“Liquid Alternatives für Institutionelle Investoren!“

Institutionelle Investoren fordern bei einer Anlage in Alternatives vor allem eine breite Diversifikation, eine geringe Korrelation mit traditionellen Anlageklassen sowie attraktive marktunabhängige Renditen bei kontrollierten Verlustrisiken. Die Deka hat einen Dachfonds für liquide alternative Anlagestrategien aufgelegt. Dr. Alexander Zanker, Head of Client Solutions and Analytics bei der Deka, erklärt im Interview mit altii, wie der Deka-Liquid Alternative Strategies institutionellen Anlegern einen einfachen Zugang zum stetig wachsenden Liquid-Alternatives-Universum und damit zu neuen Renditequellen ermöglicht. Die hohen Anforderungen institutioneller Investoren werden konsequent in einem Produkt umgesetzt.

altii: Herr Dr. Zanker, die Deka bietet ein neues Fondsprodukt für die Zielgruppe Institutionelle Investoren an. Um was geht es konkret?

Dr. Alexander Zanker: Der Deka-Liquid Alternative Strategies ist ein Dachfonds, der institutionellen Anlegern einen einfachen, aber sehr effizienten Zugang zu neuen Renditequellen ermöglicht. Wir haben den Fonds konsequent auf die Anforderungen institutioneller Investoren abgestimmt und orientieren uns an den wesentlichen VAG-Vorschriften, was allen Investoren zusätzliche Sicherheit bietet. Die Besonderheit ist, dass wir nicht nur ein Produkt, sondern ein gesamtes Lösungskonzept anbieten.

altii: Sie arbeiten bei dieser Strategie mit einem Berater zusammen. Was bringt Mercer mit ein und was leistet die Deka?

Dr. Zanker: Mercer ist einer der renommiertesten Spezialisten für die Auswahl von Asset Managern und der Konstruktion von Portfolien. Die Deka ist ein sehr erfahrener Manager für institutionelle Kundenportfolien mit exzellentem Knowhow hinsichtlich Absolute Return-Strategien, gerade auch im quantitativen Bereich und im dynamischen Risikomanagement. Unser hauseigenes Institut für quantitative Kapitalmarktforschung (IQ-KAP) liefert uns die neuesten Forschungsergebnisse, die wir direkt praktisch umsetzen können. Zudem haben wir uns als Haus mit hohem regulatorischen Sachverstand etabliert.

Die Aufgaben sind entlang des Investmentprozesses klar verteilt. Mercer führt Investment und Operational Due Diligence durch – ein klar strukturierter, aber auch Research-intensiver Prozess. Mehr als 40 spezialisierte Fondsresearcher mit durchschnittlich über 13 Jahren Erfahrung identifizieren die besten Manager. Solche Manager, die einen klaren Wettbewerbsvorteil aufweisen und so wiederholbares Alpha aufgrund objektiver Kriterien erzielen können.

Die Portfoliokonstruktion erfolgt gemeinsam. Auch hier gehen wir einen sehr konsequenten und systematischen Weg und setzen auf einen mehrstufigen Prozess. Unterschiedliche Optimierungsansätze, wie Minimum Variance oder Risk Parity, werden kombiniert, um ein möglichst robustes Ausgangsportfolio zu erhalten.

Das letzte Wort bei der Auswahl der Manager und der Gestaltung des Portfolios hat Deka-Fondsmanager Neil Sturrock. Als langjähriger Manager von alternativen Strategien kann er die Analysen von Mercer verproben, mit eigenen Erfahrungen ergänzen und die Anforderungen deutscher Investoren einbringen. Der Austausch mit Mercer ist sehr intensiv. Mitunter diskutieren die Spezialisten sehr kontrovers bis sie zu einer Entscheidung kommen – aber gerade diese Diskussionen sind wichtig.

Im gesamten Prozess steht Neil Sturrock ein paritätisch besetztes Investmentkomitee aus Experten von Mercer und Deka zur Seite. Die Deka-Mitglieder kommen aus dem Fondsresearch, dem quantitativen Asset Management, aus dem Bereich Client Solutions und dem Investment Office. Ergänzt wird es durch Research-Spezialisten von Mercer und spezialisierten Investment Consultants für Alternatives und deutsche institutionelle Kunden.

Wir glauben, dass dieser kooperative Ansatz mit unterschiedlichen Spezialisten, aber klaren Verantwortungen, einer solch komplexen Anlageklasse am gerechtesten wird. Hier sehen wir auch den größten Mehrwert der Lösung.

altii: Ihre Strategie bedient viele Anforderungen, die VAG-Investoren mit sich bringen. Das erwartet man nicht unbedingt von einem Fondsprodukt aus diesem Bereich.

Dr. Zanker: Wir haben sehr viel Arbeit darauf verwendet, die Lösung auch für regulierte Investoren interessant zu machen. So haben wir beispielsweise die besonderen Rating-Anforderungen von VAG-Investoren berücksichtigt. Bei Zielfonds, die nicht selbst VAG-konform sind, haben wir Side-Letters ausgehandelt. Auch bieten wir die für regulierte Kunden notwendigen Reportings. Dies hilft nicht nur regulierten Investoren, sondern allen, die eine transparente und robuste Umsetzung schätzen.

altii: Im Prinzip kann der Investor die Strategie in Eigenregie abbilden. Was ist der Vorteil der Deka-Strategie?

Dr. Zanker: Die hohe Heterogenität von Liquid Alternative-Strategien und die Qualitätsunterschiede machen eine tiefgreifende Analyse jedes einzelnen Fonds und seines Risiko-/Ertrags-Profils so wichtig. Mitte 2019 waren knapp 900 Fonds verfügbar. Die besten Fonds erzielten nicht selten hohe ein- oder zweistellige Renditen, während die schlechtesten Fonds im Schnitt Kapital verloren. Mittelmaß kann bei Liquid Alternative-Strategien kein Maßstab sein, sie müssen die besten Manager identifizieren und diese richtig kombinieren. Dies schaffen sie wiederholbar nur mit einem strukturierten Prozess und viel Research.

Beispielsweise führt Mercer mit allen bewerteten Managern vor Ort Gespräche. Die wichtigsten Schlüsselpersonen werden in mehreren Interviewrunden befragt. Die Analyse mündet in ein Rating, welches ausführlich dokumentiert wird. Mercer geht sogar noch einen Schritt weiter und führt eine Operational Due Diligence durch, um die internen Prozesse der Manager zu bewerten. Auf den Stempel UCITS allein sollte man sich nicht verlassen.

Für Kunden, welche die dafür notwendigen Ressourcen nicht intern aufbauen können oder wollen, bieten wir eine professionelle Umsetzungslösung, die das komplette Anforderungsspektrum leicht zugänglich abdeckt und dabei kosteneffizient ist. Sie bekommen die Managerauswahl und laufende Überwachung durch einen der renommiertesten Berater, einen systematischen Portfoliokonstruktionsprozess, transparentes Reporting, ein auf Verlustrisiken fokussiertes Risikomanagement und einen an das VAG angelehnten regulatorischen Rahmen.

altii: In welchem Format bieten Sie den Fonds an, was ist die Zielrendite und welche Kosten kommen auf den Investor zu?

Dr. Zanker: Wir haben den Fonds in Luxemburg als OGAW-Fonds aufgelegt, der damit hohe Transparenz und Liquidität bietet. Unser Ertragsziel liegt bei 400 Basispunkten über Libor nach Kosten. Die Verwaltungskosten betragen 45 Basispunkte zusätzlich zu den Kosten der Zielfonds. Bei den Zielfonds konnten wir zum Teil sehr attraktive Gebühren aushandeln, die wir vollständig an den Fonds weitergeben. Allein dadurch relativiert sich ein substanzieller Teil der Managementgebühr. Wenn sie dann noch einbeziehen, welche Kosten der Kunde für externe Beratung und interne Strukturen spart und wie viel geringer der Aufwand für ihn ist, dann ist die Lösung äußerst effizient.

altii: Lassen Sie uns bitte neben den Chancen auch die Risiken besprechen. Wo liegen die Hauptrisiken der Strategie?

Dr. Zanker: Die Rendite von Liquid Alternatives hängt elementar von den Fähigkeiten der Manager ab, Wettbewerbsvorteile zu nutzen. Das Delta zwischen Managern kann leicht 30 Prozentpunkte überschreiten. Gelingt es nicht, die erfolgreichen Manager zu identifizieren, dann werden die Renditeerwartungen nicht erfüllbar sein.

Ähnliches gilt für die Portfoliokonstruktion. Es müssen Strategien kombiniert werden, die ökonomisch begründet gering mit traditionellen Anlageklassen korrelieren und sich ergänzen. Ein gutes Beispiel sind Global Macro und Managed Future Strategien. Global Macro Strategien versuchen, große makroökonomische Trends auszunutzen. Sie haben daher typischerweise ein eher asymmetrisches Renditeprofil und sind antizipierend. In der Finanzmarktkrise konnten sie sich sehr gut behaupten. Dagegen sind Managed Futures eher reaktiv. Sie erhöhen bei anhaltenden Trends Positionen. In vielen Krisen haben solche Strategien schrittweise ihre Position in sicheren Anleihen aufgebaut und so ein traditionelles Portfolio stabilisiert.

Ein Risiko bei Absolute Return-Strategien ist, dass höhere Verlustrisiken auftreten als von Investoren antizipiert. Dem wirken wir mit einer konsequenten Aussteuerung der Verlustrisiken im Portfoliokonstruktionsprozess entgegen. Draw Downs sind für uns ein wichtiges Steuerungsziel.

altii: Zum Abschluss wie immer die Frage, was können wir Ihrer Meinung nach die nächsten zwei Jahre vom Kapitalmarkt erwarten und wie wirkt sich das auf die Strategie aus?

Dr. Zanker: Der Kapitalmarkt konnte sich über lange Zeit darauf verlassen, dass die Zentralbanken alles tun würden, um einem Abschwung gegenzusteuern. Entsprechend niedrig waren die Volatilitäten – bei immer neuen Rekordständen, aber auch sinkenden Renditen. Mittlerweile hat sich die Risikowahrnehmung der Marktteilnehmer verändert. Volatilitäten kommen zurück. Viele Investoren diskutieren verstärkt Strategien, um Verlustrisiken zu begrenzen, und Möglichkeiten, ihr Portfolio unabhängiger von traditionellen Renditequellen aufzustellen. Hier können Liquid Alternatives ihre Stärke ausspielen.

In einem typischen Kundenportfolio haben Liquid Alternatives die Aufgabe, die Abhängigkeit von traditionellen Märkten zu verringern. Ihre Wertentwicklung soll nicht der von Aktien­ oder Rentenmärkten folgen, sondern den Kapitalstock durch die Begrenzung von Abwärtsbewegungen schützen sowie Volatilität eindämmen. Solche asymmetrischen Renditeprofile lassen sich nicht durch traditionelle Long Only Aktien- oder Anleihestrategien erzielen. Vielmehr müssen aktive Strategien kombiniert werden, die auf dynamischen Handelsstrategien aufbauen, Derivate nutzen und Short-Positionen einsetzen. Dies sind die typischen Eigenschaften von Liquid Alternative-Strategien.

Hinzu kommt, dass sich in ineffizienteren Märkten mehr Opportunitäten auftun, die guten Managern signifikant höhere Erfolgschancen bieten. Ein Indikator für höhere Ineffizienzen sind höhere Volatilitäten, weshalb Liquid Alternatives gerade in solch einem schwierigeren Marktumfeld an Attraktivität gewinnen. Dies macht die Anlageklasse, richtig umgesetzt, zu einem attraktiven komplementären Baustein in einem diversifizierten Portfolio, welches optimal für die kommenden Herausforderungen aufgestellt ist.


Über Dr. Alexander Zanker

Dr. Alexander Zanker verantwortet den Bereich Client Solutions and Analytics der Deka. Das Team berät institutionelle Investoren bei der Gestaltung ihrer strategischen Anlageallokation. Dr. Zanker hat viele Jahre als verantwortlicher Investment Consultant bei Willis Towers Watson institutionelle Kunden beraten. Er ist CFA-Charterholder und Chartered Alternative Investment Analyst.

Über die Deka

Die DekaBank ist das Wertpapierhaus der Sparkassen, gemeinsam mit ihren Tochtergesellschaften bildet sie die Deka-Gruppe. Mit Total Assets in Höhe von rund 298 Mrd. Euro (per 30.06.2019) sowie rund 4,7 Millionen betreuten Depots ist sie einer der größten Wertpapierdienstleister und Immobilien-Asset Manager in Deutschland. Sie eröffnet privaten und institutionellen Anlegern Zugang zu einer breiten Palette an Anlageprodukten und Dienstleistungen. Die DekaBank ist fest verankert in der Sparkassen-Finanzgruppe und richtet ihr Angebotsportfolio ganz nach den Anforderungen ihrer Eigentümer und Vertriebspartner im Wertpapiergeschäft aus.

Über Deka Institutionell

Deka Institutionell ist der Partner für institutionelle Anleger in der Deka-Gruppe. Ihr Angebot deckt die gesamte Wertschöpfungskette professioneller Asset Management- und Kapitalmarktdienstleistungen ab. Ein betreutes institutionelles Vermögen von rund 150 Mrd. Euro spiegelt das wachsende Vertrauen professioneller Anleger in die Produkte und Leistungen der Deka wider. Das Spektrum umfasst die ganze Bandbreite des institutionellen Asset Managements und Liquiditätsmanagements sowie des Kredit- und Risikomanagements. Abgerundet wird das Angebot durch Serviceleistungen wie Master-KVG, als Kern des Asset Servicing, und Verwahrstelle.

Kontakt

Deka Institutionell – Vertriebsservice
+49 (0) 69 71 47 - 11 17
deka-institutionell@deka.de

Notizen

Die wesentlichen Anlegerinformationen, die Verkaufsprospekte und die Berichte erhalten Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder Landesbank. Oder von der DekaBank, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de

Nachhaltig Investieren: Plastikmüll

von Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei Raiffeisen Capital Management.

Das globale Müllproblem gewinnt immer mehr an Brisanz, obwohl das Phänomen Müll nicht erst vor kurzer Zeit entstanden ist. Denn Abfall gab es auch in der Vergangenheit, beispielsweise durch weggeworfene Kleiderreste oder Nahrung. In den letzten Jahrzehnten haben sich jedoch die Menge und die Zusammensetzung des Mülls geändert. Ein immer größerer Teil unseres Mülls kann nicht mehr auf natürlichem Weg verrotten. Ein Teil der Abfälle ist sogar giftig. Der Anteil der Reparaturen sinkt, dazu kommt die gewollte Obsoleszenz von Produkten.

Einige Abfallsorten bereiten aus Umweltsicht sehr große Sorgen. Nicht unbedingt wegen ihrer Toxizität, sondern wegen des extrem starken Wachstums zählen neben Plastikmüll auch Mikroplastik und Elektronikschrott zu den größten Problembereichen. Plastikmüll ist in den Weltmeeren mittlerweile omnipräsent, und Kläranlagen können Mikroplastik nur unzureichend herausfiltern, das im Meer in die Nahrungskette gelangt. Auch in Bezug auf den Klimawandel ist die Bedeutung der Kunststoffproduktion nicht zu unterschätzen. Der 2019 von der Heinrich Böll Stiftung und von Global 2000 herausgegebene „Plastikatlas“ geht davon aus, dass Plastik bis 2050 zwischen 10 und 13 % des gesamten Kohlenstoffbudgets verbrauchen könnte, welches im Hinblick auf eine Erreichung des 1,5-Grad-Ziels zur Verfügung steht.

Der Grund für die Problematik rund um Plastikmüll ist leicht erklärt. Kunststoffe vereinen einige Vorteile in sich: Sie sind leicht, billig, gut verformbar und langlebig. Doch genau diese Dauerhaftigkeit wird aus Sicht der Umwelt zum Problem. Eine Plastikflasche benötigt im Meer etwa 450 Jahre, um sich zu zersetzen. Und auch dann löst sich das Plastik zunächst nur in kleinere, kaum sichtbare Plastikteilchen – also Mikroplastik – auf. Je kleiner die Plastikpartikel sind, desto größer ist das Risiko der Aufnahme durch die Tiere.

Die Herkunft des Plastikmülls, der in verschiedensten Regionen der Welt die Meere verschmutzt, ist leicht nachvollziehbar. Von den mehr als 10 Millionen Tonnen Abfällen, die jährlich in die Ozeane gelangen, sind rund drei Viertel Plastikmüll. Und das Volumen an Plastikmüll steigt extrem stark an. Die Plastikproduktion weist im Vergleich zum Wirtschaftswachstum enorm hohe Wachstumsraten auf; während in den 1950er Jahren knapp 1,5 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert wurden, sind es heute rund 400 Millionen Tonnen. Seit Beginn der Produktion wurden laut einer Veröffentlichung einer Forschergruppe um Roland Geyer von der University of California insgesamt 6,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert, davon aber nur 9 % wiederverwertet und 12 % verbrannt. Somit sind rund 80 % des produzierten Plastiks entweder zum Teil verwittert oder immer noch vorhanden. Die höchsten Recycling­raten findet man gemäß dieser Studie in Europa mit 30 %, gefolgt von China mit 25 %, während in den USA nur 9 % des Plastikmülls recycelt werden. Im Vergleich dazu liegt Dänemarks Recyclingrate für Plastik bei etwa 90 %. Auch bei der Verbrennung von Plastikmüll liegt Europa mit 40 % in führender Position, während China 30 % und die USA 16 % erreichen. Rund 8 % der globalen Erdölproduktion werden für die Plastikproduktion verwendet.

Die Müllverschmutzung an Stränden

Die häufigsten Abfälle an ausgesuchten Küstenlinien, prozentualer Anteil pro 100 MeterMuellverschmutzung an den StraendenQuelle: PLASTIKATLAS/Appenzeller/Hecher/Sack (M) CC-BY-4.0; Stand 2019

Gemäß PlasticsEurope und Eurostat wurden allein in Europa 2015 58 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, die Verwendungsgebiete waren vor allem Verpackungen mit 40 % vor Gebrauchsgütern mit 22 %, Hoch- und Tiefbau mit 20 %, Personen- und Lastkraftwagen mit 9 %, Elektro- und Elektronikgeräten mit 6 % und der Landwirtschaft mit 3 % des produzierten Plastiks. Österreich produzierte 2015 294.888 Tonnen Verpackungsabfälle aus Kunststoff, das bedeutet 34 kg pro Kopf im Vergleich zu 31 kg pro Kopf im EU-Durchschnitt.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP schätzt, dass mittlerweile auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe treiben. Gemäß „Plastikatlas“ verteilt sich der im Meer befindliche Plastikmüll zu 26,8 % auf Küstengewässer, 33,7 % auf Küsten- und Meeresboden, 39 % auf das offene Meer und 0,5 % auf die Meeresoberfläche. Besondere Phänomene stellen die sogenannten Müllstrudel dar, in denen sich gigantische Müllteppiche ansammeln. Der Kunststoff wird von den Meeresströmungen erfasst und bildet riesige „Plastikinseln“ aus. Der größte dieser Strudel ist der Nordpazifikwirbel oder „Great Pacific Garbage Patch“, er soll mittlerweile die etwa 20-fache Größe Österreichs erreicht haben. Die Folgen des Plastikmülls sind auch für die Meeresfauna verheerend: Wale verhungern, weil ihre Mägen mit Müll gefüllt sind, Robben, Delphine und Schildkröten werden von Plastikteilen stranguliert. Vor allem Mikroplastik kann – wenn es in die Nahrungskette gelangt – auch für den Menschen in zunehmendem Maße zum Gesundheitsrisiko werden.

HAUPTVERURSACHER SCHWELLENLÄNDER

Die größten Verursacher von Plastikmüll sind heutzutage die Emerging Markets. Gemäß dem Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven landen schätzungsweise jährlich rund 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastik im Meer, einem Bericht deutscher Ökologen zufolge erreichen ca. 90 % davon die Meere über 10 Flusssysteme, von denen sich 8 in Asien und 2 in Afrika befinden. In einem Bericht des World Economic Forum aus dem Jahr 2016 wird der Prozentsatz des weltweit unkontrolliert entsorgten Plastikmülls zu 80 % Asien zugeschrieben. In Südostasien existieren derzeit kaum effiziente Müllentsorgungssysteme, Sammelaktivitäten für Plastikmüll sind fast nicht vorhanden, auch mangelt es an der öffentlichen Finanzierung für derartige Maßnahmen.

Was die Produktion von Einwegplastikartikeln betrifft, so wurden im Jahr 2014 38 % in der Region Asien und Pazifik hergestellt, 21 % in Nordamerika, 17 % im Nahen Osten, 16 % in Europa; der geringfügige Rest teilt sich auf Lateinamerika und Afrika auf.

LÖSUNGSWEGE

Die möglichen Strategien gegen Plastikmüll reichen von Sammlung und Recycling über Verbote bis hin zu biologischen Alternativen. Was die Sammlung von Plastik betrifft, so gestaltet sich diese oft schwierig, denn das gesammelte Plastik ist oft inhomogen. Eine Hinwendung zu einem „Cradle to cradle“-Prinzip könnte eine echte Kreislaufwirtschaft durch intelligentes Produktdesign ermöglichen. Ideal wäre, schon beim Design und bei der Herstellung von Plastik einige wesentliche Faktoren zu berücksichtigen. Die verwendeten Kunststoffe sollten langlebig, wiederverwendbar, recycelbar und frei von Schadstoffen sein, außerdem sollte recyceltes Plastik verwendet werden. In Österreich wird von den jährlich rund 0,92 Millionen Tonnen anfallender Kunststoffabfälle nach einer Studie des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus mit 28 % nicht ganz ein Drittel wiederverwertet, der Rest wird thermisch verbrannt. Die OMV versucht mit ihrem Pilotprojekt ReOil Plastik in Rohöl rückzuverwandeln. Beim zugrundeliegenden Prozess muss man den Kunststoff auf über 400 °C erhitzen, bei dieser Temperatur werden die langen Kunststoffmolekülketten depolymerisiert, also zerkleinert bzw. zerlegt. In der Folge entsteht synthetisches Rohöl. Die aktuelle Forschung versucht außerdem in zunehmendem Ausmaß, Enzyme zum Abbau von Plastik zu nutzen. Generell sind die Recyclingraten für Kunststoffe im Vergleich zu anderen Werkstoffen gering. Sie liegen im Fall von Plastik gemäß Ellen MacArthur Foundation bei knapp 14 %. Das World Economic Forum nennt in seinem Bericht aus dem Jahr 2016 für Papier eine 58%ige Recyclingrate, im Fall von Eisen und Stahl liegt diese bei 70 bis 90 %.

Verbote für Plastik betreffen unter anderem Kunststoffverpackungen wie das Plastiksackerl, international haben bereits einige Länder wie Ruanda, Frankreich, Kenia und Bangladesch derartige Maßnahmen getroffen. In Österreich gilt ab 2020 ein Verbot von Kunststofftragetaschen, die biologisch nicht vollständig abbaubar sind. Zudem gilt ab demselben Jahr ein Verbot der Beimengung von Mikroplastikpartikeln in Kosmetikprodukten und Reinigungsmitteln, sofern bis dahin keine europäische Lösung getroffen wurde. Erwähnt werden sollte in diesem Zusammenhang auch das Verbot der EU-Kommission für die zehn häufigsten Einwegkunststoffprodukte, die an Stränden der EU gefunden werden, sowie für zurückgelassene, verloren gegangene und weggeworfene Fischfanggeräte. Hintergrund ist der Kampf gegen kurzlebige Plastikprodukte – die oft als Littering in der Natur landen – und der Kampf gegen Wegwerfplastik sowie unnötige Plastikverpackungen.

Die unsichtbare Mülldeponie


Quelle: PLASTIKATLAS/Appenzeller/Hecher/Sack (M) CC-BY-4.0; Stand 2019

MIKROPLASTIK

Das Thema Mikroplastik weist weitere spezifische Probleme auf. Mikroplastik sind Plastikteile mit einer Abmessung von weniger als fünf Millimetern. Diese können als Grundmaterial für die Plastikproduktion dienen oder durch Verwitterung bzw. mechanische Einwirkung auf größere Plastikobjekte entstehen. Mikroplastik wird aber auch in Konsumprodukten verwendet, wie Zahncremen oder Duschpeelings. Aufgrund der geringen Größe können die meisten Kläranlagen Mikroplastik nicht aus dem Abwasser filtern, sodass die Plastikstückchen letztlich über die Flusssysteme ins Meer gelangen. Dort können sich im maritimen Umfeld hochgiftige Substanzen auf den Mikroplastikteilchen anreichern. Meeresbewohner, die Mikroplastik mit Futter verwechseln, kommen mit den giftigen Partikeln in Kontakt und nehmen diese auf. Auf diesem Weg gelangen die Schadstoffe in die Nahrungskette.

Zuletzt wurde auch Mikroplastik in der Landwirtschaft immer mehr zum Thema. Kleinste Kunststoffteile finden sich in Böden, Nutztieren und damit in den Lebensmitteln. Hintergrund ist die Verwendung von Plastik etwa für Bewässerungsanlagen, Gewächshäusern und Tunnel. Zum Schutz vor Vögeln werden mitunter ganze Bäume oder Sträucher mit Plastik ummantelt. Auch im auf Äckern ausgebrachten Klärschlamm findet sich Mikroplastik wieder.

Plastikmüll im Kontext der drei Nachhaltigkeitsdimensionen des Environment Social Governance (ESG)

ESG ist die englische Abkürzung für „Environment Social Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Der Begriff ist international in Unternehmen als auch in der Finanzwelt etabliert, um auszudrücken, ob und wie bei Entscheidungen von Unternehmen und der unternehmerischen Praxis sowie bei Firmenanalysen von Finanzdienstleistern ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte sowie die Art der Unternehmensführung beachtet beziehungsweise bewertet werden.

E (Environment)

Plastikmüll und Mikroplastik zählen zu den aktuell schwerwiegendsten Umweltproblemen. Vor allem die Ansammlung von Plastikmüll in den Meeren droht das ökologische Gleichgewicht auf Dauer massiv zu schädigen.

S (Social)

Aus gesellschaftlicher Sicht stellt sich in Bezug auf Plastikmüll die Frage, inwieweit der Mensch selbst durch die Beeinträchtigung der gesamten Nahrungskette belastet werden kann.

G (Governance)

Aus Governance-Sicht steht bei Plastik und Mikroplastik die Selbstverpflichtung von Unternehmen im Vordergrund, die Verwendung von Plastik zu reduzieren oder einzustellen. Auch ein rechtlicher Rahmen mit dem Verbot von Plastik und Mikroplastik könnte zunehmend geschaffen werden, hier sind erste nationale Verbote für Plastiksackerl und das Verbot einiger Plastikprodukte auf EU-Ebene als erster Schritt zu sehen.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management sind die Vermeidung von und der Umgang mit Plastikmüll große Themen. Dazu zählen im Bereich Recycling tätige Unternehmen wie Tomra oder Produzenten nachhaltiger Materialien aus erneuerbaren Ressourcen wie Lenzing oder Borregaard.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Plastikmüll“ finden Sie links als PDF.

Wir lüften das Geheimnis um Aktien-Faktoren

Factor Investing wird zunehmend beliebter. Pictet Asset Management erklärt, was es damit auf sich hat und wie es funktioniert.

„Sell in May and go away“, das haben Sie bestimmt schon gehört. Diese altbekannte Börsenweisheit hat noch immer ihre Berechtigung, weil sie in der Regel zutrifft. Langfristig betrachtet konnten Anleger an liquiden, ausgereiften Aktienmärkten wie den USA und Grossbritannien im Allgemeinen ihre Renditen verbessern, indem sie ihre Allokation in den Sommermonaten reduzierten und um Halloween herum erhöhten.1

Dieser saisonale Effekt ist ein einfaches Beispiel für einen Investment-Faktor – spezifische Attribute, die Gruppen von Anlagen gemeinsam haben und die in der Vergangenheit einen wesentlichen Einfluss auf das Anlageergebnis hatten. Einige davon, wie „Sell in May“, sind einfache Regeln, die schon seit vielen Jahrzehnten Bestand haben. Andere wiederum, wie die Tendenz, dass Aktien mit kleinerer Marktkapitalisierung langfristig höhere Renditen erzielen, sind langfristig zyklischer und komplexer.

EINFLUSSFAKTOR

Faktor-Performance im Verhältnis zum MSCI World*

* Basierend auf stilisierten Portfolios von Aktien im MSCI World, in der Reihenfolge der einzelnen Faktormerkmale, wobei das obere Quartil mit dem Gesamtindex verglichen wird. Quelle: MSCI, Refinitiv und Pictet Asset Management. Daten vom 31.12.1987 bis 07.08.2019.

In den vergangenen 50 Jahren wurde viel geforscht, um die Faktoren zu identifizieren, die sich Anleger zuverlässig zunutze machen können. Faktoren sind Marktanomalien, die im Gegensatz zur Markteffizienzhypothese stehen, wonach sich alle relevanten Informationen in den Anlagepreisen widerspiegeln.

Auch wenn einige Faktoren sicherlich professionellen Anlegern vorbehalten sind, kann das Verständnis ihrer Existenz nützliche Einblicke in Marktineffizienzen, Anlegerpsychologie und Portfolioaufbau liefern.

Einige Faktoren zum Beispiel verdanken ihre Existenz den Verhaltensmustern der Anleger – wie Verlustaversion oder Kurzsichtigkeit. Andere wiederum kommen nur in bestimmten Phasen eines Konjunkturzyklusses zum Tragen. Einige verschwinden gleich wieder, nachdem sie identifiziert wurden, wieder andere existieren aufgrund der regulatorischen Beschränkungen, denen einige Anleger unterliegen – wie zum Beispiel die Abstimmung von Verbindlichkeiten auf risikoarme Anlagen.

Faktoren-Universum

Das Spektrum der Faktoren ist breit. Bei den Kalendereffekten ist die Weisheit „Sell in May …“ nur eine von vielen saisonalen Faktoren. Es gibt auch die „Santa Claus Rally“, bei der Aktien dazu tendieren, in der Woche nach Weihnachten und bis ins neue Jahr hinein sprunghaft anzusteigen, nicht zu vergessen die bekannten Effekte zum Quartalsende und Monatswechsel.2 Investmentexperten konzentrieren sich jedoch in der Regel auf fünf zentralen Faktoren (Beispiele siehe Abbildung oben).

Grösse: Anfang der 1980er Jahre analysierte und beschrieb Rolf Banz, der schon lange Zeit in leitenden Positionen bei Pictet Asset Management tätig ist, die Beziehung zwischen den Marktkapitalisierungen von Unternehmen und deren risikobereinigten Renditen. Im Laufe der Zeit stellte er fest, dass sich kleinere Unternehmen in der Regel überdurchschnittlich entwickelten. Dies könnte an Liquiditätseffekten liegen – die Anleger verlangen einen höheren Aufschlag für diese Aktien, die sie möglicherweise nur schwer verkaufen können. Oder an dem Umstand, dass kleinere Unternehmen nicht auf dem Radar der Analysten sind und sich dadurch Ineffizienzen ergeben, die von Anlegern ausgenutzt werden können.

Bewertung: Unternehmen, deren Aktien mit niedrigeren KGVs oder KBVs gehandelt werden, entwickeln sich über sehr lange Zeiträume in der Regel überdurchschnittlich. Ein Argument dafür ist, dass über kürzere Zeiträume der Market Noise über den inneren Wert eines Unternehmens hinwegtäuschen kann, Aktien über kurz oder lang aber zum richtigen Preis zurückkehren. Diese Form von Fehlbewertung kann allerdings lange bestehen bleiben. In den zehn Jahren seit der globalen Finanzkrise sind Wachstumswerte an Substanzwerten vorbeigezogen. Damit sich daran etwas ändern, ist möglicherweise eine Rezession nötig.3

Momentum: Beschreibt die Tendenz, dass entwicklungsstarke Aktien ihrem Wachstumstrend auch in Zukunft folgen. Bei einer Momentum-Strategie erhöhen Anleger ihre Allokation in Aktien oder Anleihen, die im Preis gestiegen sind, und verringern ihr Engagement in Werten, die im Preis fallen. Das Momentum war in der Vergangenheit in der Regel ein sehr effizienter Investmentansatz, aber es ist Vorsicht geboten bei grossen Wendepunkten im Markt.

Qualität: Unternehmen mit hohen Gewinnmargen und grossem Marktanteil entwickeln sich langfristig überdurchschnittlich. Mit der Qualität verhält es sich ähnlich wie mit der Bewertung, auch die Nachteile sind vergleichbar. Hochwertige Unternehmen werden von den Aktienmärkten mitunter für unverhältnismässig lange Zeiträume unterbewertet.

Volatilität: Portfolios, die aus unterdurchschnittlich volatilen Aktien bestehen, erzielen mit der Zeit in der Regel bessere Renditen als solche, die sich aus Aktien mit starken Preisschwankungen zusammensetzen. Im Allgemeinen erwarten die Anleger, für Risiken – wie zum Beispiel die Volatilität – entschädigt zu werden. Die Realität legt jedoch das Gegenteil nahe.

Die Vorteile der Vielfalt

Einige Faktoren werden erst nach mühevoller Datenarbeit offensichtlich. Quantitativ orientierte Strategen analysieren oft Hunderte Millionen von Datenpunkten über zehntausende Datenserien, angefangen bei Marktpreisen über amtliche Statistiken bis hin zu Umfragen aus dem privaten Sektor, um zusätzliche Renditequellen zu erschliessen. Einige dieser Faktoren funktionieren nur kurze Zeit, und zwar genau so lange, bis der gesamte Markt auf den Zug aufspringt.

Durch Identifizierung und effiziente Nutzung von Faktoren können Anleger ihre Renditen über den Marktdurchschnitt hinaus steigern. Aktien-Faktoren können auch als Portfoliobausteine dienen.

Ein Aktienportfolio, dessen Bestandteile sich auf Substanz-, Wachstums- und Low-Volatility-Werte verteilen, kann genauso diversifiziert sein wie eines, das nach Regionen oder Ländern investiert. Das liegt daran, dass sich Substanz-, Wachstums- und Low-Volatility-Werte in den verschiedenen Phasen des Konjunkturzyklus überdurchschnittlich entwickeln.

Aber wie generell beim Investieren ist kein Faktor 100% sicher. Einige hängen vom Anlagehorizont ab und können sich zeitweise widersprechen – zum Beispiel kann ein Unternehmen mit einer attraktiven Bewertung auch dann günstiger wachsen, wenn das Momentum den Ton angibt. Manche existieren im Durchschnitt über viele Zyklen, andere sind sehr kurzlebig. Einige Faktoren funktionieren für gewisse Zeit, verschwinden dann aber, wenn sie breite Anwendung finden.

Ein Verständnis dafür zu entwickeln, warum einige Faktoren langfristig Bestand haben, ist wichtig für Anleger, die diese Strategien anwenden wollen. Bei der Anwendung von Faktor-Ansätzen ist es ebenso wichtig einschätzen zu können, wie beliebt die einzelnen Faktoren geworden sind. Einige Faktoren bestehen nur auf dem Papier, sind das Ergebnis von intensivem Data-Mining und Back-Testing.


1) Im Durchschnitt sind Aktienerträge im Halbjahreszeitraum November–April rund 10 Prozentpunkte höher als in den sechs Monaten von Mai–Oktober. Alle Jahre wieder grüsst an den Finanzmärkten der „Sell in May“-Effekt. Andrade, S., V. Chhaochharia, M. Fuerst, „‚Sell in May and Go Away‘ Just Won’t Go Away“. Financial Analysts Journal, Forthcoming (SSRN 2115197), 18.03.2013.
2) Swinkels, L., van Vliet, P. „An Anatomy of Calendar Effects“, Journal of Asset Management 13(4), 2012, S. 271-286.
3) „There’s still only one winner in the growth versus value fight“, Financial Times 20.10.2018 https://www.ft.com/content/dda25e30-d383-11e8-a9f2-7574db66bcd5

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 171 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Wie viel Kohle ist uns unser Klima wert?

von Vanessa Bolmer, Investmentfonds & Nachhaltigkeitsresearch, GLS Bank.

Rund 1.400 Tage ist es inzwischen her. Vor vier Jahren, im Dezember 2015 versprachen in Paris 197 Staaten ihre CO2-Emissionen zu senken. Die Folgen des Klimawandels, der zunehmende Verlust der biologischen Vielfalt und fruchtbarer Ackerböden, vermehrt schwere Wetterkapriolen sollten verhindert werden. Doch die notwendigen Veränderungen wurden nur halbherzig angegangen. Im vergangenen Jahr entstand plötzlich ein Ruck in der Gesellschaft: Die Aktivitäten rund um den Hambacher Wald zeigten im Spätsommer 2018 die Meinung Vieler zur Energiewende. Und vor allem was hier schiefläuft. Die Botschaften von Fridays for Future sind daher nicht neu. Aber ihnen ist es endlich gelungen, Momentum zu erzeugen, damit den ambitionierten Worten nun auch Taten folgen. Dies hat massiven Einfluss auf den Kapitalmarkt. Welchen Einfluss haben Treibhausgasemissionen auf das Portfolio und wie lassen sich diese überhaupt sinnvoll erfassen?

Gestrandete Vermögenswerte & Carbon Bubble

Investitionen in fossile Brennstoffe richten ökologische Schäden an. Über diese Aussage wird nicht mehr diskutiert. Im Hintergrund stand bisher ein anderes Argument, das durch die Initiative Carbon Tracker in den vergangenen Jahren langsam in den Vordergrund tritt: Das ökonomische Risiko fossiler Brennstoffe. Energiekonzerne investierten in der Vergangenheit viel Geld in die Erschließung fossiler Brennstoffe. Um die Pariser Ziele zu erreichen, dürfen ein Drittel des Erdöls, die Hälfte des Erdgases und mehr als 80 Prozent der globalen Kohlereserven nicht gefördert werden. Sie müssen im Boden verbleiben. Auch Mercer prognostiziert deutliche Wertverluste für die Anlageklassen Kohle, Öl und Gas in den nächsten 10 Jahren. Die Investitionen wären verloren (stranded assets). Das Konzept der Kohlenstoffblase (Carbon Bubble) macht seitdem am Finanzmarkt die Runde.

Parallel hat sich ein neuer Markt entwickelt: Windparks werden ohne Subventionen errichtet. Auch der Strompreis aus alternativen Quellen ist deutlich günstiger geworden. Die Branche wird wettbewerbsfähig, was sich insbesondere an der hohen Nachfrage nach Green Bonds zeigt.

Die Tendenz zeigt: Die Transformation zu einer Low-Carbon-Industrie hat begonnen. In der Folge müssen sich Investoren fragen, inwieweit Investments in CO2-intensive Branchen sinnvoll sind – oder den Preis dafür zahlen.

Dekarbonisierung der Wirtschaft: Der Gesetzgeber macht Ernst

Die Vereinbarungen des Pariser Klimagipfels sind ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung. Denn um sie und damit eine wirksame Dekarbonisierung der Wirtschaft zu erreichen, wird jetzt der rechtliche Rahmen abgesteckt. Diskutierte Maßnahmen sind ein einheitlicher Standard für den CO2-Fußabdruck einer Geldanlage sowie eine ausnahmslose CO2-Abgabe. Solche Abgaben würden tatsächlich vorhandene, aktuell noch versteckte Risiken in den Bilanzen sehr vieler Unternehmen und kumuliert bei den finanzierenden Banken sichtbar machen. Es könnte ein fairer Wettbewerb entstehen, in dem die Verursacher und Finanzierer emissionsintensiver Branchen in die Verantwortung genommen werden.

Genau in diese Richtung bewegen sich die Regulierungsbehörden. Sie verlangen bereits von Banken, die klimarelevanten Risiken ihres Geschäftsfeldes auszuweisen.Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Die Bank of England erwartet, dass britische Institute künftig klimarelevante Risiken adäquat berücksichtigen. Tun sie dies nicht, kann dies höhere Eigenkapitalanforderungen zur Folge haben. Entsprechende Klimastresstest bereitet sie bereits vor. Frankreich nimmt große Investoren mit in die Verantwortung: Sie müssen bereits berichten, wie sie Klimarisiken in ihrer Anlagepolitik berücksichtigen. Und auf europäischer Ebene entsteht derzeit eine Taxonomie, die definiert, welche Geschäftsaktivitäten zum Klimaschutz und weiteren ökologischen Zielen beitragen.

Das regulatorische Bestreben, Fragen zur Werteorientierung des Kunden als obligatorischen Bestandteil in die Beratungsgespräche aufzunehmen, ist ein weiteres Signal. Damit im Einklang steht das Verhalten der Anleger*innen: So stiegen der norwegische Pensionsfonds und deutsche Versicherer aus bestimmten Investments aus. Weitere Akteure, wie die DZ Bank, beugen sich dem Druck der Investoren und Netzwerke und überdenken ihre Strategien bzgl. Kohleinvestitionen.

Doch wie können Anleger*innen erkennen, dass sie betroffen sind von den Klimarisiken?

Eine Lösung: Klimatransparenz

Eine Lösung wäre Transparenz über die CO2-Emissionen einer Geldanlage. Doch die Entwicklung steckt noch in den Anfängen. Denn die Messung und Bewertung klimaschädlicher Emissionen ist nicht einfach. Es mangelt an Daten sowie allgemeingültigen Berichtsstandards. Insbesondere kleineren Unternehmen fehlen die notwendigen Kapazitäten. Die Folge: Viele Daten sind nur grobe Schätzwerte. Die Ergebnisse wenig belastbar und kaum vergleichbar.

Die Finanzbranche versucht, sich selbst zu helfen. So hat die Taskforce on Climate-related Financial Disclosure einen Berichtsstandard entwickelt, wie Investoren auf institutioneller Ebene über klimarelevante Investitionen berichten sollen. Die „Corporate Value Chain“ des Greenhousegas Protocol ist ein Standard, den viele Unternehmen wie auch Städte inzwischen nutzen. Er betrachtet den gesamten Wertschöpfungskreislauf. Warum ist das entscheidend? Rein die Geschäftstätigkeit einer Bank betrachtet, würde sie als Dienstleistungsunternehmen verglichen mit produzierenden Unternehmen einen recht niedrigen Wert ausweisen. Bezieht sie jedoch weitere Werte mit ein, wie die Anfahrtswege der Mitarbeitenden sowie die Auswirkung der finanzierten Unternehmen, muss sie einen deutlich höheren Wert ausweisen.


Quelle: Task Force on Climate-related Financial Disclosure

CO2-Fußabdruck: Ein Standard mit Schwächen

Auf Produktebene weisen viele Fonds heutzutage einen CO2-Fußabdruck aus. Hier ist Vorsicht geboten. Denn nicht immer ist klar, was gemessen wird. Nur eigene oder fremdbezogene Emissionen (auch Scope 1 und 2 genannt) oder alle Emissionen der Wertschöpfungskette (Scope 1, 2 und 3)? Die Darstellung selbst erfreut sich ebenfalls großer Vielfalt: Einige geben ihre Ergebnisse in COje Tonne an, andere wiederum in COje Umsatz. Manche schließen Kohlendioxid-intensive Branchen gleich ganz aus. Nutzen sie eine Benchmark, die diese nicht ausschließt, wirkt ihr Ergebnis natürlich viel besser. Ob die Anlage mit andere Nachhaltigkeitskonzepten, z.B. den Sustainable Development Goals (SDGs) im Einklang steht, sagt der Fußabdruck ebenfalls nicht aus. Transparenz und Authentizität über die zu Grunde gelegten Prozesse und Kriterien werden damit immer wichtiger.

Der nächste Schritt: künftige Emissionen messen

Der Abdruck ist derzeit eine Kennziffer. So lässt sich zwar vergleichen und feststellen, ob der Wert reduziert wurde. Doch sie trifft keine in die Zukunft gerichtete Aussage über die Qualität der Portefeuilles bezogen auf die Erderhitzung: Sind die Aktivitäten der Unternehmen ausreichend, um die Erhitzung der Erde auf 1,5 °C zu beschränken? Diese Fragen stellen sich derzeit das Frankfurter Start-up right. based on science und die GLS Bank. Können wir eine Methodik entwickeln, die es Investoren künftig erleichtern könnte, die Spreu vom Weizen zu trennen? Die Entscheidung für oder gegen eine Investition fällen zu können? Dazu an späterer Stelle mehr.


Über die Autorin

Seit 2011 ist Vanessa Bolmer bei der GLS Bank tätig. Als Verantwortliche für die OGAW-Fonds der GLS Bank ist die Geisteswissenschaftlerin und Bankbetriebswirtin mit dem Produktmanagement und der Weiterentwicklung der Fonds betraut. Ihre Rolle umfasst zugleich die Entwicklung und Konzipierung innovativer Fondsprodukte. Sie finden sie auf Linkedin und Xing.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 400 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an. (Stand 31.07.2019)

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

Big Data als Basis für KI-gesteuertes Asset Management

Der Investorentrend hält an – weiterhin findet eine rapide Verschiebung von aktiven Managern hin zu passiven Vehikeln statt. Die Asset Management-Industrie steht daher vor einer großen Herausforderung.

Es gilt, innovative Konzepte zu entwickeln, die den Entscheidungs- und Investmentprozess auf eine neue Grundlage stellen. Die Catana Capital GmbH ist einer dieser Asset Manager, die sich der Weiterentwicklung und Digitalisierung der aktiven Vermögensverwaltung verschrieben haben. FondsTrends sprach mit Holger Knauer, Geschäftsführer der Catana Capital GmbH, über Herausforderungen und Potential von Big Data und künstlicher Intelligenz in der aktiven Vermögensverwaltung.

FondsTrends: Herr Knauer, die Entwicklung hin zu passiven Geldanlagen schreitet weiter voran. Was spricht überhaupt noch für aktives Fondsmanagement?

Holger Knauer: Wir haben eine Dekade hinter uns, in der fast alle Assetklassen weltweit eine signifikant positive Wertentwicklung verzeichneten. Damit waren auch passive long-only-Produkte besonders attraktiv. Gleichzeitig hatten aktive Manager keine wirklichen Produktinnovationen zu bieten, die diesem Trend entgegenwirken konnten. Aus meiner Sicht steht die Asset Management-Industrie vor der großen Herausforderung, Prozesse im aktiven Management effizienter zu gestalten und mit Hilfe von Digitalisierung Kosten zu senken. Auf diesen beiden Feldern bietet die Digitalisierung daher beträchtliche Möglichkeiten, die unbestrittenen Vorteile des aktiven Managements zu erhöhen.

FondsTrends: Die angesprochene Digitalisierung schreitet in allen Lebensbereichen voran, doch speziell im deutschsprachigen Raum scheint das Asset Management hinterherzuhinken. Wie beobachten Sie diese Veränderungen?

Holger Knauer: Da kann ich zunächst nur einmal zustimmen. Das Asset Management ist nun nicht gerade auf der Überholspur, was das Thema Digitalisierung angeht. Dies gilt aber meinem Empfinden nach für den Großteil des Finanzmarktsektors. Gründungsgedanke der Catana war es daher auch, die höchstmögliche Prozessautomatisierung im Asset Management auf der operativen Seite mit dem Einsatz von Big Data und künstlicher Intelligenz bei unseren Investmententscheidungen zu kombinieren.

FondsTrends: Die Schlagwörter Big Data und insbesondere künstliche Intelligenz werden ja zurzeit beinahe inflationär gebraucht. Doch was genau können wir uns unter dem Einsatz von künstlicher Intelligenz vorstellen? Ein Supercomputer, der selbstständig Handelsentscheidungen trifft?

Holger Knauer: Zunächst einmal möchte ich betonen, dass meiner Meinung nach der Einsatz von künstlicher Intelligenz immer noch in den Kinderschuhen steckt. Dennoch ist sie bereits im Alltag weit verbreitet: sei es im Navigationssystem unseres Handys, bei der digitalen Bilderkennung oder in Assistenten wie Siri und Alexa. KI-Anwendungen eignen sich hervorragend für Mustererkennungen in einem bestimmten Bereich. Ich bin fest überzeugt, dass diese Begriffe im Asset Management hingegen sehr häufig als reines Marketinginstrument gebraucht, aber kaum in der Praxis angewendet werden.

FondsTrends: Wie helfen Ihnen konkret Big Data und künstliche Intelligenz beim Investmentprozess?

Holger Knauer: Fangen wir vorne an. Grundlage unserer Handelsstrategie ist eine Big Data-Datenbank, die täglich um mehr als 2 Millionen Nachrichten, Artikel, Research-Berichte, Blog- & Foreneinträge sowie Tweets erweitert wird. Die gesammelten Artikel sind in Deutsch, Englisch oder Chinesisch verfasst und enthalten Informationen zu mehr als 45.000 Wertpapieren weltweit. Die überwiegende Mehrheit dieser Texte stammt dabei aus nutzergenerierten Inhalten, die es so vor zehn Jahren überhaupt noch nicht gab. Diese Daten stellen die Grundlage für unsere Handelsentscheidungen dar. Meiner Meinung nach liegt gerade in dieser Andersartigkeit der verwendeten Daten ein maßgebliches Unterscheidungskriterium zu traditionellen Asset Managern.

FondsTrends: Und diese Vielzahl an Daten werden mit Hilfe künstlicher Intelligenz ausgewertet?

Holger Knauer: Richtig. Anders ist das bei 23 Nachrichten in der Sekunde überhaupt nicht möglich. Zunächst werden die Texte mittels Natural Language Processing (NLP) ausgewertet und in einen Stimmungs-Score umgewandelt. Diese Scores werden mit Hilfe etablierter Machine Learning-Verfahren ausgewertet, um abschließend daraus Handelsentscheidungen abzuleiten. Davon versprechen wir uns Informations- und daraus resultierend Wettbewerbsvorteile gegenüber traditionellen Asset Managern.

FondsTrends: Wie setzen sie diese Strategie konkret um?

Holger Knauer: Wir sind vor einigen Wochen mit dem Data Intelligence Fund (ISIN: DE000A2H9A76) an den Markt gegangen, in dem gleichzeitig eine aktive Titelselektion als auch eine Allokationsstrategie kombiniert wird. Unser Ziel ist es, uns mit diesem neuartigen UCITS-Fonds zu etablieren und weitere innovative Produkte zu entwickeln. Ganz bewusst gehen wir vertriebsseitig auch auf die Zielgruppe „Digital Natives“ zu, da dort die Wahrnehmung für ein derartiges Produkt eine andere ist und diese von traditionellen Fondsprodukten sowie deren Marketing nicht angesprochen werden. Wir sind der festen Überzeugung, dass vertrieblich neue Wege notwendig sind, um neue Kundengruppen für Investmentfonds zu interessieren. Daher haben wir in den letzten Wochen an einem Marketingkonzept gearbeitet, Erklärvideos zum Fonds produziert und sind mittlerweile auch auf allen wichtigen Social Media-Plattformen aktiv.

FondsTrends: Herr Knauer, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen viel Erfolg mit dem Data Intelligence und weiteren möglichen Produkten.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf fondstrends.lu.

Künstliche Intelligenz im Investment Management

Der Einsatz von Big Data und künstlicher Intelligenz bietet Asset Managern ungeahnte Möglichkeiten und dürfte die Branche grundlegend verändern. Die in Frankfurt ansässige Catana Capital GmbH hat ein Fondsprodukt entwickelt, das auf der Realtime-Analyse von Millionen von Onlineinhalten beruht. Dabei werden mit Hilfe künstlicher Intelligenz redaktionelle und nutzergenerierte Nachrichten ausgewertet, um anschließend daraus Handelsentscheidungen abzuleiten.

Holger Knauer

Holger Knauer ist seit März 2016 Geschäftsführer und Chief Risk Officer der Catana Capital GmbH. Der gelernte Bankkaufmann und Wertpapierhändler startete nach einem BWL-Studium seine Karriere als Assistent der Geschäftsleitung der Universal-Investment GmbH. Danach war er dort lange Jahre als stellvertretender Abteilungsleiter für das institutionelle Geschäft tätig, ehe er 2012 als Vorstand zur Celios Investment AG (vormals Prisma Investment AG) wechselte.

Investieren in Megatrends

Megatrends verändern die Welt grundlegend und langfristig. Sie wirken nicht nur auf einige Bereiche, sondern betreffen alle Ebenen der Gesellschaft und damit auch den einzelnen Menschen. Um mit der Zukunft Schritt halten zu können, müssen Unternehmen rasch auf Entwicklungen eingehen oder diese im Idealfall sogar antizipieren. Unternehmen, die das schaffen, sind für Investoren von großem Interesse, denn sie stehen für Zukunftsfähigkeit und Wachstum. In solche Unternehmen investiert der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Wichtige Megatrends, die aktuelle Veränderungen markieren, betreffen die Bereiche Demografie, Klima, Technologie und Mobilität. Die Tatsachen, dass 2050 vermutlich 75 % aller Menschen weltweit in Städten wohnen werden und die westliche Gesellschaft älter wird und schrumpft, haben große Auswirkungen auf den infrastrukturellen Bedarf dieser Gemeinschaften, aber natürlich auch auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen. Die Nachfrage nach Abwasser- und Verkehrssystemen, Sicherheit und sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Schulen wird ebenso steigen wie der Bedarf an Medikamenten, Pflege und Betreuungseinrichtungen. Unternehmen, die langfristig in der Lage sind, auf diesen Wandel mit adäquaten Produkten und Dienstleistungen zu reagieren, werden in der Zukunft zu den Gewinnern zählen. Dazu gehören Pharma- und Medizintechnikunternehmen ebenso wie Rentenversicherer, Schulbuchverlage mit Online-Diensten und Kommunikationsdienstleister.

Auch der Klimawandel zählt zu den großen Themen des 21. Jahrhunderts. Extremes Wetter stellt mittlerweile eines der größten Risiken für Unternehmen dar. Die jährlichen Investitionen dazu werden weltweit auf hunderte Milliarden US-Dollar geschätzt. Für Investoren bieten sich Möglichkeiten in den Bereichen Energieeffizienz, Wind-, Solar- und Hydroenergie, aber auch Energiespeicher, Elektromobilität und Brennstoffzellen sowie Clean-Tech-Lösungen.

Besonders weitreichend und in den unmittelbaren Alltag der Menschen greifend, ist der technologische Wandel. Soziale Netzwerke, Internet of Things, Cloud Computing, Mobile Payment und Automatisierung sind hier nur wenige Stichworte, die für den rasanten Anstieg des Internets mit all seinen Möglichkeiten stehen.

In Megatrends zu investieren heißt, aus all diesen Bereichen die aussichtsreichsten Unternehmen herauszufiltern und sie hinsichtlich ihrer Zukunftsfähigkeit zu prüfen. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien investiert in die beschriebenen Megatrends und setzt dabei auch auf ganz große Unternehmen wie Siemens oder Amazon, aber auch auf kleinere „Hidden Champions“, die in ihren Bereichen herausragende und zukunftsweisende Produktlösungen anbieten.

Auch die Wertentwicklung des Fonds hat in den letzten fünf Jahren im Gleichschritt mit den investierten Firmen rasant an Fahrt gewonnen. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien konnte über diesen Zeitraum eine Performance von 71,29 % erzielen. (Berechnungszeitraum: 30. August 2014 – 30. August 2019, total return indexiert brutto, berechnet nach der OeKB-Methode). An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass Performanceergebnisse der Vergangenheit keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zulassen.

Aktienkompetenz von Raiffeisen Capital Management

Ein aktiver Investmentansatz, wie der des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien, steht und fällt mit den Personen, die ihn umsetzen. Die Raiffeisen KAG hat über viele Jahre hinweg ein stetig wachsendes Team von spezialisierten Fondsmanagerinnen und Fondsmanagern aufgebaut, und das mit einer enorm hohen personellen Kontinuität. Einige waren in „ihren“ Märkten bereits aktiv, als es noch sehr wenigen Menschen in den Sinn kam, dort überhaupt zu investieren. Die erfahrenen Aktienspezialisten decken viele Länder und Regionen sowie ausgewählte Branchen und Investmentthemen kompetent ab.

EU-Taxonomie: Was Anleger*innen jetzt beachten müssen

von Gesa Vögele, Mitglied der Geschäftsführung, Corporate Responsibility Interface Center (CRIC) e.V., und Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Die Europäische Union bringt die Akteure am europäischen Finanzmarkt gehörig ins Schwitzen. Im Mai 2018 hat die EU-Kommission den EU Aktionsplan zur Finanzierung Nachhaltigen Wachstums verabschiedet. Darin hat sie konkrete Maßnahmen beschlossen, wie der Finanzmarkt zur Erreichung der ambitionierten Klimaschutzziele der EU sowie der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDG) beitragen soll. Seitdem herrscht EU-weit rege Betriebsamkeit. Überall werden Konferenzen abgehalten, Beiräte gegründet, Stellungnahmen veröffentlicht, um sich auf die bevorstehenden Schritte vorzubereiten.

Besonders eine Maßnahme ist Gegenstand der Diskussion: Die EU-Taxonomie. Sie ist das Herzstück des Aktionsplans. Mit ihr soll Klarheit am Finanzmarkt geschaffen werden, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten zur Erreichung der oben genannten Ziele beitragen. Eine Sachverständigengruppe machte sich vergangenen Sommer ans Werk, diese Maßnahmen auszugestalten. Am 18. Juni 2019 veröffentlichte sie ein viel beachtetes Zwischenergebnis: Ein mehr als 400 Seiten starker technischer Bericht, der detailliert festlegt, welche Tätigkeiten im Einklang mit der Taxonomie sind.

Doch was heißt dies für die verschiedenen Teilnehmer am Kapitalmarkt? Was kommt auf sie zu? Wer ist betroffen? Bis wann ist Zeit, sich darauf vorzubereiten? Können sie sich am Prozess beteiligen? In diesem Artikel möchten wir Antworten auf diese und weitere wichtigen Fragen geben:

Das Taxonomie-Grundgerüst: Eine Liste an Aktivitäten, die sechs ökologische Ziele verwirklichen sollen

Die Taxonomie stellt nichts anderes als eine Liste von Wirtschaftstätigkeiten dar, die einen substanziellen Beitrag zu sechs ökologischen Zielen leisten sollen. Sie basiert auf Expertise aus Branche, Zivilgesellschaft und Wissenschaft und soll dynamisch im Laufe der Zeit den technologischen Wandel berücksichtigen. Es gibt auch keine graduelle Abstufung oder Note wie bei ESG- Ratings. Sobald fertiggestellt, soll sie Finanzmarktteilnehmern dazu dienen, die Umweltperformance ihrer (nachhaltigen) Aktien- oder Rentenfonds zu messen und darüber zu berichten. Der EU-Kommission schwebt vor, dass sie eine Ausgangsbasis für die Gestaltung neuer, grüner Finanzprodukte ist. In dem Zusammenhang ist auch die Einführung eines Ecolabels für grüne Investmentfonds angedacht. Institutionellen Investoren sollen mit ihrer Hilfe Investment-Präferenzen formulieren oder Engagement betreiben.

Die sechs ökologischen Ziele der EU-Taxonomie

  1. Klimaschutz
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen
  4. Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung und Recycling
  5. Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
  6. Schutz gesunder Ökosysteme

Im veröffentlichten Bericht hat die technische Arbeitsgruppe bisher Aktivtäten identifiziert, die einen substanziellen Beitrag zu den ersten beiden Zielen leisten, allein 67 für den Klimaschutz. Die weiteren Ziele und damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Aktivitäten werden bis Ende 2022 ausgearbeitet.

Vor allem Anbieter nachhaltiger Investmentfonds betroffen

Die Taxonomie richtet sich in erster Linie an Anbieter unterschiedlicher Arten von Investmentfonds. Sie sollen offenlegen, inwiefern ihre Produkte im Einklang mit der Taxonomie stehen.

Das betrifft aber nicht alle Fondsanbieter. Derzeitiger Sachstand ist, dass nur institutionelle Investoren und Vermögensverwalter, die Investmentprodukte als nachhaltig vermarkten, erklären müssen, ob und wie sie die Taxonomie-Kriterien genutzt haben.

Nutzer und Anwendung der Taxonomie

 

Offenlegungspflichten

Optionale Nutzung

Asset Management

  • OGAW/AIF/Venture/Infrastruktur-Fonds
  • Portfoliomanagement

 

Versicherung

  • Versicherungsbasierte Investmentprodukte
  • Versicherung

Corporate- und Investment-Banking

  • Verbriefungsfonds/Venture Capital und Private Equity Fonds / Indexfonds
  • Portfoliomanagement
  • Verbriefung/ Venture Capital und Private Equity
  • Indizes
  • Projekt- und Unternehmensfinanzierung 

Retailbanking

-

  • Hypotheken/ Immobilien-, Auto- Hauskredite

Quelle: Tabelle basiert auf Seite 60 im EU Taxonomy Technical Report

In den vergangenen Monaten ist eine lange Debatte dazu entstanden, warum die Offenlegungspflichten nicht für alle Anbieter gelten. Hauptkritikpunkte am jetzigen Vorschlag sind Wettbewerbsnachteile für Anbieter nachhaltiger Finanzprodukte sowie eine mangelnde Hebelwirkung, da der Anteil nachteiliger Produkte nur ein Bruchteil des Gesamtmarktes ausmacht. Auch das EU-Parlament steht dem Vorschlag kritisch gegenüber. Es will stattdessen nahezu alle Fondsanbieter in die Pflicht nehmen und stellt darüber hinaus klar, dass die Offenlegungspflichten auch für Kreditinstitute und börsennotierte Unternehmen gelten sollten. Bisher sehen die Vorschläge für Banken und Unternehmen eine freiwillige Nutzung vor.

Wie Anleger*innen herausfinden, ob ihre Investments Taxonomie-konform sind

Für jede der identifizierten 67 Aktivitäten gibt es konkrete technische Kriterien. Akteure am Kapitalmarkt, die herausfinden wollen, inwieweit ihre Investments der Taxonomie entsprechen, haben drei Schritte dabei zu gehen. Zunächst müssen sie prüfen, ob ihre Anlagen einen substanziellen Beitrag leisten (substantially contribute). Zudem darf ein Investment keine anderen ökologischen Ziele (Do no significantly harm - DNSH) oder die ILO-Kernarbeitsnormen verletzen (social safeguards).


Quelle: Presentation EU Taxonomy, Seite 3

1. Ermittlung des substanziellen Beitrags: es gibt verschiedene Wege

Die Taxonomie definiert unterschiedliche Möglichkeiten, wie eine Aktivität substanziell beitragen kann. Beim Ziel Klimaschutz adressiert sie Tätigkeiten mit bereits geringen Emissionswerten, z. B. (nahe) Null-Emissions-Transport oder Aufforstung. Ebenso zielt sie auf Tätigkeiten ab, die niedrige Emissionen oder substanzielle Reduktionen von Emission ermöglichen (Greening durch Tätigkeiten). Beispiel hierfür sind Hersteller von Windrädern.

Aber nicht nur Windräder oder elektrische Straßenbahnen können einen substanziellen Beitrag leisten. Um emissionsintensive Wirtschaftssektoren klimafreundlicher zu machen, hat die technische Arbeitsgruppe auch bestimmte wirtschaftliche Tätigkeiten identifiziert, bei denen zwar noch kein Netto-Null-Emissionsstand erreicht wurde, die aber zu einer Netto-Null-Emissions-Wirtschaft im Jahr 2050 beitragen können. Hier geht es um das Greening von Tätigkeiten (z. B. Renovierung von Gebäuden oder Autos mit unterdurchschnittlichem CO2-Ausstoß). Bei der Aufstellung der Kriterien hat sich die Arbeitsgruppe an den Sektorvorreitern orientiert. Die Performance soll damit über den Industrie-Durchschnitt gehoben werden, vergleichbar mit einem Best-in-Class-Ansatz bei Nachhaltigkeitsfonds. Die Kriterien für diese Tätigkeiten sollen im Laufe der Zeit kontinuierlich verschärft werden mit dem Ziel, Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Als Grenzwert für stromerzeugende Wirtschaftsaktivtäten wurde beispielsweise heute 100g CO2/kWh gewählt. Dies schließt emissionsintensive Sektoren wie die Kohleindustrie bereits heute aus.


Quelle: Using the taxonomy, Supplementary Report 2019, Seite 14

2. Do no significant harm: Was gut für ein Ziel ist, darf nicht schlecht für die anderen Ziele sein

Investoren müssen darauf achten, dass ökonomische Tätigkeiten, die einen substanziellen Beitrag zu einem der sechs ökologischen Bereiche bzw. Ziele der Taxonomie leisten, kein anderes Umweltziel substanziell schädigen. Für jedes der sechs Umweltziele wurde dies näher spezifiziert. So sollte keine Tätigkeit zu erheblichen Treibhausgasemissionen (Ziel 1) und Schadstoffemissionen (Ziel 5) führen oder einen negativen Effekt auf die natürliche und bauliche Umwelt haben (Ziel 2). Der Zustand der Meere und Flüsse (Ziel 3) und weiterer Ökosysteme (Ziel 6) in der Europäischen Union darf nicht beeinträchtigt werden. Ebenfalls sollte eine erhebliche Ineffizienz bei der Materialnutzung in einer oder mehreren Phasen des Lebenszyklus von Produkten vermieden werden (Ziel 4). Für jede wirtschaftliche Tätigkeit wurden konkrete Kriterien festgelegt. Dieser Schritt hat auch zum jetzigen Sachstand zum Ausschluss von Kernkraft geführt, da es ungeklärte Fragen zur Entsorgung des atomaren Abfalls gibt, was in Konflikt zu Ziel 3 steht. Allerdings wird auf EU-Ebene weiterhin diskutiert, Kernkraft doch als eine treibhausgas-neutrale Technologie für die Taxonomie zuzulassen.

3. Soziale Kriterien: EU-Kommission setzt auf Mindeststandards

Bisher wurde viel von Umweltkriterien gesprochen. Was ist eigentlich mit sozialen Kriterien oder Kriterien der guten Unternehmensführung? Die EU-Kommission greift hier auf bestimmte soziale Mindestanforderungen (social safeguards) zurück. Das Unternehmen, das die Wirtschaftstätigkeit ausübt, muss die acht Kernarbeitsnormen in der Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit befolgen. Dies sind das Recht, keiner Zwangsarbeit unterworfen zu werden, die Vereinigungsfreiheit, das Recht der Arbeitnehmer, sich zu organisieren, das Recht auf Tarifverhandlungen, gleiche Entlohnung für männliche und weibliche Arbeitnehmer für gleichwertige Arbeit, Nichtdiskriminierung und Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf sowie das Recht, keiner Kinderarbeit unterworfen zu werden. Weiter geht die Taxonomie nicht. Insbesondere das Fehlen konkreter sozialer Ziele zum jetzigen Zeitpunkt sehen viele Marktteilnehmer sehr kritisch und wurde kontrovers diskutiert. Hier zeigt sich auch ein klarer Unterschied zwischen dem EU-Parlament und der EU-Kommission. So plädiert das Parlament dafür, dass auch die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, die Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte, (…) und die Internationale Charta der Menschenrechte, befolgt werden. Laut Parlamentsposition müssen weitere Leitlinien zu den Tätigkeiten erarbeitet werden, die zu anderen Nachhaltigkeitszielen, darunter soziale Ziele und Steuerungsziele [englische Version: governance objectives] beitragen. Nur so ließe sich die Agenda 2030 zur Erreichung der SDGs wirksam umsetzen.

Wie es weitergeht: Finanzmarktakteure können sich in den Prozess mit einbringen

An den ersten beiden Bereichen bzw. Umweltzielen wird die technische Arbeitsgruppe noch bis zum Jahresende arbeiten. Alle Finanzmarktakteure haben noch bis zum 13. September 2019 die Möglichkeit, Hinweise und Kritikpunkte zu äußern, indem sie ein Feedback zum Bericht an die EU-Kommission versenden (Hier geht es zum Call for Feedback). Für die weitere Umsetzung der Taxonomie wird im kommenden Jahr eine so genannte Plattform für ein nachhaltiges Finanzwesen geschaffen. Diese würde insbesondere die vier weiteren Umweltbereich- bzw. -ziele der Taxonomie entwickeln. Die EU-Kommission plant im ersten Halbjahr 2020 Konsultationen zu künftigen delegierten Rechtsakten, die die technischen Screening-Kriterien spezifizieren sollen.

Parallel dazu finden derzeit Verhandlungen zwischen Kommission, Parlament und den EU-Staaten zum Taxonomievorschlag der Kommission statt, die so genannten Trilog-Verhandlungen. Angesichts unterschiedlicher Standpunkte zwischen Parlament und Kommission kann es noch zu Anpassungen kommen. Dennoch wird davon ausgegangen, dass die Verhandlungen im zweiten Halbjahr abgeschlossen werden können.


Quelle: EU Taxonomy Technical Report, Seite 18

Wo Anleger*innen hilfreiche Informationen finden

Es ist derzeit nicht einfach, den Überblick zu bewahren. Die offizielle Seite der EU-Kommission zu Sustainable Finance erläutert Hintergründe und bisherige Maßnahmen. Zur besseren Veranschaulichung hat die Kommission ein Factsheet und eine Präsentation entworfen, in denen die wichtigsten Maßnahmen erläutert werden. Die rechtliche Grundlage bildet der Aktionsplan: Finanzierung nachhaltiges Wachstum

Zur näheren Erläuterung der Taxonomie ist online eine Präsentation erhältlich. In ihr finden sich auch die Hinweise auf weitere Dokumente, zum einen den ausführlichen technischen Bericht, der die Methodik und alle Tätigkeiten mitsamt Kriterien eingehend beschreibt, sowie als Praxishilfe einen Leitfaden, wie die Taxonomie anzuwenden ist. CRIC hat darüber hinaus einen Fragenkatalog veröffentlicht, der die wesentlichen Punkte zusammenfasst. Zum aktuellen Taxonomie-Entwurf hat CRIC am 2. September 2019 gemeinsam mit dem FNG, ÖGUT und oekofinanz-21 eine Stellungnahme veröffentlicht, die von der GLS Bank unterstützt wird.


Gesa Vögele ist seit Juli 2017 Mitglied der Geschäftsführung bei CRIC. Zuvor war sie über sieben Jahre beim FNG tätig ­– einem Fachverband für nachhaltige Geldanlagen, der hauptsächlich die Anbieterseite repräsentiert. Zu ihren dortigen Schwerpunkten zählten die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, politisches Lobbying sowie Projekte in den Bereichen Transparenz- und Qualitätssiegel, Weiterbildung und Marktstudien. Vorherige berufliche Stationen von Gesa Vögele umfassen außerdem die Redaktion eines Fachverlages sowie die wissenschaftliche und zuvor studentische Mitarbeit in Forschungseinrichtungen. Bereits zum Ende ihres Studiums befasste sie sich bei einer Nichtregierungsorganisation mit sozial-verantwortlichen bzw. ethisch-nachhaltigen Geldanlagen. Gesa Vögele ist Diplom-Volkswirtin und ausgebildete Fachredakteurin.

CRIC (Corporate Responsibility Interface Center) ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung von Ethik und Nachhaltigkeit bei der Geldanlage und versteht sich gleichermaßen als Informationsplattform und Kompetenzzentrum. Ziel der Aktivitäten von CRIC ist es, ökologischen, sozialen und kulturellen Aspekten in Unternehmen und der Wirtschaft mehr Gewicht zu verleihen. Mit mehr als 100 Mitgliedern vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist CRIC die größte Investorengemeinschaft zur ethisch-nachhaltigen Geldanlage im deutschsprachigen Raum. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen in der Bewusstseinsbildung, dem Dialog mit der Wirtschaft (engl. Engagement) und der wissenschaftlichen Begleitforschung. CRIC wurde im Jahr 2000 gegründet. Der Vereinssitz ist Frankfurt am Main. Weitere Informationen: www.cric-online.org.

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 400 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an. (Stand 31.07.2019)

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

Why aren’t investors eating their free lunch?

Diversification can lead to better investment outcomes, and listed alternatives can help embed this principle in portfolios, argues Martin Dietz, Fund Manager at Legal & General Investment Management.

The investment world is full of truisms, pearls of wisdom concealed within a dull shell. Some are trading maxims, like ‘buy low, sell high’. Some bear a Nobel laureate’s stamp of authority, like Harry Markowitz’s claim that diversification is ‘the only free lunch’ for investors.

These all make intuitive sense, but they don’t really tell us much. How do we know whether a price is low or high, for example? What makes a portfolio diversified?

As asset allocators, we have plenty of metrics to inform our answer to the first question about valuations. There is no consensus about the second, however.

Most investors, of course, agree that diversification is a minimum requirement for a multi-asset portfolio: blending together the different performance profiles of different assets should result in improved risk/reward outcomes due to the lower overall volatility in the portfolio.

But what specific assets, in what combination, help us achieve this? Some commonly accepted standards have emerged through time: portfolios shouldn’t be significantly overweight single securities, single geographies, or single sectors; and they shouldn’t rely on equities alone for growth.

Pass the alts

Those guidelines give us solid foundations for building a diversified portfolio, but we would argue that just as important as diversifying across traditional asset classes is diversifying into alternative asset classes.

Within these alternative categories, we consider a host of assets: high-yield bonds, property, infrastructure, emerging-market debt, and many more.

Accessing some of these alternative assets can be relatively straightforward: exposure to various alternative credit markets, such as global high yield and emerging-market debt, is now available through index or actively managed funds. Others – notably direct real assets like property, infrastructure, and farmland or forestry – are less accessible.

We are certainly not alone in appreciating the value of such diversifying assets. We can use the Pension Protection Fund, for instance, as an example for a well managed, sophisticated institutional portfolio. The fund’s most recent annual report revealed that it had invested significant parts of its portfolio across private equity, property, infrastructure, timberland and farmland, and non-government and non-corporate debt. Once we strip out its liability hedges, we see how its return-seeking portfolio has allocated significantly to alternative credit (20%) and other alternatives (26%), while limiting the allocation to standard equities (21%).

We have seen similar portfolio compositions from other sophisticated defined benefit (DB) and defined contribution (DC) trust-based schemes, yet a surprising number of bundled DC propositions have still not fully embraced alternatives, and continue to rely on an equity-focused portfolio. All portfolios in the chart below have a broadly similar long-term return expectation, but vary widely in their level of diversification. We would expect the more concentrated portfolios to be more risky over time.

Price versus value

One potential explanation for this lack of diversification in mastertrusts’ portfolios could be the charge cap and value-for-money requirements. Many providers have gone for an ‘as cheap as possible’ approach which has typically undermined diversification.

We certainly acknowledge that true diversification through alternatives requires the use of some higher-value building blocks in portfolios, so it is not exactly as ‘free’ as Markowitz contended.

But investing to obtain the predictable benefits of diversification should be an easy decision for anyone willing to spend more than the bare minimum for a better outcome.

After all, the value-for-money case for upgrading an old-fashioned balanced portfolio of equities and bonds should be straightforward when the extra cost for genuine diversification through alternatives can be achieved from as little as 5-10 basis points (0.05% to 0.10%).

Getting the alts right in DC

There remains a question mark or two over how to allocate effectively to alternatives in a DC portfolio. Unquoted alternatives create additional complications, as they tend to be illiquid and aren’t tradable in investor-friendly increments – you can’t allocate to forestry one tree at a time – while DC schemes typically require daily pricing and daily liquidity.

With this in mind, we believe listed alternatives are a straightforward implementation vehicle. Liquidity is achieved for investors because they can buy and sell their shares in these vehicles to other investors at any point in time. And as this trading doesn’t change the number of shares or the capital available to the listed structure, it doesn’t need to meet daily redemption requests and is able to own the less-liquid underlying assets.

Equally, listed alternatives can overcome the challenge of underlying assets that are not priced on a daily basis: their real asset price is part of the listed alternative’s balance sheet and is reflected in the calculation of its net asset value. But there is also a daily share price for the listed vehicle that investors can trade on, and this will directly reflect current market conditions.

Our research shows that listed alternatives provide similar risk-adjusted returns to direct investments in real assets over the long term. There is admittedly more volatility over the shorter term with listed alternatives – a function of their daily pricing and trading and their equity beta – but most investors should be able to look through this noise. Over the longer term, the listed alternative’s share price is mainly driven by its underlying assets, and the returns on the underlying assets are passed through the listed alternative to the underlying investors.

For all these reasons, we view listed alternatives as a great addition to portfolios. They meet all the requirements for DC schemes – daily pricing, daily liquidity, low fees – and they can improve portfolio outcomes.

Why, oh why, isn’t everybody using them?


This article has first been published on futureworldblog.lgim.com.

Datenqualität als Herausforderung oder Mehrwert?

von Michael Günther und Pablo Hess, den Fondsmanagern des Tungsten TRYCON Basic Invest HAIG.

Zwei von drei Anlegern (70 Prozent) versprechen sich von der Verarbeitung und Nutzbarmachung großer Datenmengen den größten Wertbeitrag für eine moderne Fondsstrategie. Allerdings erwartet fast die Hälfte (47 Prozent) der Anleger, dass die Qualität der Daten künftig die größte Herausforderung beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Portfoliomanagement sein dürfte. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen qualitativen Umfrage der Frankfurter Asset Management-Gesellschaft Tungsten Capital unter mehr als 50 Anlegern, darunter vornehmlich institutionelle und semi-institutionelle Investoren.

Spannenderweise ist Rendite nicht der wichtigste Faktor, mit dem Anleger den Einsatz neuer KI-Technologien bei der Geldanlage bewerten. Lediglich 26 Prozent der Befragten nennen Performancevorteile als Top-Priorität. Dagegen kommen der Verbesserung des Chance-Risiko-Verhältnisses (51 Prozent) und der Eliminierung des Behavioral Bias (43 Prozent), also emotionaler Einflüsse, jeweils eine deutlich höhere Bedeutung zu (Mehrfachnennungen waren möglich). Schlüsselkriterium ist jedoch die Berücksichtigung einer Vielzahl von Variablen und relevanter Datenquellen (70 Prozent). „Das Thema Daten spielt für Investoren eine wichtige Rolle“, kommentiert Michael Günther, Portfoliomanager von Tungsten TRYCON, die Ergebnisse. „Fortschritte in Hard- und Software ermöglichen es, die Portfolioauswahl mittels maschineller Intelligenz und Analysetechnologien zu unterstützen. Der Aufwand für die Rechenleistung und Datenverknüpfung ist dabei mithin immens“.

Allerdings nimmt ein großer Teil der Anleger (47 Prozent) die Qualität der verfügbaren Daten auch als größte Herausforderung bei der Umsetzung einer von Algorithmen gestützten Investmentstrategie wahr. „Inwieweit die Leistungsfähigkeit von KI den menschlichen Analysten ergänzt und welche Art von Daten dabei zum Einsatz kommen, dies wird die Asset Management-Branche in den nächsten Jahren verstärkt beschäftigen“, führt Pablo Hess, ebenfalls Portfoliomanager von Tungsten TRYCON, weiter an. „Einige Anbieter nutzen bisher vornehmlich strukturierte Finanzinformationen und Zeitreihen, etwa Preis- und Umsatzdaten, andere versprechen sich Erkenntnisse beispielsweise aus Social Media-Nachrichten wie Twitter oder Blogs“.

Hinkt die Finanzindustrie anderen Branchen hinterher?

Während in anderen KI-Anwendungsbereichen – etwa Spracherkennung für Mobiltelefone – eindeutigere Muster vorherrschen, sind die Kapitalmärkte von einem hohen Maß an Ungewissheit geprägt. Fast jeder zweite Teilnehmer (47 Prozent) hält daher neben der Datenqualität die Eigenheiten und Komplexität der Finanzmärkte für die größte Herausforderung in der Praxis. „Künstliche Intelligenz im Fondsmanagement arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten für den Eintritt möglicher Szenarien und Kursentwicklungen. Eine Gewissheit über zukünftige Entwicklungen kann auch die KI nicht geben“, bekräftigt Michael Günther. Vorangegangene Umfragen, etwa jüngste Studien des BVI, fokussierten vornehmlich auf administrativen, prozessualen sowie IT- und vertriebsseitigen Einsatzgebieten von KI. „Mit unserer Umfrage verfolgten wir das Ziel, einige qualitative Einschätzungen aus Anlegersicht dezidiert zum Nischenthema KI im Investment Management einzuholen“. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Umfrageteilnehmer die Finanzbranche beim Einsatz von KI im Branchenvergleich nur auf einem der hinteren Plätze verorten. Im Automobilsektor wird KI aus Sicht der befragten Anleger bislang am erfolgreichsten eingesetzt (Platz 1), gefolgt von der Telekommunikations- und Pharmaindustrie. Die Finanzbranche rangiert auf dem letzten Platz, knapp hinter dem Energiesektor. „Die Anwendung von KI in der Finanzbranche ist vermutlich weniger greifbar als in anderen Industrien, denkt man nur an das autonome Fahren. Automatisierungen und Prozesseffizienzen sind nur eine Einsatzmöglichkeit von KI im Finanzbereich, die Identifizierung von Handelsgelegenheiten im Portfoliomanagement bildet eine weitere“, gibt Pablo Hess zu bedenken. „Gleichsam wird das Thema auch innerhalb der Finanzbranche nicht immer trennscharf – zum Beispiel gegenüber Robo-Advisory – behandelt“.

Aufholpotenzial gegenüber USA und China

Fortschrittliche KI-Technologien wurden bisher, so die Ausgangsthese für die Umfrage, vornehmlich mit dem Silicon Valley assoziiert. Die Ergebnisse der Umfrage deuten darauf hin, dass die befragten Anleger Nachholbedarf für Deutschland und Europa sehen. Bei der Frage, welche Länder und Regionen künftig KI-Zukunftstechnologien dominieren werden, konnten die Teilnehmer Schulnoten (1 = sehr gut bis 6 = ungenügend) für die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte vergeben. Den USA und China stellen die Anleger mit der Note 2 jeweils ein gutes Zeugnis aus, Deutschland und Europa schneiden nur mit Note 4 ab.

Inwieweit KI im Fondsmanagement in Deutschland weiter Verbreitung finden wird, dies wird aus Sicht der Autoren nicht nur auf der Angebotsseite entschieden. „Wir gehen davon aus, dass mehr Anbieter die Potenziale von KI erschließen wollen und entsprechende Technologiekenntnisse an Bord holen werden“, so Michael Günther. „Die Umstellung auf einen größeren Anteil der KI im Investmentprozess wird die Branche in den nächsten drei bis fünf Jahren ein Stück weit verändern“. Wichtig sei aber, dass dieser Innovationsschub mit der Nachfrageseite korrespondiert. „Investoren erwarten einen Mehrwert gegenüber einer Anlagelösung, die keine KI einsetzt“. Wenn die Branche ihre Hausaufgaben macht, dann dürfte der Wertbeitrag von KI im Investment Management aus Sicht der befragten Anleger künftig hoch (62 Prozent) oder sogar sehr hoch (13 Prozent) sein. Über drei Viertel der Umfrageteilnehmer (81 Prozent) gehen davon aus, dass die Nachfrage nach KI-basierten Investmentstrategien in den nächsten fünf Jahren (erheblich) zunehmen wird.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf fondstrends.lu.

Künstliche Intelligenz im Investment Management

Die Umfrage „Künstliche Intelligenz im Investment Management 2019“ wurde in diesem Jahr erstmals von TRYCON im Zeitraum 6. bis 14. Mai 2019 online durchgeführt. An der Umfrage nahmen 53 Anleger teil, davon ca. 82 Prozent institutionelle Investoren, Vermögensverwalter, Family Offices und Anlageberater sowie ca. 18 Prozent Privatanleger. Die Umfrage ist qualitativ (sie erhebt nicht den Anspruch einer quantitativen Erhebung) und beleuchtet Einschätzungen und Trends zur Wahrnehmung der Vorteile und Herausforderungen beim Einsatz von KI in Fonds und Investmentstrategien.

Michael Günther

Michael Günther ist einer der zwei Fondsmanager des Tungsten TRYCON Basic Invest HAIG. Sein Schwerpunkt ist neben dem Portfolio Management die Programmierung und Weiterentwicklung der proprietären Portfolio- und Risk Management-Software auf Basis von MATLAB. Herr Günther ist außerdem seit 2002 Vorstandsmitglied der TRYCON G.C.M. AG.

Pablo Hess

Pablo Hess ist einer der zwei Fondsmanager des Tungsten TRYCON Basic Invest HAIG. Sein Schwerpunkt ist neben dem Portfolio Management das Research und die (Weiter-)Entwicklung von Multi-Asset-Handelsstrategien insbesondere für börsengelistete Derivate. Im Fokus stehen hierbei hochentwickelte quantitative Modelle. Aber auch Trendfolgemodelle oder Optionshandelsstrategien bilden einen weiteren Schwerpunkt. Herr Hess ist außerdem seit 2002 Vorstandsmitglied der TRYCON G.C.M. AG.