Der Vermögensverwalter von heute: auch verantwortlich für Anlegervertrauen

Die Herausforderungen für den Vermögensverwalter sind höher als je zuvor: Kostendruck und die Geschwindigkeit technologischer Veränderungen sowie neuer Regularien definieren das Umfeld, so Steffi Schenkewitz, Senior Manager bei KPMG Luxemburg.

Als wenn das nicht schon genug wäre, so ist noch ein weiteres Wettbewerbsfeld hinzugekommen: der Kampf um das Vertrauen der Anleger.

Vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen sind insbesondere in der Vermögensverwaltungsbranche von Bedeutung. Ob direkt mit dem Kunden oder über Vermittler: Die Vertrauensbeziehung zwischen Anleger und Vermögensverwalter ist entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg auf beiden Seiten.

Eine sich wandelnde Branche

Die Vermögensverwaltung zielte bisher hauptsächlich auf vermögende Privatpersonen ab, die oft Private Banker an ihrer Seite hatten. Dementsprechend passten Fondshäuser ihre Arbeitsweisen, Kostenstrukturen und Marketingmaßnahmen an diese Kundengruppe an und schufen damit eine Branche, die eher im B2B-Bereich angesiedelt war.

Die digitale Transformation hat jedoch zeitgleich in vielerlei Hinsicht eine Revolution der Denkweise ermöglicht bzw. ausgelöst. Eintrittsbarrieren wurden in vielen Bereichen gesenkt, angefangen bei Autoren, die E-Books selbst veröffentlichen, bis hin zu Unternehmern, die digitale Geschäfte einfach ins Leben rufen. Das Anlagegeschäft ist hier keine Ausnahme: Mit einem Markt für Investoren, die weniger Geld investieren wollen (zwischen 1.000 € und 100.000 €), haben Robo-Advisor und Social-Trading-Plattformen an Fahrt gewonnen, indem sie ihre Anleger direkt mit dem verbinden, was sie suchen. Für die Nutzer wird die so gewonnene Form der Selbstbestimmung lebendig, sei es, wenn sie ein Buch selbst veröffentlichen, ein Unternehmen gründen oder in einen Fonds direkt investieren.

Dementsprechend erkennen Vermögensverwalter jetzt, dass es um die Befähigung und Zufriedenheit der Anleger geht. Einige Fondsmanager versuchen sogar, ihre Vermittler zu umgehen, um die Kundenbeziehung direkt zu pflegen und noch mehr zu vereinfachen. Wie auch immer die Taktik aussieht, die Wahrheit ist, dass ein Markt für maßgeschneiderte Dienstleistungen und personalisierte Investitionen entstanden ist. Die Anleger verstehen nicht oder wollen nicht verstehen, warum der Kauf eines Fonds anders und komplizierter sein sollte als ihr Einkauf bei Amazon. Es liegt nun also an den Fondshäusern, diesen Erwartungen zu entsprechen und relevante Lösungen zu bieten, um damit durchweg positive Erfahrungen bei den Anlegern zu schaffen.

Tricks und Techniken

Im Mittelpunkt des Anlegervertrauens steht die sogenannte Investor Journey („die Reise des Anlegers“), ein Weg mit vielen Interaktionen und Kontaktpunkte zwischen dem Vermögensverwalter und dem Anleger. Bei einem Robo-Advisor läuft diese Reise vollständig über eine klare und digitale Plattform ab: Ein Algorithmus liefert den Anlegern maßgeschneiderte Portfolios, sie erhalten 24-Stunden-Zugang, Telefon- und Tablet-Apps und vieles mehr. Andere Startups haben sich auf das Onboarding von Kunden fokussiert – ein Schlüsselmoment auf der Reise des Anlegers. Dabei wird der traditionelle Ansatz der Kundenannahme vollständig aufgegeben und durch einen technologie-basierten Ablauf ersetzt. Sogenannte Neobanks verstehen sich in diesem neuen Ansatz und bieten eine äußerst einfache Onboarding-Erfahrung für Kunden.

Letztendlich sollte die Reise für den Anleger unkompliziert sein, auch wenn im Hintergrund eher komplexe und vielschichtige Prozesse ablaufen. Einige der komplexen Faktoren, wie etwa regulatorische Anforderungen, können sogar in erfreuliche Erfahrungen umgewandelt werden: intelligente Fragebögen erlauben beispielsweise einen spielerischen Weg zur Einhaltung der MiFID-Regeln.

Insgesamt geht es darum, den Endkunden zu verstehen, zu bedienen und so sein Vertrauen zu gewinnen. Anstatt ihm zu sagen, welche Fonds am besten für ihn sind, werden Anlagen personalisiert und auf einer einfach zu bedienenden Plattform mit minimalen administrativen Hürden angeboten. Nicht zu vergessen: die Transparenz – ein weiterer Faktor, den Kunden sehr schätzen. Fondsmanager versuchen als Antwort darauf, eine stärkere und transparentere Verbindung zwischen der Fondsgesellschaft und dem Anleger aufzubauen. Sie arbeiten an neuen internen Strukturen und Prozessen, um die nachgelagerten Stellen innerhalb der Fondsgesellschaft auf das Bewusstsein für die Anleger und deren Erwartungen zu fokussieren. So können Fondsgesellschaften die Art und Weise, wie all ihre Mitarbeiter das Markenversprechen einhalten und umsetzen, verbessern.

Ausblick in die Zukunft

Aber was bedeuten diese Veränderungen für die Fondsmanager von heute? In erster Linie bieten sich große Möglichkeiten für die Zusammenarbeit. Vor ein paar Jahren noch schürten neue digitale und regulatorische Trends Ängste. Heutzutage werden sie als nützliche Mittel angesehen, um mit Kunden auf wirksame Art und Weise zu interagieren.

Interessante und kreative FinTechs stehen für jeden Teil der Wertschöpfungskette zur Verfügung. Was also bleibt, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein und das Vertrauen des Anlegers von morgen zu gewinnen, ist neben strategischen Partnerschaften auch das Markenversprechen konsequent umzusetzen, positive Erfahrungen für Anleger zu schaffen und sich an dessen Bedürfnisse permanent anzupassen.


Der Beitrag erschien zuerst auf fondstrends.lu.

Steffi Schenkewitz

Steffi Schenkewitz ist Senior Manager bei KPMG Luxemburg. Sie hat mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Prüfung von Banken und Investmentfonds bzw. Fondsgesellschaften gesammelt. Seit drei Jahren ist sie in einer überfunktionalen Rolle tätig und begleitet firmenübergreifende Projekte im Bereich Marktauftritt, Business Development und Markteintrittsstrategien.

Umstrittene Waffen: Appell an die Indexanbieter

Wir appellieren an die Indexanbieter, umstrittene Waffen aus den Hauptindizes auszuschließen, erklärt Laurent Ramsey, Managing Partner and CEO von Pictet Asset Management.

Wir als Vermögensmanager stellen Kapital zur Finanzierung der Realwirtschaft zur Verfügung. Wir haben die Pflicht, dieses Kapital verantwortungsvoll zu verteilen, und müssen dabei die Bedürfnisse zukünftiger Generationen berücksichtigen.

Dazu gehört auch, dass wir nicht in Unternehmen investieren, die an der Herstellung umstrittener Waffen beteiligt sind. Aus diesem Grund appellieren wir gemeinsam mit anderen Vermögenseignern und Vermögensmanagern an die Indexanbieter, die umstrittenen Unternehmen aus ihren Hauptindizes auszuschließen. Die Initiative, die zusammen mit Swiss Sustainable Finance umgesetzt wird, hat bereits über 140 Unterzeichner gefunden – auf die in der Summe ein Vermögen von 6,9 Bio. US-$ entfällt. Jetzt sind die Indexanbieter am Zuge.

Investments in Unternehmen, die mit umstrittenen Waffen wie Streumunition, Antipersonenminen sowie chemischen, biologischen und Atomwaffen zu tun haben, verstoßen bereits gegen viele nationale und internationale Vorschriften und Abkommen wie den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen und das Übereinkommen zum Verbot von Streumunition.

Die Indexanbieter belassen sie aber weiterhin in ihren großen Indizes. Für aktive Anleger hat die Umsetzung der Ausschlüsse einen zusätzlichen Tracking Error gegenüber den Standard-Benchmarks und weitere Kosten zur Konsequenz. Passive Anleger hingegen haben oftmals keine Wahl, weil die große Mehrheit der Strategien traditionelle, ausschlussfreie Indizes nachbildet. Wenn Anleger heutzutage gängige Benchmarks nachbilden, tragen sie unweigerlich zur Finanzierung von Unternehmen bei, die an der Herstellung umstrittener Waffen beteiligt sind.

Das muss sich ändern. Gemäß internationalen Verträgen und Übereinkommen, Investmentpraktiken und der öffentlichen Meinung sollten sich Hersteller umstrittener Waffen nicht mehr so einfach Geld beschaffen können. Dem Konsens zufolge sollten sie aus aktiven und passiven Investments ausgeschlossen werden.

Wir sind der festen Überzeugung, dass die Anlegergemeinschaft eine treibende Kraft für positive Veränderung sein kann, die Verbesserungen bei der Corporate Governance und nachhaltigen Geschäftspraktiken bewirkt und einen Beitrag zur Finanzierung neuer Technologien zum Schutz der Umwelt leistet. Diese Initiative ist eine Chance, einen wirklichen Wandel herbeizuführen.


Nähere Informationen zu der Initiative finden Sie auf der Website von Swiss Sustainable Finance.

Über den Autoren

Laurent Ramsey ist seit dem 1. Januar 2016 geschäftsführender Teilhaber der Gruppe. Er ist CEO und mitverantwortlicher Teilhaber von Pictet Asset Management, dem institutionellen Geschäftsbereich der Pictet-Gruppe. Laurent Ramsey hat 22 Jahre Erfahrung in der Asset-Management-Branche, davon 16 in den Bereichen Pensionsfonds und Vertrieb. Er kam 1993 zu Pictet. Nach zwei Jahren in Genf war er in Asien als Senior Investment Manager in Hongkong und Singapur tätig. Danach wurde er mit der Entwicklung des institutionellen Geschäfts in dieser Region betraut und zum Executive Director von Pictet Asia ernannt. Im Jahr 2000 kam Laurent Ramsey zurück nach Genf, wo er zuerst die Funktion des Head of Marketing & Sales von Pictet Funds innehatte. 2004 wurde er zum CEO dieses Geschäftsbereichs ernannt. Nach der Fusion von Pictet Funds und Pictet Asset Management im Jahr 2010 wurde Laurent Ramsey Global Head of Distribution der neu geschaffenen Geschäftseinheit Pictet Asset Management. Laurent Ramsey hat einen Bachelor und einen Master in internationaler Betriebswirtschaft der Handelshochschule Lausanne (HEC/Unil). Im Jahr 1994 erwarb er überdies das Schweizer AZEK-Diplom für Finanzanalysten und Portfoliomanager.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 171 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Yin and yang: how private assets and derivatives can work together

Data suggests that many institutions would benefit from higher allocations to private assets, but that liquidity constraints often limit their use. Jon Exley, Solutions Manager at Schroders, discusses how the use of derivatives can help address the liquidity concerns.

Many studies indicate that private assets offer a significant risk premium above public market comparators, even allowing for higher asset management costs.

The volatility of private assets is also no worse, or sometimes even better, than the volatility of their public market equivalents. This implies that unconstrained portfolio optimisation would result in very high allocations to private assets.

So why are private assets not more widely used?

Concern over portfolio liquidity tends to explain why private asset allocations are generally well below the theoretical optimum. Indeed, the risk premium on private assets is often explained as an “illiquidity premium”, available only to those who can tolerate illiquidity.

The important point to note here is that liquidity constraints are usually met simply by ensuring that the investor has sufficient liquid assets in stressed downside scenarios to fund their liquidity requirement. In other words, we are not usually stressing the liquidity requirement itself – or the illiquid asset - but instead stressing the residual liquid assets.

However, a stressed event in liquid assets is really just a significant fall in their market value. Thus, the capacity to hold illiquid assets can potentially be increased by managing the downside risk of the liquid assets (i.e. the risk of a significant fall in a liquid asset’s value) and one of the most effective ways of doing this is through the use of derivative instruments.

Derivatives can improve downside risk characteristics of liquid assets

We modelled three different approaches to allocating to private assets subject to a liquidity constraint. The base strategy allocated the maximum amount to private assets that can be achieved without breaching the liquidity constraint in the 99thpercentile modelled outcome for liquidity.

We found that a strategy which allocated an additional 10% to private equity combined with put protection meets the liquidity constraint and still captures two thirds of the improvement in portfolio internal rate of return (IRR) seen in the base strategy, after basically spending the remaining one third of the IRR improvement on the put option protection. 

It is worth remembering that the use of protection serves a dual purpose: not only can it facilitate higher investment in illiquid assets to improve overall expected return, it also reduces the downside risk of the overall portfolio. Indeed, the solution could equally be thought of as subsidising the cost of risk management using the illiquidity premium.

An investor concerned about developed market equity valuations could potentially implement the above put strategy to address downside risk and use an allocation to illiquid assets to mitigate the cost impact on expected return. 

Derivatives can also improve the liquidity characteristics of private assets

Furthermore, the put protection doesn’t have to be notionally paired with the public assets; it can also be paired with the private assets. This strategy can then be viewed as improving its liquidity by providing a targeted “liquidity shot” during periods of public market distress rather than managing downside risk of the private asset per se. 

So, we can view derivative based risk management solutions as either improving downside risk characteristics of liquid assets or improving the liquidity characteristics of private assets.

Derivatives can help increase returns, lower risk and enhance liquidity 

In conclusion, there has been significant interest recently in the idea of combining various forms of private assets to provide blended solutions. We would suggest that derivative based risk management strategies should be considered alongside illiquid assets as part of these blended solutions, potentially creating overall strategies with higher return, lower risk and enhanced liquidity. 


To read the full report as a PDF, click here. To find out more about private assets at Schroders, click here.

This article has first been published on schroders.com.

„Die Fondsindustrie kann von der Luxusgüterindustrie viel lernen“

Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH in Zürich und seit über 30 Jahren in der Finanzindustrie tätig. Im Interview mit FondsTrends erklärt er, was die Luxusgüterindustrie anders als die Fondsindustrie in der Werbung macht.

FondsTrends: Herr Caduff, Ihr Haus ist jüngst ins Video-Geschäft eingestiegen. Was sind die Gründe und warum gerade jetzt?

Thomas J. Caduff: Das Thema „Videos“ liegt schon lange auf meinem Schreibtisch, ich habe die Papiere immer wieder von einer Seite auf die andere Seite geschoben. In dieser Zeit habe ich bestimmt über 100 Finanz-Videos bis ins letzte Detail angeschaut, und es wurde mir dabei meistens rasch ziemlich langweilig. Auch kann man die Firmen, die damit im deutschsprachigen Raum nachhaltig Geld verdienen, an einer Hand abzählen. Also erlosch immer wieder mein Interesse, gerade dann, als ich das Projekt anschieben wollte.

Die Initiative, warum gerade jetzt, kam von meiner Frau. Sie designte für einen der beiden grossen deutschen Sportartikelhersteller und nun für zwei bekannte Schweizer Uhrenmarken. Da kam mir bei einer Bergwanderung der Gedanke, mal deren Social-Media-Aktivitäten anzuschauen, im Speziellen, was deren Influencer auf Instagram so alles machen. Und das hat binnen weniger Minuten so gepackt, dass ich mir sagte, das sollte man so auch in der Finanzindustrie machen – natürlich angepasst auf das konservative Umfeld unserer Branche.

FondsTrends: Wie werden dann diese Luxusgüter beworben?

Thomas J. Caduff: Man kann es auf einen Nenner bringen: Story Telling. Sie werden nie eine Schauspielerin, einen Schauspieler oder einen Sportstar sehen, der einem erklärt, wie das Uhrwerk ihrer oder seiner Uhr funktioniert. Aber der Betrachter bekommt augenblicklich das Gefühl, dass die Person das Produkt liebt und es wirklich cool findet.

Bei Finanzanzeigen kommt jedoch immer gleich der Disclaimer mitgeliefert, dass man mit dem Kauf des Produktes ein Teil seines investierten Kapitals verlieren kann. Es leuchtet wohl jedem ein, dass dies nicht gerade viel Freude und Begeisterung beim Betrachter weckt.

FondsTrends: Können Sie das denn anders machen?

Thomas J. Caduff: In unseren Verträgen steht, dass kein Produktname und keine Angaben zum Produkt wie zum Beispiel ISIN-Nummern erwähnt werden dürfen. Auch sind selbstredende Gewinnversprechungen tabu. Es geht schlicht ergreifend ums Branding. Also ganz genau das, was die Modehäuser aus Paris und Mailand in all den Hochglanzheften ständig machen. Wir liefern sozusagen die Speisekarte, essen tun die Interessierten dann auf der Website unserer Kunden. Und ganz wichtig: Es sind Interview-Videos, beinhaltend drei Fragen und der Clip dauert maximal drei Minuten.

FondsTrends: Und wie geht das technisch?

Thomas J. Caduff: Was vor einigen Jahren noch undenkbar war, ist heute Realität. Jedermann kann nun sein eigener Video-Produzent sein. Im Büro oder irgendwo auf dem Globus. Wir nutzen dafür die modernste Smartphone-Technologie: schnell, effizient und kostengünstig. Wir sind dafür eine Kooperation mit einem Züricher IT-Unternehmen eingegangen, das in der Finanzindustrie sehr erfolgreich unterwegs ist.

Kurzum: Mit „Experten-Spotlights“ bieten wir ein disruptives komplett neues Finanz-Video-Format in der Schweiz, in Deutschland, Luxemburg und Österreich an. Die Videos gehen innert weniger Minuten online und werden in die wichtigsten Social-Media-Kanäle eingespeist. In Deutschland ist das große Finanzportal ariva.de unser Medienpartner. Sie können natürlich auch fürs eigene Marketing zielgenau verwendet werden. Hier sehen Sie kurz zusammengefasst, um was es geht.

FondsTrends: Können Sie ein paar Worte zu den Kosten sagen?

Thomas J. Caduff: Der Preis pro Video – also Produktion und unser Vertrieb an eine fünfstellige Anzahl an Kontakten – kostet wenige hundert Euro. Das ist unschlagbar tief, insbesondere auch im Vergleich zu Anzeigen. Die sind bekanntlich vergänglich, ein Video bleibt aber beispielsweise auf YouTube.

FondsTrends: Was für Adressen sprechen Sie damit an?

Thomas J. Caduff: Alle Finanzadressen, die mit wenig Geld viel Beachtung bekommen wollen. Aber es ist auch klar, dass die ganz grossen Adressen Videos lieber selbst machen. Ich hatte vor ein paar Tagen ein gemeinsames Lunch mit einem Country Head einer im Markt relevanten Adresse. Er sagte mir, O-Ton: „Thomas, das ist echt cool, eine super Sache, aber ich bekomme dies beim „Legal & Compliance“ in London niemals durch.“ Es werden also vornehmlich Häuser sein, deren Management – und nicht die Rechtsabteilung – Entscheidungsbefugnis hat und dann natürlich die vielen hundert Fondsboutiquen, die es im DACH-Raum gibt. Damit ist der Kreis aber längst nicht geschlossen. Auch zum Beispiel für Service-Anbieter ist unser „Experten-Spotlight“-Angebot von grossem Nutzen.

FondsTrends: Nennen Sie noch ein Beispiel – wie können die Videos ganz konkret in der Akquise genutzt werden?

Thomas J. Caduff: Sehr gerne. Als ich mich jüngst mit einem Sales einer mittelgrossen Fondsboutique unterhielt, merkte ich rasch, dass seine Reisekosten innerhalb Deutschlands beträchtlich sind und die Abschlussquote noch viel Luft nach oben hat. Ich habe seinen Äußerungen entnommen, dass nicht alle seine Besuche wirklich Früchte trugen. Ich habe ihm empfohlen, diesen Kontakten vorgängig ein Video mit seiner dreiminütigen Botschaft zu senden und dann anzufragen, was sie von seinem Angebot halten. Was nämlich auch nie vergessen werden darf, die Person muss dem potenziellen Geschäftspartner sympathisch sein, ansonsten lässt sich auch das beste Produkt nur schwerlich verkaufen. Nebst dem „Story Telling“ kommt dank der Videos auch der „Personal Touch“ rüber. Das wird niemand auf dieser Welt nur mit PowerPoint-Präsentationen und Factsheets erreichen.


Das Interview wurde geführt von FondsTrends und erschien zuerst auf fondstrends.lu.

Thomas J. Caduff

Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH in Zürich. Er ist seit über 30 Jahren in der Finanzindustrie tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehörten das Börsenkommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Thomas J. Caduff diente ferner drei Jahrzehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations- und Medienoffizier. Herrn Caduff finden Sie auf:

Entwicklungschancen durch Bildung

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei Raiffeisen Capital Management.

Die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben sowie die Beherrschung der Grundrechnungsarten sind eine Basisvoraussetzung, um die eigenen Potenziale entfalten zu können. Fehlende Selbstbestimmung und mangelnde Teilnahme an gesellschaftlichen Prozessen führen zu einer Einschränkung der persönlichen Freiheit des Menschen. Während die Millennium Development Goals (MDG) der Vereinten Nationen vor zwanzig Jahren mit dem Ziel Nr. 2 lediglich ein Grundwissen anstrebten, gehen die 2015 veröffentlichten Sustainable Development Goals (SDG) deutlich weiter und sprechen im vierten Ziel nicht nur von Bildung, sondern von „Bildung mit Qualität“.

Das Bildungssystem eines Staates hat drei grundlegende Aufgaben. Erstens sollen Werte, Normen und Traditionen vermittelt werden. Mit dieser soziokulturellen Aufgabe ist auch die Integrationsfunktion der Bildung verbunden. Zweitens geht es um die Schaffung geeigneter Qualifikationen durch Bildung. Diese ökonomische Funktion des Bildungssystems umfasst auch Themen wie die finanzielle Allgemeinbildung. Drittens erfüllt das Bildungssystem eine politisch-soziale Aufgabe, wozu die Verringerung der sozialen Ungleichheit zählt. Das Bildungssystem hat zudem das Ziel, Menschen in geeigneter Weise für den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Dabei ist der optimale Mittelweg zwischen guter Allgemeinbildung und rein fachbezogener Ausbildung zu suchen.

Eine geeignete und profunde Ausbildung erhöht die Chancen, eine attraktive und gut bezahlte Arbeit zu finden. Innovative und auf komplexe Prozesse spezialisierte Unternehmen liefern sich bereits seit einiger Zeit einen regelrechten Kampf um die besten Köpfe unter den top ausgebildeten Absolventen der Universitäten. Intelligente und hochgebildete High Potentials können sich ihren Arbeitsplatz unter verschiedenen attraktiven Angeboten aussuchen und auch entsprechende Ansprüche an den potenziellen Arbeitgeber stellen.

Analphabetismus kann als ein wesentlicher Grund für die strukturelle und ökonomische Rückständigkeit eines Staates gesehen werden, allerdings ist dieses Phänomen auf globaler Ebene heutzutage deutlich weniger verbreitet als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Analphabetenquote eines Landes als Indikator für das Bildungsniveau beschreibt denjenigen Anteil der Bevölkerung, der nicht lesen und schreiben kann. Deutliche Ungleichgewichte und Unterschiede bei den länderspezifischen Alphabetisierungsraten sind dabei immer wieder zu beobachten. Sie können sich aufgrund von Aspekten wie Diskriminierung, Migrationshintergrund oder auch Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe ergeben. Im Jahr 2016 lag die Alphabetisierungsrate weltweit bei 86 %. Eine sehr hohe Analphabetenquote ist aktuell in einzelnen Ländern in Zentralafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten zu beobachten. Im Bereich der Länderbewer tung im Nachhaltigkeitsrating nimmt das Thema Bildung – als Qualitätsmerkmal einer Volkswirtschaft – einen wesentlichenTeil im Rahmen der Bewertung der sozialen Strukturen und damit im Sozialrating eines Landes ein. Zwischen den Themen Bildung und Gleichberechtigung besteht ein originärer Zusammenhang.

Unterschied der Alphabetisierung zwischen jungen Männern und Frauen, 2015

Quelle: Weltbank, OurWorldInData.org CC BY-SA

Vermutlich liegen die beiden Ziele „Hochwertige Bildung“ (SDG 4) und „Geschlechtergleichstellung“ (SDG 5) der Vereinten Nationen also nicht zufällig direkt nebeneinander. Auch heute noch ist das Recht auf Bildung in vielen Regionen der Welt dem männlichen Teil der Bevölkerung vorbehalten. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Frauen auch im deutschsprachigen Raum den vollständigen Zugang zu Universitäten erst Anfang des 20. Jahrhunderts erhielten. Weltweit gesehen lag die Alphabetisierungsrate im Jahr 2016 für den männlichen Teil der Bevölkerung bei 90 % und für den weiblichen Teil bei 83 %, woraus sich ein geschlechtsspezifischer Unterschied von sieben Prozentpunkten ergibt. Regional bestehen vor allem am afrikanischen Kontinent beträchtliche Unterschiede.

Natürlich hat Bildung nichts mit charakterlichen Eigenschaften oder dem Wesen eines Menschen zu tun. Trotzdem darf man Bildung als einen wesentlichen Aspekt der persönlichen Entwicklung und des individuell erreichten Wohlstandes betrachten. Der sogenannte Index der Menschlichen Entwicklung oder Human Development Index (HDI) wird vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) veröffentlicht. Er ist eine Art Wohlstandsindikator und berücksichtigt neben dem Bruttonationaleinkommen auch die Lebenserwartung sowie die Dauer der Ausbildung. Der HDI fokussiert auf Menschen, Chancen und Wahlmöglichkeiten. Insofern ist das Thema Bildung für den Index von größter Bedeutung. Im globalen Trend verbesserte sich dieser Wert zuletzt vor allem durch eine Steigerung der Lebenserwartung. Hervorzuheben ist, dass im untersten Segment zahlreiche Länder die Indexbewertung im Vergleich zu 2010 deutlich steigern konnten. Österreich erreichte 2018 mit einem Wert von 0,908 den zwanzigsten Rang weltweit.

Human Development Index (HDI)

Wert 2017 und jährliche Steigerungsrate in Dekaden Quelle: Human Development Report Office 2018

Eine Studie der WU Wien und des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg zeigt eine interessante Korrelation zwischen Lebenserwartung und Bildung. Gemäß den Aussagen der Wissenschaftler ergab sich in den letzten Jahren ein zunehmender Gleichlauf, der nicht nur auf einer gesünderen Lebensweise basieren könnte. Es scheint ein weiterer Horizont in der Lebensplanung von besser gebildeten Menschen erkennbar – Risiken werden so offenbar besser erkannt und vermieden.

Anteil der Bevölkerung mit tertiärer Bildung, 2017

Quelle: OECD (2018), Adult education level (indicator). doi: 10.1787/36bce3fe-en – accessed on 13 November 2018

Ein hoher Anteil von überdurchschnittlich gebildeten Menschen wird zumeist als Standortvorteil im Wettbewerb um anspruchsvolle und zukunftsträchtige Technologien interpretiert. Die aktuellen Statistiken der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2017 sehen beim Prozentanteil der Bevölkerung mit tertiärer Bildung (Abschluss an Universitäten und Hochschulen) Kanada mit einem Anteil von 57 % in der führenden Position vor Japan und Israel mit je 51 %. Österreich und Deutschland liegen mit 32 und 29 % im unteren Mittelfeld, die Schweiz mit 43 % im Vergleich deutlich höher. Die Vergleichbarkeit der Daten wird allerdings durch national unterschiedliche Bildungssysteme und Definitionen erschwert.

GREEN JOBS

Das Thema Nachhaltigkeit und die unterschiedlichen Einflussfaktoren auf ein verantwortungsvolles und zukunftsfähiges Wachstum finden immer mehr Eingang in den Bildungsbereich.

Die theoretische Seite einer Kombination von Bildung und Nachhaltigkeit findet Platz an immer mehr Hochschulen, die Ausbildungen im Bereich Nachhaltigkeit anbieten. Auf der praktischen Seite steigt das Angebot an „Green Jobs“ dynamisch an. Im akademischen Bereich wurde in Österreich bereits vor vielen Jahren ein Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien ins Leben gerufen. Außerdem existiert mit der Allianz Nachhaltige Universitäten ein nationaler Zusammenschluss von bis dato 15 österreichischen Universitäten, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen.

Mit entsprechender Bildung und Ausbildung und einem Fokus auf Nachhaltigkeit können immer mehr Menschen vom wachsenden Angebot an sogenannten „Green Jobs“ profitieren. Dahinter stehen die Ziele von Nachhaltigkeit und einem Wachstum, das von ökologischen und sozialen Aspekten unterstützt wird. Laut EU-Definition handelt es sich bei Green Jobs um Arbeitsplätze, die beispielsweise in der Herstellung von Produkten oder dem Angebot von Technologien und Dienstleistungen angesiedelt sind, die nachhaltigen Mehrwert generieren. Konkret geht es bei diesen Jobs darum, Umweltschäden zu vermeiden und natürliche Ressourcen zu erhalten. Green Jobs finden sich in vielen Sektoren der Wirtschaft, sie sind mit unterschiedlichen Qualifikationen verbunden.

Die Definition der International Labor Organisation (ILO) für Green Jobs unterstreicht vor allem die Klimaschutz-Perspektive dieser Berufsalternativen. Erwähnt werden unter anderem die Themenbereiche Energie- und Materialeffizienz, die Absenkung von Treibhausgasemissionen, die Minimierung von Abfall und Schadstoffbelastungen, der Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen und die Anpassung an die Effekte des fortschreitenden Klimawandels.

Um die Breite der Möglichkeiten von Green Jobs darzustellen, bietet sich auch ein Abgleich mit den Zielen für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) an. Auf Basis der SDG-Definitionen können Green Jobs auf acht verschiedenen Ebenen angesiedelt werden. Im SDG Ziel Nr. 1 geht es um die Verbesserung der Belastbarkeit armer Teile der Bevölkerung angesichts negativer Effekte des Klimawandels. Im Zusammenhang mit dem Thema Bildung geht es im SDG Nr. 4 um die Erweiterung individueller Fähigkeiten im Beruf durch die verstärkte Berücksichtigung nachhaltiger Inhalte. In den SDG-Zielen 5 und 6 werden die Aspekte von Nicht-Diskriminierung und Verbesserung der Wasserversorgung und sanitären Versorgung behandelt. Der Ausbau der Produktion von sauberer Energie und die Versorgung mit dieser sind eine wesentliche Basis für Green Jobs, welche ein starkes Wachstum aufweist. Ebenso wichtig, wenn es um ökologisch interessante Jobs geht, ist die Transformation der Wirtschaft in Richtung einer nachhaltigeren Ausrichtung im Ziel 8. Die SDGs 12 und 17 sind von Bedeutung, wenn es um Arbeit in den Bereichen nachhaltiger Konsum, gesundes und sicheres Wohnen sowie die Gestaltung der administrativen und finanziellen Basis für Green Jobs geht.

POSITIVKRITERIUM

Für Nachhaltigkeitsinvestoren ist das Thema Bildung in mehrfacher Hinsicht relevant. Es ist ein Positivkriterium und kein Ausschlusskriterium. Dies gilt sowohl für die Unternehmensebene, wie etwa die Weiterbildung der Arbeitnehmer, als auch für das nationale Bildungssystem. Nachhaltigkeitsanalysen auf Staatenebene ziehen ihre Bewertung der Bildung unter anderem aus Daten zum Analphabetismus und zur durchschnittlichen Länge des Schulbesuchs. Gemeinsam mit dem Thema Gleichberechtigung fließen sie in den Cluster der humanen und sozialen Bedingungen ein. Im Bereich der Bildung auf Unternehmensebene sind neben der Qualifizierung der Arbeitnehmer auch Unternehmen zu erwähnen, deren „Produkt“ bildungsbezogen ist. Mit Unternehmen, die im Verlagswesen tätig sind oder privaten Anbietern von Studienangeboten, können sich für den nachhaltigen Investor interessante Investmentalternativen ergeben.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Bildung“ finden Sie links als PDF.