Nachhaltigkeitsbewertung von Textilien

Die Textilindustrie mit ihren Sweatshops gilt oft als Sinnbild für die Missachtung von Arbeitsrechten wie auch für die Auswüchse von Global Sourcing. Der Ruf nach fairen Produktionsweisen wird spätestens dann laut, wenn neue Enthüllungen über unmenschliche Arbeitsbedingungen von Beschäftigten in der Textilbranche publik werden. Der „Produktionsfaktor Mensch“ tritt in diesem Fall zumindest vorübergehend aus der Anonymität heraus.

Dass sich die Textilindustrie in Bezug auf Arbeitsrechtsverstöße und Kinderarbeit so oft in den Schlagzeilen wiederfindet, liegt an den prinzipiell recht einfachen Fertigungsprozessen. Geringe technologische Anforderungen und die unkomplizierte Verlagerung von Produktionen führen zu einem enormen Kostendruck und zu einem Wettlauf um die günstigsten Lohngefüge, bei dem sich Länder mit ihren Produktionsstätten regelrecht unterbieten.

Nur ein verschwindend geringer Anteil des Kaufpreises von Textilien landet letztlich in der Fertigung und bei den dort tätigen Beschäftigten. Vor allem teure Labels haben daher mit einem nicht zu unterschätzenden Reputationsrisiko zu kämpfen. Das Nachhaltigkeitsteam von Raiffeisen Capital Management hat sich einige Textilunternehmen genauer angesehen und Fragen rund um das Thema Arbeitsrechte in der Fertigung gestellt.

In der jüngste Ausgabe von "nachhaltig investieren", die unter der Federführung von Mag. Wolfgang Pinner, Leiter der Abteilung Nachhaltige Investments, erstellt wurde, beleuchtet das Team von Raiffeisen Capital Management die Nachhaltigkeitsbewertung von Textilien. Die vollständige Ausgabe einschließlich einer Case Study finden Sie links als PDF.

Textilien

Es ist kein Zufall, dass sich verschiedensten Analysen zufolge die meisten Verstöße gegen Arbeitsrechte in der Textilbranche ereignen. Denn bei der Textilindustrie handelt es sich um einen Sektor, der sich durch relativ einfache Fertigungsprozesse in Verbindung mit nur geringen technologischen Anforderungen auszeichnet. Zur Branche zählen vor allem traditionelle Bekleidungshersteller und Unternehmen, die Spezialisierungen in den Bereichen Sport, Leder oder Schmuck aufweisen. Der Absatz erfolgt meist über den Einzelhandel, zum Teil auch über eigene Geschäfte.

Die einfache Austauschbarkeit der Hersteller am untersten Ende der Wertschöpfungskette führt zu starkem Druck auf die Herstellungskosten, was wiederum beinharte Konkurrenz mit der Folge geringerer Löhne und sonstiger Aufwendungen in den Fabriken nach sich zieht. Dabei sind auch die Sicherheitsstandards ein großes Thema.

Dem Fabrikseinsturz in Sabhar / Bangladesch mit über 1100 Toten im Frühjahr 2013 gingen gravierende Sicherheitsmängel voraus. Eine Untersuchungskommission stellte grobe Fahrlässigkeit fest, zudem waren für den Bau des Hauses minderwertige Materialien verwendet worden, das Bauland war für ein mehrstöckiges Gebäude nicht geeignet gewesen. Als Folge des Unglücks unterzeichneten große europäische und US-amerikanische Textilfirmen außerdem das mit internationalen Gewerkschaftsdachverbänden sowie NGOs ausgehandelte „Abkommen zum Brand- und Gebäudeschutz in Bangladesch“.

Beschäftigt man sich mit dem Thema Arbeitsrechte im Detail, so ist es die ILO (International Labor Organisation), die so genannte Kernarbeitsnormen festgelegt hat. Damit verbunden ist das Ziel, dass diese Normen als Sozialstandards menschenwürdige Arbeitsbedingungen und einen hinreichenden Schutz der Arbeitnehmer gewährleisten sollen.

Zu den acht Kernarbeitsnormen zählen Konventionen über Zwangsarbeit, Vereinigungsfreiheit und Schutz des Vereinigungsrechts, das Vereinigungsrecht und Recht zu Kollektivverhandlungen, Gleichheit des Entgelts, Abschaffung der Zwangsarbeit, Vermeidung von Diskriminierung, Mindestalter, Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit.

Der Textilsektor weist häufig eine kaskadenartige Konstruktion im Fertigungsprozess auf. Die gesamte Lieferkette, von der Fertigung über viele Stufen bis zum Einzelhändler, ist vielfach nicht transparent genug. Die an Sublieferanten outgesourcte Produktion wird auf tiefere und wieder tiefere Ebenen weitergegeben, sodass für den Textilkonzern als Auftraggeber letztlich ein Kontrollproblem entsteht. Verschärfend wirken die immer kürzeren Lieferzyklen für neue Kollektionen, die die Kurzfristigkeit der Fertigung und eine damit verbundene breite und undurchsichtige Auffächerung der Produktion verstärken.

Mit der Undurchsichtigkeit der Lieferkette und der Kostenoptimierung verbundene potenzielle Imageschäden stellen ein Risiko für Marken und Retailer dar. Es sind dabei vor allem teure Labels, die im Falle von negativen Medienberichten vor einem großen Reputationsproblem stehen. Angesichts des geringen Anteils der Herstellungskosten an den Verkaufspreisen im Einzelhandel ist jeder arbeitsrechtliche Verstoß dem Konsumenten gegenüber nur sehr schwer zu argumentieren.

Daher bemühen sich viele prominente Textilhersteller, ein möglichst aktives Lieferkettenmanagement umzusetzen. Eine Verbesserung der Standards für die Herstellung, die fast immer an Partner ausgelagert wird, steht dabei im Mittelpunkt.

Unternehmen, egal ob Retailer oder Textilkonzerne, können der problematischen Entwicklung insofern gegensteuern, als sie für ihre gesamte Lieferkette eine tiefgreifende Due-Diligence-Prüfung einführen. In diesem Fall werden die Lieferanten aktiv gemanagt und einem Monitoring- und Auditierungs-Verfahren unterzogen. Zulieferer, die kritisch eingeschätzt werden, können auf diese Weise regelmäßigen intensiven Kontrollen unterzogen werden.

Ein Bonus-System für Lieferanten für überdurchschnittlich gute Arbeitsbedingungen kann zudem einen positiven Wettbewerb auslösen. Unzureichendes Wissen über Arbeitsstandards kann durch Best-Practice-Beispiele erweitert werden.

Aktuell zählen in der Textilindustrie Bangladesch, Vietnam und zuletzt auch Myanmar zu den Ländern, in denen die Arbeitskräfte am schlechtesten entlohnt – also am „günstigsten verfügbar“ – sind. Dabei rückt bei der Analyse der Entlohnung in den Fabriken immer stärker der Begriff der fairen „living wages“ – auf Deutsch übersetzt: das Existenzminimum – in den Mittelpunkt. In Bangladesch liegt der Mindestlohn aktuell bei rund 20 % des Existenzminimums, in China immerhin bei fast 50 %.

Fazit: Raiffeisen Capital Management ist derzeit in ein Unternehmen, das im Rahmen des Engagement-Prozesses adressiert worden ist, investiert.

Nachhaltigkeitsbewertung

Das aus Nachhaltigkeitssicht vordringlichste Thema im Zusammenhang mit der Textilindustrie ist jenes der Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette. Immer wieder werden Produktionen in so genannten Sweatshops, also Ausbeutungsbetrieben, aufgedeckt. Die wesentlichsten Charakteristika sind dabei das Fehlen von Tarifverträgen, überlange Arbeitszeiten, fehlender Kündigungsschutz und eine absolut wie auch relativ geringe Bezahlung.

Eine Möglichkeit für Unternehmen zur Verbesserung der sozialen Standards in der Lieferkette ist neben dem Fokus auf Transparenz auch die Kontrolle durch externe Organisationen. Arbeitsbedingungen in den Fabriken können vor Ort durch unabhängige Gutachter wie die FLA (Fair Labor Association) überprüft oder gemäß ISO (International Organization for Standardization), OHSAS (Occupational Health and Safety Assessment Series) oder EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) zertifiziert werden.

Im Zusammenhang mit dem Thema Textilien zielt der Unternehmensdialog des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management auf Unternehmen in den Bereichen „Textil-Vormaterialien“ und „Textilhandel“ ab.

Worauf fokussiert das Supply-Chain-Management in Ihrem Konzern in Bezug auf Textilprodukte und textile Vorprodukte?

Gibt es einen eigenen Verhaltenskodex, der die Grundsätze der Arbeitnehmerrechte in der gesamten Supply-Chain vorgibt und soziale Aspekte behandelt?

Veröffentlichen Sie die gesamte Liste Ihrer Lieferanten und Sublieferanten?

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre gesamte Supply-Chain vorgegebene Regeln einhält? Existieren Richtlinien zur Beendigung von Geschäftsbeziehungen mit Lieferanten?

Sehen Sie das Thema Korruption als Problem – vor allem an Billiglohn-Standorten wie Indonesien, Bangladesch, Vietnam und Myanmar?

Welche Rolle spielen für Sie Supply-Chain-Zertifizierungen nach Standards wie ISO, EMAS oder OHSAS?

Wie gehen Sie mit dem Thema „living wages“ um und wie definieren Sie diese?

Von den während unseres Engagement-Prozesses kontaktierten Unternehmen haben uns vor allem europäische Player Feedback gegeben.

Nicht alle Textilkonzerne fokussieren ihre Produktion auf Billigstlohnländer. Der spanische Konzern Inditex beispielsweise kauft mehr als die Hälfte seiner Kollektion in Ländern in der näheren Umgebung – diese werden als „proximity markets“ bezeichnet. Hanesbrands produziert 80 % seiner Textilien in eigenen Fertigungsstätten außerhalb der klassischen Billiglohnländer.

Was die Rohstoffseite betrifft, so sind die meisten Textilkonzerne stark auf Baumwolle fokussiert. Auch in diesem Zusammenhang hat Inditex einen anderen Weg gewählt und breiter diversifiziert. Man setzt unter anderem – je nach Modetrend – auf Leinen, Leder oder Viskose.

Die meisten Textilkonzerne setzen auf eine Kombination von internem und externem Monitoring respektive Zertifizierungen der Lieferkette. Manche, wie etwa Gerry Weber, kontrollieren vor allem die erste Ebene im Detail und delegieren die Einhaltung der Standards für weitere Sublieferanten an diese Unternehmen. Die Katastrophe von Rana Plaza im Jahr 2013 scheint die Branche durchaus – und zwar in positiver Weise – aufgerüttelt zu haben.

Oft werden die Zulieferer geratet, je nach Erfüllung oder Teilerfüllung der vorgegebenen Standards. Bei Aussagen zu Gründen für die Beendigung der Geschäftsbeziehung zu Lieferantenunternehmen halten sich alle befragten Unternehmen eher bedeckt. Eine Kündigung aufgrund von Verstößen gegen ESG-Prinzipien scheint eher die Ausnahme zu sein.

Eine vollumfängliche Liste aller Lieferanten und Sublieferanten wird derzeit unter anderem von Adidas und Inditex veröffentlicht.

Adidas hat sich dem Thema Nachhaltigkeit in der Lieferkette sehr generell genähert. Die 2016 gestartete Strategie „sport needs a space“ deckt nicht nur die Produktion, sondern auch das Marketing und die Verwendung der Produkte ab. Für die Lieferkette wurden auch Ziele in Richtung weniger Wasserverbrauch und geringere Abfallmengen festgelegt. Bis 2018 sollen die von Adidas verwendeten Baumwollsorten zu 100 % auf nachhaltige Produktion umgestellt sein.

Zertifikate sind für die Unternehmen in der Regel kein allzu großes Thema, es gibt aber einige sektorweite Initiativen. Gerry Weber hat die BSCI (Business Social Compliance Initiative) unterzeichnet, eine wirtschaftsgetriebene Plattform zur Verbesserung der sozialen Standards in einer weltweiten Wertschöpfungskette. H&M hat mittlerweile das gesamte erste Level an Zulieferern gemäß Higg-Index der Sustainable Apparel Coalition zertifiziert, einem 2012 ins Leben gerufenen industrie-eigenen Standard der Textilindustrie zur Bewertung der Nachhaltigkeit der Lieferkette nach Umwelt- und Sozialkriterien. Auch Amer Sports trat der Sustainable Apparel Coalition 2015 bei.

Das Thema „living wages“ nimmt in der Textilbranche generell an Bedeutung zu, die genauen Definitionen sind aber von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich.

Was bringen nachhaltige Anlagen Investoren und Unternehmen?

Nachhaltige Investments hatten lange den Ruf, geringere Renditen als traditionelle Finanzprodukte zu erzielen. Diese Theorie gilt mittlerweile als widerlegt. Ein grünes Investment kann genauso ertragreich sein wie eine herkömmliche Anlage. Denn aufgrund der zusätzlichen Informationen zur Nachhaltigkeit von Unternehmen kann – z.B. über eine genauere Risikoeinschätzung – die Performance mitunter sogar positiv beeinflusst werden. Wobei natürlich auch nachhaltige Investments – ebenso wie konventionelle Anlagen – den Entwicklungen an den Kapitalmärkten unterworfen sind und Kapitalverluste nicht auszuschließen sind.

Zukunftsfähige Unternehmen

Blickt man mehr ins Detail, so stellt sich Nachhaltigkeit sehr schnell als Qualitätsmaß für Unternehmen und Emittenten heraus. Denn sehr häufig läuft eine gute Bewertung bei der Stakeholder-Analyse, bei der überprüft wird, wie das Unternehmen mit Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten, der Umwelt etc. umgeht, parallel zu einer guten Bonität und einer gesunden Unternehmensentwicklung. Der mit dem Nachhaltigkeitsthema eng verbundene Begriff der ‚Zukunftsfähigkeit‘ kann dabei ins Treffen geführt werden.

Zertifikate belegen Nachhaltigkeit

Da es für Anleger oft schwer zu durchschauen ist, welche der als "nachhaltig" bezeichneten Fonds tatsächlich nach nachhaltigen Kriterien im Sinne von sozial, ökologisch und ethisch gemanagt werden, sind Zertifikate und Gütesiegel gerade in diesem Segment besonders aussagekräftig. Für Anleger, die nachhaltig investieren wollen, kann sich daher ein genauer Blick auf etwaige Nachhaltigkeitssiegel lohnen.

Für nachhaltige „Überzeugungstäter“ – der Raiffeisen-GreenBonds

Mit der steigenden Nachfrage an nachhaltigen Investments erhöhen sich auch die Ansprüche der Investoren an diese Produkte. Viele Anleger wünschen sich, dass sich die Nachhaltigkeit ihrer Veranlagung nicht bloß auf die Anwendung eines Filters von Ausschlusskriterien reduziert, sondern, dass das Investment selbst das Ziel verfolgt, nachhaltig zu wirken. Aus dieser Nachfrage heraus, hat Raiffeisen Capital Management1 den Raiffeisen-GreenBonds aufgelegt, der genau diese Qualität bietet und sich an die ‚Überzeugungstäter‘ unter den nachhaltigen Investoren richtet.

Der Raiffeisen-GreenBonds, ein Renten-Themenfonds im Umweltbereich, richtet sich in erster Linie an institutionelle Anleger wie Vorsorgekassen und Vermögensverwalter. Der Fonds investiert in so genannte Green Bonds, also Anleihen, mit denen ökologische Projekte mit Klimarelevanz finanziert werden. Dazu zählen beispielsweise Investitionen in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Schadstoffbekämpfung, nachhaltige Abfallwirtschaft, Wasserversorgung und nachhaltiges Bauen. Als Anlageuniversum dient der Green Bond Index von Bank of America Merrill Lynch (BAML) als Basis, ergänzt durch Green Bonds der Datenbank der Climate Bonds Initiative (CBI). Dabei wird die nachhaltige Qualität der Bonds laufend überprüft und der Markt auf Neuemissionen gescreent.

Bessere Nachhaltigkeit bringt Chancen: Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Momentum

Der Fonds fokussiert auf (vorwiegend klein- und mittelkapitalisierte) Unternehmen, deren Nachhaltigkeitsbewertung sich in den letzten Jahren verbessert hat, mit der Aussicht, dass sich diese Entwicklung auch positiv auf die finanzielle Performance des Unternehmens auswirkt. Bislang gibt es nur wenige nachhaltige Investmentprodukte, die dieses Marktsegment abdecken. Der neue Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Momentum bietet Investoren diesen Zugang. Selbstverständlich ist auch dieses Investment den Schwankungen an den Kapitalmärkten unterworfen und auch Kapitalverluste sind möglich.

Grafik: Raiffeisen KAG, schematische Darstellung

Nachhaltige Fondspalette wird gemäß Anlegeransprüchen angepasst

Die steigende Zahl an Anlegern, die nachhaltig investieren (möchten), führt zu einem verbesserten und differenzierten Angebot auf der Produktseite. Auch Raiffeisen Capital Management passt seine Produktpalette laufend an den Ansprüchen seiner Kunden an. Das Unternehmen hat dabei noch ein paar interessante Produktideen in der Pipeline, in denen u.a. auch Schwellenländer eine wichtigere Rolle spielen werden. 


Investments in Fonds sind dem Risiko von Kursschwankungen bzw. Kapitalverlusten ausgesetzt.
Die veröffentlichten Prospekte  sowie die Kundeninformationsdokumente (Wesentliche Anlegerinformationen) des Raiffeisen-GreenBonds und des Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Momentumstehen unter www.rcm.at in deutscher Sprache (bei manchen Fonds die Kundeninformationsdokumente zusätzlich auch in englischer Sprache) zur Verfügung. Der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Momentum weist eine erhöhte Volatilität auf, d.h. die Anteilswerte sind auch innerhalb kurzer Zeiträume großen Schwankungen nach oben und nach unten ausgesetzt, wobei auch Kapitalverluste nicht ausgeschlossen werden können.

1) Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage GmbH.

“Good Prospects for European Senior Secured Loans!”

Michael Craig, Senior Portfolio Manager Bank Loans at Invesco Fixed Income, explains in an altii interview the importance of the European Senior Secured Loans market that allowed investors to generate consistent, low volatility returns for two decades. He outlines the two macro themes that add to the attractiveness of European SSL in 2017 and the risk of defaults.

altii: Why are you investing in European Senior Secured Loans?

Michael Craig: Investors in European Senior Secured loans (EUR SSL) have received consistent, low volatility returns for two decades. The Credit Suisse Western European Leverage Loan Index (CS WELLI), a proxy for the market, has averaged a 5.4% annual return since inception in 1998, with only three negative return years in that 19 year period. The total return for 2016 was 6.5%. Historically the European Loan market has exhibited less volatility than alternative fixed income risk assets such as European High Yield (HY) bonds; the five year average volatility of the CS WELLI was 2.15% vs. 4.91% for the HY market. Accordingly, the loan market has had a higher Sharpe ratio than the CS Euro HY market, 2.77 vs. 1.85, respectively, for the five year period 2012-2016.

altii: Why is now a good moment to invest?

Michael: The Eurozone GDP growth, albeit modest, as well as a healthy, supply and demand balance in the underlying loan market are positives for European SSL. Furthermore, volatility is likely to remain low as European CLO and institutional investors, who tend to invest over the long-term dominate the investor base. This is an advantage over the Fixed Income markets, where retail (ETF, etc.) investors typically have shorter investment horizons are more prevalent. There are two macro themes that add to the attractiveness of European SSL in 2017. Over recent years, long-duration asset classes have benefited tremendously from European Central Bank’s (ECB) stimulus policies. The question has been “when” not “if” the ECB will provide incremental stimulus. We are anticipating a softening in ECB policies, driven primarily by inflation data. The new question that will increasingly be asked will be “when” will the ECB start weaning the market off its accommodative monetary policy, which naturally leads to a rising interest-rates (Euribor) environment. This should lead to more demand for shorter-duration assets such as SSL, which are less sensitive to interest rate changes, than say, high yield bonds for example, as loans provide floating-rate income with coupons based on Euribor + margin. As the majority of European loans are structured with a minimum (i.e. floor) of zero per cent for the Euribor component (as at Dec. 30, 2016, 3 month Euribor was -0.3%) they are therefore insulated from Euribor’s current negative value and investor, coupon income, will increase when Euribor surpasses the zero per cent floor value. In a steeping yield curve environment, the asset class has the potential to outperform longer-duration assets. We also see a repeat of the heightened sensitivity over political events. The lack of reliable predictive tools for election results has led to increased market volatility before and after these events. Against this backdrop, we believe European SSL present a compelling allocation opportunity for investors given their defensive position in the capital structure (high recovery rate) and historically lower volatility than other fixed rate alternatives.

altii: What are the biggest risks?

Michael: The investor concern is often focused on the risk that a macro shock could lead to an increase in defaults. While loan volatility is relatively low, the risk of contagion from other asset classes and macro events does exist. Heading into 2017 credit fundamentals remain stable, with no clear catalyst for a spike in default rates – the macro-economic environment is supportive of risky assets with the Eurozone benefiting from the same trends seen in 2016: private sector demand and supportive government spending. At the borrower level, credit metrics look robust – particularly in terms of interest coverage, a measure of a company’s ability to meet its interest obligations, with coverage-ratios improving as several borrowers were able to their lower cost of debt and/or extend maturities throughout 2016. The European loan market has limited systemic risk given it’s the minimal exposure to the Oil and Gas sector. Nevertheless, there are likely to some pockets of weakness. For example, some retailers and food manufacturers are exposed to softer demand (channel shift, macro-uncertainty and / change in consumer habits) and dollar-denominated sourcing costs (cotton and food commodities) are vulnerable. We expect a default rate of around 2% by principal amount - which remains well below the 4.6% historical average between 2009 and 2015.

altii: Why is Invesco a good partner for such strategies?

Michael: Invesco has been in the senior bank loan market for over 27 years – we launched our first European bank loan product in 2001. With $37.9 billion in bank loan assets under management, Invesco is one of the largest managers of the asset class. Our investment process is built on fundamental bottom-up credit analysis with a top-down macroeconomic overlay. Importantly, we view our investment process as full cycle. The investment horizon always looks across a full credit cycle with the belief that returns are maximised over the long run for all private, credit-sensitive assets such as senior bank loans. This long-term perspective is augmented by an active management approach that includes well-defined buy-sell disciplines and the application of several proprietary models which help us exploit shorter-term relative value opportunities during different phases of the cycle. Our key credit consideration is twofold: (1) What is the risk of credit deterioration, or default, and (2) What is the recovery in the event of that credit deterioration? At Invesco, we employ 29 senior secured bank loan credit professionals focused on minimising credit risk. We perform due diligence on every issuer in our portfolio, focusing on key factors such as management quality, base case and downside cash flow projections, industry position and dynamics, sponsors and arrangers, the issuer’s capital structure, the asset quality and divisibility of the underlying security, the recovery rate, loan-to-value and relative value.

About Invesco

At Invesco, we're dedicated to delivering an investment experience that helps people get more out of life. This means our employees as well as our clients, shareholders and the communities we serve. We strive to achieve this through our: Pure focus on investment: We are independent and solely focused on investment management for the benefit of clients. Diversity of thought: includes our comprehensive range of investment capabilities and geographies. It also reflects our collegial culture and collaborative decision-making style. Passion to exceed – our culture of high performance and not settling for average in everything we do. We are privileged to manage assets on behalf of retail and institutional clients around the world by providing a comprehensive range of high-conviction investment capabilities designed to help clients achieve their investment objectives.

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Diversity of thought: includes our comprehensive range of investment capabilities and geographies. It also reflects our collegial culture and collaborative decision-making style.
Passion to exceed – our culture of high performance and not settling for average in everything we do.
We are privileged to manage assets on behalf of retail and institutional clients around the world by providing a comprehensive range of high-conviction investment capabilities designed to help clients achieve their investment objectives.

About altii
alternative investor information (altii – altii.com) is the digital marketing and online portal for all asset management strategies in the German-speaking regions (D/A/CH). altii is focusing on institutional investors and has a public and a product area. For investors the service is free of charge. The portal www.altii.de/en is supported by a targeted newsletter and through clear social media campaigns. www.altii.cominfo@altii.de@altii_news,+49 69 57708987

Robotik und Automatisierung: günstiger und leistungsfähiger

von Angus Muirhead, CFA, Fondsmanager, Credit Suisse.

Mit dem technologischen Fortschritt entsteht ein neues Zeitalter der Automatisierung, in dem immer intelligentere und vielseitigere Roboter in immer mehr Bereichen in Fabriken und in der Gesellschaft allgemein eingesetzt werden. Unternehmen, Konsumenten und Staaten erkennen zunehmend die Vorteile der Robotik, Automatisierung und künstlichen Intelligenz, und so ist es wahrscheinlich, dass die Branche weiter expandieren wird und die Wachstumsraten von Unternehmen mit gut differenzierten, kritischen Technologien weiter steigen werden. Da Robotik und Automatisierung in unserem Alltag zunehmend allgegenwärtig, verknüpft und von zentraler Bedeutung sind, gewinnen auch die Auswirkungen in den Bereichen Schutz und Sicherheit an Bedeutung. Zwischen Robotik und Sicherheit besteht eine symbiotische Beziehung: Mehr automatisierte Systeme erfordern mehr Sicherheits- und Kontrollmechanismen, und mehr Sicherheits- und Kontrollmechanismen benötigen wiederum mehr automatisierte Steuerungs- und Koordinierungsinstrumente, um die Sicherheitssysteme effizient betreiben zu können.

„Die Automatisierung ist nicht unser Feind. Unsere Feinde sind Unwissenheit, Gleichgültigkeit und Trägheit. Die Automatisierung kann der Verbündete unseres Wohlstands sein, wenn wir einfach nach vorne schauen, wenn wir begreifen, was auf uns zukommt ...“
Lyndon B. Johnson, 36. Präsident der USA1

Das Zeitalter der preisgünstigen Computer

In den 1970er-Jahren waren Computer teuer und meist nur in den Büros von Blue-Chip-Unternehmen zu finden. Ein Gerät der HP-Serie 3000 kostete im Jahr 1972 USD 95 0002 – dies entspricht heute inflationsbereinigt USD 541 000. Heute liegt der durchschnittliche Verkaufspreis eines Desktop-Computers bei USD 540, der eines Notebooks bei USD690.3 Infolge dieses drastischen Preisrückgangs, der enormen Ausweitung der Anwendungsmöglichkeiten von Computern und der zunehmenden Vertrautheit der Konsumenten mit Technologie sind Computer nicht mehr der Elite vorbehalten, sondern zählen zu den am meisten verbreiteten Technologien der Welt. 2015 wurden weltweit rund 114 Millionen Desktop-PCs, 163 Millionen Notebooks, 208 Millionen Tablets und unglaubliche 1,4 Milliarden Smartphones verkauft.2

Das Aufkommen der Robotik

Auch auf dem Gebiet der Robotik sinken die Kosten, während die Leistungsfähigkeit steigt. Verantwortlich hierfür sind das Mooresche Gesetz, die Verfügbarkeit von Open-Source-Software und die allmähliche Standardisierung von Teilen und Komponenten.

Laut einer Schätzung der Boston Consulting Group (BCG) sanken die durchschnittlichen Kosten eines Punkt- Schweißroboters von USD 182 000 im Jahr 2005 auf nur USD 132 000 im Jahr 2013.4 Die BCG prognostiziert einen weiteren Rückgang der Kosten und erwartet für 2025 einen Listenpreis im Bereich von USD 103 000. Wie die nachstehende Grafik zeigt, schätzt die BCG, dass die Kosten von Hard- und Software („Roboter, einschließlich Software“) um ca. 40 % gesunken sind, während die Kosten für Programmierung, Installation und Integration („Systems engineering“ – Systemtechnik) dank verbesserter „Intelligenz“ des Systems sogar noch stärker gesunken sind.

Der Stundenlohn eines Roboters

Je schwerer ein Roboter, desto höher in der Regel sein Preis. Größere Maschinen, die darauf ausgelegt sind, größere Objekte oder Nutzlasten zu heben und zu handhaben, benötigen mehr Leistung, größere Motoren und robustere Getriebe und Mechanik, um der Belastung standhalten zu können. Genau genommen ist die Anwendung eines Roboters der größte ausschlaggebende Faktor für seinen Preis, denn die Anwendung bestimmt die Größe des Roboters, das Gewicht der Nutzlast, das Niveau der Sicherheitsausrüstung, die Komplexität der Aufgabe sowie die Geschwindigkeit und die Qualität, mit der diese ausgeführt werden kann.

Ein neuer Industrieroboter kostet samt Steuereinheiten und Programmierhandgeräten in der Regel zwischen USD 50 000 und USD 80 000.5 Der oben erwähnte Punkt-Schweißroboter ist teurer, doch Punkt- und Lichtbogenschweißen sind zwei der teuersten Anwendungen, die von Industrierobotern ausgeführt werden. Rechnet man die Arbeitszelle, Peripheriegeräte und die „Effektoren“ für die konkrete Anwendung in der Fabrik sowie die Kosten für die Integration in die Fertigungslinie hinzu, können die Gesamtkosten auf USD 100 000 bis USD 150 000 steigen.4

Schätzungen der Robotics Industry Association (RIA) zufolge hat ein durchschnittlicher Industrieroboter eine Nutzungsdauer von 10 - 15 Jahren. Dies ergäbe für einen USD 150 000 teuren Fabrikroboter, der zwei 8- Stunden-Schichten an fünf Tagen die Woche, 50 Wochen im Jahr über einen Zeitraum von 10 Jahren im Einsatz ist, eine Laufzeit von 40 000 Stunden. Ron Potter, Leiter des Bereichs Robotics Technology bei Factory Automation Systems in Atlanta, schätzt, dass mittelgroße Industrieroboter, die Nutzlasten von 100 kg bewegen, USD 0,75 an Elektrizität pro Stunde verbrauchen (ausgehend von 7,35 kW zu 10 Cent je kWh).6 Nach Hinzurechnen der Energiekosten zu den Investitionskosten des Roboters ergeben sich für ihn Arbeitskosten von USD 4,50 pro Stunde (bei einem angenommenen Restwert von null).

Die großen Autohersteller fahren ihre Fertigungslinien meist deutlich aggressiver. Ein extremeres Szenario sieht folgendermaßen aus: Ein Einsatz von 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 48 Wochen im Jahr über einen Zeitraum von 15 Jahren ergäbe 120 960 Betriebsstunden, Energiekosten von USD 90 720 und effektive Gesamtkosten von nur USD 1,99 pro Stunde. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Stundenlohn eines Fabrikarbeiters beträgt USD 2,70 (ohne Sozialleistungen).7

Entscheidend ist nicht das Was, sondern das Wie

Dank der höheren Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und der leichteren Programmierung ist die Produktivität von Industrierobotern und industriellen Automatisierungslösungen um ca. 5% jährlich gestiegen.3 Unter Berücksichtigung des niedrigeren Preises würde eine Investition in einen USD 100 000 teuren Roboter heute etwa die doppelte Produktivität eines USD 100 000 teuren Roboters vor 10 Jahren erzielen. RobotWorx, ein in Ohio ansässiger führender Anbieter im Bereich Instandsetzung und Wiederverkauf von Industrierobotern, weist darauf hin, dass Produktivitätssteigerungen für die wirtschaftliche Gleichung oft wichtiger sind als die Kosteneinsparungen pro Stunde. Das Unternehmen schätzt, dass ein einzelner Roboter dieselbe Rate an Teilen wie vier Arbeiter herstellt und dass die Ausschussquote meist geringer ist.4

Angesichts anhaltender Fortschritte bei Sensoren, Halbleitern sowie Open-Source-Software und -Algorithmen dürften sich die Verbesserungen bei Preis und Leistung in absehbarer Zukunft fortsetzen. Einer Schätzung von McKinsey zufolge könnten Robotik und Automatisierung infolgedessen das Produktivitätswachstum weltweit um 0,8 % bis 1,4 % jährlich steigern.8

Reale Zwänge

Während Robotik und Automatisierung erschwinglicher werden und zunehmend in der Lage sind, Aufgaben in vielen Bereichen ebenso gut wie oder besser als menschliche Arbeitskräfte auszuführen, steigen die Lohnkosten und werden Vorschriften rund um Qualität und Sicherheit verschärft. In den letzten vier Jahren sind die Löhne gering qualifizierter Arbeitskräfte in Entwicklungs- wie auch in Schwellenländern real gestiegen.

Chinas Aufstieg zum weltweit größten Produzenten im Jahr 2010 (ein Titel, den die USA seit dem Jahr 1895 innehatten) ist ein gutes Beispiel für die Lohninflation bei geringer qualifizierten Fabrikarbeitern. Gordon Orr von McKinsey Asia stellt folgende Entwicklung fest:
„Die überwältigende Mehrheit der Wirtschaft hat in den letzten zehn Jahren ein zweistelliges Lohnwachstum verzeichnet, und der Mindestlohn hat sich in vielen Städten in weniger als fünf Jahren verdoppelt.“9

Und die steigenden Lohnkosten sind nicht das einzige Problem. Vor dem Hintergrund der wachsenden Wirtschaft sind viele Beschäftigte in der Fertigung überdrüssig und hegen Erwartungen und Ansprüche, die allmählich zu einem Mangel an Arbeitskräften in Fabriken führen. Terry Gou, der Gründer des größten Elektronikherstellers der Welt, Foxconn, stellte in der Financial Times fest:
„Die junge Generation möchte nicht in Fabriken arbeiten, sie möchte in der Dienstleistungs- oder Internetbranche arbeiten oder einer anderen leichteren und entspannteren Tätigkeit nachgehen.“10

Einige Unternehmen haben bereits begonnen, ihre Produktion an kostengünstigere Standorte wie Vietnam, Indien oder Mexiko zu verlagern. Da jedoch ein Drittel des chinesischen BIP und 15 % der Arbeitskräfte auf den Fertigungssektor entfallen, ist der chinesische Staat stark motiviert, die Produktion in China zu halten. Er subventioniert die einheimische Robotikbranche und regt damit Unternehmen an, in die Automatisierung zu investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben und entlang der Wertschöpfungskette nach oben zu rücken – hin zur Fertigung von Präzisionselektronik, deren Produktion hochentwickelte Robotiksysteme erfordert.

Foxconn unterhält bereits Produktionsstätten in Vietnam, Brasilien und Mexiko und hat einen dreistufigen Plan aufgelegt. Im März2016 gab das Unternehmen den ersten Schritt von Phase1 des Plans bekannt: 60 000 Fabrikarbeiter werden durch 40 000 von Foxconn gebaute Roboter – so genannte „Foxbots“ – ersetzt, die gefährliche oder repetitive Aufgaben erledigen werden. Phase 2 sind vollautomatisierte Fertigungslinien, Phase 3 vollautomatisierte Fabriken.

Trotz dieser Anstrengungen, die Automatisierung zu erhöhen, hinkt China auf diesem Gebiet Japan, Südkorea, Deutschland und den USA deutlich hinterher: Pro 10 000 Beschäftigte in der Fertigungsbranche gibt es in China im Durchschnitt lediglich 36 Roboter. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 66 Robotern pro 10 000 Beschäftige. Die Länder mit der höchsten „Roboter-Dichte“ sind Südkorea und Japan, deren Automobil- und Halbleiterbranche einen hohen Grad an Automatisierung erreicht hat; dort gibt es 478 bzw. 315 Roboter pro 10 000 Beschäftigte.11

Klein, flexibel und sehr freundlich

Mit steigender Rechenleistung von Halbleiterchips und zunehmender Standardisierung von Hardwarekomponenten wird es leichter, kleine und mittelgroße Roboter nahezu vollständig auf der Grundlage von Drittkomponenten zu entwickeln und zu bauen. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Unternehmen damit begonnen, kollaborative Roboter, sogenannte „Cobots“, zu bauen, beispielsweise den „Foxbot“ von Foxconn, die auf sichere Weise Seite an Seite mit menschlichen Arbeitskräften arbeiten sollen, meist in der Kleinserienproduktion oder in Bereichen mit begrenzten Platzverhältnissen.

Unternehmen wie Rethink Robotics, Precise Automation, F&P Robotics und Universal Robots bieten Roboter bereits ab USD 10 000 - 30 000 an. Damit sie sicher Seite an Seite mit Menschen arbeiten können, verfügen diese Roboter meist über eine Funktion zur „Leistungs- und Kraftbegrenzung“, sodass sie sofort stoppen, wenn sie einen Widerstand spüren, z. B. bei der Berührung eines Menschen oder eines anderen Roboters. Dieses Sicherheitsmerkmal begrenzt jedoch ihre Ladekapazität und verringert ihre Arbeitsgeschwindigkeit. Um die Kosten niedrig zu halten, werden diese Roboter zudem so konstruiert, dass sie nur die Hälfte der Lebenserwartung traditioneller Industrieroboter haben. Aus diesen Gründen stehen sie nicht im direkten Wettbewerb mit den teureren und produktiveren Modellen von Fanuc, ABB, Yaskawa und KUKA. Mit diesen jungen Cobots gelangen jedoch einige interessante Innovationen in die Branche, etwa Programming by Example (PbE), die den Markt für Roboter über Großproduktionsanlagen hinaus erweitern könnten: Adressiert könnten kleinere Betriebe, vielleicht Hersteller mit nicht-automatisierten Fertigungslinien werden, oder möglicherweise sogar Konsumenten und gewerbliche Anwendungsgebiete komplett ausserhalb der Fabrik. So ist der Roboter „P-Rob“ von F&P Robotics versiert darin, Speisen für die Gastronomie zuzubereiten, Nespresso-Kaffeemaschinen zu bedienen und Gästen Kaffee zu servieren.

Unruhe unter den Arbeitnehmern

Was bedeutet die zunehmende Automatisierung am Arbeitsplatz für die Beschäftigung, für Arbeitsplätze und die Zukunft der „Arbeit“ selbst? Laut einer aktuellen McKinsey-Publikation reicht die Furcht vor der Vernichtung von Arbeitsplätzen und der Verdrängung von Arbeitnehmern durch technologische Entwicklungen mehrere Hundert Jahre zurück und ist noch älter als die Bewegung der Maschinenstürmer, die in Großbritannien während der Industriellen Revolution entstand. Doch die Lehren aus der Geschichte sind eindeutig. Obgleich neue Technologien wiederholt Phasen der Unruhe am Arbeitsmarkt verursachten, da neue Geräte und Werkzeuge effizientere Produktionsprozesse ermöglichen und auf kurze Sicht unvermeidlich zum Verlust von Arbeitsplätzen führen, haben neue Technologien den Menschen langfristig gezwungen, sich anzupassen und sich neue, wertvollere Fähigkeiten anzueignen. Der technologische Fortschritt schafft auch neue Arbeitsformen und neue Arten der Beschäftigung in der Entwicklung, Konstruktion, Instandhaltung und Wartung der Roboter selbst sowie der digitalen Ökosysteme, denen sie angehören.
„In den USA fiel der Anteil der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft von 40 % im Jahr 1900 auf 2 % im Jahr 2000. Ähnlich fiel der Anteil in der Fertigungsindustrie von 25 % im Jahr 1950 auf weniger als 10 % im Jahr 2010.“12

Abschließend sei noch erwähnt, dass Robotik und Automatisierung möglicherweise nicht nur gering qualifizierte Arbeitsplätze in Fabriken bedrohen, sondern dass im Zuge von Fortschritten im Bereich künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen auch kognitive Tätigkeiten und der Bereich professioneller Dienstleistungen betroffen sein könnten. Schätzungen von McKinsey zufolge sind zwar weltweit weniger als 5 % aller Arbeitsplätze vollständig automatisierbar, doch mehr als 60 % aller Arbeitsplätze beinhalten einen Anteil von ca. 30 %, der theoretisch automatisiert werden könnte.13

Fazit

Mit dem technologischen Fortschritt entsteht ein neues Zeitalter der Automatisierung, in dem immer intelligentere und vielseitigere Roboter in immer mehr Bereichen in Fabriken und in der Gesellschaft allgemein eingesetzt werden. Unternehmen, Konsumenten und Staaten erkennen zunehmend die Vorteile der Robotik, Automatisierung und künstlichen Intelligenz, und so ist es wahrscheinlich, dass die Branche weiter expandieren wird und die Wachstumsraten von Unternehmen mit gut differenzierten, kritischen Technologien weiter steigen werden. Da Robotik und Automatisierung in unserem Alltag zunehmend allgegenwärtig, verknüpft und von zentraler Bedeutung sind, gewinnen auch die Auswirkungen in den Bereichen Schutz und Sicherheit an Bedeutung. Zwischen Robotik und Sicherheit besteht eine symbiotische Beziehung: Mehr automatisierte Systeme erfordern mehr Sicherheits- und Kontrollmechanismen, und mehr Sicherheits- und Kontrollmechanismen benötigen wiederum mehr automatisierte Steuerungs- und Koordinierungsinstrumente, um die Sicherheitssysteme effizient betreiben zu können. Wir haben zwei Strategien entwickelt, um Kunden ein „Pure Play“-Engagement in diesen überzeugenden und miteinander verknüpften langfristigen Wachstumsthemen zu bieten: Robotik und Automation sowie Schutz und Sicherheit.


1) Auszug aus Johnsons Rede vor dem Kongress anlässlich der Unterzeichnung des Gesetzes zur Schaffung einer „Nationalen Kommission für Technologie, Automatisierung und wirtschaftlichen Fortschritt“, 19. August 1964.
2) Computerworld Magazine, 26. Januar 1981.
3) Quelle: vierteljährliche PC-Datenreihen der IDC (tatsächliche Daten: durchschnittlicher Verkaufspreis 2015 weltweit: Desktop USD 544; Notebook USD 692).
4) Publikation der Boston Consulting Group: „The Robotics Revolution“, September 2015.
5) Homepage von RobotWorx: „How much do industrial robots cost“.
6) Homepage von Factory Automation Systems, Inc.: „ROI Calculator“.
7) The Economist, „The future factory of Asia: a tightening grip“, 14. März 2015 (ausgehend von einer 10-Stunden-Schicht pro Tag).
8) McKinsey Global Institute, „A future that works: automation, employment and productivity“, Seite 15, Januar 2017.
9) McKinsey & Company, „Would could happen in 2015“, Dezember 2014, Gordon Orr, Director bei McKinsey & Company in Shanghai.
10) The Financial Times, „Young Chinese shunning factory jobs“, 8. Oktober 2013.
11) International Federation of Robotics, „World Robotics 2016 Industrial Robots“; Auszug aus Executive Summary on www.IFR.org.
12) McKinsey Global Institute auf der Grundlage von Daten aus Stanley Lebergotts Publikation, „Output, employment and productivity in the US after 1800“, 1966, und Daten der Weltbank (worldbank.org).
13) McKinsey Global Institute, „A future that works: automation, employment and productivity“, Seite 32, Januar 2017.