"Impact Investing ist weiter gefasst als reine SRI-Projekte!"

Dr. Patrick Scheurle von BlueOrchard im Interview mit altii, warum es beim Impact Investing gegenüber reinen SRI und ESG Strategien, die oftmals durch Anwendung von Ausschlusskriterien gemanaged werden, um ein sehr viel breiteres Thema geht. Beim Impact Investment wird bewußt auf die Entscheidung für ein Engagement abgestellt. Der "Impact" kommt aus dem messbaren konkreten sozialen und ökologischen Nutzen.

altii: Beschreiben Sie bitte BlueOrchard. Was sind Ihre Ziele und welche Strategie verfolgen Sie vor allem in Deutschland und Österreich?

Dr. Patrick Scheurle: BlueOrchard steht für Impact Investing, das effiziente Zusammenspiel eines messbaren sozialen und ökologischen Nutzens und einer gewinnbringenden finanziellen Rendite. Unser Ziel ist es, Menschen durch unternehmerische Initiative den Weg in ein besseres Leben zu ermöglichen und Investoren erstklassige Anlagelösungen anzubieten. Aufgrund unserer Pionierarbeit in der Mikrofinanz haben wir ein einmaliges Verständnis von Entwicklungs- und Schwellenländern. Dieses Verständnis nutzen wir, um einerseits die Bereiche zu identifizieren, die dringend Investitionskapital benötigen, und andererseits Investoren in Form von spezialisierten Anlagefonds Investitionen zu ermöglichen, die ihnen ansonsten schwer zugänglich wären. In Deutschland und Österreich verspüren wir seit einiger Zeit ein zunehmendes Interesse an wirkungsorientiertem Investieren. Insbesondere bei institutionellen Investoren hat die Nachfrage stark zugenommen. Mit unserem zwanzigährigen Track Record und unserer Rolle als etabliertem Partner von professionellen Investoren, sehen wir uns auch in Deutschland und Österreich für dieses Segment als idealen Partner.

altii: Was ist Ihre Definition von Impact Investing und wie grenzen Sie das von anderen SRI/ESG Themen ab?

Scheurle: Leider werden SRI/ESG und Impact Investing oftmals synonym verwendet, obwohl sich diese Anlagestrategien sehr von einander unterscheiden. Während es sich bei der Integration von SRI/ESG-Gesichtspunkten oftmals um die einfache Anwendung von Ausschlusskriterien handelt (z.B. Ausschluss von Unternehmen aus den Bereichen Waffen, Spielkasinios, etc.), geht Impact Investing viel weiter. Es ist die bewusste Entscheidung für ein Engagement, um einen messbaren sozialen und/oder ökologischen Nutzen (sogenannter „Impact“) zu bewirken und gleichzeitig eine attraktive finanzielle Rendite zu generieren. Impact und Rendite sind beides gleichwertige Teile der Investmentstrategie. Der Investmenterfolg wird daher sowohl anhand finanzieller Kriterien als auch anhand gemessenem Impact bewertet.

altii: Welches ist Ihr Flagship Produkt und wie funktioniert es?

Scheurle: Unser Flagship Produkt ist der BlueOrchard Microfinance Fund (BOMF), der weltweit grösste kommerzielle Mikrofinanzfonds mit USD 1.6 Milliarden investiertem Kapital und 20 Jahren Track Record. Die stabile Rendite des Fonds, die geringe Volatilität und Korrelation von Mikrofinanz mit anderen Asset-Klassen sowie die zunehmende Tendenz von Anlegern hin zu mehr verantwortungsvollen, sozialen und ökologischen Investitionen haben in den vergangenen Jahren das Interesse von immer mehr Investoren an den Fonds geweckt. BOMF refinanziert Mikrofinanzinstitutionen in Entwicklungs- und Schwellenländern und hat dadurch bislang 18 Millionen Menschen in 50 Ländern Zugang zu finanziellen Mitteln für eine unternehmerische Tätigkeit ermöglicht. Ein Großteil der erreichten Mikrounternehmenden sind Frauen und knapp 50 Prozent leben in ländlichen Regionen. BlueOrchard wendet in seinem Investitionsprozess nicht nur einen strikten Bottom-up Kredit- und Top-down Portfolio Konstruktionsprozess an, sondern bewertet auch die soziale Performanz jeder Investition. Hierzu hat BlueOrchard eigens eine Software entwickelt: Das „Social Performance Impact Reporting & Intelligence Tool“ (SPIRIT). Im Einklang mit den sogenannten “Universal Standards on Social Performance Management“ bewertet SPIRIT sieben Schlüsselbereiche wie beispielsweise soziale Zielsetzungen der Institution, Umweltschutz und verantwortungsvolle Mitarbeiterführung. Der Fonds addressiert 11 der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, der sogenannten „UN-Sustainable Development Goals“, die die ambitionierten Ziele verfolgen, alle Formen der Armut zu beenden, den Planeten zu schützen und bis Ende 2030 Wohlstand für alle zu sichern.

altii: Wer sind Ihre Investoren und wen wollen sie zukünftig als Investor gewinnen?

Scheurle: BlueOrchard ist stark verankert bei institutionellen Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen und Banken und hat eine breit diversifizierte Investorenbasis von Amerika bis Japan. Wir haben über zwei Jahrzente bewiesen, dass sich finanzielle Renditen und ein messbarer positiver sozialer Impact nicht ausschließen. Auch in Deutschland und Österreich möchten wir Investoren gewinnen, die mit ihren Anlagenentscheidungen sowohl eine finanzielle Rendite verfolgen als auch einen sozialen und ökologischen Nutzen generieren wollen.

altii: Gibt es schon Vehikel oder Strategien, die von institutionellen Investoren in Deutschland erwerbbar sind?

Scheurle: In Deutschland sind für institutionelle Investoren unser Flagship Produkt, der BlueOrchard Microfinance Fund, sowie der InsuResilience Investment Fund (IIF) erwerbbar. Der IIF ist ein von der KfW und dem BMZ im Auftrag der Bundesregierung gegründeter Fonds, der das Ziel verfolgt, Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen sowie einkommensschwachen Haushalten in Entwicklungsländern Zugang zu bezahlbaren Klimaversicherungen zu ermöglichen, um sie auf diesem Weg besser vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen. Die Gründung des Fonds geht zurück auf die deutsche G7-Präsidentschaft im Jahr 2015, als die „InsuResilience Initiative“ ins Leben gerufen wurde, um besonders verletzliche und arme Menschen in Entwicklungsländern durch verschiedene innovative versicherungsbezogene Instrumente besser gegen Klimaschäden abzusichern.

altii: Wie gehen Sie mit Risiken um. Sichern Sie z.B. Währungsrisiken ab und wie halten Sie es mit der Liquidität?

Scheurle: Wir sichern alle Währungsrisiken systematisch ab und je nach Produkt auch Zinsrisiken. Auf der Investmentseite setzen wir auf Diversifikation, sowohl in Bezug auf Regionen als auch Länder. Was die Liquidität angeht muss vorausgeschickt werden, dass Kredite an Mikrofinanzinstitutionen private Platzierungen sind. Wir gewährleisten jedoch mit einer proaktiven Portfolioverwaltung und dem Vorhalten von liquiden Anlangen eine zu jeder Zeit gegebene angemessene Liquidität unseres Portfolios.

altii: Was erwarten Sie für die nächsten 12 bis 24 Monate?

Scheurle: Immer mehr institutionelle Investoren erkennen, dass sozialer und ökologischer Nutzen und finanzielle Renditen keine Gegensätze sind, sondern Hand in Hand gehen. Wir erwarten deshalb in den nächsten ein bis zwei Jahren eine weiter zunehmende Bedeutung von Impact Investing. Mehr als 750 Millionen Menschen leben noch immer in Armut und der voranschreitende Klimawandel erfordert kaum vorstellbare Investitionssummen. Professionelle Investoren haben den Schlüssel in der Hand, diese Herausforderungen mit Ihren Anlageentscheidungen zu bewältigen.


Über BlueOrchard
BlueOrchard ist ein weltweit führender Impact Investment Manager mit dem Ziel nachhaltiges, integratives und klimagerechtes Wachstum zu fördern und dabei attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. BlueOrchard wurde 2001 auf Initiative der UN als weltweit erster kommerzieller Manager von Mikrofinanzanlagen gegründet. Heute bietet BlueOrchard Investoren auf der ganzen Welt erstklassige Anlagelösungen im Bereich Fremdkapital, Private Equity sowie nachhaltige Infrastruktur. Als Experte für innovative Blended Finance-Mandate ist das Unternehmen ein bewährter Partner international führender Entwicklungbanken. Mit einer breiten globalen Präsenz und Niederlassungen auf vier Kontinenten hat BlueOrchard bis heute mehr als 4,7 Mrd. USD in 70 Schwellen- und Entwicklungsländern investiert und damit messbaren sozialen Impact erzielt. BlueOrchard ist ein von der FINMA regulierter Vermögensverwalter. Seine luxemburgische Gesellschaft ist ein von der CSSF regulierter alternativer Investmentfondsmanager (AIFM). Weitere Informationen finden Sie hier: www.blueorchard.com.

Über Dr. Patrick Scheurle
Dr. Patrick Scheurle ist Vorstandsvorsitzender des Impact Investment Managers BlueOrchard Finance AG. Dr. Scheurle verfügt über langjährige Erfahrung in leitenden Positionen in der Finanzindustrie, u.a. als CFO und COO von BlueOrchard und Manager bei der Bank Vontobel und der Credit Suisse. Zuvor sammelte er fundierte Investmenterfahrung als Finanzanalyst und Portfolio Manager bei führenden Schweizer Vermögensverwaltern. Dr. Scheurle promovierte am Schweizerischen Institut für Banken und Finanzen der Universität St. Gallen und ist zudem Autor mehrerer Fachbücher. Er publiziert regelmässig Fachbeiträge im Bereich Mikrofinanz und Impact Investing.

Kontakt
David Keel
Head of Business Development
BlueOrchard Finance Ltd
Seefeldstrasse 231 I 8008 Zürich I Switzerland
Tel. +41 79 236 42 18

david.keel@blueorchard.com
www.blueorchard.com 

Wie man den Charakter von Managern beurteilen kann

von Mikuláš Splítek, Fondsmanager der Erste Asset Management.

Es ist ein wunderbarer Moment, bei der Aktienauswahl auf einen Faktor zu treffen, der wichtig, kenntlich und unbeachtet ist. Die Beurteilung des Charakters von Managern ist natürlich wichtig. Einerseits geht es um die Vermeidung von Fehlern (Betrug, Diebstahl, desaströse Akquisitionen, toxische Kultur). Andererseits handelt es sich bei Unternehmen um Gemeinschaften von Leuten. Diejenigen, die überleben und florieren sind jene, von denen Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten ein Teil sein wollen. Dies wird oft übersehen. Aufgrund der Tatsache, dass der Charakter von jemandem nur schwer fassbar ist, existiert keine standardisierte Methode um diesen zu beurteilen. Das Thema scheint nur selten in Lehrbüchern oder Lehrgängen auf, und Anleger sind generell pessimistisch, was ihre Fähigkeit der Beurteilung anbelangt. Was uns zum letzten Themenkreis führt: ist die Kenntnis des Charakters möglich? Anders formuliert, gibt es eine verlässliche Art und Weise einen Charakter zu beurteilen?

Viele Investoren erachten dies als unmöglich. Sie vermeiden generell den Kontakt mit dem Management des Unternehmens, um etwaige Beeinflussungen ihrer Urteilskraft hinsichtlich des Unternehmens selbst auszuschalten. Für mich überschätzen diese Personen die Möglichkeit, Finanzzahlen vorherzusagen und unterschätzen die Relevanz des Humanfaktors. Schließlich sind es Menschen, die die Unternehmensergebnisse herbeiführen, nicht umgekehrt. Man denke an Berkshire Hathaway in den 1960ern, als ein neuer CEO das Ruder übernahm – und hier waren es nicht die wirtschaftlichen Gegebenheiten in der Textilindustrie, die das Schicksal bestimmten. In der Tat sagte Warren Buffet, Berkshires CEO, folgendes: „Wenn ein Management-Team mit brillantem Track-Record auf ein Unternehmen mit einem Ruf für schlechte Gebarung trifft, dann bleibt der Ruf des Unternehmens intakt.“ Bis dato sind Menschen die einzige kreative Quelle, die den Weg eines Unternehmens verändern kann (obwohl manchmal die beste Variante die der Liquidation ist – wie im Falle des Textilbereichs von Berkshire).

Das Orakel von Omaha

Die Tatsache, dass die Beurteilung des Management-Charakters zumindest in einigen Fällen möglich ist, sollte aus den Kommentaren hervorgehen, die erfolgreiche Anleger zu dem Thema gemacht haben. „Wir verborgen Geld auf der Basis von Charakter,“ so J.P. Morgans berühmtes Zitat während eines Kongress-Hearings im Jahre 1912. „Er hatte keinen Hintergrund im Versicherungsgeschäft, ich mochte den Typen einfach,“ wie Warren Buffet in seiner Biographie in Bezug auf seinen nunmehrigen Star-Manager Ajit Jain zugab. „Ich glaube, wenn Sie mir diese Frage vor 25 Jahren gestellt hätten, wäre meine Anforderungsliste recht lang gewesen. Heute bin ich absolut überzeugt davon, dass es nichts Wichtigeres gibt, als großartige Leute als Partner zu haben,“ gab Yale Endowment Manager David Swensen auf die Frage hinsichtlich der Eckpfeiler seiner Anlagestrategie als Antwort. All diese Personen scheinen großes Vertrauen in die vorausblickende Beurteilung von Manager-Integrität zu besitzen. Für sie ist diese Beurteilung machbar.

Das bedeutet nicht, dass sie einfach wäre. Manager veröffentlichen nur selten negative Information, wenn sie nicht unbedingt müssen, und es ist schwierig, den Charakter von Managern von ihren geschäftlichen Fähigkeiten zu trennen. Schließlich verfügen wir alle über zumindest ein paar positive Charakteristika, und Manager treffen hinsichtlich ihrer eigenen Eigenschaften als die guten Verkäufer, die sie nun einmal sind, eine Auswahl, was sowohl gut als auch schlecht ist. Es besteht auch ein gesellschaftliches Tabu, negativ über andere zu sprechen. Darüber hinaus neigen Management-Sitzungen dazu, in einer fixen Umgebung einem vorgegebenen Skript zu folgen, was näheren Austausch einschränkt. Kein Wunder daher, dass viele Anleger aufgrund dieser Tatsachen nach wie vor andere Managerfähigkeiten (Führungsqualität, strategische Fähigkeiten, Anpassung etc.) als einfacher zu identifizieren ansehen, wie auch die Grafik zeigt. 

Quelle: Vinall, R. (2017). Identifying Managers with Talent and Integrity. Omaha, 5th May.

So viele Informationsquellen man auch anzapft (Geschäftsberichte über eine Vielzahl von Jahren hinweg, Konferenzgespräche, Management-Sitzungen, frühere Mitarbeiter, Wettbewerber, Zulieferer, Unternehmensbiographien usw.) – bezüglich des Charakters der Manager mag man nach wie vor im Dunklen tappen. In den Medien finden sich immer wieder Fälle von sehr fähigen und intelligenten Leuten (Analysten, Anleger, Geschäftspartner), die von unredlichen Managern betrogen wurden. Diese Fälle befeuern die schon angesprochene Skepsis auf der einen (weit größeren) Seite der Investment-Community hinsichtlich der (Un-)Möglichkeit, den Charakter von Managern zu beurteilen. Auf der anderen Seite sehen wir eine Handvoll an Individuen, die dies nicht nur als machbar ansehen, sondern sogar als beinahe selbstverständlichen Teil des Berufs als Anleger (Buffet verfügt über einen beinahe 100%ig positive Track-Record bei der Auswahl seiner Manager). Woher kommt diese Diskrepanz?

Wie meistert man die Fähigkeit, den richtigen Charakter auszuwählen?

Vielleicht ist die Fähigkeit nicht vermittelbar, da sie schwer zu erlangen ist. Finanzmodelle oder technische Analyse sind recht schnell begreifbar, und sie verlangen einem größtenteils keine Persönlichkeitsveränderung ab. Im Computer-Jargon könnte man von einer neuen „App“ sprechen. Aber die Fähigkeit, den Charakter von jemand anderen zu beurteilen, ist nicht annähernd dasselbe. Hierbei handelt es sich eher um ein Upgrade des Betriebssystems, welches direkt mit der eigenen Persönlichkeit verbunden ist. Man muss entsprechend jenen Werten leben, die man in Managern zu finden hofft, um zu wissen, um welche es sich dabei handelt. Es bedingt eines bestimmten moralischen Verständnisses, um die Moral anderer Leute einschätzen zu können. Wir mögen Menschen, die uns ähnlich sind. Daher können wir nur dann außerordentlich guten oder schlechten Charakter erkennen, wenn wir selbst dem Schatten der moralischen Mittelmäßigkeit entkommen. Nur dann kann man Gefallen oder Missfallen zu seinem Vorteil einsetzen. Anders ausgedrückt muss man seinen eigenen moralischen Anspruch erhöhen, um weiter zu sehen. Dies ist weder schnell noch einfach machbar, und niemand kann es einem beibringen. Tugendhaftigkeit kann nicht gelehrt werden, wie Plato in Menon vor mehr als 2300 Jahren argumentierte. Aber man kann sie lernen. Laut den Worten von Viktor Frankl und Carl Rogers kann sie über echtes und unnachgiebiges Engagement im und mit dem Leben erlernt werden.

Zusammenfassend kann man also festhalten: um den Charakter eines Managers korrekt einschätzen zu können, muss man selbst ein guter Mensch sein (bzw. werden). Da keine universelle Definition von „gut“ in diesem Zusammenhang existiert, liegt es an jedem selbst, sein Bestes zu versuchen. Natürlich weiß man nie, inwieweit man mit seinen Bestrebungen erfolgreich ist, doch ist dies auch nicht notwendig. Ein Fortschritt wird in jedem Fall gemacht. Die meisten Leute werden diese Vorgaben vermutlich als zu vage einstufen um überhaupt einen Versuch zu lancieren. Daher wird derjenige, der hartnäckig bleibt, am Ende mit einem Wettbewerbsvorteil aussteigen. Es mag nicht eingängig erscheinen, dass das Streben nach dem Guten im Menschen in der Finanzwelt hilfreich sein solle, aber ich nehme an, das ist genau der Grund, warum nur eine Handvoll Leute den breiten Markt ständig schlagen.


Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wir lüften das Geheimnis um alternative Anlagen

Alternative Anlagen werden von den Anlegern sehr geschätzt. Und das Angebot ist begrenzt, so Andrew Cole, Senior Investment Manager bei Pictet Asset Management.

Alternative Anlagen werden ebenso sehr geschätzt wie blaue Diamanten. Leider sind sie genauso selten – das, was im Anlageuniversum glitzert, ist nicht mehr als Strass.

Das liegt daran, dass die meisten Anlagen, die sich „alternativ“ auf die Fahne schreiben, trotz ihrer wahrgenommenen Einzigartigkeit oft nur aus normalen Basiswerten bestehen. Meist sind das einzig Einzigartige die höheren Managementgebühren und unzureichende Entschädigung dafür, dass man schwer an sie herankommt und sie alles andere als einfach zu verkaufen sind.

Überraschend ist das nicht. Die meisten Anlagen folgen in der Regel derselben Entwicklung, weil sie durch dieselben Fundamentaldaten beeinflusst sind, wie Zinsbewegungen und Inflation. Daher halten wir uns von den meisten alternativen Anlagen fern.

Echte alternative Anlagen sind schwer zu finden, aber das soll nicht heißen, dass die Suche danach es nicht wert wäre – vor allem heute, wo sich Anleihen und Aktien in ihrer Entwicklung immer ähnlicher werden.

Mit einer separaten Anlagegruppe im Portfolio, die einem eigenen Kurs folgt, können Anleger ihre Anlagen diversifizieren und sind so weniger stark den breiten makroökonomischen Kräften ausgesetzt.

Auch wenn es keine reinen alternativen Anlagen gibt, bieten sich dennoch solche mit dem richtigen Mix von anleihen- und aktienähnlichen Merkmalen an – solange der Preis stimmt. Eine Grundregel bei der Asset-Allocation besagt, dass man nicht zu viel für Diversifizierung ausgeben soll. Teure Anlagen schmälern die Portfoliorenditen, unabhängig davon, ob sie sich im Gleichschritt mit dem breiteren Markt entwickeln oder nicht. 

Mehr Schein als Sein?

Befasst man sich näher mit dem Thema Immobilien als alternative Anlage, werden schnell einige der Probleme deutlich, mit denen die Anleger konfrontiert sind. Es gibt zwei Formen von Immobilieneigentum: das Grundstück und das darauf errichtete Gebäude. Besitzt man ein Grundstück, ist das so, als würde man Aktien eines wachstumsstarken Unternehmens besitzen und mit einer Rendite in Form eines Kapitalgewinns rechnen. Das fertige Gebäude ist dann so etwas wie ein Schuldtitel, nur mit dem Unterschied, dass wir es hier nicht mit Kupons, sondern mit Mieteinnahmen zu tun haben. Es handelt sich also nicht um eine alternative Anlage in dem Sinn, dass sie immun gegen die traditionellen Triebkräfte von Anleihen und Aktien ist.

Das soll aber nicht heißen, dass Anleger mit Immobilien keine Diversifizierung erreichen können. Die Anlageklasse kann gegen Inflation schützen und zeichnet sich durch vertraglich vereinbarte Cashflows aus, die nicht notwendigerweise mit traditionellen Anlageklassen synchron laufen. 

EIN VOLATILES UNIVERSUM

Vergleich der Spanne langfristiger Renditen bei alternativen und traditionellen Anlageklassen

Quelle: Datastream, MSCI, JP Morgan, Prequin, HFRX, NCREIF. Die Renditen sind lediglich Richtwerte und basieren auf Indizes, die hypothetischer Natur sein können. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 20.03.2008–20.03.2018, außer in Bezug auf Gewerbeimmobilien, wo sie mit Stand vom 31.12.2017 angegeben sind. 

Private-Equity ist eine Anlageklasse, die davon profitiert, dass Schuldenmachen steuerliche Vorteile hat. Diese Anlage ist am besten für langfristig konzipierte, stabile institutionelle Kapitalpools wie Stiftungen und Staatsfonds geeignet, die das Vermögen lange Zeit unangetastet lassen können und dafür eine attraktive Rendite kassieren.

Eine weitere Möglichkeit sind Infrastruktur-Investments wie Mautstraßen, Flughäfen oder Wasserkraftanlagen. Da es sich dabei jedoch in der Regel um Verträge mit dem öffentlichen Sektor handelt, bilden sie letztendlich den öffentlichen Anleihenmarkt ab, wenn auch mit niedrigerer Liquidität und höheren Gebühren. Zudem bieten sie nicht die Aussicht auf aktienähnliche Kapitalgewinne.

Teure alternative Anlagen und solche, die noch nicht einmal Vermögenswerte sind

Viele Anleger zieht es zu alternativen Anlagen wie Kunstwerken, Wein, Briefmarken, Diamanten, seltenen Autos usw. Es handelt sich dabei allerdings um spekulative Anlagen. Ausschlaggebend für den Kauf ist meist die Erwartung, dass jemand anderes zu einem späteren Zeitpunkt einen höheren Preis für etwas zahlen wird, das keinen offensichtlichen inneren wirtschaftlichen Wert hat. Hinzu kommt, dass sich das Management solcher Anlagen oftmals recht schwierig darstellt. Der Verkauf eines Bestands mit solchen Vermögenswerten kann sich über mehrere Monate hinziehen und viel Nerven kosten – nicht zu vergessen die hohen Versicherungs- und Lagerkosten.

"Alternative Anlagen wie Kunstwerke, Wein, Briefmarken, Diamanten, seltene Autos usw. sind nichts anderes als spekulative Anlagen."

Wir betrachten diese genauso wenig wie Rohstoffe als alternative Anlagen, für uns sind es nicht einmal langfristige Vermögenswerte. Es gibt keinen Beleg, dass Rohstoffpreise mit der Zeit steigen. Im Gegenteil: Technologische Verbesserungen – effizientere Maschinen, bessere Prozesse oder so etwas wie die Grüne Revolution Mitte des 20. Jahrhunderts, als dank wissenschaftlicher Innovation und Technologie die Produktivität in der Landwirtschaft nach oben geschnellt ist – haben in der langfristigen Perspektive in der Regel einen Abwärtstrend bei Rohstoffpreisen ausgelöst.

Zudem sind Rohstoffe oftmals Verbindlichkeiten. Nehmen wir zum Beispiel Nutzholz. Es bringt keine Einnahmen, es entstehen Kosten für die Lagerung, es muss versichert werden und mit der Zeit verrottet es. Wälder hingegen sind Vermögenswerte. Die Anleger können entscheiden, wann Bäume gefällt und gepflanzt werden, ebenso über den Artenmix, d. h. langsam wachsende Laubhölzer oder schnell wachsende immergrüne Bäume.

Glitzerndes Gold

Gold ist ebenfalls eine interessante Anlageform. Nicht aufgrund seiner Eigenschaft als Rohstoff, sondern weil Gold eine alte Währung ist. So wie andere Rohstoffe bringt auch Gold keine Einnahmen und es entstehen Lager- und Versicherungskosten. Aber es nutzt sich nicht ab, es verliert nicht seinen Glanz und in der Vergangenheit hat es sich als Wertanlage bewährt. Und in einer Zeit, wo die Renditen bei allen Anlageklassen in der Regel hauchdünn sind oder sich sogar im negativen Bereich bewegen, fällt es kaum ins Gewicht, dass kein Gold keine sprudelnde Einnahmequelle ist.

EDELMETALL-MILLIONÄRE

Goldpreis, Dollar pro Unze

Quelle: Bloomberg. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.12.1979–22.03.2018. 

Gold kommt dann ins Spiel, wenn die Leute sich Sorgen machen, dass die Zentralbanken die Gelddruckmaschine anwerfen, um Währungen abzuwerten, sowie in Zeiten politischer Unsicherheit und Krieg. Gekauft wird Gold als sicherer Hafen. Die aktuelle Sorge im Zusammenhang mit Nordkorea, Trumps unberechenbare Politik und die aufgeblähten Bilanzen der Zentralbanken machen Gold als langfristige Anlage attraktiv.

Studien zufolge funktioniert Gold unter normalen Marktbedingungen auch als Absicherung gegen Kurseinbrüche bei Aktien1. Das bedeutet in der logischen Konsequenz, dass es als diversifizierende Portfoliokomponente gut geeignet ist.

Bewertung alternativer Anlagen

Grundsätzlich sind die meisten Anlagen, die sich „alternativ“ auf die Fahne schreiben, bei näherem Hinsehen alles andere als das – vielmehr verhalten sie sich genauso wie herkömmliche Anlagen. Es gibt aber auch Anlagemöglichkeiten, die sich lohnen. Die große Frage, die sich Anleger stellen müssen, ist, ob die Renditen ausreichen, um den Mangel an Liquidität auszugleichen, der mit diesen Anlagen typischerweise einhergeht. Und woran Sie immer denken sollten, egal ob Sie eine herkömmliche oder „alternative“ Anlage kaufen: Der Preis, den Sie für ein Anlageinstrument zahlen, hat erheblichen Einfluss auf Ihre Rendite.


Quellen:
1) “Is Gold a Hedge or a Safe Haven? An Analysis of Stocks, Bonds and Gold” Dirk Baur and Brian Lucey, The Financial Review 45 (2010), S. 217

Über den Autor
Andrew Cole kam 2014 zu Pictet. Heute ist er Senior Investment Manager im International Multi Asset & Strategy Team. Bevor er zu Pictet kam, arbeitete er 17 Jahre bei Baring Asset Management, zuerst als Portfoliomanager für Anleihen Welt und dann für ein Multi-Asset-Portfolio. Davor war er als Manager eines passiven Fonds für britische Staatsanleihen bei Barlow Clowes and Partners. Andrew Cole begann seine Laufbahn 1979 bei Montague Loeble Stanley als britischer Händler für Staatsanleihen.

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Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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