Rentenmärkte: Wie festgenagelt

Zuletzt war erstaunlich wenig Bewegung zu sehen: nicht am gesamten Rentenmarkt, aber bei den Staatsanleihe-Renditen der globalen Benchmarken aus den USA und der Eurozone. Und: Stillstand nicht nur bei kurzen Laufzeiten, das wäre durch die Notenbankpolitik leicht zu erklären, sondern auch bei den längeren Laufzeiten, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Trotz wieder gestiegener Aktien-Volatilität blieb es an den Rentenmärkten ruhig: keine „Flucht“ etwa aus dem High-Yield-Segment in die sicheren Häfen der Staatsanleihen. Die Renditeaufschläge der High Yields weiteten sich zuletzt zwar leicht aus, ebenso wie die der Emerging-Market-Anleihen (Hartwährung). Die Investorenstimmung hat sich jedoch bereits seit längerem ins Positive gedreht, die Politik der global führenden Notenbanken hat hier großen Einfluss. Etwas mehr Bewegung lösten Währungsentwicklungen aus. Im September profitierten US-Titel vom leicht gestiegenen Dollar, hingegen drückten die schwächeren Emerging-Market-Währungen weiter auf die Local-Bond-Performance.

Geld-/Kapitalmarkt: Forderung an Fiskalpolitik

Die Covid-19-Infektionszahlen dürften in den kommenden Monaten weiter ansteigen. Regionale Lockdowns, Reisewarnungen etc. könnten für einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung nachteilige Effekte haben. Auch die US-Wahl selbst bzw. die Ereignisse danach bergen das Potenzial von Turbulenzen.

Die globalen Notenbanken signalisieren im Grunde keine weiteren Ausbaustufen ihrer umfangreichen geldpolitischen Stimuluspakete. Die Geldpolitik alleine wird auch nicht genügen, daher fordern die Notenbanken sowohl in den USA als auch in Europa weitere – und massive – Fiskalimpulse. In den USA verhandelt der Kongress ein solches Paket, es dürfte aber vor der US-Wahl noch nicht beschlossen werden. In Europa steht das Fiskalpaket „Europäischer Aufbauplan“ der EU an.

Von der EZB wird gegen Jahresende eine Neupositionierung zu den Anleihen-Ankaufprogrammen erwartet, das betrifft insbesondere das mögliche Auslaufen des Notfallprogramms (PEPP) bzw. die Fortführung und Erweiterung der bestehenden Programme.

Staats- und Unternehmensanleihen: Niveaus vor der Krise

Staatsanleihen der europäischen Peripherie, insbesondere Italien und Spanien, waren und bleiben attraktiv. Deren Risikoprämien sind zuletzt weiter gesunken und befinden sich nun auf Niveaus von Februar 2020. Das weitere Abwärtspotenzial ist definitiv gesunken. Bei positiven Renditen bleiben Anleihen der Peripherie relativ zu Staatsanleihen Kerneuropas dennoch attraktiv, selbst wenn Peripherie-Spreads in etwa auf den aktuellen Niveaus verharren.

Dementsprechend finden sie im Rahmen unserer Asset Allocation eine positive Berücksichtigung, ebenso wie Euro-Unternehmensanleihen (Investment Grade). Wir übergewichten diese Anleihekategorie gegenüber europäischen Staatsanleihen. Die Übergewichtung von US-Dollar-High-Yield-Unternehmensanleihen gegenüber globalen Staatsanleihen nehmen wir indes zurück, da wir die Anleihen Allocation nach der sehr guten Entwicklung seit Ende des ersten Quartals 2020 vorerst etwas konservativer gestalten möchten. Das führt auch wieder zu einem Übergewicht an globalen und US-Staatsanleihen.

In Anbetracht der Unwägbarkeiten der politischen Entwicklung vor der US-Präsidentschaftswahl Anfang November und der zuletzt stärker angestiegenen Covid-19-Infektionsraten, könnten die Anleihemärkte von einer abermaligen gedämpften globalen Handelsaktivität stark negativ getroffen werden. Nachdem wir Emerging-Market-Hartwährungsanleihen über Monate hinweg gegenüber europäischen Staatsanleihen – erfolgreich – übergewichtet hatten, schließen wir diese Position.