MFS Konjunkturausblick: Globaler Ausfschwung unsicher

Im letzten Jahr deutete steigende Aktienmärkte und Anleiherenditen klar auf einen weltweiten Konjunkturaufschwung in diesem Jahr hin. Doch nach dem ersten Drittel des Jahres 2014 ist die Sache nicht mehr so eindeutig, meint Robert Spector, CFA, Institutional Portfolio Manager bei MFS Investment Management.

Der MSCI All Country World Index hat in den ersten vier Monaten dieses Jahres 2,2 % zugelegt, was annualisiert immerhin einen hohen einstelligen Gewinn ergibt. Zudem haben sich an den Rentenmärkten Credits weiter überdurchschnittlich entwickelt. Das spricht auf den ersten Blick für einen weltweiten Konjunkturaufschwung. Doch Vorsicht: Der wahre Star sind die 30-jährigen US-Staatsanleihen. Sie liegen im laufenden Jahr mit 11 % im Plus – das sind annualisiert über 30 %. Genau das lässt Zweifel am Aufschwungszenario aufkommen, denn steigende Kurse amerikanischer Staatsanleihen gehen normalerweise mit Deflationsdruck und langsamerem Wachstum einher.

Wir erwarten nach wie vor, dass die Weltkonjunktur anzieht und die Wirtschaftspolitik risikoreichere Wertpapiere wie Credits und Aktien weiter stützt, aber auch die Anleiherenditen steigen lässt. Doch dieser Ausblick ist nicht sicher, weshalb bei einigen Fragen mehr Klarheit nötig ist. Fünf Punkte, auf die es ankommt:

Amerikas Aufschwung

Wir warten ab, ob sich die zuletzt besseren US-Konjunkturdaten weiter gut entwickeln. Im 1. Quartal stagnierte die Wirtschaft mehr oder weniger, was enttäuschte, aber teilweise am Wetter lag. Im März und April fielen die Daten besser aus. Besonders erfreulich war, dass im April 288.000 Stellen geschaffen wurden und die Arbeitslosenquote auf 6,3 % fiel.

Die Fed dürfte sich weder von der Konjunkturdelle im 1. Quartal noch von den besseren Arbeitsmarktzahlen beirren lassen und ihr Quantitative Easing (QE) wie geplant zurückfahren. Da der Beschäftigungsanstieg die Preise und Löhne offenbar nicht in die Höhe treibt, wird die Fed ihren Zinsausblick wohl nicht ändern. Die Finanzmärkte scheinen ihrer Ankündigung zu glauben, erst deutlich nach dem Ende von QE den Leitzins zu erhöhen, und erwarten den ersten Schritt Mitte 2015. Wenn es so weit ist, dürfte der Leitzins langsamer und auf ein niedrigeres Niveau angehoben werden als in der Vergangenheit. Falls aber der Arbeitsmarkt und die übrige Wirtschaft auf breiter Front anziehen und die Inflation steigt, könnten die Märkte am Zinsausblick der Fed zweifeln und eine vorzeitige Zinserhöhung erwarten.

Europas Inflation

Wir warten auch den nächsten Schritt der Europäischen Zentralbank ab. Sie ist für ein Währungsgebiet zuständig, das konjunkturell echte Fortschritte macht, aber noch mit Überschuldung kämpft. Gemessen an der außergewöhnlich niedrigen Jahresteuerung von 0,7 % (per 30. 04.2014) und der rückläufigen Kreditvergabe ist die Geldpolitik immer noch restriktiv. Die EZB hat zwar weitere Zinssenkungen und unkonventionelle Maßnahmen angedeutet, die die Konjunktur beleben und den Euro schwächen würden. Es ist aber zu befürchten, dass sie sich hierfür hohe Hürden setzt.

Japans Konsumsteuer

Wir beobachten, wie die japanische Wirtschaft auf die Mehrwertsteuererhöhung im April reagiert. Man muss mit einem Inflationsschub rechnen, der die Reallöhne unter Druck setzt. Sollte daraufhin das Wachstum nachlassen, würde die japanische Notenbank nach Meinung vieler Beobachter die Geldpolitik weiter lockern, was den Yen schwächen und die Aktienkurse beflügeln könnte. Wenn sich die japanischen Währungshüter jedoch mit Liquiditätsspritzen Zeit lassen – und vielleicht selbst eine abwartende Haltung einnehmen –könnte das die Finanzmärkte enttäuschen.

Chinas nächste Schritte

China muss genau beobachtet werden, zumal das BIP-Wachstum aufgrund schwacher Exporte und der verzögerten Wirkung vergangener Straffungsmaßnahmen unter 7,5 % zurückgegangen ist. Die Politik befindet sich offenbar in einem Dilemma. Mit aggressiven Konjunkturmaßnahmen könnte sie genau den Sektoren Auftrieb geben, in denen sie mit Strukturreformen Blasen bekämpft. Zuletzt hat man daher nur vorsichtig Wachstumsimpulse gesetzt, um ein noch schwächeres Wachstum zu verhindern. Die sanfte Unterstützung könnte dazu beigetragen haben, dass sich das Wachstum stabilisiert hat, was den Rohstoffpreisen zugutekam. Doch was tut China bei einem Wachstumseinbruch.

Russland und die Ukraine

Schließlich ist da noch der russisch-ukrainische Konflikt, der sich verschärfte, noch bevor die Tinte auf der Genfer Deeskalationsvereinbarung trocken war. Russland scheint immer mehr darauf aus zu sein, sich die Ukraine einzuverleiben, doch die Sanktionen der USA und der EU blieben halbherzig. Die Haltung der westlichen Regierungen zu den Aktivisten in der Ukraine bleibt ambivalent. Ein Krieg ist nicht auszuschließen – auch wenn er nur Verlierer haben wird.