Rentenmärkte: Stärkerer Euro dämpft Fremdwährungsertrag

Zuletzt ist es mangels neuer Impulse an den Märkten etwas ruhiger geworden, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Die globalen Notenbanken leisten ganze Arbeit, wobei die Aussagen der US-Notenbank zu ihrer neuen strategischen Ausrichtung etwas Renditeauftrieb bei langen Laufzeiten ergab. Und die – wenn überhaupt – niedrigen laufenden Staatsanleihe-Renditen liefern wenig Puffer bei selbst nur leichten Renditeanstiegen. Für Euro-Investoren schlägt sich auch der seit Jahresbeginn schwächere US-Dollar (minus 6 %) im Ertrag der US-Papiere nieder.

Generell gibt es aber weiter gute Nachfrage nach Anleihen mit Renditeaufschlag, sogenannten Spread-Produkten wie Emerging-Market- oder Unternehmensanleihen, wenn auch die Sommermonate etwas ruhiger verliefen. Europäische High-Yield-Anleihen beispielsweise liegen zwar seit Jahresbeginn noch im Minus, können aber Monat für Monat aufholen. Die Investorenstimmung hat bereits seit längerem ins Positive gedreht, die Jagd nach Rendite ist ungebrochen. Aktuell drückt nur der starke Euro die Fremdwährungserträge.

Geld-/Kapitalmarkt: Noch lange keine Zinsschritte?

Die Federal Reserve hat auf ihrer jährlichen, stets vielbeachteten und heuer großteils virtuellen Konferenz in Jackson Hole, Wyoming, unter dem Titel „Navigating the Decade Ahead“ ihren neuen geldpolitischen Kurs erläutert: Sie will künftig ein flexibles durchschnittliches Inflationsziel verfolgen, worunter der Preisauftrieb seinen bisherigen langfristigen Zielwert von 2 % für gewisse Zeit überschreiten kann. Folglich sind bei einer Rückkehr des Arbeitsmarkts zu alter Stärke nicht zwingend Zinsmaßnahmen zu erwarten, solange Inflationsanstiege deutlich über 2 % ausbleiben.

Davon sind wir mit Inflationsraten um 1 % aktuell weit entfernt, erste Zinsschritte werden daher noch länger warten können. Dennoch ist die US-Zinskurve bereits etwas steiler geworden, die Renditen längerer Laufzeiten haben zuletzt leicht angezogen.

Wenig Neues hingegen bei der EZB, diese ist weiter aktiv bei ihrer Liquiditätsversorgung durch die neuen Ankaufprogramme (PEPP) bzw. Refinanzierungsgeschäfte für Banken (TLTRO).

Staats- und Unternehmensanleihen: Suche nach Rendite

Die stärksten positiven Treiber werden unserer Meinung nach die stimulierenden Notenbankmaßnahmen, die nach der Sommerpause wieder stärker ausfallen sollten, sowie weiterhin verbesserte Konjunkturdaten sein. Damit bleiben „Spread-Assets“ wie Emerging-Market- oder Unternehmensanleihen am Anleihen-Markt weiterhin die attraktivsten Segmente und wir bleiben daher bei diesen Anleihen stark übergewichtet. Dazu erhöhen wir das Übergewicht von High-Yield-Anleihen in US-Dollar moderat, das Übergewicht bei Euro-Unternehmensanleihen und Hartwährungsanleihen aus Emerging Markets bleibt unverändert bestehen.

Ein intakter Primärmarkt, hohe Cash-Bestände der Unternehmen, Stützungskäufe der Notenbanken und bessere Konjunkturindikatoren, deren rasche Erholung von Analysten nach wie vor nicht antizipiert werden kann, sprechen für Unternehmensanleihen. Am High-Yield-Markt wurden Ausfallsraten von über 15 % erwartet. Gepreist werden nur noch 4,4 % (Europa) bzw. 6,9 % (USA).

Emerging Markets: Vor allem Anleihen attraktiv

Asien, die wichtigste Region der Emerging Markets ist global gesehen bisher am besten durch die Krise gekommen. Die Kombination aus hartem Lockdown und konsequentem Tracing haben dazu geführt, dass man wohl dort am ehesten von einer v-förmigen Erholung sprechen kann. In Asien kommt es zwar auch zu einem leichten Rückgang bei der Gewinnentwicklung, Lateinamerika und Osteuropa verzeichnen aber vergleichsweise dramatische Gewinneinbrüche.

Auf der Suche nach real positiven Renditen drängten sich Emerging-Market-Hartwährungsanleihen nahezu auf. Unser Übergewicht von dieser Anleiheklasse bleibt weiterhin aufrecht, dagegen sind europäischen Staatsanleihen weiter untergewichtet.

Das größte Risiko für die Ertragserwartung dieser Positionierung sind wohl ein wieder stärker auflodernder Konflikt zwischen den USA und China und die damit verbundenen Kollateralschäden für den globalen Handel, unter Umständen noch vor der anstehenden US-Präsidentschaftswahl.