Pandemie-Notkaufprogramm der EZB

von Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst bei Western Asset Management.

„Mit dem Pandemie-Notkaufprogramm („PEPP“) der EZB ist die europäische Geldpolitik in zwei Schritten vorgegangen: quantitativ, da der angekündigte Betrag sechs Prozent und mehr des BIP der Eurozone vor Jahresende entspricht, aber auch qualitativ, da das Programm sehr flexibel ist und einige frühere Beschränkungen de facto aufhebt. Solange Covid-19 die gewünschte Umsetzung der Geldpolitik gefährdet – ein sehr wichtiges Feigenblatt für rechtliche Anfechtungen, die zweifellos kommen werden – hat die EZB einen großen Ermessensspielraum bei der Wahl der zu kaufenden Vermögenswerte und kann die betreffenden Beträge bei Bedarf erhöhen. Darüber hinaus hat die EZB mit der Ankündigung dieses Programms im Wesentlichen mitgeteilt, dass sie bereit ist, die selbst auferlegten Emittenten- und Emissionsgrenzen für den Kauf von Staatsanleihen aufzugeben, die bei der höheren Summe der monatlichen Käufe vor dem Ende des PEPP zu einer verbindlichen Beschränkung geworden wären.

Wir erwarten, dass die europäische Peripherie einschließlich Griechenland von diesem Programm besonders profitieren wird, was sich bereits darin zeigt, dass sich die Spreads verengen. Aber der wahre Wert könnte darin liegen, dass es sich um eine unbefristete Verpflichtung zur Unterstützung der Finanzpolitiker handelt, während diese auf nationaler und auf supranationaler Ebene eine Bedrohung der monetären Transmission bekämpfen, wenn die Gespräche über die gemeinsame Ausgabe von Anleihen zustande kommen. Mit anderen Worten: Christine Lagardes unglückliche Bemerkung zur Spreadausweitung wurde teilweise zurückgenommen: Solange sich die Spreads ausweiten, weil sie von Covid-19 infiziert sind, wird die EZB zur Hilfe kommen.“