Anleihen: War das ein guter Start ins neue Jahr?

In Europa, insbesondere in den Kernmärkten der Eurozone, war im letzten Quartal etwas „die Luft draußen“ und die Renditen drifteten von deutlich negativ wieder langsam zur Null-­Linie. Auch im Jänner sah es anfangs nach einer Prolongation aus, bis die Marktpanik durch das Coronavirus die Lage drehte. Die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen – Inbegriff eines sicheren Hafens – fielen in diesem Risk­-Off-­Szenario um 20 Basispunkte. Diese kurzfristige Rentenrally betraf vor allem jene Märkte, die im Dezember noch deutlich nachgegeben haben, also auch UK und USA.

Auch die Unternehmensanleihen, begleitet von hohen Emissionsvolumen, hatten einen guten Start ins neue Jahr. Anleihen aus den Emerging Markets, die üblicherweise auf Aktienschwächen und Volatilität sensibler reagieren, konnten sich gut halten. Auf den ersten Blick also ein guter Start ins neue Jahr.

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Geld-/Kapitalmarkt: EZB startet Review-Prozess

Beim jüngsten Meeting der Europäischen Zentralbank (EZB) am 23. Jänner 2020 gab es erwartungsgemäß keine Änderung des Leitzinses. Laut Christine Lagarde wird die EZB aber bis Jahresende nicht im „Auto­-Pilot-­Modus“ fahren. Ein angekündigtes EZB-Review soll die quantitative Formulierung von Preis­ stabilität, Nutzung geldpolitischer Werkzeuge, Analyseansätze und Kommunikationspraktiken der EZB umfassen und bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Anmerkung: Die aktuelle geldpolitische Strategie wudde 1998 verabschiedet und zuletzt 2003 konkretisiert. Das Thema nachhaltiger Investments wird seitens der EZB ebenfalls an Bedeutung gewinnen, möglicherweise könnten nachhaltige Unternehmensanleihen im Rahmen des monatlichen Kaufprogramms bevorzugt behandelt werden.

Im tourlichen Zinsentscheid der US­-Fed Ende Jänner 2020 wurde – erwartungsgemäß – das aktuelle Zinsziel von 1,5 % bis 1,75 % nicht angetastet. Frühestens ab Herbst 2020 ist eine Zinssenkung im Ausmaß von etwa 25 Basispunkten vom Markt eingepreist.

Staats- und Unternehmensanleihen: Risikoprämien der Unternehmensanleihen bleiben tief

Europäische Staatsanleiherenditen tendierten zuletzt leicht nach oben und entfernten sich damit weiter von den Analysten-Konsensschätzungen, die etwa deutsche zehnjährige Staatsanleiherenditen Mitte 2020 bei 0,40 % sehen. Abgesehen von der aktuellen Lage um das Coronavirus teilen wir in unserer längerfristigen Sicht diese Meinung nicht und bleiben bei unserer Untergewichtung von Euro-Staatsanleihen gegen­ über Unternehmensanleihen (BBB bis BB Ratings) bzw. Emerging-Market-­Anleihen. US-Staatsanleihen bleiben übergewichtet.

Die Aktivität am Primärmarkt ist zu Jahresbeginn in der Regel ein guter Stimmungsindikator für Unternehmensanleihen. Vor allem in den USA übertrifft das bisherige Emissionsvolumen jenes der Vergleichsperiode im Vorjahr deutlich. Allgemein ist das Emissionsvolumen von USD Corporate Bonds und von Financial Bonds (Euro & US-Dollar) auffällig hoch.

Wir denken, dass dieses Stimmungsbild auch in den kommenden Wochen wieder dominiert und die Risikoprämien tief bleiben.

Emerging­-Market­-Hartwährungsanleihen feierten im wahrsten Sinne des Wortes einen Spread-Rutsch ins neue Jahr 2020, die Renditen sind auch im Vergleich zu Lokalwährungsanleihen stärker gefallen. In Anbetracht der erwarteten abermaligen Ausweitung der globalen Notenbankbilanzen und der lockeren Geldpolitik bleibt unsere Übergewichtung dieser Assetklasse aufrecht. Hinzu kommt, dass die Einigung beim „Deal“ zwischen den USA und China das positive Sentiment unterstützen sollte.