Fragiles Gleichgewicht

Der Einflussfaktor „Makro“ kann aktuell neutral beurteilt werden. Bei der Veränderung der Konjunkturindikatoren ist die Situation aktuell uneinheitlich, einige Indikatoren verbessern sich bereits, bei anderen steht dies noch aus. Die Konjunkturüberraschungen (Economic Surprises) sind unterdessen weiterhin negativ, also liegen die aktuellen Veröffentlichungen im Schnitt noch unter den Erwartungen. Allerdings schlägt die Komponente Arbeitsmarkt sehr positiv zu Buche, immerhin ist der jüngst veröffentlichte Wert für die Arbeitslosigkeit in den USA mit 3,6 % der tiefste seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Auch „Mikro“ gibt aktuell kein eindeutiges Signal: Gewinnwachstum und Profitabilität sind weiterhin positiv, die Gewinnrevisionen nach wie vor negativ. Hingegen ist „Liquidität“ die große Stütze der Märkte in den letzten Monaten. Gemeint ist damit einerseits die Geldpolitik, andererseits aber auch die Entwicklung der Kapitalmarktrenditen. Diese sind für die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Staaten relevant. Geldpolitik, Renditen und die Entwicklung der Risikoaufschläge waren bis zuletzt positiv. Eine Marktentwicklung, die nur auf Liquidität fußt, muss jedoch mit Vorsicht genossen werden. Schließlich werden für die Taktische Asset-Allocation eine Reihe von technischen Indikatoren analysiert. Dies beginnt mit dem Marktmomentum, geht über die Breite (wie viele Aktien/Branchen/Länder sind im Aufwärtstrend) und landet bei unserem RORO-Indikator (Analyse, wie sich zyklische Teile des Marktes relativ zu defensiven Bereichen entwickeln). Die Beurteilung dieser Faktoren hat sich zuletzt signifikant verschlechtert und ist jetzt nur noch neutral.

In Summe lässt sich aus den TAA-Indikatoren keine eindeutige Tendenz ableiten. Die abwartende Haltung wird daher beibehalten.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Rohstoffe und Währungen: Zuletzt wieder schwächere Rohstoffpreise

Der Monat Mai war generell ein schwacher Monat für Rohstoffe. Nach einem sehr starken ersten Quartal mussten teilweise heftige Korrekturen verbucht werden. Vor allem die zyklischen Energierohstoffe und Industriemetalle gaben einen Teil der Kursgewinne wieder ab. Generell sind viele Segmente im Rohstoffbereich jedoch weiterhin von einer angespannten Angebotssituation gekennzeichnet.

Die neuen Spannungen um den Handelskonflikt haben auf den Devisenmärkten Spuren hinterlassen, der chinesische Renminbi war etwas schwächer, wird seitens China jedoch offensichtlich stabilisiert, um die Spannungen nicht weiter zu verschärfen. Auch andere Währungen aus den Emerging Markets gaben im Mai etwas nach, türkische Lira und argentinischer Peso bleiben durch lokale Probleme unverändert schwach.

Die globalen Leitwährungen US-Dollar und Euro zeigten zuletzt wenig Bewegung zueinander, der Yen wertet etwas auf und das britische Pfund gab infolge der Regierungskrise etwas nach.

Globale Konjunktur: Alle Augen auf die Vereinigten Staaten

Auch wenn sich die globalen Konjunkturüberraschungen (Economic Surprises) auf niedrigem Niveau stabilisiert haben, die negative Tendenz bei den wichtigsten Frühindikatoren, z. B. den Einkaufsmanagerindizes, spiegelt aktuell die zunehmende Verunsicherung der Unternehmen wider. Vor allem die schwache und weiter rückläufige Exportkomponente innerhalb der Managerumfragen verdeutlicht die negative Ausstrahlung des schwelenden Handelskonflikts.

Im Bereich der Realdaten beeindruckt nach wie vor die positive Arbeitsmarktentwicklung in den Vereinigten Staaten mit einer niedrigen Arbeitslosenrate wie zuletzt 1969 bei stetig ansteigenden Löhnen und entsprechender Unterstützung des privaten Konsums. Auch die Unternehmen konnten einmal mehr positiv überraschen: trotz negativer Revisionen und entsprechender Prognosen für das Gewinnwachstum im ersten Quartal 2019 erzielten die US-Unternehmen neuerlich einen – wenn auch nur leicht – positiven Gewinnzuwachs anstatt des erwarteten Rückgangs.