Rentenmärkte uneinheitlich

Nachdem die Renditen an den Rentenmärkten weltweit in den ersten vier Monaten des Jahres im Gleichschritt nach oben marschiert sind, präsentierten sich Schuldtitel im Mai uneinheitlich, erklärt Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. In internationalen Märkten (z. B. USA, UK, Kanada, Australien) liegen die Renditen etwas niedriger als noch im April. In der Eurozone hingegen war eine Fortsetzung des Renditeaufwärtstrends zu beobachten. Davon waren sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen betroffen.

Weiterhin aufwärts gerichtet sind auch die Inflationserwartungen. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone muss man in die Jahre 2013/2014 zurück­ blicken, um Werte wie die aktuellen in der Historie wiederzufinden. Erfreulich war zuletzt die Entwicklung von Anleihen aus den Schwellenländern. Sowohl Titel in Hartwährung als auch jene in Lokalwährung verzeichneten Kursgewinne und liegen damit seit Jahresbeginn nur noch leicht im Minus.

Geld­/Kapitalmarkt: Inflation erregt Aufmerksamkeit

Das Thema Inflation ist nunmehr in der Mitte der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit angekommen. Große Zeitungsreportagen berichten von steigender Nachfrage, welche auf leere Lager und Lieferschwierigkeiten trifft. Dass infolgedessen in vielen Bereichen die Preise nach oben schießen, verstehen nicht nur studierte Volkswirte. Am Markt wird das Thema schon seit längerem gespielt.

Die gepreisten Inflationserwartungen steigen seit über einem Jahr. In der ersten Phase war das aber lediglich eine Normalisierung nach dem „Corona-Crash“. Zuletzt war jedoch eine regelrechte Beschleunigung zu beobachten, welche die Inflationserwartungen (Deutschland) über die 2018er Hochs gehievt hat. Grund zur Panik? Eher nicht. Viele der aktuell inflationstreibenden Faktoren werden sich normalisieren und in einem Jahr sind die Ungleichgewichte bereinigt. Dass wir aber in der Zwischenzeit noch die eine oder andere spektakuläre Inflationszahl sehen werden, ist trotzdem recht wahrscheinlich.

Staats­ und Unternehmensanleihen: Weitere Renditeanstiege wahrscheinlich

Der Ausblick für Staatsanleihen bleibt weiterhin schwierig, die Vorzeichen deuten auf weiter steigende Renditen. Zunächst ist hier die Konjunkturerholung zu nennen, die gerade in den nächsten Monaten ihre stärkste Dynamik entwickeln wird. Im nächsten Jahr werden sich die Wachstumsraten wieder auf ein „normales“ Niveau einpendeln.

Im Zusammenhang mit einer stärkeren Konjunktur wird in den nächsten Monaten auch die Inflation anspringen – auch nicht eben günstig für Anleihen. Schließlich sind aus einer vergleichenden Analyse heraus andere Marktsegmente (z. B. Aktien oder Rohstoffe) attraktiver, was zu entsprechenden Umschichtungen führen wird. Innerhalb der Anlagekategorie Anleihen sind inflationsindexierte Anleihen und Unternehmensan­ leihen nach wie vor zu bevorzugen. Steigende Inflationserwartungen einerseits und ein höherer laufender Ertrag andererseits sprechen für eine bessere Wertentwicklung dieser Segmente im Vergleich mit Staatsanleihen.

Emerging Markets: Anleihen attraktiv

In den ersten Monaten des Jahres konnten sich Emerging-Market-Anleihen nicht wesentlich von ihren Kollegen in den entwickelten Märkten emanzipieren. Der Trend zu steigenden Renditen – und damit zu negativen Wertentwicklungen – machte auch vor den Schwellenländern nicht halt. Zuletzt gab es jedoch ein kräftiges Lebenszeichen, insbesondere von den Hartwährungs­ anleihen. Der Ausblick ist positiv, die Einflussfaktoren legen eine Erholung dieser Anlagesegmente nahe. Eine Erholung der Weltkonjunktur sowie ein etwas schwächerer US-Dollar tun der Kategorie üblicherweise gut. Wenn die Renditen von US-Staatsanleihen weiter ansteigen, könnte sich dies allerdings als Bremsklotz herausstellen.


Die Einschätzungen von Raiffeisen Capital Management finden Sie links als PDF mit Grafiken.