„Vorhersagen von Meteorologen sind verlässlicher“

Dieser Börsensommer ist wohl alles, nur nicht ruhig. Insbesondere der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China sorgt für Turbulenzen an den Börsen und schürt Rezessionsängste. Jeff Schulze, Investmentstratege bei der Legg Mason-Tochter Clearbridge Investments, warnt jedoch davor, sich nur auf die Signale des Aktienmarktes zu verlassen. Seiner Meinung nach sind die Vorhersagen von Meteorologen verlässlicher als der „allwissende Aktienmarkt“ – der im Vergleich viel zu selten richtig liegt, wenn es darum geht, einen wirtschaftlichen Abschwung anzukündigen. „Am Anfang vorheriger Rezessionen gab der Markt im Schnitt zehn Prozent nach. Entsprechend werden Kursrückgänge in dieser Größenordnung als Marktsignal für ein erhöhtes Rezessionsrisiko gewertet. Läge der Markt genauso oft richtig, wie es Meteorologen tun, hätten es seit 1965 ganze 28 Rezessionen geben müssen. Tatsächlich waren es aber nur sieben – und genau deshalb stehen Wetterfrösche im direkten Vergleich so gut da“, fasst Schulze die Fakten zusammen. Er gibt außerdem zu bedenken, dass es allein in den letzten zehn Jahren seit der Finanzkrise etwa sechs Korrekturen von mindestens zehn Prozent gegeben habe, also eine etwa alle zwei Jahre.

Sein Ratschlag für Anleger lautet daher, auch weitere Rezessionsindikatoren in die Analyse einfließen zu lassen und nicht nur den Aktienmarkt. Bei der Legg Mason-Tochter Clearbridge Investments schaut man sich beispielsweise auch Finanzindikatoren wie Credit Spreads oder die Yield Curve an, analysiert inflationäre Faktoren wie Rohstoffpreisänderungen, bewertet den Gesundheitszustand der Konsumseite – etwa über die Arbeitslosenquote – und evaluiert die allgemeine Geschäftstätigkeiten, etwa anhand von Umsatzrenditen.

Aktuell steht das Clearbridge Rezessionsrisiko-Dashboard auf gelb, was für Schulze jedoch nicht zwangsläufig bedeutet, dass nach gelb auch rot folgt: „Es gibt sie einfach nicht, die berühmte Kristallkugel. Unser Dashboard gibt uns aktuell Grund zur Vorsicht. Von den letzten elf Malen, als das Dashboard auf gelb stand, folgte in sieben dieser Fälle eine Rezession. Vier Mal folgte hingegen auf gelb wieder ein grün.” Was Schulze damit meint: Es besteht durchaus die Chance, dass sich die Wirtschaft erholt und eine Rezession damit abgewendet werden kann. „Der größte Treiber für eine wirtschaftliche Verbesserung ist historisch gesehen die Fed. Erkennt sie früh, dass ein mögliches Rezessionsrisiko besteht und setzt auf eine entgegenkommendere Politik, erholt sich die Wirtschaft“, gibt Schulze zu bedenken und führt weiter aus: „Die Fed hat sowohl 1995-96 als auch 1998 die Zinsen um 75 Basispunkte gesenkt. 2015-16 wurden die Zinsen anders als vom Markt erwartet nicht vier Mal, sondern nur einmalig erhöht, was unterm Strich 75 Basispunkte sind, die die Zinsen nicht angehoben wurden.“

Es bleibt also abzuwarten – auch mit Blick auf das weitere Vorgehen der Fed – ob die „Ampel“ des Legg Mason Clearbridge Rezessionsrisiko-Dashboards bald wieder grün leuchtet oder in ein Dunkelrot umschlägt. Wenn die Historie etwas gelehrt hat, so glaubt Schulze, dann dass sich die Tendenz in den nächsten ein bis zwei Quartalen eindeutig zeigen wird. Unabhängig davon geht Schulze davon aus, dass der Aktienmarkt kurzfristig weiter steigen wird. Ein gelbes Signal führe typischerweise zu einem positiven Aktienumfeld in den Monaten unmittelbar nach dem Signalumschwung. Und genau das erleben wir derzeit: Ein Aufwärts an den Märkten, obwohl die Wirtschaft zunehmend Anzeichen von Stress signalisiert.