Investments in Technologiewerte: was Investoren beachten sollten

von Chris Gannatti, Head of Research, Europa, bei WisdomTree.

Unternehmen in der Informationstechnologiebranche haben die globalen Aktienmärkte seit der weltweiten Finanzkrise 2008/09 auf Rekordhochs getrieben. Da Investoren sich über die Konzentration in den Benchmarks bewusst sind, die sich nach der Marktkapitalisierung der weltweit größten Unternehmen richtet, wollen sie ihr Portfolio zukunftsträchtig aufstellen. Der Hauptvorteil eines gezielten, „thematischen“ Aktienengagements liegt darin, dass die Investoren aufkommende Themen über den gesamten Technologiesektor hinweg einbeziehen können, anstatt die Allokation in Unternehmen wie Facebook, Amazon, Alphabet, Apple, Microsoft und andere Großkonzerne zu erhöhen.

Thematische Ansätze in Bezug auf die Aktienmärkte sind nichts Neues und in Europa gibt es aktiv gemanagte Strategien bereits seit den frühen 2000er-Jahren. Anfangs wechselten die aktiven Manager dabei entweder zwischen verschiedenen Themen, wenn diese als attraktiv galten, oder sie engagierten sich in mehreren Themen gleichzeitig. Die zunehmende Verfügbarkeit von Anlagemöglichkeiten in Exchange Traded Funds, die um 2015 ihren Anfang nahm, hat den Markt insofern verändert, dass derzeit fast unbegrenzte thematische Optionen verfügbar sind.

Durch die Einteilung des breiten Universums thematischer Strategien in Kategorien lassen sich die Portfoliobausteine in einem sinnvollen Kontext analysieren. Dabei wurden vier weit gefasste Kategorien ermittelt: „Demografie und soziale Veränderungen“, „Technologische Veränderungen“, „Geopolitische Veränderungen“ und „Umweltbelastungen“. Die Kategorien sind wichtig, um das „Risiko“ für einen kommenden Zeitraum einzuschätzen. Es ist unwahrscheinlich, dass sich alle vier Kategorien über einen bestimmten Zeitraum hinweg gleich gut entwickeln – hingegen ist es wahrscheinlicher, dass beispielsweise Strategien zu „technologischen Veränderungen“ aufgrund der Marktbedingungen stärker begünstigt werden. Eine zukünftige Periode könnte zum Beispiel für „Demografie und soziale Veränderungen“ günstiger ausfallen. Ein Portfolio, das sich ausschließlich aus „technologiefokussierten“ thematischen Strategien zusammensetzt, ist gegenüber veränderlichen Marktbedingungen weniger widerstandsfähig als ein Portfolio, das eine Diversifizierung über den Technologiebereich hinweg anstrebt und in mindestens einer anderen dieser Kategorien investiert ist.

Selbst innerhalb der weit gefassten Kategorie „Technologische Veränderungen“ können sich Investoren auf untergeordneten Ebenen für einen Fokus auf Themen wie „Cloud-Computing“, „Künstliche Intelligenz“, „Cybersicherheit“, „Nanotechnologie“ entscheiden. Anhand dieser Kategorien lässt sich auch das Jahr 2020 in einen Kontext bringen. Im Laufe des vergangenen Jahres stand Cloud-Computing für eine Gruppe von Unternehmen, die während der COVID-19-Lockdowns hilfreiche Lösungen für die Bedürfnisse von Unternehmen und Verbrauchern boten. Ihre Performance spiegelte dies in der Tat wider. Das erste Quartal 2021 zeigte, dass sich die Volatilität bei Cloud-Computing-Strategien kurzfristig wohl erhöhen könnte. Das Hauptaugenmerk muss jedoch darauf gerichtet bleiben, dass die große Mehrheit der Unternehmenssoftware bis 2030 Cloud-basiert sein könnte und die Größe dieses „Kuchens“ sich heute auf rund 4 Billionen USD beläuft1.

Ein weniger langfristig ausgerichtetes und für 2021 opportunistisches Portfolio könnte sich in Richtung künstlicher Intelligenz mit einem starken Engagement in Halbleiter bewegen. Denn Halbleiter werden in zahlreichen Branchen benötigt und im bisherigen Jahresverlauf 2021 ist es bereits zu Engpässen gekommen. Cybersicherheit ist in einer Welt der Telearbeit zu einem interessanten Thema geworden. Trotz schwankender Aktienkurse dürfte die Nachfrage nach diesen Dienstleistungen stetig steigen.

Wo der Fokus eines Investors im thematischen Universum der Aktienstrategien auch liegen mag, wesentlich ist, dass stets sowohl die Methodik als auch die Komponenten geprüft werden. Es kann zwar sein, dass die Strategien im selben „Thema“ investieren, doch eine genauere Analyse kann unterschiedliche Engagements und zugrunde liegende Unternehmen ergeben. Bei WisdomTree sind wir von fundierten Auswahlmodellen überzeugt, bei denen jede zugrunde liegende Komponente über eine direkte Verbindung zum übergeordneten Thema verfügt. Dies kann sowohl zu einer kürzeren bzw. konzentrierteren Liste von Unternehmen führen als auch, je nach Thema, zu einer längeren Liste von Unternehmen mit unterschiedlichen Beteiligungsgraden in der „Wertschöpfungskette“ des Themas.

Bei thematischen Strategien ist es wichtig, dass die Methodik und das Engagement der Strategie zu den Ansichten des Investors passen und sich in sein Portfolio einfügen. Ansätze, bei denen sich das Engagement mit dem Thema weiterentwickeln kann, sind sogar noch wirkungsvoller.


1 Loten, Angus. „Software Bots Multiply to Cope with ‘Stretched’ Resources.“ Wall Street Journal. 25. Januar 2021.

Management der Zinskurve

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

In den letzten Tagen sind Aktien und andere risikobehaftete Wertpapierklassen unter Druck geraten, obwohl seit Jahresanfang der Optimismus für eine wirtschaftliche Erholung gestiegen ist. Kann das mit „Buy the rumor, sell the fact“ begründet werden? Waren also die guten Nachrichten in den Marktpreisen reflektiert? Oder steckt ein anderer Mechanismus dahinter, der von Bedeutung für zukünftige Entwicklungen sein könnte?

Wirtschaftswachstum höher als erwartet

Die Wirtschaftsindikatoren für das vierte Quartal 2020 haben sich in den meisten Ländern kräftiger als erwartet entwickelt. Die Schätzung für das globale Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im vierten Quartal wurden seit Jahresanfang von 1,3% auf 1,8% (im Vergleich zum dritten Quartal) nach oben revidiert (Quelle: Erste AM). Der negative Effekt der Eindämmungsmaßnahmen auf die wirtschaftliche Aktivität war etwas geringer als angenommenen. Vor allem der Fertigungssektor und der Güterhandel konnte sich gut halten und haben Ende 2020 das Vor-Covid-Niveau überschritten.

Länderweise fällt die kräftige Entwicklung in den USA (aufgrund der hohen staatlichen Unterstützung) und in Nordost-Asien (gutes epidemiologisches Management, hohe Nachfrage nach Gütern, insbesondere im IT-Sektor) auf. Naturgemäß waren die kontaktintensiven Servicesektoren am stärksten betroffen. Die Indikatoren deuten für das erste Quartal auf eine Eintrübung des globalen Wachstums auf 0,5% im Vergleich zum Vorquartal hin. Der Rückgang ist weniger ausgeprägt als ursprünglich veranschlagt. Für die Zukunft lassen die angelaufenen Impfstoffprogramme, die üppigen Fiskalpakete in den USA und im Vereinigten Königreich sowie die generell erhöhten Sparquoten der Konsumenten eine baldige kräftige Beschleunigung des Wachstums erwarten. Natürlich gibt es regionale Unterschiede.

Optimismus: Vor-Covid Niveaus bereits Mitte 2022?

Dieses Umfeld hat für einige wichtige Länder zu einer Aufwärtsrevision der Projektionen für das Wirtschaftswachstum auf die mittlere Sicht (drei Jahre) geführt. Das Vor-Covid-Niveau (viertes Quartal 2019) wird den Prognosen entsprechend, von Land zu Land unterschiedlich, früher als gedacht erreicht werden. Zum Beispiel erwartet die Europäische Kommission mittlerweile ein Erreichen des Vor-Covid-Niveaus Mitte 2022 anstatt Ende 2023. Weil dadurch die Ressourcen-Auslastung am Arbeitsmarkt und bei der Produktion besser ausfällt (die negative Produktionslücke geringer als erwartet ist), wird der mittelfristige Inflationsausblick, von Land zu Land unterschiedlich, leicht nach oben genommen. Aktuell befindet sich die Konsumentenpreis-Inflation in vielen Ländern unter dem jeweiligen Zentralbank-Ziel. Die Zentralbank-Ziele für die Inflation könnten in einigen Ländern früher als gedacht erreicht werden.

Renditen der Staatsanleihen steigen

Auf dem Finanzmarkt haben die besseren Wachstums- und Inflationsaussichten zu einem Anstieg von Staatsanleihen-Renditen geführt. Die wichtigste Referenzrendite, die zehnjährige Staatsanleiherendite in den USA, ist von 0,91% am 1. Jänner auf 1,47% angestiegen.

Hierbei sind zwei Entwicklungen bemerkenswert:

  • Die Geschwindigkeit des Anstiegs hat zugenommen.
  • Der Anstieg der nominellen Renditen wurde seit Jänner im Unterschied zum vergangenen Jahr nicht mehr hauptsächlich von zunehmenden Inflationserwartungen sondern von einem Anstieg der realen Rendite getrieben.

Die in den Anleihekursen eingepreiste Inflation hält aktuell bei 2,21%. Anfang Jänner betrug sie 2% (Stand: 4.3.2021, Quelle Bloomberg). Im Unterschied dazu stieg die um die Inflation bereinigte Rendite von minus 1,09% auf minus 0,75% an. In den letzten Tagen haben die Renditeanstiege zu Kursrückgängen bei zahlreichen anderen Assetklassen geführt. Wie kann das sein, wo doch der Wachstumsoptimismus gestiegen ist?

Grafik: Struktureller Rückgang der realen Renditen

Hinweis: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Wertpapierpreise: Wachstum versus Zinsen

Prinzipiell gibt es zwei mögliche Gründe für Kursrückgänge: Entweder gibt es enttäuschende Nachrichten für die zukünftigen Cash Flows (Dividenden bei den Aktien), oder die Zinsen steigen an. Aktuell haben sich die Wirtschaftsnachrichten verbessert, weshalb auch die Zinsen angestiegen sind. Hier kommt eine wichtige Beziehung in der Volkswirtschaft zum Tragen: Höheres Wachstum geht mit höheren realen Zinsen einher. Wenn im Durchschnitt die Einkommen steigen, wird ein Anreiz benötigt, nicht alles für den Konsum auszugeben, sondern auch zu investieren. Leider gibt es eine sehr hohe Bandbreite für die Sensitivität zwischen realen Zinsen und Wachstum (0,5% bis 2%).

Wachsen die Dividenden, wirkt sich das positiv auf den Aktienpreis aus. Genau umgekehrt verhält es sich bei steigenden Zinsen: die haben für Aktien meistens einen negativen Beigeschmack. Der Zusammenhang zwischen Zinsen, Wachstum und Wertpapierpreisen wird anhand der vielleicht wichtigsten Gleichung in der Finanzwirtschaft sichtbar: Der Preis eines Wertpapiers ergibt sich aus den erwarteten zukünftigen Zahlungen (Cash Flows). Bevor die Cash Flows jedoch zusammengezählt werden können, müssen sie auf den heutigen Tag abgezinst werden.

Generell gilt:

  • Je höher der Zinssatz, desto niedriger der heutige Wert (Barwert) der zukünftigen erwarteten Cash Flows.
  • Je weiter die Cash Flows in der Zukunft liegen, umso größer ist dieser Zusammenhang (gemessen anhand der sogenannten Duration). Tatsächlich haben in der vergangene Woche Wertpapierklassen mit einer langen Duration (und einer hohen Bewertung wie etwas Technologieaktien) am meisten gelitten.

Zwei Kernthemen

Bewegungen bei den realen Zinsen beeinflussen maßgeblich die Kursbewegungen bei anderen Wertpapieren. Ein wesentlicher Grund, weshalb zahlreichen Wertpapierklassen in den vergangenen Jahrzehnten hohen Kursanstiege verzeichneten war der Umstand, dass die realen Zinsen stärker gefallen sind als die Wachstumsaussichten.

Daraus ergeben sich zwei Kernthemen:

1. Wenn die Renditen strukturell (auf die lange Sicht) ansteigen, ändert sich der Zusammenhang (die Korrelation) zwischen Aktien und Anleiherenditen von positiv auf negativ. Kurzfristige Rendite-Anstiege könnten, im Unterschied zur Zeitspanne von den 1990ern bis jetzt, im Durchschnitt mit kurzfristigen Kursrückgängen bei den Aktien einhergehen.

2. Für die weitere mittelfristige Entwicklung der Aktienpreise ist nicht so sehr relevant, ob die realen Zinsen steigen, sondern ob sieo stärker oder weniger stark als die Wachstumserwartungen ansteigen. Hier wird den Zentralbanken eine wesentliche Rolle zukommen.

Zinskurven-Management vor Herausforderungen

Solange die expliziten und impliziten Ziele der Zentralbanken wie Vollbeschäftigung, Inflation langfristig bei 2%, Finanzstabilität und niedrige Zinsen für die Finanzierung der hohen Staatsverschuldung nicht in Konflikt geraten, ist alles in Ordnung. Für den Finanzmarkt und die Staatsschuldendynamik ist die Geldpolitik jedoch effektiver (niedrige Leitzinsen und hohe Liquidität befördern Wertpapierpreise nach oben und umgekehrt) als für Wirtschaftswachstum und Inflation (Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Konsumentenpreisinflation ist gering, gemessen anhand der Phillips-Kurve). Ein Boom an den Märkten war die Folge. Die Renditeaufschläge für das Länderrisiko sind trotz ansteigender Staatsverschuldung (zum Beispiel für Italien) gesunken.

Die Zentralbanken signalisieren weiterhin eine anhaltend ultra-expansive Geldpolitik: auf absehbare Zeit sind keine Leitzins-Anhebungen zu erwarten Gleichzeitig sind die im Markt gepreisten Erwartungen für die erste Zinsanhebung jedoch näher gerückt: In den USA wird für März 2023 bereits eine vollständige Leitzinsanhebung eingepreist. Es geht aktuell also nicht darum, dass die Inflationserwartungen aus dem Ruder laufen, sondern darum, dass generell die Anleitung der Markterwartungen seitens der Zentralbanken (Forward Guidance) etwas unglaubwürdiger geworden ist. Kompliziert wird es nun, weil Renditeanstiege den Zentralbanken sogar recht sein könnten: dadurch wird das Risiko für eine Übertreibung auf den Märkten (Finanzstabilität) reduziert. Natürlich will man nur moderate und langsame Renditeanstiege, weil gleichzeitig verlautbart wird, die Zinsentwicklung auf den Märkten genau zu verfolgen (Verbalintervention). Sollten die Renditen jedoch weiterhin kräftig ansteigen, das heißt, mehr als die Wachstumserwartungen zunehmen, wird das Zinskurvenmanagement der Zentralbanken offensichtlicher werden. Denn in diesem Fall würden Zentralbanken (wahrscheinlich) mit mehr als nur „weichen“ Aussagen versuchen, die Geschwindigkeit von Zinsanstiegen zu drosseln.

Schlussfolgerung: Das Umfeld für die Finanzmärkte wird unterstützend bleiben. Die Zentralbanken werden starke und schnelle Rendite-Anstiege erfolgreich zu verhindern versuchen. Die Volatilitäten (Kursschwankungen) werden wahrscheinlich zunehmen, weil die Bewertungen bei vielen Wertpapierklassen vor allem wegen der vorangegangenen Rendite-Rückgänge überdurchschnittlich sind. Die realen Renditen könnten nun einen, wenn auch nur leichten, Anstiegstrend eingeschlagen haben.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Weltfrauentag: Frauen fördern mit Mikrofinanz

„Die Förderung von Frauen interessiert mich grundsätzlich – nicht nur am Internationalen Frauentag“, sagt Edda Schröder, Gründerin der Invest in Visions GmbH. Mit dem IIV Mikrofinanzfonds, der dieses Jahr sein 10jähriges Bestehen feiert, unterstützt Invest in Visions mit ihren Investoren MikrokreditnehmerInnen in den Entwicklungs- und Schwellenländern. „In mehr als der Hälfte der Fälle profitieren Frauen von dem Kapital und bekommen dadurch die Chance auf eine bessere Zukunft“, freut sich die Expertin.

Aussichtsreich

Jede Erfolgsgeschichte bestätigt Edda Schröder in ihrer Entscheidung, nicht nur auf die finanzielle, sondern auch auf die soziale Rendite zu achten: „Oftmals sind es die Frauen, die die Familien zusammenhalten, und ihren Kindern eine bessere Zukunft sichern wollen, indem sie ihnen beispielsweise kostenpflichtige Schulen ermöglichen.“ Die Mikrokredite helfen den Frauen nicht nur ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern, sondern auch ihre soziale Stellung. In vielen Ländern wird der gesellschaftliche Status der Frau dadurch gefördert, dass sie mit Hilfe eines Mikrokredites einer selbständigen Tätigkeit nachgehen kann. Oftmals werden Mikrokredite an Frauengruppen vergeben, die teilweise seit mehreren Jahrzehnten existieren. Die Mitglieder der Gruppen haften gegenseitig für die Darlehen, helfen sich aber auch gegenseitig in schwierigen Zeiten. Erfolgsgeschichten gibt es viele:

So verkaufte eine Straßenverkäuferin in Peru eine traditionelle Maisspeise, die sie in ihrer eigenen einfachen Küche herstellte. Mithilfe eines Mikrokredits konnte sie eine professionelle Küche einrichten. Heute hat sie 13 Angestellte, bietet die Maisspeise in 20 Variationen an und verkauft diese an einem Stand sowie über ihren eigenen Cateringdienst.

Auch die erste landwirtschaftliche Erzeugerin von Goji-Büschen in Moldawien hat dem IIV Mikrofinanzfonds viel zu verdanken. 2016 hatte die Bäuerin bereits 6 Hektar Land bepflanzt. Um die Goji-Beeren aufzubewahren, benötigte sie ein Kühlhaus – auch um die Beeren zusätzlich gefroren anbieten zu können. Für den Kauf von Tiefkühlgeräten nahm sie einen Mikrokredit auf. Mittlerweile läuft ihr Geschäft so gut, dass sie ihre Beeren auch im Ausland verkauft. Das dritte und vorerst letzte Darlehen nahm sie im November 2020 auf. 

Ausgezeichnet

Ende 2020 wurde Schröder vom Karrierenetzwerk „Fondsfrauen“ zur „Frau des Jahres“ gewählt. Die Auszeichnung erhielt sie für ihr Engagement für Frauen in den Entwicklungs- und Schwellenländern sowie für ihre besondere unternehmerische Leistung als Pionierin in Sachen Mikrofinanz. „Edda Schröder ist eine sehr mutige Frau, die ihren eigenen Weg gegangen ist. Mit ihrem beruflichen Thema Impact Investing erzielt sie eine positive Wirkung für Frauen und Mütter, die es sonst sehr schwer haben“, begründete die Jury ihre Wahl. Auch als Unternehmen gehe Invest in Visions mit positivem Beispiel voran: Fast 60 Prozent der Mitarbeitenden sind Frauen.

Ausgesucht

Zurzeit ist Invest in Visions in 33 Ländern weltweit aktiv. Der Fonds fokussiert sich auf Latein- und Mittelamerika, die Karibik, Afrika, Asien, Zentralasien, den Kaukasus und Osteuropa, den Nahen Osten sowie den pazifischen Raum. Mit 84 Mikrofinanzinstituten (MFIs), deren Management-Teams insgesamt aus über einem Drittel Frauen bestehen, arbeitet Invest in Visions mittlerweile zusammen. Das Angebot an MFIs ist natürlich viel umfangreicher, aber für jede Entscheidung waren entweder Schröder selbst oder ihre Mitarbeiter vor Ort, um die Qualität der Institute zu überprüfen. „Als Unterzeichner der Principles for Responsible Investment (PRI) prüfen wir jede neue Partnerschaft und überzeugen uns beispielsweise davon, dass angemessene Zinssätze verlangt werden und die Auswahl der Projekte den ESG-Kriterien der Weltbank folgt“, so Schröder.

Corona habe allerdings einiges durcheinandergewirbelt: „Normalerweise mache ich jedes Jahr mindestens drei bis vier Reisen, um uns vor Ort zu vergewissern, dass die Projekte unseren Vorstellungen und Regeln entsprechen. Aber die Pandemie hat mir leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Glücklicherweise haben wir vertrauensvolle Partner vor Ort, mit denen wir im ständigen Austausch stehen“, reflektiert Schröder.


Über INVEST IN VISIONS

Die Invest in Visions GmbH wurde 2006 von Edda Schröder mit der Vision gegründet, institutionellen und privaten Anlegern den Zugang zu Impact Investments zu ermöglichen, also zu Anlagen, die neben finanziellen Erträgen auch positive gesellschaftliche Auswirkungen bieten.
Wir haben uns als Mikrofinanzinvestor der ersten Stunde einen Namen gemacht und im Jahr 2011 mit der Auflegung des IIV Mikrofinanzfonds als erstem Fonds dieser Anlageklasse in Deutschland für private und institutionelle Anleger einen wichtigen Meilenstein erreicht.
Neben Mikrofinanz beschäftigen wir uns mit den Bereichen Bildung, erneuerbare Energien (dezentrale Projekte) und nachhaltige Agrarwirtschaft sowie mit der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) und ganz allgemein mit sozialen Projekten und Wirkungskrediten. Unsere Produktlösungen sind dabei Fonds und eine Inhaberschuldverschreibung (IIV Mikrofinanz-Anleihe).
Die Invest in Visions GmbH verwaltet per 05.01.2021 ein Vermögen von über 851 Millionen Euro in drei Impact-Investment-Fonds.

Renditen können auch steigen?

Seit einigen Monaten sind viele Teilsegmente des globalen Anleihenmarktes von steigenden Renditen geprägt – am stärksten war diese Entwicklung in den USA, Kanada und Australien. Die Renditen von Unternehmensanleihen sind weniger stark angestiegen. Für Anleger und Anlegerin bedeutet dies zunächst zwar Kursverluste, in weiterer Folge jedoch verbesserte Ertragsaussichten für die Zukunft, erklärt Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns.

Vor dem Hintergrund einer erwarteten Konjunkturerholung ist ein Renditeanstieg nicht überraschend. Dass höhere Renditen auch Auswirkungen auf andere Marktsegmente haben, ebenso wenig. So sind die Aktien defensiver Unternehmen mit stabilem Wachstum in einem solchen Umfeld nicht begünstigt, während zyklische Aktientitel zu den Favoriten gehören. Die Beobachtungen der letzten Wochen bestätigen diese Erwartungen.

Zuletzt sind die Aktienmärkte aber als Ganzes unter Druck geraten, nachdem sich der Renditeanstieg spürbar beschleunigt hatte. Diese Korrektur sollte aber nicht überbewertet und schon gar nicht als Beginn einer Trendwende interpretiert werden. Zunächst war ein Rücksetzer nach den starken Anstiegen der letzten Monate überfällig. Weiters hat sich das fundamentale Umfeld nicht verschlechtert, sondern weiter verbessert. Und schließlich werden die Notenbanken in nächster Zukunft dafür sorgen, dass die Renditeanstiege nicht außer Kontrolle geraten. Unsere taktische Positionierung bleibt daher unverändert: wir erachten Aktien auf Sicht der nächsten Monate als attraktiver als Anleihen. Korrekturen entlang des Weges können aktienseitig für Zukäufe genützt werden. Auch für Rohstoffe und Edelmetalle erwarten wir steigende Notierungen.

Die Einschätzung von Raiffeisen Capital Management zu den steigenden Renditen und der damit einhergehenden Korrektur an den Aktienmärkten finden Sie links als PDF mit Grafiken.

Wie reagieren die Börsen aktuell auf Renditeanstiege?

In den 1990er Jahren meinte der demokratische Politikberater James Carville: „Früher dachte ich, wenn es eine Reinkarnation gäbe, wollte ich als Präsident oder als Papst oder als .400 Baseball-Hitter zurückkommen. Aber jetzt würde ich gerne als der Anleihenmarkt zurückkommen. Man kann jeden einschüchtern.“ Dies hat der Anleihenmarkt auch in den letzten Wochen abermals unter Beweis gestellt.

Die Wirtschaftsindikatoren für das vierte Quartal 2020 und für Anfang 2021 haben sich kräftiger als erwartet entwickelt , als Beispiel dient kräftiges Wachstum bei den Lieferungen für langlebige Kapitalgüter in den USA im Jänner.

Die Ausnahme bildeten die Einkaufsmanagerindizes in China, die im Jänner bereits das dritte Monat in Folge fielen. Gemeinsam mit dem angelaufenen Impfstoffprogrammen hat das zu einer Aufwärtsrevision der Erwartungen für das Wirtschaftswachstum für die mittlere Sicht geführt.

Weil auch die negative Produktionslücke geringer als erwartet ausfällt, wird der mittelfristige Inflationsausblick etwas nach oben genommen. Die Zentralbank-Ziele für die Inflation könnten in einigen Ländern früher als gedacht erreicht werden.

Dieses Umfeld hat zu einem Anstieg von Staatsanleiherenditen geführt. Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen in den USA stiegen von 1,0% Anfang Februar auf 1,4% per Monatsende an. Ähnlich verlief die Entwicklung in Deutschland, wo ein Anstieg von -0,5% auf -0,3% beobachtet werden konnte. Zwei Entwicklung waren dabei jedoch neu:

  • Der Anstieg verläuft nicht mehr langsam sondern relativ schnell
  • Der Anstieg der nominellen Renditen wird seit zwei Wochen nicht mehr von ansteigenden Inflationserwartungen (10Y US Breakeven Inflation Rates sogar leicht rückläufig auf zuletzt 2,15%), sondern von einem Anstieg der realen Rendite getrieben (10Y USA von -1% auf -0,75%).

Renditeanstiege betreffen nicht nur Staatsanleihen

Die Renditeanstiege betreffen aber nicht nur die Staatsanleihen. Grundsätzlich ergibt sich die Bewertung jedes Finanzinstruments (Aktien, Anleihen) aber auch von Immobilien aus der Summe der abgezinsten (diskontierten) zukünftigen Cashflows / Zahlungsströme.

Die Rendite kreditsicherer Staatsanleihen hat dabei einen direkten Einfluss auf die Höhe des Diskontzinssatzes. Steigen die Staatsanleiherenditen an, führt dies auch zu einem Anstieg des Diskontzinssatzes und (sofern die übrigen Erwartungen unverändert bleiben – ceteris paribus) fällt der Preis des Finanzinstruments.

Diesen Vorgang konnten wir letzte Woche auch an den Aktienmärkten beobachten. Der US-Leitindex S&P 500 verlor -2.4%, der EuroStoxx 50 schloss um 2% niedriger im Wochenvergleich (per Schlusskurs 26.2.2021, Quelle Bloomberg). Besonders betroffen von den Kursrückgängen waren Assets mit einer langen Duration und einer hohen Bewertung. Zu letzteren zählen z.B. US-Technologiewerte, die Verluste von fast 5% hinnehmen mussten (NASDAQ 100).

Für die nächsten Monat wird die Kernfrage sein, ob die Zinsen stärker ansteigen werden als die Wachstumserwartungen. Wir gehen aktuell davon aus, dass

  • sich die Erholung der Wirtschaft weiter fortsetzten wird und auch positiv überraschen kann
  • die Zentralbanken weiterhin ultraexpansiv bleiben werden, aber auch weiteren leichten Renditeansteigen nicht abgeneigt sind, weil dies das Risiko von Blasenbildungen reduzieren kann
  • im Falle weiterer und starker Renditeanstiege das „Zinskurven-Management“ der Zentralbanken offensichtlicher werden wird.

Das Finanzumfeld wird somit im Durchschnitt unterstützend bleiben, aber die Volatilität wird zunehmen.

Markt-Korrektur für Zukäufe in den Green-Tech-Fonds genutzt

Mit den deutlich angestiegenen Zinsen in den vergangenen Wochen sind vor allem Wachstumsunternehmen deutlich unter Druck geraten und eine Rotation in zyklische „Re-Opening“ Unternehmen war ersichtlich. Trotz dieser Kurskorrekturen verzeichnen alle wichtigen Aktienmärkte eine positive Performance seit Jahresanfang.

Noch deutlich stärker von Gewinnmitnahmen betroffen waren die Bereiche Cleantech, Wasserstoff/Brennstoffzellen, Elektromobilität sowie vor allem Erneuerbare Energie. Diese Bewegungen wirkten sich auch auf die Performance des ERSTE GREEN INVEST und des ERSTE STOCK ENVIRONMENT aus, der in den letzten Tagen ungefähr 10% an Wert verlor. Dies wurde genutzt, um Zukäufe zu tätigen.

Am fundamentalen Umfeld und somit unserem langfristigen Ausblick hat sich nichts geändert, weshalb wir zuletzt begonnen haben, die Korrektur vorsichtig für Zukäufen in den von uns am meisten favorisierten Unternehmen zu nutzen.


Warnhinweis Erste Green InvestWarnhinweis Erste WWF Stock Environment

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Impact Investing: Corona und die SDGs

von Ariane Schoen, Project Manager / Business Development, Invest in Visions.

Bereits vor der Corona-Pandemie drohte die Weltgemeinschaft das Erreichen der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die sogenannten „Sustainable Development Goals“ (SDGs) zu verfehlen. Aus diesem Grund hatten die Vereinten Nationen die verbleibende Zeit bis 2030 zum „Jahrzehnt des Handelns“ ausgerufen. Die Auswirkungen der Pandemie selbst sowie der Maßnahmen zur Einschränkung derselben haben dieses Verfehlen dramatisch verschärft.

Das genaue Ausmaß der Pandemie wird erst allmählich sichtbar. Klar ist, dass sie alle Bevölkerungsschichten, alle Wirtschaftszweige und alle Regionen der Welt erfasst hat. Vor allem haben sich die existierenden Ungleichheiten innerhalb von Gesellschaften und zwischen Ländern offenbart und verschärft, indem sie die vulnerabelsten Menschen der Welt am stärksten trifft. Daher sind alle Staaten der Weltgemeinschaft, so wie es die SDGs fordern, dazu angehalten, ihre Anstrengungen zu intensivieren, um die festgelegten Ziele zu erreichen.

Im aktuellen Bericht der Vereinten Nationen zur Erreichung der SDGs werden die umfassenden Auswirkungen der Pandemie ausführlich dargestellt.1 Im Folgenden möchten wir insbesondere auf die SDGs eingehen, zu denen wir durch unsere Investitionen in den Bereichen Mikrofinanz, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie finanzielle Inklusion beitragen.

SDG 1: Armut in allen ihren Formen und überall beenden

Seit 2010 hatte sich weltweit der Anteil der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben (1,90 US-Dollar pro Tag) von 15,7 auf 10% im Jahr 2015 verringert. Das Tempo dieser Reduktion hat sich jedoch bereits schon 2019 verlangsamt. Für vergangenes Jahr geht man von einer Verringerung auf 8,2% aus. Mit dieser Geschwindigkeit wäre das Ziel (Reduktion dieser Form der Armut auf 0 bis zum Jahr 2030) nicht erreicht worden. Schätzungen zufolge hat sich dieser Wert durch die Corona-Pandemie sogar auf 8,8% für das Jahr 2020 erhöht, eine Differenz von über einem Prozentpunkt gegenüber der ursprünglichen Annahme von 7,7%. Dies bedeutet, dass durch die Corona-Pandemie voraussichtlich zusätzlich 71 Millionen Menschen in extremer Armut leben werden, vor allem in Asien und Subsahara-Afrika. Dies ist umso verheerender, da die Sozialschutzsysteme in diesen Regionen meist nicht gut ausgebaut sind. In Zentral- und Südasien sowie in Subsahara-Afrika sind nur 4 respektive 7% der vulnerablen Bevölkerung durch Sozialschutzsysteme abgesichert, wie beispielsweise Versicherungen im Krankheitsfall oder für den Fall der Arbeitslosigkeit.

Anteil der weltweiten Bevölkerung, der unter 1,90 US-Dollar/Tag lebt


Quelle: United Nations (2020): The Sustainable Development Goals Report: https://unstats.un.org/sdgs/report/2020/ (zuletzt aufgerufen: 14.10.2020)

SDG 2: Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

Während die chronische Unterernährung seit 2014 relativ konstant bei knapp unter 9% liegt, hat sich der Anteil an Menschen, die an Nahrungsmittelunsicherheit leiden, seitdem weltweit von 22,4 auf 25,9% (oder auch um 2 Milliarden Menschen) erhöht. Durch die Corona-Pandemie könnten im Jahr 2020 zusätzlich bis zu 132 Millionen weitere Menschen, insbesondere benachteiligte Bevölkerungsgruppen, an Nahrungsmittelunsicherheit leiden. Hinzu kommen Konflikte und Klimaschocks, die eine zusätzliche Bedrohung für die Verlässlichkeit von Nahrungsmittelsystemen darstellen. Besonders für KleinbauerInnen stellt dies eine große Herausforderung dar. Die zur Eindämmung des Virus eingeführten Maßnahmen führten dazu, dass lokale Märkte schließen mussten und Produkte nicht zu den KonsumentInnen gelangen konnten.

Gerade für Kinder ist eine ausgewogene und gesicherte Ernährung zentral, da sonst Fehlentwicklungen im Wachstum die Folge sind. Im Jahr 2019 waren immer noch 144 Millionen (21,3%) Kinder im Alter von unter fünf Jahren weltweit von chronischer Unterernährung betroffen.2 Auch wenn dies bereits eine positive Entwicklung seit 2015 darstellt, wo die chronische Unterernährung von Kindern unter fünf Jahren bei 23% lag, so sind große Anstrengungen notwendig, um diesen Anteil auf den Zielwert von unter 
82 Millionen im Jahr 2030 zu bringen. Paradoxerweise nimmt gleichzeitig die Häufigkeit von Übergewicht bei Kleinkindern zu, welches als Warnzeichen für zukünftige Gesundheitsprobleme erachtet wird. Im Jahr 2019 waren weltweit 5,6% (oder 38 Millionen) der Kinder unter fünf Jahren übergewichtig. Übergewicht und Mangelernährung koexistieren oft in der gleichen Bevölkerung. In Südostasien beispielsweise lag die Mangelernährung im Jahr 2019 bei 8,2%, während Übergewicht 7,5% betrug. 

SDG 5: Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen

In den vergangenen Jahren konnten Erfolge in Bezug auf die Geschlechtergleichstellung erreicht werden, beispielsweise in der Reduktion von Kinderheirat und weiblicher Genitalverstümmelung sowie in der zunehmenden Vertretung von Frauen in Entscheidungspositionen. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg bis zur Zielerreichung und die Corona-Pandemie hat insbesondere Entwicklungen in Bezug auf dieses SDG zurückgeworfen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Frauen dem Risiko einer Coronavirus-Erkrankung am meisten ausgesetzt sind, da sie weltweit fast 70% der Gesundheits- und SozialarbeiterInnen ausmachen.

Durch die Umstände der Krise kam es bereits zu einem Anstieg der Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Ausgangsbeschränkungen verstärken das Risiko häuslicher Gewalt, weil Frauen mit gewaltbereiten Partnern eingeschlossen sind und Hilfsangebote schwerer wahrnehmen können. Ökonomische Engpässe verstärken diese Situation. Darüber hinaus übernehmen Frauen – sowohl in Industrienationen als auch in Schwellenländern – durch die Schließung von Kinderbetreuungseinrichtungen meistens zusätzliche Betreuungsaufgaben. Die Schließung führt auch dazu, dass Erfolge beim Zugang zu Bildung insbesondere für Mädchen zurückgeworfen werden. Unterstützungsprogramme für Frauen, wie beispielsweise gegen weibliche Genitalverstümmelung mussten durch die Corona-Pandemie unterbrochen werden, sodass Fortschritte in dieser Hinsicht verlangsamt bzw. sogar rückläufig sein werden.

SDG 8: Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

Nach dem globalen Wirtschaftsabschwung im Jahr 2009, erholten sich die Arbeitsproduktivität und Arbeitslosenzahlen wieder allmählich. Die Corona-Pandemie hat diese Erholung jedoch ins Stocken gebracht, da ihre Folgen sich nachteilig auf die Arbeitsmärkte der Welt auswirken, insbesondere auf Beschäftigte im informellen und störungsanfälligen Sektor sowie Selbstständige und Tagelöhner. Es ist mit dem höchsten Anstieg der Arbeitslosigkeit seit dem Zweiten Weltkrieg zu rechnen. Es könnten etwa 1,6 Milliarden Beschäftigte in der informellen Wirtschaft – die Hälfte der weltweiten Erwerbsbevölkerung – erheblich betroffen sein. Gleichzeitig ist ihr Einkommen in manchen Regionen der Welt in den ersten Monaten der Krise um bis zu 81% gesunken. Damit bis 2030 menschenwürdige Arbeit für alle erreicht werden kann, sind erhebliche politische Maßnahmen notwendig, besonders um Beschäftigte im informellen Sektor zu schützen.

Des Weiteren legt SDG 8 als Ziel fest, dass die sogenannten „least developed countries“ (LDCs) pro Jahr ein reales BIP-Wirtschaftswachstum von 7% aufweisen sollen. Bereits in den letzten Jahren wurde dieses Ziel verfehlt und es scheint relativ unwahrscheinlich, dass dies für die kommenden Jahre erreicht werden wird. Die Wachstumsrate des realen BIP der LDCs erreichte bereits 2019 nur 4,8%. Aufgrund der Corona-Pandemie wird erwartet, dass sich diese Rate auf 0,8% im Jahr 2020 abgeschwächt hat und 2021 mit einer Rate von 4,6% wieder ansteigen wird. 

Jährliche Wachstumsraten (in %) des weltweiten BIP/Kopf und BIP in LDCs


Quelle: United Nations (2020): The Sustainable Development Goals Report: https://unstats.un.org/sdgs/report/2020/ (zuletzt aufgerufen: 14.10.2020)

SDG 9: Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen

Ein wichtiger Bestandteil zur Zielerreichung von SDG 9 ist das verarbeitende Gewerbe. Bereits vor der Corona-Pandemie verlangsamte sich das globale Wachstum dieses Sektors in allen Regionen. In den „least developed countries“ stieg der Anteil der verarbeitenden Industrie am BIP von 10,0% im Jahr 2010 auf 12,4% im Jahr 2019. Dieser Anstieg war auch vor der Corona-Pandemie nicht ausreichend, um eine Verdopplung des Anteils der Industrie am BIP bis 2030 zu erreichen – so wie es die Zielerreichung von SDG 9 vorgibt. Corona hat diesen Trend verschärft: im ersten Quartal 2020 verzeichnete das verarbeitende Gewerbe aufgrund von Maßnahmen zur wirtschaftlichen Abschottung einen starken Rückgang um 6%. Aufgrund der Rolle des verarbeitenden Gewerbes am gesamtwirtschaftlichen Wachstum, hat dieser Einbruch schwerwiegende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Um die Weltwirtschaft wiederzubeleben und somit das Ziel von SDG 9 zu erreichen, ist außerdem ein besserer Zugang zu Finanzdienstleistungen für die Kleinindustrie erforderlich. Kleine Industrieunternehmen sind von zentraler Bedeutung für die Schaffung von Einkommen und die Linderung der Armut. Gleichzeitig sind kleine Industrieunternehmen aufgrund ihrer geringen Größe und begrenzter Ressourcen anfällig für unerwartete Ereignisse wie Naturkatastrophen oder auch Pandemien. Ohne finanzielle Auffangsysteme können sie Krisen nur schlecht bewältigen. Daher ist für sie der Zugang zu Krediten besonders wichtig. 

Was bedeuten diese Entwicklungen für Invest in Visions?

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen alle Regionen, Wirtschaftszweige und Bevölkerungsschichten der Welt, besonders diejenigen, die sowieso schon am vulnerabelsten sind. Die Analyse des Status Quo der SDGs, die in diesem Artikel nicht erwähnt wurden, zeigt, dass auch hier umfassende Auswirkungen der Pandemie zu verzeichnen sind. Daher sind nun besonders große Anstrengungen von allen Akteuren des privaten und öffentlichen Sektors notwendig, um die Ziele noch annähernd zu erreichen.

Auch Invest in Visions möchte einen Beitrag zur Erreichung der SDGs leisten. Über den Mikrofinanzfonds werden Mikrofinanzinstitute und andere Kreditinstitute weltweit refinanziert, wodurch der Zugang zu Krediten insbesondere für KleinstunternehmerInnen ermöglicht wird. Auf diese Weise tragen wir direkt zur Erreichung der SDGs 8 und 9 bei. Des Weiteren fördert der Zugang zu Krediten für Frauen deren Selbstständigkeit und somit die Erreichung von SDG 5. Gleichzeitig hat die Aufnahme eines Kredits auch immer eine soziale Dimension, dadurch Armut reduziert und Nahrungsmittelsicherheit verbessert werden kann (SDG 1 und 2). Zudem können die Folgen einer Krise, wie sie sich derzeit global durch die Corona-Pandemie darstellt, abgefedert werden. Insofern stellen die Aktivitäten von IIV einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der SDGs dar.


1) Vollständiger Bericht zu lesen unter: United Nations (2020): The Sustainable Development Goals Report: https://unstats.un.org/sdgs/report/2020/ (zuletzt aufgerufen: 14.10.2020).
2) Für das Jahr 2020 liegen noch keine aktuellen Zahlen vor.

Über INVEST IN VISIONS

Die Invest in Visions GmbH wurde 2006 von Edda Schröder mit der Vision gegründet, institutionellen und privaten Anlegern den Zugang zu Impact Investments zu ermöglichen, also zu Anlagen, die neben finanziellen Erträgen auch positive gesellschaftliche Auswirkungen bieten.
Wir haben uns als Mikrofinanzinvestor der ersten Stunde einen Namen gemacht und im Jahr 2011 mit der Auflegung des IIV Mikrofinanzfonds als erstem Fonds dieser Anlageklasse in Deutschland für private und institutionelle Anleger einen wichtigen Meilenstein erreicht.
Neben Mikrofinanz beschäftigen wir uns mit den Bereichen Bildung, erneuerbare Energien (dezentrale Projekte) und nachhaltige Agrarwirtschaft sowie mit der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) und ganz allgemein mit sozialen Projekten und Wirkungskrediten. Unsere Produktlösungen sind dabei Fonds und eine Inhaberschuldverschreibung (IIV Mikrofinanz-Anleihe).
Die Invest in Visions GmbH verwaltet per 05.01.2021 ein Vermögen von über 851 Millionen Euro in drei Impact-Investment-Fonds.

„Investmentchancen in asiatischem Private Equity“

Noch immer ist asiatisches Private Equity bei vielen Investoren im Vergleich zu USA und Europa untergewichtet. Chris Loh, Managing Partner von Axiom Asia Private Capital, zeigte beim 182. Hedgework am 2. März 2021 auf, warum dies ungerechtfertigt ist und welche Opportunitäten sich gerade im aktuellen Umfeld ergeben.

Hedgework: Mr. Loh, könnten Sie uns bitte kurz die Axiom Asia und ihre Wurzeln vorstellen?

Chris Loh: Axiom Asia begann vor 15 Jahren mit einem exklusiven Fokus auf Investitionen in asiatisches Private Equity. Heute haben wir eines der größten und erfahrensten Teams vor Ort, welches ausschließlich aus gebürtigen Asiaten besteht und diesen vielfältigen Markt abdeckt. Derzeit verwalten wir sechs Private-Equity-Dachfonds und einen Co-Investmentfonds mit einem Gesamtvolumen von 7,0 Milliarden US-Dollar. Europa und insbesondere Deutschland sind heute Kernmärkte für uns, und zu unseren Investoren gehören eine Reihe von deutschen Versorgungswerken, Pensionsfonds und Family Offices.

Hedgework: Wie haben sich die großen asiatischen Volkswirtschaften in der COVID-Krise geschlagen?

Loh: Asien ist der Wachstumsmotor der Welt, aber in absoluten Zahlen gegenwärtig auf einem viel niedrigeren Niveau, als wir vor der Pandemie erwartet hatten. Nach Angaben der Weltbank wird sich das Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern Ostasiens und der Pazifikregion im Jahr 2020 voraussichtlich auf 0,9% verlangsamen, verglichen mit 6,3% und 5,8% in den Jahren 2018 und 2019 – das langsamste Tempo seit 1967 durch die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie. Die Bemühungen, die Ausbreitung in der Region einzudämmen, haben sich jedoch als erfolgreich erwiesen und verhindert, dass die Region in ein negatives Wachstum abrutscht, wie es in den meisten großen Volkswirtschaften der Welt zu beobachten war, und wir sehen jetzt eine Normalisierung der Aktivität in den Kernmärkten in Asien. Die Weltbank prognostiziert das Potenzial für eine rasche Erholung im Jahr 2021 mit einem erwarteten Wachstum von 7,9% in China und 5,1% im Rest der Region.

Hedgework: Worauf führen Sie das zurück?

Loh: Angesichts der geschlossenen Grenzen und der immensen globalen Nachfrage nach Pandemie-Gütern, wie zum Beispiel Technologie für die Arbeit von zu Hause aus und Geräte für das Gesundheitswesen, ist es keine Überraschung, dass die chinesischen Exporte auf ein Allzeithoch gestiegen sind. Angetrieben durch das Wiederaufflammen der COVID-19-Infektionen in vielen Teilen der Welt ist die Nachfrage nach diesen Produkten sogar so stark, dass es zu logistischen Engpässen in den Häfen kam. Dies hat dazu geführt, dass die Hersteller nun über eine Verknappung der Schiffscontainer und steigende Kosten klagen.

Hedgework: Betrifft das nur China?

Loh: Innerhalb Asiens haben die Volkswirtschaften Chinas, Taiwans und Vietnams von der weltweiten Nachfrage nach Elektronik und Halbleitern profitiert, und diese Länder haben im Jahr 2020 ein entsprechend positives Wachstum der Exporte im Vergleich zum Vorjahr erlebt. Andere asiatische Länder, die derzeit mit einer Exportkrise zu kämpfen haben, werden wahrscheinlich einen Aufschwung erleben, wenn sich der Rest der Welt erholt und die Nachfrage sich normalisiert. Länder mit größeren Binnenwirtschaften wie Australien, Südkorea und Japan sind besser in der Lage, den Rückgang der Exporte zu verkraften, indem sie sich auf den Binnenkonsum als Wachstumsmotor verlassen.

Hedgework: Was bedeutet das letztlich für das Private-Equity-Segment?

Loh: Insgesamt sehen wir, dass sich Private Equity in Asien im Vergleich zu den öffentlichen Märkten recht gut gehalten hat, was teilweise auf die zunehmende Übergewichtung von PE in defensiven, nicht-zyklischen Branchen zurückzuführen ist. COVID-19 war ein großer Beschleuniger der Online-Entwicklung, da sich Verbraucher aller Altersgruppen nun Apps für den Kauf von Gütern des täglichen Bedarfs und anderen Haushaltsartikeln geöffnet haben. Dies hat auch dazu geführt, dass die Online-Zahlungsdurchdringung in China sprunghaft angestiegen ist, wobei die auf den Top-3-E-Commerce-Plattformen Alibaba, JD.com und Pinduoduo verbrachte Zeit im 4. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 22%, 32% bzw. 56% gestiegen ist.

Hedgework: Wann werden Investoren wieder nach China und Asien reisen können?

Loh: Wir denken, dass der internationale Reiseverkehr wahrscheinlich gedämpft bleiben wird, während die Nachfrage nach Inlandsreisen stark bleiben wird. Aufgrund der unterschiedlichen Stadien im Umgang mit dem Virus haben die Länder festgestellt, dass es in ihrem besten Interesse ist, die Grenzen vorerst geschlossen zu halten, und wir erwarten, dass dies für den größten Teil des Jahres 2021 so bleiben wird. Wichtig ist aber, dass die Pandemie die meisten Bemühungen, aufgrund geopolitischer Spannungen die Produktion aus China heraus zu verlagern, gestoppt hat. Grenzschließungen bedeuten Einschränkungen bei der Freizügigkeit von Talenten und Geschäftsbetrieben und untermauern damit Chinas überragende Position als "Fabrik der Welt". Chinas mangelnde Bereitschaft, seine Grenzen zu öffnen, ist darauf zurückzuführen, dass die Nachteile, seine 1,4 Milliarden Einwohner dem Risiko eines Wiederauftretens von Coronavirus-Infektionen auszusetzen, den Nutzen überwiegen. In der Zwischenzeit haben auch die meisten anderen asiatischen Länder ihre Grenzen verschärft, indem sie ihre Quarantänezeiten erhöht und Festivitäten mit üblicherweise hohem Reiseaufkommen abgesagt haben, um so zukünftige Wellen zu verhindern. Daher halten wir es für unwahrscheinlich, dass die meisten asiatischen Länder ihre Grenzen allzu bald für internationale Reisen öffnen werden, zumindest für den größten Teil des Jahres 2021.

Hedgework: Was sind wichtige Private-Equity-Trends, die Sie heute in Asien beobachten?

Loh: Da der internationale Reiseverkehr eingeschränkt ist und die Volkswirtschaften nicht voll ausgelastet sind, wird sich der finanzielle Druck auf die Unternehmen weiter aufstauen – was sie dazu zwingt, sich rationaler zu verhalten und sich von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerten zu trennen. Auch die Banken stehen unter dem Druck, z.B. die Veräußerung notleidender Kredite (NPLs) deutlich zu erhöhen, und diesmal wird China seine Konzerne und Milliardäre nicht vor der Pandemie retten. Zusammen mit rekordhohen Anleiheausfällen im Jahr 2020 könnte dies zu einem Anstieg der Anzahl in finanzieller Not befindlicher Verkäufer führen.

Hedgework: Sind das potenzielle Ziele für Private-Equity-Investoren?

Loh: Wir glauben, dass dies ein günstiges Umfeld für Sekundärmarkttransaktionen schaffen wird, da sich die Geld-Brief-Spanne zwischen Käufern und Verkäufern von Qualitätsanlagen deutlich verringern sollte. Wir erwarten auch einen erhöhten Dealflow bei Co-Investments, da General Partner angesichts des durch die Pandemie verursachten schwierigen Fundraising-Umfelds eher geneigt sein werden, die Investitionsperiode ihrer Fonds zu verlängern, indem sie Co-Investments an Limited Partner syndizieren. Auf der anderen Seite ist das Fundraising in Asien aufgrund der Schwierigkeit für Limited Partner aus Übersee, eine physische Due Diligence bei weniger etablierten Managern durchzuführen, stark zurückgegangen. Aus diesen Gründen hat Axiom während der Pandemieperiode im Jahr 2020 einen Rekord-Dealflow bei Co-Investments und direkten Secondaries von unserem breiten Netzwerk von General Partnern gesehen. Wir glauben, dass wir uns damit in einer „goldenen Periode“ für den Kauf hochwertiger Assets befinden, da die durch notleidende Verkäufer und Bankenzwangsvollstreckungen im Jahr 2021 nach unten getriebenen Bewertungen auf eine starke wirtschaftliche Erholung im Jahr 2022 treffen werden. 

Hedgework: Ist der Sekundärmarkt in Asien reif genug, um dort ernsthaft Kapital zu investieren?

Loh: In den letzten 10 Jahren haben Growth- und Venture-Capital-Fonds in Asien mehr als 800 Milliarden USD eingesammelt. Als natürliche Folge ist auch der asiatische Sekundärmarkt gewachsen, bis zu dem Punkt, an dem wir nun jedes Jahr 5 bis 7 Milliarden Dollar an Sekundärmarkttransaktionen sehen. Es gibt einen erheblichen Überhang an nicht abgeschlossenen Transaktionen auf dem asiatischen Markt, mit einem nicht realisierten Wert von über 250 Milliarden Dollar in asiatischen Wachstums- und Wagnisfonds, die zwischen 6 und 13 Jahre alt sind. Venture- und Wachstumsunternehmen bleiben länger privat als früher, aber die Zeithorizonte der Investoren haben sich nicht entsprechend verlängert. Das Ergebnis ist, dass immer mehr Investoren nach Liquidität suchen, indem sie ihre Anteile auf dem Sekundärmarkt verkaufen.

Gleichzeitig hat der Mangel an Käufern dieser asiatischen Sekundärbeteiligungen zu attraktiveren Sekundärpreisen im Vergleich zu den USA und Europa geführt. Bereits im Jahr 2019 wurden Risiko- und Wachstumsfonds in Asien zu 66% des Nettoinventarwerts gehandelt, während alle Fonds weltweit zu 88% des Nettoinventarwerts gehandelt wurden. Dieser Preisunterschied ist auf die höhere Nachfrage nach Beteiligungen an US-amerikanischen und europäischen Buyout-Fonds durch Sekundärfondsmanager weltweit zurückzuführen. 

Der größere Pool an nicht realisierten Vermögenswerten und tiefere Abschläge zum Nettoinventarwert deuten darauf hin, dass der asiatische Sekundärmarkt reif für Investitionen ist. 


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Hedgework.

Chris Loh

ist verantwortlich für Axioms Venture Capital-Investitionen und auch für PE/VC-Investitionen in Indien. Zuvor war er im Bereich Private Equity bei GIC Special Investments und als Ingenieur bei DSO National Laboratories tätig. Er hält einen Bachelor in Elektronikingenieurwesen der Universität von Tokio und hat zwei Masterprogramme an der National University of Singapore absolviert. Chris spricht fließend Englisch, Mandarin und Japanisch.

Axiom Asia

ist ein führender Private-Equity-Manager, der sich seit Gründung im Jahre 2006 ausschließlich auf Asien fokussiert. Axiom verwaltet sechs Private-Equity-Fonds mit insgesamt über fünf Milliarden USD AuM. Die Schweizer POLARIS Investment Advisory AG unterstützt Axiom Asia als strategischer Partner für Europa.

China 2021 – das Jahr des Büffels

von Jenny Teng, Senior Fund Manager der Erste Asset Management.

Basierend auf dem Mondkalender, ist der chinesische Tierkreis ein sich wiederholender Zyklus von 12 Jahren, wobei jedes Jahr durch ein Tier repräsentiert wird. 2021 ist das Jahr des Büffels: er wird mit Kraft, Ernte und Fruchtbarkeit assoziiert. Nach dem turbulenten Jahr 2020 gibt es gute Gründe sich im Jahr des Ochsen auf die Rückkehr zu Normalität und eine positive Entwicklung zu freuen. Das gilt besonders für China.

Pandemie in China weitgehend unter Kontrolle

Dank eines rigorosen Einschreitens, einschließlich Abriegelungen und massiver Tests, hat China die Epidemie weitgehend unter Kontrolle gebracht. China verfolgt eine „Null-Korona“-Politik, die dazu beigetragen hat die aufgetretenen Fälle durch lokale Übertragung bis zum Sommer 2020 auf Null zu senken. Die Behörden handelten schnell, um lokale Ausbrüche während des Winters einzudämmen. Infolgedessen ist das Leben in China im Großen und Ganzen zur Normalität zurückgekehrt.

Die Menschen kehren zur Arbeit zurück, die Schüler in die Schulen. Impfungen gegen COVID-19 sind im ganzen Land im Gange. China verfolgt das Ziel 50 Millionen seiner Bevölkerung bis zum Neujahrsfest im Februar zu impfen. Masken, besondere Zonen und Kontaktverfolgungs-Apps gehören zum neuen normalen Leben in China und sind wichtige Hilfsmittel, die dem Land helfen der COVID-19-Kurve voraus zu sein.

Wirtschaft erholt sich dank Exporte und Konsums

Die erfolgreiche Eindämmung von COVID-19 und gezielte politische Unterstützung ermöglichten eine V-förmige Erholung der chinesischen Wirtschaft. Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im Jahr 2020 um 2,3 % und markierte damit die einzige Nation mit einem positiven Wachstum im Jahr 2020 unter den großen Volkswirtschaften der Welt. Die Wachstumserholung war breit angelegt und wurde zunächst von Investitionen und Exporten angeführt.

Einige Monate später weitete die Erholung sich auf den Konsumbereich aus. Als sich das Coronavirus weltweit ausbreitete, begannen die Produktionskapazitäten außerhalb Chinas zusammenzubrechen. Dies stärkte Chinas Rolle als Produktionszentrum der Welt. Chinesische Unternehmen haben einen größeren Anteil an den weltweiten Exporten und stellen persönliche Schutzausrüstung, Unterhaltungselektronik und andere Waren her, die während der Pandemie stark nachgefragt wurden.

Wirtschaft soll sich bis 2035 verdoppeln

Chinas wirtschaftliche Stärke wird sich voraussichtlich bis ins Jahr 2021 fortsetzen, angeführt von der globalen Erholung und dem Binnenkonsum. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für China ein Wachstum von 8,1% im Jahr 2021 und von 5,6% im Jahr 2022. 2021 ist das Startjahr von Chinas 14. Fünfjahresplan: Es ist das Jahr, in dem die nächste Stufe zur Entwicklung einer Gesellschaft mit hohem Einkommen eingeleitet werden soll. Ziel: das BIP soll bis 2035 verdoppelt werden. Die Neuausrichtung der Wirtschaft auf Konsum, Dienstleistungen und grüneres Wachstum steht ganz oben auf der Agenda der Regierung.

Es wird erwartet, dass sich der Konsum wieder beleben wird und sowohl die Beschäftigung als auch das Einkommenswachstum weiter steigen werden – besonders nachdem Impfstoffe verfügbar sind. Neben der wirtschaftlichen Neuausrichtung setzt sich China auch ein langfristiges, ehrgeiziges Ziel der „Kohlenstoffneutralität“ bis 2060. Es sind verschiedene politische Maßnahmen in Bezug auf Energieverbrauch und Kohlenstoffemissionen zu erwarten.

Unsicherheitsfaktoren Kreditqualität und Menschenrechte

Der Weg zu Chinas Wachstum ist nicht frei vor Unsicherheiten: Im Inland könnten die Haushaltskonsolidierung und die Verlangsamung der Kreditvergabe zu einer Verschlechterung der Kreditqualität führen. Ausfälle und notleidende Kredite (NPLs), insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs), lokalen Staatsunternehmen (SOEs) und einigen lokalen staatlichen Finanzierungsvehikeln (LGFVs) könnten potenziell ansteigen.

In den Außenbeziehungen wird der Wettbewerb der Supermächte zwischen den USA und China weiterhin die Schlagzeilen beherrschen. Da die Biden-Administration wahrscheinlich mit ihren Verbündeten an der Auseinandersetzung mit China arbeiten wird, könnte sich der Wettbewerb um die Zusammenarbeit mit dem Rest der Welt verschärfen. Die Konfrontation in ideologiebezogenen Bereichen wie Demokratie und Menschenrechten könnte weiter eskalieren. US-Technologiebeschränkungen und Abkopplungsdruck könnten auch Chinas potenzielles Wachstum verringern.

Fazit

Es liegen noch einige Hindernisse vor China, aber unterm Strich wird die Supermacht im Jahr 2021 weiter wachsen, während der Rest der Welt noch damit kämpft das Coronavirus unter Kontrolle zu bringen. Schließlich soll das Jahr des Büffels ein besseres Jahr werden – für China und für die Welt.

IMF World Economic Outlook Update, Jänner 2021

Quelle: International Monetary Fund (IMF)

Investmentfonds für China/Asien

ERSTE STOCK EM GLOBAL

In den letzten 10 Jahren sind die Börsen der etablierten Märkte deutlich besser gelaufen als die der Wachstumsmärkte. Dies könnte sich in der laufenden Dekade umkehren. Es gibt gute Gründe, die ein starkes Wachstum in den Schwellenmärkten erwarten lassen: Neben der wirtschaftlichen Erholung nach dem Ende Pandemie, die in China bereits stark ausgeprägt ist, sind es die deutlich niedrigere Bewertung der Unternehmen und die tiefen Leitzinsen in vielen Märkten wie z.B. Thailand und Südkorea.

Der ERSTE STOCK EM GLOBAL bietet die Möglichkeit breit gestreut in Aktien der chancenreichsten Wachstumsregionen der Welt zu investieren. Werte aus China sowie Asien (z.B. Taiwan, Südkorea) machen derzeit über 80% des Portfolios aus. Wichtigster Sektor ist die Informationstechnik, aber auch Unternehmen aus dem Bergbau und Konsumwerte, die profitieren, wenn die Weltwirtschaft wieder in Schwung kommt, sind gut vertreten.

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.

ERSTE BOND CHINA

Mit Euro-Staatsanleihen ist derzeit kaum Geld zu verdienen. Die Renditen sind so stark gesunken, dass selbst langlaufende Papiere die Inflation nicht annähernd ausgleichen können. Viele Investoren fragen sich, wo es in diesem schwierigen Umfeld noch Anleihen mit guter Bonität und attraktiven Ertragschancen gibt?

Der ERSTE BOND CHINA bietet eine interessante Anlagemöglichkeit mit dem Schwerpunkt auf chinesische Staatsanleihen. Der Fonds investiert überwiegend in ein diversifiziertes Portfolio von Staatsanleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten, die auf die Währung Yuan (Renminbi) lauten. Zehnjährige Papiere aus der Volksrepublik werfen gut 3,1% Rendite ab (Quelle: Bloomberg, 29.1.2021), also deutlich mehr als sicher geltende Staatsanleihen aus Europa. Und dabei ist China auch ein guter Schuldner. Von den Ratingagenturen Standard & Poors und Fitch erhält das Land die Bonitätseinstufung „A+“. Moody’s vergibt aktuell ein „A1“.

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.

Für beide Fonds gilt: Eine ausreichende Anlagedauer und Risikobereitschaft sind unbedingt erforderlich. Mit temporären Rückschlägen wirtschaftlicher oder politischer Art muss jederzeit gerechnet werden. Dem deutlich höheren Risiko verglichen zu den etablierten Aktien- und Anleihenmärkten stehen mittel- bis langfristig entsprechend höhere Wachstumschancen gegenüber.


Siehe auch unseren Blogbeitrag: Worauf man bei chinesischen Staatsanleihen achten sollte

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Myanmar: Positive Aussichten für Mikrofinanz trotz Staatsstreich

von Dr. Carlos De las Salas Vega, Chief Investment Officer der Invest in Visions GmbH. 

Am 1. Februar 2021 hat in Myanmar das Militär durch einen Staatsstreich die Kontrolle übernommen. Ein einjähriger Ausnahmezustand wurde verhängt, zahlreiche PolitikerInnen der Partei „National League for Democracy“ (NLD) verhaftet. Die anfangs friedlichen Demonstrationen von NLD-AnhängerInnen verschärfen sich derzeit. Dennoch scheint das alltägliche Leben der Bevölkerung von diesen Ereignissen bis jetzt relativ unberührt, da beispielsweise Banken zum Großteil geöffnet sowie Internet- und Datenverbindungen größtenteils verfügbar sind. Soziale Medien sind jedoch weiterhin blockiert.

Wir sind mit unserem IIV Mikrofinanzfonds seit 2018 in Myanmar aktiv. Wir beobachten die aktuelle Situation aufmerksam, um unsere Aktivitäten im Land möglichst weiterführen zu können. Zum einen sehen wir ein großes Wachstumspotenzial für den dortigen Mikrofinanzsektor. Sollte sich die Wirtschaft von den Auswirkungen durch die Corona-Pandemie wie erwartet in den kommenden Monaten erholen, wird auch der Bedarf an Finanzierungen steigen. Zum anderen ist es gerade in Krisensituationen wie dieser wichtig, den Menschen vor Ort eine Hilfestellung zu bieten. Mikrofinanz ist ein leistungsfähiges Instrument, um Armut zu verringern und Lebensbedingungen zu verbessern. Mit Hilfe von Mikrokrediten können einkommensschaffende Aktivitäten aufgenommen und notwendige soziale Ausgaben wie beispielsweise für Bildung finanziert werden.

Nicht nur aufgrund der momentanen prekären Lage und um auf Herausforderungen, die daraus resultieren, gemeinsam reagieren zu können, sind wir im ständigen Austausch mit unseren Partnern vor Ort. Wir sprechen auch mit weiteren Mikrofinanzinstituten (MFIs), um auf eine steigende Finanzierungsnachfrage in Myanmar reagieren zu können. Wir werden neue Investitionen jedoch erst tätigen, wenn die politische Situation und die Auswirkungen des Putsches genauer einzuschätzen sind.

IIV Mikrofinanzfonds in Myanmar

In der Länderdiversifikation macht das Land mit einer Investitionssumme von 6 Millionen Euro derzeit 0,67 Prozent des Fondsvermögens aus. Erst im Dezember 2020 hat Invest in Visions ein Darlehen an das MFI LOLC Myanmar Microfinance Co Ltd. vergeben. Es bestehen außerdem Darlehensverträge mit dem MFI Alliance for Microfinance in Myanmar. Beide MFIs berichten uns, dass ihre Filialen weitgehend geöffnet sind. Zwar wurden Auszahlungen als Vorsichtsmaßnahme reduziert, Rückzahlungen werden jedoch weiterhin angenommen.

Der Fokus der von uns unterstützen MFIs in Myanmar liegt auf dem Zugang zu Krediten für Frauen. Zusammen bedienen beide MFIs mehr als 450.000 KundInnen im Land (86 Prozent Frauen), die Mehrheit ihrer MitarbeiterInnen sind Frauen (66 Prozent), auch auf der Management-Ebene (64 Prozent). Die MFIs vergeben Kredite von durchschnittlich 380 US-Dollar. Die Mehrheit der Kredite wird in ländlichen Gebieten vergeben (60 Prozent). Die dadurch geförderten wirtschaftlichen Aktivitäten finden größtenteils im Sektor Dienstleistungen und Handel (62 Prozent), gefolgt vom Bereich Landwirtschaft (29 Prozent) statt.


Über INVEST IN VISIONS

Die Invest in Visions GmbH wurde 2006 von Edda Schröder mit der Vision gegründet, institutionellen und privaten Anlegern den Zugang zu Impact Investments zu ermöglichen, also zu Anlagen, die neben finanziellen Erträgen auch positive gesellschaftliche Auswirkungen bieten. Wir haben uns als Mikrofinanzinvestor der ersten Stunde einen Namen gemacht und im Jahr 2011 mit der Auflegung des IIV Mikrofinanzfonds als erstem Fonds dieser Anlageklasse in Deutschland für private und institutionelle Anleger einen wichtigen Meilenstein erreicht.
Neben Mikrofinanz beschäftigen wir uns mit den Bereichen Bildung, erneuerbare Energien (dezentrale Projekte) und nachhaltige Agrarwirtschaft sowie mit der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) und ganz allgemein mit sozialen Projekten und Wirkungskrediten. Unsere Produktlösungen sind dabei Fonds und eine Inhaberschuldverschreibung (IIV Mikrofinanz-Anleihe).
Die Invest in Visions GmbH verwaltet per 05.01.2021 ein Vermögen von über 851 Millionen Euro in drei Impact-Investment-Fonds.
Aufgrund der langjährigen Erfahrung unseres internationalen mehrköpfigen Portfoliomanagement-Teams und unseres spezialisierten Netzwerks verfügen wir über umfassende Expertise in der Auswahl und Bewertung nachhaltiger und sozialer Investmentprodukte.

Wachsende Biotech-Erfolge bei Seltenen Krankheiten

von Mario Linimeier, Geschäftsführender Gesellschafter und Portfoliomanager der Medical Strategy GmbH, an der die apoAsset beteiligt ist.

In der EU gilt eine Krankheit als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind. Von diesen Seltenen Krankheiten (Orphan-Erkrankungen) gibt es weltweit rund 7.000. Forschungserfolge in der Medizin ermöglichen immer häufiger ihre Behandlung. Es handelt sich um einen Bereich des Gesundheitssektors mit sehr guten Wachstumsperspektiven.

Die Zahlen machen den Handlungsbedarf deutlich: In rund 50 Prozent der Fälle sind Kinder von Orphan‐Erkrankungen betroffen. Rund 30 Prozent von ihnen sterben, bevor sie fünf Jahre alt sind. Es handelt sich also häufig um sehr schwerwiegende und lebensbedrohliche Krankheiten.

Bislang sind erst fünf Prozent dieser Seltenen Erkrankungen mit zugelassenen Medikamenten behandelbar. Es besteht somit ein enormer Bedarf an neuen und innovativen Therapien. Allein in den USA, dem größten Healthcare‐Markt der Welt, leiden schätzungsweise 25 bis 30 Millionen Menschen unter Orphan‐Krankheiten und benötigen wirksame Behandlungsoptionen. In der EU leben ähnlich viele Menschen mit einer Seltenen Krankheit, allein in Deutschland sind es vier Millionen Menschen, so das Bundesministerium für Gesundheit.

Staatliche Unterstützung

Die Seltenheit der verschiedenen Krankheiten erschwert medizinisch und wirtschaftlich die Entwicklung neuer Medikamente und ihre Behandlung. Daher haben die Staaten für die Arzneimittelhersteller verschiedene Anreize geschaffen, damit für diese Nischen‐Indikationen neue Therapien entwickelt werden. So gilt in den USA eine siebenjährige Marktexklusivität. In Europa ist der Schutz sogar zehn Jahre lang gültig. Die Forschung ist aufwendig und von Rückschlägen begleitet, das Skalierungspotenzial erfolgreicher Therapien ist begrenzt. Die Behandlungskosten sind daher nicht mit anderen Medikamenten vergleichbar und können durchaus im sechsstelligen US‐Dollar‐Bereich liegen.

Die öffentliche Hand unterstützt Unternehmen in diesem Bereich mit steuerlichen Vergünstigungen und kurzen Zulassungswegen. In der Regel reichen positive Ergebnisse in kleinen Studien mit wenigen Patienten aus, um eine Zulassung zu erhalten. Für die entsprechenden Biopharma‐Unternehmen bringt das spürbare Vorteile. Die Entwicklungszeiten sind tendenziell kurz, was sich auch positiv auf die Kosten auswirkt.

Schließlich gelten die Patienten als gut informiert und untereinander eng vernetzt, um sich über Therapieansätze und ‐erfolge schnellstmöglich auszutauschen. Diese Diskussion hilft auch den Unternehmen bei der Entwicklung, Verbreitung und Optimierung der Therapien.

Aussichtsreicher Wachstumsmarkt

Angesichts der genannten Anreize ist die Entwicklung von Orphan‐Arzneimitteln für die Biopharma‐Industrie ein wichtiges Segment. Darüber hinaus ermöglichen neue Erkenntnisse in der molekularbiologischen Forschung die Entwicklung neuer, hochwirksamer Behandlungsansätze ‐ zum Beispiel von Gentherapien oder RNA‐basierten Therapien.

Dies schlägt sich auch in den Umsatz‐Prognosen für das Orphan‐Segment nieder: Der Umsatz für Arzneien zur Behandlung Seltener Krankheiten soll von 150 Milliarden US‐Dollar im Jahr 2020 auf mehr als 240 Milliarden US‐Dollar in 2024 wachsen. Das bedeutet einen Anstieg von 60 Prozent in gerade einmal vier Jahren beziehungsweise von 12,3 Prozent per annum. Zum Vergleich: Der Markt für herkömmliche Medikamente wächst jährlich um sechs Prozent.

Und noch eine Prognose weist auf die stark zunehmende Bedeutung von Therapien zur Behandlung Seltener Krankheiten hin: Der Anteil der Arzneimittel zur Behandlung von Orphan‐Krankheiten am gesamten Medikamentenmarkt soll sich bis 2024 im Vergleich zum Jahr 2010 auf 20 Prozent verdoppeln.

Aktien‐Segment mit Potenzial

Diese Zahlen verdeutlichen das enorme Wachstum dieses Marktsegments. Seltene Krankheiten sind für die entsprechenden Biopharma‐Unternehmen kein Randthema mehr, sondern ein zunehmend wichtiger Teil ihrer Aktivitäten. Sind diese Unternehmen börsennotiert, bieten sie Anlegern die Chance, an diesem medizinisch und sozial wichtigen Marktsegment wirtschaftlich teilzuhaben. Investoren sollten jedoch auch immer bedenken, dass es nicht unerhebliche Rückschlagrisiken gibt, wenn ein neuer und innovativer Wirkstoff nicht die Marktreife erlangt. Daher ist eine breite Streuung anzuraten. Angesichts der Fülle an potenziell bahnbrechenden Medikamenten, die sich derzeit in der Entwicklung befinden, gibt es zahlreiche Investmentopportunitäten.


Über Mario Linimeier

Mario Linimeier ist Geschäftsführender Gesellschafter und Portfoliomanager der Medical Strategy GmbH, an der die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) beteiligt ist. Der Betriebswirt und Molekularbiologe ist Co-Manager der Biotechnologie-Fonds von Medical Strategy sowie des Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, den apoAsset und Medical Strategy gemeinsam managen. Er ist seit 2013 bei Medical Strategy, zuerst als Healthcare-Analyst und seit 2016 als Geschäftsführer. Er studierte an der Universität Wien Genetik / Molekularbiologie sowie an der Johannes Kepler Universität Linz und der Seoul National University Wirtschaftswissenschaften.

Über Medical Strategy GmbH

Die Medical Strategy GmbH gehört zu den führenden unabhängigen Healthcare-Investmentberatern Europas und ist seit über 25 Jahren am Markt. Ihre Gesundheitsfonds umfassen ein Anlagevermögen von rund 1,4 Mrd. Euro und erhielten zahlreiche Preise. Das interdisziplinäre Expertenteam verfügt über ein tiefes biowissenschaftliches und anlagerelevantes Know-how. apoAsset und Medical Strategy sind seit 2005 Partner, seit 2019 ist apoAsset auch Mitgesellschafter. Weitere Informationen unter www.medicalstrategy.de.

Über Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,5 Milliarden Euro. Die Schwerpunkte sind ihre vielfach ausgezeichneten Gesundheitsfonds und Multi-Asset-Fonds. Das Unternehmen verfügt über ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung an der Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und die Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

EU-Kommission senkt Wachstumsprognosen für 2021, ist aber optimistischer für 2022

Angesichts der weiter grassierenden Corona-Pandemie hat die EU-Kommission zuletzt ihre Wachstumsprognosen für 2021 gesenkt. Mit den Verzögerungen bei den Impfkampagnen einiger EU-Ländern könnten sich auch die Lockdowns weiter in die Länge ziehen und damit auch die erwartete Wirtschaftserholung verzögern, heißt es in der Begründung der Kommission.

Im laufenden ersten Quartal dürfte die Wirtschaft der Eurozone vor diesem Hintergrund noch schrumpfen, mit dem Anlaufen der Impfaktionen aber dann in Folge anziehen. Die Prognose beruht auf der Annahme, dass es gegen Ende des zweiten Quartals zu ersten Öffnungsmaßnahmen und in der zweiten Jahreshälfte dann zu spürbareren Lockerungen kommen wird. „Auch ein verbesserter Ausblick für die Weltwirtschaft dürfte der Konjunktur Auftrieb geben“, so die Kommission.

Im Gesamtjahr dürfte die Wirtschaft im Euroraum laut der aktuellen EU-Prognose damit aber nur um 3,8 Prozent wachsen. Zuletzt war die Kommission noch von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,2 Prozent ausgegangen. Für die gesamte EU prognostiziert sie nun ein BIP-Wachstum von 3,7 Prozent.

Optimistischer ist hingegen der Ausblick auf das kommende Jahr. Die Kommission erwartet für 2022 nun ein Wachstum von 3,8 Prozent in der Eurozone. Bei ihrer letzten Prognose im Herbst hatte sie noch ein Plus von 3,0 Prozent vorhergesehen. Auch im abgelaufenen Jahr 2020 dürfte die Eurozone etwas glimpflicher davon gekommen sein als erwartet. Nachdem die EU zuletzt noch ein Minus von 7,8 Prozent prognostiziert hatte, zeigten erste Schätzungen der Statistikbehörde Eurostat nun einen Konjunktureinbruch von nur 6,8 Prozent.

Hinweis: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Prognose für Österreich halbiert

Die Aussichten für Österreichs Wirtschaft haben sich laut der EU-Prognose etwas verschlechtert. Für 2021 hat die EU ihre Wachstumsprognose von zuletzt 4,1 auf jetzt 2 Prozent halbiert. Die Kommission begründet ihre Revision mit dem Lockdown im ersten Quartal und den Auswirkungen der Reisebeschränkungen auf den Wintertourismus. 2022 dürfte Österreichs Wirtschaft den Prognosen zufolge aber wieder in Schwung kommen und 5,1 Prozent zulegen.

Für Deutschlands Wirtschaft erwartet Brüssel ein Wachstum von 3,2 Prozent im Jahr 2021 und von 3,1 Prozent im Folgejahr. In Deutschland hatte zuletzt eine Verlängerung des Lockdowns neue Konjunktursorgen geschürt. Denn die Einschränkungen wegen der Pandemie kommen der deutschen Wirtschaft teuer zu stehen. Pro Woche entgeht Deutschland laut aktuellen Umfragedaten und Berechnungen des Münchner Forschungsinstituts ifo eine Wertschöpfung von 1,5 Milliarden Euro.

Die Corona-Rezession bei wichtigen Handelspartnern hat der deutschen Wirtschaft zudem den schwersten Exporteinbruch seit der Finanzkrise 2009 eingebrockt. Die Ausfuhr von Waren sank 2020 um 9,3 Prozent auf 1.204,7 Mrd. Euro, wie das Statistische Bundesamt zuletzt mitteilte.

Deutliche Erholung in Spanien und Italien

Eine deutliche Wirtschaftserholung könnten laut den Prognosen der EU-Kommission 2021 die von der Krise schwer getroffenen Länder Italien und Spanien sehen. Für Italien erwartet die Kommission nach einem Minus von 8,8 Prozent im abgelaufenen Jahr eine Erholung von 3,4 Prozent. Für Spanien prognostiziert die EU nach dem Rekordeinbruch von 11 Prozent im Vorjahr ein Wachstum von 5,6 Prozent. Spaniens Wirtschaft hatte bereits im vierten Quartal 2020 mit einem kleinen Wachstum von 0,4 Prozent positiv überrascht. Für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, Frankreich erwartet die Kommission ein Wachstum von 5,5 Prozent im laufenden Jahr und von 4,4 Prozent 2022.

Insgesamt sieht die EU-Kommission die Risiken ihrer Prognosen ausgewogener als noch im Herbst, aber weiter hoch. Das tatsächliche Ausmaß der Wirtschaftserholung dürfte vor allem mit der weiteren Entwicklung der Pandemie und dem Erfolg der Impfkampagnen abhängen. So könnten Impfstoff-Fortschritte unerwartet schnelle Lockerungen und damit eine kräftigere Erholung bringen. Auf der anderen Seite könnte eine unerwartet hartnäckige Pandemie-Entwicklung oder etwaige Impfstoffverzögerungen sich auch negativ niederschlagen.

„Außerdem besteht das Risiko, dass die Krise im wirtschaftlichen und sozialen Gefüge der EU tiefere Narben hinterlassen könnte, insbesondere wenn es verbreitet zu Insolvenzen und Arbeitsplatzverlusten kommt“, schreibt die Kommission. Dies würde auch den Finanzsektor treffen, die Langzeitarbeitslosigkeit erhöhen und Ungleichheiten verschärfen.

Inflationsausblick weiter gedämpft

Die Inflationsentwicklung dürfte laut der aktuellen EU-Prognose verhalten bleiben. Die Kommission erwartet eine Inflation von nur 0,3 Prozent im Jahr 2020. Im laufenden Jahr 2021 dürfte die Teuerung dann auf 1,4 Prozent ansteigen. Gegenüber der Herbstprognose wurde die Inflationserwartung für den Euroraum und die EU damit für 2021 leicht hochgeschraubt, bleibt insgesamt aber weiterhin niedrig. „Da sich die Erholung verzögert, dürfte der von der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ausgehende Preisdruck gering bleiben“, schreibt die Kommission. Die Teuerung liegt damit weiter klar unter dem mittelfristig angestrebten Inflationsziel von 2,0 Prozent der Europäischen Zentralbank (EZB).


Quelle für die angegebenen Prozentzahlen: EU-Kommission

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Verantwortungsvolle Goldbeschaffung: Berücksichtigung von ESG-Standards

Gold sollte ein fester Bestandteil in jedem Portfolio sein. Denn in Zeiten wirtschaftlichen Schocks verhält sich das Edelmetall typischerweise defensiv, und bietet auch eine Absicherung im Fall einer Inflation, was in Zeiten wirtschaftlichen Wachstums von Vorteil sein kann. Nitesh Shah, Director, Commodity Strategist bei WisdomTree, erklärt im folgenden Kommentar, wie ESG-Faktoren bei Gold-ETPs berücksichtigt werden.

Die überwiegende Mehrheit der institutionellen Investitments in physisches Gold erfolgt über die Good Delivery Bars der London Bullion Metals Association (LBMA). Anleger können so über Finanzinstrumente wie Exchange Traded Products (ETPs) in Gold mit den höchsten ethischen Standards investieren, die einst großen Instituten vorbehalten waren. Das Liefersystem der LBMA setzt Maßstäbe in Bezug auf die Qualität des Edelmetalls, den ethischen Handel und die verantwortungsvolle Beschaffung. Anleger, die LBMA Good Delivery Bars kaufen, können sicher sein, dass ein gemeinsamer Standard erfüllt wurde. Darüber hinaus drängt die Organisation kontinuierlich darauf, dass jedes Jahr höhere Standards eingehalten werden. 

Verantwortungsbewusstes Sourcing

Die LBMA führte 2012 erstmals ein Responsible Sourcing-Programm für Gold ein, das einen gemeinsamen Standard für alle Raffinerien festlegt, obwohl viele der Standards bereits von Mitgliedern erfüllt wurden. Der anfängliche Schwerpunkt lag auf folgenden Bereichen: Menschenrechte, Konflikte und Regierungsführung. Ihre Standards stellten sicher, dass schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Gewinnung, dem Transport oder dem Handel mit Gold vermieden werden. Die Goldproduktion sollte bei Konflikten weder direkt noch indirekt nichtstaatliche bewaffnete Gruppen unterstützen. In Bezug auf die Governance legen die Standards Verfahren fest, um Bestechung, Betrug und Geldwäsche zu vermeiden.

Die Mitglieder der LBMA sind hauptsächlich Goldraffinerien. Die Raffinerien müssen nicht nur nachweisen, dass sie die Standards einhalten, sondern auch einen Due-Diligence-Prozess durchführen, um sicherzustellen, dass das Material, das sie entweder aus Minen oder aus recycelten Quellen verwenden, auch den Standards entspricht. Die LBMA verfügt über ein Netzwerk von Wirtschaftsprüfern, die von der LBMA speziell geschult wurden. 

ESG-Faktoren

Im Laufe der Jahre haben sich die Standards der LBMA für verantwortungsbewusstes Sourcing verschärft. Im Jahr 2019 wurden die erweiterten Standards implementiert und erstmals ESG-Bewertungen eingeführt. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie eine Goldraffinerie ihre ESG-Verantwortlichkeiten demonstrieren kann:

  1. durch ihre Tätigkeit als Raffinerie; oder 
  2. ihre verantwortungsvollen Beschaffungspraktiken mit der vorgelagerten Lieferkette

Raffinerien werden ermutigt, das unternehmerische Engagement mit dem liefernden Goldbergbau zu stärken, und diese Unternehmen beim Aufbau ihrer eigenen Due-Diligence-Kapazitäten zu unterstützen. Raffinerien müssen das Risiko in der gesamten Lieferkette einschließlich der Umweltpolitik und -praktiken der Minenarbeiter bewerten.

Maximieren von verantwortungsbewusstem Sourcing über WisdomTree

Bei WisdomTree erkennen wir die schrittweise Umsetzung der hohen Standards der LBMA an. 2012 war der Wendepunkt, an dem verantwortungsbewusstes Sourcing ein Merkmal des Goldmarktes wurde und 2019 das Jahr, in dem ESG-Faktoren zu einem formalen Standard auf dem Goldmarkt wurden.  Das gesamte physisch abgesicherte Gold-ETP-Sortiment von WisdomTree wird von LBMA Good Delivery Bars gesichert, die nach 2012 hergestellt wurden. Wir wechseln  in unserem Gold-ETP-Sortiment jedoch zunehmend zu Goldbarren, die nach 2019 hergestellt wurden.

Wir gehen davon aus, dass die Leitlinien für verantwortungsbewusstes Sourcing der LBMA die ESG-Anforderungen weiter stärken werden. Möglicherweise werden auch die Standards für recyceltes Gold verschärft. Das Ziel von WisdomTree ist es, Kunden die Einhaltung der höchstmöglichen ethischen Standards zu ermöglichen, wobei die Liquidität und Verfügbarkeit der neuesten Goldbarren berücksichtigt werden.


Weitere Informationen zu Investitionen in Gold finden Sie unter: wisdomtree.eu/gold

Infrastruktur als wesentlicher Treiber für nachhaltiges Wachstum in Schwellenländern

Die Folgen der Covid-19-Pandemie sind auch in manchen Infrastruktursektoren in den Entwicklungsländern zu spüren. Andererseits sind Megatrends wie die Energiewende, Urbanisierung und Digitalisierung jedoch ungebrochen und werden sich weiter in Infrastrukturinvestitionen niederschlagen. Gianfranco Saladino, Head of Sustainable Infrastructure Investments bei BlueOrchard, erläutert, warum Infrastrukturinvestments nach der Pandemie für nachhaltiges Wachstum in den Schwellenländern sorgen werden.

Die Infrastruktursektoren in Schwellenländern wurden unterschiedlich von der Corona-Pandemie getroffen. Vermögenswerte, die maßgeblich vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) abhängen, verloren an Wert, BIP-korrelierte Vermögenswerte im Transportwesen wie Flughäfen, Häfen und Mautstraßen gerieten unter Druck. Im Vergleich dazu erwiesen sich als relativ widerstandsfähig vertraglich festgeschriebene Vermögenswerte des Güterverkehrs, die im globalen Handels- und Warenflusses eingesetzt werden, wie Container, Eisenbahnwaggons und Flussschiffe. Weniger von der Pandemie betroffen waren soziale Infrastruktur, erneuerbare Energien und Telekommunikation, da sie von makroökonomischen Veränderungen geringer beeinträchtigt werden.

Erneuerbare Energien, Transportgüter und digitale Infrastruktur im Fokus

Viele Schwellenländer haben in den vergangenen Jahren bedeutende Infrastrukturprogramme aufgelegt, insbesondere im Energiesektor. Diese Investitionen dürften nicht in dem Maße zurückgehen wie in früheren Krisenzeiten. Daher werden sich Investoren weiterhin auf den Energiesektor und hier vor allem auf erneuerbare Energien fokussieren. Generell wird vermutlich mehr internationales Privatkapital in erneuerbare Energien in den Schwellenländern fließen. Grund dafür ist eine Kombination aus Spillover- und Lerneffekten in diesen Ländern, weiter sinkende Investitions- und Lebenszykluskosten für Anlagen erneuerbarer Energien sowie der zunehmenden politischen Bedeutung von Klimaschutz in Schwellenländern. Dies könnte zu einem zunehmenden Wettbewerb in bestimmten Ländern führen, was wiederum den Druck auf die Renditen erhöht. Hinsichtlich der Transportgüter dürfte die Bewertung von weniger BIP-bezogenen Anlagen 2021 relativ hoch bleiben, da Investoren deren Attraktivität und Stabilität über Zyklen hinweg erkennen. Darüber hinaus hat die Covid-19-Pandemie gezeigt, wie wichtig die digitale Konnektivität für die gesellschaftliche Resilienz und die Geschäftskontinuität in Krisenzeiten ist. Bereits 2020 stieg das Transaktionsvolumen im Bereich der Kommunikationsinfrastruktur in den Schwellenländern an. Dies wird sich 2021 vermutlich noch beschleunigen.

Schwerpunkt Asien

Ein Großteil der Infrastrukturausgaben könnte in Zukunft auf Asien entfallen. Steigende Einkommen und ein anhaltender Trend zur Urbanisierung werden zu einem wachsenden Bedarf an Infrastruktur führen, wie beispielsweise Smart Cities, Telekommunikationsinfrastruktur und städtische Mobilität. Die Stromnachfrage wird sich vermutlich weiterhin deutlich erhöhen. Angetrieben wird diese Nachfrage von der demografischen Entwicklung, der zunehmende Industrietätigkeit und der anhaltenden Kostensenkung für erneuerbare Energien. Die Renditen werden wahrscheinlich sinken, da internationale Investoren zunehmend in der Region, insbesondere in Südostasien, investieren.

Warum Infrastrukturinvestitionen in Schwellenländern lohnen

Schwellenländer bieten viele attraktive Investitionsmöglichkeiten in nachhaltige Infrastruktur, die es Investoren ermöglichen, robuste risikoadjustierte Renditen zu erzielen. Darüber hinaus bieten Investitionen in diesem Bereich die Möglichkeit, nicht nur zum Bau wichtiger Infrastruktur in Schwellenländern beizutragen, sondern auch zu einer kohlenstoffarmen und klimaresistenten Zukunft, zum Wirtschaftswachstum und zum Generieren von Arbeitsplätzen. Für dieses Jahr sehen wir eine Beschleunigung der Deal-Aktivitäten in widerstandsfähigen Infrastruktursektoren wie der erneuerbaren Energieerzeugung sowie der Dateninfrastruktur. Angetrieben werden diese Aktivitäten durch sich verbessernde Fundamentaldaten des Sektors sowie die steigende Nachfrage der Investoren nach stabilen, vertraglich gebundenen Vermögenswerten, die einen positiven Beitrag zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen liefern.


Über Blue Orchard Finance AG

BlueOrchard ist ein weltweit führender Impact Investment Manager mit dem Ziel nachhaltiges,integratives und klimagerechtes Wachstum zu fördern und dabei attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. BlueOrchard wurde 2001 auf Initiative der UN als weltweit erster kommerzieller Manager von Mikrofinanzanlagen gegründet. Heute bietet BlueOrchard Investoren auf der ganzen Welt erstklassige Anlagelösungen im Bereich Fremdkapital, Private Equity sowie nachhaltige Infrastruktur. Als Experte für innovative Blended Finance-Mandate ist das Unternehmen ein bewährter Partner international führender Entwicklungbanken. Mit einer breiten globalen Präsenz und Niederlassungen auf vier Kontinenten hat BlueOrchard bis heute mehr als 8 Mrd. USD in 80 Schwellen- und Entwicklungsländern investiert und damit messbaren sozialen und ökologischen Impact erzielt. BlueOrchard ist ein von der FINMA regulierter Vermögensverwalter. Seine luxemburgische Gesellschaft ist ein von der CSSF regulierter UCITS- sowie alternativer Investmentfondsmanager (AIFM). Weitere Informationen finden Sie hier: www.blueorchard.com.

„Umweltfreundliche Technologien werden auf Jahre hinaus wachsen“

Technologie und speziell umweltfreundliche Technologien waren die Börsenthemen schlechthin im letzten Jahr. Durch die klaren politischen Vorgaben hält der Aufwärtstrend bei diesen Aktien an. Die beiden Umweltfonds ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT sowie ERSTE GREEN INVEST bzw. ERSTE GREEN INVEST MIX konnten im abgelaufenen Jahr (Stand Ende Dezember 2020) eine erfreuliche Entwicklung verzeichnen – mit überdurchschnittlichen Wertzuwächsen für die InhaberInnen von Fondsanteilen. Clemens Klein, Senior Professional Fondsmanager der Erste AM, spricht über das abgelaufene Jahr, die Bewertungen und Zukunftsaussichten von Aktien der Umwelttechnologie.

Das Jahr 2020 ist für die Umweltaktienfonds und nachhaltige Investitionen generell sehr positiv gelaufen. Worauf führen Sie die Entwicklung zurück?

Aktien aus dem Technologie-Bereich standen im Fokus der AnlegerInnen. Der Bereich der Umwelttechnologie mit seinen vielen Innovationen war dabei federführend. Wenn man die einzelnen Segmente betrachtet, so standen Aktien der Solarenergie an der Spitze der Wertzuwächse. Aber auch alles, was mit Wasserstoff und Windenergie zu tun hatte, verzeichnete ein positives Jahr. Weniger stark zeigte sicher der Bereich Mobilität und vor allem das Thema Wasser, das deutlich hinter der Gesamtmarktentwicklung zurück blieb.

Man konnte also nicht viel falsch machen?

Sagen wir so: Die Kapitalströme sind trotz der weltweiten Pandemie nicht „abgerissen“. Die AnlegerInnen zeigten sich wenig beeindruckt und sehen die Umwelttechnologie als klare Zukunftsinvestition. Aber ja: Schiefgehen kann immer etwas – zum Beispiel, wenn man alles auf eine Karte setzt. Wenn man sein Geld in Aktien der Umwelttechnologie anlegen möchte, so empfiehlt sich eine Streuung über möglichst viele verschiedene Aktien und Geschäftszweige. Und diese Aufgabe erfüllt nun einmal ein Fonds hervorragend. Klar man sich auch selbst schlau machen und sich einige Titel herauspicken, die man selbst als chancenreich erachtet. Aber unter all den investierbaren Aktien – da sprechen wir immerhin von mehreren hundert Unternehmen, mag sich das eine oder andere befinden, das möglicherweise die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllen kann. Wenn es dann möglicherweise rasch zu einem Kursverfall kommt, so können in einem Fonds die anderen Titel, die sich gut bzw. hervorragend entwickeln, den gefallenen Wert “auffangen“ Von daher ist ein Fonds auch immer unter dem Aspekt der Risiko-Streuung zu sehen. Abgesehen davon brauchen wir uns mit der Wertentwicklung nicht verstecken.

Welche Aktien liefen besonders gut in den Umwelttechnologie-Fonds?

Die Auswahl der Titel, die „richtige“ Selektion – wenn man so will „ein gutes Händchen“ – spielt eine entscheidende Rolle. Das gelingt nicht in jedem Jahr, aber wir freuen uns, dass wir zum wiederholten Male mit der Auswahl der Titel eine überdurchschnittliche Wertentwicklung für unsere KundInnen generieren konnten. Im Solarbereich war die Aktie Enphase Energy der Top-Performer. Aber auch andere Titel wie SunrunSunpower Daqo oder Sunnova lieferten wesentliche Beiträge zur Performance der Fonds (Quelle: Bloomberg). Daneben zeigten Titel aus dem Bereich Brennstoffzellen/Wasserstoff (Plug PowerCeres PowerNel ASABallard Power) sowie Spezialwerte im Bereich E-Mobilität (WorkhorseNiu Technologies) und Windenergie (TPI Composites) deutliche Zugewinne.

Wie sind die Zukunftsaussichten für den Bereich Umwelttechnologie? Warum könnten die Aktien weiter steigen?

Die Aussichten für Investments in den Bereichen Ökologie und Umwelttechnologie bleiben auch für 2021 unverändert positiv. Der Wahlsieg Joe Bidens in den USA wird, neben dem European Green Deal, für zusätzlichen politischen Rückenwind in vielen Bereiche der Umweltbranche sorgen. Im Fokus stehen dabei Themen wie Elektromobilität, Energieeffizienz, Wasserstoff sowie Erneuerbare Energie. So sollen allein in Europa bis 2025 zwei Millionen Ladestationen installiert werden, um den Umstieg auf Elektroautos voran zu bringen. In den USA sieht der Klimaplan des neuen Präsidenten die Sanierung von 4 Millionen Gebäuden vor: mit den Schwerpunkten Beleuchtung, Wärmedämmung sowie Heizung und Klimatisierung. Und auch in Europa soll die Renovierungsrate von Altbauten verdoppelt werden. Sowohl in den USA als auch in Europa aber vor allem in China werden in den kommenden Jahren hunderte Milliarden Euro in den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur investiert. Und natürlich bleibt Erneuerbare Energie weltweit eines der bestimmenden Themen im Umweltbereich. Wir haben in den vergangenen Monaten unsere Gewichtungen in allen angeführten Themen erhöht, um diese politischen Maßnahmen verstärkt abzubilden.

Aber man sagt, dass politische Börsen kurze Beine haben. Letztendlich muss sich das am Ende „rechnen“ – klarerweise für die Umwelt- und Klimabilanzen und die Investoren. Werden dabei beide Seiten auf ihre Rechnung kommen?

Neben der politischen Unterstützung sind es zunehmend aber vor allem auch wirtschaftliche Gründe, die für die positiven langfristigen Perspektiven von Investitionen in umweltfreundliche Technologien sprechen. In vielen Teilen der Welt ist die Solarenergie heute eine der billigsten Formen der Stromerzeugung, wodurch Subventionen überflüssig werden. Das ist insgesamt sehr positiv zu bewerten. Der deutliche Rückgang der Batteriepreise in den letzten Jahren (minus 80% seit 2010, minus 50% seit 2015) verhilft nicht nur der E-Mobilität zum Durchbruch, sondern wird in absehbarer Zeit dazu führen, dass Sonnen- oder Windenergie einschließlich der Speicherung die billigste Form der Stromerzeugung sein werden. Dies wird unweigerlich zu einer weiteren Beschleunigung der Nachfrage führen. Aber auch andere Bereiche der Fonds wie Recycling (Stichwort: Kunststoffe) oder Wasser werden in vielen Teilen der Welt immer wichtigere Themen und sollten deshalb auf Jahre hinaus deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweisen.

Fazit

Die Kursentwicklung von Aktien der Umwelttechnologie wird auch im Jahr 2021 stark davon abhängen, wie sich die internationalen Aktienmärkte entwickeln. In einem anhaltend freundlichen Umfeld sind auch die Aussichten für den ERSTE GREEN INVEST und den ERSTE GREEN INVEST MIX positiv einzuschätzen. Angesichts der gestiegenen Bewertungsniveaus an den Börsen sind zwischenzeitliche Korrekturen jederzeit möglich und „gesund“. Die überdurchschnittlichen Wachstumsraten der „grünen Unternehmen“ sollten sich langfristig in besseren Ertragsmöglichkeiten für Fonds mit einem Fokus auf Ökologie und Umwelttechnologie niederschlagen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

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Warnhinweis Erste WWF Stock EnvironmentWarnhinweis Erste Green Invest

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Made in Emerging Markets

von Leopold Quell, Fondsmanager bei der Raiffeisen KAG.

Bekleidung und insbesondere Fast-Fashion-Bekleidung wird fast ausschließlich in Emerging Markets gefertigt. Die personalintensive Produktion kann nur dort zu konkurrenzfähigen Kosten bewerkstelligt werden. So verwunderrt es nicht, dass von den 1.300 Zulieferern, mit denen H&M zusammenarbeitet, zwei Drittel aus Asien stammen. Insgesamt sind 1,6 Millionen Menschen in die gesamte Lieferkette des schwedischen Fast-Fashion-Pioniers involviert. Im Falle von Inditex, dem größten Konkurrenten von H&M, sind es sogar 1.800 Zulieferer. Zwei Millionen Menschen helfen mit, jene Kleidung herzustellen, die von Inditex’ Ketten (allen voran Zara) verkauft wird. Auch in diesem Fall dominieren Emerging Markets ganz klar (neben asiatischen Ländern vor allem Marokko und die Türkei).

Spätestens durch den Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes in Bangladesch, der 2013 mehr als 1.100 Menschenleben kostete, kam die Bekleidungsbranche in Verruf, weil im Zuge der Aufklärung dieser Katastrophe die schlechten Arbeitsbedingungen der – mehrheitlich weiblichen – Mitarbeiter einer breiteren Öffentlichkeit vor Augen geführt wurden. Große Fast-Fashion-Labels versuchen aktiv gegen diesen schlechten Ruf vorzugehen und sicherzustellen, dass ihre Geschäfte mit billigen Zulieferern nicht in einem PR-Desaster enden. Dies tun sie einerseits, indem lokale Unternehmen sich nur dann für eine Zusammenarbeit qualifizieren können, wenn sie die Einhaltung eines detaillier ten Code of Conduct gewährleisten, der die Arbeitsbedingungen der lokalen Angestellten regelt (und der auch regelmäßig überprüft wird). Andererseits setzen sie darauf, dass Transparenz Vertrauen schafft. Insbesondere die Branchenführer H&M und Inditex haben es in den letzten Jahren wesentlich leichter gemacht, nachzuprüfen, wo und unter welchen Bedingungen sie ihre Ware produzieren (lassen).

Durchschnittliche Monatslöhne (exkl. Überstunden) liegen in Fabriken, die Bekleidung für H&M produzieren, laut deren Sustainability Report über dem lokalen Mindestlohn.

INSTAGRAM ALS GAMECHANGER

Die Rahmenbedingungen im Bekleidungseinzelhandel haben sich spürbar verändert. Selbst große Anbieter sind durch die immer größer werdende Bedeutung von Social Media in die Defensive gedrängt worden. Die Zeiten, in denen Fast-Fashion-Labels durch entsprechend großen Werbeeinsatz Modetrends (mit)bestimmen konnten, sind vorbei. An die Stelle von umjubelten Chefdesignerinnen und -designern ist plötzlich eine Vielzahl von Influencern getreten. Was hip ist bzw. demnächst hip sein wird, ist selbst für die Branchenführer somit kaum noch vorherzusagen, geschweige denn zu beeinflussen. Fast-Fashion-Labels mussten sich anpassen, indem sie kleinere Mengen vorproduzieren und stattdessen während der Saison flexibel und kurzfristig darauf reagieren, was sich als Trend etabliert. Entsprechend den Verkaufszahlen wird die Produktion also intrasaisonal gesteuert.

Lokale Store Manager spielen dabei eine sehr wichtige Rolle, da sie nicht nur die quantitativen Absätze im Auge haben, sondern auch qualitatives Feedback liefern können, wohin sich die Nachfrage gerade entwickelt. Daher verwundert es nicht, dass laut dem Investmenthaus Barclays Inditex nur noch rund 25 % der Ware vorproduziert. Die restlichen 75 % werden während der Saison entsprechend dem Verkaufserfolg und dem Vor-Ort-Feedback hergestellt und geliefert. Die Vorlaufzeiten können dabei unter einen Monat und in manchen Fällen auf nur zwei Wochen gedrückt werden. Auf diese Weise kann das Unternehmen verhindern, dass am Markt vorbei produziert wird und liegengebliebene Ware mit hohen Rabatten verschleudert werden muss.

ZULIEFERER 2.0

Um so flexibel reagieren und produzieren zu können, muss die Lieferkette so effizient wie möglich sein. Möglich machen das Zulieferer, die sich von reinen Auftragsfertigern zu Lieferketten-Co-Managern entwickelt haben. Allen voran ist hier Shenzhou International zu nennen. Das an der Hongkonger Börse gelistete chinesische Unternehmen schaffte es, sich durch vertikale Integration neu zu erfinden. Das heißt, es kann nahezu alle Schritte der Lieferkette auf wettbewerbsfähigem Niveau und zu hohen Stückzahlen anbieten und damit Kunden wie adidas, Puma und Uniqlo überzeugen bzw. binden. Mehr noch: Durch umfangreiche Investitionen in Forschung und Entwicklung verfügt Shenzhou über modernste Fertigungsmethoden und -anlagen, die auch aufwendige und komplexe Aufträge effizient erfüllen können. Selbst der Handelskonflikt zwischen China und den USA konnte dem Unternehmen nicht schaden. Durch die breite geographische Aufstellung (neben China auch in Kambodscha und Vietnam) war es Shenzhou möglich, Orders von US-Kunden auf Standorte in Ländern zu verlagern, die von den Handelsbeschränkungen nicht betroffen sind.

GRÖSSERES KUCHENSTÜCK FÜR EMERGING MARKETS

Wie erfolgreich das Unternehmen ist, zeigt nicht nur der wachsende Börsenkurs, sondern auch die Marktkapitalisierung von rund 27 Milliarden US-Dollar. Damit ist das Unternehmen nur noch unwesentlich kleiner als H&M. Ein klarer Hinweis darauf, dass sich die Machtverhältnisse verschoben haben. Lange Zeit waren die dominierenden Fast Fashion Player gegenüber ihren Zulieferern aus den Emerging Markets in einer Position der Stärke. Versuchte ein Zulieferer, höhere Preise durchzusetzen, lief er Gefahr, durch einen anderen ersetzt zu werden. Shenzhou konnte diese Hackordnung als eines der ersten Unternehmen durchbrechen, indem es eher die Rolle eines strategischen Partners für den Abnehmer einnimmt und damit die so wichtige Flexibilität am Point of Sale garantiert. Shenzhou ist daher nicht so leicht austauschbar und kann sich so einen wesentlich größeren Teil vom Kuchen sichern.

Italien: Regierungsbildung mit einem alten Bekannten

In Italien haben die unterschiedlichen Standpunkte der Parteien innerhalb der Koalitionsregierung zum Thema Inanspruchnahme und Verwendung von EU-Hilfsgeldern eine Staatskrise ausgelöst. Es geht dabei auch um nicht weniger als die Verteilung von rund 210 Mrd. Euro an Hilfsgeldern. Mittendrin ist ein alter Bekannter: der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi.

Die Kleinpartei in der Regierung „Italia Viva“ rund um den ehemaligen Premierminister Renzi bestand auf ihrer Forderung zusätzlich zu den Geldern aus dem EU-Wiederaufbaufonds die Aktivierung der Pandemie-Krisenhilfe des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) in Anspruch zu nehmen, was von anderen Koalitionspartnern mit dem Hinweis auf Auflagen der EU bezüglich Verwendung der Mittel und Verlust an Souveränität abgelehnt wurde.

„Italia Viva“ steigt aus Koalition aus

Renzis Partei „Italia Viva“ stieg als Konsequenz daraus aus der Vierparteien-Regierungskoalition aus und die von ihr gestellten zwei Minister traten zurück.

Alle Versuche diese Krise über Zugeständnisse in dieser Frage oder über eine Kabinettsumbildung zu lösen sind gescheitert.

Premierminister Conte stellte sich einer Vertrauensabstimmung im Parlament. Dabei konnte er zwar die Vertrauensabstimmung in beiden Kammern des Parlaments gewinnen, verfehlte aber im Senat die absolute Mehrheit, woraufhin er nur mehr mit einer Minderheitsregierung weiter regieren konnte. Daraufhin reichte Premierminister Conte seinen Rücktritt ein und eröffnete damit offiziell diese Regierungskrise.

Damit stand auch die Möglichkeit von sofortigen Neuwahlen im Raum, was den Markt besonders beunruhigte, denn laut aktuellen Umfragen bestünde in diesem Fall die Möglichkeit, das ein Regierungswechsel hin zum EU-kritischen rechten Parteienspektrum rund um Salvini erfolgen könnte.

Spread italienischer Anleihen steigt an

Diese Aussicht ließ die Zinsdifferenz italienischer Staatsanleihen zu anderen europäischen Staatsanleihen vorübergehend empfindlich steigen. Die Marktunsicherheit kam auch in Form einer zunächst erhöhten Volatilität, je nach Nachrichtenlage, zum Ausdruck.

Neuerliche Versuche von Conte ein pro europäisches Regierungsbündnis zustande zu bringen scheiterten.

Sofortige Neuwahlen dürften jedoch für die allermeisten Beteiligten nicht die bevorzugte Lösung sein. Angesichts der Ergebnisse der Wahlumfragen riskieren die regierenden Parteien einen Sieg des Mitte-Rechts-Blocks, insbesondere wegen der deutlich geringeren Unterstützung für die größte Regierungspartei der Fünf Sterne Partei.

Mario Draghi mit Regierungsbildung beauftragt

Nachdem auch Staatspräsident Mattarella eigenen Aussagen zufolge sofortige Neuwahlen in Pandemie-Zeiten vermeiden möchte, beauftragte er Mario Draghi mit der Bildung einer neuen Regierung.

Der Staatspräsident dürfte der Marktreaktion zu Folge die richtige Wahl mit der als überparteilich geltenden Persönlichkeit getroffen haben. Der italienische Staatsanleihenmarkt reagierte darauf äußerst positiv indem die Zinsdifferenz 10-jähriger italienischer Staatsanleihen zu anderen europäischen Staatsanleihen auf historische Tiefststände gefallen ist.

Den ersten Reaktionen zu Folge stehen die Chancen gut, dass es Mario Draghi gelingt eine pro-europäische Regierung bzw. Expertenregierung zu bilden und damit die politische Unsicherheit in Pandemiezeiten zu beenden. Es wird ihm allgemein zugetraut, die notwendigen Reformen des Landes mit den zur Verfügung stehenden EU-Milliarden voran zu treiben und damit die aktuell vorherrschende Investorenzuversicht zu rechtfertigen und den mittelfristig positiven Ausblick auch mit Hilfe der Kaufprogramme der EZB bis zur nächsten regulären Parlamentswahl 2023 zu erhalten.


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Rentenmärkte: Zu Jahresbeginn etwas schwächer

Die Rentenmärkte tendierten in den ersten Wochen des neuen Jahres etwas schwächer, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Verhältnismäßig stärker waren von dieser Entwicklung US-Staatsanleihen betroffen. Hier ist die Rendite der zehnjährigen Anleihe um über 0,1 % angestiegen, was entsprechende Kursverluste zur Folge hatte. Nicht zuletzt deshalb haben auch Schwellenländeranleihen in Hartwährung etwas gelitten, weil diese stark von den Entwicklungen am US-Markt beeinflusst werden. In geringerem Ausmaß sind auch die Renditen deutscher und österreichischer Staatsanleihen gestiegen. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone waren etwas höhere Inflationserwartungen hauptverantwortlich für die leichte Marktschwäche. Unterdessen gab es in Italien – wie so oft – politische Turbulenzen. Die negativen Auswirkungen auf italienische Staatsanleihen waren zwar spürbar, hielten sich jedoch in Grenzen. Positiver Ausreißer an den Rentenmärkten waren Hochzinsanleihen. Dieses Segment wurde von der guten Stimmung an den Aktienmärkten unterstützt und konnte daher seit Jahresbeginn eine positive Wertentwicklung erzielen.

Geld-/Kapitalmarkt: Inflation weiterhin unter EZB-Zielwert

Wie sensibel die Märkte in Bezug auf Aussagen der Notenbanken sind, sieht man an der jüngsten Reaktion auf die Pressekonferenz der EZB-Präsidentin Lagarde. In der Nuance war sie nicht so „taubenhaft“, wie der Markt sich das erwartet hatte, und schon gingen die Anleihekurse in die Knie.

Die Befürchtungen sind aber unbegründet, denn die Notenbanken werden ihren Aussagen zufolge noch für sehr lange Zeit am Nullzins festhalten. Sie wollen zum einen nicht durch voreiliges Handeln die Wirtschaftserholung, die noch nicht einmal richtig begonnen hat, abwürgen, zum anderen auch die guten Finanzierungsbedingungen für Staaten und Unternehmen aufrechterhalten. Nur ein schneller Anstieg der Inflation über die Zielwerte könnte hier ein Umdenken auslösen. Ein Blick auf die gepreisten Inflationserwartungen in der Eurozone zeigt jedoch, dass eine solche Entwicklung wohl nicht ansteht.

Staats- und Unternehmensanleihen: Die Luft wird dünn

Die Renditen von Euro-Staats- und Unternehmensanleihen haben das Niveau von vor Covid-19 wieder erreicht. Das bedeutet, dass Euro-Staat im Schnitt über die Länder und Laufzeiten an der Nulllinie schrammt und Unternehmensanleihen nicht wesentlich darüber rentieren.

Für den Ertragsausblick bedeutet das: die Luft wird dünn. Soll heißen, dass heuer aus diesen Kategorien nicht viel zu erwarten ist. Dies gilt umso mehr, weil Wirtschaftserholung und leicht steigende Inflation für etwas höhere Renditen sprechen. Etwas besser sieht es im Hochzinsbereich aus. Hier liegt die Rendite aber auch schon wieder unter 3 %, was für die schlechte Qualität dieser Schuldner sehr wenig ist. Genau genommen wird man fürs Risiko nicht mehr ausreichend belohnt. Trotzdem könnte sich dieses Segment im Jahr 2021 noch gut entwickeln, weil Konjunkturerholung, positive Aktienmärkte sowie die anhaltende Suche nach positiven Renditen als Unterstützungsfaktoren dienen können.

Emerging Markets: Anleihen attraktiv

Schwellenländeranleihen gehören zu jenem Marktsegment, in dem auch im aktuellen Niedrigzinsumfeld noch positive Renditen zu finden sind. Dies gilt sowohl für Anleihen in Lokalwährung als auch für Papiere in Hartwährung. Der Ausblick für diese Marktsegmente ist aber nicht nur aufgrund des positiven laufenden Ertrages konstruktiv. Wirtschaftsausblick und das erwartete Marktumfeld, in dem ertragreiche Anlagekategorien begünstigt sein werden, sprechen auch für Emerging-Market-Anleihen.

„2021 ist ein regulatorisches Hammer-Jahr!“

Anlässlich des 181. Hedgeworks haben die BAI-Verantwortlichen Frank Dornseifer und Philipp Bunnenberg Ergebnisse aus dem BAI Investor Survey 2020 vorgestellt und die Konsequenzen für die institutionelle Kapitalanlage erläutert. Im Interview mit Hedgework präzisieren sie ihre wichtigsten Aussagen. 

Hedgework: Sie wollen anlässlich des Jahreswechsels eine regulatorische und eine allokatorische Bestandsaufnahme der Alternative-Investments-Branche machen. Lassen Sie uns mit der allokatorischen anfangen. Was gibt es hierzu Interessantes zu berichten?

Philipp Bunnenberg: Institutionelle Investoren gleichen ihre Portfolioaufteilung zwischen traditionellen und alternativen Kapitalanlagen immer mehr an. Natürlich forciert das Niedrigzinsumfeld Investoren, ihre Suche nach Alternativen zu den negativ verzinsten Anleihen als auch den hoch bewerteten Aktienmärkten zu intensivieren. Alternative Investments erfahren vor allem aber auch aufgrund positiver Erfahrungswerte der letzten Jahre Zulauf.

Hedgework: Wie zeigt sich das?

Bunnenberg: Aufgrund steigender Nachfragen sehen wir eine deutliche Ausweitung der Palette an Private-Markets-Produkten. Zugangswege und Strategien, die bisher eher ein Nischendasein geführt haben, evolvieren. Zu nennen sind hier insbesondere Co-Investment-Strategien, die durch direkte Co-Investments, Co-Investment-Fonds, Sidecars oder AIFs mit Co-Investments als Substrategie umgesetzt werden können. Zudem erfahren die Private Secondary Markets immensen Zulauf. Insbesondere auch abseits der vertrauten Corporate-Private-Equity Secondary-Fonds nimmt das Fundraising deutlich zu – und COVID-19 beschleunigt den Trend zusätzlich.

Hedgework: Der BAI hat unlängst den Investor Survey 2020 vorgestellt. Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Ergebnisse daraus?

Bunnenberg: Im Rahmen der Befragung deutscher institutioneller Endinvestoren – also Versicherer, Pensionskassen, Versorgungswerke, etc. – wird deutlich, dass dieser Schritt für Schritt zu ihren internationalen Vergleichsgruppen aufschließen. Immobilieninvestments hinzugenommen allokieren die befragten Investoren derzeit durchschnittlich 22 Prozent in Alternative Investments.

Hedgework: Wie geht das weiter?

Bunnenberg: Ausgehend von den Umfrageergebnissen gehen wir in den nächsten drei bis fünf Jahren von einer jährlichen Wachstumsrate des Anteils alternativer Investments in den Portfolios deutscher institutioneller Investoren von drei bis sechs Prozent aus. Das kann sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen. Diese erfreuliche Wachstumsrate ist unter anderem stark getrieben durch Erstinvestitionen in Private-Debt-Produkte – sprich: die Bereitstellung von Kapital durch Nicht-Banken. Viele Investoren sind bereits über Eigenkapitalinvestments an Infrastrukturprojekten, Unternehmen und Immobilien beteiligt und suchen nun beispielsweise über Kreditfonds zusätzliche Fremdfinanzierungsalternativen.

Hedgework: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die institutionelle Kapitalanlage?

Bunnenberg: Perspektivisch, nach überstandener Pandemie, sollten vor allem Infrastrukturinvestitionen profitieren, denn die Finanzierungslücke ist hier weiterhin eklatant, sodass attraktive Rendite-Risiko-Opportunitäten bestehen bleiben. Davon ausgehend, dass uns das Niedrigzinsumfeld auch in den kommenden Jahren erhalten bleibt, müssen Investoren, unter Berücksichtigung ihrer Sorgfaltspflicht, ihre Portfolios alternativ diversifizieren, vor möglicher Inflation schützen und weiterhin angemessene Renditen, etwa über Illiquiditätsprämien, erzielen. Kein Wunder also, dass Private-Debt-Fonds, die stetige und stabile Cash-Flows bieten, einen beispiellosen Zulauf erfahren. Das gilt natürlich auch abseits der Infrastrukturinvestments für Real Estate Debt und Corporate Private Debt.

Zudem hat sich mehr als einmal gezeigt, dass die Private-Equity-Branche in diffizilen, volatilen Marktphasen, wie es zum Beispiel in den Jahren nach der globalen Finanzkrise der Fall war, langfristig besser abschneidet als die öffentlichen Märkte. Daran dürfte sich, unter Berücksichtigung des großen Dry Powders – was für jeden zweiten befragten Investor mittelfristig durchaus eine Herausforderung darstellt – nichts ändern.

Hedgework: Lassen Sie uns zur regulatorischen Bestandsaufnahme kommen – was steht hier für die Alternative-Investments-Branche an und worauf müssen sich die Manager einstellen? 

Frank Dornseifer: 2021 ist ein regulatorisches Hammer-Jahr! Zum einen steht bei diversen europäischen Fundamentalrechtsakten ein Review-Prozess an – beispielsweise bei der AIFM-Richtlinie nebst ELTIF-Verordnung, dem Baukasten für unsere Alternative-Investments-Branche. Im Großen und Ganzen hat sich das Konzept bewährt, auch wenn es punktuell durchaus Verbesserungsbedarf gäbe, zum Beispiel eine Vereinfachung des Reportings, ein EU-Passport für kleine AIFMs, etc. Aber hier gilt es sorgfältig abzuwägen. Denn die Kommission hat einen umfangreichen Themenkatalog zur Konsultation gestellt und es besteht jetzt die Gefahr, dass dies zu vielen aufreibenden Diskussionen führen wird, die unter Umständen dann sogar Rückschritte mit sich bringen könnten und keine Fortschritte. Deshalb plädieren wir hier für ein minimalinvasives Vorgehen, vor allem müssen auch nationale Privatplatzierungsregime erhalten bleiben, gerade weil aktuell ein Drittstaatenpass in weite Ferne gerückt ist. Auch ein moderater Review kann als Erfolg verbucht werden. Das ist unsere Botschaft an die EU-Kommission. 

Hedgework: Und zum andern?

Dornseifer: Zum andern sind auch bei den Investoren die Zeichen auf Review gestellt. Hier sind Solvency-Review und CRR-Review schon weiter als der AIFMD-Review. Es geht um den effizienten Zugang zu Alternativen Investments, und zwar diskriminierungsfrei und vor allem ohne überbordende Bürokratie bei Durchschau, Reporting, etc. Hier diskutieren wir noch mit der EU-Kommission oder EIOPA über die konkrete Ausgestaltung der Anforderungen beispielsweise an die sogenannten Long Term Equities (LTE), die erstmalig mit einer risikoadäquaten Eigenmittelunterlegung von 22 Prozent versehen sind. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.

Hedgework: Was bringt das Hammer-Jahr sonst noch mit sich?

Dornseifer: Beispielsweise, dass nicht nur bestehende Regelwerke auf dem Prüfstand stehen, sondern ist die Gesetzgebungspipeline auch mit diversen neuen Initiativen gefüllt ist, die volle Aufmerksamkeit erfordern. Allen voran sind da natürlich die Sustainable-Finance-Initiative mit ihren 10 Regulierungsmaßnahmen bezüglich Taxonomie, Offenlegungen, Benchmark, etc. zu nennen sowie das Digital Finance Package mit den Rechtsakten MiCAR, Pilot Regime, DORA, etc., was der gesamten Finanzbrache und insbesondere Investoren einen Technologieschub verschaffen wird.

Hedgework: Damit sind wir in Tat bei zwei spannenden Fragestellungen: Welche Auswirkungen wird der Trend zur Nachhaltigkeit sowie die fortschreitende Digitalisierung auf Alternative Investments haben. Wie ist das aus Verbandssicht zu beurteilen und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Dornseifer: Zunächst zum Thema Nachhaltigkeit. Alle Produkte, alle Assets und die ganze Wertschöpfungskette vom Front- bis zum Backoffice, dem Vertrieb, etc. sind betroffen. Dabei lassen einen nicht nur der Umfang und der Detaillierungsgrad der noch nicht annähernd vollständigen Taxonomie, sondern auch die absehbaren Offenlegungspflichten gegenüber Aufsicht und Investoren schwindelig werden. Hinzu kommt jetzt noch die praktische Implementierung – und hier zeigt sich, dass der Teufel – wie immer – im Detail steckt. Spätestens jetzt haben alle Insider Schweißperlen auf der Stirn und verstehen, dass Nachhaltigkeit mit Anstrengung verbunden ist! Vor allem wacht jetzt auch die Realwirtschaft auf und beschwert sich lautstark, welche Prüf- und Reportingpflichten auf sie zukommen. Auch die Diskussion über das Lieferkettengesetz zeigt, dass sich die Politik die Finanzbranche als den Überbringer der unangenehmen Botschaften ausgesucht hat, denn indirekt ist natürlich auch die Asset- bzw. Unternehmensseite in der Pflicht. Bis hier die Dinge geschmeidig laufen, wird noch viel Zeit vergehen.

Hedgework: Und wie steht es um die Herausforderungen der fortschreitenden Digitalisierung?

Dornseifer: Das ist ebenfalls ein Megathema – die Digitalisierung in der Finanzbrache. Was Anfang des Jahrtausends die MiFID-Richtlinie war, ist jetzt die MiCA-Verordnung, was für Markets in Crypto Assets Regulation steht. Krypto-Assets werden Bestandteil des Finanz- und Investmentuniversums. Diese werden zum Teil auch von MiFID aufgenommen, eben wo es sich um digitale Finanzinstrumente handelt. Daneben gibt es aber auch die echten neuen Krypto-Assets, die ein eigenständiges Regulierungsregime erhalten. Flankierend dazu bedarf es Regelungen für die neue Infrastruktur, die eben die Blockchain- bzw. Distributed-Ledger-Technologie einsetzt. Dies ist das sogenannte Pilot-Regime auf der einen Seite bzw. der Digital Operational Resilience Act – kurz: DORA – auf der anderen Seite, um eine sichere Infrastruktur bzw. den sicheren Umgang mit den sogenannten ICT-Risiken – also Information, Communication and Technology Risks – sicherzustellen.

Hedgework: Das sieht nach einer echten Herausforderung für die Branche wie auch den Verband aus.

Dornseifer: Beide Beispiele verdeutlichen, vor welcher Mammutaufgabe die AI-Branche derzeit steht. Sowohl auf der Nachhaltigkeitsseite als auch bei der Digitalisierung ist das Jahr 2021 aus meiner Sicht eine Zeitenwende. Die Veränderungen und Herausforderungen sind gewaltig und auch deswegen gilt es, etwa bei den eingangs erwähnten Review-Prozessen behutsam vorzugehen und immer auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und auch der europäischen Branche im Auge zu halten. Dazu bedarf es natürlich auch deutlich mehr, als die Bundesregierung gerade im sogenannten Fondsstandortgesetz vorgelegt hat.

Hedgework: Was könnten Sie sich diesbezüglich vorstellen?

Dornseifer: Im Kern geht es darum, tiefgreifende strukturelle Unzulänglichkeiten zu beseitigen – und zwar im Aufsichtsrecht, im Investmentsteuerrecht, aber auch im Investorenaufsichtsrecht. Hier ein paar Beispiele: Im Aufsichtsrecht stellt Deutschland nur eine überschaubare Anzahl von Organisationsformen bereit, die zudem häufig nicht praxistauglich ausgestaltet sind. Dieser Baukasten ist in anderen Jurisdiktionen nicht nur deutlich größer, sondern vor allem auch praxisgerecht ausgestaltet.

Hedgework: Im Investmentsteuerrecht?

Dornseifer: Im Investmentsteuerrecht gilt für Spezial-Investmentfonds ein Numerus Clausus der zulässigen Vermögensgegenstände, der deutlich enger gefasst ist als im Aufsichtsrecht. Dort sind beispielsweise die europäischen Fondsvehikel ELTIF, EuVECA und EuSEF ausgeschlossen, sodass es im Ergebnis zu einer deutlichen Divergenz in den Anlagemöglichkeiten gemäß Aufsichts- und Investmentsteuerrecht kommt. Ein weiteres frappierendes Beispiel für die Inkonsistenz von Aufsichts- und Steuerrecht sind die divergierenden Definitionen von offenen und geschlossenen Fonds. Es ist in der Praxis nicht nachvollziehbar, dass etwa im InvStG nicht die einschlägige Abgrenzung bzw. Definition aus dem Aufsichtsrecht (AIFM-RL) akzeptiert und übernommen werden kann. 

Hedgework: Also reichlich Nachbesserungsbedarf? 

Dornseifer: Sicherlich, aber das war noch nicht alles. So bereitet VAG-Investoren immer noch die Anlageverordnung (AnlV) gewisse Probleme. Auch hier wird bei den einschlägigen Erwerbbarkeitsregelungen abweichend vom Aufsichtsrecht für Fonds definiert, wann ein Fonds offen bzw. geschlossen ist. Dadurch wird das zulässige Anlageuniversum eingeschränkt bzw. die Erwerbbarkeit deutlich erschwert. Zudem werden Anlagen in Nicht-EU-Fonds – außerhalb von Private Equity – auch faktisch unmöglich gemacht, was gerade in globalisierten Märkten und unter Diversifizierungsgesichtspunkten aus Investorensicht schlichtweg kontraproduktiv ist. Sodann sind in der AnlV bzw. im dazu ergangenen Rundschreiben die Erwerbbarkeitsregelungen für Kreditfonds eher misslungen und führen in der Praxis zu vielen Rechtsfragen, was einschlägige deutsche Investoren in ihrer Anlagetätigkeit eher behindert als unterstützt. Kurzum: von einem zukunftsweisenden Fondsstandortgesetz hätte ich an erster Stelle erwartet, dass derartige Grundsatzthemen angegangen werden. Die Strukturen müssen halt stimmen. Mal sehen, ob und welche Verbesserungen im Finanzausschuss noch zu erzielen sind!


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Hedgework.

Frank Dornseifer

ist Geschäftsführer beim Bundesverband Alternative Investments e.V., Bonn, und für die Verbandsaktivitäten Recht, Regulierung, Politik und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er ist seit über 18 Jahren in unterschiedlichen Funktionen im Investment-, Kapitalmarkt- und Gesellschaftsrecht aktiv. Nach seinem Studium in Bonn, Dublin und Lausanne arbeitete er zunächst als Rechtsanwalt in einer internationalen Anwaltssozietät in den Gebieten Gesellschafts- und Wertpapierrecht. Es folgte eine mehrjährige Tätigkeit als stellvertretender Referatsleiter bei der BaFin im Grundsatzreferat Investmentaufsicht und als Repräsentant im Investment Management Committee der Organisation der internationalen Wertpapieraufsichtsbehörden IOSCO, bevor er im Jahre 2007 zum BAI wechselte.
Dornseifer ist auch Autor zahlreicher Fachpublikationen zum Investment- und Gesellschaftsrecht und Herausgeber von Kommentaren zum KAGB/InvG und zur AIFM-Richtlinie. Der Finanzausschuss des Bundestages und das Europaparlament haben ihn mehrfach als Sachverständigen in Gesetzgebungsverfahren zum Kapitalmarktrecht benannt.

Philipp Bunnenberg

ist seit Januar 2020 beim BAI als Referent in den Bereichen Markt, Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaft tätig. Er ist Volks- (B. Sc.) und Betriebswirt (M. Sc.) und absolvierte sein Studium an der Universität Münster, der Universidad de Vigo (Spanien) und der Universität Potsdam. Vor seiner Tätigkeit beim BAI arbeitete er mehrere Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Finanzierung & Banken an der Universität Potsdam. Derzeit befindet sich Bunnenberg in der Endphase seiner Promotion über Closet Indexing und Risiken im ETF-Markt.

Der Bundesverband Alternative Investments e.V. (BAI)

ist die assetklassen- und produkt-übergreifende Interessenvertretung für Alternative Investments in Deutschland und hat zum Ziel, den Bekanntheitsgrad alternativer Anlagestrategien und -klassen in der Öffentlichkeit zu verbessern. Der BAI wurde 1997 in Bonn gegründet, der Kreis der Verbandsmitglieder setzt sich aus allen Bereichen der professionellen Alternative Investment-Branche zusammen.

Digitale Infrastruktur und langfristig vermietete Immobilien bieten beste Wachstumschancen

Aviva Investors, die global tätige Asset-Management-Gesellschaft des britischen Versicherers Aviva plc., erwartet die höchsten Renditen beim Aufbau digitaler Infrastrukturen. Dabei rechnet der Vermögensverwalter damit, dass Großbritannien mittelfristig in mehreren Real-Asset-Sektoren und -Strategien besser abschneiden wird als Europa. Das geht aus dem zweiten jährlichen Real Assets House View-Ausblick von Aviva Investors hervor, der heute veröffentlicht wurde.

Der Real Assets House View bündelt die Ansichten und Analysen der Investmentteams von Aviva Investors in den Bereichen Immobilien, Infrastruktur und Private Debt und dient als Grundlage für Relative-Value-Entscheidungen bei Multi-Asset-Allokationen.

Aviva Investors erwartet demnach die höchste Gesamtrendite über fünf Jahre für institutionelle Investoren beim Aufbau digitaler Infrastruktur, wie Glasfaser-Breitband in ländlichen Gebieten. Das entspricht den Ergebnissen der Real Assets Studie von Aviva Investors aus 2020. Dort gaben die befragten Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften an, Kapitalwachstum zunehmend als "integralen" oder "wichtigen" Bestandteil ihrer Sachwertinvestitionen anzusehen.

Mark Versey, Chief Executive Officer bei Aviva Investors, kommentiert: „Während Widerstandsfähigkeit und Cashflow-Matching nach wie vor stark favorisierte Eigenschaften von Real Assets sind, sind sich die Investoren zunehmend der Vorteile einer Renditediversifizierung bewusst. Das spiegelt sich bei der Entwicklung der Anlagestrategien wider. Digitale Infrastruktur ist ein gutes Beispiel für diesen Trend, der auch einen erheblichen gesellschaftlichen Nutzen mit sich bringt. Dazu zählt eine bessere Anbindung von Gemeinden sowie die Unterstützung von Unternehmen in ländlichen Gebieten."

Aviva Investors geht außerdem davon aus, dass fremdfinanzierte Immobilien mit langer Laufzeit in Großbritannien einen hohen relativen Wert liefern werden. Die Cashflow-Stabilität des Sektors und die Verfügbarkeit von wettbewerbsfähigen, langlaufenden Anleihen ermöglichen es, hochwertige Vermögenswerte fremd zu finanzieren, ohne das Risiko übermäßig zu erhöhen. In der Folge profitierten Long-Income-Strategien in den letzten zwölf Monaten von relativ sicheren Erträgen und Renditen. Auf einer risikobereinigten Basis hält Aviva Investors die Logistikbranche für einen besonders attraktiven Immobiliensektor, was sowohl von zyklischen als auch strukturellen Faktoren getrieben wird.

Chris Urwin, Director of Research, Real Assets, bei Aviva Investors, sagt: „Langfristig vermietete Immobilienanlagen, die an bonitätsstarke Mieter vermietet sind, haben in den letzten zwölf Monaten ihre Widerstandsfähigkeit bewiesen. Mit Blick auf die Zukunft lassen niedrige Investitionsausgaben und inflationsgebundenes Mietwachstum den Sektor attraktiv erscheinen. Da immer mehr Investoren die Attraktivität langfristiger Einnahmen erkennen, sehen wir einen größeren Wettbewerb um kleinere Assets. Infolgedessen könnten größere Assets in vielen Sektoren einen relativen Wert bieten. Deshalb erwarten wir, dass lang vermietete Anlagen eine wichtige Rolle bei Immobilienportfolios spielen werden. Die Pandemie hat außerdem das Augenmerk auf den Aufbau widerstandsfähiger Lieferketten und den Wert der Vorratshaltung gelenkt. Wir gehen von einer weiteren Entwicklung dieses Trends aus und sind mittel- bis langfristig sehr positiv für den Logistiksektor gestimmt."

Die Dekarbonisierung von Gebäuden ist wesentlich, um das Netto-Null-Emissionen-Ziel zu erreichen. Die Herausforderung für die Immobilienbranche besteht darin, dass die Vorteile dieser Initiativen über längere Zeiträume als die typischen Mietvertragslaufzeiten zum Tragen kommen. Dadurch wissen Vermieter nicht, ob sie für solche Investitionen entschädigt werden. Aviva Investors ist der Ansicht, dass Investoren in Immobilien mit langfristigen Mietverträgen gut positioniert sind, um diese Schieflage zu beheben: Da viele Mieter die Gebäude langfristig bewohnen, haben sie oft ein größeres Interesse an den Nachhaltigkeitskriterien der Immobilie, denn diese sorgen wiederum für niedrigere Energiekosten im Laufe der Zeit.

Aviva Investors geht außerdem davon aus, dass kohlenstoffarme Anlagen weiterhin einen Mehrwert für Infrastrukturinvestoren liefern werden. Der Sektor hat sich durch die Pandemie als widerstandsfähig erwiesen und bietet eine wachsende Bandbreite an Investitionschancen. Eine Wertschöpfung erwartet der Asset Manager zudem bei komplexeren Bereichen, wobei Investoren, die über Expertenwissen in diesen Sektoren und Technologien verfügen, wahrscheinlich den größten Vorteil haben werden.

Mark Versey ergänzt: „Als wir vor einem Jahr unseren ersten Real Assets House View veröffentlicht haben, war die Konjunkturlage ganz anders als heute. In Anbetracht der veränderten Wirtschaftsaussichten gehen wir davon aus, dass die Bedeutung von ESG-Kriterien für die langfristige Performance steigt. Da sich Unternehmen, Industrien und Nationen dazu verpflichten, ihre Emissionen bis spätestens 2050 auf Null zu reduzieren, sind Investitionen in die Dekarbonisierung von Gebäuden unerlässlich. Bislang preisen die Immobilienmärkte die Unterschiede in der Nachhaltigkeit von Gebäuden allerdings noch nicht ausreichend ein. Mit einer steigenden Nachfrage nach realen Vermögenswerten, sehen wir auch mehr Kunden, die Zugang zu komplexeren oder Nischensektoren suchen. Dies wiederum erhöht die Bedeutung von Fachwissen, anspruchsvoller Portfoliobildung und Research-basierten Investmentansätzen."


Den aktuellen Aviva Investors Real Assets House View finden Sie unter folgendem Link: https://www.avivainvestors.com/en-gb/views/real-assets-house-view/

AVIVA INVESTORS

Aviva Investors ist die global tätige Asset-Management-Gesellschaft des britischen Versicherers Aviva plc. Das Unternehmen liefert seinen Kunden weltweit Investmentmanagementlösungen, Dienstleistungen und kundenorientierte Performance. Aviva Investors ist in 14 Ländern im asiatisch-pazifischen Raum, in Europa, Nordamerika und Großbritannien tätig und verwaltet ein Vermögen von 389 Milliarden Euro per 30. Juni 2020.

10 Thesen für 2021 – Teilweise Erholung mit Risiken

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste AM.

Die angelaufenen Impfstoffprogramme und die sehr große Unterstützung von der geld- und fiskalpolitischen Seite haben zu Erwartungen einer anhaltenden Erholung der Weltwirtschaft geführt und die Preise von risikoreichen Wertpapierklassen aufwärts befördert. Wie kann es weitergehen? Im Folgenden werden anhand von zehn Thesen die Eckpunkte für dieses Jahr abgesteckt.

1. Das Rennen zwischen den Virusinfektionen auf der einen Seite und Impfungen auf der anderen Seite wird uns auch in einem Jahr noch beschäftigen.

Die Infektionen sind nach wie vor hoch. Die Welt befindet sich inmitten der zweiten Infektionswelle. In einigen Ländern gibt es Anzeichen für rückläufige Neuinfektionen. Die angelaufenen Impfstoffprogramme geben Anlass zur Hoffnung. Doch Produktions- und Verteilungsprobleme verlangsamen die Durchimpfung. Zudem sind die neuen Virusvarianten Besorgnis erregend. Sie sind infektiöser und reduzieren die Effektivität mancher Impfstoffe. Weitere Mutationen könnten zu neuerlichen Infektionswellen führen. Darüber hinaus haben die weniger entwickelten Länder nur einen eingeschränkten Zugang zu Impfstoffen. Auch die fallende Akzeptanz von Lockdown Maßnahmen behindert die Eindämmung von COVID-19. Das heißt, eine Immunisierung der Bevölkerung kann in diesem Jahr in einigen Ländern erreicht werden; aber nicht so schnell auf globaler Ebene und Mutationen können zu neuerlichen Ausbrüchen führen.

2. Die wirtschaftliche Erholung wird stattfinden, aber die Entwicklung bleibt ruppig, sektoral und geografisch uneinheitlich und unvollständig.

In der Rückschau war das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2020 höher als noch vor einigen Monaten erwartet. Die Lockdown Maßnahmen reduzierten das Bruttoinlandsprodukt in einem geringeren Ausmaß als im Frühjahr 2020. Zahlreiche Monatsindikatoren deuten jedoch auf eine deutliche Verlangsamung des globalen Wachstums ab dem Dezember 2020 hin. Dabei fallen vor allem zwei divergente Trends auf. A) In den USA hält sich die wirtschaftliche Aktivität besser als in anderen Ländern. Das liegt vor allem an den fiskalischen Unterstützungsmaßnahmen. Im Unterschied zu den USA werden zahlreiche Länder in Europa sowohl im vierten als auch im ersten Quartal schrumpfen. B) Der Dienstleistungssektor ist deutlich stärker als der Produktionssektor betroffen. Tatsächlich hat die globale Industrieproduktion Ende 2020 bereits das Niveau von Jänner 2020 erreicht. Mit der wahrscheinlichen Lockerung von Eindämmungsmaßnahmen ab dem Ende des ersten Quartals wird es, ähnlich wie im vergangenen Jahr, zu einer mechanistischen Erholung der wirtschaftlichen Aktivität kommen. Aufgrund der Impfstoffprogramme wird der Zusammenhang zwischen Virusentwicklung und Mobilität zusehends reduziert werden. „Nur“ die USA und China könnten Ende 2021 das Trendwachstum erreicht haben. Die Mehrzahl der entwickelten Länder wird erst in den Folgejahren die Erholung abgeschlossen haben. Jüngste Forschungen deuten auf eine „98%-Wirtschaft“ hin. Das heißt, durch die Pandemie könnten im Länderdurschnitt zwei Prozent des Produktionspotenzials nachhaltig zerstört worden sein.

3. Die Inflationsraten werden nur temporär überdurchschnittlich ansteigen.

Die Inflationsraten werden schon allein deshalb im Jahresabstand ansteigen, weil im vergangenen Jahr mit dem Ausbruch der Pandemie zahlreiche Preise gefallen sind. Aber auch die Preise für Nahrungsmittel, Energie und Industriemetalle sind angestiegen und sorgen für überdurchschnittliche Wachstumsraten der Preise im Monatsabstand. Zudem sorgen Lieferengpässe für zunehmenden Preisdruck im Transport (Container) und Produktion. Diese Entwicklung könnte sich verstärken, wenn die Eindämmungsmaßnahmen aufgehoben werden. Denn der dann einsetzende Nachholeffekt bedeutet einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage. All diese Effekt wären jedoch nur temporärer Natur und würden im Jahresverlauf verschwinden. Der zugrundeliegende Inflationsdruck wird niedrig bleiben. Dafür werden sowohl die anhaltend negative Produktionslücke (es wird unter dem Potenzial produziert) als auch die flache Philips-Kurve (geringer Zusammenhang zwischen Arbeitslosenrate und Lohnveränderungen) sorgen. Für ein Risikoszenario liegt ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung in den USA. Sollten die Fiskalpakete in den USA zu einer vorzeitigen Überhitzung führen, könnte die Inflation mit Zeitverzögerung überraschend ansteigen.

4. Die Geldpolitik wird ultra-expansiv bleiben.

Die wichtigen Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften (zum Beispiel die Fed in den USA und die Europäische Zentralbank) signalisieren eine anhaltend expansive Geldpolitik, auch wenn es zu einer wirtschaftlichen Erholung und zu einem Inflationsanstieg kommen sollte. Das betrifft alle Bereiche, also die Leitzinsen, die Ankaufsprogramme, die Liquiditätsversorgung der Banken und die Steuerung der Markterwartungen (Forward Guidance). Die Fed hat diese neue Politik bereits offiziell gemacht. Das durchschnittliche Inflationsziel von zwei Prozent auf die lange Sicht hat eine Überhitzung am Arbeitsmarkt (maximum employment) und ein moderates Überschießen der Inflation auf die mittlere Sicht zum Ziel.

5. Die Fiskalpalpolitik wird keynesianisch geprägt sein, insbesondere in den USA.

Anfang 2021 hat die Demokratische Partei in den USA die Mehrheit im US-Senat errungen. Damit kann Präsident Biden eine keynesianisch geprägte Fiskalpolitik (erhöhte Staatsausgaben für längere Zeit) betrieben. Tatsächlich hat er bereits ein zusätzliches Fiskalpaket in der Höhe von USD 1900 Milliarden vorgeschlagen, um die Pandemie zu bekämpfen. Weitere Fiskalpakete für die Bereiche Infrastruktur, Gesundheit und saubere Energie sind bereits angedacht. Natürlich wird es auch Steuererhöhungen geben, aber der Kernpunkt ist, dass im Unterschied zu vor zehn Jahren (nach der Großen Rezession) unmittelbar keine Konsolidierung des Staatsbudgets stattfinden wird. Das bedeutet einen zusätzlichen Impuls für das Wirtschaftswachstum mit Vorbildwirkung für andere Länder.

6. Die Ungleichgewichte haben zugenommen und üben einen negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum und die Märkte aus.

6.1 Die überdurchschnittliche Bewertungen von Wertpapierklassen als Ergebnis der zunehmenden überschüssigen Liquidität a) reduzieren die langfristigen Ertragserwartungen, b) erhöhen das Risiko von zukünftigen Verwerfungen (Korrekturen, Krisen) und c) limitieren den Handlungsspielraum der Wirtschaftspolitik (Mehr Liquidität könnte die Finanzmarktstabilität gefährden).
6.2. Ähnlich ist es mit den hohen Verschuldungsquoten. Diese a) dämpfen das Wirtschaftswachstum auf die lange Sicht, b) erhöhen das Risiko von zukünftigen Krisen und c) schränken den Handlungsspielraum der Wirtschaftspolitik ein (Wie stark kann die Verschuldung noch zunehmen?).
6.3 Die Einkommens- und Vermögensungleichheit innerhalb und zwischen den Ländern nimmt weiter zu. Dadurch steigen auch die Risiken für das liberale, demokratische und rechtsstattliche System an.

7. Die politischen Effekte, die von der Pandemie ausgehen, sind zugegeben schwer abschätzbar aber wahrscheinlich negativ.

Darauf deuten einige historische Beispiele hin, wo wirtschaftliche Schocks zu politischen Umwälzungen geführt haben. Es wird vielfach argumentiert, dass ein wichtiger Katalysator für den Aufstieg des Populismus und der Anti-Establishment Bewegungen die Große Finanzkrise 2008 / 2009 war. Denn die Ungleichheit der Einkommensverteilung hatte weiter zugenommen. Die Folgen waren unter anderem der Brexit und die Trump-Präsidentschaft. Auch deshalb ist der Anreiz für die Regierungen angestiegen, die Staatsdefizite nicht schnell zu konsolidieren. Auf der positiven Seite sticht vor allem der neue US-Präsident Biden hervor. Dieser steht klar für Multilateralismus. Internationale Organisationen wie die WTO (Welthandelsorganisation), die WHO (Weltgesundheitsorganisation) und die NATO sowie das Pariser Klimaschutzabkommen werden dadurch gestärkt. Gleichzeitig wird die Rivalität zwischen den beiden Supermächten USA und China bestehen bleiben, auch wenn der Umgangston ein anderer sein wird. Es zeichnet sich bereits ab, dass ein wesentlicher Konfliktpunkt die Vorherrschaft in der Halbleitertechnologie sein wird.

8. Der Handlungsspielraum der Wirtschaftspolitik ist (wie bereits erwähnt) gesunken.

Neben den hohen Bewertungen der Wertpapierklassen und der hohen Verschuldung stoßen viele Leitzinsen an der Untergrenze an und sind die Zentralbankbilanzen massiv angestiegen. Damit kann die Wirtschaftspolitik weniger effektiv auf zukünftige Krisen reagieren. Ebenso wichtig wird die Inflationsentwicklung in den kommenden Jahren sein (wahrscheinlich kein Thema für dieses Jahr). Solange die Geld- und Fiskalpolitik dieselben Ziele verfolgen (Vollbeschäftigung, Inflation bei zwei Prozent) ist alles in Ordnung. Was passiert jedoch, wenn diese Ziele tatsächlich erreicht werden sollten, die Zentralbank die Leitzinsen deshalb anheben möchte, aber die Fiskalpolitik aufgrund der hohen Verschuldung für anhaltend niedrige Zinsen argumentiert? (Erst) dann könnte die Inflation tatsächlich deutlich ansteigen, wenn die Zentralbank die Zinsen bei null Prozent belässt (Fiscal Dominance).

9. Der Klimawandel beeinflusst zunehmend unmittelbar das Geschehen auf der wirtschaftlichen, politischen und Marktebene.

Der Einfluss des Klimawandels wird von Jahr zu Jahr sichtbarer. Das wiederum hilft, die Umstellung auf ein klimafreundliches Wirtschaften zu beschleunigen. Beide Trends haben Implikationen für die Wirtschaft, die Politik und die Märkte. Dabei werden drei Dimensionen berührt: a) Adäquate Bepreisung von fossilen Brennstoffen. b) Mehr und transparentere Informationen zu Handlungen, die den Klimawandel beeinflussen, erhöhen die Anreize für eine Umstellung. c) Substanzielle Förderung von Innovationen und Investitionen. Die Europäische Zentralbank argumentiert, dass beide Trends (Klimawandel und Politikumstellung) einen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum und die Inflation und damit auf das Primärziel Preisstabilität, aber auch die Finanzstabilität und die Bankenaufsicht sowie die (sehr große) Zentralbankbilanz haben. Aus diesem Grund sind Überlegungen zum Klimawandel integraler Bestandteil der laufenden Überprüfung der geldpolitischen Strategie der EZB. (Quelle: Rede von EZB-Präsidentin Lagarde vom 25. Jänner 2021). Eine Konsequenz: Der Anteil an „grünen“ Finanzierungen (Kredite, Anleihen, Aktien) und Investitionen (EU-Wiederaufbaufonds) wird weiter zunehmen.

10. Die Marktentwicklung wird von zunehmenden Schwankungen aber einer insgesamt positiven Entwicklung an den Risikomärkten geprägt sein.

Die Preise der meisten risikoreichen Wertpapierklassen sind seit Ende März 2020 kräftig angestiegen. In den Marktpreisen ist bereits zu einem guten Teil eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft reflektiert. Das liegt an der sehr großen Unterstützung der Geld- und Fiskalpolitik und den angelaufenen Impfstoffprogrammen. Ein wichtiger Kurstreiber wird jedoch wahrscheinlich wegfallen. Die Renditen von Staatsanleihen werden im wahrscheinlichsten Szenario nicht mehr fallen. Generell wird das Investmentregime „Suche nach Rendite“ wahrscheinlich bestehen bleiben. Ein hohes und zunehmendes Ausmaß an Liquidität trifft auf ein begrenztes Angebot an Assets mit einer positiven Ertragserwartung. Das hält die Wertpapierkurse auf einem überdurchschnittlichen Niveau, impliziert aber auch ein erhöhtes Risiko für Kurskorrekturen. Das könnte bedeuten a) eine moderat positive Ertragsentwicklung an den Aktienmärkten und bei den Rohstoffen (Industriemetalle, Energie); b) anhaltend enge Renditeaufschläge für das Kreditrisiko; c) moderate Renditeanstiege von kreditsicheren Staatsanleihen, vor allem in den USA; d) teilweise Abschwächung des US-Dollar (gegenüber dem Chinesischen Renminbi und zyklischen Währungen wie dem Australischen Dollar), aber Seitwärtsentwicklung des US-Dollar gegenüber dem Euro. Zu den angesprochenen Kurskorrekturen: Solange die Inflation niedrig bleibt, werden Staatsanleihen zum einen nach wie vor ein gutes Absicherungsinstrument gegenüber Kurskorrekturen bei Aktien sein und zum anderen (im Gleichgewicht) die Bewertungsniveaus von Risikowertpapierklassen auf einem hohen Niveau halten. Das könnte sich mittelfristig ändern, wenn die Inflation tatsächlich ansteigen sollte (ein großes Wenn). Aus diesem Grund wird auch die Nachfrage nach Gold erhöht bleiben. Weil das Systemrisiko generell angestiegen ist (siehe Ungleichgewichte), könnte auch die Nachfrage nach digitalem Gold (Bitcoin) tendenziell zunehmen, auch wenn die Volatilität von Bitcoin sehr groß ist.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.