Positives Szenario

Die Erwartungskomponente des ifo-Geschäftsklimaindex ist im September zum sechsten Mal in Folge gefallen. Tiefere Werte als der aktuelle waren nur in den Jahren 2008 und 2009 zu beobachten, also während der Finanzkrise und der darauffolgenden Rezession der Weltwirtschaft. Der europäische Aktienmarkt erreicht – während diese Zeilen geschrieben werden – den höchsten Stand des heurigen Jahres. In den USA ist die Situation ähnlich, wenn auch – was die Vorlaufindikatoren betrifft – nicht so ausgeprägt.

Die Umfragen sagen also: es kommt die Rezession. Der Aktienmarkt, gemeinhin auch als recht verlässlicher Vorlaufindikator für die Konjunktur angesehen, meint hingegen: alles in Butter! Mögliche Begründungen, Annahmen oder Erwartungen für diese Diskrepanz sind einfach zu finden.

Ob sie zutreffen, ist allerdings eine andere Frage:

  1. Die Abschwächung betrifft vor allem die Industrie. Der Dienstleistungssektor bleibt nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Arbeitslosigkeit weiterhin robust.
  2. Der Handelskrieg wird noch heuer beendet, weder die USA noch China haben ein Interesse daran, das Thema ins Jahr 2020 zu schleppen.
  3. Die Wirtschaftsschwäche des Jahres 2019 ist Ergebnis der geldpolitischen Straffung des Jahres 2018. Dementsprechend ist für 2020 vor dem Hintergrund der nunmehr wieder extrem lockeren Geldpolitik eine deutlich stärkere Wirtschaft zu erwarten.
  4. Die Unternehmen können sich zu Bestkonditionen finanzieren.
  5. Obwohl die Aktienmärkte auf Höchstständen notieren, ist die Stimmung weiterhin vorsichtig und viele Anleger nicht voll investiert.
  6. Anleger müssen in Aktien investieren, weil die Ertragschancen am Geld- und Anleihenmarkt begrenzt sind.
  7. Präsident Trump löscht seinen Twitter-Account und der Brexit wird abgesagt.

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Aktien: Wieder gute Erholung im September

Die Aktienmärkte befinden sich seit Mai in einer Konsolidierungsphase auf hohem Niveau. Die Rückschläge fallen relativ kurz und recht mild aus, wobei die wieder expansive Politik der Notenbanken eine wesentliche Rolle spielt. Nach einem eher schwachen Monat August, in dem die US-Leitzinssenkung eine kleine Marktkorrektur auslöste, konnten sich die Märkte wieder prächtig erholen, es wurden dabei die Höchststände bei den US-Indizes beinahe wieder erreicht.

Generell legten alle wesentlichen Märkte im September zu, das gilt auch für Europa und die leicht angeschlagenen Emerging Markets, die im August doch recht kräftig nachgegeben hatten. Dennoch können die Emerging Markets global gesehen mit der Wertentwicklung der „entwickelten Märkte“, allen voran den USA, nicht mithalten. Eine Ausnahme bildet Russland. Hier sind es vor allem einige Einzeltitel, „Indexschwergewichte“ wie Rohstoffe und Finanztitel, die den gesamten Index nach oben treiben.

Globale Konjunktur: Abschwächung schreitet weiter langsam voran

Vorlaufende Konjunkturindikatoren wie etwa die globalen Einkaufsmanagerindizes im Industriebereich sind in allen wesentlichen Wirtschaftsregionen weiter rückläufig und befinden sich nunmehr durchgängig unterhalb der Expansionsschwelle von 50. Somit signalisieren sie negative Aussichten für den Produktionssektor, während sich der Dienstleistungsbereich in allen Regionen noch knapp oberhalb dieses Schwellenwertes halten kann.

Historisch gesehen ist allerdings der Servicesektor meist dem vorauslaufenden Produktionssektor gefolgt, zumal etwa ein Stellenabbau in der Industrie mit etwas Verzögerung negativ auf den Arbeitsmarkt und das Konsumklima durchschlägt. Hierfür gibt es derzeit aber noch kaum Anzeichen.

Die aktuelle risikoaverse Positionierung in der Asset-Allocation resultiert im Wesentlichen aus einem sich weiter eintrübenden fundamentalen Umfeld. Vor allem der schwelende Handelskonflikt lastet auf der globalen Konjunktur und beeinträchtigt Investitionsklima und Gewinnaussichten.

Aktien USA und Europa: Sorge um nachlassende Gewinndynamik

Nun steht wieder die nächste Berichtssaison an und für das dritte Quartal 2019 wird im Jahresvergleich ein Rückgang der Gewinne erwartet. In den letzten Quartalen konnten die Markterwartungen zwar stets übertroffen werden, dennoch hat die Gewinndynamik deutlich abgenommen. Für das Gesamtjahr 2019 wird aktuell nur noch ein knapp positives Wachstum prognostiziert.

Der Ausblick vieler Unternehmen ist aktuell von Vorsicht und Zurückhaltung geprägt, oftmals mit dem Verweis auf die mit dem Handelsthema verbundenen Unsicherheiten. Auf Basis dieser Ausblicke werden dementsprechend auch die Gewinnschätzungen der Analysten in allen Regionen mehrheitlich nach unten revidiert.

Somit bleiben als wichtigster Unterstützungsfaktor für die Märkte die internationalen Notenbanken mit ihrer wieder expansiveren Politik. Aufgrund der unveränderten Schwäche bei den Fundamentaldaten halten wir allerdings unsere zuletzt eingegangene Aktienuntergewichtung aufrecht.

Emerging Markets: Verlierern im Spiel der globalen Aktienmärkte

Emerging-Market-Aktien gehören im Jahr 2019 zu den relativen Verlierern im Spiel der globalen Aktienmärkte. Verantwortlich dafür ist die schwache Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes, das von Natur aus einen größeren Niederschlag bei Aktien aus den Emerging Markets findet. Mittlerweile scheint bereits sehr viel in den Aktienkursen eingepreist zu sein. Auch die Gewinnentwicklung, insbesondere im asiatischen Raum, scheint einen Boden auszubilden. Wir bleiben vorerst neutral gewichtet.