Investieren in Megatrends: Smart Food

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien.

Zwischen Klimawandel-Ängsten und Coronapandemie ist ein Thema in der öffentlichen Wahrnehmung etwas in den Hintergrund getreten, das eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit darstellt: die gesunde und nachhaltige Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung.

Gewaltige Herausforderungen

Im Jahr 2050 werden 9,8 Milliarden Menschen die Erde bevölkern, rund zwei Milliarden mehr als gegenwärtig. Dieser Bevölkerungszuwachs ist in doppelter Hinsicht problematisch: Zum einen gilt es, zwei Milliarden mehr Menschen zu ernähren. Zum anderen bedeutet ein solcher Bevölkerungszuwachs zwangsläufig einen weiteren Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen und einen noch größeren Bedarf an natürlichen Ressourcen aller Art. Hinzu kommt, dass hunderte Millionen Menschen in höhere Einkommensklassen aufsteigen – und damit wird ihr Speiseplan umfangreicher und ihre Ernährungsgewohnheiten ändern sich. Man erinnere sich, dass sich auch in Europa vor noch gar nicht so langer Zeit große Teile der Bevölkerung eine Fleischmahlzeit nur hin und wieder leisten konnten. Gleichzeitig müssen trotz wachsender Nahrungsmittelproduktion Treibhausgasemissionen vermindert und weitere Umweltschäden vermieden werden.

Neue Konzepte und neue Trends...

Um diese Herausforderungen zu meistern, bedarf es neuer Konzepte, sowohl für unsere Ernährung als auch für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie, um künftig die gesamte Menschheit nachhaltiger und gesünder ernähren zu können. Forscher auf der ganzen Welt arbeiten daran. Nahrungsmittel werden dabei ja nicht nur konsumiert, um zu sättigen. Sie sind auch ein Genussmittel und dieser Aspekt wird mit steigendem Lebensstandard immer bedeutsamer. Je weniger sich jemand darum sorgen muss, ob er seinen Hunger stillen kann, umso mehr wird er sich darum kümmern können und wollen, wie er ihn am besten stillen kann.

Neben Sattwerden und Genießen legen immer mehr Menschen Wert auf weitere wichtige Gesichtspunkte: Qualität, Fairness und Transparenz beim Handel, Herstellung unter ethisch und ökologisch vertretbaren Bedingungen und vieles mehr. Mit wachsendem Problem- und Gesundheitsbewusstsein reduzieren dabei viele Menschen freiwillig ihren Fleischkonsum, greifen mehr zu Bioprodukten oder bevorzugen in ihrer Lebensregion erzeugte Lebensmittel. So ernähren sich zum Bespiel bereits heute 52 % der Deutschen „flexitarisch“, das heißt, sie essen an drei oder mehr Tagen in der Woche kein Fleisch. In Österreich haben sich (laut AMA Marketing) die Ausgaben für Bio-Lebensmittel 2020 um mehr als ein Fünftel erhöht und liegen nun bei 714 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr gab ein durchschnittlicher, österreichischer Haushalt über 190 Euro für frische Bioprodukte aus.

...bedeuten auch neue Investmentchancen und -risiken

Das Thema Ernährung und die damit verbundenen Wachstumschancen finden inzwischen auch an den Finanzmärkten immer stärkere Beachtung. Um daran zu partizipieren, wurde Smart Food als neuer Sub-Trend in den Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien aufgenommen. Unter diesen Wachstumstrend fallen speziell Nahrungsmittel, die sowohl die Gesundheit als auch das Wohlbefinden positiv beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise biologisch angebaute Produkte, vegane und vegetarische Lebensmittel, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, aber auch spezielle Sportlernahrung, wie Energieriegel oder Proteinshakes.

Smart Food im Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien

Der Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien investiert dabei zum einen in Lebensmittelhersteller, die gesunde und nachhaltig erzeugte Lebensmittel herstellen (Sunopta oder Bellring Brands). Im Fondsportfolio finden sich zum anderen Zulieferer (DSM, Kerry Group), aber auch Unternehmen, die Altöle und Fette recyclen und wiederverwenden (Darling Ingredients). Bei der Auswahl der Unternehmen wird stark auf Nachhaltigkeit geachtet. Im Fokus stehen ein geringer CO2-Abdruck, niedriger Wasserbedarf und minimale Nahrungsmittelverschwendung.

Ein wichtiges Thema im Bereich gesunder und nachhaltiger Ernährung ist der zunehmende Verzicht auf Fleisch und tierische Produkte. Das Unternehmen Sunopta etwa erzeugt Milch und Milchprodukte aus Hafer, Soja und Hanf und wies in den letzten Jahren starke Wachstumsraten auf. Auch ihr Geschäft mit funktionalen Lebensmitteln, also gesunden Snacks wie etwa Obstriegel, war in den letzten Jahren sehr profitabel.

Leistungsnahrung für Sportler ist ein weiterer wichtiger Baustein des Themas Smart Food. Ein bedeutendes Unternehmen in diesem Bereich ist Bellring Brands, vielen Sportlern mit den Energieriegeln oder Protein-Shakes der Marke „Power Bar“ und „Dymatize“ bekannt. Das Unternehmen konzentriert sich damit auf ein stark wachsendes Segment, in dem derzeit hohe Gewinnmargen erzielt werden können.

Unternehmen wie DSM oder Kerry Group sind weltweit führende Hersteller von Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminen, Enzymen, Geschmackstoffen oder probiotischen Kulturen. Damit sorgen sie nicht nur dafür, dass die Lebensmittel besser schmecken, sondern hauptsächlich auch dafür, dass sie weniger Fett und Zucker enthalten und somit insgesamt gesünder für den Menschen sind.

Ein besonders heißes Thema im Bereich Smart Food ist derzeit im Labor gezüchtetes Fleisch. Noch gibt es allerdings kein börsennotiertes Unternehmen, das sich speziell auf diesen Bereich konzentriert und eine Marktreife für solche Produkte liegt noch in weiter Ferne. Zugleich sollte man nie unterschätzen, wie schnell sich zuweilen neue Technologien und Produkte herausbilden und etablieren können. Langweilig wird es im Bereich Smart Food jedenfalls ganz sicher nicht!

Fazit

Unsere Ernährung und alle Prozesse rund um Erzeugung und Transport unserer Nahrungsmittel sind in einem regen Wandel begriffen, bei dem gleich mehrere drängende Herausforderungen zeitgleich zu meistern sind. Das eröffnet sowohl neue Chancen als auch neue Risiken für bestehende und neu auf den Markt drängende Anbieter. Daher ist hier eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich Smart Food engagieren.

Biodiversität: Nachhaltigkeitsbewertung auf Unternehmensebene

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Das Leben im anthropogenen (menschengemachten) Zeitalter bedeutet für die meisten Spezies dieser Erde nichts Gutes. Die Vielfalt an Arten und die Stabilität von Ökosystemen ist durch den Menschen immer stärker bedroht. Die immer weniger nachhaltigen Lebens- und Verhaltensmuster von zunehmend mehr Menschen führen zu einer spürbaren Verschlechterung der Umfeldbedingungen aller Tiere und vieler Menschen auf unserem Planeten. Die Frage stellt sich, ob der Mensch noch Teil des Ökosystems Erde ist oder er und seine Handlungen nur mehr im Widerspruch zur Natur stehen.

Ein Erhalt von funktionierenden Ökosystemen als Basis für die biologische Vielfalt unserer Welt ist daher das Ziel von nachhaltig denkenden Menschen und Investoren und wird auch von der internationalen Staatengemeinschaft immer mehr als große Herausforderung für die Zukunft erkannt.

Der Begriff Biodiversität oder biologische Vielfalt bezeichnet die Vielfalt des Lebens, anders gesagt, die Variabilität verschiedener lebender Organismen in Ökosystemen an Land und im Meer. Biodiversität beschreibt damit einerseits die Vielfalt zwischen den Arten und andererseits die Vielfalt der Ökosysteme selbst sowie die genetische Vielfalt. Ein nachhaltiger Umgang mit der biologischen Vielfalt der Erde ist eine Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von Menschen, Fauna und Flora.

Das Thema Biodiversität erhielt erstmals durch die Umweltkonferenz 1992 in Rio de Janeiro eine breite Aufmerksamkeit und gesellschaftspolitische Bedeutung. Ein Jahr später trat die Convention on Biological Diversity, das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) – ein internationales Umweltabkommen – in Kraft. Aktuell haben 196 Staaten unterzeichnet. Mit zwei Protokollen, dem Cartagena-Protokoll und dem Nagoya-Protokoll existieren zwei völkerrechtlich verbindliche Abkommen zur Umsetzung der Ziele der CBD. Das Cartagena-Protokoll regelt den grenzüberschreitenden Verkehr von gentechnisch veränderten Organismen, während das Nagoya-Protokoll die Aichi-Ziele für den weltweiten Artenschutz festgelegt hat. Die Aichi-Ziele besagten, dass bis 2020 der Verlust an natürlichen Lebensräumen halbiert werden sollte, die Überfischung der Weltmeere gestoppt und 17 % der Landfläche respektive 10 % der Meere unter Schutz gestellt werden sollten. Die Jahre 2011 bis 2020 waren von den Vereinten Nationen zur „Dekade der Biodiversität“ proklamiert worden. Im September 2020 wurde bekannt, dass die Aichi-Biodiversitätsziele nicht erreicht werden konnten.

Biodiversität im Zusammenhang mit der Vielfalt der Arten, Gene und Ökosysteme steht in Wechselwirkung mit der Gesundheit des Menschen. Gesunde und intakte Ökosysteme sind eine wesentliche Grundlage für die menschliche Gesundheit. Sie sorgen für saubere Luft und Trinkwasser, bieten gesunde Nahrung und Basis für Arzneimittel. Weitere Aspekte der Biodiversität sind der Schutz vor Naturgefahren und das Angebot von Erholungs- und Erfahrungsraum, beide sind für die menschliche Psyche und das Wohlbefinden wesentlich.

BODENVERBRAUCH IN ÖSTERREICH

Biodiversität und Bodenverbrauch stehen im klaren Widerspruch zueinander. Auf Basis der Daten des Österreichischen Umweltbundesamtes wurden in Österreich bis zum Jahr 2019 insgesamt 5.729 km2 an Boden verbraucht. Diese Flächeninanspruchnahme entspricht 7 % der Landesfläche und 18 % des Dauersiedlungsraumes. Die Bezeichnung „Bodenverbrauch“ bedeutet, dass biologisch produktiver Boden durch Verbauung und Versiegelung für Siedlungs- und Verkehrszwecke verloren geht. Die Definition umfasst auch intensive Erholungsnutzungen, Deponien, Abbauflächen, Kraftwerksanlagen und ähnliche Intensivnutzungen. Bodenversiegelung bedeutet, dass Boden luft- und wasserdicht abgedeckt wird, wodurch Regenwasser nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen versickern kann.

Die negativen Wirkungen der Bodenversiegelung umfassen neben der Gefährdung der biologischen Vielfalt auch verschiedene andere Aspekte, wie den Verlust der biologischen Funktionen, einen Prozess, der schwer rückgängig gemacht werden kann. Mit der Bodenversiegelung geht auch der Verlust der Produktivität einher, da die meisten Siedlungen in Regionen mit fruchtbarem Ackerland liegen. Außerdem ergeben sich ein erhöhtes Hochwasserrisiko, der Verlust der Staubbindung und Hitzeeffekte, da bei versiegeltem Boden kein Wasser verdunsten kann.

Der wachsende Bodenverbrauch bedeutet, dass sich der Umfang an Österreichs produktiven Böden verringert, wobei der jährliche Verlust im Zeitraum 2001 bis 2019 gemäß Umweltbundesamt zwischen 38 km2 und 104 km2 schwankte. Ab dem Jahr 2009 war eine Verlangsamung des Trends erkennbar, der aktuelle Mittelwert über drei Jahre liegt bei 44 km2, was in etwa der Größe von Eisenstadt entspricht. Dabei liegt der versiegelte Anteil zwischen 32 % und 41 % des jährlichen Bodenverbrauchs. Das Regierungsprogramm 2020–2024 sieht eine deutliche Verringerung des Bodenverbrauchs vor, der jährliche Zuwachs soll bis 2030 auf 9 km2 pro Jahr sinken. Übrigens gilt auf EU-Ebene die Vereinbarung, bis zum Jahr 2050 einen Nettolandverbrauch von null zu erreichen.

KAUSALER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN KLIMAWANDEL UND ABNAHME DER BIODIVERSITÄT

Bis vor einigen Jahrzehnten standen die unbedachte oder gezielte Ausrottung von Spezies und die Übernutzung an der Spitze der Gründe für eine Abnahme von Biodiversität. Mittlerweile führt die Veränderung oder Zerstörung ganzer Ökosysteme zu einem in der Historie bisher beispiellosen Artenrückgang. Ein wesentlicher Grund für den Verlust von Biodiversität ist die fortschreitende Änderung der Landnutzung. Wälder werden abgeholzt und natürliche Ökosysteme umgestaltet, um den Umfang landwirtschaftlich genutzter Flächen zu erhöhen. Neben der Waldvernichtung sind Gewässerverschmutzung, Verbauung von Flüssen, Zersiedelung und Versiegelung von Flächen Ursachen, die den Lebensraum vieler Arten vernichten. Folgen des Verlustes an Biodiversität sind Klimaänderungen, erhöhte Stickstoffbelastung in den Gewässern über Kunstdünger, die Einführung von invasiven Arten und die Erhöhung der Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre. Es zeigt sich, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen der Abnahme von Biodiversität und dem Phänomen des Klimawandels existiert.

LIVING PLANET INDEX

Der Living Planet Index ist ein Indikator zur Messung biologischer Vielfalt, er basiert auf Trends in der weltweiten Population von verschiedenen Spezies von Wirbeltieren. Der Index wurde vom WWF und dem UNEP Weltüberwachungszentrum für Naturschutz entwickelt. Basis des Living Planet Index ist die Entwicklung von fast 21.000 Populationen von fast 4.000 Wirbeltierarten. Aus dem aktuellen Report aus dem Jahr 2020 geht hervor, dass der Rückgang der biologischen Vielfalt zwischen 1970 und 2016 bei 68 % lag.

NEUN ÖKOLOGISCHE GRENZEN

Auch die neun Belastungsgrenzen des Planeten beschäftigen sich mit dem Thema Biodiversität. In ihrem Konzept über die ökologischen Grenzen der Erde hat die Universität von Stockholm neun Grenzen unseres Planeten definiert und Zukunftsszenarien bezüglich der globalen Umweltveränderungen gezeichnet. Diese Belastungsgrenzen der Erde (oft als „Planetare Grenzen“ bezeichnet) umfassen neben dem Verlust an Biodiversität den Ozonabbau der Stratosphäre, die Einbringung neuartiger Substanzen (wie Mikroplastik, Nanomaterial oder radioaktiven Abfall), den Klimawandel, die Übersäuerung der Ozeane, den Süßwasserverbrauch, die nicht nachhaltige Landnutzung, atmosphärische Aerosole und biochemische Kreisläufe (vor allem die Anreicherung der Ozeane mit Phosphor und Entnahme von Stickstoff aus der Atmosphäre). Aus Sicht der Wissenschaftler ist in bereits vier Fällen die Belastungsgrenze überschritten, es sind dies der Klimawandel, biochemische Kreisläufe, Landnutzung und der Biodiversitätsverlust.

Mögliche Maßnahmen zum Erhalt von Biodiversität sind die Schaffung von Schutzgebieten, die Vorbeugung bezüglich der Ausdehnung invasiver Arten, die Miteinbeziehung von Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei in Konzepte zum Erhalt von Biodiversität sowie die Schaffung starker Institutionen, die den Erhalt der Biodiversität und die nachhaltige Nutzung von Ökosystemen unterstützen und internationalen Abkommen zur Umsetzung verhelfen. Wesentlich erscheint auch die Information der Öffentlichkeit über den Nutzen der Erhaltung von Biodiversität. Biologische Vielfalt erhalten bedeutet auch die Förderung einer nachhaltigen Ausrichtung der Landwirtschaft, die Anpassung und eine Einschränkung der Zunahme der Nährstoffniveaus in Wasser und Boden.

FAZIT & NACHHALTIGKEITSBEWERTUNG

Biodiversität stellt in der Nachhaltigkeitsbewertung auf Unternehmensebene wie auf Staatenebene ein Positivkriterium dar und wird auch in den Zielen für Nachhaltige Entwicklung mit SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und SDG 14 (Leben unter Wasser) abgebildet.

E (Environment)

Biodiversität und damit verbunden die Artenvielfalt sind ein stark umweltbezogenes Thema, es geht um den Erhalt möglichst vieler Pflanzen- und Tierarten. Dabei sind einerseits die genetische Vielfalt innerhalb einer Art und andererseits die biologische Vielfalt der Lebensräume oder Ökosysteme von Relevanz. Auf Länderebene ist das Thema Biodiversität mit einer Einschätzung der Artenvielfalt – mit Bezug auf Säugetiere, Brutvögel, Reptilien und Fische – ein eigener Punkt der Nachhaltigkeitsanalyse.

S (Social)

Biologische Vielfalt gilt als wichtige Grundlage für das menschliche Wohlergehen. Die Natur stellt dem Menschen verschiedenste Ressourcen zur Verfügung, wie Nahrung, Brennmaterial und Baustoffe. Auch der psychische Aspekt der Biodiversität ist ein wesentlicher Faktor für das menschliche Wohlbefinden.

G (Governance)

Staaten, aber auch Unternehmen müssen Sorge tragen für den Erhalt der Biodiversität. Das auf Staatenebene geschlossene Übereinkommen über die biologische Vielfalt ist ein wichtiger erster Schritt in Richtung des Erhalts der Artenvielfalt.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist Biodiversität ein wesentliches Zukunftsthema. Insbesondere bei Investments in Staatsanleihen nimmt es eine wichtige Rolle ein.


Die vollständige Ausgabe 32 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Investieren in Megatrends: Cashless Society

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Im 10. bis 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde erstmals in der Menschheitsgeschichte staatlich anerkannt Papiergeld eingeführt – und zwar in China. Rund 1000 Jahre später ist China erneut Vorreiter bei der Entwicklung neuer Formen des Geldes und des Bezahlens. Papiergeld und generell das Bargeld erscheinen zunehmend als Auslaufmodelle. Geld wird uns grundsätzlich bis auf weiteres erhalten bleiben, ist es doch das „Schmiermittel“ unserer modernen Zivilisation, in vielerlei Hinsicht. Jedoch wird dabei das Bargeld zunehmend durch neue, elektronische (digitale) Bezahlformen ergänzt beziehungsweise verdrängt. Das beinhaltet zahlreiche Umwälzungen in vielen Wirtschafts- und Lebensbereichen. Diese Entwicklungen bieten gutes Ertragspotenzial für vorausschauende Investoren und bedeuten zugleich zusätzliche Risiken für all jene Unternehmen und Investoren, die diese Trends ignorieren.

Nur Bares ist Wahres?

Bargeld und seine Zukunft sind Themen, die sehr rasch zu erhitzten, emotionalen Debatten führen können. Für die einen hat es ausgedient und ist ein archaisches Relikt, das jede Menge Probleme und Nachteile mit sich bringt. Für die anderen ist es eine der wichtigsten Bastionen persönlicher Freiheit und Unabhängigkeit. Für die einen ist es ein Ärgernis, das Geldwäsche, Geldfälschung und kriminelle Handlungen aller Art erleichtert und Geldpolitik erschwert. Für die anderen ist es ein robustes, bewährtes Bezahlverfahren, das auch dann noch problemlos funktioniert, wenn Stromversorgung oder Internet ausfallen und das für Hackerattacken unerreichbar ist.

Die Bezahlwelt ist im Umbruch

Wenn der „Durchschnittsbürger“ in Europa, Nordamerika oder Japan an bargeldloses Bezahlen denkt, dann verbindet er damit vor allem Bankomat-, Kreditkarte und Online-Überweisung. In China hingegen wird man in erster Linie an das Smartphone denken. Es ist absolut möglich, dass es junge Menschen in Shanghai, Peking oder Dalian gibt, die noch nie in ihrem Leben mit Bargeld oder Kreditkarten hantiert haben und dies auch niemals tun werden. Chinas Milliardenvolk hat die Kreditkarte weitgehend übersprungen – sehr zum Leidwesen der Branchenriesen Visa und Mastercard. Stattdessen ist das „Reich der Mitte“ Vorreiter bei Bezahl-Software, mit der Banktransaktionen und Bezahlvorgänge per Handy erfolgen.

Einfach das Handy im Supermarkt einzusetzen, findet aber auch hierzulande zunehmend Verbreitung. Die Covid-19-Pandemie und die Angst vor Virenübertragung durch Geldscheine und Münzen haben dem bargeldlosen Bezahlen auch in Europa einen starken Schub gegeben. Selbst in Ländern wie Österreich und Deutschland, in denen weiterhin viele Menschen Bargeld bevorzugen, ist der Anteil bargeldloser Transaktionen in den letzten 12 Monaten sprunghaft gestiegen. Hinzu kommt der zusätzliche starke Impuls für den – naturgemäß bargeldlosen – Online-Handel als Folge von Lockdowns und Kontaktbeschränkungen. Wichtig für Investoren ist dabei, dass der Trend zu bargeldlosen Zahlungen nicht durch die Pandemie geschaffen, sondern durch sie nur verstärkt wurde. Daher wird er auch nicht mit ihr enden. Ein weiterer starker Treiber für den Vormarsch elektronischer Bezahlformen zeichnet sich ab: die Notenbanken! Auch hier scheint China einer der Vorreiter zu sein, aber auch in der Eurozone, den USA, Japan und selbst in Staaten wie Venezuela, arbeiten die Zentralbanken offenbar mit Hochdruck an der Einführung „digitaler Währungen“. Sie würden ihnen unter anderem zusätzliche Möglichkeiten in der Geldpolitik eröffnen.

„Kryptowährungen“ – das Geld der Zukunft?

Beim Stichwort „digitale Währungen“ werden allerdings viele Menschen wohl nicht so sehr an Euro oder US-Dollar denken, sondern in erster Linie an Bitcoin und Co. Diese so genannten Kryptowährungen haben vor allem durch ihre gewaltigen Preisanstiege in den letzten Monaten (gegenüber den herkömmlichen „Papiergeldwährungen“) viele neue Fans gewonnen und auch so manchen Skeptiker in Unternehmen und bei institutionellen Investoren überzeugt. Allerdings: der Begriff „Kryptowährung“ ist eigentlich irreführend. Kaum einer dieser inzwischen tausenden verschiedenen „cryptocoins“ erfüllt auch nur annähernd die Kriterien einer Währung. Das gilt selbst für Bitcoin und Ethereum, die beiden Platzhirsche in dem Segment. Je nach Sichtweise sind sie aktuell in erster Linie Anlage- oder Spekulationsobjekte, die gehortet, aber nicht zum Bezahlen verwendet werden. Ganze Bücher lassen sich über Chancen, Risiken und mögliche Zukunftsanwendungen dieser meist auf so genannten Blockchains basierenden Anwendungen schreiben. Die zugrundeliegenden Technologien (beispielsweise „smarte Verträge“) oder deren Weiterentwicklungen könnten viele Vorgänge in modernen Volkswirtschaften stark verändern. Vor allem, aber nicht nur, in der Finanzbranche. Für den Moment und noch für längere Zeit sind die „cryptocoins“ in Bezug auf eine Funktion als Zahlungsmittel aber ein reines Nischenprodukt und kein ernstzunehmender Faktor im weltweiten Zahlungsverkehr. Ob sie jemals einer werden oder überhaupt überleben, ist derzeit noch völlig offen.

Der neue Goldrausch?

Es liegt auf der Hand, dass der stürmische Trend zu neuen Bezahlformen eine wahre Goldgrube sein kann für jene Unternehmen, die sich an die Spitze dieser Entwicklung setzen können und eine ernsthafte Bedrohung für diejenigen, die sie ignorieren. Etliche Unternehmen, die bargeldloses Bezahlen ermöglichen oder vereinfachen, haben gewaltige Wertsteigerungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erfahren. Angefangen bei den heute schon fast „traditionell“ wirkenden Kreditkartenanbietern Visa und Mastercard bis hin zu den deutlich jüngeren Unternehmen, wie PayPal, Square, Apple pay (Apple) oder Alipay (Alibaba). Fast allen ist gemeinsam, dass sie über eine enorme Skalierbarkeit verfügen und vergleichsweise wenig in Maschinen, Gebäude oder Personal investieren müssen. Skalierbarkeit bedeutet letztlich, dass mit minimalem zusätzlichen Kapitalaufwand große Mengen an zusätzlichen Erlösen möglich sind. Die Softwarebranche ist das Paradebeispiel dafür und im Grunde sind fast alle bargeldlosen Bezahlformen auch in erster Linie Softwarelösungen. Selbstverständlich sind solche Wertsteigerungen in der Vergangenheit aber keinerlei Gewähr oder Anhaltspunkt für zukünftige Kursentwicklungen.

Bezahlunternehmen – aussichtsreich, aber kein Selbstläufer

Wo neue Gewinner entstehen, gibt es naturgemäß immer auch Verlierer. Banken waren einst die Alleinherrscher beim Bezahlen, bis ihnen die Kreditkartenunternehmen zunehmend Teile des Geschäfts abgruben. Den Banken war es trotzdem lange Zeit recht, weil auch sie vom zusätzlichen Transaktionsvolumen profitierten. Inzwischen aber drohen sie weitgehend abgehängt zu werden in der Bezahl-Wertschöpfungskette. Zugleich sehen sich aber auch Kreditkartenunternehmen unter Druck durch neue Mitbewerber, die online oder auch im Supermarkt Zahlungen ganz ohne Kreditkarte (oder Bankomatkarte) ermöglichen.

Was bedeutet das für Anleger und Investoren? Nun, vor allem, dass auch ein vermeintlich klarer Trend, wie bargeldloses Bezahlen, keinesfalls automatisch zu Reichtum für Investoren führt. Und wie bei jedem vermeintlichen „Goldrausch“ gibt es natürlich auch etliche „schwarze Schafe“, die versuchen mit zu schwimmen und zu profitieren, Stichwort: Wirecard. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien war in Wirecard übrigens nicht investiert, da das Unternehmen vom Fondsmanagement als nicht gut genug befunden wurde. Stattdessen engagiert sich der Fonds in Unternehmen, wie beispielsweise Adyen, Worldline, Paypal, GMP Payment Gateway, Alibaba oder Visa.

Der grundlegende Ansatz dabei: Das Fondsmanagement setzt auf ein relativ breites Spektrum sehr wahrscheinlicher Profiteure und versucht, etwaige Verlierer möglichst zu vermeiden. Es wird vermutlich mehr als nur einen großen Gewinner geben, bietet doch das bargeldlose Bezahlen eine ganze Reihe von unterschiedlichen profitablen Tätigkeitsfeldern für findige Unternehmer.

Übrigens: Viele Bezahlunternehmen dürften eine ausgezeichnete Absicherung gegen etwaige Inflationsrisiken bieten, die zuletzt ganz verstärkt im Rampenlicht vieler Investoren stehen. Denn mit generell anziehenden Preisen für Waren und Dienstleistungen steigen auch die Transaktionsvolumina und damit die Gebühren und Gewinne dieser Unternehmen.

Fazit

Bargeld wird zunehmend durch neue Formen des Bezahlens ergänzt und verdrängt. Dabei gibt es verschiedene konkurrierende Technologien und Anbieter und damit ist auch hier eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich „bargeldloses Bezahlen“ engagieren.

Demografischer Wandel

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Die zunehmende Alterung der Gesellschaft sorgt für neue Herausforderungen. Besonders in den Industriestaaten und in China steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung immer weiter an. Dies setzt nicht nur die staatlichen Pensionssysteme unter Druck. Auch die Anforderungen an individuelle Pflege, Pflegeeinrichtungen und speziell für alte Menschen entwickelte oder an deren Bedürfnisse angepasste Produkte und Technologien gewinnen an Bedeutung. Ein anderer Aspekt des demografischen Wandels sind das weiterhin ungebremste Bevölkerungswachstum in den Emerging Markets und die dort zu beobachtenden Veränderungen der Einkaufsgewohnheiten.

Die Demografie als Bevölkerungswissenschaft beschäftigt sich statistisch und theoretisch mit der Entwicklung von Bevölkerungen und deren Strukturen. Oft liegt der Fokus dabei auf der Entwicklung der Alterspyramide einzelner Länder, welche die statistische, altersmäßige Verteilung der Bevölkerung zeigt. Charakteristische Formen der Alterspyramide sind die lineare oder klassische Pyramidenform und die Zwiebelform. Die lineare Alterspyramide basiert auf dem stetigen Abnehmen der Bevölkerungszahl je Altersgruppe mit steigendem Alter. Vielen geborenen Kindern steht eine geringe Lebenserwartung gegenüber. Diese Pyramidenform findet man heute noch in Südamerika und Indien. Um das Jahr 1890 war auch in Deutschland und Österreich diese Struktur vorherrschend. Heute ist für die Industriestaaten die Zwiebelform typisch, sie basiert auf einer niedrigen Geburtenrate und einem allmählichen Überhang älterer Menschen auf Basis einer hohen Lebenserwartung.

Eine durch die Veränderung in Lebenserwartung und Fertilität entstehende, alternde Gesellschaft zeigt durchaus nachhaltige Aspekte, da sie einem ungebremsten Bevölkerungswachstum entgegensteht. Andererseits führt eine alternde Gesellschaft potenziell zur sozialen Problematik der notwendigen Finanzierung des Lebens im Alter und den damit verbundenen höheren Kosten für das Sozialsystem. Durch das in der Mehrzahl der Industrieländer vorherrschende Umlageverfahren in der staatlichen Pensionsversicherung stehen durch demografisch bedingte höhere Sozialaufwendungen hohe Kosten an, die bei anderen zukunftsrelevanten Budgetposten – wie Bildung und Forschung – zu Engpässen führen können. Aus Umweltgesichtspunkten sind die Alterung der Gesellschaft und die geringere Fertilität wegen des weniger dynamischen Wachstums der Weltbevölkerung aus Sicht der begrenzten Ressourcen durchaus positiv zu beurteilen, wenn man von einem gleichbleibenden oder steigenden ökologischen Fußabdruck ausgeht.

In einer alternden Gesellschaft steigt die Anzahl der pflegebedürftigen Personen. Dabei ist die höhere Lebenserwartung nicht zuletzt auch dem allgemeinen medizinischen Fortschritt zu verdanken. Auch aus diesem Grund gehören die Pharma- und die Medizintechnikindustrie zu den wesentlichen Profiteuren der demografischen Veränderungen. Mit der Anzahl der im Alter zu betreuenden Personen steigt die Anzahl der benötigten Pflegeeinrichtungen und der Pflegeheime. Für die Finanzindustrie führt die zunehmende Überlastung der öffentlichen Pensionssysteme zum angenehmen Nebeneffekt, dass privates Vorsorgen oder Vorsorgesparen immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Unterschiedliche Alterspyramiden führen einerseits dazu, dass die Kalkulation von Daten zu Wertschöpfung und Wohlstand, die sich auf die Anzahl der Einwohner beziehen – wie BIP pro Kopf –, verfälscht werden. Dieselbe Verfälschung tritt in geringerem Ausmaß beispielsweise auch beim Vergleich von Deutschland und Frankreich auf, weil die Fertilitätsraten in den beiden Ländern große Unterschiede aufweisen. Eine hohe Anzahl von Kindern und jungen Menschen führt zu tendenziell geringeren Werten etwa bezüglich der Wirtschaftsleistung je Einwohner. Generell unterscheidet man in der Statistik zwischen der Gruppe der „wirtschaftlich abhängigen“ Personen, das sind Menschen bis 15 sowie über 65 Jahre, und den erwerbstätigen Personen. Wirtschaftlich abhängige Personen leisten vor allem in jungen Jahren einen geringen Beitrag zur Wertschöpfung, erwerbstätige Personen tragen über Arbeit und Sparen zur Steigerung der Wirtschaftskraft bei. Was Investments betrifft, können Pensionsvorsorgeeinrichtungen in den Industriestaaten von Geldanlagen in Ländern mit vergleichsweise „gesunden“ demografischen Strukturen profitieren. So könnte neben die durch die demografische Entwicklung ohnehin belasteten staatlichen Vorsorgesysteme eine zweite Säule treten, die über kapitalgedeckte Verfahren in Länder mit attraktiver Demografie – und damit verbunden hohem Potenzial für Wirtschaftswachstum – diversifiziert.

DEMOGRAFISCHE DIVIDENDEN VS. KOSTEN

Länder mit einem wachsenden Anteil an Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung profitieren in wirtschaftlicher Hinsicht davon, dass der produktive Teil der Bevölkerung weniger wirtschaftlich abhängige Personen versorgen muss. Die Menschen können mehr konsumieren, sparen und investieren. Dieser Faktor heißt „demografische Dividende“. Eine negative demografische Dividende wird als „demografische Kosten“ bezeichnet. Vor allem in Europa und noch stärker in Japan werden in den nächsten Jahrzehnten hohe demografische Kosten aufgrund des Rückgangs der Zahl der potenziell verfügbaren Erwerbstätigen erwartet. Demografische Entwicklungen beeinflussen das Wirtschaftswachstum und das Spar verhalten der jeweiligen Länder. In den Industriestaaten könnten die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1946 und 1965 – die sogenannten Babyboomer – zur Finanzierung des Ruhestands einen Teil ihrer Investments in verschiedensten Assetklassen realisieren und über diesen Verkauf mit der Folge eines möglichen Angebotsüberhangs die Finanzmärkte belasten. Die generell längere Lebenserwartung der Weltbevölkerung und der steigende Anteil der Senioren werden zu stark steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen führen. Davon sollten die Branchen Pharma, Biotechnologie und Gesundheit allgemein profitieren.

AUSWIRKUNGEN AUF DEN CO2-FUSSABDRUCK

Die Demografie beschäftigt sich aber nicht nur mit der Entwicklung der Alterspyramide. Auch Faktoren wie Geschlecht, Sprachen, Wohnsituation und soziale Merkmale wie Beruf, Familienstand oder Einkommen sind Teil demografischer Analysen. Der laufend beobachtbare demografische Wandel ist auch durch Zuwanderung und Abwanderung geprägt. Interessant ist auch der ökologische Fußabdruck für verschiedene Lebensabschnitte. Emilio Zagheni, Demograf am Max-Planck-Institut in Rostock, hat diesbezüglich Untersuchungen für die USA angestellt. Die Grundaussage der Studie, die für alle entwickelten Volkswirtschaften der Welt Aussagekraft haben sollte, ist, dass die CO2-Emissionen pro Kopf in einem Alter von zehn bis sechzig Jahren kontinuierlich ansteigen und dann abnehmen. Dahinter steht das Phänomen, dass das durchschnittliche Einkommen mit dem Alter tendenziell zunimmt. Ältere Menschen leben in größeren Häusern und fahren weniger energieeffiziente Autos. Auch nehmen die konsumierten Flugkilometer mit dem Alter zu, es wird generell mehr Energie verbraucht. In der Seniorität nimmt der ökologische Fußabdruck dann wieder ab. Die Ausgaben pro Kopf werden zwar insgesamt nicht geringer, sie fließen aber stärker in den Bereich Gesundheit als in energieintensiven Konsum wie den Kauf von Kleidung oder die Reisetätigkeit.

Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass das weltweite Bevölkerungswachstum vorerst weiter anhalten wird, eine Trendwende ist, nach einer im Medizin-Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Studie einer Gruppe von Wissenschaftlern rund um Professor Stein Emil Vollset, erst für das Jahr 2064 zu erwarten. Für die Zeit danach rechnen die Forscher mit einer rückläufigen Geburtenrate. Bis dahin führt der sich aus dem Bevölkerungswachstum ergebende Nachfrageanstieg unter anderem zu potenziell wachsenden Absatzmärkten für Konsumgüter und zu einem erhöhten Materialeinsatz, was eine gesteigerte Nachfrage nach Rohstoffen mit sich bringt. Ein anderer Trend, der zum Teil demografisch und zum Teil durch das hohe Wirtschaftswachstum bedingt ist, betrifft das Wachstum der Mittelschichten der Gesellschaften vor allem in den Emerging Markets. Auch in diesem Fall sollte sich der prognostizierte Nachfrageanstieg in einem Absatzplus für die Hersteller von langlebigen Wirtschaftsgütern niederschlagen.

DER DEMOGRAFISCHE WANDEL IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN „ESG“:

E (Environment)

Aus dem für die nächsten Dekaden prognostizierten Bevölkerungswachstum ergeben sich vor allem Mengenaspekte aus einem steigenden Absatz von Produkten und Dienstleistungen, sind doch diese aus ökologischer Sicht vor allem mit problematischen quantitativen Konsequenzen verbunden. Neben der rein quantitativen Analyse könnte ein weiter wachsender durchschnittlicher ökologischer Fußabdruck der Bevölkerung das Problem weiter verschärfen. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt was die Ressourcen betrifft sind die Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie, die eine zunehmende Anzahl von Menschen ernähren müssen.

S (Social)

Die Veränderung der Demografie hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft führt zu neuen Herausforderungen in der Finanzierung des Sozialstaates. Höhere Aufwendungen für Sozialkosten könnten bei gleichbleibenden Finanzierungsstrukturen zu potenziell niedrigeren Leistungen führen.

G (Governance)

Aus Governance-Sicht ist die Frage zu erörtern, wer letztendlich die Kosten der Alterung der Gesellschaft zu tragen hat. Dabei sind privat und öffentlich finanzierte Modelle ebenso zu diskutieren wie die Zukunftsfähigkeit einer Finanzierung des Sozialstaates aus den laufenden staatlichen Budgets.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist die demografische Entwicklung ein wesentliches Zukunftsthema. Der Sektor Gesundheit und insbesondere Medizintechnik ist in den Investments von Raiffeisen strukturell übergewichtet.


Die vollständige Ausgabe 31 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Wasser ist die Quelle des Lebens

von Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei Raiffeisen Capital Management.

Wenn man über Wasser spricht, dann sind die Assoziationen zumeist durchaus positiv. Man denke etwa an „Wasser als Quelle des Lebens“ oder auch „Wasser als Sinnbild der Reinheit“. De facto ist Wasser das bei weitem wichtigste Lebensmittel für den Menschen, welches auch durch nichts ersetzt werden kann. Hochwertiges Wasser wird nicht nur als Trinkwasser verwendet, sondern auch zur Zubereitung von Speisen und Getränken, in der Körperpflege oder zur Reinigung von sensiblen Gegenständen.

Der Verbrauch von Trinkwasser liegt in Österreich pro Person bei 135 Litern täglich, weist aber global gesehen große Unterschiede auf. Wärmere Klimaregionen erfassen regelmäßig höhere Verbrauchsziffern. Auf unserem Planeten, dessen Oberfläche zu rund zwei Dritteln von Wasser bedeckt ist, liegen die Süßwasserreserven bei lediglich 2,5 % allen verfügbaren Wassers, der Anteil des Trinkwassers liegt mit 0,3 % noch einmal deutlich niedriger. Wasser – oder genauer gesagt der Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitärer Grundversorgung – wurde 2010 als Menschenrecht deklariert. Normen für die Reinheit von Trinkwasser existieren auf regionaler, europäischer und globaler Ebene.

Die Bedeutung des Wassers endet aber nicht beim Menschen selbst. Wasser ist die Basis jeder Art von Landwirtschaft und außerdem ein wichtiger Werkstoff in Gewerbe und Industrie. Die Behandlung des Abwassers zählt zu einem der wesentlichsten Aspekte des Umweltschutzes.

Das Nachhaltigkeitsteam von Raiffeisen Capital Management hat sich Unternehmen in Branchen zu den Themen Wasser genauer angesehen und Fragen rund um das Thema Wasseranalyse und -aufbereitung sowie Wasserversorgung gestellt.

Wasser wird immer mehr zum knappen Gut. Das hängt mit dem sprunghaften Anstieg des Wasserverbrauches zusammen. In den letzten einhundert Jahren stand einer Vervierfachung der Erdbevölkerung eine Verzehnfachung des Wasserverbrauches gegenüber. Gemäß Daten der FAO (Food and Agriculture Organization), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, sind vom geschätzten 2,5 % Süßwasseranteil an den weltweiten Wasservorkommen knapp 70 % in Gletschern und Eis gebunden. Der Süßwasservorrat der Erde bleibt insgesamt bestenfalls auf stabilem Niveau, was bereits in jüngster Vergangenheit zu steigendem Wassermangel und einer immer ungleicheren Verteilung des sauberen Trinkwassers auf der Erde geführt hat.

Die wesentlichen Gründe des sich immer mehr verschärfenden Wassermangels beruhen nach Einschätzungen der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, erstens auf dem Klimawandel, zweitens auf der Übernutzung der Wasserressourcen, drittens auf dem Bevölkerungswachstum und schließlich auf der zunehmenden Wasserverschmutzung.

Der Klimawandel führt zu veränderten und extremeren Niederschlagsmustern mit einer Zunahme an Starkregen, Überschwemmungen, Hochwasser und Hitzeperioden. Wenn Regenzeiten ungewöhnlich stark ausfallen und die Trockenzeiten in vielen Regionen länger werden, dann verschärft dies den Trend der ungleichen Verteilung von Wasser und Trinkwasser weltweit. Wasserkatastrophen können sich schnell zu Hungerkatastrophen entwickeln, da Land- und Viehwirtschaft direkt vom Wasser abhängig sind.

Die starke Steigerung der Nutzung der Wasserressourcen ist unter anderem auch ein Wohlstandsphänomen. Man denke dabei an die große Menge an Wasser, die benötigt wird um Swimmingpools zu füllen oder an die Bewässerungsanlagen auf Golfplätzen. Die steigenden Bewässerungsanstrengungen von immer trockeneren Gebieten zur landwirtschaftlichen Nutzung ist ein weiterer Aspekt. In Summe wird der Natur jedes Jahr mehr Wasser entnommen, als wieder bereitgestellt werden kann. Das natürliche Recycling-System gerät an die Grenze seiner Funktionsfähigkeit.

Wasserkatastrophen können sich schnell zu Hungerkatastrophen entwickeln, da Land- und Viehwirtschaft direkt vom Wasser abhängig sind.

Das Bevölkerungswachstum treibt den Wasserverbrauch einerseits über den bisherigen Pro-Kopf-Verbrauch in die Höhe. Andererseits ist aber auch ein qualitatives Wachstum zu beobachten. Ein höherer Lebensstandard ist unweigerlich mit einem höheren Wasserverbrauch verknüpft.

Es werden also nicht einfach mehr Nahrungsmittel konsumiert, sondern beispielsweise mehr Fleischprodukte, deren Produktion etwa im Falle von Rindfleisch mit mehr als 15.000 Litern Wasser pro Kilo als extrem wasserintensiv gilt.

Die Abnahme der Trinkwasservorräte hängt auch direkt mit der Abwasserproblematik zusammen. Die Verschmutzung von Wasser in Folge von Verstädterung, industriellen Abwässern und Abfällen nimmt zu – mit der Folge von zum Teil irreversiblen Umweltschäden.

Auf Basis der genannten Gründe nehmen die zur Verfügung stehenden Süßwasserressourcen ab. Je nach Umfang der Abnahme spricht man von Wasserknappheit, Wassermangel, Wassernotstand oder Wasserkrise. Die Trinkwasserressourcen pro Kopf sind gemäß Daten der Vereinten Nationen ungleich verteilt. Grönland weist als führende Nation 10.522.275 m3 je Einwohner auf, Island 538.878 m3, Brasilien mit seinen mächtigen Fluss-Systemen 43.891 m3 und Norwegen 80.564 m3. In Österreich liegt der Vergleichswert bei 10.075 m3, in Deutschland bei 2.285 m3 und in der Schweiz betragen die Trinkwasserressourcen pro Kopf 7.096 m3. Extrem niedrig ist die Wasserverfügbarkeit in Kuwait mit 7 m3, in Saudi-Arabien mit 95 m3 und in Bahrain, das mit –12 m3 sogar einen negativen Wert aufweist.

Der Begriff „Peak Water“ beschreibt angelehnt an „Peak Oil“ das Szenario eines bereits in der Vergangenheit liegenden oder demnächst zu erwartenden Maximums in den weltweit entnommenen Wasserreserven. Die zunehmend beschränkten globalen Trinkwasserbestände werden auch durch die hohen Wasserentnahmen vor allem von Ländern im arabischen Raum belastet. Dabei werden in großen Tiefen liegende Wasserspeicher genutzt, die nur sehr langsam wieder aufgefüllt werden könnten.

Im deutschsprachigen Raum ist Trinkwasser das am intensivsten kontrollierte Lebensmittel. Es bestehen höhere Qualitätsanforderungen als für industriell abgepacktes Mineralwasser oder Tafelwasser. Der Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu sicherem Trinkwasser liegt in den Industriestaaten bei 100 %. Gemäß WHO und UNICEF nutzten 2015 noch immer 663 Millionen Menschen schlechtes Trinkwasser, 159 Millionen verwendeten vielfach verschmutztes Oberflächenwasser.

Während 1990 noch 43 % der Weltbevölkerung von 5,3 Milliarden in Städten lebten, waren es 2015 schon 54 % von 7,3 Milliarden Menschen. Die Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum machen einen sparsamen Umgang mit Wasser unumgänglich. Einfache Möglichkeiten um Wasser zu sparen sind Spartasten am Spülkasten der Toiletten, die Nutzung von Brauchwasser, Duschen anstatt von Vollbädern sowie die Benutzung von modernen Geschirrspül- und Waschmaschinen.

Gemäß Untersuchungen der Universität für Bodenkultur in Wien lag der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf in Österreich im Jahr 2012 bei 135 Liter. Davon entfielen 36 Liter pro Tag auf Wasserhähne in Bad/ WC/Küche, 34 Liter auf WC-Spülungen, 25 Liter auf Duschen, 14 Liter auf Waschmaschinen und 12 Liter auf Pflanzen im Außenbereich. Badewannen zeichneten für 4 Liter verantwortlich, Geschirrspüler für 3 Liter.

Landwirtschaft und Industrie haben mittlerweile eine Reihe von wassersparenden Prozessen entwickelt. In der Landwirtschaft gewinnt die Tröpfchenbewässerung als sparsamstes aller Bewässerungsverfahren an Bedeutung. Bei dieser allerdings aufwendigen Technologie wird das Wasser mit Schlauch- bzw. Rohrleitungen direkt dem Wurzelbereich der Pflanze zugeführt. Industrieunternehmen setzen immer mehr auf in sich geschlossene Wasserkreisläufe.

Wasser ist auch ein wesentlicher Faktor in der Energieerzeugung, einerseits für hydraulische Kraftwerke, andererseits als Kühlmittel bei Atom- und Wärmekraftwerken. Da Kernkraftwerke enorm viel Wasser benötigen, liegen viele von ihnen an der Küste, was sie gegenüber Naturkatastrophen wie Stürmen anfällig macht. Alle Arten von Stromgeneratoren, auch jene in Kohle- und Gaskraftwerken, benötigen viel Wasser. Leichtwasserreaktoren in Atomkraftwerken setzen Wasser sogar als primäres Kühlmittel ein. Die benötigten lokalen Wasservorräte werden während des Kühlvorgangs erhitzt und dann zurück in Flüsse, Seen oder ins Meer gepumpt. Inlandsreaktoren beanspruchen die örtlichen Trinkwasservorkommen besonders stark.

WASSER IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN

E (Environment): Wasser ist eine unverzichtbare Lebensgrundlage für jegliche Art von Leben. Eine Übernutzung und Verschmutzung der Wasserreserven ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Die weltweit verfügbaren Trinkwasservorräte sinken durch zunehmende Wasserverschmutzung in Folge von Urbanisierung, Industrialisierung und steigenden Abfallmengen. Der natürliche Wasserkreislauf über Niederschläge, Versickerung und wieder gereinigtem Quellwasser reicht nicht mehr aus, um die stetig steigende Wassernachfrage zu decken. Daher werden zunehmend Wasserressourcen abseits des natürlichen Kreislaufes in Anspruch genommen.

S (Social): Die generell ungleiche Verteilung der weltweiten Wasserreserven weist ein deutliches Gefälle zwischen entwickelter Welt und Entwicklungsländern auf. Eine immer höhere Wasserverwendung bei gleichzeitig verringertem Angebot führt zu immer höheren Preisen. Weiters besteht die mögliche Gefahr von sozialen Konflikten aufgrund von Wasserknappheit.

G (Governance): Die regionale oder nationale Wasserversorgung ist teils staatlich und teils privatwirtschaftlich organisiert. Private Wasserversorgung unterliegt regelmäßig der Kritik eines „Geschäftemachens“ mit dem Menschenrecht des Zugangs zu sauberem Trinkwasser.

Fazit: Raiffeisen Capital Management setzt in vielen Einzelthemen auf den Megatrend Wasser. Dazu zählen Titel in den Bereichen Wasserversorgung, Abwasser, und Wasseranalyse.

Investieren in Megatrends: Cybersecurity

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktie.

In den Nachrichten über Donald Trump, den Machtwechsel im Weißen Haus, über Corona und Lockdowns ist für viele vermutlich einer der, wenn nicht gar DER, bislang schwerste und gravierendste Einbruch in weltweite Daten- und Computernetze untergegangen. Mindestens 18.000 Computernetzwerke sind betroffen, darunter viele der größten Unternehmen und Behörden in den USA, Großbritannien, Deutschland und etlichen anderen Ländern. Der so genannte „Solarwinds-Hack“ konnte in seinem gewaltigen Umfang ironischerweise überhaupt erst erfolgen, weil viele Unternehmen und Behörden sich gegen genau solch einen Einbruch wappnen wollten. Die Angreifer infizierten dabei genau jene Software, die eigentlich die Sicherheit all dieser Netzwerke gewährleisten sollte. Diese wurde dann bei den arglosen Kunden installiert. Der vermeintliche Wachposten wurde daraufhin zum heimlichen Türöffner – und das unerkannt für mindestens neun Monate.

Massiver Anstieg der Ausgaben für Cyber-Sicherheit erwartet

Der Fall dürfte noch gewaltige Konsequenzen nach sich ziehen. Eine davon scheint schon jetzt sicher: Die Ausgaben für IT-Sicherheit werden 2021 nochmals massiv steigen. Verschiedene Researchhäuser schätzen das Wachstum der Branche für die kommenden fünf bis zehn Jahre auf über 10 % pro Jahr. Ein Ende ist derzeit nicht absehbar, im Gegenteil. Denn hier kommt natürlich noch ein weiterer, massiver Trend zum Tragen: Die Digitalisierung fast aller Branchen und der beschleunigte Trend zum Homeoffice.

Die Pandemie hat zusätzliche Dynamik in diese Entwicklungen gebracht. Die rasant zunehmende Digitalisierung führt zugleich dazu, dass sich Cyber-Kriminalität nicht nur stark ausgebreitet und mittlerweile zu einem riesigen Geschäftszweig für das organisierte Verbrechen entwickelt hat, sondern auch ein Schlachtfeld für staatliche und halb-staatliche Akteure weltweit geworden ist. Das Thema Cyber-(Un)Sicherheit betrifft dabei jeden – Behörden, Regierungen, Unternehmen und Privatpersonen. Denn unsere Identität wird – egal ob wir das wollen oder nicht – zumindest für behördliche Zwecke, Konsum, Reisen etc. zunehmend digital.

Digitalisierung macht uns immer verwundbarer für Cyberangriffe

Neben Diebstahl und politischer sowie industrieller Spionage sind es vor allem Erpressungen gegenüber Unternehmen und Regierungen, die derzeit stark zunehmen. Dabei infizieren Hacker mit einer Ransomware (Erpressungssoftware) fremde Computer. Diese sorgt dann dafür, dass die Mitarbeiter keinen Zugang mehr zu ihrem Computer bzw. zu ihren Dateien und Daten haben, es sei denn man zahlt ein Lösegeld. Dieses Lösegeld wird oft in Kryptowährungen verlangt, weil man so den späteren Weg des erpressten Geldes nicht mehr nachvollziehen kann. In den letzten fünf Jahren haben sich international sogar Unternehmen etabliert, die weltweit entwickelte neue Angriffsverfahren gegen Entgelt für Auftraggeber durchführen, im Ransomware-Bereich beispielsweise gegen eine Beteiligung von 30 % des erzielten Umsatzes. Es gibt dafür sogar schon den Begriff CaaS (Crime as a Service, zu Deutsch Auftragskriminalität als Dienstleistung).

Eine andere beliebte Methode von Cyberkriminellen, um an Geld zu kommen, ist das Phishing, also der Diebstahl digitaler Identitäten. Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff der Spyware. Hierbei handelt es sich um eine bösartige Software, die den Computer oder das Handy infiziert und Informationen über den User und seine Gewohnheiten sammelt. Meist spioniert diese Software über längere Zeit unerkannt im Hintergrund und sammelt Daten oder überwacht die Aktivitäten, um bösartige Aktionen auszulösen, die den Computer des Users betreffen. Besonders heimtückisch sind die sogenannten Trojaner. Angelehnt an die berühmte Sage über das trojanische Pferd installieren sie unbemerkt Hintertüren, durch die Angreifer dann in Systeme eindringen, Daten stehlen oder verändern und weitere Schadsoftware installieren können. Der eingangs erwähnte Solarwinds-Angriff gehört in diese Kategorie. Letzten Meldungen zufolge haben dabei sogar zwei Hackerteams unabhängig voneinander Hintertüren installieren können.

Permanenter Wettlauf zwischen Schild und Schwert

Zu den betroffenen Unternehmen gehören übrigens weitere IT-Sicherheitsfirmen, wie etwa FireEye. Dort haben die Hacker auch gleich ein Arsenal von digitalen Einbruchswerkzeugen mitgehen lassen. Unvergessen die Sammlung von Hackertools des US-Geheimdienstes NSA, die vor einigen Jahren im Internet veröffentlich wurde und damit sofort ins Waffenarsenal aller Hackergruppen wanderte. Daran wird auch ein großes Problem in diesem Bereich deutlich, dass aus Investorensicht aber für langes Wachstum sorgen wird: ein permanenter Wettlauf zwischen den Schwertern der Angreifer und den Schilden der Verteidiger. Die Angriffsmethoden werden ständig besser, ebenso die dafür verfügbare Hardware. Firmen, die sich auf die Verteidigung gegen Angriffe spezialisiert haben, müssen daher ihrerseits ständig Erkennungs- und Abwehrmethoden, Verschlüsselungen und Sicherheitssysteme weiterentwickeln. Und ihre Kunden müssen, ob sie wollen oder nicht, kontinuierlich diese verbesserten Sicherheitssysteme beziehen und Geld für Cybersicherheit ausgeben. Der wirtschaftliche Schaden durch Cyberkriminalität wird inzwischen auf jährlich über eine Billion Dollar geschätzt, 50 % mehr als noch vor zwei Jahren. Entsprechend hoch ist die Notwendigkeit für Unternehmen und Behörden, ständig in wirksame Sicherheitssysteme zu investieren.

Fazit

Der Markt für Cybersicherheit wird auf absehbare Zeit stark wachsen, nicht zuletzt durch die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche. Zugleich ist das für die dort tätigen Unternehmen aber keine Einbahnstraße. Vieles basiert auch und gerade in diesem Bereich naturgemäß auf Vertrauen. Unternehmen, die das Vertrauen ihrer Kunden nicht (mehr) rechtfertigen können und mit ihren Lösungen nicht die versprochene Sicherheit bieten, werden sehr schnell von jenen verdrängt werden, die dies besser tun. Daher ist auch in dieser Branche eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich Cybersicherheit engagieren.

Fast Fashion in der Textilindustrie

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Der Umfang der globalen Textilindustrie erreicht gemäß einer Einschätzung der Weltbank einen Wert von 2,4 Billionen USD. Bei Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette der Bekleidungsindustrie beschäftigt diese rund 300 Millionen Menschen. Das Wachstum der Branche lag zuletzt bei rund 4 % pro Jahr, in den letzten fünfzehn Jahren hat sich das Produktionsvolumen der Bekleidungsindustrie verdoppelt. Die wesentlichen Treiber des Anstiegs sind neben der wachsenden Weltbevölkerung insbesondere die großen aufstrebenden Ökonomien wie China und Indien, in denen die immer bedeutender werdende Mittelschicht als Käufer an Relevanz gewinnt.

Die Textilindustrie ist aus mehrerlei Sicht ein problematischer Sektor. Auf der Umweltseite sind ein hoher Wasserverbrauch, umfangreicher Chemieeinsatz sowie überdurchschnittliche Energie- und Abfallintensität zu beobachten. Soziale Bedenken gehen in Richtung schlechter Arbeitsbedingungen und geringer Standards für Gesundheit und Sicherheit. Zwangsarbeit und Kinderarbeit begleiten den Sektor auch heute noch.

PRODUKTION UND NUTZUNG

Nach einer Studie der Ellen MacArthur Foundation hat sich die globale Textilproduktion während der letzten fünfzehn Jahre verdoppelt, gleichzeitig hat sich die Verwendungsdauer halbiert. Genauer gesagt kauft der durchschnittliche Konsument 60 % mehr Kleidungsstücke, behält sie aber nur halb so lange wie vor eineinhalb Jahrzehnten. In China, stellvertretend für die neuen Konsummuster in den Emerging Markets, hat sich die Verwendungsdauer von Bekleidung in den letzten fünfzehn Jahren sogar um 70 % reduziert.

Die Anzahl der Kleiderkollektionen ist von 2000 bis 2011 um 100 % angestiegen. Fast Fashion führt bei weiten Teilen der Käufer zu sogenannter „Disposable Fashion“. Das bedeutet, dass rund 50 % aller Fast-Fashion-Bekleidung bereits nach maximal einem Jahr wieder entsorgt wird, unter anderem um Platz für neue Mode zu schaffen. Die Ellen MacArthur Foundation schätzte bereits 2017, dass Konsumenten in einem globalen Kontext jedes Jahr auf 460 Milliarden USD verzichten, weil sie noch tragbare Kleidung wegwerfen.

FAST FASHION

Produktionszyklen für Fast-Fashion-Labels sind extrem kurz. Vor dem Entstehen des Trends zu Fast Fashion vor rund 25 Jahren war bei einer neuen Kollektion mit einer Vorlaufzeit von bis zu zwei Jahren zu rechnen. Diese Vorlaufzeit umfasst typischerweise das erste Design, die Verarbeitung der nötigen Materialien, die eigentliche Produktion, die Distribution und schließlich den Verkauf im Geschäft. Mit der Fast-Fashion-Strategie konnten Unternehmen die Lieferketten ab Mitte der 1990er Jahre substanziell verkürzen und die Vorlaufzeiten auf bis zu fünf Wochen und darunter reduzieren. Seit rund zwanzig Jahren ist es den Unternehmen sogar möglich, auf Basis einer flexiblen und raschen Lieferkette auch innerhalb einer Saison auf Kundenpräferenzen zu reagieren.

In den letzten zwanzig Jahren war das Wachstum der Textilindustrie vor allem volumengetrieben, während die Preisniveaus tendenziell rückläufig waren. Konsumenten sprechen sich für mehr Nachhaltigkeit in der Bekleidung aus, kaufen dann aber oft Billigmarken und günstige Produkte.

Seit wenigen Jahren ist innerhalb der Fast-Fashion-Branche außerdem eine Verschiebung innerhalb der Distributionskanäle zu erkennen. Der Verkauf über Filialnetze und in Kaufhausketten geht dabei merklich zurück. Im Gegenzug gewinnt der Onlineverkauf stark an Bedeutung, auch Rabattketten konnten Marktanteile gewinnen.

FOLGEN FÜR DIE UMWELT

Bei anhaltendem Wachstum der Textilbranche könnten gemäß International Energy Agency (IEA) 25 % des Welt-CO2-Budgets bis 2050 durch den Sektor aufgebraucht werden. Dahinter steht der prognostizierte Anstieg der Gesamtpopulation einerseits und das Wachstum und der steigende Wohlstand der Mittelklasse andererseits. Heute ist der Textilsektor für 8 % der Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich und emittiert damit nach Schätzungen der IEA mehr als die gesamte Luft- und Seefahrt zusammengenommen. Haupttreiber der Emissionen ist dabei die Produktion von Polyester, also Garnen auf Kunststoffbasis.

Der Wasserverbrauch der Branche ist vor allem im Falle der Verwendung des Rohstoffs Baumwolle sehr hoch. Für die Produktion eines Baumwollhemds sind 2.700 Liter Wasser nötig.

20 % der weltweiten industriellen Wasserverschmutzung sind auf die chemische Färbung, das Bleichen oder andere Behandlungsmethoden von Textilien zurückzuführen.

12,8 Millionen Tonnen Altkleidung landen derzeit jährlich im Müll. Das meiste davon wird deponiert. Zudem ist die Textilindustrie der größte Verursacher von Plastikmüll in den Ozeanen.

LIEFERKETTE

Die Lieferketten der Textilindustrie sind noch immer stark fragmentiert, was zur Folge hat, dass es große Ketten indirekt oftmals mit tausenden Sublieferanten zu tun haben. Diese Struktur macht die Kontrolle und die Einführung von einheitlichen Standards schwierig. Auf der anderen Seite ist die Textilbranche ein wichtiger Arbeitgeber und stellt Millionen Menschen einen Arbeitsplatz bereit. Spätestens mit dem Einsturz des Gebäudes Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013 wurde einer breiteren Öffentlichkeit vor Augen geführt, dass diese Arbeitsplätze oftmals mit sehr schlechten Arbeitsbedingungen und Löhnen unterhalb der lokalen Mindestlöhne verbunden sind. Gender Inequality bzw. ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen ist in etlichen Ländern Asiens ein Problem. Die Branche stellt mehrheitlich Frauen ein, in Ländern wie Kambodscha, Vietnam und Thailand beträgt der Anteil der weiblichen Arbeitskräfte jeweils rund 75 %.

INITIATIVEN

In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl von Brancheninitiativen ins Leben gerufen, die ESG-Themen in der Textilbranche mehr Bedeutung verleihen sollen. Dabei geht es einerseits vor allem um erhöhte Transparenz und Fairness der Lieferketten, andererseits haben diese Initiativen respektive Joint Ventures auch die Forschung im Visier. Ziel der Forschungsaktivitäten ist beispielsweise die Weiterentwicklung von alternativen Grundmaterialien zur Gewinnung von Fasern, die zu Bekleidung verarbeitet werden können. Derartige Alternativen sind insbesondere Obst-, Pilz- und Lebensmittelbasierte sowie im Labor gezüchtete Fasern. Die genannten Innovationen stellen in größerem Umfang nur dann eine wirkliche Alternative dar, wenn keine Konkurrenzierung zum Thema Lebensmittelversorgung entsteht.

DIE EINSCHÄTZUNG DES TEXTILSEKTORS IN BEZUG AUF DIE EINZELNEN NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN SIEHT WIE FOLGT AUS

E (Environment)

Die Textilindustrie weist bei Berücksichtigung der vorgelagerten Wertschöpfungskette einen bedeutenden CO2-Fußabdruck auf. Die vielleicht noch größere Herausforderung bei der Textilveredlung sind der hohe Wasserverbrauch und die Wasserverschmutzung. Ein weiteres wichtiges Thema für die Textilindustrie ist die Verwendung giftiger Chemikalien und das damit verbundene Gefahrstoffmanagement.

S (Social)

Ein großer Teil aller Verstöße gegen Arbeitsrechte weltweit ereignet sich in der Textilbranche. Bei der Textilindustrie handelt es sich um einen Sektor, der sich durch relativ einfache Fertigungsprozesse in Verbindung mit nur geringen technologischen Anforderungen auszeichnet. Die einfache Austauschbarkeit der Hersteller am untersten Ende derWertschöpfungskette führt zu starkem Druck auf die Herstellungskosten, was wiederum beinharte Konkurrenz mit der Folge geringerer Löhne und sonstiger Aufwendungen in den Fabriken nach sich zieht.

G (Governance)

Der Textilsektor weist häufig eine kaskadenartige Konstruktion im Fertigungsprozess auf. Die gesamte Lieferkette, von der Fertigung über viele Stufen bis zum Einzelhändler, ist vielfach durch eine ungenügende Transparenz charakterisiert. Die an Sublieferanten outgesourcte Produktion wird auf tiefere und noch tiefere Ebenen weitergegeben, sodass für den Textilkonzern als Auftraggeber letztendlich ein Kontrollproblem entsteht. Die staatlichen Organe haben über Gesetze und Vorschriften jedoch für geeignete Arbeitsbedingungen Sorge zu tragen. Wesentlich ist auch das Monitoring dieser Vorgaben durch staatliche Stellen wie auf Unternehmensebene. In diesem Zusammenhang ist das Problem der Korruption, die eine wirksame Arbeitnehmerpolitik untergraben kann, von großer Bedeutung.

Fazit

Raiffeisen Capital Management investiert derzeit punktuell in Textilunternehmen, mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit sowohl auf Produktebene als auch auf Ebene der strategischen Ausrichtung. Fast Fashion wird generell differenziert gesehen, auf Initiativen in Richtung erhöhter nachhaltiger Orientierung wird ein besonderes Augenmerk gelegt.

Nachhaltigkeit braucht Beteiligung

Das „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ in Berlin hat am 26. November 2020 ihre begehrten FNG-Siegel vergeben. Unter den mit der Bestnote „3-Sterne“ ausgezeichneten Investmentfonds befindet sich auch der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix von Raiffeisen Capital Management. Der Fonds zählt – mit einem Volumen von mittlerweile rund 3 Mrd. Euro – zu den größten nachhaltig gemanagten Publikumsfonds Europas. Er ist der größte österreichische Publikumsfonds und trägt maßgeblich dazu bei, nachhaltige Investments in die Breite zu bringen.

Was charakterisiert den Fonds und warum zählen so viele Anlegerinnen und Anlegern auf dieses Investment? Ein Interview mit Thomas Motsch, hauptverantwortlicher Fondsmanager des Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix.

Warum entscheiden sich so viele Anlegerinnen und Anleger dazu, ihr Geld in den Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix zu legen?

Das hängt sehr stark mit seiner ausgewogenen Ausrichtung zusammen. Das Fondsportfolio ist relativ stabil in 50 % Aktien und 50 % Anleihen aufgeteilt. Diese Struktur bildet die Basis des Portfolios. D.h. bei Gewichtungsveränderungen als Folge von Anteils- oder Marktbewegungen erfolgt ein laufendes Rebalancing. In extremen Ausnahmesituationen ist ein vorübergehendes taktisches Abweichen im Sinne einer Risikoreduktion möglich.

Welche Auswirkungen haben diese strategischen Überlegungen auf die Entwicklung des Fonds?

Renten waren und sind ein Stabilitätsanker und Diversifikationsinstrument, auch wenn sie derzeit nur einen sehr geringen absoluten Ertrag beisteuern können. Aktien sind demgegenüber der langfristig sehr viel stärkere, aber auch volatilere und riskantere Renditebringer.

Der ESG-Ansatz des Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix wurde vom Forum Nachhaltige Geldanlagen mit einem „3-Sterne-Siegel“, der Bestnote, ausgezeichnet. Woran orientiert sich der Ansatz im Aktienbereich?

Wir sehen uns als einen der Pioniere und als Qualitätsführer in Österreich bei nachhaltigen Investments. Dies wird durch eine Vielzahl von Auszeichnungen und regelmäßigen Top-Bewertungen durch unabhängige Dritte untermauert. Wir verfolgen dabei einen eigenen, sehr umfassenden Nachhaltigkeitsansatz. Dieser beinhaltet unter anderem Ausschluss- und Negativkriterien, Positivkriterien, bezieht eine umfangreiche Stakeholder-Bewertung ein, definiert Schlüssel-Performancefaktoren, berücksichtigt auch eine SDG-Analyse (SDG= nachhaltige Entwicklungsziele der UN) und greift auf einen eigens geschaffenen und berechneten Raiffeisen ESG-Score zurück. Er umfasst zudem – im Unterschied zu vielen anderen Investmenthäusern – regelmäßige Kommunikation mit den Unternehmen zum Thema nachhaltiges Wirtschaften (Engagement) und ein entsprechendes Abstimmungsverhalten bei Aktionärsversammlungen. Wir ruhen uns aber nicht auf unseren Leistungen aus, sondern entwickeln unseren Nachhaltigkeitsansatz stetig weiter.

Auf welcher Basis werden die Einzeltitel ausgewählt?

Wie bereits angesprochen erstellen wir aus einer Vielzahl von Daten unseren eigenen ESG-Score. Diese Nachhaltigkeits-Kennzahl wird kombiniert mit Kennzahlen und Details zur finanziellen Unternehmenssituation. Nur wer in beiden Disziplinen gut abschneidet und gewisse Mindeststandards erfüllt, hat eine Chance auf Aufnahme ins Fondsportfolio. In diesem Zusammenhang wird der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix regelmäßig für seine hohe Managementqualität ausgezeichnet. Er trägt zahlreiche angesehene Nachhaltigkeits-Zertifizierungen, neben dem FNG-Siegel mit der höchstmöglichen Bewertung von drei Sternen auch das österreichische Umweltzeichen.

Wie gehen Sie bei Anleihen vor?

Der Raiffeisen-ESG-Score gilt für das gesamte Unternehmen. Diesbezüglich besteht also kein Unterschied bei der Einschätzung von Aktien- und Unternehmensanleihen desselben Emittenten. Für Staaten gibt es hingegen ein eigenes Set an Kriterien, da man diese nicht mit derselben Methodik beurteilen und kategorisieren kann wie Unternehmen.

Wie ist der Fonds durch dieses – nicht gerade einfache – Jahr gekommen?

Unsere Anlagestrategie ist breit diversifiziert und der Fonds daher gut aufgestellt für verschiedenste Marktphasen. Selbstverständlich hilft das nur sehr eingeschränkt bei einem generellen Aktiencrash, wie wir ihn im Frühjahr erlebten. Der Fonds hat dabei weniger stark verloren als der vergleichbare Gesamtmarkt. An der Aufwärtsbewegung seit dem Frühjahr hat er gut partizipiert. Dank seiner Qualitätsausrichtung war der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix bereits vor der COVID-19 Pandemie in vielen von der Krise stark betroffenen Sektoren nicht investiert, wie etwa Öl-Exploration, Airlines und Flughäfen. Im Gegensatz dazu haben andere Sektoren besonders von der Pandemie profitiert, die bereits davor unter Nachhaltigkeits-Gesichtspunkten im Fokus standen, zum Beispiel Digitalisierung, Informationstechnologie, Gesundheit.

Hat Covid-19 und die damit verbunden Lockdowns das Investment-Thema „Nachhaltigkeit“ aus dem Blickwinkel der Investoren gedrängt?

Nein, ganz im Gegenteil. Covid-19 hat ein noch stärkeres Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit auch bei Investoren geschaffen und den Blickwinkel darauf sogar geschärft. War bislang bei vielen Anlegerinnen und Anlegern das E – für Umwelt – bei der ESG-Integration das dominierende Kriterium, so haben sowohl die soziale Komponente (S) als auch die Unternehmensführung (G) an Bedeutung gewonnen. Themen wie medizinische Versorgung, Mitarbeiterbindung oder verantwortungsvolle Unternehmensführung sind in den Fokus vieler Diskussionen gerückt. Allerdings ohne dadurch die Umweltthemen zu verdrängen, denn auch diese haben durch Covid-19 weiter massiv an Relevanz gewonnen.

Welche Branchen sind im Sinne der Nachhaltigkeit für den Fonds interessant?

Es gibt einige wenige Branchen, in die wir grundsätzlich nicht investieren, wie Tabak, Waffen oder Glücksspiel. In anderen ist ein sehr selektives Agieren geboten, etwa bei Versorgern, wo wir beispielsweise prinzipiell keine Atomstromerzeuger berücksichtigen. Generell lässt sich aber konstatieren, dass der Nachhaltigkeits-Trend immer mehr und nahezu alle Branchen erfasst, natürlich in unterschiedlichem Umfang und Tempo. Wir suchen und finden daher fast überall Unternehmen, die verantwortungsvoller und nachhaltiger wirtschaften als ihre Mitbewerber oder die innovative Nachhaltigkeitslösungen entwickeln. Letztere sind für uns oft besonders interessant, und sie finden sich beispielsweise vermehrt in Branchen wie erneuerbare Energien, Recycling und IT. Die Mitarbeiter und ein guter Umgang mit ihnen sind dabei übrigens tatsächlich sehr oft ein eminent wichtiges Asset, jenseits von Sonntagsreden und Lippenbekenntnissen.

Auf welchen Anlegertyp zielt der Fonds ab?

Einerseits auf Menschen, die bewusst nachhaltig leben und dies in der Geldanlage berücksichtigen wollen. Andererseits auf Anlegerinnen und Anleger, die vom Megatrend Nachhaltigkeit überzeugt sind, und davon ausgehen, dass nur ein derartiges Investment wirklich zukunftsfähig ist. Durch die ausgewogene Mischung von Aktien und Anleihen sprechen wir mit diesem Fonds eine breite Schicht an Investoren an. Dies ist uns insofern auch sehr wichtig, damit wir mit möglichst hoher Beteiligung an Investoren eine möglichst positive Wirkung in Bezug auf Umwelt und Gesellschaft erzielen können.

Digitalisierte Arbeitswelt

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Die analoge Welt der Vergangenheit ist im Wandel – Digitalisierung gilt als neuer Megatrend. Dabei wird der Terminus „Digitalisierung“ vor allem in zweierlei Kontext verwendet: Zum einen geht es um digitale Daten, deren Umwandlung und Darstellung sowie die digitale Weiterentwicklung, das digitale „Aufrüsten“ von Instrumenten und Geräten. Zum anderen ist die digitale Revolution ein viel diskutiertes Thema, das die gesamtwirtschaftliche Entwicklung betrifft, begleitet von Schlagwörtern wie „digitale Wende“ oder „Computerisierung“.

Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren zu vielfachen, grundlegenden Veränderungen im Wirtschaftsleben geführt, wie zur Vereinfachung von Kopier- und Distributionsmöglichkeiten von Inhalten, zur Verschmelzung von Virtualität und Realität und schließlich zu einer Neugestaltung der Arbeitswelt. Viele Unternehmen und Branchen wurden zu rigorosen Einschnitten und Anpassungsprozessen gezwungen – um beispielsweise gegenüber neuen Playern, die für ihr Unternehmen keine eigenen Gerätschaften, Fahrzeuge oder Immobilien benötigen, konkurrenzfähig zu bleiben. Als Beispiele für die – bedingt durch die Digitalisierung – neuen Rahmenbedingungen in der Wirtschaft seien der Aufstieg der sozialen Netzwerke sowie der Trend zu einerseits Automatisierung/Robotik und Künstlicher Intelligenz andererseits genannt.

Die Aspekte der Veränderung durch die Digitalisierung sind vielschichtig. Unternehmen, die hinter sozialen Netzwerken stehen, erstellen keine oder nur in geringem Ausmaß eigene Inhalte. Der von den Usern generierte Content wird analysiert und zur – für Werbezwecke verwendeten – Personalisierung genutzt. Hinter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ stehen eine fortschreitende Roboterisierung, automatisierte Prozessketten und das „Internet der Dinge“. Schließlich erlauben Big Data und Künstliche Intelligenz aktuelle und detaillierte Analysen in bisher nicht gekanntem Ausmaß.

EINE NEUE ARBEITSWELT

Die Arbeitswelt wird immer digitaler und globaler, sie hat bereits einen dynamischen Wandel hinter sich und wahrscheinlich einen noch dynamischeren vor sich. Zu den zuletzt auch durch die Corona-Pandemie verschuldeten wesentlichen Änderungen der vergangenen Monate und Jahre zählen nicht nur massive Steigerungen bei E-Commerce, kontaktlosem Bezahlen und Essenszustellungen nachhause, sondern auch viele Aspekte der täglichen Arbeit, des täglichen Agierens auf geschäftlicher Ebene. Das oft zitierte und postulierte papierlose Büro scheint immer mehr Wirklichkeit zu werden, es eröffnen sich immer mehr Möglichkeiten einer Zusammenarbeit „auf Distanz“.

INDIVIDUELLE ARBEITSEINTEILUNG

Die Digitalisierung der Arbeitswelt führt zur verstärkten Möglichkeit einer individuellen Einteilung und Strukturierung der Arbeit. Diejenigen, die in der Digitalisierung schon sehr weit fortgeschritten sind, werden als „digitale Nomaden“ bezeichnet. Sie können von überall aus arbeiten und haben den Vorteil, nicht an stationäre Geräte gebunden zu sein. Aber für die meisten der täglich mit einem Computer arbeitenden Beschäftigten hat flexibles Arbeiten mittlerweile eine neue, wenngleich nicht derart ausgeprägte Dimension erreicht. Heimarbeit und Büroarbeit nebeneinander sind inzwischen auch von Seiten der Arbeitgeber immer mehr toleriert, teils sogar erwünscht. Man kann eine stete Weiterentwicklung weg von den klassischen Arbeitsmodellen, die bisher meist auf strikte Abläufe und Präsenzzeiten – man spricht oft von „9 to 5“-Jobs – gesetzt haben, beobachten.

HINDERNISSE BEI DER UMSETZBARKEIT VON HEIMARBEIT

Im Detail betrachtet, gibt es einige Hindernisse bei der Umsetzbarkeit einer digitalen Arbeitswelt zuhause. Denn der Trend zu Homeoffice oder Homeworking hat vielfältigste Aspekte, und nicht für alle Berufstätigen besteht überhaupt die Möglichkeit zur Heimarbeit. Unter dem finanziellen und damit sozialen Gesichtspunkt sind die Leistbarkeit von Raum und Equipment sowie die notwendige Ungestörtheit wesentliche Themen. Es stellt sich die Frage, ob der notwendige Raum für den Arbeitsplatz überhaupt vorhanden ist und wie die letztendlich großteils vom Arbeitnehmer bzw. von der Arbeitnehmerin zu finanzierende technische Ausstattung ausgestaltet ist, die ein effizientes Arbeiten zuhause überhaupt erst möglich macht. Zudem sind Ablenkungen durch Familie und Mitbewohner zum Teil schwer in den Griff zu bekommende Probleme.

VORTEILE UND CHANCEN

Zu den großen Vorteilen der Digitalisierung zählt zunächst die erhöhte Flexibilisierung, die nicht nur die Arbeitszeiten und das örtliche Umfeld, sondern den gesamten Arbeitsablauf betrifft. Diese neue Umfeldsituation kann zu besserer Motivation und zu einer Steigerung der Kreativität führen. Durch den Wegfall von Arbeitswegen ergibt sich eine mitunter deutliche Zeitersparnis, das Einsparen der Fahrzeit zum Arbeitsplatz bedeutet ein Mehr an Freizeit. Die vermehrte Anwesenheit zuhause und die Zeitersparnis können wiederum zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie führen.

SOZIALE FOLGEN

Mit der Digitalisierung wird die Arbeit dezentralisiert. Mitarbeitende erhalten die Chance, ihren Arbeitsalltag selbst zu bestimmen und zu gestalten, sie können nicht nur selbst festlegen, wann und wo sie arbeiten, sondern auch wie. Aber genau diese Entwicklung ist auch eine große Herausforderung an das eigene (Zeit-)Management.

Zu den gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung in Zusammenhang mit einem höheren Anteil an Homeworking zählt ein potenzieller Rückgang an sozialen Kontakten, da die Kommunikation teils erschwert ist oder aktiv gesucht werden muss. Damit verbunden ist das Risiko einer akzentuierten Vereinsamung. Dazu zählt auch der Effekt des „Cocoonings“, des Sich-Zurückziehens aus der Zivilgesellschaft in das häusliche Privatleben. Dieser Trend ist generell in als bedrohlich empfundenen Krisenzeiten verstärkt zu beobachten und wird durch die aktuelle Pandemie zusätzlich befeuert.

Das Auseinanderhalten von Arbeitszeit und Freizeit und die permanente Erreichbarkeit sind oft vor allem für an Homeworking nicht gewöhnte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Herausforderung. Oft ist der Arbeitsalltag nur mangelhaft strukturiert. Das physische Verlassen des Arbeitsplatzes als Signal zur Beendigung der täglichen Arbeit fällt weg, ein psychologisch gefährliches Kontinuum stellt sich ein.

Der Aufbau einer Teamkultur wird durch ein hohes Ausmaß an Heimarbeit konterkariert. Die Teammitglieder müssen sich stärker um Kontakte bemühen, die bei einer gemeinsamen Präsenz im Büro automatisch gegeben wären.

EFFIZIENZ

Ohne physische Nähe zu der Kollegenschaft effizient zu arbeiten, ist durch die verbesserten Möglichkeiten des externen Zugriffs auf Daten und Systeme mittlerweile sehr einfach geworden. Auch der Kommunikationsaspekt – verbal wie visuell – kann zumindest theoretisch bereits gut abgebildet werden. Die digitale Arbeitswelt unterstützt die bereits in den letzten Jahren zu beobachtende Tendenz zu flacheren Hierarchien, auch können sich bestehende Kompetenzprofile verändern.

IT-VERSTÄNDNIS

Voraussetzung für das effektive Arbeiten zuhause ist neben dem Vorhandensein einer entsprechenden IT-Infrastruktur das Verständnis der sich immer schneller weiterentwickelnden IT-technischen Systemlandschaft. IT-Schulungen haben in diesem Kontext einen noch höheren Stellenwert, vor allem Ältere sind mit den entsprechenden Skills auszustatten, um in der digitalisierten Arbeitswelt erfolgreich sein zu können. Dem für den extern Arbeitenden rund um die Uhr verfügbaren IT-Support kommt hohe Bedeutung zu.

ÖKOLOGISCHE ASPEKTE DER NEUEN ARBEITSWELT

Die technische Ausstattung zweier Arbeitsplätze für jeden Mitarbeiter birgt große ressourcentechnische Nachteile. Auf der anderen Seite hat der Wegfall der An- und Abreise zum Arbeitsplatz positive ökologische Aspekte. Vor allem der individuelle Straßenverkehr sollte durch den Trend zum Homeworking rückläufig sein.

Eine verbesserte IT-Landschaft, die bereits erwähnte Duplizierung der Arbeitsplätze, aber auch jede zusätzliche Datenspeicherung und jede Erhöhung der Serverkapazität bedeuten nicht nur einen immer größeren ökologischen Fußabdruck des technischen Equipments selbst, sondern auch immer höhere Aufwendungen an Energie. Dabei kann man zwischen dem Stromverbrauch der Datenzentren (Cloud), der Haushalte und Wirtschaft über Endgeräte und jenem des Internets unterscheiden. Vor allem der Energieverbrauch der Datenzentren ist zuletzt sprunghaft angestiegen. Der IT-bezogene Stromverbrauch, also der gesamte Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), verursacht nach Schätzungen der französischen Non-Profit-Organisation „The Shift Project“1 etwa 3,7 % aller Treibhausgasemissionen weltweit, die Steigerungsraten betragen aber rund 9 % jährlich gegenüber einem Gesamtwachstum des globalen Stromverbrauchs von mittel- bis langfristig erwarteten 3 %2.

DIGITALISIERTE ARBEITSWELT IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITS- DIMENSIONEN ESG

E (Environment)

Die fortschreitende Digitalisierung birgt zwar das Potenzial für die Effizienzsteigerung von Prozessen, andererseits wächst wachstumsbedingt der Energiebedarf der Informations- und Kommunikationstechnologien sprunghaft und bewegt sich deutlich über dem allgemeinen Wirtschaftswachstum.

S (Social)

Das Profitieren von der fortschreitenden Digitalisierung ist einerseits an eine geeignete IT-technische Ausstattung und andererseits an entsprechendes Know-how gebunden. Diese Kombination von höhere Einkommensschichten bevorzugenden Faktoren kann soziale Ungleichheiten verstärken.

G (Governance)

Digitalisierung und Datensicherheit sind zwei eng verwobene Themen. Regeln und Initiativen zum Thema Datensicherheit können sowohl von Unternehmens- wie auch von staatlicher Ebene kommen.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist Digitalisierung ein wesentliches Zukunftsthema. Der Sektor IT ist in nachhaltigen Investments strukturell übergewichtet.


1) Quelle: https://theshiftproject.org/en/article/lean-ict-our-new-report/
2) Quelle: IEA, BP

Investieren in Megatrends: Telehealth

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Es ist allgemein bekannt, dass die Überalterung der westlichen Welt rapide voranschreitet. Weniger bekannt ist eventuell die Tatsache, dass es sich dabei um technikaffine Senioren handelt, die die Gesellschaft prägen. Während im Jahr 2011 nur ca. 12 Prozent der US-Amerikaner über 65 Jahren das Internet genutzt haben, waren es nur 7 Jahre später bereits 67 Prozent (Quelle: PEW Research Center). Die demografische Entwicklung in den Emerging Markets steht im krassen Gegensatz zur Überalterung des Westens: 90% der globalen Bevölkerung unter 30 entfällt auf diese Regionen (Quelle: Euromonitor International).

Zudem wächst auch der globale Wohlstand. Schätzungen zufolge werden bis zum Jahr 2030 bereits 61 % der Weltbevölkerung dem „Mittelstand“ angehören. Die steigenden Einkommen werden auch die Nachfrage nach Technologie aber auch nach medizinischen Dienstleistungen enorm wachsen lassen.

Ein ideales Umfeld für das Thema Telehealth

Diese Entwicklungen erfordern selbstredend Innovationen im Healthcare-Sektor, um die Gesundheit der Bevölkerung sicherzustellen. Telehealth kann dies ermöglichen. Unter Telehealth versteht man die Nutzung von Telefonkonferenzen, mobilen Apps und anderen digitalen Technologien zur Ermöglichung virtueller Gesundheitsversorgung.

Gemäß einer Studie der Harvard Medical School entfallen im Durchschnitt 106 Minuten auf einen Arztbesuch (Anreise, Wartezeit, etc.). Telehealth spart nicht nur Zeit und Geld, es ist auch rund um die Uhr verfügbar. Darüber hinaus ermöglicht Telehealth eine einfachere Versorgung von weniger mobilen Menschen. Durch Roboter-assistierte Chirurgie-Systeme wie sie etwas von INTUITIVE SURGICAL INC eingesetzt werden, kann auch das gegenseitige Infektionsrisiko gesenkt werden.

Quantensprung in der Gesundheitsversorgung

Für Telehealth bieten sich unzählige Anwendungsfälle:

  • Ärztemangel: Alleine in den USA werden bis 2032 122.000 Ärzte benötigt.
  • Versorgung ländlicher Regionen: Viele Gebiete in den USA aber auch in den Schwellenländern sind durch schließende oder nicht vorhandene Spitäler unterversorgt.
  • Notfallambulanzen: 20 % aller Besuche von Notfallambulanzen könnten über Telehealth verhindert werden.
  • Chronische Erkrankungen: Telehealth könnte bei einigen chronischen Krankheiten wie beispielsweise Asthma, Diabetes oder psychologische Erkrankungen) zu Kosteneinsparungen führen.

Hohe Nutzungsbereitschaft der Patienten

Doch nicht nur aus medizinischer und politischer Sicht ist Telehealth enorm attraktiv, auch Konsumenten zeigen starkes Interesse. Laut Studienergebnissen möchten 76 % der potenziellen Patienten Telehealth zukünftig verwenden, wobei die Zufriedenheit bei bereits erfolgter Anwendung mit über 70 % besonders hoch ist. TELADOC HEALTH, INC. erzielt dabei unter den Direct-to-Consumer Brands die beste Kundenzufriedenheit. Generell konnten gemäß einer Studie 84 % der Anwender ihr medizinisches Problem mittels Telehealth lösen.

Covid-19 öffnet neue Türen

Trotz allem muss die neue Technologie noch einige Hürden überwinden: Unter Patienten herrscht oft mangelndes Bewusstsein hinsichtlich der Verfügbarkeit von Telehealth und Regulationen schränken die Branche ein – speziell in der EU. Die Corona-Pandemie tritt nun aber als „Game-Changer“ auf. Bis Ende des Jahres werden in den USA 1 Milliarde Telehealth-Interaktionen erwartet. Die Online-Arztbesuche von neuen Usern auf der chinesischen Plattform PING AN HEALTHCARE stieg von Dezember 2019 bis Jänner 2020 um 800 %! Auch die Politik erkannte die weitreichenden Vorteile und möchte diese Innovation nun auch fördern.

Der ungeahnte Wachstumsmarkt in Zahlen

Die Konsequenz all dieser Entwicklungen spiegelt sich in der außergewöhnlichen Performance der Branche wider. McKinsey & Company schätzt das Marktpotenzial gar auf eine Viertel-Billion US-Dollar. Im 1. Quartal 2020 stellten Investoren dem Sektor außerbörslich 788 Mio. US-Dollar an finanziellen Mitteln zur Verfügung (das sind knapp 260 % mehr als im Vorjahresquartal). Dies verdeutlicht das Interesse an der Technologie und das Potenzial der wirtschaftlichen Entwicklung.

Darüber hinaus öffnet sich bereits die nächste Wachstumschance für Telehealth: Veterinärmedizin für Haus- und Nutztiere. Wir stehen somit erst am Beginn eines entscheidenden Umbruchs des Gesundheitssektors.

Fazit

Telehealth bietet unzählige Lösungsmöglichkeiten für die steigenden Anforderungen in der Gesundheitsbranche und zugleich viel Wachstums- und Ertragspotenzial für Investoren. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien ist in mehrere Unternehmen investiert, die davon direkt oder indirekt profitieren können und die aus Sicht des Fondsmanagements für die Zukunft aktuell besonders gut aufgestellt sind.

Der Umbruch des Healthcare-Sektors steht dabei noch in seinen Startlöchern. Daher sind auch in diesem Markt eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich Telehealth engagieren.

Medizinische Grundversorgung

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Die medizinische Grundversorgung der breiten Bevölkerung zählt zu den Hauptaufgaben aller Staaten weltweit. In normalen Umfeldsituationen ist dieses Ziel in der Regel erreichbar, wenngleich in einigen, vor allem wirtschaftlich schwachen Ländern der Welt oft kaum finanzierbar. In einigen Ländern ist der Zugang der Menschen zur Gesundheitsversorgung – im Englischen als „Access to Medicine“ bezeichnet – daher keine Selbstverständlichkeit.

Auf Grund dieses Problems steigt in den letzten Jahren der Druck auf die großen, internationalen Pharmakonzerne, kostengünstige Modelle für eine Versorgung mit Medikamenten bereitzustellen. Zugleich wird von der Pharmabranche immerwährende Innovation und hohe Qualität gefordert.

Die Kosten, die der Staat einerseits und die Privaten andererseits für Gesundheit aufwenden, schwanken zwischen den einzelnen Ländern sehr stark. Auch weist die Bedeutung von staatlichen versus privat finanzierten Ausgaben für Gesundheit je nach Staat große Unterschiede auf.

SDG: GESUNDES LEBEN FÜR ALLE

Die definierten Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) betonen ebenfalls die adäquate medizinische Grundversorgung für die breite Bevölkerung. Das dritte Entwicklungsziel ist dem Thema Gesundheit gewidmet und folgendermaßen formuliert: „Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.“ Eines der Subziele betrifft dabei speziell das Thema Gesundheitsversorgung.

HOHE RESEARCHKOSTEN

Wie aber ist die strategische Ausrichtung der Pharmakonzerne von der Diskussion rund um einen möglichst kostengünstigen „Access to Medicine“ betroffen? Für die Pharmakonzerne sind im Zusammenhang mit dem Geschäft mit neuen Medikamenten Themen wie Researchkosten zur Entwicklung neuer Wirkstoffe, Patente und Zulassungen von Medikamenten in den einzelnen Ländern generell von Bedeutung. Es sollte nicht vergessen werden, welche umfangreichen Kosten für Pharmaunternehmen mit der Entwicklung neuer Medikamente verbunden sind. Weltweit müssen die Produkte der Pharmakonzerne aufwendige Testphasen der nationalen Gesundheitsbehörden durchlaufen. Der immanente Kostendruck hat die Konzentration der Branche vorangetrieben, Zusammenschlüsse und Übernahmen von Pharmaunternehmen waren in den vergangenen Jahren an der Tagesordnung.

GLOBALISIERUNG UND LIEFERKETTEN

Auch in der Pharmaindustrie zeigten sich in den letzten Jahren rund um die Themen Globalisierung und Optimierung des Produktionsprozesses Phänomene wie Auslagerungen von Produktionsschritten oder der gesamten Herstellung und eine zunehmende Komplexität der Produktion.

Mit den Einschränkungen im grenzüberschreitenden Warenverkehr wird das Lieferketten-Management immer schwieriger zu kontrollieren. Auslagerungen von Produktionsprozessen führen zu neuen oder erst jetzt erkennbaren Risiken, denn die Entscheidung der Unternehmen, verstärkt auf die Alternative des Outsourcings zu setzen und die eigene Fertigung zu reduzieren, basiert auf der Annahme eines freien Warenverkehrs. Handelseinschränkungen, wie durch Pandemien oder Umweltkatastrophen in der Vergangenheit, zeigen die potenzielle Verwundbarkeit des Systems.

Es scheinen aber zum Teil gerade auch die Angst vor Umweltbelastungen oder das Ausweichen in Regionen mit weniger strengen Auflagen in den Bereichen Umweltschutz und Mitarbeiter zu sein, die die Verlagerung von Produktionen aus den Industrieländern in andere Länder verstärken. Als Beispiel in diesem Zusammenhang sei die Produktion von Antibiotika genannt, die aktuell fast ausschließlich in den Ländern China und Indien erfolgt.

Die Öffentlichkeit hat die Rolle der Pharmakonzerne in den letzten Jahren zunehmend kritisch interpretiert, die Branche wurde in Bezug auf den Zugang der Menschen zur Gesundheitsversorgung verstärkt unter die Lupe genommen. Der „Access to Medicine Index“ beispielsweise fokussiert auf eine Beurteilung der zwanzig weltweit führenden Pharmaunternehmen entsprechend ihren Bemühungen, ihre Medikamente in Entwicklungsländern besser zugänglich zu machen.

CORONAVIRUS

Die aktuelle Pandemie, die unter Namen wie Corona-Krise oder Covid-19-Pandemie bekannt geworden ist und uns seit Monaten in Atem hält, hat die bereits dargestellten Themen rund um die Finanzierung des Gesundheitswesens und die Forschungsdynamik seitens der Pharmaindustrie noch einmal in den Vordergrund gerückt.

Bei der Analyse der unterschiedlichen Verbreitung und Mortalität von Covid-19 wurde unter anderem die Qualität der jeweiligen staatlichen Gesundheitssysteme – gemessen etwa an verfügbarem Personal, Betten, Größe der Intensivstationen und Qualität der vorhandenen Geräte – als wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Bekämpfung des Virus ins Treffen geführt. Weitere Theorien rund um das unterschiedliche Ausmaß des Ausbruches der Pandemie betrafen auch das jeweilige Klima der Regionen und das Ausmaß der Umweltverschmutzung. Durch schlechte Luft bereits an Atemwegserkrankungen leidende Menschen – so die auf dem Thema Umweltverschmutzung aufbauende These – könnten natürlich umso anfälliger für ein Virus wie SARS-CoV-2 sein. Auch demografische und soziale Unterschiede könnten die Ausbreitung und Mortalität des Virus beeinflussen. Ein hoher Anteil von alten Personen an der Bevölkerung könnte die genannten Statistiken ebenso negativ beeinflussen wie eine starke soziale Verflechtung, sprich das häufige Zusammenleben von jungen und alten Familienmitgliedern in einem Haushalt.

Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob auch die Zahlen und Statistiken aus den einzelnen Ländern und Regionen selbst tatsächlich vergleichbar sind. So wird weltweit mit veröffentlichten Daten, beispielsweise der Anzahl der durchgeführten Tests, der damit verbundenen Dunkelziffer sowie nicht zuletzt der Definition der Todesfälle, auf sehr unterschiedliche Art und Weise umgegangen.

Auf wissenschaftlicher Ebene ist die Frage einer möglichen Mutation des Virus und einer damit eventuell verbundenen erhöhten Aggressivität respektive Mortalität in die Diskussion miteingebracht worden.

FOLGEN VON CORONA FÜR DEN SEKTOR „GESUNDHEIT“

Was die Corona-Krise jedenfalls verändert hat, ist einerseits die Bereitschaft von Entscheidungsträgern, zumindest vorübergehend mehr in das Gesundheitssystem zu investieren, und andererseits, von den Pharmaunternehmen noch viel mehr und schneller Lösungen für ein aktuelles Problem zu erwarten. Der Ruf nach Medikamenten zur Behandlung von Covid-19 und Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 wurden bereits wenige Wochen oder sogar Tage nach dem ersten bekannten Ausbruch des Virus in China laut.

In diesem Zusammenhang könnten sich mit der Covid-19-Pandemie auch neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergeben. So haben einige der global bedeutendsten Pharmaunternehmen die Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei der Entwicklung, Herstellung und Bereitstellung von Impfstoffen, Diagnostika und Behandlungen für das Coronavirus angekündigt. Zunächst haben fünfzehn Unternehmen der Branche vereinbart, Teile ihrer firmeneigenen Datenbanken zur Verfügung zu stellen. Unterstützt wird das Projekt rund um den Covid-19-„Therapeutics Accelerator“ zur Beschleunigung der Forschungsinitiativen von der Gates Foundation sowie den Unternehmen Wellcome und Mastercard.

MEDIZINISCHE GRUNDVERSORGUNG IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN ESG

E (Environment)

Die Produktion von Pharmazeutika ist bei fehlenden Umweltschutzmaßnahmen oft mit massiver Umweltverschmutzung verbunden, was die Themen Globalisierung und Produktionsverlagerung in den Mittelpunkt rückt. Auch die nicht fachgerechte Entsorgung von Altmedikamenten birgt negatives Potenzial.

S (Social)

Der kostengünstige Zugang der Menschen zur Gesundheitsversorgung ist ein wichtiges humanitäres Anliegen, gleichzeitig muss aus Sicht der Pharmaindustrie die Forschung nach neuen Medikamenten und Handlungsmethoden finanziert werden. Private und öffentliche Finanzierung der Gesundheitssysteme stehen in vielen Staaten nebeneinander und führen zu sozialen Spannungen.

G (Governance)

Die Ausgaben für das Gesundheitswesen sind in einer alternden Gesellschaft eine immer dominantere Position der nationalen Budgets. Medizinische Versorgung und Risikovorsorge für Extrembelastungen des Gesundheitswesens sind dabei abzuwägen.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist die nachhaltige Ausgestaltung des Gesundheitswesens ein wichtiges Thema. In unseren nachhaltigen Investments zählen Unternehmen dieses Sektors zu den wesentlichen Investments, oft sind Titel im Bereich Gesundheit im Vergleich zum Gesamtmarkt übergewichtet.


Die aktuelle Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's NACHHALTIG INVESTIEREN zum Thema Covid-19 und Gesundheit finden Sie links als PDF.

Investieren in Megatrends: Virus trifft auf Mega-Trends

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Megatrends verändern die Welt grundlegend und nachhaltig. Sie wirken nicht nur auf einige wenige Bereiche, sondern betreffen alle Ebenen der Gesellschaft und damit auch die der einzelnen Menschen. Um mit der Zukunft Schritt halten zu können, müssen Unternehmen rasch auf diese Entwicklungen eingehen oder diese im Idealfall antizipieren. Unternehmen, die das schaffen, sind für Investoren von großem Interesse, denn sie stehen für Zukunftsfähigkeit und Wachstum. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien ist ein globaler Aktienfonds, der in solche Unternehmen investiert.

Auch langfristiges Investieren erfordert zuweilen sehr rasches Agieren

Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien setzt bekanntlich auf die großen langfristigen Zukunftstrends, die unser aller Leben nachhaltig verändern werden und versucht, diejenigen Unternehmen herauszufiltern, die davon besonders stark profitieren sollten. Dieser langfristige Investmenthorizont schließt aber natürlich nicht aus, dass das Fondsmanagement nicht auch kurzfristig agieren kann bzw. muss. Im Gegenteil, dies ist ja zuweilen geradezu erforderlich. Beispielsweise, wenn sich Marktpositionen von Unternehmen im schnelllebigen Technologiesektor verändern oder sich neue technologische Entwicklungen abzeichnen. Oder aber, falls so einschneidende und unvorhersehbare Ereignisse auftreten wie die aktuelle Coronavirus-Pandemie.

Auf diese Pandemie und die dadurch ausgelöste Wirtschaftskrise war keiner vorbereitet. Niemand konnte sie kommen sehen, weder Regierungen, noch Unternehmen oder Finanzmärkte. Vor allem die Ausgangs- und Reisebeschränkungen sowie staatlich angeordnete Schließungen von Geschäften und Unternehmen haben binnen kürzester Zeit sowohl unser Privat - als auch Wirtschaftsleben stark verändert. Es wäre absurd, würden Fondsmanager dem nicht Rechnung tragen und die Investments in den Fonds entsprechend anpassen.

Es kommt dem Raiffeisen-MegaTrends-Aktien dabei zugute, dass er mit den drei großen Mega-Trends „demografischer Wandel“, „Klimawandel“ und „technologischer Wandel“ relativ krisenresistent aufgestellt ist. Das kann man bislang auch gut an der Wertentwicklung des Fonds ablesen. Natürlich hat auch er deutlich nachgegeben, aber längst nicht so stark wie der breite Markt. An dieser Stelle muss natürlich angemerkt werden, dass Performanceergebnisse der Vergangenheit keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung des Fonds aussagen.

Viele Mega-Trends sind relativ krisenresistent

Der demografische Wandel beinhaltet viele Investments in Pharma- und Gesundheitsaktien, ein Bereich, der gerade jetzt wichtiger denn je ist. Die Kurse der allermeisten Aktien in diesem Sektor sind viel weniger zurückgegangen und einige haben sogar kräftig zugelegt. Auch der Bereich Klimawandel hält sich in der jetzigen Krise bislang recht stabil. Die Bereitstellung von Erneuerbarer Energie, Wasseraufbereitung oder Kläranlagen müssen auch in der Krise funktionieren und unterliegen kaum Nachfragerückgängen. Der Mega-Trend „technologischer Wandel“ ist, insgesamt gesehen, ebenfalls weniger anfällig in der Krise. So werden zwar jetzt vielleicht weniger Handys verkauft, weil die Shops geschlossen haben, aber die Software für Unternehmen oder Hardware für Telekominfrastruktur wird natürlich weiterhin nachgefragt, teilweise sogar verstärkt. Völlig immun gegen einen länger anhaltenden Abschwung ist aber auch der Technologiesektor natürlich nicht, jedenfalls nicht in allen Bereichen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Lockdowns und anderer von den Regierungen angeordneter Eindämmungsmaßnahmen sind dramatisch. Generell erwarten die Unternehmen, mit denen wir bislang kommuniziert haben, eher keine rasche, V-förmige Erholung der Wirtschaft, also eine schnelle Rückkehr zur Situation vor Ausbruch der Pandemie. Sie rechnen eher mit einer schrittweisen Verbesserung der Wirtschaft, nachdem die Maßnahmen wieder aufgehoben bzw. gelockert werden.

Starkes Gegensteuern des Fondsmanagements

Die Auswirkungen der Krise auf die einzelnen Bereiche der Wirtschaft sind natürlich sehr unterschiedlich und hängen nicht zuletzt davon ab, wie lange sie noch andauert. Einzelne Branchen sind faktisch völlig lahmgelegt, wie beispielsweise Luftfahrt, Tourismus, Gastronomie. In anderen sind die Bedingungen etwas besser bzw. erträglicher, etwa in der Bauwirtschaft, der Lebensmittelindustrie oder bei Herstellern von Verpackungen. Wir haben bereits zu Beginn der Korrektur an den Aktienmärkten unsere Investments in Unternehmen der Reisebranche (zum Beispiel Booking.com oder Do&Co) sehr konsequent abgebaut und verkauft. Stattdessen hat das Fondsmanagement in defensivere Bereiche investiert, wie etwa Supermarktketten (wie Tesco, Carrefour). Auch den Bereich Luxusgüter haben wir deutlich reduziert. Vor Corona wurden bis zu 40 % aller Umsätze in diesem Sektor von Chinesen auf Reisen getätigt. Diese fallen jetzt erst einmal weg und es ist ungewiss, wann sie sich wieder beleben werden. Auch im Bereich Einzelhandel haben wir uns von einigen Aktien getrennt, so zum Beispiel von Fast Retailing, einer japanischen Modekette unter dem Namen Uniqlo, da ein Großteil dieser Verkaufsläden derzeit geschlossen ist. Stattdessen haben wir recht viele Aktien im Pharmasektor gekauft, vor allem Unternehmen, die versuchen, Medikamente oder Impfstoffe gegen das Coronavirus zu entwickeln. Dazu gehören beispielsweise Gilead Sciences oder Regeneron. Zugekauft wurden aber auch Unternehmen, die online Gesundheitsdienste anbieten, wie beispielsweise Ping An Good Doctor (Chinas größte Online-Gesundheitsplattform) oder Alibaba Health. Die generelle Ausrichtung des Fonds ist mit den zusätzlichen Investments in Pharmaunternehmen und Lebensmitteleinzelhändlern sicherlich defensiver geworden als zuvor, da wir derzeit nicht von einer sehr schnellen, kräftigen V-förmigen wirtschaftlichen Erholung ausgehen. In Branchen wie Tourismus oder Gastronomie werden wir vorerst noch nicht (wieder) investieren. In Banken und Ölunternehmen (die von der Krise ebenfalls besonders hart betroffen sind), waren wir bislang schon nicht investiert, und das wird auch bis auf weiteres so bleiben.

Fazit

Das Coronavirus wird die großen Megatrends nicht dauerhaft stoppen, auch wenn es derzeit die Welt fest in seinem Griff hält. Es gibt daher auch keinen Grund, die Investmentphilosophie des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien zu ändern. Vorausschauendes, flexibles Agieren und Reagieren bei einschneidenden Ereignissen gehört zu dieser jedoch fix dazu. Und sollte sich beispielsweise herauskristallisieren, dass einzelne Zukunftstrends doch nachhaltiger und für längere Zeit negativ von der Pandemie betroffen sein werden, dann wird das Fondsmanagement dem selbstverständlich Rechnung tragen.


Ursprünglich war für diesen Megatrends-Newsflash das Thema „Investieren in 5G-Technologien“ vorgesehen. Die Coronavirus-Pandemie und die daraus resultierenden Marktbewegungen stellen jedoch einen so gravierenden und nachhaltigen Einschnitt dar, dass es stattdessen ein Update zur Positionierung des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien gibt.

CO2-Kompensation

Die beim Flugverkehr wie bei jeder Form der Energienutzung aus fossilen Energieträgern entstehenden CO2-Emissionen können nicht gänzlich verhindert, jedoch an anderer Stelle eingespart werden. Durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten, also die Finanzierung von Treibhausgas mindernden Investitionen, werden CO2-Emissionen im Ausmaß der verursachten Emissionen reduziert und somit eine CO2-Kompensation erreicht, so Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG. Es geht also um die Finanzierung von Aktivitäten, die den Ausstoß von Treibhausgasemissionen gegenüber dem Business-as-usual-Szenario vor Ort tatsächlich verringern und damit die eigenen Emissionen ausgleichen helfen.

UNTERSCHIEDE BEI DER BERECHNUNG

Die Berechnungen der Kosten für eine CO2-Kompensation sind sehr unterschiedlich. Ein Marktcheck des Verbraucherzentrale Bundesverbandes in Deutschland zur Kompensation von Flugreisen zeigt, dass nur drei spezialisierte Dienstleister die Emissionen von Flügen korrekt berechnen und auf die Qualität der CO2-Ausgleichsprojekte achten. Generell kann gesagt werden, dass Fluggesellschaften durchwegs einen zu niedrigen CO2-Wert zur Kompensation angeben. Wer die CO2-Emissionen seines Urlaubs kompensieren möchte, sollte sich daher an die spezialisierten Kompensationsagenturen halten.

Empfehlenswerte Anbieter einer CO2-Kompensation unterstützen beispielsweise ausschließlich solche Kompensationsprojekte, die mit dem „Gold Standard“ zertifiziert sind. Der Gold Standard ist ein Qualitätsstandard für CO2-Kompensationsprojekte, der sicherstellt, dass die Projekte den derzeit höchsten Ansprüchen gemäß dem Clean Development Mechanism, für den die Vereinten Nationen die Kriterien festgelegt haben, entsprechen. Generell kennzeichnen Gold-Standard-Projekte zusätzlich soziale und Umweltaspekte, die zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen beitragen. Dieser Standard findet bei UN-registrierten Projekten als Zusatzstandard (Gold Standard CER) und seit 2006 auch im freiwilligen Markt zum Teil Anwendung (Gold Standard VER, Voluntary Emission Reductions). Während der Zertifikatstyp CER auch im internationalen Emissionshandel verwendet wird und daher eine hohe Projektqualität und Transparenz garantiert, gibt es bei der freiwilligen Kompensation auch sogenannte verifizierte Emissionsreduktionen (VER). VER werden zwar von Sachverständigen überprüft, einheitliche Standards und ein zentrales Anerkennungsverfahren fehlen aber.

QUALITÄTSKRITERIEN

Zur Erfassung der Güte von Qualitätsstandards müssen viele Eigenschaften geprüft werden. Das Kriterium der „Zusätzlichkeit“ bedeutet, dass die Klimaschutzmaßnahme des Projekts ohne die zu erwartenden Erlöse aus dem Verkauf der Zertifikate nicht stattgefunden hätte. Weiters muss eine Emissionseinsparung dauerhaft sein. Bei Wald- und Moorschutzprojekten existieren Risiken wie Waldbrände, Schädlingsbefall oder illegale Abholzung. Vertrauenswürdige Qualitätsstandards nutzen zur Entwicklung von Klimaschutzprojekten nur genehmigte Vorgaben (Methodologien), die unabhängig und extern geprüft wurden,Transparenz ist in diesem Zusammenhang von größter Bedeutung, sie dient sowohl der Überprüfbarkeit als auch der Nachvollziehbarkeit.

Klimaschutzprojekte können entweder Ex-ante-Zertifikate (vor der realisierten Minderung) oder Ex-post-Zertifikate (nach der tatsächlichen Minderung) ausgeben. Ex-ante-Kompensationen bergen das Risiko, dass die Emissionsminderungen nicht wie geplant realisiert werden. Jedenfalls sind Doppelzählungen zu vermeiden und Stakeholder in die Realisierung der Klimaschutzprojekte miteinzubeziehen. Ein Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung am Projektstandort, wie etwa auf Basis der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs), ist wünschenswert.

Eine realistische Berechnung der CO2-Emissionen ist Bedingung, um eine angemessene Kompensation für eine Flugreise zu erreichen. Dabei sind zumindest die Flugdistanz, die Zwischenlandungen und der RFI-Faktor relevant. Der RFI-Faktor, der Radiative Forcing Index, berücksichtigt den erhöhten Treibhauseffekt durch die großen Flughöhen. Viele Fluggesellschaften kalkulieren diesen Faktor bei der Berechnung der Treibhausgase nicht mit ein. Bei der Betrachtung aller Emissionen des Flugverkehrs zusammen ergibt sich aus der Berücksichtigung des RFI, dass die Erwärmungswirkung des Flugverkehrs im Durchschnitt rund drei- bis fünfmal größer ist als der aus dem reinen CO2-Ausstoß errechnete Effekt.

Generell kann man zwei Angebotstypen für Kompensationszahlungen unterscheiden. Die meisten Anbieter einer CO2-Kompensation finanzieren Klimaschutzinvestitionen vor allem in Entwicklungsländern. Für diese ist der bereits erwähnte Gold Standard eine wichtige Orientierung für die Qualität der Projekte. Selten werden zur Kompensation auch Emissionszertifikate aus dem Europäischen Emissionshandel (EU-ETS) aufgekauft und gelöscht.

FLUGVERKEHR IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN ESG

  • E (Environment): Der in der Luftfahrtindustrie verwendete Treibstoff Kerosin ist ein nicht unbedeutender Faktor in der Diskussion zum Thema Klimawandel, der Anteil des Flugverkehrs am Treibhauseffekt wird auf 3,5 % geschätzt. Dazu kommt die durch die Flugbewegungen hervorgerufene Verunreinigung von Luft und Wasser.
  • S (Social): Vor allem Anrainer sind von der Lärmbelästigung durch den Flugverkehr betroffen. Durch regulatorische Besserstellungen wie die Nicht-Besteuerung von Flugtreibstoff werden die sogenannten Billigflüge ermöglicht, die für weite Teile der Bevölkerung eine wichtige Komponente des subjektiv empfundenen Wohlstandes darstellen.
  • G (Governance): Nationale Carrier und prestigeträchtige Flughafenbauten verhindern oft den im Vergleich zu anderen Transportmitteln fairen Umgang mit dem Thema Flugverkehr durch die jeweiligen Regierungen.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist die nachhaltige Ausgestaltung des Transportwesens ein wesentliches Thema. In unseren Investments zählen Fluglinien derzeit nicht zu den investierten Branchen.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Flugverkehr“ finden Sie links als PDF.

Investieren in Megatrends: Smart Farming

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen, die wachsende Erdbevölkerung und knappe Ressourcen sind gewaltige und immer drängendere Probleme der Menschheit. Wir werden den radikalen Veränderungen und Herausforderungen in unserer (Um)Welt mit ebenso radikalen Innovationen und neuen Ideen begegnen müssen. Um beispielsweise die weiterwachsende Weltbevölkerung zu ernähren, muss sich laut der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft die Lebensmittelherstellung in 30 bis 40 Jahren verdoppeln. Doch wie, wenn wir die Anbaufläche kaum noch ausweiten können? Es braucht eine Revolution, die „dritte grüne Revolution“, wie Smart Farming auch bezeichnet wird. Smart Farming kann helfen, vorhandene Ressourcen sehr viel sparsamer zu nutzen, die Umwelt zu schonen und damit auch einen Beitrag zum Bremsen des Klimawandels leisten. Und: Auch Investoren kann es gute Erträge bescheren. Keine Frage – damit ist Smart Farming natürlich auch ein Fall für den Raiffeisen-MegaTrends-Aktien!

Der Bauernhof wird digitalisiert

Unter Smart Farming wird im weitesten Sinne ein ganzes Bündel an neuen Technologien und Methoden in der Landwirtschaft zusammengefasst. Einer der Schlüsselaspekte dabei ist die Digitalisierung der Landwirtschaft. Es geht dabei (noch) nicht um Gemüse aus dem 3D-Drucker, sondern darum, mit Hilfe digitaler Technik sehr viel ressourcenschonender, effizienter und umweltverträglicher zu „landwirtschaften“.

Lösung für den Arbeitskräftemangel am Land?

Diese Art der Landwirtschaft ist ganz und gar keine verrückte Idee irgendwelcher (amerikanischer) Mega-Farmen. Sie ermöglicht es tatsächlich, mehr Menschen mit weniger Kosten und geringerem Ressourcenverbrauch umweltfreundlicher und gesünder zu ernähren. Großbetriebe haben zweifellos einige Vorteile, die dafür notwendigen Investitionen zu stemmen. Smart Farming kann aber auch kleineren Familienbetrieben zu höherer Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität verhelfen, zumal diese Technologien immer erschwinglicher werden. Nicht zuletzt bietet sich damit auch eine Lösung für ein weithin unterschätztes Problem in den Industriestaaten: dem wachsenden Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft (unter anderem bedingt durch die Abwanderung in Städte beziehungsweise die schwindende Attraktivität landwirtschaftlicher Berufe).

Zentrale Technologiebereiche des Smart Farming erleben gerade einen noch nie dagewesenen Höhenflug!

Big Data

Das Sammeln, Auswerten und Reagieren auf Unmengen von Daten aus der Überwachung von Nutztieren, Feldern oder Umwelteinflüssen erleichtert und optimiert die Arbeit der Betriebe. Gleichzeitig kann durch genaues Tracking aller Arbeitsschritte die Produktion lückenlos nachverfolgt und beobachtet werden – eine passende Lösung für die stark wachsenden Transparenzanforderungen von Konsumentinnen und Konsumenten ebenso wie von Regulierungsbehörden.

Automatisierung und künstliche Intelligenz

Landwirtschaftliche Flächen sind bestens geeignet für den Einsatz von Drohnen sowie selbstfahrenden Fahrzeugen. Sie bieten meist eine ebene und relativ leicht überschaubare Umgebung. Das gilt vor allem für die großen Ebenen Nordamerikas und Russlands (aber natürlich nicht nur dort).

Präzisionsfarming (precision farming)

Durch eine zielgerichtete und auf Umgebung, Wetter und Bodenverhältnisse zugeschnittene Bewirtschaftung der Nutzflächen sinkt der Einsatz von Dünger, Wasser und Pflanzenschutzmitteln beziehungsweise Arzneimittel in der Tierzucht drastisch. Idealerweise sind am Ende in Brot, Äpfeln, Steak und Co. so gut wie keine Schadstoffe mehr nachweisbar. Das schont zum einen die Umwelt und die Budgets der Landwirtinnen und Landwirte. Zum anderen profitieren die Gesundheit der Bevölkerung sowie alle Tiere und Pflanzen.

Die Landwirtschaft der Zukunft ist „smart“

Speziell in den Agenden der Regierungen stark aufstrebender Regionen und Milliardenvölker, wie China oder Indien, nimmt Ernährungssicherheit seit jeher einen hohen Stellenwert ein. Gezielte Investments und Förderungen des Staates in Smart Farming erhöhen zusätzlich die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen für die E-Landwirtschaft.

Ist Smart Farming damit ein Allheilmittel oder ein Selbstläufer? Keineswegs! Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass man Smart Farming auch tatsächlich smart betreiben muss. Alles und jedes wahllos ohne vorherige Kosten-Nutzen-Analyse zu digitalisieren oder zu automatisieren zahlt sich nicht aus. Zudem stellen sich viele rechtliche, regulatorische und unternehmerische Fragen, speziell in Bezug auf Schutz und Eigentümerschaft der gewaltigen Datenmengen. Ungeachtet dessen ist die Frage längst nicht mehr, ob Smart Farming die Landwirtschaft der Zukunft ist, sondern wie die Umsetzung genau erfolgt und in welche Richtungen die Entwicklungen auf einzelnen Gebieten gehen werden. Wie bei allen technologischen Megatrends ist Smart Farming für Investoren daher keineswegs ein Selbstläufer, sondern eine genaue Beobachtung der technologischen Trends und der einzelnen Unternehmen ist unerlässlich.

Smart Farming im Raiffeisen-MegaTrends-Aktien

Wir sind der Ansicht, dass das Angebot von Dienstleistungen und Produkten rund um Smart Farming in den nächsten Jahren kräftig steigen wird. Der Markt für landwirtschaftliche Roboter aller Art könnte sich in den kommenden fünf Jahren sogar versechsfachen.

Mit Idex Corp., AGCO und Lindsay Corp. sind wir in Unternehmen investiert, die die Kernbereiche des Smart Farming abdecken. Sie entwickeln insbesondere vernetzte Landschaftsmaschinen, Bewässerungssysteme und Sensoren zur Überwachung der landwirtschaftlichen Aktivität. Notwendige Robotik-Technologie stammt darüber hinaus von der japanischen Firma Nidec.

Diese Unternehmen sind ihrerseits auch auf Anwendungen von anderen High-Tec-Unternehmen – wie Infineon, Taiwan Semiconductor, U-Blox und Nividia – angewiesen.

Die Speicherung und Sicherung der generierten Datenberge kann über Cloudlösungen, beispielsweise von Cisco Systems oder Amazon, erfolgen.

Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien strebt danach, durch ständiges Durchleuchten der Märkte die aufstrebenden „shooting stars“ im Smart-Farming-Sektor zu identifizieren. Diese Aktien zeichnen sich durch ihr enormes Wachstumspotenzial und im Vergleich dazu relativ günstigen Bewertungen aus. Erfüllt ein Titel diese Anforderungen nicht mehr, fällt er aus dem Fonds, um den Weg für neue Ideen frei zu machen.

Fazit

Smart Farming bietet Lösungsmöglichkeiten für gleich mehrere drängende Menschheitsprobleme und zugleich viel Wachstums- und Ertragspotenzial für Investoren. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien ist in mehrere Unternehmen investiert, die davon direkt oder indirekt profitieren können und die aus Sicht des Fondsmanagements für die Zukunft aktuell besonders gut aufgestellt sind. Der technologische Umbruch ist dabei noch in vollem Gange. Daher sind auch in diesem Markt eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich Smart Farming engagieren.

Green Bonds – wie tragen sie wirklich zu einer nachhaltigen Zukunft bei?

Mit Green Bonds werden ökologische Projekte mit Klimarelevanz finanziert. Der Gedanke des Klimaschutzes steht dabei im Vordergrund, erklärt Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

GREEN BOND PRINCIPLES

Die Entwicklung von Standards für Green Bonds geht bis in das Jahr 2014 zurück, als sich unterschiedliche Finanzmarktakteure zusammenfanden und mit den Green Bond Principles (GBP) ein Rahmenwerk für die Emission „Grüner Anleihen“ entwickelten. Die seinerzeit erstmals aufgesetzten Principles wurden zuletzt im Juni 2018 überarbeitet, aktualisiert und verbindlicher gestaltet. Generell handelt es sich dabei um freiwillige Prozessleitlinien, die Emittenten von Green Bonds zu Transparenz und Offenlegung anhalten sollen, sie geben eine Orientierung für die wichtigsten Prozessschritte bei der Emission eines „glaubwürdigen“ Green Bonds und erläutern geeignete Projektkategorien. Dazu zählen Investitionen in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz,Verschmutzungsprävention und -kontrolle, ökologisch nachhaltiges Management von lebenden natürlichen Ressourcen und Landnutzung, Erhaltung der terrestrischen und marinen Artenvielfalt, sauberer Transport, nachhaltiges Abwasser- und Wassermanagement, Maßnahmen zur Anpassung an den bereits existierenden Klimawandel, umwelteffiziente und/oder für die Kreislaufwirtschaft geeignete Produkte, Produkttechnologien und Prozesse sowie umweltfreundliche Gebäude.

Grundsätzlich sind die Green Bond Principles auf vier Eckpfeilern aufgebaut. Die vier Kernkomponenten umfassen zunächst die Verwendung der Emissionserlöse (Use of Proceeds). Dabei beschreiben die GBP wie bereits dargestellt verschiedene, breit gefächerte Kategorien für geeignete grüne Projekte, die unterschiedlichste Umweltschutzthemen abdecken. An zweiter Stelle steht die bei der Emission notwendige Darstellung des Prozesses der Projektbewertung und -auswahl (Process for Project Evaluation & Selection), da jedes Projekt auf seine Nachhaltigkeit im Sinne der GBP hin überwacht werden muss. Bei der Wahl der Projekte sollten folgende Themen adressiert werden: Erstens die ökologisch nachhaltige Zielsetzung, zweitens die Projektevaluierung und drittens eine Kriteriologie, die etwa Eignungskriterien, mögliche Ausschlusskriterien sowie andere Maßnahmen zur Identifikation und Steuerung potenzieller ökologischer und sozialer Risiken in Zusammenhang mit den Projekten im Mittelpunkt umfasst.

Die dritte Kernkomponente stellt das Management der Erlöse (Management of Proceeds) dar. Die via Green-Bond-Emission aufgenommenen Mittel sollen in einem Sub-Portfolio angelegt werden, auch eine Zweckwidmung ist wünschenswert. Wesentlich ist jedenfalls die Transparenz der Mittelverwendung, eventuell sollte auch an dieser Stelle eine Kontrolle durch externe Prüfer angedacht werden. Bis zur Fälligkeit des Green Bonds sollte die Aufteilung der Nettoerlöse auf die der Emission zugeordneten grünen Projekte periodisch angepasst und die geplante, zeitweise Platzierung von noch nicht zugeteilten Nettoerlösen offengelegt werden.

Der vierte und letzte Punkt der Green Bond Principles beschreibt die Berichterstattung (Reporting). Emittenten sollten jederzeit aktuelle Informationen über die Verwendung der Emissionserlöse bereitstellen. Das bedeutet, dass mindestens in einem jährlichen Rhythmus über den Stand ihrer durch Green Bonds finanzierten Projekte berichtet werden sollte, eine Darstellung des konkreten Effekts der Projekte – also des Impacts – ist anzustreben. In diesem Zusammenhang empfehlen die GBP die Verwendung qualitativer Leistungsindikatoren und, wenn möglich, quantitativer Kennzahlen – wie z. B. Treibhausgasreduzierung/-vermeidung, Verringerung des Wasserverbrauchs etc.

PRÜFUNG DURCH EXTERNE

  • Second Party Opinion (Zweite Meinung)
    In diesem Fall stellt eine Organisation, die über Exper tise in ökologischen Nachhaltigkeitsfragen verfügt und vom Emittenten unabhängig ist, eine Second Party Opinion (SPO) aus. Die SPO umfasst in der Regel eine Einschätzung der Emission bezüglich der GBP, oft wird auch auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) Bezug genommen.
  • Verifizierung
    Diese stellt auf einen festgelegten Kriterienkatalog ab, der sich auf Geschäftsprozesse respektive ökologische Kriterien bezieht.
  • Zertifizierung
    Green Bonds, das dazugehörige Rahmenwerk oder die Mittelverwendung können auf Basis anerkannter externer Standards oder Labels zertifiziert werden. Die Zertifizierung erfolgt durch qualifizierte, anerkannte Dritte.
  • Green Bond Scoring/Rating
    Green Bonds, das dazugehörige Rahmenwerk oder Schlüsselmerkmale wie die Verwendung der Emissionserlöse können beispielsweise durch spezialisierte Researchanbieter oder Ratingagenturen bewertet werden.

EUROPÄISCHEN STANDARD EINFÜHREN

Der EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums sieht die Schaffung europäischer Standards und offizieller EU-Labels vor. Dabei soll zunächst das Thema Green Bonds in Angriff genommen werden. Der Standard soll auf bestehenden Initiativen wie den Green Bond Principles und der Climate Bond Initiative aufbauen. Im Juni 2019 wurde ein erster Vorschlag der Technical Expert Group des Expertengremiums zur Erarbeitung technischer Details im Rahmen des EU-Aktionsplans veröffentlicht.

GREEN, SOCIAL, SUSTAINABILITY BONDS

Die ICMA – International Capital Market Association – hat nach der erstmaligen Veröffentlichung der Green Bond Principles im Jahr 2014 mittlerweile auch Prinzipien für Social Bonds und Sustainability Bonds erarbeitet. Der Unterschied liegt dabei im Wesentlichen in den Projektkategorien.

  • Green Bonds fokussieren auf Projekte, die im Bereich der fünf hochrangigen Umweltziele Eindämmung des Klimawandels, Anpassung an den bereits existierenden Klimawandel, Erhaltung natürlicher Ressourcen, Biodiversitätserhaltung sowie Verschmutzungsprävention und -kontrolle einen Beitrag leisten.
  • Social Bonds dienen der Finanzierung sozialer Projekte, wie finanziell tragbare Basisinfrastruktur, Zugang zur Grundversorgung an sozialen Dienstleistungen, bezahlbarer Wohnraum, Schaffung von Arbeitsplätzen, Nahrungsmittelsicherheit oder sozioökonomische Weiterentwicklung und Befähigung.
  • Sustainability Bonds sind Emissionen, deren Emissionserlöse zur Finanzierung einer Kombination aus Umwelt- und Sozialprojekten verwendet werden. Dementsprechend sind Sustainability Bonds an die Kernkomponenten der GBP und SBP angelehnt. Zudem werden zunehmend nachhaltig ausgerichtete Anleihen, die sich auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) beziehen, emittiert. Auch sie sind den Sustainability Bonds zuzuordnen.

Nachhaltig Investieren: Plastikmüll

von Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei Raiffeisen Capital Management.

Das globale Müllproblem gewinnt immer mehr an Brisanz, obwohl das Phänomen Müll nicht erst vor kurzer Zeit entstanden ist. Denn Abfall gab es auch in der Vergangenheit, beispielsweise durch weggeworfene Kleiderreste oder Nahrung. In den letzten Jahrzehnten haben sich jedoch die Menge und die Zusammensetzung des Mülls geändert. Ein immer größerer Teil unseres Mülls kann nicht mehr auf natürlichem Weg verrotten. Ein Teil der Abfälle ist sogar giftig. Der Anteil der Reparaturen sinkt, dazu kommt die gewollte Obsoleszenz von Produkten.

Einige Abfallsorten bereiten aus Umweltsicht sehr große Sorgen. Nicht unbedingt wegen ihrer Toxizität, sondern wegen des extrem starken Wachstums zählen neben Plastikmüll auch Mikroplastik und Elektronikschrott zu den größten Problembereichen. Plastikmüll ist in den Weltmeeren mittlerweile omnipräsent, und Kläranlagen können Mikroplastik nur unzureichend herausfiltern, das im Meer in die Nahrungskette gelangt. Auch in Bezug auf den Klimawandel ist die Bedeutung der Kunststoffproduktion nicht zu unterschätzen. Der 2019 von der Heinrich Böll Stiftung und von Global 2000 herausgegebene „Plastikatlas“ geht davon aus, dass Plastik bis 2050 zwischen 10 und 13 % des gesamten Kohlenstoffbudgets verbrauchen könnte, welches im Hinblick auf eine Erreichung des 1,5-Grad-Ziels zur Verfügung steht.

Der Grund für die Problematik rund um Plastikmüll ist leicht erklärt. Kunststoffe vereinen einige Vorteile in sich: Sie sind leicht, billig, gut verformbar und langlebig. Doch genau diese Dauerhaftigkeit wird aus Sicht der Umwelt zum Problem. Eine Plastikflasche benötigt im Meer etwa 450 Jahre, um sich zu zersetzen. Und auch dann löst sich das Plastik zunächst nur in kleinere, kaum sichtbare Plastikteilchen – also Mikroplastik – auf. Je kleiner die Plastikpartikel sind, desto größer ist das Risiko der Aufnahme durch die Tiere.

Die Herkunft des Plastikmülls, der in verschiedensten Regionen der Welt die Meere verschmutzt, ist leicht nachvollziehbar. Von den mehr als 10 Millionen Tonnen Abfällen, die jährlich in die Ozeane gelangen, sind rund drei Viertel Plastikmüll. Und das Volumen an Plastikmüll steigt extrem stark an. Die Plastikproduktion weist im Vergleich zum Wirtschaftswachstum enorm hohe Wachstumsraten auf; während in den 1950er Jahren knapp 1,5 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert wurden, sind es heute rund 400 Millionen Tonnen. Seit Beginn der Produktion wurden laut einer Veröffentlichung einer Forschergruppe um Roland Geyer von der University of California insgesamt 6,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert, davon aber nur 9 % wiederverwertet und 12 % verbrannt. Somit sind rund 80 % des produzierten Plastiks entweder zum Teil verwittert oder immer noch vorhanden. Die höchsten Recycling­raten findet man gemäß dieser Studie in Europa mit 30 %, gefolgt von China mit 25 %, während in den USA nur 9 % des Plastikmülls recycelt werden. Im Vergleich dazu liegt Dänemarks Recyclingrate für Plastik bei etwa 90 %. Auch bei der Verbrennung von Plastikmüll liegt Europa mit 40 % in führender Position, während China 30 % und die USA 16 % erreichen. Rund 8 % der globalen Erdölproduktion werden für die Plastikproduktion verwendet.

Die Müllverschmutzung an Stränden

Die häufigsten Abfälle an ausgesuchten Küstenlinien, prozentualer Anteil pro 100 MeterMuellverschmutzung an den StraendenQuelle: PLASTIKATLAS/Appenzeller/Hecher/Sack (M) CC-BY-4.0; Stand 2019

Gemäß PlasticsEurope und Eurostat wurden allein in Europa 2015 58 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, die Verwendungsgebiete waren vor allem Verpackungen mit 40 % vor Gebrauchsgütern mit 22 %, Hoch- und Tiefbau mit 20 %, Personen- und Lastkraftwagen mit 9 %, Elektro- und Elektronikgeräten mit 6 % und der Landwirtschaft mit 3 % des produzierten Plastiks. Österreich produzierte 2015 294.888 Tonnen Verpackungsabfälle aus Kunststoff, das bedeutet 34 kg pro Kopf im Vergleich zu 31 kg pro Kopf im EU-Durchschnitt.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP schätzt, dass mittlerweile auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe treiben. Gemäß „Plastikatlas“ verteilt sich der im Meer befindliche Plastikmüll zu 26,8 % auf Küstengewässer, 33,7 % auf Küsten- und Meeresboden, 39 % auf das offene Meer und 0,5 % auf die Meeresoberfläche. Besondere Phänomene stellen die sogenannten Müllstrudel dar, in denen sich gigantische Müllteppiche ansammeln. Der Kunststoff wird von den Meeresströmungen erfasst und bildet riesige „Plastikinseln“ aus. Der größte dieser Strudel ist der Nordpazifikwirbel oder „Great Pacific Garbage Patch“, er soll mittlerweile die etwa 20-fache Größe Österreichs erreicht haben. Die Folgen des Plastikmülls sind auch für die Meeresfauna verheerend: Wale verhungern, weil ihre Mägen mit Müll gefüllt sind, Robben, Delphine und Schildkröten werden von Plastikteilen stranguliert. Vor allem Mikroplastik kann – wenn es in die Nahrungskette gelangt – auch für den Menschen in zunehmendem Maße zum Gesundheitsrisiko werden.

HAUPTVERURSACHER SCHWELLENLÄNDER

Die größten Verursacher von Plastikmüll sind heutzutage die Emerging Markets. Gemäß dem Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven landen schätzungsweise jährlich rund 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastik im Meer, einem Bericht deutscher Ökologen zufolge erreichen ca. 90 % davon die Meere über 10 Flusssysteme, von denen sich 8 in Asien und 2 in Afrika befinden. In einem Bericht des World Economic Forum aus dem Jahr 2016 wird der Prozentsatz des weltweit unkontrolliert entsorgten Plastikmülls zu 80 % Asien zugeschrieben. In Südostasien existieren derzeit kaum effiziente Müllentsorgungssysteme, Sammelaktivitäten für Plastikmüll sind fast nicht vorhanden, auch mangelt es an der öffentlichen Finanzierung für derartige Maßnahmen.

Was die Produktion von Einwegplastikartikeln betrifft, so wurden im Jahr 2014 38 % in der Region Asien und Pazifik hergestellt, 21 % in Nordamerika, 17 % im Nahen Osten, 16 % in Europa; der geringfügige Rest teilt sich auf Lateinamerika und Afrika auf.

LÖSUNGSWEGE

Die möglichen Strategien gegen Plastikmüll reichen von Sammlung und Recycling über Verbote bis hin zu biologischen Alternativen. Was die Sammlung von Plastik betrifft, so gestaltet sich diese oft schwierig, denn das gesammelte Plastik ist oft inhomogen. Eine Hinwendung zu einem „Cradle to cradle“-Prinzip könnte eine echte Kreislaufwirtschaft durch intelligentes Produktdesign ermöglichen. Ideal wäre, schon beim Design und bei der Herstellung von Plastik einige wesentliche Faktoren zu berücksichtigen. Die verwendeten Kunststoffe sollten langlebig, wiederverwendbar, recycelbar und frei von Schadstoffen sein, außerdem sollte recyceltes Plastik verwendet werden. In Österreich wird von den jährlich rund 0,92 Millionen Tonnen anfallender Kunststoffabfälle nach einer Studie des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus mit 28 % nicht ganz ein Drittel wiederverwertet, der Rest wird thermisch verbrannt. Die OMV versucht mit ihrem Pilotprojekt ReOil Plastik in Rohöl rückzuverwandeln. Beim zugrundeliegenden Prozess muss man den Kunststoff auf über 400 °C erhitzen, bei dieser Temperatur werden die langen Kunststoffmolekülketten depolymerisiert, also zerkleinert bzw. zerlegt. In der Folge entsteht synthetisches Rohöl. Die aktuelle Forschung versucht außerdem in zunehmendem Ausmaß, Enzyme zum Abbau von Plastik zu nutzen. Generell sind die Recyclingraten für Kunststoffe im Vergleich zu anderen Werkstoffen gering. Sie liegen im Fall von Plastik gemäß Ellen MacArthur Foundation bei knapp 14 %. Das World Economic Forum nennt in seinem Bericht aus dem Jahr 2016 für Papier eine 58%ige Recyclingrate, im Fall von Eisen und Stahl liegt diese bei 70 bis 90 %.

Verbote für Plastik betreffen unter anderem Kunststoffverpackungen wie das Plastiksackerl, international haben bereits einige Länder wie Ruanda, Frankreich, Kenia und Bangladesch derartige Maßnahmen getroffen. In Österreich gilt ab 2020 ein Verbot von Kunststofftragetaschen, die biologisch nicht vollständig abbaubar sind. Zudem gilt ab demselben Jahr ein Verbot der Beimengung von Mikroplastikpartikeln in Kosmetikprodukten und Reinigungsmitteln, sofern bis dahin keine europäische Lösung getroffen wurde. Erwähnt werden sollte in diesem Zusammenhang auch das Verbot der EU-Kommission für die zehn häufigsten Einwegkunststoffprodukte, die an Stränden der EU gefunden werden, sowie für zurückgelassene, verloren gegangene und weggeworfene Fischfanggeräte. Hintergrund ist der Kampf gegen kurzlebige Plastikprodukte – die oft als Littering in der Natur landen – und der Kampf gegen Wegwerfplastik sowie unnötige Plastikverpackungen.

Die unsichtbare Mülldeponie


Quelle: PLASTIKATLAS/Appenzeller/Hecher/Sack (M) CC-BY-4.0; Stand 2019

MIKROPLASTIK

Das Thema Mikroplastik weist weitere spezifische Probleme auf. Mikroplastik sind Plastikteile mit einer Abmessung von weniger als fünf Millimetern. Diese können als Grundmaterial für die Plastikproduktion dienen oder durch Verwitterung bzw. mechanische Einwirkung auf größere Plastikobjekte entstehen. Mikroplastik wird aber auch in Konsumprodukten verwendet, wie Zahncremen oder Duschpeelings. Aufgrund der geringen Größe können die meisten Kläranlagen Mikroplastik nicht aus dem Abwasser filtern, sodass die Plastikstückchen letztlich über die Flusssysteme ins Meer gelangen. Dort können sich im maritimen Umfeld hochgiftige Substanzen auf den Mikroplastikteilchen anreichern. Meeresbewohner, die Mikroplastik mit Futter verwechseln, kommen mit den giftigen Partikeln in Kontakt und nehmen diese auf. Auf diesem Weg gelangen die Schadstoffe in die Nahrungskette.

Zuletzt wurde auch Mikroplastik in der Landwirtschaft immer mehr zum Thema. Kleinste Kunststoffteile finden sich in Böden, Nutztieren und damit in den Lebensmitteln. Hintergrund ist die Verwendung von Plastik etwa für Bewässerungsanlagen, Gewächshäusern und Tunnel. Zum Schutz vor Vögeln werden mitunter ganze Bäume oder Sträucher mit Plastik ummantelt. Auch im auf Äckern ausgebrachten Klärschlamm findet sich Mikroplastik wieder.

Plastikmüll im Kontext der drei Nachhaltigkeitsdimensionen des Environment Social Governance (ESG)

ESG ist die englische Abkürzung für „Environment Social Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Der Begriff ist international in Unternehmen als auch in der Finanzwelt etabliert, um auszudrücken, ob und wie bei Entscheidungen von Unternehmen und der unternehmerischen Praxis sowie bei Firmenanalysen von Finanzdienstleistern ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte sowie die Art der Unternehmensführung beachtet beziehungsweise bewertet werden.

E (Environment)

Plastikmüll und Mikroplastik zählen zu den aktuell schwerwiegendsten Umweltproblemen. Vor allem die Ansammlung von Plastikmüll in den Meeren droht das ökologische Gleichgewicht auf Dauer massiv zu schädigen.

S (Social)

Aus gesellschaftlicher Sicht stellt sich in Bezug auf Plastikmüll die Frage, inwieweit der Mensch selbst durch die Beeinträchtigung der gesamten Nahrungskette belastet werden kann.

G (Governance)

Aus Governance-Sicht steht bei Plastik und Mikroplastik die Selbstverpflichtung von Unternehmen im Vordergrund, die Verwendung von Plastik zu reduzieren oder einzustellen. Auch ein rechtlicher Rahmen mit dem Verbot von Plastik und Mikroplastik könnte zunehmend geschaffen werden, hier sind erste nationale Verbote für Plastiksackerl und das Verbot einiger Plastikprodukte auf EU-Ebene als erster Schritt zu sehen.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management sind die Vermeidung von und der Umgang mit Plastikmüll große Themen. Dazu zählen im Bereich Recycling tätige Unternehmen wie Tomra oder Produzenten nachhaltiger Materialien aus erneuerbaren Ressourcen wie Lenzing oder Borregaard.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Plastikmüll“ finden Sie links als PDF.

Investieren in Megatrends

Megatrends verändern die Welt grundlegend und langfristig. Sie wirken nicht nur auf einige Bereiche, sondern betreffen alle Ebenen der Gesellschaft und damit auch den einzelnen Menschen. Um mit der Zukunft Schritt halten zu können, müssen Unternehmen rasch auf Entwicklungen eingehen oder diese im Idealfall sogar antizipieren. Unternehmen, die das schaffen, sind für Investoren von großem Interesse, denn sie stehen für Zukunftsfähigkeit und Wachstum. In solche Unternehmen investiert der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Wichtige Megatrends, die aktuelle Veränderungen markieren, betreffen die Bereiche Demografie, Klima, Technologie und Mobilität. Die Tatsachen, dass 2050 vermutlich 75 % aller Menschen weltweit in Städten wohnen werden und die westliche Gesellschaft älter wird und schrumpft, haben große Auswirkungen auf den infrastrukturellen Bedarf dieser Gemeinschaften, aber natürlich auch auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen. Die Nachfrage nach Abwasser- und Verkehrssystemen, Sicherheit und sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Schulen wird ebenso steigen wie der Bedarf an Medikamenten, Pflege und Betreuungseinrichtungen. Unternehmen, die langfristig in der Lage sind, auf diesen Wandel mit adäquaten Produkten und Dienstleistungen zu reagieren, werden in der Zukunft zu den Gewinnern zählen. Dazu gehören Pharma- und Medizintechnikunternehmen ebenso wie Rentenversicherer, Schulbuchverlage mit Online-Diensten und Kommunikationsdienstleister.

Auch der Klimawandel zählt zu den großen Themen des 21. Jahrhunderts. Extremes Wetter stellt mittlerweile eines der größten Risiken für Unternehmen dar. Die jährlichen Investitionen dazu werden weltweit auf hunderte Milliarden US-Dollar geschätzt. Für Investoren bieten sich Möglichkeiten in den Bereichen Energieeffizienz, Wind-, Solar- und Hydroenergie, aber auch Energiespeicher, Elektromobilität und Brennstoffzellen sowie Clean-Tech-Lösungen.

Besonders weitreichend und in den unmittelbaren Alltag der Menschen greifend, ist der technologische Wandel. Soziale Netzwerke, Internet of Things, Cloud Computing, Mobile Payment und Automatisierung sind hier nur wenige Stichworte, die für den rasanten Anstieg des Internets mit all seinen Möglichkeiten stehen.

In Megatrends zu investieren heißt, aus all diesen Bereichen die aussichtsreichsten Unternehmen herauszufiltern und sie hinsichtlich ihrer Zukunftsfähigkeit zu prüfen. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien investiert in die beschriebenen Megatrends und setzt dabei auch auf ganz große Unternehmen wie Siemens oder Amazon, aber auch auf kleinere „Hidden Champions“, die in ihren Bereichen herausragende und zukunftsweisende Produktlösungen anbieten.

Auch die Wertentwicklung des Fonds hat in den letzten fünf Jahren im Gleichschritt mit den investierten Firmen rasant an Fahrt gewonnen. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien konnte über diesen Zeitraum eine Performance von 71,29 % erzielen. (Berechnungszeitraum: 30. August 2014 – 30. August 2019, total return indexiert brutto, berechnet nach der OeKB-Methode). An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass Performanceergebnisse der Vergangenheit keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zulassen.

Aktienkompetenz von Raiffeisen Capital Management

Ein aktiver Investmentansatz, wie der des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien, steht und fällt mit den Personen, die ihn umsetzen. Die Raiffeisen KAG hat über viele Jahre hinweg ein stetig wachsendes Team von spezialisierten Fondsmanagerinnen und Fondsmanagern aufgebaut, und das mit einer enorm hohen personellen Kontinuität. Einige waren in „ihren“ Märkten bereits aktiv, als es noch sehr wenigen Menschen in den Sinn kam, dort überhaupt zu investieren. Die erfahrenen Aktienspezialisten decken viele Länder und Regionen sowie ausgewählte Branchen und Investmentthemen kompetent ab.

Nachhaltig Investieren: Elektromobilität

von Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Der Verkehrssektor ist ein wesentlicher und zugleich auch wachsender Verursacher von Treibhausgasemissionen. Im Jahr 2015 war der Verkehr laut dem Klimaschutzbericht 2017 des Umweltbundesamts – ohne Berücksichtigung des Emissionshandels – für 44,7 % der Treibhausgasemissionen in Österreich verantwortlich. Der laufende technologische Fortschritt bei Antriebstechnologien, die auf fossilen Energieträgern basieren, ist zwar vorhanden, reicht aber zur Erreichung der Klimaschutzziele bei weitem nicht aus. In Österreich betrug die Abnahme der CO2-Emissionen von 2000 bis 2016 gemäß des Sachstandsberichtes Mobilität des Umweltbundesamtes 2019 für neu zugelassene PKWs im Durchschnitt rund 1,6 % pro Jahr. Österreich hat für das Jahr 2050 das Ziel eines weitestgehend klimaneutralen Verkehrssektors formuliert. Maßnahmen sind eine Verkehrsverlagerung, die Forcierung des öffentlichen Verkehrs, die Förderung der aktiven Mobilitätsformen und vor allem auch der Umstieg auf Nullemissionsfahrzeuge, die auf erneuerbarer Energie basieren.

EFFIZIENTE TECHNOLOGIE

Grundsätzlich basieren die Emissionen des Verkehrssektors zu einem wesentlichen Teil auf den Antriebssystemen der Fahrzeuge, wobei das Verkehrssystem gegenwärtig von Verbrennungskraftmotoren geprägt ist. Wegen des erzielten thermodynamischen Wirkungsgrades von lediglich 45 % geht bei diesem Mobilitätskonzept jedoch mehr als die Hälfte der eingesetzten Energiemenge verloren. Demgegenüber liegt die Effizienz eines Elektromotors bei etwa 95 %. Neben dem elektrischen Antrieb zählen auch wasserstoffbasierte Konzepte zu den „sauberen“ Alternativtechnologien, die umfangreiches Potenzial aufweisen. Voraussetzungen für den kurz- bis mittelfristigen Erfolg der E-Mobilität als aktuell im Fokus stehende Alternativtechnologie – sprich für die verstärkte Durchdringung des Marktes – sind das Vorhandensein einer geeigneten Infrastruktur sowie Anreizmodelle, die von Steuervorteilen über sonstige Bevorzugungen wie der Verwendung von Busspuren und dem kostenlosen Parken bis zum Nutzen öffentlicher Ladestationen reichen können.

Weitere Vorteile von Elektromotoren gegenüber dem Verbrennungsmotor sind die einfachere Bauart, die geringere Wartungsintensität, weniger Lärmentwicklung und die lokale Emissionsfreiheit. Aktuell sind große Fortschritte in der Batterietechnologie zu beobachten; Nachteile, wie lange Ladezeiten und kurze Reichweiten im Fahrzeugbetrieb durch beschränkte Energiedichte, verschwinden zusehends. Damit könnte sich die Herstellung eines Elektrofahrzeugs aus Sicht des Umweltbundesamtes in absehbarer Zeit kostengünstiger darstellen als die Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungskraftmaschinen mit zudem immer aufwändigeren Abgasnachbehandlungssystemen.

Neben der Thematik der Treibhausgase kann die Elektromobilität auch dabei behilflich sein, viele andere negative Auswirkungen des Straßenverkehrs zu reduzieren. Bei Elektrofahrzeugen beschränken sich die Luftschadstoffemissionen auf den Abrieb und die Wiederaufwirbelung von Feinstaub. Den genannten Vorteilen von Elektrofahrzeugen – Verbesserung der Luftqualität und Reduktion des Lärmes –, vor allem in urbanen Räumen, steht bei der Frage der Klimaverträglichkeit eine allgemeinere Betrachtung gegenüber. Die Gesamtanalyse zeigt, dass sich beim Einsatz von Elektrofahrzeugen Teile der Umweltprobleme in vorgelagerte Prozesse und andere Teile der Wer tschöpfungskette verschieben. Hierzu zählen Aspekte der Fahrzeugproduktion und der Erzeugung der Batteriesysteme, aber auch die Produktion des verwendeten Stroms. Das Potenzial der Elektromobilität kann nur dann wirklich ausgeschöpft werden, wenn der eingesetzte Strom zu 100 % aus erneuerbaren Quellen stammt.

MISSION 2030

In der Statistik finden sich etwaige Emissionen aus der Stromproduktion und -bereitstellung für Elektromobilität gemäß der internationalen Berichtspflichten nicht im Bereich Verkehr, sondern im Sektor Energieaufbringung wieder. In diesem Zusammenhang gewinnt die Zielsetzung der Bundesregierung, festgehalten in der sogenannten #mission2030, der österreichischen Klima- und Energiestrategie, zusätzlich an Bedeutung: der nationale Gesamtstromverbrauch soll bis 2030 zu 100 % (national bilanziell) aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden. Für eine erweiter te ökologische Beur teilung ist neben den bei der Energieerzeugung anfallenden Emissionen auch die ausreichende Nutzungshäufigkeit des jeweiligen Fahrzeuges relevant. Für eine tatsächliche CO2-Einsparung durch Elektromobilität ist eine ausreichende Nutzungsintensität notwendig, die, bezogen auf die gesamte Nutzungsdauer, je nach Strom-Mix, bei 30.000 gefahrenen Kilometern beginnt und bei durchschnittlichem Strom-Mix bei 100.000 Kilometern liegt.

Derzeit dreht sich die Diskussion über eine Förderung von sauberen Energien vor allem um die Elektrifizierung des Verkehrs und in diesem Zusammenhang um eine Beschränkung auf die Segmente Personenkraftwagen (PKW) und leichte Nutzfahrzeuge (LNF). In diesen Bereichen scheinen die technologischen Entwicklungen am weitesten fortgeschritten, außerdem existieren Fördermaßnahmen und Programme auf politischer Ebene. Aus heutiger Sicht wird der Güterverkehr und damit verbunden die Elektrifizierung von Lastkraftwagen (LKW) erst im Zeitraum nach 2030 an Bedeutung gewinnen.

1,2 MILLIONEN E-FAHRZEUGE BIS 2030

Das vom Umweltbundesamt im Rahmen des Sachstandsberichtes Mobilität untersuchte Szenario auf Basis der aktuell bestehenden Maßnahmen, ohne zusätzliche Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität, geht davon aus, dass die Fahrzeugbestände bis zum Jahr 2020 auf etwa 70.000 vollelektrische Fahrzeuge (BEV) und Plug-In-Hybridfahrzeuge (PHEV) anwachsen werden. Im nächsten Schritt wird im Jahr 2030 bereits mit knapp 1,2 Millionen teil- und vollelektrischen Fahrzeugen gerechnet.

Für 2050 ergeben die Schätzungen dann beinahe 4,5 Millionen BEV und PHEV im PKW-Bereich. Dies entspricht bei einem weiter wachsenden Fahrzeugbestand einem Anteil von 69 % der Gesamtfahrzeugflotte.

Allerdings könnte man auch mit der Erreichung dieser Zahlen die angepeilte, annähernd vollständige Dekarbonisierung des PKW-Verkehrs bis 2050 nicht bewältigen. Im genannten Szenario würden die bisherigen Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität in der derzeitigen Intensität fortgeführt. Dies würde eine Fortführung der ökonomischen Rahmenbedingungen, wie die Ausfälle bei Einnahmen aus der Mineralölsteuer, Sachbezugsregelung, Vorsteuerabzugsfähigkeit, Förderung von gewerblich und privat genutzten Elektrofahrzeugen sowie die Umsetzung der Maßnahmen des Umsetzungsplans Elektromobilität sowie des nationalen Strategierahmens Saubere Energie im Verkehr als Umsetzung der Richtlinie 2014/94/EU der Europäischen Union über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe bedeuten.

Die Beschlüsse der EU in Richtung neuer Klimaschutzziele für die Automobilindustrie vom März 2019 unterstützen die bereits vorhandenen politischen Ambitionen. Um die Klimaziele der EU zu erreichen, sollen PKW-Hersteller bis 2030 den CO2-Ausstoß ihrer Neuwagen im Vergleich zum Jahr 2021 um 37,5 % reduzieren. Für leichte Nutzfahrzeuge ist eine Senkung der Emissionen um 31 % im Vergleich zum Jahr 2021 vorgesehen. Dieser Beschluss steht in engem Zusammenhang mit dem gesamten Reduktionsziel von mindestens 40 % bis 2030, zu dem sich die EU im Rahmen des Pariser Klimaabkommens verpflichtet hat.

FÖRDERMAßNAHMEN

Mögliche Intensivierungen der begleitenden Einführungsmaßnahmen könnten zum einen eine Anhebung der Mineralölsteuer auf Diesel im Sinne einer Angleichung des vergleichbaren Steuersatzes für Benzin sowie die Indexierung der nominalen Mineralölsteuersätze für Benzin und Diesel mittels Verbraucherpreisindex ab 2020 sein. Andererseits könnten der Basistarif der motorbezogenen Versicherungssteuer angehoben und die Normverbrauchsabgabe respektive die Besteuerung von Dienstwagen in Richtung geringerer CO2-Emissionswerte reformiert werden. Die Förderaktion des Bundes für den Ankauf von PHEV und BEV Elektrofahrzeugen könnte verlängert werden.

Zusammenfassend ist das Ziel einer breiteren Flottendurchdringung mit rein elektrischen respektive Plug-In-Hybridfahrzeugen zur Erreichung einer deutlichen Reduktion der Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors nur dann realistisch, wenn die bestehenden Fördermaßnahmen weiterhin bestehen bleiben und noch ergänzt werden – bezüglich der steuerlichen Rahmenbedingungen sowie anderer Maßnahmenbündel, die unter anderem auch den deutliche Ausbau der Ladeinfrastruktur betreffen.

Sieht man sich die aktuellen Absatzentwicklungen im internationalen Vergleich an, zeichnet sich nicht nur ein klarer Trend in Richtung einer erhöhten Anzahl an abgesetzten BEV und PHEV ab, sondern auch ein steigender Anteil der in Asien abgesetzten Fahrzeuge. Allein in China wurden bis 2018 mehr Autos verkauft (2,07 Millionen) als in den fünf nächstgrößten Ländern in Europa und Nordamerika, USA, Norwegen, Großbritannien, Deutschland und Frankreich zusammen (1,9 Millionen). Dies ist zum einen auf die derzeit noch vorhandenen Förderprogramme und zum anderen natürlich auch auf die enorme Bevölkerungszahl Chinas zurückzuführen.

VORBILD NORWEGEN

Geht man einen Schritt weiter und wirft einen Blick auf den Anteil der verkauften Elektrofahrzeuge am gesamten Automobilabsatz innerhalb eines Landes, gibt es einen klaren Gewinner aus Europa, nämlich Norwegen. Im Jahr 2018 stieg der Absatz von vollelektrischen Autos von 20,8 % im Jahr 2017 auf einen Rekordmarktanteil von 31,2 % an. Zählt man die Plug-in-Hybride dazu, sind es beinahe 50 % – weit mehr als in jedem anderen Land. Im März dieses Jahres gelang es den Norwegern sogar erstmals, in einem Monat mehr reine Elektroneuwagen zu kaufen als konventionelle Autos.

Doch wie schafft Norwegen diesen sukzessiven, erfolgreichen Umstieg auf Elektrofahrzeuge? Im Prinzip aufgrund des Vorhandenseins der oben genannten Grundvoraussetzungen. Der Staat Norwegen subventioniert den Kauf von batteriebetriebenen Fahrzeugen nicht nur mit Steueranreizen, sondern auch mit Initiativen wie Gratisparkplätzen und der kostenfreien Benützung von Ladesäulen. Das Land verfügt zudem über ein gut ausgebautes Netz an Ladestationen, ohne das ein derart rapider Anstieg an Elektrofahrzeugen nicht zu bewältigen wäre. Zu guter Letzt stammt ein Großteil des Stroms in Norwegen aus Wasserkraftwerken, die hinsichtlich der CO2-Bilanz sehr positiv abschneiden. Mischt man all diese Komponenten zusammen, entsteht ein optimales Umfeld, um eine Vorreiterrolle in Sachen alternativer Antriebsformen einzunehmen. Diese Chance hat Norwegen eindeutig genützt.

ELEKTROMOBILITÄT IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN

E (Environment)

Bei einer Gegenüberstellung von Benzin-, Diesel- und Elektro-PKWs haben Batterie-Elektrofahrzeuge bei allen umweltrelevanten Parametern Vorteile gegenüber anderen Antriebs- und Bauarten. Größter Vorteil der E-Autos ist der Wegfall von Abgas-Emissionen auf lokaler Basis. Wesentliche Faktoren bei einer Gegenüberstellung der Ökobilanzen von Benzin-, Diesel- und Elektro-PKWs sind die Parameter Fahrsituation, Akku-Lebensdauer und Fahrzeugherstellung. Was die Fahrsituation anbelangt, so ist die innerörtliche Verwendung von E-Autos aus umwelttechnischer Sicht optimal, während konventionell betriebene Fahrzeuge auf den Betrieb außerhalb der urbanen Strukturen ausgelegt sind. Auch was die Stickstoffoxidemissionen und Partikelemissionen betrifft, haben E-Fahrzeuge gegenüber Benzin- und Dieselfahrzeugen deutliche Vorteile.

S (Social)

Die sinkenden Kosten der Elektromobilität werden in fernerer Zukunft das notwendige Förderungsvolumen reduzieren helfen und die Akzeptanz der Technologie bei Käufern aller Einkommensklassen erhöhen.

G (Governance)

Ein Erfolg der „sauberen“ Alternativtechnologien generell und der E-Mobilität im Besonderen hängt von unterstützenden staatlichen Maßnahmenpaketen ab. Treiber dahinter sind die im Rahmen des Pariser Klimaabkommens kommunizierten Commitments der einzelnen Länder im Zusammenhang mit dem Klimaschutzprotokoll.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Elektromobilität“ finden Sie links als PDF.

Entwicklungschancen durch Bildung

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei Raiffeisen Capital Management.

Die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben sowie die Beherrschung der Grundrechnungsarten sind eine Basisvoraussetzung, um die eigenen Potenziale entfalten zu können. Fehlende Selbstbestimmung und mangelnde Teilnahme an gesellschaftlichen Prozessen führen zu einer Einschränkung der persönlichen Freiheit des Menschen. Während die Millennium Development Goals (MDG) der Vereinten Nationen vor zwanzig Jahren mit dem Ziel Nr. 2 lediglich ein Grundwissen anstrebten, gehen die 2015 veröffentlichten Sustainable Development Goals (SDG) deutlich weiter und sprechen im vierten Ziel nicht nur von Bildung, sondern von „Bildung mit Qualität“.

Das Bildungssystem eines Staates hat drei grundlegende Aufgaben. Erstens sollen Werte, Normen und Traditionen vermittelt werden. Mit dieser soziokulturellen Aufgabe ist auch die Integrationsfunktion der Bildung verbunden. Zweitens geht es um die Schaffung geeigneter Qualifikationen durch Bildung. Diese ökonomische Funktion des Bildungssystems umfasst auch Themen wie die finanzielle Allgemeinbildung. Drittens erfüllt das Bildungssystem eine politisch-soziale Aufgabe, wozu die Verringerung der sozialen Ungleichheit zählt. Das Bildungssystem hat zudem das Ziel, Menschen in geeigneter Weise für den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Dabei ist der optimale Mittelweg zwischen guter Allgemeinbildung und rein fachbezogener Ausbildung zu suchen.

Eine geeignete und profunde Ausbildung erhöht die Chancen, eine attraktive und gut bezahlte Arbeit zu finden. Innovative und auf komplexe Prozesse spezialisierte Unternehmen liefern sich bereits seit einiger Zeit einen regelrechten Kampf um die besten Köpfe unter den top ausgebildeten Absolventen der Universitäten. Intelligente und hochgebildete High Potentials können sich ihren Arbeitsplatz unter verschiedenen attraktiven Angeboten aussuchen und auch entsprechende Ansprüche an den potenziellen Arbeitgeber stellen.

Analphabetismus kann als ein wesentlicher Grund für die strukturelle und ökonomische Rückständigkeit eines Staates gesehen werden, allerdings ist dieses Phänomen auf globaler Ebene heutzutage deutlich weniger verbreitet als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Analphabetenquote eines Landes als Indikator für das Bildungsniveau beschreibt denjenigen Anteil der Bevölkerung, der nicht lesen und schreiben kann. Deutliche Ungleichgewichte und Unterschiede bei den länderspezifischen Alphabetisierungsraten sind dabei immer wieder zu beobachten. Sie können sich aufgrund von Aspekten wie Diskriminierung, Migrationshintergrund oder auch Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe ergeben. Im Jahr 2016 lag die Alphabetisierungsrate weltweit bei 86 %. Eine sehr hohe Analphabetenquote ist aktuell in einzelnen Ländern in Zentralafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten zu beobachten. Im Bereich der Länderbewer tung im Nachhaltigkeitsrating nimmt das Thema Bildung – als Qualitätsmerkmal einer Volkswirtschaft – einen wesentlichenTeil im Rahmen der Bewertung der sozialen Strukturen und damit im Sozialrating eines Landes ein. Zwischen den Themen Bildung und Gleichberechtigung besteht ein originärer Zusammenhang.

Unterschied der Alphabetisierung zwischen jungen Männern und Frauen, 2015

Quelle: Weltbank, OurWorldInData.org CC BY-SA

Vermutlich liegen die beiden Ziele „Hochwertige Bildung“ (SDG 4) und „Geschlechtergleichstellung“ (SDG 5) der Vereinten Nationen also nicht zufällig direkt nebeneinander. Auch heute noch ist das Recht auf Bildung in vielen Regionen der Welt dem männlichen Teil der Bevölkerung vorbehalten. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Frauen auch im deutschsprachigen Raum den vollständigen Zugang zu Universitäten erst Anfang des 20. Jahrhunderts erhielten. Weltweit gesehen lag die Alphabetisierungsrate im Jahr 2016 für den männlichen Teil der Bevölkerung bei 90 % und für den weiblichen Teil bei 83 %, woraus sich ein geschlechtsspezifischer Unterschied von sieben Prozentpunkten ergibt. Regional bestehen vor allem am afrikanischen Kontinent beträchtliche Unterschiede.

Natürlich hat Bildung nichts mit charakterlichen Eigenschaften oder dem Wesen eines Menschen zu tun. Trotzdem darf man Bildung als einen wesentlichen Aspekt der persönlichen Entwicklung und des individuell erreichten Wohlstandes betrachten. Der sogenannte Index der Menschlichen Entwicklung oder Human Development Index (HDI) wird vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) veröffentlicht. Er ist eine Art Wohlstandsindikator und berücksichtigt neben dem Bruttonationaleinkommen auch die Lebenserwartung sowie die Dauer der Ausbildung. Der HDI fokussiert auf Menschen, Chancen und Wahlmöglichkeiten. Insofern ist das Thema Bildung für den Index von größter Bedeutung. Im globalen Trend verbesserte sich dieser Wert zuletzt vor allem durch eine Steigerung der Lebenserwartung. Hervorzuheben ist, dass im untersten Segment zahlreiche Länder die Indexbewertung im Vergleich zu 2010 deutlich steigern konnten. Österreich erreichte 2018 mit einem Wert von 0,908 den zwanzigsten Rang weltweit.

Human Development Index (HDI)

Wert 2017 und jährliche Steigerungsrate in Dekaden Quelle: Human Development Report Office 2018

Eine Studie der WU Wien und des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg zeigt eine interessante Korrelation zwischen Lebenserwartung und Bildung. Gemäß den Aussagen der Wissenschaftler ergab sich in den letzten Jahren ein zunehmender Gleichlauf, der nicht nur auf einer gesünderen Lebensweise basieren könnte. Es scheint ein weiterer Horizont in der Lebensplanung von besser gebildeten Menschen erkennbar – Risiken werden so offenbar besser erkannt und vermieden.

Anteil der Bevölkerung mit tertiärer Bildung, 2017

Quelle: OECD (2018), Adult education level (indicator). doi: 10.1787/36bce3fe-en – accessed on 13 November 2018

Ein hoher Anteil von überdurchschnittlich gebildeten Menschen wird zumeist als Standortvorteil im Wettbewerb um anspruchsvolle und zukunftsträchtige Technologien interpretiert. Die aktuellen Statistiken der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2017 sehen beim Prozentanteil der Bevölkerung mit tertiärer Bildung (Abschluss an Universitäten und Hochschulen) Kanada mit einem Anteil von 57 % in der führenden Position vor Japan und Israel mit je 51 %. Österreich und Deutschland liegen mit 32 und 29 % im unteren Mittelfeld, die Schweiz mit 43 % im Vergleich deutlich höher. Die Vergleichbarkeit der Daten wird allerdings durch national unterschiedliche Bildungssysteme und Definitionen erschwert.

GREEN JOBS

Das Thema Nachhaltigkeit und die unterschiedlichen Einflussfaktoren auf ein verantwortungsvolles und zukunftsfähiges Wachstum finden immer mehr Eingang in den Bildungsbereich.

Die theoretische Seite einer Kombination von Bildung und Nachhaltigkeit findet Platz an immer mehr Hochschulen, die Ausbildungen im Bereich Nachhaltigkeit anbieten. Auf der praktischen Seite steigt das Angebot an „Green Jobs“ dynamisch an. Im akademischen Bereich wurde in Österreich bereits vor vielen Jahren ein Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien ins Leben gerufen. Außerdem existiert mit der Allianz Nachhaltige Universitäten ein nationaler Zusammenschluss von bis dato 15 österreichischen Universitäten, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen.

Mit entsprechender Bildung und Ausbildung und einem Fokus auf Nachhaltigkeit können immer mehr Menschen vom wachsenden Angebot an sogenannten „Green Jobs“ profitieren. Dahinter stehen die Ziele von Nachhaltigkeit und einem Wachstum, das von ökologischen und sozialen Aspekten unterstützt wird. Laut EU-Definition handelt es sich bei Green Jobs um Arbeitsplätze, die beispielsweise in der Herstellung von Produkten oder dem Angebot von Technologien und Dienstleistungen angesiedelt sind, die nachhaltigen Mehrwert generieren. Konkret geht es bei diesen Jobs darum, Umweltschäden zu vermeiden und natürliche Ressourcen zu erhalten. Green Jobs finden sich in vielen Sektoren der Wirtschaft, sie sind mit unterschiedlichen Qualifikationen verbunden.

Die Definition der International Labor Organisation (ILO) für Green Jobs unterstreicht vor allem die Klimaschutz-Perspektive dieser Berufsalternativen. Erwähnt werden unter anderem die Themenbereiche Energie- und Materialeffizienz, die Absenkung von Treibhausgasemissionen, die Minimierung von Abfall und Schadstoffbelastungen, der Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen und die Anpassung an die Effekte des fortschreitenden Klimawandels.

Um die Breite der Möglichkeiten von Green Jobs darzustellen, bietet sich auch ein Abgleich mit den Zielen für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) an. Auf Basis der SDG-Definitionen können Green Jobs auf acht verschiedenen Ebenen angesiedelt werden. Im SDG Ziel Nr. 1 geht es um die Verbesserung der Belastbarkeit armer Teile der Bevölkerung angesichts negativer Effekte des Klimawandels. Im Zusammenhang mit dem Thema Bildung geht es im SDG Nr. 4 um die Erweiterung individueller Fähigkeiten im Beruf durch die verstärkte Berücksichtigung nachhaltiger Inhalte. In den SDG-Zielen 5 und 6 werden die Aspekte von Nicht-Diskriminierung und Verbesserung der Wasserversorgung und sanitären Versorgung behandelt. Der Ausbau der Produktion von sauberer Energie und die Versorgung mit dieser sind eine wesentliche Basis für Green Jobs, welche ein starkes Wachstum aufweist. Ebenso wichtig, wenn es um ökologisch interessante Jobs geht, ist die Transformation der Wirtschaft in Richtung einer nachhaltigeren Ausrichtung im Ziel 8. Die SDGs 12 und 17 sind von Bedeutung, wenn es um Arbeit in den Bereichen nachhaltiger Konsum, gesundes und sicheres Wohnen sowie die Gestaltung der administrativen und finanziellen Basis für Green Jobs geht.

POSITIVKRITERIUM

Für Nachhaltigkeitsinvestoren ist das Thema Bildung in mehrfacher Hinsicht relevant. Es ist ein Positivkriterium und kein Ausschlusskriterium. Dies gilt sowohl für die Unternehmensebene, wie etwa die Weiterbildung der Arbeitnehmer, als auch für das nationale Bildungssystem. Nachhaltigkeitsanalysen auf Staatenebene ziehen ihre Bewertung der Bildung unter anderem aus Daten zum Analphabetismus und zur durchschnittlichen Länge des Schulbesuchs. Gemeinsam mit dem Thema Gleichberechtigung fließen sie in den Cluster der humanen und sozialen Bedingungen ein. Im Bereich der Bildung auf Unternehmensebene sind neben der Qualifizierung der Arbeitnehmer auch Unternehmen zu erwähnen, deren „Produkt“ bildungsbezogen ist. Mit Unternehmen, die im Verlagswesen tätig sind oder privaten Anbietern von Studienangeboten, können sich für den nachhaltigen Investor interessante Investmentalternativen ergeben.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Bildung“ finden Sie links als PDF.

Nachhaltigkeitsbewertung des Themas 'Wasser'

Der „Rohstoff“ Wasser ist in seiner Verfügbarkeit eingeschränkt. Der Fokus der Dialoge mit Unternehmen zum Thema sollte daher in der Bewahrung der Ressource Wasser einerseits und in der Qualitätssicherung des Wassers andererseits liegen, so Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei Raiffeisen Capital Management. Im Zusammenhang mit dem Thema Wasser umfasst der Unternehmensdialog des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management daher Engagement-Aktivitäten mit einigen Unternehmen der Branchen Wasserversorgung, Abwasser und Wasseranalyse.

Dieser Beitrag ist Teil von Raiffeisen Capital Management's Newsletter "Nachhaltig Investieren". Die vollständige Ausgabe Oktober 2018 mit dem Schwerpunkt "Wasser" finden Sie hier. Weitere Informationen zum nachhaltigen Investmentansatz von Raiffeisen Capital Management finden Sie auf investment-zukunft.at.

1. Inwieweit bilden sich die Schwerpunktthemen Wasser und Wasserknappheit in Ihrer Palette an Produkten und Dienstleistungen ab? Wie sieht die historische Entwicklung Ihres Unternehmens in diesem Zusammenhang aus?

Unternehmen verschiedenster Branchen erarbeiten ihre jeweiligen Strategien, um dem Thema Wasserknappheit oder auch Wasserstress entgegenzuwirken. Dabei handelt es sich beimThemaWasserstress um eine imVergleich zur Wasserknappheit erweiterte Definition, die auch Verfügbarkeit, Qualität und Zugangsmöglichkeiten von Wasser umfasst. Die von uns adressierten Unternehmen haben einen direkten Bezug zum Thema Wasser und Strategien rund um das Thema Wasserknappheit und Wasserstress. Das amerikanische Wasserversorgungsunternehmen „American Water“ etwa sieht sich als Versorger, welcher eine reibungslose Wasserversorgung für seine Kunden sicherstellen möchte. Auf der anderen Seite möchte „Novozymes“, ein dänisches Biotechnologieunternehmen, Konsumenten helfen, ihren Wasserverbrauch zu reduzieren. Der Einsatz von Enzymen ist dabei eine Möglichkeit den Wasserverbrauch zu reduzieren, die Enzymproduktion selbst gilt aber andererseits als wasserintensiv und erzeugt viel Abwasser. „Acciona“, ein spanischer Mischkonzern, der unter anderem im BereichTrinkwasserversorgung tätig ist, beschäftigt sich in seinem Sustainability Master Plan 2020 aktiv mit dem Thema der Bekämpfung von Wasserstress. Schließlich ist es das Hauptziel des schweizerischen Sanitärprodukteherstellers „Geberit“, Wasserverwendung effizienter zu machen.

2. Welche potenziellen Chancen und Risiken birgt das Thema Wasserknappheit für Ihr Unternehmen?

Prinzipiell sind Risiken im Zusammenhang mit Wasserknappheit und Wasserstress lokal unterschiedlich zu betrachten. Stark betroffene Branchen sind die Landwirtschaft und der Bergbau. Aber auch andere Branchen entwickeln Konzepte gegen Wasserknappheit. „Suez“, ein französischer Umwelttechnologiekonzern, hat beispielsweise all seine Standorte in den Jahren 2016 und 2017 bezüglich deren Status im Zusammenhang mit Wasserknappheit eingehend untersucht. Generell berichten im Unternehmen lokale, sogenannte „Environmental and Industrial Risk Officers“ über ihre Einschätzung bezüglich potenzieller Wasserknappheitsszenarien.

3. Wie gehen Sie mit dem Status quo und den Potenzialen bezüglich Wasserressourcen in einzelnen Regionen um, in denen Sie tätig sind?

4. Zeichnen sich in Regionen, die von Wasserknappheit bedroht sind,Trends ab, die Ihre Geschäftstätigkeit beeinflussen?

Alternative Ressourcen für Frischwasser sind je nach Verwendungsszenario die Brauchwasser-Wiederverwendung – auch Water-Recycling genannt – und die Meereswasserentsalzung. In beiden Fällen waren die Wachstumsraten zuletzt sehr hoch. Nach „Suez“ erwartet ein Marktwachstum für Meereswasserentsalzung von 10 Milliarden US-Dollar in 2016 auf 23 Milliarden US-Dollar in 2025. Zu den Ländern, die vermehrt auf Meereswasserentsalzung setzen, zählen Australien, Israel und die Golfstaaten. Dürrephasen größten Ausmaßes, die zur Rationierung von Wasser für Haushalte und Industrie geführt haben, betreffen in regelmäßigen Abständen Kapstadt und waren außerdem von 2013 bis 2016 in Kalifornien zu beobachten. Auch Unternehmen können in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn die Wasserversorgung für die Bevölkerung nicht mehr sichergestellt werden kann. Beispiele sind in diesem Zusammenhang „Coca-Cola“ oder „Nestlè“, die wegen Problemen bei der regionalen Wasserversorgung bereits Werke – zumindest vorübergehend – schließen mussten.

5. Welcher positive Einfluss auf das Thema Wasserknappheit geht von Produkten und Dienstleistungen Ihres Unternehmens aus?

Produkte und Dienstleistungen, die der Wasserknappheit entgegen wirken, betreffen unter anderem die Themen Wassermanagement und Abwasserreinigung. „Suez“ – im Bereich Wasserversorgung tätig – bietet digitale Lösungen für ein „Realtime Wassermanagement“ an. Bereits 20 % der Kunden des Unternehmens verfügen über sogenannte „Smart Meters“.

6. Wie sieht Ihr Ansatz zur Qualitätssicherung für Wasser aus?

m Bereich Qualitätssicherung setzen einige Unternehmen auf ISO 22000, einen weltweiten Standard für Managementsysteme zur Lebensmittelsicherheit. Was die Verschmutzung von Wasser betrifft, so stellen sogenannte „Emerging Pollutants“ ein neues Problem dar. Dazu gehören Pharmazeutika und endokrine Disruptoren. Endokrine Disruptoren sind Stoffe, die zu Veränderungen im Hormonsystem führen und potenziell gesundheitsschädigend sind.

7. Wie definieren Sie „reines“ Wasser, respektive Trinkwasserqualität?

Reines Wasser oder „Clean Water“ wird von „American Water“ als gesäubertes Abwasser definiert,Trinkwasser hingegen als an die Kunden ausgeliefer tes Wasser. Um zu reinem Wasser zu gelangen ist im Falle der Aufbereitung eine Reduktion der Verschmutzung notwendig, diese betrifft in der Regel organische Substanzen, Stickstoff und Phosphor. Für Trinkwasser existieren eine Reihe von Standards, wie die WHO-Richtlinien, eine Richtlinie der EU sowie weitergehende nationale Richtlinien.