"Unser Nachhaltigkeits-Investmentprozess setzt Maßstäbe!"

Wolfgang Pinner, Leiter Nachhaltige Investments der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft, spricht im ifund fundmanager interview über das Erzielen einer "doppelten Dividende" durch nachhaltiges Investieren und welche ESG-Kriterien er für die wesentlichsten hält.

Beschreiben Sie kurz ihren Fonds und was ihn von der Konkurrenz unterscheidet?

Mit Nachhaltigkeitsfonds der Raiffeisen KAG lassen sich alle wesentlichen Assetklassen und dementsprechend Kunden- und Risikopräferenzen abbilden. Nachhaltigkeit und nachhaltiges Investment bilden gemeinsam mit der Gründungsidee und den gelebten Werten bei Raiffeisen einen „perfect match“. Raiffeisen steht mit seinen Nachhaltigkeitsfonds für ehrliche Nachhaltigkeit. Einerseits sind die Fonds extern zertifiziert, anderseits konnten wir Auszeichnungen erlangen, wie die des „qualitativ besten globalen Nachhaltigkeits-Aktienfonds“ (TOP 100 ESG-Aktienfonds Rating“ (CSSP, yoursri.com). Unser Nachhaltigkeits-Investmentprozess setzt insofern Maßstäbe, als wir eine optimale Kombination von internen und externen Research-Quellen einsetzen und für alle Unternehmen und Emittenten einen eigenen „Raiffeisen ESG Score“ berechnen, den wir zur Optimierung des Nachhaltigkeitslevels in den Fonds einsetzen. Unser Nachhaltigkeitsansatz basiert auf langjähriger Erfahrung und Know-how. Wir publizieren auf regelmäßiger Basis Nachhaltigkeits-Newsletter zu Spezialthemen. Nicht zu vernachlässigen ist der Dialog mit Unternehmen, der ein wesentlicher Teil unseres Ansatzes ist.

Wie generieren Sie Mehrwert für die Investoren?

Unser Ziel ist die Generierung eines Mehrwertes sowohl auf der Ebene der Wertentwicklung als auch auf jener der Nachhaltigkeit. Wir glauben, dass diese „doppelte Dividende“ tatsächlich erzielbar ist. Die performance-technischen Vorteile unseres Nachhaltigkeitsansatzes ergeben sich aus einer erweiterten Information, einer Risikoreduktion und einem daraus resultierenden positiven Einfluss auf den Ertrag. Mit erweiterter Information meinen wir die Tatsache, dass die Berücksichtigung von nachhaltigen Informationen zu einer erweiterten Grundlage für die Analysen von Unternehmen und Emittenten führt. Außerdem können nachhaltige Analysen das Risikoprofil der Portfolios verbessern. Generell steht sowohl die Verantwortung als auch die Zukunftsfähigkeit der Investments im Mittelpunkt unseres nachhaltigen Ansatzes. Am Ende führt das Investment in die nachhaltig besten Unternehmen und Emittenten zu stabilen, und im Vergleich zu traditionellen Investments zumindest gleichwertigen Erträgen.

Wie finden Sie neue Investmentideen?

Wir generieren neue Investmentideen unter anderem durch das eigene, hauseigene, Research, sowohl auf finanzieller wie nachhaltiger Ebene. Unser Nachhaltigkeitsresearch-Team arbeitet themenbezogen. Die letzten Publikationen waren etwa dem Klimawandel, der Gesundheitsversorgung oder dem Thema Divestment gewidmet. Bei allen Nachhaltigkeits-Newslettern nehmen wir auch Kontakt zu den jeweiligen Unternehmen der betroffenen Branchen auf und gewinnen so interessante neue Einblicke und Informationen (Newsletter Registrierung möglich unter: http://newsletter.rcm.at).

Wie ist das Team strukturiert und wer trifft die Investmententscheide?

Gemäß unserem Team-Ansatz können alle Teammitglieder Investmentideen einbringen. Diskussionen von neuen Ideen finden insbesondere im wöchentlichen Teammeeting statt. Auch der Gedankenaustausch mit anderen Investmenteinheiten innerhalb der Raiffeisen KAG kann Ideen kreieren. Die Letztentscheidung liegt beim verantwortlichen Fondsmanager.

In welchem Marktumfeld kann Ihr Anlagestil vor allem überzeugen?

Unser Investmentstil ist prinzipiell unabhängig vom Marktumfeld. Das Thema Nachhaltigkeit ist jedoch als „Qualitätsmaßstab“ – auch auf Basis einer erweiterten Risikobetrachtung – zu bewerten. Deshalb kann in Phasen schwieriger Märkte gegenüber dem Gesamtmarkt regelmäßig ein Vorteil erzielt werden.

Wo sehen Sie derzeit die größten Chancen und die größten Risiken im Markt?

Wir sehen, dass einige Megatrends das Thema Nachhaltigkeit stark unterstützen, hierzu zählen wir etwa das Thema gesunde Ernährung – auch den Trend zu Biolebensmittel – und das Thema Gesundheit & Demographie im Allgemeinen.

Welche Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen Sie in Ihrem Investmentprozess?

Unser Prozess berücksichtigt verschiedenste Aspekte des ESG-Spektrums, sowohl die Ebene „Verantwortung“ als auch die Ebene „Zukunftsfähigkeit“ betreffend. In der Dimension Umwelt gehören Aspekte wie CO2-Fußabdruck, Wasser- und Energieverbrauch sowie Recyclebarkeit und Wiederverwendung zu den dominierenden Themen. Im Bereich Soziales/ Gesellschaft sind uns Gesundheit und Sicherheit, Aus- und Fortbildung sowie Produktsicherheit und -verantwortung sehr wichtig. Auf der Ebene der Corporate Governance zählen die Aspekte Unabhängigkeit von Vorstand und Aufsichtsrat, Mitbestimmung der Share- und Stakeholder sowie das Vergütungssystem für uns zu den wesentlichsten.

Wie investieren Sie ihr privates Vermögen?

Ich habe in Immobilien – sprich meine eigenen vier Wände – investiert. Darüber hinaus lege ich monatlich in unsere Nachhaltigkeitsfonds-Aktien an und halte eine kleine Cash-Reserve.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Welches ist Ihr Lieblingshobby und warum?

Ich widme mich gerne meiner Familie samt Haustieren, außerdem interessieren mich Fremdsprachen und ich lese gerne (vor allem Bücher in italienischer und englischer Sprache). Ich gehe gerne ins Kino und besitze eine Sammlung von Kakteen und Sukkulenten. Und schließlich betreibe ich auch Sport (Schwimmen, Laufen, Radfahren, Klettern).

Über Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.
Die Raiffeisen Capital Management* ist mit einem Marktanteil von 16 Prozent (Stand: August 2016) einer der führenden österreichischen Asset Manager. Das Unternehmen mit Sitz in Wien verwaltet aktuell EUR 29,2 Mrd. (Stand: August 2016) Assets under Management, wovon ein überwiegender Teil auf institutionelle Kunden entfällt. Das Unternehmen verfolgt einen klaren Qualitätsfokus: Investment- und Organisationsprozesse werden laufend optimiert, modernstes Risikomanagement und hohe Transparenz sorgen für Sicherheit. Die Performancequalität der Raiffeisen-Fondsprodukte ist durch kontinuierliche Top-Platzierungen in Konkurrenzvergleichen in unterschiedlichen Kategorien belegt. Raiffeisen Capital Management verfügt über klar definierte Kernkompetenzen, in denen das hauseigene Fondsmanagement in vielen Jahren besonderes Know-how erworben hat. In diesen Bereich fallen Anleihefonds, wie Euro-Anleihen und internationale Anleihen, aber auch Fonds mit europäischen Hochzins- oder Unternehmensanleihen bzw. auf Osteuropa-Anleihen spezialisierte Fonds. Eine wichtige Kernkompetenz stellt außerdem der Bereich Multi Asset Strategien dar. Auf der Aktienseite ist Raiffeisen Capital Management ein international anerkannter Spezialist für CEE und globale Emerging Markets. 2013 hat das Unternehmen seine Kernkompetenzen um den wichtigen und zukunftsweisenden Bereich „nachhaltige Investements“ erweitert. Raiffeisen Capital Management versteht sich als aktiver Manager.

*) Raiffeisen Capital Management ist die Dachmarke der Unternehmen: Raiffeisen Kapitalanlage GmbH, Raiffeisen Immobilien Kapitalanlage GmbH und Raiffeisen Salzburg Invest Kapitalanlage GmbH

Wolfgang Pinner, MBA, Leiter Nachhaltige Investments
Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m. b. H.
Mooslackengasse 12, 1190 Wien, Österreich
Tel. +43 1 711 70-2100, wolfgang.pinner@rcm.at

About ifund
ifund provides fund research, manager selection and asset management based on liquid investment funds. Clients include banks, asset managers, family offices, pension funds and insurance companies in Europe. ifund has signed the UN Principles for Responsible Investment and integrates sustainability criteria in fund analysis. www.ifundservices.cominfo@ifundservices.com, +41 44 286 8000

About altii
alternative investor information (altii – altii.com) is the digital marketing and online portal for all asset management strategies in the German-speaking regions (D/A/CH). altii is focusing on institutional investors and has a public and a product area. For investors the service is free of charge. The portal www.altii.de/en is supported by a targeted newsletter and through clear social media campaigns. www.altii.cominfo@altii.de@altii_news,+49 69 57708987

"Anleihen, Aktien, Leverage – Wir machen daraus einen sinnvollen Balanced­ Fonds!"

Im neusten ifund fund manager interview erklärt Lucio Soso, Portfoliomanager von Bellevue's BB Global Macro, wie sich die Absolute-Return-Strategie seines Fonds von anderen unterscheidet und wie er im derzeitigen Niedrigzinsumfeld konsistente positive Renditen von fünf bis sieben Prozent erreichen will.

Beschreiben sie kurz ihren Fonds und was ihn von der Konkurrenz unterscheidet?

Wir verfolgen das Ziel, unabhängig von den Marktphasen konsistente positive Renditen von 5-7% zu erreichen. Um dieses ambitionierte Renditeziel zu erreichen gehen wir vom Ansatz eines Mischfonds aus. Ein klassisches konzentriertes Mischportfolio aus Aktien und Renten ist in der Regel jedoch anfällig auf steigende Zinsen. Das Portfolio Management Team kann deshalb sein Portfolio breit aufstellen und weltweit in sämtliche liquiden Anlageklassen investieren. Hierzu gehören Aktien – besonders in Form von Aktienindices - und Anleihen, aber auch Rohstoffe und Währungen. Zur Bewirtschaftung des Fonds können auch Short-Strategien umgesetzt und Leverage in einem begrenzten Umfang eingegangen werden. Die Ausrichtung des Portfolios an einer klassischen Benchmark entfällt dadurch.

BB Global Macro unterscheidet sich von anderen Fonds, die ebenfalls eine Absolut-Return-Strategie verfolgen, durch seine Einfachheit. Unser neutrales Portfolio besteht zu 75% aus Anleihen und zu 25% aus Aktien, dazu kommt ein Leverage-Grad von 30-50%. Investoren ist es bewusst, dass es heutzutage sinnvoll ist, in einen Balanced-Fonds zu investieren, also ein Produkt, das eine Aktien- sowie eine Anleihekomponente und gegebenenfalls noch andere Anlageklassen miteinander kombiniert. Ebenso ist es sinnvoll, einen Hebel einzusetzen, wie wir es tun. In einer Welt, in der die Zentralbanken die Zinsen künstlich niedrig halten, ist das eine aussichtsreiche Strategie.

Wie generieren sie Mehrwert für die Investoren?

In den neunziger Jahren ließen sich mit Staatsanleihen noch richtig hohe Renditen erzielen. Damals war das Leben schön und einfach, jedoch werden solche Zeiten wohl nicht wieder kommen. Unser Ziel ist es daher mit einem ähnlichen Risikoprofil diese Ertragslücke zu schliessen. Das heißt, wir sind bestrebt mit unserem Absolute Return-Ansatz über alle Asset-Klassen hinweg und ohne effektiven Benchmark eine Rendite von 5-7% zu erwirtschaften ohne dabei das Sharpe-Ratio-Ziel von mindestens 1 aus den Augen zu verlieren. Entsprechend verhält sich die historische Volatilität zwischen 5 und 7%.

Wie finden sie neue Investmentideen?

Das Portfolio besteht aus verschiedenen Strategien. Für jede Strategie erarbeiten wir ein quantitatives Modell, anhand dessen wir Investment-Ideen generieren. Die zwei wichtigsten Modelle beziehen sich auf den weltweiten Markt für Staatsanleihen und die globalen Aktienmärkte, nach Ländern aufgeteilt. Bei der Auswahl von Anleihen achten wir darauf, welche Währungen und Laufzeiten die attraktivsten Renditen bieten. Auf der Aktienseite wiederrum legen wir das Augenmerk auf die Bewertungen des jeweiligen Aktienmarkts und suchen gezielt nach den attraktivsten Ländern und Anlageregionen.

Wie ist das Team strukturiert und wer trifft die Investmententscheide?

Wie bei Bellevue Asset Management üblich, ist ausschliesslich der Lead Portfolio Manager für die Investmententscheidung zuständig. Dies wurde implementiert, damit die Verantwortungen klar geregelt sind und jemand für die Entscheidung gerade steht. Jedoch bekomme ich von Alexandrine Jäcklin als Portfolio Managerin und Markus Peter als Head Products starke Unterstützung. Sie sind beide integraler Bestandteil des Investment Komitees, welches vor allem der Szenarien-Bestimmung wie auch der Ideen-Generierung dient. Alexandrine Jäcklin verantwortet dabei die Selektion der Corporate Bonds.

In welchem Marktumfeld kann Ihr Anlagestil vor allem überzeugen?

Dank unserem flexiblen Ansatz können wir global in alle liquiden Asset-Klassen investieren. Dadurch wählen wir ausschliesslich die besten Investmentideen aus und können somit von jeglichen Benchmarks losgelöst auf die aktuelle Grosswetterlage reagieren. Entsprechend ist es unser Ziel, in allen Marktsituationen positive Ergebnisse zu liefern.

Wo sehen Sie derzeit die größten Chancen und die größten Risiken im Markt?

Die grössten Risiken sehe ich im nahenden Ende des 30-jährigen Bond-Bullmarket. Sobald der Zyklus der fallenden Zinsen vorüber sein wird, besteht die Gefahr, dass in einem Umfeld von leicht steigenden Zinsen die Bewertungsniveaus denjenigen der 60-iger Jahre entsprechen werden. Somit werden wir einem Paradigmenwechsel gegenüberstehen und die Märkte werden sich völlig anders verhalten. In einem solchen Umfeld werden aktive Asset Allokation und Stock Selection an Wichtigkeit gewinnen.

Welche Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen Sie in Ihrem Investmentprozess?

Da die Strategie darauf ausgelegt ist, in die attraktivsten Asset-Klassen zu investieren, bilden wir dies über die liquidesten Instrumente ab. Dies sind in der Regel Future-Kontrakte oder ETFs, welche bzgl. eines Nachhaltigkeitsaspekts nicht analysiert werden können.

Wie investieren Sie ihr privates Vermögen?

Ich habe den grössten Teil meines liquiden Vermögens und auch die Ersparnisse meiner Familie in den Fonds investiert, weil ich von dieser Form der Absolute-Return-Strategie überzeugt bin.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Welches ist Ihr Lieblingshobby und warum?

Sei es beim entspannten Segeln wie auch beim leidenschaftlichen Gitarre spielen, beruhigen mich die Wellen respektive die wohlklingenden Töne und mein Geist kann sich in seiner vollen Pracht entfalten.

Über Bellevue
Bellevue Asset Management ist eine 100%-Tochtergesellschaft der Bellevue Group, einer unabhängigen, schweizerischen Finanzgruppe, mit Sitz in Zürich und Listing an der Schweizer Börse SIX. Sie wurde 1993 gegründet und zählt heute mit CHF 6.9 Mrd. zu den führenden Investment-Boutiquen der Schweiz.
Bellevue verfügt über ein breit diversifiziertes Produktangebot im Bereich Healthcare: Seit über 20 Jahren erfolgreich am Markt ist die am Stoxx Europe 600 gelistete Beteiligungsgesellschaft BB Biotech AG. Zusätzlich bietet Bellevue Luxemburger Anlagefonds mit Fokus auf Medizinaltechnik, Biotechnologie, Generika und Healthcare Asien an und ist damit einer der grössten Healthcare-Investoren in Europa.
Weitere Schwerpunkte umfassen Luxemburger Anlagefonds mit Fokus auf strukturelle Wachstumschancen in ausgewählten aufstrebenden Märkten wie etwa Afrika sowie Portfolios, die in börsennotierte familien- bzw. eigentümergeführte Unternehmen investieren. Erfolgreiche Multi-Asset-Strategien runden das Angebot ab.

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Strukturwandel durch E-Commerce: Information statt Fläche

von Jörg Lehnerdt, Niederlassungsleiter der BBE Handelsberatung GmbH in Köln.

Kommunen sind in Sorge, der stationäre Handel erst recht. Der Aufstieg des E-Commerce verursacht einen tiefgreifenden Strukturwandel, Statistiken liefern dazu genügend Hinweise. Schon jetzt ist das Wachstum der bundesweiten Verkaufsfläche Geschichte, während der Online-Handel kräftig weiter wächst. Einer Prognose der Marktforscher von BBE und elaboratum zufolge könnte sich der E-Commerce-Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz – sowohl Food als auch Nonfood – bis zum Jahr 2025 auf 19 Prozent erhöhen. 2014 waren es noch 9 Prozent.

Ein solches Wachstum im E-Commerce lässt enorme Auswirkungen auf den stationären Einzelhandel erwarten – und damit auch auf die Städte. Flächenanpassungen, die auf den aufstrebenden Online-Handel zurückzuführen sind, können bereits seit etwa fünf Jahren beobachtet werden. Die Einzelhandelsfläche wandert ins Internet ab.

Facettenreicher Wettbewerb

Das Einkaufserlebnis vor Ort wird aber weiterhin geschätzt. Nur rund ein Fünftel der Verbraucher versucht ausschließlich über das Internet einzukaufen. Die Mehrzahl der Konsumenten steht dagegen sowohl dem E-Commerce als auch dem stationären Handel aufgeschlossen gegenüber. Ihre Kaufentscheidung ist abhängig vom Sortiment, dem Preis, dem Komfort oder schlichtweg der jeweiligen Laune. Dabei haben beide Kanäle ihre Vor- und Nachteile.

Im Wettbewerb von stationärem Handel und E-Commerce ist eine Vielzahl von Kundenbedürfnissen zu beachten. Nicht zuletzt aus diesem Grund entwickeln immer mehr Handelsunternehmen Multi-Channel-Strategien. Dabei sind es nicht nur stationäre Händler, die in den E-Commerce einsteigen. Auch viele Online-Händler erkennen, dass ihnen Läden in gut frequentierten Lagen beim Wachstum helfen.

Spannende Multi-Channel-Konzepte

So wächst das Interesse an Top-Lagen sogar aufgrund des E-Commerce-Trends. Zum Beispiel eröffnen Unternehmen aus der Online-Welt Showrooms in höchstfrequentierten Einkaufsstraßen. Interessant sind zudem die Connect-Konzepte, die in Top-Lagen entstehen.

Der Elektronikmarkt Saturn hat mit seinen Connect-Läden in Köln und Trier für Aufsehen gesorgt. Mit jeweils 400 Quadratmetern bieten sie nur rund ein Zehntel der sonst in ihren Märkten üblichen Fläche. Stattdessen sind sie voll vernetzt mit den E-Commerce-Angeboten. Sie dienen nicht nur als Verkaufsfläche, sondern auch als Abholstation für Bestellungen (Click & Collect), als Showroom und bieten umfassende Serviceleistungen. Das stark begrenzte Angebot vor Ort wird durch die Verfügbarkeit des kompletten Sortiments im E-Shop kompensiert. Die Sportartikel-Kette Decathlon verfolgt ebenfalls diesen Ansatz. So verbinden Connect-Läden die persönliche Beratung, die Kunden sich vom stationären Handel erhoffen, mit der von Platznöten verschonten unbegrenzten Auswahl eines Online-Shops. Was in der teuren Top-Lage an Fläche eingespart wird, wird durch Information und Service ersetzt.

Für das Connect-Konzept ist eine publikumswirksame Position in einer stark frequentierten Lage unumgänglich. Die klassischen großen Läden mit teils mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche liegen oft eher abseits und sind davon abhängig, dass Kunden sie gezielt aufsuchen. Der Connect-Laden dagegen muss dort stehen, wo sich die Kunden bereits aufhalten.

Für Kommunen, Immobilieneigentümer, Shoppingcenter-Betreiber oder stationäre Händler leiten sich daraus eindeutige Aufgaben ab: Sie müssen in erster Linie für eine hohe Attraktivität ihrer Einkaufslagen sorgen und außerdem flexible Flächengestaltungen möglich machen. Wenn es gelingt, möglichst viele Publikumsmagnete an den Standort zu holen und dort zu binden sowie eine hohe Aufenthaltsqualität zu gewährleisten, dann kann auch die Digitalisierung dem Einkaufsquartier nichts anhaben.

Über die BBE Handelsberatung
Die BBE Handelsberatung mit ihrem Hauptsitz in München und Niederlassungen in Hamburg, Köln, Leipzig und Erfurt berät seit mehr als 60 Jahren Handelsunternehmen aller Betriebsgrößen und Betriebsformen, Einkaufskooperationen, Verbundgruppen und die Konsumgüterindustrie sowie die Immobilienwirtschaft und Kommunen. Im Verbund mit IPH Handelsimmobilien und elaboratum New Commerce Consulting reicht das Beratungsportfolio der über 150 Branchen-, Standort-, E-Commerce- und Immobilien-Experten von Strategieentwicklung, Markt und Standortanalysen, Image- und Kundenforschung bis hin zu Projektentwicklung und Centermanagement.

Hütet euch vor Inflation durch politischen Populismus

In vielen Ländern Europas, aber auch in Übersee, sind die Populisten auf dem Vor­marsch. Das hängt nicht zuletzt mit den „Quantitative Easing-Maßnahmen“ der Zentralbanken und der dadurch ansteigenden sozialen Ungleichheit zusam­men. Die Höhenflüge der Populisten werden die Unsicherheit unter Investoren so­wie den Inflationsdruck weiter erhöhen, geben die Experten von ETF Securities zu bedenken.

Investoren sollten sich vor einem steigenden Inflationsdruck, der durch populistische Reformen ausgelöst wird, in Acht nehmen, warnt ETF Securities, einer der weltweit führenden unabhängigen Anbieter von Exchange Traded Products (ETPs).

Die Forschungen von ETF Securities zeigen, dass Quantitative Easing enger mit der zunehmen­den sozialen Ungleichheit verbunden ist, als das bisher angenommen wurde. ETF Securities geht davon aus, dass dies zu einer Stärkung des politischen Populismus und einer steigen­den Inflation führen wird. 

Populistische Maßnahmen wirken inflationssteigernd

James Butterfill, Head of Research and Investment Strategy bei ETF Securities, meint dazu: „Das Problem der sozialen Ungleichheit kann nicht über Nacht gelöst werden. Deshalb glau­ben wir, dass die Verunsicherung auf hohem Level weiterbestehen wird, zumindest im kommen­den Jahr. Das begünstigt sicherere, weniger volatile Anlageklassen. Nicht immer führt aufkommender Populismus zur Niederlage des politischen Establishments, allerdings wirken einige typisch populistische Maßnahmen zur Beruhigung der Gesellschaft inflationssteigernd. Anleger können ihre Portfolios schützen, indem sie auf Anlageklas­sen setzen, die in inflationären oder populistischen Szenarien gut performt haben. Dazu zählen Aktien, inflationsgebundene Anleihen, Edelmetalle oder Infrastrukturinvest­ments.“ 

Unterschätztes Problem 

Die Analysen von ETF Securities haben ergeben, dass diejenigen Methoden, die am häufigsten zur Beurteilung der sozialen Ungleichheit verwendet werden, unterschätzt haben, wie stark diese jüngst angestiegen ist. Soziale Ungleichheit und Quantitative Easing scheinen zudem Hand in Hand zu gehen. Als Resultat erweist sich die Stärkung der populistischen Politik und deren Wortführer, ausgelöst durch die weltweiten Sorgen über steigende Ungleichheit, als mächtiger Katalysator für Reformen und einen Politikwechsel.

James Butterfill kommentiert: „Abgesehen von den Wahlerfolgen der Populisten kann das populisti­sche Momentum ein starker Treiber für Reformen sein, weil die etablierten politi­schen Parteien sich bemühen, der populistischen Welle entgegen zu wirken. Das resultiert typischer­weise in einer Erhöhung der Investitionen in Infrastruktur, um das Wirtschaftswachs­tum zu stimulieren. Investitionen in soziale Initiativen sollen darüber hin­aus die Ungleichheit bekämpfen. Infrastrukturausgaben schaffen zusätzliche Nachfrage, wäh­rend Sozialpläne voraussichtlich zu einem Anstieg der Konsumausgaben führen. In der Summe resultiert daraus wahrscheinlich eine höhere Inflation.“

USA: Populisten können Dollar schwächen

ETF Securities warnt auch vor populistischer Politik in den USA, die vermutlich Steuersenkun­gen und das Drängen auf eine Ausweitung des Budgetdefizits nach sich ziehen wird. Das könnte zu einer Schwächung des US-Dollars in den kommenden Jahren führen. Glo­bal gesehen könnten populistische Maßnahmen den internationalen Handel und Investitio­nen einschränken und wahrscheinlich die Volatilität an den weltweiten Währungsmärk­ten verschlimmern. Das würde zur weiteren Verunsicherung unter Investoren beitra­gen.

Die Analyse, die im jüngsten Triannual Outlook von ETF Securities veröffentlicht wurde, beinhal­tet eine Vielzahl unterschiedlicher Indikatoren. Dazu zählt die Palma Ratio, eine Kenn­zahl für soziale Ungleichheit, um den Zusammenhang zwischen Quantitative Easing und wirtschaftlicher Not darzustellen, die in mehreren europäischen Staaten mit der steigenden Anziehungs­kraft populistischer Parteien einhergeht.

Der Triannual Outlook behandelt außerdem folgende Themen: 

  • Öl hat einen neuen Boden gefunden
    Der Preis pro Barrel dürfte nicht anhaltend unter die Marke von 40 USD fallen. Gründe dafür liegen in Investitionskürzungen bei der Exploration und Förderung in der Höhe von 1 Bio. USD sowie einer Erholung der Nachfrage.
  • Ein Paradigma der „neuen Normalität“ für die Nominalzinsen der Zentralbanken
    Langsames Wachstum, niedrige Renditen und erhöhte Volatilität erfordern niedrigere Nominalzinsen der Notenbanken als in der Vergangenheit. Die „neue Normalität“ be­günstigt das Risiko, dass dieser Zustand länger anhalten wird, setzt der unsicheren „Suche nach Rendite“ aber gleichzeitig Grenzen.
  • GBP hat nun den „Tiefpunkt“ erreicht
    Zwar könnte das Pfund Sterling die stärkste Abwärtsbewegung nach dem Brexit-Referen­dum hinter sich haben. Grund für Optimismus besteht bei der Währung aber nach wie vor nicht.
  • Synchron
    Traditionell werden Gold und US-Dollar als invers korreliert betrachtet, könnten aber zeitgleich eine Rally verzeichnen, während die Fed die Inflation vor dem Hintergrund globaler geldpolitischer Impulse in die Höhe zu treiben sucht.
  • Aktienmärkte in den USA und Europa nähern sich wieder an
    Die historisch starke Divergenz der Aktienmärkte in den USA und Europa dürfte sich umkehren, da sich Wachstum und Gewinne in Europa verbessern und sich die Renditen annähern.
  • Robotik: Keine Panik!
    Der zunehmende Einsatz von Robotik hat die Sorgen vor Verzerrungen am Arbeitsmarkt angefacht. Langfristig dürfte die Robotik aber zu höherer Effizienz und Produktivität in der Weltwirtschaft führen, da Automation neue Perspektiven in Themenfeldern wie z.B. Sicherheit, demografische Trends und Klimawandel eröffnet.

Den vollständigen Triannual Outlook von ETF Securities finden Sie links als PDF.

“Our ideas are driven first by top-down – bottom-up supplements our doing!”

Lars Schickentanz, the lead portfolio manager gives deeper insight about his Anima Star High Potential Europe fund.

ifund: What is your fund all about and what differentiates it from your competitors?

Lars Schickentanz: The objective of the Fund is to provide an absolute rate of return and long-term capital appreciation while targeting on an annualized volatility of 6%. The control of risk and the protection of capital during a bear market is a key feature of our investment process. In order to be tactical and dynamic we use a variable bias net equity exposure that is ranging between -10% to +60%. We are able to be neutral vs. market’s direction if volatility require so. Another differentiating feature results from our “top-down” approach. We look into macro-economic variables such as nominal GDP, trade balances, currency movements, inflation, interest rates, central banks policies, commodity prices trends, etc.. . We use them to determine investment themes in the equity market. Bottom up and fundamental analysis are used as a complementary tool in order to pick stocks within investment themes.

ifund: How do you add value for your investors?

Schickentanz: We have three books that contribute to the value of the entire strategy. The Core Book (40% to 60% of the NAV): This allocation comes from the macro view of the Portfolio Managers (PMs) and represents their ideas with the highest conviction. Usually the invested stocks are clustered within 5 to 6 investment themes that are identified through our top down approach. The PMs are using proprietary and independent research. They are meeting with strategist. They do the networking and the companies’ visits to isolate market cycle’s phases and to isolate developing trends. Each theme is usually represented by 5 to 10 ideas. There will be both core longs and core shorts idea. The Dynamic Hedging Book: Within that scope the PMs are using derivatives (mostly listed futures) to tactically hedge the portfolio according to the macro view. Through the dynamic hedging the overall net exposure of the fund is constrained between -10% and +60%. The dynamic hedging book is populated by futures both longs and shorts on market’s indexes, sectors’ indexes and specific stocks. The Pair Trades Book (covers between 10% to 40% of the NAV): This book covers multiple sectors with a basket approach of longs vs. shorts. The exposure is always cash neutral at sub-sector’s level and for the entire book. This book is dedicated to the creation of extra-alpha and actually totally de-correlated from market trends and the rest of the book. There is no replication of ideas between the core book and the pair trades book.

ifund: How do you generate investment ideas?

Schickentanz: The idea generation process for the Core Book is dominated by the top-down process. Thereafter it is accompanied by the classical fundamental bottom-up analysis. The investment universe includes mid and large caps of European listed companies. The filters are on capitalization, risk and liquidity. The team and I rely on external and internal proprietary research, developed together with the fixed income team. That helps us to understand and judge all general macro factors such as business cycle phase, central banks’ policies, developing trends in politics, demographics and culture in order to identify and isolate markets’ themes. The analysis of the market flows and the market sentiment will be used to support or discharge our thesis. For illustration purposes here some portfolio themes’ examples in the past: a) Dollar Strength beneficiary, US-EU differential in monetary policies leads to a strong dollar environment – i.e. European companies with high levels of sales in the US will benefit. b) Corporate releveraging and M&A, companies and private equities are cash rich and might decide to use this cash to expand through M&A. Certain sectors will be most affected by this trend. c) Impact of QE (low negative European interest rates) on the life insurance business, the low yield environment forces the insurance companies to increase the risk of their balance sheets via investing more and more in high yielding and illiquid assets, creating further potential risk for the future. Within each theme the PMs will apply a stock picking process using peer group analysis (through proprietary models), momentum analysis, meeting with management, compliance with top down view and themes identification.

ifund: How is your team structured and who is responsible for the investment decisions?

Schickentanz: There are six investment professional dedicated to the strategy. The three co-PMs are having defined responsibilities and three more working as sectors specialist for the pair trade book. I am the leading PM and the final decision maker for the strategy. I work on the top down macro framework which leads to the identification of market investment themes to be invested within the core book. Fabio De Ponti, co-PM, helps me in this task. Lucio Vignati, co-PM and senior trader works on the hedging strategies. The pair trade book is made of sector neutral portfolios and each of the six investment professionals work as sector specialists for each of the sub-portfolios.

ifund: In which market environment does your investment style work best?

Schickentanz: The fund’s performance is driven by the ability of the PMs to read the macro scenario and invest in the most interesting themes in the market plus using the most effective way a dynamic net and gross exposure works. The exposures to equity of the fund are driven by: Macro indicators - paying particular attention to Central Bank’s activity and banks’ lending activity; Assessment of the relative value of the asset classes; Technical analysis - using both momentum and contrarian indicators as well as inflows and outflows analysis; Bottom up and valuations ratios. Macro indicators are the most important, while the other instruments should be supportive of the “road map” identified by the team. Bottom up analysis serves to populate the sector and the thematic allocation. The portfolio is always very diversified having the top positions a weight below 4%. The strategy is mostly challenged when there are quick changes in market’s direction driven by news flow or even panic rather than macro or fundamental data change.

ifund: Where do you currently see the best potential and largest risks in the market?

Schickentanz: Today we think the best opportunities reside in the European stock market. After several months of underperformance vs. global markets we are finally witnessing signs of recovery due to: 1) downside in the banking sector has largely played out, 2) Political risks receding in 2017, 3) Fiscal and monetary policy globally will push investors into equities, more so in Europe. Potential risks’ in the long term, from our perspective, reside into FED’s action in conjunction with development on US growth, potential Trump victory, bond bubble down the road.

ifund: Which aspects of responsible investing do you consider in your investment process?

Schickentanz: This specific fund does not have a focus on responsible investments.

ifund: How do you invest your own personal assets?

Schickentanz: Parts of my financial assets are invested in the fund.

ifund: What do you do in your leisure time? What is your preferred hobby and why?

Schickentanz: I like tennis and skiing.

About Anima

ANIMA is a leading Italian independent asset management operator. with more than €71 billion of assets under management (as of July 2016). A synthesis of different. complementary paths and specializations. ANIMA nowadays offers one of the largest range of products and services available on the market. ANIMA’s offering is composed of Italian collective investment schemes and foreign SICAVs. The company also offers institutional and private pension funds as well as private wealth and institutional asset management services. For further information please visit www.animaholding.it

The fund’s marketing and distribution activities in Germany are carried out by Hyde Park Investment Ltd. NL Deutschland. Since 2004 Hyde Park Investment – a FCA and BaFin regulated company - provides outsourced capital raising solutions and strategic consultancy for investment managers looking to build an institutional business in Europe. The company is an independent, private limited company, wholly owned by the firm’s directors and employees. For further information, please contact Alexandra von Kalnein, Freiherr-vom-Stein-Str. 7, 60323 Frankfurt, +49 69 3487 924 24, ak@hydeparkinvestment.com.About ifund

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Blockchain-Technologie: Welches sind die Chancen für Anleger in Robotik, Schutz und Sicherheit?

von Dr. Patrick Kolb, Fondsmanager, Credit Suisse.

Die Blockchain-Technologie und ihr derzeit prominentestes Beispiel Bitcoins gehören zu den umstrittensten Themen und sind Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Ihre alleinige Erwähnung führt oftmals zu hitzigen Debatten. Während frühe Anwender („Early Adopters“) behaupten, dass diese revolutionäre Technologie sie aus der Abhängigkeit von Banken und staatlichen Institutionen befreien wird, sind andere der Meinung, dass es sich dabei um ein überbewertetes, kurzlebiges Phänomen handelt.1

Unserer Ansicht nach wird die Blockchain-Technologie langfristig einen nachhaltigen Einfluss auf unsere Gesellschaft ausüben und sich weit über den klassischen Zahlungsverkehr hinaus auswirken. Die Blockchain- Technologie bietet eine Lösung zur sicheren, transparenten, überprüfbaren und effizienten Erfassung von Transaktionen bzw. jeglichen digitalen Interaktionen mit äußert geringem Ausfallrisiko. Unseres Erachtens bietet diese Technologie eine realistische Chance, den Austausch von Vermögenswerten über das Internet zu revolutionieren und Vermittler überflüssig zu machen.

Blockchain: Worum handelt es sich?

Gemäß der Bank of England handelt es sich bei Blockchain um eine Technologie, die es einander unbekannten Personen ermöglicht, auf einen geteilten Datensatz an Vorgängen zurückzugreifen. Sie basiert auf einer Peer-to- Peer-Verbindung und zeichnet sämtliche Eigentumsübertragungen in einem öffentlichen Kontobuch auf (auch „Decentralized Ledger“ genannt). Ein solches Ledger ist für alle Teilnehmer eines Netzwerks zugänglich, die mittels ihrer Computer die Transaktionen validieren. Das hat den Vorteil, dass hierzu kein vertrauenswürdiger Vermittler (z.B. eine Bank) benötigt wird.2 Wie vorhin erwähnt basieren Bitcoins auf dieser Blockchain-Technologie. Diese ist eine umstrittene Kryptowährung, welche die Blockchain-Technologie als öffentliches Ledger für Bitcoin- Transaktionen benutzt. Jedem Nutzer ist es dabei erlaubt, sich mit dem Netzwerk zu verbinden, neue Transaktionen zu senden und jede Transaktion zu verifizieren.3

Die Blockchain-Technologie wurde 2008 zunächst als reine Peer-to-Peer-Version für den elektronischen Zahlungsverkehr entwickelt. Primäres Ziel war es, Barmittel auszutauschen, ohne dass diese dabei auf ein falsches Konto umgeleitet werden. Zudem kann verhindert werden, dass für dieselbe Transaktion doppelt digital bezahlt wird („Double-Spending“). Mit einer Datenbank, in der die Zahlungshistorie eines jeden sich im Umlauf befindlichen Bitcoins aufgezeichnet wird, kann durch die Blockchain-Technologie nachvollzogen werden, wer was zu einem bestimmten Zeitpunkt besitzt. Dieses „Distributed Ledger“ verteilt sich auf Tausende von Computern auf der ganzen Welt und ist öffentlich zugänglich.4

Wie oben erwähnt, sind Bitcoins von allen auf Blockchain-Technologie basierenden Systemen nach wie vor das bekannteste. Bitcoins haben derzeit eine „Marktkapitalisierung“ von insgesamt USD 10 Milliarden und ein Tagesvolumen von rund 250.000 Einzeltransaktionen. Der höchste innerhalb eines Tages verzeichnete Transaktionswert lag bei ca. USD 35 Millionen (siehe Abb. 1).5

Die Entwicklung von Blockchain-Technologien nimmt über Branchengrenzen hinweg zu

Der Fokus auf digitale Währungen wie Bitcoin hat zu dem weit verbreiteten Irrtum geführt, dass die Blockchain- Technologie ausschließlich für den Finanzsektor relevant wäre. Ihre Bedeutung beschränkt sich jedoch nicht nur auf Bitcoins, da sich mit ihr jeglicher Datenaustausch schützen und validieren lässt. Unserer Meinung nach spricht immer mehr dafür, dass eine solche Technologie den globalen Handel maßgeblich verändern kann, indem sie neue Geschäftsmodelle schafft. Horizontale Anwendungen sind ebenfalls auf dem Vormarsch, darunter Smart Contracts zur Senkung von administrativen Kosten oder auf Blockchains basierende Cybersecurity-Tools, mit denen man Datenmanipulationen blitzschnell aufdecken und die Integrität von IT-Systemen überprüfen kann. Ähnlich wie dem Internet, das den Austausch von Informationen demokratisiert hat, könnten Blockchain-Technologien dazu beitragen, den Austausch von Vermögenswerten zu demokratisieren. Die nachfolgende Liste gibt einen kurzen Überblick über aktuelle Konzepte, Prototypen und Investitionen im Bereich der Blockchain-Technologien:

  • 30 der weltweit größten Banken haben sich zu einem globalen Konsortium zusammengeschlossen, um eine Antwort auf die Frage zu finden, wie die Blockchain-Technologie in Finanzmärkten eingesetzt werden kann. Es ist das erste Mal, dass Banken in diesem Technologiebereich zusammenarbeiten.6
  • Börsen erarbeiten bereits Möglichkeiten zur Anwendung von Blockchains: Die US-Börse NASDAQ erprobt einen auf Blockchains basierenden privaten Marktplatz7, die südkoreanische Wertschriftenbörse plant die Schaffung einer Blockchain-gestützten Infrastruktur zur Stärkung ihres außerbörslichen Trading-Marktes8 und der australische Marktbetreiber ASX Ltd. schickt sich an, als erste Börse weltweit die Distributed- Ledger-Technologie für börsenkotierte Unternehmen zu nutzen.9
  • Microsoft und IBM starten unter dem Schlagwort „Blockchain-as-a-Service“ (BaaS) jeweils einen cloudbasierten Blockchain-Marktplatz. Dies geschieht mit dem Ziel, ihren Unternehmenskunden Zugang zu einer cloudbasierten Blockchain-Entwicklungsumgebung zu ermöglichen und den erheblichen Aufwand zu reduzieren, der für Unternehmen mit dem Einrichten von Blockchains verbunden ist.10

Schwachstelle IT-Sicherheit

Gemäß Financial Times hat sich die Blockchain-Technologie, was das Verhindern von „Double-Spending“ oder die Generierung neuer Coins betrifft (Bitcoin-Mining), im Allgemeinen als äußerst robust gezeigt. Dies trifft jedoch nicht auf den gesamten Bitcoin-Markt zu, da Hacking an der Tagesordnung steht. So kam es bereits zu mehreren spektakulären Hacker-Angriffen, wie die nachfolgende Tabelle 1 zeigt:

Das wahre Ausmaß des Hacking-Problems ist schwer abzuschätzen. Mitglieder der Bitcoin-Community vermuten, dass es seit der Einführung der Währung im Jahr 2009 bis zu 60 schwerwiegende Hacking-Vorfälle gegeben hat. Zudem verschweigen viele Bitcoin-Börsen Hacking-Vorfälle aus Angst, Kunden zu verlieren. Sie geben erst dann Auskunft, wenn ein Angriff zu offensichtlich ist, um ihn vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Aus dem gleichen Grund verweigern sich Bitcoin-Börsen auch öffentlichen Audits und halten Informationen über die Höhe und den Umfang ihrer Bitcoin-Reserven unter Verschluss. Daher können sich Nutzer nie sicher sein, ob Verluste auf einen externen Hack oder auf unzureichendes Risikomanagement zurückzuführen sind.11

Fazit

Unserer Ansicht nach befindet sich die Blockchain-Technologie noch in einem frühen Stadium ihrer Entwicklung. Jedoch besitzt sie laut Experten das Potenzial, unsere Wirtschaft maßgeblich zu verändern. Bis zu einer breiten Kommerzialisierung wird es allerdings noch einige Jahre dauern. Wir rechnen mit ersten technischen Prototypen innerhalb der nächsten zwei Jahre, begrenzter Marktdurchdringung in 2–5 Jahren und einer breiteren Akzeptanz in 5–10 Jahren. Allerdings sind zunächst einige regulatorische Fragen zu klären (z. B. im Hinblick auf Geldwäschevorschriften, „Know your Clients“ usw.).

Für langfristig orientierte Anleger in Robotik sowie Sicherheit und Schutz stellt dieser Bereich unserer Ansicht nach einen attraktiven Wachstumsbereich dar. Wir sind jedoch fest davon überzeugt, dass die Blockchain-Technologie nicht ohne angemessene IT-Sicherheitsfunktionen umsetzbar ist, da ansonsten das Vertrauen in dieses Konzept schwinden würde. Aus diesem Grund investieren wir in führende Unternehmen mit einem besonderen Fokus auf Datenschutz, Datenanalysen/Automatisierung sowie Zahlungsautomatisierung und IT-Sicherheit.


1) Quelle: Neue Zürcher Zeitung (2015): Blockchain – das überschätzte Wesen, in: Neue Zürcher Zeitung, 14.10.2015, URL: http://www.nzz.ch/finanzen/blockchain--das-ueberschaetzte-wesen-1.18628334, 7.8.2016.
2) Quelle: Bank of England (2015): Blockchain has the potential to change society, URL: http://blockchain.bankofenglandearlycareers.co.uk/, 7.8.2016.
3) Quelle: Harwood, Trevor et al. (2014): Blockchains and the Internet of Things, URL: http://postscapes.com/blockchains-and-the- internet-of-things/#sidechains, 7.8.2016.
4) Quelle: The Economist (2015): Blockchains: The great chain of being sure about things, in: The Economist, 31.10.2015, URL: http://www.economist.com/news/briefing/21677228-technology-behind-bitcoin-lets-people-who-do-not-know-or-trust-each-other-build- dependable, 7.8.2016.
5) Eine detaillierte Erläuterung der Funktionsweise der Blockchain-Technologie und Bitcoins sowie u. a. Einzelheiten zum Mining von Bitcoins können Sie der folgenden Publikation der Credit Suisse entnehmen: Blockchain – The Trust Disruptor, 3.8.2016.
6) Quelle: Reuters (2015): R3 blockchain group adds 5 banks, brings in technology heavyweights, in: Reuters, 19.11.2015, URL: http://www.reuters.com/article/global-banks-blockchain-idUSL8N13E36B20151119, 13.8.2016.
7) Quelle: Forbes (2015): Nasdaq selects Bitcoin startup chain to run pilot in private market arm, in: Forbes, 24.6.2015, URL: http://www.forbes.com/sites/laurashin/2015/06/24/nasdaq-selects-bitcoin-startup-chain-to-run-pilot-in-private-market- arm/#f8ef76e52d76, 13.8.2016.
8) Quelle: The Korea Times (2016): KRX seeks share trading through blockchain, in: The Korea Times, 29.2.2016, URL: http://www.koreatimes.co.kr/www/news/biz/2016/02/488_199315.html, 14.8.2016.
9) Quelle: Financial Times (2016): Australia is in the vanguard of blockchain’s march to market,in: The Financial Times, 17.2.2016, URL: http://www.ft.com/cms/s/0/b83a0a74-ca8c-11e5-be0b-b7ece4e953a0.html#axzz4HF5lbkEK, 13.8.2016.
10) Quelle: PC Mag (2016): Microsoft and IBM Set Sights on the Next Cloud Frontier: Blockchain-as-a-Service, in: PC Mag, 21.7.2016, URL: http://uk.pcmag.com/microsoft-office-365-home-premium/83154/feature/microsoft-and-ibm-set-sights-on-the-next-cloud-frontier- bloc, 17.8.2016.
11) Quelle: Financial Times (2016): Bitcoin Bitfinex exchange hacked: The unanswered questions, in: The Financial Times, 4.8.2016, URL: http://www.ft.com/cms/s/0/1ea8baf8-5a11-11e6-8d05-4eaa66292c32.html#axzz4HJ0sXDFf, 14.8.2016.