China bald an Bord?

Nach Jahren des Wartens dürfte es bald soweit sein, dass China in den vielbeachteten JP Morgan GBI-EM GD Index aufgenommen wird, erklärt Mary-Therese Barton, Head of Emerging Market Debt bei Pictet Asset Management.

Fast geschafft?

Wir gehen davon aus, dass chinesische Anleihen demnächst in den am häufigsten nachgebildeten und am meisten investierten Index für Schwellenländer-Staatsanleihen in Lokalwährung Einzug halten werden.

Im April wurde China bereits in den Bloomberg Barclays Global Aggregate Index und den Bloomberg Barclays Emerging Markets Local Currency Bond Index aufgenommen, aber chinesische Anleihen sind weiterhin von dem stärker beachteten JP Morgan GBI-EM GD ausgeschlossen.

Bislang hat der JP Morgan GBI-EM GD Index Länder wie Indien und China aufgrund historischer Hürden, die ausländischen Anlegern den Zugang zu diesen Anleihemärkten erschwerten, ausgeschlossen. GD steht für „Global Diversified“ und dieser Index ist so konzipiert, dass er von Anlegern leicht nachgebildet werden kann. (Hinweis: In der JP Morgan GBI-EM Broad-Indexreihe für Schwellenländeranleihen in Lokalwährung sind Indien und China seit deren Einführung enthalten, aber nur sehr wenige aktive Anleger nutzen diese Index-Reihe.)

GEWICHTUNGEN IM JP MORGAN GBI-EM GLOBAL DIVERSIFIED NACH LAND (%)


Quelle: Pictet Asset Management/JP Morgan, Stand 30.06.2019

Angesichts der Größe des chinesischen Anleihemarkts spricht alles dafür, dass die Gewichtung im JP Morgan GBI-EM GD bei 7–10% liegen wird. 10% ist der zulässige Höchstwert für ein einzelnes Land in diesem Index, damit reiht sich China neben Polen, Mexiko, Indonesien und Brasilien ein (siehe oben).

Abgestufte Aufnahme

Falls und wenn JP Morgan die Aufnahme Chinas in den Index ankündigt, dürfte diese stufenweise erfolgen, beginnend mit 1% pro Monat bis zur Zielgewichtung. Dadurch wäre die Region Asien insgesamt ähnlich gewichtet wie Europa und hätte eine höhere Gewichtung als Lateinamerika.

GEWICHTUNGEN IM JP MORGAN GBI-EM GLOBAL DIVERSIFIED NACH REGION (%)


Quelle: Pictet Asset Management/JP Morgan, Stand 30.06.2019

Der Zugang zum chinesischen Markt für lokale Anleihen ist in den letzten Jahren erheblich einfacher geworden, insbesondere mit Bond Connect, das ausländischen Anlegern den direkten Zugang zu chinesischen Lokalanleihen direkt über die Börse Hongkong ermöglicht. Früher mussten ausländische Anleger einen langwierigen Prozess durchlaufen, der die Zuteilung einer QFII (Qualified Foreign Institutional Investor)-Quote durch die chinesische Devisenaufsichtsbehörde SAFE vorsah, außerdem musste eine lokale Clearingstelle mit internationaler Abwicklung gesucht werden.

Dieser Prozess war kompliziert und dauerte lange und die zugeteilten Quoten waren oft niedriger als von den Anlegern beantragt. Fast alle diese Hürden sind mittlerweile beseitigt, sodass chinesische Anleihen alle Voraussetzungen für eine Aufnahme in den JP Morgan GBI-EM GD Index erfüllen.

Welche Auswirkungen hat die Aufnahme?

Kurzfristig hat die Aufnahme Chinas in den Index keine nennenswerten Auswirkungen. Wir investieren schon seit Jahren über Zinssätze und die Währung in chinesische lokale Märkte. Unsere Asian Local Currency Debt-Strategien zum Beispiel nutzen den JP Morgan JADE Broad Index, in dem chinesische Onshore-Anleihen bereits 10% ausmachen. Viele unserer Fonds investieren bereits über Bond Connect in chinesische Onshore-Anleihen, wir waren damals Vorreiter.

Die Aufnahme in den Index wäre ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Internationalisierung der chinesischen Währung Renminbi. – Mary-Therese Barton

Was die Aufnahme Chinas in den Index mittel- bis langfristig bedeutet, darf jedoch nicht unterschätzt werden. Wie vor kurzem in einem unserer Artikel thematisiert, ist die fortschreitende Öffnung des chinesischen Onshore-Anleihemarkts eine ganz große Sache. Nach unserer Einschätzung wäre die Aufnahme in den JP Morgan GBI-EM GD Index ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Internationalisierung der chinesischen Währung Renminbi.


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Über die Autorin

Mary-Therese Barton kam 2004 zu Pictet Asset Management und leitet den Bereich Emerging Debt. Bevor sie ihre jetzige Position im Jahr 2018 antrat, war sie Senior Investment Managerin im Team. Mary-Therese fing als Analystin für Schwellenländeranleihen an. Bevor sie zu Pictet kam, war sie bei Dun & Bradstreet als Ökonomin für die Analyse europäischer Länder zuständig. Mary-Therese Barton erwarb am Balliol College der Universität Oxford einen BA (Hon) in Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaften. Sie hat außerdem einen MSc mit Auszeichnung in Finanzentwicklung vom Zentrum für Studien in Finanzmanagement, SOAS (School of Oriental and African Studies), Universität London. Zudem ist sie diplomierte Chartered Financial Analystin (CFA).

Über Pictet Asset Management

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