Multi-Asset-Ausblick für das Jahr 2020

von Andrew Harman, Senior Portfolio Manager, Fixed Income and Multi Asset Solutions bei First State Investments.

“Für das Jahr 2020 erwarten wir ein weiterhin unregelmäßiges Wirtschaftswachstum, anhaltende Handelsstreitigkeiten sowie geopolitische Spannungen. Für Anleger bedeutet dies, dass diese Risiken gegenüber den Vorteilen einer zunehmend lockeren Geldpolitik, einem starken Konsumverhalten sowie dem Potenzial eines sich beruhigenden Handelsstreits zwischen China und den USA während der US-Wahlen abgewogen werden müssen.

Mit Blick auf die US-Wirtschaft gehen wir davon aus, dass die bislang historisch betrachtet längste Wirtschaftswachstumsperiode auch in diesem Jahr anhalten wird. Zudem erwarten wir, dass China seine Wirtschaft weiter stabilisiert - sofern keine signifikanten externen Ereignisse dies beeinflussen. Zusätzlich dürften die verzögert eintretenden Auswirkungen der globalen geldpolitischen Lockerung Rückenwind für die finanziellen Rahmenbedingungen schaffen und die Konjunktur weiter fördern.

Wenngleich wir keine Zunahme von Unternehmensinvestitionen erwarten, wird der starke Konsum in den USA weiter anhalten und die Wirtschaft des Landes stützen. Zudem haben die Verbraucher zuletzt ihren Verschuldungsgrad weiter reduzieren können, erleben ein starkes Beschäftigungs- und Lohnwachstum und profitieren derzeit von steigenden Vermögenswerten. Im Hinblick auf die globale Wirtschaft gehen wir von einer weiterhin gedämpften Inflation aus. Dabei haben wir unsere Erwartungen für Schwellenländer jüngst gesenkt. Europa hofft auf ein rasches Beilegen der Handelsstreitigkeiten mit den USA, um seine Wachstumsprognosen anheben zu können, da die Europäische Zentralbank keine tragfähigen fiskalpolitischen Optionen zu haben scheint. Wir halten es auch für unwahrscheinlich, dass es Europa gelingen wird, ein wirksames QE-Programm aufzulegen.

Was unsere Portfolioallokation für das Jahr 2020 betrifft, so fokussieren wir uns primär auf globale Aktientitel in entwickelten Märkten sowie Anleihen mit kurzer Laufzeit und Schuldtitel. Während die Aktienmärkte global auch weiterhin ein Allzeithoch verzeichnen dürften, konzentrieren wir uns nach wie vor auf Fundamentaldaten und rufen uns in Erinnerung, dass Bullenmärkte nicht aus Altersschwäche sterben. Daher gehen wir davon aus, dass globale Aktien ein Renditewachstum nahe dem historischen Trendniveau erreichen werden, wobei die Schwellenländer von einer möglichen Schwäche des US-Dollars nach der geldpolitischen Wende profitieren könnten. Bei globalen Staatsanleihen und dem Rohstoffsektor bleiben wir weiterhin zurückhaltend.

Im Laufe des Jahres 2019 haben wir unser Engagement in längerfristigen Staatsanleihen reduziert, da der betreffende Wertpapierhandel die Wachstumsaussichten belastete und die Renditen sanken. Negative Renditen, insbesondere in Europa, verdeutlichen das Ausmaß der negativen Wachstums- und Inflationserwartungen. Wir gehen davon aus, dass die verbesserten Konjunkturaussichten die langfristigen Zinssätze anheben, ihre Zinskurven dadurch steiler werden und in der kommenden Zeit zu negativen Renditen für die Anleger führen wird. Wir bevorzugen festverzinsliche Anlagen in Schwellenländern, von denen wir glauben, dass sie eine Diversifizierung zu attraktiven Renditen bei höherem Wachstum bieten, trotz einer sich verlangsamenden Wirtschaft."