Rückschlagsgefahren im September und Oktober

Christian Hinterwallner, RBI Wien, zu etablierten Aktienmärkten.

Zuletzt präsentierten sich die globalen Aktienmärkte wieder fester, gleichzeitig gingen die Volatilitätsindizes signifikant zurück. Für die kommenden Wochen überwiegen unserer Meinung nach trotz gemischter Gemengelage noch die Abwärtsrisiken. Turbulenzen dürften dabei weiterhin von Seiten der US-Innenpolitik ausgehen, da Präsident Trump zusehends isoliert erscheint und zuletzt mit einem „Government Shutdown“ kokettierte. Einen Trigger für temporäre Kursrückschläge könnte auch die US-Geldpolitik darstellen. Hier sollte unserer Ansicht nach die Fed im September das Abschmelzen ihres Anleiheportfolios beschließen. Zudem halten wir die Markterwartungen im Hinblick auf den Zinspfad (Markterwartung bis Ende 2018 etwas mehr als ein Zinsschritt vs. vier von der Notenbank in Aussicht gestellte Anhebungen) vor dem Hintergrund der bärenstarken Wirtschaftslage für zu optimistisch. Zudem wird unserer Ansicht nach die EZB in einer der beiden nächsten Sitzungen den Einstieg in den Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm verkünden. Solcherart sollten in den ohnehin historisch sehr anfälligen Monaten September und Oktober die Rückschlagsgefahren überwiegen.

In Blickrichtung Jahresende sind wir aber optimistisch für die Aktienmarktentwicklung, da die geldpolitischen Weichenstellungen ein Ausdruck für die Robustheit der Konjunktur sind (das belegen auch die jüngsten Ergebnisse der Einkaufsmanagerschnellschätzungen) und den Aufschwung nicht gefährden. Zusätzlich halten wir das für die breiten Märkte von Einzelwertanalysten in Aussicht gestellte niedrige zweistellige Gewinnwachstum für 2017 für erreichbar, zumal sich die Revisionen der Einzelwertanalysten zuletzt wieder verbesserten. Für weiterhin intakt halten wir die Chancen, dass in den USA Steuererleichterungen für Unternehmen (Senkung des Steuersatzes, niedrige Sondersteuer für Repatriierungen) durchgebracht werden. Letztere Maßnahme würde vermutlich auch die Aktienrückkaufprogramme der Unternehmen befeuern. Trotz der kurzfristig vorherrschenden Gefahren halten wir das Chancen/Risiko-Profil für den DAX und den Euro STOXX 50 bereits so attraktiv (seit dem Jahreshoch rund 6 % korrigiert, signifikantes Potenzial in Richtung Dezember), sodass wir unsere Empfehlung hier von „Halten“ auf „Kauf“ ändern. Bei den restlichen Indizes werden wir bei Marktschwäche unsere Empfehlung entsprechend nachziehen.