“Unser Ziel ist es, Frankfurter Startups investitionsfähig zu machen!“

Maria Pennanen, Mitbegründerin des Accelerator Frankfurt, spricht im Interview mit altii über den Nutzen von Accelerators für Startups, Investoren und etablierte Unternehmen, die Zukunft Frankfurts als FinTech Hub und den Ansatz des Accelerator Frankfurt.

altii: Hallo Maria, bitte beschreibe uns doch wie Du zu dem Projekt Accelerator Frankfurt gekommen bist und was es damit auf sich hat.

Maria Pennanen: Ich habe seit Jahren mit einzelnen Startups gearbeitet und mich immer wieder gefragt, wie man dies effektiv gestalten könnte. Gleichzeitig hat Ram Shoham, Mitgründer von Accelerator Frankfurt, eine Studie über Startup Hubs erstellt und herausgefunden, was für ein erfolgreiches Ökosystem notwendig ist. Frankfurt hat alles, was dazu benötigt wird, außer den Acceleratoren. Daher haben wir uns entschieden, den ersten Accelerator in Frankfurt zu gründen. Accelerator Frankfurt ist ein internationales, viermonatiges Programm, welches Betreuung, Coaching, Büroräume und professionelle Services für Startups im Wert von über 40.000€ je Startup anbietet. Wir akzeptieren Internetunternehmer, die sich bereits jenseits der Ideenphase befinden und über das Potential verfügen, einen internationalen Maßstab zu erreichen. Das Programm konzentriert sich auf Startups aus den Bereichen FinTech, RegTech, InsureTech, Cybersecurity und WebTech. Unser Ziel ist, die teilnehmenden Startups investitionsfähig zu machen.

altii: Wie helft ihr den Startups denn ganz konkret?

Maria: Wir geben den Startups konkrete Hands-on Hilfe, damit diese fokussiert arbeiten können und mit Themen wie Legal, digitales Marketing, UX (user experience), Partnerfindung u.a. keine Zeit verlieren. Die Startups sollen die Chance bekommen sich in dem vier Monate langem Accelerator Programm voll auf ihr Produkt konzentrieren zu können. Zusätzlich bieten wir auch B2B Verkaufsunterstützung und PoC (proof-of-concept) an. Das Programm beschleunigt zwei Jahre Arbeit auf bis zu vier Monate. Das ist aber nur möglich, wenn die Startups hart arbeiten, wobei wir sie bei jedem Schritt unterstützen. Unser Erfolg ist abhängig von dem in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu erfolgendem Exit.

altii: Was ist Euer Business Modell?

Maria: Wir beteiligen uns mit 5 bis 8% an den Startups und arbeiten eng mit Unternehmen und relevante Akteuren zusammen, die das Programm finanzieren. Die Firmen sind interessiert daran, Accelerator Frankfurt zu fördern, weil wir ihnen einen Zugang zu ausgewählten Startups bieten. Wir bieten die Möglichkeit, Innovation mit begrenztem Risiko zu testen. Nicht zu vergessen sind die potentiellen neuen Kunden oder Kooperationspartners nach der Beschleunigungsphase.

altii: Wie kommen die Startups zu Euch. Gibt es einen Bewerbungsprozess?

Maria: Die Startups erreichen uns durch Empfehlungen von Investoren, unsere Mentoren und Geschäftspartnern aber natürlich auch durch unsere Bewerbungsprozesse. Wir haben in den letzten Wochen mehrere Male Vorstellungsgespräche in Helsinki (FiBAN pitching events und Arctic15), in Israel und natürlich auch hier in Frankfurt geführt.

altii: Was sind Eure Erwartungen an den Standort Frankfurt?

Maria: Wir glauben Frankfurt hat ein enorme Zukunftspotential. Es kann der Fintech Hub von Europa werden. Das Notwendige ist vorhanden: Finanzierung, Marktreichweite, Talent, Regierungsunterstützung und mit der Zeit auch eine gute Mischung aus Acceleratoren. Die kommende Frankfurter Fintech-Zentrum Initiative vom Hessischen Ministerium unterstützt durch Frankfurt Main Finance ist ein wichtiger Ansatzpunkt in diesen Prozessen. Auch der Accelerator Frankfurt wird seinen Firmensitz in dem neuen Fintech-Zentrum an der Messe beziehen. Die ersten Wochen werden sicherlich spannend verlaufen, denn unser Programm fängt am 19. September an. Nach den letzten Informationen öffnet das Fintech-Zentrum erst am 1. Oktober. Wir machen uns aber keinen Stress, denn wir haben schon mehrere Angebote von Banken und Fintechs für temporäre Büroräume.

altii: Für welche Investorengruppe ist Euer Ansatz interessant?

Maria: Vorrangig  für Risikokapitalgeber wie VCs und Business Angels. Wir wollen besonderes den privaten Business Angels in der Rhein-Main Umgebung eine Möglichkeit geben, sich mit Startups auf einer regulären Basis zu beschäftigen. Auf Dauer ist unser Plan, wie die meisten Acceleratoren in Israel und Finnland, einen Fonds zu lancieren. Der Fonds soll in die Startups investieren, und somit auch für institutionelle Investoren interessant werden.

altii: Wann geht es los?

Maria: Unser Bewerbungsprozess ist jetzt offen. Wir nehmen Bewerbungen bis Ende Juli an, aber die Interviews mit potentiellen Startup-Kandidaten haben schon angefangen. Mit Beginn des Programms am 19. September geht es dann richtig los! Alle ausgewählten Startups und unsere internationalen Mentoren werden dann nach Frankfurt kommen. Wir sind sehr gespannt und freuen uns auf den Start. Frankfurt hat alles, was man braucht um einen Fintech Hub aufzubauen. Jetzt ist es Zeit das gemeinsam dem Rest der Welt zu zeigen.

Über Maria Pennanen:
Maria Pennanen ist Investorin und erfahrene Managerin mit fundierten Erfahrungen im B2B-Vertrieb und Marketing innerhalb von Europa und Asien. Maria Pennanens Leidenschaft ist es Startups und KMUs mit ihren Erfahrungen zu unterstützen, die Geschäftsstrategien umzusetzen und international zu etablieren. Zudem engagiert sie sich in zahlreichen deutschen und finnischen Startups; Savedo, Clark, SolarisBank and Newolo sind einige Beispiele davon. Mit über 18 Jahren Erfahrung in dem Bereich Entrepreneurship, hat Maria Pennanen über hundert Startups begleitet und beraten. 

Über Accelerator Frankfurt:
Accelerator Frankfurt wurde im Herbst 2015 von Ram Shoham gegründet, der eine klare Marktlücke für ein unabhängiges Acceleratorprogramm für das Bankingkapital Europas erkannt hat. Basierend auf seiner Forschung wusste er, was erforderlich sein würde, um ein erfolgreiches Startup-Ökosystem zu erschaffen. Seine Erfahrung aus dem Startup-Land Israel und seine lange Unternehmenserfahrung aus Amsterdam, Hong Kong und Shanghai gaben ihm die Gewissheit, dass Frankfurt über alle Voraussetzungen dafür verfügt zu einem bedeutenden Startup-Knotenpunkt zu werden. Mitbegründerin Maria Pennanen, ein Business Angel und eine Startup-Beraterin, trat 2016 dem Programm bei, um es durch ihr Netzwerk und ihre Erfahrung beim Investieren in und Beraten von MNCs, SMEs und Startups in Deutschland und Finnland zu unterstützen.

Kontaktinformationen:
http://acceleratorfrankfurt.com
Twitter @accelerator_ffm
E-Mail mariapennanen@me.com & ram@acceleratorfrankfurt.com
Phone: +49 162-6183448/ Maria Pennanen +49 162-6183992/ Ram Shoham

How to hedge against uncertainty

Gold and precious metals remain the best assets to face market uncertainty, as demonstrated in the past with the global financial crisis and again recently with the UK decision to leave EU. Continued low inflation, slowing manufacturing production and a return to recession are scenarios that should be considered in investor’s next allocation decision. Stocks with resilient revenues should be favoured to protect the portfolio against downside risk during periods of slowing manufacturing production. An allocation into small cap during periods of rising global leading indicator improves the return of a standard portfolio of 40% bonds and 60% equities by 35%.

With the Fed less likely to hike rates, the upcoming US presidential election, UK leaving EU, the ECB adding more stimulus to support EU economies and China struggling to meet growth expectation, 2016 has been so far a challenging year for investors. News and rumours are dictating market movements across the board. Asset classes are moving in tandem as challenges reshape the world. In such a volatile environment, short term tactical trades are favoured with investors forced to review their allocation strategies more often than intended.

In this note, we show the best and worst performing assets under different scenarios based on manufacturing production, inflation and leading indicators. We also look at how to use these assets in a portfolio as a hedge or to outperform.

Gold and precious metals – the best assets to face uncertainty

Contrary to evidence from electoral polls, the shocking EU Referendum result for the UK to exit the Union sent financial markets into a panic. Investors need to be able to hedge their portfolio against shocks where assets across the board are sold off aggressively due to unexpected events.

We looked at how each asset class performed six months following three recent financial crises: the global financial crisis, the Arab Spring and the Chinese market closure.

The above chart shows that gold and precious metals remain the best assets to hold in a portfolio during periods of high market uncertainty. After each market shock, gold returned 21%, 22% and 24% (non-annualised), while a precious metals basket returned 15%, 30% and 23%. Bonds also tend to perform well during these periods.

Stocks with resilient earnings – a protection from the downside

The future of the UK and the EU is adding to global financial market uncertainty, which could in turn impact economic growth. Which assets stand out in periods of slowing growth?

The above chart shows the best and worst performing assets during periods of slowing global manufacturing production. The returns represent the average monthly returns of assets during the months where global manufacturing indicators were at the lowest over the past ten years.

Stocks with resilient revenues such as energy MLPs, Cybersecurity or small caps tend to perform best because of the nature of their businesses. Clients of midstream MLPs tend to sign contracts over the long term while demand for niche businesses such as cybersecurity tend to be inelastic to price and non-cyclical.

Combining inflation and growth indicators

In this section, we are analysing assets performance under four different economic scenarios that combine global inflation and growth.

As summarised in the below table, we observed that during periods of slowing growth, energy MLPs and cybersecurity perform well regardless of inflation.

China and EM stocks, as well as robotics are ranked among the top ten performers during low inflation periods regardless of global growth, while EM bonds are ranked sixth in a high inflation and slowing growth environment.

Agricultural commodities are more concentrated in the bottom right of the table where inflation is high and growth is rising.

Metals with industrial applications benefit most from a rising growth environment regardless of the inflation dynamics, while gold performs best in high inflation periods alongside slowing growth.

Looking at the table, it is interesting to note that US small cap stocks are ranked among the top ten performers in three out of the four scenarios, the exception being in growing manufacturing production and high inflation environment.

The case for small caps

Based on the previous scenario analysis, we have devised a relative trade strategy between small caps and large caps and analysed the impact on the portfolio’s risk/return profile.

In our analysis, we use a portfolio of 60% global large caps and 40% global bonds as our benchmark and we use an in-house global leading indicator as a trade signal. When the global leading indicator is rising, signalling an economic expansion, the portfolio allocates the 60% equity component into small caps. When the global leading indicator is declining, signalling a slowdown in economic growth, the portfolio re-allocates the equity component into large caps at 60%.

The above chart shows that the relative trade portfolio with small caps replacing large caps during expansionary periods outperformed the benchmark by 35% over a period of 17 years, posting an information ratio of 0.6.

The relative trade portfolio strategy also enhances the Sharpe ratio from 0.42 with the benchmark to 0.58.

Externer Vertrieb als Zukunftsmodell auch für den deutschen Markt

Alexandra von Kalnein, Hyde Park Investment 

Third Party Marketers bieten exklusiven Zugang zu Risiko-optimierten Anlagestrategien von internationalen Asset Managern ohne deutsche Präsenz 

Third Party Marketers sind in angelsächsischen Ländern auch unter dem Namen Country Introducer oder Investment Marketing Services seit vielen Jahren bekannt. In Deutschland hat sich dieser Dienstleistungsbereich bis jetzt noch nicht überzeugend etablieren können und leidet vereinzelt unter dem zweifelhaften Ruf der Placement Agents. Das soll sich ändern, um der generellen Strukturveränderung der Asset Management Branche hin zu einem Aufbrechen der Wertschöpfungskette Rechnung zu tragen! Ursprünglich entwickelte sich diese Art des externen Vertriebs in der Private Equity und Hedgefondsbranche in den 90er Jahren. Den damals relativ kleinen Finanzunternehmen fehlten das Netzwerk und die Kontakte zu institutionellen Investoren, den "Limited Partners", für die Beteiligungen und geschlossene Fonds in Frage kamen. In diese Lücke sprangen unabhängige Berater, oft ehemalige Vertriebsexperten etablierter Fondsgesellschaften oder Investmentbanken. Damit war die Branche des Third Party Marketing geboren. Im Zuge der Finanzkrise suchten Investoren ab 2008 zunehmend nach diversifizierten Produkten abseits der etablierten großen Anbieter und dies nicht nur im Hedge Fonds sondern auch im Long-Only Bereich, so dass sich das Produktangebot und auch die Investoren Basis der Third Party Marketers ausweitete.

Ein Third Party Marketer ist im Hinblick auf das Geschäft hierzulande ein externer Experte, der für eine Reihe ausgewählter, in Deutschland überwiegend ausländischer Fondsgesellschaften die Vertriebs- und Kundenbetreuungsaktivitäten vor Ort übernimmt. Je nach Investoren Profil konzentriert sich der Third Party Marketer dabei auf institutionelle oder private Anleger. Hierzulande hat sich bis jetzt allerdings der institutionelle Vertrieb durch Third Party Marketers nur bedingt und der Retail (bzw. Wholesale) Vertrieb in Nischen-Assetklassen bzw. Produkten etabliert. Insgesamt gibt es rund ein Dutzend Kleinanbieter, die eine Reihe von Gesellschaften vertreten. Ihre öffentliche Präsenz ist gering und eine Vernetzung untereinander findet so gut wie nicht statt. Auf Seiten institutioneller Investoren, wie etwa Pensionskassen, Versicherungsunternehmen im Rahmen des Deckungsstock Vermögens, Depot A Manager von Banken und Sparkassen sowie Investment Consultants wird nur selten ein Third Party Marketer als ernsthafter Ansprechpartner wahrgenommen. Anders in den angelsächsischen Ländern: Mit über 100 Third Party Marketers in den USA und UK hat sich der Bereich in den vergangenen zehn Jahren immer weiter professionalisiert. Dafür sorgen auch die internationalen Branchenorganisation The Third Party Marketers Association ("3PM") in den Vereinigten Staaten oder Euro-3PM in England, deren Mitglieder sich rigiden Vorschriften und Transparenzregeln verschreiben.

Dabei kann gerade ein Third Party Marketer bei Auswahlprozessen Zugang zu ausländischen Spezialanbietern und "Exoten" bieten, der über die bekannten Branchenteilnehmer und deren Produktangebot hinausgeht. Ein professioneller Third Party Marketer trifft das Portfolio Management des vertretenen Fonds oder Strategien regelmäßig und ist sehr gut mit den Investmentprozessen der von ihm vertriebenen Produkte vertraut. Ein Due-Diligence Prozess wird vor Aufnahme der relevanten Gesellschaft und Produkte durchgeführt. Dieser Prozess ähnelt dem von Investoren und Consultants insofern, dass er über das reine Performance-Reporting hinausgeht und noch eine qualitative Prüfung der Prozesse bei den in Frage kommenden Managern vor Ort durchführt. Hinzu kommt weiterhin eine “Machbarkeits-Analyse”. Hier enden allerdings auch schon die Überschneidungen, denn Third Party Marketers stellen weder ALM-Studien aus, noch gestalten sie einen Manager-Search oder erstellen die Asset-Allokation für ihre Investoren. Im Gegenteil: Consultants gehören zum Kundenstamm und sind bevorzugte Ansprechpartner, mit denen sich regelmäßig über Marktbewegungen und Trends ausgetauscht wird. 

Es lässt sich darüber streiten, ob ein externer Vertriebsexperte über ein umfangreicheres Wissen verfügt als ein angestellter Kollege. Die Unabhängigkeit sowie die vertriebsabhängige Vergütung sind allerdings aussagekräftige Merkmale, die für den Third Party Marketer sprechen. Third Party Marketers werden ausschließlich auf Basis ihres Erfolges (gemessen am akquirierten Fondsvolumen) von der Fondsgesellschaft vergütet. Die Gebühren für Investoren sind die gleichen wie bei Fondsgesellschaften mit hauseigenem Vertrieb.

Generell sind die Akzeptanz und das Ansehen gegenüber Vertriebskollegen in den USA und Großbritannien höher. In Großbritannien ist die Entwicklung ebenfalls weiter fortgeschritten und professionalisiert: Hier verfügt ein nicht geringer Teil der Mitarbeiter von Third Party Marketers über Qualifikationen wie etwa dem Chartered Financial Analyst (CFA) oder setzt sich aus ehemaligen Portfoliomanagern zusammen. Sie werden daher von Investoren als ausgewiesene Kundenberater mit sehr gutem Kenntnisstand wahrgenommen. In Deutschland wird ein Vertriebskollege oft noch geringschätzig als "nur Verkäufer ohne Fach- und Produktkenntnis" oder aber als Placement Agent mit reiner Vermittlungs- und keiner langfristigen Kundenbetreuungsfunktion betrachtet. An dieser Einstellung haben auch einige prominente Wechsel von ehemaligen Portfoliomanagern wie auch Consultants zum Vertrieb von Fondsgesellschaften noch nichts geändert. 

Das hat allerdings auch mit der Größe des und der Investoren Struktur des UK-Marktes zu tun. Hier werden wesentlich größere Volumina in allen Assetklassen (also auch beratungsintensivere Mandate wie Aktien, Hedgefonds oder strukturiere Produkte) angelegt und diese zum großen Teil durch lange etablierte Third Party Marketers akquiriert. Für viele Fondsgesellschaften mit unter zehn Mitarbeitern sowie weniger als fünf Milliarden Euro Assets under Management, lohnen sich die Kosten für den eigenen Vertrieb kaum. In Deutschland sieht die Praxis bisher anders aus – ein hauseigener Vertrieb wird ausdrücklich auch bei kleinen Fondsanbietern präferiert. Darüber hinaus nehmen einige deutsche Consultants nur Häuser mit physischer Präsenz in Auswahllisten für Investoren mit auf. Ob dies in Zeiten der Hyperdigitalisierung und 24-stündiger Vernetzung weiterhin notwendig ist, kann angezweifelt werden. Als Ansprechpartner für Investoren lohnt sich ein Third Party Marketer, wenn das zu veranlagende Investitionsvolumen generell bei über fünfhundert Millionen Euro liegt und eine gezielte Diversifikation aus dem Heimatmarkt – in dem Fall Europa – gesucht wird, die die Präsenz von Nischenanbietern rechtfertigt.

Der Investmenthorizont deutscher institutioneller Investoren ist nach wie vor nicht genügend auf langfristig ausgerichtete Verbindlichkeiten ausgerichtet: Die deutschen Bilanzvorgaben vermeiden weiterhin einen möglichen Kapitalverlust am Jahresende – anders als in den USA oder auch Großbritannien. Weiterhin stellt die Einführung der Solvency II Regeln besonders die Versicherungsindustrie vor besondere Herausforderungen. Im sechsten Jahr der anhaltenden Niedrigzinsphase besteht daher besonders bei deutschen Investoren die Notwendigkeit, höherrentierende Produkte als Satelliten in ihrer Assetallokation zu berücksichtigen, damit Verbindlichkeiten langfristig gedeckt werden können. Der Trend unter jüngeren deutschen Marktteilnehmern gerade im Bereich der Family Offices und Privatbanken aber auch bei einigen Pensionsfonds geht bereits in diese Richtung. Teilweise auch aus der Enttäuschung gegenüber großen etablierten Fondsgesellschaften heraus, denen es im Gegensatz zu Investment-Boutiquen mit ihren schlanken Strukturen und Kosten eindeutig schwerer fällt, höher rentierende Satellitenprodukte anzubieten.

Die umfangreiche Kenntnis des deutschen Fondsmarktes, seiner regulatorischen Gegebenheiten und Feinheiten, die KWG32-Zulassung sowie langjährige Erfahrung in der Betreuung institutioneller als auch Wholesale Portfolien sind für den Third Party Marketer als Ansprechpartner für deutsche Investoren und ausländische Fondsgesellschaften Voraussetzungen für den Erfolg. Eine paneuropäische Präsenz mit einer nachgewiesenen, lokalen Markterfahrung, sowie eine ausreichende Regulierung und damit auch qualitative Erfüllung der Voraussetzungen der jeweiligen Finanzdienstleistungs Aufsichtsbehörden ist für erfolgreiche Third Party Marketer heute zwingend notwendig: Nur mit einer seriösen Investoren-Betreuung in mehreren Ländern lassen sich die besten Spezialanbieter und Investment-Boutiquen auf übergreifende und langfristige Vertriebsverträge ein. Zumal auch durch die Bündelung der Aktivitäten in mehreren Ländern Kostensynergien gehoben werden können. 

Deutsche Investoren sollten daher in der Zukunft auch Third Party Marketers und ihren Nischenprodukten mehr Gehör schenken.

Über Hyde Park Investments:

Hyde Park Investment (HPI) wurde 2004 von Hako Graf von Finckenstein als Third Party Marketer in London gegründet, um institutionellen Investoren Zugang zu Strategien und Produkten ausgewählter erfolgreicher Fondsgesellschaften ohne eigenen europäischen Vertrieb zu gewähren. Seither hat sich das Unternehmen als einer der führenden Vertriebspartner alternativer sowie traditioneller Fonds für Investoren etabliert: HPI ist europaweit an vier Standorten mit Büros in Großbritannien, Deutschland, Malta und der Schweiz vertreten und hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als fünf Milliarden Euro Kapital für Fondsmanagement-Kunden akquiriert.

Über Alexandra von Kalnein:

Alexandra Gräfin von Kalnein (51), leitet als Geschäftsführerin das Deutschlandgeschäft des europäischen Third Party Marketers Hyde Park Investment seit Januar 2015 von Frankfurt aus. Sie ist Partner des ursprünglich 2004 in London gegründeten Unternehmens und verfügt über mehr als 22 Jahre Erfahrung im institutionellen Vertriebsgeschäft in Deutschland, Österreich und Frankreich unter anderem bei JP Morgan Investment Managers, Axa Investment Managers und M.M. Warburg. Sie war neben ihrer Präsenz in Deutschland auch in den USA und Frankreich tätig und ist viersprachig (Englisch, Französisch, Spanisch). In den USA war sie für den Third Party Marketer EMG Selector Capital Management als Director tätig und hat 2012 als Gründungsmitglied der Multi Boutique Marketers Luxemburg aufgebaut. Frau von Kalnein ist studierte Betriebswirtin und hält einen Executive MBA.

Kontakt:

Alexandra von Kalnein
Managing Director
HYDE PARK INVESTMENT
Freiherr vom Stein Str. 7
60323 Frankfurt
T: +49 69 3487 92424
ak@hydeparkinvestment.com

"Our Convertible Bonds mandate is benefitting from higher levels of volatility!"

In the current issue of the ifund manager interview Davide Basile explains how he leads the RWC Global Convertibles Fund. He talks about his risk-adjusted investment approach and how he constructs the portfolio.

ifund: What is your fund all about and what differentiates it from your competitors?

Davide Basile: Our fund aims to achieve high risk-adjusted returns from a diversified portfolio of global convertible securities and combines four main sources of return: bottom-up equity security selection; top-down macro and thematic positioning; careful credit analysis; and the blending of the derivative features of convertibles. Our team aims to capture 60-70% of the upside in equity markets but only 20-30% of the downside. We offer our investors a balanced exposure to the best traits of the convertible bond asset class. The fund is long-only, invests globally and is not managed against an index although over the long term it aims to outperform the broad convertible bond indices. We aim for a ‘delta’ (sensitivity to the equity markets) of approximately 30-50% and place a strong emphasis on maximising the convexity of returns, enabling the strategy to outperform over a market cycle and offer superior risk-adjusted returns to its investors. Our main differentiators can be summarized as follows: The discipline of offering clients pure exposure to the Convertible asset class through a global unconstrained fund. We don’t invest in any synthetic structures, equities or straight debt and only employ derivatives to hedge out currency exposure which allows us to provide our investors with the purest exposure to the asset class. The team’s approach to the asset class and discipline regarding implementation and risk management. We have developed a bespoke and unique approach to risk management. Proprietary tools allow us to disaggregate risk from an equity, credit, interest rate and optionality perspective and allows us to provide our clients with a very high level of transparency of information on the fund’s exposures on a monthly basis.

ifund: How do you add value for your investors?

Basile: We follow an active approach to managing convertible bonds and have centered our approach to the asset class around our discipline in regard to implementation and risk management. My team and I are solely dedicated to managing convertible bond portfolios ensuring that we do not have a bias to the bond or equity component and always aim to be objective in the assessment of both individual bonds and the structure of the portfolio. We place a strong emphasis on maximising the convexity of returns, enabling the strategy to outperform over a market cycle and offer superior risk-adjusted returns, placing particular emphasis on analysing convertibles from a fundamental aspect both in relation to the bond component and the equity component. We incorporates the option/volatility aspects of the bond’s payoff enabling them to achieve a broader perspective on convertible valuations. An understanding of this approach is important in identifying how we have generated significant value in the past.

ifund: How do you generate investment ideas?

Basile: We have developed a strong value-based approach which focuses on both the bottom-up fundamentals and the structural dynamics of convertible bonds. We continuously assess the macroeconomic landscape, in terms of return opportunities and the risks to those views. We consider bonds, equities and currencies to build a top-down framework which represents the global environment, in both equity and credit markets. We then incorporate our thematic and sector views, scaling each depending on deviation from fair value, conviction levels and the perceived risk/reward. With this structure established, we look at the equity value component of convertible issuers; we believe that consistent application of value disciplines is key to outperforming over the long-term. Our individual security selection process starts with a rigorous screening of the whole convertible bond universe. We have created models which allow us to analyse companies, without reliance on broker recommendations and earnings projections, across markets and sectors. In this way we can maximise the global opportunity set. These models are a distillation of the whole team’s thinking and long investment experience; they are intuitive and transparent. Our stock selection is therefore based on solid rationale as to why relative value should persist, and not on back-testing.

ifund: How is your team structured and who is responsible for the investment decisions?

Basile: Our team is made up of myself as the lead portfolio manager, Esther Watt who supports me with portfolio construction and Michelle Shi who is in charge of research. We are supported by Makeem Asif and Uday Sikand, both of whom provide dedicated analyst resource. As the lead portfolio manager, I have ultimate responsibility for the positioning, sizing and risk management although we tend to reach a common view amongst the team through continuous discussion most of the time. Given the size of our team, it is easy to reflect changes of view rapidly within the portfolio as we are not limited by an investment committee. Before RWC I was responsible for a similar strategy during my tenure at Morgan Stanley where I was the Head of Global Convertibles and the lead manager for the $1bn Global Convertibles fund and responsible for assets of approximately $1.5bn in total (at peak). I have extensive long-only convertible bond portfolio management expertise and a proven track record.

ifund: In which market environment does your investment style work best?

Basile: The fund targets strong risk-adjusted returns through the full market cycle. The objective is to create a portfolio which captures the upside potential of equities with the downside protection of bonds. We tend to outperform over the full market cycle, however in periods of rapidly rising equity markets we tend to underperform given our bias towards a lower delta range, while we tend to outperform in stable and modestly rising equity markets in addition to declining equity markets given our lower equity sensitivity and higher exposure to volatility.

ifund: Where do you currently see the best potential and largest risks in the market?

Basile: As a team we still favour equities over any of the other major asset classes and feel that in the medium-term, markets will go higher, although we expect volatility to remain at heightened levels and therefore it is extremely important to build the right kind of exposure to the asset class. Convertible Bonds, and especially a balanced mandate like ours, can benefit from higher levels of volatility and allows investors to keep some exposure to the equity markets whilst offering protection to the downside. In terms of risks, we consider the current political environment as one of the largest risks in the market today. The upcoming US election and ongoing campaign as well as the strengthening of the fringe parties, both right-wing and left-wing in Europe and the upcoming UK referendum (Brexit) have added to uncertainty and increased volatility in the market. That said, issuance has been stable and valuations have come down this year adding to the attractiveness of the asset class. Our process is bottom-up driven and we do a lot of in-depth work and analysis on individual companies. This allows as to find attractive names and investment ideas even in times when the macro environment adds to uncertainty.

ifund: Which aspects of responsible investing do you consider in your investment process?

Basile: RWC is not currently a UN PRI signatory however we maintain a cluster munition policy implemented to prohibit investments in securities directly or indirectly related to cluster munitions. The prescribed list of banned investments is coded into the firm’s trading system Longview, thereby preventing trading activity in the securities.

ifund: How do you invest your own personal assets?

Basile: Due to my US citizenship I cannot invest in SICAV funds and hence have no personal assets in my own fund. I am however a large and growing shareholder of RWC and have been increasing my holdings in the company consistently since my arrival in 2010. The remainder of my personal assets are in real estate.

ifund: What do you do in your leisure time?

What is your preferred hobby and why? Basile: I have two young daughters with who I try to spend as much time with as possible. We enjoy going to the local parks and exploring London together. My wife and I also like going to the theatre, trying out new restaurants and travelling. I enjoy sports and try to work out at least three times a week to keep fit.

About RWC

RWC is a multi-disciplined, independent investment manager dedicated to the belief that well-defined investment philosophies, experience and a creative environment are essential ingredients for exceptional long-term returns. Our core principle is that fund managers should be unconstrained in their investment approach, focused on real risks and aiming for strong total returns over the long term. This underpins our goal to maintain a sustainable organisation where our clients have the conviction that our interests are served best by meeting their long-term objectives. RWC’s culture has become its strength. Our people both define the culture and drive its evolution. Based on simple principles of ethics, quality and enjoyment, our culture underpins the overall organisation’s health. Our structure provides an environment in which talented managers can focus on delivering performance and clients can expect the highest fiduciary standards. Our firm AUM was €10bn, as at 31st May 2016. * AUM includes assets managed under discretionary, segregated, and advisory-only mandates.

About ifund

ifund provides fund research, manager selection and asset management based on liquid investment funds. Clients include banks, asset managers, family offices, pension funds and insurance companies in Europe. ifund has signed the UN Principles for Responsible Investment and integrates sustainability criteria in fund analysis. www.ifundservices.com, info@ifundservices.com, +41 44 286 8000

About altii

alternative investor information (altii – altii.com) is the digital marketing and online portal for all asset management strategies in the German-speaking regions (D/A/CH). altii is focusing on institutional investors and has a public and a product area. For investors the service is free of charge. The portal www.altii.de/en is supported by a targeted newsletter and through clear social media campaigns. www.altii.com, info@altii.de, @altii_news,+49 69 57708987

 

“Menschen, Maschinen und Mustererkenner!“

altii war Gast auf der 13. Value-Konferenz von ACATIS. Die Themen waren für uns als zukunftsorientiertes Marketing- und Kommunikationsportal mit einem digitalen Fokus vom Start weg richtig spannend. Das Anwendungspotential von Künstlicher Intelligenz, Mustererkennung, Blockchain und die ganz persönlichen “Lebenslektionen” von Herrn Dr. Hendrik Leber waren interessante Informationen aus der Praxis eines Asset Managers. Am Ende der Veranstaltung war klar, das persönliche Gespräch mit einem “Vordenker” aus der doch eher traditionellen Finanzbranche war ein Muss.

altii: Herr Dr. Leber, auf Ihrer Value-Konferenz wurde viel über digitale Modelle und Künstliche Intelligenz gesprochen. Wie viel davon fließt in Ihre praktische tägliche Arbeit ein?

Dr. Hendrik Leber: In der Praxis können wir davon noch nicht viel nutzen. Im Bereich Künstliche Intelligenz forschen wir zurzeit hauptsächlich noch.
Als Vorstufe bei unserer Aktienanalyse nutzen wir seit vielen Jahren unseren selbstentwickelten Value-Server, der praktisch alle Aktiengesellschaften der Welt enthält. Um aus einem Investmentuniversum von rund 20.000 Aktien die besten herauszufiltern, ist eine maschinelle Unterstützung unerlässlich. Mit unserem Value-Server können wir die Firmen nach vielen verschiedenen Faktoren vorselektieren, z.B. nach hohem operativen Cash-Flow oder niedriger Volatilität. Zudem sehen wir die historische Entwicklung der verschiedenen Kennzahlen. Unternehmen, die wir für interessant erachten, betrachten wir mit unseren Bewertungsmodellen genauer. Wir zerlegen die Bilanz und blicken zehn Jahre in die Vergangenheit und zehn Jahre in die Zukunft. Zum Schluss können wir entscheiden, ob die Aktie aus unserer Sicht günstig, fair oder teuer bewertet ist. Banken und Versicherungen sind Ausnahmen, weil die Analyse komplexer ist.

altii: Wie lange dauerte der Aufbau des Value­Ser­vers?

Dr. Leber: 2003 hatten wir einen Physiker im Team. Er war ursprünglich in der Wetterforschung tätig und kann daher gut mit unklaren und fehlerhaften Informationen umgehen. Aus dieser Arbeit entstand der Value-Server, den wir seit seinem Aufbau kontinuierlich weiterentwickeln. Wir suchen nach unterbewerteten Firmen und erfolgversprechenden Mustern. Und um die besten Auswertungen zu erhalten, testen wir auch schon mal einen ganzen Sommer lang, mit einer Million Durchläufen. Das ist sehr arbeitsintensiv und nach außen nicht sichtbar. Auch führt nicht jede spezifische Suche zu einem positiven Ergebnis. 

altii: Was ist Ihr Hintergrund und wie hat alles angefangen?

Dr. Leber: Mit zehn Jahren habe ich meine erste Aktie gekauft. Mein Vater war sehr finanzorientiert. Er hat mir Wandelanleihen und Bezugsrechte erklärt und viele andere finanzielle Dinge. Nach meinem Abitur habe ich Betriebswirtschaft studiert, weil ich in einem Umfeld arbeiten wollte, in dem jeder der Beste sein kann. Irgendwann kam die Frage auf, wann mache ich mich selbständig. Direkt nach dem Studium war das nichts für mich, ich wollte erst einmal praktische Erfahrung sammeln und sehen, wie das Leben da draußen funktioniert. Erst nach meiner Zeit bei der Unternehmensberatung McKinsey und dem Bankhaus Metzler gründete ich 1994, zusammen mit meiner Frau, die heutige ACATIS Investment GmbH.

altii: Würden Sie aus heutiger Sicht etwas anders machen?

Dr. Leber: Ich würde heute kürzere und klarere Wege gehen ohne so viele Pirouetten. Ich interessiere mich für viele Sachen und habe Spaß daran, neue Dinge zu entdecken. Das macht mein Leben sehr abwechslungsreich, ist aber sehr zeitaufwendig. Aber der Spaß liegt im Entdecken und im Gehen des Weges. In Summe hätte ich meinen Werdegang aber auch in 2/3 der Zeit haben können.

altii: Sie bezeichnen sich als Value-Investor. Sie veranstalten die Value-Konferenz. Was zeichnet Sie als Value Investor aus und wie sind Sie dazu geworden?

Dr. Leber: Value – das ist genetisch! Wenn ich andere Value-Investoren treffe, stelle ich immer wieder fest, die denken alle gleich. Die ersten Fragen lauten: “Wieviel hast Du für Dein Hotel-Zimmer gezahlt?” - “Kann man bei dem Flug noch einen Rabatt aushandeln?” - Value-Investoren sind dauernd auf der Suche nach Rabatten, Schnäppchen und Sonderangeboten, d.h. nach Dingen, die mehr wert sind als sie kosten. Diese Denkweise ist nicht trainierbar, das hat man einfach in sich drin.
Im Studium habe ich gelernt, dass die Kapitalmärkte effizient sind. Eines Tages musste ich eine Firma aus dem Verpackungsmittelsektor verkaufen. Ich hatte nach dem Kapitalmarktmodell „CAPM“ genau ausgerechnet, was die Firma wert sein müsste. Es kam ein Betrag von um die 10 Millionen heraus. Ein interessierter Käufer wollte aber nur 5 Millionen bezahlen, und er war wenig empfänglich für meine CAPM-Argumente. Ich musste die 5 Millionen akzeptieren. 4,8 Millionen war der Buchwert. Also 200.000 Aufpreis und das war es dann. Meine  Erkenntnis daraus war: Die Theorie funktioniert in der Praxis nicht.
Weitere Erkenntnisse zog ich aus der Zeit der Treuhandanstalt, als die Kurse absurd hochschossen und wieder absurd tief fielen. Ich lernte, dass die Kapitalmärkte nicht stabil und Menschen gierig sind.
Mein Interesse war geweckt, und ich schrieb an Warren Buffett, um mehr zu erfahren. Ich bat ihn, mir seine Geschäftsberichte zu schicken, die ich bekam, nachdem ich 20$ für das Porto gesendet hatte. Diese Berichte habe ich einen Sommer lang gelesen und sie machten mir klar, Buffett hat einfach recht! Nach der Lektüre der Geschäftsberichte war das CAPM für mich Geschichte und ich hatte das Value Investing für mich entdeckt.

altii: Die Zinsen sind niedrig. Bleibt das so und was würde das für uns bedeuten?

Dr. Leber: Die Zinsen werden sehr lange niedrig bleiben. Es ist wie bei dem Zauberlehrling von Goethe. Der Vorgang kann nicht einfach gestoppt werden. Das sagte auch Richard C. Koo, der Chefökonom des Nomura Research Institute, auf unserer Value-Konferenz. Das Zinsniveau kann nicht einfach wieder angehoben werden. Mit den billigen Zinsen wird das Weltbild der Firmen, der Anleger und der Staaten justiert. Wären die Zinsen heute um drei Prozentpunkte höher, wären manche Staaten und Firmen pleite und vermutlich hätten auch einige Versicherungen mit Problemen zu kämpfen.
Wir haben eine finanzielle Repression und langsam merken die Menschen, dass ihnen etwas weggenommen wird. Es wundert mich, dass die Jugendlichen nicht laut aufschreien, denn die Älteren werden das Geld zunehmend aus dem System entnehmen, und dann wird für die Jüngeren nichts mehr übrig sein. Offensichtlich haben die wenigsten verstanden, was da auf sie zukommt.

altii: Die Blockchain wurde auf der Konferenz ausgiebig besprochen. Was wird die nächste große Herausforderung auf einen Horizont bis zum Jahr 2025?

Dr. Leber: Die Elektrifizierung des Autos wird die gesamte deutsche Industrielandschaft verändern. Es werden weniger bzw. andere Getriebe benötigt. Batterien und Ladestationen hingegen werden zunehmend mehr Nachfrage erfahren. Das wird den deutschen Mittelstand ziemlich durchschütteln, denn die Abnehmer von z.B. Zylinderkopfdichtungen und Einspritzpumpen werden weniger. Fast zeitgleich wird das selbstfahrende Auto kommen. Das wird die Städte verändern. Es werden weniger Autos gebraucht und die Innenstädte können enger bebaut werden.
Durch die Fortschritte bei der Künstlichen Intelligenz (KI) wird es zunächst schön und dann sehr schmerzhaft werden. Schön ist es beispielsweise, wenn Amazon eine tolle neue Produktidee liefert und Netflix einen interessanten Film vorschlägt. Die KI wird uns helfen, bis irgendwann die ersten Jobs in Gefahr sind, weil Maschinen effizienter sind und Menschen entbehrlich machen. Heute wird noch darüber gelacht, aber morgen wird es Realität sein und dann sind manche Jobs einfach weg.
Auch in der Finanzwelt werden wir große Veränderungen erleben. Schon heute haben Banken weniger Laufkundschaft und Filialen, Fonds werden an Börsen gehandelt und auf Internetplattformen werden Kredite vergeben. Auch die Anlageberatung per Computer wird schon eingesetzt. Künftig kommen auch hier die Inhalte von der Maschine und in kürzester Zeit ist aus dem ganzen Bankgeschäft ein Commodity geworden.

altii: Was passiert mit den Leuten, die hier freigesetzt werden?

Dr. Leber: Die Menschen werden das wegstecken. Das haben sie bisher immer nach mehr oder weniger langen Transitionsphasen. Es werden mehr Menschen im Dienstleistungssektor arbeiten, wo sie unentbehrlich sind. Computer scheitern noch vor so vermeintlich leichten Aufgaben wie eine Tür zu öffnen. Wie sollen sie Essen an den Tisch bringen oder so filigrane Arbeiten wie Haare schneiden erledigen?

altii: Brauchen Menschen denn nicht andere Menschen wegen der Sozialität?

Dr. Leber: Jetzt wage ich einmal eine Anti-These. Es gibt in Asien diesen Chat-Bot, dem sich die Leute anvertrauen. Jeder weiß, es ist ein Computer, der antwortet und dennoch „kommunizieren“ die Menschen mit ihm. Dann gibt es noch diesen Roboter, der aussieht wie eine Robbe und unter anderem in der Altenpflege eingesetzt wird. Wenn die Robbe gestreichelt wird, schaut sie den Menschen an, wackelt mit dem Kopf und blinzelt. Die Menschen fühlen sich mit diesem Roboter sehr wohl. Ein Hund hat eine ähnlich angenehme Eigenschaft, nur verliert er irgendwann das Interesse. Der Roboter nicht.

altii: Wie bereiten Sie sich bei ACATIS auf diesen umfassenden Wandel vor?

Dr. Leber: Für unsere Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz haben wir extra die Quantenstein GmbH gegründet. Hier arbeiten wir mit einigen Experten des Schweizer Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz (Idsia) zusammen. Zwei Stichworte hierzu sind Neuronale Netze und Deep Learning. Mein Ziel ist es, dass die Anlageentscheidung durch die Maschinen vorbereitet wird. Wir diskutieren bei uns, ob es dann noch Mitarbeiter braucht. Im Vertrieb vermutlich ja, im Marketing auch, aber im Bereich der Anlageentscheidung ist das schon fraglich. Wir haben eine bessere Chance, wenn wir die Maschinen nutzen. Sie werden uns viele Dinge abnehmen, und wir müssen uns darauf einstellen.

altii: Was zeichnet die Menschen aus, die heute die Investment-Entscheidungen bei Ihnen treffen?

Dr. Leber: Im Prinzip sind wir Mustererkenner, Menschen die kombinieren und Sachverhalte beurteilen können, die von Maschinen noch nicht erkannt oder bewertet werden können. Viele Dinge kann man noch nicht maschinell aus einem Geschäftsbericht herausholen. Hierfür brauchen wir Menschen, die das Business-Modell verstehen und darüber nachdenken. Dabei geht es weniger um Kreativität sondern eher um die Durchdringung des Themas.

altii: Wie wichtig ist es mit Firmeninhabern oder CEOs von den zu erwerbenden Aktien und Firmen zu sprechen?

Dr. Leber: Für mich ist das nicht so wichtig. Manche meiner Kollegen brauchen das mehr oder weniger. Diese Management-Gespräche können trügerisch sein. Für mich lohnt sich viel mehr der Gang durch die Fabrik. Da sehe ich viel mehr. Manche Firmen versteht man erst, wenn man durch die Hallen marschiert ist. Da denkt man: „Aha, das ist das was ihr eigentlich macht!“ Im Bericht wird von Solutions gesprochen und in der Halle wird ein Stück Metall gepresst. Fazit: Ich will die beste Firma kaufen, nicht einen guten Präsentator.

altii: Vielen Dank für das Gespräch!

Über ACATIS Investment GmbH:
Die ACATIS Investment GmbH ist ein bankunabhängiger, selbst­ ständiger Vermögensverwalter, dessen Kernkompetenz das „Value Investing“ nach Benjamin Graham und Warren Buffett ist.
Das wertorientierte Anlegen ist eine Anlagestrategie, die aktiv ver­sucht, Aktien unter ihrem inneren Wert (Intrinsic Value) mit einer Sicherheitsmarge (Margin of Safety) zu kaufen. Diese Methodik ist seit rund 70 Jahren wissenschaftlich bekannt und praktisch er­ probt. Die Selektion der Wertpapiere erfolgt anhand einer Funda­mentalanalyse. Es werden gezielt Unternehmen ermittelt, deren Firmenwert als stabil und aussichtsreich eingeschätzt wird, die je­ doch zu Kursen deutlich unterhalb ihres Firmenwertes gehandelt werden. Diese kauft ACATIS in der Absicht, sie mehrere Jahre zu halten und erst dann zu verkaufen, wenn sie ihren fairen Wert er­ reicht haben. Aber auch andere Wertpapierklassen werden berück­ sichtigt. Daraus resultieren die langfristig positiven Ergebnisse der von ACATIS betreuten Fonds. Ziel ist es, langfristig die Rendite einer passiven oder trendorientierten Anlagepolitik zu schlagen.
ACATIS verwaltet seit 1994 institutionelle Vermögen nach dem Prinzip des Value­Investing und betreut heute zahlreiche Publi­kums­ und Spezialfonds. Das Spektrum beinhaltet Aktienfonds, Mischfonds, Rentenfonds und einen Dachfonds; alle Fonds werden nach dem Value­ Ansatz gemanagt. Drei Fonds verfolgen zusätzlich den Aspekt der Nachhaltigkeit. Der erste Publikumsfonds, der ACATIS Aktien Global Fonds UI, wurde 1997 aufgelegt.

Über Dr. Hendrik Leber:
1975 bis 1978 Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Uni­versität des Saarlandes und an der Hochschule St. Gallen
1978 bis 1979 Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Syra­cuse University New York und an der University of California at Berkeley, Abschluss mit einem M.B.A. der Syracuse University in „Finance and Accounting“
1980 bis 1983 Promotion an der Hochschule St. Gallen, Abschluss mit einem Dr. oec. in Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Bankbetriebslehre
1984 bis 1989 Berater und Senior­Projektleiter bei McKinsey
1989 bis 1994 Projektleiter und ab 1990 persönlich haftender Ge­sellschafter bei der Metzler Consulting KG, ab 1994 Geschäftsfüh­rer der hervorgegangenen B. Metzler GmbH und Metzler Consulting GmbH
seit 1994 Geschäftsführender Gesellschafter der ACATIS Invest­ment GmbH