Das eigene Zuhause gewinnt im Zuge der Pandemie an Bedeutung

von Tobias Just und Rupert K. Eisfeld, beide IREBS – Universität Regensburg.

Folgt man Berichten in Medien und Immobilienmarktprofessionals hatte die Covid-19-Pandemie bisher keine Auswirkungen auf die deutschen Wohnungsmärkte: Wohnungen sind vielerorts weiterhin knapp, und die Mieten und Preise sind bis zuletzt weiter gestiegen.

Diese Darstellung ist richtig und doch in (mindestens) dreifacher Hinsicht zu holzschnittartig. Erstens reagieren Wohnungsmärkte sehr langsam auf Schocks; Anpassungen benötigen mitunter Jahre. Wir erleben aktuell zunächst nur die unmittelbaren Auswirkungen. Immerhin. Zweitens greift der reine Blick auf die eingetretene Entwicklung dahingehend zu kurz, weil der Referenzpunkt fehlt. Ein richtiger Referenzpunkt ist aber nicht Stagnation, sondern wie sich die Märkte ohne die Pandemie entwickelt hätten. Dies hätte stürmischer oder weniger dynamisch sein können. Doch ohne ein Referenzszenario ist eine Analyse der Pandemieeffekte nicht sinnvoll. Drittens schmelzt das Eingangsstatement viele kleinräumige und qualitative Details und Verschiebungen zu einer einzigen Aussagelegierung zusammen. Das ist wie gesagt nicht falsch, aber manchmal lohnt es sich eben zusätzlich auf die Unterschiede hinter den Details zu achten.

In diesem Standpunkt gehen wir auf den dritten Aspekt ein und zeigen anhand von Analysen zum Internetsuchverhalten von Menschen in Deutschland, dass mit Verschiebungen in den Wohnpräferenzen zu rechnen ist. Es kam nämlich über viele Monate zu statistisch signifikanten Abweichungen darin, nach welchen Wohnungsattributen Menschen im Internet suchten im Vergleich zu den Quartalen vor der Pandemie.1

Die Analyse von Internet-Suchanfragen ist in den letzten Jahren zu einem regelrechten eigenen Forschungszweig gewachsen, da die investierte Zeit als klares Zeichen für die Suchbereitschaft gilt. Dann lässt sich eben auch vermuten, dass Veränderungen in den Suchanfragen einen gewissen Vorlauf zu Marktbewegungen haben (Choi & Varian 2012). Für Immobilien sind die Wirkungsverzögerungen natürlich länger als für Güter des täglichen Bedarfs, aber Bezüge sind hier feststellbar (Hohenstatt et al. 2011; Dietzel et al. 2014).

Mit „Google Trends“2 lassen sich z.B. die Suchanfragen für immobilienwirtschaftlich relevante Begriffe im Kontext der COVID-19-Pandemie analysieren: Wie häufig googelten Menschen z.B. nach den Begriffen „Garten“ oder „Balkon“. Die Suchanfragen werden dann auf wöchentlicher Basis zur Verfügung gestellt, der Wert mit den höchsten Suchanfragen erhält den Wert 100 zugeordnet, alle anderen werden entsprechend kalibriert. Absolute Zahlen gibt es also nicht, daher sind alle weiteren Auswertungen zunächst eher Indikationen für mögliche Bewegungen – ob die relativen Veränderungen nämlich reichen, um harten, nennenswerten Marktbewegungen vorauszulaufen, bleibt zum Teil abzuwarten.

Tatsächlich kam es in den Lockdown-Phasen zu einer deutlichen Veränderung im Suchverhalten, die vielfach als Bedeutungsgewinn des Wohnens und mitunter auch des Wohneigentums interpretiert werden könnten. Bestimmte Wohnungsmerkmale, die nämlich zudem im städtischen Umland angeboten werden, wurden häufiger gesucht. Neben die qualitativen Nachfrageverschiebungen könnten also auch regionale Verschiebungen treten.

Für die folgenden Grafiken wurde wie folgt vorgegangen: Es wurde zunächst für den Zeitraum von 2018 bis zum Beginn der Pandemie ein Trend berechnet. Dieser wurde dann für die Pandemie fortgeschrieben und dient als Referenzszenario. Weichen die realisierten Suchverläufe deutlich ab – hier außerhalb eines Prognoseintervalls, in dem sich 95% aller möglichen Werte befinden müssten – wurde dies besonders hervorgehoben. Hier können wir mit hoher statistischer Sicherheit von einer nennenswerten und dann wohl auch durch die Pandemie bewirkten Abweichung sprechen.

Die folgenden Abbildungen veranschaulichen, dass deutlich häufiger als vor der Pandemie nach „Haus kaufen“ oder „Balkon“ oder „Garten“ gesucht wurde. Der Zugang zur eigenen Freifläche, zur eigenen Grünfläche sprechen für eine Bedeutungsverschiebung wichtiger Wohnungsmerkmale: Vergleicht man zum Beispiel die Mittelwerte für „Haus kaufen“ und „Balkon“ vor der Pandemie mit jener während der Pandemie zeigt sich eine Zunahme der Suchanfragen von 26,6% bzw. 70,1%. Da Häuser viel seltener innerstädtisch als in der Peripherie erworben werden, spricht der starke Anstieg der Suchanfragen auch für eine Nachfrageverschiebung nach außen vor die Kernstädte.

Abbildung 1: Suchanfragen nach "Haus kaufen" (höchster Wert = 100), Lockdown-Phasen und linearer Trend bis zur 13. Kalenderwoche 2020. Rot: Unerwartet deutliche Abweichung. Daten: Google Trends; Eisfeld, Just (2021).

Nun muss man gerade bei solchen Schocks vorsichtig sein, ob Menschen nicht angesichts der Besonderheit der Situation erst einmal nur suchen, ohne zu handeln. Dies ist natürlich möglich, doch dagegen spricht, dass auch außerhalb der Lockdown-Phasen zum Teil heftige Abweichungen feststellbar sind. Außerdem wird in der Studie gezeigt, dass eben nicht nur Änderungen im Suchverhalten messbar waren. Für die weiteren Parameter verweisen wir auf die vollständige Studie.

Abbildung 2: Suchanfragen nach "Balkon" (höchster Wert = 100), Lockdown-Phasen und linearer Trend bis zur 13. Kalenderwoche 2020. Rot: Unerwartet deutliche Abweichung. Daten: Google Trends; Eisfeld, Just (2021).

Auch nach Wohnungen mit Arbeitszimmern wurde deutlich häufiger gesucht als das zuvor gezeigte Suchverhalten hätte nahelegen können. Die Abweichungen liegen zum Teil weit außerhalb des 95%-Intervalls.

Abbildung 3: Suchanfragen nach "Arbeitszimmer" (höchster Wert = 100), Lockdown-Phasen und linearer Trend bis zur 13. Kalenderwoche 2020. Rot: Unerwartet deutliche Abweichung. Daten: Google Trends; Eisfeld, Just (2021).

Und natürlich gibt es hier einen direkten Zusammenhang mit der Verlagerung des eigenen Arbeitsplatzes ins Homeoffice (Abbildung 4). Die Suche nach Arbeitszimmern war stärker eine transitorische Frage als die Suche nach dem Hauserwerb.

Abbildung 4: Suchanfragen nach "Homeoffice" und nach „Arbeitszimmer“ (höchster Wert = 100). Daten: Google Trends; Eisfeld, Just (2021).

Aktuell gehen die Infektionszahlen in Deutschland wieder hoch. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob die 4. Welle begonnen hat, sondern nur noch wie heftig sie ausfällt und ob dies auch angesichts relativ hoher Impfquoten zu ähnlichen Einschränkungen wie 2020 und zum Beginn des Jahres 2021 führen muss. Und in diesem Sinne stellt sich dann auch die Frage, ob es zu ähnlich starken Impulsen für geänderte Wohnpräferenzen kommen könnte. Dies steht sicherlich in direkter Verbindung zu den noch folgenden Maßnahmen. Werden nur wenig invasive Maßnahmen ergriffen, werden weniger Haushalte um eine Anpassung der Wohnverhältnisse bemüht sein. Doch gerade weil Immobilienkäufe mitunter jahrelange Vorbereitungen erfordern, dürfte jede weitere Welle der Unsicherheit im Zuge der Pandemie einige Haushalte, die zuvor eben nur gesucht hatten, auch zum Handeln führen. Für die innerstädtischen Mietmärkte dürfte dies tendenziell entspannend wirken. Die Mieten und vor allem Preise im Umland (wohl nicht im ländlichen Raum) dürften dann sogar weiterhin stark steigen. Und weil dies quasi eine „Single-Auskoppelung“ ist, verweisen wir für weitere Ergebnisse der Studie auf die Langspiel-Datei (siehe unten).


1) Für die anderen beiden Aspekte verweisen wir auf die Ergebnisse der Studie Eisfeld, Just (2021). Der Link zur Studie findet sich am Ende dieses Standpunkts.
2) https://trends.google.de

Dieser Standpunkt zeigt ein Teilergebnis aus der Studie: Eisfeld, R.K., Just, T. (2021). Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die deutschen Wohnungsmärkte. Hans-Böckler-Stiftung Study Nr. 74, September 2021. Die Studie kann kostenlos hier heruntergeladen werden.

Zum Weiterlesen:

  • Choi, H., & Varian, H. (2012). Predicting the present with Google Trends. Economic record, 88, 2-9.
  • Dietzel, M. A. & Braun, N. & Schäfers, W. (2014). Sentiment-based commercial real estate forecasting with Google search volume data. Journal of Property Investment & Finance, 32(6), 540-569.
  • Hohenstatt, R. & Käsbauer, M. & Schäfers, W. (2011). " Geco" and its potential for real estate research: Evidence from the US housing market. Journal of Real Estate Research, 33(4), 471-506.

Impact-Steuerung von Portfolien – was Investoren beachten müssen

von Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation, GLS Investment Management.

Wirkung oder Impact ist das Wort der Stunde am Kapitalmarkt. Viele Fondsanbieter wollen mit ihren Finanzprodukten „einen Beitrag leisten“, „im Einklang sein“ bzw. „einzahlen“ auf die nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen („SDGs“) oder das Pariser Klimaschutzabkommen.

Über diese Marketingversprechen wird mit Einführung der Offenlegungsverordnung sowie der EU-Taxonomie ein einheitlicher Regulierungsrahmen gezogen. Künftig müssen Fondsanbieter über die nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Investitionen berichten oder die Gesamtnachhaltigkeitswirkung von Finanzprodukten offenlegen. Damit wächst der Anreiz aber auch Druck für viele Investoren, ihr Gesamtportfolio nicht nur nach finanziellen Kennzahlen, sondern auch sozialen und ökologischen Auswirkungen zu steuern.

Eine Lösung wäre, bestimmte Wirkungsziele auf Ebene des Gesamtportfolios zu etablieren, z.B. eine Verringerung der CO2-Emissionen oder des Wasserverbrauchs. Dies ist in der Praxis eine Herausforderung, die aufgrund ihrer technischen Komplexität gut durchdacht sein sollte.

Herausforderung 1: Bestimmung des Impactpotenzials einer Assetklasse

Ein Investor kann nur dann eine Wirkung erzielen, wenn durch sein Handeln ein erkennbarer sozialer oder ökologischer Nutzen („Additionalität“) gestiftet wird, beispielsweise mehr menschenwürdige Arbeitsplätze, ein höherer Anteil an erneuerbare Energien, etc.

Aus verschiedenen Assetklassen ergeben sich unterschiedliche Impactpotenziale. Ein alternativer Investmentfonds stellt Eigen- oder Fremdkapital direkt den Unternehmen zur Verfügung. Ein Wertpapierfonds kauft i.d.R. Aktien oder Anleihen über den Börsenhandel von einem anderen Investor. Aufgrund der unterschiedlichen Kapitalströme ist es nicht möglich – wie leider häufig am Markt zu beobachten ist – , eine direkte Zuordnung von Wirkung unabhängig von der Berücksichtigung der Assetklasse vorzunehmen. Daher müssten Investoren zunächst ausdifferenzieren, welche Impact-Potenziale ihre verschiedenen Assetklassen haben.

Herausforderung 2: Ermittlung des Impact der spezifischen Assetklasse

Impact Investing ist bisher ein Nischenthema gewesen. Es gibt bis heute keine allgemein standardisierten Verfahren, um den Impact einzelner Assetklassen zu ermitteln. Im alternativen Investmentfondsbereich können Investoren auf Vorarbeiten aus der Entwicklungsfinanzierung zurückgreifen. Staatliche Entwicklungsbanken wie die niederländische FMO oder die KfW-Tochter DEG haben Ansätze entwickelt, welche die tatsächliche Wirkung ihrer Finanzierungen nachhalten sollen (z.B. Development Effectiveness Rating). Ebenfalls wurden durch Initiativen wie dem Global Impact Investing Network (GIIN) erste Indikatorensets wie IRIS+ entworfen, um Wirkungskennzahlen zu ermitteln.

Demgegenüber ist die Lage bei Wertpapierinvestitionen unübersichtlich. So genannte SDG-Scoring-Modelle oder Klima-Portfolio-Daten von Wertpapierfonds verführen häufig zu Fehlschlüssen. Das tatsächliche Impactpotenzial in dieser Assetklasse liegt woanders: Im Dialog mit Unternehmen und durch die Teilnahme an Kapitalmaßnahmen unterfinanzierter Unternehmen.

Herausforderung 3: Datenerhebung

Die größte Herausforderung ist die Sammlung und Analyse von Daten. Im Wertpapierfondsbereich beschränken sich Investoren derzeit auf einfache Output-Faktoren wie Umsatz – ein Vorgehen, welches durch die Taxonomie weiter verstärkt werden wird. Die Ermittlung indirekter Wirkketten, z.B. durch Engagement, ist darüber hinaus quantitativ (derzeit) nicht möglich.

Investoren im alternativen Fondsbereich haben einen besserer Zugang zu investierten Unternehmen. V.a. Entwicklungsbanken haben einzelne aussagekräftige Indikatoren geschaffen, z.B. Reduktion der CO2-Emissionen oder Schaffung von Arbeitsplätzen. Sie setzen Geschäftsaktivitäten in Kontext mit den Gegebenheiten vor Ort oder sektorspezifischen Anforderungen. Dies ermöglicht eine tiefere Analyse, inwieweit der Output von Unternehmen tatsächlich zu Outcome und dann einen spezifischen Impact führen kann (siehe Grafik). Diese Analysen sind sehr komplex, kostenintensiv und erfordern ein umfangreiches Know-how über die Gegebenheiten vor Ort.


Quelle: European Venture Philanthropy Association, 2015

Herausforderung 4: Aggregation und Reporting des Impacts

Asset-Klassen und ihre Impactpotenziale unterscheiden sich. Dies macht ein umfassendes Reporting erforderlich, in welchem Investoren Potenziale aber auch Grenzen ihrer Impact-Aktivitäten darlegen. Angetrieben durch die Regulierung ist derzeit ein Trend zur Aggregation und Simplifizierung heterogener Daten erkennbar. Es wird dann häufig nicht mehr unterschieden, welche Wirkung ein Investor selbst hat, sondern das investierte Unternehmen.

Die hohe Verdichtung von Daten führt dazu, dass ihre Aussagekraft stark abnimmt bzw. Raum für Interpretationen lässt. Was möchte der Anbieter eines Aktienfonds sagen, wenn er angibt, mehr als 50 Prozent seines Portfolios trüge zu den SDGs bei? Wer ehrlich und transparent über seine Wirkung berichten will, darf sich Stand heute nicht zu sehr an der gängigen Marktpraxis oder gesetzlichen Vorgaben orientieren und muss Anleger*innen auch komplexe Wahrheiten zumuten.

Fazit

Das Gesamtportfolio nach bestimmten Impactzielen zu steuern ist in der Praxis sehr komplex und voller technischer Herausforderungen. Investoren haben die Wahl: Sie können „einfache Impact-Wahrheiten“ suchen, wie sie z.T. durch regulatorische Entwicklungen begünstigt werden. Oder sie können nach tatsächlichem Impact streben und über die damit verbundenen zahlreichen Hürden berichten. Der erste Weg mag auf den ersten Blick verführerischer sein. Doch wer seine Rolle als nachhaltiger Investor ernst meint, sollte diese Sisyphosarbeit nicht scheuen. Es bleibt zu hoffen, dass Anleger*innen sowie der Gesetzgeber diese Mühen eines Tages auch belohnen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation der GLS Investment Management GmbH. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war. LinkedIn

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig. Die bisher aufgelegten Investmentfonds investieren aktuell rund 1,1 Mrd. Euro in Unternehmen und Länder, die eine positive gesellschaftliche Wirkung entfalten und nachhaltige Entwicklung fördern (Stand: 05.08.2021).
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Mit Ethik die Kapitalanlage wertvoller gestalten

von Samuel Drempetic, Head of Ethics and Sustainability der Steyler Ethik Bank.

„Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl“ heißt es in der Verfassung des Freistaates Bayern. Die Praxis zeigt leider, dass dies nicht immer der Fall ist. Gerade die Finanzwirtschaft beweist leider oft genug, dass das goldene Dreieck der Geldanlage – bestehend aus Rendite, Sicherheit und Liquidität - einen höheren Stellenwert erhält als gesellschaftliche Werte. Dennoch spielt für viele Menschen eine weitere Dimension eine immer wichtigere Rolle. Konkret geht es um die Frage, welche unternehmerische Aktivität gut und moralisch ist. Gewinne sind aus dieser Perspektive weder Selbstzweck, noch rechtfertigen sie die Wahl der Mittel. 

In den vergangenen Jahren wurde gerade die Welt der Finanzwirtschaft um einige Begriffe reicher, die viele vor Jahrzenten dort nicht gesehen haben. Sie alle zielen auf Werte ab, die über reines Renditestreben hinausgehen: Nachhaltigkeit, ökologische, soziale und Governance-Kriterien (kurz ESG) sowie die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, bekannt als SDGs sind die prominentesten Beispiele hierfür. Mittlerweile wird in vielen Bereichen auch nicht mehr gefragt, ob die oben genannten Kriterien berücksichtigt werden sollen. Vielmehr stellt sich zunehmende die Frage, wie sie integriert werden können. Gerade das Engagement der EU für eine nachhaltige Finanzwirtschaft hat hier für einen enormen Schub gesorgt und jede Krise wird mittlerweile zurecht in den internationalen Kontext der Nachhaltigkeit gesetzt.

Ein Nischendasein hat jedoch weiterhin das ethische bzw. ethisch-nachhaltige Investment – der Ursprung des nachhaltigen Geldanlegens. Der Begriff ethisches Investment ist nicht eindeutig definiert, ebenso wie nachhaltiges Investment. In der wissenschaftlichen Literatur wird er mal als ursprünglicher Begriff für verantwortliches Investment gesehen, mal als Überbegriff. Als Ursprung gilt er, da die Religionsgemeinschaften der Quäker und Methodisten schon vor rund 200 Jahren Ausschlusskriterien für die Investition ihrer Gelder schufen, die als ethisches Investment bezeichnet wurden. Ähnliche Ansätze finden sich in diversen Religionen und religiösen Gemeinschaften. Die wichtigste Intention gläubiger Menschen ist dabei, kein Geld mit Produkten und Dienstleistungen zu verdienen, die sie grundsätzlich ablehnen. 

Spricht man über ethisches Investment, so ist dies nicht klar von einem nachhaltigen Investment abzugrenzen. Und häufig kommen beide Begriffe im Doppelpack als ethisch-nachhaltiges Investment daher, was die Grenzen noch einmal mehr verschwimmen lässt.

Auch wenn ethisches-nachhaltiges Investment aufgrund der Begriffsherkunft und geschichtlicher Vorbilder überwiegend mit Kirche bzw. allgemein mit Religion assoziiert wird, ist diese Verbindung nicht zwangsläufig. Christliche, jüdische oder muslimische Wertvorstellungen sind häufig Ausgangspunkt für ethisch-nachhaltiges Investment, aber es gibt ebenso nicht-religiöse Begründungen. Unseres Erachtens nach sollte man das Thema auch nicht auf die moralischen Kategorien von „gut“ oder „schlecht“ reduzieren. Vielmehr stellt sich die Frage, mit welchen Produkten und Dienstleistungen man Geld verdienen will bzw. was man unterstützen möchte. Ein Nicht-Investment oder auch Divestment ist nicht automatisch mit einer Verurteilung gleichzusetzen. Ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis als Nachhaltigkeitsexperte der Steyler Ethik Bank soll dies verdeutlichen: Die Bewaffnung der Polizei ist unseres Erachtens moralisch nicht verwerflich. Schließlich erfüllt die Polizei wichtige hoheitliche Aufgaben und dient damit unserer Gesellschaft. Dennoch möchten wir als nachhaltiger Investor mit christlichen Wurzeln nicht an der Produktion von Waffen Geld verdienen. Das staatliche Gewaltmonopol stellen wir damit selbstverständlich nicht infrage.

Ethik wird im allgemeinen Sprachgebrauch sehr oft mit Moral verwechselt. Die Ethik reflektiert jedoch nur das gesellschaftliche und individuelle Handeln. In der Reflexion ist es aber durchaus relevant, welche Wertevorstellung zugrunde gelegt wird.

Ethisches Investment ist kompliziert. Die Grenzen sind nicht eindeutig und durch individuell Vorstellungen bestimmt. Doch einer Gesellschaft, die allzu oft in den Schwarz-Weiß-Mustern denkt, fällt es manchmal schwer auszuhalten, dass es Graustufen gibt. Einige Investoren sehen ein Problem darin, dass die ESG Scores von Ratingagenturen nicht übereinstimmen. Der Frust ist einerseits verständlich, weil er die Arbeit der Investoren schwieriger macht. Andererseits zeigt sich hier schlicht, dass Nachhaltigkeit nicht auf einem Grundkonsens aufbaut, sondern ethisch begründet wird. Und je nach kulturellen Wertvorstellungen der Marktteilnehmer kommt es damit zu ganz unterschiedlichen Bewertungen. So sehen einige in der Nuklearenergie eine Chance, CO2-Emissionen zu reduzieren und dem Klima zu helfen. Andere lehnen die Technik als gefährlich für den Menschen ab und verweisen auf die ungelöste Frage sicherer Endlager. 

Eine vergleichbare Bewertung ist also nur unter der Annahme möglich, dass alle dieselbe Wertevorstellung teilen. Beim nachhaltigen Investment wird in letzter Zeit der Ruf nach einer einheitlichen Definition lauter. Genau in diese Richtung führt auch die Taxonomie-Verordnung der EU. Dennoch wird ethisch-nachhaltigem Investment seine Individualität behalten. Und in den meisten Fällen wird ethisch-nachhaltiges Investment den gesellschaftlichen definierten Nachhaltigkeitszielen nicht im Weg stehen.

Ethische Geldanlage ist kein Selbstläufer. Wer in diesem Feld mitmischen will, muss bereit sein, immer wieder um die besten Lösungen und Ansätze zu ringen. Denn ehrenwerte Motive allein, führen noch nicht zum gewünschten Ergebnis. Ein Beispiel aus dem Bereich der Arbeits- und Menschenrechte. In der aktuellen Pandemie haben viele Näherinnen und Näher ihren Job verloren oder wurden über einen längeren Zeitraum nicht gebraucht und folglich nicht bezahlt. Das dies zu enormen sozialen Problemen führt, ist offensichtlich. Doch wem wollen wir hierfür die Schuld geben? Zumal in einer Welt, in der die Verantwortlichkeiten durch internationale Arbeitsteilung nicht so leicht zuzuordnen sind. Ist das Zulieferunternehmen, das mangels Aufträgen Personal freigestellt hat, der Bösewicht? Oder ist es eher der weltbekannte Hersteller von Sportartikeln, der die Aufträge wegen fehlender Nachfrage storniert hat, während er trotz Corona weiter große Gewinne einfährt? Kritisieren kann man auch die Staaten, die sich – anders als Deutschland – kein Kurzarbeitergeld leisten konnten, wodurch viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Armut stürzten. Und welche Rolle spielt der ethisch-nachhaltige Investor selbst? Darf er auf Kosten der Arbeiterinnen und Arbeiter von den Gewinnen der Unternehmen profitieren, die Teil dieser Lieferkette sind, ungeachtet der oben beschriebenen Probleme?

Ein anderes Beispiel aus dem Bereich der nachhaltigen Entwicklungsziele, die bei immer mehr Finanzprodukten berücksichtigt werden: Handelt man als Investor ethisch und nachhaltig, indem man in ein Krankenhaus investiert. Reicht also als Begründung aus, dass der Gesundheitssektor nach der Logik der SDGs dem Entwicklungsziel 3 „Good Health & Well-Being“ zugeordnet wird? Wie geht man dabei mit privaten Krankenhausketten um, die in vielen Ländern die Corona-Pandemie als eine Gelegenheit der Gewinnmaximierung gesehen haben – teilweise auf Kosten des Staates oder der Angestellten? Dieses Verhältnis von Medizin und Ökonomie ist als ethisch-nachhaltiger Investor durchaus zu diskutieren. Dabei reicht es eben nicht die Dienstleistung einem SDG zuzuordnen und sich als Investor wegen der guten Tat auf die Schulter zu klopfen. 

Ethisches Investment bedeutet Diskussion, Reflexion und ständiges Infragestellen der aktuellen Meinung. Ethisch-nachhaltiges Investment ist nicht aus einer Nachhaltigkeitsdatenbank abzulesen. Es ist mehr als nur das Anwenden von Zahlen und Scores. Es ist eine Auseinandersetzung mit sich und den eigenen Werten ohne die Verurteilung anderer Ansätze.


Samuel Drempetic

Als Head of Ethics and Sustainability verantwortet Herr Samuel Drempetic seit Mitte 2018 alle Themen rund um Nachhaltigkeit bei der Steyler Ethik Bank. Dies umfasst sowohl die eigene Nachhaltigkeit der Bank als auch die Überprüfung der Investments. Der diplomierte Volkswirt und Pädagoge betreut die beiden Gremien Ethik-Anlagerat und Ethik-Ausschuss.

Die Steyler Ethik Bank

Die Steyler Ethik Bank ist Anbieter von fairen Finanzdienstleistungen. Sie wurde 1964 vom katholischen Orden der Steyler Missionare gegründet und steht allen Privatkunden offen, unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung. Die Bank investiert nach sozialen und ökologischen Kriterien und ist Initiator von drei nachhaltigen Publikumsfonds der Marke Steyler Fair Invest. Seit ihrer Gründung förderte die älteste ethische Bank Deutschlands mit über 100 Millionen Euro Steyler Hilfsprojekte in 80 Ländern. www.steyler-ethik-bank.de, www.steyler-fair-invest.de

Kontakt

Oliver Müller, Senior Sales Manager DACH | Steyler Fair Invest
Steyler Bank GmbH, Arnold-Janssen-Str. 22, D-53757 Sankt Augustin
Telefon: 02241 120 51 72, E-Mail: oliver.mueller@steyler-fair-invest.de
www.steyler-fair-invest.de

Investieren in Megatrends: Smart Food

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien.

Zwischen Klimawandel-Ängsten und Coronapandemie ist ein Thema in der öffentlichen Wahrnehmung etwas in den Hintergrund getreten, das eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit darstellt: die gesunde und nachhaltige Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung.

Gewaltige Herausforderungen

Im Jahr 2050 werden 9,8 Milliarden Menschen die Erde bevölkern, rund zwei Milliarden mehr als gegenwärtig. Dieser Bevölkerungszuwachs ist in doppelter Hinsicht problematisch: Zum einen gilt es, zwei Milliarden mehr Menschen zu ernähren. Zum anderen bedeutet ein solcher Bevölkerungszuwachs zwangsläufig einen weiteren Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen und einen noch größeren Bedarf an natürlichen Ressourcen aller Art. Hinzu kommt, dass hunderte Millionen Menschen in höhere Einkommensklassen aufsteigen – und damit wird ihr Speiseplan umfangreicher und ihre Ernährungsgewohnheiten ändern sich. Man erinnere sich, dass sich auch in Europa vor noch gar nicht so langer Zeit große Teile der Bevölkerung eine Fleischmahlzeit nur hin und wieder leisten konnten. Gleichzeitig müssen trotz wachsender Nahrungsmittelproduktion Treibhausgasemissionen vermindert und weitere Umweltschäden vermieden werden.

Neue Konzepte und neue Trends...

Um diese Herausforderungen zu meistern, bedarf es neuer Konzepte, sowohl für unsere Ernährung als auch für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie, um künftig die gesamte Menschheit nachhaltiger und gesünder ernähren zu können. Forscher auf der ganzen Welt arbeiten daran. Nahrungsmittel werden dabei ja nicht nur konsumiert, um zu sättigen. Sie sind auch ein Genussmittel und dieser Aspekt wird mit steigendem Lebensstandard immer bedeutsamer. Je weniger sich jemand darum sorgen muss, ob er seinen Hunger stillen kann, umso mehr wird er sich darum kümmern können und wollen, wie er ihn am besten stillen kann.

Neben Sattwerden und Genießen legen immer mehr Menschen Wert auf weitere wichtige Gesichtspunkte: Qualität, Fairness und Transparenz beim Handel, Herstellung unter ethisch und ökologisch vertretbaren Bedingungen und vieles mehr. Mit wachsendem Problem- und Gesundheitsbewusstsein reduzieren dabei viele Menschen freiwillig ihren Fleischkonsum, greifen mehr zu Bioprodukten oder bevorzugen in ihrer Lebensregion erzeugte Lebensmittel. So ernähren sich zum Bespiel bereits heute 52 % der Deutschen „flexitarisch“, das heißt, sie essen an drei oder mehr Tagen in der Woche kein Fleisch. In Österreich haben sich (laut AMA Marketing) die Ausgaben für Bio-Lebensmittel 2020 um mehr als ein Fünftel erhöht und liegen nun bei 714 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr gab ein durchschnittlicher, österreichischer Haushalt über 190 Euro für frische Bioprodukte aus.

...bedeuten auch neue Investmentchancen und -risiken

Das Thema Ernährung und die damit verbundenen Wachstumschancen finden inzwischen auch an den Finanzmärkten immer stärkere Beachtung. Um daran zu partizipieren, wurde Smart Food als neuer Sub-Trend in den Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien aufgenommen. Unter diesen Wachstumstrend fallen speziell Nahrungsmittel, die sowohl die Gesundheit als auch das Wohlbefinden positiv beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise biologisch angebaute Produkte, vegane und vegetarische Lebensmittel, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, aber auch spezielle Sportlernahrung, wie Energieriegel oder Proteinshakes.

Smart Food im Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien

Der Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien investiert dabei zum einen in Lebensmittelhersteller, die gesunde und nachhaltig erzeugte Lebensmittel herstellen (Sunopta oder Bellring Brands). Im Fondsportfolio finden sich zum anderen Zulieferer (DSM, Kerry Group), aber auch Unternehmen, die Altöle und Fette recyclen und wiederverwenden (Darling Ingredients). Bei der Auswahl der Unternehmen wird stark auf Nachhaltigkeit geachtet. Im Fokus stehen ein geringer CO2-Abdruck, niedriger Wasserbedarf und minimale Nahrungsmittelverschwendung.

Ein wichtiges Thema im Bereich gesunder und nachhaltiger Ernährung ist der zunehmende Verzicht auf Fleisch und tierische Produkte. Das Unternehmen Sunopta etwa erzeugt Milch und Milchprodukte aus Hafer, Soja und Hanf und wies in den letzten Jahren starke Wachstumsraten auf. Auch ihr Geschäft mit funktionalen Lebensmitteln, also gesunden Snacks wie etwa Obstriegel, war in den letzten Jahren sehr profitabel.

Leistungsnahrung für Sportler ist ein weiterer wichtiger Baustein des Themas Smart Food. Ein bedeutendes Unternehmen in diesem Bereich ist Bellring Brands, vielen Sportlern mit den Energieriegeln oder Protein-Shakes der Marke „Power Bar“ und „Dymatize“ bekannt. Das Unternehmen konzentriert sich damit auf ein stark wachsendes Segment, in dem derzeit hohe Gewinnmargen erzielt werden können.

Unternehmen wie DSM oder Kerry Group sind weltweit führende Hersteller von Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminen, Enzymen, Geschmackstoffen oder probiotischen Kulturen. Damit sorgen sie nicht nur dafür, dass die Lebensmittel besser schmecken, sondern hauptsächlich auch dafür, dass sie weniger Fett und Zucker enthalten und somit insgesamt gesünder für den Menschen sind.

Ein besonders heißes Thema im Bereich Smart Food ist derzeit im Labor gezüchtetes Fleisch. Noch gibt es allerdings kein börsennotiertes Unternehmen, das sich speziell auf diesen Bereich konzentriert und eine Marktreife für solche Produkte liegt noch in weiter Ferne. Zugleich sollte man nie unterschätzen, wie schnell sich zuweilen neue Technologien und Produkte herausbilden und etablieren können. Langweilig wird es im Bereich Smart Food jedenfalls ganz sicher nicht!

Fazit

Unsere Ernährung und alle Prozesse rund um Erzeugung und Transport unserer Nahrungsmittel sind in einem regen Wandel begriffen, bei dem gleich mehrere drängende Herausforderungen zeitgleich zu meistern sind. Das eröffnet sowohl neue Chancen als auch neue Risiken für bestehende und neu auf den Markt drängende Anbieter. Daher ist hier eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich Smart Food engagieren.

Die Subscription Economy als Investment: Bilanz nach einem Jahr

Das Geschäftsmodell des Abonnements ist schon länger fester Bestandteil des Konsumentenverhaltens. Sie bieten für Anbieter sowie Nutzer neben Flexibilität und Individualität gleichermaßen Vorteile gegenüber dem einmaligen Kauf eines Produkts. Der Megatrend Subscription Economy ist mittlerweile in fast allen Branchen präsent und zunehmend in den Blickpunkt von Investoren und Investmentmanagern gerückt – so auch von Natixis Investment Managers.
Auf FondsTrends sprechen die Portfoliomanager Nolan Hoffmeyer und Walid Azar Atallah von Thematics Asset Management über die ersten Schritte in einem noch sehr jungen Investmentbereich, das Potenzial hinsichtlich Resilienz und Wachstum sowie spannende Herausforderungen für die Zukunft. 

FondsTrends: Herr Hoffmeyer, Herr Atallah, woher kam die Idee in die Subscription Economy zu investieren?

Nolan Hoffmeyer: Tatsächlich weiß ich noch ganz genau, wo ich war, als ich zum ersten Mal auf diesen Gedanken kam: Auf meinem Roller an einer roten Ampel mit Blick ins Fenster eines Fitnessstudios. Da konnte ich deutlich erkennen, dass sich Abodienste wirklich überall durchsetzen! Ganz neu war mir das Konzept nicht, denn ich hatte mich schon eine ganze Weile mit Softwareanbietern beschäftigt und dort einen Wandel beobachtet.
Als wir im Team gründlichere Recherchen anstellten, merkten wir ziemlich schnell, was das für ein breites, attraktives Thema war.
So ein Produkt kommt natürlich nicht über Nacht auf den Markt: von der Machbarkeitsstudie über das Investmentdesign bis zur Auflegung verging rund ein Jahr.

FondsTrends: Wie fühlen Sie sich heute nach einem Jahr als Investor der Sparte „Subscription Economy“?

Nolan Hoffmeyer: Als „Thema“ ist die Subscription Economy die jüngste Idee unter den themenspezifischen Investments und genoss im ersten Jahr entsprechend viel Aufmerksamkeit. Um die Wahrheit zu sagen, kam mir dieses Jahr durch das Marktumfeld, das wir erleben, länger vor.
Auf jeden Fall bot es uns Gelegenheit, die Widerstandsfähigkeit des Konzepts auf die Probe zu stellen. Es ist zwar noch recht früh, doch wir sind mit den ersten Entwicklungen zufrieden, und wenn alle mitspielen, rechnen wir mit einer glänzenden Zukunft.

FondsTrends: Wie außergewöhnlich ist Ihr Ansatz in Ihren Augen?

Walid Azar Atallah: Als Neuzugang im Team war die Einzigartigkeit des Investmentthemas für mich eindeutig eine Motivation, mich mit in dieses Abenteuer zu stürzen. Ich hatte bereits Erfahrung im Management themenspezifischer Strategien mit Schwerpunkt auf den Millennials gesammelt und fühlte mich ganz klar vom innovationsorientierten Ansatz des Unternehmens angesprochen.

Nolan Hoffmeyer: Das Team hat hart daran gearbeitet, ein unserer Ansicht nach einzigartiges und vielfältiges Spektrum von Investmentgelegenheiten in Angriff zu nehmen.

FondsTrends: Welche drei Fakten und Zahlen würden Sie gern allen mit auf den Weg geben?

Walid Azar Atallah: Heute machen Abomodelle erst 5 bis 6 %1 der Verbraucherausgaben aus. Da ist also noch viel Spielraum nach oben.

Nolan Hoffmeyer: Kunden bleiben ihren Abos treu: So wurden beispielsweise Immobilienportale während der Pandemie hart getroffen, doch Unternehmen wie Rightmove aus dem Vereinigten Königreich oder Scout24 aus Deutschland haben kaum Kunden verloren. Der Nachhaltigkeitsaspekt von Abomodellen wird häufig übersehen: So kann beispielsweise die Migration von unternehmenseigenen Diensten auf Cloud-Dienste den Energieverbrauch im Schnitt um 65 %2 und den CO2-Ausstoß um 84 %2 verringern.

FondsTrends: 2020 hat sicherlich viele Überraschungen gebracht. Bitte verraten Sie uns, welche für Sie die größte war.

Nolan Hoffmeyer: Wir könnten sagen, die Resilienz des Geschäftsmodells, doch das war für uns in Wirklichkeit gar keine Überraschung. Aber mit ein bisschen Abstand beeindruckte uns, wie schnell sich die Gesellschaft auf die Krise einstellte und das hat offensichtlich auf die Unternehmen durchgeschlagen, in die wir investiert sind.

Walid Azar Atallah: Ich komme ja eher aus der Konsumecke und hatte persönlich nicht damit gerechnet, dass so viele B2B-Unternehmen ins Abogeschäft einsteigen würden. Auch die Zahl der Offline-Produkte und -Dienste, die über Abomodelle angeboten werden, fand ich überraschend.

FondsTrends: Modelle auf Abobasis sind von etlichen Branchen eingeführt worden, die in den letzten Jahren im Umbruch waren (Musik, Video, Spiele etc.). Wo stellt sich die nächste Herausforderung?

Walid Azar Atallah: Wir haben viel Disruption in einem breiten Spektrum von Branchen beobachtet, was der technischen Entwicklung und der stetig zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft zuzuschreiben war. Ich glaube, auch die Fitnessbranche ist reif für Veränderungen. Die jüngsten Ereignisse haben die Umwälzung noch beschleunigt. An die Spitze des Trends haben sich Unternehmen wie Peloton gesetzt, doch wir sehen, wie immer mehr namhafte Unternehmen wie Amazon und Apple versuchen, sich ihren Anteil am Fitness-2.0-Markt zu sichern.

Nolan Hoffmeyer: Das Internet der Dinge ist zweifellos ein faszinierendes Segment, in dem sich Unternehmen wie Signify herausbilden, das ein Abomodell für smarte Beleuchtungsdienste anbietet. Ein weiteres Beispiel, das in den Medien zu kurz kommt, sind die Börsen. Unternehmen wie Nasdaq und LSE wenden sich von transaktionsgestützten Modellen ab und gewähren stattdessen durch Abos Zugang zu ihrer Technologie und ihren Datensätzen.

FondsTrends: Welche Dienste oder Produkte abonnieren Sie privat?

Walid Azar Atallah: Wir abonnieren tatsächlich etliche der Dienste, in die wir im Konsumsektor investieren: Dazu gehören unter anderem Online-Nachrichten, Fitnessstudios, Live-Gaming-Dienste und natürlich Video- und Musik-Streaming-Abos.
2020 haben wir uns beide beim Kochbox-Lieferdienst HelloFresh angemeldet – eine gute Möglichkeit, etwas Abwechslung in unseren Speiseplan zu bringen.

Nolan Hoffmeyer: Und wir haben 2020 beide geheiratet und deshalb unsere Dating-Service-Abos gekündigt!

FondsTrends: Herr Atallah, Herr Hoffmeyer, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin alles Gute!


Dieser Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 27. April 2021.

1) Quelle: Waterstone Management Group, Juli 2018, und ING Economic Department, April 2018
2) Quelle: Accenture Research, September 2020

Nolan Hoffmeyer

Nolan Hoffmeyer ist verantwortlich für die Subcription Economy Strategie. Er ist außerdem Co-Manager der AI & Robotics Strategie und verfügt über 7 Jahre Erfahrung. Zuvor war er bei Pictet Asset Management tätig (seit 2012). Nolan schloss sein Studium an der Universität St. Gallen mit einem Bachelor in Betriebswirtschaftslehre ab und hat einen Master in Financial Engineering von der Universität Lausanne. Nolan Hoffmeyer ist außerdem CFA-Charterholder.

Walid Azar Atallah

Walid Azar Atallah ist Co-Manager des Thematics Subscription Economy Fonds. Vor seinem Eintritt in das Unternehmen war Walid 4 Jahre bei Decalia Asset Management in Genf tätig, wo er den Decalia Millennials und den Decalia Silver Generation mitverwaltete. Er begann seine Karriere innerhalb des Thematics-Teams von CPR Asset Management, wo er 3 Jahre als Junior-Portfoliomanager für CPR Silver Age und CPR Global Silver Age tätig war. Walid hat einen Master-Abschluss in Handel und Risikomanagement von INSEEC in Paris und einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der Saint Joseph Universität in Beirut.

Die nordischen Märke als Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit

Im Interview mit FondsTrends beleuchtet Hagen-Holger Apel, Head of Wholesale bei DNB Asset Management, die aktuellen Herausforderungen seiner Branche sowie die neusten Nachfragetrends und Opportunitäten am Markt.

FondsTrends: Hagen-Holger Apel, vor welchen Herausforderungen stehen Asset Manager aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie?

Hagen-Holger Apel: Eine der großen Aufgaben in der Branche ist es gegenwärtig, trotz Social Distancing, Stay at Home und Lockdown, präsent bei den Kunden zu sein. Gerade in der momentanen Situation schöpfen wir alle technologischen Möglichkeiten aus, um Kontakte zu pflegen und in Verbindung zu bleiben. Aus diesem Grund haben wir bei DNB Asset Management die virtuellen One-to-One-Meetings mit unseren Portfoliomanagern ins Leben gerufen. Als eine Art digitale Kompensation des FONDS professionell Kongress werden wir deshalb am 9. & 10. sowie 15. & 17. Juni ein virtuelles Forum mit persönlichen Online-Gesprächen anbieten, welches unseren Kunden erlaubt sich trotz der aktuell schwierigen Situation mit unseren Fondsmanagern und Kapitalmarktexperten auszutauschen.

FondsTrends: Welchen übergeordneten Nachfragetrend erkennen Sie gegenwärtig am Markt?

Hagen-Holger Apel: Unsere Kunden fragen uns aktuell nochmals vermehrt nach ESG-Produkten. Das liegt sicherlich an den regulatorischen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus konnte ich in den vergangenen Monaten feststellen, dass sich viele Fondsselektoren zunehmend Gedanken über die Implikationen der einzelnen Fonds machen und gezielt nach Impact-Strategien suchen. Derartige Anfragen freuen mich persönlich stets sehr, da wir, als einer der größten nordischen Asset Manager, bereits seit über 30 Jahren ESG-Aspekte in unsere tägliche Arbeit bzw. unsere Investmententscheidungen einfließen lassen. Denn gerade in den nordischen Volkswirtschaften ist das Thema Nachhaltigkeit nicht nur ein Trend, sondern ein Teil der skandinavischen DNA.

FondsTrends: Bieten Sie ihren Kunden gezielte Anlagelösungen in diesem Segment?

Hagen-Holger Apel: Angesichts der gestiegenen Anforderungen am Markt und der noch nie dagewesenen Sensibilität in Bezug auf soziale, gesellschaftliche und ökologische Aspekte bin ich sehr stolz darauf, dass wir unseren Kunden mit dem DNB Fund Renewable Energy eine Anlagelösung bieten können, die nicht nur eine hohe Reputation besitzt, sondern auch einen echten Mehrwehrt für Mensch und Natur bietet. So ist unser Fonds, welcher eine sehr zielgerichtete ESG-Strategie verfolgt, nach Artikel 9 gelistet und wurde im vergangenen Jahr das dritte Mal in Folge mit der höchstmöglichen Bewertung von drei Sternen im Rahmen der Vergabe des FNG-Siegels (Forum Nachhaltige Geldanlage) ausgezeichnet. Damit können wir den Bedarf an transparenten, validen und renditestarken ESG-Anlagen mit einem zukunftsfähigen Produkt abdecken.

FondsTrends: Was meinen Sie konkret mit der Aussage „Nachhaltigkeit ist ein Teil ihrer DNA“?

Hagen-Holger Apel: Der Begriff Nachhaltigkeit hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft, die gerade in den skandinavischen Ländern eine sehr lange Tradition hat. Folglich wurde dieser Gedanke schon über Generationen hinweg weitergegeben. In Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland weiß somit schon jedes Kind, dass für jeden gefällten Baum mindestens ein neuer Baum gepflanzt werden sollte.

FondsTrends: Gibt es weitere Trends, die gegenwärtig auf eine hohe Nachfrage stoßen?

Hagen-Holger Apel: Das zweite große Thema, das bei unseren Kunden gegenwärtig auf besonders hohes Interesse trifft, ist der Technologie-Sektor. Viele Investoren möchten natürlich gerade jetzt, in einer Welt, die vom digitalen Wandel geprägt ist, alle möglichen Opportunitäten im Sektor mitnehmen. Denn ohne Zweifel wird die technologische Entwicklung nach COVID weiter voranschreiten, und neue Geschäftsmodelle werden alte ersetzen. Mit dem DNB Fund Technology, mit welchem wir seit gut 20 Jahren zu den erfolgreichsten Fonds am Markt zählen, bieten wir dabei, gerade für Investoren die Klumpenrisiken vermeiden möchten, eine sinnvolle Ergänzung zu Einzelinvestments. Zwar träumt jeder Anleger davon, die nächste Amazon in seinem Depot zu haben, allerdings, und das macht die Sache so schwierig, sind diese Perlen anfangs nicht zu erkennen. Wir setzen daher langfristig auf aussichtsreiche Substanzwerte.

FondsTrends: Das Momentum im Tech-Sektor hat sich zuletzt stark abgeschwächt, mit welcher Strategie möchten Sie dennoch eine positive Performance in diesem Sektor erzielen?

Hagen-Holger Apel: Unsere beiden Portfoliomanager Anders Tandberg-Johansen und Sverre Bergland verfolgen mit dem DNB Fund Technology einen sehr soliden, leicht auf „Value“ ausgerichteten Ansatz, welcher ein weitaus geringeres Bewertungsniveau als der Nasdaq 100 Index aufweist. So konnte der Fonds, der unter Artikel 8 gelistet ist, seit Auflage 2007 in Luxemburg eine durchschnittliche Rendite von 16,28 Prozent generieren. Mit diesem Ansatz konnte unser Technologie-Fonds, nach Gebühren und in allen Marktphasen, seine Benchmark um durchschnittlich 4,54 Prozent übertreffen. So zahlt es sich auch im gegenwärtigen Marktumfeld aus, nicht blindlings den FANG-Werten hinterherzulaufen, sondern Ausschau nach günstigen Tech-Value-Werten zu halten. Diese sind aktuell besonders in Europa und im Bereich der Telekommunikationsdienstleister sowie in der Tech-Hardware und Equipment-Branche zu finden.

FondsTrends: Herr Apel, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin alles Gute!


Dieser Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 31. Mai 2021.

Hagen-Holger Apel

Hagen-Holger Apel ist seit Juli 2015 bei DNB Asset Management S.A. als Senior Client Portfolio Manager beschäftigt. In dieser Funktion ist er ein Bindeglied zwischen dem in Norwegen basierten Fondsmanagement und den internationalen Kunden und gewährleistet somit ein hohes Maß an Qualität in der Kundenbetreuung. Apel ist Diplom-Volkswirt (LMU München) und Certified International Investment Analyst (CIIA) der DVFA Frankfurt. Er verfügt über 20 Jahre Branchenerfahrung als Bankkaufmann, Händler und Portfoliomanager und ist seit vierzehn Jahren am luxemburgischen Finanzplatz tätig. Er spricht Deutsch, Englisch und Schwedisch. Im internationalen Geschäft ist er in leitender Position verantwortlich für die Schweiz, Deutschland und Österreich.

Real Assets and the Inflationary Awakening

by Rob Guiliano and Michael Narkiewicz, both Senior Portfolio Manager at State Street Global Advisors.

Over the last decade, inflation has been subdued around the globe and struggled to come close to central bank targets despite loose monetary policy actions. However, influenced by the economic effects of the global pandemic, inflation appears poised to re-emerge in 2021 and to have an impact in the years to come.

This should encourage a re-examination of portfolios that have largely benefited from robust equity and bond returns, and which may now face inflationary challenges. Investors who find themselves vulnerable to a sustained move higher in inflation should consider the inclusion of inflation-hedging assets, such as real assets, which have historically performed well and shown a higher beta and correlation to inflation than traditional assets.

Cyclical Inflation Drivers Accelerating

By keeping short-term interest rates low, the US Federal Reserve (Fed) expects to stimulate overall economic conditions and spark a business cycle expansion, which it hopes will be inflationary. The Federal Reserve Banks of San Francisco and Cleveland have explored the relationship between core inflation and the business cycle. They concluded that cyclical drivers of personal consumption expenditure (PCE) inflation (e.g., housing, recreational services, food services, select nondurable goods) have improved since the recession that followed the 2008 Global Financial Crisis (GFC), while acyclical drivers of PCE inflation (e.g., health care services, financial services, clothing, transportation) have remained stubbornly low and kept overall inflation subdued.1,2

For 2021, State Street is anticipating increased economic growth, measured by GDP rising 5.3% in the US and 5.7% globally.3 The V-shaped recovery in manufacturing is evidence of firming aggregate demand; along with supply constraints, the recovery has led to reduced stockpiles and higher commodity prices. Concerns about significant inflationary effects result from a resurgence of cyclical influences (e.g., healing labor markets) as well as from modestly rising acyclical influences.

State Street Inflation Outlook

Market expectations for inflation recently touched 2.6%, with 5-year breakevens reaching a level not seen since July of 2008, i.e., before the GFC sank inflation expectations. The implied inflation pick-up moved from a pre-pandemic reading of 1.7% to a low of 0.18% in mid-March of 2020, when investors fully considered the implications of continued easy monetary policy, massive fiscal stimulus, potential dollar weakness, and declining economic slack in the future.

We expect that, over the next few months, inflation measures will get a significant bump due to negative base-effects rolling off from 2020 and higher recent energy and food prices. The St. Louis Fed’s President James Bullard has suggested that the US economy is going to recover more quickly than many forecasters expect, and unlike recent experience he foresees more price volatility and higher inflation. In fact, he would embrace inflation over 2% on a sustained basis and accept it staying 0.5 percentage points above the Fed’s target for an extended period.4 Further, purchaser and manufacturer input costs have accelerated in the first two months of 2021, experiencing their largest gains since December of 2009.

Inflation-Hedging Asset Strategies

Investors currently under-allocated to inflation-hedging assets are vulnerable to a sustained move higher in inflation. Real assets have historically performed well in such an environment, with higher beta and correlation to inflation than traditional assets.

This current cyclical pick-up in inflation may, therefore, also counsel the consideration of investments such as commodities and global natural resources, as well of value-oriented equities in areas like infrastructure. For the latter, the potential approval of increased fiscal spending directed toward infrastructure in the later part of 2021 could prove to be another tailwind.

Real estate has been hit particularly hard over the last two years but has begun to recover and adjust its business models to the new reality of the pandemic-changed work environment and to the increased shift to e-commerce.

While inflation-linked bonds may have already experienced much of the increase in inflation expectations, shifting exposure to shorter-duration securities would be a way to mitigate interest rate volatility and better align with future inflation moves — without giving up too much yield at current levels.

And what if actual readings surpass current consensus expectations? If inflation overshoots at sustained higher levels, gold may play a larger and more significant roll due to the negative effect inflation can have on broad equity and fixed income exposures.

Closing Thoughts

The current inflation outlook is more complex than it has been in some time. Massive monetary and fiscal stimulus, the release of pent-up demand in depressed service areas, pressures on global supply chains, and a weaker US dollar are all influencing expectations. And while output gaps may serve to cap the amount of the rise, a cyclical recovery likely will lift inflation almost everywhere.

Higher inflation may not surprise the markets, but the accompanying volatility will test investors’ asset allocation strategies. All investors may soon find themselves vulnerable to a sustained move higher in inflation, and should consider the inclusion of inflation-hedging assets, such as real assets, in their portfolios because of strong historical performance during inflationary periods.


Please find a PDF version of the article attached as a download here or the full version on ssga.com.

1) Mahedy, Tim, and Adam Shapiro. 2017. “What’s Down with Inflation?” Federal Reserve Bank of San Francisco Economic Letter 2017-35, November 27, 2017.
2) Zaman, Saeed. 2019. “Cyclical versus Acyclical Inflation: A Deeper Dive.” Federal Reserve Bank of Cleveland Economic Commentary 2019-13. September 4, 2019.
3) Weekly Economic Perspectives — GMPR Quarterly, State Street Global Advisors, March 22, 2021.
4) Jeremy D. Schwartz, 2021. “Behind the Markets Podcast: St. Louis Fed President Jim Bullard,” Episode 227, Behind the Markets Podcast, March 5, 2021.

About the State Street Real Asset Strategy

State Street offers investors a seasoned, diversified multi-asset strategy that combines exposure to a broad array of liquid real asset securities. The Real Asset Strategy is expected to perform best during periods of increasing inflation or rising unexpected inflation. The Strategy is meant to be a complement to traditional equity and bond assets, providing further diversification, attractive returns, and a source of income in a low-yielding environment. For complete information, please contact your State Street representative.

About State Street Global Advisors

Our clients are the world’s governments, institutions and financial advisors. To help them achieve their financial goals we live our guiding principles each and every day: Start with rigor, build from breadth, invest as stewards, invent the future.
For four decades, these principles have helped us be the quiet power in a tumultuous investing world. Helping millions of people secure their financial futures. This takes each of our employees in 31 offices around the world, and a firm-wide conviction that we can always do it better. As a result, we are the world’s third-largest asset manager with US $3.47 trillion* under our care.

* This figure is presented as of December 31, 2020 and includes approximately $75.17 billion of assets with respect to SPDR products for which State Street Global Advisors Funds Distributors, LLC (SSGA FD) acts solely as the marketing agent. SSGA FD and State Street Global Advisors are affiliated.

Impact Investing – wie die Offenlegungsverordnung zur Verwirrung führt

von Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation, GLS Investment Management.

Impact Investing ist in Mode. Viele Fondsanbieter machen Werbeversprechen, mit ihren Angeboten zu einer nachhaltigen Welt im Sinne der Sustainable Development Goals (SDG) beizutragen. Seit März gelten neue Spielregeln, denn der Gesetzgeber hat mit der Offenlegungsverordnung neue Transparenzvorschriften erlassen. Er will Klarheit schaffen, welche Fonds nicht nachhaltig, ein wenig nachhaltig und sehr nachhaltig sind oder gar eine positive soziale oder ökologische Wirkung erzielen. Wenn ein Investor künftig behauptet, er erziele Impact, dann sollte er seinen Fonds in Artikel 9 der Offenlegungsverordnung einklassifizieren und die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Bei solchen Fonds heißt es, sie verfolgten ein nachhaltiges Ziel (siehe Definition unten).

Auf den ersten Blick klingt es nach einer richtigen Idee. Doch leider schafft der Gesetzgeber in der technischen Ausgestaltung mehr Verwirrung als Klarheit. Der Begriff Impact Investing verwässert. Eine Analyse:

Die ursprüngliche Idee des Impact Investing

Das Global Impact Investing Network, der wichtigste Verband im Bereich Impact Investment hat eine klare Haltung, was Impact Investing ausmacht. So sei für diese Art von Investments die Absicht entscheidend, eine messbare, positive soziale und ökologische Wirkung neben der finanziellen Rendite zu erzielen. Die Investitionen sollen dazu beitragen, die drängendsten Probleme auf der Welt zu lösen, von nachhaltiger Landwirtschaft, erneuerbarer Energien, oder Mikrofinanz bis hin zu erschwinglichen und zugänglichen Basisdienstleistungen wie Wohnen, Gesundheit oder Bildung. Dafür haben Impact Investoren als geeignete Investmentobjekte viele Jahre lang vor allem Alternative Investment Fonds (AIF) angesehen. Denn hier wird das Anlagegeld dem Unternehmen oder Projekt in Form von privatem Eigenkapital, Darlehen oder Mezzanine-Kapital direkt zur Verfügung gestellt. In den Portfolios der AIFs befinden sich häufig kleinere Unternehmen und Projekte. Aufgrund des hohen Risikos und der häufig geringen Handelbarkeit richten sich diese Anlagen an professionelle Anleger. Impact Investment geht somit über Sustainable Investment-Ansätze, wie in der Grafik dargestellt, hinaus.


Quelle: Bridge Venture, Spectrum of Capital

Diese Definition ist am Markt im weiten Maße anerkannt, wenngleich es einige Diskussionen gibt, wie streng Intentionalität und Messbarkeit auszulegen sind, um als klassisches Impact Investment gelten zu müssen.

Der Ansatz des Gesetzgebers

Mit Inkrafttreten der Offenlegungsverordnung am 10. März 2021 beginnt eine neue Zeitrechnung, was als nachhaltige Investition angesehen wird bzw. nicht. Im Text wird zwischen drei Nachhaltigkeitsklassen unterschieden (Artikel 6, 8 und 9). Eine nachhaltige Investition ist demnach:

(…) eine Investition in eine wirtschaftliche Tätigkeit, die zur Erreichung eines Umweltziels beiträgt, gemessen beispielsweise an Schlüsselindikatoren für Ressourceneffizienz bei der Nutzung von Energie, erneuerbarer Energie, Rohstoffen, Wasser und Boden, für die Abfallerzeugung, und Treibhausgasemissionen oder für die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und die Kreislaufwirtschaft, oder eine Investition in eine wirtschaftliche Tätigkeit, die zur Erreichung eines sozialen Ziels beiträgt, insbesondere eine Investition, die zur Bekämpfung von Ungleichheiten beiträgt oder den sozialen Zusammenhalt, die soziale Integration und die Arbeitsbeziehungen fördert oder eine Investition in Humankapital oder zugunsten wirtschaftlich oder sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen, vorausgesetzt, dass diese Investitionen keines dieser Ziele erheblich beeinträchtigen und die Unternehmen, in die investiert wird, Verfahrensweisen einer guten Unternehmensführung anwenden, insbesondere bei soliden Managementstrukturen, den Beziehungen zu den Arbeitnehmern, der Vergütung von Mitarbeitern sowie der Einhaltung der Steuervorschriften; (Artikel 2 (17) Offenlegungsverordnung)

Investor Impact versus Enterprise Impact

Wer nun diese nachhaltige Investition anstrebt, gilt als sehr nachhaltig. Das klingt zunächst einleuchtend. Problematisch ist, dass die Offenlegungsverordnung für Investmentfonds nicht unterscheidet, wer eine positive Wirkung erzielen soll: Ist es der Investor wie bei der Definition des Global Impact Investing Network? Oder ist es das Unternehmen, in das investiert wird? Zweites ist der Ansatz vieler Wertpapierfonds, welche eine Wirkung auf die SDGs erzielen wollen, dabei aber nur messen, inwieweit das investierte Unternehmen mit seinen Geschäftsaktivitäten darauf einzahlt. In der Wissenschaft hat sich mittlerweile eine Unterscheidung zwischen der Wirkung des Investors (Investor Impact) und der Wirkung der investierten Unternehmen (Enterprise Impact) entwickelt.

Grob lassen sich folgende Unterscheidungsmerkmale treffen:

Impact-Ansätze im Auswahlprozess von Investmentfonds

Name

Investor Impact

Enterprise Impact

Art

Direkte Bereitstellung von Kapital an wirkungsstarke Unternehmen

Identifizierung von Unternehmen mit Impact-Geschäftsfeldern

Wirkungsform

Direkt

Indirekt

Messgröße

Vorab festgelegte Wirkindikatoren (u.a. Schaffung lokaler Arbeitsplätze, Rückgang Virenerkrankungen)

Finanzindikatoren (i.d.R. Umsatz)

Unternehmenstypen

Kleine, lokale Unternehmen

Börsennotierte Unternehmen, darunter globale Konzerne

Rechtliche Fondsstruktur

Alternativer Investmentfonds 

Offener Wertpapierfonds (OGAW)

Zugang für Privatanleger

Begrenzt (Ausnahme: Mikrofinanz)

Gegeben

Handelbarkeit

Begrenzt 

Gegeben

Quelle: eigene Zusammenstellung

Der Enterprise-Impact-Ansatz wird mittlerweile immer kritischer hinterfragt. Denn de facto wird bei diesen Fonds in der Regel die Aktie bzw. Anleihe von einem anderen Investor über die Börse erworben. Das Kapital fließt also nicht direkt ins Unternehmen. Ein direkter Wirkzusammenhang lässt sich nicht zeigen. Auf dieser Ansicht gründet auch die Klage der Verbraucherzentrale zu so genannten Impactrechnern am Markt.

Folgen der Verwirrung

Die derzeit fehlende Präzisierung in der Offenlegungsverordnung birgt verschiedene Herausforderungen, u.a.:

  • Gefahr des Greenwashing: Die Unterscheidung zwischen Investor und Enterprise Impact dürfte v.a. Privatanleger*innen nicht geläufig sein. Generell gilt die Finanzbildung in Deutschland als schwach. Eine weitere Detaillierung im Bereich Nachhaltigkeit dürfte wohl für noch mehr Unverständnis führen. Anleger*innen könnten so in die Irre geführt werden, dass sie mit dem Kauf von Anteilen an Wertpapierfonds tatsächlich CO2-Emissionen einsparen. Diese unmittelbare Wirkung ist wissenschaftlich nicht fundiert, indirekt Wirkketten sind in der Branche umstritten.
  • Nachhaltigste Unternehmen unerkannt: Zur Transformation der Wirtschaft braucht es junge Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen. Sie suchen händeringend nach Investorenkapital, haben aber häufig nicht die Kapazitäten für ein umfangreiches Nachhaltigkeits-Reporting. Damit ist aus Sicht des Fondsanbieters häufig nicht klar, inwieweit sie die gesetzlichen Anforderungen an eine Artikel 9-Klassifizierung erfüllen. Folge: in sie wird nicht investiert. Stattdessen wird in große nationale Unternehmen investiert, die umfassend über ihre Nachhaltigkeitsanstrengungen Bericht erstatten.
  • Verwässerung von Branchenstandards: Ebenso wenden sich Finanzakteure von einstigen Branchenstandards ab (wie eben jenem vom GIIN) und definieren anhand gesetzlicher Vorgaben ihren eigenen Impact-Standard. Einstige Branchenstandards verlieren somit an Relevanz.

Fazit und Verbesserungsvorschläge

Die bisherige Ausgestaltung zu nachhaltigen Investitionen in der Offenlegungsverordnung bietet Raum für Interpretation. Der Gesetzgeber sollte sich überlegen, nachzuschärfen. Glücklicherweise findet am Markt eine lebhafte Diskussion über die Wirkung von Investmentfonds statt. Wissenschaftler beziehen Position, welche Arten von Wirkung es bei den einzelnen Fondsklassen gibt. Drei Studien und Gutachten bieten gute Orientierungspunkte und eine gute Starthilfe für den Gesetzgeber. Der wissenschaftliche Artikel „Impact Investing – a call for (re)orientation“ differenziert die Impact-Potenziale von Investoren und Unternehmen. Das Gutachten von Prof. Dr. Klein im Auftrag der Verbraucherzentralen nimmt aus Verbrauchersicht Stellung dazu. Einen sehr guten Überblick über verschieden Impact-Ansätze bietet auch der Investor's Guide for Impact von Florian Heeb und Julian Kölbel. Es wäre eine Überlegung wert, bei der Umsetzung von technischen Regulierungsstandards die Kernpunkte dieser Werke mit einfließen zu lassen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation der GLS Investment Management GmbH. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war. LinkedIn

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig.
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Biodiversität: Nachhaltigkeitsbewertung auf Unternehmensebene

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Das Leben im anthropogenen (menschengemachten) Zeitalter bedeutet für die meisten Spezies dieser Erde nichts Gutes. Die Vielfalt an Arten und die Stabilität von Ökosystemen ist durch den Menschen immer stärker bedroht. Die immer weniger nachhaltigen Lebens- und Verhaltensmuster von zunehmend mehr Menschen führen zu einer spürbaren Verschlechterung der Umfeldbedingungen aller Tiere und vieler Menschen auf unserem Planeten. Die Frage stellt sich, ob der Mensch noch Teil des Ökosystems Erde ist oder er und seine Handlungen nur mehr im Widerspruch zur Natur stehen.

Ein Erhalt von funktionierenden Ökosystemen als Basis für die biologische Vielfalt unserer Welt ist daher das Ziel von nachhaltig denkenden Menschen und Investoren und wird auch von der internationalen Staatengemeinschaft immer mehr als große Herausforderung für die Zukunft erkannt.

Der Begriff Biodiversität oder biologische Vielfalt bezeichnet die Vielfalt des Lebens, anders gesagt, die Variabilität verschiedener lebender Organismen in Ökosystemen an Land und im Meer. Biodiversität beschreibt damit einerseits die Vielfalt zwischen den Arten und andererseits die Vielfalt der Ökosysteme selbst sowie die genetische Vielfalt. Ein nachhaltiger Umgang mit der biologischen Vielfalt der Erde ist eine Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von Menschen, Fauna und Flora.

Das Thema Biodiversität erhielt erstmals durch die Umweltkonferenz 1992 in Rio de Janeiro eine breite Aufmerksamkeit und gesellschaftspolitische Bedeutung. Ein Jahr später trat die Convention on Biological Diversity, das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) – ein internationales Umweltabkommen – in Kraft. Aktuell haben 196 Staaten unterzeichnet. Mit zwei Protokollen, dem Cartagena-Protokoll und dem Nagoya-Protokoll existieren zwei völkerrechtlich verbindliche Abkommen zur Umsetzung der Ziele der CBD. Das Cartagena-Protokoll regelt den grenzüberschreitenden Verkehr von gentechnisch veränderten Organismen, während das Nagoya-Protokoll die Aichi-Ziele für den weltweiten Artenschutz festgelegt hat. Die Aichi-Ziele besagten, dass bis 2020 der Verlust an natürlichen Lebensräumen halbiert werden sollte, die Überfischung der Weltmeere gestoppt und 17 % der Landfläche respektive 10 % der Meere unter Schutz gestellt werden sollten. Die Jahre 2011 bis 2020 waren von den Vereinten Nationen zur „Dekade der Biodiversität“ proklamiert worden. Im September 2020 wurde bekannt, dass die Aichi-Biodiversitätsziele nicht erreicht werden konnten.

Biodiversität im Zusammenhang mit der Vielfalt der Arten, Gene und Ökosysteme steht in Wechselwirkung mit der Gesundheit des Menschen. Gesunde und intakte Ökosysteme sind eine wesentliche Grundlage für die menschliche Gesundheit. Sie sorgen für saubere Luft und Trinkwasser, bieten gesunde Nahrung und Basis für Arzneimittel. Weitere Aspekte der Biodiversität sind der Schutz vor Naturgefahren und das Angebot von Erholungs- und Erfahrungsraum, beide sind für die menschliche Psyche und das Wohlbefinden wesentlich.

BODENVERBRAUCH IN ÖSTERREICH

Biodiversität und Bodenverbrauch stehen im klaren Widerspruch zueinander. Auf Basis der Daten des Österreichischen Umweltbundesamtes wurden in Österreich bis zum Jahr 2019 insgesamt 5.729 km2 an Boden verbraucht. Diese Flächeninanspruchnahme entspricht 7 % der Landesfläche und 18 % des Dauersiedlungsraumes. Die Bezeichnung „Bodenverbrauch“ bedeutet, dass biologisch produktiver Boden durch Verbauung und Versiegelung für Siedlungs- und Verkehrszwecke verloren geht. Die Definition umfasst auch intensive Erholungsnutzungen, Deponien, Abbauflächen, Kraftwerksanlagen und ähnliche Intensivnutzungen. Bodenversiegelung bedeutet, dass Boden luft- und wasserdicht abgedeckt wird, wodurch Regenwasser nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen versickern kann.

Die negativen Wirkungen der Bodenversiegelung umfassen neben der Gefährdung der biologischen Vielfalt auch verschiedene andere Aspekte, wie den Verlust der biologischen Funktionen, einen Prozess, der schwer rückgängig gemacht werden kann. Mit der Bodenversiegelung geht auch der Verlust der Produktivität einher, da die meisten Siedlungen in Regionen mit fruchtbarem Ackerland liegen. Außerdem ergeben sich ein erhöhtes Hochwasserrisiko, der Verlust der Staubbindung und Hitzeeffekte, da bei versiegeltem Boden kein Wasser verdunsten kann.

Der wachsende Bodenverbrauch bedeutet, dass sich der Umfang an Österreichs produktiven Böden verringert, wobei der jährliche Verlust im Zeitraum 2001 bis 2019 gemäß Umweltbundesamt zwischen 38 km2 und 104 km2 schwankte. Ab dem Jahr 2009 war eine Verlangsamung des Trends erkennbar, der aktuelle Mittelwert über drei Jahre liegt bei 44 km2, was in etwa der Größe von Eisenstadt entspricht. Dabei liegt der versiegelte Anteil zwischen 32 % und 41 % des jährlichen Bodenverbrauchs. Das Regierungsprogramm 2020–2024 sieht eine deutliche Verringerung des Bodenverbrauchs vor, der jährliche Zuwachs soll bis 2030 auf 9 km2 pro Jahr sinken. Übrigens gilt auf EU-Ebene die Vereinbarung, bis zum Jahr 2050 einen Nettolandverbrauch von null zu erreichen.

KAUSALER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN KLIMAWANDEL UND ABNAHME DER BIODIVERSITÄT

Bis vor einigen Jahrzehnten standen die unbedachte oder gezielte Ausrottung von Spezies und die Übernutzung an der Spitze der Gründe für eine Abnahme von Biodiversität. Mittlerweile führt die Veränderung oder Zerstörung ganzer Ökosysteme zu einem in der Historie bisher beispiellosen Artenrückgang. Ein wesentlicher Grund für den Verlust von Biodiversität ist die fortschreitende Änderung der Landnutzung. Wälder werden abgeholzt und natürliche Ökosysteme umgestaltet, um den Umfang landwirtschaftlich genutzter Flächen zu erhöhen. Neben der Waldvernichtung sind Gewässerverschmutzung, Verbauung von Flüssen, Zersiedelung und Versiegelung von Flächen Ursachen, die den Lebensraum vieler Arten vernichten. Folgen des Verlustes an Biodiversität sind Klimaänderungen, erhöhte Stickstoffbelastung in den Gewässern über Kunstdünger, die Einführung von invasiven Arten und die Erhöhung der Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre. Es zeigt sich, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen der Abnahme von Biodiversität und dem Phänomen des Klimawandels existiert.

LIVING PLANET INDEX

Der Living Planet Index ist ein Indikator zur Messung biologischer Vielfalt, er basiert auf Trends in der weltweiten Population von verschiedenen Spezies von Wirbeltieren. Der Index wurde vom WWF und dem UNEP Weltüberwachungszentrum für Naturschutz entwickelt. Basis des Living Planet Index ist die Entwicklung von fast 21.000 Populationen von fast 4.000 Wirbeltierarten. Aus dem aktuellen Report aus dem Jahr 2020 geht hervor, dass der Rückgang der biologischen Vielfalt zwischen 1970 und 2016 bei 68 % lag.

NEUN ÖKOLOGISCHE GRENZEN

Auch die neun Belastungsgrenzen des Planeten beschäftigen sich mit dem Thema Biodiversität. In ihrem Konzept über die ökologischen Grenzen der Erde hat die Universität von Stockholm neun Grenzen unseres Planeten definiert und Zukunftsszenarien bezüglich der globalen Umweltveränderungen gezeichnet. Diese Belastungsgrenzen der Erde (oft als „Planetare Grenzen“ bezeichnet) umfassen neben dem Verlust an Biodiversität den Ozonabbau der Stratosphäre, die Einbringung neuartiger Substanzen (wie Mikroplastik, Nanomaterial oder radioaktiven Abfall), den Klimawandel, die Übersäuerung der Ozeane, den Süßwasserverbrauch, die nicht nachhaltige Landnutzung, atmosphärische Aerosole und biochemische Kreisläufe (vor allem die Anreicherung der Ozeane mit Phosphor und Entnahme von Stickstoff aus der Atmosphäre). Aus Sicht der Wissenschaftler ist in bereits vier Fällen die Belastungsgrenze überschritten, es sind dies der Klimawandel, biochemische Kreisläufe, Landnutzung und der Biodiversitätsverlust.

Mögliche Maßnahmen zum Erhalt von Biodiversität sind die Schaffung von Schutzgebieten, die Vorbeugung bezüglich der Ausdehnung invasiver Arten, die Miteinbeziehung von Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei in Konzepte zum Erhalt von Biodiversität sowie die Schaffung starker Institutionen, die den Erhalt der Biodiversität und die nachhaltige Nutzung von Ökosystemen unterstützen und internationalen Abkommen zur Umsetzung verhelfen. Wesentlich erscheint auch die Information der Öffentlichkeit über den Nutzen der Erhaltung von Biodiversität. Biologische Vielfalt erhalten bedeutet auch die Förderung einer nachhaltigen Ausrichtung der Landwirtschaft, die Anpassung und eine Einschränkung der Zunahme der Nährstoffniveaus in Wasser und Boden.

FAZIT & NACHHALTIGKEITSBEWERTUNG

Biodiversität stellt in der Nachhaltigkeitsbewertung auf Unternehmensebene wie auf Staatenebene ein Positivkriterium dar und wird auch in den Zielen für Nachhaltige Entwicklung mit SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und SDG 14 (Leben unter Wasser) abgebildet.

E (Environment)

Biodiversität und damit verbunden die Artenvielfalt sind ein stark umweltbezogenes Thema, es geht um den Erhalt möglichst vieler Pflanzen- und Tierarten. Dabei sind einerseits die genetische Vielfalt innerhalb einer Art und andererseits die biologische Vielfalt der Lebensräume oder Ökosysteme von Relevanz. Auf Länderebene ist das Thema Biodiversität mit einer Einschätzung der Artenvielfalt – mit Bezug auf Säugetiere, Brutvögel, Reptilien und Fische – ein eigener Punkt der Nachhaltigkeitsanalyse.

S (Social)

Biologische Vielfalt gilt als wichtige Grundlage für das menschliche Wohlergehen. Die Natur stellt dem Menschen verschiedenste Ressourcen zur Verfügung, wie Nahrung, Brennmaterial und Baustoffe. Auch der psychische Aspekt der Biodiversität ist ein wesentlicher Faktor für das menschliche Wohlbefinden.

G (Governance)

Staaten, aber auch Unternehmen müssen Sorge tragen für den Erhalt der Biodiversität. Das auf Staatenebene geschlossene Übereinkommen über die biologische Vielfalt ist ein wichtiger erster Schritt in Richtung des Erhalts der Artenvielfalt.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist Biodiversität ein wesentliches Zukunftsthema. Insbesondere bei Investments in Staatsanleihen nimmt es eine wichtige Rolle ein.


Die vollständige Ausgabe 32 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Investieren in Megatrends: Cashless Society

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Im 10. bis 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde erstmals in der Menschheitsgeschichte staatlich anerkannt Papiergeld eingeführt – und zwar in China. Rund 1000 Jahre später ist China erneut Vorreiter bei der Entwicklung neuer Formen des Geldes und des Bezahlens. Papiergeld und generell das Bargeld erscheinen zunehmend als Auslaufmodelle. Geld wird uns grundsätzlich bis auf weiteres erhalten bleiben, ist es doch das „Schmiermittel“ unserer modernen Zivilisation, in vielerlei Hinsicht. Jedoch wird dabei das Bargeld zunehmend durch neue, elektronische (digitale) Bezahlformen ergänzt beziehungsweise verdrängt. Das beinhaltet zahlreiche Umwälzungen in vielen Wirtschafts- und Lebensbereichen. Diese Entwicklungen bieten gutes Ertragspotenzial für vorausschauende Investoren und bedeuten zugleich zusätzliche Risiken für all jene Unternehmen und Investoren, die diese Trends ignorieren.

Nur Bares ist Wahres?

Bargeld und seine Zukunft sind Themen, die sehr rasch zu erhitzten, emotionalen Debatten führen können. Für die einen hat es ausgedient und ist ein archaisches Relikt, das jede Menge Probleme und Nachteile mit sich bringt. Für die anderen ist es eine der wichtigsten Bastionen persönlicher Freiheit und Unabhängigkeit. Für die einen ist es ein Ärgernis, das Geldwäsche, Geldfälschung und kriminelle Handlungen aller Art erleichtert und Geldpolitik erschwert. Für die anderen ist es ein robustes, bewährtes Bezahlverfahren, das auch dann noch problemlos funktioniert, wenn Stromversorgung oder Internet ausfallen und das für Hackerattacken unerreichbar ist.

Die Bezahlwelt ist im Umbruch

Wenn der „Durchschnittsbürger“ in Europa, Nordamerika oder Japan an bargeldloses Bezahlen denkt, dann verbindet er damit vor allem Bankomat-, Kreditkarte und Online-Überweisung. In China hingegen wird man in erster Linie an das Smartphone denken. Es ist absolut möglich, dass es junge Menschen in Shanghai, Peking oder Dalian gibt, die noch nie in ihrem Leben mit Bargeld oder Kreditkarten hantiert haben und dies auch niemals tun werden. Chinas Milliardenvolk hat die Kreditkarte weitgehend übersprungen – sehr zum Leidwesen der Branchenriesen Visa und Mastercard. Stattdessen ist das „Reich der Mitte“ Vorreiter bei Bezahl-Software, mit der Banktransaktionen und Bezahlvorgänge per Handy erfolgen.

Einfach das Handy im Supermarkt einzusetzen, findet aber auch hierzulande zunehmend Verbreitung. Die Covid-19-Pandemie und die Angst vor Virenübertragung durch Geldscheine und Münzen haben dem bargeldlosen Bezahlen auch in Europa einen starken Schub gegeben. Selbst in Ländern wie Österreich und Deutschland, in denen weiterhin viele Menschen Bargeld bevorzugen, ist der Anteil bargeldloser Transaktionen in den letzten 12 Monaten sprunghaft gestiegen. Hinzu kommt der zusätzliche starke Impuls für den – naturgemäß bargeldlosen – Online-Handel als Folge von Lockdowns und Kontaktbeschränkungen. Wichtig für Investoren ist dabei, dass der Trend zu bargeldlosen Zahlungen nicht durch die Pandemie geschaffen, sondern durch sie nur verstärkt wurde. Daher wird er auch nicht mit ihr enden. Ein weiterer starker Treiber für den Vormarsch elektronischer Bezahlformen zeichnet sich ab: die Notenbanken! Auch hier scheint China einer der Vorreiter zu sein, aber auch in der Eurozone, den USA, Japan und selbst in Staaten wie Venezuela, arbeiten die Zentralbanken offenbar mit Hochdruck an der Einführung „digitaler Währungen“. Sie würden ihnen unter anderem zusätzliche Möglichkeiten in der Geldpolitik eröffnen.

„Kryptowährungen“ – das Geld der Zukunft?

Beim Stichwort „digitale Währungen“ werden allerdings viele Menschen wohl nicht so sehr an Euro oder US-Dollar denken, sondern in erster Linie an Bitcoin und Co. Diese so genannten Kryptowährungen haben vor allem durch ihre gewaltigen Preisanstiege in den letzten Monaten (gegenüber den herkömmlichen „Papiergeldwährungen“) viele neue Fans gewonnen und auch so manchen Skeptiker in Unternehmen und bei institutionellen Investoren überzeugt. Allerdings: der Begriff „Kryptowährung“ ist eigentlich irreführend. Kaum einer dieser inzwischen tausenden verschiedenen „cryptocoins“ erfüllt auch nur annähernd die Kriterien einer Währung. Das gilt selbst für Bitcoin und Ethereum, die beiden Platzhirsche in dem Segment. Je nach Sichtweise sind sie aktuell in erster Linie Anlage- oder Spekulationsobjekte, die gehortet, aber nicht zum Bezahlen verwendet werden. Ganze Bücher lassen sich über Chancen, Risiken und mögliche Zukunftsanwendungen dieser meist auf so genannten Blockchains basierenden Anwendungen schreiben. Die zugrundeliegenden Technologien (beispielsweise „smarte Verträge“) oder deren Weiterentwicklungen könnten viele Vorgänge in modernen Volkswirtschaften stark verändern. Vor allem, aber nicht nur, in der Finanzbranche. Für den Moment und noch für längere Zeit sind die „cryptocoins“ in Bezug auf eine Funktion als Zahlungsmittel aber ein reines Nischenprodukt und kein ernstzunehmender Faktor im weltweiten Zahlungsverkehr. Ob sie jemals einer werden oder überhaupt überleben, ist derzeit noch völlig offen.

Der neue Goldrausch?

Es liegt auf der Hand, dass der stürmische Trend zu neuen Bezahlformen eine wahre Goldgrube sein kann für jene Unternehmen, die sich an die Spitze dieser Entwicklung setzen können und eine ernsthafte Bedrohung für diejenigen, die sie ignorieren. Etliche Unternehmen, die bargeldloses Bezahlen ermöglichen oder vereinfachen, haben gewaltige Wertsteigerungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erfahren. Angefangen bei den heute schon fast „traditionell“ wirkenden Kreditkartenanbietern Visa und Mastercard bis hin zu den deutlich jüngeren Unternehmen, wie PayPal, Square, Apple pay (Apple) oder Alipay (Alibaba). Fast allen ist gemeinsam, dass sie über eine enorme Skalierbarkeit verfügen und vergleichsweise wenig in Maschinen, Gebäude oder Personal investieren müssen. Skalierbarkeit bedeutet letztlich, dass mit minimalem zusätzlichen Kapitalaufwand große Mengen an zusätzlichen Erlösen möglich sind. Die Softwarebranche ist das Paradebeispiel dafür und im Grunde sind fast alle bargeldlosen Bezahlformen auch in erster Linie Softwarelösungen. Selbstverständlich sind solche Wertsteigerungen in der Vergangenheit aber keinerlei Gewähr oder Anhaltspunkt für zukünftige Kursentwicklungen.

Bezahlunternehmen – aussichtsreich, aber kein Selbstläufer

Wo neue Gewinner entstehen, gibt es naturgemäß immer auch Verlierer. Banken waren einst die Alleinherrscher beim Bezahlen, bis ihnen die Kreditkartenunternehmen zunehmend Teile des Geschäfts abgruben. Den Banken war es trotzdem lange Zeit recht, weil auch sie vom zusätzlichen Transaktionsvolumen profitierten. Inzwischen aber drohen sie weitgehend abgehängt zu werden in der Bezahl-Wertschöpfungskette. Zugleich sehen sich aber auch Kreditkartenunternehmen unter Druck durch neue Mitbewerber, die online oder auch im Supermarkt Zahlungen ganz ohne Kreditkarte (oder Bankomatkarte) ermöglichen.

Was bedeutet das für Anleger und Investoren? Nun, vor allem, dass auch ein vermeintlich klarer Trend, wie bargeldloses Bezahlen, keinesfalls automatisch zu Reichtum für Investoren führt. Und wie bei jedem vermeintlichen „Goldrausch“ gibt es natürlich auch etliche „schwarze Schafe“, die versuchen mit zu schwimmen und zu profitieren, Stichwort: Wirecard. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien war in Wirecard übrigens nicht investiert, da das Unternehmen vom Fondsmanagement als nicht gut genug befunden wurde. Stattdessen engagiert sich der Fonds in Unternehmen, wie beispielsweise Adyen, Worldline, Paypal, GMP Payment Gateway, Alibaba oder Visa.

Der grundlegende Ansatz dabei: Das Fondsmanagement setzt auf ein relativ breites Spektrum sehr wahrscheinlicher Profiteure und versucht, etwaige Verlierer möglichst zu vermeiden. Es wird vermutlich mehr als nur einen großen Gewinner geben, bietet doch das bargeldlose Bezahlen eine ganze Reihe von unterschiedlichen profitablen Tätigkeitsfeldern für findige Unternehmer.

Übrigens: Viele Bezahlunternehmen dürften eine ausgezeichnete Absicherung gegen etwaige Inflationsrisiken bieten, die zuletzt ganz verstärkt im Rampenlicht vieler Investoren stehen. Denn mit generell anziehenden Preisen für Waren und Dienstleistungen steigen auch die Transaktionsvolumina und damit die Gebühren und Gewinne dieser Unternehmen.

Fazit

Bargeld wird zunehmend durch neue Formen des Bezahlens ergänzt und verdrängt. Dabei gibt es verschiedene konkurrierende Technologien und Anbieter und damit ist auch hier eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich „bargeldloses Bezahlen“ engagieren.

Auswirkungen der EU-Taxonomie auf die Immobilienwirtschaft

von Dr. Sebastian Orthmann, EMBA (M&A), und Sarah Kolodzik, CMS Deutschland.

Die EU soll bis zum Jahr 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent werden. Dieses Ziel hat die Europäische Kommission im Dezember 2019 im Rahmen des European Green Deal beschlossen. Als erstes Etappenziel sollen bis zum Jahr 2030 die Treibhausgase der EU um mindestens 55 % unter dem Wert von 1990 gesenkt werden.

Für die Erreichung dieser Ziele sind erhebliche Investitionen in nachhaltige Projekte erforderlich. Der Finanzsektor wird daher bei der Umsetzung des Green Deal eine Schlüsselrolle einnehmen.

Bereits im März 2018 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums. Der Aktionsplan verfolgt drei Ziele: Erstens die Umlenkung der Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen. Zweitens die Bewältigung der finanziellen Risiken, die sich aus dem Klimawandel, der Ressourcenknappheit, der Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben. Drittens die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit von Finanz- und Wirtschaftstätigkeiten.

Zentraler legislativer Baustein zur Umsetzung des Aktionsplans ist die Taxonomie für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten im EU-Recht (Verordnung (EU) 2020/852 über die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen und zur Änderung der VO (EU) 2019/2088 ("Taxonomie-Verordnung")). Die Taxonomie-Verordnung legt verbindlich fest, wann eine Wirtschaftstätigkeit nachhaltig ist. Durch die Entwicklung eines einheitlichen Begriffsverständnisses soll der Gefahr eines "Green Washing" entgegengewirkt werden.

Nach der Taxonomie-Verordnung ist eine Wirtschaftstätigkeit ökologisch nachhaltig, wenn sie einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung eines oder mehrerer Umweltziele leistet, nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung eines oder mehrerer Umweltziele führt, unter Einhaltung eines festgelegten Mindestschutzes ausgeübt wird und technischen Bewertungskriterien entspricht. Die weitere Konkretisierung dieser Voraussetzungen erfolgt durch sogenannte delegierte Rechtsakte in Form regulatorischer und technischer Standards.

Konkretisierung der Nachhaltigkeit von Immobilien durch delegierte Rechtsakte zur Taxonomie-Verordnung

Die Europäische Kommission hat am 21. April 2021 einen ersten delegierten Rechtsakt zur Taxonomie-Verordnung im Hinblick auf die Umweltziele Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel vorgelegt.

Der delegierte Rechtsakt beinhaltet zwei Anhänge mit konkreten technischen Bewertungskriterien zur Bestimmung, wann eine Tätigkeit ökologisch nachhaltig ist. Anhang I enthält die technischen Bewertungskriterien für das Umweltziel des Klimawandels und legt fest, wann eine Wirtschaftstätigkeit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Anhang II gibt die technischen Bewertungskriterien für das Umweltziel der Anpassung an den Klimawandel vor. Die technischen Bewertungskriterien des delegierten Rechtsakts beinhalten für Immobilien insgesamt sieben Unterkategorien mit konkreten Vorgaben, unter anderem für den Neubau und die Renovierung von Gebäuden sowie den Gebäudebestand.

Gemäß Anhang I sind Neubauten mit Blick auf das Umweltziel des "Klimaschutzes" nur dann Taxonomie-konform, wenn der Primärenergiebedarf mindestens 10 % unter den nationalen Werten des Niedrigstenergiegebäudestandards liegt. Für Deutschland sind insoweit die Werte des zum 1. November 2020 in Kraft getretenen Gebäudeenergiegesetzes relevant. Für Renovierungs- bzw. Sanierungsmaßnahmen ist das Gebäudeenergiegesetz ebenfalls maßgeblich. Alternativ ist eine Renovierungs- bzw. Sanierungsmaßnahme auch dann Taxonomie-konform, wenn sie zu einer Reduzierung des Primärenergiebedarfs von mindestens 30 % führt.

Für den Gebäudebestand ist das Errichtungsdatum entscheidend. Differenziert wird zwischen Gebäuden, die vor dem 31. Dezember 2020 errichtet worden sind, und Gebäuden, die nach diesem Datum errichtet wurden. Gebäude, deren Errichtungsdatum vor dem 31. Dezember 2020 liegt, sind Taxonomie-konform, wenn sie mindestens den Energieeffizienzanforderungen des Energy Performance Certificate A entsprechen. Alternativ sind sie auch dann Taxonomie-konform, wenn sie zu den 15 % energieeffizientesten Gebäuden des nationalen oder regionalen Gebäudebestandes gehören. Gebäude, die nach dem 31. Dezember 2020 errichtet wurden, sind Taxonomie-konform, wenn sie den oben genannten Neubaukriterien des delegierten Rechtsakts entsprechen.

Anhang II verlangt zudem hinsichtlich des Umweltziels "Anpassung an den Klimawandel" für die Taxonomie-Konformität von Gebäuden eine Identifikation der für das jeweilige Gebäude einschlägigen Klimarisiken. Zudem müssen Anpassungslösungen existieren, die die wichtigsten Klimarisiken für das Gebäude wesentlich reduzieren.

Der delegierte Rechtsakt zur Taxonomie-Verordnung ist ab dem 1. Januar 2022 anzuwenden.

Weitere regulatorische Schritte

Bis zum 31. Dezember 2021 sollen weitere delegierte Rechtsakte zu den übrigen Umweltzielen der Taxonomie-Verordnung (Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung und Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme) vorgelegt werden und zum 1. Januar 2023 Anwendung finden.

In der Taxonomie-Verordnung werden zudem die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen erweitert. Unternehmen, die der EU-Richtlinie 2014/95/EU (sog. CSR-Richtlinie) unterliegen und zur nichtfinanziellen Berichterstattung verpflichtet sind, müssen künftig Angaben zur ökologischen Nachhaltigkeit ihrer Wirtschaftstätigkeit veröffentlichen. Zum 1. Juni 2021 sollen Konkretisierungen der erweiterten Publizitätspflichten ebenfalls im Wege eines delegierten Rechtsaktes veröffentlicht werden.

Auswirkungen der Taxonomie-Verordnung auf die Immobilienwirtschaft

Auch wenn derzeit noch einige Fragen bei der Auslegung des Regelwerks offen sind und noch weitere Rechtsakte folgen, kann allen Angehörigen der Immobilienwirtschaft nur dringend empfohlen werden, die durch die Taxonomie-Verordnung implementierten Kriterien im Hinblick auf die Nachhaltigkeit von Immobilien im Blick zu behalten.

In den direkten Anwendungsbereich der Taxonomie-Verordnung fallen zwar nur Finanzmarktteilnehmer, die bestimmte Finanzprodukte anbieten, wie beispielsweise Immobilienfonds, und Unternehmen, die von der CSR-Richtlinie erfasst sind. Die durch die Taxonomie-Verordnung normierten Offenlegungs- und Transparenzpflichten werden jedoch mittelbar die gesamte Immobilienwirtschaft betreffen.

Immobilien, die nicht Taxonomie-konform sind, dürften zumindest mittel- bis langfristig weniger stark im Markt nachgefragt werden und zudem ggf. auch weniger einfach mit Fremdkapital finanzierbar sein. Dies dürfte sich auf die Wertentwicklung solcher Immobilien auswirken. Darin liegt sicherlich auch eine Chance für bestimmte Marktteilnehmer.

Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Bestrebungen auf nationaler Ebene. Mit dem Gebäudeenergiegesetz werden erstmals konkrete Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden in einem Regelwerk zusammengefasst. Die im Gebäudeenergiegesetz enthaltenen Vorgaben werden spätestens im Jahr 2023 erneut auf den Prüfstand kommen. Momentan sind die darin enthaltenen Vorgaben weniger streng als die technischen Bewertungskriterien der Taxonomie-Verordnung. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass sich die Vorgaben mit Blick auf die ambitionierten Ziele des Green Deal in den kommenden Jahren immer weiter verschärfen werden.

Insgesamt steht daher zu erwarten, dass die Preisunterschiede zwischen energieeffizienten und nicht energieeffizienten Gebäuden in den nächsten Jahren steigen werden. Auch die weiteren noch zu konkretisierenden Nachhaltigkeitskriterien werden zeitnah zu wertbildenden Faktoren werden. Investoren sollten daher bereits jetzt diese Kriterien in ihrer Ankaufentscheidung berücksichtigen. Bestandshalter sollten zudem frühzeitig ihre Immobilien darauf überprüfen, ob diese bereits Taxonomie-konform sind und wenn nicht, mit welchem Aufwand dieses Ziel erreicht werden kann.


Dieser Beitrag wurde zuerst von der IREBS Immobilienakademie publiziert. Ein PDF des Beitrags finden Sie hier.

Dr. Sebastian Orthmann, EMBA (M&A)

Dr. Sebastian Orthmann ist Rechtsanwalt und Leiter des Geschäftsbereichs Real Estate & Public bei CMS Deutschland. Er berät nationale und internationale Investoren und Projektentwickler beim Erwerb und der Veräußerung von Immobilien und Immobilienportfolios im In- und Ausland. Weitere Schwerpunkte seiner Tätigkeit bilden die Beratung bei Projektentwicklungen, Fragen im gewerblichen Mietrecht sowie Rechtsfragen mit Bezug zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Immobilienwirtschaft.

Sarah Kolodzik

Sarah Kolodzik ist Rechtsanwältin und hat ihren fachlichen Schwerpunkt im Immobilienwirtschaftsrecht. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit steht das Knowledge Management des Geschäftsbereichs Real Estate & Public bei CMS Deutschland. Hier begleitet sie die Produktentwicklung, Vertragsgestaltung ebenso wie den Wissenstransfer im Immobilienwirtschaftsrecht.

Die neue GLS Investments: Den Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft gestalten

Mit der Gründung der GLS Investment Management GmbH (kurz: GLS Investments) schlägt die GLS Bank ein neues Kapitel im nachhaltigen Fondsgeschäft auf. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, zukunftsweisende Unternehmen und Projekte zu begleiten, die den Wandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung gestalten. Als sozial-ökologische Qualitätsführerin will sie Vorbild sein und Orientierung bieten für weitere Marktakteure.

Über Ziele, neue Angebote und künftige Wirkungsfelder spricht altii mit den beiden Geschäftsführern der GLS Investments, Karsten Kührlings und Marvin Mechelse.

Welche Ziele verfolgt die neue GLS Investments?

Karsten Kührlings: Unsere Mission entspricht dem Anliegen der GLS Bank. Wir entwickeln attraktive Angebote für die Anleger*innen auf Basis unserer strengen Kriterien. Glaubwürdigkeit und Qualität stehen dabei absolut im Vordergrund. Bisher haben wir vier Fonds, das Angebot soll weiter ausgebaut werden. Auf der anderen Seite wollen wir Geld genau dort investieren, wo das Geld tatsächlich gebraucht wird. Das ist zumeist nicht dort, wo sich unsere Mainstream Wettbewerber bewegen.

So gibt es viele, meist kleinere Akteure, die zum weiteren Aufbau ihrer Geschäftsaktivitäten Kapital benötigen und in keinen Benchmarks vertreten sind. Wir wissen zudem, dass im globalen Süden der Bedarf groß ist und können uns dank der Erfahrungen mit unserem Mikrofinanzfonds vorstellen, hier weitere Fondsangebote zu entwickeln.

Welchen Vorteil hat die Ausgliederung der bisherigen Abteilung?

Karsten Kührlings: Als bisherige Abteilung in der Bank waren wir in deren Strukturen, Prozesse und IT-Infrastruktur eingebunden. Diese sind nun aber auf das eigentliche Bankgeschäft ausgelegt und optimiert. Die Anforderungen im Investmentmanagement sind in Teilen andere und spezifischere im Vergleich zum Kredit- und Einlagengeschäft. Daher sind wir optimistisch mit einer auf unsere Bedürfnisse ausgelegten Struktur und Infrastruktur unserer Mission bestmöglich erfüllen zu können. Wichtig ist mir aber zu betonen, dass wir inhaltlich und kulturell weiterhin sehr eng mit der Bank und den anderen Tochtergesellschaften zusammenarbeiten werden.

Wie wird sich die GLS Investments weiterentwickeln, um diese Ziele zu erreichen?

Marvin Mechelse: Wir werden in den kommenden Jahren unser Fondsgeschäft organisatorisch fortentwickeln. Ein Kernelement dazu ist der Aufbau eines fondsspezifischen Risikomanagements, welches effiziente Impact Investments ermöglicht. Die bisherigen Strukturen der GLS, welche auf Kreditgeschäfte hierzulande ausgerichtet sind, reichen dafür leider nicht aus. Wir sind überzeugt, dass die Bewertung von Risiken ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Entwicklung dieser neuen Angebote ist.

Eine weitere Besonderheit der GLS Bank ist, dass wir zusammen mit unseren Kund*innen investieren, und zwar nennenswert. Die schätzen das, denn es bringt auch einen großen Vertrauensvorschuss mit sich, wenn wir als Bank selbst in ein Angebot investieren. Mit der GLS Investments stärken wir diesen Effekt, indem auch eine klare organisatorische Trennung des Risikomanagements zwischen Bankgeschäft und Investmentfondsgeschäft entsteht. Die neue Struktur erlaubt es, dass wir viel einfacher und häufiger in Unternehmen und Projekte aus der GLS Kundschaft mit den Fonds investieren können.

Wie arbeitet die GLS Investments?

Marvin Mechelse: In der GLS Investments bündeln wir das Management von vier eigenen bzw. Partner-Fonds, bestehend aus Angebots-Management, sozial-ökologisches Research und Fondsadvisory für die ökonomischen Analysen. Hinzu kommt das Team „Business Administration“, das sich etwa um Risikomanagement, Controlling und Compliance kümmert.

Auf welchen Märkten werdet ihr aktiv?

Karsten Kührlings: Internationale Beziehungen spielen für uns eine viel größere Rolle als für die Bank, denn auf der Anlageseite ist alles international, mit besonderem Schwerpunkt auf Länder des globalen Südens. Hier bauen wir permanent unsere Netzwerke aus. Aber auch auf Investorenseite ist es bei uns international. Unsere beiden größten Investorinnen sind aus Österreich und den Niederlanden.

Wo seht ihr die größten Chancen für die GLS Investments?

Karsten Kührlings: Wichtig für uns ist, dass wir unsere Pionierarbeit weiter vorantreiben, innovative und sinnvolle Angebote entwickeln und über eine hohe Qualität und Glaubwürdigkeit weiterhin punkten. Der Wettbewerb wird zunehmen, regulatorische Anforderungen steigen. Zugleich steigt aber auch die Verwirrung, welche Wirkung nachhaltige Anlagen haben können. Abstrakte Kennzahlen allein reichen nicht aus. Es herrscht ein riesiger Bedarf danach, glaubwürdig in wirkungsstarke sozial-ökologische Unternehmen zu investieren und verständlich darüber zu berichten. Schließlich kommt es genau darauf an: Wir wollen da wirken, wo Geld gebraucht wird, um Veränderungen anzustoßen. Das macht für uns den Unterschied und den Erfolg aus.

Wo steht die Tochter in fünf Jahren?

Marvin Mechelse: Kurz gesagt: Wir werden in fünf Jahren weiterhin sozial-ökologischer Qualitätsführer im Bereich nachhaltiger Investmentfonds sein, weitere wirkungsstarke Angebote entwickelt und dafür die Organisation entsprechend entwickelt haben.

Einige Abschnitte auf dem Weg dorthin zeichnen sich bereits deutlich ab. Wir werden zunächst unser bereits solides Fundament ausbauen und skalieren. So entstehen die Rahmenbedingungen und Ressourcen, um dann neue Angebote entwickeln zu können. Ein weiterer Wunsch ist es, tiefer in die Wertschöpfungskette zu gehen. Dies reduziert die Abhängigkeit von Dritten und öffnet weitere Wege, im Sinne unserer Mission das Geld wirklich dorthin zu bringen, wo es sinnvoll eingesetzt werden kann.

Herzlichen Dank für das Gespräch


Karsten Kührlings ist Geschäftsleiter der GLS Investments. Zuvor hat er das Fondsgeschäft der GLS Bank aufgebaut. Der gelernte Diplom-Kaufmann (FH) ist seit 2013 bei der GLS Bank tätig. Zuvor hat er bei der Sparkasse Mülheim das Wertpapiergeschäft geleitet. Er sitzt in mehreren Gremien (Anlageausschüssen) und ist Vorsitzender des Verwaltungsrates des GLS AI – Mikrofinanzfonds. Herrn Kührlings finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Marvin Mechelse ist Geschäftsleiter der GLS Investments. Zwischen 2010 und 2018 verantwortete er mehrere Leitungsfunktionen in der GLS Bank. Bei der Strategie- und Managementberatung zeb erweiterte der BWL-Bank Bachelor zwischen 2019 bis 2020 seine Kenntnisse im agilen Projekt- und Prozessmanagement und brachte sein Wissen in Studien zur Nachhaltigkeit in der Finanzdienstleitungsbranche ein. Herrn Mechelse finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig.
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Technical Assistance – hoher Impact, wenig bekannt

von Lea Mohnen und Stefan Fritz, beide Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Es wird viel dieser Tage über Impact gesprochen. Zuletzt stand der Impact von so genannten Blended Finance-Strukturen im Mittelpunkt. Diese strukturierten Fondsvehikel sind in der internationalen Entwicklungsfinanzierung bewährt. Sie wollen Impact dadurch erzielen, dass sie Kapital Unternehmen und Projekten in Ländern des globalen Südens direkt zur Verfügung stellen. Zur Steigerung des Impacts nutzen solche Fonds oder auch weitere Mikrofinanzfonds ein ergänzendes Instrument: Die Technical Assistance. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, was es mit dem Thema auf sich hat und wie der GLS AI-Mikrofinanzfonds dieses Instrument gezielt einsetzt.

Es ist den Fondspartnern des GLS AI – Mikrofinanzfonds ein besonderes Anliegen, die Mikrofinanzinstitute nicht nur finanziell sondern auch durch Weiterbildungsmöglichkeiten zu unterstützen. So können sie Instrumente und Fähigkeiten erwerben, die sie in ihrer täglichen Arbeit in den Mikrofinanzinstituten effektiv umsetzen und die Finanzdienstleistungen für ihre Kund*innen verbessern können. Dazu bieten die Fondspartner Angebote wie Schulungen, Weiterbildungsmaßnahmen und Austauschplattformen an. Die Mitarbeitenden können gemäß ihren individuellen Bedürfnissen aus dem Weiterbildungsangebot des Partnerinstituts auswählen. Das Themenspektrum erstreckt sich von Risikomanagement, Mikro- und KMU-Finanzierung, Mikroversicherung und Zugang zu Finanzdienstleistungen über Klima- und Energiefinanzierung bis hin zu Angeboten zur Digitalisierung. Diese Maßnahmen sind unter dem Begriff Technical Assistance zusammengefasst.

Diese Förderprogramme bieten die Fondspartner seit 2018 an. Mitarbeitende der investierten Institute nehmen dazu an E-Learning-Kursen teil und verfassen im Anschluss Berichte und Essays über ein spezifisches Mikrofinanzthema. Auch die Fondspartner können so durch die Berichte und Essays ihr Wissen zu Themen, die die Institute bewegen, vertiefen. Die Verfasser*innen der Berichte, die aufgrund innovativer Ideen oder guter Analysen besonders überzeugen, werden nach Deutschland eingeladen, um persönlich mit den Fondspartnern die Themen zu diskutieren. Aufgrund der Corona-Pandemie ist dies im abgelaufenen Geschäftsjahr leider nicht möglich gewesen, wird aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Unterstützung von Projekten der Kreditnehmer*innen und Menschen vor Ort

Darüber hinaus werden seit 2020 auch für Kreditnehmer*innen vor Ort Weiterbildungen angeboten. Diese sollen beispielsweise für soziale und ökologische Auswirkungen bestimmter ökonomischer Aktivitäten sensibilisieren oder die positive Wirkung von Mikrofinanzdienstleistungen auf Endkund*innenebene stärken. Dies betrifft beispielsweise soziale und ökologische Risikofelder wie den Pestizideinsatz in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft.

Dazu fördern die Fondspartner zielgerichtet Projekte mit Kooperationspartnern in den Regionen, in denen der Fonds tätig ist. Bei der Auswahl der Partner wird Wert auf Expertise vor Ort sowie Glaubwürdigkeit und Transparenz gelegt. Die Auswahl der Themenfelder sowie Projektregionen und -partner erfolgt auf Grundlage einer Bedürfnisanalyse mit enger Einbindung der finanzierten Partnerinstitute. Die definierten Positivkriterien des GLS AI — Mikrofinanzfonds stellen den thematischen Rahmen.

Pestizidmanagement in Lateinamerika

Nichts veranschaulicht dies besser als ein Beispiel:

Hintergrund: Einsatz chemischer Düngemittel im globalen Süden weit verbreitet

Die Finanzierung ökologischer Landwirtschaft und die Erhaltung der Artenvielfalt sowie unserer natürlichen Lebensgrundlage spielen für die GLS Bank seit jeher eine zentrale Rolle. In Deutschland und anderen Ländern des Globalen Nordens ist der Trend zur Biolandwirtschaft deutlich spürbar. Angebot und Nachfrage steigen stetig. In Ländern des globalen Südens stellt sich die Situation mitunter anders dar: Es gibt eine Vielzahl an chemischen Düngeprodukten, die eine schnelle Lösung versprechen. Landwirte werden teilweise dazu gedrängt, sie einzusetzen, manchmal ohne eine wirkliche Anleitung, wie sie zu verwenden sind, oder Aufklärung zu den gesundheitlichen oder ökologischen Risiken und alternativen Optionen.

Ziel des Projekts: Landwirt*innen sensibilisieren und alternativer Einsatz

Um eine nachhaltigere Landwirtschaft auch bei Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im globalen Süden zu stärken, haben sich die Fondspartner zum Ziel gesetzt, landwirtschaftliche Erzeuger*innen, Kund*innen und Mitarbeitende von Partnerinstituten in Bezug auf die Nutzung von Pestiziden zu sensibilisieren. 

Im Mittelpunkt des Projektes stehen Fragen wie: Welche Risiken bergen die Inhaltsstoffe der verwendeten Pestizide? Wie können Verpackungsabfälle umweltgerecht entsorgt werden? Gibt es Alternativen zur konventionellen Landwirtschaft und dem Pestizideinsatz? Dazu haben die Fondspartner gemeinsam mit den International Advisory Services (IAS) der Frankfurt School, einem weltweit anerkannten Anbieter für Trainingsmaßnahmen im entwicklungspolitischen Kontext, ein Training mit den Instituten und Kreditnehmer*innen konzipiert.

Projektablauf und Ergebnisse

Insbesondere 4 Partnerinstitute in 2 Ländern signalisierten den Fondspartnern einen Bedarf an Trainingsmaßnahmen zu diesem Thema. Für jedes Partnerinstitut hat IAS eine mehrtägige Schulung organisiert, in der ausgewählte lokale Expert*innen die Teilnehmer*innen zu theoretischen und praktischen Grundlagen schulten. Bei der theoretischen Schulung achtete IAS auch auf eine visuelle Gestaltung der Inhalte, um die Workshops einer breiten Kund*innengruppe zugänglich machen zu können. Im Praxisteil wurde eine Farm oder eine landwirtschaftliche Fläche besucht und die im theoretischen Workshop vorgestellten alternativen Methoden in der Praxis gezeigt. Um einen Multiplikator*inneneffekt erzielen zu können, wurden neben Kleinbauern und Kleinbäuerinnen auch lokale Kreditberater*innnen der MFI geschult. Diese können so das erlernte Wissen künftig auch an neue Kund*innen weitergeben.

Insgesamt nahmen 143 Kleinbauern und Kleinbäuerinnen und 50 Kreditmanager*innen der Institute an den Schulungen teil. 

Eine Evaluierung der durchgeführten Schulungen durch die MFI zeigt eine sehr positive Resonanz seitens der Endkund*innen sowie der Mitarbeitenden. Gleichzeitig können die Fondspartner gemeinsam mit IAS durch die wertschätzende Rückmeldung der Institute die Maßnahme für eine künftig geplante erneute Umsetzung verbessern und weiterentwickeln.


Dies ist ein redaktionell leicht bearbeiteter Auszug aus dem Investitionsbericht 2020 des GLS AI – Mikrofinanzfonds.

Lea Mohnen ist im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank tätig. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der sozial-ökologischen Ausrichtung des GLS AI - Mikrofinanzfonds sowie der Einbindung von Klimazielen und Co2-Bilanzierung in das Fondsgeschäft. Zuvor absolvierte sie einen M.Sc. Studiengang Economics an der Universität zu Köln und war studienbegleitend in der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit, unter anderem bei der KfW Entwicklungsbank, tätig.

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Fondsgeschäft der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von knapp 1 Mrd. Euro. an (Stand 25.03.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
Newsletter-Anmeldung GLS Fonds

Demografischer Wandel

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Die zunehmende Alterung der Gesellschaft sorgt für neue Herausforderungen. Besonders in den Industriestaaten und in China steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung immer weiter an. Dies setzt nicht nur die staatlichen Pensionssysteme unter Druck. Auch die Anforderungen an individuelle Pflege, Pflegeeinrichtungen und speziell für alte Menschen entwickelte oder an deren Bedürfnisse angepasste Produkte und Technologien gewinnen an Bedeutung. Ein anderer Aspekt des demografischen Wandels sind das weiterhin ungebremste Bevölkerungswachstum in den Emerging Markets und die dort zu beobachtenden Veränderungen der Einkaufsgewohnheiten.

Die Demografie als Bevölkerungswissenschaft beschäftigt sich statistisch und theoretisch mit der Entwicklung von Bevölkerungen und deren Strukturen. Oft liegt der Fokus dabei auf der Entwicklung der Alterspyramide einzelner Länder, welche die statistische, altersmäßige Verteilung der Bevölkerung zeigt. Charakteristische Formen der Alterspyramide sind die lineare oder klassische Pyramidenform und die Zwiebelform. Die lineare Alterspyramide basiert auf dem stetigen Abnehmen der Bevölkerungszahl je Altersgruppe mit steigendem Alter. Vielen geborenen Kindern steht eine geringe Lebenserwartung gegenüber. Diese Pyramidenform findet man heute noch in Südamerika und Indien. Um das Jahr 1890 war auch in Deutschland und Österreich diese Struktur vorherrschend. Heute ist für die Industriestaaten die Zwiebelform typisch, sie basiert auf einer niedrigen Geburtenrate und einem allmählichen Überhang älterer Menschen auf Basis einer hohen Lebenserwartung.

Eine durch die Veränderung in Lebenserwartung und Fertilität entstehende, alternde Gesellschaft zeigt durchaus nachhaltige Aspekte, da sie einem ungebremsten Bevölkerungswachstum entgegensteht. Andererseits führt eine alternde Gesellschaft potenziell zur sozialen Problematik der notwendigen Finanzierung des Lebens im Alter und den damit verbundenen höheren Kosten für das Sozialsystem. Durch das in der Mehrzahl der Industrieländer vorherrschende Umlageverfahren in der staatlichen Pensionsversicherung stehen durch demografisch bedingte höhere Sozialaufwendungen hohe Kosten an, die bei anderen zukunftsrelevanten Budgetposten – wie Bildung und Forschung – zu Engpässen führen können. Aus Umweltgesichtspunkten sind die Alterung der Gesellschaft und die geringere Fertilität wegen des weniger dynamischen Wachstums der Weltbevölkerung aus Sicht der begrenzten Ressourcen durchaus positiv zu beurteilen, wenn man von einem gleichbleibenden oder steigenden ökologischen Fußabdruck ausgeht.

In einer alternden Gesellschaft steigt die Anzahl der pflegebedürftigen Personen. Dabei ist die höhere Lebenserwartung nicht zuletzt auch dem allgemeinen medizinischen Fortschritt zu verdanken. Auch aus diesem Grund gehören die Pharma- und die Medizintechnikindustrie zu den wesentlichen Profiteuren der demografischen Veränderungen. Mit der Anzahl der im Alter zu betreuenden Personen steigt die Anzahl der benötigten Pflegeeinrichtungen und der Pflegeheime. Für die Finanzindustrie führt die zunehmende Überlastung der öffentlichen Pensionssysteme zum angenehmen Nebeneffekt, dass privates Vorsorgen oder Vorsorgesparen immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Unterschiedliche Alterspyramiden führen einerseits dazu, dass die Kalkulation von Daten zu Wertschöpfung und Wohlstand, die sich auf die Anzahl der Einwohner beziehen – wie BIP pro Kopf –, verfälscht werden. Dieselbe Verfälschung tritt in geringerem Ausmaß beispielsweise auch beim Vergleich von Deutschland und Frankreich auf, weil die Fertilitätsraten in den beiden Ländern große Unterschiede aufweisen. Eine hohe Anzahl von Kindern und jungen Menschen führt zu tendenziell geringeren Werten etwa bezüglich der Wirtschaftsleistung je Einwohner. Generell unterscheidet man in der Statistik zwischen der Gruppe der „wirtschaftlich abhängigen“ Personen, das sind Menschen bis 15 sowie über 65 Jahre, und den erwerbstätigen Personen. Wirtschaftlich abhängige Personen leisten vor allem in jungen Jahren einen geringen Beitrag zur Wertschöpfung, erwerbstätige Personen tragen über Arbeit und Sparen zur Steigerung der Wirtschaftskraft bei. Was Investments betrifft, können Pensionsvorsorgeeinrichtungen in den Industriestaaten von Geldanlagen in Ländern mit vergleichsweise „gesunden“ demografischen Strukturen profitieren. So könnte neben die durch die demografische Entwicklung ohnehin belasteten staatlichen Vorsorgesysteme eine zweite Säule treten, die über kapitalgedeckte Verfahren in Länder mit attraktiver Demografie – und damit verbunden hohem Potenzial für Wirtschaftswachstum – diversifiziert.

DEMOGRAFISCHE DIVIDENDEN VS. KOSTEN

Länder mit einem wachsenden Anteil an Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung profitieren in wirtschaftlicher Hinsicht davon, dass der produktive Teil der Bevölkerung weniger wirtschaftlich abhängige Personen versorgen muss. Die Menschen können mehr konsumieren, sparen und investieren. Dieser Faktor heißt „demografische Dividende“. Eine negative demografische Dividende wird als „demografische Kosten“ bezeichnet. Vor allem in Europa und noch stärker in Japan werden in den nächsten Jahrzehnten hohe demografische Kosten aufgrund des Rückgangs der Zahl der potenziell verfügbaren Erwerbstätigen erwartet. Demografische Entwicklungen beeinflussen das Wirtschaftswachstum und das Spar verhalten der jeweiligen Länder. In den Industriestaaten könnten die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1946 und 1965 – die sogenannten Babyboomer – zur Finanzierung des Ruhestands einen Teil ihrer Investments in verschiedensten Assetklassen realisieren und über diesen Verkauf mit der Folge eines möglichen Angebotsüberhangs die Finanzmärkte belasten. Die generell längere Lebenserwartung der Weltbevölkerung und der steigende Anteil der Senioren werden zu stark steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen führen. Davon sollten die Branchen Pharma, Biotechnologie und Gesundheit allgemein profitieren.

AUSWIRKUNGEN AUF DEN CO2-FUSSABDRUCK

Die Demografie beschäftigt sich aber nicht nur mit der Entwicklung der Alterspyramide. Auch Faktoren wie Geschlecht, Sprachen, Wohnsituation und soziale Merkmale wie Beruf, Familienstand oder Einkommen sind Teil demografischer Analysen. Der laufend beobachtbare demografische Wandel ist auch durch Zuwanderung und Abwanderung geprägt. Interessant ist auch der ökologische Fußabdruck für verschiedene Lebensabschnitte. Emilio Zagheni, Demograf am Max-Planck-Institut in Rostock, hat diesbezüglich Untersuchungen für die USA angestellt. Die Grundaussage der Studie, die für alle entwickelten Volkswirtschaften der Welt Aussagekraft haben sollte, ist, dass die CO2-Emissionen pro Kopf in einem Alter von zehn bis sechzig Jahren kontinuierlich ansteigen und dann abnehmen. Dahinter steht das Phänomen, dass das durchschnittliche Einkommen mit dem Alter tendenziell zunimmt. Ältere Menschen leben in größeren Häusern und fahren weniger energieeffiziente Autos. Auch nehmen die konsumierten Flugkilometer mit dem Alter zu, es wird generell mehr Energie verbraucht. In der Seniorität nimmt der ökologische Fußabdruck dann wieder ab. Die Ausgaben pro Kopf werden zwar insgesamt nicht geringer, sie fließen aber stärker in den Bereich Gesundheit als in energieintensiven Konsum wie den Kauf von Kleidung oder die Reisetätigkeit.

Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass das weltweite Bevölkerungswachstum vorerst weiter anhalten wird, eine Trendwende ist, nach einer im Medizin-Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Studie einer Gruppe von Wissenschaftlern rund um Professor Stein Emil Vollset, erst für das Jahr 2064 zu erwarten. Für die Zeit danach rechnen die Forscher mit einer rückläufigen Geburtenrate. Bis dahin führt der sich aus dem Bevölkerungswachstum ergebende Nachfrageanstieg unter anderem zu potenziell wachsenden Absatzmärkten für Konsumgüter und zu einem erhöhten Materialeinsatz, was eine gesteigerte Nachfrage nach Rohstoffen mit sich bringt. Ein anderer Trend, der zum Teil demografisch und zum Teil durch das hohe Wirtschaftswachstum bedingt ist, betrifft das Wachstum der Mittelschichten der Gesellschaften vor allem in den Emerging Markets. Auch in diesem Fall sollte sich der prognostizierte Nachfrageanstieg in einem Absatzplus für die Hersteller von langlebigen Wirtschaftsgütern niederschlagen.

DER DEMOGRAFISCHE WANDEL IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN „ESG“:

E (Environment)

Aus dem für die nächsten Dekaden prognostizierten Bevölkerungswachstum ergeben sich vor allem Mengenaspekte aus einem steigenden Absatz von Produkten und Dienstleistungen, sind doch diese aus ökologischer Sicht vor allem mit problematischen quantitativen Konsequenzen verbunden. Neben der rein quantitativen Analyse könnte ein weiter wachsender durchschnittlicher ökologischer Fußabdruck der Bevölkerung das Problem weiter verschärfen. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt was die Ressourcen betrifft sind die Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie, die eine zunehmende Anzahl von Menschen ernähren müssen.

S (Social)

Die Veränderung der Demografie hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft führt zu neuen Herausforderungen in der Finanzierung des Sozialstaates. Höhere Aufwendungen für Sozialkosten könnten bei gleichbleibenden Finanzierungsstrukturen zu potenziell niedrigeren Leistungen führen.

G (Governance)

Aus Governance-Sicht ist die Frage zu erörtern, wer letztendlich die Kosten der Alterung der Gesellschaft zu tragen hat. Dabei sind privat und öffentlich finanzierte Modelle ebenso zu diskutieren wie die Zukunftsfähigkeit einer Finanzierung des Sozialstaates aus den laufenden staatlichen Budgets.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist die demografische Entwicklung ein wesentliches Zukunftsthema. Der Sektor Gesundheit und insbesondere Medizintechnik ist in den Investments von Raiffeisen strukturell übergewichtet.


Die vollständige Ausgabe 31 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Impact-Fonds mit Blended Finance – vielversprechende Idee, wenn richtig ausgestaltet

von Berenice Brügel und Stefan Fritz, beide Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Der Sustainable Finance Beirat empfiehlt in seinem Abschlussbericht „Shifting the Trillions“ verschiedene Maßnahmen, um Impact Investments zu fördern. Vor zwei Wochen haben wir die Empfehlung 21 (Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen für Impact-Fonds) näher beleuchtet. Ebenso interessant ist die Empfehlung 20. So schlägt der Beirat die Auflage von Impact-Fonds vor, welche öffentliches und privates Investorenkapital bündeln, um das Wachstum des unverändert kleinen Marktes für Impact Investments zu stimulieren. Dies kann durch Mischfinanzierungsstrukturen, sogenannte Blended Finance-Strukturen, ermöglicht werden. Bisher sei der Markt an Blended Finance-Fonds wenigen professionellen und semiprofessionellen Investoren vorbehalten. Fast alle u. a. von der Bundesregierung finanzierten Blended-Finance-Fonds, die gemäß den OECD-Vorschlägen strukturiert sind, wurden zudem in Luxemburg aufgelegt, so der Befund des Beirats. Wesentliche Hürden seien hierzulande rechtliche Anlagegrenzen, die aktuelle Besteuerung sowie mangelnde Kenntnisse, wie die Anlage in Impact Investments umgesetzt werden kann. 

Internationale Entwicklungshilfefonds als Vorbild

Die Idee, privates Kapital für risikoreiche Unternehmen und Projekte zu mobilisieren, ist nicht neu. In der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sind solche Fonds bereits seit einigen Jahren am Markt etabliert. Öffentliche Investoren wie u.a. die KfW spielen dabei eine tragende Rolle. Zwei in Luxemburg aufgelegte Fonds seien hier beispielhaft vorgestellt: 

  • Der SANAD-Fonds (arabisch für „Unterstützung“) investiert im arabischsprachigen Markt. Der Fonds stellt privates Eigen- und Fremdkapital Partnerinstitutionen im Mittleren Osten sowie Nord- und Subsahara-Afrika zur Verfügung, mit dem im MKMU-Sektor (Mikro-, kleinere- und mittlere Unternehmen) Wachstum und Arbeitsplätze gefördert werden soll. 
  • Der European Fund for Southeast Europe (EFSE) verfolgt das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand in Südosteuropa zu fördern. Der Fonds vergibt dazu Darlehen an kleine Geschäftsbanken bzw. Mikrofinanzinstitute. 

In der Praxis funktionieren die Fonds so, dass sie in mehrere Eigen- und Fremdkapitaltranchen aufgeteilt sind (siehe Schaubild). Staatliche Instanzen gehen als Eigenkapitalgeber des Fonds in das höchste Risiko: Die öffentliche Hand investiert in „Junior Shares“, welche das höchste Risiko („First Loss Tranche“) tragen, danach folgen als „Senior Shares“-Investoren meist öffentliche Finanzinstitutionen. Dagegen investieren private Investor*innen in Schuldverschreibungen (sogenannte „Notes“). Diese Schuldverschreibungen sind erst ausfallgefährdet, wenn das Eigenkapital des Fonds aufgebraucht ist. Sie haben demzufolge eine hohe Bonität. 

Funktionsmechanismus EFSE


https://www.efse.lu/information-for-investors*

Übertragung der Fondsstruktur auf Deutschland vielversprechend

Auch hierzulande könnten private Investoren mittels solcher Fondsvehikel in innovative, junge Unternehmen und Projekte investieren, die zukunftsweisende sozial-ökologische Lösungen anbieten. Vor allem im Sozial- oder Bildungssektor, aber auch im Bereich Infrastruktur gibt es interessante Ideen und Projekte, die auf Kapital angewiesen sind. Diese Vehikel böten Chancen sowohl für die öffentliche Hand als auch private Anleger*innen: 

  • Die öffentliche Hand hätte damit einen Hebel, um mit (häufig bereits eingeplanten) Mitteln zusätzliches Kapital von privaten Anleger*innen für unterfinanzierte soziale und ökologische Programme zu mobilisieren. 
  • Private Investoren hätten somit die Möglichkeit, Investitionen mit einem attraktiven Risiko-Rendite-Impact-Profil zu tätigen. Dies wäre insbesondere für Impact Investoren interessant, bspw. Stiftungen, die in ihrer Satzung im Rahmen ihres Mission Investings klare soziale und ökologische Ziele formuliert haben. Bisher können diese Investoren aufgrund von Risikolimiten oder Anlagerichtlinien nicht in diese Unternehmen und Projekte anlegen.

Ausweitung auf Privatanleger*innen begrüßenswert

Bisherige Blended Finance-Fonds richten sich an professionelle Anleger*innen. Auch die Empfehlung des Beirats zielt darauf ab, diese Fonds in Deutschland als Spezial-AIF aufzulegen. Sicherlich wäre dies regulatorisch am schnellsten umsetzbar. Allerdings wären solche Fonds unverändert nicht für Privatanleger*innen zugänglich. Es wäre wünschenswert, wenn der Gesetzgeber eine größere Änderung anstößt und Blended Finance-Strukturen auch für Privatanleger*innen regulatorisch öffnet. Ähnlich wie bei der Empfehlung zur Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen hätten Privatanleger*innen damit die Möglichkeit, in wirkungsstarke Fonds zu investieren. Warum sollte dies nur professionellen Investoren vorbehalten sein? 

Dies wäre umso wünschenswerter, da die Auswahl an sozial-ökologisch wirkungsstarken Anlagen für Privatanleger*innen begrenzt ist. Häufig sind diese in Form von Genussscheinen oder kleineren Anleihen am sogenannten grauen Kapitalmarkt zu finden. Solche Investments bergen aber ein nicht zu unterschätzendes Risiko, wie der Ausfall vieler dieser Angebote in den vergangenen Jahren gezeigt hat.

Definition marktgängiger Impact-Standards sinnvoll

Grundsätzlich folgt diese Empfehlung des Beirats also bewährten Vorbildern und dürfte aus Investorensicht auch ökonomisch vielversprechend sein. Ebenso wichtig ist aber, dass mit den Fondsinvestitionen ein messbarer sozial-ökologischer Zusatznutzen („Additionalität“) neben der ökonomischen Rendite beabsichtigt und erzielt wird. Darüber sollten Anleger*innen transparent informiert werden.

Es reicht dazu nicht aus, sich ausschließlich an den gesetzlichen Voraussetzungen in Artikel 8 und 9 der Offenlegungsverordnung zu orientieren, wie das Beispiel Mikrofinanz dokumentiert. Vielmehr sollten die Fonds weitergehende Impact-Standards berücksichtigen. Der Beirat formuliert in seinem Bericht dazu in Empfehlung 28 (Transformations- und Impactfonds) Vorschläge: Diese Fonds sollten spezifische Elemente im Anlagekonzept enthalten, um dem Fondsnamen gerecht zu werden.

Die in der Empfehlung 28 vorgeschlagenen Merkmale bilden eine gute Grundlage für Impact Fonds mit Blended Finance-Strukturen. Sie sollten aber auf Standards angepasst werden, welche am Markt z.T. bereits angewendet werden:

  • Detaillierte Angaben zur Mittelverwendung (Impact-Rahmenwerk): Impact-Fondsmanager*innen sollten genau erläutern, in welcher Höhe sie Fondsgelder in welche soziale und ökologische Geschäftsfelder lenken wollen. Dies sollte eher ein konkreteres Zielbild sein als die bloße Angabe, die Fondsziele seien in Übereinstimmung mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens oder den Sustainable Development Goals. Denn leider wurde die eigentliche Bedeutung dieser Rahmenwerke mittlerweile am Fondsmarkt schon vielfach ausgehöhlt. Zur konkreten Bewertung ökologischer Projekte und Unternehmen gibt es am Markt bereits umfangreiche Klassifizierungssysteme. Für soziale Projekte und Unternehmen wären bisherige Ansätze weiterzuentwickeln. Der Wunsch des Beirats, Nachhaltigkeitsrisiken, Transformationsgrade und die Wirkung der Unternehmen und Projekte zu messen, erscheint in der derzeitigen Debatte ambitioniert. Hier wäre eine breite wissenschaftliche Diskussion mit den relevanten Marktteilnehmer*innen begrüßenswert.
  • Ambitionierte Ausschlusskriterien: Impact-Fonds-Manager*innen sollen auch darlegen, in welche Unternehmen und Projekte nicht investiert wird (kontroverse Branchen, kontroverse Geschäftspraktiken). Die Mindestgarantien der EU-Taxonomie, wie in Empfehlung 28 genannt, sind dabei ebenso wenig ausreichend wie bisherige Überlegungen zum Zielmarktkonzept im Rahmen der Mifid II-Ergänzung um Nachhaltigkeitspräferenzen.
  • Impact-Reporting mit sinnvollen Ergebniskennzahlen: Wichtig wäre es, dass alle Anleger*innen nachvollziehen können, wie ihr Geld wirkt. Abhängig vom unternehmerischen Zweck der Unternehmen sollten sinnvolle Kennzahlen kommuniziert werden. Der Anspruch des Beirats, transparent über das Nachhaltigkeitsprofil des Anlageportfolios auf Basis aussagekräftiger und zukunftsgerichteter Schlüsselindikatoren zu berichten, ist lobenswert. Mit schlichtem Storytelling lässt sich dies nicht erreichen. Entscheidend sind wenige Impact-Kennzahlen, die einfach für kleine und mittlere Unternehmen zu erheben sein müssen. Bei Klimainvestments gibt es bereits viele Indikatoren, bei sozialen Investments müsste z.T. noch Pionierarbeit geleistet werden. Es könnte aber bereits auf sehr gute Vorarbeiten wie dem Vorschlag des Südwind-Instituts zur sozialen Taxonomie aufgesetzt werden. Ebenfalls lohnt sich für genderspezifische Indikatoren ein Blick auf Kennzahlen aus dem Gender Lens Investing-Bereich. Es sollte überdies eine kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Darstellungspraktiken stattfinden. Mit der Darstellung eines CO2-Fußabdrucks oder SDG-Mappings allein lassen sich Transformationsgrade schwerlich messen.
  • Externe Verifizierung: Der Sustainable Finance Beirat empfiehlt eine Ex-Post-Überprüfung und jährliche Berichterstattung, inwieweit die Anlagen zu den Transformations- und Impact-Zielen beigetragen haben. Die Darstellung, inwiefern ein Blended-Finance-Fonds einen positiven Beitrag zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen leistet, muss eine Überprüfung durch eine unabhängige Stelle standhalten können. Dies ist ein sinnvoller Schritt, um die Glaubwürdigkeit der Fonds zu steigern. Ergänzend wäre bei Fondsauflage eine externe Verifizierung des Impact-Rahmenwerks wünschenswert. Insgesamt ist hier allerdings ein maßvolles Vorgehen ratsam, welches die Wirkung des Fonds verifiziert, ohne die Kapazitäten der finanzierten Unternehmen und Projekte zu überfordern.

Darüber hinaus sollte ein unabhängiges Komitee aus Nachhaltigkeitsexpert*innen die Unternehmen und Projekte aus sozial-ökologischer Sicht kritisch prüfen und einer Investition zustimmen. Diese Expert*innen könnten sowohl aus dem privaten als auch öffentlichen Sektor kommen, um auf diesem Weg – als positiver Nebeneffekt – auch das Verständnis für diese Anlageformen wechselseitig zu stärken. Ebenfalls überlegenswert wäre – wie bei Green Bonds üblich – Mechanismen zu installieren, die sicherstellen, dass die vergebenen Kredite nicht für anderweitige Zwecke als im Impact-Rahmenwerk beabsichtigt, genutzt werden.

Fazit: Vielversprechende Idee, breite Diskussion zur Ausgestaltung der Fonds notwendig

Impact-Fonds mit Blended Finance-Strukturen haben ein hohes Potenzial, traditionelles Impact Investing zu fördern. Auf diese Weise können öffentliche Mittel mit privatem Anlagekapital wirkungsvoll gehebelt werden. Wünschenswert ist dabei die Schaffung von Blended Finance-Fondsvehikeln, die mittelfristig auch für Privatanleger*innen zugänglich sind. Der Fokus des Beirats auf professionelle Anleger*innen ist im ersten Schritt nachvollziehbar, sollte aber erweitert werden.

Auf der sozial-ökologischen Ebene ist es erforderlich, ein öffentlich transparentes Auswahlverfahren zu installieren, um das Anlegervertrauen nachhaltig zu stärken. Eine Orientierung an der Produktklassifikation der Offenlegungsverordnung reicht nicht aus, es bedarf wirksamerer Instrumente. In Empfehlung 28 stellt der Sustainable Finance Beirat begrüßenswerte Ansätze vor. Sie stellen eine gute Basis dar.

Richtig umgesetzt könnte dieser unverändert kleine Markt über diese Fondsvehikel dynamisch an Größe gewinnen. Im besten Falle wird das Geld (endlich) dorthin gelenkt, wo es wirklich gebraucht wird.


* Keine Anlageempfehlung! Informationen zu diesen strukturierten Entwicklungshilfefonds sind derzeit ausschließlich professionellen und semiprofessionellen Anleger*innen vorbehalten!

Hinweis: Dieser Artikel unterscheidet zwischen 1) öffentlichen Anlegern und privaten Anlegern sowie 2) Privatanlegern und (semi)professionellen Anlegern gemäß § 1 KAGB

Berenice Brügel ist im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank tätig. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Prüfung von Unternehmen und Finanzinstituten. Zuvor absolvierte sie einen internationalen Masterstudiengang an der Universität Hamburg im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement. Studienbegleitend war sie für das französische Researchunternehmen Novethic tätig und forschte zur Entwicklung des nachhaltigen Investmentmarkts.

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Fondsgeschäft der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 900 Mio. Euro an (Stand 25.03.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
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Do you value water?

Take a step back and reflect on how we value and manage the world’s most vital resource, ask Thomas Schumann, Markus Barth and Teresa Russell.

2021 World Water Day is March 22nd. This day provides the opportunity to reassess how water is consumed and managed globally. This year’s theme of ‘valuing water’ is especially pertinent in the asset management context.

Water is invaluable to humanity in supporting life and overall well-being. However, there is also a business case for prioritizing water resource management.

Water risks including infrastructure breakdowns, pollution, and water-related natural disasters negatively impact a company’s bottom line, and these risks are only expected to grow as climate change effects intensify. Not only that, but the business costs associated with these risks are projected to be $300 Billion or five times greater if left unaddressed.

Until recently, climate risk has focused solely on the level of carbon emissions. However, companies can continue operating even while spewing massive amounts of carbon into the atmosphere. Without access to water, many companies simply have to shut down, which severely impacts their future viability and profitability.  As a result, investors increasingly use water security as a proxy for climate security.

As the financial pressure to remedy these issues mounts, so too does the value of water security. Good water stewardship by consumers, corporations, and investors alike is clearly key to a flourishing society and sustainable global markets. However, according to a recent update by UN-Water, we are not on track to meet Sustainable Development Goal (SDG) 6 and achieve a water-secure world by 2030. 785 million people still lack safe drinking water and 2 Billion people lack improved sanitation, and the COVID-19 pandemic has the potential to exacerbate water scarcity worldwide if no actions are taken.

As a last-ditch effort, UN-Water developed the SDG 6 Global Acceleration Framework which outlines how we can fast-track the path to water security. Its top recommendation is to optimize financing, calling out the financial sector’s capacity to create a game-changing positive impact.

Recent U.S. SEC and EMSA MiFID II regulations also promote responsible investing by integrating climate risk, sustainability and ESG into reporting requirements.

The stage is set for firms and investors. The question is, what is the most effective engagement strategy for improving water management?

The World Economic Forum identifies transformational investment as the solution to systemic risks such as water crises. These investments can tackle long-term water risks while also generating competitive returns, a win-win-win for the environment, society, and investors.

One responsible investment approach recommended by the DWS Research Institute for improved water management is Risk Control, which involves investing in the broad market while reducing exposure to companies with high water risk. This strategy is the best of both worlds: it provides attractive returns and encourages water stewardship. Thomas Schumann Capital’s investable water security indices and investment products embody this approach by simultaneously promoting water security and delivering sustainable returns while providing global capital markets with the world’s first ever water footprint in equities.

Other investment types include Thematic Equity Funds, which invest in water utilities and companies associated with water purification equipment manufacturing; Positive Approaches, which only invest in companies demonstrating good water stewardship, and Direct Investor Engagement with corporations on their water policies. These approaches can be limited by accepting greater trade-offs between return and positive impact.

Water is not a commercial “commodity” such as gold, oil, gas, sugar or wheat, and is neither sustainably viable nor commercially suited to be traded as such on Wall Street. Access to clean water and sanitation are recognized by the United Nations as human rights.

Clean air, and clean water are the world’s most precious resources, resources that require utmost stewardship, appreciation, and integrity. The value of water cannot be understated. Water risks are present in all industries and geographies. By aligning investor and business objectives with integrated water management, we can turn things around and achieve universal access to clean water in the coming decade.

What actions have you committed to in this Decade of Action?


Thomas Schumann is the founder of Thomas Schumann Capital® (TSC) is the only sponsor for investable indices and products for water security and responsible investing. TSC’s solutions enable investors to integrate water risk into investment decisions to achieve sustainable performance, positive impact, water stewardship, and engagement, fast-tracking the path to a water-secure world. 

Markus Barth is an index pioneer who has designed, developed highly successful investable indices throughout his over 30 years career. In 2007, Markus developed the first-ever climate-focused investable indices that included proprietary valuation metrics to ensure both a low carbon footprint and attractive valuations.

Teresa Russell is a sustainability communications expert with an MS in global sustainability science and BS in finance. She provides business services to mission-driven companies and collaborated with the Frankfurt School of Finance & Management to develop the Strategic Development of Sustainable Financial Investments workshop.

Wasser ist die Quelle des Lebens

von Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei Raiffeisen Capital Management.

Wenn man über Wasser spricht, dann sind die Assoziationen zumeist durchaus positiv. Man denke etwa an „Wasser als Quelle des Lebens“ oder auch „Wasser als Sinnbild der Reinheit“. De facto ist Wasser das bei weitem wichtigste Lebensmittel für den Menschen, welches auch durch nichts ersetzt werden kann. Hochwertiges Wasser wird nicht nur als Trinkwasser verwendet, sondern auch zur Zubereitung von Speisen und Getränken, in der Körperpflege oder zur Reinigung von sensiblen Gegenständen.

Der Verbrauch von Trinkwasser liegt in Österreich pro Person bei 135 Litern täglich, weist aber global gesehen große Unterschiede auf. Wärmere Klimaregionen erfassen regelmäßig höhere Verbrauchsziffern. Auf unserem Planeten, dessen Oberfläche zu rund zwei Dritteln von Wasser bedeckt ist, liegen die Süßwasserreserven bei lediglich 2,5 % allen verfügbaren Wassers, der Anteil des Trinkwassers liegt mit 0,3 % noch einmal deutlich niedriger. Wasser – oder genauer gesagt der Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitärer Grundversorgung – wurde 2010 als Menschenrecht deklariert. Normen für die Reinheit von Trinkwasser existieren auf regionaler, europäischer und globaler Ebene.

Die Bedeutung des Wassers endet aber nicht beim Menschen selbst. Wasser ist die Basis jeder Art von Landwirtschaft und außerdem ein wichtiger Werkstoff in Gewerbe und Industrie. Die Behandlung des Abwassers zählt zu einem der wesentlichsten Aspekte des Umweltschutzes.

Das Nachhaltigkeitsteam von Raiffeisen Capital Management hat sich Unternehmen in Branchen zu den Themen Wasser genauer angesehen und Fragen rund um das Thema Wasseranalyse und -aufbereitung sowie Wasserversorgung gestellt.

Wasser wird immer mehr zum knappen Gut. Das hängt mit dem sprunghaften Anstieg des Wasserverbrauches zusammen. In den letzten einhundert Jahren stand einer Vervierfachung der Erdbevölkerung eine Verzehnfachung des Wasserverbrauches gegenüber. Gemäß Daten der FAO (Food and Agriculture Organization), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, sind vom geschätzten 2,5 % Süßwasseranteil an den weltweiten Wasservorkommen knapp 70 % in Gletschern und Eis gebunden. Der Süßwasservorrat der Erde bleibt insgesamt bestenfalls auf stabilem Niveau, was bereits in jüngster Vergangenheit zu steigendem Wassermangel und einer immer ungleicheren Verteilung des sauberen Trinkwassers auf der Erde geführt hat.

Die wesentlichen Gründe des sich immer mehr verschärfenden Wassermangels beruhen nach Einschätzungen der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, erstens auf dem Klimawandel, zweitens auf der Übernutzung der Wasserressourcen, drittens auf dem Bevölkerungswachstum und schließlich auf der zunehmenden Wasserverschmutzung.

Der Klimawandel führt zu veränderten und extremeren Niederschlagsmustern mit einer Zunahme an Starkregen, Überschwemmungen, Hochwasser und Hitzeperioden. Wenn Regenzeiten ungewöhnlich stark ausfallen und die Trockenzeiten in vielen Regionen länger werden, dann verschärft dies den Trend der ungleichen Verteilung von Wasser und Trinkwasser weltweit. Wasserkatastrophen können sich schnell zu Hungerkatastrophen entwickeln, da Land- und Viehwirtschaft direkt vom Wasser abhängig sind.

Die starke Steigerung der Nutzung der Wasserressourcen ist unter anderem auch ein Wohlstandsphänomen. Man denke dabei an die große Menge an Wasser, die benötigt wird um Swimmingpools zu füllen oder an die Bewässerungsanlagen auf Golfplätzen. Die steigenden Bewässerungsanstrengungen von immer trockeneren Gebieten zur landwirtschaftlichen Nutzung ist ein weiterer Aspekt. In Summe wird der Natur jedes Jahr mehr Wasser entnommen, als wieder bereitgestellt werden kann. Das natürliche Recycling-System gerät an die Grenze seiner Funktionsfähigkeit.

Wasserkatastrophen können sich schnell zu Hungerkatastrophen entwickeln, da Land- und Viehwirtschaft direkt vom Wasser abhängig sind.

Das Bevölkerungswachstum treibt den Wasserverbrauch einerseits über den bisherigen Pro-Kopf-Verbrauch in die Höhe. Andererseits ist aber auch ein qualitatives Wachstum zu beobachten. Ein höherer Lebensstandard ist unweigerlich mit einem höheren Wasserverbrauch verknüpft.

Es werden also nicht einfach mehr Nahrungsmittel konsumiert, sondern beispielsweise mehr Fleischprodukte, deren Produktion etwa im Falle von Rindfleisch mit mehr als 15.000 Litern Wasser pro Kilo als extrem wasserintensiv gilt.

Die Abnahme der Trinkwasservorräte hängt auch direkt mit der Abwasserproblematik zusammen. Die Verschmutzung von Wasser in Folge von Verstädterung, industriellen Abwässern und Abfällen nimmt zu – mit der Folge von zum Teil irreversiblen Umweltschäden.

Auf Basis der genannten Gründe nehmen die zur Verfügung stehenden Süßwasserressourcen ab. Je nach Umfang der Abnahme spricht man von Wasserknappheit, Wassermangel, Wassernotstand oder Wasserkrise. Die Trinkwasserressourcen pro Kopf sind gemäß Daten der Vereinten Nationen ungleich verteilt. Grönland weist als führende Nation 10.522.275 m3 je Einwohner auf, Island 538.878 m3, Brasilien mit seinen mächtigen Fluss-Systemen 43.891 m3 und Norwegen 80.564 m3. In Österreich liegt der Vergleichswert bei 10.075 m3, in Deutschland bei 2.285 m3 und in der Schweiz betragen die Trinkwasserressourcen pro Kopf 7.096 m3. Extrem niedrig ist die Wasserverfügbarkeit in Kuwait mit 7 m3, in Saudi-Arabien mit 95 m3 und in Bahrain, das mit –12 m3 sogar einen negativen Wert aufweist.

Der Begriff „Peak Water“ beschreibt angelehnt an „Peak Oil“ das Szenario eines bereits in der Vergangenheit liegenden oder demnächst zu erwartenden Maximums in den weltweit entnommenen Wasserreserven. Die zunehmend beschränkten globalen Trinkwasserbestände werden auch durch die hohen Wasserentnahmen vor allem von Ländern im arabischen Raum belastet. Dabei werden in großen Tiefen liegende Wasserspeicher genutzt, die nur sehr langsam wieder aufgefüllt werden könnten.

Im deutschsprachigen Raum ist Trinkwasser das am intensivsten kontrollierte Lebensmittel. Es bestehen höhere Qualitätsanforderungen als für industriell abgepacktes Mineralwasser oder Tafelwasser. Der Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu sicherem Trinkwasser liegt in den Industriestaaten bei 100 %. Gemäß WHO und UNICEF nutzten 2015 noch immer 663 Millionen Menschen schlechtes Trinkwasser, 159 Millionen verwendeten vielfach verschmutztes Oberflächenwasser.

Während 1990 noch 43 % der Weltbevölkerung von 5,3 Milliarden in Städten lebten, waren es 2015 schon 54 % von 7,3 Milliarden Menschen. Die Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum machen einen sparsamen Umgang mit Wasser unumgänglich. Einfache Möglichkeiten um Wasser zu sparen sind Spartasten am Spülkasten der Toiletten, die Nutzung von Brauchwasser, Duschen anstatt von Vollbädern sowie die Benutzung von modernen Geschirrspül- und Waschmaschinen.

Gemäß Untersuchungen der Universität für Bodenkultur in Wien lag der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf in Österreich im Jahr 2012 bei 135 Liter. Davon entfielen 36 Liter pro Tag auf Wasserhähne in Bad/ WC/Küche, 34 Liter auf WC-Spülungen, 25 Liter auf Duschen, 14 Liter auf Waschmaschinen und 12 Liter auf Pflanzen im Außenbereich. Badewannen zeichneten für 4 Liter verantwortlich, Geschirrspüler für 3 Liter.

Landwirtschaft und Industrie haben mittlerweile eine Reihe von wassersparenden Prozessen entwickelt. In der Landwirtschaft gewinnt die Tröpfchenbewässerung als sparsamstes aller Bewässerungsverfahren an Bedeutung. Bei dieser allerdings aufwendigen Technologie wird das Wasser mit Schlauch- bzw. Rohrleitungen direkt dem Wurzelbereich der Pflanze zugeführt. Industrieunternehmen setzen immer mehr auf in sich geschlossene Wasserkreisläufe.

Wasser ist auch ein wesentlicher Faktor in der Energieerzeugung, einerseits für hydraulische Kraftwerke, andererseits als Kühlmittel bei Atom- und Wärmekraftwerken. Da Kernkraftwerke enorm viel Wasser benötigen, liegen viele von ihnen an der Küste, was sie gegenüber Naturkatastrophen wie Stürmen anfällig macht. Alle Arten von Stromgeneratoren, auch jene in Kohle- und Gaskraftwerken, benötigen viel Wasser. Leichtwasserreaktoren in Atomkraftwerken setzen Wasser sogar als primäres Kühlmittel ein. Die benötigten lokalen Wasservorräte werden während des Kühlvorgangs erhitzt und dann zurück in Flüsse, Seen oder ins Meer gepumpt. Inlandsreaktoren beanspruchen die örtlichen Trinkwasservorkommen besonders stark.

WASSER IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN

E (Environment): Wasser ist eine unverzichtbare Lebensgrundlage für jegliche Art von Leben. Eine Übernutzung und Verschmutzung der Wasserreserven ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Die weltweit verfügbaren Trinkwasservorräte sinken durch zunehmende Wasserverschmutzung in Folge von Urbanisierung, Industrialisierung und steigenden Abfallmengen. Der natürliche Wasserkreislauf über Niederschläge, Versickerung und wieder gereinigtem Quellwasser reicht nicht mehr aus, um die stetig steigende Wassernachfrage zu decken. Daher werden zunehmend Wasserressourcen abseits des natürlichen Kreislaufes in Anspruch genommen.

S (Social): Die generell ungleiche Verteilung der weltweiten Wasserreserven weist ein deutliches Gefälle zwischen entwickelter Welt und Entwicklungsländern auf. Eine immer höhere Wasserverwendung bei gleichzeitig verringertem Angebot führt zu immer höheren Preisen. Weiters besteht die mögliche Gefahr von sozialen Konflikten aufgrund von Wasserknappheit.

G (Governance): Die regionale oder nationale Wasserversorgung ist teils staatlich und teils privatwirtschaftlich organisiert. Private Wasserversorgung unterliegt regelmäßig der Kritik eines „Geschäftemachens“ mit dem Menschenrecht des Zugangs zu sauberem Trinkwasser.

Fazit: Raiffeisen Capital Management setzt in vielen Einzelthemen auf den Megatrend Wasser. Dazu zählen Titel in den Bereichen Wasserversorgung, Abwasser, und Wasseranalyse.

Sustainable Finance Beirat fordert Regulierungsrahmen für Impact Fonds – sinnvoller Ansatz, der viele Chancen bietet

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Am 25. Februar 2021 hat der Sustainable Finance Beirat seinen Abschlussbericht „Shifting the Trillions“ unter großer medialer Aufmerksamkeit veröffentlicht. Das Expertengremium formuliert darin 31 Empfehlungen an die Bundesregierung, wie ein nachhaltiges Finanzsystem zur großen Transformation beitragen kann. Neben der Forderung nach einem verlässlichen Politikrahmen (Kapitel 2), zukunftsgerichteter und integrierter Berichterstattung (Kapitel 3), systematischem Wissensaufbau (Kapitel 4) und institutioneller Verstetigung (Kapitel 6) haben die Ausführungen zu „Nachhaltigkeitswirksamen Finanzprodukten“ im Kapitel 5 eine besondere Relevanz für den Kapitalmarkt und Fondsanbieter.

Der Beirat fordert in den Empfehlungen 20 und 21 zu Blended Finance und Impact-Produkten die Ausgestaltung spezifischer rechtlicher Rahmenbedingungen, um die Auflage und Investition in Impact-Produkte zu erleichtern. Denn gerade Impact-Finanzprodukte würden einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeits- und Klimaziele leisten. Bislang, so die zutreffende Diagnose, scheitere der zügige Ausbau eines nachhaltigkeitswirksamen Produktangebots an regulatorischen und praktischen Hürden (Zu einer wesentlichen regulatorischen Hürde von Wertpapierfonds siehe den Artikel „Der Impact von Publikumsfonds“). Diese Hürden müssten abgebaut werden, um so den Akteuren an den Finanzmärkten die Ausweitung ihres nachhaltigen Produktangebots und die Bedienung der steigenden Nachfrage zu erleichtern.

Mikrofinanzparagraph als Regulierungsvorbild für Impact-Fonds

Erfreulicherweise bleibt der Beirat nicht bei dieser abstrakten Empfehlung stehen, sondern zeigt einen vielversprechenden Weg auf. So könnte als Vorbild für die Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen der sogenannte „Mikrofinanzparagraph“ (Paragraph 222) im Kapitalanlagegesetzbuch dienen. Dieser sollte um die Möglichkeit der Anlage in Impact-Produkte (Erneuerbare Energien, Sozialimmobilien und nachhaltige Infrastruktur, etc.) erweitert werden. Entsprechende Regelungen bei inländischen alternativen Publikumsinvestmentfonds sollten für Impact-Produkte geschaffen werden.

In der Tat liegt hier ein wirkungsvoller Hebel für wirkliche Impact Investments verborgen. Denn das Besondere an diesem Mikrofinanzparagraphen ist, dass Fondsanbieter bis zu 95 Prozent ihres Portfolios in unverbriefte Darlehensforderungen zur Refinanzierung von Mikrofinanzinstituten anlegen dürfen. Dieser hohe Anteil an unverbrieften Darlehensforderungen in einem Publikumsfonds ist bislang eine Ausnahme. Gewöhnlich sind hier deutlich strengere Grenzen von maximal 30 Prozent gesetzt, wie Paragraph 221 KAGB definiert.

Umformulierung des Paragraphen auf Impact-Unternehmen leicht umsetzbar

Drei Voraussetzungen müssen für eine Investition in Mikrofinanzinstitute gegeben sein. Zum einen müssen formelle Anforderungen wie die Zulassung durch Aufsichtsbehörden, Prüfung durch Wirtschaftsprüfer, etc. erfüllt sein. Zweitens muss das Institut in seiner Haupttätigkeit Gelddarlehen an Klein- und Kleinstunternehmer für deren unternehmerische Zwecke vergeben. Und drittens dürfen 60 Prozent der Darlehensvergaben an einen einzelnen Darlehensnehmer den Betrag von insgesamt 10 000 Euro nicht überschreiten.

Diese Anforderungen sollten leicht auf kleine und mittlere Unternehmen zu übertragen sein: Statt sich an der Zulassung durch nationale Aufsichtsbehörden zu orientieren, sind für diese Unternehmen übliche unternehmensrechtliche Anforderungen (Eintragung Handelsregister, geprüfte Jahresabschlüsse, etc.) zu definieren, wie sie in der mittelständischen Kreditvergabe gängige Praxis sind. Die Höhe der Darlehensvergabe müsste – statt an Klein- und Kleinstunternehmer – an den gängigen Finanzierungsbedarf von kleinen und mittleren Unternehmen sowie Start-Ups ausgerichtet werden. Dabei muss es darum gehen, dass Unternehmen mit dem Kapital der Investoren neue Projekte und Aktivitäten finanzieren (und nicht refinanzieren).

Sinnvolle Weiterentwicklung bisheriger Marktansätze

Die Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen um Impact-Produkte hätte viele positive Effekte:

  • Sinnvolle Lenkung von Investorengeldern: Die Empfehlung bietet eine Lösung für einem häufig zu beobachtenden Missstand: Viele nachhaltige Anlageangebote orientieren sich an gängigen Marktindizes. Das Kapital fließt in Aktien großer multinationaler Konzerne, die bereits mit Geld überschüttet werden. Demgegenüber suchen kleine, innovative Unternehmen mit zukunftsweisenden sozial-ökologischen Geschäftsmodellen nicht selten händeringend Investorengelder. Meist können sich diese Unternehmen aber eine Börsennotierung mit Prospekt- und anschließenden Kapitalmarktpflichten nicht leisten. Investor*innen können schwerlich in sie investieren. (Auf die Investitionslücke dieser Unternehmen verweist Florian Heeb in einem Paper.) Durch das oben beschriebene Fondsvehikel würde sich dies ändern. Geld könnte somit dorthin gelenkt werden, wo es wirklich gebraucht wird.
  • Höhere Akzeptanz von Impact-Produkten bei (Privat)-Anleger*innen: In den vergangenen Wochen ist – zu Recht! – die Diskussion um den Impact von Nachhaltigkeitsfonds verstärkt geführt worden. Aufsehen erregt hat ein Gutachten von Prof. Dr. Klein und Prof. Dr. Wilkens im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband. Auch wenn es einigen Wirbel um die Interpretation der Aussagen gegeben hat, so ist eines offensichtlich: Fondsanbieter sollten sich Aussagen zur Wirkung von Nachhaltigkeitsfonds, die nur schwer belegbar sind, sehr gut überlegen. Es drohen rechtliche Konsequenzen. Mit der Auflage dieser Impact-Fonds könnten Fondsanbieter das Kapital den Unternehmen direkt zur Verfügung stellen und somit den Impact auch dokumentieren.
  • Bewahrung etablierter Marktstandards: Die Empfehlung ist zudem mit der gängigen Definition von Impact Investing des Global Impact Investing Network vereinbar: Gemäß dieser Definition sollte Kapital direkt den Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, um neben der finanziellen auch eine soziale und/oder ökologische Rendite zu erzielen. Folgerichtig ordnet der Beirat die Impact-Produkte dem Bereich Alternativer Investmentfonds (AIF) zu – so wie es bei Impact Investments die Regel ist, da anderenfalls keine direkte Zuordnung von Wirkung durch Investments möglich ist. Es geht also darum, dass ein Fondsanbieter mit seinen Investitionen zusätzlichen sozial-ökologischen Impact schafft (und nicht bloß darum, dass er in Unternehmen investiert, die wirkungsvolle Geschäftsaktivitäten aufweisen). Ein jüngst erschienenes wissenschaftliches Paper macht die Unterschiede deutlich. Dieses Vorgehen erscheint durchdachter als jenes der EU-Kommission bei der Umsetzung der Offenlegungsverordnung 2019/2088. Diese Verordnung verfolgt grundsätzlich ein sinnvolles Ziel. Allerdings baut sie nicht auf bisherigen Marktstandards auf. Dies birgt die Gefahr, dass sie Greenwashing fördert statt zu bekämpfen – wie das Beispiel Mikrofinanz zeigt.

Fazit: Sehr guter Ansatz – auf die rasche und konkrete Ausgestaltung kommt es jetzt an

Die Expert*innen des Sustainable Finance Beirats setzen mit der Forderung nach Impact-Fonds an der richtigen Stelle an und formulieren sinnvolle Umsetzungsmöglichkeiten. Sie berücksichtigen gängige Marktstandards und identifizieren einen passenden regulatorischen Rahmen. Diese Empfehlung hat das Potenzial, den Markt für Impact Investments zu fördern und bietet die Chance, eine hohe Akzeptanz bei Anleger*innen zu erreichen. Damit ist diese Empfehlung in ihrer konkreten Ausgestaltung (derzeit) deutlich zielführender als die neue Produktklassifikation der Offenlegungsverordnung. Die Empfehlung hat das Potenzial, die Relevanz von Impact Investments am deutschsprachigen Markt deutlich zu steigern.

Ein ähnliches Potenzial hat die Auflage von Blended Finance-Fonds. Damit Anleger*innen Vertrauen in diese Fonds fassen, sind verschiedene Vorkehrungen zu treffen. Vorschläge dazu werden im kommenden Artikel vorgestellt, der in 2 Wochen erscheint.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 900 Mio. Euro an (Stand 23.02.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
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Token und Coins: Wie unterscheiden sich Cryptocurrencies?

von Harald Egger, Chief Analyst und Crypto Asset Specialist der Erste AM.

Laut der Internetseite coinmarketcap haben alle Cryptocurrencies zusammengefasst vor kurzem die $1,000 Mrd. Grenze übertroffen. Obwohl die Seite über 8,000 Cryptocurrencies (CC) auflistet, vereinnahmen Bitcoin und Ethereum 85% der Gesamtkapitalisierung.

Diese Grenze wurde übertroffen, nachdem die beiden Flaggschiffe der Krypto Szene wieder deutlich an Wert dazugewonnen hat. Bevor wir uns intensiver mit dem Anstieg des Bitcoin Kurses beschäftigen, will ich kurz auf die hohe Anzahl von CC eingehen.

Zunächst ist es einmal wichtig zu verstehen, dass es sich bei den mehr als 8000 CC um recht unterschiedliche Projekte handelt und dass der Begriff „Currency“ nicht immer zielführend sein muss. Die Bezeichnung digitale Token trifft eher zu, wobei folgende Kategorisierung vorgenommen werden kann:

Payment Token

Dabei handelt es sich um Token, die als Bezahlmittel konzipiert wurden. Alle haben gemein, dass sie kryptographische Verschlüsselungstechniken anwenden und auf einer dezentralen Blockchain Struktur aufbauen. Der Emittent muss nicht unbedingt bekannt sein, wie dies beim Hauptvertreter Bitcoin der Fall ist. Weitere Beispiele für Payment Token sind Bitcoin Cash, Litecoin, u.a.

Stable Coins (EU-Bezeichnung: asset reference token)

Die Nummer Drei bei coinmarketcap belegt Tether. Der Wert von Stable Coins ist an ein bestimmtes Asset gebunden, im Fall von Tether an den USD (ein Tether repräsentiert 1USD). Der Plan von Facebook ein Token zu emittieren fällt in diese Untergruppe.

Ein Libra (bzw. der neue Namen Diem) soll den Wert eines Basket aus unterschiedlichen Währungen und Anleihen repräsentieren. Stable Coins werden entsprechend einem Vorschlag der EU-Kommission demnächst in der EU reguliert. Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) wird aber darüber entscheiden, on eine Zulassung in der EU erfolgt. Diese richtet sich danach ob die Token die Ziele der EZB konterkarieren, also eine gewisse Systemrelevanz aufweisen.

Plattform Token

Einige Projekte erlauben die Entwicklung von dezentralen Applikationen, die Blockchain basiert aufgebaut sind. Dazu sind sogenannte „smart contracts“ notwendig, die bei der Programmierung verwendet werden (technisch gesehen handelt es sich dabei um „wenn-dann“ Prozeduren).

Die Nummer zwei nach Kapitalisierung Ethereum und die Nummer 4 Polkadot sind prominente Vertreter dieser Gruppe. Ethereum hat eine eigene Währung (Ether), die für das Betreiben von Applikationen benötigt wird. Viele Applikationen gehören in die Kategorie „Dezentrale Finanzen“ (kurz DeFi), die derzeit einen Boom erleben.

In der Liste von coinmarketcap sind einige dieser DeFi Projekte mit eigenen Coins vertreten, wie z.B. Wrapped Bitcoin, Uniswap oder Aave). Wer sich mit diesem Thema näher beschäftigen will, kann auf der Webseite defipulse die führenden Applikationen verfolgen.

Utility Token

Utility Token sind eine Art Gutschein oder Zugangslizenz, die auf einer Blockchain abgespeichert sind. Sie erlauben den Bezug einer Dienstleistung oder eines Produktes. Diese sollten nur dann erworben werden, wenn man die Dienstleistung auch beanspruchen möchte.

Als Investment eignen sich diese Token eher nicht (darunter fällt auch Ripple). Die EU wird im Rahmen der Crypto Asset Regulierung (kurz MiCA) diese Form von Token regulieren, in erste Linie als Schutz für Kleinanleger, nachdem diese im letzten Bull-Run von 2017 von Vielen gekauft wurden, ohne zu wissen, was hinter dem Projekt steht oder ob es sich überhaupt um ein seriöses Unterfangen handelt. Ein Großteil, der über 8000 CC fällt in diese Kategorie und kann mit ruhigem Gewissen unter Investment Aspekten vernachlässigt werden.

Central Bank Digital Currencies (CBDC)

 Viele Notenbanken experimentieren derzeit mit der Emission von CBDCs Dabei gibt es zwei unterschiedliche Ansätze. Zum einen kann eine Notenbank digitale Token begeben, die der User in einer Wallet hält und damit bezahlen kann. Die zweite Form der digitalen Token nennt sich „account based“. Dabei hat ein User direkt ein Konto bei der Notenbank. Derzeit ist nicht klar welche Form sich durchsetzen wird.

Vorreiter auf diesem Gebiet ist China mit der Emission des digitalen Yuan. Derzeit wird diese Form der Währung getestet. Weit fortgeschritten ist auch die Riksbank in Schweden mit ihrer e-Krona. Die EZB ist derzeit noch in der Prüfungsphase.

Wenngleich CBDC immer wieder mit CC verglichen werden, muss diese Form der digitalen Währung nicht unbedingt auf einer dezentralen Blockchain aufgebaut sein. Vorstellbar ist eine sogenannte permissioned (nicht öffentlich zugänglich) Blockchain, die von Kommerzbanken betrieben wird.

Im Unterschied zu Stable Coins ist der Emittent eine Notenbank und kein Unternehmen. CBDC sind zudem eine Forderung gegenüber einer Notenbank und gelten als „Legal Tender“ (d.h. man kann damit Steuern und Schulden bezahlen).


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Die Offenlegungsverordnung – Guter Ansatz, der (noch) zu kurz greift

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Es wird dieser Tage viel über den Impact von nachhaltigen Investmentfonds gesprochen. Die Verbraucherzentrale prozessiert wegen Impact-Rechnern von Nachhaltigkeitsfonds, ein wissenschaftliches Papier fordert die Branche auf, sich bei diesem Thema neu zu orientieren. Den größten Einfluss hat aber sicherlich die Europäische Union mit der Offenlegungsverordnung 2019 / 2088 (auch Sustainable Finance Disclosure Regulation genannt). Mit dieser Verordnung will sie ESG-Reportings vereinheitlichen, verschiedene Grade der Nachhaltigkeit unterscheiden und somit Greenwashing vermeiden. Dies sollte sicherlich Impact Investments befördern, die unverändert ein Nischendasein fristen, wie das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in schöner Regelmäßigkeit in seinem Marktbericht aufzeigt:


Quelle: FNG Marktbericht 2020

Die Offenlegungsverordnung verfolgt ein sinnvolles Ziel. Es ist notwendig, die Nachhaltigkeitsqualität einzelner Finanzprodukte klar aufzuzeigen und die Transparenz dazu zu erhöhen. Doch ein näherer Blick lässt Zweifel aufkommen, ob die Umsetzung dieser Verordnung, wie sie derzeit angedacht ist, im Investmentfondsbereich tatsächlich diesem Ziel nahekommt. Dies soll in diesem Artikel am Beispiel von Mikrofinanzfonds näher erläutert werden:

Mikrofinanzfonds eine traditionelle Form des Impact Investing

Mikrofinanzfonds gilt als eine traditionelle Form des Impact Investing. Sie erfüllen die klassische Definition des Global Impact Investing Network (GIIN). Demnach soll Impact Investing eine messbare, positive soziale und ökologische Wirkung neben der finanziellen Rendite erzielen. Damit sollen Lösungen für eine nachhaltigere Zukunft finanziert werden (nachhaltige Landwirtschaft, erneuerbarer Energien, finanzielle Inklusion, etc.). Mikrofinanzfonds stellen Mikrofinanzinstituten in Schwellen- und Entwicklungsländern Kredite direkt zur Verfügung, welche diese in Form von Mikrokrediten an Endkreditnehmer*innen weiterreichen. Dazu zählen Landwirte, Kleingewerbetreibende oder Händler*innen, die häufig keinen Zugang zu formalen Finanzdienstleistungen haben. Mikrofinanzfonds fördern also die finanzielle Teilhabe dieser Menschen. Damit sie das Geld direkt zur Verfügung stellen können, sind diese Fonds als alternative Investmentfonds (AIF) strukturiert – so wie es bei Impact Investments die Regel ist, da andernfalls keine direkte Zuordnung von Wirkung durch Investments möglich ist. Diese Definition ist am Markt allgemein akzeptiert. Demgegenüber ist bei Wertpapierfonds über die Investitionen selbst selten direkte Wirkung zuordenbar. Wirkung erfolgt eher über Engagements oder selektiv die Teilnahme an Kapitalmaßnahmen. Das eingangs erwähnte Paper unterscheidet treffenderweise von Impact Generating (AIF-Fonds) und Impact-aligned Investments (OGAW bzw. Wertpapierfonds), wie auch die GLS Bank dies in einem früheren Artikel bereits skizziert hat:

Die Offenlegungsverordnung: drei neue Grade der Nachhaltigkeit

Die EU hat bei der Einführung der Offenlegungsverordnung im Fondsbereich einen allgemeineren Rahmen etabliert, ohne diese Unterscheidung zu berücksichtigen. Dieser allgemeinere Rahmen gilt für alle Finanzprodukte und sieht drei eigene Grade der Nachhaltigkeit von Finanzprodukten vor: Konventionell (Artikel 6), Bewerbung sozialer und ökologischer Merkmale (Artikel 8) und dunkelgrünes oder Impact-Produkt (Artikel 9).


Quelle: CRIC

Herausforderung 1: Keine gesetzliche Definition eines Nachhaltigkeitsziels für Mikrofinanzfonds

Um sich für Artikel 9 zu qualifizieren, muss das Finanzprodukt ein Nachhaltigkeitsziel verfolgen sowie bestimmte nachteilige Nachhaltigkeitsauswirkungen (Do not significant harm) vermeiden. Wie genau ein Nachhaltigkeitsziel für Mikrofinanzfonds aussehen soll, ist in den technischen Regulierungsstandards nicht näher definiert. Der Text der Offenlegungsverordnung lässt vermuten, dass die EU vor allem Klima- und Umweltziele im Blick hat. Wohl sollen die in der Verordnung beschriebenen Nachhaltigkeitsziele künftig die 6 Umweltziele der EU-Taxonomie adressieren. Für Finanzprodukte mit einem Klimaschwerpunkt mag dies sinnvoll sein, für Fonds mit einem sozialen Schwerpunkt – wie eben Mikrofinanzfonds – ist dies aber kaum umsetzbar. Bisher ermitteln Mikrofinanzfonds meist die Anzahl an erreichten Mikrokreditnehmer*innen, den Prozentsatz an Frauen sowie Menschen auf dem Land, die mit Krediten versorgt wurden, sowie eigene Kennzahlen (Positivkriterien, Scorings, etc.). Inwiefern dies Nachhaltigkeitsziele sind, welche gemäß Verordnung akzeptabel sind, ist derzeit unklar.

Herausforderung 2: Anwendung der „Do not significant harm“-Indikatoren auf Mikrofinanzfonds

Deutlich klarer dagegen definiert die Verordnung, welche nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen der finanzierten bzw. investierten Unternehmen zu erfassen sind. Um als Impact-Produkt gemäß Artikel 9 eingestuft zu werden, müssen Fondsanbieter ab 2022 nachweisen, dass die Unternehmen im Portfolio akzeptable Werte bei klar definierten Kennzahlen aufweisen. Diese sind:


Quelle: eigene Zusammenstellung auf Basis der 
technischen Regulierungsstandards (Level 2) 

Diese Kennzahlen adressieren vor allem große multinationale Industrie- und Energieunternehmen, nicht aber für Mikrofinanzinstitute, deren Kerngeschäft die Ausreichung von Mikrokrediten an Endkreditnehmer*innen ist und zum Teil noch die Strukturen von Nichtregierungsorganisationen aufweisen. Ein Mikrofinanzinstitut danach zu fragen, wie hoch sein Anteil an gefährlichen Abfällen ist, mag auf den ersten Blick komisch anmuten, ist aber ab kommendem Jahr für Artikel 9-Produkte verpflichtend. Dieser Umstand führt dazu, dass Anbieter von Mikrofinanzfonds sich sehr genau überlegen müssen, wie sie ihre Fonds einklassifizieren.

Rechtsrisiken bei zu ambitionierter Einklassifizierung

Was sind nun die konkreten Konsequenzen für Anbieter von Mikrofinanzfonds? Wenn sie ihre Fonds als Impact-Produkte gemäß Art. 9 einklassifizieren (was sie nach bisherigen, gängigen Marktstandards sind), dann müssen sie die Do not significant harm-Kennzahlen erheben und auch darstellen können. Können sie dies nicht, dann drohen rechtliche Konsequenzen: Vorwurf der Falschberatung, Prospekthaftung, etc. Vom Reputations- und Vertrauensverlust bei Investoren durch etwaige Herabstufung auf Artikel 8 oder gar 6 ganz zu schweigen. Dies ist ein durchaus hohes Risiko.

Ob die Regulierungsbehörden kurzfristig nachjustieren, ist derzeit ungewiss. Mit der Sustainable Finance-Initiative wird eindeutig ein Umweltfokus verfolgt. Mikrofinanzfonds sind Nischenprodukte. Eine Lösung wäre die Schaffung einer sozialen Taxonomie. Doch ob sie überhaupt kommt, darüber wird derzeit noch gerungen. Und falls ja, vergehen Jahre.

Ein weiterer gangbarer Schritt wäre, sich mit weiteren Anbietern von Mikrofinanzfonds zu verständigen und gemeinsam darauf hinzuwirken, dass Mikrofinanzfonds eine klassische Form des Impact Investing sind, welche auch gegenüber Investoren gesetzlich als Impact-Produkt gelten darf. Bereits in der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass gemeinschaftliches Handeln unter Mikrofinanzfonds zum Wohle der finanziellen Teilhabe der Endkreditnehmer*innen möglich ist. 

Fazit: Guter Ansatz, aber Nachbesserungen wünschenswert

Die Offenlegungsverordnung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings zeigt ihre bisherige Ausgestaltung, dass bewährte Marktstandards im Investmentfondsbereich nicht im ausreichenden Maße berücksichtigt wurden, besonders der grundsätzliche Unterschied zwischen Impact Generating und Impact-aligned Investments. So wurde eine große Chance vertan, das Impact-Potenzial einzelner Fondstypen sinnvoll zu fördern.

Wie dies gehen könnte? Wertpapierfonds sollten nur dann nach Art. 9 einstufbar sein, wenn sie eine glaubwürdige Engagement-Strategie verfolgen oder im signifikanten Maße in Positionen kleinerer, unterinvestierter Unternehmen am Primärmarkt (Kapitalerhöhungen, Anleiheemissionen) investieren, mit denen gezielt nachhaltige Innovationen gefördert werden (auf die Investitionslücke dieser Unternehmen verweist Florian Heeb in einem Paper). Demgegenüber sollte die Artikel 9-Einklassifizierung bei AIF-Fonds an die Marktrealitäten der einzelnen Produkttypen angepasst werden.

Die derzeitige Ausgestaltung lässt dagegen befürchten, dass aufgrund fehlerhafter gesetzlicher Intervention die einstig klare Trennung zwischen Nachhaltigen Investment und Impact Investment weiter aufweicht. So können sich Wertpapierfonds ohne glaubwürdige Engagementstrategie oder gar Klima-ETFs als Impact/dunkelgrüne-Fonds gemäß Art. 9 positionieren, wogegen wirkliche Impact Investments sich mit Art. 8 begnügen müssen. Der Bekämpfung von Greenwashing bzw. der Förderung von Impact Investing hätte der Gesetzgeber damit leider einen Bärendienst erwiesen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 900 Mio. Euro an (Stand 23.02.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de
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