Warum 2021 das Jahr des Silbers sein wird

von Ned Naylor-Leyland, Head of Strategy für Gold und Silber bei Jupiter Asset Management.

Gestützt durch negative Realzinsen, sollte sich der Goldpreis 2021 stabil zeigen. An den Märkten dürfte Silber mit seiner doppelten Funktion als industrieller Rohstoff und monetäres Wertaufbewahrungsmittel stärker in den Fokus rücken.

Gold behält seinen Glanz

Der Goldpreis ist im vergangenen Jahr auf historische Höchststände gestiegen. Als ultimative „Sichere Hafen“-Anlage, deren Wert auch in volatilen Zeiten stabil bleiben und sogar steigen kann, war Gold an den Märkten wieder deutlich mehr geschätzt als zuvor. An der monetären Front hatte sich bereits seit Langem ein „perfekter Sturm“ für höhere Edelmetallpreise zusammengebraut. Hinter der Gold- und Silberrally stehen die scheinbar unbefristete Verpflichtung der US-Notenbank zu extrem niedrigen Zinsen, ihr unbegrenztes Anleihenkaufprogramm, durch das sich die Fed-Bilanz auf 7 Billionen USD aufgebläht hat, und der starke Anstieg der Staatsausgaben. Alles zusammen weckt Zweifel am Ausblick für den US-Dollar. In den USA sind die ‚realen‘ Renditen – der Ertrag, mit dem Investoren nach Abzug der Inflation rechnen können -– inzwischen negativ. Das bedeutet, dass sich viele Investoren, die US-Staatsanleihen halten, auf reale Wertverluste einstellen müssen. Im Vergleich dazu sind Gold und Silber echte Wertspeicher.

In einem politisch aufgeladenen makroökonomischen Umfeld sollte auch nicht vergessen werden, dass Gold eine „unpolitische Währung“ ist, da es nicht von einer Zentralbank oder Regierung ausgegeben wird. Der US-Dollar hingegen ist eine höchst politische Währung, deren vorrangige Stellung im globalen Finanzsystem zunehmend in Frage gestellt wird.

Diese Trends dürften sich 2021 fortsetzen. So rechnen wir in den USA mit einem fiskalischen Stimuluspaket, das das Land sich nicht leisten kann, weiterer Unterstützung durch die Fed und einem weiteren Rückgang der Realzinsen. In diesem Umfeld sollte sich der Goldpreis sehr robust zeigen. Falls die Fed die staatlichen Ausgabenpläne 2021 mit einer noch extremeren Geldpolitik – wie der modernen Geldtheorie oder ‚Helikoptergeld‘ – unterstützen sollte, würde Gold als potenzielle Inflationsabsicherung noch mehr profitieren.

Die besten Zeiten für Silber liegen noch vor uns

Unterdessen wäre ein ‚Green New Deal‘ – ein höchst ambitioniertes Projekt zur Bekämpfung des Klimawandels und der Ungleichheit – in den USA positiv für Silber, den unbändigeren, volatileren kleinen Bruder des Goldes. Wenn 2020 das Jahr des Goldes war, dürfte 2021 das Jahr werden, in dem Silber aufholt. Rund die Hälfte der Silbernachfrage stammt aus der Industrie. Silber wird in Solarpaneelen eingesetzt, in Batterien, unterschiedlichen Elektronikanwendungen und als antimikrobielles Element in der Medizintechnik. Dadurch nimmt der Silberbedarf zu und ein Green New Deal würde sicherlich für zusätzliche Nachfrageimpulse sorgen. Wir glauben, dass die doppelte Funktion von Silber als technologische Komponente und monetäres Wertaufbewahrungsmittel an den Märkten 2021 stärker in den Fokus rücken wird.

Silber reagiert auch sehr stark auf Kapitalflüsse. 2011 zum Beispiel, als die Märkte, wie auch heute, von einer quasi unbegrenzten Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken profitierten, kletterte der Silberpreis auf 50 Dollar je Feinunze. Während der Rally der Währungsmetalle im Jahr 1980, durch die das Petrodollar-System ins Wanken geriet, folgte Silber auch der positiven Goldpreisentwicklung und verteuerte sich kurzfristig bis auf 50 USD je Feinunze. Bereinigt um die Inflation und den Kaufkraftverlust seit 1980 sind diese 50 USD je Feinunze ein deutlich über dem derzeitigen Silber-Spotpreis liegender Wert. Das lässt vermuten, dass die besten Zeiten für Silber noch vor uns liegen könnten.

Könnten Gold- und Silberminenaktien die großen Gewinner des Jahres 2021 sein?

Vermutlich werden wir in den nächsten zwölf Monaten auch mehr M&A-Transaktionen und einen Trend in Richtung neuer, großer Gold- und Silberminen sehen. Die Krise der großen Gold- und Silberminenunternehmen im Zusammenhang mit der zunehmenden Erschöpfung der Gold- und Silberreserven ist seit Jahrzehnten offenkundig. Erst der solide Anstieg des Gold- und Silberpreises hat den Markt dazu gebracht, sich stärker auf die Notwendigkeit einer Konsolidierung der Branche zu fokussieren. Zuvor hatten die Minengesellschaften aufgrund der unangemessen niedrigen Gold- und Silberpreise von den für höhere Reserven erforderlichen Explorations- und Erschließungsarbeiten abgesehen. Im Goldminensektor hat es in diesem Jahr Fusionen und Übernahmen im Gesamtwert von rund 20 Mrd. USD gegeben. In den nächsten sechs Monaten könnte sich dieser Wert verdoppeln. Meiner Ansicht nach stehen wir kurz vor einer M&A-Welle und einem starken Anstieg der Explorationen in diesem Sektor.

Wenn der Gold- und Silberpreis steigt, steigen die Kurse der Minenunternehmen in der Regel stärker als der Edelmetallpreis. Umgekehrt gehen sie bei einem Abwärtstrend der Edelmetallpreise tendenziell auch stärker zurück. Die Kosten für Bergbaudienstleistungen und -ausrüstung sinken, und aufgrund der expansiven Fiskal- und Geldpolitik ist zu erwarten, dass die Gold- und Silbernotierungen weiter nachhaltig steigen werden. Das ist ein sehr günstiges Umfeld für die Aktien von Gold- und Silberminenunternehmen, zumal die Gold- und Silberpreise noch nicht vollständig in die Bewertungen der Minenaktien eingepreist sind.