Wasserstoff in Japan: Anlagechance der Zukunft

Ein Weg zur Reduzierung von Treibhausgasen führt über Wasserstoff-Technologien. Auf diesem Gebiet bietet sich Japans Unternehmen eine goldene Zukunft, meint Shigeru Aoyagi, Japan Value Chief Portfolio Manager bei Nikko Asset Management:

Viele japanische Unternehmen verfügen über die notwendigen Technologien zur Nutzung von Wasserstoff. Allerdings fehlt es häufig noch an der konkreten Umsetzung und an notwendigen Datengrundlagen. Oder die Firmen stecken noch in der Versuchsphase und sehen daher noch keine positiven Auswirkungen auf ihre Gewinne.

Beispiel Kawasaki. Am ehesten bekannt für seine Industrieprodukte, vom Motorrad bis zum Schiff, hat Kawasaki Heavy Industries im 20. Jahrhundert zum Aufstieg Japans zur Industriemacht beigetragen. Inzwischen setzt das Unternehmen mit seinem Wasserstoff-Schwerpunkt voll auf das 21. Jahrhundert.

Kawasaki Heavy ist das einzige Unternehmen der Welt, das über Kerntechnologien für jeden Schritt entlang der Wasserstofflieferkette verfügt. Das Unternehmen ist in der Lage, den flüchtigen Brennstoff zu produzieren, zu lagern und zu transportieren und ihn dann zur Energieerzeugung zu nutzen. Nur wenige können die nötigen Technologien nachahmen. So hat Kawasaki Anfang 2021 das weltweit erste Tankschiff vorgestellt, das flüssigen Wasserstoff transportieren kann. Das Unternehmen strebt bis 2040 einen Nettoumsatz von 500 Mrd. Yen (fast 4 Mrd. Euro) im Wasserstoffsegment an.

Japans Ziel der CO2-Neutralität rückt Wasserstoff in den Fokus

Japan hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu sein. Wenn das Land seinen Energiemix umgestaltet und seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert und wenn die Atomkraft keine brauchbare Alternative mehr darstellt, dürfte Wasserstoff eine Schlüsselrolle zukommen.

Ein Zwischenziel der Regierung lautet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 46 % gegenüber dem Stand von 2013 zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, muss das Land in den kommenden Jahren seine Anstrengungen drastisch verstärken. Die beiden wichtigsten Stellschrauben sind: Energie einsparen und Alternativen zu fossilen Brennstoffen einführen. Energieeinsparung spielt vor allem bei der Stromgewinnung eine wichtige Rolle. Der Energiesektor ist aber nur für 36 % der japanischen CO2-Emissionen verantwortlich. Um die verbleibenden 64 % in den Griff zu bekommen, ist der Einsatz von alternativen Brennstoffen unumgänglich.

Die Atomenergie ist eine solche Alternative. Die Regierung dürfte jedoch auf Widerstand stoßen, wenn sie versucht, deren Nutzung auszuweiten. Zu präsent ist Fukushima 2011 noch im öffentlichen Gedächtnis. Da Japan nur wenige andere Möglichkeiten hat, wird das Land versuchen, seinen Energiebedarf mit Wasserstoff zu decken.

Wasserstoff kann aus Erdgas und Kohle hergestellt oder durch Elektrolyse aus Wasser gewonnen werden. Bei ersterem entsteht CO2, das in einem Prozess namens Carbon Capture and Storage (CCS) abgeschieden wird, während der Wasserstoff für die Nutzung extrahiert wird. Bei letzterem werden enorme Mengen an CO2-freiem Strom aus erneuerbaren Energiequellen, vor allem Sonnenenergie, verwendet. Da Japan weder über die erforderlichen natürlichen Ressourcen noch über den nötigen Platz verfügt, um riesige Solarparks für die Elektrolyse zu errichten, muss es Wasserstoff aus Australien und dem Nahen Osten beziehen, die über reichlich natürliche Ressourcen, Land und Sonnenlicht für Solarfarmen verfügen.

Ammoniak – der günstigere Übergang

Allerdings stellt der Transport von in Australien und im Nahen Osten hergestelltem Wasserstoff nach Japan eine große technologische Herausforderung dar, da Wasserstoff für den Transport durch Abkühlung auf -253 Grad Celsius von Gas in Flüssigkeit umgewandelt werden muss. Aus diesem Grund steht Ammoniak, das als Verbindung von Wasserstoff mit Stickstoff als Wasserstoffträger dienen kann, derzeit im Mittelpunkt des Interesses. Es verflüssigt sich schon bei -33 Grad Celsius und lässt sich daher viel einfacher lagern und transportieren. Außerdem ist es sehr weit verbreitet; die Infrastruktur zur Lagerung und zum Transport ist bereits vorhanden. Wir glauben daher, dass Ammoniak in großem Umfang als Alternative zu Wasserstoff verwendet werden wird, bis die Technologie und die Infrastruktur für den effektiven Transport von Wasserstoff entwickelt sind.

Damit sich Wasserstoff als Energiequelle durchsetzt, müssen die mit ihm verbundenen Kosten gesenkt werden. Derzeit sind die Kosten für die Stromerzeugung mit Wasserstoff mehr als viermal so hoch wie die mit Ammoniak. Zunächst wird die japanische Öffentlichkeit einen Teil der Last durch höhere Steuern und Stromrechnungen vermutlich tragen müssen.

Fazit aus Anlegersicht

Die Einführung von Wasserstoff steht noch am Anfang. Sie bietet aber Potenzial für Unternehmen, die die richtigen Lösungen parat haben oder entwickeln. Diese Unternehmen und ihre Technologien müssen vom Markt größtenteils erst noch entdeckt werden. Wir möchten als Value-Anleger solche Unternehmen identifizieren, bevor sich ihre Stärken und ihr Know-how in ihren Aktienkursen niederschlagen.


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* Assets under Management und Beratung von Nikko Asset Management einschließlich Tochtergesellschaften zum 30. Juni 2021.
** Stand 30. Juni 2021 einschließlich aller Mitarbeiter von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften.