Zum Jahreswechsel

Mit 2020 geht ein Jahr zu Ende, das in vielerlei Hinsicht historisch war und das wohl für die meisten von uns mit großen Einschränkungen – insbesondere, was den sozialen Austausch mit Familie und Freunden betrifft – verbunden war. Es war ein Jahr, das uns viel abverlangt hat, das uns aber auch vor Augen geführt hat, wie wichtig nachhaltige Strukturen und vertrauensvolle Beziehungen für unsere Gesellschaft sind.

Auch für die Kapitalmärkte war 2020 ein prägendes Jahr, das im März – mit den ersten Lockdowns in Europa und den USA – historische Verluste insbesondere bei Aktieninvestments brachte. Auch unsere Fonds konnten sich den Verwerfungen an den Kapitalmärkten in Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie nicht entziehen. Doch anders als in anderen Krisen haben die allermeisten unserer Anlegerinnen und Anleger Ruhe bewahrt und darauf vertraut, dass ihr Investment mit größtmöglicher Sorgfalt verwaltet wird. Mehr noch, viele unserer Kundinnen und Kunden haben die niedrigen Einstiegspreise genutzt, weitere Fondsanteile zuzukaufen oder haben überhaupt erstmals in eines unserer Produkte Kapital investiert. Für dieses Vertrauen sind wir sehr dankbar und es freut uns, dass es auch belohnt wurde. Was sich im Frühjahr noch dramatisch dargestellt hat, hat sich inzwischen wieder normalisiert. Der Großteil aller Assetklassen hat die Verluste wieder aufgeholt (siehe Grafik im PDF links). Und auch unsere Produkte haben sich wieder erholt. Bei nicht wenigen unserer Fonds steht – zumindest aus heutiger Sicht – mit Jahresende ein Plus vor der (teilweise sogar zweistelligen) Wertentwicklung. Wobei die Performance der Vergangenheit natürlich keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung eines Investments zulässt.

Apropos Wertentwicklung...

Die Corona-Krise hat auch eines klar gezeigt: Verantwortliches Investieren geht nicht auf Kosten der Performance. Viele nachhaltig gemanagte Produkte sind aufgrund ihrer Anlagestruktur und ihres detaillierten Risikomanagements wesentlich besser durch die kritische Zeit gekommen – selbst wenn natürlich auch nachhaltige Investments den Kapitalmarktschwankungen und der damit verbundenen möglichen Verluste, ausgesetzt sind. Die Fonds von Raiffeisen Capital Management1 zählen hinsichtlich ihres Investmentansatzes konstant zu den besten Nachhaltigkeitsfonds im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus. Das hat sich auch am Jahresende 2020 nochmals gezeigt. Bei der diesjährigen Vergabe der begehrten FNG-Siegel des Forums Nachhaltige Geldanlagen wurden alle eingereichten Fonds – insgesamt 14 Produkte unterschiedlicher Assetklassen – mit der Höchstnote „3 Sterne“ auszeichnet. Raiffeisen Capital Management war somit der erfolgreichste Asset Manager aller 15 teilnehmenden Länder.

Nachhaltigkeit ist Programm...

Auch wir als Unternehmen sind mit unserer nachhaltigen Unternehmens- und Produktstrategie gut durch die Krise gekommen. Verglichen mit dem Gesamtmarkt haben wir in dieser Phase deutlich besser performt und konnten nicht nur Fondsvolumen (per Ende November insgesamt 39,8 Milliarden Euro), sondern auch Marktanteile (insgesamt 19,6 %) dazugewinnen. Unser breites Angebot an nachhaltigen Investments war für diese positive Entwicklung mitentscheidend.

...und wird weiter forciert

In den letzten Jahren haben wir es geschafft, Raiffeisen Capital Management nicht nur in Österreich, sondern auch international – insbesondere in Italien und Deutschland – als glaubwürdigen und bedeutenden Player bei nachhaltigen Investments zu etablieren. Gemeinsam mit den Netzwerkbanken unserer Eigentümerin, der Raiffeisenbank International AG, möchten wir nachhaltiges Investieren nun auch in Zentral- und Osteuropa konsequent vorantreiben und in guter Tradition dort als „First Mover“ dieses Segment besetzen. Parallel dazu arbeiten wir in Wien mit vollem Einsatz daran, unser Produktangebot noch stärker in Richtung Nachhaltigkeit zu transformieren. 2020 haben wir mit dem Raiffeisen-SmartEnergy-ESG-Aktien ein innovatives Produkt im Energiebereich lanciert. Auch der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Europa-Aktien (zuvor Raiffeisen-Europa-Aktien) ist seit einiger Zeit ein streng nach ESG-Kriterien2 gemanagter Fonds. Grundsätzlich steht mehr oder weniger die gesamte Produktpalette auf dem Prüfstand, denn mittelfristig möchten wir die ESG-Kriterien in sämtliche Investmentprozesse unserer Fonds integrieren. Last but not least, bemühen wir uns, unseren eigenen CO2-Fußabdruck zu verkleinern. Im vergangenen Jahr haben wir erstmals in einem gemeinsamen Projekt mit der BOKU unseren CO2-Verbrauch ausgeglichen und setzen weitere Maßnahmen, diesen möglichst klein zu halten.

Digitale Beziehungspflege

2020 war wohl auch das Jahr der Webinare, Online-Meetings und Videokonferenzen. Covid-19 hat nicht nur der Nachhaltigkeit Schub verliehen, sondern auch der Digitalisierung. An dieser Stelle möchten wir uns bei Ihnen für Ihre Offenheit und Flexibilität bedanken, diese Tools gemeinsam mit uns zu nutzen. Uns war es wichtig, mit Ihnen in Kontakt zu bleiben, Ihre Anliegen aufnehmen zu können und Ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass unsere Betreuung lückenlos und in gewohnter Qualität weiterläuft. Auch wenn nichts über den persönlichen Austausch geht, so haben uns digitale Formate in dieser schwierigen Zeit geholfen, mit Ihnen in Kontakt zu bleiben.

Kontinuität gewährleisten

Eine vertrauensvolle Basis ist im Veranlagungsgeschäft unerlässlich und eng mit den handelnden Personen verknüpft. Mit Jahreswechsel (ab 1.1. 2021) wird es an der Spitze des institutionellen Geschäfts von Raiffeisen Capital Management zu einem personellen Wechsel kommen. Wir freuen uns, dass wir für diese Position, die für unser Unternehmen von zentraler Bedeutung ist, Christiane Flehberger (CPM, CEFA) gewinnen konnten, denn damit kann einerseits die Kontinuität in der Betreuung gewährleistet und andererseits ein ebenso wichtiger Generationenwechsel vollzogen werden. Christiane Flehberger ist seit 2011 in der Raiffeisen Bankengruppe verankert und seit 2015 bei Raiffeisen Capital Management beschäftigt. Zuletzt war sie für den Bereich „Institutionelle Kunden & Sektorkunden“ verantwortlich. Darüber hinaus leitete sie das Großkunden-Geschäft in den Märkten Österreich, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein & Frankreich. Als Gesamtverantwortliche für das Institutionelle Kundengeschäft, wird sie auch weiterhin für beide genannten Bereiche zuständig bleiben.

Wie geht es an den Kapitalmärkten weiter?3

Wenn es nach unserer Erwartung für die Aktienmärkte geht, dann wird das Jahr 2021ein gutes werden. Diese Einschätzung basiert zunächst auf der Entwicklung der globalen Konjunktur. Nach beispiellosen Einbrüchen im Jahr 2020 wird im neuen Jahr eine spürbare Erholung eintreten. Diese könnte sogar stärker ausfallen, als es aktuell von den Volkswirten erwartet wird. Hand in Hand mit einer besseren Wirtschaftsdynamik werden sich auch die Unternehmensgewinne erholen – sogar zweistellige Zuwachsraten sind möglich. Wie schon in den letzten Jahren wird eine lockere Geldpolitik als unterstützender Faktor bleiben und auch die Fiskalpolitik wird weiterhin großzügig sein. Was gibt es schöneres, als Geld auszugeben, das man zwar nicht hat, aber freigiebig von der Notenbank zur Verfügung gestellt bekommt – ein Selbstläufer für jeden Politiker. Hier liegt auch ein wesentliches Risiko für das positive Marktszenario begraben. Sollten die Notenbanken gezwungen sein, ihre Liquiditätsinjektionen zu reduzieren oder einstellen zu müssen, hätte das starke Auswirkungen auf viele Marktsegmente. So hat nur die EZB seit Ausbruch der Krise ihre Bilanz um 340 Millionen Euro ausgeweitet – pro Stunde, 24/7. Dieses Geld ist zunächst in Staats- und Unternehmensanleihen geflossen. Kein Wunder, dass wir hier die Renditetiefstände wieder erreicht haben. Aber frei nach dem Motto „Das Wasser findet seinen Weg“ waren natürlich auch Hochzinsanleihen und Aktien begünstigt. Was wäre also dieser „Game-Changer“, der zu einem Umdenken bei den Notenbanken führen würde? Eine solche Entwicklung sähen wir nur im Fall eines starken Anstiegs der Inflation. Das ist nicht unsere Erwartung, aber zweifellos eines der Risikoszenarien für 2021.


1) Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage GmbH
2) ESG steht für Umwelt (Environment, E), Soziales (Social, S) und gute Unternehmensführung (Governance, G).
3) Die nachfolgenden Einschätzungen und Positionierungen stellen eine Momentaufnahme dar und können sich jederzeit und ohne Ankündigung ändern. Sie sind keine Prognose für die künftige Entwicklung der Finanzmärkte oder von Produkten.