Nach dem IPO-Rekordjahr 2021: Die vielversprechendsten Börsendebüts für das kommende Jahr

Das Jahr 2021 neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu – und hat in Sachen IPO bereits jetzt alle Rekorde gebrochen. Nie zuvor gingen mehr Unternehmen an die Börse, nie wurden dabei mehr Gelder eingesammelt. Vielversprechende und auch durchaus erfolgreiche Börsengänge, wie die von Elektroautobauer Rivian oder dem Finanztechnologieunternehmen Affirm steigerten den Gesamtwert der diesjährigen US-Börsengänge auf mehr als eine Billion US-Dollar. Welche IPOs und Aktien man im kommenden Jahr 2022 im Auge behalten sollte, weiß die Investmentgesellschaft Freedom Finance.

Ob Robinhood, Coinbase oder Bumble: Im Jahr 2021 hatten so einige Unternehmen ihre vielerwarteten Börsengänge. Nicht alle waren so erfolgreich, wie der erst im November über die Bühne gegangene IPO von Rivian, der mit einer Bewertung von 100 Milliarden Dollar am ersten Handelstag zum größten Börsengang des Jahres wurde. Damit ist Rivian bereits jetzt hinter Tesla der zweitwertvollste US-Automobilhersteller – noch vor renommierten Unternehmen, wie Ford oder General Motors. Der Elektroautobauer hat damit erheblichen Anteil daran, dass der Marktwert der diesjährigen Börsendebütanten bei mehr als einer Billion Dollar liegt. Dmitry Ivanov, Deutschland-Chef bei der Investmentgesellschaft Freedom Finance, betont: „Das Jahr 2021 ist ein wahres Rekordjahr, was IPOs betrifft. Noch nie zuvor gingen so viele Unternehmen an die Börse, wie dieses Jahr und auch das dabei eingesammelte Kapital war noch nie höher.“ Die größte Rendite konnten Anleger bei dem eingangs erwähnten Unternehmen Affirm erzielen, dessen Aktienpreis im Vergleich zum Emissionspreis um knapp 210 Prozent stieg. „Auch Doximity, eine Online-Plattform für Ärzte, oder TaskUs, die Outsourcing-Dienstleistungen für schnell wachsende Technologieunternehmen anbieten, sind im Vergleich zu ihrem Startpreis bereits um 195 bzw. 178 Prozent gestiegen“, zeigt Ivanov weitere gelungene Börsendebüts auf. Auch im Jahr 2022 stehen wieder einige aussichtsreiche Börsengänge an, von denen sich Investoren ähnlich erfolgreiche Rendite versprechen.

Technologieunternehmen im Fokus

Glaubt man einem Bericht von Ernst & Young (EY), so stieg die Zahl der Börsengänge im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent, während das Emissionsvolumen gleichzeitig um 11 Prozent zunahm. Am stärksten fiel das Wachstum in Europa aus, wo sich die IPO-Anzahl sogar mehr als verdoppelt hat und das Emissionsvolumen um 83 Prozent anstieg. Dominiert wurden die Börsengänge in den letzten Monaten vor allem von Unternehmen aus dem Technologiesektor: „Seit Jahresbeginn gingen bereits mehr als 400 Technologieunternehmen an die Börse und auch für das kommende Jahr werden einige vielversprechende IPOs aus diesem Bereich erwartet“, so Ivanov. Experten rechnen unter anderem mit einem Börsengang des FinTechs Stripe, einer digitalen Zahlungsplattform, die bereits in mehr als 120 Ländern genutzt wird. „Laut Bloomberg befindet sich Stripe bereits in Gesprächen mit Investmentbanken für einen möglichen Börsengang im Jahr 2022. Dadurch, dass das Unternehmen zuletzt bereits mit 100 Milliarden Dollar bewertet wurde, könnte dieser IPO eines der größten Angebote überhaupt werden.“, erklärt der Börsen-Experte.

Zahlreiche vielversprechende Börsendebütanten

Mit der vollständig mobilen Bankplattform Chime steht ein weiterer Vertreter aus dem FinTech-Bereich vor seinem Wall-Street-Debüt. Der IPO des Unternehmens, das zahlreiche Dienstleistungen traditioneller Banken anbietet, ohne dabei physische Standorte zu führen, wird für März 2022 vermutet und soll zwischen 35 und 45 Milliarden US-Dollar einbringen. Verheißungsvoll ist zudem der erwartete IPO des Startups Databrics, das Software zur schnellen Verarbeitung großer Datenmengen und deren Aufbereitung für Analysen entwickelt hat. „Databrics hat bereits jetzt einen Stamm von über 5000 Kunden und zählt unter anderem Microsoft und Amazon zu seinen Investoren“, beschreibt Ivanov. Nach Angaben der Business Times könnte die Bewertung beim Börsengang zwischen 35 und 50 Milliarden Dollar liegen. Mit Instacart strebt außerdem einer der beliebtesten Lebensmittellieferdienste Nordamerikas an die Börse, der für etwa 85 Prozent der Haushalte in den USA und 80 Prozent in Kanada verfügbar ist. „Instacart hat ein komplexes Logistiksystem aufgebaut, das Vereinbarungen mit mehr als 400 Einzelhändlern umfasst, die wiederum mehr als 30.000 Geschäfte beliefern“, erläutert Ivanov. Zuletzt wurde das Unternehmen bereits mit 39 Milliarden Dollar bewertet, beim Börsengang könnten es sogar bis zu 50 Milliarden werden.

Altbewährt statt überholt

Neben Börsendebütanten können allerdings auch altbewährte Aktien von Unternehmen, die bereits länger an der Börse gelistet sind, gute Rendite bringen. „Die Aktie von Alphabet, dem Mutterkonzern von Google, stieg 2021 beispielsweise um mehr als 72 Prozent. Und auch die Tesla-Aktie wuchs seit Beginn des Jahres um knappe 56 Prozent“, nennt Ivanov einige Beispiele. Für das kommende Jahr empfiehlt Ivanov die Aktie von Meta Platforms, dem Mutterkonzern von Facebook, im Auge zu behalten. „Das digitale Werbegeschäft von Facebook wächst weiterhin stetig und das Portfolio von Meta bietet langfristig ein enormes Wachstumspotenzial“, so der Experte. Aufgrund des hervorragenden Geschäfts und der hohen Marktkapitalisierung ist zudem die Alibaba-Aktie stets interessant, wenngleich das größte Risiko von den chinesischen Regulierungsbehörden ausgeht. „Die Marktkapitalisierung von Alibaba ist gegenüber seinem Höchststand im vierten Quartal 2020 um mehr als 50 Prozent gesunken, obwohl sich im Unternehmen nichts grundlegend verschlechtert hat“, weiß Ivanov. Durch die Aktivitäten der chinesischen Behörden ergibt sich für Investoren zwar ein erhöhtes Risiko, aktuell aber auch ein verhältnismäßig günstiger Preis. Fallen die regulatorischen Hürden im nächsten Jahr weg, könnte die Alibaba-Aktie durchaus wieder steigen.


Freedom Finance ist eine internationale und international geprüfte Investmentgesellschaft mit mehr als 330.000 Kunden. Freedom Finance ist Teil der amerikanischen Freedom Holding Corp. mit einer Kapitalisierung von über 3,8 Mrd. USD. Sie beschäftigt weltweit über 2.500 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in sieben Ländern. Die Freedom Holding Corp. ist als einziger europäischer Broker an der NASDAQ, einer führenden US-Börse, gelistet. Freedom Finance bietet direkten Zugang zum Handel an den größten Börsenplätzen: an amerikanischen, europäischen und asiatischen Märkten.

„Die Blockchain kann unser Leben in vielen Bereichen revolutionieren – und tut das schon“

Die Corona-Krise hat die digitale Transformation weltweit vorangetrieben. Insbesondere die Blockchain-Technologie erweist sich als möglicher digitaler Katalysator. Beim 190. Hedgework haben Axel Daffner und Christoph Hembacher, die den ART Transformer Equities Fund managen, das Potenzial aufgedeckt, das mit Blockchain-Investments verbunden ist.

Hedgework: Herr Daffner, Herr Hembacher, Sie sagen, die Blockchain werde unser Leben revolutionieren. Können Sie erklären, was Sie damit meinen?

Axel Daffner: Blockchain hat das Potential, Grundsätze unserer Gesellschaft zu verändern – keine andere technologische Entwicklung der letzten Jahre übt derzeit aktiv so viel Druck auf die Zentralbanken, die mächtigsten Institutionen der Welt, aus, wie die Blockchain und deren Anwendungsfall Kryptowährung. Künstliche Intelligenz, Virtual Reality und Machine Learning werden sicherlich auch unseren Arbeitsalltag verändern und auch erleichtern, aber nicht unser soziales Gesellschaftsgefüge verändern. Die Blockchain kann unser Leben in vielen Bereichen revolutionieren – und tut das schon.

Hedgework: Und woraus ergeben sich die angedeuteten attraktiven Investmentchancen?

Daffner: Die Blockchain hat weltweit über 85.000 Anwendungen, über alle Branchen und über alle Ländergrenzen hinweg. Sie wird laut der Gartner Group bis 2030 einen geschäftlichen Mehrwert von über 3,1 Billionen USD generieren.

Christoph Hembacher: Unternehmen können nicht mehr lokal arbeiten, sondern sind immer ein Teil der internationalen Wertschöpfungskette. Die Pandemie hat uns stärker in die digitale Welt bewegt als jede politische Initiative und damit das Geschäftsleben nachhaltig verändert. Die Blockchain-Technologie ermöglicht allen Beteiligten, jeder Transaktion im digitalen Raum mathematisch eindeutig zu vertrauen. Unternehmen, die sich der Blockchain-Technologie widmen und diese anwenden, erzielen durch Kosteneinsparungen und Umsatzsteigerungen einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Hedgework: Sie konzentrieren sich mit dem ART Transformer Equities Fonds demnach exakt auf das Thema Blockchain. Welche Investments suchen Sie?

Daffner: Als unabhängige Vermögensverwalter haben wir im Jahr 2016 nach investierbaren Möglichkeiten für unsere Kunden gesucht, die nicht nur das Thema Kryptowährungen berücksichtigen, sondern die zugrunde liegende Technologie. Kryptowährungen alleine wären für unsere Kundenportfolios zu volatil bzw. zu riskant und aufsichtsrechtlich gar nicht möglich. Da uns die Technologie von Anfang an fasziniert hat, haben wir beschlossen, das Wertschöpfungspotenzial der Blockchain über Aktien von Unternehmen abzubilden und einen globalen Aktienfonds mit diesem Themenschwerpunkt aufzulegen.

Hedgework: Wie groß ist das Anlageuniversum?

Hembacher: Als globaler Aktienfonds arbeiten wir mit einem proprietären Wertpapieruniversum von derzeit etwa 420 Unternehmen, die alle bereits Blockchain-Anwender oder Dienstleister bzw. Hardware-Anbieter im Blockchain-Ökosystem sind.

Hedgework: Sind das überwiegend Small Caps?

Daffner: Derzeit sind wir in 80 Unternehmen mit unserem Fonds investiert. Die durchschnittliche Marktkapitalisierung liegt bei ca. 172 Milliarden Euro.

Hembacher: Das Portfolio besteht aus sogenannten Venture-Unternehmen, also börsennotierten Jungunternehmen, Growth-Unternehmen – mit Track Record und weiterem Wachstumspotenzial – sowie aus etablierten Value-Unternehmen. Venture-Unternehmen bieten neue Produkte & Services im Rahmen der Blockchain-Technologie an, womit ihre USPs direkt auf dieser Technologie basieren. Growth-Unternehmen wiederum müssen sich in Wachstumsmärkten gegenüber Wettbewerbern um Marktanteile beweisen. Und bei den Value-Unternehmen schließlich handelt es sich unter anderem um Marktführer in bestehenden Märkten, die die Blockchain-Technologie einsetzen, um sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Mitbewerbern zu verschaffen.

Hedgework: Wie genau finden Sie Ihre Blockchain-Favoriten?

Daffner: Durch sehr viel Recherchearbeit. Das ist ja genau das Phänomen und einzigartige an der Blockchain-Technologie – die Entstehung und bisherige Entwicklung findet dezentral, abseits der bekannten Konzernstrukturen statt. Viele Unternehmen laufen der Technologie inzwischen hinterher. Dementsprechend finden Sie die wichtige Information zu den größten Blockchains, deren Funktion, sogar deren Source Codes öffentlich und kostenlos. Sie können jederzeit den Bitcoin Source Code umändern und Vorschläge machen. Wenn sich genügend Interessenten finden, können Sie das nächste Bitcoin update entwerfen. Das kommt einer Währungsreform aus dem Keller gleich.

Hedgework: Welches Potenzial messen Sie Ihren Investments bei?

Daffner: Wie uns der Corona-Crash im vergangenen Jahr gezeigt hat, haben sich die Aktien von Unternehmen, die unser Leben stärker digitalisieren, deutlich schneller von den Kursrückgängen erholt und relativ schnell neue Höchststände markiert. Digitalisierung ist somit kein Trend, sondern unsere Zukunft. Jede einzelne Technologie durchläuft einen Adoptionszyklus bis zu seiner Obsoleszenz. Die Erfindung des Buchdrucks war einst auch eine Revolution und jetzt können wir Druckerpressen im Museum bewundern. Derzeit beginnen wir jedoch jedes Gespräch noch mit einer Definition der Blockchain-Technologie und können uns so auch sicher sein, erst am Anfang des Adoptionszyklusses zu stehen.

Hedgework: Wie ist der Fonds bislang gelaufen?

Hembacher: Wir können uns bisher über eine Rendite von über 25 Prozent p.a. freuen, die unser anvisiertes Ziel bei Auflage von sechs Prozent Rendite p.a. deutlich übertrifft.

Daffner: Rückenwind hat uns sicherlich die Digitalisierungswelle auf Grund der Corona-Pandemie beschert. Wer hätte 2019 mit den Begriffen Lock-down oder Homeoffice besonders viel anfangen können – und plötzlich war das innerhalb kürzester Zeit in aller Munde. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass höhere Volatilitäten an Kapitalmärkten herrschen werden, weshalb die derzeitigen Unternehmensbewertungen mit herkömmlichen Maßstäben nicht mehr nachvollziehbar sind.

Hedgework: Was erwarten Sie sich vom kommenden Jahr?

Daffner: Corona wird uns wohl länger verfolgen als zunächst angenommen – hier liegt aber für viele Unternehmen und unsere Gesellschaft insgesamt auch eine unglaubliche Chance! Die ganze Welt spürt das Bedürfnis, flexibler zu werden und sämtliche Regeln bspw. im Bereich Klimaschutz, Pandemiebekämpfung und sozialer Gerechtigkeit zu ändern. Hierfür bedarf es technischer Systeme, um solche Entwicklungen zu unterstützen. Unternehmen, die diese Entwicklung vorantreiben, wie die MANGA-Unternehmen es in der Vergangenheit bewiesen haben, sind Unternehmen, die gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben – und das sind die Outperformer an der Börse.

Hedgework: Welche Sicherheitsnetze sind für den Fall der Fälle in die Anlagestrategie eingezogen?

Hembacher: Wir fahren mit unserem Fonds keine Absicherungsstrategie über Optionen oder Futures. Der Corona-Crash im letzten Jahr hat Absicherungsstrategien auch grundsätzlich in Frage gestellt. Unser fundamentales Research und die Diversifikation – keine Aktie wird über fünf Prozent gewichtet – haben uns bisher Recht gegeben und sind bei thematischen Investments das beste Sicherheitsnetz.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Hedgework.

Axel Daffner ist Vermögensverwalter und geschäftsführender Gesellschafter der Pegasos Capital GmbH mit Sitz in München. Bevor er im Jahre 2012 zu Pegasos Capital stieß, war der diplomierte Betriebswirt nach seinem Abschluss zunächst als Unternehmensberater und anschließend als Portfoliomanager für eine ebenfalls in München ansässige Vermögensverwaltung tätig.

Christoph Hembacher ist Geschäftsführer der Schleber Finanz-Consult GmbH. Der studierte Mathematiker war zuvor Analyst bei Merrill Lynch Pierce Fenner & Smith sowie Portfolio Manager bei ABN AMRO Asset Management.

Der ART Transformer Equities Fund ist ein globaler Aktienfonds mit Investmentfokus auf die Blockchain-Technologie und einem ausgewogenem Portfolioansatz, in dem er in die Profiteure der Digitalisierung, bei denen die Blockchain-Technologie Bestandteil ihrer Wertschöpfungskette ist, investiert. Der Fonds wurde am 1. Mai 2019 aufgelegt und hat seither einen jährlichen Wertzuwachs von 25,7 Prozent erzielt (per 30.09.2021). Das Fondsvolumen beträgt inzwischen rund 50 Millionen Euro.

Geldpolitische Normalisierung und Omikron-Variante dämpfen Wachstums- und Inflationserwartungen

von Martin Roßner, Gründer und Geschäftsführer von ThirdYear Capital.

Seit beinahe zwei Jahren beeinflusst die Pandemie bereits Volkswirtschaften und Finanzmärkte. Während dieser Zeit haben Infektionswellen das Wachstum mehrmals negativ beeinflusst. Vor allem der Dienstleistungssektor leistet – aufgrund der geringen Mobilität – einen weit unterdurchschnittlichen Wachstumsbeitrag. Zusätzlich verhindern aber auch ausbleibende Unternehmensinvestitionen in Covid-sensitiven Sektoren, wie bspw. den gewerblichen Immobilien, einen nachhaltigen zyklischen Fortschritt. Wie die Pandemiewellen das Wachstum negativ beeinflussen, zeigt ein Blick auf die Entwicklung des Ölpreises, der als Indikator für Wachstum und Inflation gilt.

Aus genannten Gründen hängt das Wachstum während der Pandemie damit ungewöhnlich stark von der politischen Unterstützung ab. Das Auftreten der neuen Omikron-Variante könnte insbesondere ein Risiko für Wachstum darstellen, weil die Fed die Geldpolitik vermehrt auf hohe Inflationsraten ausrichtet. Zero-Covid-Politik in Teilen Asiens und neue Mobilitätseinschränkungen in Europa bedeuten, dass die Weltkonjunktur derzeit besonders stark von U.S.-amerikanischem Wachstum abhängt.

Ein Investmentportfolio sollte deswegen auf Wachstumseinbrüche über die Regionen hinweg vorbereitet sein. Die im ART Global Macro Fonds umgesetzte Strategie vermeidet deswegen Investments in besonders spekulativen und wachstumsgetriebenen Märkten. Das Portfolio kombiniert stattdessen Aktienmärkte mit defensiven Staatsanleihen in ausgewählten europäischen und asiatischen Ländern, in denen das Inflationsrisiko begrenzt ist.


Lesen Sie hierzu außerdem das aktuelle Research von ThirdYear Capital: Research 12/2021

In unserem aktuellen „Fonds im Fokus“ finden Sie zusätzlich passend zur Marktphase unsere Fondsempfehlungen mit allen relevanten Kennzahlen auf einen Blick: Fonds im Fokus - Ultimo 11/2021 + Research 12/2021

AGATHON Capital

Die AGATHON CAPITAL GmbH ist ein Spezialist für innovative und nachhaltige Fondsstrategien. Mit einem betreuten Volumen von über 1,8 Mrd. Euro gilt AGATHON seit mehr als 10 Jahren als unabhängiger und verlässlicher Partner für liquide Finanzprodukte im Bereich Spezial- und Publikumsfonds.
Das altgriechische Wort „agathon“ steht für „das Gute, das Nützliche“. Der Name ist zugleich Verpflichtung. Als Bindeglied hilft AGATHON institutionellen und semi-institutionellen Investoren Renditen zu sichern, Risiken zu steuern und mit innovativen Fondslösungen die Kapitalanlage zu diversifizieren. AGATHON bündelt finanzwissenschaftliches Know-how mit leistungsstarken Produkten ihrer Fondspartner und legt so die Grundlage für ein umfassendes Leistungsspektrum mit bestmöglicher Performance für ihre Kunden. Seit 2016 ist AGATHON Fondsinitiator der ART Fonds-Familie. Ziel ist es, spezialisierte Asset Manager zu finden und zu entwickeln, die in jedem Börsenzyklus eine attraktive Rendite generieren können. Im Rahmen des Core-Satellite-Ansatzes erhalten somit professionelle Investoren maßgeschneiderte Satelliten-Lösungen.
Weitere Informationen unter www.agathon-capital.de

Martin Roßner / ThirdYear Capital

Martin Roßner ist seit März 2015 Gründer und Geschäftsführer von ThirdYear Capital. Zuvor sammelte er über 8 Jahre Erfahrung bei der Man Group in verschiedenen Bereichen wie Global-Macro-Research, Risikomanagement und Asset Allokation. Er ist Träger eines Master-Abschlusses in Quantitative Economics der Universität St. Gallen und hat zahlreiche Weiterbildungsexamen wie CFA, CAIA und FRM bestanden.
Die Third Year GmbH ist bankenunabhängiger Anbieter „quantamentaler“ Makro-Strategie und Absoluter Returns mit Sitz in München. Das Team vereint langjährige Global Macro-Research und Investment Erfahrung bei einem führenden alternativen Asset Manager mit akademischer Präzision. Die Firma nutzt Daten und Technologien, um ein tiefes Verständnis der Volkswirtschaft systematisch und in Echtzeit auf liquide Anlageklassen anzuwenden. Das Unternehmen begann im Jahr 2015 mit der Strategie-Entwicklung und der Publikation ökonomischer Analysen. Seit August 2020 wird die Strategie systematisch im ART Global Macro (UCITS) Fonds angewendet und stetig optimiert.
Weitere Informationen unter www.third-year.com

Omikron bis Omega

Wird Omikron die letzte dominante Corona-Variante sein, oder ist sie das überhaupt, wir wissen es nicht. Ob die Impfungen hier funktionieren oder angepasst werden müssen, wird sich noch herausstellen. Und wie weit wir im griechischen Alphabet noch kommen werden, getrauen sich wohl selbst die Experten nicht zu prognostizieren.

Am Ende eines extrem starken Aktienjahres führen diese offenen Fragen verständlicherweise zu Verunsicherung unter den Anlegern, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Statt der üblicherweise positiven Saisonalität befinden wir uns an den Aktienmärkten nun unvermittelt im Korrekturmodus. Und nach einem derart ausgeprägten Anspringen der Volatilität dauert es in der Regel zumindest mehrere Wochen, bis sich die Märkte wieder beruhigt haben. Was uns zum Ausblick 2022 bringt.

Dieser fällt für die Aktienmärkte positiv aus. Auch wenn die aktuellen Erwartungen hinsichtlich Wirtschaftswachstum Omikron-bedingt etwas nach unten revidiert werden, sollte sich die Konjunkturerholung fortsetzen. Davon werden die Unternehmen profitieren und ihre Erträge steigern können. Gleichzeitig werden die Notenbanken ungeachtet hoher Inflationsraten die geldpolitischen Zügel nur langsam anziehen. Die Renditen an vielen Anleihemärkten könnten moderat steigen. Interessant bleiben die Rohstoffe. Die im Herbst gesehene Übertreibung ist vorüber, die Assetklasse somit auch wieder taktisch attraktiv. Somit wird hier zulasten von Anleihen eine Übergewichtung eingegangen. Bei den Aktien warten wir mit einer Neupositionierung noch ab.

Omikron sorgt für negativen Aktien-November

Der November hatte an den Aktienmärkten mit schönen Kursanstiegen begonnen, doch im Lauf des Monats verdichteten sich die Corona-Wolken immer mehr und brachten die Kurse unter Druck: Zu den steigenden Fall- und Hospitalisierungszahlen kamen bald verschärfte Einschränkungen, die trotz nach wie vor sehr guter Konjunkturdaten neue Konjunktursorgen schürten. Den vorläufigen Höhepunkt erreichten diese Ängste Ende November mit dem Auftreten der Virus-Variante Omikron.

Da die meisten Aktienmärkte im Vorfeld stark überkauft waren und sich die Mehrheit für ein erfolgreiches Überwinden von Corona positioniert hatte, war das böse Erwachen umso schmerzhafter. Heftige Tageseinbrüche waren die Folge, was auch die Monatsperformance fast aller Indizes (leicht) ins Minus drückte. Negativer Ausreißer: Russland, das in Verbindung mit dem Ölpreiseinbruch gegen Monatsende einen fast zweistelligen Monatsrückgang verbuchte (seit Jahresbeginn aber – nach dem ATX – trotzdem immer noch einer der stärksten Aktienmärkte ist!).

Omikron gefährdet Winter-Konjunktur; mittelfristiger Ausblick bleibt stark

Trotz Corona-Wellen und neuer Maßnahmenverschärfungen in einzelnen Ländern war die globale Wirtschaft eigentlich auf Kurs, um mit recht gutem Wirtschaftswachstum über den Winter zu kommen. Die neue Omikron-Variante stellt dieses Bild nun kurzfristig in Frage. Je infektiöser der neue Typ, und je weniger der bisherige Impfschutz schwere Fälle verhindert, desto mehr Lockdowns und wirtschaftliche Einschränkungen (im Wesentlichen im Dienstleistungssektor) wird es zwangsläufig (auch) diesen Winter geben.

Schlimmstenfalls würde man sich damit der Situation aus dem letzten Winter annähern (wo es praktisch noch gar keinen Impfschutz gab). Ein entsprechendes Quartal (Q1 2022) mit negativem Wirtschaftswachstum – wie auch in Q1 2021 - wäre dann leicht möglich (aber immer noch vergleichsweise harmlos in Anbetracht der Folgen des ersten Shutdowns im Frühling 2020). Wie auch die letzten Male wäre nach dem Aufheben der Lockdowns dafür der anschließende Wachstumsschub umso stärker. Das Wachstum würde sich entsprechend (nur) ein bis zwei Quartale nach hinten schieben. Trotz aller kurzfristigen Risiken und Rückschläge diesen Winter bleibt der mittelfristige Konjunkturausblick entsprechend sehr positiv.

Aktienmärkte: Chance zum Aufstocken

Ob Omikron die Aktienmärkte nur für Tage/Wochen oder gar für Monate in Atem halten wird, werden die medizinischen Ergebnisse der nächsten Wochen zeigen. Bis dahin dürften Verunsicherung der Investoren und Volatilität hoch bleiben. Aber auch vor Omikron waren die meisten Aktienmärkte bereits überhitzt und stark überkauft, so dass das Korrektur-Risiko hoch war (und wir auch entsprechend nur neutral positioniert). Nach der aktuellen Korrektur wird dagegen das Fundament für ein neuerliches Aufstocken der Aktienquote deutlich attraktiver! Wir bleiben zwar derzeit angesichts der eingangs erwähnten Unwägbarkeiten noch kurzfristig neutral gewichtet, was Aktien in Summe betrifft. Für 2022 ist unser Aktienmarktausblick aber unverändert positiv: Auch wenn die aktuellen Erwartungen hinsichtlich Wirtschaftswachstum Omikron-bedingt etwas nach unten revidiert werden sollten, bleibt das Bild einer fortgesetzten Konjunkturerholung aufrecht. Davon werden die Unternehmen profitieren und ihre Erträge steigern können. Gleichzeitig werden die Notenbanken ungeachtet hoher Inflationsraten die geldpolitischen Zügel nur langsam anziehen.

USA: Kurzfristiger Outperformer bei Corona-Zuspitzung?

Unsere Aktienmarktgewichtung bleibt gegenüber anderen Assetklassen kurzfristig neutral (kurzfristiges Omikron-Rückschlagsrisiko vs. positiver Ausblick für 2022). Innerhalb der Aktienmarktgewichtung stellen wir uns kurzfristig defensiver auf, um dem weiteren Corona-Risiko Rechnung zu tragen.

Auch wenn die großen US-Indizes bereits sehr teuer bewertet sind, würden sie bei einer weiteren Corona-Eskalation (samt Konjunkturängsten etc.) wahrscheinlich zu den relativen Gewinnern zählen (wie bei vergangenen Lockdown-Ängsten anschaulich zu beobachten). Deshalb gehen wir hier mit einer kurzfristigen Übergewichtung in den Dezember. Europa würde sich in so einem Fall dagegen vorübergehend wahrscheinlich schlechter entwickeln und wird untergewichtet. Erstens, weil hier die Unternehmen in den Indizes deutlich zyklischer aufgestellt sind. Und zweitens, weil Lockdowns in Europa wohl wieder strenger als in den USA gehandhabt würden. Obwohl sich die China-Ängste zuletzt etwas gelegt haben, dürften aber auch die Schwellenländer (EM) in so einer Situation stärker leiden (untergewichtet): Niedrigere Impfraten und geringere Ressourcen des Staates, um Corona-Kosten abzufedern, machen diese Länder potenziell anfälliger.


Weitere Details finden Sie in der neusten Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Warum trotz steigender Märkte Vorsicht geboten ist

State Street Global Advisors, die Vermögensverwaltungsgesellschaft der State Street Corporation hat heute den jährlichen Global Market Outlook 2022 mit den wichtigsten makroökonomischen Trends sowie wichtigen Anlagethemen für das kommende Jahr veröffentlicht.

Die Experten von State Street Global Advisors sind der Ansicht, dass die derzeitige wirtschaftliche Erholung, wenngleich sie auch weiterhin in verschiedenen Regionen, Sektoren und Wirtschaftsbereichen ungleichmäßig verläuft, anhalten wird. Auch 2022 dürfte sich daher ein über dem Potenzial liegendes globales Wachstum ergeben, nachdem der Markt den Höhepunkt der fiskalischen und monetären Unterstützung bereits überschritten hat.

Das hohe Wachstum und die hohe Inflation, die 2021 das makroökonomische Bild beherrschten, werden sich auch 2022 fortsetzen. State Street Global Advisors geht jedoch davon aus, dass sich die akuten Inflationssorgen bis Mitte 2022 deutlich reduzieren und eine gewisse "Inflationsrotation" einsetzen wird - insbesondere in den USA. Denn die Inflation wird vor allem bei den Wohnkosten noch intensiver, wobei der Inflationsdruck in anderen Bereichen nachlässt. Während die Zentralbanken in den Schwellenländern die Entwicklung hin zu höheren Zinssätzen vorerst anführen, dürften die Zentralbanken der Industrieländer im Laufe des nächsten Jahres nachziehen. Auch wenn die Märkte weiter steigen dürften, rechtfertigen bestimmte Probleme und Herausforderungen eine Bewertung der Vermögensallokation und der Anlagestrategien zum Schutz vor Kursverlusten.

"Die Fed könnte das Tempo ihrer quantitativen Lockerung im ersten Quartal 2022 beschleunigen, um sich auf ihre erste Zinserhöhung vorzubereiten, aber es gibt viele Unsicherheiten in Bezug auf das Tempo der Straffung - einschließlich der Unsicherheiten, die durch das Auftauchen der Omicron-Variante entstehen", sagte Simona Mocuta, Chefvolkswirtin von State Street Global Advisors.

Gaurav Mallik, Chief Portfolio Strategist, fügte hinzu: "Ein Großteil der Inflation, die wir derzeit erleben, ist aufgrund früherer fiskalischer Anreize und Herausforderungen in der Lieferkette quasi in das System eingebrannt. Die Zentralbanken wissen, dass aggressive Zinserhöhungen unwirksam sein und auch die Wachstumsaussichten beeinträchtigen können. Daher glauben wir, dass sich die Zentralbanken darauf konzentrieren werden, die Kontrolle über die Erwartungen der Märkte und der Anleger zurückzugewinnen, um eine stetige und schrittweise Normalisierung in den nächsten zwei Jahren zu gewährleisten."

Ausblick für den Rentenmarkt

Vor einem starken makroökonomischen Hintergrund hat der Übergang von einer akkommodierenden zu einer strafferen Geldpolitik begonnen, wobei die Zentralbanken signalisieren, dass die ersten Zinserhöhungen seit Beginn der Pandemie bevorstehen. Während die kurzfristigen Zinssätze als Reaktion auf mögliche Zinserhöhungen im Jahr 2022 gestiegen sind, ist State Street Global Advisors der Ansicht, dass der Anstieg der Renditen und der aggressive Ton der Fed zu einer Beschleunigung des Konjunkturzyklus führen könnten. Daher wird eine weitere Abflachung der Zinskurve erwartet.

Lori Heinel, Global Chief Investment Officer, kommentierte: "Wir halten im nächsten Jahr risikoreichere festverzinsliche Spreads für eine gute Quelle von Carry und zusätzlicher Rendite gegenüber US-Treasuries. Die Spreads in risikoreicheren festverzinslichen Sektoren, einschließlich Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen, dürften durch starke Fundamentaldaten und die Renditenachfrage ausländischer Anleger gut gestützt werden. Ein positiveres Umfeld für sogenannte ‚Rising Stars' wird dazu beitragen, dass auch das Umfeld für Zahlungsausfälle und Herabstufungen günstig ist. 

Ausblick für den Aktienmarkt

Da die Volatilität am Aktienmarkt weiter zunimmt, ist Vorsicht geboten. Die Risikoprämie für Aktien liegt sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt und das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis für den MSCI World ist auf einem nachhaltigen Niveau. Zudem scheinen die Aussichten für Unternehmensgewinne stark zu bleiben. Daher sind die Experten der Meinung, dass Aktien im Vergleich zu anderen Anlageklassen attraktive Überschussrenditen bieten.

Während die allmähliche Anhebung der Renditekurve den Finanzwerten zugute kam, wird der erneute Schwerpunkt der Regierung auf harter Infrastruktur jedoch zyklische Werte wie Industrie-, Rohstoff- und Energieunternehmen unterstützen. Europäische Aktien, die im Vergleich zu US-Aktien attraktiv bewertet sind und gleichzeitig ein starkes Ertragswachstumspotenzial aufweisen, dürften sich in einer günstigen Lage befinden, da die Aktienmärkte der Region eher zyklisch ausgerichtet sind. Die Unternehmen der Schwellenländer hingegen müssen noch in vollem Umfang von der Wiedereröffnung des Handels profitieren, da die Impfquoten hier noch nicht so hoch sind. Das bedeutet, dass das Wachstum der Schwellenländer wahrscheinlich erst später im nächsten Jahr an Gestalt annehmen wird.
"Wir erwarten, dass die Märkte 2022 weniger selbstgefällig sein werden, weil die Geldpolitik gestrafft wird und der Inflationsdruck anhält. State Street Global Advisors sieht eine Chance für aktives Management in den kommenden Jahren und glaubt, dass Anleger von einem selektiven Ansatz am Aktienmarkt profitieren können", fügt Altaf Kassam, EMEA Head of Investment Strategy & Research, hinzu.
Zusätzlich zu seinem makroökonomischen und marktbezogenen Ausblick für 2022 hat State Street Global Advisors drei Schlüsselthemen identifiziert, die im nächsten Jahr die Aufmerksamkeit der Anleger besonders verdienen:

Von festverzinslichen Anlagen profitieren

Angesichts der hartnäckig niedrigen Zinsen denken viele Anleger zu Recht über Alternativen zu festverzinslichen Wertpapieren nach, die ein höheres Renditepotenzial bieten könnten. Es sei aber wichtig, das Potenzial bestimmter Bereiche von festverzinslichen Wertpapieren - einschließlich Schwellenländeranleihen – dennoch nicht zu vernachlässigen, um signifikante Renditen und Ertragssteigerungen zu erzielen. Gleichzeitig kann die ausschließliche Konzentration auf die Rendite dazu führen, dass Anleger die entscheidende Rolle, die festverzinsliche Anlagen bei der Diversifizierung von Portfoliorisiken und der Bereitstellung von Liquidität spielen können, übersehen. Das gilt insbesondere für Anleger, die Renditen durch ein Engagement in illiquiden privaten Vermögenswerten angestrebt haben. Im diesjährigen Global Market Outlook weisen die Experten erneut darauf hin, dass festverzinsliche Anlagen nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Anlagediversifizierung spielen und eine Möglichkeit darstellen, die Flexibilität in Portfolios zu erhöhen, in denen die Allokation in häufig illiquide alternative Anlagen zugenommen hat.

Wie Anleger mit dem Klimawandel Schritt halten

State Street Global Advisors ist der Meinung, dass der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft am besten als ein multidimensionaler Schock verstanden werden kann. Dieser wird sich im Laufe der Zeit vollziehen und erhebliche regulatorische und wirtschaftliche Konsequenzen auf die Investitionen haben. Die Dekarbonisierung - die zunehmend eskalieren wird - hat dabei auch sekundäre Auswirkungen, die zu einer stärkeren Beteiligung sowohl der Industrie- als auch der Schwellenländer führen könnten. Dies bringt enorme Wachstumschancen mit sich und verbessert die Handelsbilanzen der Netto-Energieimporteure im derzeitigen System fossiler Brennstoffe. Die Anleger werden daran erinnert, die regulatorischen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft im Auge zu behalten. Gleichzeitig muss die zunehmende Bedeutung von Stewardship und Verantwortung, bessere Klimaangaben, die Herausforderungen bei der Integration von ESG-Kriterien und Kohlenstoffpreisen sowie die strukturellen Auswirkungen der Dekarbonisierung auf die Unternehmensgewinne beobachtet werden.

China-Engagements neu überdenken

Die makroökonomischen Gründe für Investitionen in China bleiben laut der Experten trotz der Schlagzeilen der letzten Monate intakt. Der globale Marktausblick macht deutlich, dass die geringe Korrelation chinesischer Vermögenswerte mit anderen Märkten sowie der strukturell unterbewertete chinesische Aktienmarkt und die gesunde Renditeprämie chinesischer Anleihen im Vergleich zu den entwickelten Märkten gute Gründe für Anleger sind, China-Engagements auf eigenständiger Basis zu positionieren. Aktive Strategien seien dabei zu bevorzugen.


Über State Street Global Advisors

State Street Global Advisors ist seit vier Jahrzehnten im Dienste von Regierungen, Institutionen und Finanzberatern weltweit tätig. Mit einem rigorosen, risikobewussten Ansatz, der auf Forschung, Analyse und markterprobter Erfahrung beruht, bauen wir auf einer breiten Palette von aktiven und Indexstrategien auf, um kosteneffiziente Lösungen zu schaffen. Als Verwalter helfen wir den Portfoliounternehmen zu erkennen, dass das, was fair für die Menschen und nachhaltig für den Planeten ist, eine langfristige Performance erzielen kann. Und als Pioniere im Bereich Index-, ETF- und ESG-Investitionen erfinden wir immer wieder neue Wege für Investitionen. So sind wir mit einem von uns verwalteten Vermögen von 3,86 Billionen US-Dollar† zum viertgrößten Vermögensverwalter der Welt geworden.

*Pensions & Investments Research Center, Stand: 31.12.20.
Diese Zahl bezieht sich auf den 30. September 2021 und umfasst ca. 59,84 Mrd. US-Dollar an Vermögenswerten in Bezug auf SPDR-Produkte, für die State Street Global Advisors Funds Distributors, LLC (SSGA FD) ausschließlich als Vertriebsstelle fungiert. SSGA FD und State Street Global Advisors sind miteinander verbunden.

Investmentausblick: Alternative Investments

von Christian Süttinger, CFA, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

Alternative Investments bilden eine Anlageklasse neben Aktien, Anleihen und Immobilien. Wir sprechen hier über „liquide“ Alternative Investments, die sich durch eine laufende Handelbarkeit auszeichnen, und unterscheiden die Strategien Long/Short-Equity, Global Macro und CTA Managed Futures.

Wie ist das Marktumfeld für Alternative Investments?

2021 verläuft sehr auf Aktien ausgerichtet, da Investoren die hohen Unternehmensgewinne registrieren und entsprechende Anlageentscheidungen treffen.

Anleihen treten in den Hintergrund und sind in den Ertragsaussichten zugleich durch das aktuelle Zinsniveau und die Politik der Zentralbanken limitiert.

Was hat sich seit Jahresbeginn bei Alternative Investments getan?

Ein wichtiger Einflussfaktor für Long/Short-Equity ist das Abschneiden von Wachstumsaktien (die Sektoren Internet, Technologie) im Vergleich zu Substanzaktien (Energie, Banken).

Der Grund dafür ist, dass Fondsmanager nach besonderen Wachstumschancen suchen. Die bessere Entwicklung von Growth seit 2020 als Folge der COVID-Krise war 2021 bereits etwas auf dem Rückzug und starken Schwankungen unterworfen, wie der folgende Chart zeigt.

Entwicklung von Growth- und Value-Aktien


Quelle: Bloomberg; MSCI World Growth, MSCI World Value

Ausschlaggebend ist zugleich die Entwicklung der „Gewinner“ relativ zu den „Nachzüglern“. Übertreffen die Favoriten die leerverkauften „Verlierer“, entstehen marktunabhängige Erträge durch Stockpicking. Ein stabiler Verlauf dieses Momentums ist vorteilhaft, da in den Portfolios wenig Änderungsbedarf entsteht. Der folgende Chart zeigt, dass die Kurse der Gewinner 2021 einen sehr uneinheitlichen Verlauf genommen haben.

Entwicklung des Faktors Momentum bei Aktien


Quelle: Bloomberg; MorganStanley US Momentum Long; MorganStanley US Momentum Short

Als Auslöser gilt, dass in der Pandemie ein kurzer Zeithorizont und rasch wechselnde Stimmungen die Oberhand bekommen haben. Auch wenn die Auswirkungen von COVID nicht rasch wegfallen werden, so erwarten wir doch die Rückbesinnung auf die Fundamentaldaten der Unternehmen und ein starkes Alpha durch Aktienauswahl.

Ereignisse, die im Lauf des Jahres bei Hedgefonds Schlagzeilen geschrieben haben, darunter: Archegos (die überdimensionierten, kreditfinanzierten Spekulationen eines einzelnen Investors), Greensill (die Turbulenzen eines Unternehmers im Finanzbereich und verbundene Fonds) und sogenannte Meme-Stocks (Aktien mit explodierendem Social-Media-Interesse) sind nicht mehr in den Medien präsent.

In den Portfolios von Global Macro und CTA Managed Futures Managern befinden sich in der Regel Staatsanleihen als diversifizierender Teil zu Aktien, Währungen und Rohstoffen.

Zwar ist es möglich, von steigenden oder fallenden Kursen zu profitieren, jedoch war die Entwicklung von Staatsanleihen 2021 kaum zu prognostizieren und nicht gewinnbringend zu nützen. Diese Ertragskomponente hat dieses Jahr gefehlt.

Entwicklung der Strategien Global Macro und CTA Managed Futures


Quelle: Bloomberg; Epsilon Global Trend; IQ Hedge Macro

Was erwarten wir für 2022?

Wir rechnen damit, dass Aktien der Favorit der Anleger bleiben. Folglich sehen wir attraktive Chancen für die Strategie Long/Short-Equity, die sich auf die Selektion konzentriert. Gelegenheiten für erfolgreiches Stockpicking gibt es viele:

  • Die Pandemie ist in den globalen Lieferketten präsent und führt zu Engpässen. Dafür sind Branchen und Unternehmen unterschiedlich gut gerüstet.
  • Einzelne Industriesektoren haben vorübergehende „Übergewinne“ dank der explodierenden Güternachfrage in den Lockdowns erzielt, zulasten des Dienstleistungssektors.
  • Die Dauerhaftigkeit der erhöhten Inflation wird die Zukunft zeigen. Unterschiedliche Auswirkungen von Inflation auf Unternehmen sind ein Ansatzpunkt für einen differenzierten Zugang.
  • Durch den Übergang zu sauberer, nachhaltiger Energie wird es Gewinner und Verlierer geben.
  • China, dessen Immobiliensektor fragil ist und das politischen Einfluss besonders auf Technologiefirmen ausübt, lohnt eine genaue, abgestufte Sicht der Investoren.
  • Passive Geldflüsse in ETF und Indexfonds eröffnen Chancen für aktives Management, als Gegenpol.

Die Strategie Global Macro wird von der Normalisierung der Weltwirtschaft und der wieder höheren Aussagekraft von volkswirtschaftlichen Daten profitieren, sobald die Verwerfungen der Pandemie abklingen.

Zugleich sehen erfahrene Global Macro Manager stets das „Big Picture“ und laufen nicht Gefahr, einen Einzelaspekt in den Vordergrund zu stellen, der vielleicht gerade Tagesgespräch ist.

CTA Managed Futures ist die Strategie mit der geringsten Abhängigkeit (Korrelation) zu Aktien, und wird deshalb zu jedem Zeitpunkt eine Rolle in einem breitgestreuten Portfolio einnehmen.

Für den Weltwirtschafts-Zyklus steht nach der Frühphase jetzt eine mittlere Phase bevor, die häufig mit stabilen und gewinnbringenden Trends in vielen Anlageklassen einhergeht.

Wie sind wir derzeit innerhalb der Strategien positioniert?

Im Bereich Long/Short-Equity haben wir den Growth-Anteil reduziert und setzen einen Schwerpunkt bei Value, sowie in Europa als jener Region, die Stockpicking zur Zeit stärker honoriert als die USA. Besondere Schwerpunkte in einzelnen Industriesektoren sehen wir nicht als vorteilhaft und bevorzugen eine ausgewogene Ausrichtung.

Global Macro haben wir, als etwas Ruhe in die Inflationsdiskussion und die widersprüchlichen Erwartungen an die USA-Notenbank eingekehrt ist, bereits höher gewichtet. Das ging zulasten von CTA Managed Futures, da dieser Strategie momentan die Performancequelle Anleihenrenditen fehlt.

Fazit

Diversifikation – das bedeutet Erträge, die von der Entwicklung des Aktienmarktes nur wenig abhängig sind – ist derzeit schwierig zu finden. Der Weg über liquide Alternative Investments ist dabei erfolgversprechend.

Der Multistrategie-Fonds Alpha Diversified 3 stellt unser „Best of Alternative Investments“-Angebot dar. Wir sind überzeugt, dass Alternative Investments eine stabile und ertragreiche Erweiterung zu Aktien und Anleihen bleiben.

Wertentwicklung Alpha Diversified 3 (5 Jahre)


1) Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt lt. OeKB Methode. Die Wertentwicklung unterstellt eine vollständige Wiederveranlagung der Ausschüttung und berücksichtigt die Verwaltungsgebühr sowie eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (z.B. Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Modernisierung schlägt Neubau - ETF-Studie zu grünen Immobilien

von Marcus Weyerer, ETF Investment Strategist bei Franklin Templeton Investments.

Pro 10 Mio. EUR Investitionssumme führt der im Bereich grüne Gebäude investierte Anteil zu Emissionseinsparungen in Höhe von 786 Tonnen CO2-Äquivalent, was dem jährlichen Stromverbrauch von 571 europäischen Haushalten entspricht.

2018 entfielen auf den Gebäude- und Bausektor 36 % des Endenergiever­brauchs und 39 % der Energie- und prozessbezogenen Kohlenstoffdioxid-Emissi­onen (CO2-Emissionen), von denen 11 % aus der Herstellung der Baumaterialien und -produkte wie Stahl, Zement und Glas stammten (Quelle: 2019 Global Status Report for Buildings and Construction (windows.net)).

Die Analyse der Mittelverwendung grüner Anleihen-ETF-Portfolios verglich die einzelnen Teilsektoren miteinander. Sowohl der Neubau als auch die Modernisierung bestehender Gebäude haben ihre Berechtigung. Herauszufinden ist hierbei, welcher der beiden Bereiche mehr CO2 im Verhältnis zu einer bestimmten Investitionssumme einspart.

Klarer Gewinner im Hinblick auf den Kohlenstoff-Auswirkungsgrad (Carbon Impact Ratio, CIR) ist die Modernisierung bestehender Gebäude, bei der sich Emissionseinsparungen von 0,36 Tonnen für jede ausgesto­ßene Tonne an CO2 ergaben. Dies muss jedoch im Kontext betrachtet werden: Die Einsparungen ergeben sich daraus, dass ein bereits bestehendes Gebäude moderni­siert wird, um es energieeffizienter zu machen. Dadurch wird deutlich, wie energie-intensiv das Bauwesen tatsächlich ist – denn es sind hohe Mengen an CO2 für relativ geringe Einsparungen erforderlich. Daraus lässt sich folgern, dass Emit­tenten zu Offenlegungen bezüglich der Beschaffung der Materialien, der Gebäu­destandards, der Entsorgung und des Recyclings angehalten werden sollten. Der Großteil der Emissionen kann auf die Materialien zurückgeführt werden. So ist etwa die Herstellung von Zement und Stahl mittels traditioneller Methoden seit jeher äußerst CO2-intensiv. Diese Emissionen fallen zu einem gewissen Grad auch durch eine Modernisierung nicht weg. Gebäude können oftmals energieeffizi­enter gemacht werden, doch gehen damit nach wie vor die induzierten Emissionen aus einer fundamental kohlenstoffintensiven Bauphase einher.

Stahl und Zement muss dringend dekarbonisiert werden

Bei Betrachtung des Baus neuer Gebäude beläuft sich der errechnete durch­schnittliche Kohlenstoff-Auswirkungsrad auf 0,07, was darauf schließen lässt, dass bei Neubauten nicht sehr viel CO2 eingespart wird. Demnach würden sich Emissionsein­sparungen hier entweder aus der Bau- oder aus der Betriebsphase der Gebäude erge­ben, wobei erstere so CO2-intensiv ist, dass etwaige Effizienzgewinne aus der Betriebsphase des Gebäudes – z.B. mittels Smart-Home-Geräten oder einer effizienteren Beheizung – durch die umfangreichen Emissionen in der Lieferkette zunichte gemacht würden. Solange Baumaterialien wie Stahl und Zement nicht dekarbonisiert sind, wer­den im Bauwesen wohl nur moderate CO2-Einsparungen realisiert werden können, was der im Rahmen unserer Erkenntnisse für Investoren ermittelten Notwendigkeit von Transparenz in der Präsentationsphase der Anleihe noch mehr Gewicht verleiht.

Damit Investoren in der Lage sind, die potenziellen Auswirkungen zu beurteilen, soll­ten im Idealfall ausführliche Informationen über Gebäude im Rahmenwerk für grüne Anleihen zur Verfügung gestellt werden. Dabei sollte berücksichtigt werden, ob der Großteil der Mittel für die Modernisierung oder für neue Gebäude aufgewendet wird, wie hoch der laufende Energiebedarf maximal ausfallen wird, woher die Materialien beschafft werden und wie sich die Abfallbewirtschaftung gestaltet.

Bei Gebäuden basiert der CIR-Ansatz auf den Emissionseinsparungen durch das mit der grünen Anleihe finanzierte Projekt ausgehend vom durchschnitt­lichen Emissionsfaktor für Gebäude im jeweiligen Land. Es gibt einige wich­tige Aspekte in Bezug auf das Klimarisiko, die nicht von allen Emittenten offengelegt werden und sich potenziell stark auf die Emissionen auswirken könnten. Dazu zählen Emissionen aus der Herstellung von Materialien wäh­rend der Bauphase und die Emissionen in Verbindung mit dem Abriss beste­hender Gebäude, wenn diese einem Neubau weichen sollen. Für Infrastruk­turanlagen mit langer Lebenszeit ist es wichtig, in Bezug auf die veränderten Klimaauswirkungen durch starke Niederschläge und Überschwemmungen sowie Hitzestress und Stürme zu planen.

Wie sieht ein wirklich grünes Gebäude – von der Konzeption bis zum Betrieb – aus? Alle grünen Gebäude weisen einen Fokus auf einen „niedrigen Energiebedarf“ auf. Allerdings gibt es nach wie vor keine einheitliche Definition für „grüne“ Immobilien.
Daraus folgt, dass grüne Anleihen, die zur Finanzierung „grüner“ Gebäude begeben werden, eine unterschiedlich starke Senkung des Energiebedarfs vorsehen. Einzelheiten zur Beschaffung, den verwendeten Materialien, den Baupraktiken und den Abrissplänen sollten daher stets offengelegt werden. Strenge, regulatorisch vorgeschriebene und bis auf den Konzeptionspro­zess ausgeweitete Standards stellen sicher, dass bereits frühzeitig nach­haltige Praktiken angewandt werden.

Best Practice

Bei der Modernisierung alter Gebäude und dem Bau neuer grüner Gebäude fallen erhebliche Emissionen an. In den Rahmenwerken für grüne Anleihen müssen so viele Informationen wie möglich darüber offengelegt werden, wie die Mittel eingesetzt werden. Zudem müssen grüne Gebäudestandards ausgewiesen werden, denn deren Umsetzung ist wesentlich in Bezug auf Belange wie Abfallentsor­gung und Materialbeschaffung.

Spitzenreiter: Berlin Hyp

Berlin Hyp demonstriert in ihrem Rahmenwerk für grüne Anleihen ein herausragendes Maß an Transparenz. Das Unter­nehmen bietet Anreize für Kre­dite für grüne Gebäude, indem es einen Abschlag von 10 Basis­punkten gewährt. Damit soll das eigene strategische Ziel, bis 2020 etwa 20 % des Kreditportfolios auf grüne Vermögenswerte umzustellen, gefördert werden. Dieses Ziel wurde erreicht. Dies stellt einen lobenswerten „Zusatznut­zen“ dar. Außerdem legt das Unternehmen in seinem Rah­menwerk die maximalen Emissi­onen pro Quadratmeter für neun verschiedene Gebäudekategorien genau fest. Zudem ist die Nen­nung spezifischer Anforderungen für externe Nachhaltigkeitszerti­fizierungen wie LEED oder BREEAM eine nützliche Infor­mation für Investoren.

Muss das Assetmanagement durch Corona neu erfunden werden?

von Katrin Neuhaus, VLR Germany GmbH – exklusiver Assetmanager der EPH European Property Holdings.

Corona hat unsere Welt komplett durcheinandergewirbelt. Die Pandemie ist ein nicht vorhersehbares Jahrhundertereignis und hat auch die Immobilienbranche nicht verschont – auch wenn die verschiedenen Assetklassen nicht alle gleichermaßen betroffen waren und weiterhin sind. Aber heißt das, dass alles Bisherige außer Kraft gesetzt wurde und man sich als Immobilieninvestor und Assetmanager auf solche exogenen Schocks überhaupt nicht vorbereiten kann? Die Antwort ist vielschichtig.

Sicherlich stellt Corona die ganze Immobilienbranche vor neue Herausforderungen und ist eine Art Brandbeschleuniger für alle, die eh schon mit strukturellen Problemen zu kämpfen hatten. Die Pandemie ist aber auch ein Beschleuniger von Trends, die sich zuvor bereits angebahnt hatten und auch künftig Bestand haben werden. Schon seit Längerem steigt die Bedeutung eines aktiven Assetmanagement von Immobilien. Corona hat diese Entwicklung noch einmal kräftig angeschoben und gezeigt, wie wichtig ein funktionierendes und vor allem aktives Assetmanagement ist – aufgrund der Digitalisierung und der veränderten Ansprüche der Mieter. Wer bereits vor Corona eine aktive Kommunikationskultur mit seinen Mietern gepflegt hat, ist klar im Vorteil. Aber auch die Fundamentaldaten einer Immobilie und die Lage haben sich als entscheidende Stabilitätsfaktoren bewährt. Hochwertige und moderne Objekte in erstklassigen Standorten bieten generell eine starke Substanz – auch für die langfristige Vermietbarkeit von Flächen. Das wurde durch Corona noch vehementer ins Bewusstsein von Immobilieninvestoren und Assetmanagern gerückt.

Aber was genau können Assetmanager aus der Corona-Krise lernen?

Ganz klar sind Assetmanager durch die Corona-Krise deutlich stärker gefordert. Diese müssen noch näher an den Mietern dran sein, um die veränderten Bedürfnisse und Anforderungen zu erkennen und frühzeitig zu reagieren. Schließlich hat sich die Art und Weise des Lebens und Arbeitens immens verändert. Vielmehr müssen die Flächen generell den Nerv der Zeit treffen und bereits einige Entwicklungen vorwegnehmen. Das erfordert natürlich, flexibler zu werden und am Puls des Markts zu bleiben. Natürlich sinkt das Leerstandsrisiko generell mit attraktiven Flächen mit Drittverwendungsmöglichkeit in guter Lage. Dreh- und Angelpunkt ist indes die laufende Kommunikation mit den Mietern, um ein Gespür für veränderte Trends zu bekommen und schnell effiziente Lösungen zu finden. Dabei gibt es einen weiteren wichtigen Aspekt: den regelmäßigen persönlichen Kontakt. Es reicht schon lange nicht mehr, Mietrechnungen und einmal im Jahr die Nebenkostenabrechnung zu schicken – essenziell ist eine gute und persönliche Gesprächsbasis. Das steigert die Zufriedenheit der Mieter. Und je zufriedener der Mieter in der Fläche ist, desto schneller findet man gemeinsame Lösungen. Das wirkt sich auch langfristig positiv auf den Vermietungsstand aus. Die zunehmende Digitalisierung sollte zwar ebenfalls berücksichtigt werden, dies kann aber nur als zusätzliche Unterstützung dienen und den persönlichen Austausch nicht ersetzen.

Entscheidender denn je ist, sich mit den Geschäftsmodellen der Mieter auszukennen und sich damit zu beschäftigen, wie volatil diese sind oder wie etabliert das Unternehmen am Markt ist. Die Bonität der Mieter spielt ebenso eine Rolle und ob diese über finanzielle Reserven verfügen. Das ist insbesondere bei Neuvermietungen wichtig, aber man sollte bei Bestandsmietern gleichermaßen up to date bleiben. Aber auch die Reporting-Anforderungen sind generell gestiegen, um die viel dynamischere Entwicklung im Objekt an die Investoren zu berichten. Es geht auch darum, kontinuierlich an wichtige Daten zu gelangen, diese zu analysieren und Handlungsoptionen abzuleiten. Dabei ist viel Engagement gefragt.

Fazit: Corona bietet Herausforderungen und große Potenziale für Assetmanager

Corona hat uns gezeigt, wie wichtig ein aktives Assetmanagement und solide Strukturen in der Kommunikation mit den Mietern sind. Deutlich wurde aber auch, dass eine höhere Flexibilität im Assetmanagement gefordert ist, um frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren. Dies leistet einen großen Beitrag, um die Immobilien zukunftsfähig aufzustellen und für etwaige neue exogene Krisen gerüstet zu sein. Damit steigt die Verantwortung für das Assetmanagement. Dessen Potenzial ist erheblich, um auch in Krisenzeiten für stabile Mieteinnahmen sowie für den Werterhalt des Immobilienportfolios zu sorgen und schließlich zum Erfolg des Immobilieninvestments beizutragen.


EPH European Property Holdings Ltd. (EPH) ist eine an der SIX Swiss Stock Exchange kotierte Investmentgesellschaft, die ein umfangreiches Immobilienportfolio im Gesamtwert von rund 1,5 Milliarden Euro hält. Im Rahmen der geografischen Diversifikation und der strategischen Absicht, Werte und Cashflows zu stabilisieren, investiert die Gesellschaft derzeit ausschließlich in Zentraleuropa. Die EPH wird von der Valartis Group AG und ihren Tochtergesellschaften verwaltet. Die VLR Germany GmbH, mit Sitz in Frankfurt am Main, ist der exklusive Asset Manager der EPH.

Inflation am Höhepunkt – was sind die Gründe?

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Konsumentenpreisinflation lag im OECD-Raum im Oktober bei 5,2% im Jahresabstand. Das ist der höchste Wert seit 1997.

Hat die Inflation einen Höhepunkt erreicht oder stehen wir erst am Anfang einer anhaltenden Periode hoher Inflationsraten? Neben der Pandemie wird die Inflationsentwicklung einen maßgeblichen Einfluss auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte im nächsten Jahr haben.

Besondere Umstände

Der treibende Faktor für die hohen Inflationsraten ist in erster Linie pandemiebezogen. Die Pandemie stellt einen massiven externen Schock dar. Auf zahlreichen Ebenen ist der „normale“ Zustand verlassen worden.

Das umspannt das Gesundheitssystem, volkswirtschaftliche Kenngrößen wie Bruttoinlandsprodukt und Inflation, die Geld-, Fiskal- und Wirtschaftspolitik und sogar die Grundeinstellung zu Solidarität, zur liberalen Demokratie und zum Rechtsstaat.

Gleichzeitig gilt die wohl wichtigste Erkenntnis in der Volkswirtschaftslehre, die den Zusammenhang zwischen Angebot, Nachfrage und Preise beschreibt, nach wie vor: Wenn das Angebot mit einer zunehmenden Nachfrage nicht mithalten kann, steigen die Preise an.

Einbrechende Nachfrage

Mit dem Ausbruch der Pandemie ist ein neuer treibender Faktor für die wirtschaftliche Aktivität hinzugekommen: Der negative Einfluss der Neuinfektionen auf das Wachstum. Dieser wird durch die Maßnahmen zur sozialen Distanzierung (Lockdown) verstärkt.

Dieser Effekt war im vergangenen Jahr im Zuge der ersten Infektionswelle besonders ausgeprägt. Der BIP-Einbruch innerhalb von zwei / drei Monaten war so stark, dass das globale BIP im Jahresdurchschnitt deutlich unter dem Jahr 2019 lag (um 3,4% pa, Quelle: OECD).

Ähnlich auch die Energienachfrage: diese fiel um 4% (Quelle: IEA). Am Arbeitsmarkt fielen im zweiten Quartal 2020 im Vergleich zum vierten Quartal 2019 die gearbeiteten Stunden je nach Region zwischen 12% und 21% (Quelle: BIS). In der Periode nach dem 2. Weltkrieg sind solche starken Ausschläge einzigartig.

Schnelle Verbesserung der Nachfrage

Zusperren geht jedoch einfacher als aufsperren. Mit dem Abklingen der ersten Infektionswelle setzte eine sprunghafte Erholung ein. Für heuer rechnet die OECD mit einem BIP-Wachstum von 5,6%.

Die IEA rechnet mit einem Anstieg der globalen Energienachfrage von 4,6% und die gearbeiteten Stunden befanden sich laut BIS im zweiten Quartal 2021 nur noch um rund 5% unter vom Vor-Pandemieniveau.

Zudem erfolgt die Erholung nicht gleichmäßig hinsichtlich der Länder und Sektoren und ist das Wirtschaftsgefüge global vernetzt (Lieferketten). Besonders die Nachfrage nach Konsumgütern sticht hervor: diese befindet sich bereits markant über dem Vor-Pandemieniveau.

Engpässe

Mit dem schnellen und uneinheitlichen Anstieg der Nachfrage konnte die Angebotsseite nicht mithalten, wodurch Engpässe auf mehreren Ebenen entstanden: Bei Komponenten (Chips), im Transport (Schifffahrt), im Energiesektor (Gas, Rohöl, Kohle) und am Arbeitsmarkt.

Die Folgen sind eine eingeschränkte Produktion und hohe Inflationsraten sowie eine Behinderung des Lageraufbaus und ein Kaufkraftverlust. Hier wird der stagflationäre Einfluss der Pandemie sichtbar.

Hohe Inflationsraten

Bereits zu Jahresanfang wurde ein Anstieg der Inflation erwartet. Die Begründung dafür waren die niedrigen Preisanstiege im vergangenen Jahr. Der Basiseffekt hat die Inflationsrate im Jahresabstand nach oben ansteigen lassen.

Die Engpässe, die durch die schnell ansteigende Nachfrage im Güter- und Energiesektor entstanden sind, waren jedoch überraschend und haben zu einem kräftigen Anstieg der Preise für Konsumgüter, Transport und Energie geführt.

Für den Energiesektor kommt auch zum Tragen, dass in den vergangenen Jahren die Investitionstätigkeit für die fossiler Energien abnahm, während die Investitionen in klimafreundliche Energieträger mangelhaft waren. Der Preisanstieg der Nahrungsmittelpreise kann wiederum (unter anderem) mit dem Anstieg der Kosten für Energie und Transport erklärt werden.

Basisszenario: Die Inflation fällt nicht auf das Niveau vor der Pandemie zurück

Die Phase der hohen Inflationsraten dauert länger an als zu Jahresanfang erwartet wurde. Immer mehr Ökonomen und Zentralbanker sprechen nicht mehr von einer vorübergehenden Entwicklung. Schlussendlich ist jede Entwicklung transitorisch. Jede neue ernste Virusvariante birgt das Risiko von neuen Verwerfungen zwischen Angebot und Nachfrage mit dementsprechenden Preisschüben in sich.

Im Basisszenario werden die aktuell hohen Inflationsraten im nächsten Jahr fallen, weil die Gründe dafür schrittweise in den Hintergrund treten werden: die von der Pandemie ausgelösten Ungleichgewichte zwischen Nachfrage und Angebot.

Die hohe Güternachfrage wird sich wahrscheinlich normalisieren und die Engpässe auf der Produktions- und Logistikseite werden sich schrittweise auflösen. Die Kombination aus einer sich schnell schließenden negativen Produktionslücke (rasant fallende Arbeitslosenraten), Wachstum über dem Potential und der nur graduellen Normalisierung der Geldpolitik wirken jedoch inflationär.

Deshalb wird im Basisszenario die zugrundeliegende Inflation über dem Vor-Pandemieniveau bleiben. Unsere Inflationsschätzung für das 4. Quartal 2021 liegt für die entwickelten Volkswirtschaften bei rund 5% (Wachstum im Quartalsabstand auf das Jahr hochgerechnet). Für das 4. Quartal 2022 rechnen wir mit einer Inflation zwischen 2% – 2,5% (ebenfalls annualisiert). Allerdings drängen sich einige Fragen auf:

Inflationäre Kräfte

Gibt es neben der Pandemie auch andere, strukturelle Kräfte, die auf die Inflation einwirken?
Die Risiken für eine strukturell ansteigende Inflation sind bei drei Punkten angesiedelt:

  1. Die expansive Geld- und Fiskalpolitiken könnten zu lange, auch nach dem Erreichen von Vollbeschäftigung, expansiv (wirtschaftsunterstützend) bleiben. Mit dem Ausbruch der Pandemie ist eine Veränderung der politischen Ökonomie feststellbar. Der Fokus liegt auf Beschäftigung (verständlicherweise) und auf einer höheren Inflation (weil sie in den vergangenen zehn Jahren unter dem Zentralbankziel lag).
  2. Der mit der Öffnung von China einsetzende zwei Jahrzehnte anhaltende deflationäre Druck auf die Güterpreise könnte permanent weggefallen sein. Die Globalisierung stagniert beziehungsweise könnte sich sogar zum Teil permanent umkehren (Deglobalisierung). Der China-Effekt (boomende Exporte, fallende Güterpreise) hat abgenommen.
  3. Gleichzeitig könnte die Veränderung in der Altersstruktur die Inflation unterstützen. In immer mehr Ländern fehlt die arbeitsfähige Bevölkerung. Das könnte zu einer höheren Lohninflation führen. Langfristig betrachtet ist die Entwicklung der Lohnstückkosten die wichtigste Bestimmungsgröße für die Inflation.

Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik

Wie werden die Zentralbanken auf die Inflationsentwicklung reagieren?

Generell gilt: Je weniger fest die Inflationserwartungen am Zentralbankziel verankert sind, je schneller sich die Arbeitslosenrate der Vollbeschäftigung annähert (NAIRU-Grenze oder Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment) und je eher die Angebotsseite permanent beeinträchtigt ist (gefallene Beteiligung am Arbeitsmarkt, Deglobalisierung), desto schneller werden die Leitzinsen in den entwickelten in Richtung neutrales Niveau angehoben werden.

Für die US-Zentralbank veranschlagen wir für das nächste Jahr ein Ende für das Anleiheankaufsprogramm im Frühjahr und drei Leitzinsanhebungen. Die EZB wird im Basisszenario die Leitzinsen unverändert belassen, aber die Marktteilnehmer auf ein Verlassen der Negativzinspolitik im Jahr 2023 vorbereiten.

Zielkonflikte

Für das nächste Jahr kristallisiert sich neben der Pandemie ein weiteres zentrales Thema heraus. Wenn die Inflationsraten nicht fallen, nehmen die Zielkonflikte für die Zentralbanken zu.

Denn in diesem Fall kämen die Zentralbanken unter Druck, die Leitzinsen stärker und früher als derzeit erwartet anzuheben. Restriktive Maßnahmen seitens der Geldpolitik würden jedoch die Zielgrößen

  • a) Wachstum und Beschäftigung,
  • b) Finanzstabilität,
  • c) Finanzierung der Staatsdefizite und für die EZB
  • d) Integrität der Eurozone in Mitleidenschaft ziehen.

Positiv betrachtet: Auch wenn man nicht mehr von einer vorübergehenden Inflationsentwicklung sprechen kann, werden im nächsten Jahr im Basisszenario die Inflationsraten graduell fallen. Die Zentralbanker sind jedoch herausgefordert, genau in der angemessenen Geschwindigkeit die ultra-expansive Haltung zu reduzieren.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Unternehmensstimmen zum Thema "Erneuerbare Energien"

von Herbert Perus, Fondsmanagement – Corporate Responsibility bei der Raiffeisen KAG.

Zu den Engagement-Aktivitäten des Fondsmanagements von Raiffeisen Capital Management gehört auch der Dialog mit einigen der größten und für uns interessantesten börsennotierten Unternehmen, diesmal zum Thema erneuerbare Energien. Dabei wurden folgende Fragen gestellt - mit ausgewählten Unternehmensstimmen und Antworten zu den Fragestellungen:

Von welchen zukünftigen Energiepreisen gehen Sie in Ihren Planungen für kommende Projekte aus? Wie wird Ihrer Meinung nach der Energiemarkt der Zukunft generell aussehen?

First Solar, USA (Solarenergie): Das amerikanische Solarunternehmen First Solar ist für die Entwicklung der zukünftigen Energiepreise sehr zuversichtlich und geht davon aus, dass die Stromgestehungskosten von nicht subventionierter Solarenergie im Vergleich zu konventioneller Stromerzeugung, einschließlich Kohle, Kernkraft, Erdgas-Spitzenlastkraftwerken und sogar Windenergie, niedriger sein werden. Außerdem sieht das Solarunternehmen ein erhebliches Wachstumspotenzial bei der weltweiten Installation von Photovoltaik-Kapazitäten. Zusätzlich zu diesem Wachstumspotenzial erhofft sich First Solar möglicheVorteile durch die Dekarbonisierungsziele der US-Regierung.

Was ist aus Ihrer Sicht die richtige Kapitalstruktur eines Projekts im Bereich der erneuerbaren Energien und verändert sich diese Struktur im Laufe des Projekts?

National Grid, UK (Versorger): Bei dem Unternehmen National Grid werden Projekte in der Entwicklungsphase vom Projektentwickler finanziert. Das Unternehmen berichtet, dass beispielsweise bei Baubeginn in den USA eine Kapitalbeteiligung (Equity) vereinbart wird, die einen wesentlichen Teil der dauerhaften Kapitalstruktur ausmacht. Bei diesen typischen Tax-Equity-Partnerschaften gehen die Projekte (beispielsweise bei Windkraftanlagen) spätestens nach zwölf Jahren in den vollständigen Besitz des Equity-Sponsors über.

Wie hoch schätzen Sie die Auswirkungen und Risiken von Engpässen und/oder steigenden Kosten in der Lieferkette? Ist das ein kurzfristiges Phänomen oder sehen Sie langfristige Auswirkungen auf Ihr Geschäft?

Falck Renewables, Italien (Windenergie): Die Ereignisse im Suezkanal Anfang des Jahres haben die Bedeutung und den Einfluss von Lieferengpässen erstmals praktisch vor Augen geführt. Doch nicht nur die Havarie des Schiffes „Ever Given“ hat globale wirtschaftliche Folgen mit sich gezogen, auch der eingeschränkte Flugverkehr, Hafenschließungen im asiatischen Raum und die daraufhin steigenden Rohstoffpreise betreffen Unternehmen weltweit. Alle kontaktierten Stromerzeuger sind von den Engpässen und verteuerten Rohstoffen betroffen. Dennoch herrscht große Zuversicht, dass die Situation nächstes Jahr bewältigt ist. Beispielsweise erwartet das italienische Unternehmen Falck Renewables einen Rückgang der Rohstoffkosten im ersten Quartal des nächsten Jahres. Um diese Probleme zukünftig in den Griff zu bekommen, ist eine der Strategien des Unternehmens, auf die lang aufgebauten Beziehungen mit seinen Lieferanten zu setzen, um so Lieferschwierigkeiten oder gar Ausfälle zu vermeiden.

Aus unserer Sicht kann es durch den Eintritt vieler großer Energiegesellschaften in den Bereich der erneuerbaren Energien zu einem Druck auf die Gewinnmargen kommen. Wie hoch sehen Sie dieses Risiko?

Aker Offshore Wind, Norwegen (Windenergie): Für Aker Offshore Wind kann der Eintritt neuer kapitalstarker Konkurrenz zu Herausforderungen führen, doch mit seiner führenden Technologie im Offshore-Windgeschäft ist das Unternehmen zuversichtlich, sich auch gegen diese neuen Marktteilnehmer durchsetzen zu können. Besonders in der südlichen Hemisphäre sieht das Unternehmen Chancen, denn globale Riesen fokussieren sich primär auf die Märkte USA und UK.

Was kann Ihr Unternehmen positiv zum SDG 11* beitragen? Haben Sie spezifische Ziele in diesem Bereich?

Azure Power, Indien (Solarenergie): Für den indischen Solarpanele-Hersteller Azure Power spielt SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) eine wesentliche Rolle, denn mit seinen Solarpanelen auf den Dächern der Stationen versorgt das Unternehmen die U-Bahn der 19-Millionen-Einwohnermetropole Delhi mit Energie. Das Unternehmen hat Pläne, die innerstädtische Solarversorgung auf den Dächern von Delhi auszubauen, der ansonsten benötigte Strom wird von Solarparks außerhalb der Metropole in der Peripherie erzeugt. Außerdem liefert Azure Power den Strom für weitere Schienennetze und dieWasserversorgung in Delhi.

Welche Investitionen sind in Ihrem Unternehmen geplant oder werden aktuell umgesetzt, um Treibhausgasemissionen zu verringern? Wie messen Sie den Erfolg dieser Maßnahmen?

Aker Offshore Wind, Norwegen (Windenergie): Bei der Errichtung neuer Projekte muss leider oft auf sehr CO2-intensive Rohstoffe zurückgegriffen werden. Eine Möglichkeit, mit diesem Problem umzugehen, ist beispielsweise, Windkraftwerksflügel wiederverwertbar zu machen, wie es das norwegische Unternehmen Aker Offshore Wind bereits umsetzt. Außerdem wird bei den Windparks von Aker Offshore Wind der Stahlverbrauch möglichst gering gehalten und auf nachhaltigere Baustoffe gesetzt. Bei der Kohlenstoffabscheidung wird auf die Expertise innerhalb der Aker Group zurückgegriffen, ganz besonders auf Aker Carbon Capture, ein Unternehmen, das seit 20 Jahren Erfahrung in diesem Bereich besitzt.

Der Umweltaspekt (E) der ESG-Dimensionen spielt bei Ihrem Unternehmen eine sehr große Rolle.Was sind darüber hinaus wichtige Maßnahmen in den Bereichen S (Soziales) und G (Governance/Unternehmensführung) in Ihrem Unternehmen?

Ormat, Israel (Geothermalenergie): Für das israelische Unternehmen Ormat ist Transparenz nicht nur ein Teil der sauberen Unternehmensführung, sondern auch ein wichtiger Teil des finanziellen Erfolgs. Durch Transparenz in den Prozessen will Ormat Möglichkeiten für neue Projekte und Engagement schaffen, außerdem bekennt sich Ormat zu einer sehr engen Kommunikation mit seinen Stakeholdern.


* Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen; SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden

Die vollständige Ausgabe 33 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Kryptoassets in der Abwärtsrallye – oder doch nicht?

von Eliézer Ndinga, Research Lead, 21Shares.

Als Folge der Verbreitung der neuen Covid-19-Variante brach der gesamte Aktienmarkt im Laufe der letzten Woche deutlich ein1 und nahm den Kryptomarkt dabei gleich mit. Die durch Panik ausgelöste Rallye löste einen deutlichen Verkaufsdruck auf dem US-Aktienmarkt und der Erdölindustrie aus – als Folge sank der S&P 500 Futures am 26. November um zwei Prozent2, der Dow Jones Industrial Average um 2,5 Prozent und Öl um mehr als 10 Prozent.3 Im Vergleich dazu erlebte der Kryptomarkt seine in diesem Jahr leichteste Kurskorrektur, der Bitcoin verlor dabei nur rund 20 Prozent im Vergleich zu seinem kürzlich erreichten Allzeithoch (siehe untenstehende Grafik).

Nichtsdestotrotz erwies sich die vorhersehbare Panik als Überreaktion, als der US-Aktienmarkt danach wieder um ein Prozent anstieg und damit fast die Hälfte des Abverkaufs von Freitag wieder ausgleichen konnte. Nicht zuletzt dadurch, dass der US-Präsident mit seiner Erklärung, die Omikron-Variante sei kein Grund zur Besorgnis und dass vorerst keine weiteren Lockdowns geplant wäre, viele Nerven beruhigte.4 Erwähnenswert ist auch, dass der Präsident der Fed, Jereme Powell, vor dem Kongress zum CARES-Gesetz aussagte, und dort die Auswirkungen der Omikron-Variante auf die US-Wirtschaft und die Folgen für die restriktive Geldpolitik erörterte, die kürzlich zur Eindämmung der steigenden Inflation beschlossen wurde. Laut seiner Aussage erschwert die neue Mutation den Plan zur Inflationsbekämpfung5, da die Staatsausgaben in die Höhe getrieben werden, falls sich die vorhandenen Impfstoffe nicht als wirksam erweisen und wieder Lockdowns eingeführt werden. Dabei handelt es sich um eine Vorstellung, die sich trotz ihrer Düsternis einmal mehr als Katalysator für risikofreudige Branchen wie die Kryptowirtschaft erweisen könnte.

Dafür sprechen auch die On-Chain-Daten von Bitcoin. Sie zeigen, dass die aktuellen Marktturbulenzen eher als eine mit dem COVID-Crash im März 2020 vergleichbare Kaufgelegenheit betrachtet wurden, statt als Anlass zur Sorge: Anleger, die 100 bis 10.000 Coins halten, haben in den letzten sieben Tagen weiterhin BTC im Wert von rund 3,5 Mrd. USD erworben, was auf eine baldige Fortsetzung des Aufwärtstrends des Marktes hindeutet.6 Eine weitere aufschlussreiche Entwicklung war die Anzahl an Bitcoin, die von langfristigen Besitzern (LTH) zu kurzfristigen Besitzern wechselte. Dies ist ein Trend, der in der Regel den Beginn eines Bullenmarktes anzeigt, da LTH zumeist bei niedrigerem Kurs kaufen und bei höheren Kursen verkaufen, während kurzfristige Besitzer zum Gegenteiligen neigen.7 Das Diagramm der Nettopositionsveränderung der Langzeithalter verzeichnet aktuell zum ersten Mal seit Oktober 2020 eine negative Kurve, was eine potenziell starke impulsive Bewegung symbolisiert, die Bitcoin in seine letzte ausgedehnte Rallye des Kurszyklus führen könnte.8

Doch das Bemerkenswerteste an der Kursbewegung von Bitcoin war sein Verhalten in der Nähe der 50.000 Dollar-Marke zum Ende der Woche. Wie unten zu sehen ist (siehe Wert „Trading Volume Profile“), haben Investoren größere volumengesteuerte Limit-Orders um den 50.000 Dollar-Bereich platziert. Die Beobachtung wird durch die Bewegung von Bitcoin über diesem Akkumulationsbereich bestätigt. Diese Entwicklung lässt sich dadurch erklären, dass Anleger dazu neigen, BTC zu einem höheren Preis zu kaufen, denn dies bestätigt ihnen, dass der Bullenmarkt immer noch intakt ist, anstatt manchmal Risiken einzugehen und niedriger zu kaufen. Zuletzt verrät ein Blick auf den SOPR-Indikator („Spent Output Profit Ratio“), dass die Inhaber noch nicht bereit sind, ihren Vermögenswert mit Verlust zu verkaufen, da das Verhältnis über das Wochenende an der Marke von Eins abprallte.9

Obwohl dem Bitcoin darüber hinaus noch positive Nachrichten zuteilwurden – der zweitgrößte Mining-Pool Foundry ließ verlautbaren, zu fast 70 Prozent mit nicht-fossilen Energien zu schürfen10 – war es Ethereum, das mit seinen Kooperationsprojekten im Rampenlicht stand. Adidas ging zur Nutzung des ETH-basierten und in Kürze startenden NFT-Service eine Kooperation mit Coinbase ein11, und Unternehmen wie Budweiser signalisierten ihre Begeisterung für NFT, indem sie ihren Twitter-Namen zu beer.eth änderten.12 Im Zuge dieser zunehmenden Adoption erreichten dezentrale Börsen allein im vergangenen Monat ein gesamtes Marktvolumen von 100 Milliarden Dollar13. Dazu kommen bereits vier Millionen Menschen, die DeFi-Anwendungen auf Basis von Ethereum nutzen.14 Und damit nicht genug: Die gesamte Marktkapitalisierung des Ethereum-Netzwerkes stieg auf ein Voluen von 500 Milliarden Dollar. Das zweitgrößte Kryptoasset liegt somit bei rund 50 Prozent der Marktkapitalisierung von Bitcoin, womit das Szenario des „Flippening“ – eine Situation, in der Bitcoin seine Führungssituation auf dem Kryptomarkt abgibt – näher rückt.

Wöchentliche Renditen

Die Renditen der fünf wichtigsten Kryptoassets in der letzten Woche waren wie folgt: — BTC (+ 0,48 Prozent), ETH (+ 2,3 Prozent), BNB (+ 6,62 Prozent), XRP (-6,8 Prozent), and ADA (-8,14 Prozent).


1] https://www.bloomberg.com/news/newsletters/2021-11-26/five-things-you-need-to-know-to-start-your-day?cmpid=BBD112621_MKT&utm_medium=email&utm_source=newsletter&utm_term=211126&utm_campaign=market#
2) https://twitter.com/splitcapital/status/1464150495736389634?s=27
3) https://www.reuters.com/markets/stocks/live-markets-chip-stocks-bounce-back-investors-await-omicron-details-2021-11-29/
4) https://www.theguardian.com/us-news/2021/nov/29/biden-omicron-covid-coronavirus-vaccines-boosters
5) https://www.federalreserve.gov/newsevents/testimony/powell20211130a.htm
6) https://twitter.com/santimentfeed/status/1463686112275156993?s=20
7) https://today.in-24.com/News/651305.html
8) https://beincrypto.com/on-chain-analysis-long-term-holders-start-selling-bitcoin-ready-for-surge/
9) https://studio.glassnode.com/metrics?%253Bm=indicators.Sopr&%3B%253BmAvg=7&%3B%253Bs=1423829821&%3B%253Bu=1581509821&%3B%253Bzoom=1825&%3Ba=BTC&%3Bm=indicators.Sopr&a=BTC&m=indicators.Sopr&s=1590969600&u=1603609199&zoom
10) https://twitter.com/sinocrypto/status/1461760742429011975?s=21
11) https://decrypt.co/87087/adidas-goes-full-metaverse-with-coinbase-partnership-and-the-sandbox-real-estate
12) https://twitter.com/BrantlyMillegan/status/1465336361351880711?s=20
13) https://www.theblockcrypto.com/linked/125633/decentralized-exchanges-near-100-billion-in-monthly-volume-for-november
14) https://finance.yahoo.com/news/ethereum-defi-users-reach-highs-101512808.html#:~:text=Data%20from%20Dune%20Analytics%20reveals,in%20regard%20to%20other%20metrics

Über 21Shares

21Shares hat die weltweit größte Auswahl von börsengehandelten Kryptowährungsprodukten basierend auf ETPs. Im Jahr 2018 leistete das Unternehmen Pionierarbeit bei der Notierung des weltweit ersten Kryptowährungs-Index an der SIX Swiss Exchange. Im November 2021 verwaltet 21Shares knapp drei Milliarden Dollar in 20 Kryptowährungs-ETPs und 80 Notierungen. Darunter das weltweit einzige ETP-Produkt auf Binance sowie mit Tezos und Solana zwei ETPs, bei denen Anleger Staking-Erträge genieren können. Drei Krypto Baskets, HODL, HODLV und HODLX runden die aktuelle ETP-Suite ab. Die Krypto-ETPs sind an acht regulierten europäischen und schweizerischen Handelsplätzen notiert.
Die Vision von 21Shares ist es, allen Anlegern eine einfache, sichere und regulierte Möglichkeit zu bieten, um über ein Bankkonto in Kryptowährungen zu investieren.
Weitere Informationen: https://21shares.com/

USA vor Europa 2022

von Peter Spijkman, leitender Anlagestratege bei Aegon Asset Management.

Die Dynamik mag sich in den letzten Monaten abgeschwächt haben, aber die Aktienmärkte weisen im bisherigen Jahresverlauf immer noch hohe Renditen auf. Sie wurden durch eine weltweit unterstützende Geld- und Fiskalpolitik nach oben getrieben, aber die hohen Bewertungen beunruhigen die Anleger.

Der Grund dafür ist leicht zu erkennen: Aus historischer Sicht und in Bezug auf die meisten Kennzahlen erscheinen die Aktien teuer. Die Zinssätze sind niedrig, ebenso wie die Renditenaufschläge für viele festverzinsliche Anlageklassen. Die Differenz zwischen der Gewinnrendite und dem Zinssatz für Staatsanleihen gibt Aufschluss darüber, wie die Anleger für das Eingehen von Aktienrisiken entschädigt werden, und diese Kennzahl befindet sich auf einem historisch niedrigen Niveau.

Während die Bewertungen insgesamt hoch erscheinen, ist das tatsächliche Bild jedoch differenzierter, da die Bewertungen in bestimmten Regionen und für bestimmte Sektoren sehr hoch sind. Insbesondere US-Aktien sind derzeit relativ teuer, vor allem im Vergleich zum Vereinigten Königreich und zu Europa. Dieser Bewertungsunterschied erklärt sich größtenteils durch die sektorale Zusammensetzung der Märkte und die dominierenden Branchen. In den USA ist der hoch bewertete Technologiesektor stärker vertreten, während in Europa die niedriger bewerteten Sektoren (vor allem Finanzwerte, Energie, Grundstoffe und Versorger) stärker gewichtet sind.

Unterstützendes Ertragswachstum

Die hohe Bewertung des Technologiesektors ist nicht irrational, sondern wird durch das starke Wachstum des Sektors in einer Zeit gestützt, in der niedrige Zinssätze Wachstum besonders wertvoll machen. Die Unternehmensgewinne im Technologiesektor sind fast doppelt so schnell gewachsen wie die des breiteren Indexes. Es gibt allen Grund zu der Annahme, dass sich dieses Wachstum fortsetzen kann: Der Trend zur verstärkten Nutzung und Übernahme von Technologie wurde durch die Pandemie noch beschleunigt. Dies trägt dazu bei, die höhere Bewertung des Sektors zu rechtfertigen.

Generell werden die höheren Bewertungen von Aktien durch das erwartete Gewinnwachstum gestützt. Im Jahr 2020 kam es aufgrund der Auswirkungen von Covid-19 auf die Weltwirtschaft zu einem starken Rückgang der ausgewiesenen Gewinne. Im Laufe des Jahres 2021 wurde deutlich, dass sich die Volkswirtschaften weltweit schnell erholen und die Unternehmensgewinne dem folgen werden. Für 2021 erwarten wir ein Gewinnwachstum von etwa 30 % im Vergleich zu 2019.

Sicherlich gibt es eine Reihe von Risiken für Aktien. Eine Erhöhung der Unternehmenssteuern würde beispielsweise den jüngsten Trend umkehren, dass Länder miteinander konkurrieren, um den Unternehmen niedrigere Steuersätze anzubieten, um die Schaffung von Arbeitsplätzen sowohl in den Unternehmen selbst als auch innerhalb der Lieferkette zu fördern. Die Regierungen können sich diese Großzügigkeit nicht mehr leisten. Die 20 größten Volkswirtschaften der Welt haben einen Plan für eine globale Reform unterzeichnet, der einen Mindeststeuersatz für multinationale Unternehmen vorsieht und die Möglichkeiten der multinationalen Unternehmen einschränkt, ihre Gewinne in steuerfreundliche Länder zu verlagern. Dies könnte den Unternehmensgewinnen einen Dämpfer versetzen, vor allem in Bereichen, auf die die Politik abzielt, wie z. B. im Technologiebereich.

Was bedeutet dies in der Praxis?

Für die entwickelten Märkte erwarten wir in den kommenden Jahren eine Rendite von knapp 6 % jährlich in US-Dollar. Die Dividendenrendite dürfte aufgrund der höheren Bewertungen niedriger ausfallen als in den letzten Jahren. Wir rechnen mit einer Dividendenrendite von etwa 1,6 %. Eine wichtige Komponente der langfristigen Aktienrendite ist das Gewinnwachstum. Für die kommenden Jahre gehen wir von einem weiteren Anstieg der Unternehmensgewinne aus, so dass das Dividendenwachstum wahrscheinlich über der Inflation liegen wird. Das sollte ein reales Dividendenwachstum von etwa 3 % bedeuten.
Da sich die Gewinne erholen, gehen wir davon aus, dass die Aktienmultiplikatoren leicht sinken werden. Gleichzeitig sollten die Aktienbewertungen über dem historischen Durchschnitt liegen, da die niedrigen Renditen auf festverzinsliche Anlagen die Bewertungen hoch halten werden.

Innerhalb der entwickelten Märkte sind wir trotz höherer Bewertungen positiver für die USA als für Europa gestimmt. Wir ziehen es vor, uns auf strukturelle Veränderungen wie Digitalisierung und Automatisierung zu stützen. Auch Technologieunternehmen dürften langfristig schneller wachsen als die traditionelleren Sektoren. Small Caps könnten sich ebenfalls als fruchtbarer Bereich erweisen, da sie im Vergleich zu Large Caps ein höheres Gewinnwachstum pro Aktie aufweisen. Es gibt echte Chancen, auch wenn die Gesamtbewertungen hoch erscheinen.


Den umfassenden Ausblick von Aegon Asset Management finden Sie hier: https://www.aegonam.com/en/aegon-insights/NewsArticles/long-term-outlook-2021/

Über Aegon Asset Management

Aegon Asset Management besteht aus aktiven globalen Investoren. Unsere 380 Anlageexperten verwalten und betreuen ein Vermögen von 391,1 Mrd. € / 463,8 Mrd. USD / 336,1 Mrd. £ (Stand: 30. Juni 2021) für einen weltweiten Kundenstamm bestehend aus Pensionsplänen, öffentlichen Fonds, Versicherungsgesellschaften, Banken, Vermögensverwaltern, Family Offices und Stiftungen.
Wir organisieren unsere Anlagekapazitäten rund um vier zielgerichtete Anlageplattformen, auf denen wir über umfangreiche Expertise in den einzelnen Anlageklassen verfügen: Fixed Income, Real Assets, Equities und Multi-Asset & Solutions. Jede Plattform umfasst engagierte Teams, die global organisiert sind und sich für die Maximierung ihrer Spezialgebiete einsetzen. Diese Plattformen werden von Teams unterstützt, die sich dem verantwortungsvollen Investieren und dem Multi-Management widmen.
Indem wir unsere Investmentteams global organisieren, arbeiten wir daran, unser Fachwissen und unsere Research-Ressourcen über regionale Grenzen hinweg nutzbar zu machen. Wir sind davon überzeugt, dass dies unser Performance-Potenzial steigert und zu besseren Anlageergebnissen für unsere Kunden beiträgt.
Über alle Plattformen hinweg teilen wir den Glauben an ein fundamentales, Research-getriebenes aktives Management, das durch ein effektives Risikomanagement und ein Bekenntnis zu verantwortungsvollem Investment untermauert wird. Unsere Investmentplattformen haben die Flexibilität, ihre Ressourcen und Prozesse so zu organisieren, dass sie am besten zu ihrem jeweiligen Schwerpunkt passen.
Wir sind ein globales Unternehmen: Unsere 1.200 Mitarbeiter sind in ganz Europa, Amerika und Asien tätig. Wir investieren global und betreuen unsere Kunden lokal.

Kapitalmarktausblick 2022: Trotz Covid, Inflation und Lieferengpässen geht Erholung weiter

Die Erste Asset Management ist optimistisch, dass sich die Erholung der Wirtschaft in Folge der globalen Pandemie 2022 fortsetzt.

„Zwar werde das globale Wachstum nicht mehr im selben Tempo wie heuer voranschreiten, aber mit rund 5% werde ein Wert prognostiziert, der deutlich über dem Potential liege“, argumentiert Gerold Permoser, Chief Investment Officer, Erste AM bei der Pressekonferenz zum Kapitalmarktausblick 2022.

Erholung wird vom privaten Sektor getragen

„Verglichen mit früheren Rezessionen sind wir relativ schnell aus der Krise gekommen. Entscheidend dafür ist die Geld- und Fiskalpolitik der Notenbanken und Regierungen gewesen, die mit ihrer Unterstützung die starke Erholung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes im heurigen Jahr gestützt haben“, so Permoser.

2022 werde die Erholung weitergehen und stark durch den privaten Sektor getragen, ist Permoser überzeugt. Die Konsum-Nachfrage werde hoch bleiben. Auch das Auffüllen der nach der Pandemie leeren Lager werde sich 2022 positiv auf die Nachfrage auswirken.

Die Gefahr für Rückschläge durch eine weitere COVID-Welle sei zwar gegeben, aber nicht mehr so hoch wie in der Vergangenheit.

Ein weiteres Risiko für die optimistische Prognose gehe von anhaltend hohen Inflationsraten aus, welche wiederum die Zentralbank unter Druck bringen, die geldpolitischen Zügel schneller als derzeit erwartet, anzuziehen.

Der starke Preisauftrieb sei vor allem auf die Sondersituation der Engpässe bei Rohstoffen, Halbleitern und Transportkosten zurückzuführen. Diese Sondersituationen sollten sich im ersten Halbjahr 2022 weitgehend auflösen.

China mit neuer Wachstumsstrategie

Eine Schlüsselrolle für die Fortsetzung der Erholung nimmt China ein. Die straff geführte Wirtschafts-macht baue die Wirtschaft um und fokussiere sich auf eine Stärkung der Binnenwirtschaft und die größere Eigenständigkeit des Landes.

Erreicht werden soll das durch eine Konzentration auf Schlüsselindustrien, die Stabilität am Finanz- und Immobilienmarkt, Mega-Investitionen in die Dekarbonisierung und die Verringerung der hohen Einkommensungleichheit. Durch diese Neuorientierung werde China zwar kurzfristig langsamer wachsen, längerfristig sei das aber positiv für die Wachstumsaussichten Chinas einzuschätzen.

China könne damit der Motor der Weltwirtschaft bleiben, es werden nun aber eher Sektoren profitieren, die mit dem Konsum verknüpft sind und weniger die Immobilienwirtschaft und der Exportsektor.

Richtungsänderung in der Geldpolitik

Mit zunehmendem Fortgang der Erholung und einer stärkeren Rolle des Privaten Sektors werden Zentralbanken 2022 die extrem unterstützende Geldpolitik der vergangenen zwei Jahre schrittweise zurückfahren. Vor allem die aktuell hohen Inflationsraten haben viele Zentralbanken hier schneller als zu Beginn des Jahres unter Druck gesetzt.

Vor allem in den Emerging Markets, wo Inflationserwartungen weniger gut verankert bzw. Zentralbanken oftmals einen geringeren Grad politischer Unabhängigkeit aufweisen, waren viele Zentralbanken gezwungen, die geldpolitischen Zügel anzuziehen.

Kursanstiege 2021 vor allem auf Gewinnwachstum zurückzuführen

Gemessen an vergleichbaren Phasen in der jüngsten Vergangenheit haben sich die Unternehmensgewinne 2021 schneller und stärker erholt.

Damit veränderten sich auch die Bewertungen der Unter-nehmen trotz der Kursanstiege zum Vorjahr nicht wesentlich. Aktien werden daher in den Portfolien der Erste AM weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Permoser: „Wir erwarten, dass die Gewinne 2022 weiter steigen werden, aber nicht mehr mit der Dynamik, die wir heuer gesehen haben.“ Wir gehen von Zuwachsraten im Ausmaß des nominalen Wirtschaftswachstums – in der entwickelten Welt zwischen 5 und 10% – aus.

Damit sollten Aktieninvestoren auch mit Kursanstiegen in diesem Ausmaß rechnen können. Zumal Alternativen zu Aktien weiterhin rar gesät sind. Staatsanleihen seien wegen des Zinsänderungsrisikos weiter unattraktiv. „Und mit Renditeanstiegen ist in unserem Erholungsszenario zu rechnen“.

Anlagevolumen der Erste Asset Management 2021 stark gewachsen

Die erfreuliche Entwicklung bei den Volumina der Erste Asset Management hat sich 2021 fortgesetzt. Die Summe des veranlagten Investmentfonds- und Asset Management Volumens lag Ende Oktober bei 74,7 Mrd. Euro.

Das ist eine Zunahme von 9,5% gegenüber dem Wert zum Jahresende 2020. Die Volumina verteilen sich mittlerweile „ausgewogen“ auf die verschiedenen Anlage-Kategorien: Der größte Anteil der Volumina entfällt auf Gemischte Fonds (20,5 Mrd. Euro), Anleihenfonds (19,7 Mrd. Euro) und Aktienfonds (16,5 Mrd. Euro).

„Fonds, die schon mit Einstiegsbeträgen in moderater Höhe eine komplette Vermögensverwaltung bieten, aber auch nachhaltige Fonds und der Dauerbrenner Immobilienfonds haben zu diesem Wachstum wesentlich beigetragen“, betont Heinz Bednar, Geschäftsführer Erste AM.

Das Nettomittelvolumen konnte seit Jahresbeginn um 3,3 Mrd. Euro gesteigert werden. Die stärksten Nettomittelzuwächse verzeichnete die Erste AM in Österreich, in Tschechien und in der Slowakei.

Weiter an Bedeutung gewonnen hat das Segment der nachhaltigen Investmentfonds mit einem veranlagten Volumen von über 14,3 Mrd. Euro. Die im März in Kraft getretene Offenlegungsverordnung der EU hat diesen Prozess beschleunigt. Durch die in den Klimakonferenzen festgeschriebenen CO2-Reduktionsziele – etwa was den Kohleausstieg betrifft – und abgeleitet durch die offensiven Pläne der neuen deutschen Bundesregierung in Richtung Dekarbonisierung oder die ökosoziale Steuerreform in Österreich werden Investitionen in den Klima- und Umweltschutz auf Dauer wachsen.

„Wir gehen davon aus, dass diese Beispiele in ganz Europa Schule machen werden“, so Bednar.

Als chancenreiche Fonds für 2022 erachtet Bednar daher weiterhin nachhaltige Fonds wie beispielsweise den globalen Aktienfonds ERSTE RESPONSIBLE STOCK GLOBAL und den grünen Themenaktienfonds ERSTE GREEN INVEST, den auf die Abwehr der Inflation ausgerichteten ERSTE REAL ASSETS und für den langfristigen Vermögensaufbau den Dachfonds YOU INVEST advanced, mit einer Mischung unterschiedlicher Anlageklassen, die dynamisch verändert werden könne.

Die gesamte Pressekonferenz


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Von Cloud-Computing bis zu Glasfasernetzen: Digitale Infrastruktur ist ein agiles Wachstumsinvestment

von Michael Gollits, Vorstand der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds.

Die Industrie 4.0 will mit intelligenten Fabriken, der Integration des Internet of Things (IoT) und der Nutzung künstlicher Intelligenz den Schritt zu einer Ressourcen-schonenderen, wirtschaftlich effizienteren und individuelleren Fertigung vollziehen. Oft wird übersehen, dass dieser Schritt nur mit einer modernen digitalen Infrastruktur möglich ist. Das bietet eine Chance für Investoren, sich rechtzeitig zu positionieren.

Zur Hannovermesse 2011 wurde erstmal Industrie 4.0 als Bezeichnung für eine umfassende Digitalisierung von Produktionsprozessen in die breite Öffentlichkeit getragen. Was als deutsches Projekt begann, hat unter anderen Namen international großen Anklang gefunden, zuletzt im chinesischen „Made in China 2025“. Digitale Produktionsprozesse können nur mit einer ebenso digitalen Infrastruktur funktionieren. Infrastruktur wird dadurch radikal zu einem technikgetriebenen Wachstumsmarkt transformiert. Schon früher hat eine Veränderung der Industrie direkt die Infrastruktur beeinflusst.

Mit der Massenproduktion von Waren wuchs zunächst die lokale Verkehrs- und Energieinfrastruktur. Mit der Globalisierung von Lieferketten musste auch die Verkehrsinfrastruktur global vernetzt werden. Bereits in der aktuellen Industrie 3.0 mit ihren automatisierten Produktionsschritten und Robotik-Einsatz spielt digitale Infrastruktur eine erhebliche Rolle. Die Industrie 4.0 stellt noch einmal höhere Anforderungen an die digitale Infrastruktur.

„Cloud-Computing benötigt trotz seines Namens viel Platz für Millionen Server“

Doch was ist nun digitale Infrastruktur? Das einfachste Beispiel liefert die Amazon-Tochter AWS (Amazon Web Services), die Rechenzentrumsleistungen vermietet. Obwohl die Cloud-Computing Sparte nur 12% zum Umsatz beiträgt, steuert sie aufgrund der Margenstärke 50% zum operativen Ergebnis von Amazon bei. Die Rechenzentren sind immer noch die Cash-Cows, mit denen Amazon seine Expansion im Online-Handel subventioniert. Natürlich gibt es auch reine Cloud-Anbieter ohne Zugehörigkeit zu einem Konzern. Denn die „Cloud“ befindet sich keinesfalls in den Wolken, sondern benötigt viel Platz, um die Millionen von Server unterzubringen, die das Cloud-Computing ermöglichen.

Börsennotierte Immobiliengesellschaften bedienen diese Nachfrage mit hochspezialisierten Gebäuden. Der Marktführer unter diesen Datacenter-REITs, Equinix, bedient auf fünf Kontinenten die Bedürfnisse von rund 50% der Fortune-500-Unternehmen. Darunter auch die großen Cloud-Computing-Anbieter wie Google, Amazon oder Microsoft. Ganz anders stellt sich ein Investment in den chinesischen Anbieter GDS-Holdings dar. Das Unternehmen konzentriert sich nur auf den chinesischen Markt und betreibt neben der Vermietung von Stellplätzen für Rechner auch eigene Cloud-Computing-Dienstleistungen an. IT-Dienstleister wie Cloudflare oder Akamai partizipieren am Cloud Wachstum, da sie die Auslieferung digitaler Inhalte beschleunigen und gleichzeitig Firmennetze vor Angriffen aus dem Internet abschirmen.

„Infrastruktur wird zu einem agilen Wachstumsinvestment“

An diesen Beispielen sieht man, wie das Bild der klassischen Infrastruktur in Form physisch-fassbarer Objekte mit High-Tech verschmilzt. Der enorme Energiebedarf solcher Einrichtungen führt zu strategischen Entscheidungen über deren Lage. Neben der Anbindung an Daten- und Energienetzen und der Verfügbarkeit von Arbeitskräften spielen klimatische Bedingung eine Rolle, die Kühlkosten reduzieren. Eine weiterer Aspekt der digitalen Infrastruktur sind Investitionen in den Ausbau von Kommunikationsnetzen, seien es die dichter gesetzten Sendeanlagen für das 5G-Mobilfunknetz oder Glasfasernetze. Aber genauso wichtig sind Dienstleistungen, die die Effizienz erhöhen. Datenerhebung und Datenanalyse optimieren künftig traditionelle Infrastruktur. Im laufenden Betrieb übertragene Daten zur Nutzung von Verkehrsinfrastruktur erlaubt eine Optimierung von Wartungsintervallen und damit die Verlängerung der Lebensdauer. Die Europäischen Union sieht in ihrem Weißbuch „Künstliche Intelligenz“ erhebliches Potenzial für die KI im Transportwesen. Autonomes Fahren kann Transportkosten senken und Transportleistungen effizienter und zielgerichteter zur Verfügung zu stellen. Wer entlang der gesamten Wertschöpfungskette denkt, findet noch mehr Investitionsmöglichkeiten. Beispiele sind technische Ausrüstung für Datentransfer, smarte Energie- und Verkehrsnetze oder auch Software für die Entwicklung neuer, Ressourcen-sparender Bauten. Gerade hier bietet das Investieren über börsennotierte Unternehmen einen Vorteil gegenüber den bei Infrastruktur beliebten Private-Equity-Investments. Investoren können schnell auf solche Trendveränderungen durch technische Disruption mit einer Umschichtung reagieren. Infrastruktur wird so ein agiles Wachstumsinvestment.


Michael Gollits ist Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds. Der Fonds strebt die Erzielung einer attraktiven laufenden Ausschüttung bei möglichst gleichzeitiger Wertstabilität an. Michael Gollits startete seine Karriere bei F&C Management Ltd, in London. 1996 wechselte er zu einer deutschen Privatbank und war dort zuletzt als Bereichsleiter Wertpapiergeschäft verantwortlich für Kapitalmarktresearch, individuelles Vermögensmanagement und verantwortlicher Portfoliomanager einer Fondsfamilie. Von 2005 bis 2013 gestaltete er u.a. den Aufbau einer Privatbank in München und war als Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung für Kundenportfolios und gemischte Fonds mit Fokus auf Zukunftsthemen zuständig.

Zu kurz gedacht: Warum das Bitcoin-Mining-Verbot ein Fehler wäre

von Eliézer Ndinga, Research Lead, 21Shares.

Der Gesamtmarkt der Kryptoassets hat im Laufe der letzten Woche rund zehn Prozent abgegeben. Daher hat auch die Performance von Bitcoin gelitten, das wertvollste Kryptoasset sank im gleichen Zeitraum um 15 Prozent im Wert. Diese Entwicklung wurde vor allem mit der Möglichkeit eines EU-weiten Verbots von Bitcoin-Mining in Zusammenhang gebracht, das von einigen Politikern in Norwegen und Schweden aufgebracht wurde. Sollten andere EU-Staaten eine ähnliche Position signalisieren, könnte das einen kurzfristigen Abwärtsdruck auf das Asset zur Folge haben. Aktuell gibt der Indikator für die Kostenbasis kurzfristiger Investoren (“Short-Term Holder Cost Basis'') für Bitcoin einen Wert von 53.000 Dollar an (siehe untenstehende Grafik). Daher könnte ein Kurs, der sich in Richtung dieses Wertes bewegt, für neue Anleger ein Indikator für einen Bärenmarkt darstellen, die den Großteil des Verkaufsdrucks ausmachen. Darauf sind wir bereits in unserer letzten Research Note eingegangen.1

Um noch einmal auf die politischen Entwicklungen in Norwegen und Schweden einzugehen: Führende Verantwortliche schwedischer Finanz- und Umweltschutzbehörden sprachen sich für ein EU-weites Verbot von Proof of Work-Mining aus. Als Begründung wurde die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien durch Bitcoin-Miner angegeben. Bjørn Arild Gram, Norwegens Kommunal- und Distriktminister, vertrat einen ähnlichen Standpunkt.2

Derzeit ist dieses Verbot rein spekulativ und damit natürlich noch keine gesetzliche Regelung. Damit dies geschieht, muss das Verbot erst von der Europäischen Kommission, dem Rat der Europäischen Union - dem dritten der sieben Organe der Europäischen Union (EU) – und auch dem Europäischen Parlament, das seine Zustimmung zur Verabschiedung von Gesetzen geben muss - erlassen werden.

Selbst wenn Bitcoin zu 100 Prozent mit sauberer Energie geschürft würde, wie es in Norwegen und Schweden der Fall ist: Es geht in dieser Debatte schlussendlich darum, ob Bitcoin existieren darf und überhaupt irgendeine Art von Energie verbrauchen darf. Die Existenzberechtigung einer Anlageklasse in Frage zu stellen, ist eine fruchtlose Debatte, wenn widersprüchliche ideologische Vorstellungen statt objektiver und datengestützter Forschung genutzt werden, um politische Entscheidungen zu treffen. Es gibt Beweise dafür, dass Bitcoin bereits jetzt in verschiedenen Ländern für unterschiedliche Zwecke von großem Nutzen war. So diente Bitcoin beispielsweise in Ländern wie Venezuela und Libanon als zensurresistentes Sparkonto und Zahlungsnetzwerk oder als Ergänzung bzw. für einige risikofreudige Anleger im Rahmen einer Portfoliooptimierung als Ersatz für Gold.

Darüber hinaus verbraucht Bitcoin weniger Energie als die Goldförderung und -produktion, die Kupferproduktion und der gesamte Finanzsektor. Der Abbau dieser Rohstoffe ist zudem auch mit anderen Problemen verbunden, insbesondere in Schwellenländern. Dazu gehören Zwangsarbeit3 und die negativen Auswirkungen von Landabbau und -aneignung – all dies findet beim computergesteuerten Bitcoin-Mining nicht statt.

Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass Bitcoin ohne den Mining-Mechanismus nicht existieren kann, auch wenn fast 90 Prozent des zirkulierenden Bitcoin-Volumens bereits geschöpft wurde. Das Mining ist die Lebensader von Bitcoin und ist notwendig für dessen Funktion als zensurresistente Zahlungsinfrastruktur. Bitcoin-Mining erfüllt folgende Funktionen:

  1. Die Überprüfung von Transaktionen
  2. Die Verrechnung von Transaktionen
  3. Die Sicherung des Netzwerkes mit Rechenleistung, die elektrischen Strom benutzt
  4. Die Bezahlung von Minern und Schürfung neuer Coins als Belohnung für ihre Arbeit. Dies dient auch der Verteilung von BTC auf dem freien Markt, da die Miner ihre Betriebskosten decken müssen, indem sie sie nach 100 Blöcken oder 16 Stunden Arbeitszeit gegen lokale Währungen verkaufen. 

Bei 21Shares beobachten wir die Entwicklung dieser Situation genau. Nach Angaben von Euronews Next hat die EU-Kommission verlautbaren lassen, dass sie die Branche ermutigt, Anwendungen von energieintensiven Proof-of-Work-Blockchains (PoW)auf weniger anspruchsvolle Protokolle wie Proof-of-Stake (PoS) und hybride Konsensmodelle „umzustellen“. Es ist unwahrscheinlich, dass Bitcoin in absehbarer Zeit zu einem PoS-Sicherheitsmechanismus wechseln wird – im Gegensatz zu Ethereum und der Privacy-Coin Zcash. Wie bereits zu Beginn des Jahres erwähnt, haben die Umweltbedenken gegenüber PoW zu einer Entwicklung hin zu umweltfreundlichen Kryptonetzwerken, die auf PoS setzen, geführt – darunter Avalanche und Solana. Diese Entwicklung könnte sich fortsetzen – trotz anderer Risiken, die mit diesen jungen Netzwerken verbunden sind.

Wöchentliche Renditen

Die Renditen der fünf wichtigsten Kryptoassets in der letzten Woche waren wie folgt: BTC (-6,5 Prozent), ETH (-3,2 Prozent), BNB (-5,3 Prozent), XRP (-5,2 Prozent) und ADA (-5,6 Prozent).

Sonstige News: Binance Smart Chain stößt vor Upgrade auf Kritik von der Community

Was ist passiert?

Nutzer der Binance Smart Chain (BSC), einer DeFi-Blockchain, die mit Ethereum konkurriert, haben Störungen erlebt, die hauptsächlich auf die Verkürzung der Blockzeit auf drei Sekunden zurückzuführen sind, im Gegensatz zur durchschnittlichen Blockzeit von 13 Sekunden bei Ethereum. Vor einigen Tagen erreichte die Nutzerbindung von BSC mit 14,7 Millionen Transaktionen ein Allzeithoch4. Nutzer beschuldigen nun Binance, die eigene Community für mehr Profit über den Tisch zu ziehen. Die wütende BSC-Community machte ihrem Frust auf Github Luft, ein Nutzer nannte die Blockchain gar eine „verlorene Sache“.5 Entwickler beschweren sich über die fehlende Überprüfung des Codes, die fehlende Reaktion auf Fehlerberichte, insbesondere bei nicht synchronisierten Knoten, und die fehlenden Betatests, die die Blockchain ins Chaos stürzen.

Wie Binance selbst beschreibt, ist BSC eine Dual-Chain-Architektur, die 2020 in Betrieb ging und die es ihren Nutzern ermöglichen soll, ihre dezentralen Apps und digitalen Vermögenswerte auf der einen Blockchain zu erstellen und die Vorteile des schnellen Handels auf der anderen zu nutzen.

Warum spielt es eine Rolle?

Die Unzufriedenheit mit dem Upgrade könnte sich vor allem auf die Binance-eigene Kryptowährung Binance Coin (Ticker: BNB) negativ auswirken. BNC liegt aktuell bei einem Marktwert von 599,61 Dollar (7,21 Prozent). Die entstandene Frustration könnte manche Entwickler dazu bringen, ihre Apps statt auf BNB auf Ethereum oder anderen Ökosystemen wie Avalanche oder Solana zu entwickeln.

Noch dazu kommt diese Entwicklung zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, da die Regulierungsbehörden in Großbritannien und kürzlich auch in Japan und Singapur gegen die Binance-Börse vorgehen. BSC ist somit in eine verzwickte Situation geraten: Regulierungsbehörden und sogar eigene Entwickler stellen sich gegen das Kryptoprojekt, und nur ein größeres Update könnte Abhilfe schaffen.

Das für den 30. November geplante sogenannte Bruno-Upgrade oder BEP-95 v1.1.5 wird sich auf die Validatoren oder Full-Node-Betreiber auswirken6. Nach der Aktivierung sollte die Blockchain in der Lage sein, eine Reihe von neuen Funktionen zu verarbeiten und bestehende Fehler zu beseitigen.

Über 21Shares

21Shares hat die weltweit größte Auswahl von börsengehandelten Kryptowährungsprodukten basierend auf ETPs. Im Jahr 2018 leistete das Unternehmen Pionierarbeit bei der Notierung des weltweit ersten Kryptowährungs-Index an der SIX Swiss Exchange. Im November 2021 verwaltet 21Shares knapp drei Milliarden Dollar in 20 Kryptowährungs-ETPs und 80 Notierungen. Darunter das weltweit einzige ETP-Produkt auf Binance sowie mit Tezos und Solana zwei ETPs, bei denen Anleger Staking-Erträge genieren können. Drei Krypto Baskets, HODL, HODLV und HODLX runden die aktuelle ETP-Suite ab. Die Krypto-ETPs sind an acht regulierten europäischen und schweizerischen Handelsplätzen notiert.
Die Vision von 21Shares ist es, allen Anlegern eine einfache, sichere und regulierte Möglichkeit zu bieten, um über ein Bankkonto in Kryptowährungen zu investieren.
Weitere Informationen: https://21shares.com/

Inflation – ein schmaler Grat

von Agne Loibl, Fund Managerin, Erste Asset Management.

Seit dem Frühjahr 2020 hat sich der Blick auf die Inflation weltweit komplett gedreht. Zwischen der Finanzkrise 2008 und dem Beginn der Pandemie war eine zu niedrige Inflation ein Thema, seit dem Frühjahr 2021 werden dagegen Mehrjahreshöchststände bei der Inflation erreicht. Dies war nicht nur eine Überraschung für die Kapitalmärkte, sondern auch für die Zentralbanken.

Eine höhere Inflation, die im Einklang mit dem jeweiligen Inflationsziel der Zentralbank steht (und bleibt), in Kombination mit einem hohen Wachstum könnte als positive Entwicklung für die Volkswirtschaften in einem sogenannten „Inflationsboom-Szenario“ angesehen werden. Dieser Blogbeitrag soll einen Überblick über die Ursprünge und Gefahren eines solchen Szenarios geben.

Makroökonomische Entwicklung seit 2020

Die Bühne für das Inflationsboom-Szenario wurde durch die Antwort der Finanz- und Währungsinstitutionen auf die Covid-Pandemie bereitet: Sie boten volle Unterstützung an, um die Wirtschaft zu retten. Auf der fiskalischen Seite wurden riesige Konjunkturpakete aufgelegt, die im Wesentlichen aus den Bilanzen der Zentralbanken finanziert wurden.

Infolgedessen stiegen die Primärsalden der öffentlichen Haushalte und die Verschuldung (in % des BIP) in die Höhe. Ein großer Teil dieser Schulden wurde von den Zentralbanken übernommen. Der massive Anstieg der Arbeitslosigkeit konnte jedoch deutlich rückgängig gemacht und glücklicherweise auf ein niedrigeres Niveau zurückgeführt werden.

Wie bereits erwähnt, war die Inflation im Jahr 2020 überhaupt kein Thema mehr. Eine säkulare Stagnation (anhaltend niedriges Wachstum, niedrige Inflation und niedrige Zinsen) schien ein realistischeres makroökonomisches Szenario zu sein.

Annahmen für ein Inflation Boom-Szenario

Um angesichts des makroökonomischen Umfelds ein Szenario für einen Inflationsboom zu schaffen, sind mehrere Bedingungen erforderlich:

  • In erster Linie ist ein höheres BIP-Wachstum erforderlich, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Im gegenwärtigen (pandemischen) Umfeld könnte dieses Wachstum nur mit starken fiskalischen und monetären Eingriffen erreicht werden.
  • Die Kombination dieser Maßnahmen kann in der Tat als „Paradigmenwechsel“ bezeichnet werden und steht im Mittelpunkt des Szenarios. Im Prinzip bedeutet dies, dass sowohl die Geld- als auch die Fiskalpolitik im Vergleich zur Vergangenheit während der wirtschaftlichen Erholung lockerer bleiben. Einzelheiten zum „Paradigmenwechsel“ finden Sie im letztjährigen Blogeintrag zur Inflation.
  • Die anhaltende fiskal- und geldpolitische Unterstützung erhöht folglich die Nachfrage und steigert das BIP-Wachstum, wodurch die Arbeitslosenquote nach und nach sinkt. Wenn sie lange genug anhält, wird die Vollbeschäftigung erreicht werden. Zu diesem Zeitpunkt läuft die Wirtschaft bereits auf Hochtouren. Wenn die Behörden ihre Unterstützung nicht reduzieren, wird die Wirtschaft unterhalb der inflationsfreien Arbeitslosenquote (NAIRU) arbeiten, und es entsteht eine positive Produktionslücke. Die Wirtschaft beginnt sich zu überhitzen.

Diese Entwicklung übt von zwei Seiten Druck auf die Preise aus: erstens von der höheren Nachfrage und zweitens von der Angebotsseite aufgrund des Mangels an Arbeitskräften. Infolgedessen hebt ein etwas höheres Lohnwachstum die zugrunde liegende Inflation in Richtung des Zentralbankziels.

Rückblick auf die Annahmen

Das waren unsere Annahmen im Jahr 2020. Was hat sich bewahrheitet und was nicht?

  • Auf der fiskalischen Seite wurden riesige Konjunkturpakete aufgelegt, die zu steigenden staatlichen Primärdefiziten führten. Positiv zu vermerken ist, dass der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit recht erfolgreich war, da die Arbeitslosenquote in den USA von 14,8 % auf dem Höhepunkt im Frühjahr 2020 auf heute unter 6 % fiel.
  • Auf der monetären Seite erwarteten wir die Einführung einer Renditekurvensteuerung (Yield-Curve-Control). Dies geschah zwar nicht, aber die FED setzte ihr Programm zum Ankauf von Vermögenswerten mit ähnlicher Wirkung fort, und die Renditen blieben auf historischen Tiefstständen.
  • Darüber hinaus gingen wir von der Einführung des „Average Inflation Targeting“ aus. Dies wurde von der FED im August 2020 getan.

Aus heutiger Sicht kommen wir zu dem Schluss, dass der von uns erwartete Paradigmenwechsel nun eingetreten ist.

Inflation: Vorübergehend oder dauerhaft?

Die Pandemie hat in mehreren Dimensionen zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage geführt, z. B. zu einer Verknappung von Halbleitern, zu höheren Transportkosten und zu einer höheren Warenpreisinflation aufgrund der steigenden Warennachfrage, was zu überraschend hohen Inflationsraten geführt hat.

Die vielleicht wichtigste Frage in der Makroökonomie ist derzeit, ob dieser derzeitige Anstieg der Inflation vorübergehend oder dauerhaft ist.

Derzeit gehen wir aus mehreren Gründen davon aus, dass dieser Anstieg vorübergehend ist.

  • Als die Verbote nachließen, überschwemmten die Verbraucher den Einzelhandel mit neuen Aufträgen. Das verarbeitende Gewerbe nahm die Produktion wieder auf, aber es kam zu massiven Unterbrechungen der Lieferkette. Diese Störungen werden jedoch endgültig behoben werden – und können daher als vorübergehend angesehen werden.
  • Der Anstieg der Inflation ist nicht auf breiter Basis zu beobachten, sondern konzentriert sich auf einige Sektoren wie Gebrauchtwagen und andere langlebige Konsumgüter. Einige dieser sehr hohen Inflationsraten sind bereits im August wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt.

Da es sich um ein vorübergehendes Phänomen handelt, muss die US Notenbank FED nicht mit einer Zinserhöhung reagieren, so dass die Wirkung des Paradigmenwechsels anhalten könnte.

Historisch gesehen begann eine dauerhafte Inflation jedoch immer mit einer vorübergehenden Inflation: Dieser Wechsel könnte vor allem auf den veränderten Erwartungen der Marktteilnehmer beruhen: Sobald sie anfangen, eine höhere Inflation zu erwarten, handeln sie entsprechend, indem sie höhere Löhne fordern und die Produzenten die höheren Produktionskosten an die Verbraucher weitergeben.

Dies könnte zu einer Lohn-Preis-Spirale führen und den Weg für eine dauerhaft höhere Inflation ebnen. In diesem Fall entwickelt sich das Szenario eines Inflationsbooms zu einem Stagflationsszenario. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaft hohen Inflation derzeit gering ist, betrachten wir eine vorübergehende Inflation als unseren Basisfall.

Ein schmaler Grat für die Zentralbanken

Die größte Bedrohung für das Szenario eines Inflationsbooms ist jedoch eine mögliche Änderung der Inflation in eine dauerhafte.

Wenn die Inflation dauerhaft wird, könnte die Zentralbank auf zwei Arten reagieren:

  • Erstens könnte sie sofort mit einer Straffung beginnen. Dies würde den Paradigmenwechsel grundsätzlich verhindern. Die wirtschaftliche Erholung würde viel länger dauern. Infolgedessen wäre die Inflation kein Thema, und die gegenwärtigen Versorgungsengpässe würden aufgrund des allgemein niedrigeren Wachstums schneller behoben. Dies würde zu einem Szenario der säkularen Stagnation führen.
  • Andererseits könnte die Zentralbank auch zu spät handeln. Sie könnte die Fehler der 1970er Jahre wiederholen, indem sie eine dauerhafte Inflation erst dann anerkennt, wenn bereits eine Preis-Lohn-Spirale eingetreten ist. In diesem Fall müsste die Zentralbank sehr viel stärker und schneller reagieren, was zu einem weiteren Schock mit großen Preisanpassungen auf den Märkten führen würde. Darüber hinaus würde dies höchstwahrscheinlich zu einer wirtschaftlichen Stagnation führen, während die Inflation nicht sofort zurückgehen würde. Die Kombination beider Effekte wäre die Stagflation.
  • Neben diesen Szenarien gibt es noch eine weitere Alternative. Diese kombiniert das Szenario des Inflationsbooms mit einer Verbesserung der Produktivität. Das Produktivitätsboom-Szenario hat einen deflationären Effekt, der das BIP-Wachstum anhebt und die Inflation senkt.

Folglich ist es eine dünne rote Linie, auf der sich die Zentralbank bewegen muss, um beim Szenario des Inflationsbooms zu bleiben.

Fazit

Um unsere Ergebnisse zusammenzufassen: Ein Inflationsboom-Szenario ist in den wichtigsten Volkswirtschaften der Welt wahrscheinlich. Verglichen mit dem Zeitraum zwischen dem Ende der Großen Finanzkrise und dem Beginn der Pandemie bedeutet dies ein höheres reales BIP-Wachstum und eine höhere Inflation.

Der „Paradigmenwechsel“ ist die wichtigste Triebkraft für dieses Szenario, da er den Schwerpunkt mehr auf Beschäftigung und Löhne als auf die Eindämmung der Inflation legt. Die beiden großen Risiken dieses Szenarios bestehen darin, dass 1) die derzeit hohen Inflationsraten dauerhaft bleiben und 2) eine starke wirtschaftliche Überhitzung nach Erreichen der Vollbeschäftigung ein stagflationäres Umfeld hervorruft.

Ein Inflationsschub war im Frühjahr und Sommer 2021 in den meisten der größten Volkswirtschaften weltweit zu beobachten sein, der Wachstum trotz eines rezessiven Umfelds erlaubt hat . Die Zentralbanken müssen die makroökonomische Entwicklung genau beobachten und die Überhitzung der Wirtschaft zum richtigen Zeitpunkt abbremsen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wie werden sich digitale Assets in naher Zukunft entwickeln?

von Benjamin Dean, Director, Digital Assets bei WisdomTree.

In etwas mehr als einem Jahrzehnt haben sich digitale Assets aus dem Nichts zu einem lebendigen, vielfältigen und schnell wachsenden Ökosystem entwickelt. Durch einige Maßnahmen, wie die Marktkapitalisierung, hat das Ökosystem kürzlich ein Allzeithoch von über drei Billionen US-Dollar erreicht1. Dies beinhaltet nicht den Wert der Unternehmen, auf denen aufgebaut wurde, oder die Nutzung digitaler Asset-Netzwerke. Als Beispiel: Coinbase wird derzeit auf über 70 Milliarden US-Dollar2 und FTX auf 25 Milliarden US-Dollar3 geschätzt. Darüber hinaus wickeln einige dieser dezentralen Zahlungsnetze täglich Transaktionen im Wert von über 100 Milliarden US-Dollar ab4 – eine Zahl, die keine Transaktionen innerhalb von Closed-Loop-Diensten wie Cash App oder Blockchain.com beinhaltet.

Mit diesem Wachstum und diesen Meilensteinen, die nicht mehr nur rein hypothetisch sind, stellen sich zwei Fragen: Wie könnte dieser Bereich in Zukunft wachsen – und welche Chancen könnten sich daraus ergeben? Bei der Überlegung von Antworten auf diese Fragen ist es hilfreich, sein Denken in Bezug auf aufkommende Anwendungsfälle sowie technische Veränderungen zu strukturieren.

Zahlungen sind der ursprüngliche Anwendungsfall – die „Killer-App“ – für digitale Asset-Netzwerke und dieser Anwendungsfall wird nicht verschwinden. Die wichtigste Entwicklung für diesen Anwendungsfall ist die Integration von Digital Asset Networks – und deren Bezahlfunktionalität – in bestehende Internetplattformen und in alltägliche mobile Zahlungsanwendungen. Zum Beispiel hat Jack Dorseys Twitter damit begonnen, Benutzerprofilen Bitcoin Lightning-Wallets zuzuweisen, was Personen ermöglicht, sich im Austausch für Inhalte günstig, schnell und nahtlos gegenseitig „Trinkgelder“ zu geben5. Immer mehr Open Source Bitcoin Lightning Wallets erscheinen in mobilen App Stores mit besser gestalteten Benutzeroberflächen (zum Beispiel Muun6, Pine7, BlueWallet8). Dies ist mit neuartigen Möglichkeiten des Erwerbs von Bitcoin verbunden, wie beispielsweise dem Gutscheinprodukt „Mobile Recharge“ von Azte.co9. Western Union wird sein Geschäftsmodell wieder einmal ändern müssen.

Gleichzeitig finden Entwickler immer neue Wege, die dezentrale Anwendungsfunktionalität von Netzwerken wie Ethereum, Solana oder Avalanche voll auszuschöpfen. Der Bereich der dezentralen Finanzen (DeFi) wird die Vertreter im traditionellen Finanzwesen (TradFi) später nachts wach halten, während Börsen (zum Beispiel Uniswap10), Kreditvergabe (zum Beispiel Aave11) und Yield-Farming-Dienste (zum Beispiel yearn12) neue Nutzer gewinnen.

Nicht fungible Token (NFTs), einfacher als digitale Sammlerstücke bezeichnet, waren im Jahr 2021 einer der wichtigsten Teile des Ökosystems für digitale Assets. Sie haben neue Nutzer, insbesondere aus der Unterhaltungs- und Kunstbranche, herangebracht und eine enorme Aktivität über Plattformen wie OpenSea vorangetrieben13. Die ersten Iterationen von Geschäftsmodellen in diesem Bereich werden sich wahrscheinlich in naher Zukunft entwickeln. Wenn man technisch versierte Entwickler mit Kreativen aus Kunst, Musik und Gaming zusammenbringt, ergibt sich eine vielseitige Kombination.

Gaming ist ein weiterer Bereich, in dem die Smart Contract-Funktionalität vorangetrieben wird. Gaming generiert bereits seit Jahren mehr Umsatz als Hollywood14. Kürzlich haben 500 Millionen Menschen das Finale eines eSports-Turniers verfolgt15. Digital Asset Networks stellen die Infrastruktur zur Unterstützung von In-Game-Token und Ökonomien bereit, die vielen dieser virtuellen Welten zugrunde liegen (zum Beispiel Axie Infinity16). Während die Grenzen zwischen Meatspace und Cyberspace weiter verschwimmen17, werden Veränderungen in der Art sichtbar, wie Menschen finanziell in dem interagieren, was derzeit als Metaverse bezeichnet wird.

Dies alles ist vor dem Hintergrund ständiger technischer Verbesserungen und Weiterentwicklungen zu betrachten. Das Bitcoin-Netzwerk wurde diesen Monat einem großen Upgrade unterzogen – Taproot genannt – das darauf abzielt, die Privatsphäre und Sicherheit des Netzwerks zu erhöhen18. Irgendwann wird das Ethereum-Netzwerk den lang erwarteten Übergang zu einem Proof-of-Stake-Konsensmechanismus19 vollziehen, der eine neue Renditequelle für diejenigen schaffen wird, die Ether „einstecken“, um einen Validierungsknoten zu betreiben. Eine größere Interoperabilität20 zwischen digitalen Asset-Netzwerken ist zu erwarten, wenn versucht wird, das Beste aus einer Kombination spezialisierter Funktionalitäten zu machen, die in verschiedenen Netzwerken angeboten werden.

Über die Zukunft des Ökosystems für digitale Assets nachzudenken ist aufgrund der Unvorhersehbarkeit von Open-Source-Entwicklergemeinschaften in Verbindung mit dem iterativen Trial-and-Error-Prozess, der den unternehmerischen Motor kennzeichnet, schwierig. Dies gilt jedoch nicht nur für digitale Assets – es ist eine wesentliche Dynamik, die neue Technologien während ihrer Entwicklung, Kommerzialisierung und Verbreitung erfahren. Im letzten Jahrzehnt gab es verschiedene Höhen und Tiefen im Digital Asset Ecosystem – die alle dazu führten, wo sich der Bereich heute befindet – und dies wird sich fortsetzen, wenn neue technische Funktionalitäten entwickelt werden und man auf neue Probleme stößt, für die die Funktionalität von Digital Asset Networks neuartige Lösungen bieten.“


1) https://www.coingecko.com/en/global_charts
2) https://www.cnbc.com/2021/11/12/backblaze-ipo-takes-opposite-approach-to-rivian-going-public-small.html
3) https://www.finextra.com/pressarticle/89905/ftx-hits-25bn-valuation-on-420m-funding-round
4) https://www.coingecko.com/en/coins/high_volume
5) https://blog.twitter.com/en_us/topics/product/2021/bringing-tips-to-everyone
6) https://muun.com/
7) https://pine.pm/
8) https://bluewallet.io/
9) https://azte.co/
10) https://uniswap.org/
11) https://aave.com/
12) https://yearn.finance/
13) https://opensea.io/
14) https://www.marketwatch.com/story/videogames-are-a-bigger-industry-than-sports-and-movies-combined-thanks-to-the-pandemic-11608654990
15) https://www.bloomberg.com/news/articles/2021-11-08/tencent-gets-respite-from-crackdown-with-league-of-legends-hits
16) https://axieinfinity.com/
17) https://www.wisdomtree.com/blog/2021-11-11/welcome-to-the-metaverse
18) https://www.theblockcrypto.com/linked/124276/bitcoin-taproot-activated
19) https://ethereum.org/en/eth2/
20) https://www.wisdomtree.eu/en-gb/blog/2021-11-10/digital-asset-networks-are-like-train-lines

ETF abgelehnt – Anleger bleiben BTC treu

von Eliézer Ndinga, Research Lead, 21Shares.

Die allgemeine Krypto-Marktstimmung lässt sich momentan als eher verhalten bezeichnen, was nicht zuletzt an der Ablehnung eines Antrags auf einen Bitcoin-Spot-ETF in den USA liegt. Die Nachricht hat vor allem kurzfristige Anleger zur Gewinnmitnahme bewegt, wie ein Blick auf die Bitcoin-Blockchain zeigt: In den letzten sieben Tagen fiel Bitcoin um acht Prozent. Etwa 90 Prozent des entstehenden Verkaufsdrucks kam (mit Stand 15. November) von kurzfristigen Investoren, also jenen, die innerhalb der letzten 12 Monate Bitcoin erworben hatten. Doch damit nicht genug: Bei 21Shares haben wir diesen Verkaufstrend auch unter der Gruppe der wertorientierten Anleger, die vor drei bis fünf Jahren gekauft hatten, identifiziert. Diese Gruppe macht jedoch nur rund vier Prozent des beobachteten Verkaufsdrucks aus – ein klarer Beleg dafür, dass langfristige Investoren nach wie vor auf Bitcoin und dessen Grundwerte und Innovationen vertrauen – und in weiterer Folge auf den restlichen Kryptomarkt.

Bei 21Shares sehen wir den Krypto-Markt am Beginn einer exponentiellen Wachstumskurve, die man mit dem Wachstum des Software as a Service (SaaS)-Marktes zu Beginn des Dotcom-Booms vergleichen könnte und die auch von zwischenzeitlichen, unerwarteten Einbrüchen – den „Black Swan“-Events – mit darauffolgender Abwärtsvolatilität nicht beendet werden wird. Obwohl noch weniger als zwei Prozent der Weltbevölkerung Zugang zu Kryptowährungen haben, wird Krypto das kollektive Denken über Geld, Finanzdienstleistungen und der breiten Palette an täglich genutzten Internetdiensten neu definieren.

Bitcoin entwickelt sich als Basis-Layer stetig weiter, wie gerade mit seinem unbestreitbar bedeutendsten Upgrade seit 2017 namens “Taproot”. Taproot bietet neben einer verbesserten Privatsphäre auch Transaktions- und Automatisierungseffizienz, von der sowohl die Bitcoin-Blockchain als auch das Lightning Network profitieren. Nachfolgend finden Sie die Grundbausteine ​​von Taproot (Englisch).


Über 21Shares

21Shares verfügt über die weltweit größte Palette an börsengehandelten Kryptowährungsprodukten (ETPs). Mit der Notierung des ersten Kryptowährungsindices an der SIX Swiss Exchange im Jahr 2018 leistete 21Shares Pionierarbeit und erweitert sein Produktportfolio seitdem konsequent mit innovativer Forschung und zukunftsweisenden Ansätzen. 21Shares möchte allen Anlegern eine einfache, sichere und regulierte Möglichkeit für den Kauf, Verkauf und Leerverkauf von Kryptowährungen über bestehende Bank- und Maklerkonten bieten. Onyx, die Emissionsplattform von 21Shares wird sowohl von 21Shares als auch von Drittpartnern für die Emission und das operative Geschäft mit Kryptowährungs-ETPs weltweit genutzt.
Weitere Informationen: https://21shares.com/

Gute Börsen-Stimmung dank profitabler US-Unternehmen

Die Monate November und Dezember zählen traditionell zu den stärksten Börsen-Monaten des Jahres. Oftmals wird im Zusammenhang mit den letzten beiden Monaten von einer „Jahresendrallye“ gesprochen, wenn die Kurse nach oben laufen. Das Börsenjahr 2021 ist für AnlegerInnen die Investiert waren, bisher durchaus positiv verlaufen. Der S&P 500, der Index der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen, hat seinen Wert seit Jahresbeginn um cirka ein Viertel gesteigert. Bezogen auf die letzten 5 Jahre haben sich die Kurse im Schnitt verdoppelt (Quelle Refinitiv Datastream, Stand 15.11.2021) – trotz der Rückschläge in der 2. Jahreshälfte 2019 und (Corona-bedingt) im Frühjahr 2020.

Über 80% der Unternehmen mit positiven Gewinn-Überraschungen

Wir wollen uns in diesem Beitrag den fundamentalen Faktoren zuwenden, die für den starken Kursverlauf maßgeblich waren. Also der Frage, wie ist es bei den Unternehmen tatsächlich gelaufen? Konnten sie die Umsatz- und Gewinnprognosen erfüllen oder sogar übertreffen? In den USA neigt sich die Berichtssaison zum 3. Quartal dem Ende zu. Anfang der Woche haben 92% der im S&P500 vertretenen Unternehmen ihre Ergebnisse berichtet. Trotz des Gegenwindes durch die aufkeimende Inflation, den wieder in die Höhe schnellenden Covid-Zahlen und Lieferengpässen in der Industrie (Stichwort Halbleiter-Mangel) lief es für die Unternehmen in den USA erstaunlich gut: 81% der Unternehmen überraschten mit Gewinnen, die über den Erwartungen lagen. Drei Viertel konnten auch die Umsatz-Erwartungen übertreffen.

In Zahlen gegossen lag das Gewinnwachstum in 3. Quartal 2021 verglichen zum 3. Quartal des Vorjahres bei +39,1% (Quelle: FactSet). Geschätzt wurde lediglich eine Steigerung um 27,4 %, was ebenfalls mehr als ordentlich gewesen wäre. In der historischen Betrachtung können wir vom drittbesten 3. Quartal sprechen, das es jemals gab. Alle Sektoren glänzten mit einem positiven Wachstum und strafen alle, die nach dem Lockdown-Rebound einen Einbruch der Wirtschaft heraufkommen sahen.

Zahlen der Superlative

Die höchste Diskrepanz zwischen den Erwartungen und den tatsächlich gelieferten Ergebnissen gab es im Finanzsektor. Dem stärksten Umsatzwachstum verglichen zu den Schätzungen der Analysten lieferte der Energiesektor. Nicht ganz den Erwartungen entsprochen haben die Gewinnmargen: Sie blieben mit 12,9% leicht unter den Schätzungen, aber in der Nähe des Rekord-Hochs der letzten Quartale und weit über dem 5-Jahres-Schnitt von 10,9%.

Bewertung über langjährigem Schnitt

Ein Wehrmutstropfen stellt die relativ hohe Bewertung der Aktien dar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf 12-Monatssicht steht aktuell bei 21,2 und liegt damit deutlich über dem 5-jährigen Schnitt (18,4) und dem 10-jährigen Schnitt (16,5). Die Preiserhöhungen, die wir vor allem im Energiesektor beobachten können, aber nicht nur dort, haben die Schätzungen der Analysten beeinflusst: Für das angebrochene 4. Quartal wird eine Fortsetzung des Gewinnwachstums von rund 20% und ein Umsatzwachstum von über 12% erwartet.

YOU INVEST weiterhin mit hoher Aktienquote

Wer sich nicht tagtäglich mit Börsen, Inflation und Zinsen beschäftigen möchte, findet in YOU INVEST einen bequemen Weg zur Geldanlage. Flexible Lösungen, professionelles Management und hohe Transparenz – das zeichnet YOU INVEST aus. Der variable Einsatz unterschiedlicher Anlageklassen ist dabei ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Veranlagung. Jede Anlageklasse hat unterschiedliche Ertragschancen, aber auch unterschiedliche Verlustrisiken. Um ein optimales Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag herzustellen, erfolgt eine breite Streuung über viele verschiedene Anlageklassen wie z.B. Gelder, Anleihen, Aktien oder Alternative Investments. Zusätzlich wird auch in unterschiedliche Regionen und verschiedene Währungen veranlagt. YOU INVEST wird in verschiedenen Varianten, abhängig vom Risiko-Grad angeboten. In allen Varianten wird momentan eine relativ optimistische Aktienquote belegt, was sich gemessen an der Wertentwicklung bezahlt gemacht hat (siehe Grafik).

Die Variante YOU INVEST active bietet AnlegerInnen einen dynamischen Mix unterschiedlicher Anlageklassen. Das Portfolio wird von AnlageexpertInnen der Erste Asset Management laufend überwacht und den aktuellen Marktchancen entsprechend optimiert. Der Fokus liegt aktuell weiterhin auf Aktien, die mit 42,8% (von möglichen 50% Anm.) den höchsten Anteil im Portfolio darstellen. Aufgrund des guten Wirtschaftsumfeldes und der Ertragsprognosen der Unternehmen werden außerdem Hochzinsanleihen zur Ertragsoptimierung eingesetzt. In zinssensitiven Staatsanleihen, die von steigenden Renditen in Mitleidenschaft gezogen werden könnten, bleibt der Fonds weiter unterinvestiert. Trotz der positiven Wachstumsaussichten kann es an den Börsen jederzeit zu Gewinn-Mitnahmen und Rückschlägen aus anderen Gründen kommen. Es gilt daher die Risiken der Märkte im Auge zu behalten. Im YOU INVEST active haben die FondsmanagerInnen die Möglichkeit rasch die Investmentstrategie den Martgegebenheiten anzupassen und beispielsweise die Anleihen- und Gold-Quote zu erhöhen.

Hinweis: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

FAZIT: Die US-Unternehmen glänzen mit hohem Gewinn- und Umsatzwachstum. Das spiegelt sich in den deutlich gestiegenen Aktienkursen wider. Wer das Marktgeschehen nicht täglich beobachten aber trotzdem von den Ertragsmöglichkeiten profitieren möchte hat mit YOU INVEST eine smarte Möglichkeit.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Digital Asset Networks sind wie Bahnlinien

von Benjamin Dean, Director, Digital Assets bei WisdomTree.

Digital Asset Networks sind wie Bahnlinien1. Ein wesentliches Merkmal, das ein effizientes und letztlich nützliches Eisenbahnnetz ausmacht, ist die Interoperabilität. Dies ist im Jahr 2021 nicht sofort offensichtlich, da die meisten Menschen an interoperable Eisenbahnnetze gewöhnt sind. Wer schon einmal an einer Landesgrenze umsteigen musste, hält diese Eigenschaft nicht für selbstverständlich – auch die Menschen in den 1850er Jahren taten dies nicht. Der gleiche Bedarf an Interoperabilität ist im gesamten digitalen Asset-Ökosystem offensichtlich geworden – und Entwickler arbeiten an Lösungen. Die Netzwerke, die in der Lage sind, „Brücken“ zu bauen und miteinander zu „kommunizieren“, werden letztendlich mehr Nutzen bringen – und damit einen höheren Wert schaffen.

Viele Menschen nutzen verschiedene Formen des Schienenverkehrs, ohne eine Sekunde über die Interoperabilität zwischen den Linien nachzudenken, die sie nutzen. Das war nicht immer so. Jahrzehntelang waren die ersten Bahnlinien genau: Linien. Jede wurde nach den Standards gebaut, die die Ingenieure angesichts der Anforderungen der Bahnlinie für angemessen hielten. Dies führte dazu, dass auf verschiedenen Strecken unterschiedliche Spurweiten verwendet wurden. Daher konnten Zugwaggons nicht ohne weiteres von einem Gleis auf ein anderes umgestellt werden – was mit einem hohen Zeitaufwand und hohen Kosten, bedingt durch das Umsteigen der Personen und/oder den Transfer der Fracht von einem Gleis zum anderen, verbunden war. Als diese Transaktionskosten deutlich wurden, wurden Lösungen entwickelt, die in einigen (nicht allen2) Ländern standardisierte Spurweiten beinhalteten.


Standardisierte Spurweiten sind … wichtig3

Ein ähnliches Phänomen lässt sich bei Digital Asset Networks beobachten. Der Code jedes Netzwerks ist in einer bestimmten Sprache geschrieben, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen. Das Endergebnis ist, dass viele dieser Netzwerke nicht mit den anderen „kommunizieren“ können. Dies erhöht die Schwierigkeit und die Kosten für Personen, die mehrere Dinge in diesen Netzwerken tun möchten.

Der Raum entwickelt sich jedoch weiter. Seit einigen Jahren werden eine Reihe von „Brücken“ zwischen verschiedenen Netzwerken entwickelt. Einfach ausgedrückt: „Eine Brücke in der Kryptowelt ist wie eine Brücke in der physischen Welt. Sie verbinden zwei unterschiedliche Standorte oder Gemeinschaften, sodass Verkehr und Ressourcen frei hin und her fließen können4.“ Diese Brücken ermöglichen es, Transaktionen in einem Netzwerk durchzuführen, die in einem anderen Netzwerk erkannt werden. Technisch gesehen „verpacken“ Personen Münzen oder Token so, dass diese Münzen oder Token in verschiedenen Netzwerken verwendet werden können. WBTC (wrapped bitcoin), bei dem es sich um Bitcoin in einem Ethereum-kompatiblen Wrapper handelt, ist ein solches Beispiel. Diese Lösung hat sich weitgehend bewährt – derzeit gibt es rund 13 Milliarden US-Dollar5 an verpackten Bitcoins – und das ist nur WBTC.

Ein weiterer Bereich, in dem eine größere Konnektivität zu beobachten ist, ist das Aufkommen interoperabler Protokolle. Dies lässt sich wie Eisenbahnlinien mit variabler Spurweite vorstellen6. Anstatt zu versuchen, einen exklusiven Raum zu schaffen, der die Benutzer einschränkt, haben sich einige der am schnellsten wachsenden Projekte entschieden, ihre Software so zu schreiben, dass ihre Dienste über verschiedene Netzwerke hinweg nutzbar sind. Die größten dezentralen Börsen haben früh erkannt, dass Interoperabilität notwendig ist. Curve, die derzeit größte dezentrale Börse mit einem Gesamtwert von 17 Milliarden US-Dollar7, ist mit sieben verschiedenen Protokollen interoperabel. SushiSwap ist der beste seiner Klasse – er ist mit dreizehn Protokollen interoperabel8. Dies geht jedoch über den Austausch hinaus. Aave, das Kredit-/Darlehenspools bereitstellt und daher so viel Liquidität wie möglich benötigt, ermöglicht, dass ihr Kredit-/Darlehensprotokoll in den Netzwerken Ethereum, Polygon und Avalanche verwendet werden kann.

Das digitale Asset-Ökosystem wächst und entwickelt sich weiter – genauso wie Zuglinien separat gebaut und dann zu den heute existierenden Netzwerken weiterentwickelt wurden. Die gute Nachricht ist, dass eine nachträgliche Implementierung der Interoperabilität in digitale Asset-Netzwerke, sei es über Brücken oder direkt über Protokollaktualisierungen, viel weniger kapitalintensiv ist, als Schienen aufzureißen und durch Schienen anderer Spurweite zu ersetzen. Dies ist eines der wesentlichen Merkmale von Software. Es kann damit gerechnet werden, dass Interoperabilität in den Teilen des Ökosystems eine Rolle spielt, die eine kritische Masse erreichen und aufrechterhalten – und dann letztendlich ihren Benutzern einen größeren Nutzen und Mehrwert bieten.


1) https://medium.com/hackernoon/bitcoin-analogies-7066c58df9ec
2) https://en.wikipedia.org/wiki/Rail_gauge_in_Australia
3) https://civilcrews.com/gauges/
4) https://medium.com/chainsafe-systems/bridges-in-crypto-space-12e158f5fd1e
5) https://www.coingecko.com/en
6) https://en.wikipedia.org/wiki/Variable_gauge
7) https://defillama.com/protocols
8) https://defillama.com/protocols