Unternehmensstimmen zum Thema "Erneuerbare Energien"

von Herbert Perus, Fondsmanagement – Corporate Responsibility bei der Raiffeisen KAG.

Zu den Engagement-Aktivitäten des Fondsmanagements von Raiffeisen Capital Management gehört auch der Dialog mit einigen der größten und für uns interessantesten börsennotierten Unternehmen, diesmal zum Thema erneuerbare Energien. Dabei wurden folgende Fragen gestellt - mit ausgewählten Unternehmensstimmen und Antworten zu den Fragestellungen:

Von welchen zukünftigen Energiepreisen gehen Sie in Ihren Planungen für kommende Projekte aus? Wie wird Ihrer Meinung nach der Energiemarkt der Zukunft generell aussehen?

First Solar, USA (Solarenergie): Das amerikanische Solarunternehmen First Solar ist für die Entwicklung der zukünftigen Energiepreise sehr zuversichtlich und geht davon aus, dass die Stromgestehungskosten von nicht subventionierter Solarenergie im Vergleich zu konventioneller Stromerzeugung, einschließlich Kohle, Kernkraft, Erdgas-Spitzenlastkraftwerken und sogar Windenergie, niedriger sein werden. Außerdem sieht das Solarunternehmen ein erhebliches Wachstumspotenzial bei der weltweiten Installation von Photovoltaik-Kapazitäten. Zusätzlich zu diesem Wachstumspotenzial erhofft sich First Solar möglicheVorteile durch die Dekarbonisierungsziele der US-Regierung.

Was ist aus Ihrer Sicht die richtige Kapitalstruktur eines Projekts im Bereich der erneuerbaren Energien und verändert sich diese Struktur im Laufe des Projekts?

National Grid, UK (Versorger): Bei dem Unternehmen National Grid werden Projekte in der Entwicklungsphase vom Projektentwickler finanziert. Das Unternehmen berichtet, dass beispielsweise bei Baubeginn in den USA eine Kapitalbeteiligung (Equity) vereinbart wird, die einen wesentlichen Teil der dauerhaften Kapitalstruktur ausmacht. Bei diesen typischen Tax-Equity-Partnerschaften gehen die Projekte (beispielsweise bei Windkraftanlagen) spätestens nach zwölf Jahren in den vollständigen Besitz des Equity-Sponsors über.

Wie hoch schätzen Sie die Auswirkungen und Risiken von Engpässen und/oder steigenden Kosten in der Lieferkette? Ist das ein kurzfristiges Phänomen oder sehen Sie langfristige Auswirkungen auf Ihr Geschäft?

Falck Renewables, Italien (Windenergie): Die Ereignisse im Suezkanal Anfang des Jahres haben die Bedeutung und den Einfluss von Lieferengpässen erstmals praktisch vor Augen geführt. Doch nicht nur die Havarie des Schiffes „Ever Given“ hat globale wirtschaftliche Folgen mit sich gezogen, auch der eingeschränkte Flugverkehr, Hafenschließungen im asiatischen Raum und die daraufhin steigenden Rohstoffpreise betreffen Unternehmen weltweit. Alle kontaktierten Stromerzeuger sind von den Engpässen und verteuerten Rohstoffen betroffen. Dennoch herrscht große Zuversicht, dass die Situation nächstes Jahr bewältigt ist. Beispielsweise erwartet das italienische Unternehmen Falck Renewables einen Rückgang der Rohstoffkosten im ersten Quartal des nächsten Jahres. Um diese Probleme zukünftig in den Griff zu bekommen, ist eine der Strategien des Unternehmens, auf die lang aufgebauten Beziehungen mit seinen Lieferanten zu setzen, um so Lieferschwierigkeiten oder gar Ausfälle zu vermeiden.

Aus unserer Sicht kann es durch den Eintritt vieler großer Energiegesellschaften in den Bereich der erneuerbaren Energien zu einem Druck auf die Gewinnmargen kommen. Wie hoch sehen Sie dieses Risiko?

Aker Offshore Wind, Norwegen (Windenergie): Für Aker Offshore Wind kann der Eintritt neuer kapitalstarker Konkurrenz zu Herausforderungen führen, doch mit seiner führenden Technologie im Offshore-Windgeschäft ist das Unternehmen zuversichtlich, sich auch gegen diese neuen Marktteilnehmer durchsetzen zu können. Besonders in der südlichen Hemisphäre sieht das Unternehmen Chancen, denn globale Riesen fokussieren sich primär auf die Märkte USA und UK.

Was kann Ihr Unternehmen positiv zum SDG 11* beitragen? Haben Sie spezifische Ziele in diesem Bereich?

Azure Power, Indien (Solarenergie): Für den indischen Solarpanele-Hersteller Azure Power spielt SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) eine wesentliche Rolle, denn mit seinen Solarpanelen auf den Dächern der Stationen versorgt das Unternehmen die U-Bahn der 19-Millionen-Einwohnermetropole Delhi mit Energie. Das Unternehmen hat Pläne, die innerstädtische Solarversorgung auf den Dächern von Delhi auszubauen, der ansonsten benötigte Strom wird von Solarparks außerhalb der Metropole in der Peripherie erzeugt. Außerdem liefert Azure Power den Strom für weitere Schienennetze und dieWasserversorgung in Delhi.

Welche Investitionen sind in Ihrem Unternehmen geplant oder werden aktuell umgesetzt, um Treibhausgasemissionen zu verringern? Wie messen Sie den Erfolg dieser Maßnahmen?

Aker Offshore Wind, Norwegen (Windenergie): Bei der Errichtung neuer Projekte muss leider oft auf sehr CO2-intensive Rohstoffe zurückgegriffen werden. Eine Möglichkeit, mit diesem Problem umzugehen, ist beispielsweise, Windkraftwerksflügel wiederverwertbar zu machen, wie es das norwegische Unternehmen Aker Offshore Wind bereits umsetzt. Außerdem wird bei den Windparks von Aker Offshore Wind der Stahlverbrauch möglichst gering gehalten und auf nachhaltigere Baustoffe gesetzt. Bei der Kohlenstoffabscheidung wird auf die Expertise innerhalb der Aker Group zurückgegriffen, ganz besonders auf Aker Carbon Capture, ein Unternehmen, das seit 20 Jahren Erfahrung in diesem Bereich besitzt.

Der Umweltaspekt (E) der ESG-Dimensionen spielt bei Ihrem Unternehmen eine sehr große Rolle.Was sind darüber hinaus wichtige Maßnahmen in den Bereichen S (Soziales) und G (Governance/Unternehmensführung) in Ihrem Unternehmen?

Ormat, Israel (Geothermalenergie): Für das israelische Unternehmen Ormat ist Transparenz nicht nur ein Teil der sauberen Unternehmensführung, sondern auch ein wichtiger Teil des finanziellen Erfolgs. Durch Transparenz in den Prozessen will Ormat Möglichkeiten für neue Projekte und Engagement schaffen, außerdem bekennt sich Ormat zu einer sehr engen Kommunikation mit seinen Stakeholdern.


* Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen; SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden

Die vollständige Ausgabe 33 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.