Wie beeinflussen Trumps Zölle auf mexikanische Importe die Märkte?

„Importzölle gegen illegale Einwanderung“ lautet nun die neue Mexiko-Politik von US-Präsident Donald Trump, dessen Pläne zum Bau einer Grenzmauer von einem US-Richter vorerst gestoppt wurden. Die mexikanische Regierung kündigte ihrerseits eine heftige Reaktion an.

Welche Auswirkungen hätten diese Zölle auf die Märkte, die, wenn man Trumps Twitter-Account Glauben schenken darf, bereits am 10. Juni in Kraft treten sollen?

Die Fixed-Income-Perspektive

John L. Bellows, PhD und Portfolio Manager bei der auf Anleihen spezialisierten Legg Mason-Tochtergesellschaft Western Asset Management, sorgt sich vor allem vor den indirekten Auswirkungen: „Hohe und ausufernde Zölle auf alle mexikanischen Importe bedeuteten natürlich ein Abwärtsrisiko für die US-Wirtschaft. Abhängig von ihrer Größenordnung und Dauer werden die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen zwar gravierend sein, sollten jedoch nicht zu einer Rezession führen. Deutlich besorgniserregender sind die indirekten Auswirkungen auf das Geschäftsklima und damit auf die Beschäftigung, das Einkommen und den Konsum im Land. Verschlechtert sich das Geschäftsklima signifikant, ist eine Rezession möglich.“

Es gäbe jedoch auch jede Menge Möglichkeiten, die Stimmung zu stabilisieren – etwa indem die US-Notenbank ihre Sprache anpasst und Bereitschaft signalisiert, auf ein erhöhtes Abwärtsrisiko zu reagieren. Zudem wäre es möglich, dass beide Seiten doch noch zu einer Einigung finden.

„Aus unserer Sicht ist der Anleihemarkt den aktuellen politischen Entwicklungen ohnehin schon voraus“, sagt Bellows, „da er bereits zwei Zinsrückgänge der Fed einpreist. Ein solches Preisgefüge macht Sinn, wenn die Spannungen zunehmen und sich das Geschäftsklima verschlechtert.“ Das sei sicher nicht das Base-Case-Szenario, betont Bellows, doch es könne so kommen. Das hieße aber auch, dass der Markt die aktuellen Entwicklungen zwar bereits eingepreist hat, es aber noch nicht klar ist, ob er damit richtig oder falsch liegt. „Selbst wenn eine Rezession vermieden werden kann und die Fed weniger zurückschraubt als aktuell vom Markt eingepreist, muss man damit rechnen, dass die Yields der US-Treasuries auf niedrigem Niveau bleiben werden. Der erneute Fokus der Zentralbank auf die Inflation ist einer der Hauptgründe, warum Yields in diesem Jahr niedriger ausfallen – und dieser Fokus dürfte uns ohnehin das ganze Jahr über begleiten“, schließt Bellows ab.

Die Aktien-Perspektive

Für Kim Catechis, Head of Global Emerging Markets bei der Legg Mason-Tochter Martin Currie sind die angekündigten Zölle von US-Präsident Trump ein weiterer Schritt hin zu einer langen Zeit der politischen und wirtschaftlichen Divergenz. Er zieht sogar Parallelen zum Kalten Krieg, glaubt jedoch, dass es im aktuellen Fall „in vielerlei Hinsicht invasiver und gefährlicher für Investoren wird.“ Catechis Begründung: „Die langfristigen Auswirkungen und der Grad, wie Wertschöpfungsketten und Entscheidungsprozesse deformiert werden, wird von Anlegern völlig unterschätzt. Die unbeabsichtigte Konsequenz wird wohl eine dreigeteilte Welt mit einer generalisierten Rückkehr zu verstärkten staatlichen Interventionen sein.“ Catechis glaubt, es könne künftig drei Lager geben: das US-getriebene, das von China dominierte und die alte Weltordnung. Sie würden zu erhöhten wirtschaftlichen und politischen Wechselwirkungen und begrenzten Investitionsergebnissen führen.