Nachhaltige Investments mit dem Bio-Rohstoff Hanf

Der Gesellschaft wird zusehends die globale klimatische Entwicklung bewusst, sodass nachhaltige und ökologisch korrekte Investments seit Jahren an Priorität gewinnen. Einige Innovationen sind in sich widersprüchlich, wie etwa die Mobilitätsthematik und E-Antriebstechnologien, mit hohem Bedarf an Lithium und Kobalt. Hanf scheint hingegen ein berechtigtes Trendthema zu sein. Richtet man nun den Fokus auf die Pflanze und den daraus entstehenden Bio-Rohstoff entfalten sich facettenreiche Verwendungszwecke, erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc.

Ein Bio-Rohstoff sollte schnell wachsen, robust gegen Schädlinge sein, und eine hohe Qualität und vielseitige Nutzung der Bio-Masse bieten.

Hanf wächst hervorragend, ursprünglich aus dem asiatischen Raum stammend bietet die heutige variantenreiche Genetik optimale Anbaubedingungen nahezu rund um den Globus. Vergleicht man Hanf an dieser Stelle mit anderen Bio-Rohstoffen, entfallen somit potenziell die Transportkosten – gut für den Geldbeutel und den geologischen Fußabdruck. Beim Wuchs entfallen anders als bei nahezu jeder anderen industriellen Feldfrucht der Bedarf an Pestiziden (gegen Schädlinge) und Herbiziden (gegen Pilzbefall). Die Cannabinoide THC und CBD, in der Pharmazie und als Genussmittel bekannt, beinhalten optimale natürliche Schutzmechanismen gegen diesen Schadbefall. Noch besser wird die Öko-Bilanz dadurch, dass Hanf während des Wuchs Agrarböden revitalisiert und durch die schnell wachsende Bio-Masse große Mengen CO2 bindet.

Ist der Hanf nun erntebereit bietet er verschiedene Rohstoffe: Fasern, Schäben, Samen, Blätter und Blüten.

Für die Lebensmittelindustrie gilt: Hanfsamen gehören zu den ernährungsphysiologisch hochwertigsten Ölfrüchten. Hanföl, gewonnen aus den Hanfsamen, ist besonders reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, hier sind besonderes die essenziellen Fettsäuren Linolsäure und Alpha-Linolensäure zu beachten. Die Omega-3-Fettsäure kommt nur in sehr wenigen Speiseölen in dieser hohen Konzentration vor. Hanfprotein, ein veganes Protein aus den Hanfsamen, enthält alle 8 essenziellen Aminosäuren und ist sogar leichter verdaulich als Sojaprotein. Hanf kann potenziell eine tragende Rolle in der Welt-Ernährungsfrage spielen.

In der Bauindustrie ist Hanf geschätzt, 97% der Pflanze können verarbeitet werden. Die Fasern sind langlebig, leicht, reißfest, diffusionsoffen, auch nach Verarbeitung resistent gegen Schädlinge und Pilzbefall sowie ungeeignet für den Nestbau von Nagetieren. Hanfdämmmatten werden z.B. für Wärme und Schalldämmung verwendet.

Papier aus Hanffasern wurde vor 2000 Jahren in China erfunden und gelang im 13. Jahrhundert nach Europa. Es war über Jahrhunderte der meist verbreitete Rohstoff für die Papierherstellung. In der industriellen Entwicklung wurde es jedoch günstiger, Wälder zur Papierherstellung zu roden. Welche gravierenden folgen die gerodeten Waldflächen auf die klimatische Situation haben muss hier wohl nicht erörtert werden. Hanf wächst um ein Vielfaches schneller als Forst und enthält deutlich mehr Zellstoff. Die Faser muss nicht mit Chemikalien gebleicht werden und ist wesentlich stabiler und reißfester, somit langlebiger als die Holzfasern.

In der Textilindustrie konkurriert Hanf mit Baumwolle. Für die globale Baumwollproduktion werden jährlich 256 Kubikkilometer Wasser benötigt, genügend Süßwasser, um jeden Erdenbürger pro Tag mit 120 Litern Frischwasser zu versorgen. Hanf nimmt im Wuchs das doppelte an CO2 auf und benötigt für eine Tonne Faser ca 500 Liter Wasser, Baumwolle hingegen satte 10.000 Liter. 

In der Chemieindustrie kann Hanf petrochemische Kunststoffarten (Kunststoff auf Grundlage von Erdöl) ersetzen.  Die Hanffasern bestehen aus ca. 77% Zellulose, einem Rohstoff, aus dem sich biologisch abbaubarer Kunststoff herstellen lässt. „Bioplastik“ zersetzt sich weitergehend nicht in Mikroplastikteilchen.

In der Mobilität bietet Hanf daher für die Automobil, Luft- und Raumfahrt optimale Rohstoffstrukturen für den treibstoffsparenden und CO2 neutralen Leichtbau. Der größte Abnehmer von Nutzhanf in Deutschland ist die Automobilbranche.


Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 7 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Mensch und Maschine – die optimale Kombination für quantitative Portfolios

Die Herausforderungen am Kapitalmarkt sind komplexer und vor allem umfangreicher geworden. Das wirtschaftliche Umfeld erfordert zudem eine regelmäßige Neubetrachtung von Risiken und potenziellen Renditen. Mit quantitativen Investmentprozessen profitieren Investoren von einer systematischen Erfassung von Informationen und fundamental begründeten Anlageentscheidungen ohne subjektive Einschätzungen. Nur quantitative Prozesse ermöglichen es, die große Anzahl der Finanztitel im globalen Investmentuniversum effizient und kontinuierlich zu überwachen.

Trotz moderner technischer Ansätze bleibt es wichtig, menschliche Erfahrung mit einzubeziehen. Bei der Deka Investment sind die Entwickler der zugrunde liegenden Modelle auch für die Generierung der Kauf- und Verkaufsentscheidungen verantwortlich. Mit einer langjährigen Kapitalmarkterfahrung legitimieren sie beispielsweise manuelle Eingriffe beim Eintritt außergewöhnlicher Situationen. Dadurch ist sichergestellt, dass maschinelle Entscheidungen stets durch Menschen validiert und gegebenenfalls korrigiert werden.

Faktorbasierte Investmentprozesse und Risikokontrolle

Die quantitativen Strategien der Deka Investment nutzen globale Renditequellen systematisch und integrieren gleichzeitig das Risikomanagement des Portfolios in die Anlagestrategie. Dazu wird ein faktorbasierter Ansatz verfolgt, der sowohl die entscheidenden Kriterien der Investmentchancen als auch die Risiken aus verschiedenen Perspektiven bewertet. In Kombination bilden die ausgewählten Faktoren die Eigenschaften ab, die nach Einschätzung der Entscheidungsträger die zukünftig beste risikoadjustierte Rendite erbringen. Diese faktorbasierten Ansätze zeichnen sich für Investoren durch folgende Aspekte aus:

  • Sie investieren zur Renditeoptimierung nach wissenschaftlichen Erkenntnissen,
  • sie verbessern die Diversifikation von traditionellen Portfolios durch die Kombination von Investment-Stilen und
  • sie erlauben transparente, nachvollziehbare und belegbare Anlageentscheidungen.

Diese Vorteile können Anleger mit den Strategien von Deka Investment sowohl für Aktien- als auch Anleiheinvestments nutzen.

Faktorbasierte Aktienstrategien

Statt die Renditen einzelner Aktien vorherzusagen, sollen mit den faktorbasierten Ansätzen der Deka Aktien mit ausgewählten Eigenschaften in Wunschportfolios kombiniert werden. Risiko-, Momentum- und fundamentale Faktoren werden für jeden einzelnen Titel aus einem Anlageuniversum von bis zu 3.900 globalen Aktien aus den entwickelten Märkten ermittelt, davon etwa 1.300 aus Europa. Aus Faktorenranglisten kombinieren proprietäre Risikomodelle die Einzeltitel zur gewünschten Faktorallokation.

Faktoren quantitativer Aktienfonds

 

Bei den Deka LowRisk Aktien Strategien handelt es sich beispielsweise um benchmarkfreie Ansätze, die absolute Risiken reduzieren und auf ein attraktives Risiko-Rendite-Verhältnis abzielen. Die Fonds gehen speziell auf die Bedürfnisse von institutionellen Investoren ein, für die das absolute Risiko im Vordergrund steht. Dabei wird jedoch kein risikoaverser Ansatz gewählt, sondern das Sharpe Ratio durch die Einbeziehung von weiteren Faktoren, beispielsweise Momentum oder fundamentalen Faktoren, maximiert. Investoren vertrauen diesen Strategien bereits über 7 Milliarden Euro an (Stand: 31.03.2019). Allerdings kann auch eine Anlage in Faktor-Strategien Wertschwankungen unterliegen, die sich negativ auf den Wert der Anlage auswirken können.

Faktorbasierte Anleihestrategien

Faktorstrategien werden oftmals mit Aktienstrategien gleichgesetzt. Das mag an der historischen Entwicklung der Modelle liegen, welche anfänglich Anwendung bei Aktien fanden. Faktorstrategien lassen sich aber auch, wenn auch in weit komplexerer Form, für Anleihen anwenden.

Die quantitativen Rentenfonds der Deka zielen darauf ab, durch eine systematische Auswahl von Anleihen ein attraktives Risiko-Rendite-Verhältnis mit integrierter Risikokontrolle zu entwickeln. Dabei werden langfristige, fundamentale Zusammenhänge analysiert, um Renditeniveaus und Veränderungen von Spreads zu prognostizieren. Das quantitative Rentenmanagement der Deka Investment unterscheidet Alpha- und Risikofaktoren:

  • Mit Alpha-Faktoren werden Risiken bewusst und kontrolliert eingegangen, um langfristig Faktorprämien zu vereinnahmen. Alpha-Faktoren werden in den Faktor-Clustern „Value“ und „Momentum“ gebündelt. Diese Faktoren entscheiden über das Gewinnpotenzial der Rentenanlage.
  • Mit Risiko-Faktoren werden Risiken im Fonds überwacht und nachhaltig reduziert. Risiko-Faktoren werden in den Faktor-Clustern „Quality“ und „Size“ gebündelt. Diese Faktoren sollen das Verlustpotenzial der Rentenanlage begrenzen.

In „Faktorensuche für die Rendite“ beschreibt Dr. Ulrich Neugebauer, Leiter Quantitatives Asset Management und ETFs bei der Deka Investment, die durchaus komplexe Übertragung der Aktienfaktoren auf die Welt der Anleihen näher. Weitere Details zu den quantitativen Rentenfonds von Deka Investment finden Sie hier.

Der menschliche Faktor

Die quantitativen Modelle und digitalen Ansätze finden durch die Experten der Deka Anwendung. Diese überprüfen die Entscheidungen der Faktormodelle, setzen Investmententscheidungen um und sind für die Rendite der Portfolios verantwortlich.

Verlässliches Portfoliomanagement

Im Deka-Fondsmanagement arbeiten 43 Investmentspezialisten an der Entwicklung, Optimierung, Überwachung und Validierung der Faktormodelle. Diese integrieren die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem IQ-KAP, dem Privaten Institut für quantitative Kapitalmarktforschung der DekaBank, in die quantitativen Entscheidungsprozesse. Das Institut wurde 2013 als Forum für Wissenschaftler und Praktiker gegründet und hat als zentrale Aufgabe, die quantitative Kapitalmarktforschung mit Hochschulen und Partnern zu ermöglichen.

Investmentprozess und Risikomanagement

 

Stringente Prozesse und überschaubare Teams erlauben es, Investmententscheidungen der Modelle schnell zu überprüfen und effizient umzusetzen. Die Portfoliomanager überwachen die Performance- und Risikoparameter der Portfolios permanent. Die stetige Erfolgsanalyse der Portfolios erlaubt dabei die permanente Optimierung der Modelle.

Individuelle Kundenbetreuung

Das quantitative Fondsmanagement bietet institutionellen Investoren vielseitige Möglichkeiten, um ihre Marktmeinungen und Anlagestrategien umzusetzen. Vor jedem Einsatz der Modelle bedarf es jedoch der Ermittlung des Status quo, der Strategieentwicklung und der Implementierung der kundenspezifischen Anforderung. Das Team von Deka Investment steht Investoren zur Beratung und Präsentation der quantitativen Fondskonzepte zur Verfügung. Diese Ansätze ermöglichen es, in einem komplexen und dynamischen Marktumfeld attraktive Ertragschancen automatisiert herauszufiltern und effizient in Anlagestrategien umzusetzen. Nähere Details zum Angebot für VAG-Anleger, Vorsorgeeinrichtungen, den öffentlichen Sektor, Stiftungen, und Family Offices finden Sie hier.


Weitere Informationen zu den quantitativen Produkten der Deka finden Sie hier.

Über die Deka

Die DekaBank ist das Wertpapierhaus der Sparkassen, gemeinsam mit ihren Tochtergesellschaften bildet sie die Deka-Gruppe. Mit Total Assets in Höhe von rund 276 Mrd. Euro (per 31.12.2018) sowie rund 4,7 Millionen betreuten Depots ist sie einer der größten Wertpapierdienstleister und Immobilien-Asset Manager in Deutschland. Sie eröffnet privaten und institutionellen Anlegern Zugang zu einer breiten Palette an Anlageprodukten und Dienstleistungen. Die DekaBank ist fest verankert in der Sparkassen-Finanzgruppe und richtet ihr Angebotsportfolio ganz nach den Anforderungen ihrer Eigentümer und Vertriebspartner im Wertpapier¬geschäft aus.

Deka Institutionell ist der Partner für institutionelle Anleger in der Deka-Gruppe. Ihr Angebot deckt die gesamte Wertschöpfungskette professioneller Asset Management- und Kapitalmarktdienstleistungen ab. Ein betreutes institutionelles Vermögen von rund 139 Mrd. Euro spiegelt das wachsende Vertrauen professioneller Anleger in die Produkte und Leistungen der Deka wider. Das Spektrum umfasst die ganze Bandbreite des institutionellen Asset Managements und Liquiditätsmanagements sowie des Kredit- und Risikomanagements. Abgerundet wird das Angebot durch Serviceleistungen wie Master-KVG, als Kern des Asset Servicing, und Verwahrstelle.

Kontakt

Deka Institutionell – Vertriebsservice
+49 (0) 69 71 47 - 11 17
deka-institutionell@deka.de 

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60325 Frankfurt und unter www.deka.de, erhalten.

Green Bonds – wie tragen sie wirklich zu einer nachhaltigen Zukunft bei?

von Thomas Graf und Marc Pfizenmaier, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Als die Europäische Investitionsbank 2007 ihren ersten Climate Awareness Bond auflegte, hat sie den Nerv der Zeit getroffen. Seitdem ist das Volumen an umweltfreundlichen Anleihen (Green Bonds) kontinuierlich angestiegen. Zuerst supranationale Institutionen (Weltbank, Entwicklungsbanken), dann Unternehmen (Apple, BNP Paribas), Kommunen (Stadt Paris) und nicht zuletzt Staaten wie Frankreich oder die Niederlande befeuerten das Wachstum. Laut der Climate Bonds Initiative wurden im vergangenen Jahr Green Bonds im Volumen von knapp 170 Mrd. US-Dollar platziert.

Wachstum Green Bond Markt seit 2011 (in Mrd. US-Dollar)


Eigene Darstellung auf Basis von Daten der Climate Bond Initiative

Wie erklärt sich der Erfolg der häufig überzeichneten Emissionen? Mit Green Bonds können institutionelle Investoren ihre Klimaversprechen, die sie insbesondere nach der Pariser Klimakonferenz abgegeben haben, leicht in die Tat umzusetzen. Aus finanzieller Sicht weisen die meisten Anleihen eine hohe Bonität auf und erfordern das Vorhalten nur geringer Eigenmittel. Inhaltlich bieten von Marktakteuren geschaffene Standards eine inhaltliche Bestätigung, dass auch tatsächlich klimafreundliche Projekte finanziert werden.

Fragwürdige Mindeststandards

Doch besonders diese Standards sind in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten. Immer wieder gab es am Markt umstrittene Emissionen. Ist eine Anleihe investierungswürdig, mit der Müllverbrennungsanlagen refinanziert werden? Sollten Erlöse dazu verwendet werden, die Energieeffizienz von Ölpipelines zu verbessern oder große Wasserkraftwerke/Staudämme zu errichten? Sollte Kapital in Erneuerbare Energien-Projekte von Kern- oder Kohlekraftwerken fließen? Um zu bewerten, wie sehr eine Emission tatsächlich zu einer nachhaltigen Zukunft beiträgt, sollten die diversen Dokumente (Green Bond Frameworks, Second Party Opinions, Unternehmenspräsentationen, Green Bond-Reporting) positive Antworten auf die folgenden Punkte geben.

1) Die Anleihen leisten einen tatsächlichen Beitrag zum Klimaschutz

Green Bonds müssen einige Merkmale erfüllen, damit sie tatsächlich einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Im Fokus der Diskussion steht die Frage, was finanziert wird. Um Klarheit darüber zu schaffen, etablierte die International Capital Markets Association die Green Bonds Principles, die vier zentralen Anforderungen (Angaben zur Verwendung der Emissionserlöse, Projektauswahl, Management der Erlöse sowie Reporting) an Green Bonds stellt. Seit mehreren Jahren verfeinern Marktakteure diese Anforderungen und stellten umfangreiche Taxonomien klimafreundlicher Investments auf. Auf dieser Grundlage arbeitet die EU derzeit daran, einen Standard für Green Bonds auch regulatorisch festzuzurren.

Taxonomie klimafreundlicher Aktivitäten der Climate Bond Initiative

Seltener allerdings wird am Markt darüber gesprochen, wie die Bonds dazu genau beitragen. Wie schon bei Impact Investing-Angeboten stellt sich die Frage nach der Additionalität, also inwieweit durch Green Bonds zusätzliches Kapital für ökologisch sinnvolle Projekte generiert wird, wie es das Südwind-Institut Anfang des Jahres in einer Studie untersucht hat. In der Praxis ist dies nicht immer der Fall. Mitunter werden Emissionserlöse zur Refinanzierung bereits bestehender Projekte verwendet. Oder es werden Wind- und Solar-Projekte in Ländern finanziert, die ihren Strom bereits zu 100 % aus erneuerbaren Energien beziehen. Ein positiver Klimabeitrag ist dabei schwerlich festzustellen.

Ebenfalls zu beachten sind so genannte Lock-In-Effekte. Investitionen erfolgen langfristig. Heutzutage gilt beispielsweise ein Gaskraftwerk für viele Investoren als ein klimafreundliches Investment, da es weniger Treibhausgasemissionen als ein Kohlekraftwerk ausstößt. Häufig wird dabei von Brückentechnologie gesprochen. In 10 Jahren ändert sich möglicherweise die Situation, Gaskraftwerke können dann als klimaschädlich gelten. Jedoch ist die Finanzierung auf 20 Jahre angelegt. Das Kapital ist damit „eingesperrt“.

2) Der Emittent hat eine glaubwürdige Klimastrategie

EnBW, EDF, ENGIE, Repsol, Iberdrola und Co. haben in den vergangenen Jahren Green Bonds aufgelegt, um ihre Aktivitäten, im Bereich Energieeffizienz und Erneuerbare Energien zu finanzieren. Sind Green Bonds dieser konventionellen Energieversorger investierungswürdig? Diese Frage wird kontrovers am Markt diskutiert. Hier kommt es auf die Glaubwürdigkeit des Emittenten an: Betrachtet er Green Bonds als Teil einer langfristigen Strategie, mit der er das Geschäftsmodell auf Erneuerbare Energien neu ausrichten will? Oder sind sie nur ein einmaliges Projekt, mit dem das fossile Geschäftsmodell weiter am Leben gehalten werden soll? Zu bedenken ist auch, dass die Energiewende die Chance auf eine dezentrale und partizipative Stromversorgung bietet. Statt Strom zu beziehen, kann der Bürger als Stromproduzent aktiv am Markt teilnehmen. Dafür ist ein diversifizierter Markt mit vielen Marktakteuren notwendig. Sollte dazu Kapital an wenige, große Stromkonzerne vergeben werden?

3) Klimainvestments berücksichtigen auch Umwelt- und Sozialstandards

Diese Feststellung mag auf den ersten Blick verwundern. Doch was gut für das Klima ist, ist nicht zwangsläufig gut für die Umwelt oder Menschen. Für die Produktion von Solaranlagen oder Elektrofahrzeugen werden viele Rohstoffe (seltene Erden, Kobalt, Lithium, Silizium, usw.) benötigt. Für ihren Abbau sind erhebliche Eingriffe in die Natur erforderlich. Bei der Förderung seltener Erden können beispielsweise radioaktive Abfallstoffe ins Grundwasser gelangen. Facing Finance hat das Problem im November 2018 in der Studie „Neue Technologien und alte Probleme“ erläutert.

Damit einher geht die Frage, ob neben Klimaaspekten auch die soziale Seite eines Green Bonds Berücksichtigung findet. Der Abbau dieser Rohstoffe findet in Schwellen- und Entwicklungsländern statt. Dabei kommt es wieder zu Vorwürfen, dass Menschenrechtsstandards nicht eingehalten, bzw. gar nicht im nationalen Gesetz verankert sind. Auch bei der Finanzierung von Staudämmen kann es zu sozialen Verwerfungen kommen, von der Umsiedlung ganzer Dörfer bis zur Vernichtung der lokalen Flora und Fauna. Ein eindrückliches Negativbeispiel stellt der Belo Monte-Staudamm in Brasilien dar. Aufgrund der Tatsache, dass auch immer mehr Emittenten aus diesen Regionen Green Bonds ausgeben, wird dieses Thema weiter an Relevanz gewinnen.

Übersicht zu kritischen Rohstoffen

Rohstoff

Notwendig für

Abbaugebiet

Auftretende Probleme

Aluminium

E-Mobilität, Solar, Wind 

Guinea, China, Australien 

Streit zu Landrechten, Verunreinigung von Wasserquellen, Feinstaubbelastung

Eisenerz

E-Mobilität, Solar, Wind

Brasilien, China, Australien 

Bruch Rückhaltebecken (Folge: zahlreiche Tote und zerstörte Dörfer), Luftverschmutzung, Konflikte mit indigener Bevölkerung

Graphit

E-Mobilität,

China, USA, Brasilien

Lokale Luft- und Wasserverschmutzung, erhöhte Krankheiten lokaler Bevölkerung

Kobalt

E-Mobilität, Wind

Kongo, Russland, Australien

Schlechte Arbeitsbedingungen Menschenrechtsverletzungen

Kupfer

E-Mobilität, Solar, Wind

Chile, Peru, China

Lokale Schwermetallbelastung, Wasserver-sorgung der Bevölkerung, soziale Konflikte

Lithium

E-Mobilität,

Australien, Chile Argentinien

Streit um Landnutzungsrechte, Grundwasserverschmutzung

Nickel

E-Mobilität, Solar, Wind

Russland, Philip-pinen, Indonesien

Starke Umweltverschmutzung

Seltene Erden

E-Mobilität, Wind

China, Australien, Russland

Umweltschäden (radioaktiver Abfall)

Silber

E-Mobilität, Solar

Mexiko, Peru, China, Guatemala

Konflikte mit indigener Bevölkerung, Wasser- und Bodenverschmutzung

Eigene Zusammenstellung auf Basis von Facing Finance-Daten

4) Der Emittent muss ein nachvollziehbares Reporting zur Klimawirkung der finanzierten Projekte veröffentlichen

Aus einem „Impact-Reporting“ sollte hervorgehen, welches Projekt genau finanziert werden soll bzw. finanziert wird, um das so genannte Blind Pool-Risiko zu vermeiden. Wenn die Anleihe mehrere Aktivitäten und Projekte finanziert, ist die (geplante) prozentuale Aufteilung sowie das jeweilige Investitionsvolumen wünschenswert. Eine Second Party Opinion sollte sich nicht nur darauf beschränken, die Anforderungen der vier GBP-Anforderungen zu beantworten. Darüber hinaus sollte es dezidiert Stellung beziehen, ob Sozial- und Umweltrisiken bestehen und wie sie einzuschätzen sind. Ebenso sind Informationen notwendig, wie ein Green Bonds in die Gesamtstrategie des Unternehmens zu verorten ist.

Beispiel Impact Reporting


Quelle: World Bank-Bericht Green Bond Proceeds Management and Reporting

Fazit

Green Bonds sind zweifelsohne ein Schritt in die richtige Richtung. Um ihre Klimawirkung zu bemessen, sind eine Vielzahl an Fragen an die Anleihe selbst, aber auch den Emittenten notwendig. Dabei zählt nicht nur, was finanziert, sondern auch wie etwas finanziert wird. Es zeigt sich schnell, dass es das perfekte Klimainvestment nicht gibt. Wichtig ist, dass Investoren einen umfassenden Blick auf die soziale und ökologische Qualität sowohl von Emittent als auch Emission werfen.


Thomas Graf arbeitet seit 2011 bei der GLS Bank und ist Teamleiter im Nachhaltigkeitsresearch.  Neben der sozial-ökologischen Prüfung von Wertpapieren, Wertpapieremittenten und Entwicklungsfinanzierungsvehikeln, kümmern sich er und sein Team um die sozial-ökologische Begleitung neuer Angebote. Zudem ist er verantwortlich für die Moderation und Koordination des GLS Anlageausschusses.

Seit 2012 arbeitet Marc Pfizenmaier als Analyst im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank. In seiner Funktion als Senior Analyst vertritt er die Bank als Mitglied in diversen Nachhaltigkeitsgremien, ist betraut mit der Klärung von sozial-ökologischen Grundsatzfragen und Ansprechpartner für Stakeholder-Dialoge und verschiedene Netzwerke. Sie finden Marc Pfizenmaier sowohl auf XING als auch LinkedIn.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 350 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an.

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de