Natixis Global AM: Veraltete Infrastruktur eröffnet weltweit Chancen

Riesige Schlaglöcher, einbrechende Brücken und platzende Wasserleitungen auf Hauptgeschäftsstraßen sind in den USA ein alltäglicher Anblick. Angesichts dieser Lage ist es unbestritten, dass hier ein dringender Bedarf besteht, die veraltete Infrastruktur zu erneuern. Und dieser Bedarf ist nicht nur in den USA sichtbar, sondern an vielen Orten weltweit. Eine entsprechende Studie der World Health Organization (WHO) geht davon aus, dass derzeit annähernd 780 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser sind.

Um dem wachsenden Bedarf einer Modernisierung  gerecht zu werden, investieren Regierungen und Investoren weltweit verstärkt in unterschiedliche Infrastrukturprojekte. China beispielsweise wird im Rahmen seines Urbanisierungsplans in den kommenden zehn Jahren etwa sechs Billionen US-Dollar ausgeben. Großbritannien wird bis 2030 ebenfalls seine marode Infrastruktur erneuern müssen, was voraussichtlich durch öffentliche und private Investitionen in Höhe von 375 Mrd. US-Dollar bestritten wird. Brasilien verfolgt zur Vorbereitung der bevorstehenden Fußball-WM sowie der Olympischen Spiele im Jahr 2016 einen ehrgeizigen Fünfjahresplan: dieser veranschlagt Ausgaben in Höhe von 500 Mrd. US-Dollar für die Erneuerung. In den USA liegt ein Plan über 302 Mrd. US-Dollar für die nächsten vier Jahre vor, um Transportwege und Infrastruktur zu modernisieren. Zwei Experten von NGAM zeigen nachfolgend auf, in welchen Sektoren und Regionen sie den größten Bedarf einer moderneren Infrastruktur und gleichzeitig Chancen für Anleger ausmachen können.

Jörg Knaf, Managing Director Nordeuropa, Natixis Global Asset Management

Mit zunehmender Korrelation unter traditionellen Asset-Klassen ist es dringend notwendig, neue Ertragsquellen zu eruieren. Infrastrukturanlagen führen aufgrund des langfristigen Werterhalts nicht nur zu einem ausgewogenen Portfolio, sondern sind derzeit renditeträchtiger als Anleihen. Zusätzlich sorgen sie langfristig für einen stabileren Zahlungsstrom und agieren sogar als Inflations-Hedge.  

Stephen McCabe, Global Equity Analyst, Loomis, Sayles & Company 

Der weltweite Bedarf an einer neuen und verbesserten Infrastruktur bedeutet für viele Unternehmen auf der Welt vielversprechende Chancen. Von diesem Jahr an bis 2017 dürften etwa 7,5 Billionen US-Dollar in Infrastruktur-Projekte fließen. Die Ausgaben in diesem Bereich dürften 2017 schätzungsweise etwa um 50% höher liegen als 2012. (1.2 Billionen US-Dollar). Die Schwerpunkte werden dabei auf der Wasseraufbereitung, der Energiegewinnung sowie der Transportinfrastruktur liegen. Die meisten Projekte dürften in den USA, in China, dem nahen Osten sowie in Indien durchgeführt werden. Der US-Präsident Barack Obama plädierte erst kürzlich für notwendige Investitionen in Höhe von 302 Mrd. US-Dollar für Reparaturen der brüchigen US-Highways. Indien legt in seinem mittlerweile zwölften Fünfjahresplan fest, dass 1 Billion US-Dollar in Infrastruktur investiert werden sollen, mit einem hohen Anteil bei der Erneuerung des Transport-Netzwerks. Der nahe Osten will 80 Mrd. US-Dollar für Elektrizitätskapazitäten ausgeben und zusätzliche 185 Milliarden US-Dollar für das Transportnetzwerk. 

China hat wegen der Kohlenutzung mit einer starken Luftverschmutzung zu kämpfen. Die durch Kohlenutzung generierte Luftverschmutzung zwingt die Industrie zum Nachbessern. Die chinesische Regierung hat im letzten Jahr für den Umweltschutz 49 Mrd. US-Dollar ausgegeben. Das entspricht einer jährlichen Steigerung von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, die auch für 2014 vorgesehen ist. 

Raphaël Lance, Leiter erneuerbare Energien, Mirova

Im Laufe der letzten Jahre hat sich das Segment Infrastruktur für den Sektor erneuerbare Energien in Europa zu einem wirklich bedeutsamen Industriezweig entwickelt. Diese Branche hat in erster Linie von dem Umstand profitiert, dass sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) verbindlich darauf verständigt haben, dass bis 2020 insgesamt 20% der Stromproduktion auf erneuerbaren Energien basieren soll, um so gegen den Klimawandel anzugehen. Dieser Anteil soll einem Vorschlag der EU-Kommission zufolge, der im Januar 2014 vorgelegt wurde, bis 2030 auf 27% steigen. Derartige Mandate haben dazu geführt, dass die Anlagechancen im Segment Infrastruktur für den Sektor erneuerbare Energien in Europa zuletzt zugenommen haben.

Die daraus resultierenden Subventionierungsprogramme wurden in den einzelnen EU-Staaten eingeführt, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Diese haben zudem die Kosten für Photovoltaik- und Windkraftanlagen aufgrund von Skaleneffekten sinken lassen. In der Folge ist dann erfreulicherweise auch der Bedarf an staatlichen Subventionen zurückgegangen. In immer mehr Segmenten können inzwischen sogar Projekte gänzlich ohne zusätzliche Fördergelder realisiert werden.

Aus unserer Sicht dürften Anleger, die in erneuerbare Energien-Projekte investiert haben, letzlich einen realen Vermögenswert mit einem attraktiven Risiko-/Ertragsprofil erzielen. Ein solches Investment ist eine Alternative zu Immobilieninvestments und weist gleichzeitig eine begrenzte Korrelation zu anderen alternativen Anlageformen auf.

Finanzierungs-Pipeline bei erneuerbaren Energien-Projekten

Laut dem Fachmagazin „Clean Energy Pipeline“ stiegen die Finanzierungsaktivitäten im Segment saubere Energien in Europa im Jahr 2013 um 4% auf insgesamt 35,2 Mrd. US-Dollar.(2012: 33,7 Mrd. US-Dollar). Dieser moderate Anstieg der Finanzierungsaktivitäten war auch auf einen 9%-igen Zuwachs bei den Finanzierungen von Onshore-Windanlagen zurückzuführen, die auf 12,1 Mrd. US-Dollar nach oben kletterten. Der Hauptgrund dafür waren kräftige Anstiege in Schweden (+48%) und Frankreich (+158%) sowie stabile Investitionen an den beiden größten Märkten für Onshore-Windprojekte in Europa – Großbritannien und Deutschland. 

Auch im Jahr 2014 werden Frankreich und Schweden für den Onshore-Windsektor sehr attraktive Märkte bleiben. Im Gegensatz dazu gingen die Finanzierungen für Solarprojekte im Jahr 2013 um 32% auf 7,4 Mrd. US-Dollar und damit auf das niedrigste Niveau seit 2010 zurück. Dieses Minus ist den historisch niedrigen Investitionen in Deutschland und Italien geschuldet, die auf Basis der installierten Anlagen die beiden größten europäischen Märkte für Photovoltaik-Projekte sind. In Deutschland haben sich die Finanzierungen für Solarprojekte im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert. Darin spiegeln sich auch die deutlichen Kürzungen bei den Vergütungen von eingespeistem Strom wider, die 2012 und 2013 in Deutschland vorgenommen wurden. In Italien sind diese Vergütungen ebenfalls massiv gesenkt worden, um so dem starken Rückgang der Projektkosten Rechnung zu tragen. Darüber hinaus war man in Italien besonders bestrebt, die Entwicklung großer Projekte seitens marktbeherrschender Versorger zu bremsen. Für die kommenden Monate rechnen wir damit, dass der Solarmarkt hauptsächlich dank privater Projekte wachsen wird. 

Eine Zusammenarbeit zwischen lokalen Unternehmen und führenden Industriekonzernen beim flächendeckenden Ausbau der Versorgung mit erneuerbaren Energien in Europa, könnte zu attraktiven Anlagechancen bei den erneuerbaren Energien führen. Es hat durchaus Vorteile für einen Investor, von Anfang an in den Bau eines Projekts involviert zu sein. So kann dieser etwa ein Aufgeld für das Errichtungsrisiko - und damit einen höheren Ertrag als allein aus dem Betrieb einer Anlage – vereinnahmen. Risiken  können durch vertragliche Garantien seitens der Anbieter sowie einen sorgfältigen Abgleich der Interessen mit denen des ursprünglichen Entwicklers begrenzt werden. Das daraus resultierende Risikoniveau kann im Vergleich zu den erzielten Erträgen dann durchaus sehr zufriedenstellend ausfallen.

Gute Anlagechancen in Frankreich und Skandinavien 

Die spannendsten Projekte findet man derzeit in Frankreich sowie in Skandinavien. Begünstigt werden sie durch positive Bedingungen, wie hohes Sonnenaufkommen im Süden Frankreichs, gute Windbedingungen in beiden Regionen, ein gut ausgebautes Stromnetz, die Nähe zum Verbraucher sowie Vorteile durch derzeit niedrige Strompreise, den politischen Druck, Atomkraftwerke nicht mehr zu fördern und einen sehr niedrigen Kohlepreis. 

In den letzten zwei Jahren fanden wir neben Frankreich insbesondere Schweden interessant. Ein erwähnenswertes Projekt ist der Windpark in Jadraas, Schweden. Dieser gehört zu den größten Onshore-Windparks Europas und die Finanzierungsstruktur war eine sehr innovative. Nach einer Klage in Frankreich gegen den bestehenden Einfütterungstarif waren die Errichtung neuer Windkraftprojekte 2012 und 2013 eingeschränkt. Das wird auch noch 2014 ein Thema bleiben. Wir rechnen damit, dass die Bereiche Solar in Frankreich und Wind in Skandinavien schneller wachsen werden, als der Gesamtmarkt Erneuerbare Energien.