Es geht leicht mit den Renditen

Zuletzt wurde hier die Frage aufgeworfen, ob das Glas halb voll oder halb leer sei. Mit den doch wieder optimistischeren Konjunkturerwartungen lautet die Antwort „mehr als halb voll“ – so sieht es auch der Chef der US-Notenbank. Die Rentenmärkte gingen zuletzt eher schwächer, die Renditen sind wieder etwas gestiegen, vor allem auch in der europäischen Peripherie. Aber auch in der Kernzone kommt die Null-Linie – von unten gesehen – wieder näher. Sehr lange Laufzeiten der deutschen Bundesanleihen werden wieder mit positiven Renditen gepreist. Ungebrochen stark ist die Entwicklung (aller) US-Anleihen, das ist jedoch zum Teil einem festen Dollar geschuldet. Bemerkenswert ist, dass etwa die US-High-Yield-Anleihen den Boom an den US-Aktienbörsen zuletzt nicht mehr begleiten konnten. Die Emerging Markets, Gewinner der letzten Monate, haben im Vormonat ebenfalls wieder etwas nachgegeben. Dennoch: 2019 ist ein überraschend gutes Jahr für Anleiheinvestoren.

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Globale Konjunktur: Abnehmende Konjunktursorgen

Der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, kündigte Ende November an, das Glas der US-Wirtschaft sei mehr als nur halb voll und der Leitzins auf genau dem richtigen Niveau. Am US-Geldmarkt wird seit wenigen Wochen ebenfalls keine unmittelbare Zinssenkung mehr eingepreist. Die Renditeanstiege seit Ende August sind folglich auf die abnehmenden Konjunktursorgen zurückzuführen, die sich auf ein – zumindest erhofftes – Ende des Handelskonflikts zwischen den USA und China stützen.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten zeigen eine Fortsetzung der Stabilisierungstendenzen im Hinblick auf die globale Konjunktur. Bei manchen Frühindikatoren, die über Monate hinweg eine scheinbar ungebremste Abwärtstendenz aufwiesen, gab es zuletzt den ein oder anderen Anstieg. So erhöhten sich in einigen Ländern und Regionen die Managerumfragen aus der Industrie, wenngleich sich die absoluten Werte immer noch unter dem Expansionsniveau befinden. Auch die Überraschungsindizes (Economic Surprise Indices) geben wieder Hoffnung.

Geld-/Kapitalmarkt: Neuer Wind in der europäischen Geldpolitik?

In Europa steht die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) in vielerlei Hinsicht im Fokus, will sie doch Anfang 2020 ihre geldpolitische Strategie überprüfen. Die neu amtierende EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat in ihrer ersten Rede am 14. November bereits die Wichtigkeit des Themas der Nachhaltigkeit hervorgehoben. Unter Umständen gibt es bei der nächsten EZB-Sitzung mehr Informationen, eine Zinsänderung steht im Dezember nicht an. Wie bereits Draghi wird Lagarde vermutlich die Wichtigkeit staatlicher Investitionen hervorheben und fiskalischen Stimulus einfordern.

Euro-Staatsanleihen konnten von dem nun wieder gestarteten Anleihekaufprogramm der EZB bislang kaum profitieren und Anleihen der europäischen Peripherie mussten zwischenzeitlich moderate Renditeausweitungen hinnehmen. Seit Beginn des Kaufprogramms hat die Notenbank pro Woche Anleihen im Volumen von 4,4 bis 9 Milliarden Euro erworben. Rund zwei Drittel davon entfallen auf Staatsanleihen. Wir hatten europäische Staatsanleihen taktisch untergewichtet und behalten diese Untergewichtung weiterhin bei.

Staats- und Unternehmensanleihen: Bodenbildung bei Renditen

Wir sind bezüglich des Ausblicks in den USA vorsichtiger als zahlreiche Kommentatoren und halten negative Überraschungen für möglich. Vor allem Vorlaufindikatoren, die auf Umfragen basieren, deuten auf ein unter Potenzial liegendes Wirtschaftswachstum hin. Wir bauen unsere bislang schon starken Untergewichtungen von Euro-Staatsanleihen weiter aus und erhöhen das starke Übergewicht globaler Staatsanleihen.

Mit einem Brutto-Emissionsvolumen von bislang 330 Milliarden Euro werden wir das emissionsstärkste Jahr der Geschichte des Euro Corporate Bond Marktes (Investment Grade) hinter uns bringen, bisheriger Rekord war 2017 mit 269 Milliarden. Unterstützung liefert mittlerweile auch wieder die EZB, die zuletzt pro Woche knapp eine Milliarde Euro in Euro-Unternehmensanleihen gesteckt hat.

Emerging Markets: Spreadanstiege bei Hartwährungsanleihen

Unser Übergewicht von Unternehmensanleihen hoher Qualität bleibt aufrecht. Im Euro-High-Yield-Segment erwarten wir in den kommenden Monaten ein Ansteigen der Ausfallsrate und ein dadurch bedingtes negativeres Sentiment.

Die Spreadanstiege bei Hartwährungsanleihen waren im November im Wesentlichen „nur" auf eine Schwäche bei problembehafteten argentinischen und ecuadorianischen Anleihen zurückzuführen. Der Rest des Marktes entwickelte sich vergleichsweise gut. Unabhängig von länderspezifischen Themen hat sich unserer Meinung nach die allgemeine Datenlage zuletzt stabilisiert und die Einkaufsmanager-Indizes zeigen keinen weiteren Verfall an.

Wir belassen Hartwährungsanleihen gegenüber globalen und europäischen Staatsanleihen übergewichtet.