Indonesien: Gar nicht so fragil

2013 galt Indonesien noch als eines der sogenannten „Fragile Five“ unter den Schwellenländern. Seither hat es ein fulminantes Comeback hingelegt. Im Mai wurde seine Staatsverschuldung auf Investment Grade hochgestuft, das erste Mal seit der Asienkrise von 1997.

In unserem hauseigenen Länderrisikoindex liegt das Land jetzt auf der höchsten Position in sieben Jahren1, so Patrick Zweifel, Chef-Ökonom von Pictet Asset Management. Die vorteilhafte demographische Entwicklung, hohe Investitionen im Verhältnis zum Sozialprodukt und auf breiter Ebene verbesserte Fundamentaldaten kommen dem Land zugute.

Länderrisikoindex Indonesien

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, 01.04.2017

Indonesien erntet nun die Früchte der in den letzten Jahren angekündigten Strukturreformen zur Verbesserung des Geschäftsumfeldes, der Produktivität und der Wettbewerbsfähigkeit. Das Land ist im Ease of Doing Business-Index der Weltbank um 15 Positionen auf Platz 91 vorgerückt.

Noch immer relativ geschlossene Volkswirtschaft

Indonesiens relativ abgeschottete Wirtschaft macht das Land einigermaßen immun gegen zyklische Entwicklungen der Weltwirtschaft (etwa im Vergleich zu Singapurs eher zyklischer Tendenz). Es ist nicht Teil der asiatischen Produktionslieferkette sondern einer der größten regionalen Rohstoffexporteure, insbesondere nach China (sein Primärsektor steht für 26% des BIP).

Der Harte und der Zarte: Entwicklung des BIP in Indonesien gegenüber dem zyklischen Singapur

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, 01.04.2017

Positiver Ausblick für Inlandskonsum

Indonesien ist in den beiden letzten Jahren stetig gewachsen durch den signifikanten Anstieg bei Privatinvestitionen und Exporten. Der Konsum war eher enttäuschend (siehe Tabelle zu Einzelhandelsdaten), sollte jedoch einen Schub erleben.

Sehr hohes Konsumentenvertrauen und verbesserte Arbeitsbedingungen sollten zur Erholung des indonesischen Haushalts in der zweiten Hälfte des Jahres beitragen. Mittlerweile liegt die Inflation auf einem Niveau, das einen monetären Eingriff bis Jahresende unwahrscheinlich macht.

Einzehlhandel und Konsumentenvertrauen in Indonesien

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, 01.05.2017

Die Ansicht unseres Teams für Schwellenländeraktien: Boomender Markt für E-Commerce

Indonesien ist der unerwartete Champion für E-Commerce der Wirtschaftsgemeinschaft Asean, mit dem größten und am schnellsten wachsenden Einzelhandel im Internet. Zum Teil verdankt es dies den chinesischen Internetgiganten Tencent und Alibaba, die Anteile an lokalen Unternehmen erworben haben. Auch inländische Firmen beweisen ihre Fähigkeit, gebündelte Ecosystem-Modelle zu entwickeln.

Hauptattraktion des Landes: es ist nach Einwohnerzahlen die viertgrößte Nation der Welt, wobei die Hälfte der Bevölkerung unter 30 ist. Vor allem aber: Indonesiens nach Kaufkraftparitäten-adjustiertes BIP pro Einwohner hat soeben die Schwelle passiert, nach der der Onlinehandel in der Regel weiter ansteigt (USD10.000).

Es lohnt sich, das Land im Blick zu behalten.

Spitzenreiter: Indonesien führend im Bereich E-Commerce-Handel
Gesamtwachstum im Onlineeinzelhandel, 2016 (in lokaler Währung)

 

Quelle: CLSA, Euromonitor, eResearch,  US Dept of Commerce, 31.12.2016

Außerdem befasst sich unser aktueller EM Monitor mit der Frage, was die Wachstumserholung in den Schwellenmärkten antreibt. Daneben werden die üblichen Grafiken und Datentrends präsentiert, mit denen wir die Entwicklung am Schwellenländermarkt illustrieren. Zum kompletten EM Monitor.


1) Unser interner Schwellenländerrisikoindex besteht aus 6 Risikokomponenten, gemessen mittels 18 Indikatoren, die ein Universum von 29 Volkswirtschaften abdecken.

Über den Autor
Patrick Zweifel kam 1997 zu Pictet. Er ist als Chef-Ökonom von Pictet Asset Management tätig. Bevor er 2009 in diese Funktion wechselte, leitete er das Macro Research Team von Pictet Private Wealth Management. Dort war er insbesondere für Schwellenländer und Japan sowie die Entwicklung quantitativer Modelle für die wichtigsten Anlagekategorien, hauptsächlich Wechselkursmodelle, zuständig. Vor seiner Tätigkeit bei Pictet war er Forschungsassistent der Fachrichtung Ökonometrie und Geldmarkttheorie und beteiligte sich an internationalen Forschungsprojekten der Weltbank und der Europäischen Union. Patrick Zweifel hat einen Doktortitel im Fachgebiet Ökonometrie von der Universität Lausanne.

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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