„Alte Strategien haben ausgedient – das Anleihenportfolio der Zukunft!“

Anleiheninvestoren stehen derzeit vor großen Herausforderungen – nicht nur wegen der Gefahr von Downgrades, Spread-Ausweitungen und negativen Renditen bei Staatsanleihen. Guido Barthels ist ausgewiesener Anleihenspezialist mit mehr als 30 Jahren Erfahrung und seit August 2019 Anleihenmanager bei TBF Global Asset Management. Anlässlich des 168. Hedgeworks zeigte er, wie sein optimiertes Anleihenportfolio im Umfeld des aktuellen makroökonomischen Rahmens aussieht. 

Hedgework: Herr Barthels, Sie postulieren, alte Rentenstrategien hätten ausgedient. Was gefällt Ihnen denn an den alten Strategien nicht mehr?

Guido Barthels: Es ist nicht so, dass mir die herkömmlichen Strategien nicht mehr gefallen. Sie funktionieren nur einfach nicht mehr. Buy and Hold ist passé im Euroraum. Die EZB hat es geschafft, durch ihre unkonventionelle und in meinen Augen völlig über das Ziel hinaus schießende Geldpolitik die Renditen soweit runter zu drücken, dass selbst bei den wenigen Anlagemöglichkeiten in Euro, die noch positive Renditen haben, das Chance/Risiko-Verhältnis nicht stimmt. Vor wenigen Jahren konnte man noch in Fremdwährungsanleihen diversifizieren und bekam einen währungsgesicherten positiven Ertrag. Durch die extreme Geldpolitik der EZB und die weltweit vorherrschende Zinsflaute bleibt heute jedoch nichts mehr im Portfolio hängen.

Hedgework: Wie sieht demgegenüber Ihr Anleihenportfolio der Zukunft aus?

Barthels: Ich habe auch keine Kristallkugel, die mir die Zukunft zeigt. Ich hoffe aber, dass steigende Inflation irgendwann auch wieder zu steigenden Renditen führt. Im aktuellen Marktumfeld kann man nur in kurzlaufende Titel in Fremdwährungen inves­tieren. Und vor allem dann die Währung ungesichert lassen. Der Anleger muss sich darüber im klaren sein, dass Währungsrisiken immer noch besser sind als negative Renditen zuhause. Dort würden sich nur dann positive Erträge einstellen, wenn die Renditen der Anleihen noch weiter in den negativen Bereich sinken. Das kann man nicht ausschließen, aber die Spekulation darauf kann man auch mit hochliquiden Zinsfutures machen. Da braucht man kein Anleiheportfolio für.

Hedgework: Wie sieht Ihr Lösungsvorschlag stattdessen aus?

Barthels: Konsequent auf Fremdwährungen setzen und eine hohe Diversifikation bei den Währungen erzielen, die mittelfristig dazu führen sollte, dass die zu erwartenden Schwankungen bei den Wechselkursen sich ausgleichen. Wenn man nun noch Optionsstrategien einsetzt, wie beispielsweise das Verkaufen von Condor-Strategien, generieren Sie über das Jahr gerechnet zwischen 0,7 und 1,0 Prozent. Und wenn man nun die Rendite von meinen aktuell favorisierten kurzen Laufzeiten in den ausgewählten Währungen hinzurechnet, kommt man auf einen potenziellen Ertrag von 2,0 bis 3,0 Prozent. 

Hedgework: Welche Anleihen kommen hierbei zum Einsatz?

Barthels: Grundsätzlich können wir alle Anleiheformen kaufen. Auch Nachränge und auch Wandelanleihen können in bestimmten Marktsituationen durchaus sinnvolle Portfoliobeimischungen darstellen. Zurzeit allerdings sehe ich da wenig Sinnvolles. Insofern konzentriere ich mich auf Staatsanleihen und Anleihen supranationaler Emittenten wie beispielsweise die Weltbank.

Hedgework: Stichwort größere Risiken durch niedrigere Bonitäten. Wie beurteilen Sie das derzeitige Ausfallrisiko und wie gehen Sie damit um?

Barthels: Dadurch, dass viele Unternehmen in den letzten Jahren ihre Verschuldung deutlich haben ansteigen lassen, sind deren Möglichkeiten, etwaige Schwächen bei den Absatzzahlen auszugleichen, geringer als zuvor. Allerdings gehen die höheren Schulden auch mit einer sinkenden Zinslast einher, da viele Unternehmen die sehr günstigen Zinsen für Umschuldungsmaßnahmen genutzt haben. Für den Fall, dass die sich andeutende Schwächephase der Wirtschaft in eine Rezession mündet, die nicht nur auf die europäische Wirtschaft beschränkt bleibt, sieht das Bild anders aus. Gerade Anleihen europäischer Emittenten in Euro erscheinen mir daher zurzeit wenig attraktiv.

Hedgework: Wie beurteilen Sie das längerfristige Zinsszenario? Wie lange werden wir aus Ihrer Sicht noch mit negativen Renditen leben müssen?

Barthels: Ich befürchte, länger als wir glauben. Die Entscheidung der EZB, das Anleihenkaufprogramm ab November erneut zu starten, halte ich wie auch viele andere für grundsätzlich falsch. Negative Renditen nützen niemandem wirklich und schaffen potenziell gefährliche Fehlanreize. Stichwort „Moral Hazard“! Auch den Banken geht in diesem Zinsumfeld langsam die Luft aus. Ich kann mir beim besten Willen keine florierende Wirtschaft vorstellen, die wir ja alle für den Beibehalt unseres Wohlstands haben möchten, ohne starke Banken. Aber solange wir kein Umdenken bei der EZB sehen, werden wir in dieser Klemme verbleiben.

Hedgework: Wenn aber doch irgendwann die Zinsen anziehen, wie gehen Sie damit – Stichwort Risikomanagement – um?

Barthels: Anziehende Zinsen sind überhaupt kein Problem. Die Duration eines Port­folios lässt sich hervorragend mit Zinsfutures absichern. Ein Problem sehe ich eher bei einem möglichen und in meinen Augen immer wahrscheinlicher werdenden Platzen der Blase bei den Unternehmensanleihen. Der Markt ist sehr stark gewachsen in den vergangenen Jahren. Allerdings ist die Liquidierbarkeit der Anleihen nur sehr eingeschränkt möglich. Regulatorik und niedrige Erträge haben bei Banken dazu geführt, dass die Handelsbücher nur noch sehr eingeschränkt vorhanden sind. Banken handeln fast nur noch durch und sind somit eigentlich eher Broker. Wenn aber die Kapitalsammelstellen wie beispielsweise die Fondsindustrie eben nicht in Kauflaune sind, dann können Sie nichts verkaufen, oder nur zu sehr unattraktiven Preisen. Vielen Inves­toren ist das durchaus bewusst, aber es wird ausgeblendet. Wenn man dann zusätzlich an die großen Credit-ETFs denkt und sich überlegt, was wohl passiert, wenn es da zu größeren Abflüssen kommen sollte, dann ist es nicht mehr weit, von einem Platzen einer Blase zu sprechen. Dann werden die Zinsen nicht mehr nur anziehen, sondern in kürzester Zeit deutlich steigen, allerdings wohl nur in den Kreditmärkten. Gegen diese Gefahr gibt es wiederum nur sehr unvollkommene Absicherungsmöglichkeiten.

Hedgework: Abschließend gefragt – gibt es Ihre Strategie bereits in einem Fonds bzw. bis wann ist damit zu rechnen?

Barthels: Der Fonds TBF Balanced setzt diese Strategie bereits um. Wir haben einen ausgewogenen Mischfonds kreiert, der mindestens 40 und höchstens 60 Prozent Aktien hält. Die Aktienauswahl erfolgt in bekannter und erfolgreicher TBF-Manier durch eingehende Unternehmensanalyse. Die Risikosteuerung wiederum wird unter Zuhilfe­nahme unseres „Q-Faktors“ ausgeführt. Der Q-Faktor ist unser internes Risikomodell, welches wir bereits seit über 15 Jahren im Einsatz haben und schlussendlich neben einer Standortbestimmung des Marktzustandes auch die Absicherungsquote bei Aktien steuert. Auch in 2019 hat sich der Q-Faktor bewährt und insbesondere unsere defensiven Mandate vor den Rücksetzern im Mai und August bewahrt. Mittel- und langfristig erzeugen wir durch den Q-Faktor eine Art antizyklisches Investieren und können somit ein Portfolio stabilisieren. Der Rententeil wiederum, der ebenfalls bei mindestens 40 und höchstens 60 Prozent liegt, wird entsprechend meinen Ausführungen umgesetzt. Wir haben damit, wie wir glauben, einen sehr attraktiven Fonds aus der Taufe gehoben, der in der Lage sein sollte, selbst im jetzigen Marktumfeld längerfristig zwischen fünf und acht Prozent Ertrag im Jahr zu erwirtschaften.


Guido Barthels

ist ausgewiesener Anleihenspezialist mit mehr als 30 Jahren Erfahrung und seit August 2019 Anleihenmanager bei TBF Global Asset Management. Der diplomierte Volkswirt begann seine Investmentlaufbahn 1987 bei Bankers Trust und war nach Stationen bei JP Morgan und Dresdner Kleinwort in den letzten elf Jahren CIO bei Ethenea Independent Investors und hauptverantwortlicher Manager für globale Anleihen aus entwickelten Nationen. 

TBF Global Asset Management

steht für ein aktives Asset Management mit dem Ziel, einen langfristigen Mehrwehrt für seine Investoren zu generieren und versteht sich als Zulieferer für die Finanzindustrie. Die drei Buchstaben bilden die Eckpfeiler für ein wertorientiertes tägliches Handeln. Seit der Gründung im Jahr 2000 durch Peter Dreide agiert TBF als inhabergeführtes Unternehmen unabhängig von den Modeerscheinungen des Kapitalmarktes. Diese Unabhängigkeit gibt TBF die Freiheit, die eigenen Werte und Anlagestrategien ausschließlich im Sinne der Investoren umzusetzen. Dabei verfolgt TBF das Ziel, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und somit den steigenden Anforderungen des Marktes immer einen Schritt voraus zu sein. 

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