Impact-Steuerung von Portfolien – was Investoren beachten müssen

von Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation, GLS Investment Management.

Wirkung oder Impact ist das Wort der Stunde am Kapitalmarkt. Viele Fondsanbieter wollen mit ihren Finanzprodukten „einen Beitrag leisten“, „im Einklang sein“ bzw. „einzahlen“ auf die nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen („SDGs“) oder das Pariser Klimaschutzabkommen.

Über diese Marketingversprechen wird mit Einführung der Offenlegungsverordnung sowie der EU-Taxonomie ein einheitlicher Regulierungsrahmen gezogen. Künftig müssen Fondsanbieter über die nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Investitionen berichten oder die Gesamtnachhaltigkeitswirkung von Finanzprodukten offenlegen. Damit wächst der Anreiz aber auch Druck für viele Investoren, ihr Gesamtportfolio nicht nur nach finanziellen Kennzahlen, sondern auch sozialen und ökologischen Auswirkungen zu steuern.

Eine Lösung wäre, bestimmte Wirkungsziele auf Ebene des Gesamtportfolios zu etablieren, z.B. eine Verringerung der CO2-Emissionen oder des Wasserverbrauchs. Dies ist in der Praxis eine Herausforderung, die aufgrund ihrer technischen Komplexität gut durchdacht sein sollte.

Herausforderung 1: Bestimmung des Impactpotenzials einer Assetklasse

Ein Investor kann nur dann eine Wirkung erzielen, wenn durch sein Handeln ein erkennbarer sozialer oder ökologischer Nutzen („Additionalität“) gestiftet wird, beispielsweise mehr menschenwürdige Arbeitsplätze, ein höherer Anteil an erneuerbare Energien, etc.

Aus verschiedenen Assetklassen ergeben sich unterschiedliche Impactpotenziale. Ein alternativer Investmentfonds stellt Eigen- oder Fremdkapital direkt den Unternehmen zur Verfügung. Ein Wertpapierfonds kauft i.d.R. Aktien oder Anleihen über den Börsenhandel von einem anderen Investor. Aufgrund der unterschiedlichen Kapitalströme ist es nicht möglich – wie leider häufig am Markt zu beobachten ist – , eine direkte Zuordnung von Wirkung unabhängig von der Berücksichtigung der Assetklasse vorzunehmen. Daher müssten Investoren zunächst ausdifferenzieren, welche Impact-Potenziale ihre verschiedenen Assetklassen haben.

Herausforderung 2: Ermittlung des Impact der spezifischen Assetklasse

Impact Investing ist bisher ein Nischenthema gewesen. Es gibt bis heute keine allgemein standardisierten Verfahren, um den Impact einzelner Assetklassen zu ermitteln. Im alternativen Investmentfondsbereich können Investoren auf Vorarbeiten aus der Entwicklungsfinanzierung zurückgreifen. Staatliche Entwicklungsbanken wie die niederländische FMO oder die KfW-Tochter DEG haben Ansätze entwickelt, welche die tatsächliche Wirkung ihrer Finanzierungen nachhalten sollen (z.B. Development Effectiveness Rating). Ebenfalls wurden durch Initiativen wie dem Global Impact Investing Network (GIIN) erste Indikatorensets wie IRIS+ entworfen, um Wirkungskennzahlen zu ermitteln.

Demgegenüber ist die Lage bei Wertpapierinvestitionen unübersichtlich. So genannte SDG-Scoring-Modelle oder Klima-Portfolio-Daten von Wertpapierfonds verführen häufig zu Fehlschlüssen. Das tatsächliche Impactpotenzial in dieser Assetklasse liegt woanders: Im Dialog mit Unternehmen und durch die Teilnahme an Kapitalmaßnahmen unterfinanzierter Unternehmen.

Herausforderung 3: Datenerhebung

Die größte Herausforderung ist die Sammlung und Analyse von Daten. Im Wertpapierfondsbereich beschränken sich Investoren derzeit auf einfache Output-Faktoren wie Umsatz – ein Vorgehen, welches durch die Taxonomie weiter verstärkt werden wird. Die Ermittlung indirekter Wirkketten, z.B. durch Engagement, ist darüber hinaus quantitativ (derzeit) nicht möglich.

Investoren im alternativen Fondsbereich haben einen besserer Zugang zu investierten Unternehmen. V.a. Entwicklungsbanken haben einzelne aussagekräftige Indikatoren geschaffen, z.B. Reduktion der CO2-Emissionen oder Schaffung von Arbeitsplätzen. Sie setzen Geschäftsaktivitäten in Kontext mit den Gegebenheiten vor Ort oder sektorspezifischen Anforderungen. Dies ermöglicht eine tiefere Analyse, inwieweit der Output von Unternehmen tatsächlich zu Outcome und dann einen spezifischen Impact führen kann (siehe Grafik). Diese Analysen sind sehr komplex, kostenintensiv und erfordern ein umfangreiches Know-how über die Gegebenheiten vor Ort.


Quelle: European Venture Philanthropy Association, 2015

Herausforderung 4: Aggregation und Reporting des Impacts

Asset-Klassen und ihre Impactpotenziale unterscheiden sich. Dies macht ein umfassendes Reporting erforderlich, in welchem Investoren Potenziale aber auch Grenzen ihrer Impact-Aktivitäten darlegen. Angetrieben durch die Regulierung ist derzeit ein Trend zur Aggregation und Simplifizierung heterogener Daten erkennbar. Es wird dann häufig nicht mehr unterschieden, welche Wirkung ein Investor selbst hat, sondern das investierte Unternehmen.

Die hohe Verdichtung von Daten führt dazu, dass ihre Aussagekraft stark abnimmt bzw. Raum für Interpretationen lässt. Was möchte der Anbieter eines Aktienfonds sagen, wenn er angibt, mehr als 50 Prozent seines Portfolios trüge zu den SDGs bei? Wer ehrlich und transparent über seine Wirkung berichten will, darf sich Stand heute nicht zu sehr an der gängigen Marktpraxis oder gesetzlichen Vorgaben orientieren und muss Anleger*innen auch komplexe Wahrheiten zumuten.

Fazit

Das Gesamtportfolio nach bestimmten Impactzielen zu steuern ist in der Praxis sehr komplex und voller technischer Herausforderungen. Investoren haben die Wahl: Sie können „einfache Impact-Wahrheiten“ suchen, wie sie z.T. durch regulatorische Entwicklungen begünstigt werden. Oder sie können nach tatsächlichem Impact streben und über die damit verbundenen zahlreichen Hürden berichten. Der erste Weg mag auf den ersten Blick verführerischer sein. Doch wer seine Rolle als nachhaltiger Investor ernst meint, sollte diese Sisyphosarbeit nicht scheuen. Es bleibt zu hoffen, dass Anleger*innen sowie der Gesetzgeber diese Mühen eines Tages auch belohnen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation der GLS Investment Management GmbH. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war. LinkedIn

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig. Die bisher aufgelegten Investmentfonds investieren aktuell rund 1,1 Mrd. Euro in Unternehmen und Länder, die eine positive gesellschaftliche Wirkung entfalten und nachhaltige Entwicklung fördern (Stand: 05.08.2021).
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Impact Investing – wie die Offenlegungsverordnung zur Verwirrung führt

von Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation, GLS Investment Management.

Impact Investing ist in Mode. Viele Fondsanbieter machen Werbeversprechen, mit ihren Angeboten zu einer nachhaltigen Welt im Sinne der Sustainable Development Goals (SDG) beizutragen. Seit März gelten neue Spielregeln, denn der Gesetzgeber hat mit der Offenlegungsverordnung neue Transparenzvorschriften erlassen. Er will Klarheit schaffen, welche Fonds nicht nachhaltig, ein wenig nachhaltig und sehr nachhaltig sind oder gar eine positive soziale oder ökologische Wirkung erzielen. Wenn ein Investor künftig behauptet, er erziele Impact, dann sollte er seinen Fonds in Artikel 9 der Offenlegungsverordnung einklassifizieren und die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Bei solchen Fonds heißt es, sie verfolgten ein nachhaltiges Ziel (siehe Definition unten).

Auf den ersten Blick klingt es nach einer richtigen Idee. Doch leider schafft der Gesetzgeber in der technischen Ausgestaltung mehr Verwirrung als Klarheit. Der Begriff Impact Investing verwässert. Eine Analyse:

Die ursprüngliche Idee des Impact Investing

Das Global Impact Investing Network, der wichtigste Verband im Bereich Impact Investment hat eine klare Haltung, was Impact Investing ausmacht. So sei für diese Art von Investments die Absicht entscheidend, eine messbare, positive soziale und ökologische Wirkung neben der finanziellen Rendite zu erzielen. Die Investitionen sollen dazu beitragen, die drängendsten Probleme auf der Welt zu lösen, von nachhaltiger Landwirtschaft, erneuerbarer Energien, oder Mikrofinanz bis hin zu erschwinglichen und zugänglichen Basisdienstleistungen wie Wohnen, Gesundheit oder Bildung. Dafür haben Impact Investoren als geeignete Investmentobjekte viele Jahre lang vor allem Alternative Investment Fonds (AIF) angesehen. Denn hier wird das Anlagegeld dem Unternehmen oder Projekt in Form von privatem Eigenkapital, Darlehen oder Mezzanine-Kapital direkt zur Verfügung gestellt. In den Portfolios der AIFs befinden sich häufig kleinere Unternehmen und Projekte. Aufgrund des hohen Risikos und der häufig geringen Handelbarkeit richten sich diese Anlagen an professionelle Anleger. Impact Investment geht somit über Sustainable Investment-Ansätze, wie in der Grafik dargestellt, hinaus.


Quelle: Bridge Venture, Spectrum of Capital

Diese Definition ist am Markt im weiten Maße anerkannt, wenngleich es einige Diskussionen gibt, wie streng Intentionalität und Messbarkeit auszulegen sind, um als klassisches Impact Investment gelten zu müssen.

Der Ansatz des Gesetzgebers

Mit Inkrafttreten der Offenlegungsverordnung am 10. März 2021 beginnt eine neue Zeitrechnung, was als nachhaltige Investition angesehen wird bzw. nicht. Im Text wird zwischen drei Nachhaltigkeitsklassen unterschieden (Artikel 6, 8 und 9). Eine nachhaltige Investition ist demnach:

(…) eine Investition in eine wirtschaftliche Tätigkeit, die zur Erreichung eines Umweltziels beiträgt, gemessen beispielsweise an Schlüsselindikatoren für Ressourceneffizienz bei der Nutzung von Energie, erneuerbarer Energie, Rohstoffen, Wasser und Boden, für die Abfallerzeugung, und Treibhausgasemissionen oder für die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und die Kreislaufwirtschaft, oder eine Investition in eine wirtschaftliche Tätigkeit, die zur Erreichung eines sozialen Ziels beiträgt, insbesondere eine Investition, die zur Bekämpfung von Ungleichheiten beiträgt oder den sozialen Zusammenhalt, die soziale Integration und die Arbeitsbeziehungen fördert oder eine Investition in Humankapital oder zugunsten wirtschaftlich oder sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen, vorausgesetzt, dass diese Investitionen keines dieser Ziele erheblich beeinträchtigen und die Unternehmen, in die investiert wird, Verfahrensweisen einer guten Unternehmensführung anwenden, insbesondere bei soliden Managementstrukturen, den Beziehungen zu den Arbeitnehmern, der Vergütung von Mitarbeitern sowie der Einhaltung der Steuervorschriften; (Artikel 2 (17) Offenlegungsverordnung)

Investor Impact versus Enterprise Impact

Wer nun diese nachhaltige Investition anstrebt, gilt als sehr nachhaltig. Das klingt zunächst einleuchtend. Problematisch ist, dass die Offenlegungsverordnung für Investmentfonds nicht unterscheidet, wer eine positive Wirkung erzielen soll: Ist es der Investor wie bei der Definition des Global Impact Investing Network? Oder ist es das Unternehmen, in das investiert wird? Zweites ist der Ansatz vieler Wertpapierfonds, welche eine Wirkung auf die SDGs erzielen wollen, dabei aber nur messen, inwieweit das investierte Unternehmen mit seinen Geschäftsaktivitäten darauf einzahlt. In der Wissenschaft hat sich mittlerweile eine Unterscheidung zwischen der Wirkung des Investors (Investor Impact) und der Wirkung der investierten Unternehmen (Enterprise Impact) entwickelt.

Grob lassen sich folgende Unterscheidungsmerkmale treffen:

Impact-Ansätze im Auswahlprozess von Investmentfonds

Name

Investor Impact

Enterprise Impact

Art

Direkte Bereitstellung von Kapital an wirkungsstarke Unternehmen

Identifizierung von Unternehmen mit Impact-Geschäftsfeldern

Wirkungsform

Direkt

Indirekt

Messgröße

Vorab festgelegte Wirkindikatoren (u.a. Schaffung lokaler Arbeitsplätze, Rückgang Virenerkrankungen)

Finanzindikatoren (i.d.R. Umsatz)

Unternehmenstypen

Kleine, lokale Unternehmen

Börsennotierte Unternehmen, darunter globale Konzerne

Rechtliche Fondsstruktur

Alternativer Investmentfonds 

Offener Wertpapierfonds (OGAW)

Zugang für Privatanleger

Begrenzt (Ausnahme: Mikrofinanz)

Gegeben

Handelbarkeit

Begrenzt 

Gegeben

Quelle: eigene Zusammenstellung

Der Enterprise-Impact-Ansatz wird mittlerweile immer kritischer hinterfragt. Denn de facto wird bei diesen Fonds in der Regel die Aktie bzw. Anleihe von einem anderen Investor über die Börse erworben. Das Kapital fließt also nicht direkt ins Unternehmen. Ein direkter Wirkzusammenhang lässt sich nicht zeigen. Auf dieser Ansicht gründet auch die Klage der Verbraucherzentrale zu so genannten Impactrechnern am Markt.

Folgen der Verwirrung

Die derzeit fehlende Präzisierung in der Offenlegungsverordnung birgt verschiedene Herausforderungen, u.a.:

  • Gefahr des Greenwashing: Die Unterscheidung zwischen Investor und Enterprise Impact dürfte v.a. Privatanleger*innen nicht geläufig sein. Generell gilt die Finanzbildung in Deutschland als schwach. Eine weitere Detaillierung im Bereich Nachhaltigkeit dürfte wohl für noch mehr Unverständnis führen. Anleger*innen könnten so in die Irre geführt werden, dass sie mit dem Kauf von Anteilen an Wertpapierfonds tatsächlich CO2-Emissionen einsparen. Diese unmittelbare Wirkung ist wissenschaftlich nicht fundiert, indirekt Wirkketten sind in der Branche umstritten.
  • Nachhaltigste Unternehmen unerkannt: Zur Transformation der Wirtschaft braucht es junge Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen. Sie suchen händeringend nach Investorenkapital, haben aber häufig nicht die Kapazitäten für ein umfangreiches Nachhaltigkeits-Reporting. Damit ist aus Sicht des Fondsanbieters häufig nicht klar, inwieweit sie die gesetzlichen Anforderungen an eine Artikel 9-Klassifizierung erfüllen. Folge: in sie wird nicht investiert. Stattdessen wird in große nationale Unternehmen investiert, die umfassend über ihre Nachhaltigkeitsanstrengungen Bericht erstatten.
  • Verwässerung von Branchenstandards: Ebenso wenden sich Finanzakteure von einstigen Branchenstandards ab (wie eben jenem vom GIIN) und definieren anhand gesetzlicher Vorgaben ihren eigenen Impact-Standard. Einstige Branchenstandards verlieren somit an Relevanz.

Fazit und Verbesserungsvorschläge

Die bisherige Ausgestaltung zu nachhaltigen Investitionen in der Offenlegungsverordnung bietet Raum für Interpretation. Der Gesetzgeber sollte sich überlegen, nachzuschärfen. Glücklicherweise findet am Markt eine lebhafte Diskussion über die Wirkung von Investmentfonds statt. Wissenschaftler beziehen Position, welche Arten von Wirkung es bei den einzelnen Fondsklassen gibt. Drei Studien und Gutachten bieten gute Orientierungspunkte und eine gute Starthilfe für den Gesetzgeber. Der wissenschaftliche Artikel „Impact Investing – a call for (re)orientation“ differenziert die Impact-Potenziale von Investoren und Unternehmen. Das Gutachten von Prof. Dr. Klein im Auftrag der Verbraucherzentralen nimmt aus Verbrauchersicht Stellung dazu. Einen sehr guten Überblick über verschieden Impact-Ansätze bietet auch der Investor's Guide for Impact von Florian Heeb und Julian Kölbel. Es wäre eine Überlegung wert, bei der Umsetzung von technischen Regulierungsstandards die Kernpunkte dieser Werke mit einfließen zu lassen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation der GLS Investment Management GmbH. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war. LinkedIn

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig.
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Die neue GLS Investments: Den Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft gestalten

Mit der Gründung der GLS Investment Management GmbH (kurz: GLS Investments) schlägt die GLS Bank ein neues Kapitel im nachhaltigen Fondsgeschäft auf. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, zukunftsweisende Unternehmen und Projekte zu begleiten, die den Wandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung gestalten. Als sozial-ökologische Qualitätsführerin will sie Vorbild sein und Orientierung bieten für weitere Marktakteure.

Über Ziele, neue Angebote und künftige Wirkungsfelder spricht altii mit den beiden Geschäftsführern der GLS Investments, Karsten Kührlings und Marvin Mechelse.

Welche Ziele verfolgt die neue GLS Investments?

Karsten Kührlings: Unsere Mission entspricht dem Anliegen der GLS Bank. Wir entwickeln attraktive Angebote für die Anleger*innen auf Basis unserer strengen Kriterien. Glaubwürdigkeit und Qualität stehen dabei absolut im Vordergrund. Bisher haben wir vier Fonds, das Angebot soll weiter ausgebaut werden. Auf der anderen Seite wollen wir Geld genau dort investieren, wo das Geld tatsächlich gebraucht wird. Das ist zumeist nicht dort, wo sich unsere Mainstream Wettbewerber bewegen.

So gibt es viele, meist kleinere Akteure, die zum weiteren Aufbau ihrer Geschäftsaktivitäten Kapital benötigen und in keinen Benchmarks vertreten sind. Wir wissen zudem, dass im globalen Süden der Bedarf groß ist und können uns dank der Erfahrungen mit unserem Mikrofinanzfonds vorstellen, hier weitere Fondsangebote zu entwickeln.

Welchen Vorteil hat die Ausgliederung der bisherigen Abteilung?

Karsten Kührlings: Als bisherige Abteilung in der Bank waren wir in deren Strukturen, Prozesse und IT-Infrastruktur eingebunden. Diese sind nun aber auf das eigentliche Bankgeschäft ausgelegt und optimiert. Die Anforderungen im Investmentmanagement sind in Teilen andere und spezifischere im Vergleich zum Kredit- und Einlagengeschäft. Daher sind wir optimistisch mit einer auf unsere Bedürfnisse ausgelegten Struktur und Infrastruktur unserer Mission bestmöglich erfüllen zu können. Wichtig ist mir aber zu betonen, dass wir inhaltlich und kulturell weiterhin sehr eng mit der Bank und den anderen Tochtergesellschaften zusammenarbeiten werden.

Wie wird sich die GLS Investments weiterentwickeln, um diese Ziele zu erreichen?

Marvin Mechelse: Wir werden in den kommenden Jahren unser Fondsgeschäft organisatorisch fortentwickeln. Ein Kernelement dazu ist der Aufbau eines fondsspezifischen Risikomanagements, welches effiziente Impact Investments ermöglicht. Die bisherigen Strukturen der GLS, welche auf Kreditgeschäfte hierzulande ausgerichtet sind, reichen dafür leider nicht aus. Wir sind überzeugt, dass die Bewertung von Risiken ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Entwicklung dieser neuen Angebote ist.

Eine weitere Besonderheit der GLS Bank ist, dass wir zusammen mit unseren Kund*innen investieren, und zwar nennenswert. Die schätzen das, denn es bringt auch einen großen Vertrauensvorschuss mit sich, wenn wir als Bank selbst in ein Angebot investieren. Mit der GLS Investments stärken wir diesen Effekt, indem auch eine klare organisatorische Trennung des Risikomanagements zwischen Bankgeschäft und Investmentfondsgeschäft entsteht. Die neue Struktur erlaubt es, dass wir viel einfacher und häufiger in Unternehmen und Projekte aus der GLS Kundschaft mit den Fonds investieren können.

Wie arbeitet die GLS Investments?

Marvin Mechelse: In der GLS Investments bündeln wir das Management von vier eigenen bzw. Partner-Fonds, bestehend aus Angebots-Management, sozial-ökologisches Research und Fondsadvisory für die ökonomischen Analysen. Hinzu kommt das Team „Business Administration“, das sich etwa um Risikomanagement, Controlling und Compliance kümmert.

Auf welchen Märkten werdet ihr aktiv?

Karsten Kührlings: Internationale Beziehungen spielen für uns eine viel größere Rolle als für die Bank, denn auf der Anlageseite ist alles international, mit besonderem Schwerpunkt auf Länder des globalen Südens. Hier bauen wir permanent unsere Netzwerke aus. Aber auch auf Investorenseite ist es bei uns international. Unsere beiden größten Investorinnen sind aus Österreich und den Niederlanden.

Wo seht ihr die größten Chancen für die GLS Investments?

Karsten Kührlings: Wichtig für uns ist, dass wir unsere Pionierarbeit weiter vorantreiben, innovative und sinnvolle Angebote entwickeln und über eine hohe Qualität und Glaubwürdigkeit weiterhin punkten. Der Wettbewerb wird zunehmen, regulatorische Anforderungen steigen. Zugleich steigt aber auch die Verwirrung, welche Wirkung nachhaltige Anlagen haben können. Abstrakte Kennzahlen allein reichen nicht aus. Es herrscht ein riesiger Bedarf danach, glaubwürdig in wirkungsstarke sozial-ökologische Unternehmen zu investieren und verständlich darüber zu berichten. Schließlich kommt es genau darauf an: Wir wollen da wirken, wo Geld gebraucht wird, um Veränderungen anzustoßen. Das macht für uns den Unterschied und den Erfolg aus.

Wo steht die Tochter in fünf Jahren?

Marvin Mechelse: Kurz gesagt: Wir werden in fünf Jahren weiterhin sozial-ökologischer Qualitätsführer im Bereich nachhaltiger Investmentfonds sein, weitere wirkungsstarke Angebote entwickelt und dafür die Organisation entsprechend entwickelt haben.

Einige Abschnitte auf dem Weg dorthin zeichnen sich bereits deutlich ab. Wir werden zunächst unser bereits solides Fundament ausbauen und skalieren. So entstehen die Rahmenbedingungen und Ressourcen, um dann neue Angebote entwickeln zu können. Ein weiterer Wunsch ist es, tiefer in die Wertschöpfungskette zu gehen. Dies reduziert die Abhängigkeit von Dritten und öffnet weitere Wege, im Sinne unserer Mission das Geld wirklich dorthin zu bringen, wo es sinnvoll eingesetzt werden kann.

Herzlichen Dank für das Gespräch


Karsten Kührlings ist Geschäftsleiter der GLS Investments. Zuvor hat er das Fondsgeschäft der GLS Bank aufgebaut. Der gelernte Diplom-Kaufmann (FH) ist seit 2013 bei der GLS Bank tätig. Zuvor hat er bei der Sparkasse Mülheim das Wertpapiergeschäft geleitet. Er sitzt in mehreren Gremien (Anlageausschüssen) und ist Vorsitzender des Verwaltungsrates des GLS AI – Mikrofinanzfonds. Herrn Kührlings finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Marvin Mechelse ist Geschäftsleiter der GLS Investments. Zwischen 2010 und 2018 verantwortete er mehrere Leitungsfunktionen in der GLS Bank. Bei der Strategie- und Managementberatung zeb erweiterte der BWL-Bank Bachelor zwischen 2019 bis 2020 seine Kenntnisse im agilen Projekt- und Prozessmanagement und brachte sein Wissen in Studien zur Nachhaltigkeit in der Finanzdienstleitungsbranche ein. Herrn Mechelse finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig.
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Technical Assistance – hoher Impact, wenig bekannt

von Lea Mohnen und Stefan Fritz, beide Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Es wird viel dieser Tage über Impact gesprochen. Zuletzt stand der Impact von so genannten Blended Finance-Strukturen im Mittelpunkt. Diese strukturierten Fondsvehikel sind in der internationalen Entwicklungsfinanzierung bewährt. Sie wollen Impact dadurch erzielen, dass sie Kapital Unternehmen und Projekten in Ländern des globalen Südens direkt zur Verfügung stellen. Zur Steigerung des Impacts nutzen solche Fonds oder auch weitere Mikrofinanzfonds ein ergänzendes Instrument: Die Technical Assistance. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, was es mit dem Thema auf sich hat und wie der GLS AI-Mikrofinanzfonds dieses Instrument gezielt einsetzt.

Es ist den Fondspartnern des GLS AI – Mikrofinanzfonds ein besonderes Anliegen, die Mikrofinanzinstitute nicht nur finanziell sondern auch durch Weiterbildungsmöglichkeiten zu unterstützen. So können sie Instrumente und Fähigkeiten erwerben, die sie in ihrer täglichen Arbeit in den Mikrofinanzinstituten effektiv umsetzen und die Finanzdienstleistungen für ihre Kund*innen verbessern können. Dazu bieten die Fondspartner Angebote wie Schulungen, Weiterbildungsmaßnahmen und Austauschplattformen an. Die Mitarbeitenden können gemäß ihren individuellen Bedürfnissen aus dem Weiterbildungsangebot des Partnerinstituts auswählen. Das Themenspektrum erstreckt sich von Risikomanagement, Mikro- und KMU-Finanzierung, Mikroversicherung und Zugang zu Finanzdienstleistungen über Klima- und Energiefinanzierung bis hin zu Angeboten zur Digitalisierung. Diese Maßnahmen sind unter dem Begriff Technical Assistance zusammengefasst.

Diese Förderprogramme bieten die Fondspartner seit 2018 an. Mitarbeitende der investierten Institute nehmen dazu an E-Learning-Kursen teil und verfassen im Anschluss Berichte und Essays über ein spezifisches Mikrofinanzthema. Auch die Fondspartner können so durch die Berichte und Essays ihr Wissen zu Themen, die die Institute bewegen, vertiefen. Die Verfasser*innen der Berichte, die aufgrund innovativer Ideen oder guter Analysen besonders überzeugen, werden nach Deutschland eingeladen, um persönlich mit den Fondspartnern die Themen zu diskutieren. Aufgrund der Corona-Pandemie ist dies im abgelaufenen Geschäftsjahr leider nicht möglich gewesen, wird aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Unterstützung von Projekten der Kreditnehmer*innen und Menschen vor Ort

Darüber hinaus werden seit 2020 auch für Kreditnehmer*innen vor Ort Weiterbildungen angeboten. Diese sollen beispielsweise für soziale und ökologische Auswirkungen bestimmter ökonomischer Aktivitäten sensibilisieren oder die positive Wirkung von Mikrofinanzdienstleistungen auf Endkund*innenebene stärken. Dies betrifft beispielsweise soziale und ökologische Risikofelder wie den Pestizideinsatz in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft.

Dazu fördern die Fondspartner zielgerichtet Projekte mit Kooperationspartnern in den Regionen, in denen der Fonds tätig ist. Bei der Auswahl der Partner wird Wert auf Expertise vor Ort sowie Glaubwürdigkeit und Transparenz gelegt. Die Auswahl der Themenfelder sowie Projektregionen und -partner erfolgt auf Grundlage einer Bedürfnisanalyse mit enger Einbindung der finanzierten Partnerinstitute. Die definierten Positivkriterien des GLS AI — Mikrofinanzfonds stellen den thematischen Rahmen.

Pestizidmanagement in Lateinamerika

Nichts veranschaulicht dies besser als ein Beispiel:

Hintergrund: Einsatz chemischer Düngemittel im globalen Süden weit verbreitet

Die Finanzierung ökologischer Landwirtschaft und die Erhaltung der Artenvielfalt sowie unserer natürlichen Lebensgrundlage spielen für die GLS Bank seit jeher eine zentrale Rolle. In Deutschland und anderen Ländern des Globalen Nordens ist der Trend zur Biolandwirtschaft deutlich spürbar. Angebot und Nachfrage steigen stetig. In Ländern des globalen Südens stellt sich die Situation mitunter anders dar: Es gibt eine Vielzahl an chemischen Düngeprodukten, die eine schnelle Lösung versprechen. Landwirte werden teilweise dazu gedrängt, sie einzusetzen, manchmal ohne eine wirkliche Anleitung, wie sie zu verwenden sind, oder Aufklärung zu den gesundheitlichen oder ökologischen Risiken und alternativen Optionen.

Ziel des Projekts: Landwirt*innen sensibilisieren und alternativer Einsatz

Um eine nachhaltigere Landwirtschaft auch bei Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im globalen Süden zu stärken, haben sich die Fondspartner zum Ziel gesetzt, landwirtschaftliche Erzeuger*innen, Kund*innen und Mitarbeitende von Partnerinstituten in Bezug auf die Nutzung von Pestiziden zu sensibilisieren. 

Im Mittelpunkt des Projektes stehen Fragen wie: Welche Risiken bergen die Inhaltsstoffe der verwendeten Pestizide? Wie können Verpackungsabfälle umweltgerecht entsorgt werden? Gibt es Alternativen zur konventionellen Landwirtschaft und dem Pestizideinsatz? Dazu haben die Fondspartner gemeinsam mit den International Advisory Services (IAS) der Frankfurt School, einem weltweit anerkannten Anbieter für Trainingsmaßnahmen im entwicklungspolitischen Kontext, ein Training mit den Instituten und Kreditnehmer*innen konzipiert.

Projektablauf und Ergebnisse

Insbesondere 4 Partnerinstitute in 2 Ländern signalisierten den Fondspartnern einen Bedarf an Trainingsmaßnahmen zu diesem Thema. Für jedes Partnerinstitut hat IAS eine mehrtägige Schulung organisiert, in der ausgewählte lokale Expert*innen die Teilnehmer*innen zu theoretischen und praktischen Grundlagen schulten. Bei der theoretischen Schulung achtete IAS auch auf eine visuelle Gestaltung der Inhalte, um die Workshops einer breiten Kund*innengruppe zugänglich machen zu können. Im Praxisteil wurde eine Farm oder eine landwirtschaftliche Fläche besucht und die im theoretischen Workshop vorgestellten alternativen Methoden in der Praxis gezeigt. Um einen Multiplikator*inneneffekt erzielen zu können, wurden neben Kleinbauern und Kleinbäuerinnen auch lokale Kreditberater*innnen der MFI geschult. Diese können so das erlernte Wissen künftig auch an neue Kund*innen weitergeben.

Insgesamt nahmen 143 Kleinbauern und Kleinbäuerinnen und 50 Kreditmanager*innen der Institute an den Schulungen teil. 

Eine Evaluierung der durchgeführten Schulungen durch die MFI zeigt eine sehr positive Resonanz seitens der Endkund*innen sowie der Mitarbeitenden. Gleichzeitig können die Fondspartner gemeinsam mit IAS durch die wertschätzende Rückmeldung der Institute die Maßnahme für eine künftig geplante erneute Umsetzung verbessern und weiterentwickeln.


Dies ist ein redaktionell leicht bearbeiteter Auszug aus dem Investitionsbericht 2020 des GLS AI – Mikrofinanzfonds.

Lea Mohnen ist im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank tätig. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der sozial-ökologischen Ausrichtung des GLS AI - Mikrofinanzfonds sowie der Einbindung von Klimazielen und Co2-Bilanzierung in das Fondsgeschäft. Zuvor absolvierte sie einen M.Sc. Studiengang Economics an der Universität zu Köln und war studienbegleitend in der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit, unter anderem bei der KfW Entwicklungsbank, tätig.

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Fondsgeschäft der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von knapp 1 Mrd. Euro. an (Stand 25.03.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
Newsletter-Anmeldung GLS Fonds

Impact-Fonds mit Blended Finance – vielversprechende Idee, wenn richtig ausgestaltet

von Berenice Brügel und Stefan Fritz, beide Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Der Sustainable Finance Beirat empfiehlt in seinem Abschlussbericht „Shifting the Trillions“ verschiedene Maßnahmen, um Impact Investments zu fördern. Vor zwei Wochen haben wir die Empfehlung 21 (Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen für Impact-Fonds) näher beleuchtet. Ebenso interessant ist die Empfehlung 20. So schlägt der Beirat die Auflage von Impact-Fonds vor, welche öffentliches und privates Investorenkapital bündeln, um das Wachstum des unverändert kleinen Marktes für Impact Investments zu stimulieren. Dies kann durch Mischfinanzierungsstrukturen, sogenannte Blended Finance-Strukturen, ermöglicht werden. Bisher sei der Markt an Blended Finance-Fonds wenigen professionellen und semiprofessionellen Investoren vorbehalten. Fast alle u. a. von der Bundesregierung finanzierten Blended-Finance-Fonds, die gemäß den OECD-Vorschlägen strukturiert sind, wurden zudem in Luxemburg aufgelegt, so der Befund des Beirats. Wesentliche Hürden seien hierzulande rechtliche Anlagegrenzen, die aktuelle Besteuerung sowie mangelnde Kenntnisse, wie die Anlage in Impact Investments umgesetzt werden kann. 

Internationale Entwicklungshilfefonds als Vorbild

Die Idee, privates Kapital für risikoreiche Unternehmen und Projekte zu mobilisieren, ist nicht neu. In der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sind solche Fonds bereits seit einigen Jahren am Markt etabliert. Öffentliche Investoren wie u.a. die KfW spielen dabei eine tragende Rolle. Zwei in Luxemburg aufgelegte Fonds seien hier beispielhaft vorgestellt: 

  • Der SANAD-Fonds (arabisch für „Unterstützung“) investiert im arabischsprachigen Markt. Der Fonds stellt privates Eigen- und Fremdkapital Partnerinstitutionen im Mittleren Osten sowie Nord- und Subsahara-Afrika zur Verfügung, mit dem im MKMU-Sektor (Mikro-, kleinere- und mittlere Unternehmen) Wachstum und Arbeitsplätze gefördert werden soll. 
  • Der European Fund for Southeast Europe (EFSE) verfolgt das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand in Südosteuropa zu fördern. Der Fonds vergibt dazu Darlehen an kleine Geschäftsbanken bzw. Mikrofinanzinstitute. 

In der Praxis funktionieren die Fonds so, dass sie in mehrere Eigen- und Fremdkapitaltranchen aufgeteilt sind (siehe Schaubild). Staatliche Instanzen gehen als Eigenkapitalgeber des Fonds in das höchste Risiko: Die öffentliche Hand investiert in „Junior Shares“, welche das höchste Risiko („First Loss Tranche“) tragen, danach folgen als „Senior Shares“-Investoren meist öffentliche Finanzinstitutionen. Dagegen investieren private Investor*innen in Schuldverschreibungen (sogenannte „Notes“). Diese Schuldverschreibungen sind erst ausfallgefährdet, wenn das Eigenkapital des Fonds aufgebraucht ist. Sie haben demzufolge eine hohe Bonität. 

Funktionsmechanismus EFSE


https://www.efse.lu/information-for-investors*

Übertragung der Fondsstruktur auf Deutschland vielversprechend

Auch hierzulande könnten private Investoren mittels solcher Fondsvehikel in innovative, junge Unternehmen und Projekte investieren, die zukunftsweisende sozial-ökologische Lösungen anbieten. Vor allem im Sozial- oder Bildungssektor, aber auch im Bereich Infrastruktur gibt es interessante Ideen und Projekte, die auf Kapital angewiesen sind. Diese Vehikel böten Chancen sowohl für die öffentliche Hand als auch private Anleger*innen: 

  • Die öffentliche Hand hätte damit einen Hebel, um mit (häufig bereits eingeplanten) Mitteln zusätzliches Kapital von privaten Anleger*innen für unterfinanzierte soziale und ökologische Programme zu mobilisieren. 
  • Private Investoren hätten somit die Möglichkeit, Investitionen mit einem attraktiven Risiko-Rendite-Impact-Profil zu tätigen. Dies wäre insbesondere für Impact Investoren interessant, bspw. Stiftungen, die in ihrer Satzung im Rahmen ihres Mission Investings klare soziale und ökologische Ziele formuliert haben. Bisher können diese Investoren aufgrund von Risikolimiten oder Anlagerichtlinien nicht in diese Unternehmen und Projekte anlegen.

Ausweitung auf Privatanleger*innen begrüßenswert

Bisherige Blended Finance-Fonds richten sich an professionelle Anleger*innen. Auch die Empfehlung des Beirats zielt darauf ab, diese Fonds in Deutschland als Spezial-AIF aufzulegen. Sicherlich wäre dies regulatorisch am schnellsten umsetzbar. Allerdings wären solche Fonds unverändert nicht für Privatanleger*innen zugänglich. Es wäre wünschenswert, wenn der Gesetzgeber eine größere Änderung anstößt und Blended Finance-Strukturen auch für Privatanleger*innen regulatorisch öffnet. Ähnlich wie bei der Empfehlung zur Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen hätten Privatanleger*innen damit die Möglichkeit, in wirkungsstarke Fonds zu investieren. Warum sollte dies nur professionellen Investoren vorbehalten sein? 

Dies wäre umso wünschenswerter, da die Auswahl an sozial-ökologisch wirkungsstarken Anlagen für Privatanleger*innen begrenzt ist. Häufig sind diese in Form von Genussscheinen oder kleineren Anleihen am sogenannten grauen Kapitalmarkt zu finden. Solche Investments bergen aber ein nicht zu unterschätzendes Risiko, wie der Ausfall vieler dieser Angebote in den vergangenen Jahren gezeigt hat.

Definition marktgängiger Impact-Standards sinnvoll

Grundsätzlich folgt diese Empfehlung des Beirats also bewährten Vorbildern und dürfte aus Investorensicht auch ökonomisch vielversprechend sein. Ebenso wichtig ist aber, dass mit den Fondsinvestitionen ein messbarer sozial-ökologischer Zusatznutzen („Additionalität“) neben der ökonomischen Rendite beabsichtigt und erzielt wird. Darüber sollten Anleger*innen transparent informiert werden.

Es reicht dazu nicht aus, sich ausschließlich an den gesetzlichen Voraussetzungen in Artikel 8 und 9 der Offenlegungsverordnung zu orientieren, wie das Beispiel Mikrofinanz dokumentiert. Vielmehr sollten die Fonds weitergehende Impact-Standards berücksichtigen. Der Beirat formuliert in seinem Bericht dazu in Empfehlung 28 (Transformations- und Impactfonds) Vorschläge: Diese Fonds sollten spezifische Elemente im Anlagekonzept enthalten, um dem Fondsnamen gerecht zu werden.

Die in der Empfehlung 28 vorgeschlagenen Merkmale bilden eine gute Grundlage für Impact Fonds mit Blended Finance-Strukturen. Sie sollten aber auf Standards angepasst werden, welche am Markt z.T. bereits angewendet werden:

  • Detaillierte Angaben zur Mittelverwendung (Impact-Rahmenwerk): Impact-Fondsmanager*innen sollten genau erläutern, in welcher Höhe sie Fondsgelder in welche soziale und ökologische Geschäftsfelder lenken wollen. Dies sollte eher ein konkreteres Zielbild sein als die bloße Angabe, die Fondsziele seien in Übereinstimmung mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens oder den Sustainable Development Goals. Denn leider wurde die eigentliche Bedeutung dieser Rahmenwerke mittlerweile am Fondsmarkt schon vielfach ausgehöhlt. Zur konkreten Bewertung ökologischer Projekte und Unternehmen gibt es am Markt bereits umfangreiche Klassifizierungssysteme. Für soziale Projekte und Unternehmen wären bisherige Ansätze weiterzuentwickeln. Der Wunsch des Beirats, Nachhaltigkeitsrisiken, Transformationsgrade und die Wirkung der Unternehmen und Projekte zu messen, erscheint in der derzeitigen Debatte ambitioniert. Hier wäre eine breite wissenschaftliche Diskussion mit den relevanten Marktteilnehmer*innen begrüßenswert.
  • Ambitionierte Ausschlusskriterien: Impact-Fonds-Manager*innen sollen auch darlegen, in welche Unternehmen und Projekte nicht investiert wird (kontroverse Branchen, kontroverse Geschäftspraktiken). Die Mindestgarantien der EU-Taxonomie, wie in Empfehlung 28 genannt, sind dabei ebenso wenig ausreichend wie bisherige Überlegungen zum Zielmarktkonzept im Rahmen der Mifid II-Ergänzung um Nachhaltigkeitspräferenzen.
  • Impact-Reporting mit sinnvollen Ergebniskennzahlen: Wichtig wäre es, dass alle Anleger*innen nachvollziehen können, wie ihr Geld wirkt. Abhängig vom unternehmerischen Zweck der Unternehmen sollten sinnvolle Kennzahlen kommuniziert werden. Der Anspruch des Beirats, transparent über das Nachhaltigkeitsprofil des Anlageportfolios auf Basis aussagekräftiger und zukunftsgerichteter Schlüsselindikatoren zu berichten, ist lobenswert. Mit schlichtem Storytelling lässt sich dies nicht erreichen. Entscheidend sind wenige Impact-Kennzahlen, die einfach für kleine und mittlere Unternehmen zu erheben sein müssen. Bei Klimainvestments gibt es bereits viele Indikatoren, bei sozialen Investments müsste z.T. noch Pionierarbeit geleistet werden. Es könnte aber bereits auf sehr gute Vorarbeiten wie dem Vorschlag des Südwind-Instituts zur sozialen Taxonomie aufgesetzt werden. Ebenfalls lohnt sich für genderspezifische Indikatoren ein Blick auf Kennzahlen aus dem Gender Lens Investing-Bereich. Es sollte überdies eine kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Darstellungspraktiken stattfinden. Mit der Darstellung eines CO2-Fußabdrucks oder SDG-Mappings allein lassen sich Transformationsgrade schwerlich messen.
  • Externe Verifizierung: Der Sustainable Finance Beirat empfiehlt eine Ex-Post-Überprüfung und jährliche Berichterstattung, inwieweit die Anlagen zu den Transformations- und Impact-Zielen beigetragen haben. Die Darstellung, inwiefern ein Blended-Finance-Fonds einen positiven Beitrag zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen leistet, muss eine Überprüfung durch eine unabhängige Stelle standhalten können. Dies ist ein sinnvoller Schritt, um die Glaubwürdigkeit der Fonds zu steigern. Ergänzend wäre bei Fondsauflage eine externe Verifizierung des Impact-Rahmenwerks wünschenswert. Insgesamt ist hier allerdings ein maßvolles Vorgehen ratsam, welches die Wirkung des Fonds verifiziert, ohne die Kapazitäten der finanzierten Unternehmen und Projekte zu überfordern.

Darüber hinaus sollte ein unabhängiges Komitee aus Nachhaltigkeitsexpert*innen die Unternehmen und Projekte aus sozial-ökologischer Sicht kritisch prüfen und einer Investition zustimmen. Diese Expert*innen könnten sowohl aus dem privaten als auch öffentlichen Sektor kommen, um auf diesem Weg – als positiver Nebeneffekt – auch das Verständnis für diese Anlageformen wechselseitig zu stärken. Ebenfalls überlegenswert wäre – wie bei Green Bonds üblich – Mechanismen zu installieren, die sicherstellen, dass die vergebenen Kredite nicht für anderweitige Zwecke als im Impact-Rahmenwerk beabsichtigt, genutzt werden.

Fazit: Vielversprechende Idee, breite Diskussion zur Ausgestaltung der Fonds notwendig

Impact-Fonds mit Blended Finance-Strukturen haben ein hohes Potenzial, traditionelles Impact Investing zu fördern. Auf diese Weise können öffentliche Mittel mit privatem Anlagekapital wirkungsvoll gehebelt werden. Wünschenswert ist dabei die Schaffung von Blended Finance-Fondsvehikeln, die mittelfristig auch für Privatanleger*innen zugänglich sind. Der Fokus des Beirats auf professionelle Anleger*innen ist im ersten Schritt nachvollziehbar, sollte aber erweitert werden.

Auf der sozial-ökologischen Ebene ist es erforderlich, ein öffentlich transparentes Auswahlverfahren zu installieren, um das Anlegervertrauen nachhaltig zu stärken. Eine Orientierung an der Produktklassifikation der Offenlegungsverordnung reicht nicht aus, es bedarf wirksamerer Instrumente. In Empfehlung 28 stellt der Sustainable Finance Beirat begrüßenswerte Ansätze vor. Sie stellen eine gute Basis dar.

Richtig umgesetzt könnte dieser unverändert kleine Markt über diese Fondsvehikel dynamisch an Größe gewinnen. Im besten Falle wird das Geld (endlich) dorthin gelenkt, wo es wirklich gebraucht wird.


* Keine Anlageempfehlung! Informationen zu diesen strukturierten Entwicklungshilfefonds sind derzeit ausschließlich professionellen und semiprofessionellen Anleger*innen vorbehalten!

Hinweis: Dieser Artikel unterscheidet zwischen 1) öffentlichen Anlegern und privaten Anlegern sowie 2) Privatanlegern und (semi)professionellen Anlegern gemäß § 1 KAGB

Berenice Brügel ist im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank tätig. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Prüfung von Unternehmen und Finanzinstituten. Zuvor absolvierte sie einen internationalen Masterstudiengang an der Universität Hamburg im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement. Studienbegleitend war sie für das französische Researchunternehmen Novethic tätig und forschte zur Entwicklung des nachhaltigen Investmentmarkts.

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Fondsgeschäft der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 900 Mio. Euro an (Stand 25.03.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de
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Sustainable Finance Beirat fordert Regulierungsrahmen für Impact Fonds – sinnvoller Ansatz, der viele Chancen bietet

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Am 25. Februar 2021 hat der Sustainable Finance Beirat seinen Abschlussbericht „Shifting the Trillions“ unter großer medialer Aufmerksamkeit veröffentlicht. Das Expertengremium formuliert darin 31 Empfehlungen an die Bundesregierung, wie ein nachhaltiges Finanzsystem zur großen Transformation beitragen kann. Neben der Forderung nach einem verlässlichen Politikrahmen (Kapitel 2), zukunftsgerichteter und integrierter Berichterstattung (Kapitel 3), systematischem Wissensaufbau (Kapitel 4) und institutioneller Verstetigung (Kapitel 6) haben die Ausführungen zu „Nachhaltigkeitswirksamen Finanzprodukten“ im Kapitel 5 eine besondere Relevanz für den Kapitalmarkt und Fondsanbieter.

Der Beirat fordert in den Empfehlungen 20 und 21 zu Blended Finance und Impact-Produkten die Ausgestaltung spezifischer rechtlicher Rahmenbedingungen, um die Auflage und Investition in Impact-Produkte zu erleichtern. Denn gerade Impact-Finanzprodukte würden einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeits- und Klimaziele leisten. Bislang, so die zutreffende Diagnose, scheitere der zügige Ausbau eines nachhaltigkeitswirksamen Produktangebots an regulatorischen und praktischen Hürden (Zu einer wesentlichen regulatorischen Hürde von Wertpapierfonds siehe den Artikel „Der Impact von Publikumsfonds“). Diese Hürden müssten abgebaut werden, um so den Akteuren an den Finanzmärkten die Ausweitung ihres nachhaltigen Produktangebots und die Bedienung der steigenden Nachfrage zu erleichtern.

Mikrofinanzparagraph als Regulierungsvorbild für Impact-Fonds

Erfreulicherweise bleibt der Beirat nicht bei dieser abstrakten Empfehlung stehen, sondern zeigt einen vielversprechenden Weg auf. So könnte als Vorbild für die Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen der sogenannte „Mikrofinanzparagraph“ (Paragraph 222) im Kapitalanlagegesetzbuch dienen. Dieser sollte um die Möglichkeit der Anlage in Impact-Produkte (Erneuerbare Energien, Sozialimmobilien und nachhaltige Infrastruktur, etc.) erweitert werden. Entsprechende Regelungen bei inländischen alternativen Publikumsinvestmentfonds sollten für Impact-Produkte geschaffen werden.

In der Tat liegt hier ein wirkungsvoller Hebel für wirkliche Impact Investments verborgen. Denn das Besondere an diesem Mikrofinanzparagraphen ist, dass Fondsanbieter bis zu 95 Prozent ihres Portfolios in unverbriefte Darlehensforderungen zur Refinanzierung von Mikrofinanzinstituten anlegen dürfen. Dieser hohe Anteil an unverbrieften Darlehensforderungen in einem Publikumsfonds ist bislang eine Ausnahme. Gewöhnlich sind hier deutlich strengere Grenzen von maximal 30 Prozent gesetzt, wie Paragraph 221 KAGB definiert.

Umformulierung des Paragraphen auf Impact-Unternehmen leicht umsetzbar

Drei Voraussetzungen müssen für eine Investition in Mikrofinanzinstitute gegeben sein. Zum einen müssen formelle Anforderungen wie die Zulassung durch Aufsichtsbehörden, Prüfung durch Wirtschaftsprüfer, etc. erfüllt sein. Zweitens muss das Institut in seiner Haupttätigkeit Gelddarlehen an Klein- und Kleinstunternehmer für deren unternehmerische Zwecke vergeben. Und drittens dürfen 60 Prozent der Darlehensvergaben an einen einzelnen Darlehensnehmer den Betrag von insgesamt 10 000 Euro nicht überschreiten.

Diese Anforderungen sollten leicht auf kleine und mittlere Unternehmen zu übertragen sein: Statt sich an der Zulassung durch nationale Aufsichtsbehörden zu orientieren, sind für diese Unternehmen übliche unternehmensrechtliche Anforderungen (Eintragung Handelsregister, geprüfte Jahresabschlüsse, etc.) zu definieren, wie sie in der mittelständischen Kreditvergabe gängige Praxis sind. Die Höhe der Darlehensvergabe müsste – statt an Klein- und Kleinstunternehmer – an den gängigen Finanzierungsbedarf von kleinen und mittleren Unternehmen sowie Start-Ups ausgerichtet werden. Dabei muss es darum gehen, dass Unternehmen mit dem Kapital der Investoren neue Projekte und Aktivitäten finanzieren (und nicht refinanzieren).

Sinnvolle Weiterentwicklung bisheriger Marktansätze

Die Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen um Impact-Produkte hätte viele positive Effekte:

  • Sinnvolle Lenkung von Investorengeldern: Die Empfehlung bietet eine Lösung für einem häufig zu beobachtenden Missstand: Viele nachhaltige Anlageangebote orientieren sich an gängigen Marktindizes. Das Kapital fließt in Aktien großer multinationaler Konzerne, die bereits mit Geld überschüttet werden. Demgegenüber suchen kleine, innovative Unternehmen mit zukunftsweisenden sozial-ökologischen Geschäftsmodellen nicht selten händeringend Investorengelder. Meist können sich diese Unternehmen aber eine Börsennotierung mit Prospekt- und anschließenden Kapitalmarktpflichten nicht leisten. Investor*innen können schwerlich in sie investieren. (Auf die Investitionslücke dieser Unternehmen verweist Florian Heeb in einem Paper.) Durch das oben beschriebene Fondsvehikel würde sich dies ändern. Geld könnte somit dorthin gelenkt werden, wo es wirklich gebraucht wird.
  • Höhere Akzeptanz von Impact-Produkten bei (Privat)-Anleger*innen: In den vergangenen Wochen ist – zu Recht! – die Diskussion um den Impact von Nachhaltigkeitsfonds verstärkt geführt worden. Aufsehen erregt hat ein Gutachten von Prof. Dr. Klein und Prof. Dr. Wilkens im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband. Auch wenn es einigen Wirbel um die Interpretation der Aussagen gegeben hat, so ist eines offensichtlich: Fondsanbieter sollten sich Aussagen zur Wirkung von Nachhaltigkeitsfonds, die nur schwer belegbar sind, sehr gut überlegen. Es drohen rechtliche Konsequenzen. Mit der Auflage dieser Impact-Fonds könnten Fondsanbieter das Kapital den Unternehmen direkt zur Verfügung stellen und somit den Impact auch dokumentieren.
  • Bewahrung etablierter Marktstandards: Die Empfehlung ist zudem mit der gängigen Definition von Impact Investing des Global Impact Investing Network vereinbar: Gemäß dieser Definition sollte Kapital direkt den Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, um neben der finanziellen auch eine soziale und/oder ökologische Rendite zu erzielen. Folgerichtig ordnet der Beirat die Impact-Produkte dem Bereich Alternativer Investmentfonds (AIF) zu – so wie es bei Impact Investments die Regel ist, da anderenfalls keine direkte Zuordnung von Wirkung durch Investments möglich ist. Es geht also darum, dass ein Fondsanbieter mit seinen Investitionen zusätzlichen sozial-ökologischen Impact schafft (und nicht bloß darum, dass er in Unternehmen investiert, die wirkungsvolle Geschäftsaktivitäten aufweisen). Ein jüngst erschienenes wissenschaftliches Paper macht die Unterschiede deutlich. Dieses Vorgehen erscheint durchdachter als jenes der EU-Kommission bei der Umsetzung der Offenlegungsverordnung 2019/2088. Diese Verordnung verfolgt grundsätzlich ein sinnvolles Ziel. Allerdings baut sie nicht auf bisherigen Marktstandards auf. Dies birgt die Gefahr, dass sie Greenwashing fördert statt zu bekämpfen – wie das Beispiel Mikrofinanz zeigt.

Fazit: Sehr guter Ansatz – auf die rasche und konkrete Ausgestaltung kommt es jetzt an

Die Expert*innen des Sustainable Finance Beirats setzen mit der Forderung nach Impact-Fonds an der richtigen Stelle an und formulieren sinnvolle Umsetzungsmöglichkeiten. Sie berücksichtigen gängige Marktstandards und identifizieren einen passenden regulatorischen Rahmen. Diese Empfehlung hat das Potenzial, den Markt für Impact Investments zu fördern und bietet die Chance, eine hohe Akzeptanz bei Anleger*innen zu erreichen. Damit ist diese Empfehlung in ihrer konkreten Ausgestaltung (derzeit) deutlich zielführender als die neue Produktklassifikation der Offenlegungsverordnung. Die Empfehlung hat das Potenzial, die Relevanz von Impact Investments am deutschsprachigen Markt deutlich zu steigern.

Ein ähnliches Potenzial hat die Auflage von Blended Finance-Fonds. Damit Anleger*innen Vertrauen in diese Fonds fassen, sind verschiedene Vorkehrungen zu treffen. Vorschläge dazu werden im kommenden Artikel vorgestellt, der in 2 Wochen erscheint.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 900 Mio. Euro an (Stand 23.02.2021).

Weiterführende Informationen:

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Die Offenlegungsverordnung – Guter Ansatz, der (noch) zu kurz greift

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Es wird dieser Tage viel über den Impact von nachhaltigen Investmentfonds gesprochen. Die Verbraucherzentrale prozessiert wegen Impact-Rechnern von Nachhaltigkeitsfonds, ein wissenschaftliches Papier fordert die Branche auf, sich bei diesem Thema neu zu orientieren. Den größten Einfluss hat aber sicherlich die Europäische Union mit der Offenlegungsverordnung 2019 / 2088 (auch Sustainable Finance Disclosure Regulation genannt). Mit dieser Verordnung will sie ESG-Reportings vereinheitlichen, verschiedene Grade der Nachhaltigkeit unterscheiden und somit Greenwashing vermeiden. Dies sollte sicherlich Impact Investments befördern, die unverändert ein Nischendasein fristen, wie das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in schöner Regelmäßigkeit in seinem Marktbericht aufzeigt:


Quelle: FNG Marktbericht 2020

Die Offenlegungsverordnung verfolgt ein sinnvolles Ziel. Es ist notwendig, die Nachhaltigkeitsqualität einzelner Finanzprodukte klar aufzuzeigen und die Transparenz dazu zu erhöhen. Doch ein näherer Blick lässt Zweifel aufkommen, ob die Umsetzung dieser Verordnung, wie sie derzeit angedacht ist, im Investmentfondsbereich tatsächlich diesem Ziel nahekommt. Dies soll in diesem Artikel am Beispiel von Mikrofinanzfonds näher erläutert werden:

Mikrofinanzfonds eine traditionelle Form des Impact Investing

Mikrofinanzfonds gilt als eine traditionelle Form des Impact Investing. Sie erfüllen die klassische Definition des Global Impact Investing Network (GIIN). Demnach soll Impact Investing eine messbare, positive soziale und ökologische Wirkung neben der finanziellen Rendite erzielen. Damit sollen Lösungen für eine nachhaltigere Zukunft finanziert werden (nachhaltige Landwirtschaft, erneuerbarer Energien, finanzielle Inklusion, etc.). Mikrofinanzfonds stellen Mikrofinanzinstituten in Schwellen- und Entwicklungsländern Kredite direkt zur Verfügung, welche diese in Form von Mikrokrediten an Endkreditnehmer*innen weiterreichen. Dazu zählen Landwirte, Kleingewerbetreibende oder Händler*innen, die häufig keinen Zugang zu formalen Finanzdienstleistungen haben. Mikrofinanzfonds fördern also die finanzielle Teilhabe dieser Menschen. Damit sie das Geld direkt zur Verfügung stellen können, sind diese Fonds als alternative Investmentfonds (AIF) strukturiert – so wie es bei Impact Investments die Regel ist, da andernfalls keine direkte Zuordnung von Wirkung durch Investments möglich ist. Diese Definition ist am Markt allgemein akzeptiert. Demgegenüber ist bei Wertpapierfonds über die Investitionen selbst selten direkte Wirkung zuordenbar. Wirkung erfolgt eher über Engagements oder selektiv die Teilnahme an Kapitalmaßnahmen. Das eingangs erwähnte Paper unterscheidet treffenderweise von Impact Generating (AIF-Fonds) und Impact-aligned Investments (OGAW bzw. Wertpapierfonds), wie auch die GLS Bank dies in einem früheren Artikel bereits skizziert hat:

Die Offenlegungsverordnung: drei neue Grade der Nachhaltigkeit

Die EU hat bei der Einführung der Offenlegungsverordnung im Fondsbereich einen allgemeineren Rahmen etabliert, ohne diese Unterscheidung zu berücksichtigen. Dieser allgemeinere Rahmen gilt für alle Finanzprodukte und sieht drei eigene Grade der Nachhaltigkeit von Finanzprodukten vor: Konventionell (Artikel 6), Bewerbung sozialer und ökologischer Merkmale (Artikel 8) und dunkelgrünes oder Impact-Produkt (Artikel 9).


Quelle: CRIC

Herausforderung 1: Keine gesetzliche Definition eines Nachhaltigkeitsziels für Mikrofinanzfonds

Um sich für Artikel 9 zu qualifizieren, muss das Finanzprodukt ein Nachhaltigkeitsziel verfolgen sowie bestimmte nachteilige Nachhaltigkeitsauswirkungen (Do not significant harm) vermeiden. Wie genau ein Nachhaltigkeitsziel für Mikrofinanzfonds aussehen soll, ist in den technischen Regulierungsstandards nicht näher definiert. Der Text der Offenlegungsverordnung lässt vermuten, dass die EU vor allem Klima- und Umweltziele im Blick hat. Wohl sollen die in der Verordnung beschriebenen Nachhaltigkeitsziele künftig die 6 Umweltziele der EU-Taxonomie adressieren. Für Finanzprodukte mit einem Klimaschwerpunkt mag dies sinnvoll sein, für Fonds mit einem sozialen Schwerpunkt – wie eben Mikrofinanzfonds – ist dies aber kaum umsetzbar. Bisher ermitteln Mikrofinanzfonds meist die Anzahl an erreichten Mikrokreditnehmer*innen, den Prozentsatz an Frauen sowie Menschen auf dem Land, die mit Krediten versorgt wurden, sowie eigene Kennzahlen (Positivkriterien, Scorings, etc.). Inwiefern dies Nachhaltigkeitsziele sind, welche gemäß Verordnung akzeptabel sind, ist derzeit unklar.

Herausforderung 2: Anwendung der „Do not significant harm“-Indikatoren auf Mikrofinanzfonds

Deutlich klarer dagegen definiert die Verordnung, welche nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen der finanzierten bzw. investierten Unternehmen zu erfassen sind. Um als Impact-Produkt gemäß Artikel 9 eingestuft zu werden, müssen Fondsanbieter ab 2022 nachweisen, dass die Unternehmen im Portfolio akzeptable Werte bei klar definierten Kennzahlen aufweisen. Diese sind:


Quelle: eigene Zusammenstellung auf Basis der 
technischen Regulierungsstandards (Level 2) 

Diese Kennzahlen adressieren vor allem große multinationale Industrie- und Energieunternehmen, nicht aber für Mikrofinanzinstitute, deren Kerngeschäft die Ausreichung von Mikrokrediten an Endkreditnehmer*innen ist und zum Teil noch die Strukturen von Nichtregierungsorganisationen aufweisen. Ein Mikrofinanzinstitut danach zu fragen, wie hoch sein Anteil an gefährlichen Abfällen ist, mag auf den ersten Blick komisch anmuten, ist aber ab kommendem Jahr für Artikel 9-Produkte verpflichtend. Dieser Umstand führt dazu, dass Anbieter von Mikrofinanzfonds sich sehr genau überlegen müssen, wie sie ihre Fonds einklassifizieren.

Rechtsrisiken bei zu ambitionierter Einklassifizierung

Was sind nun die konkreten Konsequenzen für Anbieter von Mikrofinanzfonds? Wenn sie ihre Fonds als Impact-Produkte gemäß Art. 9 einklassifizieren (was sie nach bisherigen, gängigen Marktstandards sind), dann müssen sie die Do not significant harm-Kennzahlen erheben und auch darstellen können. Können sie dies nicht, dann drohen rechtliche Konsequenzen: Vorwurf der Falschberatung, Prospekthaftung, etc. Vom Reputations- und Vertrauensverlust bei Investoren durch etwaige Herabstufung auf Artikel 8 oder gar 6 ganz zu schweigen. Dies ist ein durchaus hohes Risiko.

Ob die Regulierungsbehörden kurzfristig nachjustieren, ist derzeit ungewiss. Mit der Sustainable Finance-Initiative wird eindeutig ein Umweltfokus verfolgt. Mikrofinanzfonds sind Nischenprodukte. Eine Lösung wäre die Schaffung einer sozialen Taxonomie. Doch ob sie überhaupt kommt, darüber wird derzeit noch gerungen. Und falls ja, vergehen Jahre.

Ein weiterer gangbarer Schritt wäre, sich mit weiteren Anbietern von Mikrofinanzfonds zu verständigen und gemeinsam darauf hinzuwirken, dass Mikrofinanzfonds eine klassische Form des Impact Investing sind, welche auch gegenüber Investoren gesetzlich als Impact-Produkt gelten darf. Bereits in der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass gemeinschaftliches Handeln unter Mikrofinanzfonds zum Wohle der finanziellen Teilhabe der Endkreditnehmer*innen möglich ist. 

Fazit: Guter Ansatz, aber Nachbesserungen wünschenswert

Die Offenlegungsverordnung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings zeigt ihre bisherige Ausgestaltung, dass bewährte Marktstandards im Investmentfondsbereich nicht im ausreichenden Maße berücksichtigt wurden, besonders der grundsätzliche Unterschied zwischen Impact Generating und Impact-aligned Investments. So wurde eine große Chance vertan, das Impact-Potenzial einzelner Fondstypen sinnvoll zu fördern.

Wie dies gehen könnte? Wertpapierfonds sollten nur dann nach Art. 9 einstufbar sein, wenn sie eine glaubwürdige Engagement-Strategie verfolgen oder im signifikanten Maße in Positionen kleinerer, unterinvestierter Unternehmen am Primärmarkt (Kapitalerhöhungen, Anleiheemissionen) investieren, mit denen gezielt nachhaltige Innovationen gefördert werden (auf die Investitionslücke dieser Unternehmen verweist Florian Heeb in einem Paper). Demgegenüber sollte die Artikel 9-Einklassifizierung bei AIF-Fonds an die Marktrealitäten der einzelnen Produkttypen angepasst werden.

Die derzeitige Ausgestaltung lässt dagegen befürchten, dass aufgrund fehlerhafter gesetzlicher Intervention die einstig klare Trennung zwischen Nachhaltigen Investment und Impact Investment weiter aufweicht. So können sich Wertpapierfonds ohne glaubwürdige Engagementstrategie oder gar Klima-ETFs als Impact/dunkelgrüne-Fonds gemäß Art. 9 positionieren, wogegen wirkliche Impact Investments sich mit Art. 8 begnügen müssen. Der Bekämpfung von Greenwashing bzw. der Förderung von Impact Investing hätte der Gesetzgeber damit leider einen Bärendienst erwiesen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 900 Mio. Euro an (Stand 23.02.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de
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SDGs konkret: Wie die GLS Bank die Sustainable Development Goals konstruktiv-kritisch begleitet

von Jan Köpper und Dr. Laura Mervelskemper, beide GLS Bank.

Die SDGs sind ein richtungsweisendes, internationales Abkommen zum Schutz der Umwelt und zum Abbau von sozialen Ungleichheiten. Doch sie sind auch massiver Kritik ausgesetzt. Die SDGs müssen daher kritisch hinterfragt, konstruktiv begleitet und weiterentwickelt werden. In der GLS Bank analysieren wir die SDGs ganzheitlich und stellen uns dafür verschiedene Fragen: Welche Folgen haben einzelne SDGs auf die Wirtschaft insgesamt? Welche institutionellen Voraussetzungen sind für Ihre erfolgreiche Umsetzung notwendig? Wie sollten betroffene Akteure damit umgehen? Wie sind die Unterziele inhaltlich zu bewerten?

Diesen ganzheitlichen Ansatz wollen wir anhand des SDG 12 Nachhaltige/r Konsum und Produktion exemplarisch beschreiben:

Nachhaltiger Konsum / Produktion (SDG 12) – Was soll genau erreicht werden?

SDG 12 behandelt die Etablierung nachhaltiger Produktions- und Konsummuster zur Gewährleistung nachhaltigen Wirtschaftswachstums und nachhaltiger Entwicklung. Die wesentlichen Schwerpunktthemen des zehnjährigen Programmrahmens für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster (12.1) sind:

  • Ausgehend vom grundlegenden Gebot einer nachhaltigen Bewirtschaftung und einer effizienten Nutzung der natürlichen Ressourcen (12.2) richten sich die Anforderungen auf
    • eine Halbierung der Nahrungsmittelverschwendung und eine Verringerung der Nahrungsmittelverluste (12.3),
    • auf den umweltverträglichen Umgang mit Chemikalien (12.4),
    • die Verringerung der Abfallentstehung (12.5),
    • die Einführung einer Nachhaltigkeitsberichterstattung für größere Unternehmen (12.6),
    • die Nachhaltigkeit bei der öffentlichen Beschaffung (12.7)
    • und die Bereitstellung der für Nachhaltigkeitsbewusstsein und eine nachhaltige Lebensweise erforderlichen Informationen (12.8).

Gefordert werden zudem

  • eine wissenschaftliche und technologische Stärkung der Entwicklungsländer (12.a),
  • die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus (12.b, siehe auch SDG 8)
  • sowie die Abschaffung von ineffizienten Subventionen für fossile Brennstoffe (12.c).
  • Hinzu kommt, dass Wachstum und Wohlstand weitestgehend von der Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen entkoppelt werden.

Welche Bedeutung hat SDG 12 für die Wirtschaft insgesamt?

Die anhaltende Dominanz der Finanzmärkte und die Idee des unbegrenzten Wachstums als wesentlicher Treiber menschlicher Entwicklung konterkarieren das notwendige Umdenken im Sinne nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster. Dieser wesentliche Zielkonflikt wird in den SDGs nicht thematisiert. Im Gegenteil: Globalisierung und der damit einhergehende internationale Handel sollen als Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung Armut vermindern. Zentral sei, dass sich dabei der Anteil der Exporte der Entwicklungsländer am Welthandel verdoppelt. Diese Ansicht kann jedoch nur dann als vorteilhaft akzeptiert werden, wenn erstens Kapitalakkumulation und Kapitalverteilung einen realwirtschaftlichen Bezug und zudem eine gerechte Teilhabe erlauben, zweitens Klimawandel aktiv mitgedacht wird und drittens Konsum und Produktion kritisch im Hinblick auf die Bedürfnisbefriedigung hinterfragt werden. Dort, wo sich Kapital ohne Bezug zur Realwirtschaft vermehrt und Zentralbanken zusätzliche Liquidität produzieren, um Wachstum und Beschäftigung aufrechtzuerhalten, werden untragfähige Geschäftsmodelle durch günstiges Kapital am Leben gehalten. Parallel verringern sich Anreize, in zukunftsfähige, aber initialkostenintensive Veränderungsprozesse zu allokieren und so die SDGs zu fördern.

Welche institutionellen Voraussetzungen sind für Ihre Erreichung notwendig?

Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster benötigen ein Umfeld, das Menschenrechte achtet, eine unabhängige Justiz gewährleistet sowie politischen und bürgerlichen Rechten entspricht. Dies ist umso bedeutender, als dass die Rohstoffproduktion für Waren, die oft in Industrieländern veredelt werden, ihren Ursprung in einer globalisierten Welt vermehrt in autoritären und teilweise despotischen Staaten nimmt. Die Arbeits- und Umweltstandards in weiten Teilen der Welt sind weiterhin inakzeptabel und werden durch bestehende Konsum- und Produktionsmuster in den Industriestaaten in Kauf genommen und zum Teil aktiv ignoriert. SDG 12 tangiert diese grundsätzlichen Probleme nur an der Oberfläche, wenngleich deren Berücksichtigung implizit ist. Parallel dazu betreiben ressourcenstarke Industrie- und Lobbyverbände Interessenvertretung auf politischer Ebene und erzeugen dabei abermals eine Verwässerung und Verzögerung der demokratisch erlangten Entscheidungsfindung. Ein Struktur- und Wirtschaftswandel wird dadurch deutlich erschwert.

Wie können und müssen Hersteller und Verbraucher dazu beitragen?

Hersteller und Verbraucher vertreten weiterhin mehrheitlich den Grundgedanken eines konsumorientierten Lebensstils. Neben den Zielen des SDG 12 zur Förderung eines nachhaltigen und bewussten Lebensstils sowie der Kreislaufwirtschaft müssen Hersteller und Verbraucher die Diskussion der Reduktion und Suffizienz führen, um eine für alle Staaten skalierbare Lösung von Konsum- und Produktionsmustern zu tragen. Die Förderung mündiger Kaufentscheidungen muss durch gestärkte und leicht zugängliche Verbraucherinformationen

unterstützt werden. Werbemaßnahmen und Produktionsmuster müssen die Suggestion von immer neuen Konsumbedarfen aktiv einschränken und als Teil dessen Maßnahmen der künstlichen Obsoleszenz unterlassen.

Welche inhaltlichen Themen müssten darüber hinaus aufgegriffen werden?

In Ergänzung zu oben genannten Punkten ist die Politik zudem aufgerufen, durch die Internalisierung externer Effekte und die Monetärsteuerung Anreize für nachhaltige Alternativen in Produktion und Konsum zu schaffen. CO2-Bepreisung und die Abgabe auf Spritz- und Düngemittel können hier als Beispiele genannt werden. 

Fazit

Die SDGs sind insofern positiv zu bewerten, als dass sie

  • eine internationale Vereinbarung zu Nachhaltigkeit darstellen, die Entwicklungsleitlinien für alle Länder der Vereinten Nationen definiert und globale Partnerschaften sowie Engagement fordert.
  • Nachhaltigkeit a) im Einklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem verstehen b) Industrie sowie Schwellen- und Entwicklungsländer mitdenken c) unterschiedliche politische, wissenschaftliche, gesellschaftliche und privatwirtschaftliche Akteure auf d) nationalen, regionalen und lokalen Ebenen adressieren.

Die SDGs sind insofern kritisch zu bewerten, als dass

  • die Bekämpfung von Klimawandel nicht explizit mitgedacht wird und die in Konkurrenz zu einigen Zielen steht
  • das Zusammenspiel der Ziele nicht ausreichend berücksichtig wird, sodass einzelne Ziele im Konflikt stehen oder unerwünschte negative Implikationen erzeugen
  • die Erfüllung auf Basis von Freiwilligkeit zu wenig ambitionierten Maßnahmen und zu nur geringen Fortschritten führt
  • sie leicht zu Marketingzwecken im Sinne von Greenwashing (auch Rainbow-Washing oder SDG-Washing genannt) missbraucht werden können
  • traditionelle neoliberale Dogmen wie das Wachstumsdogma unkritisch fortgeführt werden und ein notwendiges systemkritisches Umdenken kaum Berücksichtigung findet
  • Aspekte, die für die persönliche Entwicklung im Einklang mit Körper, Geist und Seele relevant sind — wie zum Beispiel Kultur vernachlässigt werden

Als GLS Bank werden wir die SDGs konstruktiv-kritisch begleiten und gemeinsam mit den Menschen der Gemeinschaft unsere Aktivitäten weiterhin auf die Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten.


Hinweis: Dieser Text ist ein redaktionell leicht überarbeiteter Auszug aus dem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2019 der GLS Bank (Seiten 130-132), der unter folgendem Link verfügbar ist: https://www.gls.de/privatkunden/gls-bank/gls-nachhaltigkeit/

Jan Köpper leitet die Stabsstelle Wirkungstransparenz & Nachhaltigkeit in der GLS Bank in Bochum. In dieser Funktion verantwortet er die Konzeption, Koordination und Umsetzung der gesellschaftlichen Wirkungsmessung, der Nachhaltigkeitsprüfung im Firmenkundengeschäft sowie die Integration von Nachhaltigkeitsprozessen in das interne Nachhaltigkeitsmanagement und die Gesamtbanksteuerung. Nach Stationen bei dem Unternehmensnetzwerk CSR Europe in Brüssel und der Nachhaltigkeitsratingagentur imug in Hannover ist Jan Köpper seit April 2018 in seiner jetzigen Stelle verortet.

Dr. Laura Mervelskemper ist Co-Leiterin der Stabsstelle Wirkungstransparenz & Nachhaltigkeit in der GLS Bank. Als „Überzeugungstäterin“ setzt sie sich mit Herzblut für alle Themen rund um Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeitsrisiken, gesellschaftliche Transformation und die politischen Forderungen der GLS Bank ein. Vorher hat sie sich mehrere Jahre aus akademischer Perspektive mit der Verknüpfung von Nachhaltigkeit und dem Finanzwesen auseinandergesetzt und zu dem Thema promoviert. Nebenbei war sie sowohl in der Nachhaltigkeitsberatung als auch im Nachhaltigkeitsmanagement aktiv und hat mit der GLS Bank nun die perfekte Kombination der Themen gefunden, die ihr am Herzen liegen.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 750 Mio. Euro an (Stand 10.12.2020).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de
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Klimareporting: So setzt die GLS Bank die TCFD-Empfehlungen um

2015 wurde die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) vom Finanzstabilitätsrat ins Leben gerufen, um Empfehlungen für eine einheitliche und vergleichbare Klimaberichterstattung auszuarbeiten. Die GLS Bank ist Mitglied der TCFD und unterstützt die Initiative. Denn nur, wenn Unternehmen transparent über Klimarisiken berichten, können Kreditinstitute, Versicherungen und Anleger*innen diese Informationen bei Investitionsentscheidungen berücksichtigen und gezielt Kapital in klimafreundliche Unternehmen lenken. Zudem können Unternehmen ihr Geschäftsmodell auf eine Klimaresilienz prüfen und ausrichten. Im Abschlussbericht der TCFD von 2017 werden hierfür elf konkrete Hinweise, zusammengefasst in vier Empfehlungen, aufgeführt:

Wir befinden uns derzeit im Prozess der Umsetzung der TCFD-Empfehlungen und möchten Ihnen unseren Ansatz näher vorstellen: 

1. Governance — Führungsstrukturen für das Klimamanagement

Die Grundsteine der nachhaltigen Ausrichtung der GLS Bank sind mit dem internen Leitbild und der Satzung festgelegt. Operationalisiert wird beides über unsere Anlage- und Finanzierungsgrundsätze, die im täglichen Bankgeschäft den Weg in die richtige Richtung weisen. Sie gelten für uns als „erste Basis“ und Mittel zur Risiko- und Chancenidentifikation, da wir ausschließlich nachhaltige Unternehmen und Projekte unterstützen und finanzieren. Seit ihrer Gründung engagiert sich die GLS Bank mit ihren Kund*innen und Mitgliedern für den Klimaschutz. Im Jahr 2019 haben wir dann damit begonnen, uns dezidiert mit dem Thema Klimarisiken auseinanderzusetzen.

Unser Vorstand ist für risikopolitische Entscheidungen und somit auch für Klimarisiken hauptverantwortlich. Auf der operationalen Ebene haben wir in der Abteilung Wirkungstransparenz und Nachhaltigkeit zwei Stellen eingerichtet, die sich mit Klimarisiken befassen. Eine 50-Prozent-Stelle in der Gesamtbanksteuerung gewährleistet die Integration von Nachhaltigkeitsrisiken in die Systeme der Risikosteuerung (Risikoinventur und Risikomanagementsystem). Sie ist eine wichtige Schnittstelle zwischen beiden Fachabteilungen. Eine zweite 50-Prozent-Stelle befasst sich mit der Chancen- und Risikomodellierung durch Klimaszenarien. 

Unsere Klimaziele, die in der Geschäftsstrategie eingebunden sind, werden durch den internen Steuerungskreis mit Maßnahmen hinterlegt und umgesetzt. Die XDC (Siehe Erläuterung unter 4.) als Steuerungsgröße spielt hier insbesondere in der Überwachung der Klimaperformance eine wichtige Rolle. In der Bank ist eine Person für die Zielsetzung und -steuerung zuständig. Das Team Research unterstützt, indem es die Klimakompatibilität von Kapitalmarktemittenten prüft und mit den internen Nachhaltigkeitszielen abstimmt.

Die zur Identifikation und Bemessung von Klimarisiken notwendigen Daten werden im Rahmen der Wirkungstransparenz erhoben, die gleichzeitig zur Kund*innenansprache verwendet wird.

Die GLS Bank verfolgt höchste Transparenzstandards und berichtet über das interne Klimamanagement in einer dreigliedrigen Weise: Aufgrund der strategischen Geschäftsrelevanz der Klimaperformance berichten wir quartalsweise an den Vorstand. Als Genossenschaftsbank berichten wir zudem unseren Eigner*innen, den Mitgliedern, über unsere Ziele und Fortschritte. Über Netzwerkarbeit stellen wir unseren Ansatz vor, sammeln gleichzeitig Eindrücke von anderen Expert*innen und betonen besonders die Bewusstseinsbildung für Klimachancen im Finanzsektor.

2. Strategie — Auswirkungen von Klimachancen und -risiken auf das Geschäftsmodell

Der Schutz der natürlichen Umwelt, Wirtschaften innerhalb planetarer Grenzen und soziale Gerechtigkeit sind Ziele der GLS Bank und als solche im Leitbild und in den Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen fest verankert. Investitionen in klimaschädliche und kontroverse Branchen schließen wir daher kategorisch aus. Um unserem langjährigen Engagement stärkeren Ausdruck zu verleihen, haben wir unsere neu aufgestellte integrierte Geschäftsstrategie, eine Verbindung aus Unternehmens-, Risiko- und Nachhaltigkeitsstrategie, auf die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens sowie die SDGs ausgerichtet. Die SDGs finden außerdem über ein SDG-Mapping Eingang in unsere Anlage- und Finanzierungsgrundsätze.

Im Prozess der Identifikation, Bewertung und Offenlegung von Nachhaltigkeitsrisiken mittels Szenarien orientieren wir uns an den vom NGFS (Network for Greening the Financial System) vorgeschlagenen Basisszenarien. Darauf aufbauend entwickeln wir intern eigene Szenarien, die bewusst die Risiko- und Chancenperspektive einnehmen. Dabei entwickeln wir ein Szenario, das einen sofortigen Klimaschutz mit Erreichung der Pariser Klimaziele annimmt, ein Szenario, das einen verspäteten Klimaschutz mit Erreichung der Pariser Klimaziele annimmt, und ein Szenario, das keinen zusätzlichen Klimaschutz und ein Verfehlen der Klimaziele annimmt. Hiermit werden sowohl physische als auch transitorische Risiken und deren Interdependenzen abgebildet. Zudem entwickeln wir einen Stresstest zur Resilienzüberprüfung unserer Portfolios. Mit der X-Grad-Kompatibilität verwenden wir bereits eine Steuerungs- und Messgröße, die die Abhängigkeit des Geschäftsmodells unserer Kund*innen von CO2 bemisst. Das Klimarisikomanagement wird in der internen Effizienzanalyse mithilfe eines Effizienzdashboards berücksichtigt.

Ziel ist es, bis Ende des Jahres 2020 am Beispiel von Immobilien Klimarisiken zu identifizieren, zu bewerten und offenzulegen und die Erfahrungen für den Übertrag auf andere Branchen, wie die Landwirtschaft, zu verwenden. 

3. Risikomanagement — Identifikation, Bewertung und Management von Klimarisiken und -chancen

In Bezug auf die Risiken, die sich für eine Bank durch den Klimawandel ergeben können, ist zwischen physischen und transitorischen Risiken zu unterscheiden. Wir begrüßen den Ansatz der BaFin, diese Risiken stärker in den Fokus zu nehmen und Banken dazu aufzufordern, diese explizit in das Risikomanagement aufzunehmen und innerhalb der bestehenden Risikokategorien zu berücksichtigen.

Durch unsere strengen sozial-ökologischen Anlage- und Finanzierungsrichtlinien sind sehr CO2-intensive Branchen und damit diejenigen, die am stärksten möglichen transitorischen Risiken ausgesetzt sind, von Investitionen ausgeschlossen. Dadurch ist die Relevanz der transitorischen Risiken das Anlage- und Finanzierungsportfolio der GLS Bank vermindert. Nichtsdestotrotz bleiben mittelbare Transitionsrisiken, zum Beispiel durch die potenzielle Wertminderung von Gebäuden auf Basis möglicher neuer Anforderungen an die Energieeffizienz und den Sanierungsstand, zu berücksichtigen.

Hinsichtlich der physischen Risiken durch extreme Wetterereignisse stellen die Anlage- und Finanzierungsgrundsätze nur bedingt einen risikomindernden Filter dar. Der starke geografische Fokus des Kreditportfolios auf Projekte und Unternehmen in Deutschland kann in Bezug auf die physischen Risiken risikomindernd wirken, diese jedoch nicht ausschließen. Die Exposition bestimmter Geografien in Bezug auf physische Risiken durch den Klimawandel wird daher in nächsten Schritten methodisch hergeleitet und quantifiziert, um ihre Wesentlichkeit für unsere Risikotragfähigkeit zu beurteilen. Dies geschieht beispielsweise mit Heat-Maps und Untersuchungen von Studien und Analysen.

Begleitend zu oben genannter Identifikation von transitorischen und physischen Risiken hat die GLS Bank im Jahr 2019 die Ausrichtung des Anlage- und Finanzierungsportfolios am 1,5 °C-Ziel und damit den Vereinbarungen des Pariser Klimagipfels explizit beschlossen. In Folge werden derzeit verstärkte Maßnahmen zur Umsetzung dieses Ziels im Kerngeschäft getroffen und auf diese Weise mögliche Transitionsrisiken weiter minimiert. Durch die Umsetzung der Empfehlungen der TCFD bis Ende 2021 werden zudem managementbezogene Ansatzpunkte identifiziert und in die Organisationsstruktur und Prozesse übertragen.

Die GLS Bank hat sich entschlossen, mögliche Auswirkungen von transitorischen und physischen Risiken in einem ersten Schritt am Beispiel von Immobilienfinanzierungen zu untersuchen und aufzubereiten. Dieses Projekt ist im Berichtsjahr 2020 gestartet und wurde mit einer neuen Stelle ausgestattet. Erste Ergebnisse sollen bis Ende 2020 erreicht werden. Diese Ergebnisse dienen als Grundlage, um die Ausweitung auf weitere Finanzierungsbereiche zu untersuchen.

Ebenfalls im Prozess befinden wir uns in der Identifikation zur Bemessung von Klimarisiken im Kreditportfolio sowie zur Integration des Prozesses in das reguläre Risikocontrolling. Hierfür arbeiten wir eng mit den Fachbereichen zusammen.

Eine zusätzliche Leistung ist das Projekt zur Entwicklung von Klimaanpassungskonzepten für unsere Firmenkund*innen, das im Jahr 2020 startet. Hiermit sollen sowohl Risiken gemindert als auch Chancen gehoben werden.

4. Kennzahlen und Ziele — Zieldefinition und Klimaberichterstattung

Kennzahlen und Ziele hat sich die GLS Bank sowohl für die Outside-In- (Wirkung des Klimawandels auf das Unternehmen) als auch für die Inside-Out- (Wirkung des Unternehmens auf das Klima) Perspektive gesetzt. Insbesondere bei der Inside-Out-Perspektive ist die GLS Bank Vorreiterin, da sie nicht nur innerbetriebliche Emissionen, sondern auch die für Banken ausschlaggebenden finanzierten Emissionen misst und steuert. Mithilfe der X-Grad-Kompatibilität hat die GLS Bank bereits in einer Ersterhebung für das Kreditportfolio und den Klimafonds ermittelt, wie sehr sich die Erde bis 2050 erwärmen würde, wenn alle Unternehmen so emissionsintensiv wirtschaften würden wie die des Portfolios. Bereits 2019 erreichten beide Portfolios Baseline-XDCs von deutlich unter 2 °C. Nun folgen auch die Erhebungen der Sektor- und Ziel-XDCs. Zudem wird die Methodik der XDC im Rahmen der strategischen Partnerschaft mit right. based on science unter Kooperation mit Partnern und der Wissenschaft weiterentwickelt, damit sie noch genauer auf unsere Kund*innen und Unternehmen im Anlageuniversum passt.

Mithilfe der risk exposure werden wir zusätzlich zur XDC erfassen, wie sich physische und transitorische Risiken auf unsere Kund*innen und uns als GLS Bank auswirken. Wir berichten bereits seit Jahren im Rahmen des jährlichen GRI-Berichts über unseren Carbon-Footprint. 2019 lag der Carbon-Footprint inkl. der finanzierten Emissionen bei:

  • Scope 1: 29,2 t CO2e
  • Scope 2: 183,5 t CO2e
  • Scope 3: 979,4 + 125.183 t CO2e (direkte finanzierte Emissionen der Unternehmen im Kreditportfolio)
  • Summe: 126.375,1 t CO2

Für den Bereich Immobilien arbeiten wir derzeit an einer geeigneten Kennzahl, die eine Aussage darüber ermöglicht, ob eine Immobilie mit den Pariser Klimazielen kompatibel ist. Diese Kennzahl wird in Zukunft in die Nachhaltigkeitsgutachten und den Beleihungswert einfließen. 

Ausgewählte Ziele:

  • Erhöhung des Kreditvolumens auf 5,5 Milliarden Euro bis 2022, um sozialökologische Unternehmen und Vorhaben zu unterstützen
  • Ausrichtung des Anlage- und Kreditportfolios an den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens (1,5 °C-Kompatibilität) bis 2020
  • Ausweitung der Abdeckung der XDC-Berechnung auf den GLS Bank Aktienfonds bis 2020
  • Ausweitung der Abdeckung der XDC-Berechnung auf 100 Prozent des Kreditportfolios bis 2020
  • Ausrichtung des Anlage- und Kreditportfolios an den nachhaltigen Entwicklungszielen der UN (SDGs) bis 2020
  • Zuordnung der SDGs zu den Aktivitäten im Anlage- und Kreditportfolio bis 2020 • 1,5 °C-Kompatibilität der betrieblichen Prozesse bis 2020

Wir berichten über zahlreiche Formate, unter anderem in unserer jährlichen Pressekonferenz, Jahreshaupt- und Mitgliederversammlung, sowie auf zahlreichen Veranstaltungen über unser Engagement und setzen uns für ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein ein. Der vorliegende Nachhaltigkeitsbericht 2019 bündelt unsere Anstrengungen und Erfolge im Bereich Klimaschutz und gibt einen umfangreichen Überblick. Für Expert*innen bieten wir zudem Geschäfts- und Investitionsberichte sowie den ausführlichen GRI-Bericht an. Kund*innen und Interessierte informieren wir regelmäßig im bankeigenen Blog „Das Blog“, in Podcasts, über die Online-Community Futopolis und über unsere Website beispielsweise über die Klimawirkung der GLS Bank und unser Engagement in der Gesellschaft.


Hinweis: Dieser Text ist ein, redaktionell leicht überarbeiteter Auszug aus dem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2019 der GLS Bank (Seiten 24-27), der unter folgendem Link verfügbar ist: https://www.gls.de/privatkunden/gls-bank/gls-nachhaltigkeit/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 750 Mio. Euro an (Stand 26.11.2020).

Weiterführende Informationen:

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GLS Bank Klimafonds wird 3 Jahre alt: Auch die ökonomische Bilanz stimmt

Als die GLS Bank im August 2017 den GLS Bank Klimafonds aufgelegt hat, wollte sie ihr Bekenntnis zum Klimaschutz unterstreichen. Nach drei Jahren ziehen Stefan Fritz und Tobias Baumann, beide GLS Bank, Bilanz, wie sich der Fonds ökonomisch entwickelt hat.

Strenge Nachhaltigkeit erfordert ein eindeutiges Nachhaltigkeitsverständnis

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Es wird dieser Tage viel über Nachhaltigkeit am Finanzmarkt gesprochen; darüber, dass das verwaltete Vermögen in Nachhaltigkeitsfonds steigt; dass nachhaltige Fonds keine Renditebremse sind oder dass Investoren mit diesen Fonds zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele („SDGs“) der Vereinten Nationen oder der Pariser Klimaziele beitragen.

Natürlich ist es erfreulich und unterstützenswert, wenn sich Finanzmarktteilnehmer auch von sozialen und ökologischen Erwägungen leiten lassen, wenn sie einen „positiven Beitrag“ leisten wollen. Doch es gibt erhebliche Unterschiede, aus welchen Gründen einzelne Finanzmarktteilnehmer Nachhaltigkeit berücksichtigen. Die entscheidende Frage ist: Haben sie überhaupt ein eindeutiges Nachhaltigkeitsverständnis, auf dem ihr Handeln gründet?

GLS Bank mit klarem öffentlichen Orientierungsrahmen

Wir bei der GLS Bank richten uns nach einem klaren Orientierungsrahmen: unseren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen. Grundlagen unserer Arbeit sind die Achtung der Vielfalt des Lebens und der Natur sowie die Sorge um eine friedliche Koexistenz aller Kulturen, die auf individuelle Freiheit und Verantwortung gegründet sind. Wir wollen die natürlichen Lebensgrundlagen heutiger und zukünftiger Generationen bewahren sowie ihre Weiterentwicklung fördern. Ökologie verstehen wir dabei ganzheitlich im Sinne einer Leben fördernden Einheit von Natur und Zivilisationsentwicklung.

Diese Sichtweise bestimmt unser Handeln und hat auch praktische Auswirkungen: Für unser gesamtes Bankgeschäft gelten diese sozialen und ökologischen Kriterien, die unser Investitions-, Anlage- und Finanzierungsgeschäft prägen. Wir haben keine separate Palette an Nachhaltigkeits- oder ESG-Fonds, sondern jede Investition über alle Fonds hinweg soll per se gut für Umwelt und Gesellschaft sein. Dieser Anspruch unterscheidet häufig Pioniere der nachhaltigen Finanzwirtschaft sowie Kirchenbanken von konventionellen Anbietern, die beabsichtigen, erst in den kommenden Jahren eine umfangreiche Expertise in diesem Bereich aufzubauen.

Ebenso gelten für alle Kredite sowie unser Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft eindeutige Kriterien. Dies beginnt mit klaren Ausschlusskriterien ohne Umsatztoleranzen: Atomenergie, Kohleenergie, Rüstung und Waffen, Gentechnik in der Landwirtschaft, chlororganische Massenprodukte, Massentierhaltung, Verletzung der Menschenrechte, Korruption; um nur die wichtigsten zu nennen. Wie glaubwürdig können Finanzinstitute hinsichtlich Nachhaltigkeit sein, wenn Ausschlusskriterien nur für ein Drittel oder noch weniger des gesamten Finanzportfolios angewandt werden oder Umsatztoleranzen den eigentlichen Zweck dieser Kriterien wieder aufweichen? NGOs weisen in unterschiedlichen Veröffentlichungen (WWF BankenratingFair Finance Guide, etc.) immer wieder darauf hin, dass sich zwischen Anspruch und Realität leider doch die ein oder andere Lücke auftut.

Positivkriterien – der Schlüssel zu zukunftsweisender Wirtschaft

Dennoch sind Ausschlusskriterien nur eine Voraussetzung. Nachhaltiges Handeln verstehen wir als zukunftsweisendes Handeln. Besonderen Wert legen wir daher auf Positivkriterien. Positiv sind für uns Projekte und Unternehmen, die nachhaltig menschliche und zukunftsweisende Ziele verfolgen. Im Mittelpunkt unserer Bewertung stehen immer die Menschen mit ihren Bedürfnissen. Daher ist ökonomischer Gewinn nie Zweck, sondern Folge unseres Handelns.

Was heißt dies praktisch? Wir wollen die uns anvertrauten Gelder dorthin lenken, wo sie am stärksten gebraucht werden. Die Auswahl unserer Investments gründen wir nicht auf gängigen Börsenindizes, sondern einzig und allein auf die Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells. Dafür investieren wir bewusst auch in kleine Unternehmen mit innovativen Ideen und zukunftsweisende Geschäftsfelder: Eneuerbare Energien, Ernährung, Land- und Forstwirtschaft, Soziales und Gesundheit, Entwicklungs- und Mikrofinanzierung, Nachhaltige Mobilität und Wirtschaft.

Im Anlagegeschäft lehnen wir bewusst den Best-in-Class-Ansatz oder benchmarkorientierte Ansätze ab. Denn diese Ansätze untermauern den Status Quo und führen dazu, dass die größten Unternehmen, die bereits eine große Investorenbasis haben, noch stärker mit Kapital versorgt werden. Dies sehen wir kritisch. Ein bekanntes Sprichtwort lautet: Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Übertragen auf den Kapitalmarkt stellt sich die Frage: Können große börsennotierte Unternehmen wirklich die sozial-ökologischen Herausforderungen lösen, für die sie durch ihre Geschäftstätigkeit mitverantwortlich sind? Aus unserer Sicht sind dazu junge Unternehmen mit innovativen Lösungen besser geeignet. 

Einzelfallentscheidung statt Scoring-Modell

Der Fokus auf die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen erfordert auch eine differenzierte Analyse von Unternehmen, die wir finanzieren bzw. in die wir investieren. Einzelfallentscheidungen sind unser bewusst gewähltes Arbeitsprinzip. Zwar erscheint dies zunächst wenig systematisch, jedoch beugt es einem mechanischen und einseitigen Bewertungsschema vor. So kann das quantitative Verrechnen von Plus- und Minuspunkten nie die realen Gegebenheiten eines Unternehmens in seiner Komplexität erfassen. Die Kritik an der mangelnden Korrelation vieler ESG-Ratings zeigt, dass diese Gefahr verstärkt von Investor*innen gesehen wird. Hinzu kommt, dass viele große Unternehmen mittlerweile professionelle Nachhaltigkeits/CSR-Abteilungen gegründet haben, die Nachhaltigkeitsinformationen nach den gängigsten Standards (z.B. GRI) aufstellen. Dies können kleine Unternehmen oftmals gar nicht leisten. Deswegen werden sie allzuhäufig trotz zukunftsweisender Geschäftsmodelle gar nicht erfasst oder in der Bewertung wegen mangelnder Informationen abgestraft.

Statt also Scoringmodelle anzuwenden, prüfen wir umfassend die Geschäftsfelder und Geschäftspraktiken der Unternehmen und führen sie in Unternehmensprofilen zusammen. Diese werden dann in einem interdisziplinär zusammengesetzten, unabhängigen Anlageausschuss mit externen Experten diskutiert. Einzig dieser Ausschuss – kein*e Nachhaltigkeitsanalyst*in oder Portfoliomanager*in – entscheidet darüber, welche Titel wir in unser GLS Anlageuniversum aufnehmen. Die Diskussionen sind mitunter sehr intensiv. Auch vertreten unsere Nachhaltigkeitsanalyst*innen bei manchen Titeln eine andere Auffassung. Aber nur dieses zusätzliche Element in unserem Auswahlprozess ermöglicht es uns, eine ganzheitliche Betrachtung der Titel vorzunehmen und sicherzugehen, dass wir in die Unternehmen investieren, die unserem Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 700 Mio. Euro an (Stand 15.10.2020).

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Bericht an den Club of Rome*: Mit diesen Handlungsprinzipien tragen Investoren und Unternehmen wirklich zu den SDGs bei

von Prof. Dr.-Ing. Christian Berg, Mitglied im Anlageausschuss der GLS Bank.

Die weltweite Staatengemeinschaft hat sich 2015 auf 17 Nachhaltigkeitsziele, die Sustainable Development Goals (SDGs), geeinigt, die ambitionierte Zielvorgaben für den Zeitraum bis 2030 formulieren. Ein Drittel dieser Zeit ist bereits verstrichen. Doch die Probleme von Klimaschutz und Artensterben, sozialer Ungleichheiten und gesellschaftlicher Polarisierung nehmen eher zu als ab. Dabei hat das Interesse an nachhaltigen Investments in jüngster Zeit unglaublich zugenommen.

Wie kommt es zu diesem Widerspruch? Es gibt am Kapitalmarkt – wie in der Realwirtschaft – viel Greenwashing. Es ist schwer, den Überblick zu behalten, die Spreu vom Weizen zu trennen und richtig einzuschätzen, welche Investitionen wirklich auf das Ziel der Nachhaltigkeit einzahlen und welche nicht.

Der neue Bericht an den Club of Rome schlägt eine überschaubare Anzahl an Handlungsprinzipien für Nachhaltigkeit vor. Diese Prinzipien bieten eine Orientierungshilfe, welche Option in einer Entscheidungssituation die nachhaltigere ist.

Investoren und Unternehmen sollten insbesondere die folgenden 5 Prinzipien beherzigen:

1. Dekarbonisieren

Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen für die Menschheit im 21. Jahrhundert. Sämtliche Prozesse in Wirtschaft und Gesellschaft sind deshalb so rasch wie möglich zu dekarbonisieren, also so auszurichten, dass sie ohne fossile Energieträger auskommen. Als Fossil Fuel Divestment ist dies inzwischen unter Investoren sehr verbreitet. In finanzieller Hinsicht dürften Investitionen in fossile Energien langfristig immer unattraktiver werden. Dass vor kurzem ExxonMobil nach 92 Jahren aus dem Dow Jones geflogen ist, ist ein wichtiges Symbol dieser Entwicklung. Berücksichtigt man künftige Kosten für CO2-Emissionen, wären 42 Prozent der Kohlekraftwerke über ihre gesamte Lebensdauer hinweg unprofitabel – ihre Kosten übersteigen die Erträge, so jedenfalls urteilt der britische Think Tank Carbon Tracker nach der Analyse der weltweiten Kohlekraftwerkskapazitäten (Carbon Tracker 2018).

2. Vielfalt fördern

Eigentlich dürfte es das Wort Monokultur gar nicht geben. Es ist so etwas wie ein eckiger Kreis. Denn Kultur kann niemals in der Einzahl vorkommen, immer nur in der Mehrzahl. Wir wissen heute aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, von der Entstehung des Lebens über das Funktionieren von Ökosystemen bis zur Innovationsfähigkeit von Unternehmen, dass die spannenden Dinge nur passieren, wenn sich Systeme auf dem schmalen Grad von Chaos und Ordnung bewegen. Wenn alles ganz klar gegliedert und geordnet ist, wie in einer Monokultur, dann gibt es nichts neues, dann ist sozusagen alles vorherbestimmt. Wenn es, andererseits, nur Unordnung und Chaos gibt, kann auch nichts neues entstehen, weil man dafür immer auch eine gewisse Regelmäßigkeit und Struktur braucht. Neues entsteht nur in dem schmalen Bereich dazwischen. Und genau deshalb ist es so wichtig, Vielfalt zu fördern, denn Vielfalt ist die Voraussetzung dafür, dass Neues entstehen kann.

Für Investoren hat dies viele Implikationen. Zum einen sind Geschäftsfelder, die sozusagen per definitionem damit beschäftigt sind, Vielfalt zu fördern, per se schon attraktiv. Ökologische Landwirtschaft zum Beispiel hat immer auch das Ziel, Artenvielfalt zu befördern (SDG 2 fordert u.a. eine nachhaltigere Landwirtschaft und den Erhalt genetischer Vielfalt). Umgekehrt sind alle „Monokulturen“ zu vermeiden. Dies bezieht sich aber nicht nur auf das Geschäftsfeld, sondern auch auf die Geschäftspraxis. Wird auch im Unternehmen Diversität gefördert? Es gibt hinreichend viele und belastbare Studien, u.a. von McKinsey oder der Boston Consulting Group, die zeigen, dass Unternehmen, bei denen die Führungskräfte nach Kriterien der Diversität besetzt sind, erfolgreicher und innovativer sind als solche, die mit weißen Männern besetzt sind (was ja meist die Alternative ist).

3. Transparenz erhöhen

Eine große Hürde auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Entwicklung sind Interessenkonflikte. Unterschiedliche Menschen bzw. Gruppen haben mitunter gegensätzliche Interessen: Kohlearbeiter fürchten um ihren Arbeitsplatz, Umweltaktivisten sorgen sich ums Klima. Solche Interessenkonflikte sind dann kein Problem, wenn über die unterschiedlichen Interessen in einem offenen und fairen Verfahren diskutiert und ein Interessenausgleich gesucht werden kann. Genau deshalb ist es zum Beispiel so wichtig, dass moderne Rechtsstaaten Meinungs- und Pressefreiheit haben.

Ein fairer Ausgleich von Interessen wird aber verhindert, wenn eine der beteiligten Parteien versucht, sich durch geheime Absprachen oder Zuwendungen Vorteile zu verschaffen. Korruption und Lobbyeinfluss haben immer wieder öffentlich vereinbarte Kompromisse konterkarriert.

Entscheidend ist, dass Unternehmen und Politik transparent die Beweggründe für ihre Entscheidungen kommunizieren.

Für Unternehmen und Investoren hat diese Forderung nach Transparenz weitreichende Folgen, beispielsweise über die ohnehin gesetzlich geforderten Offenlegungspflichten hinaus auch ihren Stakeholdern Transparenz über die Geschäftstätigkeit zu ermöglichen. Mit der vor kurzem in Kraft getretenen CSR-Berichtspflicht für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden und /oder mehr als 50 Mio Euro Umsatz geht die EU in dieser Richtung ebenso voran wie mit der Taxonomie für nachhaltige Investitionen. Stets geht es darum, Transparenz zu erhöhen.

4. Kapital aufbauen – in vielen Dimensionen

Mit dem gewachsenen Interesse an einer ganzheitlichen Bilanzierung und der Bedeutung nicht-finanzieller Leistungsindikatoren hängt auch ein erweiterter Kapitalbegriff zusammen. Warum erlauben wir als Gesellschaft, dass Firmen ihre Renditen erhöhen zu Lasten der Allgemeinheit oder auf Kosten der Umwelt? Der Sportartikelhersteller PUMA hat in einer Bilanzierung von Umweltschäden gezeigt, dass es die Umwelt in einem einzigen Jahr in einer Größenordnung von 145 Millionen Euro schädigt, dabei aber „gute“ ökonomische Renditen erzielt. Das ist letztlich ein Profit zulasten der Allgemeinheit. Diese zweifelhafte Logik wird künftig immer mehr in Frage gestellt werden und es ist m.E. nur eine Frage der Zeit, wann Unternehmen nicht mehr nur nach ökonomischer Rendite, Arbeitsplätzen und Steuerbeiträgen beurteilt werden und darüber großzügig hinweggesehen wird, wieviel Naturkapital sie dabei zerstört haben. Es liegt in der Logik einer ganzheitlichen Bilanzierung, dass sämtliche Kapitalarten darin berücksichtigt werden. Und das Ziel muss sein, über alle Kapitalarten hinweg eine positive Ertragsbilanz zu erwirtschaften. Es gibt heute schon Nachhaltigkeitspioniere, die sich in dieser Richtung bewegen, zum Beispiel solche, die Gemeinwohlbilanzen veröffentlichen.

5. Lokale und regionale Wertschöpfungsprozesse fördern

Die Corona-Pandemie hat vieles ans Licht der Öffentlichkeit gebracht, was vorher nur Eingeweihten vorbehalten war. Die unerträglichen Zustände in der Fleischindustrie gehören dazu. Auch wurde uns schmerzlich bewusst, wie abhängig wir vom Funktionieren globaler Lieferketten sind – sei es bei medizinischer Schutzausrüstung, bei Medikamten oder im produzierenden Gewerbe. Hier trifft sich der Ruf nach einer resilienteren Wirtschaft mit dem nach mehr ökologischer und sozialer Verträglichkeit – denn ein wichtiger Motor für die global verteilten Wertschöpfungsketten sind ja die Kostenvorteile, die Unternehmen dadurch realisieren, dass andernorts günstiger produziert werden kann. In einem gewissen Rahmen ist das sinnvoll und legitim, ganz gewiss aber nicht, wenn der Kostendruck dazu führt, dass eine Verletzung ökologischer und sozialer Mindeststandards in anderen Weltgegenden bewusst in Kauf genommen wird.

Es gibt viele gute Gründe, warum die Globalisierung zwar nicht rückgängig gemacht werden wird, es aber in den kommenden Jahren eine sehr viel stärkere Betonung lokaler und regionaler Wertschöpfungsprozesse geben wird:

  • Es gibt eine zunehmende Transparenz über die sozialen und ökologischen Standards in den Lieferketten bzw. auch die Verletzung entsprechender Mindeststandards (s.o.);
  • auch die Gesetzgebung wird in dieser Richtung aktiv („Lieferkettengesetz“);
  • bei Verbraucherinnen und Verbrauchern nimmt das Bewusstsein für die Implikationen ihrer Kaufentscheidungen zu;
  • die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, zumindest in Schlüsselbereichen notfalls auch im heimischen Markt deutlich autarker produzieren zu können als bisher;
  • die globalen ökologischen Krisen und ihre öffentliche Diskussion werden zu steigenden Preisen für Transporte führen („CO2-Steuer“), was die Transaktionskosten erhöht und Anreize zur Auslagerung nach Übersee reduziert;

Fazit

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass entschlossenes Handeln in Wirtschaft und Politik auch in relativer kurzer Zeit möglich ist. Bis zum Jahre 2030 sind es noch knapp 10 Jahre. Um die avisierten 17 Ziele zu erreichen, werden die in diesem Artikel vorgestellten Prinzipien für nachhaltige Investitionen – Dekarbonisieren, Vielfalt fördern, Transparenz erhöhen, ein erweitertes Kapitalverständnis und eine stärkere Gewichtung lokaler und regionaler Wertschöpfungsprozesse – eine wichtige Rolle spielen. Bereits heute gibt es für einige dieser Prinzipien klare Indizien, dass sich der Markt in diese Richtung entwickelt. In dem sehr dynamischen Markt nachhaltiger Geldanlagen werden wir noch manche Überraschungen erleben. Lange nicht alles, was glänzt, wird Gold sein. Man ist deshalb gut beraten, sich auf Prinzipien zu verlassen, die bei der Beurteilung helfen, ob eine Investition auch tatsächlich auf das einzahlt, was sie zu leisten verspricht: uns dem Ziel der Nachhaltigkeit näher zu bringen.


*Der folgende Beitrag führt einige Gedanken weiter aus, die der Verfasser in seinem jüngsten Buch formuliert hat, das als Sustainable Action. Overcoming the Barriers zunächst bei Routledge, als Ist Nachhaltigkeit utopisch? Wie wir Barrieren überwinden und zukunftsfähig handeln dann bei oekom auf Deutsch erschienen ist.

Prof. Dr.-Ing. Christian Berg
beschäftigt sich seit gut 20 Jahren mit Themen nachhaltiger Entwicklung, insbesondere mit Blick darauf, was dies für Unternehmen und die Finanzwirtschaft bedeutet. Er lehrt als Honorarprofessor für Nachhaltigkeit und Globalen Wandel an der Technischen Universität Clausthal und ist Gastprofessor für Corporate Sustainability an der Universität des Saarlands. Zuvor war er bei SAP Chief Sustainability Architect. Prof. Dr. Berg ist Mitglied im Anlageausschuss der GLS Bank. Weitere Informationen unter www.christianberg.net.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von rund 600 Mio. Euro und zusätzlich den B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 02.09.2020).

Weiterführende Informationen:

https://www.gls-fonds.de
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Die GLS Bank: Investitionen im globalen Süden

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Die GLS Bank ist als sozial-ökologische Universalbank bekannt, die viele soziale und ökologische Projekte in Deutschland finanziert und transparent darüber berichtet. Weit weniger bekannt ist, dass die Bank in den vergangenen Jahren auch verschiedene Instrumente und Aktivitäten entwickelt hat, um in Ländern des Globalen Südens (im Finanzmarkt Emerging Markets genannt) als gesellschaftlich verantwortungsbewusster Investor zu wirken. Ein Überblick.

Der GLS AI – Mikrofinanzfonds: Die finanzielle Teilhabe stärken

Im Dezember 2015 hat die GLS Bank einen Mikrofinanzfonds ins Leben gerufen.  Der Fonds will Menschen den Zugang zu Finanzdienstleistungen weltweit ermöglichen. Damit verfolgt der Fonds bewusst ein entwicklungspolitisches Ziel: Nur wer Zugriff auf Kredite, Sparangebote oder Versicherungen hat, kann auch am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Der Fokus liegt auf benachteiligten Bevölkerungsgruppen, vor allem in entlegenen Gebieten.

Bei der Kreditvergabe wird besonders auf faire Kreditkonditionen Wert gelegt. Dazu hat die GLS Bank spezielle Anlagerichtlinien für Mikrofinanz erarbeitet, die von einem Anlagebeirat festgelegt und regelmäßig überprüft werden. Zu den Ausschlusskriterien zählen u.a. ausbeuterische Kinderarbeit, Raubbau in (Regen-)Wäldern, Verletzung der Landrechte indigener Bevölkerungen oder intransparente Kostengestaltung. Um einer Überschuldung der Kreditnehmer*innen vorzubeugen, ist der Fonds nur sehr begrenzt in Ländern mit erhöhtem Aufkommen von Mikrokrediten aktiv. Der Fonds beabsichtigt eine breite geographische Streuung. Über die Hälfte der Kredite werden in Ländern mit geringen und mittleren Einkommen in Südeuropa, Lateinamerika, Asien und Afrika vergeben.

Der Fonds hat mittlerweile ein Volumen von knapp 190 Mio. Euro und verzeichnete auch im Rahmen der Corona-Pandemie monatlich Nettozuflüsse.

Platzierung und Zeichnung von Anleihen strukturierter Entwicklungshilfefonds

Die GLS Bank unterstützt strukturierte Entwicklungshilfefonds bei der Platzierung von Anleihetranchen und agiert auch selbst als Investor. Bei den als Private-Public-Partnerships ausgestalteten Fonds handelt es sich um moderne Instrumente der Entwicklungsfinanzierung: Öffentliche Investoren wie das BMZ oder die KfW stellen das Eigenkapital in den Junior-Tranchen bereit. Die Senior-Tranche steht privaten Investoren zur Verfügung. Sie können Inhaberschuldverschreibungen ab einer Investitionssumme von 200.000 Euro erwerben. Dieser Mechanismus bietet einen hohen Schutz, da die Anleihegläubiger erst im Risiko sind, wenn das Eigenkapital des Fonds aufgebraucht ist. Der Risikopuffer beträgt in der Regel 65 bis 80 Prozent. Die Platzierung erfolgt ausschließlich im Rahmen eines Private Placements und eine Zeichnung ist nur für so genannte "well-Informed Investors" möglich.

Inhaltlich finanzieren die Fonds kleingewerbliche Institute in benachteiligten Regionen im globalen Süden so wie der SANAD Fonds (arabisch für “Unterstützung“). Dieser fördert die Beschäftigung, insbesondere für junge Menschen, im Mittleren Osten und in Nordafrika. Mehr als 90 Prozent der Endkredite werden an Kleinstunternehmen (weniger als 10.000 US Dollar) vergeben. Wie bei den GLS Fonds gibt es auch hier strenge Positiv- und Ausschlusskriterien (keine Waffen, Zwangsarbeit, Glücksspiel, usw.) Darüber hinaus werden mittels eines Technical Assistance Programms Institute und Endkreditnehmer geschult und weitergebildet.

GLS Bank Klimafonds: Zeichnung von Anleihen mit hohem Impact

Der GLS Bank Klimafonds leistet auch in Ländern des globalen Südens einen Beitrag zum Klimaschutz. Dazu zeichnet der Fonds selektiv auch Anleihen von Unternehmen, mit denen klimafreundliche Vorhaben in Ländern des Globalen Süden finanziert werden.

  • Die Hylea-Gruppe: das Unternehmen aus Bolivien ist auf den Anbau sowie Vertrieb von Paranüssen spezialisiert. Die zu 100 Prozent ökologische Produktion leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Die nusstragenden Bäume dienen als CO2-Speicher. Der Paranussbaum kann nur in einem intakten Ökosystem überleben. Die wirtschaftliche Nutzung des Baumes bildet somit einen Anreiz, den Regenwald zu schützen, und macht Rodungen mit anschließender land- oder viehwirtschaftlicher Nutzung unattraktiv.
  • Die Africa GreenTec AG: Das Unternehmen baut und betreibt Solarkraftwerke in Form mobiler Solarcontainer in Südmali. Nur 17 Prozent der dortigen Bevölkerung haben Zugang zu Strom. Dieser wird in der Regel mithilfe von Dieselkraftwerken und -generatoren erzeugt. Mit Emission der Anleihe will das Unternehmen Solarcontainer finanzieren, mit denen mindestens 250.000 Menschen vor allem in ländlichen Gebieten dezentral mit Solarstrom versorgt werden können. Die Wartung und Pflege erfolgen durch einen regionalen Partner. Für diese Arbeiten werden Servicemitarbeiter aus der Region entsprechend ausgebildet.

Technical Assistance und Mission Investing Forum

Auch über die Investition und Platzierung hinaus fördert die GLS Bank Aktivitäten im Globalen Süden:

  • Für ihren GLS AI – Mikrofinanzfonds hat sie eigene Technical Assistance Maßnahmen ins Leben gerufen. Der Begriff umfasst technisch Beratungs- und Unterstützungsdienstleistungen für Mitarbeitende von Finanzinstituten oder der Bevölkerung in den Regionen. Mit diesen Programmen leistet die Bank konkrete Hilfe vor Ort oder ermöglicht den Wissenstransfer zwischen den Kontinenten.
  • Mit den Einnahmen aus dem GLS Bank Klimafonds unterstützt die GLS Bank auch Klimaschutzprojekte in Afrika und Lateinamerika. Die Projekte verbinden Klimaschutz mit sozialen Aspekten. Dazu zählen dieses Jahr der Aufkauf und die biodynamische Bewirtschaftung von Regenwald zum Schutz vor Rodungen in Peru oder die finanzielle Förderung von Solarkiosken und Biogasanlagen, welche einen Ersatz für den Einsatz von Dieselgeneratoren oder für das Verbrennen von Feuerholz darstellen.
  • Seit 2012 veranstaltet die GLS Bank jährlich das Mission Investing Forum in Bochum. Dafür ging die Bank eine Partnerschaft mit dem Bundesverband Deutscher Stiftungen ein. Es werden abwechselnde inhaltliche Schwerpunkt gesetzt, um aktuell relevante Fragestellungen rund um Stiftungen aufzugreifen, u.a. zu Finanzierungsmöglichkeiten in Afrika.

Nicht nur die GLS Bank, sondern auch die GLS Treuhand ist aktiv in Ländern des Globalen Südens. Die GLS Treuhand will gemeinsam mit Stifter*innen und Spender*innen grundlegenden, gesellschaftlichen Wandel anregen, hin zu einer sozial gerechten, friedlichen und ökologischen Welt. Dies tut sie in ihren Handlungsfeldern mit Beratung und Förderung. Vor dem Hintergrund hat sie mehrere Stiftungen ins Leben gerufen, um u.a. Projekte in Ländern des Globalen Südens zu fördern. Ausführliche Informationen unter: https://www.gls-treuhand.de/


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von rund 630 Mio. Euro und zusätzlich den B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 02.09.2020).

Weiterführende Informationen:

https://www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
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Mikrofinanz 2020: Welchen Einfluss hat Corona?

Ende vergangenen Jahres führte altii einen Podcast mit Martin Feige, Teamleiter Angebotsentwicklung und -management Investmentfonds und Research der GLS Bank, zur Entwicklung der Mikrofinanzmärkte. Seitdem hat sich viel getan. Die Welt ist eine andere geworden. Zeit für ein Update.

Herr Feige, als wir im November über Mikrofinanzen sprachen, konnte niemand ahnen, was kurze Zeit später auf uns zurollte. Lassen Sie uns kurz Revue passieren. Wann wurde Corona ein Thema für die Mikrofinanzmärkte?

Die Corona-Pandemie ist ja in unterschiedlichen Wellen verlaufen. Nach China haben sich die Auswirkungen vor allem in den Industrieländern und an den internationalen Kapitalmärkten gezeigt. Nach und nach wurde dann deutlich, dass es sich um eine weltweite Herausforderung handelt.

Anfangs war der Einfluss auf die Mikrofinanzmärkte noch sehr schwer abzuschätzen. Die Kurse vieler Mikrofinanzfonds wirkten im Vergleich zu Aktienfonds beispielsweise hochstabil. Spätestens ab April wurden die Folgen für die Länder bzw. Volkswirtschaften, in denen der GLS AI – Mikrofinanzfonds investiert ist, immer sichtbarer. Maßnahmen wie Grenzschließungen, Ausgangssperren und daraus resultierende Betriebsschließungen hinderten Endkreditnehmer*innen zunehmend daran, ihren Geschäftstätigkeiten nachzugehen.

Erfreulicherweise reagierte die Politik in Schwellen- und Entwicklungsländern sehr schnell. Supranationale Institutionen wie der Internationale Währungsfonds oder die Weltbank haben milliardenschwere Hilfspakete geschnürt.

Was bedeutete dies für die Mikrofinanzinstitute?

Mikrofinanzinstitute mussten damit rechnen, dass sich die Maßnahmen auf die Zahlung von Zinsen und Tilgungen auswirken. Durch in verschiedenen Ländern angeordnete Zahlungsaufschübe (Moratorien) konnten Endkreditnehmer*innen ihre Zahlungen über mehrere Wochen aussetzen. Dies hatte Auswirkungen auf die Kreditbücher von Mikrofinanzinstituten und beeinflusste mitunter die Zahlungen der Institute an den Fonds.

Wie haben Sie mit Ihrem Fonds darauf reagiert?

Wie bereits in den vergangenen Jahren haben wir unseren Fokus auf ein aktives Risikomanagement sowie soziale Wirkung gelegt. Unser Fondsmanagement hat den Austausch mit den Partnerinstituten intensiviert. Da unsere Investmentmanager*innen direkt vor Ort arbeiten, sind sie bestens mit dem Markt vertraut. Dadurch konnten wir schnell erfassen, ob es Auffälligkeiten beim Zahlungsverhalten von Instituten gibt. Zu bedenken ist, dass manche Effekte im Kreditportfolio der Institute erst mit einer gewissen Zeitverzögerung sichtbar sind. Umso wertvoller ist dieser enge Austausch, um mögliche negative Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Ebenso legt das Fondsmanagement seit Auflage, und auch jetzt in der Pandemie, höchsten Wert auf eine breite Risikostreuung. Im Portfolio befinden sich momentan 70 Institute aus 35 Ländern. Aufgrund der breiten geographischen Streuung und der Tatsache, dass Corona-bedingte Effekte in verschiedenen Regionen zu unterschiedlichen Zeitpunkten einsetzten, können negative Entwicklungen in einem Land portfolioweit abgefedert werden. Dies kam dem Fonds zu Gute.

Soweit die ökonomische Sichtweise: Wie werden sie der sozial-ökologischen Mission des Fonds gerecht?

Gerade in diesen schwierigen Zeiten wollen wir bewusst unserer Verantwortung als sozial verantwortlicher und langfristiger Investor gerecht werden. Wir stehen den Instituten als ein verlässlicher Finanzierungspartner zur Seite. Zwei Maßnahmen haben wir uns dabei vorgenommen:

Zum einen wollen wir weiter Kredite auszahlen. Denn um die Wirtschaft während der Krise aufrechtzuhalten und danach wiederzubeleben, ist die Liquiditätsversorgung von Partnerinstituten und Endkreditnehmer*innen existenziell wichtig.

Zudem planen wir bei Bedarf und in Abstimmung mit weiteren Kreditgebern alle Werkzeuge der Kreditrestrukturierung – von der Verlängerung der Laufzeiten bis hin zur Stundung von Zinsen – auszunutzen, um notleidende Institute finanziell zu unterstützen.

Und wie ist das Ergebnis?

Bisher ist es für ein endgültiges Fazit sicherlich zu früh. Einige Entwicklungen bestätigen uns aber in unserer Fondsstrategie.

Der Fonds hat zum einen in der heißen Krisenphase mehrere Institute mit Darlehen versorgt, im April beispielsweise an drei Institute über 7 Mio. Euro, im Mai dann weitere zwei Kredite. Diese erfolgten an Kunden, mit denen bereits Geschäftsbeziehungen bestanden.

Ebenfalls konnten wir Kreditkonditionen neu verhandeln. Nehmen wir das Beispiel Mexiko. Dort haben wir sechs Partnerinstitute. Gemeinsam mit internationalen Kreditgebern haben wir bei drei Instituten vereinbart, fällige Kreditraten um 6 bis 12 Monate in die Zukunft zu schieben. Und das bei unverändertem Zinssatz. Dies ermöglicht den Instituten, einen höheren Spielraum bei der Bewältigung der Krise zu haben.

Wie haben ihre Anleger reagiert? Gab es nennenswerte Änderungen bei den Fondsvolumina?

Wir bemühen uns seit Beginn der Krise, unsere Anleger*innen besonnen und sachlich zur aktuellen Lage zu informieren. Wir weisen klar auf die Risiken hin, ohne aber Panik schüren zu wollen. Diese Strategie scheint aufzugehen. In jedem Monat haben wir Nettomittelzuflüsse verzeichnet. Das Fondsvolumen beläuft sich mittlerweile auf 186 Mio. Euro – im Vergleich zu 165 Mio. Euro Ende 2019. Zu beachten ist, dass der Fonds eine sehr granulare Anlegerstruktur aufweist. Auch die Renditekennzahlen des Fonds sind stabil. Seit Auflage im Dezember 2015 erzielte der Fonds einen guten Ertrag. Dies ist natürlich keine Garantie für die zukünftige Entwicklung. Wir wissen alle, dass Kurse schwanken können und die Pandemie noch nicht vorüber ist. Doch gibt die aktuelle Entwicklung Hoffnung, sowohl für den Fonds als auch für die Mikrofinanzmärkte.

Herr Feige, herzlichen Dank für das Gespräch.


Martin Feige, Teamleiter Angebotsentwicklung und -management der GLS Bank, ist ein Spezialist für die Auflage nachhaltiger Publikumsfonds. 2015 hat er gemeinsam mit seinen Kolleg*innen den GLS AI - Mikrofinanzfonds aufgelegt. Die GLS Bank ist Pionier im Bereich nachhaltiger Finanzen. Sie wurde 1974 gegründet und verfolgt sozial-ökologische Ziele. Das Ökologische und Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt des Handelns.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von rund 580 Mio. Euro und zusätzlich den B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.06.2020).

Weiterführende Informationen:

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investmentfonds@gls.de
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Hinweise zur Wertentwicklung:

Year to date

2019

2018

2017

2016

Seit Auflage

0,5

2,0

0,7

1,7

1,6

7,0

Angaben zur Anteilklasse A in Prozent, Stand 31.07.2020. Die hier vorliegenden Daten dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen dar. Der Fonds weist ein nicht auszuschließendes Volatilitätsrisiko auf. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Alleinige Grundlage für den Anteilerwerb sind die Verkaufsunterlagen (Wesentliche Anlegerinformationen, Verkaufsprospekt, Jahres- und Halbjahresbericht) zum Teilfondsvermögen. Verkaufsunterlagen zu allen Investmentvermögen der IP Concept sowie den ökonomischen Kennzahlen sind kostenlos bei Ihrem Berater / Vermittler, der zuständigen Verwahrstelle / Depotbank oder bei IP Concept unter www.ipconcept.com erhältlich.

Empfehlung der GLS: Dieser Teilfonds ist unter Umständen für Anleger nicht geeignet, die ihr Geld innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten aus dem Teilfonds wieder zurückziehen wollen.

 

„Frankreich nimmt eine Vorreiterrolle ein, die in Deutschland nicht unbemerkt bleibt“

Im nachhaltigen Finanzbereich nimmt Frankreich eine Vorreiterrolle ein, so Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds der GLS Bank, einem bedeutenden Akteur nachhaltiger Finanzen in Deutschland, sowie zuvor Analyst des französischen Researchzentrums Novethic in Paris, wo er für die Auditierung des FNG Siegels zuständig war. Im Interview mit AEF info erklärt er die unterschiedlichen Ansätze zwischen den Ländern. Während Frankreich aufgrund gesetzlicher Initiativen eine Vorreiterrolle eingenommen hat, setzt der deutsche Markt auf freiwillige Initiativen. Aber die europäische Sustainable Finance Initiative könnte die Situation grundlegend verändern.

Welche gesetzlichen Mittel gibt es in Frankreich, die es nicht in Deutschland gibt?

In Deutschland gibt es bisher wenige Instrumente, die den Markt für nachhaltige Geldanlagen gesetzlich regulieren. Hier nimmt Frankreich europaweit eine Vorreiterrolle ein, die in Deutschland nicht unbemerkt bleibt. Dies gilt besonders für den so genannten Artikel 173, der institutionelle Anleger mit mehr als 500 Mio. Euro verwalteten Vermögens verpflichtet, über die Klimawirkung ihrer Investments zu berichten. Diese 2016 umgesetzte Regulierung folgt in Frankreich einer langen Tradition. Bereits 2010 mussten Vermögensverwalter im Rahmen des loi grenelle 2 gegenüber Investoren angeben, wie sie Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien berücksichtigen.

Der deutsche Gesetzgeber hält sich mit gesetzlicher Regulierung dagegen sehr zurück und vertraut eher auf Brancheninitiativen. Diese unterschiedliche Vorgehensweise zeigt sich sehr gut an Zertifizierungssystemen für nachhaltige Investmentfonds. In beiden Ländern gibt es am Markt etablierte Siegel, die einen Mindeststandard für Nachhaltigkeit definieren. In Frankreich ist der Staat der Träger dieser Siegel. Das Umweltministerium verwaltet ein Siegel für Klimafonds (label greenfin), das Finanzministerium ein weiteres für allgemeine Nachhaltigkeitsfonds (label ISR). Demgegenüber hat im deutschsprachigen Raum der Branchenverband selbst, das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), ein Siegel für Nachhaltigkeitsfonds an den Markt gebracht (FNG Siegel).

Wie ist die Qualität bei der Erhebung, Nutzung, Darstellung und Kommunikation von Nachhaltigkeitsinformationen?

Die meisten Vermögensverwalter, sowohl in Deutschland als auch in Frankreich, hängen von den Nachhaltigkeitsdaten externer Researchagenturen ab. Diese sind mittlerweile alle fest in amerikanischer Hand. Das französische Haus vigeoeiris wurde vor rund einem Jahr von Moody´s mehrheitlich erworben. Der bekannteste deutsche Anbieter, die oekom research AG, gehört seit Anfang 2018 zu ISS ESG, einem der wichtigsten Stimmrechtsberater der Welt. Diese Agenturen bieten standardisierte ESG-Analysen für Unternehmen an, die in den wichtigsten Indizes weltweit gelistet sind. Kleinere Unternehmen werden nur zum Teil abgedeckt. Hier herrschen Qualitätsunterschiede. Die Bewertungsansätze unterscheiden sich je nach Motivation der Anbieter (Risikominimierung, Reputationsschutz, Erzielung einer Nachhaltigkeitswirkung) teilweise sehr stark. Wir hinterfragen diese Ansätze intern durchaus kritisch. 

Ein großer Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich ist zudem, dass es in Deutschland bedeutend seltener interne ESG-Researchabteilungen gibt. Die GLS Bank ist hier eher die Ausnahme als die Regel. Aufgrund des geringeren gesetzlichen Drucks berichten deutsche Anbieter auch weniger über die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Investments. Insbesondere die Klimareportings französischer Häuser sind deutlich ausgefeilter und umfangreicher. Wir bei der GLS Bank versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen und ermitteln, ob unsere Anlagen und Finanzierungen im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen sind.

Seit einigen Jahren bemühen sich Anbieter zudem, verstärkt den Impact ihrer Investitionen darzustellen, vor allem im Hinblick auf die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Diese Reportings sind aber mit großer Vorsicht zu genießen.

Tragen die staatlichen Siegel in Frankreich zur Förderung einer nachhaltigen Finanzwirtschaft im Land bei? Welche Auswirkungen hat dies auf europäischer Ebene? 

Ein Blick von außen ist schwierig. Sicherlich haben die beiden staatlichen Siegel in Frankreich das Transparenzniveau erhöht und auch geholfen, ein Mindestmaß an Nachhaltigkeit am Markt zu etablieren. Dabei konnte der Staat auf wichtige Erfahrungen zurückgreifen, die das Researchunternehmen Novethic, bei dem ich viele Jahre arbeitete, mit den ersten Nachhaltigkeitssiegeln sammelte.

Vor allem das staatliche Klimasiegel Greenfin hat das Potenzial, hohe Standards bei Klimainvestments zu etablieren. Denn es schließt konsequent Kernkraft und jegliche Form fossiler Energie, also auch Erdgas, aus. Die Geschäftsaktivitäten, die als klimafreundlich gelten, sind eher restriktiv gewählt und orientieren sich an der Climate Bond Initiative. Ebenfalls fordert es eine hohe Transparenz ein. Dieses Anspruchsniveau sollte auch bei der derzeitigen Diskussion eines europäischen Ecolabels für Klimafonds vorherrschen. Erste Zwischenergebnisse zeigen leider eine andere Tendenz.

Wie schätzen Sie die Arbeit des "Sustainable Finance Beirats" ein? Hat er einen Einfluss auf die Branche?

Der Sustainable Finance Beirat ist ein knapp 40-köpfiges Gremium aus Branchenexperten. Sein Ziel ist sehr ambitioniert. Er soll der Bundesregierung Empfehlungen an die Hand geben, wie Deutschland zu einem in Europa führenden Sustainable Finance-Standort ausgebaut werden kann. Anfang März 2020 hat er einen Zwischenbericht veröffentlicht, der vielfältige Vorschläge und zwei konkrete Ziele adressiert: Die Wirtschaft nachhaltig zu transformieren und widerstandsfähiger zu machen. Dazu werden konkrete Handlungsansätze formuliert. Beispielsweise schlagen die Experten vor, die KfW zu einer transformativen Förderbank umzuwandeln. Oder Investoren sollen im Risikomanagement Klimaaspekte stärker berücksichtigen.

Die Arbeit des Beirats ist in der nachhaltigen Finanzmarktszene in Deutschland definitiv ein Thema. Der Zwischenbericht geht in die richtige Richtung, ihm fehlt aber eine klare Zukunftsperspektive. Als GLS Bank haben wir unsere Einschätzung zum Zwischenbericht auf unserer Homepage veröffentlicht.

Welchen Einfluss hat die Sustainable Finance Initiative der EU-Kommission auf Deutschland, insbesondere die Einführung der EU-Taxonomie?

An der europäischen Sustainable Finance Regulierung führt kein Weg vorbei. Das ist den Akteuren am deutschen Finanzmarkt sehr bewusst. Sie ist daher der wesentliche Treiber für die Entwicklung nachhaltiger Investments in Deutschland. Auch wenn die Taxonomie rechtlich (noch) nicht bindend ist, beschäftigen sich Marktteilnehmer jetzt intensiv mit der Frage, wie sie die gesetzlichen Transparenz- und Taxonomie-Vorgaben in ihrem Investmentprozess umsetzen können. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat zudem ein vielbeachtetes Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken verfasst.

Als einer der Pioniere für nachhaltige Finanzen in Deutschland freuen wir uns einerseits über die Dynamik. Andererseits begleiten wir die Entwicklung kritisch und fragen uns, ob die Gesetzesmaßnahmen tatsächlich zu einer nachhaltigeren europäischen Wirtschaft führen. Bisher sind die Vorhaben sehr auf die Minimierung von Klimarisiken ausgerichtet, nicht auf die nachhaltige Transformation der Wirtschaft im Einklang mit Umwelt und Gesellschaft.

Kann die Coronakrise die Situation in Deutschland grundlegend ändern?

Wir befinden uns derzeit in einer historischen Ausnahmesituation, deren Folgen schwer abschätzbar sind. Deswegen tue ich mich schwer, Prognosen abzugeben. Hoffnungsfroh stimmt mich aber zu sehen, wie beherzt und tatkräftig die Politik handelt, um das gesundheitliche Wohl der Gesellschaft sicherzustellen. Wenn die Politik diese Entschlossenheit auch bei der Bekämpfung der Klimakrise zeigt, dann blicke ich zuversichtlich in die Zukunft. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg!


Dies ist eine deutsche Übersetzung. Das französische Originalinterview findet sich hier: https://www.aefinfo.fr/depeche/626208

Über Stefan Fritz

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 600 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 31.03.2020).

Weiterführende Informationen zum GLS Bank Klimafonds:

https://www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

ESG-Ratings: Welche Fragen sich Anleger*innen stellen sollten

von Stefan Fritz und Jakob Heidecke, beide GLS Bank.

Nachhaltigkeit erobert den Mainstream-Finanzmarkt. Damit gewinnt auch die Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen an Bedeutung. Die zunehmende Relevanz dieser sogenannten ESG-Ratings ist auch der Politik nicht verborgen geblieben. Die EU-Kommission schrieb eine Marktstudie aus. Den Zuschlag erhielt laut Branchenmedien das britische Beratungsunternehmen sustainAbility. An sich ist dies natürlich eine begrüßenswerte Entwicklung. Schließlich sollten nachhaltige Geschäftsmodelle von Investoren gefördert werden. Doch ein näherer Blick auf diese Ratings ist ratsam. Das zeigt nicht zuletzt der erste Rechtsstreit zwischen einem Anbieter von ESG-Ratings sowie dem von ihm bewerteten Unternehmen. Anleger*innen sollten verschiedene Aspekte und Fragen im Blick haben:

Welchen Einfluss haben Geschäftsziele des Researchanbieters auf ESG-Ratings?

Zu Beginn der 2000er Jahre war der Markt für Nachhaltigkeitsresearch von zahlreichen kleinen Häusern geprägt. Viele von ihnen verfolgten einen ethischen Ansatz. Zwei Beispiele: Die oekom research AG (heute ISS ESG) entwickelte ihr Bewertungsverfahren aus dem Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden, einem ethischen Kriterienkatalog, der von Ökonomen, Philosophen und Theologen entwickelt wurde. Das französische Haus Vigeo (heute Vigeo Eiris) wurde 2002 gemeinsam von Investoren, Gewerkschaften und Unternehmen gegründet, um die soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen zu ermitteln.

Im Laufe der vergangenen 10 Jahre haben sich die Marktstrukturen radikal verändert. Schritt für Schritt betraten große amerikanische, börsennotierte Finanzdienstleister die Bühne. Mit ihrer Finanzkraft kauften sie nach und nach kleine Anbieter auf. 2010 kaufte MSCI Riskmetrics, 2016 erwarb S&P Trucost, 2017 beteiligte sich Morningstar an Sustainalytics, 2018 schluckte ISS die oekom Research AG und vergangenes Jahr übernahm Moody's Anteile am britisch-französischen Haus Vigeo Eiris. Die Folge: Heute zeichnet sich der Markt durch ein Oligopol weniger Anbieter aus, die mittlerweile allesamt in amerikanischer Hand liegen.


Quelle: Dr. Judith Ströhle: Die Ursprünge unterschiedlicher Ratingansätze. Erschienen in: Absolute Impact, Ausgabe 04/2019.

Es stellen sich Fragen: Inwieweit bewahren die neuen Eigentümer die ursprüngliche ethische Motivation ihrer Akquisitionen? Viele Researchhäuser betonen zunehmend das finanzielle Risiko schwacher Umwelt- und Sozialleistungen von Unternehmen und Staaten. Geht es also bei ESG-Ratings darum, das finanzielle Risiko von Nachhaltigkeitskriterien aufzuzeigen? Oder sollen die Unternehmen am besten bewertet werden, deren Geschäftsmodell zukunftsweisende Lösungen haben? Je nach Antwort können ESG-Ratings stark variieren.

Fördert die derzeitige Abdeckung von ESG-Ratings am Markt die Finanzierung wirklich nachhaltiger Geschäftsmodelle?

Viele nachhaltige Fondsanbieter und Investoren richten sich nach Benchmarks. Bei Aktienfonds ist das häufig der MSCI World Index. Das Auswahlverfahren beginnt also damit, dass die Anbieter von den rund 1.600 Indextiteln diejenigen mit dem schlechtesten ESG-Rating aussortieren. Aus den verbliebenen Titeln setzen sie dann ihr Portfolio zusammen. Um für Fondsanbieter und Investoren überhaupt in Frage zu kommen, müssen Researchanbieter die ESG-Ratings aller Unternehmen großer Indizes bereitstellen. Ihr Fokus liegt demnach auf großen börsennotierten Unternehmen. Kleinere Unternehmen fallen häufig durch das Raster, da sie aufgrund mangelnder Handelbarkeit oder zu hohem finanziellen Risiko seltener nachgefragt werden. Das klassische Prinzip von Nachfrage und Angebot eben.


Quelle: Coffey, Brendan, Here Are Fund Managers’ Favorite ESG Stocks (2019)

Doch müssen für den Weg zu mehr Nachhaltigkeit nicht neue Geschäftsmodelle gefördert werden? Muss das Geld nicht dorthin fließen, wo es tatsächlich gebraucht wird; in kleine, junge Unternehmen, die ein zukunftsweisendes Geschäftsmodell haben; Unternehmen, die über Anleiheemissionen oder Kapitalerhöhungen frisches Kapital einnehmen und direkt in wirkungsstarke Projekte investieren? Soll nicht die Zukunftsfähigkeit eines Geschäftsmodells und nicht die Börsenkapitalisierung der Ausgangspunkt eines Investmentprozesses sein? Würde sonst nicht eher der Status quo gefördert? In welcher Weise haben Researchhäuser darauf eine Antwort?

Scoring-Modelle mit hoher Divergenz

Anbieter von ESG-Scorings müssen sich immer wieder gegen den Vorwurf wehren, ihre Bewertungen seien unpräzise und würden stark voneinander abweichen. Während die Ratings großer Kreditratingagenturen in der Regel sehr nahe beieinander liegen, sei die Korrelation von ESG-Ratings vergleichsweise gering. Dafür gibt es viele Gründe. Während Kreditratings nur die Kreditausfallwahrscheinlichkeit messen und auf standardisierten Verfahren beruhen, spielen bei ESG-Ratings unterschiedliche Faktoren eine Rolle:

  • Zielsetzung des Ratings: Es gibt unterschiedliche Zielrichtungen eines ESG-Ratings. Anleger*innen sollten sich fragen: Zielt das Rating darauf ab, finanzielle Risiken zu vermeiden, die sich aus ESG-Aspekten ergeben? Oder soll es Unternehmen ermitteln, die eine hohe ökologische und soziale Wirkung erreichen?
  • Gewichtungen von ESG-Kriterien: Es gibt keinen Standard, wie bestimmte Umwelt- und Sozialaspekte berücksichtigt und gewichtet werden sollen. Je nach Ziel des ESG-Ratings kann dies erheblich variieren. Manche Anbieter gewichten Sozialaspekte höher, andere Umweltaspekte. Einer der Hauptkritikpunkte an der EU-Taxonomie ist derzeit, dass Klimaaspekte einen zu hohen Einfluss haben und Sozialaspekte nur im schwachen Maße Beachtung finden.
  • Qualität und Verfügbarkeit von Daten: Die Qualität der berichteten Daten kann sich von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterscheiden. Große multinationale Konzerne haben häufig ein umfassendes Berichtswesen, mit dem sie umfangreich über ihre ESG-Leistungen Auskunft erteilen. Bei kleineren Unternehmen fehlen nicht selten die Kapazitäten, um sich mit ESG-Reportinganforderungen auseinanderzusetzen. Deswegen wird am Markt kolportiert, dass es eine positive Verzerrung von ESG-Ratings für große Unternehmen gäbe. Anleger*innen müssen also vor allem bei kleinen Unternehmen sehr genau hinterfragen, ob eine schlechte Bewertung auf schwache Sozial- oder Umweltleistungen zurückzuführen ist oder schlichtweg auf fehlende Angaben.
  • Betrachtungsweise: Manche Anbieter nehmen innerhalb einer bestimmten Gruppe an Unternehmen (Indizes, Branchen, Ratinguniversum) eine relative Verteilung von ESG-Ratings vor. Das Ergebnis ist dann einer Standardnormalverteilung sehr ähnlich. Das wäre wie das Ergebnis einer Klassenarbeit, bei der es genauso viele Einser wie Sechser, Zweier wie Fünfer, Dreier wie Vierer gibt. Der Notenschnitt läge in der Mitte. Demgegenüber gibt es Anbieter, die unabhängig von solchen Gruppen eine absolute ESG-Bewertung vornehmen. Um im Bild der Notenverteilung zu bleiben, gäbe es vielleicht keine Einser und Zweier, dafür einige Dreier und Vierer und sehr viele Fünfer und Sechser. Der Schnitt wäre demnach sehr viel schlechter. 


Quelle: Eccles, Robert G. and Stroehle, Judith, Exploring Social Origins in the Construction of ESG Measures (July 12, 2018). Available at SSRN: https://ssrn.com/abstract=3212685

Fazit und wie die GLS Bank zu ESG-Ratings steht:

Die ESG-Bewertung von Unternehmen wird immer relevanter am Kapitalmarkt. Dies ist ein richtiger und wichtiger Schritt, um Unternehmen zu nachhaltigerem Handeln zu bewegen. Jedoch sollten Anleger*innen die unterschiedlichen Motivationen und Methoden der Anbieter von ESG-Ratings am Markt hinterfragen. Die GLS Bank selbst überprüft jedes Investment im Detail auf sozial-ökologische Kriterien. Statt allerdings quantitativ Plus- und Minuspunkte zu verrechnen, wählt die Bank die Einzelfallentscheidung als bewusstes Arbeitsprinzip. In einem interdisziplinär zusammengesetzten Anlageausschuss diskutieren und entscheiden renommierte Nachhaltigkeitsexpert*innen, auf Basis von quantitativen und qualitativen Indikatoren, ob Unternehmen in das GLS Anlageuniversum aufgenommen werden oder nicht. Dies mag auf den ersten Blick wenig systematisch wirken. Aber es beugt einem mechanischen und einseitigen Bewertungsschema vor. Schließlich kann ein ESG-Scoring nie die realen Gegebenheiten eines Unternehmens in seiner Komplexität erfassen.

Statt also ausschließlich auf ESG-Scorings zu vertrauen, stellen die Expert*innen die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells selbst in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Sie wollen Gelder dorthin lenken, wo sie am stärksten gebraucht werden. Deswegen werden auch kleinere Unternehmen aufgenommen, die eine hohe direkte Wirkung entfalten, jedoch nur vereinzelt von den Bewertungsansätzen der ESG Ratingagenturen erfasst werden. Auf diese Weise will die GLS Bank in ihrem Investmentfondsgeschäft die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft fördern und einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten.


Über Stefan Fritz

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Über Jakob Heidecke

Jakob Heidecke ist im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank tätig. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Prüfung neuer Emittenten sowie dem kontinuierlichen Monitoring des GLS Anlageuniversums. Zuvor absolvierte er einen M.Sc. Studiengang im Bereich Sustainable Finance an der Universität Maastricht.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 31.03.2020).

Weiterführende Informationen zum GLS Bank Klimafonds:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de

Die CORONA-KRISE: Welche Auswirkungen hat dies für Anleger*innen?

Interview mit Karsten Kührlings, Leiter Investmentfonds & Research der GLS Bank, zur aktuellen Marktentwicklung (Stand: 19.03.2020)

Herr Kührlings, diese Tage sind nichts für Anleger*innen mit schwachen Nerven. Können Sie uns kurz die Hintergründe für die Kursrückgänge erläutern?

Es gibt zwei Ursachen für die massiven Kursrückgänge. Einerseits ergeben sich erhebliche wirtschaftliche Verwerfungen aus der Corona-Pandemie. Diesen kann sich kaum ein Unternehmen auf der Welt entziehen. Zum zweiten findet ein massiver Ölpreisverfall statt, der auf eine wirtschaftliche Auseinandersetzung zwischen Russland und Saudi-Arabien zurückzuführen ist.

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Alle, wenn auch im unterschiedlichen Ausmaß. Unter dem Ölpreisverfall leiden insbesondere die großen Ölkonzerne. Auch Aktien von Unternehmen aus dem Rohstoffsektor, der Konsumgüterindustrie oder der Finanzindustrie sind im hohen Maße rückläufig. Dies gilt ebenso für Unternehmen aus der Luftfahrt- und Tourismusindustrie.

Was bedeutet die aktuelle Marktentwicklung für GLS Investmentfonds?

Selbstverständlich konnten sich auch unsere Fonds nicht der aktuellen Marktentwicklung entziehen und haben signifikante Kursrückgänge verzeichnet. Im Vergleich zu gängigen Marktindizes ist die Marktentwicklung unserer Fonds aber durchaus nicht so schlecht. Wir investieren bewusst in zukunftsweisende Geschäftsfelder, wie sie in unseren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen beschrieben sind. Das sind Unternehmen, die Telearbeitslösungen anbieten statt Dienstreisen, Erzeuger Erneuerbarer Energien statt fossiler Energien. Im Portfolio befinden sich keine Fluglinien, keine Kreuzfahrten, keine Anbieter von Massentourismus. Wir haben auch sehr granulare Portfolien, um bewusst Klumpenrisiken zu vermeiden. Insbesondere in Krisenzeiten zahlt sich das aus.

Wie reagieren die Anleger*innen?

Unsere Berater*innen sind im engen Austausch mit unseren Kund*innen. Viele haben derzeit Gesprächsbedarf. Insgesamt reagieren unsere Investoren aber sehr besonnen. Wir verzeichnen keine Mittelabflüsse. Im Gegenteil, in den vergangenen Tagen haben wir sogar Mittelzuflüsse gehabt.

Das heißt, es gibt derzeit keinen Grund angesichts der aktuellen Marktentwicklung Anteile zu verkaufen?

Wir können hier keine pauschalen Kauf- und Verkaufsempfehlungen aussprechen. Dafür gibt es ja Beratungsgespräche. Ganz allgemein lässt sich sagen: Bei aller Sorge sollten Anleger*innen nicht vergessen, dass Panik-Verkäufe so ziemlich das schlechteste sind, was sie ihrem Vermögen antun können. In der Regel stabilisieren sich die Kurse nach Panikperioden. Anleger*innen sollten daher ihre Anteile als langfristiges Investment betrachten und auch größere Schwankungen aushalten. Dies entspricht auch unserer eigenen Anlagephilosophie. Wir verstehen uns als Buy- and Hold-Investor, der starke nachhaltige Unternehmen langfristig begleitet. Diesem Grundsatz werden wir auch in den kommenden Monaten treu bleiben. Denn wir sind überzeugt, dass die Aussichten für Aktien langfristig weiterhin gut sind.

Ist vielleicht sogar der Zeitpunkt gekommen, nachzukaufen?

Es ist ja eine alte Börsenweisheit, dass Kursrückgänge auf lange Sicht ein Mittel sein können, um Fondsanteile nachzukaufen. Doch müssen Anleger*innen sich einer Gefahr bewusst sein: Wenn sie zu früh kaufen und die Kurse weiter fallen, greifen sie in ein „fallendes Messer“. Deswegen raten viele Börsenexpert*innen, nicht alles auf einmal zu investieren, sondern über einen längeren Zeitraum sukzessive nachzukaufen.

Wie werden sich die Börsen in der Zukunft entwickeln?

Die derzeitige Situation ist für alle Beteiligten neu. Daher sind seriöse Aussagen über die Kursverläufe derzeit nicht möglich. Viele Experten, etwa große Investmenthäuser oder Börsenjournalisten, publizieren regelmäßig Markteinschätzungen, an denen sich Anleger*innen orientieren können. Wir haben organisatorisch alle Voraussetzungen geschaffen, um auch in den kommenden Wochen und Monaten im vollen Maße einsatzbereit zu sein. Unsere Portfolioberatung wird wie bereits in den vergangenen Tagen und Wochen den Markt sehr genau beobachten und vorsichtig im Interesse der Anleger*innen agieren.


Weitere Informationen zur Kursentwicklung der Fonds:

Informationen zu Chancen und Risiken: Die hier vorliegenden Aussagen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen dar. Investmentfonds weisen auf Grund ihrer Zusammensetzung und ihrer Anlagepolitik ein nicht auszuschließendes Risiko erhöhter Volatilität auf, d.h. in kurzen Zeiträumen nach oben oder unten stark schwankender Anteilpreise. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Alleinige Grundlage für den Anteilerwerb sind die Verkaufsunterlagen (Wesentliche Anlegerinformationen, Verkaufsprospekt, Jahres- und Halbjahresbericht) zum Investmentvermögen. Verkaufsunterlagen zu allen Investmentvermögen sowie den ökonomischen Kennzahlen sind kostenlos bei Ihrem Berater / Vermittler, der zuständigen Verwahrstelle / Depotbank oder bei Universal-Investment unter www.universal-investment.com bzw. IP Concept unter www.ipconcept.com erhältlich.

Karsten Kührlings

Karsten Kührlings hat in den vergangenen fünf Jahren das Investmentfondsgeschäft der GLS Bank aufgebaut. Der gelernte Diplom-Kaufmann (FH) ist seit 2013 bei der GLS Bank tätig. Zuvor hat er bei der Sparkasse Mülheim das Wertpapiergeschäft geleitet. Er sitzt in mehreren Gremien (Anlageausschüssen) und ist Vorsitzender des Verwaltungsrates des GLS AI – Mikrofinanzfonds. Herrn Kührlings finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds sowie den B.A.U.M. Fair Future Fonds an.

Weiterführende Informationen zum GLS Bank Klimafonds:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de

Klimareporting von Investoren: Was man von Frankreich lernen kann

Die Diskussion am deutschen Kapitalmarkt zu klimafreundlichen Investments nimmt immer mehr Fahrt auf. Im Interview stellte Tobias Baumann aus der Portfolioberatung der GLS Bank den Ansatz des GLS Bank Klimafonds vor. Unter Branchenkennern heißt es oft, dass französische Investoren bei der Darstellung von Klimarisiken europaweit führend sind. Schon 2015 hat der französische Gesetzgeber Finanzinstitute mit mehr als 500 Mio. Euro an verwalteten Vermögen dazu verpflichtet, über die Klimarisiken ihrer Investments zu berichten („Artikel 173“). Seitdem schauen Investoren auch hierzulande jedes Jahr auf die Entwicklungen am französischen Markt. Gibt es dort Ansätze und Maßnahmen, von denen auch deutsche Finanzmarktakteure lernen können? Das französische Researchunternehmen Novethic veröffentlicht jedes Jahr eine Studie, in dem es über die neuesten Klimareportings großer Investoren berichtet. Dazu hat es die Berichtsdaten von 72 der größten Investmenthäuser Frankreichs mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 2.000 Mrd. Euro ausgewertet.

Hier sind die wesentlichen Erkenntnisse der jüngsten Studie:

Erkenntnis 1: Die Richtlinien der Task Force on Climate-related Financial Disclosure werden immer beliebter

Am deutschen Finanzmarkt weitgehend unbemerkt, tagte bereits 2017 unter dem Vorsitz des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Michael Bloomberg eine hochrangige Arbeitsgruppe mit einem klaren Ziel: Standards für Klimareportings weltweit zu etablieren. Ihr Name: Task Force for Climate-related Financial, kurz TCFD. Ein Investor sollte gemäß den TCFD-Richtlinien Auskunft auf vier Fragen geben: 1) Spielen klimabezogene Risiken in der Unternehmenspolitik und Führungsgremien eine Rolle? 2) Finden diese Risiken Eingang in die Unternehmensstrategie und 3) im Risikomanagement? 4) Mit welchen Kennzahlen werden sie gemanagt? Obwohl der französische Gesetzgeber keine Vorgaben zum Rahmenwerk der Klimaberichterstattung macht, richten sich immer mehr Investoren nach diesem Standard, vorrangig die Anbieter mit dem ehrgeizigsten Klimareporting. Auch die aktuellen Regulierungsvorhaben auf EU-Ebene orientieren sich an diesen Richtlinien.


Quelle: Novethic

Erkenntnis 2: Messung des CO2-Fußabdrucks auch in Frankreich eine Herausforderung

Sosehr die TCFD-Richtlinien an Akzeptanz gewinnen, so sehr bleibt die Messung und Darstellung des CO2-Fußabdrucks eine Herausforderung. Heterogene Berechnungsmethoden, geringe Abdeckung und verschiedene Darstellungsformen machen die Vergleichbarkeit sehr schwierig – eine Einschätzung, welche die GLS Bank teilt. Zwar berichten rund zwei Drittel der Befragten über diese Kennzahl. Doch herrschen zwischen den Assetklassen deutliche Unterschiede. Am weitesten verbreitet ist die Erhebung der Kennzahl für Unternehmensanleihen und Aktien, wohingegen bei Infrastruktur- und Immobilieninvestments nur wenige Investoren dazu Daten erheben. Häufig werden die hauseigenen Daten mit Benchmarks verglichen, um die Klimaleistung des Portfolios darzustellen.  Allerdings ist die Aussagekraft dieser Vergleiche sehr begrenzt, da der Benchmark selbst keine ESG-Kriterien berücksichtigt. Nichtsdestotrotz nutzen immer mehr Investoren die Kennzahl als ein Instrument, um den Fortschritt ihrer Klimaanstrengungen zu messen und zu überwachen.

Erkenntnis 3: Es gibt unterschiedliche Strategien, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren

Es gibt unter französischen Investoren sehr unterschiedliche Ansätze, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Die Studie unterscheidet vier Ansätze:

  1. Stockpicking: Die Investoren legen ihr Geld in Unternehmen mit geringen Treibhausgasemissionen an, z.B. Technologieunternehmen. Oder sie schließen die Unternehmen mit den höchsten Treibhausgasemissionen aus, z.B. durch den Ausschluss von Kohle.
  2. CO2-neutrale Zielsetzungen: Dieser neue Trend besteht darin, dass Investoren durch die Bündelung verschiedener Maßnahmen (Energieeffizienz, Emissionsreduzierung, Kompensation) bis zu einem bestimmten Zeitpunkt einen neutralen CO2-Fußabdruck erzielen wollen. Bisher ist dieser Ansatz nicht sehr ausgeprägt. Mit der Net-Zero Asset Owner Alliance, die im September 2019 startete, könnte hier eine neue Dynamik entstehen.
  3. Absolute Reduktionsziele: Dabei will der Investor seinen CO2-Fussabdrucks über die Zeit um einen bestimmten Prozentsatz senken. Mit dieser Maßnahme lässt sich aber nicht sagen, ob der Investor ein 2 Grad- kompatibles Portfolio hat oder nicht.
  4. Verringerung des CO2-Fußabdrucks von Immobilien: 25 Prozent der CO2-Emissionen Frankreichs stammen aus dem Immobilienbereich. Hier gibt es ein hohes Einsparpotenzial. Allerdings ist auch dies ein wenig verbreiteter Ansatz.

Erkenntnis 4: Der Anteil „grüner Investments“ steigt

Immer mehr institutionelle Investoren legen ihr Geld in Assets an, die als „grüne Investments“ ausgewiesen sind. Rund 1,4 Prozent des verwalteten Vermögens wurde entsprechend allokiert, eine Steigerung um 8,6 Mrd. Euro innerhalb eines Jahres. Auch setzen Investoren spezifische Ziele, ihren Anteil „grüner“ Investments kontinuierlich auszubauen.

Erkenntnis 5: Die Angabe einer Portfolio-Temperatur gewinnt an Bedeutung

Die GLS Bank hat auf ihrer Bilanzpressekonferenz Anfang Februar präsentiert, inwieweit ihr Klimafonds im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen steht. Auch auf dem französischen Markt zeigt sich, dass die Messung, inwiefern ein Portfolio kompatibel mit einem bestimmten Erderwärmungsszenario ist, an Relevanz gewinnt. 32 der 78 befragten Investoren haben dazu Messungen vorgenommen. Die Teilnehmer gehen dabei methodisch verschiedene Wege. Die eine Gruppe von Investoren berichtet, wie hoch die Portfoliotemperatur ausfällt. Manche von ihnen berücksichtigen dabei explizit spezifische Sektorbudgets. Die andere Gruppe verglich den Energiemix ihrer Investments mit den Szenarios der Internationalen Energie Agentur (IEA).

Fazit

Am französischen Markt gibt es eine Vielzahl an Mitteln und Wegen, die Klimarisiken im Portfolio großer institutioneller Investoren zu erfassen und zu managen. Zum Teil stoßen die befragten Institute auf die gleichen Herausforderungen wie deutsche Häuser. Die Ansätze erscheinen jedoch weitgehender und ausgereifter als hierzulande. Wenngleich gesetzliche Regulierung nicht immer ein Allheilmittel darstellt, so haben die gesetzlichen Reportingpflichten doch zu einer höheren Sensibilität bei institutionellen Investoren geführt. Die Praxis zeigt, dass es einige Musterschüler gibt, aber auch sehr viele, die sich mit dem Thema nur soviel befassen, wie sie müssen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.12.2019).

Weiterführende Informationen zum GLS Bank Klimafonds:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de

Wie kann ein Fonds einen Beitrag zum Klimaschutz leisten?

Klimaschutz ist am Kapitalmarkt das Thema der Stunde. Die Akteure am Finanzmarkt sollen ihren Beitrag leisten, um ehrgeizige Klimaschutzziele auf nationaler und internationaler Ebene zu erreichen. Initiativen wie die Taskforce on Climate-related Financial Disclosure (TCFD), Klimastresstests oder der EU Action Plan on Sustainable Finance sollen dazu den Weg weisen. Viele Fondsanbieter haben die Zeichen der Zeit erkannt und legen spezielle Anlageprodukte auf, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Auch die GLS Bank hat sich vor rund 2,5 Jahren zur Auflage eines Klimafonds entschieden. Der hauseigene Mischfonds legt in Aktien und Anleihen an, die aus Sicht der GLS Bank einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Zum Ansatz des Fonds spricht altii mit Tobias Baumann aus dem Portfolio Advisory der GLS Bank.

Die GLS Bank ist Pionier des sozial-ökologischen Bankgeschäfts. Welche Position nimmt die Bank beim Klimaschutz ein?

Tobias Baumann: Klimaschutz liegt in der DNA der GLS Bank. Die Ursprünge reichen dabei weit zurück. Als eine der ersten Banken hat die GLS Bank Ende der 80er Jahre Finanzierungen für Windkraftanlagen bereitgestellt. In ihren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen hat sich die GLS Bank zum Ziel gesetzt, eine regenerative, dezentrale und bürgernahe Energieversorgung zu fördern. Die Bank möchte gezielt die gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, die sie als Bank hat.

Dafür beteiligt sie sich aktiv an der öffentlichen Debatte. So fordert sie eine ausnahmslose und gerechte Bepreisung auf den Ausstoß von Treibhausgasen. Zudem ist die GLS Bank Vorreiter. Bewusst setzt sie Zeichen. Gemeinsam mit sozial-ökologischen Banken weltweit hat sie sich Anfang 2019 dazu verpflichtet, innerhalb der nächsten drei Jahre die Klimawirkung ihres Kreditportfolios und ihrer Investments zu messen. Das Ziel dahinter ist klar. Das gesamte Anlage- und Finanzierungsportfolio soll bis Ende 2022 im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens stehen, sprich 1,5 Grad-kompatibel sein. Darüber hinaus nimmt sie im Rahmen von Companies for Future beim Klimastreik teil.

Dann lassen Sie uns näher über ihren Anspruch sprechen, Sie haben im August 2017 einen eigenen Klimafonds aufgelegt. Was sind die Hintergründe?

Tobias Baumann: Die GLS Bank wollte auch auf der Fondsseite ihr Bekenntnis zum Klimaschutz unterstreichen. Kund*innen soll die Möglichkeit geboten werden, einen aktiven Beitrag zur Eindämmung des Klimaschutzes zu leisten. Besonders im Blick hatte die GLS Bank bei Fondsauflage die Divestment-Bewegung. Staatlichen und öffentlichen Investoren, die ihr Geld aus fossilen Investments abgezogen hatten, wollte die GLS Bank eine sinnvolle Wiederanlagemöglichkeit ihres Kapitals bieten. Die Wahl fiel dabei auf einen Mischfonds. Damit konnte der Fonds auf der Anleiheseite auch in Green Bonds investieren, die zum damaligen Zeitpunkt von einer zunehmenden Anzahl an Emittenten und mit wachsendem Volumen begeben wurden.

Mit welchem Ansatz geht die GLS Bank an das Thema heran? Investiert der Fonds in alle Branchen?

Tobias Baumann: Der generelle Anspruch der GLS Bank ist es, ihren Investoren Anlagemöglichkeiten zu bieten, die die hohen sozialen und ökologischen Standards berücksichtigen. Deswegen gelten für den Fonds die hauseigenen, strengen Ausschlusskriterien: Unternehmen mit Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen, gentechnisch veränderte Nahrungsmittel, Atomkraft, Massentierhaltung, Waffenhersteller sind ohne Ausnahme ausgeschlossen. Auch müssen alle Unternehmen in zukunftsweisenden sozial-ökologischen Geschäftsfeldern aktiv sein. Investitionen in Energieeffizienzprojekte von Flughafenbetreibern oder Erdölförderern, die am Markt als klimafreundlich beworben werden, kommen daher für die GLS Bank nicht in Frage.

Wie stellt der Fonds sicher, in klimafreundliche Unternehmen zu investieren?

Tobias Baumann: Die GLS Bank hat dafür besondere Klimakriterien entwickelt. Zum einen investiert sie in Unternehmen, die einen hohen Anteil ihrer Umsätze in besonders klimaschützende Geschäftsfelder erwirtschaften und so einen positiven Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels leisten. Das sind Fahrradhersteller, Betreiber öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, Erzeuger erneuerbarer Energien, Produzenten ökologischer Dämmstoffe etc. Zum zweiten möchte der Fonds auch die Transformation zu einer CO2-armen Wirtschaft mitgestalten. Deswegen investiert er auch in Unternehmen, die entweder bereits viele Treibhausgasemissionen eingespart oder eine besonders anspruchsvolle Klimastrategie mit hohen Einsparzielen aufgestellt haben und darüber umfassend berichten.

Um die Wirkung des Fonds zu steigern, nimmt der Fonds regelmäßig an Kapitalmaßnahmen teil und stellt den Unternehmen Kapital direkt zur Verfügung. Dadurch ermöglicht sie den Unternehmen, ihre geplanten und notwendigen klimaschützenden Projekte zu realisieren. Beispielsweise zeichnete der Fonds neue Aktien der 7C Solarparken AG, einem kleinen deutschen Solarparkbetreiber, der mit dem eingeworbenen Geld seine Solarparks erweitert. Oder der Fonds beteiligte sich an der Anleiheemission der Africa GreenTec AG, die mit dem Erlös Solarcontainer für die ländliche Bevölkerung in Mali finanziert.

Der GLS Bank Klimafonds investiert auch in Green Bonds. Wie ist hier ihr Vorgehen?

Tobias Baumann: Die GLS Bank freut sich über die positive Marktentwicklung von Green Bonds. In der täglichen Arbeit im Portfoliomanagement und im Nachhaltigkeitsresearch stellen wir leider häufig einen Mangel an Transparenz und Standardisierung sowie teilweise eine zweifelhafte Mittelverwendung fest. Auch die Zweitmeinungen externer Researchagenturen, so genannte Second Party Opinions, geben nicht immer ausreichend Aufschluss über die Qualität.

Um den eigenen Anspruch gerecht zu werden, haben wir intern einen eigenen Green Bonds Prüfprozess ins Leben gerufen, der vier Bewertungsstufen umfasst, von der eingehenden Prüfung des Emittenten, über die Inhalte des Bonds, Prozesse und Transparenz bis hin zu einem internen Vetorecht. Damit gelingt es uns, schnell auf Neuemissionen zu reagieren und die inhaltliche Qualität sicherzustellen. Im Ergebnis zeigt sich, dass mehr als die Hälfte der Green Bonds die hauseigene Prüfung nicht bestehen.

Ein Klimafonds sollte auch belegen, dass er gut für das Klima ist. Viele Fonds tun dies anhand des CO2-Fußabdrucks. Wie zeigen Sie dies?

Tobias Baumann: Die GLS Bank lässt auf verschiedene Art und Weise die Klimawirkung des Fonds feststellen. Zunächst prüft die Nachhaltigkeitsresearchagentur imug jedes Jahr den Auswahlprozess des Fonds und analysiert Titel im Portfolio darauf, inwiefern sie einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dies wird in einem Prüfvermerk festgehalten, der sich auch im Investitionsbericht des Fonds auf der Website wiederfindet.

Auch werden für den Fonds jährlich die CO2-Emissionen des Portfolios erhoben. Dazu Jahr arbeiteten wir zum ersten Mal mit dem renommierten Wuppertal-Institut zusammen. Es handelte sich dabei um eine sehr viel tiefergehende Analyse Bis auf einen Titel konnten alle Investments erfasst werden. Dies ist bemerkenswert, da sich im Fonds auch viele kleinere Titel befinden, die nicht immer von anderen Anbietern abgedeckt werden. Im Ergebnis werden pro 1 Mio. Euro Wertschöpfung bzw. Bondvolumen ca. 218 Tonnen Kohlenstoffäquivalente emittiert. Die Darstellung dieser Kennzahl betrachten wir aber mit gemischten Gefühlen.

Warum?

Tobias Baumann: Es gibt sehr viele Herausforderungen bei der Berechnung von CO2-Kennzahlen. Das fängt mit einer geringen Portfolioabdeckung an, da Datenanbieter nicht die Treibhausgasemissionen aller Unternehmen bereitstellen. Auch fehlen Standards, nach denen sich alle richten. Der GLS Bank Klimafonds orientiert sich an dem Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF)-Standard. Andere Fonds haben andere Berechnungsgrundlagen. Dadurch schwankt die Qualität der erhobenen Daten. Drittens gibt es keine einheitliche Darstellung am Markt. Beziehen sich Fondsanbieter auf die Marktkapitalisierung? Oder den Umsatz? Oder stellen sie absolute Werte dar? Manche Fonds werden zudem schöngerechnet, indem besonders schlechte Benchmarks gewählt werden. Oder die Sektorallokation des Fonds sieht so aus, dass sie nicht die Investmentwirklichkeit widerspiegelt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass der CO2-Fußabdruck eine vergangenheitsbezogene Zahl ist, mit der keine Aussage zu künftigen Emissionen der Unternehmen im Fonds getroffen werden kann. Damit ist es für Investoren sehr schwierig, anhand dieser Kennzahl die Klimawirkung des Fonds abzulesen.

Kennen Sie einen anderen Weg, der aus Sicht der GLS Bank besser geeignet ist, die Klimawirkung zu erfassen?

Tobias Baumann: Der Ansatz der GLS Bank ist, sich bei der Messung der Klimawirkung stärker auf die Zukunft zu konzentrieren. Der Fokus sollte auf der Frage liegen: Ist der Fonds im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen? Dazu ist die Bank eine Entwicklungspartnerschaft mit right. based on science, einem Anbieter wissenschaftsbasierter Daten eingegangen. Bewusst verfolgt die GLS Bank damit das Ziel, eine Diskussion zu diesem Thema anzustoßen, die nicht in der Vergangenheit stehen bleibt. Auf der Bilanzpressekonferenz am 5. Februar wurde das Ergebnis der Ersterhebung präsentiert. Erfreulicherweise ist der Fonds im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens (Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen der Berechnung). In den kommenden Jahren soll der Ansatz sukzessive weiterentwickelt werden.

Findet ihr Konzept Anklang bei Investoren? Richtet es sich auch an institutionelle Investoren?

Tobias Baumann: Seit Auflage im August 2017 verzeichnet der Fonds kontinuierliche Zuflüsse. Die öffentlichen Diskussionen um das Klima haben dem Fonds in den vergangenen Monaten einen beachtlichen Volumenschub gegeben. Im laufenden Geschäftsjahr seit dem 1. August 2019 stieg das Fondsvolumen von 49 Mio. Euro auf 85 Mio. Euro an.

Mit der Anteilscheinklasse B, die ab einer Mindestanlagesumme von 200.000 Euro erwerbbar ist, spricht die GLS Bank gezielt institutionelle Investoren an. Zu den Anleger*innen dieser Tranche gehören einige semi-professionelle sowie institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Stiftungen oder Family Offices. Auch Akteure aus der Zivilgesellschaft mit sozialen Zielen wie z.B. NGOs zeigen starkes Interesse. Die laufenden Kosten betragen 1,0 Prozent.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Was erwarten Sie für den Fonds in den kommenden 12 Monaten?

Tobias Baumann: Die Klimadebatte wird weitergehen, sowohl öffentlich als auch am Kapitalmarkt. Dies dürfte den Fonds auch in den kommenden Monaten zu Gute kommen. Darüber hinaus wird der Fonds im August drei Jahre alt und weist damit ein Alter auf, in dem viele Fonds von großen Finanzplattformen bewertet werden. Dieser Track Record dürfte den Fonds für weitere Investorenkreise interessant werden lassen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.


Über Tobias Baumann

Tobias Baumann arbeitet seit knapp einem Jahr in der Portfolioberatung der GLS Bank und ist für das Management des GLS Bank Klimafonds verantwortlich. Zuvor war er mehrere Jahre als Portfoliomanager im Asset Management der Wüstenrot & Württembergischen AG tätig. Tobias Baumann ist seit 2015 CFA Charterholder und hat ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim abgeschlossen.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.12.2019).

Weiterführende Informationen 

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de

Wahl nachhaltiger Investmentfonds: Worauf Anleger*innen achten sollten

von Thomas Graf, Teamleiter Nachhaltigkeitsresearch, GLS Bank.

In jüngster Vergangenheit wird auf politischer Ebene viel über die Definition nachhaltiger (oder zumindest klimafreundlicher) Investments debattiert. Der regulatorische Druck wächst. In diesem Zuge berücksichtigen immer mehr Investoren Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien (englisch ESG für Environmental, Social, Governance) im Investmentprozess. Das Angebot an Fonds mit nachhaltigen Anlagestrategien wächst. Bereits heute haben viele Anleger*innen Schwierigkeiten, die sozial-ökologische Qualität von Nachhaltigkeitsfonds richtig einzuschätzen. Doch es gibt ein paar Hilfsmittel, mit denen Anleger*innen einen strengen und glaubwürdigen Nachhaltigkeitsansatz identifizieren können.

1) Die Motivation und Kriterien des Fondsanbieters hinterfragen

In Zeiten, in denen sich große Fondsanbieter als führende Nachhaltigkeitshäuser positionieren, gerät eine entscheidende Frage schnell in den Hintergrund: Warum beschäftigen sich Fondsanbieter eigentlich mit Nachhaltigkeit? Es gibt sicherlich unterschiedliche Motivationen für die Auflage von Nachhaltigkeitsfonds. Manche Asset Manager schielen auf die Fondseinnahmen, andere wollen eine Reputation als verantwortliches Haus aufbauen. Für eine dritte Gruppe wie Alternativbanken zählt Nachhaltigkeit zum Kerngeschäft. Sie wollen einen Fonds, der ihren Werten entspricht.

Anleger*innen können dies überprüfen. Viele Fondsanbieter veröffentlichen ihre Anlagekriterien im Internet. Es lässt sich darin nachlesen, ob kontroverse Geschäftsfelder (z.B. Atomkraft, Kohle, Massentierhaltung, Gentechnik) ebenso wie kritische Geschäftspraktiken (Korruption, Kinderarbeit, Umweltzerstörung, etc.) ausgeschlossen sind. Auf die Details ist zu achten: Gelten die Regeln nur für eine Gruppe an Fonds oder für das gesamte Wertpapiergeschäft? Darf ein kleiner Umsatzanteil doch in kontroversen Aktivitäten erwirtschaftet werden oder gilt die Nulltoleranz? Häufig werden hier Unterschiede gemacht.

Aber nur kritische Unternehmen auszuschließen, greift zu kurz. Wichtig ist es, Gelder der Kunden*innen bewusst in neue Projekte und Unternehmen zu leiten, die nachhaltige und zukunftsweisende Ziele verfolgen. Best-in-Class-Ansätze greifen dabei häufig zu kurz, da sich diese an gängigen Marktindizes orientieren, deren Mitgliedsunternehmen schon im hohen Maße mit Kapital versorgt sind. Stattdessen sollten sich Anleger*innen fragen: Gibt es spezielle Themenfelder, in die Fondsanbieter investieren. Handelt es sich dabei um Akteure in zukunftsweisenden Branchen, z.B. nachhaltige Mobilitätsdienstleister oder Erneuerbare Energien-Betreiber? Oder befinden sich beispielsweise auch Öl- und Kohlekonzerne im Portfolio, deren ökologischer Mehrwert sich auf ein branchenweit überdurchschnittliches gutes Umweltmanagementsystem beschränkt? Ein Blick auf die Portfoliozusammensetzung (Factsheet, Finanzberichte) gibt eine erste Orientierung.

Beispiel Kriterienkatalog der GLS Bank

 

2) Die Strenge der Nachhaltigkeitsbewertung überprüfen

Anleger*innen sollten sich bewusst sein, dass es trotz anspruchsvoller Anlagekriterien knifflige Fälle gibt. Multinationale Konzerne haben diverse Geschäftsfelder und sind weltweit tätig. Bei manchen Sachverhalten ist es schwierig, eindeutige Schlussfolgerungen zu treffen. In welchem Maße ist ein Schlüsselkomponentenhersteller für Elektroautos investierungswürdig, der im Verdacht steht, Arbeitsrechte in der Zuliefererkette zu verletzten? Wie ist mit Unternehmen umzugehen, deren Produkte unter Umständen auch in militärischen Geräten verbaut werden können? Anleger*innen sollten fragen, wie kritisch ein Anbieter genau mit diesen Fällen umgeht. Standard ist, das Nachhaltigkeitsrating spezialisierter ESG-Agenturen zu beachten, welches eine gute erste Faktenlage liefert. Doch das ist erst der Anfang! Im Idealfall sollten Nachhaltigkeitsanalysten*innen mit langjähriger Erfahrung anhand dieser Daten und eigener Recherchen den Sachverhalt bereichern und um eine eigene ausgewogene Einschätzung ergänzen. Dabei geht es auch um das eigene kritische Urteilsvermögen. Denn ein Scoring-Modell, das mechanisch Plus- und Minuspunkte quantitativ verrechnet, kann nie die realen Gegebenheiten eines Unternehmens in seiner Komplexität erfassen.

Auch der externe Blick ist wichtig. Deswegen sollte die Diskussion und Bewertung eines Unternehmens in einem unabhängigen Expertengremium erfolgen. Dieses Verfahren ermöglicht eine umfassende Einschätzung, ob eine Investition den eigenen Anlagegrundsätzen gerecht wird oder nicht.

Researchprozess der GLS Bank

 

Unternehmen ändern sich, daher sollte jeder Titel im Portfolio kontinuierliche Überwachung auf mögliche Missstände und zweifelhafte Geschäftsfelder überwacht werden. Fällt ein Unternehmen negativ auf, kann es erneut dem externen Gremium vorgelegt werden, welches dann über das weitere Vorgehen entscheidet. Anleger*innen sollten schauen, ob Unternehmen, bei denen sozial-ökologische Kontroversen auftreten, auch wieder vom Fondsanbieter entfernt werden. Weitere externe Überprüfungen von unabhängigen Institutionen können zudem helfen, wie der Ansatz beurteilt wird. Der Fair Finance Guide beispielsweise prüft den Umfang interner Richtlinien und deren Umsetzung, also ob Banken sich an ihre eigenen Richtlinien halten.

3) Transparenz einfordern

Anleger*innen sollten die sozial-ökologische Qualität des Portfolios nachvollziehen können. Sie müssen verstehen, ob die Kriterien auch tatsächlich eingehalten werden. Dafür sollten sie ein leicht verständliches Reporting von Fondsanbietern verlangen. Hier zeigt sich, dass es am Markt bisher noch die größten Defizite gibt. Fehlende Berichtsstandards führen dazu, dass viele Fonds sich auf Finanzkennzahlen beschränken oder die erhobenen Umwelt- und Sozialindikatoren schwer zu interpretieren sind. Um zu beweisen, dass Fondsanbieter ihren Worten auch Taten folgen lassen, sollten sie in leicht verständlicher Art und Weise die Qualität ihrer Portfoliotitel aus sozial-ökologischer Sicht darstellen, sei es durch Kurzbeschreibung der Wertpapiere oder eingängige Graphiken.

Übersicht der Branchen, in die der GLS Bank Aktienfonds investiert


Quelle: Investitionsbericht des GLS Bank Aktienfonds

Wenn Anleger*innen zufriedenstellende Antworten auf diese Fragen erhalten, haben sie schon einen großen Schritt bei der Auswahl eines strengen sozial-ökologischen Fonds gemacht.


Thomas Graf arbeitet seit 2011 bei der GLS Bank und ist Teamleiter im Nachhaltigkeitsresearch. Neben der sozial-ökologischen Prüfung von Wertpapieren, Wertpapieremittenten und Entwicklungsfinanzierungsvehikeln, kümmern sich er und sein Team um die sozial-ökologische Begleitung neuer Angebote. Zudem ist er verantwortlich für die Moderation und Koordination des GLS Anlageausschusses.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.12.2019).

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de