinen Sie damit, wenn Sie davon sprechen, einen guten Track Record zu kaufen? Im Markt gibt es auch Manager, die Schwächephasen im Performanceverlauf aufweisen. Wie gehen Sie mit diesem Sachverhalt um? Sind in diesem Fall Entscheidungsprozesse im Team oft schwieriger?
Müller: Ich denke, einer der größten Irrtümer in unserer Industrie ist der Glaube an die Möglichkeit, dass „Past Performance“ kaufbar sei. Obwohl es eigentlich jeder weiß, dass dies nicht möglich ist, scheinen sehr viele Marktteilnehmer diesem Irrtum zu erliegen. In den meisten Fällen führt eine vergangenheitsfokussierte Fondsauswahl zu enttäuschenden Investmentergebnissen. Dass diese vergangenheitsbezogene Vorgehensweise jedoch überwiegend praktiziert wird, sehen Sie alleine daran, dass Fonds mit einer guten Renditehistorie in Folge relativ stark im Fondsvolumen wachsen. Diese Fonds werden dann häufig auch zu groß und werden in ihrem Investmentuniversum eingeschränkt. Das Resultat sind dann meist schlechtere Ergebnisse als in der Vergangenheit. Ich denke diesem Fehler sitzen einige Investoren auf. Es ist natürlich viel einfacher und angenehmer, einen Fonds mit einem guten Track Record zu kaufen beziehungsweise für Analysten einen solchen Fonds zu empfehlen. Sie brauchen wesentlich bessere Argumente, einen Fonds zu empfehlen, wenn dieser in der Vergangenheit weniger gut gelaufen ist. Zudem birgt sich damit auch ein gewisses Karriererisiko für Analysten. Wenn Sie einen Fonds empfehlen, der über Jahre gut performt hat und der Manager sehr bekannt ist, dann ist es weniger schlimm, wenn dieser einmal schlecht performt. Bei einem unbekannten Manager und eventuell nicht so guter Performancehistorie müssen Sie sich stärker rechtfertigen. Die Frage ist jedoch, was am Ende zu besseren Investmentergebnissen für unsere Kunden führt. Wir sind der festen Überzeugung, dass vergangenheitsbezogene Fondsauswahl qualitativer Fondsauswahl unterlegen ist.

Hill: Würden Sie bei der Managerauswahl einen Unterschied sehen beim Due Diligence-Prozess von Fondsboutiquen in Abgrenzung zum Auswahlprozess bei etablierten, konzerngebundenen Managern?
Müller: Grundsätzlich verfolgen wir einen strukturierten und disziplinierten Selektionsprozess bei allen investierten Fonds für unsere Kunden. Allerdings gibt es bei Fondsboutiquen gewisse Unterschiede im Detailgrad der Due-Diligence im Vergleich zu einem der großen globalen Asset Managern. Lassen Sie mich hierfür ein Beispiel nennen. Wir haben vor ein paar Jahren eine Fondsboutique mit 4 Mitarbeitern selektiert. Für die Due-Diligence vor Ort bei dem Manager waren mehrere Tage notwendig. Zum einen wollten wir uns die gesamte IT-Infrastruktur (z.B. Handelssysteme, Risikomanagementsysteme) erklären lassen und genau verstehen, mit welchen Portfoliotools gearbeitet wird. Darüber hinaus war es für uns wichtig, die handelnden Personen genau kennenzulernen und uns zudem vor Ort von bestehenden Kunden, Geschäftspartnern sowie ehemaligen Arbeitskollegen eine Meinung einzuholen. Es gilt zudem, die Eigentümerstruktur sowie die Stabilität und Intensivierung des Investmentteams genau zu analysieren, da das Personenrisiko bei Boutiquen meist um einiges höher ist. Insgesamt kann man sagen, dass wir bei einer Boutique eher jeden Stein zweimal umdrehen als nur einmal. Wir denken, diese Gründlichkeit zahlt sich für unsere Kunden langfristig aus.

Hill: Viele Selektoren beobachten intensiv verschiedene Anlagestile, manche Häuser haben hier Präferenzen herausgebildet. Erscheinen Ihnen quantitative Strategien erfolgversprechender bzw. attraktiver als diskretionäre Strategien?
Müller: Ich denke, hier gibt es keine klare Ja/Nein Antwort. Es gibt sowohl bei quantitativen als auch bei diskretionären Strategien hervorragende Ansätze. Bei quantitativen bzw. regelgebunden Ansätzen besteht häufig das Problem eines „Stil-Bias“, wodurch diese Ansätze häufig bei Trendwenden in den Kapitalmärkten nicht mehr funktionieren bzw. Underperformance generieren. Daher ist es sehr wichtig, auf eine gewisse Stil-Neutralität und insbesondere auch auf die Bewertung der im Portfolio befindlichen Unternehmen zu achten. Wir haben bei HQ Trust sowohl mit quantitativen als auch mit diskretionären Ansätzen sehr gute Ergebnisse erzielt. Uns geht es mehr darum, einen qualitativ hochwertigen Ansatz mit kompetitiven Vorteilen im Investmentprozess (Ideengenerierung, Analyse und Portfoliokonstruktion) zu identifizieren, als sich auf einen bestimmten Anlagestil „einzuschießen“. Ob dies dann diskretionär oder regelgebunden passiert ist zweitrangig.

Hill: Bei vielen Fondsselektoren ergeben sich oft interessante, intensive Diskussionen im Feld aktives versus passives Management. Wie denken Sie über dieses Thema?
Müller: Grundsätzlich glauben wir als Haus sehr stark an aktives Management. Wir denken jedoch, dass beides seine Daseinsberechtigung hat. Es macht in einigen Peer-Gruppen durchaus Sinn, über passive Strategien nachzudenken, insbesondere dann, wenn der ETF systematisch im ersten Quartil einer Peer Gruppe liegt. Hier ist wichtig anzumerken, dass sich der ETF im ersten Quartil bewegt und nicht die Benchmark. Denn die Benchmark kann niemand kaufen, dies ist insbesondere in illiquiden Anlageklassen der Fall wie beispielsweise Wandel- oder Hochzinsanleihen. In diesen Anlageklassen werden Sie keinen ETF im ersten Quartil einer solchen Peer-Gruppe finden, sofern es überhaupt einen vergleichbaren ETF gibt. Passive Strategien bergen jedoch auch ihre Risiken, die insbesondere durch die Konstruktion der zugrundeliegenden Benchmarks begründet sind. Nehmen Sie zum Beispiel die gängigen Rentenbenchmarks, welche die größten Gewichtungen in Ländern bzw. Unternehmen haben, die die größten Verschuldungen aufweisen und oftmals die schlechteren Bonitäten (Beispiel Japan). Wenn Sie passiv investieren, investieren Sie unter Umständen sehr risikoreich und oftmals renditearm. Daher haben wir gegenüber passiven Strategien in dieser Anlageklasse eher Bedenken. Hier gilt, je aktiver desto besser. Sehr sinnvoll erscheint jedoch der Einsatz von passiven Strategien in sehr liquiden und effizienten Märkten wie USA Large Cap und Japan Large Cap. Hier finden Sie in beiden Peer-Gruppen die ETFs systematisch über lange Zeiträume im ersten Quartil. Wenn Sie zusätzlich noch das Selektionsrisiko mit berücksichtigen, erscheint hier aktives Management weniger attraktiv. Dies kann sich jedoch ändern, da auch Aktienbenchmarks ihre Risiken bergen. Sollten Indexschwergewichte durch ständig steigende passive Gelder zunehmend teurer werden, dann können passive Strategien auch in diesen Peer Gruppen in der Zukunft weniger vorteilhaft sein als in der Vergangenheit. Ein gutes Beispiel sind Lateinamerikanische Aktien, bei denen es in den Jahren 2002-2007 in der Rohstoffhausse deutlich vorteilhafter war, über einen ETF zu investieren, ab 2008 bis 2015 war aktives Management jedoch sehr erfolgsversprechend. Hier gilt es genau zu beobachten und entsprechend zu agieren. Das ist im Übrigen auch das Interessante in unserem Job, die Dynamik!

Hill: Aktuell wird häufig über Kennzahlen wie Active Share gesprochen. Wie sehen Sie das Thema?
Müller: Active Share ist eine interessante Kennzahl, die wir uns auch schon seit längerem genau anschauen. Jedoch sollte man bei dieser Kennzahl ein paar Dinge beachten, wenn man diese zur Entscheidungsfindung mit einbezieht. Zum einen sagt die Kennzahl für sich betrachtet nichts über die Qualität des Investmentprozesses aus. Darüber hinaus ist die Kennzahl lediglich für Aktien anwendbar und nicht für andere Anlageklassen. Des Weiteren sagt die Höhe des Active Share allgemein betrachtet nicht sehr viel über die wirkliche Aktivität des Portfolios aus. Es hängt sehr stark von der jeweiligen Benchmark ab. Es ist weit verbreitet in der Industrie, dass ein Active Share von über 80 als sehr „gut“ bzw. „aktiv“ gilt. Dies ist jedoch nicht zwingend der Fall. Lassen Sie mich das an einem Beispiel erläutern. Bei einem Index mit vielen Titeln wie zum Beispiel dem MSCI World erreichen Sie relativ schnell eine hohe Active Share von 80 und höher, allein schon weil Sie den Großteil der Aktien in der Benchmark gar nicht investieren. Nehmen Sie hingegen eine überschaubare Benchmark wie zum Beispiel den MSCI Latein Amerika, bei dem die größten 5 Indexgewichte nahezu 40% des gesamten Indexes ausmachen, ist schon eine Active Share von 60 als sehr hoch zu beurteilen. Sie sehen also, dass diese Kennzahl mit Vorsichtig zu genießen ist und immer in Abhängigkeit von der jeweiligen Benchmark zu betrachten ist. Wir verwenden diese Kennzahl entsprechend und bevorzugen Fonds mit einer hohen Active Share und einem hochwertigen qualitativen Investmentprozess.

Hill: Vielen Dank für das Gespräch.

Fondsresearch als externe Dienstleistung

Allein für den europäischen Fondsmarkt gibt es weit über 20‘000 Fonds und 100‘000 Anteilsklassen. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl von regulatorischen Anforderungen für spezifische Kundensegmente zu prüfen: Hat der Fonds eine Vertriebszulassung? Ist er steuertransparent? Ist ein KIID verfügbar? Besteht ein Vertriebsvertrag oder Zugang über eine Handelsplattform? Weiter sollen die ausgewählten Fonds auch qualitativen Anforderungen genügen und eine möglichst gute Performance liefern. Doch wie lassen sich all diese Anforderungen sinnvoll klären?

ifund services AG mit Sitz in Zürich hat sich seit dem Jahr 2000 voll und ganz dem Fondsresearch verschrieben. Als Basis dient eine eigene Fondsdatenbank mit weit über 700 Fondsgesellschaften. Über 30 Mitarbeiter sind allein damit beschäftigt, die Stammdaten dieser Fonds zu pflegen und Fondsdokumente einzusammeln. Diesen Service stellen wir allen Interessierten unentgeltlich auf fundinfo.com zur Verfügung. 6 Fondsanalysten sind zudem mit der Fondsauswahl betraut und treffen zusammen über 500 Fondsmanager pro Jahr.

Für unsere Kunden, neben Banken gehören dazu auch Family Offices, Vermögensverwalter, Versicherer und Pensionskassen, stellen wir ein kundenspezifisches Research-Paket zusammen. Neben klassischen Empfehlungslisten erhalten unsere Kunden aber auch Zugang zu unseren Fondsanalysten für ad hoc Anfragen per Telefon oder E-Mail. Neben der reinen Fondsauswahl unterstützen wir Kunden auch beim Zusammenstellen von Musterportfolios und bieten ebenfalls Investment Advisory an, also das Management von Portfolios nach Vorgabe einer Asset Allokation.

Bei der Auswahl von Fonds stützen wir uns auf die quantitative und qualitative Analyse. Die Resultate der Vergangenheit haben für die Zukunft, wie zahlreiche Studien empirisch belegen, jedoch nur bedingt Voraussagekraft. Wichtig ist daher zu verstehen, wie die Resultate zustande gekommen sind. Gespräche mit dem Fondsmanager helfen, seine Strategie genau zu verstehen. Zentrale Punkte, welche im Research Prozess abgeklärt werden sind:

  • Asset Management Kultur: Fonds privat gehaltener Firmen mit Fokus aufs Asset Management übertreffen Fonds börsennotierter Konglomerate.
  • Fondspalette: Anbieter mit breiter Palette schneiden schlechter ab als solche mit wenigen Fonds.
  • Entscheidungsprozesse: Von Komitees verwaltete Fonds schneiden schlechter ab.
  • Erfahrung: Fondsmanager mit viel Erfahrung aber schlechtem Track Record bleiben schlecht.
  • True Alpha: Bereinigt man die Outperformance um systematische Faktoren (Stil, Grösse, Momentum, Anlagen ausserhalb der Benchmark) bleibt wenig Alpha übrig.
  • Aktivquote: Fonds die in ihren Einzelpositionen stark vom Index abweichen, schneiden überdurchschnittlich gut ab.
  • Alpha-Persistenz: Fonds mit positivem Alpha tendieren kurzfristig zu Outperformance über die nächsten 3 bis 12 Monate

Neben aktiven Fonds analysieren und empfehlen wir unseren Kunden auch ETFs und Indexfonds. Finden wir in einem Markt kein überzeugendes aktives Produkt, schlagen wir unseren Kunden günstige passive Produkte vor. Oft bietet sich auch die Kombination beider Instrumente in einem Portfolio an und insbesondere für taktische Positionierungen von relativ kurzer Zeitdauer sind ETFs oftmals die besseren und vor allem schnelleren Lösungen. Bei den ETFs stehen die Indexqualität, die Replikation und Wertschriftenleihe sowie der Tracking Error unter Berücksichtigung aller Kosten im Vordergrund.

Auf Kundenwunsch berücksichtigen wir zudem spezifische Nachhaltigkeitskriterien bei der Fondsauswahl. Nebst strikten Ausschlusskriterien (z.B. Rüstungsindustrie, Tabak, Alkohol, Glücksspiel, etc.) werden die Transparenz des Anbieters, die aktive Wahrnehmung der Stimmrechte aber auch die Integration von Nachhaltigkeitsparametern im Investmentprozess analysiert.

Ansprechpartner
Alexander Ehmann
alexander.ehmann@fundinfo.com
+49 69 750859797

Saudi Arabia: Tackling Emerging Economic Challenges to Sustain Growth

Saudi Arabia’s economy has grown very strongly in recent years as it has benefited from high oil prices and output, strong private sector activity, increased government spending, and the implementation of a number of domestic reform initiatives. Rising oil prices and oil production have also resulted in large external and fiscal surpluses, and government debt has declined to very low levels.

The economic outlook remains favorable. Nevertheless, the substantial drop in oil prices since the summer of 2014 is an important risk to the outlook. The Saudi Arabian economy remains very dependent on oil revenues to support growth and fiscal and external balances — over90 percent of fiscal revenues and 80 percent of export revenues come from the sale of oil. Developments in the global oil market are therefore central to the economic outlook. Lower oil prices will have an immediate negative effect on the fiscal and external balances, and over time will also likely lead to slower growth.

The reliance of the Saudi Arabian economy on oil revenues raises two key challenges for policymakers. The first is how they should best manage the country’s current heavy dependence on oil revenues and ensure that the domestic economy is insulated to the extent possible from volatility in the global oil market. The second is how they can help the economy to diversify so that the current reliance on oil revenues is reduced over time.

In this report, the International Monetary Fund addresses important challenges for Saudi Arabia. They look at the global oil market and it's implications for Saudi Arabia,  fiscal as well as monetary policies to sustain economic growth and at economic diversification. Please find the full report attached on the left.

Automatisierte Vermögensmanager: Wo liegen die Herausforderungen im Hinblick auf Sicherheit?

Von Dr. Patrick Kolb, Fondsmanager, Credit Suisse.

Der technologische Fortschritt verändert unsere Gesellschaft und unser geschäftliches Umfeld. Gemäß Gartner Inc., einem Research- und Beratungsunternehmen im Bereich der Informationstechnologie, werden wir alle innerhalb der kommenden zwei Jahre ein Teil der „Digitalwirtschaft“ sein. Laut diesem Institut wird bis 2025 jeder dritte Arbeitsplatz an Software, Roboter, Drohnen oder intelligente Maschinen verlagert werden. Thomas Frey, Senior Futurist beim US-amerikanischen DaVinci Institute, identifizierte kürzlich über 100 gefährdete Berufsbilder, die durch fahrerlose Autos, fliegende Drohnen, 3D-Drucker, Big Data, künstliche Intelligenz und Roboter beeinträchtigt werden.
Unter Berücksichtigung der genannten technologischen Trends möchten wir die Vermögensverwaltungsbranche näher betrachten. Laut MyPrivateBanking Research, einer in der Schweiz ansässigen Finanz-Research-Firma, stellen auf Algorithmen basierende Websites mit Online-Vermögensverwaltung (auch bekannt als automatisierte Vermögensverwaltung oder „Robo-Advisors“) eine echte Bedrohung für die Geschäftsmodelle konventioneller (menschlicher) Vermögensverwalter dar.
In diesem Bericht definieren wir in einem ersten Schritt den Begriff „automatisierte Vermögensverwaltung“. Danach betrachten wir die Chancen und Herausforderungen unter besonderer Berücksichtigung der IT-Sicherheit und beenden diesen Artikel mit einer kurzen Zusammenfassung.

Das vollständige Dokument mit Abbildungen und Quellen finden Sie links zum Download.

Automatisierte Vermögensverwalter: Was ist das?
Automatisierte Tools zum Vermögensmanagement können als eine Kategorie von Finanzberatern beschrieben werden, die Online-Portfoliomanagement mit minimaler menschlicher Beteiligung anbieten.4 Mit anderen Worten: Es handelt sich um IT-Plattformen, die auf Algorithmen basierend, automatisierte Anlagelösungen für ihre Kunden schaffen. Statt zeitintensiver, persönlicher Gespräche offerieren sie benutzerfreundliche Schnittstellen und einen Prozess zur individuellen Erstellung von Risikoprofilen, um eine optimale Vermögensaufteilung für die Portfolios der Anleger festzulegen. Die meisten dieser Berater beschränken sich nur auf Portfoliomanagement. Sie gehen nicht auf verwandte Themen der Finanzplanung wie Immobilien oder Kapitalflussmanagement ein.5 Die IT- Plattform (ebenso wie ein menschlicher Berater) befragt die Kunden, wer sie sind und worauf sie sparen, um ihre finanzielle und persönliche Situation zu beurteilen. Darauf basierend erstellt der Algorithmus gemäß Lehrbuch maßgeschneiderte Empfehlungen, die zum Aufbau eines optimalen Portfolios verwendet werden (z. B. stabilere Anleihen für Personen kurz vor dem Ruhestand oder volatilere Aktien für einen jüngeren Anleger). Ist der Kunde mit dem Vorschlag einverstanden, so weist das System die ihm anvertrauten Kundengelder jenen Fonds zu, die den Zielen des Kunden am besten entsprechen und gewichtet die Vermögen bei Marktbewegungen resp. Ein- und Auszahlungen neu. Ein im Economist veröffentlichter Artikel zeigt, dass fast alle automatisierten Vermögensverwalter dem Kunden ein Portfolio aus Indexprodukten anbieten, die kostengünstig große Anleihen- oder Aktienindizes nachbilden.6 Laut der Financial Times betragen die Gesamtkosten 0,5 % des Volumens oder weniger. Sie liegen unter den für Standardberatung und Vermögensverwaltung für Privatkunden üblichen 1,5 % bis 2 % (vgl. Abb. 2).Eine von der Beratungsfirma A.T. Kearney durchgeführte Studie zeigt, dass die Beliebtheit sprunghaft ansteigen wird: Im Dezember 2014 wurden die von Robo-Beratern verwalteten Vermögen auf USD 19 Milliarden geschätzt8; es wird jedoch ein Anstieg um 68 % pro Jahr auf rund USD 2,2 Billionen bis 2020 erwartet (vgl. Abb. 1). Rund die Hälfte dieses Betrags dürfte aus Mitteln stammen, die bereits angelegt sind, der Rest hingegen aus noch nicht angelegten Vermögenswerten.9

Was sind die Chancen und die Herausforderungen?
Derzeit ist Wealthfront in diesem schnell wachsenden Bereich führend, aber es gibt zahlreiche andere Anbieter wie Betterment, FutureAdvisor, Nutmeg etc. (vgl. Abb. 2). Wir gehen davon aus, dass Robo- Beratungsdienstleistungen sich in den kommenden Jahren zum Mainstream entwickeln werden, insbesondere die Millennials sind große Fans. Wealthfront gibt an, dass 90 % seiner Kunden jünger als 50 Jahre und 60 % jünger als 35 Jahre sind.10 Die Unternehmen versprechen den Kunden, durch niedrige Verwaltungsgebühren und die Vermeidung teurer Anlageprodukte Geld zu sparen. Ein weiteres wichtiges Verkaufsargument für automatisierte Vermögensverwaltung ist das Versprechen, dass diese Firmen über die Jahresgebühr hinaus keine weiteren Gebühren von ihren Kunden verlangen.11
Bislang hat die Regulierung Robo-Berater beim Einstieg in das Geschäft unterstützt. Die Unternehmen betonen, dass die Vermögenswerte von dritten Depotbanken gehalten werden. Anleger würden demnach kein Geld verlieren, wenn eines der Unternehmen den Geschäftsbetrieb einstellt. Alle Institutionen werden von der gleichen Behörde reguliert wie die traditionellen Finanzintermediäre.12 Aus unserer Sicht bestehen bei diesen automatischen Vermögensverwaltern jedoch gewisse Herausforderungen, die berücksichtigt werden müssen:

  • Erstens: Ihr Track Record ist begrenzt: Daher ist es durchaus nicht unüblich, dass einige Anleger in einem ersten Schritt nur einen geringen Anteil ihrer Anlagen bei diesen Firmen platzieren.
  • Zweitens: Würden Menschen einen großen Anteil ihres Geldes einem IT-System anvertrauen, das auf einem Algorithmus basiert? Wir glauben, dass besonders in der Vermögensverwaltungsbranche der menschliche Kontakt extrem wichtig ist. Darüber hinaus ist ein passiver Ansatz für Anleger mit komplexen finanziellen Bedürfnissen möglicherweise nicht geeignet, weil dieser im Prinzip eine „Einheitslösung“ darstellt.13
  • Drittens: Der Fragebogen kann hilfreich, aber auch irreführend sein, denn viele Menschen neigen bei guter Marktentwicklung zu übermäßigem Optimismus und umgekehrt. Das heißt, die meisten Anleger haben wenig Gespür, wie viel Risiko sie aushalten können. Daher könnte ein guter menschlicher Berater ihnen dabei helfen, ein Portfolio zusammenzustellen und Fehlverhalten und Fallstricke zu vermeiden.14
  • Viertens: Aufgrund der zunehmenden Attraktivität steigt die Wahrscheinlichkeit für Systemfehler wegen Computerfehlfunktionen oder gar Datenlecks. Wir glauben daher, dass Themen der IT-Sicherheit sich am stärksten auf den künftigen Erfolg automatischer Vermögensverwalter auswirken werden.

Fazit
Wir glauben, dass automatisierte Vermögensverwalter ein neues Element im Beratungsgeschäft darstellen. Derzeit sind diese Wettbewerber noch nicht groß genug, um nachhaltig profitabel zu sein. Die Wachstumsraten sind zwar attraktiv, aber um in dieser Branche Erfolg zu haben, müssen sie unserer Auffassung nach Hunderte Milliarden an Vermögen verwalten. Darüber hinaus müssen sie die heute 20- bis 30-jährigen Kunden überzeugen, über die nächsten Jahre hinweg den automatisierten Dienstleistungen treu zu bleiben.
Wir sehen auch Herausforderungen: Die Algorithmen der Robo-Berater erfassen beispielsweise nicht den Umfang und den Charakter des Humankapitals eines Anlegers. Die Einkommensströme der meisten wohlhabenden Anleger ähneln einem illiquiden, festverzinslichen Anlageinstrument. Zudem ist sehr oft ein erheblicher Vermögensanteil konzentriert und gebunden in einem privaten Familienunternehmen.15 Schließlich glauben wir, dass die IT-Plattformen dieser Unternehmen absolut sicher sein müssen, denn ohne eine geeignete IT-Sicherheitsumgebung ist das Potenzial automatisierter Vermögensverwalter tendenziell begrenzt.
Unserer Meinung nach ist das Anlagethema IT-Sicherheit für langfristig orientierte Anleger sehr reizvoll und steht erst am Anfang eines langfristigen Wachstumszyklus. Daher gehen wir davon aus, dass Anlagen in diesem Bereich künftig zunehmen werden. Aus diesem Grund halten wir Beteiligungen an führenden Unternehmen und innovativen Lösungsanbietern für Big Data, Business Intelligence und Netzwerksicherheit.