Das Ende der Dollar-Schwäche ist in Sicht

Larry Hatheway, Group Head GAM Investment Solutions und Chefökonom beim Asset Manager GAM, kommentiert einmal im Monat die aktuelle Marktlage.

Die zweite Jahreshälfte 2017 wird Anlegern voraussichtlich eher mäßige Erträge bescheren. Nach einer zwölfmonatigen, nahezu ununterbrochenen Hausse der Aktienmärkte beginnen diese aufgrund der auslaufenden Berichtssaison und höherer Bewertungen zu schwächeln. Geopolitische Risiken sorgen zwar für eine kurzfristige Erhöhung der Volatilität, doch sprechen ein moderates globales Wachstum und die geringe Inflation noch immer für Aktien. Solange diese Kombination vorherrscht, dürften Verkaufswellen an den Aktienmärkten kurz und ohne große Einschnitte verlaufen.

Die globalen Anleiherenditen bewegten sich auch am Ende des ersten Quartals unterhalb ihrer Höchstwerte. Die unerwartet niedrige Inflation kam dem Anleihemarkt zugute – trotz der Anzeichen für eine anhaltende Normalisierungspolitik der US-Notenbank (Fed) und der Erwartung, dass die Europäische Zentralbank in Kürze eine Bilanzreduzierung für 2018 ankündigen wird. 

Der US-Dollar erfuhr in den vergangenen Monaten eine starke Abwertung. Eine anhaltende Dollar-Schwäche scheint jedoch aus verschiedenen Gründen unwahrscheinlich. Zum einen handelt es sich bei den spekulativen Positionen am USD-Markt vorwiegend um Short-Positionen. Dies dürfte den Verkaufsdruck künftig verringern. Zum anderen rechnen die Anleger bis zum Jahresende nicht mehr mit einer Zinserhöhung der Fed. Damit liegen sie mutmaßlich falsch. Obwohl der nächste geldpolitische Schritt der Fed vermutlich auf eine allmähliche Bilanzreduzierung abzielen wird, ist die Mehrheit ihrer Entscheidungsträger der Ansicht, dass die US-Geldpolitik sehr expansiv bleibt – insbesondere angesichts der sinkenden Arbeitslosenquote. Dies lässt vermuten, dass die Fed den Leitzins in diesem Jahr noch einmal anheben und damit den Dollar stützen wird.

Die gegenwärtige wirtschaftliche Expansion in den meisten Schwellenländern scheint nachhaltig zu sein. Sorgen über das Wirtschaftswachstum in China liegen allerdings – wie meistens – nahe. Insbesondere durch den mittlerweile negativen Kreditimpuls ist ein Rückgang der Immobilien- und Anlageinvestitionen wahrscheinlich. Brasilien erholt sich dagegen allmählich und die meisten mitteleuropäischen Länder profitieren von dem stärkeren gesamteuropäischen Aufschwung. Insgesamt ist für 2017 von einem moderaten Wachstum der Schwellenmärkte auszugehen.

Dennoch nehmen wir bei unserer Asset Allocation eine vorsichtigere Haltung ein. Wir haben unsere Positionen in globalen Aktien reduziert, da diese nach dem zuletzt kräftigen Aufschwung zum Ende der Berichtssaison weniger Unterstützung erfahren dürften. Da die Anleihemärkte hoch bewertet bleiben, setzen wir vor der geldpolitischen Normalisierung weiterhin auf eine kurze Duration. Wir lenken unser Augenmerk verstärkt auf alternative Strategien, darunter auch traditionelle Relative-Value-Hedgefonds und Target-Return-Fonds. Target-Return-Strategien eignen sich in diesem Umfeld besonders, da sie bei geringer Volatilität und stabilen Renditen nur wenig mit globalen Aktien und Anleihen korrelieren.