US-Wahlergebnis beeinflusst die Märkte nur wenig

von Matthew Benkendorf, CIO von Vontobel Quality Growth.

Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Marktreaktionen schwer vorherzusagen sind und dass Wahlergebnisse nicht derart dramatische Auswirkungen auf die Märkte haben, wie man vielleicht glauben mag. Die Sorge vor Wahlergebnissen ist daher oft übertrieben.

Wie die Märkte auf Wahlen reagieren, hängt von mehr ab als davon, wer gewählt wird. Wichtige Faktoren sind beispielsweise das Bewertungsniveau der Märkte, das wirtschaftliche Umfeld, die Konjunkturaussichten und, wohl am entscheidendsten, die Prognosen für die Unternehmensgewinne. Denn die grundlegende Gesundheit der Wirtschaft und das Wachstum der Unternehmensgewinne sind am Ende die Faktoren, welche die Aktienkurse beeinflussen werden.

Verschiedene Parteien, gleiche Ziele

Auch wenn es unterschiedliche Parteien gibt, unterscheiden sich die Ziele der Kandidaten nicht immer drastisch. Unabhängig davon, wer in weniger als zwei Wochen die US-Präsidentschaftswahlen gewinnen wird, gehen wir davon aus, dass die Beziehungen zwischen den USA und China hinsichtlich Diebstahl geistigen Eigentums, Handel und damit verbundenen ESG-Themen weiterhin im Zentrum des Interesses stehen werden. Wir denken, dass die außenpolitische Haltung der USA gegenüber China unabhängig vom Wahlausgang recht ähnlich sein wird, aber sicherlich wird sich der Verhandlungsstil Joe Bidens gegenüber China von dem des derzeitigen Amtsinhabers Donald Trump unterscheiden. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch den Grenzen der Auswirkungen der Politik bewusst sein. Präsidenten oder Regierungen haben nur einen bestimmten Spielraum und können nur einige wenige Schlüsselpunkte auf ihrer Agenda angehen. Unabhängig vom Wahlausgang könnte aber die Politisierung des Umgangs mit der Covid-19-Pandemie bei beiden Parteien zu einem Ende kommen.

Kritische Reaktion auf Federal Reserve

Die Märkte reagieren kritisch auf das Unvermögen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die Inflation zu erhöhen. Die letzten Maßnahmen haben gezeigt, dass die Fed damit entweder zunehmend an Einfluss verliert oder sich gar auf dem Weg der völligen Wirkungslosigkeit befindet. Investoren sollten von einer höheren Volatilität bei Themen ausgehen, die in der Vergangenheit keine Auswirkungen hatten. Wir erwarten nicht, dass ein Wechsel im Weißen Haus einen wesentlichen Einfluss auf die Politik der Fed haben wird. Sollten die Demokraten die Kontrolle im Kongress und im Weißen Haus erlangen (d. h. ein Szenario, in dem Joe Biden zum US-Präsidenten gewählt wird und die Demokraten das Repräsentantenhaus behalten, aber auch die Kontrolle über den Senat übernehmen), würde sich jedoch die Wahrscheinlichkeit eines umfangreichen Konjunkturprogrammes erhöhen. Nachdem die Fed viele Jahre lang eine vorherrschende Rolle bei der Stützung der Wirtschaft gespielt hat, könnte diese Entwicklung es der Fed auf der fiskalischen Seite ermöglichen, von ihrer übermäßig stützenden Haltung Abstand zu nehmen und Raum für keynesianische Maßnahmen zu schaffen, die der Realwirtschaft wirksamer helfen würden. Dies könnte beispielsweise durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und Förderung von Unternehmensinvestitionen erfolgen.

Blick auf Fundamentaldaten essenziell

Aus Anlagesicht ist es wichtig, sich mehr auf die grundlegende Stabilität bestimmter Unternehmen und ihre dauerhaften, nachhaltigen Wachstumsaussichten zu fokussieren. Der intensive Blick auf die Fundamentaldaten der Unternehmen und die prognostizierbare langfristige Ertragskraft können den Anleger unabhängig vom makroökonomischen oder politischen Hintergrund profitieren lassen. Als Bottom-up-Investoren machen wir uns keine allzu großen Sorgen über den Ausgang der bevorstehenden US-Wahlen, da politische Veränderungen nicht unbedingt wesentliche Auswirkungen auf die Unternehmen in unserem Portfolio haben werden.

Eine Wiederwahl von Amtsinhaber Donald Trump wird bei den aktuellen Fundamentaldaten wahrscheinlich nicht zu großen Veränderungen in den Sektoren führen. Ein Wahlsieg Joe Bidens wird eine stärker auf Umweltschutz ausgerichtete Agenda mit sich bringen, die mehr Druck oder eine genauere Prüfung von Sektoren, die Umweltschutzauflagen unterliegen, mit sich bringen könnte. Dies beträfe etwa den Energie- und Rohstoffbereich. Angesichts der Tatsache, dass Gesundheitsfürsorge im Fokus der Demokraten steht, könnte ein Wahlsieg von Joe Biden mehr Volatilität in diesem Sektor bedeuten, aber für Titel aus dem Gesundheitswesen mit soliden Fundamentaldaten sollte es weiterhin gut laufen. Bei Finanzwerten, die bereits unter Druck stehen, könnte es ebenfalls zu Volatilität kommen, da diese Unternehmen angesichts der üblicherweise strengeren Hand einer demokratischen Regierung aus aufsichtsrechtlicher Sicht wahrscheinlich keine große Unterstützung oder zunehmende Verbesserung erfahren werden.

Investitionen nicht von Wahlergebnis abhängig

Exakte Prognosen sind schlicht unmöglich. Die gute Nachricht für unsere Investoren ist, dass unsere Investitionsentscheidungen und unsere Portfoliopositionierung nicht vom Wahlergebnis oder irgendwelchen politischen Lösungen abhängen. Investoren sollten nach Unternehmen mit bewährten und wiederholt erfolgreichen Modellen und etablierten, marktführenden Positionen suchen. Für Investoren ist es von entscheidender Bedeutung, sich daran zu erinnern, dass der Erfolg eines Sektors und, noch wichtiger, der Erfolg von Unternehmen in diesem Sektor, von den zugrunde liegenden Gewinnen, der Nachhaltigkeit und des zukünftigen Wachstums dieser Gewinne abhängt.


Vontobel Asset Management

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