Stehende Ovationen des Marktes für die jüngste Wendung der OPEC in der griechischen Tragödie

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

Damals im März 2020 haben wir die OPEC-Treffen1 mit einer griechischen Tragödie verglichen. Es mag schwierig sein, den Protagonisten zu definieren, aber es gibt immer ein Gefühl des Verrats und der Rache, gefolgt von einem Aufmarsch von Mitstreitern. Ein Drama auf hohem Niveau ist immer unterhaltsam. Doch am Ende tragen die Ölpreise die Hauptlast der emotionalen Höhen und Tiefen.

Der Ölpreis der Sorte Brent stieg am vergangenen Freitag, dem 4. Dezember, nach einem Meeting der OPEC Plus2 am 3. Dezember auf fast 50 US-Dollar pro Barrel und markierte damit den höchsten Preis seit März 2020, kurz bevor der Ölpreis abstürzte. Es hat uns überrascht, da das OPEC Plus-Abkommen hinter den Erwartungen zurückblieb. Der Markt hatte weitgehend eine Verlängerung der derzeitigen Quoten um weitere drei Monate eingepreist. Dennoch erhöht die OPEC Plus die Produktion im Januar 2021 um 500.000 Barrel pro Tag und setzte monatliche Treffen an, um weitere monatliche Produktionssteigerungen zu bewerten. Ja, das ist weniger als die ursprünglich geplante Erhöhung um 1,9 Millionen Barrel pro Tag, Umfragen unter Marktteilnehmern ergaben jedoch eindeutig, dass für das erste Quartal keine Erhöhung zu erwarten war. Das Ergebnis ging aus einem Kompromiss mit den Vereinigten Arabischen Emiraten hervor. Die Vereinigten Arabischen Emirate, traditionell ein entschiedener Befürworter Saudi-Arabiens und des Golf-Kooperationsrates, scherten aus der Reihe, da sie immer ungeduldiger wurden, ihre expandierenden Ölkapazitäten zu nutzen. Das Treffen hatte sich infolgedessen um mehrere Tage verzögert, und es war das erste Mal seit März 2020, dass Saudi-Arabien nicht das Ergebnis sah, das es sich gewünscht hatte. Dabei ist folgender Kontext zu beachten: Im März 2020 scherte Russland aus und Saudi-Arabien entfachte einen Preiskrieg, der zum schlimmsten Ölpreisabsturz der Geschichte führte. Auch wenn das gestrige Ergebnis nicht so dramatisch ist, könnten die zerrütteten Beziehungen im Kern der OPEC zu einer schwachen Einhaltung der Vereinbarung führen. Außerdem könnte sich diese Saga jeden Monat wiederholen, angesichts von Fördermengen, die für das kommende Quartal oder Jahr noch nicht festgelegt sind.

Eine Angebotsverknappung auf nur 500.000 Barrel pro Tag im Januar, gefolgt von ähnlichen Werten im Februar und März, könnte dazu führen, dass der Ölmarkt nunmehr im 21. Quartal in einem Versorgungsdefizit verharrt. Dies könnte dazu beitragen, die übermäßigen Ölvorräte abzubauen. Wir glauben, dass sich der Markt darauf als ein positives Ergebnis konzentriert.

Während die großen Agenturen wie die Internationale Energieagentur Energy Information Administration und die OPEC weiterhin vorsichtig bleiben und ihre Nachfragezahlen für 2021 nach unten revidiert haben, scheint der Markt angesichts jüngster Impfstoff-Nachrichten optimistischer zu sein. Sowohl die Terminkurven des Brent als auch die des West Texas Intermediate (WTI) befinden sich von 2021 bis 2024 in Backwardation, was darauf hindeutet, dass der Markt an der Nachfragefront bullish ist.


1) Organization for Petroleum Exporting Countries
2) Organization for Petroleum Exporting Countries (OPEC) and its partner countries (combined as OPEC+)

Quelle: Bloomberg 4/12/2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Im Jahr 2020 hat die OPEC ihren 60. Geburtstag gefeiert. Was für eine Feier war das! Das Drama und die Machtkämpfe zwischen den Mitgliedern und den Partnerländern haben sich im Preisverhalten niedergeschlagen. Nachdem die Preise im Frontmonat Brent vom 6. Januar 2020 bis zum 21. April 2020 um 72 Prozent gefallen waren, sind sie von diesem Zeitpunkt bis zum 4. Dezember 2020 um 157 Prozent gestiegen.