Ein neuer Bullenmarkt?

Trotz Covid-19 und der damit ausgelösten globalen Rezession, war das Jahr 2020 ein recht gutes Aktienjahr, sofern man auf die richtigen Sektoren und Regionen blickt: Die Aktien der Emerging Markets konnten aus dem turbulenten Jahr als einer der klaren Gewinner hervorgehen, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Dies ist jedoch nahezu ausschließlich dem asiatischen Raum zu verdanken, der anfangs ja sogar im Zentrum des „Corona-Sturms“ lag. Ein weiterer Gewinner sind die USA mit den Technologie- und Internet-Schwergewichten sowie „Big Pharma“ in den Aktienindizes.

Das Jahr endete sogar mit einem Kursfeuerwerk, ausgelöst durch den Wahlsieg Joe Bidens und Ankündigungen zu Impfstoff-Zulassungen, trotz Rekordzahlen bei den Neu-Infektionen. Einige US-Indizes erreichten wieder neue Allzeithochs und die Nachzügler-Börsen, vor allem aus Europa und den Emerging Markets, also die Old Economy, konnten recht gut aufholen. Dennoch war 2020 ein Jahr der Technologie, Internet- und Pharma-Titel, hingegen waren Grundstoffe, Energie- und Finanzwerte die Verlierer des Jahres.

Globale Konjunktur: Covid-19 hat uns noch immer im Griff, aber Zuversicht wächst

Mit der Angelobung von Joe Biden am 20. Januar 2021 zum 46. Präsidenten der USA wird allgemein eine Ära wiedergewonnener Pakttreue, Berechenbarkeit und Multilateralismus erwartet. Das ist für die globale Wirtschaftsentwicklung nicht unbedeutend, aber es sind auch weiterhin Fragen offen, etwa zum Umgang mit der Covid-19-Pandemie. Momentan wird von einer reibungslosen Impfaktion ausgegangen, zusätzlich stellt sich auch die Frage nach dem Ausmaß fiskalischer Maßnahmen für 2021 und einer dafür nötigen Mehrheit im Senat.

Nach wie vor gelten Fortschritte bei der Durchimpfung als Markttreiber. Eine überdurchschnittlich hohe US-Sparquote von knapp 15 %, dazu starkes Kreditwachstum in Europa und den USA sind Potenzial für ein gutes Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren und führen auch schon zu wieder steigenden langfristigen US-Inflationserwartungen. Die Kombination aus großzügiger Fiskalpolitik, global lockerer Geldpolitik und der Aussicht auf eine Erholung bei den Unternehmensgewinnen unterstützt die positive Stimmung.

Aktien USA und Europa: Ein neuer Bullenmarkt?

Mit den massiven Fiskalpaketen und insbesondere der aktuell ultralockeren Geldpolitik haben die Investoren offensichtlich jegliche Vorsicht abgelegt, die nachlassende Risikoaversion hat zu starken Bewertungserhöhungen geführt. Die Gewinne der Unternehmen werden 2021 ohne Zweifel gegenüber 2020 deutlich steigen. Ob sie aber bereits wieder das Niveau von 2019 erreichen können, ist fraglich. Insofern werden die Anleger mit den ausgeweiteten Kurs-Gewinn-Verhältnissen leben müssen.

Dennoch gibt es mittelfristig auch weiterhin genügend unterstützende Faktoren für die Aktienmärkte: Die Erholung der Wirtschaft könnte dem Bullenmarkt die fundamentalen Grundlagen geben, ein US-Präsident Biden für mehr Stabilität und Berechenbarkeit sorgen, dazu kommen weitere Stimuluspakete und Infrastrukturpläne.

Wie so oft hat sich Amerika in der Krise besser gehalten als Europa. Aus dieser Sicht gäbe es nun Aufholbedarf. Der niedrige Anteil an „modernen“ Branchen könnte aber wieder einmal gegen den alten Kontinent sprechen.

China und Indien, aber auch andere asiatische Länder, werden im Jahr 2021 hohes Wachstum aufweisen, nachdem sie schon 2020 relativ gut abschneiden konnten. Das ist auch an der Gewinnentwicklung der Unternehmen dieser Region abzulesen. Mit Verzögerung folgen nun auch die anderen Regionen und der erwartete globale Konjunkturaufschwung sollte weiter unterstützen. Die wirtschaftlich schwächer aufgestellten Regionen wie Lateinamerika und Südafrika könnten noch länger brauchen, um sich von der Krise zu erholen. Der Nahe Osten leidet an der Ölabhängigkeit und Emerging Europe muss sich weiter sektoral verbreitern, um die Dominanz von Rohstoff-, Energie- und Finanzunternehmen zu reduzieren.