Aktien zwischen Geldpolitik und Wirtschaftsdaten

Nach der jüngsten EZB-Sitzung ist klar, dass es wieder Lockerungsschritte in der Geldpolitik geben wird. Die letzten Daten geben der Notenbank recht, oder zumindest eine Rechtfertigung. Die Inflation ist weit vom Ziel der Notenbanken entfernt und Teile der Wirtschaft – siehe Produktionssektor – schwächen sich immer stärker ab. Die Befürworter meinen, die Notenbank habe unbegrenzte Mittel und würde ihr Ziel früher oder später erreichen. Die Gegner monieren, dass die bisherigen Maßnahmen nichts gebracht hätten außer eine Perversion des Anleihenmarktes. Die Aktienmärkte sitzen zwischen den Stühlen. Die Liquiditätsschwemme trifft zwar (noch) nicht direkt auf den Aktienmarkt, durch sinkende Zinsen und Renditen eröffnet sich jedoch für den Aktienmarkt der Spielraum für höhere Bewertungen. Darüber hinaus ist der Zusammenhang zwischen Liquidität und Volatilität negativ, also je mehr Liquidität, desto geringer die Volatilität. Geringeres Risiko bedeutet wiederum höhere Bewertungen.

Trotzdem handeln viele Aktienmärkte im Nirgendwo. Europa, Japan und Emerging Markets sind trotz aller Bemühungen immer noch unter den Niveaus von Anfang 2018. Der US-Markt überstrahlt einfach alles mit den großen Technologie-Werten, die den Markt zu Höchstständen treiben. US-Industriewerte haben übrigens auch seit anderthalb Jahren keinen neuen Höchststand mehr gesehen. Weite Teile des globalen Aktienmarktes leiden unter der Abschwächung der Wirtschaft und der Unternehmensgewinne.

Momentan sind die Faktoren Liquidität und Fundamentaldaten im Gleichgewicht, eine neutrale Haltung daher weiterhin gerechtfertigt. Wie wird sich das auflösen? Entweder die Wirtschaftsdaten erholen sich (unterstützt etwa durch Fortschritte im Handelskonflikt) oder der Produktionssektor zieht den Dienstleistungssektor mit nach unten in die Rezession. Mit mehr Evidenz in die eine oder andere Richtung werden wir uns wieder aktiver positionieren als zuletzt.

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Aktien: Anhaltende Hochstimmung

Heuer gibt es kein Sommerloch, denn der US-Markt hat im Juli wieder ein Allzeithoch erreicht! Teilweise bessere Unternehmensdaten und vor allem die Aussicht auf geldpolitische Lockerungen trieben die Stimmungslage nach oben. Die Marktvolatilität (der „Angstfaktor“) sank zeitgleich auf weit unterdurchschnittliche Werte. Ausschlaggebend sind aber weniger fundamentale Daten, die globale Konjunkturverlangsamung ist ja weiterhin gegeben, sondern die in Aussicht gestellte – eventuell sogar längerfristige – monetäre Lockerung der führenden Notenbanken. Das lässt auch Handelskonflikte oder politische Spannungen um den Iran in den Hintergrund treten.

Osteuropa (Russland) ist 2019 weiter top, auch Europa hat gut aufgeholt, das sah nach dem ersten Quartal noch schlechter aus – wobei Deutschland aktuell eher stagniert. China und damit auch Emerging Asia sind im zweiten Quartal aufgrund des Handelskonflikts zurückgefallen. Durch das große Gewicht Asiens liegt auch der globale Emerging-Market-Aktienindex deutlich hinter den „entwickelten Märkten“.

Globale Konjunktur: Konjunkturindikatoren tendenziell unter Druck

Beim Blick auf die Wirtschaftsdaten stehen die vorauseilenden Frühindikatoren, etwa die Einkaufsmanagerindizes aus der Industrie, weiter unter Druck. Die Unsicherheit rund um den Handelskonflikt lastet insbesondere auf der Exportindustrie (z. B. deutsche Autohersteller). Die Economic Surprise Indices, welche die Abweichung aller veröffentlichen Konjunkturdaten in Relation zum Analystenkonsens abbilden, sind allesamt im negativen Terrain. Die Daten fallen also mehrheitlich schwächer aus als die Prognosen der Volkswirte. Die sogenannten harten Daten zum Arbeitsmarkt, zum Konsum oder auch zum Immobilienmarkt halten sich allerdings noch relativ stabil auf hohem Niveau.

Die aktuell und auch mittelfristig erwarteten niedrigen Inflationszahlen eröffnen zudem den Notenbanken Spielraum für expansive Schritte. Diese sind mit der US-Leitzinssenkung soeben angelaufen. Auf der Unternehmensebene dürften die US-Unternehmensgewinne auch in der laufenden Berichtssaison positiv überraschen, wenngleich der Ausblick verhalten ausfällt.

Aktien USA und Europa: Feste Märkte dank Geldpolitik-Erwartungen

Die Aktienmärkte entwickelten sich in den letzten Wochen tendenziell seitwärts, weiterhin stehen weniger die Fundamentaldaten im Mittelpunkt, als vielmehr politische Themen wie Handelspolitik und vor allem die Geldpolitik. Denn die internationalen Notenbanken erweisen sich einmal mehr als wichtigster Unterstützungsfaktor.

Relativ gute aktuelle Berichtssaison in den USA: Obwohl im Vorfeld der Veröffentlichungen zum zweiten Quartal ein rückläufiges Gewinnwachstum erwartet wurde, fällt die Zwischenbilanz etwa der Hälfte aller S&P 500-Unternehmen positiv aus. Dennoch tendieren die Gewinnrevisionen der Analysten auf Basis des Ausblicks der Firmenchefs sowohl in den USA wie auch in allen anderen Regionen nach einer Erholung im Frühjahr nun wieder nach unten. In Europa stellen sich die Quartalsberichte im Gegensatz zu den USA durchwachsen dar und es mehren sich insbesondere in der Exportwirtschaft Gewinnwarnungen infolge erschwerter operativer Rahmenbedingungen.

Wir behalten aktuell unsere neutrale Aktiengewichtung in den Portfolios bei.

Emerging Markets: Es sind nicht die Fundamentaldaten

Die leichte Erholung bei der Gewinnentwicklung von Emerging-Market-Aktien setzt sich fort. Insbesondere bei Aktien aus dem asiatischen Raum ist das bemerkenswert, da hier der Einfluss des Handelskonflikts und der damit einhergehende Rückgang des Welthandels den stärksten Niederschlag finden sollte. Dennoch war die Kursentwicklung im Vergleich zu den entwickelten Aktienmärkten sehr verhalten. Daher haben wir Emerging-Market-Aktien weiter vorsichtiger gewichtet bis sich auch der Preistrend verbessert. Fundamental bleiben Emerging-Market-Aktien attraktiv bewertet.