Verlierer vermeiden: Unigestion zur Risikoseparation in Aktienportfolios

Investitionen sind mit Risiken verbunden das ist allgemein bekannt. Doch im Gegensatz zur gängigen Überzeugung muss man nicht zwangsläufig mehr Risiken eingehen, um eine höhere Rendite zu erzielen. Bei Risiken geht es nämlich nicht darum, wie viele, sondern welche Risiken man eingeht, also um die Beurteilung der Qualität anstatt der Quantität von Risiken.

Erfolgreiche Investitionen erfordern die Analyse und Differenzierung der unterschiedlichen Risikoarten, damit eine Allokation auf die Risiken erfolgen kann, die aller Wahrscheinlichkeit nach vergütet und gleichzeitig jene Risiken vermieden werden, die unnötig sind.

Der erste Teil dieser Studie enthält eine umfassende Definition und Beschreibung der Risikoseparation zur Identifikation und Eliminierung nicht vergüteter Risiken. Im Anschluss daran analysieren wir Anzeichen für nicht vergütete Risiken und erläutern einige Verfahren und Techniken für die Umsetzung der Risikoseparation. Abschliessend vergleichen wir unseren Ansatz, der sich auf die Identifikation künftiger nicht vergüteter Risiken konzentriert, mit dem herkömmlichen Verfahren, mit dem die einzelnen Risikofaktoren identifiziert werden sollen, die in der Zukunft eine Überperformance erzielen.

Wir zeigen, dass viele Risiken der traditionellen Standard-Indizes leicht als nicht vergütete Risiken identifizierbar sind, wenn man weiss, worauf man achten muss. Die Vermeidung derartiger Risiken bringt im Rennen um Überperformance schnelle Erfolge. Wir veranschaulichen durch praktische Beispiele, wie wir entgangene Chancen bei traditionellen Anlagetechniken quantifizieren. Letztendlich können wir eine Anlagestrategie entwickeln, die bei einem deutlich niedrigeren Gesamtrisiko als dem eines Index ein erheblich höheres Renditepotenzial bietet.

Das vollständige Paper von Rudyard Ekindi, dem Head of Investment Solutions im Bereich Aktien bei UNIGESTION, finden sie links zum Download.

Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen nicht überbewerten

Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Fidelity Germany Fund:

Im Zuge des schwächer werdenden Wachstums in China, der Situation bei VW und der verschobenen Zinserhöhung in den USA ist die Nervosität an den Börsen wieder gestiegen. Mehrere Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen in den vergangenen Wochen haben diese Bedenken weiter befeuert. Warnungen kamen unter anderem von Leoni, Elring Klinger, Klöckner & Co, Hugo Boss, Biotest, Deutz, Hella, SHW, Drägerwerk und der Deutschen Bank.

Daraus allerdings auf die gesamte deutsche Unternehmenslandschaft und ihre Aktien zu schließen, ist verfehlt: Die meisten Gewinnwarnungen kamen von Unternehmen, die in dieser Hinsicht keine Unbekannten sind. Und zum großen Teil resultieren sie aus individuellen Problemen der Unternehmen und nicht aus branchenübergreifenden Entwicklungen. Tatsächlich haben im zweiten Quartal etwa 60 Prozent der deutschen Unternehmen, die im Prime Standard notiert sind, die Erwartungen übertroffen. Im dritten Quartal trifft das bislang sogar auf fast drei Viertel der Unternehmen zu. Deshalb haben wir in Summe positive Gewinnrevisionen gesehen. Hervorzuheben sind qualitativ hochwertige Unternehmen wie Fresenius Medical Care, Continental, United Internet, ProSieben, Grenkeleasing oder Ströer, die ihre Ausblicke angehoben haben.

Die Börse spiegelt diese gegensätzliche Unternehmensentwicklung deutlich wider: Während beispielsweise die Deutz-Aktie dieses Jahr rund 18 Prozent im Minus liegt, ist Grenkeleasing um 72 Prozent gestiegen. Auch in Zukunft muss differenziert werden: Während Unternehmen wie Siemens und BASF ohne Währungsunterstützung in diesem Jahr kaum gewachsen wären und auch das kommende Jahr mit Fragezeichen behaftet ist, sieht es bei Firmen wie Fresenius Medical Care, Symrise, United Internet oder CTS Eventim weiter nach solidem, profitablem Wachstum aus.

Das verdeutlicht, wie wichtig aktives Fondsmanagement auf Basis tiefergehender Unternehmensanalysen ist. Wer einen ETF auf den Gesamtmarkt kauft, kann damit schon per Definition nicht die besten Ergebnisse erzielen. Über 12 Monate bis Ende September 2015 kam beispielswiese der DAX auf eine Rendite von knapp über 2 Prozent, während der Fidelity Germany Fund nach Gebühren mehr als 17 Prozent erzielte. Noch deutlicher wird der Mehrwert aktiven Managements über längere Zeiträume: Über fünf Jahre liegt der DAX bei knapp 55 Prozent Rendite, der Fidelity Germany Fund bei rund 81 Prozent.

Risiken werden überschätzt, deutsche Aktien unterschätzt

Viele der aktuell im Raum schwebenden Risiken werden von den Marktteilnehmern überschätzt: China sieht eine Verlangsamung, keine tiefe Krise, und deutsche Unternehmen werden dort und in den Schwellenländern weiter wachsen. Vielen unserer wichtigen Handelspartner geht es gut, allen voran den USA und Großbritannien. Und insgesamt wird das Weltwirtschaftswachstum bei 2,5 bis 3 Prozent auch in den kommenden 12 Monaten vielen deutschen Unternehmen helfen. Zudem wächst der deutsche Konsum so schnell wie seit vielen Jahren nicht mehr, und die Unternehmensbilanzen sind insgesamt betrachtet so stark wie selten zuvor.

Diese positive Ausgangslage spiegelt sich nicht in den niedrigen Bewertungslevels wider. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des DAX liegt rund 20 Prozent unter dem historischen Durchschnitt, und deutsche Aktien handeln mit einem so hohen Abschlag zu europäischen Aktien wie seit 15 bis 20 Jahren nicht mehr. Bei den – auch im Vergleich zu anderen europäischen Märkten – positiven Gewinnrevisionen und der fundamentalen Stärke deutscher Unternehmen ist das eine Fehlbewertung und eine Chance für Investoren. Wie jedoch die Gewinnwarnungen einiger deutscher Unternehmen in jüngster Zeit gezeigt haben, gilt es zu differenzieren und auf ein erfolgreiches aktives Fondsmanagement zu setzen.

„Japanische Unternehmen dürften Chinas Schwäche trotzen“

In Japan nimmt die Berichtsaison für das dritte Quartal 2015 Fahrt auf. Sie dürfte viele Investoren positiv überraschen, so Ernst Glanzmann, Manager des JB Japan Stock Fund der Fondsgesellschaft GAM. „Ich erwarte, dass die Gewinne im dritten Quartal 2015 um zehn Prozent höher sind als im Vergleichsquartal des Vorjahres“, erklärt der Experte. Dafür verantwortlich sei insbesondere die hohe Konsumnachfrage in Japan.  

China-Effekt wird überschätzt

Anlässlich der anstehenden Berichtssaison rechnet Glanzmann mit einer positiven Neubewertung vieler japanischer Aktien, die zuvor unter dem übertriebenen Pessimismus des Marktes gelitten haben. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie stark sich die schwächere Nachfrage aus China auf japanische Unternehmen ausgewirkt hat, vor allem in den Sektoren Automobil, Elektronik und Maschinenbau. „Der Markt hat die Folgen des schwächeren China-Geschäfts überschätzt und zu stark eingepreist”, zeigt sich Glanzmann überzeugt. Oft werde außer Acht gelassen, dass die Region Asien-Pazifik, inklusive China, nur gerade 11 Prozent aller japanischer Exporte ausmacht.  Auch für 2016 sieht Glanzmann gute Chancen für ein starkes Gewinnwachstum: „Die niedrigen Rohstoffpreise dürften die Wachstumsstory japanischer Firmen stützen”, so Glanzmann. 

Sektoren IT, Elektronik und Konsumgüter sind sehr gut positioniert

Vielversprechende Unternehmen seien vor allem in den Sektoren IT, Elektronik und Konsumgüter auszumachen: „Während der langen Deflationsjahre in Japan haben viele Unternehmen ihre IT-Kosten gesenkt, um ihre Gewinnziele zu erreichen. Mittlerweile hat sich die Situation geändert: Derzeit beobachten wir, dass die Investitionen in IT stark anziehen.” Viele Unternehmen seien dazu übergegangen, freie Mittel in die Modernisierung ihrer Systeme zu investieren. Ziel sei, sowohl die Produktion als auch die gesamte Wertschöpfungskette effizienter zu machen. Vor diesem Hintergrund dürften laut Glanzmann vor allem IT-Dienstleister die Gewinnerwartungen übertreffen.

Interessant sei auch der Elektronik-Sektor: Japan spiele dort weiterhin eine weltweite Schlüsselrolle, auch wenn das aus Sicht vieler Konsumenten nicht immer offensichtlich sei. „Viele iPhone-Nutzer wissen zum Beispiel nicht, dass rund die Hälfte der knapp 1.000 Bauteile des iPhone 6 von japanischen Zulieferern stammen”, erklärt Glanzmann. 

Eine weitere gut positionierte – und oft unterschätzte – Branche sei der japanische Konsumgütersektor. „Viele Konsumgüterhersteller profitieren von der wachsenden Zahl ausländischer Touristen in Japan”, so Glanzmann. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Touristen um 50 Prozent gestiegen. Ein Drittel von ihnen kommt aus China und kauft kräftig in Japan ein, zusätzlich angetrieben vom schwachen Yen. „Vor diesem Hintergrund ist für das dritte Quartal mit starken Gewinnen des Einzelhandels zu rechnen“. Zudem dürfte die Zahl der Touristen weiter ansteigen, weil die Regierung plant, die Visa-Bestimmungen für Chinesen und Bürger anderer asiatischer Staaten zu erleichtern. 

Stärkere M&A-Aktivitäten zu erwarten 

„Im vierten Quartal 2015 dürfte sich zudem der Trend hin zu mehr Fusionen und Übernahmen bei japanischen Unternehmen verstärken“, sagt Glanzmann. Allein in diesem Jahr habe es Transaktionen im Wert von 10 Billionen Yen gegeben. Dies entspricht einem Anstieg um 50 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Einführung des Corporate-Governance-Kodex erhöhe laut Glanzmann den Druck auf Unternehmen, ihre Ertragsziele mit den Erwartungen ihrer Aktionäre in Einklang zu bringen. Dabei könnten Übernahmen eine willkommene Lösung sein, um hohe Cash-Bestände wirksam einzusetzen. Außerdem schaffen die derzeit günstigen Bewertungen von Unternehmen attraktive Akquisitionsziele.

Lockere Geldmarktpolitik unterstützt globale Wirtschaftsaussichten

Rohstoffe
Mittelzuflüsse in diversifizierte Rohstoff-ETPs über einen Monat. ETPs auf breite Rohstoffkörbe haben einen Monat lang Mittelzuflüsse in Höhe von 52 Mio. USD erfahren. Der Trend deutet auf eine sich drehende Anlegerstimmung für Rohstoffe hin, die in vier Jahren zuvor noch der schlechteste performende Sektor war. Die einzelnen Sektoren trafen bei Anlegern ebenfalls auf Beliebtheit, sodass beispielsweise ETFS Agriculture (AIGA), ETFs Industrial Metals (AIGI) und ETFS Energy (AIGE) die vergangenen Wochen allesamt Mittelzuflüsse verbuchten.

Mittelzuflüsse in ETPs aus dem Landwirtschaftssektor erreichen 7-Wochenhoch. ETFS Agriculture (AIGA) verbuchte die höchsten Mittelzuflüsse in 10 Wochen. AGRI Zuflüsse in Höhe von 5,7 Mio. USD waren die höchsten innerhalb des Landwirtschaft Sektors, dicht gefolgt von 5,1 Mio. USD an Mittelzuflüssen in Kaffee-ETPs. Zuflüsse in Kaffee erreichten ihr 16-Wochenhoch, nachdem ein rapider Kaffeepreisverfall die Aufmerksamkeit von Investoren weckte. Längst überfällige Niederschläge in Brasilien hatten vergangene Woche den Kaffeepreis um über 10 Prozent nach unten gedrückt, dass die Erwartungen für eine bessere Ernte gestiegen sind.

Sieben Wochen in Folge Mittelzuflüsse in Energie-ETPs, angeführt von Rohöl. Der Energiesektor hat lediglich eine Woche in den vergangenen vier Monaten Mittelabflüsse gesehen. Die kumulierten Mittelzuflüsse liegen bei 550 Mio. USD seit Ende Juli. Nachdem die Energy Information Administration (EIA) über einen Anstieg der Öllagerbestände berichtete, der mehr als das Doppelte der Markterwartung entsprach, fielen Ölpreise vergangene Woche. Sowohl WTI als auch Brent sind inzwischen um über 10 Prozent von ihrem Hoch im Oktober gefallen. Auch wenn die Lagerbestände seit vier Wochen steigen, ging die Anzahl der aktiven Bohrplattformen in den letzten 8 Wochen zurück, was Investoren Vertrauen gibt, dass die Preise eine Bodenbildung erfahren sollten. Die Nachfrage, vor allem aus China, ist scheinbar robust, was Bedenken über eine Verlangsamung der zweitgrößten Volkswirtschaft wieder etwas aufhebt.

Lockere Geldmarktpolitik unterstützt Mittelzuflüsse in Gold. Der Goldpreis verhielt sich letzte Woche relativ stabil und konnte die Gewinne aus dem vergangenen Monat halten. Sorgen über die jüngst schwächeren globalen Wirtschaftsaussichten, zusammen mit einer zunehmend proaktiven Geldmarktpolitik der Notenbanken um die Märkte mit Geld zu versorgen, stärkten den Goldpreis. Die Europäische Zentralbank ist bereit, "Abwärtsrisiken" in der Wirtschaft weiterhin zu unterstützen, wobei zusätzliche Eingriffe für eine weitere Abwertung der Gemeinschaftswährung sorgen. Gold würde von diesen Maßnahmen, wie die meisten Geldmetalle, profitieren.

Aktien
Lebhafte Stimmung am Aktienmarkt deutet auf erhöhte Risikobereitschaft hin. Globale Aktien starteten vergangene Woche vorerst negativ, als das chinesische Wirtschaftswachstum in Q3 zum dritten Quartal in Folge verlangsamte. Während sich die großen Aktienindizes am Donnerstag im Anschluss an die EZB-Sitzung bereits wieder erholten, sorgte Chinas Zentralbank am Freitag mit einer unerwarteten Zinssenkung auf 4,35 Prozent für Überraschung. Zum 6. Mal in Folge hat die chinesische Zentralbank seit November 2014 ihre Zinsen gesenkt, wobei Investoren sich unschlüssig sind, ob dies ein gutes oder schlechtes Zeichen ist. Der MSCI China A Index ging am Freitag mit einem Plus von 1,5 Prozent aus dem Handel, während der Eurostoxx 50 bereits am Donnerstag 2,5 Prozent zulegte, als EZB-Präsident Draghi betonte, dass sie bereit sind zu handeln, sollte Chinas langsames Wirtschaftswachstum eine Bedrohung für die Anstrengungen der EZB bei der Unterstützung für eine Erholung der Eurozone darstellen. US-Aktien zeigten vergangene Woche, nach insgesamt besser als erwarteten Q3-Ergebnissen von 172 Unternehmen (35%) die bisher berichtet haben, ebenfalls eine starke Performance.

Währungen
Zinssenkung bei der PBOC, keine Veränderung seitens der EZB. Die Europäische Zentralbank (EZB) scheint für weitere Impulse einer lockeren Geldmarktpolitik bereit zu sein, was den Druck auf die Gemeinschaftswährung erhöhte. Wir erwarten weitere Schwächen im Euro, vor allem gegenüber dem USD. Inzwischen hat die PBOC ihren einjährigen Refinanzierungssatz um 25 Basispunkte und den Mindestreservesatz (RRR) um 50 Basispunkt gesenkt. Grund dafür sei das schwache Binnenmarktwachstum, das derzeit unterhalb des Jahresziels von 7 Prozent liegt. Die PBOC hat nach wie vor Spielraum die chinesische Wirtschaft mit weiteren geldmarktpolitischen Maßnahmen zu unterstützen. Weitere Abwertungen im CNY können demnach nicht ausgeschlossen werden, sollte sich die PBOC für eine aggressivere Geldmarktpolitik entscheiden. Während die PBOC ihre Zinsen senkt, steht eine Zinserhöhung in diesem Jahr durch die FED in den USA noch aus. Starke Hausverkäufe und Auftragsdaten in den USA unterstützten den US-Dollar (+2,1 Prozent). Das FOMC-Sitzungsprotokoll wird diese Woche im Mittelpunkt stehen, ob in diesem Jahr noch mit einem Zinsanstieg gerechnet werden kann. 

Der Druck hält an – Ausfälle in den EMs nur eine Frage der Zeit?

Maarten-Jan Bakkum, Senior Emerging Markets-Stratege bei NN Investment Partners, Den Haag.

Es ist schon eine Weile her, seit der argentinische Peso kollabierte und der IWF Brasilien mit einem Rettungspaket aus der Schuldenkrise helfen musste. Das war 2002, in der Endphase jener Krise, die fünf Jahre zuvor in Asien ihren Anfang genommen hatte. Die Ähnlichkeiten mit der aktuellen Emerging-Markets-Krise sind unübersehbar: rapide sinkendes Wachstum, Währungen im freien Fall, wachsende politische Risiken und Brasilien erneut im Zentrum des Sturms. Doch es gibt auch ebenso offensichtliche Unterschiede. In den Jahren 1997 bis 2002 kämpften zahlreiche Länder mit Zahlungsbilanzproblemen, Banken implodierten. Der IWF musste regelmäßig eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern. Die aktuellen Wachstumsprobleme erscheinen mindestens genauso gravierend, doch bislang sind die Systeme von Erschütterungen verschont geblieben. Trotz erheblichem Druck an den Märkten und hohem Kreditwachstum in den letzten Jahren ist es bisher nicht zu größeren Ausfällen gekommen. Ist das ein Zeichen der Widerstandsfähigkeit oder war der Druck bis jetzt einfach noch nicht groß genug. 

Diese Frage ist gerade im aktuellen Marktumfeld von entscheidender Bedeutung. Nachdem sie in den vergangenen vier Jahren im Durchschnitt um die 40 Prozent gegenüber dem Dollar gefallen sind, haben die EM-Währungen bereits viele Probleme eingepreist. So auch die Aktienmärkte: In den letzten fünf Jahren sind EM-Aktien um bis zu 60 Prozentpunkte hinter ihren Pendants von den entwickelten Märkten zurückgeblieben.

Gegen Ende des Sommers waren nahezu alle professionellen Investoren auf noch mehr Trübsal an den Emerging Markets eingestimmt. Dies galt umso mehr, als die Mini-Abwertung des Renminbi neue Sorgen im Hinblick auf die Wirtschaftsentwicklung in China entfachte. Doch gleichzeitig erholte sich – nach einem acht Monate andauernden Abwärtstrend – allmählich das durchschnittliche Wachstumstempo. Hinzu kommt, dass die Fed die Zinsen im September unangetastet ließ. All diese Faktoren haben in den letzten Wochen eine deutliche Erholung an den Emerging Markets angestoßen: bei Aktien, Währungen und Anleihen.

Das erklärt zwar die seit Kurzem steigenden Kurse. Doch ist dies eine nur vorübergehende Verschnaufpause oder der Beginn einer strukturellen Erholung? Um diese Frage zu beantworten, muss man sich zunächst anschauen, warum die aktuelle Krise bislang keine größeren Opfer gefordert hat. Gelangt man zu dem Schluss, dass die aufstrebenden Volkswirtschaften diesmal stark genug sind, um größere Pleiten oder Bankenkrisen abzuwenden, dann könnte dies durchaus den Beginn eines neuen Wachstumsschubs markieren. In diesem Fall waren die Korrekturen bei Devisen und Zinsen in den letzten Jahren wohl ausreichend, um die gröbsten Ungleichgewichte abzufedern.

Doch es gibt drei gute Gründe, warum es bloß eine Frage der Zeit ist, bevor sich in den Schwellenländern mit den schwächsten Fundamentaldaten größere Probleme abzeichnen:

  • erstens das langsamere Wachstum der chinesischen Wirtschaft, das keine Erholung bei Rohstoffpreisen und Welthandel erwarten lässt;
  • zweitens die Normalisierung der US-Zinspolitik, die den Kapitalfluss in die Emerging Markets hemmt.
  • und drittens vor allem das übermäßige Kreditwachstum, das insbesondere nach 2008 in weiten Teilen der aufstrebenden Volkswirtschaften stattgefunden hat. 

Im Zuge der aktuellen Markterholung werden diese Probleme eher ignoriert. Doch das heißt nicht, dass es sie nicht mehr gibt.

Zaudern der Notenbanken eröffnet Opportunitäten am Geldmarkt

Wann werden die Federal Reserve (Fed) und die Bank of England (BoE) die Leitzinsen erhöhen? Zuletzt haben die Akteure an den Finanzmärkten ihre Erwartungen in dieser Hinsicht deutlich zurückgeschraubt. Dies hat nicht zuletzt am Geldmarkt spürbare Folgen und stellt Investoren vor Herausforderungen, so Adrian Owens, Währungsexperte beim Vermögensverwalter GAM.

Besonders im Fall des geldpolitischen Kurses der BoE ist die Marktmeinung sehr zurückhaltend. „Die Investoren erwarten inzwischen, dass es vor Februar 2017 keine Zinserhöhung gibt. Bis Ende 2017 preist der Markt aktuell lediglich eine Erhöhung um 44 Basispunkte ein. Das sind weniger als zwei Zinsschritte.“

Diesen Pessimismus hält Owens für eine Überreaktion der Märkte – ungeachtet der Unklarheit über die Konjunkturlage in China und der Korrektur an den Aktienmärkten im zurückliegenden dritten Quartal. „Die Konjunkturdaten aus Großbritannien waren eher gemischt, aber insgesamt halten wir sie für recht ermutigend“, erklärt der Experte. „Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessert sich, und die Unternehmensgewinne steigen.“ Auch der Markt für Wohnimmobilien befinde sich in gutem Zustand. „Dass an den Börsen nur eine so geringe Zinserhöhung eingepreist ist, stellt daher aus Investorensicht eine hervorragende Gelegenheit dar“, so Owens weiter. „Im vergangenen Monat war es möglich, einen Call auf die Zinssätze in Großbritannien zu verkaufen und nur in dem Fall Geld zu verlieren, dass die BoE die Zinsen noch weiter senkt.“ Dies allerdings hält Owens angesichts der wirtschaftlichen Lage für hochgradig unwahrscheinlich. 

Gänzlich anders stellt sich die Lage in Brasilien dar. Das Land kämpft weiterhin mit wirtschaftlichen Problemen und einer politischen Krise. Der Leitzins liegt bei 14,25 Prozent, und viele Marktteilnehmer rechnen mit weiteren Zinsschritten. „Dies erklärt zum größten Teil, warum annähernd 200 Basispunkte an Zinserhöhungen eingepreist sind und die Kosten für Credit Default Swaps auf dem Niveau von Junkbonds liegen“, erläutert Owens. Er ist dennoch optimistisch für die Zukunft des Landes: „Die gegenwärtige Situation ist untragbar. Aber die Dinge werden sich verändern. Die dunkelste Stunde könnte nun kurz bevorstehen.“ Zwar werde Brasilien möglicherweise für einige Jahre mit einem Primärdefizit leben müssen, und die Staatsverschuldung könnte auf fast 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen. Dies sei aber nicht notwendigerweise eine Katastrophe. „Brasilien benötigt etwas Zeit, um seine Probleme anzugehen“, erklärt Owens. „Die übertriebene Aufregung dürfte sich wieder legen.“

Er hält es für sehr wahrscheinlich, dass die Inflationsrate in Brasilien in den kommenden Monaten sinkt. „Das könnte der Zentralbank Spielraum geben, um an einem gewissen Punkt die Zinsen zu senken“, so der Währungsexperte. Dies würde das Wirtschaftswachstum stützen, mit positiven Folgen für die Verfassung des Staatshaushalts. „Gegenwärtig werden Investoren aber weiterhin üppig dafür belohnt, in Brasilien Risiken einzugehen.“

Europa im „M&A-Fieber“

Man on Convertibles  - In Europa werden wieder vermehrt Unternehmensübernahmen beobachtet. Allein in den ersten neuen Monaten wurden laut Mergermarket1 auf dem europäischen Kontinent Übernahmen mit einem Gesamtvolumen von 657,7 Milliarden US-Dollar getätigt. Das entspricht aktuell rund 22,9 Prozent aller weltweit getätigten Übernahmen. Diese Entwicklung kann nicht nur für Aktieninvestoren interessant sein, sondern auch für Wandelanleiheinvestoren.

„Wandelanleihen sind dann attraktiv, wenn mit der Wandelanleihe des Übernahmekandidaten auch Übernahmeschutzklauseln verbrieft worden sind. Das ist in Europa sehr häufig der Fall“, sagt Gerrit Bahlo, Credit Analyst Man Convertibles. Die Übernahmeschutzklauseln, in der Finanzbranche auch „Takeover Protection“ genannt, beinhalten in der Regel zwei Klauseln:

Zum einen beinhaltet es die Klausel des „Change of Control Put“. „Diese Klausel erlaubt dem Investor die Wandelanleihe bei einer Übernahme des Emittenten vorzeitig zu par, also zum Nennwert, zurückzugeben. Notiert die Wandelanleihe unterhalb des Ausgabewertes, könnte der Investor einen Kursgewinn realisieren. Folglich wirkt sie also positiv auf Wandelanleihen mit Kreditcharakter aus“, erklärt Gerrit Bahlo. Zum anderen ist häufig ein sogenanntes „Ratchet“ als Übernahmeschutzklausel integriert. Diese Klausel ist bei Wandelanleihen mit mittlerer bis hoher Aktiensensivität attraktiv. Historisch hat sie schon oft Freude bereitet, da sie im Einzelfall größere Kurssprünge in der Wandelanleihe ermöglicht hat, als die eigentliche Aktie des Übernahmekandidaten. Das „Ratchet“ legt fest, wie viele zusätzliche Aktien der Wandelanleiheinvestor im Falle einer Übernahme bei Wandlung erhält. Der theoretische Preis der Wandelanleihen bei Übernahme kann somit mittels des „Ratchet“ berechnet werden. „Unsere internen Modelle zeigen dabei, welche Wandelanleihe am meisten von dieser Übernahmeschutzklausel profitieren könnte und welche bereits fair gepreist ist“, so Gerrit Bahlo.

Aktuell sieht das Man Convertibles-Team in der geplanten Übernahme von Alcatel durch Nokia einen interessanten Fall. Der Übernahmekandidat Alcatel hat drei Wandelanleihen mit Verfallsdatum in 2018, 2019 und 2020 ausgegeben. Alle sind mit einer „Takeover Protection“ ausgestattet. Einen weiteren Fall sieht das Man Convertibles-Team in der geplanten Übernahme im deutschen Immobiliensektor von Deutsche Wohnen durch Vonovia. Deutsche Wohnen hat aktuell zwei Wandelanleihen ausstehen, die beide ebenfalls eine „Takeover Protection“ genießen.

Mergermarket Monthly M&A Insider, October 2015 

Europäische Marktführer im aktuellen Börsenumfeld bevorzugt

Paris / Frankfurt am Main, 23. Oktober 2015 – Es gibt nichts Schlechtes, was nicht auch sein Gutes hat. Die Turbulenzen an den europäischen Aktienmärkten über die letzten Monate haben Investoren nicht nur verunsichert, sondern auch merklich zurückhaltender werden lassen; und das zu Recht. Denn vieles, was nun als Chance zum Einstieg angepriesen wird, ist bei näherer Betrachtung keinesfalls eine günstige Gelegenheit zum (Nach)Kauf. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt derzeit bei 15,7 und damit leicht über dem langjährigen Durchschnitt von 12,58. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Europäische Anleger unterschätzen aktuell, welchem Länder- bzw. Branchenrisiko sie unterliegen. Allerdings gibt es auch etwas Gutes: Aus dem aktuellen Börsenumfeld mit seiner unklaren Richtung, dürften die Spitzenreiter in den jeweiligen Sektoren als Gewinner hervorgehen und den Abstand zur Konkurrenz vergrößern können. Diese Marktführer gilt es zu identifizieren und langfristig davon zu profitieren.

Börsenschwankungen legen versteckte Länderrisiken offen
China befindet sich in einem bemerkenswerten gesamtwirtschaftlichen Sinkflug. Auch viele andere Emerging Markets sind aktuell keine wirkliche Option. Jedoch unterschätzen viele Investoren, dass sie indirekt eben doch der ökonomischen Situation dieser Länder ausgesetzt sind. Denn 26,4% des europäischen BIPs gehen in den Export, nur 1,8% des gesamten BIPs nach China. Jedoch sind einige Branchen hier überproportional engagiert. Aus diesem Grund halten wir seit fast einem Jahr – als sich die ersten Probleme in China andeuteten – keine Aktien von Automobilherstellern mehr. Es ergibt sich eine paradoxe Situation: Viele Anleger wählen derzeit bewusst einen home-bias bei Aktien, um ggf. Risiken aus anderen Regionen zu umgehen. Doch je nach Branche ist der home-bias de facto gar keiner, sondern beinhaltet nur versteckt andere Risiken. Wichtiger als das Herkunftsland ist also aktuell die Frage, wo ein Unternehmen seinen Umsatz generiert.

Medizintechnik- und IT-Sektor interessant
Wir suchen in erster Linie Unternehmen, die eine marktführende Position in ihrem Bereich einnehmen, langfristiges Wachstum generieren und ein gutes Management aufweisen.Eine grobe Faustregel ist hier: Ein Wachstum um ca. 5% pro Jahr ist für einen Marktführer eines Bereichs ein guter Indikator, dass sich das Unternehmen besser als der Wettbewerb behaupten könnte. In Deutschland ist für uns daher insbesondere Zalando interessant. Das Unternehmen dürfte in den nächsten Jahren seine Spitzenposition im e-commerce weiter ausbauen. Ein weiterer interessanter Sektor ist der Healthcare- bzw. Medizintechnikbereich, welcher sich relativ unabhängig von gesamtwirtschaftlichen Zyklen entwickelt. Der Marktführer bei Plasmaprodukten Grifols beispielsweise dürfte von einem jährlichen Wachstum des Sektors in Höhe von 6-8% pro Jahr profitieren. Langfristig orientierte Anleger kommen zudem kaum um die Marktführer im IT-Bereich herum. Hier fällt insbesondere Dassault Systems auf. Der französische Anbieter von intelligenter Software hilft seinen Kunden aus den Bereichen Zivilluftfahrt, Automobil oder Medizintechnik, die Kosten für Forschung und Entwicklung zu reduzieren. Beim vielgerühmten Konsumgütersektor empfehlen wir ein konzentriertes Vorgehen, da der Sektor insgesamt mit einem KGV von durchschnittlich 22 relativ teuer ist. Dennoch, ein Marktführer wie Reckitt Benckiser mit seinem breit aufgestellten Portfolio dürfte den Wettbewerbern gegenüber deutliche Vorteile haben – und somit trotz höheren Kursniveaus immer noch Luft nach oben haben. 

SRI nach diversen Skandalen unumgehbar
Viele größere und kleinere Skandale in der Vergangenheit haben eindrucksvoll vor Augen geführt, dass der Erfolg eines Unternehmens nicht nur auf seiner Profitabilität beruht. Unternehmen müssen heutzutage den Blick über die Finanzkennzahlen hinaus erweitern und mögliche Umwelt-, Sozial- und Führungsrisiken in den Griff bekommen. Diese sog. SRI-Faktoren werden immer wichtiger, eine Nichtbeachtung kann teuer werden und zeitweise die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.Um sich vor unerwünschten negativen Effekten für das eigene Portfolio zu schützen, sollten Investoren daher auch nicht-finanzielle Attribute bei Investmententscheidung berücksichtigen. Sie können Investitionsrisiken minimieren und zu einer Verringerung der Volatilität sowie zur langfristigen Steigerung der Rendite beitragen. 

Zinsanstieg wird Spreu vom Weizen trennen
Abzuwarten bleibt, wie die Reaktion der Märkte bei einer Zinserhöhung ausfällt. Jedoch ist klar, dass bei großen Unternehmen mit marktführender Stellung die Abhängigkeit von Entscheidungen der Notenbanken erheblich sinkt. Der Grund: Insofern Unternehmen aus den hinteren Reihen eines Sektors in den letzten Jahren ein starkes Wachstum verzeichnen konnten, dürfte dies zu einem erheblichen Teil den Zinsen auf Tiefstniveau zu verdanken sein. Wachstum war und ist immer noch relativ günstig zu erkaufen. Ein Zinsanstieg würde somit helfen, die Spreu vom Weizen zu trennen. 

Autor: Jean-Charles Belvo, Fondsmanager des Echiquier Major bei La Financière de l’Echiquier. Der Echiquier Major investiert in europäische Marktführer unter Berücksichtigung von SRI-Kriterien und wurde kürzlich erneut mit dem SRI-Label vom französischen Forschungsinstitut Novethic ausgezeichnet. 

Über La Financière de l’Echiquier
La Financière de l’Echiquier wurde 1991 von Didier Le Menestrel und Christian Gueugnier gegründet und zählt zu den marktführenden unabhängigen Fondsgesellschaften in Frankreich. In Paris ansässig, ist die Fondsboutique erfolgreich auf Enterprise-Picking spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 100 Mitarbeiter und verwaltet ein Vermögen von 8,1 Milliarden Euro. In Deutschland vertreibt die Gesellschaft aktuell sechs Aktienfonds, zwei Mischfonds, einen Anleihefonds und einen Wandelanleihefonds. Die erfolgreiche Fondspalette wird privaten und institutionellen Investoren außerdem in Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz, Belgien, Italien, Spanien und Luxemburg angeboten. Das Kapital von La Financière de l’Echiquier wird vollständig von der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern gehalten. 2004 wurde die Stiftung La Financière de l’Echiquier gegründet, die sich in Frankreich für sozial und beruflich benachteiligte Menschen einsetzt. Weitere Informationen zur Stiftung finden Sie unter www.fondation-echiquier.fr und zu La Financière de l’Echiquier unter www.lfde.com.

Domestic inflationary pressures build

Last week a report from the Office of National Statistics (ONS) showing that consumer prices fell by 0.1% pushed market expectations for a UK rate hike out beyond 2016 and exerted downward pressure on the GBP against the EUR. We believe that such dovish expectations are unwarranted and will be subject to revision as soon as the deflationary impact of energy prices subsides towards the end of the year. Furthermore, domestic inflationary pressures should also help inflation return to more normal levels and indirectly support the GBP. Therefore, we believe for those investors with a medium to long term time horizon, now is an ideal time to build long exposure to the GBP against the Euro. 

Please find the full report attached on the left.

Will die EZB nicht in einem Atemzug mit der BoJ genannt werden, sollte sie keine QE-Ausweitung andeuten

Nachdem der Harmonisierte Verbraucherpreisindex im September binnen Jahresfrist abermals gesunken ist, hätte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi eigentlich Spielraum für die Andeutung weiterer quantitativer Lockerungen (Quantitative Easing, QE) der Geldpolitik der Notenbank. Und das selbst wenn die rückläufige Teuerung hauptsächlich aus der Entwicklung des Ölpreises resultiert. Bruno Cavalier, Chefvolkswirt bei Oddo & Cie, hält es dennoch für ratsam, bei der Sitzung der EZB am Donnerstag dieser Woche vergleichsweise unkonkret zu bleiben. Denn in den sechs Wochen seit der vorangegangenen geldpolitischen Entscheidung habe die Notenbank keine Hinweise auf sich materialisierende Abwärtsrisiken erhalten.

Vielmehr wiesen die Entwicklung von Ölpreis und Geschäftsklimaindikatoren im September in die entgegengesetzte Richtung. Auch die Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Geldpolitik der Federal Reserve habe sich nicht verringert – es sei denn, Mario Draghi habe bei bilateralen Treffen am Rande der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im peruanischen Lima Informationen bekommen, in die die Märkte bislang noch nicht eingeweiht seien. Daher, so Cavalier, solle es die EZB vorziehen, keine Versprechungen zu machen, die zu hohe Erwartungen hinsichtlich der Ausweitung der quantitativen Lockerungen erzeugen könnten. Die Reflationierungsstrategie der Notenbank habe dazu beigetragen, das Thema einer der Situation in Japan gleichenden Lage in Europa zu eliminieren.

Verstärke sie ihre quantitativen Lockerungen umgehend, laufe sie also Gefahr, im gleichen Atemzug wie die Bank of Japan (BoJ) genannt zu werden, von der man nicht behaupten könne, dass ihre quantitative Lockerungspolitik ein voller Erfolg gewesen sei.

Die Details entnehmen Sie bitte dem links beigefügten Dokument in englischer Sprache.

Das schnell wachsende Nischensegment des Gesundheits- und Wellnessbereichs schafft Unternehmenschancen

Eine Wachstumschance

Veränderungen der Lebensweise, der Ernährung sowie der Geschmäcker und Vorlieben von Verbrauchern resultieren in einer Reihe neuer Chancen für Agrarunternehmen. In den vergangenen Jahren wuchs das Verlangen der Öffentlichkeit nach Nahrungsmitteln, die wenig Kalorien aber einen hohen Nährwert haben und die mit natürlichen und biologischen Zutaten zubereitet werden. Für Marktteilnehmer mit langfristiger Perspektive ist durchaus positiv zu sehen, dass dieser Trend wohl noch in den Kinderschuhen steckt.

Die großen Nahrungsmittelhersteller reagieren auf diese Entwicklung, indem sie das Lebensmittelangebot, das diesem wachsenden Nischenmarkt gerecht wird, enorm ausweiten (siehe Abbildung 1). Wir beobachten sogar Verbesserungen bei der Nährwertkennzeichnung für Produkte, um Käufer bei der Auswahl von gesünderen Lebensmitteln zu unterstützen, wie beispielsweise mit der in Großbritannien entwickelten Ampelkennzeichnung. 

Mehr als 20% der Unternehmen im Baring Global Agriculture Fund haben einen Zugang zu diesem säkularen Wachstumsthema des Gesundheits- und Wellnessbereichs und diese Gewichtung dürfte sich unserer Einschätzung nach im Zeitverlauf noch ausweiten lassen. Derzeit verfügen wir im Gesundheits- und Wellnessbereich über Investitionen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, angefangen von Unternehmen für Aroma- und Inhaltsstoffe bis hin zu Herstellern von natürlichen und Bio-Lebensmitteln.

Unternehmen im Fokus

Wir möchten auf ein Unternehmen in diesem wachsenden Nischenmarkt näher eingehen, und zwar die in den USA ansässige Firma International Flavours and Fragrances (IFF). Über 50% aller neuen Aufträge für Aromen von IFF stehen in Verbindung mit dem Gesundheits- und Wellnessthema. Der Kundenstamm des Unternehmens erstreckt sich von kleinen lokalen Lebensmittelunternehmen bis hin zu großen internationalen Konzernen wie Nestlé und Unilever. 

Entscheidend ist, dass obwohl die Kosten für Aromen üblicherweise weniger als 5% der gesamten Produktkosten ausmachen, sie womöglich ein zentraler Faktor für die Kaufentscheidungen von Verbrauchern sind. IFF kann ein beständig starkes Ertragswachstum aufweisen und wir sind der Ansicht, dass das Unternehmen seine Erträge über die nächsten fünf Jahre und darüber hinaus um jährlich 10% steigern kann.

Eine weitere Position in der Wachstumsnische ist das US-amerikanische Unternehmen für natürliche und Bio-Lebensmittel Hain Celestial. Der Sektor für natürliche und Bio-Nahrung in den USA hat Zuwachsraten im hohen einstelligen Bereich und Hain dürfte unserer Einschätzung nach über viele Jahre hinweg ein Ertragswachstum im oberen zweistelligen Bereich halten können. Hain besitzt außerdem mehrere britische Marken wie die New Covent Garden Soup Company, Johnson Juices und Hartley’s Konfitüren und Marmeladen. 

Zwei weitere Nahrungsmittelunternehmen mit Geschäftsbereichen im Gesundheits- und Wellnesssegment, die wir hervorheben möchten, sind das in Großbritannien ansässige Unternehmen Tate & Lyle sowie die in den USA ansässige Firma Ingredion, die beide Rezepturen und Lösungen für Lebensmittelhersteller anbieten. Sowohl Tate & Lyle als auch Ingredion sind außerdem im Rohstoffsegment aktiv, allerdings wachsen die Geschäftsbereiche für gesündere Inhaltsstoffe schneller und die Gewinnspannen sind höher, was die Investitionsperspektive für diese beiden Unternehmen im Zeitverlauf verbessern dürfte. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Tate & Lyle im Jahr 2010 das Zucker- und Melassegeschäft, für das die Firma in Großbritannien am bekanntesten ist, verkauft hat.  

Fazit

Der Nischenmarkt des Gesundheits- und Wellnessbereichs befindet sich aktuell in einer starken Expansionsphase und wir sind der Auffassung, dass die für diese Entwicklung ausschlaggebenden Faktoren auf lange Sicht hervorragende Chancen für jene Produzenten bereithalten, die ihr Lebensmittel- und Getränkeangebot entsprechend anpassen, um von der steigenden Nachfrage in diesem Marktbereich profitieren zu können.

Gleichermaßen optimistisch sind wir auch für den eher kurzfristigen Ausblick für den Sektor eingestellt. Das durchschnittliche KGV der Agrarunternehmen in unserem Bestand liegt mit 13,3 unterhalb des breiteren globalen Aktienmarkts in Form des MSCI All Country World Index mit einem KGV von 15,0. Gleichzeitig haben die Agraraktien in unserem Portfolio mit einem erwarteten Gewinn je Aktie von 15,8% im Vergleich zu 9,3% für globale Aktien eine überdurchschnittliche Wachstumsprognose.   

Abbildung 1: Globale Ernährungstrends

Quellen: Tate and Lyle, Juli 2015
1 Innova Market Insights (Kalenderjahre)
2 Produkteinführungen mit der Angabe „wenig Kalorien“, „wenig Zucker“, „ohne zusätzlichen Zucker“, „zuckerfrei“
3 Produkteinführungen, deren Rezepturen lösliche Ballaststoffe enthalten
4 Produkteinführungen mit der Angabe keine Zusatzstoffe/Konservierungsstoffe, natürlich, bio und/oder ohne genetisch veränderte Organismen (non-GMO)
5 Barings, MSCI, September 2015


James Govan

Investment Manager,
Baring Global Agriculture Fund

Baring Asset Management, London

Schwächeres Wachstum, aber keine Rezession

Die Stimmung hat sich gedreht: Statt eines moderaten und stabilen Wachstums erwarten viele Marktteilnehmer nun Stillstand und Rezession. Zu diesem Ergebnis kommt das Team für Research- und Investmentstrategie von AXA Investment Managers (AXA IM) um Eric Chaney in seiner aktuellen Publikation „Investmentstrategie“. Die Entscheidung der Federal Reserve Bank (Fed) gegen eine Zinserhöhung habe die Sorgen noch verstärkt. Für AXA-Chefvolkswirt Chaney sind die Ängste jedoch übertrieben: „Es gibt durchaus Grund zur Sorge um den mittelfristigen Wirtschaftsausblick. Kurzfristig halten wir eine Rezession aber für unwahrscheinlich.“ 

Vor allem China verunsichere die Märkte zurzeit. Was als heftige Aktienmarktkorrektur begann, entwickelte sich zu einer umfassenden Krise, die auf alle Emerging Markets übergriff. Den Tiefpunkt habe die chinesische Wirtschaft aber bereits im ersten Halbjahr erreicht. Die Research-Experten von AXA IM erwarten, dass die Zahlen noch etwas nach unten korrigiert werden. „Die fiskalpolitischen Konjunkturmaßnahmen Chinas haben nicht gegriffen, infolge dessen schwächelte die Wirtschaft erneut. 
Die jüngsten Daten zeichnen jedoch ein gemischtes Bild“, so Chaney. Die Lage sei noch fragil, dürfte sich aber Ende des Jahres stabilisieren. China habe noch ausreichend Spielraum, um einen möglichen Abschwung einzudämmen: Weitere geld- und fiskalpolitische Maßnahmen seien möglich – die Research-Experten erwarten eine weitere Lockerung gegen Jahresende. Eine erneute starke Renminbi-Abwertung werde China aufgrund der starken Verschuldung des Privatsektors in Fremdwährungen eher nicht zulassen. „Das Rezessionsrisiko halten wir deshalb für gering“, prognostiziert Chaney. 

Anders sei die Situation in den anderen Schwellenländern: Die asiatischen Emerging Markets leiden unter der Nachfrageschwäche ihres großen Nachbarn China. Viele Länder, darunter Malaysia und Singapur könnten in die Rezession rutschen. Da sich der Welthandel offenbar erhole, sollte sich die Nachfrage in naher Zukunft wieder stabilisieren. Dennoch bleiben nach Auffassung der Research-Experten weitere Probleme bestehen: „Die niedrigen Rohstoffpreise erhöhen den Druck auf die Währungen und sorgen somit für mehr Inflation und in der Konsequenz für eine straffere Geldpolitik. Während die asiatischen Schwellenländer von diesem Problem weniger betroffen sind, leiden Chile und Mexiko – Kolumbien hat sogar bereits eine Zinserhöhung beschlossen“, erklärt Chaney. Zudem sorge die politische Lage in einigen Ländern für Unsicherheit und die Angst vor Kapitalabflüssen durch eine mögliche Zinsanhebung der Fed belaste die Schwellenländer zunehmend. 

Die europäischen Schwellenländer scheinen den Research-Experten zufolge allerdings stabil. Auch die europäische Konjunkturerholung sei durch den Abschwung der Schwellenländer bisher kaum beeinträchtigt. Die Marktstimmung und Umfragen seien gut, und die wichtigsten Wirtschaftsdaten für das zweite Halbjahr 2015 deuteten immer noch auf moderates Wachstum hin. „Deutschland ist derzeit am stärksten abhängig von der Weltkonjunktur. Der deutsche Export scheint aber durch die USA und den Euroraum ausreichend gestützt – um ihn zu gefährden, müsste sich die Lage in den USA dramatisch verschlechtern“, so Chaney. Einen Wirtschaftseinbruch in den USA halten die Research-Experten allerdings für unwahrscheinlich. „Wir vertrauen auf die Binnenwirtschaft, insbesondere den Konsum. Aufgrund des Exportrückgangs haben wir unsere Prognose für das US-Wachstum 2016 von 2,5 auf 2,2 Prozent gesenkt. Damit gehen wir immer noch von einer soliden Entwicklung aus“, so Chaney weiter. „Ob die nächste Rezession nun kommt? Wenn man uns fragt, höchstwahrscheinlich nicht.“

Trichet: Zentralbanken benötigen Unterstützung seitens der Regierungen und der Sozialpartner

Nach Auffassung von Jean-Claude Trichet, dem ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), können die großen Zentralbanken der Welt das Wachstum, die Zinsen und die Inflationsraten in ihren jeweiligen Volkswirtschaften nicht ohne Unterstützung des öffentlichen und des privaten Sektors steigern. Bei einer von NN Investment Partners in Noordwijk, Niederlande, organisierten Konferenz für institutionelle Anleger sagte Trichet am 6. Oktober, neben den Regierungen und den Zentralbanken müssten auch Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände wichtige Beiträge zur Belebung des Wachstums leisten.

„In Japan, den USA und Europa sind die Inflationsraten außerordentlich niedrig. Es wird bereits gefordert, dass sich die Inflation von diesem unnormal niedrigen Niveau aus beschleunigen müsse“, sagte Trichet. „Das können die EZB beziehungsweise die Zentralbanken nicht allein leisten. Sie brauchen Hilfe.“

Die Zentralbanken in den Industrieländern nutzen alle ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente, um die Konjunktur wieder anzukurbeln, die sich nach der Finanzkrise im Jahr 2008 noch immer nicht vollständig erholt hat. Der gleitende Zehn-Jahres-Durchschnitt der BIP-Wachstumsraten der Mitglieds-länder der Organization of Economic Cooperation and Development (OECD) liegt weiterhin unter dem Vorkrisenstand.

In den USA verschob die Federal Reserve den für die September-Sitzung geplanten ersten Zinsschritt und begründete dies damit, dass Anzeichen für ein schwächeres Wachstum der Weltwirtschaft zu erkennen seien. Wenn die Fed den von zahlreichen Beobachtern sehnlich erwarteten Straffungszyklus beginnt, wird sie den Leitzins zum ersten Mal seit Juni 2006 anheben. Derweil versucht die EZB, durch Käufe von Staatsanleihen im Rahmen ihres quantitativen Lockerungsprogramms (QE) eine Konjunkturerholung im Euroraum herbeizuführen, und die Bank of Japan könnte noch in diesem Jahr den Umfang ihres eigenen QE-Programms ausweiten. Die Inflation im Euroraum liegt seit Anfang 2013 unter 2%, d.h. dem Niveau, das für ein ordnungsgemäßes Funktionieren der Wirtschaft als erforderlich angesehen wird.

„Die Zentralbanken der Industrieländer haben die richtigen Maßnahmen ergriffen. Aber die anderen Partner tun nicht, was sie tun sollten“, sagte Trichet in einer Podiumsdiskussion, die zum Abschluss der Veranstaltung in Noordwijk stattfand. „In allen Ländern trägt die Exekutive eine große Verantwortung. In allen Ländern tragen die Parlamente Verantwortung. Und natürlich tragen auch der private Sektor und die Sozialpartner Verantwortung.“

Nach Auffassung des ehemaligen EZB-Präsidenten müssten Arbeitgeber und Gewerkschaften in Ländern mit hohen Leistungsbilanzüberschüssen wie z.B. Deutschland und den Niederlanden Tarifabschlüsse vereinbaren, die das Verbrauchervertrauen und den Konsum stärken. Anderenfalls werde die Inflation unter dem Zielwert der EZB von 2% verharren.

Ursachen für die Krise

Trichet, der von 2003 bis 2011 an der Spitze der EZB stand, sieht den Mangel an Strukturreformen und das Fehlen eines Binnenmarkts, vor allem für Dienstleistungen, in der Europäischen Union als zwei Hauptursachen für die Eurokrise in den Jahren 2011 und 2012 an. Außerdem sei der Stabilitäts- und Wachstumspakt, der den Mitgliedsstaaten der Währungsunion Obergrenzen für die Haushaltsdefizite und die Staatsverschuldung vorgibt, nicht hinreichend respektiert worden.

„Europa hat keinen gemeinsamen Haushalt, aber eine gemeinsame Währung mit einem fiskalpolitischen Rahmenwerk. Und das muss respektiert werden”, sagte er. Seit der Krise, so Trichet weiter, „haben wir uns mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt angefreundet. Er wird aber nicht vollumfänglich respektiert.“

Trichet zufolge wurden andere Schwächen der Währungsunion, die zur Krise beigetragen haben, in gewissem Umfang behoben. Der im Jahr 2012 eingeführte Europäische Stabilitätsmechanismus habe eine Brandmauer um den europäischen Währungsraum gezogen, und die Bankenunion habe die Korrelation zwischen der Bonität der Länder und der Bonität ihrer Banken verringert. Das im Jahr 2011 von der Europäischen Union umgesetzte Makroökonomische Ungleichgewichtsverfahren (Macroeconomic Imbalance Procedure, MIP) trage dazu bei, riskante Entwicklungen wie z.B. übermäßig hohe Leistungsbilanzdefizite oder externe Schulden, zu verhindern bzw. zu korrigieren 

„Die Bankenunion ist die zweitwichtigste Entscheidung nach der Währungsunion selbst“, sagte Trichet. „Das ganz neu geschaffene MIP könnte ebenso wichtig sein wie der Stabilitäts- und Wachstumspakt. Es geht sehr weit; es hat eine große Signalwirkung gegenüber den Regierungen, aber auch gegenüber den Sozialpartnern.“

Herausforderungen für institutionelle Anleger

Das derzeitige Finanzmarktumfeld ist unter anderem von rekordniedrigen Zinsen und einer allgemein zunehmenden Marktunsicherheit geprägt. Dadurch wird es für institutionelle Anleger immer schwieriger, zufriedenstellende Renditen bei einem akzeptablen Risiko zu erzielen. Laut Hans Stoter, Chief Investment Officer bei NN Investment Partners, führen die neuen Regulierungen sowie die bisher ungekannten Maßnahmen der Zentralbanken nicht nur kurz-, sondern auch langfristig zu Unsicherheit.

„Wir sind mit sehr hoher Marktvolatilität und einer außerordentlich geringen Liquidität im Fixed-Income-Segment konfrontiert“, äußerte Stoter während der Diskussion. „Gleichzeitig verändert sich die Landschaft für Pensionsfonds durch politische Entscheidungen und die demografische Entwicklung. Damit muss ein Versicherungskonzern oder ein Pensionsfonds umgehen. Einerseits müssen die Aktiva ansteigen, andererseits muss eine Deckung der Verbindlichkeiten erzielt werden.“

Die traditionellen Instrumente zur Erfüllung der Verbindlichkeiten, z.B. „sichere“ Staatsanleihen, erzielen im derzeitigen Niedrigzinsumfeld keine oder nur geringe Renditen, und die Aktieninvestitionen, die in der Regel zur Steigerung der Aktiva dienten, schwanken stark im Wert. Stoter unterstrich daher, dass Instrumente benötigt werden, die aktienähnliche Renditen und rentenähnliche Eigenschaften miteinander kombinieren.

„Die Lücke zwischen diesen beiden Assetklassen wird durch alternative Credit Assets und Immobilien geschlossen“, erklärte er zum Abschluss der Veranstaltung. Zu alternativen Credit Assets gehören z.B. privat platzierte Kredite, Mezzanin-Verschuldung, besicherte Kredite, variabel verzinsliche Schuldpapiere und Hypothekenkredite. Die Assetklasse Immobilien umfasst, so Stoter, neben Immobilien im engeren Sinne auch Infrastruktur und Sozialwohnungen.

Vor der Wahl in der Türkei: Unsicherheit belastet Wirtschaft und Börse

Marktkommentar von Erdinç Benli, Fondsmanager und Co-Head Emerging Markets Equities bei GAM: Der Bombenanschlag in Ankara hat die Stimmung in der Türkei vor der Wahl am 1. November weiter aufgeheizt: Alle Parteien schieben sich gegenseitig die Schuld für das Attentat zu. Der Anschlag erhöht die Gefahr eines heimischen Dauerkonflikts und sorgt für zusätzliche politische Unsicherheit. Überraschenderweise reagierte die türkische Börse kaum, und auch die türkische Lira verlor gegenüber dem US-Dollar nur wenig an Wert. Dies zeigt, wie sehr schlechte Nachrichten bereits eingepreist sind und dass sich die Anleger defensiv aufgestellt haben.

Bildung einer Regierungskoalition ist Chance für den Wandel in der Türkei
Der öffentliche Erwartungsdruck zur Bildung einer Regierungskoalition ist bei den bevorstehenden Wahlen viel höher als bei denjenigen im Juni. Je nach Ausgang der Wahlen sind die Auswirkungen für die türkische Wirtschaft und den Aktienmarkt unterschiedlich: 

  • Einparteien-Regierung könnte für Erholungsphase sorgen: Sollte die AKP ausreichend Stimmen erhalten um eine Einparteien-Regierung bilden zu können, ist eine Erholungsphase wahrscheinlich. Es besteht jedoch das Risiko, dass Erdogan weiterhin in politische Entscheidungen eingreift. Dies dürfte sich langfristig negativ auf die Anlegerstimmung auswirken.
  • Koalitionsregierung: Folgen für die Wirtschaft hängen stark von der Stabilität der Koalition sowie der Postenvergabe ab: Ausgehend von den jüngsten Meinungsumfragen wird das Wahlergebnis höchstwahrscheinlich auf eine Regierungskoalition hinauslaufen, was die marktfreundlichste Option wäre. Die Stabilität dieser Koalition ist jedoch längerfristig fraglich. Politische Differenzen werden von Zeit zu Zeit zu Rückschlägen im Markt führen. Die AKP ist für Ansichten anderer Parteien nicht hinreichend offen. Dabei wird entscheidend sein, welche Regierungsvertreter an für die Wirtschaft entscheidenden Schaltstellen sitzen werden.
  •  Erneutes Scheitern der Regierungsbildung könnte Konjunkturschwäche andauern lassen: Sollte es nicht zur Bildung einer dauerhaften Regierung kommen, kann von einer weiter anhaltenden Konjunkturschwäche ausgegangen werden, womit die zunehmende Gefahr besteht, dass Ratingagenturen die Türkei herabstufen werden.

Derzeitige Unsicherheit am Markt bietet Kaufgelegenheiten für türkische Aktien
Die politische Unsicherheit bereitet Anlegern weiterhin Sorge: Türkische Aktien werden derzeit, in US-Dollar gerechnet, auf langjährigen Tiefstständen gehandelt, womit der türkische Aktienmarkt dieses Jahr zu den verlustreichsten gehört und um rund 15 Prozent hinter den Erwartungen der gesamten Marktentwicklung der Emerging Markets zurückbleibt. Unserer Ansicht nach sind nun aber die negativen Nachrichten über sehr weite Strecken eingepreist. Der türkische Aktienmarkt handelt mit einem der größten Abschläge der letzten fünf Jahre gegenüber den anderen Schwellenländern. Sollte sich die politische Lage beruhigen, so dürfte sich dies auch positiv auf den türkischen Aktienmarkt auswirken. Wie uns die Geschichte lehrt, können solche Situationen für Anleger durchaus gute Kaufgelegenheiten bieten.

Wendepunkt bei Rohstoffen?

Rohstoffe
Gold auf einem 4 Monats Hoch. Gold stieg vergangene Woche um 3,9 Prozent, die zweite positive Woche in Folge und schloss am Donnerstag mit 1184 USD/oz auf einem 4 Monats Hoch. Grund für den Preisanstieg waren wohl schlechter als erwartete Wirtschaftsdaten aus den USA und der Eurozone sowie ein schwächerer US-Dollar. Am Mittwoch wurde außerdem ein wichtiger technischer Faktor ausgelöst, Gold stieg über die 200 Tage Linie des gleitenden Durchschnittpreises, was oft ein Auslöser für weitere positive Performance ist. Damit konnten unsere Gold ETPs nun schon in der 5. Woche in Folge Mittelzuflüsse verzeichnen, in der vergangenen Woche um 42 Mio. USD. Allerdings musste Gold wieder etwas der positiven Performance abgeben, da die US Inflationszahlen besser als erwartet ausfielen und der USD wieder stieg. Der Markt geht noch immer von einer FED-Zinserhöhung Anfang nächsten Jahres aus, was Rohstoffen zusätzlichen Aufwind gibt.

Starke chinesische Importzahlen verhelfen Öl ETPs zu Nettomittelzuflüssen. ETF WTI Crude Oil (CRUD) und ETFS Daily Leveraged WTI Crude Oil (LOIL) konnten vergangene Woche Zuflüsse in Höhe von 29 Mio. USD verzeichnen. Grund dafür waren chinesische Öl Import Zahlen von September, die höher ausfielen als die des Vorjahres. Über das ganze Jahr hinweg importierte China 8,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Gestiegene Lagervorkommen in den USA wirkten sich jedoch negative auf den WTI Rohölkurs aus, WTI fiel um 6,2 Prozent, Brent sogar um 8,25 Prozent. Somit wurden die Gewinne der Vorwoche teilweise wieder abgegeben. Der Ölmarkt befindet sich nach wie vor in einem Überangebot, wir gehen aber davon aus, dass eine starke chinesische Nachfrage und niedrigere Produktion aus den USA den Ölpreis mittelfristig unterstützen wird.

Positiver Stimmungsbarometer für Kupfer. Investoren scheinen zunehmend bullisch für Kupfer gestimmt zu sein. ETFS Copper (COPA) verbuchte Nettomittelzuflüsse in Höhe von 9,1 Mio. USD (10-Wochenhoch), während ETFS Daily Short Copper (SCOP) Mittelabflüsse von 31,1 Mio USD verbuchte,  der volumenstärkste Verkauf in Short-ETPs seit Juni 2014. Datenrevisionen der International Copper Study Group (ICSG) haben zur positiven Stimmung für Kupfer beigetragen. Das Metall hat seit der Veröffentlichung von ICSGs aktualisierter Zahlen am 6. Oktober 2,5 Prozent zugelegt und 7,3 Prozent seit dem 6-Jahrestief im August. Darüber hinaus stiegen Chinas Kupferimporte in September 2015 um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was die Markterwartung für knappere Bedingungen im Jahr 2015 und 2016 untermauert.

Aktien
Geringere Margen dominieren die Q3 Berichtssaison in den USA. Chinas Benchmarkindex, der Shanghai Composite stieg um 6,54 Prozent und verbuchte damit seine beste Woche seit vier Monaten. Nach einer Reihe von schwachen Konjunkturdaten ist man für weitere Staatsreformen optimistisch. In Europa dreht die Stimmung nach einer drastischen Verschlechterung der deutschen ZEW-Umfrage und dem Einbruch der europäischen Inflationsdaten in den negativen Bereich. Die US-Berichtssaison verlief enttäuschend, 27 Prozent der Unternehmen berichteten negative Ergebnisse im Quartalsvergleich, vor allem im Energie-, Finanz- und Grundstoffsektor. Die Margen der Quartalsgewinne fielen erstmals seit 2012 unter 10 Prozent. Dies ist auf steigende Unternehmensumsätze, einen stärkeren US-Dollar und die steigende Nachfrage nach Lohnerhöhungen zurückzuführen. Arbeitslosenansprüche in den USA sind derzeit auf ihrem tiefsten Stand seit 1973 und es ist wahrscheinlich, dass geringere Margen das Thema der kommenden Berichtssaison sein werden.

Währungen
Stärkere Kerninflationsdaten beflügeln den US-Dollar gegenüber den G10 Währungen. Im Gegensatz zu dem negativen Inflationsszenario in Europa verzeichneten die Verbraucherpreise in den USA, ausgenommen Nahrungsmittel und Kraftstoff, ihre größte Zunahmen seit 3 Monaten. Der US-Dollar stieg auf ein 7-Wochen Hoch gegenüber dem Euro. In Großbritannien wurde die niedrigste Arbeitslosenquote (5,4 Prozent) seit 7 Jahren festgestellt, was das Britische Pfund nach den negativen monatlichen VPI-Daten unterstütze und vom anfänglichen Verkaufsdruck wieder befreite. Die Europäische Zentralbank wird diese Woche ihre geldmarktpolitische Entscheidung verkünden, wobei Investoren auf eine Erweiterung der quantitativen Lockerung (QE-Programm) nach den jüngst schwachen Wirtschaftsdaten hoffen. Die australische Notenbank hat in dieser Woche ihre Sorgen über einen überhitzten Immobilienmarkt geäußert, was daraufhin den australischen Dollar deutlich schwächte. Der kanadische Dollar zeigte sich vor der Zinsentscheidung der Bank of Canada am Donnerstag robust. Das Sitzungsprotokoll der Bank of Japan lässt keine Anzeichen von weiteren quantitativen Lockerungsmaßnahmen erkennen, was den Yen über die Woche stärkte.

7 Gründe für europäische Unternehmensanleihen bester Bonität

Kronberg im Taunus, 19. Oktober 2015 – Ungeachtet der jüngsten hohen Volatilität sind die Fundamentaldaten sowohl für die Wirtschaft der Eurozone als auch für europäische Unternehmen solide. Das Wachstum ist beständig und bessert sich, die finanzielle Kapitalausstattung stimmt, und die Unternehmensbilanzen sind stabil. Zusammen mit der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) trägt das zu positiven Aussichten für europäische Investment-Grade-Anleihen bei. Die folgenden Gründe sprechen aktuell für diese Anlageklasse:

1. Die Umstrukturierung der globalen Wirtschaft ist positiv für Europa
Die führenden Volkswirtschaften haben auf die globale Finanzkrise unterschiedlich reagiert. Während die USA das Haushaltsdefizit erweiterten, um die Entschuldung des Privatsektors zu erleichtern, verfolgte die Eurozone einen strengeren Ansatz, bei dem die Haushaltsdefizite reduziert wurden. China wiederum finanzierte ein größeres Investitionsprogramm durch erhöhte Verschuldung und niedrige Realzinsen. Doch die globalen Märkte erleben momentan ein Rebalancing, was als negative weltweite Nachfrage interpretiert wird. Tatsächlich haben die Länder profitiert, die eher Verbraucher sind als Produzent – unter anderem wegen der fallenden Rohstoffpreise oder niedrigen Inflationsraten.

2. EZB dürfte lockere Geldpolitik beibehalten
Die Inflations- und Wachstumsaussichten wurden zuletzt nach unten revidiert, was die Wirksamkeit des Quantitative Easing-Programms der EZB in Frage stellt. Ich gehe davon aus, dass die EZB ihre lockere Geldpolitik auch über den September 2016 hinaus beibehalten wird. Entsprechende Andeutungen machte EZB-Präsident Mario Draghi im September auf einer Pressekonferenz. Auch das spricht für europäische Investment-Grade-Anleihen.

3. Verknappung von Staatsanleihen verleiht Unternehmensanleihen Auftrieb
Interessanterweise ist die Geldpolitik der EZB ganz anders verlaufen als in den USA und in Großbritannien. Die Haushaltsdefizite in der Eurozone sind geschrumpft oder zumindest nicht so stark gewachsen, seit die EZB Staatsanleihen kauft. Dies steht im Gegensatz zu Großbritannien und den USA, wo das Quantitative Easing mit höheren Staatsausgaben einherging, um Banken und Verbraucher zu schützen. Folglich ist die Netto-Emission von Staatsanleihen in der Eurozone negativ. Das treibt die Investoren in höher verzinsliche und höherwertige Unternehmensanleihen.

4. Zuflüsse sollten wieder wachsen
Von Anfang 2014 bis April 2015 sind fast 22 Milliarden Dollar in europäische Unternehmensanleihen bester Bonität geflossen. Ein Anstieg der Renditen von Bundesanleihen hat diesen Trend gestoppt, die Anlageklasse erlebte in den vergangenen vier Monaten kräftige Abflüsse. Doch die Investoren haben das Geld nicht in andere Anleihesegmente oder gar Aktien gesteckt, sondern nur geparkt. Angesichts der negativen Zinssätze für Bankeinlagen sollten die Zuflüsse also bald wieder steigen.

5. Wertbeitrag hat sich verbessert
Der Wertbeitrag hat sich mit der jüngsten Volatilität deutlich verbessert. Die Spreads von Corporate Bonds befinden sich jetzt auf einem Zwei-Jahreshoch mit Renditen von über 1,5 Prozent. Das macht Investment-Grade-Anleihen attraktiver als andere hochwertige Alternativen wie Bankeinlagen oder Staatsanleihen.

6. Die Duration ist von Bedeutung
Der Ausverkauf der Staatsanleihen im Frühling sollte eine ständige Warnung sein, wie wichtig die Duration ist. Die Divergenz zwischen US-Treasuries und Bundesanleihen bleibt noch eine Weile erhalten, da sich die Volkswirtschaften in unterschiedlichen Phasen des Konjunkturzyklus befinden. Wir sehen kleine kurzfristige Katalysatoren für Bundesanleihen, um aus diesem Bereich auszubrechen.

7. Streuung schafft Gelegenheiten
Wir betrachten die jüngste Volatilität als eine Chance. Wir halten vier Themen für aussichtsreich. Zum einen werden wir in Unternehmen mit positiven Rating-Trends investieren. Zum anderen kaufen wir Titel mit hohen Kupons, um die Volatilität abzufedern. Auf Sektorenebene bevorzugen wir Finanztitel, da sie weiterhin Kapital aufbauen und ihre Bilanzen stützen. Unser viertes Thema sind Währungen. Attraktiv sind beispielsweise höhere Spreads auf Papiere europäischer Unternehmen, die in Dollar oder britischem Pfund begeben werden.

„Ohne unsere direkten Exposures zu verändern, haben wir einige Absicherungen aufgebaut“

Nach den mäßigen Makrodaten der vergangenen Woche ist der deutsch-französische Vermögensverwalter Oddo Meriten Asset Management etwas vorsichtiger geworden. „Ohne unsere direkten Exposures zu verändern, haben wir einige Absicherungen aufgebaut“, schreiben Nicolas Chaput, Global CEO & Co-CIO, und Laurent Denize, Global Co-CIO von Oddo Meriten Asset Management, in ihrer jüngsten Markteinschätzung.

Zwar bleibe das Basisszenario bestehen, das sich aus verhaltenem, im zweiten Halbjahr jedoch anziehenden Wachstum, angesichts der Bewertungsniveaus passablen Unternehmensgewinnen, weiter akkomodierender Geldpolitik der Notenbanken und einer zu negativen Bewertung der Entwicklung in China zusammensetze. Dessen ungeachtet messe man zwei Alternativszenarios mit jeweils 20% nunmehr jedoch eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit als bislang bei. Im Zentrum des ersten Alternativszenarios stehe eine Enttäuschung der Erwartungen an das Wachstum der Weltwirtschaft. Ohne Berücksichtigung des Jahres 2009 bewege sich die Expansionsdynamik mit einem Plus von 2,5% zu konstanten Wechselkursen derzeit eh bereits in der Nähe ihres Allzeittiefs. Ein weiteres Abrutschen auf das Wachstumsniveau von etwa 2% benötige als Auslöser jedoch eine größere Enttäuschung in einem der Hauptwirtschaftsräume der Welt – etwa eine Rezession in den USA, eine harte Landung Chinas oder ein Scheitern der Abenomics.

Auch für ihr zweites Alternativszenario sehen Chaput und Denize eine nunmehr etwas höhere Wahrscheinlichkeit von ebenfalls 20%. Dort geht es um eine überraschend starke Beschleunigung der Inflation. Dafür würden wohl schon eine Stabilisierung des Ölpreises in Kombination mit einem schwächeren Dollar und einem leicht beschleunigten Lohnanstieg ausreichen. Eine andere Möglichkeit sei ein weiteres Absinken der ohnehin bereits sehr geringen Produktivitätszuwächse, was zu einem abermaligen Rückgang des Potenzialwachstums führen werde. Dies könne die Federal Reserve und andere Notenbanken dazu veranlassen, ihre Geldpolitik stärker als erwartet zu straffen. Vor diesen Hintergründen bleibe die Anlagestrategie zwar unverändert, allerdings würden mehr taktische Komponenten eingefügt und die Absicherung ausgebaut.

Die Details finden Sie im beigefügten Market View in englischer Sprache.

„VW benachteiligt Minderheitsaktionäre erheblich“

London, 16. Oktober 2015 – Im folgenden Interview kommentiert Matthias Beer, Experte für Responsible Investment bei BMO Global Asset Management (EMEA), London, den Umgang von Volkswagen mit seinen Aktionären und mit Governance-Themen.

Als Nachhaltigkeitsinvestor setzen Sie sich schon seit längerem kritisch mit Volkswagen auseinander – in welchen Bereichen sehen Sie Diskussionsbedarf?
Matthias Beer: BMO Global Asset Management (EMEA) hatte schon seit einiger Zeit Zweifel an der internen Kontrollkultur von Volkswagen: Minderheitsaktionäre werden erheblich benachteiligt, es mangelt an ausreichenden unabhängigen Prüfungen und Revisionen.  

Wie sieht die Benachteiligung der Investoren aus?
Beer: Institutionelle Anleger in Volkswagen halten überwiegend Vorzugsaktien ohne Stimmrechte und nur wenige Stammaktien. Die Ausübung von Stimmrechten über Stammaktien wird über einen vom Volkswagen diktierten, umständlichen manuellen Prozess absichtlich erschwert. Die Familien Porsche und Piëch halten mit etwa 50,7 Prozent die Kontrollmehrheit an den stimmberechtigten Stammaktien, das Land Niedersachsen kontrolliert weitere 20 Prozent und die Qatar Investment Authority etwa 17 Prozent. Neben dem weitgehenden Mangel an Stimmrechten haben Minderheitsaktionäre auch keine ausreichende unabhängige Vertretung im Aufsichtsrat, in dem aktuell nur einer der 20 Aufsichtsräte vom Unternehmen und seinen Großaktionären unabhängig ist.

Was wäre eine angemessene Quote?
Beer: In kontrollierten Unternehmen sollte der Aufsichtsrat in unseren Augen zu mindestens 33 Prozent mit unabhängigen Direktoren ohne Geschäftsbereich besetzt sein, damit ein ausreichend unabhängiger und objektiver Blick auf das Unternehmen gewährleistet ist.

Welche Maßnahmen haben Sie als Nachhaltigkeitsinvestor ergriffen, um VW auf diese Missstände aufmerksam zu machen?
Beer: Wegen dieser grundsätzlichen Kritikpunkte haben wir in der Vergangenheit gegen die Wiederwahl und die Entlastung vieler Aufsichtsratsmitglieder einschließlich und ganz besonders des früheren Vorsitzenden Ferdinand Piëch gestimmt. Außerdem haben wir in einem Schreiben an Volkswagen unsere Erwartungen an gute Unternehmensführung in Deutschland genannt sowie wichtige Bereiche hervorgehoben, in denen wir den Vorschlägen des Vorstands nicht folgen konnten. 

Sie beanstanden vor allem auch die personelle Besetzung des Vorstands und den Wahlmodus.
Beer: Ja. Wir haben in unseren Schreiben auch die Notwendigkeit für mehr Unabhängigkeit und regelmäßige neue Besetzungen sowie einen sukzessiven Übergang zu jährlichen Vorstandsneuwahlen betont. Denn: Derzeit wird der Vorstand nur alle vier Jahre oder noch später wiedergewählt. Wir haben uns für mehr Diversität einschließlich mehr Frauen im Vorstand stark gemacht und die Bedeutung eines formalen und transparenten Nominierungsprozesses herausgestellt. Und wir haben das Unternehmen gedrängt, regelmäßige strukturierte Anlässe zu schaffen, während derer institutionelle Anleger Aufsichtsratsmitglieder treffen und mit ihnen in einen konstruktiven Dialog treten können.

Wie hat der Konzern auf Ihre Bemühungen reagiert? 
Beer: Volkswagen hat uns weder geantwortet noch die Chance gegeben, uns mit Aufsichtsratsmitgliedern zu treffen. 

Stichwort Aufsichtsrat: Warum kritisieren Sie die Wahl von Hans Dieter Pötsch zum neuen Aufsichtsratschef?
Beer: Dass ein Unternehmens-Insider den wichtigen Aufsichtsratsvorsitz erhält, halten wir für bedenklich. Denn gerade jetzt benötigt das Unternehmen über jeden Zweifel erhabene und unabhängige Kontrolleure, um angemessen auf das derzeitige Problem der Dieselemissionen zu reagieren. Doch was ist passiert? Die für den 9. November geplante außerordentliche Hauptversammlung wurde abgesagt. Anlegern wurde durch die unbestimmte Verschiebung der außerordentlichen Hauptversammlung bis auf Weiteres die Möglichkeit genommen, bei dieser Personalie mitzureden. Auf der Hauptversammlung hätten eigentlich die Aktionäre über die Berufung des derzeitigen Finanzvorstands Hans Dieter Pötsch zum Aufsichtsratsvorsitzenden abstimmen können. Stattdessen hat auf Bitten von Volkswagen das Amtsgericht Braunschweig der Bestellung von Hans Dieter Pötsch in den VW-Aufsichtsrat zugestimmt, sodass anschließend der Aufsichtsrat selbst Pötsch bis auf Weiteres zu seinem Vorsitzenden wählen konnte. 

Wann haben Sie das Thema Emissionen bei Volkswagen angesprochen?
Beer: Bereits im vergangenen Jahr haben wir das Unternehmen auch auf dessen Anstrengungen angesprochen, die Emissionen aus seinen Fahrzeugen zu senken. Das Unternehmen hat Fortschritte in der Entwicklung von Technologien erzielt, die dem schnell wachsenden Trend in Richtung Elektromobilität Rechnung tragen. Jedoch wirft die aktuelle Krise auch Fragen zur Reduzierung des durchschnittlichen Flottenausstoßes auf.

Platinum and Palladium Update

ETF Securities comments on the emission scandal’s impact on platinum. Key points of  the market view, which can be found attached on the left, are:

  • Negative sentiment around platinum out of sync with the metal's positive fundamentals
  • Misconception about role of precious group metals (PGM) in nitrogen oxide (NOx) treatment unduly impacts the metals
  • Capex reduction by miners to curb platinum supply
  • Record US auto sales spur palladium prices higher

GAM: Innovation im Gesundheitssektor generiert Renditen – Branche wird langfristig wachsen

Der Gesundheitssektor befindet sich derzeit in einer Expansionsphase. „Alle Zeichen stehen auf Innovation. Die vielen neuartigen Medikamente kurbeln das Umsatzwachstum an. Dadurch profitiert der Sektor zukünftig enorm“, sagt Christophe Eggmann, Manager des JB Health Innovation Fund. Laut dem Fondsmanager setzen die Pharmaunternehmen nun die medizinischen Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre in Produkte um. So ermöglichen etwa neue Diagnoseverfahren eine noch gezieltere medizinische Behandlung, so der Fondsmanager. „Die Neuerungen sorgen für ein besseres Gesundheitswesen, in dem Patienten künftig Zugang zu einem weit umfassenderen Medikamenten- und Therapieangebot haben“, sagt Eggmann. 

Das zahlt sich auch für Investoren aus: „Innovation generiert Renditen“, erklärt der Fondsmanager. Nach Ansicht von Eggmann wird der Healthcare-Sektor langfristig wachsen und damit seine Erfolgsstory fortsetzen: „Der Gesundheitssektor ist unter Rendite-Risiko-Aspekten der attraktivste Sektor der vergangenen 25 Jahre.“ So erzielte beispielsweise der S&P 500 Healthcare-Index zwischen 1990 und 2014 eine deutlich bessere risikobereinigte Gesamtrendite (0,58 Sharpe Ratio) als der S&P-500-Index (0,44 Sharpe Ratio).

Vier Eckpfeiler tragen das langfristige Wachstum der Branche 

Der Fondsmanager nennt vier Eckpfeiler, die auch in Zukunft das Wachstum der Branche stützen werden: 

Erster Eckpfeiler ist die personalisierte Medizin, welche laut Eggmann die Behandlung von Patienten revolutionieren werde. Durch die Anfertigung von genetischen Profilen könne schon vor Behandlungsbeginn bewertet werden, welche Therapie für welchen Patienten geeignet ist. „Das große Potenzial für bessere Therapieresultate bei gleichzeitig tieferen Kosten treibt Produkt- und Dienstleistungsinnovationen“, ist der Fondsmanager überzeugt. 

Einen zweiten Eckpfeiler bildet die stärkere Unterstützung neuer Therapien durch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration). „Die immense Unterstützung der FDA bei der Entwicklung neuer Medikamente hat die Zuversicht der Anleger gesteigert und zur Neubewertung vieler Unternehmen geführt“, so Eggmann.

Dritter Eckpfeiler ist laut Eggmann die veränderte Marktdynamik: Zum einem hänge die Kostenerstattung für Behandlungen künftig vor allem vom Behandlungserfolg ab. Damit werde die Kosten-Nutzen-Analyse für Unternehmen aus dem Gesundheitssektor immer wichtiger, denn die Marktentwicklungen gehen weg von einer Dienstleistungspauschale hin zu einem performance-orientierten Vergütungsmodell. Zum anderen geht Eggmann davon aus, dass die privaten Gesundheitsausgaben ansteigen, denn viele Patienten möchten bei Gesundheitsfragen eigene Entscheidungen treffen. „Die Menschen nehmen eine immer aktivere Rolle ein. In Zukunft werden sich Patienten eher wie Konsumenten verhalten, mehr Geld für Gesundheitsleistungen ausgeben und zwischen verschiedenen Produkten und Dienstleistungen wählen können“, prognostiziert er. Auch der digitale Wandel spiele hier eine zunehmend wichtige Rolle. 

Der vierte Eckpfeiler ist das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen. Aus seiner Sicht gibt es zahlreiche attraktive Akquisitionsziele. Gerade für Unternehmen, die ihr künftiges Wachstum sichern möchten, sind Übernahmen von innovativen Anbietern interessant. Zusätzliches Momentum erhalte das M&A-Geschäft durch die Tatsache, dass derzeit viele Unternehmen im Gesundheitswesen ihre Geschäftsportfolios neu definieren, ihre Marktposition analysieren und vor diesem Hintergrund Fusionen und Übernahmen erwägen.

Krebs- und Gentherapie erzielen derzeit besonders große Fortschritte 

„Besonders große Fortschritte erzielt der Sektor derzeit in der Krebs- und Gentherapie“, meint der Fondsmanager. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Brust- und Hautkrebs liege bereits bei über 90 Prozent. Bei den vielen anderen Krebserkrankungen sei die Rate von 49 Prozent in den 70er Jahren auf über 70 Prozent gestiegen. „Die Produkt-Pipelines sind voll. Das neue Forschungsfeld der Immun-Onkologie könnte sogar gewisse Krebstypen zu chronischen Erkrankungen machen“, erklärt Eggmann. Dabei setze die Immun-Onkologie auf Medikamente, die das körpereigene Immunsystem gegen Krebszellen aktiviert. „Analysten schätzen das Umsatzpotenzial auf mehr als 40 Milliarden Dollar – alleine in den USA“, so der Fondsmanager. 

Auch bei der Gentherapie gebe es enorme Fortschritte: Mittlerweile sei es möglich, eine funktionierende Kopie eines schadhaften Gens in die Zellen des Patienten zu integrieren. Der Bedarf an Gentherapien sei besonders hoch, denn viele Krankheiten seien genetisch bedingt. Mit Gentherapien ließen sich Erbkrankheiten wie Multiple Sklerose, Hämophilie, oder Netzhaut-Erkrankungen, die zur Blindheit führen können, heilen.