Strategien - Breit diversifizieren, gerade auch im ­Bereich der Trendfolger

Ist das Diversifizieren eines Portfolios wirklich „the only free lunch in investing“? Oder heißt gerade jetzt das Motto: besser „spezialisiert sein“ und „punktuelle Treffer setzen, statt überall dabei zu sein“?

 von Frank Seidel, Gründer der amandea Vermögensverwaltung AG

Für einen Stellvertreter eines rein systematischen und prog­nosefreien Handelsansatzes im Bereich der trendfolgenden UCITS-Fonds stellt sich hier sicherlich nicht die Glaubensfrage. Die zurückliegenden Jahre haben sich für die Spezies der Managed Futures Fonds zwar als undankbar und in der Sache schwierig dargestellt. Einige Marktteilnehmer haben das Handtuch geworfen, viele erleben derzeit den tiefsten Draw-Down seit Bestehen der eigenen Handelsstrategie. Und Aktienmärkte haussieren dabei – politisch getrieben – nahezu unbeirrt.

Ich möchte aber eine Lanze dafür brechen, sich in diesem Marktumfeld bei der täglichen Suche von Trends oder „Trendprodukten“ nicht einfangen zu lassen von neuen verlockenden Teilstrategien und kurzfristig erfolgversprechenden Handelsideen. Es gibt sicherlich Dinge, die auf den ersten Blick sehr verlockend aussehen – es gibt aber auch Fakten, zu denen zumindest wir zum wiederholten Male in internen Diskussionen zurückgekehrt sind: Wir kennen die künftigen Marktentwicklungen nicht und wir möchten möglichst stabil auf künftige Entwicklungen und ggf. auch Marktverwerfungen reagieren können. Warum also das Risiko eingehen und punktuelle Trends spielen und sich (unnötig?) spezialisieren, etwa auf nur wenige Märkte, wenige Zeitfenster oder Einzelstrategien?

Jetzt erst Recht sollten Manager die Möglichkeiten nutzen, die ihnen die Märkte mit unterschiedlichen Trends auf den unterschiedlichsten Assetklassen, in den unterschiedlichen Betrachtungsfenstern und in beiden Trendrichtungen (long und short) bieten können. Bezogen auf meine favorisierte Umsetzung heißt das: möglichst viele einzelne Märk­te, viele unterschiedliche Zeitfenster (konsolidiert in einer kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Betrachtung) sowie jeweils zueinander gering korrelierte Strategien innerhalb dieser Zeitfenster. 

Dabei unterteilen wir Substrategien primär an Hand der durchschnittlichen Investitions­dauer in den Zeitfenstern kurzfristig (bis zu zwei Wochen), mittelfristig (bis zu drei Monaten) und langfristig (rund 6 Monate). Unterstellt, die verschiedenen genutzten Trendlängen würden individuell ihr eigenes Alpha und ihren positiven Return über die Zeit für ein institutionelles Portfolio oder einen UCITS-Fonds generieren, so wäre das die erste Legitimation, quasi die Vorspeise eines „free lunch“. Doch liefern diese Zeitfenster überhaupt akzeptable stabile Performancebeiträge?

Auf Basis der von uns eingesetzten und hier konsolidiert dargestellten Zeitfenster zeigt sich, dass diese Strategien mehrheitlich positive Returns generieren, dies aber eben zu unterschiedlichen Zeiten tun.

Kann man hieraus schon einen höheren Nutzen oder eine Präferenz z.B. für einen langfristigen oder kurzfristigen Trend ableiten? Ich bin der Meinung, nein. Denn die hier zum Jahresende 2013 dargestellten Ergebnisse sind alles andere als stabil und ändern sich über die Zeit laufend. In der Tendenz sind die Ergebnisse zwar positiv, darauf aber eine Wette in Bezug auf eine Präferenz oder Übergewichtung abzugeben ist zumindest mutig. 

Also auch hier: nach der „Vorspeise“ der niedrigen Korrelation folgt quasi als „Hauptspeise“ der nächste free lunch durch unterschiedliche Ertragsquellen dieser gering korrelierten Strategien. 

Abgerundet sollte das jetzt noch werden mit einem passenden Dessert des Risiko­managements, welches das Draw-Down-Verhalten dieser Subsysteme sowie der Gesamtstrategie im Zaum hält. All das klingt in der Theorie einfach – die Umsetzung ist allerdings komplex und mehrdimensional.

Fazit: Wer auf ein möglichst robustes Handelssystem und stabile Returns aus ist, kommt aus meiner persönlichen Sicht um eine breiten Streuung auf allen dargestellten Ebenen nicht herum. Seit Ende 2009 setzen wir diese Erkenntnis nunmehr ohne diskretionäre Eingriffe im Handelssystem eines UCITS-Fonds um und können zumindest in diesem zurückliegenden Zeitraum den hohen Nutzen dieses „free lunches“ bestätigen.

 

Frank Seidel 
ist einer der Gründer der amandea Vermögensverwaltung AG und verantwortet das Produkt-management des Unternehmens. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Wertpapierbereich sowie der Betreuung von vermögenden Privatkunden. Er ist spezialisiert auf die Bereiche Strukturierte Produkte und Alternative Investments. 

Die amandea Vermögensverwaltung AG
wurde 2009 mit dem Fokus der Finanzportfolioverwaltung für private und ausgewählte institutionelle Mandanten gegründet. Sie fungiert gemeinsam mit dem Co-Manager Altruid Systems als Fondsmanager des UCITS-CTA-Funds amandea – ALTRUID HYBRID.