Rentenmärkte legen Rückwärtsgang ein

Wie gewonnen, so zerronnen: Der kräftige Renditerückgang von Mai bis Anfang August wurde an den wichtigsten Anleihemärkten im September großteils ausgeglichen, der Kurszuwachs der Vormonate damit fast vollständig abgegeben. Als Gründe würden wir – neben anhaltend starker Konjunktur – die Angst vor weniger expansiven Notenbanken und einen im September stark gestiegenen Ölpreis ausmachen, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Letzterer könnte die jüngste Inflationsspitze noch etwas verlängern.

Auf den Rentenmärkten sorgte das im September für drastische Monatsrückgänge: Von rund 4 % Minus im Vereinigten Königreich, über rund 1,4 % Minus in Deutschland, bis zu -0,7 % bei Euro-Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Nur bei Unternehmensanleihen mit schlechterer Bonität (High Yield) war der Puffer hoher Renditeaufschläge groß genug, um auf Monatssicht noch eine rote Null zu erwirtschaften. Auf Lokalwährungsbasis galt das auch für US-Dollar-Anleihen; der aufwertende US-Dollar verbesserte aber die entsprechende Performance für Euro-Investoren, so dass auf Eurobasis bei US-Dollar-High-Yield sogar rund 2 % Monatsertrag übrig blieb – und ein deutliches Plus auch in den übrigen US-Dollar-Anleihesegmenten.

Notenbanken: US-Notenbank bewegt sich

Der starke Anstieg der Anleiherenditen kam wohl nicht von ungefähr – die Rhetorik der Notenbanken hat sich zuletzt deutlich weniger expansiv gestaltet. Die US-Notenbank stellte in Aussicht, dass die schrittweise Reduktion des Anleihekaufprogramms bereits Anfang November offiziell verkündet werden könnte (wenn keine schlechteren Arbeitsmarktdaten dazwischenkommen), spätestens aber Anfang 2022.

Zur Jahreswende 22/23 rechnet die US-Notenbank dann bereits mit ersten Zinsanhebungen. Norwegen ist da schon weiter (erste Zinsanhebung im September erfolgt) und auch das Vereinigte Königreich könnte Anfang 2022 bereits mit Zinsanhebungen starten. Für die Eurozone ist nichts dergleichen in Sicht: Da allgemein (von EZB und Analysten) erwartet wird, dass die Inflation (aktuell bei gut 3 % p.a., die nächsten Monate durchaus noch deutlich höher) 2022 wieder unter 2 % fällt, wird derzeit eine erste EZB-Zinsanhebung nicht vor 2024 gesehen.

Staats- und Unternehmensanleihen: Weiterhin Spread vor Duration

Wie erwartet entwickelte sich im jüngsten Anstieg der Anleiherenditen (und trotz kleinerer Korrekturen am Aktienmarkt) die Performance der Unternehmensanleihen deutlich besser als die der Staatsanleihen. Bei Staatsanleihen erwarten wir mittelfristig weiter steigende Anleiherenditen und damit weiter fallende Kurse (was bei Euro-Anleihen den schädlichen Effekt der negativen Renditen noch potenziert).

Unternehmensanleihen sehen wir durch den guten Konjunkturausblick und das komfortable Finanzierungsumfeld weiterhin gut unterstützt. Insofern bleibt unsere Ausrichtung innerhalb des Anleihesegments unverändert: Wir bleiben klar übergewichtet in Unternehmensanleihen (insbesondere Euro-Investment-Grade und US-Dollar-High-Yield) und untergewichtet in Staatsanleihen (global und Eurozone). Auch Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern behalten wir angesichts ihres attraktiven Renditeaufschlags weiterhin übergewichtet gegenüber Staatsanleihen der etablierten Märkte.


Weitere Details finden Sie in der Oktober-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".