Renditen auf Tauchstation

Ist mit der jüngsten Zinsentscheidung der US-Notenbank, die Leitzinsen – erstmals seit zehn Jahren – um 25 Basispunkte zu senken, nun die bereits erwartete Zinswende nach unten eingetreten? Die US-Fed bleibt für weitere Schritte offen.

Mit dieser Entscheidung und den vom Markt ebenso erwarteten monetären Lockerungen in Europa war der Höhenflug der Rentenmärkte bis zuletzt ungebrochen. Insbesondere die „riskanteren“ Marktsegmente wie Emerging Markets und Unternehmensanleihen erreichen Renditetiefs wie seit längerem nicht gesehen. Diese Märkte können von einem neuen Liquiditätsschub der führenden Zentralbanken am meisten profitieren. Auch die Staatsanleihen gehen in die gleiche Richtung fallender Renditen, zehnjährige deutsche Bundesanleihen werden nun zu Renditen unter minus 0,4 % gehandelt, in der Schweiz weisen aktuell bereits alle (!) Laufzeiten deutlich negative Renditen auf.

Die Währungskomponente spielt durch den leicht schwächeren Euro wieder eine Rolle, US- und Emerging-Market-Anleihen konnten – in Euro – zusätzlich profitieren.

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Geld-/Kapitalmarkt: USA setzt Startschuss zu Leitzinssenkungen

Die derzeit global schwache Entwicklung der Inflationserwartungen steht weiter im Mittelpunkt der Überlegungen der großen Notenbanken, von denen nun abermals eine lockerere Geldpolitik erwartet und auch im Markt gepreist wird. EZB-Präsident Draghi warnte am 25. Juli 2019 davor, dass der wirtschaftliche Ausblick in der Eurozone „schlimmer und schlimmer" werde. Die Inflationsrate in der Eurozone (2. Quartal 2019: 1,4 %) liegt weit unter dem Ziel von knapp unter 2 % und dürfte weiter sinken. Die Wachstumsraten könnten in Anbetracht der aktuellen Konjunkturindikatoren nachhaltig unter das langfristige Potenzialwachstum fallen.

Für September wird allgemein damit gerechnet, dass die EZB abermals ein Anleihekaufprogramm ankündigen wird, um dem entgegenzuwirken. Die Schätzungen gehen von einem monatlichen Kaufvolumen von 30 bis 45 Milliarden Euro ab Jänner 2019 für zumindest zwölf Monate aus. Negative Renditen bei risikoarmen europäischen Staatsanleihen bleiben bis auf Weiteres nichts Ungewöhnliches.

Staats- und Unternehmensanleihen: Renditen auf Tauchstation

Euro-Anleihen konnten einmal mehr von der Erwartung baldiger Zinssenkungen seitens der EZB profitieren. Der Marktanteil von globalen Anleihen mit negativen Renditen ist zuletzt wieder markant angestiegen. Mario Draghis Kassandrarufe hinsichtlich des schwachen Wirtschaftsausblicks in der Eurozone und der Notwendigkeit fiskalpolitischer Unterstützung bleiben ungehört. So meinte der deutsche Finanzminister Scholz kürzlich, er habe „keine Pläne, die staatliche Geldbörse zu zücken“.

Im Juli sahen wir schwächere Wirtschaftsdaten, eine abermalige Welle von Unternehmens-Gewinnrevisionen und höher erwartete High-Yield-Ausfallsraten. Die Renditeabstände (Spreads) der Euro-High-Yield-Bonds mit niedrigem Rating (B und CCC) stiegen in diesem Umfeld trotz einer erwarteten geldpolitischen Lockerung der EZB, die Spreads der Investmentgrade-Anleihen sanken hingegen.

Die Übergewichtung von Euro-Unternehmensanleihen mit höherem Kreditrating gegenüber Euro-High-Yield bleibt aufrecht.

Emerging Markets

Die Risikoprämien von Hartwährung-Staatsanleihen notieren mittlerweile rund 100 Basispunkte enger als noch zu Jahresbeginn 2019, obwohl Konjunkturindikatoren eine Wachstumsschwäche andeuten. Die globalen Handelsdaten haben sich ebenfalls nicht erholt. Die Treiber sind nicht die Fundamentaldaten, sondern die (erwarteten) geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der globalen Notenbanken. Wir erhöhen unser Übergewicht von Emerging-Market-Hartwährung-Staatsanleihen.