GAM: Wie Sie als Anleger beruhigt einschlafen können

Von Carlo Benetti, Anlageexperte bei GAM. Angst ist ein schlechter Begleiter, so sagt man. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sie unbegründet ist. Wenn Menschen an der Börse investieren, gilt das Gleiche: Wer seinen Emotionen zum Opfer fällt, ist sich selbst der größte Feind. 

Häufig reagieren Anleger auf Phasen großer Börsengewinne mit Euphorie und Optimismus. In Baisse-Zeiten hingegen gewinnen Angst und Panik die Oberhand. Das Ergebnis ist ein katastrophales Portfolio: Anleger gehen an die Märkte, wenn die Börse fast ihren Höchststand erreicht hat, und tendieren dazu, sich von ihren Anlagen zu trennen, wenn die Märkte sich dem Tiefststand nähern.

Was sind die Schlussfolgerungen für Anleger, die solche und ähnliche psychologische Fallen vermeiden wollen? Hier die sieben wichtigsten Regeln:

  1. Nicht glauben, man hätte immer Recht.Selbstüberschätzung ist das Salz des Lebens, der Motor, der uns dazu antreibt, etwas zu wagen. Sie ist das Geheimnis großer Unternehmer und aller erfolgreichen Frauen und Männer. Wenn es jedoch um Anlagen geht, ist es besser, nicht zu übertreiben. Bei nichtprofessionellen Anlegern führt ein zu großes Vertrauen in die eigene Auswahl zu einer Risikokonzentration – eine Todsünde, wenn unser Ziel darin besteht, keine Panik aufkommen zu lassen.
  2. Nicht nach Bestätigungen für die eigenen Entscheidungen suchen. Wir verfügen über überaus wirksame Schutzsysteme unseres Selbstwertgefühls: Treffen wir eine Entscheidung und stoßen anschließend auf Informationen, die im Widerspruch dazu stehen, dann neigen wir dazu, diese zu ignorieren oder uns dumm zu fühlen. Und keiner möchte sich dumm fühlen. Sicherheit in den Märkten gibt es nicht. Die Suche nach Hinweisen, die unsere Vorstellungen bestätigen, führt dazu, dass wir die Wahrheit vernachlässigen. Noch schlimmer: Wir ignorieren Tatsachen, die unsere Überzeugungen in Abrede stellen. Deshalb gilt: Besser gesunde Zweifel als ungesunde Sicherheit.
  3. Nicht der Herde folgen. Der Mehrheit darf man nur manchmal hinterhertraben, am besten in den Ferien, wenn man sich bei der Auswahl des Restaurants unschlüssig ist. Nie jedoch darf man „der Herde folgen“, wenn es um Anlagen geht. Denn es kann gut sein, dass die „anderen“ bei ihrer Entscheidung auch nur das Verhalten „anderer“ nachgeahmt haben. Widerstehen Sie der Versuchung, sich in Sicherheit zu wiegen, nur weil „das alle so machen“.
  4. Nicht zu oft auf das eigene Portfolio schauen.Betrachten Sie Ihr Portfolio nur gelegentlich. Vermeiden Sie das krampfhafte Studieren von Finanznachrichten oder Marktbewegungen. Schlechte Nachrichten führen dazu, aus Angst zu verkaufen, gute Nachrichten dazu, aus Euphorie das Risiko zu erhöhen. In beiden Fällen geht das zu Ihren Lasten. Ein Portfolio braucht lange, um zu reifen. Die Portfolioverwaltung ist wie das Backen eines Kuchens: Wenn man den Ofen zu oft öffnet um nachzuschauen, wie weit der Kuchen gediehen ist, fällt er in sich selbst zusammen, und das Endergebnis enttäuscht.
  5. Keine Titel kaufen, nur weil deren Wert gestiegen ist. Diese Vorgehensweise ist wohl die schlechteste Anlagestrategie, die es gibt. Wertpapiere und Indizes legen aus vielerlei Gründen zu, nicht zuletzt deswegen, weil alle glauben, dass sie anziehen. Die Finanzmärkte sind ein ausgezeichnetes Ökosystem für sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Das ist die Dynamik von Spekulationsblasen. Kaufen Sie Wertpapiere nur dann, wenn deren Fundamentaldaten auf weitere Steigerungen hindeuten.
  6. Diversifizierung, Diversifizierung, Diversifizierung. Das ist die goldene Regel eines jeden Handbuchs zur Panikvermeidung. Wie Mark Twain einmal treffend sagte: „Es kann nicht immer regnen, und es kann nicht überall regnen“. Ein breit gefächertes Portfolio ist am besten aufgestellt, um in einem finanziellen Umfeld mit geringen Renditen und hoher Volatilität zu bestehen. Oder in den Worten des Ökonomen Paul Samuelson: „Geldanlage sollte sich anfühlen wie Farbe beim Trocknen zuzusehen oder das Gras beim Wachsen zu beobachten. Wenn Sie Aufregung möchten, sollten Sie 800 Dollar in die Hand nehmen und nach Las Vegas fliegen”.
  7. Einem Berater vertrauen. Die wissenschaftliche Literatur belegt, dass einem Berater anvertraute Portfolios mittelfristig bessere Ergebnisse erzielen als selbstverwaltete. Es ist einleuchtend, weshalb dies so sein sollte. Ein Berater kennt die Märkte meist besser – vor allem aber weiß er mit den Emotionen der Anleger umzugehen. Sein emotionaler Abstand gestattet es ihm, ausgewogenere Entscheidungen zu treffen. Das gilt sowohl für Zeiten, in denen Euphorie vorherrscht, als auch dann, wenn der Durchschnittsanleger unsicher wird und Gefahr läuft, die besten Kaufbedingungen zu verpassen.

GAM ist einer der Sponsoren des Zentrums für experimentelle Forschung in Management and Economics (CERME), Teil eines großen Kooperationsnetzes, einschließlich der Abteilung für Wirtschaft, Management und Philosophie der Universität Ca 'Foscari in Venedig. Die Partnerschaft zwischen GAM und CERME beabsichtigt ein besseres Verständnis von Behavioral Finance zu entwickeln und durch experimentelle Forschungsmethoden relevante Erkenntnisse in Wirtschafts- und Managementthemen zu erlangen. Das Zentrum befasst sich mit mehreren zentralen Forschungsbereichen der Verhaltens- und experimentellen Ökonomie.

Fünf Wünsche für das neue Jahr

Larry Hatheway, Chefökonom und Leiter Multi-Asset Portfolio Solutions bei GAM. Mit großer Vorfreude und voller Hoffnung blicken wir auf das neue Jahr. Auf unserem Wunschzettel, der den Schwerpunkt auf Wirtschaft und Finanzen legt, stehen Dinge, für deren Verwirklichung man etwas Vorstellungskraft und eine ordentliche Portion Glück braucht. 

1. Mehr Lohngerechtigkeit: In den letzten Jahrzehnten ist das Einkommensgefälle immer größer geworden, vor allem in den etablierten Volkswirtschaften. Könnte sich diese Tendenz 2016 umkehren? Bei einer Reihe von Faktoren, die für die klaffende Lücke zwischen den (Super-) Reichen und dem Rest verantwortlich sind, ist eine Wende unwahrscheinlich. Dennoch dürfte der Umstand, dass in den USA, Großbritannien, Deutschland und Japan wieder annähernd eine Vollbeschäftigung erreicht worden ist, steigende Löhne zur Folge haben. Schließlich hat die Vergangenheit gezeigt, dass ein knappes Arbeitskräfteangebot zu Lohnsteigerungen führt. In den oben erwähnten Staaten ziehen die Reallöhne bereits an. Investoren beklagen möglicherweise den damit verbundenen Druck auf die Unternehmensgewinne, vergessen dabei aber, dass mehr Kaufkraft die Gesamtnachfrage stärkt. Durch die höheren Ausgaben der privaten Haushalte steigen auch die Gewinne der Unternehmen. Wohlhabendere Verbraucher sind auch eine solidere Basis für die Wirtschaftserholung in den USA, in Europa und Japan. Kurzum, etwas mehr Gerechtigkeit würde allen zugutekommen.  

2. Ein bisschen mehr Euro, Yen und Renminbi: In den vergangenen 18 Monaten ist der US-Dollar gegenüber fast allen Währungen auf den höchsten Stand seit mehreren Jahrzehnten gestiegen. Aber eine anhaltende Dollaraufwertung liegt möglicherweise nicht im Interesse der ganzen Welt. Stattdessen sollten wir 2016 eher auf Stabilität an den globalen Devisenmärkten hoffen. Eine Währungsschwäche trägt zwar dazu bei, die Inflation anzukurbeln, die in vielen Ländern zu niedrig ist. Doch es ist ein Trugschluss zu glauben, dass sie die Exporte und das Wachstum fördert. Die chronisch schwache globale Nachfrage sorgt dafür, dass bei einer Währungsschwäche das Wachstum und die Gewinne eher umverteilt als gesteigert werden. Eine „Beggar-thy-neighbour“-Politik, mit der man sich auf Kosten des Nachbarn Vorteile zu verschaffen versucht, sollten wir uns weder für 2016 noch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt wünschen. Ein stärkerer Dollar könnte sogar den Boden für weitere Belastungen und Instabilität bereiten. Für Rohstoffproduzenten hat er zum Beispiel in der Regel niedrigere Preise und sinkende Erträge zur Folge. Eine weitere Dollaraufwertung könnte auch zu Bedenken hinsichtlich der finanziellen Stabilität führen. Dies wiederum könnte eine Ausweitung der Credit Spreads und potenzielle Liquiditätsengpässe auf den Unternehmens- und Staatsanleihenmärkten nach sich ziehen. Zudem könnte ein stärkerer Dollar auch eine protektionistische Reaktion in den USA auslösen.  

3. Mehr echte Ingenieurskunst: Es wäre schön, wenn sich CEOs und CFOs etwas mehr für echte technologische Neuerungen statt für neue finanztechnische Maßnahmen interessieren würden. Während richtige unternehmerische Initiativen ausbleiben, deuten Fusionen und Übernahmen aus steuerlichen Gründen, Aktienrückkäufe und selbst Dividendenerhöhungen darauf hin, dass nur ein geringes Maß an Vorstellungskraft, Initiative und Vertrauen auf eine bessere Zukunft vorhanden ist. Fortschritt wurzelt allerdings nicht in Finanzplänen. Geschichte wird von Personen geschrieben, die es wagen, in die Zukunft zu investieren. Hoffen wir also, dass die CEOs 2016 mehr Vertrauen in ihre Belegschaft und ihre Innovationsfähigkeit haben werden. Neue Technologien, vom Internet der Dinge bis zu Big Data, bieten für Wagemutige gute Renditechancen. Großprojekte erfordern einen hohen Einsatz von menschlichem und physischem Kapital, wenn wir für alle eine bessere Zukunft schaffen wollen. Infrastruktur, kohlenstoffarme Energie und Gesundheitswesen sind gerade einmal drei Bereiche, in denen Innovationen sowohl für den Einzelnen als auch für die Gemeinschaft Fortschritte mit sich bringen können. Es ist an der Zeit, dass dies in den Chefetagen ankommt und dort auf echten Wandel gesetzt wird. 

4. Konstruktiver Sozialismus: Vor einigen Jahren bat mich der Chairman eines großen europäischen Unternehmens um meine Meinung zu einem Treffen politischer Entscheidungsträger in den Alpen. Es sollte über den Bedarf an weiteren Investitionen in die öffentliche Infrastruktur diskutiert werden. Ich war von der Idee begeistert, nur ein Punkt missfiel mir. Ich schlug vor, jedem der Teilnehmer ein Paar Turnschuhe zu kaufen und mit ihnen einen Spaziergang von Shoreditch nach Paddington in der Londoner Innenstadt zu machen, statt vor einer prächtigen Bergkulisse Cognac zu schlürfen. So sollte jeder einen persönlichen Eindruck davon bekommen, wie Investitionen in die Infrastruktur – in diesem Fall in das Eisenbahnnetz Crossrail  – ganze Stadtviertel und Skylines buchstäblich transformieren können. Denken Sie nur einmal darüber nach, was ein Schienennetz zur Verbindung der fünf New Yorker Stadtteile und des nördlichen New Jersey mit den drei großen Flughäfen der Region für Vorteile bringen könnte. Oder wie ein modernisierter öffentlicher Nahverkehr in Ballungsräumen von Connecticut bis Kalkutta, von Peking bis Bangkok und von Lagos bis Los Angeles, dazu beitragen könnte, die Mobilität der Menschen zu erhöhen und gleichzeitig die Luftverschmutzung zu verringern. Vielleicht funktioniert der Kapitalismus einfach am besten, wenn man ein wenig konstruktiven Sozialismus beimischt. 

5. Gesunder Menschenverstand: Unser letzter Wunsch bezieht sich auf den gesunden Menschenverstand. Wenn Menschen sich als globale Gemeinschaft verstehen, sollte es möglich sein, dass  sie die weltweiten Herausforderungen gemeinsam und auf vernünftige Weise zusammen angehen. Der Welthandel ist ein Beispiel dafür. Wie schön wäre es, die festgefahrene Doha-Welthandelsrunde neu zu beleben – etwa mit dem Ziel, den Agrarhandel zu liberalisieren? Dies könnte eine nachhaltige Entwicklung in Teilen Afrikas, Lateinamerikas und Südasiens anstoßen, die bislang im Zuge der Entwicklung der Schwellenländer kaum Beachtung fanden. Es wäre auch die einzige große Hoffnung für nachhaltige Verbesserungen des realen Lebensstandards der Ärmsten unter uns. Aber unsere gemeinsamen Träume erstrecken sich auch auf konkrete Schritte zur Bekämpfung des Klimawandels. Aus Respekt vor unseren Kindern und Enkelkindern müssen wir an das Erbe denken, dass wir ihnen überlassen werden. CO2-Steuern und Handel mit Emissionsrechten sind ein sinnvolles Geschenk für das Gemeinwohl. Den gesunden Menschenverstand sollten wir auch 2016 nutzen.

Verlassen Sie sich nicht auf Punktprognosen

Kommentar von Dr. Harald Preißler, Chefvolkswirt und Leiter Anlagemanagement des Anleihemanagers BANTLEON.

Der Jahreswechsel steht bald vor der Tür – und es ist wieder Prognosezeit: »DAX 14.000«, »Dow Jones 20.000« und »Nikkei 22.400«, konnte man in den vergangenen Tagen in den Zeitungen lesen. Ja, auch wir haben in den vergangenen Wochen Marken für Anleihenrenditen und Aktienkurse formuliert. Allerdings haben diese Zahlen für unsere Arbeit als Asset Manager eine geringere Bedeutung als vielfach angenommen. Sie sind nur Ausdruck unserer fundamentalen Grundeinschätzung. Schließlich ist es für den künftigen Anlageerfolg nicht entscheidend, welche Performance Assetklassen erzielen könnten – zumal die meisten Kursziele am Jahresende ohnehin Makulatur sein werden. Viel wichtiger ist doch, in welchem Zeitraum Aktien, Anleihen & Co. überhaupt einen Ertrag ermöglichen.

Um das relativ zuverlässig einschätzen zu können, lohnt sich ein Blick auf die konjunkturelle Entwicklung, folgen ihr doch alle wichtigen liquiden Assetklassen, die sich in zwei Gruppen einteilen lassen: Auf der einen Seite stehen die Risikoanlagen, zu denen Aktien, Rohstoffe und Hochzinsanleihen gehören. Gemeinsam entwickeln sie sich immer dann gut, wenn die Wirtschaft wächst. Das Gegengewicht sind die »sicheren Häfen«, zu denen Top-Anleihen und auch Gold gehören, die ihre Stärke in wirtschaftlichen Schwächephasen und jeder Form von Krise zeigen. Deshalb ist für unsere Prognosen für das Jahr 2016 die Entwicklung der Konjunktur entscheidend.

Tatsächlich dürften Anleger 2016 mit beiden Gruppen Geld verdienen können – allerdings nicht zur gleichen Zeit. Warum? Weil wir im Jahresverlauf mit der nächsten Trendwende im Konjunkturzyklus rechnen müssen. Das zeigen zumindest unsere weit in die Zukunft reichenden Frühindikatoren an, die sich in den vergangenen Jahren als sehr zuverlässig erwiesen haben.

Im ersten Halbjahr spricht alles für Risikoassets: Die US-Konjunktur wächst nach wie vor solide und hat trotz der Zinswende der Fed positive Perspektiven. Auch die Wirtschaft der Eurozone zeigt sich erstaunlich robust. Und selbst in China mehren sich nach erfreulichen Signalen diverser Frühindikatoren die Anzeichen für einen zaghaften Aufschwung.

Entsprechend ist der Ausblick für die Aktienmärkte in den nächsten Monaten gut. In der Eurozone gilt dies sogar noch mehr als in den USA, weil die Bewertungen diesseits des Atlantiks großen Nachholbedarf haben. Konkret bedeutet dies neue Höchststände. Der DAX beispielsweise sollte im nächsten Jahr Richtung 13.000 Punkte marschieren und der Eurostoxx50 die 4.000er-Marke testen, während der Schweizer Index SMI über 11.000 Punkte steigen dürfte.

Wen bei diesen Prognosen im Hinblick auf die Bewertungen die Höhenangst erfasst, der sollte in den Rückspiegel schauen: In den vergangenen Jahren hat sich immer wieder gezeigt, dass Aktien trotz hoher Bewertungen noch teurer werden können, wenn die wirtschaftliche Dynamik zunimmt – so wie wir das für das 1. Halbjahr 2016 erwarten.

An den Anleihenmärkten müssten die Aussichten im 1. Halbjahr eigentlich klar negativ sein. Denn die stärker wachsende Wirtschaft sowie die moderat anziehende Inflation entziehen der Bond-Rallye das Fundament. Hinzu kommen Notverkäufe ausländischer Staatsfonds, die in zunehmendem Maß ihre EUR-Anleihen liquidieren, um stützend an den Devisenmärkten intervenieren zu können. Dass es mit dem Zinsanstieg trotzdem nicht so einfach ist, liegt an den großvolumigen Anleihenkäufen der EZB, die den erstgenannten Faktoren wuchtig entgegenwirken. 

Unter dem Strich ist deshalb davon auszugehen, dass die Renditen deutscher Bundesanleihen in den nächsten Monaten zwischen 0,40 und 0,80% gefangen bleiben. Besser sieht es bei europäischen Peripherie-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen aus. Dort sollte sich die anziehende Konjunktur positiv auswirken und deutliche Kursgewinne nach sich ziehen.

Viel Zeit bleibt Anlegern aber nicht, um von diesen positiven Entwicklungen zu profitieren. Schon um die Jahresmitte 2016 dürfte die Konjunktur sich weltweit wieder abschwächen. Die Folge wären im 2. Halbjahr einerseits deutliche Kursrückgänge bei Aktien, die durchaus 25 bis 30% betragen können. Andererseits ist dann bei Bundesanleihen und anderen Top-Staatsanleihen mit Kursgewinnen zu rechnen. Anleger sind also gut beraten, sich nicht allein auf noch so schön klingende Punktprognosen für Anleihenrenditen und Aktienkurse zu verlassen. Stattdessen sollten sie in den nächsten Monaten vor allem die Entwicklung der Konjunkturbarometer – wie das Ifo-Geschäftsklima oder den Einkaufsmanagerindex – genau im Blick behalten. Wer dann zur richtigen Zeit in die passende Assetklasse investiert, dürfte bis zum Jahresende auch einen attraktiven Ertrag erzielt haben.

BMO Global Asset Management: 2015 im Rückblick

2015 geht als dramatisches Jahr voller Turbulenzen in die Finanzmarktgeschichte ein. Spannend war es allemal, nur zufriedenstellende Erträge waren eher selten. So die Einschätzung von Steven Bell, Chefvolkswirt von BMO Global Asset Management.

Aktien erzielten 2015 die höchsten Erträge und landeten damit auf den Plätzen 1 bis 15 unseres Anlageklassen-Rankings. Grund hierfür war teilweise die aktientypische Volatilität, die im Übrigen aber auch dafür sorgte, dass sich nicht wenige Vertreter der Anlageklasse in der schlechtesten unserer Kategorien wiederfanden. Und natürlich hat auch die schwache Wertentwicklung aller anderen Anlageklassen Anteil an diesem Ergebnis.

Wer dieses Jahr vernünftige Anlageergebnisse erzielen wollte, musste vor allem die vielen Stolpersteine umgehen und im richtigen Moment zugreifen. Besonders problematisch erwiesen sich Rohstoffe und die Schwellenländer, und im Doppelpack wurden sie zum Garant für miserable Ergebnisse: in US-Dollar ist der brasilianische BOVESPA dieses Jahr bisher um 38% abgesackt, und der südafrikanische All Share-Index hat 27% verloren, obwohl Präsident Zuma bei der Ernennung eines neuen Finanzministers eine komplette Kehrtwende hingelegt hat. 

Stolperstein Hochzinsanleihen

Angesichts der überdurchschnittlichen Aktienmarktentwicklung und sehr niedrigen Anleihenrenditen hätten Kreditpapiere das Instrument der Wahl sein sollen. Das Angebot war auch hoch, aber ganz allmählich befürchteten die Anleger Liquiditätsprobleme, und so blieben Kreditpapiere zurück und die Spreads stiegen. Dieser Prozess verlief relativ geordnet, bis der US-Hochzinsmarkt vor einigen Tagen vom Zusammenbruch zweier Publikumsfonds erschüttert wurde. Dies weckte Erinnerungen an die Aussetzung von zwei Subprime-Fonds, die im Jahr 2007 ein ganzes Jahr vor dem Lehman-Debakel zu Schwierigkeiten bei Bear Stearns und BNP Paribas führten. Ohne unserer Prognose für 2016 vorgreifen zu wollen, die wir Anfang des neuen Jahres veröffentlichen: Wir glauben nicht, dass sich die Geschichte wiederholt. Tatsächlich ist der Markt in gewisser Hinsicht durch seine kurze Duration und die hohen Renditen geschützt. Das zeigt auch die Wertentwicklung, denn bis heute hat der Markt in den USA 3% und in Europa 0,3% eingebüßt.

Ursprüngliche Verursacher dieser Probleme sind die Kurseinbrüche bei Öl und anderen Rohstoffen, die zum Teil angebotsseitigen Entwicklungen geschuldet sind: einer verzögerten Reaktion auf die noch vor wenigen Jahren sehr hohen Preise und, im Falle des Schieferöls, neuen Technologien. Daneben spielte auch die gesunkene Nachfrage aus China eine Rolle, dessen Wirtschaft sich nach einem Boom des rohstoffintensiven Industrie- und Rohstoffsektors stärker in Richtung Dienstleistungen orientiert. Vielfach steigt die Rohstoffnachfrage, und die Preise liegen deutlich unter den operativen Kosten. Allerdings ist noch nicht ausgemacht, wo die Preise einen neuen Boden bilden.

Und die Lichtblicke?

Zu ihnen zählten zum Beispiel die europäischen Randstaaten: besseres Wachstum und die energische Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) führten zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen. Der italienische FTSE MIB-Index hat 2015 bisher um respektable 13% zugelegt, und mit 30-jährigen italienischen Anleihen ließen sich 18% verdienen. Wie lohnend die Erfüllung der harten an die Rettungsgelder geknüpften Bedingungen war, zeigt der Vergleich zwischen portugiesischen und griechischen Aktien: erstere rentierten +12%, letztere -29%.

Auch Technologieinvestments waren einträglich. Die gute Wertentwicklung der sogenannten FANGs (Facebook, Amazon, Netflix und die früher als Google bekannte Aktie) ist gut dokumentiert, aber selbst der europäische Technologiesektor schlug sich wacker. Der deutsche und der britische Technologieindex stiegen um 29% bzw. 13%. 

Zentralbanken weiterhin marktbestimmend 

Wie immer übten die Zentralbanken starken Einfluss auf die Finanzmärkte aus. Anfang des Jahres versprach die EZB unter Präsident Mario Draghi viel und legte dann mit ihrer Version der quantitativen Lockerung noch eine Schippe drauf. Zum Jahresende senkte sie ihren ohnehin schon negativen Einlagenzins weiter und weitete die quantitative Lockerung aus. Das könnte hochfliegende Markterwartungen enttäuscht haben, aber ein Drittel aller Euroraum-Staatsanleihen rentieren jetzt im Minus. Die Märkte widmen sich derweil der Frage, ob fünf restriktiver argumentierende EZB-Mitglieder − zwei Deutsche sowie die Zentralbankchefs der Niederlande, Estland und Litauens − ein wirksames Gegengewicht zum „Extremlockerer“ Draghi bilden. Falls ja, werden weitere EZB-Lockerungen schwieriger. Aber vielleicht sind sie auch gar nicht nötig, denn die Kreditvergabebedingungen haben sich verbessert, und sowohl das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als auch die Industrieproduktion wachsen im gesamten Euroraum und ganz besonders stark in Italien und Spanien.

Auch die Geldpolitik in den USA sorgte 2015 lange für Gesprächsstoff. Wann, so die Frage, würde der Offenmarktausschuss (FOMC) endlich die Zinsen anheben? Letztendlich war es erst anlässlich des letzten Treffens des Jahres so weit. Noch nie wurde ein Zinsanstieg um 0,25 % so sehnsüchtig erwartet. Das Rätselraten geht derweil munter weiter, denn jetzt fragen sich die Fed-Beobachter, wie schnell und bis auf welches Niveau die Zinsen weiter angehoben werden. Die Befürworter einer restriktiveren Linie stellen die niedrige Arbeitslosigkeit und erste Anzeichen von Inflationsdruck bei Mieten, Löhnen, Gesundheitskosten und Basiseffekten heraus. Die Krise, die den FOMC zu Zinssenkungen auf nahe Null gezwungen hat, ist ihrer Einschätzung nach vorüber, und nun wird es Zeit, die Zinsen wieder auf normalere Niveaus anzuheben. Umgekehrt argumentieren die Befürworter einer expansiven Politik, dass der Inflationsdruck eher herbeigeredet als real ist und die Dollarstärke und die steigenden Spreads bereits für eine Verschärfung der Bedingungen gesorgt haben. Sie verweisen auf die lange Liste jener, die wie etwa die EZB und die Zentralbanken von Australien, Kanada und Schweden in den letzten Jahren die Zinsen angehoben haben und dann zurückrudern mussten. 

Volatilitätsfaktor Politik 

Auch die Politik beeinflusste die Märkte erheblich. Dass Argentinien und Venezuela ganz oben auf unserer Liste der besten Aktienmärkte stehen, verdanken sie ihren neuen Regierungen. Aber im Vergleich mit politischen Prognosen sind Konjunkturprognosen beinahe ein Kinderspiel, und wir bezweifeln, ob irgendjemand die Zickzackkurse des griechischen Premierministers oder gerade kürzlich Jacob Zumas vorhersagen konnte. So mancher hat im Übrigen auch schon wieder vergessen, dass Griechenland im ersten Halbjahr 2015 die längste Zeit das Topthema an den globalen Märkten war und mit mehr als einem Fuß außerhalb des Euroraums stand. Am wichtigsten ist vielleicht die Erkenntnis, dass Europa die Feuertaufe bestanden hat. 

Die politische Unsicherheit bleibt uns auch 2016 erhalten – womöglich sogar in verschärfter Form. Denn Großbritannien stimmt vermutlich über den EU-Austritt ab, und in Deutschland, Japan sowie natürlich den USA stehen nationale Wahlen an. Wie es hier weitergeht, prognostizieren wir übrigens lieber anhand der Wettquoten als anhand der Umfragewerte, denn erstere kommen der Realität meist näher. Damit bestünde eine 40%-Wahrscheinlichkeit, dass die Briten die EU verlassen, und Donald Trump hat eine 12,5%-Chance, der nächste US-Präsident zu werden. 

Nun aber wünschen wir Ihnen und Ihrer Familie erst einmal erholsame Festtage. Genießen Sie den Frieden und die Ruhe, solange die Märkte geschlossen sind. Denn auch 2016 wird vermutlich wieder volatil und dürfte uns einiges abverlangen.

Lesen Sie im Folgenden den vollständigen Rückblick auf das Jahr 2015 von Steven Bell. Den englischen Original-Text sowie ergänzende Grafiken finden Sie im links beigefügten PDF.

Über BMO Global Asset Management

BMO Global Asset Management ist ein globaler Investmentmanager, der Kunden auf fünf Kontinenten über 27 Niederlassungen in 14 Ländern einen herausragenden Service bietet. Einschließlich der in Portfolios mit und ohne Verwaltungsmandat betreuten Anlagen verwaltete BMO Global Asset Management per 31. Juli 2015 ein Vermögen von über 244 Milliarden US-Dollar.

Die Organisation stützt sich auf vier multidisziplinäre Teams an den Firmensitzen in Toronto, Chicago/Milwaukee, London und Hongkong. Diese werden durch ein Netzwerk von Boutique-Managern von Weltformat an strategischen Standorten in aller Welt ergänzt. Hierzu zählen unter anderem BMO Real Estate Partners, LGM Investments, Monegy Inc., Pyrford International Ltd. und Taplin, Canida & Habacht, LLC. Mit Aktivitäten in ganz Nordamerika und Europa sowie in Abu Dhabi, Mumbai, Peking, Schanghai, Hongkong, Melbourne und Sydney wurde BMO Global Asset Management von Pension & Investments als einer der 100 größten Vermögensverwalter der Welt anerkannt. Diese Beurteilung stützt sich auf das insgesamt verwaltete Vermögen per 31. Dezember 2014. Das Unternehmen ist Unterzeichner der von den Vereinten Nationen unterstützten Initiative Principles for Responsible Investment (UNPRI, Grundsätze für verantwortungsbewusste Investments).

BMO Global Asset Management ist ein Teil der BMO Financial Group (NYSE: BMO), einer breit diversifizierten Finanzdienstleistungsorganisation mit einer Bilanzsumme von 672 Milliarden Kanadischen Dollar per 31. Juli 2015 und über 47.000 Mitarbeitern.

Wandelanleihen mit Investment Grade profitieren am Markt

Etliche große Unternehmen haben die letzten Wochen des laufenden Jahres genutzt, um nennenswerte Wandelanleiheemissionen am Markt zu platzieren. Dabei waren insbesondere Unternehmen aktiv, die über eine Investment-Grade-Kreditqualität verfügen. Dennoch ist insgesamt die Investment-Grade-Anlagequalität im Wandelanleihemarkt eher unterrepräsentiert. Genau von dieser Entwicklung profitieren derzeit Unternehmen, die ein Investment Grade mitbringen, um ihre Wandelanleiheemissionen am Markt zu positionieren.

Im Allgemeinen ist der Wandelanleihemarkt zu großen Teilen nicht von einer der großen Rating- Gesellschaften bewertet“, erklärt Gerrit Bahlo, Credit Analyst Man Convertibles. „Stattdessen kommen viele Emissionen von mittelgroßen Unternehmen, die entweder kein Rating haben, oder die nicht extra für die Wandelanleihe ein weiteres Rating beantragen wollen. Zwar verfügen viele dieser Unternehmen häufig über Kreditprofile, die im Übergangsbereich zu Investment Grade angesiedelt werden können, die Folge ist jedoch, dass die Investment-Grade-Anlagequalität im Wandelanleihenmarkt eher untervertreten ist. Dies wiederum ermöglicht Unternehmen mit einem starken Investment Grade Rating häufig Wandelanleihen, mit für sie vorteilhaften Konditionen, auszugeben. Wandelanleihen mit Investment Grade erfreuen sich auch oft am Sekundärmarkt großer Nachfrage und werden teilweise mit stolzen Bewertungen gehandelt. Dank einem Emissionsvolumen in Höhe von mehreren Milliarden Schweizer Franken durch europäische Unternehmen, wie Vodafone, Total oder IAG, aber auch Unternehmen aus Asien, wie Baosteel, sind diese Wandelanleihen jüngst wieder attraktiver geworden.“

Wer hat Angst vor russischen Aktien?

Eine Investition in russische Aktien war noch nie etwas für schwache Nerven. Diese Ansicht vertritt Erdinç Benli, Co-Leiter des Teams für globale Schwellenländeraktien bei GAM. „Die meisten Investoren ergriffen zuletzt im vergangenen Jahr die Flucht und verkauften ihre russischen Aktien noch vor dem Jahresende 2014 – mitunter zu jedem Preis“, so Benli. Nach der Rubelabwertung und den starken Abverkäufen fiel der russische Markt auf US-Dollar-Basis vor gut einem Jahr auf einen historischen Tiefstand. Der Ukrainekonflikt und die damit einhergehenden Sanktionen des Westens gegen Russland, der niedrige Ölpreis und die Angst vor Kapitalkontrollen hätten zu dieser Entwicklung geführt. Um den drastisch sinkenden Rubel-Kurs zu stützen, erhöhte die russische Zentralbank die Zinsen, wodurch das Kreditwachstum und die Konjunktur gebremst wurden. 

Russische Aktien bieten attraktive Aussichten für 2016

„Jedoch verpassten all jene Anleger, die ihre russischen Aktien vor einem Jahr verkauften, eine der größten Rallys der wichtigsten Aktienmärkte in diesem Jahr“, sagt der GAM-Experte. Wie der jüngste Rückgang der Ölpreise nach der letzten OPEC-Sitzung verdeutlichte, bestehen nach wie vor Risiken, die nach Benli auch ernst genommen werden sollten. Der Öl- und Gassektor hat am russischen Aktienmarkt ein Gewicht von rund 60 Prozent und liefert knapp die Hälfte der Staatseinnahmen. Zudem befindet sich die russische Wirtschaft in einer Rezession und wird 2015 voraussichtlich um 3,8 Prozent schrumpfen. Dennoch ist Benli überzeugt: „Allen Investoren mit starken Nerven, die wirtschaftliche Risiken und politische Unsicherheiten verkraften, bieten russische Aktien 2016 attraktive Chancen.“ Denn die Zentralbank wird ihren Leitzins Prognosen zufolge von derzeit elf Prozent im Verlauf des nächsten Jahres um mehr als 300 Basispunkte senken. Diese Maßnahme dürfte die beginnende Konjunkturerholung stützen und auf Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes und Auftragseingänge im Fertigungssektor hindeuten. „Die Umsätze im Einzelhandel sind weiterhin sehr schwach und leiden unter den geringeren Reallöhnen, doch die Inflation scheint im März 2015 einen Höchststand erreicht zu haben und dürfte weiter sinken“, so Benli.

Finanzunternehmen profitieren besonders

Die sinkenden Zinsen und die wirtschaftliche Erholung könnten vor allem Finanzunternehmen zugutekommen, darunter Sberbank, Russlands größtes Kreditinstitut. Auch der Blick auf einige Öl- und Gasunternehmen lohnt sich laut Benli. Ein Beispiel: Surgutneftegas und Bashneft schnitten in diesem Jahr sogar besser ab als europäische Aktien – trotz der sinkenden Ölpreise. Als exportorientierte Unternehmen verbuchen sie den Großteil ihrer Kosten in Rubel, während ihre Umsätze in Dollar anfallen, sodass sie von der Rubel-Schwäche profitieren. Dank ihrer soliden Bilanzen bieten diese Unternehmen zudem eine attraktive Dividendenrendite von sieben bis zehn Prozent. 

Auch Düngemittelhersteller wie PhosAgro oder Akron verzeichnen ein zweistelliges Gewinnwachstum und weisen eine Dividendenrendite von sechs bis sieben auf. Ein noch höheres Gewinnwachstum von 35 Prozent bei attraktiven Bewertungen lässt sich im Lebensmitteleinzelhandel ausmachen. In der gesamten Volkswirtschaft haben sich die Unternehmen in diesem Jahr auf die operative Effizienz konzentriert, um ihre Margen und Erträge zu steigern. Wenn die Konjunktur sich in den nächsten sechs bis zwölf Monaten erholt und die Umsätze anziehen, sollte sich der höhere Operating Leverage unmittelbar auf die Gewinne auswirken und auch die Aktienkurse stützen. 

Gegenwärtig sind Erwartungen für russische Aktien größtenteils sehr niedrig. Die meisten Investoren warten nach wie vor auf eine breite Markterholung. Ein möglicher Auslöser hierfür wäre die Aufhebung der Sanktionen durch die USA und die EU. Sollten die Ölpreise im Jahr 2016 in Richtung der Konsensschätzung von 56 US-Dollar steigen, würden sich die Kurse russischer Aktien kräftig erholen und könnten sogar die meisten anderen Schwellenmärkte übertreffen. Bis diese Entwicklung einsetzt, können sich mutige Anleger mit den derzeit niedrigen Bewertungen trösten: Selbst auf sektorbereinigter Basis werden russische Aktien mit einem Abschlag von rund 20 Prozent gegenüber anderen Schwellenmärkten gehandelt, und das bei einem erwarteten Gewinnwachstum von 7 Prozent im Jahr 2016 und einer Dividendenrendite von über 5 Prozent. 2016 könnte also durchaus ein weiteres gutes Jahr werden.

Stabiles Wachstum und geringes Inflationsrisiko – Gute Aussichten für 2016

Das kommende Jahr wird sich im Vergleich zu 2015 durch eine solidere und robustere globale Wirtschaftslage auszeichnen, die risikoreiche Anlagen wieder attraktiver macht. Für die positiven wirtschaftlichen Entwicklungen im Jahr 2016 sehen die Experten von Unigestion vor allem drei Gründe:

  1. Nachdem der US-Dollar über die letzten 15 Monate um 20 Prozent aufgewertet wurde, kommt dieser Wachstumsschub nun zu einem Ende, was wiederum zu einer Stabilisierung der Schwellenländer führen sollte.
  2. Die Industrienationen setzen ihren beständigen Wachstumspfad fort und können als von der Binnennachfrage abhängige Länder weiterhin von dem allgemein niedrigen Preisniveau profitieren.
  3. Auch die Inflationsrate wird sich stabilisieren, denn ein weiterer Einbruch des Ölpreises um 60 Prozent ist unwahrscheinlich, da er damit unter 20 US-Dollar fallen würde. Selbst bei geringfügigen Preiseinbrüchen ist die für die Investmentbranche so bedeutende Stabilität der Inflation nicht gefährdet.

Florian Ielpo, Head of Macroeconomic Research im Cross Asset Solutions Team bei Unigestion, prognostiziert in seinem Report volkswirtschaftliche Chancen im kommenden Jahr und erklärt, welche potenziellen Makrorisiken auch 2016 bestehen bleiben und welche Anlageformen Unigestion in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage empfiehlt. Ein PDF des vollständigen Reports finden Sie im links.

Die Macht erwacht (zumindest graduell)

Jetzt ist es endlich soweit: Nach einer gefühlten Ewigkeit ist der neue Star Wars-Film in den Kinos. Ach so, und die US-Zentralbank (Fed) hat die Zinsen um 0,25 Prozent angehoben. Im Folgenden kommentiert Steven Bell, Chefvolkswirt bei BMO Global Asset Management (EMEA), den gestrigen Zins-Entscheid der US-Notenbank Fed.

Sicher waren die Notenbankchefin Janet Yellen und der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) hocherfreut über die Marktreaktion – ruhig, maßvoll und mit einer moderaten, aber deutlichen Rallye bei Risikopapieren. Während der Schritt selbst niemanden überrascht hat, wurden die Details akribisch auf Hinweise über die künftigen Absichten des FOMC durchleuchtet. Sowohl in der FOMC-Verlautbarung als auch während der Pressekonferenz von Frau Yellen war immer wieder von „graduellen“ Schritten die Rede. Die Notenbankchefin betonte auch, dass die Geldpolitik auch jetzt noch stark expansiv bleibe. Insgesamt haben wir aber doch den Eindruck gewonnen, dass die Fed deutlich straffungswilliger ist und die US-Geldpolitik für die Märkte im neuen Jahr mehr als eine unliebsame Überraschung bereithalten könnte. 

Drei Aspekte der gestrigen Ankündigung sprechen für diese Interpretation: Zunächst die klare Linie des Gremiums: die Zinserhöhung wurde einstimmig beschlossen. Zum anderen bleiben die Fed-Konjunkturprognosen, die auch eine Zinsprognose enthalten, praktisch unverändert. Der FOMC geht weiterhin davon aus, dass die Zinsen im Jahr 2016 vier Mal angehoben werden – der Markt berücksichtigt nur zwei Zinsschritte. Zum dritten äußerte sich die Fed zuversichtlich zur Konjunkturentwicklung. So wies sie auf das Gleichgewicht zwischen positiven und negativen Wachstumsrisiken hin, während sie zuvor tendenziell die Abwärtsrisiken betonte. Angesichts der Sorgen um China, den Ölpreis und den High-Yield-Markt hätte so mancher mit einer vorsichtigeren Aussage gerechnet.

Offenbar geht der FOMC davon aus, dass die US-Wirtschaft auch künftig einigermaßen stabil wächst und die Beschäftigungszahlen steigen. Zweifelhaft ist für die Fed vor allem, ob die Inflation wie erwartet und prognostiziert anzieht. Dazu wäre von unserer Seite nur hinzuzufügen, dass die Kern-Verbraucherpreise bereits um 2 Prozent zugelegt haben und die Gesamtinflation wegen der Basiseffekte Anfang nächsten Jahres deutlich steigen dürfte. Legt die Kerninflation weiter zu und macht sich dies im Deflator der Verbraucherausgaben bemerkbar, dem der FOMC besondere Bedeutung beimisst, dann müssen die Märkte ihre bisher gemäßigten Zinserwartungen überdenken.

Was bedeutet das für die Märkte? BMO Global Asset Management (EMEA) hält in den meisten Multi-Asset-Portfolios seit einiger Zeit mehr Risiken. Angesichts der Rallye haben wir dieses Engagement insgesamt aber zurückgefahren, zumal jetzt, wie häufig um diese Jahreszeit, eine „Weihnachts-Rallye“ einsetzen könnte. 2016 wird es dann schwieriger. Wenn wir recht haben und der FOMC die Zinsen schneller anhebt als der Markt aktuell erwartet, dürfte der Dollar wieder anziehen und es käme zu Verkäufen an den Anleihenmärkten und bei Risikopapieren. Andererseits verfolgen die Zentralbanken in Europa und Japan einen anderen Kurs als die USA und lockern die Geldpolitik weiter. Davon sollten Risikopapiere sowohl absolut als auch relativ profitieren.

Ein kleiner Schritt für die Fed – ein großer Schritt für die Finanzmärkte

„Es mag noch zu früh sein, zu sagen, dass die Ära der Rettung der Finanzmärkte durch die Zentralbanken vorüber ist. Schließlich weiten die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan ihre Bilanzen weiter aus. Aber wir könnten auf dem Weg zu einer Situation sein, in der die Märkte wieder den Preis des Kapitals bestimmen.“ sagt Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat den Leitzins um 25 Basispunkte erhöht. Dies ist erst der Anfang, argumentiert Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers. „Die Ökonomen werden sich gegenseitig mit Prognosen zur Zahl und zum Timing der kommenden Zinsschritte überbieten, aber die wichtigste Botschaft ist, dass die Ära der Nullzinsen in den USA endet“, erläutert der Experte. „Es mag noch zu früh sein, zu sagen, dass die Ära der Rettung der Finanzmärkte durch die Zentralbanken vorüber ist. Schließlich weiten die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan ihre Bilanzen weiter aus. Aber wir könnten auf dem Weg zu einer Situation sein, in der die Märkte wieder den Preis des Kapitals bestimmen.“ Die Anpassung werde allerdings langsam vor sich gehen und starte auf einem sehr niedrigen Renditeniveau. „Das bedeutet nichts Gutes für Anleihe-Investoren, die sich auf ein weiteres Jahr mit mageren Erträgen einstellen können“, so Iggo weiter.

Immerhin aber seien die Märkte gut auf den Zinsschritt der Fed vorbereitet gewesen. „Es war ein bisschen so, als würde man Ihnen Monate im Voraus erzählen, dass Sie sich wegen einer Wurzelbehandlung zum Zahnarzt begeben müssen – und dann bekommen Sie doch nur Zahnseide“, sagt Iggo. Möglicherweise lasse sich die jüngste Schwäche auf den Rohstoff- und High-Yield-Märkten mit einer gewissen Angst im Vorfeld der Fed-Sitzung erklären. Daher könne es nun zu einer Erleichterungsrally kommen.

Mit dem Ende der Nullzinspolitik beginne nun der Zyklus der geldpolitischen Straffung. Dieser dürfte sich Iggos Ansicht zufolge lange hinziehen. In der Vergangenheit hätten Zinsanhebungszyklen im Durchschnitt zu Leitzinserhöhungen um 350 Basispunkte geführt. Iggo rechnet allerdings für den aktuellen Zyklus nicht mit einem derart starken Anstieg: „An den Märkten sind gerade einmal zwei Zinsschritte für das Jahr 2016 eingepreist – und das, obwohl der Ausblick der Fed selbst eher nahe legt, dass es vier Zinserhöhungen geben könnte.“ Den Grund für diesen Versuch der Fed, die Märkte auf ein höheres Straffungstempo vorzubereiten, sieht Iggo in der relativ robusten Lage der Konjunktur. Die Arbeitslosigkeit liege inzwischen deutlich unter der natürlichen Arbeitslosenquote, die Inflation steige und das Bruttoinlandsprodukt wachse im Mittel um etwa 2,5 Prozent. „Dieses Wachstumstempo dürfte hoch genug sein, um mehr Nachfrage nach Arbeitskräften zu wecken. An irgendeinem Punkt wird dies zu einer höheren Lohninflation und höheren Inflationserwartungen führen“, erklärt Iggo. „Wenn die Akteure am Anleihemarkt sich auf eine solche Entwicklung einstellen, wären Renditen von mehr als 3 Prozent bei US-Staatsanleihen keine Überraschung mehr.“

The market is behind the FOMC curve

In a highly telegraphed move, the FOMC has increased rates for the first time in nine years by 0.25%. Over the past 5 tightening cycles, the Fed hiked rates 7 times in the first 12 months.

Investors appear to fear a ‘1994’ type scenario when the Fed’s tighter policy triggered a bond market collapse. We expect that a bond market collapse is unlikely: the Fed’s inflation fighting credibility has increased as inflation expectations have come down over the past 40 years, resulting in a lower starting point for the current rate tightening cycle. While the Fed may be able to raise rates more gradually given its better credibility, its rhetoric must be clear: with the US economy moving towards full employment, inflation expectations must be contained.

Pipeline inflation pressure should be the Fed’s focus. If the Fed is too slow in raising rates in 2016, inflation expectations will begin to gain momentum and the only cure will be a more aggressive rate profile. Global inflation expectations are rising and there is evidence of inflationary pressure in the system. Core and trimmed inflationary readings are around 1.7-2.0%, suggesting underlying price trends are not as benign as the headline indicates. Wage growth is already near 2.5%, which is likely to strengthen as the US jobs market tightens.

Joining the dots
The Fed’s new economic projections indicate that the median expectation is for four rate increases in 2016. If such policy prevails, the market will remain behind the curve. 

Implications for the US Dollar
Currently the market is pricing two further rate rises for 2016. Recent weakness is expected to turn into strength for the USD in the near–term, but a peak is in sight. We expect the USD to strengthen, but at a slower pace in Q1 2016 as inflationary pressure sees real interest rate differentials narrow. We expect the turning point for the USD will occur when market pricing catches up to the Fed projections of rate hikes in 2016. After Q1, rising inflationary pressure alongside a flattening US yield curve will see the USD decline as growth in real yield differentials turns negative.

GAM Ausblick 2016 – Die wichtigsten politischen Risiken im Jahr 2016

Krisen sind in unserer Welt Alltag. In der Regel sind wir stets mit mehreren Krisen und Risiken konfrontiert, die das Potenzial haben, die Welt auf Jahre hinaus zu prägen. Geopolitische Risiken lassen sich naturgemäß schwer vorhersagen. Dennoch haben die Investmentexperten bei GAM einige Schlüsselthemen identifiziert, die sie 2016 im Auge behalten werden. 

Brexit – Larry Hatheway, Group Head of Multi-Asset Portfolio Solutions und Chefökonom der Gruppe 
„Es bleibt unwahrscheinlich, dass das Referendum in Großbritannien in einem Ausscheiden des Landes aus der EU resultiert. Dennoch stellen die Unsicherheit über das Ergebnis und dessen Folgen für die Wertpapierkurse ein Risiko für die Finanzmärkte dar. Eine Parallele dazu bildet das Schottland-Referendum. Die Marktauswirkungen könnten auch eine gewisse Schwäche des britischen Pfunds und der Finanzwerte beinhalten.“

Fehlendes Wachstum in Europa – Oliver Maslowski, Portfoliomanager, europäische Aktien
„Die Wachstumskrise, unter der Europa leidet, ist immer noch ungelöst und könnte durch die Migrationskrise noch verschärft werden. Hinzu kommt, dass die Schuldenkrise in der Eurozone noch lange nicht gelöst ist. Dessen müssen sich die Anleger bewusst sein. Das Haushaltsdefizit vieler Länder verstößt immer noch gegen die Maastricht-Kriterien. Das gilt etwa für Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. Dank der expansiven Geldpolitik werden die Schulden immer höher, während das BIP-Wachstum schwach bleibt. Im Augenblick verhindern nur die äußerst niedrigen Zinsen, dass die Kredite vieler dieser Länder notleidend werden. Durch die Migrationskrise werden die Schulden in der EU weiter steigen, während der erhoffte Beitrag der Migration zum Wirtschaftswachstum abzuwarten bleibt.“

Ölpreis und Naher Osten – Paul McNamara, Investment Director, Strategien für Schwellenländeranleihen 
„Meiner Ansicht nach bilden die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises im Nahen Osten das größte Risiko weltweit. Die Belastung macht sich bereits bemerkbar, und wenn der Preis niedrig bleibt, könnte dies durchaus zu Instabilität führen. In Saudi-Arabien beträgt das Haushaltsdefizit derzeit etwa 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), und die Regierung hat ein aggressives Programm zur Aufnahme von Schulden angekündigt. Allerdings verfügt Saudi-Arabien, wie die meisten Länder in der Region, dank seines Staatsfonds über bedeutende Reserven für schlechte Zeiten. Im Iran ist die Situation weniger transparent, aber die Rendite von 26 Prozent für Inlandsanleihen deutet darauf hin, dass hier ebenfalls Probleme bestehen. Wir heben diese beiden Länder hervor, da sie zusammen knapp 20 Prozent der globalen Ölproduktion hervorbringen.“

Höhere Löhne und niedrigere Margen – John Lambert, Investment Manager, globale und britische Aktienstrategien
„Die Einkommensungleichheit ist schon seit einiger Zeit ein wichtiges Thema, insbesondere in westlichen Ländern. Der Anteil der Besserverdienenden am Gesamteinkommen in der US-Gesellschaft bewegt sich auf Niveaus, die zuletzt am Ende der ,Wilden Zwanziger‘ zu beobachten waren. Die Unternehmen in den USA und in ganz Europa beginnen jedoch, die Löhne anzuheben, was sowohl auf die Knappheit an geeigneten Fachkräften als auch auf eine allgemeine Richtungsänderung der politischen Strömungen zurückzuführen ist. Das ist sicherlich eine gute Sache. Allerdings geht aus Studien zum US-Markt hervor, dass eine starke Erhöhung der Mindestlöhne negative Auswirkungen auf ein Drittel oder gar die Hälfte aller Unternehmen haben und ihre Rentabilität beeinträchtigen könnte. Da die derzeitige, schon lange andauernde Haussephase auf der Idee beruht, dass die historisch hohen Margen von Dauer sind, sehen wir hier ein erhebliches Risiko für die weltweite Konsenserwartungen.“

Irak – Roberto Cominotto, Portfoliomanager, Energiestrategien
„Ein Auseinanderbrechen des Irak ist meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit. Während sich Kurden, Sunniten und die von Schiiten dominierte Regierung in Bagdad derzeit auf ihren Kampf gegen den IS konzentrieren, gewinnen die sezessionistischen Kräfte in den kurdischen und sunnitischen Regionen an Stärke. In diesem Jahr begann die halbautonome kurdische Region mit direkten Ölexporten unter Umgehung der Zentralregierung in Bagdad gegen deren Willen. Und in Washington fordern Kurdenführer Unterstützung für einen unabhängigen Staat. Ein Auseinanderbrechen des Landes würde wahrscheinlich mehr Instabilität und Grenzstreitigkeiten im Irak, aber auch in den kurdischen Territorien in der Türkei und im Iran hervorrufen. Da der Irak einer der größten Ölproduzenten ist, könnte eine solche Instabilität weitreichende Auswirkungen auf den Ölmarkt haben. Im Augenblick beinhaltet der Ölpreis keine geopolitische Risikoprämie, und keines der anderen großen ölproduzierenden Länder verfügt über die nötigen Überkapazitäten, um eine erhebliche Produktionsstörung auszugleichen.“  

Chinas geopolitische Ambitionen – Michael Lai, Investment Director, asiatische Aktienstrategien 
„Die zunehmenden politischen Spannungen in Asien dürften 2016 die Stimmung in der Region beeinflussen. Die anhaltenden Bemühungen Chinas, seine Oberhoheit über den Großteil des südchinesischen Meeres durchzusetzen, sowie seine hemmungslosen Landgewinnungs- und Bauaktivitäten für Einrichtungen, die militärischen Anlagen gleichen, dürften die Spannungen unter den Ländern mit konkurrierenden Ansprüchen in dem umstrittenen Territorium weiter anheizen. Um der Dominanz Chinas zu begegnen, werden diese Länder die Hinwendung der USA nach Asien weiter begrüßen und könnten möglicherweise sogar ein stärker militarisiertes Japan positiv bewerten. Um die Situation noch mehr anzuheizen, werden in Taiwan im nächsten Jahr Wahlen abgehalten, wobei allgemein erwartet wird, dass das Unabhängigkeitslager um die DPP die Führung übernimmt.“

Protektionismus und Handelsschranken – Ernst Glanzmann, Investmentmanager und Leiter japanische Aktien
„Es könnte zu einem Umschwenken zu mehr Protektionismus beim Güter- und Personenverkehr kommen. Zum einen könnten die vorherrschende schwache Erholung des Welthandels und der Weltwirtschaft sowie die jüngsten exportfördernden Maßnahmen Chinas eine weltweite Erhöhung der Zölle oder anderer Einfuhrschranken auslösen. Darüber hinaus könnte die jüngste Welle von Terroranschlägen der extremen Rechten mehr Wählerstimmen zuführen, der ungehinderte Personenverkehr könnte stärker eingeschränkt werden, und einige Länder könnten eine Quote für Arbeitsvisa einführen. In einem derart im Wandel befindlichen Umfeld wird die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern gewöhnlich größer.“ 

US-Präsidentschaftswahlen – Matt Linsey, geschäftsführender Partner und Portfoliomanager bei North of South Capital LLP, die eine Strategie für Schwellenländeraktien für GAM verwaltet
„Eine seltener diskutierte Quelle politischer Risiken für 2016 sind die US-Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr. Um ein Beispiel zu nennen: Vor einigen Monaten genügte ein einziger Tweet von Hillary Clinton zu überhöhten Arzneimittelpreisen, um einen Kurseinbruch bei Biotechnologieaktien auszulösen. Es ist zwar keineswegs sicher, dass Donald Trump die Nominierung der Republikaner gewinnt, er deutete jedoch eine Reihe protektionistischer Maßnahmen an, die sicherlich Auswirkungen auf die Schwellenländer hätten. Unabhängig davon, wer das Rennen gewinnt, rechnen wir mit signifikanten Infrastrukturinvestitionen, insbesondere wenn sich das Wirtschaftswachstum in den USA verlangsamt. Denn die Geldpolitik hat ihre Mittel erschöpft. Für die Rohstoffmärkte, die immer noch unter dem Rückgang der Nachfrage in China leiden, könnte dies ein gewisser Hoffnungsschimmer sein.“

EZB und Fed: Zeit, sich zu bewegen? – Tim Haywood, Investment Director und Leiter Fixed Income
„Die EZB und die Fed laufen Gefahr, ihre erwarteten bzw. bereits umgesetzten geldpolitischen Schritte vom Dezember schon bald zurücknehmen zu müssen. In den letzten vier Jahrzehnten waren die ISM-Daten zum Industrieproduktion ein guter Indikator für Rezessionen, wenn der Index unter 50 Punkte sank, was jetzt der Fall ist. Viele regionale Umfragen zeigen ebenfalls eine Eintrübung des Geschäftsklimas in den USA an. Ist dies der richtige Hintergrund für eine Zinserhöhung? Infolgedessen würde ich das Risiko einer geldpolitischen Wende der Fed innerhalb von zwölf Monaten bei 25 Prozent ansetzen. Das kräftige Geldmengenwachstum in Europa sollte das künftige Wachstum stärken. Ist dies ein Hintergrund, der weitere Impulse erforderlich macht? Einer Kehrtwende der EZB würde ich die gleiche Wahrscheinlichkeit beimessen.“

Statements Immobilienjahr 2015 von verschiedenen Unternehmen

Hier finden Sie Statements zum Immobilienjahr 2015 von Iris Schöberl (Managing Director BMO Real Estate Partners), Erik Marienfeldt(Geschäftsführer HIH Real Estate Gruppe), Klaus Niewöhner-Pape (Geschäftsführer INDUSTRIA Wohnen), Michael Schneider (Geschäftsführer IntReal International Real Estate Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH) und Timothy Horrocks (Head of Germany and Head of Europe TH Real Estate).

Iris Schöberl, 
Managing Director BMO Real Estate Partners:
„Bereits zu Beginn des Jahres war absehbar, dass 2015 ein sehr gutes Immobilienjahr werden würde. Generell herrscht auf dem Markt ein hoher Kapitaldruck und das Angebot an Handelsimmobilien war und ist begrenzt, was die Eigentümer entsprechender Objekte natürlich umso mehr freut. Aus Renditegesichtspunkten ist im Bereich Retail an den Top-Standorten wie zum Beispiel München kaum noch etwas zu holen. Diese Immobilien sind für sicherheitsorientierte Anleger interessant, für die Wertsicherung entscheidend ist. Investoren, die auf höhere Renditen aus sind, sind hier an den Top-Standorten eher fehl am Platz. Anders sieht es in den Mittelstädten aus, auf die wir uns konzentrieren. 
Hier gibt es immer noch Potenzial und die Mietnachfrage ist ebenfalls wachsend, weil große Einzelhandelsketten, die eine deutschlandweite Flächenabdeckung sicherstellen wollen, auch in Städten abseits der Top 7 präsent sein müssen. Die Basisdaten stimmen, die Mieternachfrage ist da. Das gilt nicht nur im Einzelhandelssegment, sondern auch immer stärker für den Büromarkt. Daran wird sich auch im Jahr 2016 nichts Grundlegendes ändern, sodass dieses Jahr ebenfalls ein gutes Immobilienjahr werden dürfte.“ 

Erik Marienfeldt, 
Geschäftsführer HIH Real Estate Gruppe:
„Das Jahr 2015 war was Transaktionen angeht ein sehr starkes Jahr. Investments in Immobilien sind aus der Sicht von Anlegern trotz weiter rückläufiger Renditen unverändert attraktiv, insbesondere im Vergleich zu Alternativen wie Anleihen. Das gilt in erster Linie für Deutschland, aber auch für viele andere europäischen Märkte. Auf der Produktseite konnten wir in 2015 mehrere langfristige Investments mit regionalen und internationalen Anlagestrategien erfolgreich abschließen. Wir erkennen eine Tendenz zu Immobilien-Anlagelösungen, die den zunehmend spezialisierteren Anforderungen der Investoren gerecht werden. Auch in den Dienstleistungsbereichen haben wir im Jahr 2015 wiederum gute Ergebnisse erzielt. Dies bestätigt unseren integrierten Ansatz, der es uns ermöglicht, den komplexeren Anforderungen und kürzeren Zyklen in der Bewirtschaftung gewerblicher Immobilien mit einem hohen Qualitätsanspruch gerecht zu werden. Wir gehen davon aus, dass die hohe Nachfrage auf der Investorenseite auch im kommenden Jahr anhält. 
Angesichts der Renditekompression bei Core-Objekten mag ein Ausweichen auf höher rentierliche Sektoren oder Regionen auf den ersten Blick verlockend erscheinen, wir raten hier aber unverändert zur Vorsicht, denn die Risiken bei solchen Investments sind höher als im Core-Segment und werden aus unserer Sicht nicht immer adäquat abgebildet.“ 

Klaus Niewöhner-Pape, 
Geschäftsführer INDUSTRIA Wohnen:
„Das Jahr 2015 stand am Wohnimmobilienmarkt einmal mehr ganz im Zeichen der anhaltend hohen Nachfrage nach Investitionen. Die Renditen sind weiter zurückgegangen, sodass Investoren besonders auf die Wertstabilität ihrer Anlage achten sollten. Das Neubauvolumen ist immer noch zu gering, um die Nachfrage an den gefragten Standorten in Ballungsräumen zu decken. Die Unterbringung der Flüchtlinge kommt als weitere Herausforderung für die Gesellschaft hinzu.  
Aus Investoren-Perspektive wird der Zugang zu geeigneten Immobilien immer mehr zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Wir konnten 2015 einige Ankäufe im Rahmen von Forward-Deals realisieren, bei denen wir die Kaufverträge für Projektentwicklungen bereits deutlich vor der Fertigstellung schließen. Das sichert uns den Zugriff auf attraktive Assets zu einem guten Preis. Für INDUSTRIA Wohnen war 2015 ein spannendes Jahr. Mit dem Start „Fokus Wohnen Deutschland“ haben wir im Herbst den ersten Immobilien-Publikumsfonds von INDUSTRIA Wohnen an den Start gebracht. Damit bieten wir Privatanlegern nun neben der Direktanlage eine weitere Möglichkeit, in deutsche Wohnimmobilien zu investieren.“  

Michael Schneider, 
Geschäftsführer IntReal International Real Estate Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH: 
„Im Bereich der Immobilien-Investments, in dem IntReal tätig ist, ist das Interesse an regulierten Immobilien-Investmentprodukten anhaltend hoch. Das Spektrum wird dabei zunehmend vielfältiger: Neben Wohnimmobilien befinden sich auch Spezialsegmente wie Unternehmensimmobilien oder Logistik in einem Boom. Nachdem deutsche Anleger in den vergangenen Jahren fast ausschließlich auf Deutschland fokussiert waren, wenden sie sich nun – selektiv und unverändert risikoavers – auch wieder internationalen Immobilienmärkten zu. 
Die anhaltend hohe Nachfrage nach Immobilieninvestments lässt die Renditen in nahezu allen Marktsegmenten weiter sinken und führt zu einem erhöhten Druck auch auf die Margen der Immobilien- und Fondsmanager. Die Unternehmen reagieren darauf, indem sie sich effizienter und auch breiter aufstellen: Fokussierung auf das Kerngeschäft und Auslagerung waren und sind hier wichtige Themen. Als Immobilien Service-KVG profitieren wir von diesem Trend. Darüber hinaus verzeichnen wir ein wachsendes Interesse institutioneller Investoren an unseren Leistungen: Für eine langfristige und professionelle Umsetzung der spezifischen Reporting-Anforderungen im Immobilien-Investmentmarkt setzen sie auf die Kompetenz ausgewiesener Administrationsspezialisten. Im Trend liegen Bündelungsvehikel, in die Investoren ihren gesamten Immobilienbestand – ob direkt oder indirekt gehalten – zusammenfassen. So können sie die Performance ihrer Immobilieninvestments im Überblick behalten und gleichzeitig im Detail beobachten und steuern.“  

Timothy Horrocks, 
Head of Germany and Head of Europe TH Real Estate:
„2015 hat der europäische Immobilienmarkt einen Zufluss von Kapital aus der ganzen Welt erlebt wie nie zuvor. Der Markt für Core- und Core-Plus-Immobilien wird dadurch immer umkämpfter und die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Dabei haben die Transaktionsvolumina und die Preise die Werte des letzten Höhepunkts in 2007 wieder erreicht. 
Die Nachfrage nach Investitionsmöglichkeiten wird auch in 2016 nicht nachlassen. Obwohl man davon ausgehen muss, dass die Anfangsrenditen nochmals mehr zurückgehen werden, sind europäische Immobilien im Vergleich zu anderen Asset Klassen und im Vergleich zu Immobilien auf anderen Kontinenten weiterhin sehr attraktiv. Auf der positiven Seite erwarten wir im kommenden Jahr mehr Mietsteigerungen als bisher, da die Projektentwicklungs-Pipeline limitiert ist und die Wirtschaft in Europa anzieht. Unterstützendes Asset Management kann hier einen entscheidenden Beitrag für die Performance von Immobilien leisten. Ich gehe davon aus, dass die Zinsen in der Eurozone auch im kommenden Jahr weiterhin so niedrig bleiben werden und es ist durchaus denkbar, dass die Anfangsrenditen für Immobilien weiter fallen. Es ist durchaus möglich, dass der derzeitige Stand ein längerfristiger Normalzustand bleiben wird, man muss aber die Augen für wirtschaftliche Schocks offen halten, die überraschend zu einer kurzfristigen Korrektur der Preise führen können.“

BMO Global Asset Management: Was der Klimavertrag von Paris für Investoren bedeutet

Vicki Bakhshi, Director, Head of Governance and Sustainable Investments, und Kajetan Czyz, Analyst, Governance and Sustainable Investment bei BMO GAM, erläutern die Auswirkungen der Pariser Vereinbarung.

Der UN-Klimagipfel in Paris endete mit einem starken Abkommen mit dem Ziel, die globale Erwärmung auf „deutlich weniger als zwei Grad Celsius“ zu begrenzen. Das Abkommen ruht auf einem breiten gesellschaftlichen Fundament, wie heute nochmals deutlich wurde: Auf Initiative der französischen Regierung hin wurde heute der „Paris Pledge“ veröffentlicht, eine Unterstützungserklärung von 800 Organisationen, der sich auch BMO GAM angeschlossen hat. Dies macht deutlich: Die Entwicklung wird starke Auswirkungen auf Energieproduzenten und -verbraucher haben. Die Umsetzung des Vertrages wird darüber hinaus auch Implikationen für das Management von Fonds und die strategische Asset-Allokation haben.

Hat der Gipfel in Paris die Erwartungen der Investoren erfüllt? 
Investoren wie BMO Global Asset Management hatten im Vorfeld des Klimagipfels Gelegenheit zu Gesprächen mit den politisch Verantwortlichen. Im Kern ging es dabei darum, der Investment-Community einen klaren Hinweis auf die grundsätzliche Richtung zu geben – inklusive langfristiger Ziele, die von Plänen auf Länderebene gestützt werden. Die Vereinbarung von Paris erfüllt all diese Kriterien. 

Die wichtigsten Punkte sind:

  • Langfristiges Ziel: Die Vereinbarung zielt darauf ab, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts eine Balance zwischen Ausstoß und Verbrauch von Treibhausgasen zu erreichen. Der Höhepunkt der Emissionen soll so bald wie möglich erreicht werden. Mit anderen Worten: Die Welt soll CO2-neutral werden.
  • Nationale Verpflichtungen: Jedes der 195 teilnehmenden Ländern ist verpflichtet einen nationalen Plan zur Reduzierung von Treibhausgasen aufzustellen („Nationally Determined Contributions“ oder NDCs). Bis auf sechs Länder haben alle Teilnehmer dies bereits umgesetzt.
  • Überprüfungsmechanismus: Die NDCs werden 2018 – und im Anschluss daran alle fünf Jahre – überprüft, um sicherzustellen, dass sie im Einklang mit dem Ziel des Vertrages stehen, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen und sogar auf eine Erwärmung von lediglich 1,5 Grad Celsius abzuzielen. Eine wichtige Klausel enthält zudem die Bestimmung, dass die NDCs nicht nachträglich abgeschwächt werden können.
  • Transparenz: Mit der Vereinbarung wird eine Verpflichtung aller Länder zur Überwachung und Verifizierung ihrer Anstrengungen eingeführt. 2023 werden die Anstrengungen zur Treibhausgas-Reduktion auf globaler Ebene erfasst. Dadurch steigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass die Maßnahmen umgesetzt werden. Es führt auch zu einem höheren Druck auf Länder, die den Plänen hinterherhinken.
  • Finanzierung: Die Industriestaaten haben sich verpflichtet, den UN-Klimafonds mit einem Volumen von 100 Milliarden US-Dollar vollständig zu finanzieren – und zwar aus unterschiedlichen Quellen. Zu diesen Quellen werden auch private Mittel gehören. 

Unserer Ansicht nach ist nun völlig klar, in welche Richtung sich die globale Klimapolitik bewegt. Investoren konnten noch nie so sicher sein wie heute, dass die Politik willens ist, das globale Energieversorgungssystem in eine post-fossile Zukunft zu überführen.

Was kommt nun auf Investoren zu?
Im Jahr 2016 dürften die Finanzmarkt-Regulierungsbehörden ihre Aktivitäten im Hinblick auf den Klimawandel verstärken. Dies dürfte auch Auswirkungen auf Investoren haben. Wenn die Umsetzung des Vertrages Fahrt aufnimmt, könnte auch von Investoren ein Beitrag gefordert werden. In welcher Form dies geschieht, ist noch unklar. Zu den wichtigsten Entwicklungen dürften aber gehören:

  • Financial Stability Board (FSB): Der supranationale Finanzstabilitätsrat will eine Task Force für klimabezogene Finanzveröffentlichungen unter Führung von Branchenvertretern einrichten. Den Vorsitz soll Michael Bloomberg übernehmen.
  • Frankreich: Das dortige Gesetz zum Umbau der Energieversorgung verlangt von institutionellen Investoren, den CO2-Fußabdruck ihrer Investments anzugeben, die Eignung ihres Portfolios für den Wandel hin zu einer weniger CO2-intensiven Wirtschaft zu überprüfen und ihre Methoden zum Management klimabezogener Risiken offenzulegen. Richtlinien zur Umsetzung sollen demnächst fertiggestellt werden.
  • Schweden: Als erstes Land hat Schweden angekündigt, die eigene Finanzaufsichtsbehörde darauf zu verpflichten, sicherzustellen, dass das Finanzsystem einen Beitrag zu „nachhaltiger Entwicklung“ leistet. 

Der Vertrag von Paris macht den Klimawandel und die Erneuerung der Energiewirtschaft also zu Projekten, die Investoren nicht mehr ignorieren können. Nun wird sich der Fokus allerdings verlagern – vom Vertrag selbst hin zu dessen Umsetzung.

Frontier Market Debt - In die nächste Generation der Emerging Markets investieren

Anlegern, die in Anleihen von Grenzmärkten – den sogenannten Frontier Markets – investieren, bietet sich ein EMD-Segment, das im Hinblick auf Volumen und Emittentenzahl ständig wächst. Dieser Markt ist unterinvestiert und kaum erforscht. Das bedeutet: kräftige Risikoaufschläge und hervorragende Alpha-Chancen. von Marco Ruijer, Lead Portfolio Manager im NN Investment Partners EMD Team bei NN Investment Partners in Den Haag.

Was gilt als Frontier Market?

Vereinfacht gesagt weisen Frontier Markets folgende Merkmale auf:

  • Länder im EM-Universum, die im Allgemeinen kleiner sind und niedrige (bis mittlere) Lohnniveaus aufweisen
  • Bonitätseinstufung von Non-Investment-Grade und dementsprechend höhere Rendite aufgrund der wahrgenommenen (politischen) Risiken und niedrigeren Transparenz
  • Verfügen über unterentwickelte Finanzmärkte und treten nur unregelmäßig als Emittenten von Anleihen für ausländische Investoren auf. Liquidität, Umfang und Laufzeit ihrer Verschuldung sind daher im Vergleich zum EM-Universum insgesamt niedriger. 

Investment Case: Elfenbeinküste

Das  westafrikanische  Land  Elfenbeinküste  –  offizieller  Name  Côte d’Ivoire – hat eine bewegte Vergangenheit. Erst 2012 fand das Land nach Bürgerkrieg und mehreren Krisen wieder zur Stabilität zurück. Neben seinen Bemühungen, die widerstreitenden Kräfte im Land zu befrieden, verfolgt die Regierung ein ehrgeiziges Reformvorhaben, das  von  erfahrenen Technokraten  umgesetzt und  vom  IWF sowie anderen Geldgebern wie China, Europa und Nordamerika unterstützt wird.

Die Elfenbeinküste hat durch Investition in Infrastruktur und Bau ihre Staatsausgaben erhöht. Gleichzeitig fördert die Regierung  den Ausbau der Landwirtschaft, denn das Land am Golf von Guinea verfügt über immense Ressourcen, wie Kakao, Cashewnüsse und Baumwolle sowie Mineralien wie Gold und Eisenerz. Ferner soll die Privatwirtschaft ausgebaut werden. Zu  diesem Zweck will die Regierung die staatlichen  Anteile  an  Unternehmen im  landwirtschaftlichen,  Banken-,   Telekommunikations-  und   Bergbausektor  verkaufen.  Nicht zuletzt bemüht sich die Regierung um Investitionen aus dem Ausland, Schaffung  neuer Arbeitsplätze und  ein  entschlosseneres Vorgehen gegen die Armut. 

Sofern die politische Stabilität anhält, dürfte die Wirtschaftsleistung robust wachsen. Nach den jüngsten Schätzungen des IWF ist für 2016 und 2017 mit einer Zuwachsrate von 7,5 % zu rechnen. Dabei fungieren vor allem die steigenden Staatsausgaben als  Wachstumsmotor, während politische Stabilität und verbesserte Infrastruktur Auslandsinvestitionen  weiter  begünstigen.  Daraus  ergibt  sich  ein  positives Umfeld für eine anhaltende wirtschaftliche Erholung.

Die  Kombination  aus  wirtschaftlicher  Wende  und  zunehmender politischer Stabilität macht die Elfenbeinküste zu einem  attraktiven Investmentziel im Frontier-Market-Universum.

Fed-Zinserhöhung – entscheidend ist nun, wie schnell es weitergeht

Nick Peters, Fondsmanager bei Fidelity International:
„Man kann der Fed kaum vorwerfen, dass sie den Markt mit ihrer Entscheidung, die Zinsen zu erhöhen, überrascht hat. Rund 75 Prozent der Marktbeobachter haben diesen Schritt erwartet, nicht zuletzt aufgrund der guten US-Arbeitsmarktdaten im Dezember. Die Entscheidung der Fed ist eindeutig ein Zeichen der Zuversicht in die US-Wirtschaft. In den kommenden Monaten wird die US-Notenbank genau beobachten, wie die Wirtschaft und die Märkte reagieren werden. Ein entscheidender Faktor wird die Reaktion des US-Dollar sein. Viele Beobachter erwarten, dass höhere Zinsen zu einem festeren Dollar führen. Diese Einschätzung teile ich nicht unbedingt: Sollten wir 2016 nur wenige, beispielsweise zwei, Zinsschritte sehen, gehe ich von einem schwächeren US-Dollar aus.“

Stephanie Sutton, Investment Director bei Fidelity International:
„Die Wirtschaftsdaten erlauben es der Fed, die Zinsen das erste Mal seit rund einem Jahrzehnt wieder zu erhöhen. Nun stellen sich die Marktteilnehmer die Frage, wie schnell weitere Anstiege folgen. Der Markt hat einen moderaten Anstieg bereits weitgehend eingepreist. Kommen die Zinserhöhungen jedoch schneller oder stärker als gedacht, dürfte das für Unsicherheit und Volatilität sorgen.
Während die Zinserhöhung einerseits ein Ausdruck dafür ist, dass die US-Wirtschaft in guter Verfassung ist, erhöht sie andererseits die Last der Schulden von Privathaushalten wie von Unternehmen. Allerdings ist die Gefahr von Zahlungsausfällen auch jetzt noch gering, da die meisten Kredite eine feste Zinsbindung haben. So besitzen beispielsweise rund 90 Prozent der US-Hypotheken eine Zinsbindung. Zwei möglicherweise problematische Bereiche sind Studentenkredite und Autofinanzierungen, da beide Kredittypen in letzter Zeit relativ hohe Säumnisquoten haben. Allerdings sind diese beiden Bereiche zu klein, um die Wirtschaft und den Finanzsektor ernsthaft zu belasten.“

Kevin O’Nolan, Fondsmanager bei Fidelity International:
„Die heutige Zinserhöhung ist so bedeutend, weil sie den Beginn des ersten Zinserhöhungszyklus seit zehn Jahren markiert und nicht wegen ihrer unmittelbaren wirtschaftlichen Wirkung. Für Investoren wird der Ausblick der kommenden zwölf Monate vor allem von der Geschwindigkeit abhängen, mit der die Fed die geldpolitischen Zügel straffen wird. Es ist durchaus möglich, dass die Fed die Zinsen 2016 schneller anhebt als erwartet, weil sie sich schon sehr stark der Erfüllung ihres doppelten Auftrags – Wachstum und Beschäftigung sowie Preisstabilität – genähert hat.“

Dominic Rossi, Global Chief Investment Officer Aktien bei Fidelity International:
„Aufgrund der Stärke der heimischen Wirtschaft ist der US-Aktienmarkt weltweit am besten für die Entscheidung der Fed gewappnet. Ich erwarte daher, dass amerikanische Aktien – in US-Dollar gerechnet – im kommenden Jahr besser laufen als Aktien anderer Regionen.“

„In Europa werden sich die Unternehmensgewinne besser als in den USA entwickeln“

Die jüngste Berichtssaison dies- und jenseits des Atlantiks stand im Schatten der Notenbankpolitik. Dabei scheinen die Anleger den insgesamt enttäuschenden Unternehmensergebnissen wenig Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Es ist Zeit, dass sich das ändert, findet Steven Bell, Chefvolkswirt von BMO Global Asset Management. Denn die Aktienkurse dürften sich bald wieder an den Kennzahlen orientieren. Warum die Aussichten in den USA eher schlecht sind, während sich Europa weiter erholen dürften, erklärt er im Interview. 

Herr Bell, Sie glauben, dass europäische Aktien sich im kommenden Jahr besser entwickeln werden als der US-Markt. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung? 
Steven Bell: In den vergangenen fünf Jahren haben sich US-Titel deutlich stärker entwickelt. Dieser Trend wurde vor allem durch die Unternehmensgewinne getrieben. Wir glauben, dass er sich im Laufe des nächsten Jahres umkehrt. Im Vergleich der weltweiten Märkte steht Europa besonders gut da. Auch wenn das Wirtschaftswachstum zurzeit auf einem ähnlichen Niveau wie in den USA liegt, befinden wir uns in einem früheren Stadium des Konjunkturzyklus. Die Unternehmen haben daher noch Potenzial, die Margen auszuweiten. Außerdem fallen die Zinsen, während sie in den USA steigen, und der Währungseffekt ist positiv. Europa hat also noch viel Luft nach oben, bis es zu den USA aufgeschlossen hat. Großbritannien ist eine Ausnahme – die wirtschaftliche Entwicklung dort ähnelt eher der amerikanischen als der auf dem Kontinent. 

Wie ist die Lage in den USA und Großbritannien – haben die Unternehmen dort ihr Potenzial vorerst ausgeschöpft?
Bell: Ja, auf den Gesamtmarkt gesehen ist genau das der Fall. Um das zu verstehen, muss man eine etwas langfristigere Perspektive einnehmen. Die Margen der Unternehmen im S&P-500-Index haben zum Ende des vergangenen Jahres ihren Höhepunkt erreicht. Diese Daten reichen nur zurück bis 1990, aber sie sind eng verbunden mit denen aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Auf dieser Grundlage haben die Margen bereits gegen Ende 2011 ihre Höchststände erreicht und sind seitdem um über drei Prozentpunkte gefallen. Die Margen im S&P 500 folgen dieser Entwicklung tendenziell. Insgesamt liegen sie noch immer deutlich über dem historischen Durchschnitt. Für dieses hohe Niveau gibt es strukturelle Gründe, aber trotzdem dürften die Unternehmen nun unter Druck geraten. 

Welche Faktoren beeinflussen die Gewinnmargen der Unternehmen?
Bell: In der Vergangenheit ist die Abgabenlast der Unternehmen gefallen und auch die Macht der Gewerkschaften wurde zurückgedrängt. Außerdem haben die US-Firmen in besonderem Maße von der Globalisierung profitiert. An diesen unterstützenden Faktoren dürfte sich wenig ändern, doch andere, wie etwa das niedrige Zinsniveau, könnten schwinden oder sich sogar ins Gegenteil verkehren. Im Zuge der graduellen Straffung der Geldpolitik durch die Federal Reserve dürften etwa die Zinsen auf Unternehmensanleihen ansteigen. Dieser Prozess wird viele Jahre dauern, denn die Unternehmen haben die Laufzeit ihrer Schulden in der vergangenen Dekade vorausschauend von neun auf derzeit 18 Jahre ausgeweitet. Dennoch wird sich die Entwicklung negativ auf die Margen auswirken.

Was bedeuten diese Trends kurzfristig für die Unternehmensergebnisse 2016?
Bell: Wenn man von den Faktoren Energie und Rohstoffe absieht und auch den Effekt des US-Dollars beiseitelässt, erwarten wir, dass die Kerngewinnmargen im nächsten Jahr um ein bis zwei Prozent fallen. Angesichts eines Umsatzwachstums im niedrigen einstelligen Bereich dürften sich auch die Gewinne nur mit Mühe und Not positiv entwickeln. Ich wäre vorsichtig, Öl- und Rohstoffpreise vorauszusagen. Aber wenn wir von einem konstanten Niveau ausgehen oder uns an den Future-Kurven orientieren, dürften sie im Jahresschnitt 2016 deutlich niedriger liegen als 2015. Ähnliches gilt auch für den Dollar. Wir erwarten zwar keine weitere Aufwertung, die das Problem eher verschärfen würde. Aber insgesamt sprechen diese Faktoren dafür, dass die Gewinne 2016 im Vergleich zum Vorjahr fallen werden. 

Andere Analysten sind da eher positiv gestimmt.
Bell: Man muss solche Voraussagen zu lesen wissen. Es gibt unter Analysten eine Tendenz mit optimistischen Erwartungen in die jeweilige Gewinnsaison zu gehen. Diese werden dann routinemäßig zurückgeschraubt, je näher die Ergebnisse rücken. Dadurch haben Unternehmen die Möglichkeit, Gewinne zu vermelden, die leicht über den Erwartungen liegen. So haben die meisten Unternehmen im S&P 500 vor den Zahlen des dritten Quartals 2015 in jedem einzelnen Quartal die Erwartungen geschlagen. Trotzdem sind die Gewinne im Jahresvergleich um vier Prozent gefallen. Auch die aktuellen positiven Erwartungen sind Teil dieser Routine.

Sollten Anleger die USA jetzt also meiden?
Bell: Soweit würde ich nicht gehen. Die USA bleiben global gesehen der sichere Hafen. Dass andere Märkte sich stärker entwickeln könnten, ändert daran wenig. Aber es ist wahrscheinlich, dass auf die vergangenen fünf fetten Jahre nun erst einmal einige magere Jahre folgen.

Wir haben über Europa und vor allem über die USA gesprochen. Was ist mit dem Rest der Welt?
Bell: Ich denke, dass nicht nur Europa sich besser als die USA entwickeln wird. Die Schwellenländer sind eine heterogene Gruppe und lassen sich nicht ohne Weiteres über einen Kamm scheren. Allerdings leiden sie derzeit unter dem anhaltendem Pessimismus der Marktteilnehmer. Daher dürfte es hier einige positive Überraschungen geben, auch wenn die Volatilität hoch bleiben wird. Man sagt ja, dass die Welt sich einen Schnupfen holt, wenn die USA niesen. Ich denke, diesmal dürfte es anders kommen.

Saxo Bank veroeffentlicht zehn provokante Thesen für 2016

Die auf Multi-Asset-Anlagen spezialisierte Investmentbank Saxo Bank veröffentlicht heute ihre alljährlichen „Outrageous Predictions“ für das kommende Jahr. Dabei handelt es sich um zehn eher unwahrscheinliche Szenarien, die unter Umständen unterschätzt werden, aber 2016 enorme Folgen für die Finanzmärkte haben könnten.

Wie jedes Jahr erstrecken sich die Prognosen auf die gesamte Bandbreite der Märkte und Regionen, von einem jähen Anstieg der Erdölpreise auf 100 Dollar pro Barrel bis hin zur Verbannung der viel gepriesenen „Einhörner“ des Silicon Valley ins Reich der Fabeln. Zu den diesjährigen Prognosen gehört auch die Aufwertung des Rubel um 20 Prozent gegenüber dem USD/EUR-Korb. Weitere provokante Thesen sagen einen durch die Olympiade befeuerten Boom in Brasilien sowie einen Einbruch an den Unternehmensanleihemärkten voraus.

Steen Jakobsen, Chefökonom bei der Saxo Bank, erklärt: „Wir nähern uns dem Ende der Paradigmenparalyse, die die wirtschaftspolitische Reaktion auf die weltweite Finanzkrise geprägt hat. Quantitative Lockerung und andere Formen der Intervention haben versagt. China befindet sich in einer Übergangsphase und die geopolitischen Spannungen sind so komplex wie eh und je. Die Grenzkosten des Kapitals steigen, ebenso wie Volatilität und Ungewissheit. Das bildet den Rahmen für unsere diesjährigen Prognosen.“

„Die Outrageous Predictions der Saxo Bank skizzieren zehn relativ kontroverse, voneinander unabhängige Szenarien, die die Investmentbranche auf den Kopf stellen könnten. Es ist schon interessant zu beobachten, wie diese provokanten Thesen die Fantasie unserer Kunden anregen und die laufende Debatte beleben. Dieser Diskurs und das kritische Denken jenseits aller Herdenmentalität stehen im Mittelpunkt der zehn Thesen, die bei der Saxo Bank mittlerweile Tradition haben. Es geht darum, die Sensibilität für vernachlässigte Risiken zu schärfen“, so Jakobsen.


Nachfolgend Saxo Banks Outrageous Predictions für 2016  

1. Quo vadis EUR/USD? 1,23 … 
Europa hat einen massiven Leistungsbilanzüberschuss aufgehäuft. Die niedrige Inflation sollte zudem – jedenfalls nach volkswirtschaftlicher Logik – eine stärkere und nicht etwa schwächere Währung bedeuten. Hier schließt sich der Kreis beim Rennen um den letzten Platz: Als unmittelbare Konsequenz der US-Zinspolitik ist der Dollar jetzt wieder geschwächt. 

2. Der russische Rubel legt bis Ende 2016 um 20 Prozent zu
Ein plötzlicher Anstieg der Nachfrage nach Öl sowie die quälend langsame Straffungspolitik der Fed führen dazu, dass der russische Rubel bis Ende 2016 um rund 20 Prozent gegenüber dem USD/EUR-Korb zulegt.

3. Realitätscheck bereitet Silicon-Valley-Einhörnern Verdruss
2016 wird im Silicon Valley dem Jahr 2000 ähneln: Immer mehr Startups setzen beim Versuch, kritische Masse zu erreichen, lieber auf hohe Nutzerzahlen als auf Monetarisierung und handfeste Geschäftsmodelle.

4. Olympische Spiele lösen Boom in Brasilien und damit eine Erholung an den EM aus
Aufgrund von Stabilisierung, Investitionsausgaben anlässlich der Olympischen Spiele sowie maßvollen Reformen erholt sich die Stimmung in Brasilien. Zugleich begünstigen die schwächeren Lokalwährungen die EM-Exporte. Im Ergebnis dürfte Aktien von den EM ein hervorragendes Jahr bevorstehen, in dem sie Anleihen und andere Aktien übertreffen.

5. Demokraten stellen auch den neuen Präsidenten und erzielen 2016 absolute Mehrheit im Kongress
Die Republikaner verzetteln sich in internen Streitigkeiten über die künftige Richtung der Partei. Daher verspielen sie ihr politisches Kapital und stürzen dramatisch in der Wählergunst ab. In der Folge erzielt die Demokratische Partei einen erdrutschartigen Sieg. Dabei profitiert sie insbesondere von einer Kampagne, die sich vor allem an Jungwähler, die sogenannten Millennials, richtet, die von dem politischen Patt und den mageren Jobaussichten der vergangenen acht Jahre frustriert sind.

6. Opec-Turbulenzen lösen vorübergehenden Anstieg des Ölpreises auf 100 USD pro Barrel aus
Der sogenannte Opec Basket Price für Rohöl fällt auf den niedrigsten Stand seit 2009. In der Folge wächst sowohl bei schwächeren als auch wohlhabenderen Mitgliedern der Unmut über die Preisstrategie der Organisation. Dadurch zeichnet sich schließlich die lang erwartete Verlangsamung der Ölförderung in den Nicht-Opec-Ländern ab. Das verschafft der Opec wiederum genug Auftrieb, um den Markt mit einer Drosselung ihrer Produktion zu überrumpeln. Der Preis erholt sich bald wieder, als Anleger erneut auf der Kaufseite in den Markt drängen. Eine Rückkehr des Ölpreises auf $100/Barrel ist in Sicht.

7. Silber bricht aus seiner üblichen Range aus und legt um 33 Prozent zu
2016 werden wir ein stärkeres Interesse an Silber erleben. Der politische Wille, Kohlenstoffdioxid-Emissionen durch Förderung erneuerbarer Energiequellen zu reduzieren, steigert die industrielle Nachfrage nach Silber für den Einsatz in Sonnenkollektoren. Der Preis für Silber wird daher um ein Drittel zulegen; andere Metalle können da nicht mithalten.

8. Offensive Fed-Politik führt zum Einbruch der Kurse für Unternehmensanleihen
Ende 2016 wird Fed-Chefin Janet Yellen eine stärker anti-inflationäre Tonart anschlagen und die Zinsen in schneller Folge deutlich anheben. Durch die steigenden Renditen kommt es an allen großen Anleihemärkten zu einem massiven Einbruch der Kurse. Da die Teile der Bank- und Broker-Bilanzen, die zuvor für Bondhandel und Market-Making vorgesehen waren, nahezu verschwunden sind, fehlt ein für einen funktionierenden Markt unerlässliches Element. Der Markt realisiert dies zu spät und die gesamte Kaufseite setzt auf Panikverkäufe, sobald ausgeklügelte Risikomodelle unisono auf Alarmstufe rot schalten.

9. El Niño löst sprunghaften Anstieg der Inflationsrate aus
Der nächstjährige El Niño soll der bisher extremste werden. Das bedeutet Wassermangel in weiten Teilen Südostasiens und Dürren in Australien. Die geringeren Ernteerträge lösen zu einem Zeitpunkt Versorgungsengpässe aus, wenn die Nachfrage im Zuge der weltweiten konjunkturellen Erholung immer noch steigt. In der Folge schießt der Bloomberg Agriculture Spot Index um 40 Prozent nach oben und treibt so die Inflationsrate in die Höhe (was auch dringend erforderlich ist).

10. Ungleichheit schlägt Luxus
Wachsende Ungleichheit sowie Arbeitslosenquoten von über 10 Prozent führen dazu, dass europäische Politiker die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens erwägen, damit alle Bürger ihre Grundbedürfnisse decken können. In einer eher egalitär ausgerichteten Gesellschaft, in der andere Werte gefördert werden, stürzt die Nachfrage nach Luxusgütern ab. Der Sektor kollabiert.

Das Anlagejahr 2016 – Top oder Flop?

Die Niedrigzinsphase wird auch das Anlagejahr 2016 prägen. Auf was sollten Anleger achten und was können sie tun, um am Jahresende 2016 eine positive Bilanz zu ziehen?

Bis zum Anfang der extremen Niedrigzinsphase vor ca. einem Jahr konnten Anlegerportfolios mit unterschiedlichen Gewichtungen zwischen Aktien- und Rentenanlagen – je nach Risikobereitschaft und Renditeziel eines Anlegers – gut gesteuert werden. Diese über Jahrzehnte bewährte Strategie hat für 2016 ausgedient. Eine vom Chefökonomen der Bank von England beauftragte Untersuchung hat ergeben, dass es seit der Römerzeit noch nie eine Niedrigzinsphase wie heute gegeben hat. Anleger müssen deshalb radikal umdenken und ihr Portfolio in Strategiebausteine zerlegen, um eine auskömmliche Rendite bei eingeschränktem Risiko zu erzielen.

Liquiditätsbaustein: Tages- oder Termingeldanlagen sind kein sinnvoller Liquiditätsbaustein mehr, denn auch bei weiterhin geringer Inflation ist nach Steuern kein Kapitalerhalt mehr möglich. Flächendeckende Strafzinsen, selbst bei sehr vermögenden Privatanlegern, sehen wir jedoch nicht. Das Beispiel unseres Nachbarn Schweiz zeigt, dass die Erhebung von Strafzinsen für Privatanleger vermieden werden kann durch eine Erhöhung des Hypothekenzinssatzes zur Quersubvention. Eine solche Entwicklung ist auch in Deutschland vorstellbar. Als Ersatz für Tages- und Termingeldanlagen empfehlen wir ETFs mit kurz laufenden Unternehmensanleihen bester Bonität.

Beispiel: iShares Euro Corporate Bond ex-Financials 1-5yr UCITS ETF – ISIN: DE000A0YEEY2, mit einer Restlaufzeit von 3 Jahren und einer Effektivverzinsung von 0,94% per 10.12.2015.

Sicherheitsbaustein: Nachdem Staatsanleihen der europäischen Peripherieländer selbst bei fünf Jahren Laufzeit nur noch Renditen von ca. 0,5% erwirtschaften, erhalten Anleger in dieser Anlageklasse eher ein zinsloses Risiko anstatt eine sichere Rendite. Eine Lösung für dieses Problem ist ein Portfolio aus mindestens vier bis fünf verschiedenen „Alternativen Fonds“ mit marktneutralen, Long-Short- und Event-Driven-Strategien. Diese Produkte sind risikoreicher als Staatsanleihen, aber wenig mit den Aktienmärkten korreliert. Die Renditen gehen natürlich nicht in den Himmel. Die meisten Strategien bewegen sich in einem Spektrum von -5% und 5% per annum. Allerdings bietet ein sorgfältig zusammengestelltes Portfolio eine relativ sichere Alternative zu Rentenanlagen.

Beispiele: Standard Life Global Absolute Return Strategies – ISIN: LU0548153799
Old Mutual Global Equity Absolute Return Fund – ISIN: IE00BLP5S791
Allianz Discovery Europe Strategy – ISIN: LU0384022694.

Wachstumsbaustein: Dieser Teil des Gesamtportfolios soll maßgeblich die Rendite erwirtschaften. Aber auch hier können Anleger Möglichkeiten nutzen, um nicht den vollen Risiken der Aktienmärkte ausgeliefert zu sein. Eine gut recherchierte Dividendenstrategie aus den 25 weltweit „besten“ Aktien nach strengen fundamentalen Kriterien kann in 2016 eine Dividendenrendite von ca. 4% erwirtschaften. Allein durch die Dividendenzahlungen entsteht bei einer dreijährigen Betrachtung ein Sicherheitspuffer von ca. 12%. Die nachweislichen Erfolge einer solchen Strategie können Anleger u.a. im DAB Bank Depot Contest beim Anlegerprofil „Chance“ unter Sand und Schott Vermögensverwaltung verfolgen. Selbstverständlich gibt es auch für diese Strategien Investmentfonds, die versuchen, die Aktienrisiken in Grenzen zu halten.

Beispiele: DWS Top Dividende LD – ISIN: DE0009848119
Loys Sicav Global – ISIN: LU0107944042
DJE Dividende & Substanz – ISIN: LU0159550150.

Taktischer Baustein: Dieser Portfoliobaustein dient zur Abrundung des Depots, wird kurzfristig auf Basis von Momentum („was läuft gerade“), vorzugsweise mit kostengünstigen ETFs, gesteuert und enthält das volle Aktienmarktrisiko eines Sektors.

Beispiele: Lyxor ETF Stoxx Europe 600 Healthcare – ISIN: FR0010344879 oder der aktiv verwaltete OP Food Fonds – ISIN: DE0008486655.

Gewichtung der Portfoliobausteine: Die Gewichtung der einzelnen Portfoliobausteine hängt individuell von der Risikobereitschaft und den Ertragszielen eines Anleger ab. Damit es hier nicht zu Fehleinschätzungen durch den Anleger selbst kommt oder er der Intention seines Vermögensverwalters folgt, empfiehlt die Sand und Schott Vermögensverwaltung eine wissenschaftliche Risikoanalyse. Ein Fragebogen mit 25 Fragen, entwickelt von einer weltweit renommierten Universität im Fachbereich Psychologie, bietet die Basis für eine individuelle und fundierte Risikoeinschätzung zur Gewichtung der einzelnen Portfoliobausteine. Mit dieser Vorgehensweise kann im Jahr 2016 eine hohe Kundenzufriedenheit erzeugt werden.

Anleger, deren Budget eine solche Diversifikation nach Portfoliobausteinen nicht zulässt oder die einen langfristigen Sparplan verfolgen, können das Anlageuniversum zum Beispiel mit dem smart-invest Helios AR B Fonds – ISIN: LU0146463616 abdecken. Dieser Dachfonds hat seit Steuerung durch das Fondsmanagement der smart-invest Asset Management am 14.07.2003 viele Krisen erfolgreich durchlaufen und seitdem eine Rendite von 125,9% erwirtschaftet bei einem maximalen Verlust von etwas über 13% (Stand 30.11.2015).

Über den Autor:
Thomas Portig ist Portfoliomanager bei der Sand und Schott Vermögensverwaltung in Stuttgart und leitet die Niederlassung in München. Er verfügt über 25 Jahre Kapitalmarkterfahrung. Die Sand und Schott Vermögensverwaltung wurde mehrfach ausgezeichnet (u.a. Elite der Vermögensverwalter im deutschsprachigen Raum).

Über Sand und Schott:
Die Sand und Schott GmbH wurde 1994 von Arne Sand und Dr. Max Schott zur ganzheitlichen Beratung und Betreuung von anspruchsvollen Privatkunden und Unternehmern gegründet. Die Sand und Schott GmbH ist geprüftes Mitglied im Verband unabhängiger Vermögensverwalter. Das Produktspektrum reicht von den klassischen Kapitalanlagen wie Geldmarkt, festverzinsliche Wertpapiere und Aktien bis zu Alternativen Investments wie „Absolute Return“-Strategien. Über die smart-invest GmbH, eine Schwestergesellschaft der Vermögensverwaltung, werden institutionelle Mandate und Investmentfonds gemanagt.

Krisen belasten US-Aktien weniger als Werte anderer Regionen

Die Schwankungen europäischer Aktien unterschieden sich in den vergangenen 25 Jahren nur wenig von den Schwankungen der US-Aktien. Während die annualisierte Volatilität der Aktien in Europa (MSCI Europa) über den gesamten Zeitraum 15,8 Prozent betrug, belief sie sich in den USA (MSCI USA) auf 16,5 Prozent. Dagegen war die Volatilität der Aktien aus den pazifischen Industrieländern mit 19,6 Prozent deutlich höher. Und bei Aktien aus den Schwellenländern Asiens betrug sie in diesem Zeitraum sogar 25,5 Prozent (vgl. Grafik).

 

Maximale Kursveränderungen: Geringeres Risiko in den USA und Europa

Die geringere Schwankungsbreite der Aktien aus den USA und Europa zeigt sich auch bei den maximalen Kursveränderungen in einem rollierenden Sechsmonatszeitraum. In den USA lagen die stärksten Kursrückgänge innerhalb von sechs Monaten bei maximal 37,7 Prozent, in Europa bei 39,6 Prozent. Während der höchste Aktienkursrückgang in der Pazifikregion mit 34,9 Prozent bei einem ähnlich hohen Wert lag, brachen die Aktien in asiatischen Entwicklungsländern in einem Sechsmonatszeitraum bis zu 51,0 Prozent ein (vgl. Grafik).



Dotcom Blase und Co: Krisen wirken sich auf US-Aktien weniger aus als auf andere Regionen

In den vergangenen 30 Jahren gab es mehrere Börsen-Crashs. Die größten Auswirkungen auf die Aktienmärkte hatten die Dotcom-Blase 2000 und die Finanzkrise 2007. Und obwohl die meisten Börsen-Crashs ihren Ausgang in den USA hatten, wirkten sie sich tendenziell in den USA geringer aus als in anderen Regionen. Am stärksten betroffen waren in der Regel die Schwellenländer (vgl. Grafik).

2016 wird ein Jahr der geldpolitischen Divergenz mit großen Performance-Unterschieden

Ausblick 2016 von Anthony Lawler, Portfoliomanager und Mitglied des Investment-Komitees von GAM Alternative Investments Solutions, zur Performance von alternativen und Absolute-Return-Strategien.

Wir wollen zum Jahresende in die Zukunft blicken und darauf, was 2016 für aktive Trading und Hedge Funds bringen wird. Im zurückliegenden Jahr hat das Auf und Ab der Märkte aktive Fonds vor erhebliche Probleme gestellt. Weltweit notieren Aktien und Anleihen, gemessen am MSCI World beziehungsweise Barclays Global Aggregate Bond Index (jeweils auf US-Dollarbasis), unter den Ständen vom Jahresanfang. 

Können Anleger erwarten, dass ihnen das Jahr 2016 bessere Erträge bescheren wird? Wir rechnen mit Chancen, aber auch mit Risiken. „Es ist aufschlussreich sich zu vergegenwärtigen, dass die wesentlichen Themen und Entwicklungen, die wir für 2015 vorausgesehen hatten, tatsächlich eingetreten sind, auch wenn viele aktive Fondsmanager ihre Performance-Ziele verfehlt haben“, sagt Anthony Lawler, Fondsmanager bei GAM. „Ein Thema war, dass der US-Dollar weiter an Wert gewinnen würde, besonders gegenüber Euro, Yen und Schwellenländer-Währungen. Das ist passiert. Dann wurden europäische und japanische Aktien gegenüber US-Aktien bevorzugt, und auch das hat sich auf Basis der Lokalwährungen als richtig erwiesen. Schwierigkeiten bereiteten dabei jedoch stärkere Schwankungen und teilweise überlaufene Trades, was sich unter anderem in Verlusten bei Risikomanagement-Trades und dem damit verbundenen Timing manifestierte.“

GAM geht davon aus, dass geldpolitische Divergenzen auch 2016 ein zentrales Thema sein werden, durch das sich Chancen eröffnen sollten, so Lawler. „Wir denken, dass die US-Notenbank im Dezember die Zinsen anheben wird und dass 2016 weitere Schritte in die gleiche Richtung folgen werden. In krassem Gegensatz dazu halten die EZB, die chinesische PBoC, die Bank of Japan und andere Notenbanken an einer expansiven Geldpolitik fest. Uns interessiert besonders, was diese Divergenz möglicherweise für Anlageklassen jenseits der Währungen bedeutet. Überlaufene Long-Positionen im US-Dollar könnten einen weiteren Anstieg der US-Währung im kommenden Jahr behindern. Mögliche Folge wäre ein wieder volatilerer Dollar, der sich schwieriger handeln ließe. Wir erwarten, dass sich für globale opportunistische Strategien interessante Relative-Value-Gelegenheiten bei Staats- und Unternehmensanleihen, Aktien und eventuell auch Währungen ergeben werden.” 

Außer auf die weltweit unterschiedlichen Haltungen der Notenbanken richtet GAM sein besonderes Augenmerk 2016, wie Lawler bemerkt, „auf Unternehmensanleihen als Anlageklasse. Eine gezielte Titelauswahl in dem Bereich wird unserer Ansicht nach attraktive Renditen ermöglichen, auch im Vergleich zu Aktien. Die Credit Spreads haben sich deutlich erweitert, doch darin spiegeln sich zum Teil die Probleme im Energie- und Rohstoffsektor wider, und nach unserer Einschätzung war die Ausweitung übertrieben. Wir denken darüber nach, unser Engagement in Unternehmensanleihen Anfang 2016 in bestimmten Themenbereichen zu verstärken und dafür Aktien entsprechend schwächer zu gewichten.“ 

Schließlich, resümiert Lawler, ist GAM auch auf Gelegenheiten und Risiken fokussiert, die sich im neuen Jahr aus der Marktstruktur ergeben: „Die Veränderung beim Market-Making-Verhalten von Banken und Wertpapierhäusern hat zu bedeutenden Risiken und Trading-Gelegenheiten geführt. Was die Risiken angeht, sind die Märkte wesentlich anfälliger für starke Preisschwankungen, da die Liquidität eines Anlageinstrumentes oder Marktes schnell austrocknen kann. In dieser Situation ist es wichtig, dass ein Portfolio gegen solche Bewegungen gewappnet ist. Durch den Wandel der Marktstruktur eröffnen sich jedoch auch Chancen. Attraktive Gelegenheiten an den hochliquiden Märkten für Staatsanleihen sehen wir dort, wo die Korrektur von Kursanomalien erheblich länger dauert als in der Vergangenheit. Für Relative-Value-Strategien im Anleihebereich bieten sich hier Chancen. Alles in allem verspricht 2016 interessante Gelegenheiten, nicht zuletzt für Relative-Value-Trades. Wir sind uns aber auch der Risiken durch große Preisunterschiede und überlaufene Trades bewusst und sehen angesichts der aktuellen Bewertungen und der Probleme, vor denen die Weltwirtschaft steht, weniger Möglichkeiten, mit simplen Long-Beta-Positionen Geld zu verdienen.“