Physikalische Risiken der Erderwärmung

von Stefanie Schock, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Im August 2021 veröffentlicht das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) den ersten Bericht der 6ten Berichtsreihe über globale Klimaveränderungen. Der Bericht stellt die physikalisch-wissenschaftliche Basis für alle Folgeberichte dar.

Das IPCC arbeitet im Rahmen der Vereinten Nationen, um Regierungen und Entscheidungsträgern regelmäßige Assessments zur Verfügung zu stellen die Auswirkungen, zukünftige Risiken aber auch Adaptierungsoptionen bezüglich der Klimaveränderungen, aufzeigen.

Dem Bericht liegen 234 Autoren aus 34 Ländern zugrunde, inhaltlich wurden rund 14.000 wissenschaftliche Publikationen sowie 78.000 Reviews/Kommentare miteinbezogen sowie 46 Länder, die die finale Version kommentieren durften.

Die Veränderung des Klimas ist menschengemacht

Eine der Kernaussagen des Berichts ist die wissenschaftliche Tatsache, dass anthropogener Einfluss die Atmosphäre, Landflächen aber auch Ozeane, seit 1750, erwärmt hat. Daraus resultieren weitläufige Veränderungen der Atmosphäre (Schutzhülle der Erde), der Kryosphäre (Eis und Schnee) sowie der Biosphäre (Gesamtheit der Lebewesen). Jedes der letzten vier Jahrzehnte war außerdem wärmer als irgendein davorliegendes Jahrzehnt, zwischen 1850 und heute. Der globale Anstieg der Durchschnittstemperatur seit 1850-1900 und 2011-2019 beträgt rund 1,1 Grad Celsius (ab hier mit Grad abgekürzt). Dabei betrug die Erwärmung aufgrund der bekannten Treibhausgase zwischen +1 und +2 Grad, andere menschliche Einflüsse wie Aerosole erzeugten wiederum eine Abkühlung zwischen 0 Grad und 0,8 Grad. Natürliche (nicht menschliche) Einflüsse waren für Veränderungen im Bereich zwischen -0,1 Grad und +0,1 Grad verantwortlich. Auch die interne Variabilität des Systems verursachte Einflüsse zwischen -0,2 Grad und +0,2 Grad. Mit großer Sicherheit wurde festgestellt, dass Treibhausgase für die Erwärmungen der Troposphäre seit 1979 verantwortlich sind und der Ozonabbau in der Stratosphäre zwischen 1979 und den mittleren 1990ern mit höchster Wahrscheinlichkeit für eine Abkühlung in der Stratosphäre, verantwortlich war.

Die Simulation der Entwicklung der Temperaturen aufgrund von natürlichen Begebenheiten (Sonne, Vulkane) steht jener, beobachteten gegenüber, die den menschlichen Einfluss berücksichtigt:

Globaler Temperaturanstieg 1850-2020 (Quelle: IPCC)

Hitzewellen und Trockenheit verstärken sich in Häufigkeit und Intensität

Hitzewellen, Niederschläge und die daraus resultierende Bodenfeuchte wurden im Bericht als relevante, physikalische Risiken herausgearbeitet. In allen untersuchten Szenarien (+1 oder +1,5, +2 und +4 Grad) ergibt sich, dass Landoberflächen global mehr von Hitze betroffen sind als Ozeane und sich Arktis und Antarktis schneller erwärmen als tropische Regionen. In höheren Gebieten ist außerdem mit vermehrten Niederschlägen zu rechnen sowie im äquatorialen Pazifik und in Monsun-Regionen. In den Subtropen und einigen tropischen Bereichen werden Niederschläge jedoch abnehmen. Auch der Grad der Bodenfeuchte folgt diesem Muster. Große Veränderungen sind außerdem bei der Häufigkeit von Extremwetterereignissen zu erwarten. Hitzewellen die in einer Welt ohne menschlichen Einfluss nur einmal alle 50 Jahre auftreten, wurden zwischen 1850-1900 nur einmal gemessen, im +1 Grad Szenario, in dem wir uns augenblicklich befinden, fast fünfmal so oft mit einer um 1,2 Grad höheren Intensität, im +2 Grad Szenario treten diese bereits 14 mal so oft auf und im +4 Grad Szenario wären diese Extreme fast 40 mal so oft zu erwarten mit einer um 5 Grad höheren Intensität, als noch zwischen 1850 und 1900.

Häufigkeit von extremen Hitzewellen in verschiedenen Erwärmungsszenarien (Quelle: IPCC)

Auch für Hitzewellen/Dürren, die die Agrarwirtschaft und Ökosysteme negativ beeinflussen ergibt sich ein ähnliches Bild. Diese konnten zwischen 1850 und 1900 einmal beobachtet werden, finden nun fast doppelt so oft statt und würden in einem +4 Grad Szenario viermal so oft auftreten.

Häufigkeit von Dürren die Landwirtschaft und Ökologie beeinträchtigen in verschiedenen Erwärmungsszenarien (Quelle: IPCC)

Temperaturen steigen in Europa stärker als der globale Schnitt

Nach den Ergebnissen des Berichts werden die Temperaturen in Europa mit einer Geschwindigkeit ansteigen, die über dem globalen Schnitt liegt. Hitzeextreme werden an Häufigkeit zunehmen und kritische Schwellwerte für Ökosysteme und anthropogene Systeme, werden überschritten werden. Die Häufigkeit von Kältewellen und Tagen mit Frost wird weiterhin abnehmen. Während in der nördlichen Hemisphäre in den Wintermonaten vermehrter Niederschlag zu erwarten ist, ist mit einem Rückgang der Niederschläge in den Sommern in der mediterranen Region, zu rechnen. Dadurch wird in ganz Europa, aber vor allem in mediterranen Regionen mit häufigeren Hitzewellen und Dürren zu rechnen sein bzw. mit trockenen Konditionen, die Flächenbrände begünstigen. Hochwässer und Überschwemmungen werden in Europa immer häufiger auftreten sowie ein Anstieg des Meeresspiegels mit Ausnahme in der baltischen Region. Damit zusammenhängend werden sich auch Küstenlinien verlagern. Wie schon in den vergangenen Jahren werden sich Gletscher und Permafrost weiter zurückziehen und weniger lange Perioden mit Schneebedeckung in höheren Gebieten, auftreten.

Veränderung von Tagen mit >35 Grad Temperaturen und Niederschlagsveränderungen in Europa 2041-2060 im Vergleich zu 1995-2014 (Quelle: IPCC)


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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