Aktienmärkte: Anhaltender Boom auch im August – Ausreißer China

In fast allen Aktienmärkten schlug der August als äußerst positiver Monat zu Buche – mit großteils noch höheren Monatszuwächsen als im Juli. Rund 3 % p.m. schaffte der globale Aktienmarkt, Osteuropa (inkl. ATX) lag mit 4-5 % sogar noch deutlich darüber. Die großen US-Indizes eilen damit schon seit rund einem Jahr von einem Allzeit-Hoch zum nächsten; aber auch in Europa erreichten viele Indizes im August neue Allzeit-Hochs (wie z. B. der DAX mit 16.000 Punkten). Die Gesamtperformance seit Jahresbeginn ist dementsprechend beeindruckend und liegt für viele dieser Indizes schon bei über 20 % – der ATX nach wie vor als Spitzenreiter auf unserer Liste, mit bereits über 30 %! Großer Ausreißer in dieser Erfolgsbilanz war einmal mehr China, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns: Die regulatorischen Eingriffe der chinesischen Behörden bei zahlreichen (insbesondere Internet-)Unternehmen befeuerten auch im August die Ängste der Investoren. Das brachte die Kurse dieser Unternehmen (zum Teil sehr hoch kapitalisierte Börsen-Schwergewichte) unter Druck und führte zu einem weiteren Monat mit starker Underperformance für den chinesischen Aktienmarkt (mit teilweise beträchtlichen Kurseinbrüchen bei den direkt betroffenen Unternehmen). Und das in einem Monat, in dem Asien und selbst Emerging Markets in Summe mit rund 3 % Monatsplus eigentlich glänzend performten.

Aktienmärkte: Kurzfristig ungemütlich, Trend bullish

Nach der schon beinahe linear steilen Aufwärtsphase an den Aktienmärkten seit Mai 2020 sollte man sich darauf einstellen, dass die nächste Marktphase zunehmend wieder zu einer „normalen“, weniger steilen Marktentwicklung zurückfinden dürfte. Zu der zwischendurch auch kleinere Korrekturen gehören. Potenzielle Auslöser dafür in den kommenden Monaten: zwischenzeitig schwächere Wirtschaftsdaten, die hohe Inflation (gepaart mit der Aussicht auf eine Reduktion der Anleihekäufe der US-Notenbank) oder politische Ereignisse. Wir nehmen entsprechend unsere starke Aktienübergewichtung (gegenüber Staatsanleihen) etwas zurück – auch um einen Teil der Gewinne nach dem ausgezeichneten Sommer ins Trockene zu bringen und Luft zu haben, etwaige Korrekturen wieder zum Aufstocken zu nutzen.

In Summe bleiben wir aber klar übergewichtet in Aktien und erwarten auf Jahressicht weitere respektable Kursanstiege: Das wirtschaftliche und geldpolitische Umfeld bleibt auch 2022 noch stark unterstützend für Unternehmensgewinne und Aktienmärkte. Angesichts des anhaltenden Wirtschaftsbooms und der mangelnden Anlagealternativen wäre es ein Fehler, sich jetzt aus dem Aktienmarkt zurückzuziehen.

Emerging Markets: Abverkauf in China zu Ende?

Auch im August wurde die Aktienmarktentwicklung in den Emerging Markets (EM) von den Turbulenzen an den chinesischen Börsen dominiert. Regionen wie Lateinamerika (und auch die Emerging Markets in Summe) schafften im Windschatten der boomenden etablierten Märkte jedoch trotz China ein kleines Monatsplus. Allerdings ist China in den meisten EM-Indizes aufgrund der hohen Marktkapitalisierung stark gewichtet, so dass die weitere Entwicklung in China für die relative Entwicklung des breiten EM-Segments entscheidend bleiben dürfte.

Wir haben den zweistelligen Kurseinbruch des chinesischen Aktienmarktes im Juli für eine neue China-Übergewichtung innerhalb der EM genutzt. Seither hat sich der Rückgang stark verlangsamt – mit Ende August notiert China aber noch einmal etwas schwächer. Grund genug, die Übergewichtung Chinas (samt Region, also auch Hongkong und Taiwan) noch einmal aufzustocken, da wir den Abverkauf in China nach wie vor für übertrieben erachten.