Fed hält die Tür für weitere Zinssenkungen offen

Zum gestrigen FOMC Meeting ein Kommentar von Kevin Flanagan, Senior Fixed Income Strategist bei WisdomTree:

"Endlich hat das Federal Open Market Committee (FOMC) der US Notenbank Fed getan, was weithin erwartet wurde und den Leitzins um einen Viertelpunkt gekürzt. Die Fed gab zudem bekannt, dass sie ihre Bilanzreduzierungen im August, zwei Monate früher als bislang angekündigt, beenden würde. Angesichts der für die Fed typischen Sprachwahl, der „Fed Speak“, den sich ändernden Markterwartungen und der jüngsten Erholung auf dem Arbeitsmarkt war es für die politischen Entscheidungsträger an der Zeit, der Spekulation ein Ende zu setzen. Die nunmehr beschlossene Zinssenkung um 25 Basispunkte passt zwar zum Narrativ der „Zusicherungs-Politik“ der Fed, lässt aber dennoch die Frage offen, was die Zukunft bringen könnte.

Um es auf den Punkt zu bringen: Im Gegensatz zur Juni-Sitzung des FOMC beschränkte sich das Treffen diesmal auf die übliche Grundsatzerklärung und die Pressekonferenz des Vorsitzenden Jerome Powell. Mit anderen Worten: diesmal gab es keine blauen Dotplots (die langfristigen Prognosen für den Leitzins). An der Grundsatzerklärung, die die Fed als ihre offizielle politische Haltung ansieht, wurde gegenüber der Juni-Sitzung wenig verändert. Dazu gehört die Formulierung, man werde „entsprechend handeln", was die Tür für zusätzliche Zugeständnisse in diesem Jahr offen hält. Tatsächlich sind diejenigen, die einen Zinsschritt von 50 Basispunkten erwartet hatten, vom Ergebnis des Juli-Meetings ein wenig enttäuscht. Man hat den Fokus nun auf eine weitere Zinssenkung in der nächsten FOMC-Sitzung vom 17. bis 18. September verlagert.

Denken Sie daran zurück, dass diese Zinssenkung wirklich nicht auf der Grundlinie der Fed-Prognose für die US-Wirtschaft beruhte; es war vielmehr der Versuch der stimmberechtigten Mitglieder, den möglichen negativen Auswirkungen der Handelsunsicherheit und der Verlangsamung des globalen Wachstums entgegenzuwirken. Wäre die Fed nicht zurückgerudert, hätten die Geld- und Anleihemärkte die politischen Entscheidungsträger in die Ecke gedrängt. Trotz der Tatsache, dass die finanziellen Bedingungen in den USA vor diesem Treffen einfacher waren als zu Beginn der Zinserhöhung durch die Fed Ende 2015, gab es Bedenken hinsichtlich einer Verschärfung der Marktbedingungen ohne eine Zinssenkung. Die Fed befindet sich mit dieser Entscheidung also möglicherweise wieder im "datengetriebenen" Modus und es scheint, als ob die Geldpolitik in diesem Jahr immer noch in Richtung einer weiteren Zinssenkung tendiert.

Fazit

Im Vorfeld der FOMC-Sitzung suchten die Fed-Fonds-Futures (Terminkontrakte, die die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer in Bezug auf das Leitzins-Niveau abbilden) nach einer Zinssenkung von 100 Basispunkten bis Ende 2020. Hier könnte es für den US Treasury Markt (UST) heikel werden. Während wir im Laufe dieses Jahres als Erweiterung der heutigen "Zusicherungs-Police“ noch einen weiteren Rückgang um 25 Basispunkte sehen können, sieht unser Basisszenario keine zusätzliche Zinssenkung um 50 Basispunkte vor. Die Geld- und Anleihemärkte haben also bereits viele gute Nachrichten an der Zinsfront eingepreist, so dass es den Anschein hat, dass die Enttäuschung im UST-Markt gestiegen ist, insbesondere wenn die Fed nur die Hälfte der derzeit erwarteten Zinssenkungen liefert."