GAM: Wie Sie als Anleger beruhigt einschlafen können

Von Carlo Benetti, Anlageexperte bei GAM. Angst ist ein schlechter Begleiter, so sagt man. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sie unbegründet ist. Wenn Menschen an der Börse investieren, gilt das Gleiche: Wer seinen Emotionen zum Opfer fällt, ist sich selbst der größte Feind. 

Häufig reagieren Anleger auf Phasen großer Börsengewinne mit Euphorie und Optimismus. In Baisse-Zeiten hingegen gewinnen Angst und Panik die Oberhand. Das Ergebnis ist ein katastrophales Portfolio: Anleger gehen an die Märkte, wenn die Börse fast ihren Höchststand erreicht hat, und tendieren dazu, sich von ihren Anlagen zu trennen, wenn die Märkte sich dem Tiefststand nähern.

Was sind die Schlussfolgerungen für Anleger, die solche und ähnliche psychologische Fallen vermeiden wollen? Hier die sieben wichtigsten Regeln:

  1. Nicht glauben, man hätte immer Recht.Selbstüberschätzung ist das Salz des Lebens, der Motor, der uns dazu antreibt, etwas zu wagen. Sie ist das Geheimnis großer Unternehmer und aller erfolgreichen Frauen und Männer. Wenn es jedoch um Anlagen geht, ist es besser, nicht zu übertreiben. Bei nichtprofessionellen Anlegern führt ein zu großes Vertrauen in die eigene Auswahl zu einer Risikokonzentration – eine Todsünde, wenn unser Ziel darin besteht, keine Panik aufkommen zu lassen.
  2. Nicht nach Bestätigungen für die eigenen Entscheidungen suchen. Wir verfügen über überaus wirksame Schutzsysteme unseres Selbstwertgefühls: Treffen wir eine Entscheidung und stoßen anschließend auf Informationen, die im Widerspruch dazu stehen, dann neigen wir dazu, diese zu ignorieren oder uns dumm zu fühlen. Und keiner möchte sich dumm fühlen. Sicherheit in den Märkten gibt es nicht. Die Suche nach Hinweisen, die unsere Vorstellungen bestätigen, führt dazu, dass wir die Wahrheit vernachlässigen. Noch schlimmer: Wir ignorieren Tatsachen, die unsere Überzeugungen in Abrede stellen. Deshalb gilt: Besser gesunde Zweifel als ungesunde Sicherheit.
  3. Nicht der Herde folgen. Der Mehrheit darf man nur manchmal hinterhertraben, am besten in den Ferien, wenn man sich bei der Auswahl des Restaurants unschlüssig ist. Nie jedoch darf man „der Herde folgen“, wenn es um Anlagen geht. Denn es kann gut sein, dass die „anderen“ bei ihrer Entscheidung auch nur das Verhalten „anderer“ nachgeahmt haben. Widerstehen Sie der Versuchung, sich in Sicherheit zu wiegen, nur weil „das alle so machen“.
  4. Nicht zu oft auf das eigene Portfolio schauen.Betrachten Sie Ihr Portfolio nur gelegentlich. Vermeiden Sie das krampfhafte Studieren von Finanznachrichten oder Marktbewegungen. Schlechte Nachrichten führen dazu, aus Angst zu verkaufen, gute Nachrichten dazu, aus Euphorie das Risiko zu erhöhen. In beiden Fällen geht das zu Ihren Lasten. Ein Portfolio braucht lange, um zu reifen. Die Portfolioverwaltung ist wie das Backen eines Kuchens: Wenn man den Ofen zu oft öffnet um nachzuschauen, wie weit der Kuchen gediehen ist, fällt er in sich selbst zusammen, und das Endergebnis enttäuscht.
  5. Keine Titel kaufen, nur weil deren Wert gestiegen ist. Diese Vorgehensweise ist wohl die schlechteste Anlagestrategie, die es gibt. Wertpapiere und Indizes legen aus vielerlei Gründen zu, nicht zuletzt deswegen, weil alle glauben, dass sie anziehen. Die Finanzmärkte sind ein ausgezeichnetes Ökosystem für sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Das ist die Dynamik von Spekulationsblasen. Kaufen Sie Wertpapiere nur dann, wenn deren Fundamentaldaten auf weitere Steigerungen hindeuten.
  6. Diversifizierung, Diversifizierung, Diversifizierung. Das ist die goldene Regel eines jeden Handbuchs zur Panikvermeidung. Wie Mark Twain einmal treffend sagte: „Es kann nicht immer regnen, und es kann nicht überall regnen“. Ein breit gefächertes Portfolio ist am besten aufgestellt, um in einem finanziellen Umfeld mit geringen Renditen und hoher Volatilität zu bestehen. Oder in den Worten des Ökonomen Paul Samuelson: „Geldanlage sollte sich anfühlen wie Farbe beim Trocknen zuzusehen oder das Gras beim Wachsen zu beobachten. Wenn Sie Aufregung möchten, sollten Sie 800 Dollar in die Hand nehmen und nach Las Vegas fliegen”.
  7. Einem Berater vertrauen. Die wissenschaftliche Literatur belegt, dass einem Berater anvertraute Portfolios mittelfristig bessere Ergebnisse erzielen als selbstverwaltete. Es ist einleuchtend, weshalb dies so sein sollte. Ein Berater kennt die Märkte meist besser – vor allem aber weiß er mit den Emotionen der Anleger umzugehen. Sein emotionaler Abstand gestattet es ihm, ausgewogenere Entscheidungen zu treffen. Das gilt sowohl für Zeiten, in denen Euphorie vorherrscht, als auch dann, wenn der Durchschnittsanleger unsicher wird und Gefahr läuft, die besten Kaufbedingungen zu verpassen.

GAM ist einer der Sponsoren des Zentrums für experimentelle Forschung in Management and Economics (CERME), Teil eines großen Kooperationsnetzes, einschließlich der Abteilung für Wirtschaft, Management und Philosophie der Universität Ca 'Foscari in Venedig. Die Partnerschaft zwischen GAM und CERME beabsichtigt ein besseres Verständnis von Behavioral Finance zu entwickeln und durch experimentelle Forschungsmethoden relevante Erkenntnisse in Wirtschafts- und Managementthemen zu erlangen. Das Zentrum befasst sich mit mehreren zentralen Forschungsbereichen der Verhaltens- und experimentellen Ökonomie.

Fünf Wünsche für das neue Jahr

Larry Hatheway, Chefökonom und Leiter Multi-Asset Portfolio Solutions bei GAM. Mit großer Vorfreude und voller Hoffnung blicken wir auf das neue Jahr. Auf unserem Wunschzettel, der den Schwerpunkt auf Wirtschaft und Finanzen legt, stehen Dinge, für deren Verwirklichung man etwas Vorstellungskraft und eine ordentliche Portion Glück braucht. 

1. Mehr Lohngerechtigkeit: In den letzten Jahrzehnten ist das Einkommensgefälle immer größer geworden, vor allem in den etablierten Volkswirtschaften. Könnte sich diese Tendenz 2016 umkehren? Bei einer Reihe von Faktoren, die für die klaffende Lücke zwischen den (Super-) Reichen und dem Rest verantwortlich sind, ist eine Wende unwahrscheinlich. Dennoch dürfte der Umstand, dass in den USA, Großbritannien, Deutschland und Japan wieder annähernd eine Vollbeschäftigung erreicht worden ist, steigende Löhne zur Folge haben. Schließlich hat die Vergangenheit gezeigt, dass ein knappes Arbeitskräfteangebot zu Lohnsteigerungen führt. In den oben erwähnten Staaten ziehen die Reallöhne bereits an. Investoren beklagen möglicherweise den damit verbundenen Druck auf die Unternehmensgewinne, vergessen dabei aber, dass mehr Kaufkraft die Gesamtnachfrage stärkt. Durch die höheren Ausgaben der privaten Haushalte steigen auch die Gewinne der Unternehmen. Wohlhabendere Verbraucher sind auch eine solidere Basis für die Wirtschaftserholung in den USA, in Europa und Japan. Kurzum, etwas mehr Gerechtigkeit würde allen zugutekommen.  

2. Ein bisschen mehr Euro, Yen und Renminbi: In den vergangenen 18 Monaten ist der US-Dollar gegenüber fast allen Währungen auf den höchsten Stand seit mehreren Jahrzehnten gestiegen. Aber eine anhaltende Dollaraufwertung liegt möglicherweise nicht im Interesse der ganzen Welt. Stattdessen sollten wir 2016 eher auf Stabilität an den globalen Devisenmärkten hoffen. Eine Währungsschwäche trägt zwar dazu bei, die Inflation anzukurbeln, die in vielen Ländern zu niedrig ist. Doch es ist ein Trugschluss zu glauben, dass sie die Exporte und das Wachstum fördert. Die chronisch schwache globale Nachfrage sorgt dafür, dass bei einer Währungsschwäche das Wachstum und die Gewinne eher umverteilt als gesteigert werden. Eine „Beggar-thy-neighbour“-Politik, mit der man sich auf Kosten des Nachbarn Vorteile zu verschaffen versucht, sollten wir uns weder für 2016 noch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt wünschen. Ein stärkerer Dollar könnte sogar den Boden für weitere Belastungen und Instabilität bereiten. Für Rohstoffproduzenten hat er zum Beispiel in der Regel niedrigere Preise und sinkende Erträge zur Folge. Eine weitere Dollaraufwertung könnte auch zu Bedenken hinsichtlich der finanziellen Stabilität führen. Dies wiederum könnte eine Ausweitung der Credit Spreads und potenzielle Liquiditätsengpässe auf den Unternehmens- und Staatsanleihenmärkten nach sich ziehen. Zudem könnte ein stärkerer Dollar auch eine protektionistische Reaktion in den USA auslösen.  

3. Mehr echte Ingenieurskunst: Es wäre schön, wenn sich CEOs und CFOs etwas mehr für echte technologische Neuerungen statt für neue finanztechnische Maßnahmen interessieren würden. Während richtige unternehmerische Initiativen ausbleiben, deuten Fusionen und Übernahmen aus steuerlichen Gründen, Aktienrückkäufe und selbst Dividendenerhöhungen darauf hin, dass nur ein geringes Maß an Vorstellungskraft, Initiative und Vertrauen auf eine bessere Zukunft vorhanden ist. Fortschritt wurzelt allerdings nicht in Finanzplänen. Geschichte wird von Personen geschrieben, die es wagen, in die Zukunft zu investieren. Hoffen wir also, dass die CEOs 2016 mehr Vertrauen in ihre Belegschaft und ihre Innovationsfähigkeit haben werden. Neue Technologien, vom Internet der Dinge bis zu Big Data, bieten für Wagemutige gute Renditechancen. Großprojekte erfordern einen hohen Einsatz von menschlichem und physischem Kapital, wenn wir für alle eine bessere Zukunft schaffen wollen. Infrastruktur, kohlenstoffarme Energie und Gesundheitswesen sind gerade einmal drei Bereiche, in denen Innovationen sowohl für den Einzelnen als auch für die Gemeinschaft Fortschritte mit sich bringen können. Es ist an der Zeit, dass dies in den Chefetagen ankommt und dort auf echten Wandel gesetzt wird. 

4. Konstruktiver Sozialismus: Vor einigen Jahren bat mich der Chairman eines großen europäischen Unternehmens um meine Meinung zu einem Treffen politischer Entscheidungsträger in den Alpen. Es sollte über den Bedarf an weiteren Investitionen in die öffentliche Infrastruktur diskutiert werden. Ich war von der Idee begeistert, nur ein Punkt missfiel mir. Ich schlug vor, jedem der Teilnehmer ein Paar Turnschuhe zu kaufen und mit ihnen einen Spaziergang von Shoreditch nach Paddington in der Londoner Innenstadt zu machen, statt vor einer prächtigen Bergkulisse Cognac zu schlürfen. So sollte jeder einen persönlichen Eindruck davon bekommen, wie Investitionen in die Infrastruktur – in diesem Fall in das Eisenbahnnetz Crossrail  – ganze Stadtviertel und Skylines buchstäblich transformieren können. Denken Sie nur einmal darüber nach, was ein Schienennetz zur Verbindung der fünf New Yorker Stadtteile und des nördlichen New Jersey mit den drei großen Flughäfen der Region für Vorteile bringen könnte. Oder wie ein modernisierter öffentlicher Nahverkehr in Ballungsräumen von Connecticut bis Kalkutta, von Peking bis Bangkok und von Lagos bis Los Angeles, dazu beitragen könnte, die Mobilität der Menschen zu erhöhen und gleichzeitig die Luftverschmutzung zu verringern. Vielleicht funktioniert der Kapitalismus einfach am besten, wenn man ein wenig konstruktiven Sozialismus beimischt. 

5. Gesunder Menschenverstand: Unser letzter Wunsch bezieht sich auf den gesunden Menschenverstand. Wenn Menschen sich als globale Gemeinschaft verstehen, sollte es möglich sein, dass  sie die weltweiten Herausforderungen gemeinsam und auf vernünftige Weise zusammen angehen. Der Welthandel ist ein Beispiel dafür. Wie schön wäre es, die festgefahrene Doha-Welthandelsrunde neu zu beleben – etwa mit dem Ziel, den Agrarhandel zu liberalisieren? Dies könnte eine nachhaltige Entwicklung in Teilen Afrikas, Lateinamerikas und Südasiens anstoßen, die bislang im Zuge der Entwicklung der Schwellenländer kaum Beachtung fanden. Es wäre auch die einzige große Hoffnung für nachhaltige Verbesserungen des realen Lebensstandards der Ärmsten unter uns. Aber unsere gemeinsamen Träume erstrecken sich auch auf konkrete Schritte zur Bekämpfung des Klimawandels. Aus Respekt vor unseren Kindern und Enkelkindern müssen wir an das Erbe denken, dass wir ihnen überlassen werden. CO2-Steuern und Handel mit Emissionsrechten sind ein sinnvolles Geschenk für das Gemeinwohl. Den gesunden Menschenverstand sollten wir auch 2016 nutzen.

Verlassen Sie sich nicht auf Punktprognosen

Kommentar von Dr. Harald Preißler, Chefvolkswirt und Leiter Anlagemanagement des Anleihemanagers BANTLEON.

Der Jahreswechsel steht bald vor der Tür – und es ist wieder Prognosezeit: »DAX 14.000«, »Dow Jones 20.000« und »Nikkei 22.400«, konnte man in den vergangenen Tagen in den Zeitungen lesen. Ja, auch wir haben in den vergangenen Wochen Marken für Anleihenrenditen und Aktienkurse formuliert. Allerdings haben diese Zahlen für unsere Arbeit als Asset Manager eine geringere Bedeutung als vielfach angenommen. Sie sind nur Ausdruck unserer fundamentalen Grundeinschätzung. Schließlich ist es für den künftigen Anlageerfolg nicht entscheidend, welche Performance Assetklassen erzielen könnten – zumal die meisten Kursziele am Jahresende ohnehin Makulatur sein werden. Viel wichtiger ist doch, in welchem Zeitraum Aktien, Anleihen & Co. überhaupt einen Ertrag ermöglichen.

Um das relativ zuverlässig einschätzen zu können, lohnt sich ein Blick auf die konjunkturelle Entwicklung, folgen ihr doch alle wichtigen liquiden Assetklassen, die sich in zwei Gruppen einteilen lassen: Auf der einen Seite stehen die Risikoanlagen, zu denen Aktien, Rohstoffe und Hochzinsanleihen gehören. Gemeinsam entwickeln sie sich immer dann gut, wenn die Wirtschaft wächst. Das Gegengewicht sind die »sicheren Häfen«, zu denen Top-Anleihen und auch Gold gehören, die ihre Stärke in wirtschaftlichen Schwächephasen und jeder Form von Krise zeigen. Deshalb ist für unsere Prognosen für das Jahr 2016 die Entwicklung der Konjunktur entscheidend.

Tatsächlich dürften Anleger 2016 mit beiden Gruppen Geld verdienen können – allerdings nicht zur gleichen Zeit. Warum? Weil wir im Jahresverlauf mit der nächsten Trendwende im Konjunkturzyklus rechnen müssen. Das zeigen zumindest unsere weit in die Zukunft reichenden Frühindikatoren an, die sich in den vergangenen Jahren als sehr zuverlässig erwiesen haben.

Im ersten Halbjahr spricht alles für Risikoassets: Die US-Konjunktur wächst nach wie vor solide und hat trotz der Zinswende der Fed positive Perspektiven. Auch die Wirtschaft der Eurozone zeigt sich erstaunlich robust. Und selbst in China mehren sich nach erfreulichen Signalen diverser Frühindikatoren die Anzeichen für einen zaghaften Aufschwung.

Entsprechend ist der Ausblick für die Aktienmärkte in den nächsten Monaten gut. In der Eurozone gilt dies sogar noch mehr als in den USA, weil die Bewertungen diesseits des Atlantiks großen Nachholbedarf haben. Konkret bedeutet dies neue Höchststände. Der DAX beispielsweise sollte im nächsten Jahr Richtung 13.000 Punkte marschieren und der Eurostoxx50 die 4.000er-Marke testen, während der Schweizer Index SMI über 11.000 Punkte steigen dürfte.

Wen bei diesen Prognosen im Hinblick auf die Bewertungen die Höhenangst erfasst, der sollte in den Rückspiegel schauen: In den vergangenen Jahren hat sich immer wieder gezeigt, dass Aktien trotz hoher Bewertungen noch teurer werden können, wenn die wirtschaftliche Dynamik zunimmt – so wie wir das für das 1. Halbjahr 2016 erwarten.

An den Anleihenmärkten müssten die Aussichten im 1. Halbjahr eigentlich klar negativ sein. Denn die stärker wachsende Wirtschaft sowie die moderat anziehende Inflation entziehen der Bond-Rallye das Fundament. Hinzu kommen Notverkäufe ausländischer Staatsfonds, die in zunehmendem Maß ihre EUR-Anleihen liquidieren, um stützend an den Devisenmärkten intervenieren zu können. Dass es mit dem Zinsanstieg trotzdem nicht so einfach ist, liegt an den großvolumigen Anleihenkäufen der EZB, die den erstgenannten Faktoren wuchtig entgegenwirken. 

Unter dem Strich ist deshalb davon auszugehen, dass die Renditen deutscher Bundesanleihen in den nächsten Monaten zwischen 0,40 und 0,80% gefangen bleiben. Besser sieht es bei europäischen Peripherie-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen aus. Dort sollte sich die anziehende Konjunktur positiv auswirken und deutliche Kursgewinne nach sich ziehen.

Viel Zeit bleibt Anlegern aber nicht, um von diesen positiven Entwicklungen zu profitieren. Schon um die Jahresmitte 2016 dürfte die Konjunktur sich weltweit wieder abschwächen. Die Folge wären im 2. Halbjahr einerseits deutliche Kursrückgänge bei Aktien, die durchaus 25 bis 30% betragen können. Andererseits ist dann bei Bundesanleihen und anderen Top-Staatsanleihen mit Kursgewinnen zu rechnen. Anleger sind also gut beraten, sich nicht allein auf noch so schön klingende Punktprognosen für Anleihenrenditen und Aktienkurse zu verlassen. Stattdessen sollten sie in den nächsten Monaten vor allem die Entwicklung der Konjunkturbarometer – wie das Ifo-Geschäftsklima oder den Einkaufsmanagerindex – genau im Blick behalten. Wer dann zur richtigen Zeit in die passende Assetklasse investiert, dürfte bis zum Jahresende auch einen attraktiven Ertrag erzielt haben.

BMO Global Asset Management: 2015 im Rückblick

2015 geht als dramatisches Jahr voller Turbulenzen in die Finanzmarktgeschichte ein. Spannend war es allemal, nur zufriedenstellende Erträge waren eher selten. So die Einschätzung von Steven Bell, Chefvolkswirt von BMO Global Asset Management.

Aktien erzielten 2015 die höchsten Erträge und landeten damit auf den Plätzen 1 bis 15 unseres Anlageklassen-Rankings. Grund hierfür war teilweise die aktientypische Volatilität, die im Übrigen aber auch dafür sorgte, dass sich nicht wenige Vertreter der Anlageklasse in der schlechtesten unserer Kategorien wiederfanden. Und natürlich hat auch die schwache Wertentwicklung aller anderen Anlageklassen Anteil an diesem Ergebnis.

Wer dieses Jahr vernünftige Anlageergebnisse erzielen wollte, musste vor allem die vielen Stolpersteine umgehen und im richtigen Moment zugreifen. Besonders problematisch erwiesen sich Rohstoffe und die Schwellenländer, und im Doppelpack wurden sie zum Garant für miserable Ergebnisse: in US-Dollar ist der brasilianische BOVESPA dieses Jahr bisher um 38% abgesackt, und der südafrikanische All Share-Index hat 27% verloren, obwohl Präsident Zuma bei der Ernennung eines neuen Finanzministers eine komplette Kehrtwende hingelegt hat. 

Stolperstein Hochzinsanleihen

Angesichts der überdurchschnittlichen Aktienmarktentwicklung und sehr niedrigen Anleihenrenditen hätten Kreditpapiere das Instrument der Wahl sein sollen. Das Angebot war auch hoch, aber ganz allmählich befürchteten die Anleger Liquiditätsprobleme, und so blieben Kreditpapiere zurück und die Spreads stiegen. Dieser Prozess verlief relativ geordnet, bis der US-Hochzinsmarkt vor einigen Tagen vom Zusammenbruch zweier Publikumsfonds erschüttert wurde. Dies weckte Erinnerungen an die Aussetzung von zwei Subprime-Fonds, die im Jahr 2007 ein ganzes Jahr vor dem Lehman-Debakel zu Schwierigkeiten bei Bear Stearns und BNP Paribas führten. Ohne unserer Prognose für 2016 vorgreifen zu wollen, die wir Anfang des neuen Jahres veröffentlichen: Wir glauben nicht, dass sich die Geschichte wiederholt. Tatsächlich ist der Markt in gewisser Hinsicht durch seine kurze Duration und die hohen Renditen geschützt. Das zeigt auch die Wertentwicklung, denn bis heute hat der Markt in den USA 3% und in Europa 0,3% eingebüßt.

Ursprüngliche Verursacher dieser Probleme sind die Kurseinbrüche bei Öl und anderen Rohstoffen, die zum Teil angebotsseitigen Entwicklungen geschuldet sind: einer verzögerten Reaktion auf die noch vor wenigen Jahren sehr hohen Preise und, im Falle des Schieferöls, neuen Technologien. Daneben spielte auch die gesunkene Nachfrage aus China eine Rolle, dessen Wirtschaft sich nach einem Boom des rohstoffintensiven Industrie- und Rohstoffsektors stärker in Richtung Dienstleistungen orientiert. Vielfach steigt die Rohstoffnachfrage, und die Preise liegen deutlich unter den operativen Kosten. Allerdings ist noch nicht ausgemacht, wo die Preise einen neuen Boden bilden.

Und die Lichtblicke?

Zu ihnen zählten zum Beispiel die europäischen Randstaaten: besseres Wachstum und die energische Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) führten zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen. Der italienische FTSE MIB-Index hat 2015 bisher um respektable 13% zugelegt, und mit 30-jährigen italienischen Anleihen ließen sich 18% verdienen. Wie lohnend die Erfüllung der harten an die Rettungsgelder geknüpften Bedingungen war, zeigt der Vergleich zwischen portugiesischen und griechischen Aktien: erstere rentierten +12%, letztere -29%.

Auch Technologieinvestments waren einträglich. Die gute Wertentwicklung der sogenannten FANGs (Facebook, Amazon, Netflix und die früher als Google bekannte Aktie) ist gut dokumentiert, aber selbst der europäische Technologiesektor schlug sich wacker. Der deutsche und der britische Technologieindex stiegen um 29% bzw. 13%. 

Zentralbanken weiterhin marktbestimmend 

Wie immer übten die Zentralbanken starken Einfluss auf die Finanzmärkte aus. Anfang des Jahres versprach die EZB unter Präsident Mario Draghi viel und legte dann mit ihrer Version der quantitativen Lockerung noch eine Schippe drauf. Zum Jahresende senkte sie ihren ohnehin schon negativen Einlagenzins weiter und weitete die quantitative Lockerung aus. Das könnte hochfliegende Markterwartungen enttäuscht haben, aber ein Drittel aller Euroraum-Staatsanleihen rentieren jetzt im Minus. Die Märkte widmen sich derweil der Frage, ob fünf restriktiver argumentierende EZB-Mitglieder − zwei Deutsche sowie die Zentralbankchefs der Niederlande, Estland und Litauens − ein wirksames Gegengewicht zum „Extremlockerer“ Draghi bilden. Falls ja, werden weitere EZB-Lockerungen schwieriger. Aber vielleicht sind sie auch gar nicht nötig, denn die Kreditvergabebedingungen haben sich verbessert, und sowohl das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als auch die Industrieproduktion wachsen im gesamten Euroraum und ganz besonders stark in Italien und Spanien.

Auch die Geldpolitik in den USA sorgte 2015 lange für Gesprächsstoff. Wann, so die Frage, würde der Offenmarktausschuss (FOMC) endlich die Zinsen anheben? Letztendlich war es erst anlässlich des letzten Treffens des Jahres so weit. Noch nie wurde ein Zinsanstieg um 0,25 % so sehnsüchtig erwartet. Das Rätselraten geht derweil munter weiter, denn jetzt fragen sich die Fed-Beobachter, wie schnell und bis auf welches Niveau die Zinsen weiter angehoben werden. Die Befürworter einer restriktiveren Linie stellen die niedrige Arbeitslosigkeit und erste Anzeichen von Inflationsdruck bei Mieten, Löhnen, Gesundheitskosten und Basiseffekten heraus. Die Krise, die den FOMC zu Zinssenkungen auf nahe Null gezwungen hat, ist ihrer Einschätzung nach vorüber, und nun wird es Zeit, die Zinsen wieder auf normalere Niveaus anzuheben. Umgekehrt argumentieren die Befürworter einer expansiven Politik, dass der Inflationsdruck eher herbeigeredet als real ist und die Dollarstärke und die steigenden Spreads bereits für eine Verschärfung der Bedingungen gesorgt haben. Sie verweisen auf die lange Liste jener, die wie etwa die EZB und die Zentralbanken von Australien, Kanada und Schweden in den letzten Jahren die Zinsen angehoben haben und dann zurückrudern mussten. 

Volatilitätsfaktor Politik 

Auch die Politik beeinflusste die Märkte erheblich. Dass Argentinien und Venezuela ganz oben auf unserer Liste der besten Aktienmärkte stehen, verdanken sie ihren neuen Regierungen. Aber im Vergleich mit politischen Prognosen sind Konjunkturprognosen beinahe ein Kinderspiel, und wir bezweifeln, ob irgendjemand die Zickzackkurse des griechischen Premierministers oder gerade kürzlich Jacob Zumas vorhersagen konnte. So mancher hat im Übrigen auch schon wieder vergessen, dass Griechenland im ersten Halbjahr 2015 die längste Zeit das Topthema an den globalen Märkten war und mit mehr als einem Fuß außerhalb des Euroraums stand. Am wichtigsten ist vielleicht die Erkenntnis, dass Europa die Feuertaufe bestanden hat. 

Die politische Unsicherheit bleibt uns auch 2016 erhalten – womöglich sogar in verschärfter Form. Denn Großbritannien stimmt vermutlich über den EU-Austritt ab, und in Deutschland, Japan sowie natürlich den USA stehen nationale Wahlen an. Wie es hier weitergeht, prognostizieren wir übrigens lieber anhand der Wettquoten als anhand der Umfragewerte, denn erstere kommen der Realität meist näher. Damit bestünde eine 40%-Wahrscheinlichkeit, dass die Briten die EU verlassen, und Donald Trump hat eine 12,5%-Chance, der nächste US-Präsident zu werden. 

Nun aber wünschen wir Ihnen und Ihrer Familie erst einmal erholsame Festtage. Genießen Sie den Frieden und die Ruhe, solange die Märkte geschlossen sind. Denn auch 2016 wird vermutlich wieder volatil und dürfte uns einiges abverlangen.

Lesen Sie im Folgenden den vollständigen Rückblick auf das Jahr 2015 von Steven Bell. Den englischen Original-Text sowie ergänzende Grafiken finden Sie im links beigefügten PDF.

Über BMO Global Asset Management

BMO Global Asset Management ist ein globaler Investmentmanager, der Kunden auf fünf Kontinenten über 27 Niederlassungen in 14 Ländern einen herausragenden Service bietet. Einschließlich der in Portfolios mit und ohne Verwaltungsmandat betreuten Anlagen verwaltete BMO Global Asset Management per 31. Juli 2015 ein Vermögen von über 244 Milliarden US-Dollar.

Die Organisation stützt sich auf vier multidisziplinäre Teams an den Firmensitzen in Toronto, Chicago/Milwaukee, London und Hongkong. Diese werden durch ein Netzwerk von Boutique-Managern von Weltformat an strategischen Standorten in aller Welt ergänzt. Hierzu zählen unter anderem BMO Real Estate Partners, LGM Investments, Monegy Inc., Pyrford International Ltd. und Taplin, Canida & Habacht, LLC. Mit Aktivitäten in ganz Nordamerika und Europa sowie in Abu Dhabi, Mumbai, Peking, Schanghai, Hongkong, Melbourne und Sydney wurde BMO Global Asset Management von Pension & Investments als einer der 100 größten Vermögensverwalter der Welt anerkannt. Diese Beurteilung stützt sich auf das insgesamt verwaltete Vermögen per 31. Dezember 2014. Das Unternehmen ist Unterzeichner der von den Vereinten Nationen unterstützten Initiative Principles for Responsible Investment (UNPRI, Grundsätze für verantwortungsbewusste Investments).

BMO Global Asset Management ist ein Teil der BMO Financial Group (NYSE: BMO), einer breit diversifizierten Finanzdienstleistungsorganisation mit einer Bilanzsumme von 672 Milliarden Kanadischen Dollar per 31. Juli 2015 und über 47.000 Mitarbeitern.

Wandelanleihen mit Investment Grade profitieren am Markt

Etliche große Unternehmen haben die letzten Wochen des laufenden Jahres genutzt, um nennenswerte Wandelanleiheemissionen am Markt zu platzieren. Dabei waren insbesondere Unternehmen aktiv, die über eine Investment-Grade-Kreditqualität verfügen. Dennoch ist insgesamt die Investment-Grade-Anlagequalität im Wandelanleihemarkt eher unterrepräsentiert. Genau von dieser Entwicklung profitieren derzeit Unternehmen, die ein Investment Grade mitbringen, um ihre Wandelanleiheemissionen am Markt zu positionieren.

Im Allgemeinen ist der Wandelanleihemarkt zu großen Teilen nicht von einer der großen Rating- Gesellschaften bewertet“, erklärt Gerrit Bahlo, Credit Analyst Man Convertibles. „Stattdessen kommen viele Emissionen von mittelgroßen Unternehmen, die entweder kein Rating haben, oder die nicht extra für die Wandelanleihe ein weiteres Rating beantragen wollen. Zwar verfügen viele dieser Unternehmen häufig über Kreditprofile, die im Übergangsbereich zu Investment Grade angesiedelt werden können, die Folge ist jedoch, dass die Investment-Grade-Anlagequalität im Wandelanleihenmarkt eher untervertreten ist. Dies wiederum ermöglicht Unternehmen mit einem starken Investment Grade Rating häufig Wandelanleihen, mit für sie vorteilhaften Konditionen, auszugeben. Wandelanleihen mit Investment Grade erfreuen sich auch oft am Sekundärmarkt großer Nachfrage und werden teilweise mit stolzen Bewertungen gehandelt. Dank einem Emissionsvolumen in Höhe von mehreren Milliarden Schweizer Franken durch europäische Unternehmen, wie Vodafone, Total oder IAG, aber auch Unternehmen aus Asien, wie Baosteel, sind diese Wandelanleihen jüngst wieder attraktiver geworden.“

Wer hat Angst vor russischen Aktien?

Eine Investition in russische Aktien war noch nie etwas für schwache Nerven. Diese Ansicht vertritt Erdinç Benli, Co-Leiter des Teams für globale Schwellenländeraktien bei GAM. „Die meisten Investoren ergriffen zuletzt im vergangenen Jahr die Flucht und verkauften ihre russischen Aktien noch vor dem Jahresende 2014 – mitunter zu jedem Preis“, so Benli. Nach der Rubelabwertung und den starken Abverkäufen fiel der russische Markt auf US-Dollar-Basis vor gut einem Jahr auf einen historischen Tiefstand. Der Ukrainekonflikt und die damit einhergehenden Sanktionen des Westens gegen Russland, der niedrige Ölpreis und die Angst vor Kapitalkontrollen hätten zu dieser Entwicklung geführt. Um den drastisch sinkenden Rubel-Kurs zu stützen, erhöhte die russische Zentralbank die Zinsen, wodurch das Kreditwachstum und die Konjunktur gebremst wurden. 

Russische Aktien bieten attraktive Aussichten für 2016

„Jedoch verpassten all jene Anleger, die ihre russischen Aktien vor einem Jahr verkauften, eine der größten Rallys der wichtigsten Aktienmärkte in diesem Jahr“, sagt der GAM-Experte. Wie der jüngste Rückgang der Ölpreise nach der letzten OPEC-Sitzung verdeutlichte, bestehen nach wie vor Risiken, die nach Benli auch ernst genommen werden sollten. Der Öl- und Gassektor hat am russischen Aktienmarkt ein Gewicht von rund 60 Prozent und liefert knapp die Hälfte der Staatseinnahmen. Zudem befindet sich die russische Wirtschaft in einer Rezession und wird 2015 voraussichtlich um 3,8 Prozent schrumpfen. Dennoch ist Benli überzeugt: „Allen Investoren mit starken Nerven, die wirtschaftliche Risiken und politische Unsicherheiten verkraften, bieten russische Aktien 2016 attraktive Chancen.“ Denn die Zentralbank wird ihren Leitzins Prognosen zufolge von derzeit elf Prozent im Verlauf des nächsten Jahres um mehr als 300 Basispunkte senken. Diese Maßnahme dürfte die beginnende Konjunkturerholung stützen und auf Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes und Auftragseingänge im Fertigungssektor hindeuten. „Die Umsätze im Einzelhandel sind weiterhin sehr schwach und leiden unter den geringeren Reallöhnen, doch die Inflation scheint im März 2015 einen Höchststand erreicht zu haben und dürfte weiter sinken“, so Benli.

Finanzunternehmen profitieren besonders

Die sinkenden Zinsen und die wirtschaftliche Erholung könnten vor allem Finanzunternehmen zugutekommen, darunter Sberbank, Russlands größtes Kreditinstitut. Auch der Blick auf einige Öl- und Gasunternehmen lohnt sich laut Benli. Ein Beispiel: Surgutneftegas und Bashneft schnitten in diesem Jahr sogar besser ab als europäische Aktien – trotz der sinkenden Ölpreise. Als exportorientierte Unternehmen verbuchen sie den Großteil ihrer Kosten in Rubel, während ihre Umsätze in Dollar anfallen, sodass sie von der Rubel-Schwäche profitieren. Dank ihrer soliden Bilanzen bieten diese Unternehmen zudem eine attraktive Dividendenrendite von sieben bis zehn Prozent. 

Auch Düngemittelhersteller wie PhosAgro oder Akron verzeichnen ein zweistelliges Gewinnwachstum und weisen eine Dividendenrendite von sechs bis sieben auf. Ein noch höheres Gewinnwachstum von 35 Prozent bei attraktiven Bewertungen lässt sich im Lebensmitteleinzelhandel ausmachen. In der gesamten Volkswirtschaft haben sich die Unternehmen in diesem Jahr auf die operative Effizienz konzentriert, um ihre Margen und Erträge zu steigern. Wenn die Konjunktur sich in den nächsten sechs bis zwölf Monaten erholt und die Umsätze anziehen, sollte sich der höhere Operating Leverage unmittelbar auf die Gewinne auswirken und auch die Aktienkurse stützen. 

Gegenwärtig sind Erwartungen für russische Aktien größtenteils sehr niedrig. Die meisten Investoren warten nach wie vor auf eine breite Markterholung. Ein möglicher Auslöser hierfür wäre die Aufhebung der Sanktionen durch die USA und die EU. Sollten die Ölpreise im Jahr 2016 in Richtung der Konsensschätzung von 56 US-Dollar steigen, würden sich die Kurse russischer Aktien kräftig erholen und könnten sogar die meisten anderen Schwellenmärkte übertreffen. Bis diese Entwicklung einsetzt, können sich mutige Anleger mit den derzeit niedrigen Bewertungen trösten: Selbst auf sektorbereinigter Basis werden russische Aktien mit einem Abschlag von rund 20 Prozent gegenüber anderen Schwellenmärkten gehandelt, und das bei einem erwarteten Gewinnwachstum von 7 Prozent im Jahr 2016 und einer Dividendenrendite von über 5 Prozent. 2016 könnte also durchaus ein weiteres gutes Jahr werden.

Stabiles Wachstum und geringes Inflationsrisiko – Gute Aussichten für 2016

Das kommende Jahr wird sich im Vergleich zu 2015 durch eine solidere und robustere globale Wirtschaftslage auszeichnen, die risikoreiche Anlagen wieder attraktiver macht. Für die positiven wirtschaftlichen Entwicklungen im Jahr 2016 sehen die Experten von Unigestion vor allem drei Gründe:

  1. Nachdem der US-Dollar über die letzten 15 Monate um 20 Prozent aufgewertet wurde, kommt dieser Wachstumsschub nun zu einem Ende, was wiederum zu einer Stabilisierung der Schwellenländer führen sollte.
  2. Die Industrienationen setzen ihren beständigen Wachstumspfad fort und können als von der Binnennachfrage abhängige Länder weiterhin von dem allgemein niedrigen Preisniveau profitieren.
  3. Auch die Inflationsrate wird sich stabilisieren, denn ein weiterer Einbruch des Ölpreises um 60 Prozent ist unwahrscheinlich, da er damit unter 20 US-Dollar fallen würde. Selbst bei geringfügigen Preiseinbrüchen ist die für die Investmentbranche so bedeutende Stabilität der Inflation nicht gefährdet.

Florian Ielpo, Head of Macroeconomic Research im Cross Asset Solutions Team bei Unigestion, prognostiziert in seinem Report volkswirtschaftliche Chancen im kommenden Jahr und erklärt, welche potenziellen Makrorisiken auch 2016 bestehen bleiben und welche Anlageformen Unigestion in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage empfiehlt. Ein PDF des vollständigen Reports finden Sie im links.

Die Macht erwacht (zumindest graduell)

Jetzt ist es endlich soweit: Nach einer gefühlten Ewigkeit ist der neue Star Wars-Film in den Kinos. Ach so, und die US-Zentralbank (Fed) hat die Zinsen um 0,25 Prozent angehoben. Im Folgenden kommentiert Steven Bell, Chefvolkswirt bei BMO Global Asset Management (EMEA), den gestrigen Zins-Entscheid der US-Notenbank Fed.

Sicher waren die Notenbankchefin Janet Yellen und der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) hocherfreut über die Marktreaktion – ruhig, maßvoll und mit einer moderaten, aber deutlichen Rallye bei Risikopapieren. Während der Schritt selbst niemanden überrascht hat, wurden die Details akribisch auf Hinweise über die künftigen Absichten des FOMC durchleuchtet. Sowohl in der FOMC-Verlautbarung als auch während der Pressekonferenz von Frau Yellen war immer wieder von „graduellen“ Schritten die Rede. Die Notenbankchefin betonte auch, dass die Geldpolitik auch jetzt noch stark expansiv bleibe. Insgesamt haben wir aber doch den Eindruck gewonnen, dass die Fed deutlich straffungswilliger ist und die US-Geldpolitik für die Märkte im neuen Jahr mehr als eine unliebsame Überraschung bereithalten könnte. 

Drei Aspekte der gestrigen Ankündigung sprechen für diese Interpretation: Zunächst die klare Linie des Gremiums: die Zinserhöhung wurde einstimmig beschlossen. Zum anderen bleiben die Fed-Konjunkturprognosen, die auch eine Zinsprognose enthalten, praktisch unverändert. Der FOMC geht weiterhin davon aus, dass die Zinsen im Jahr 2016 vier Mal angehoben werden – der Markt berücksichtigt nur zwei Zinsschritte. Zum dritten äußerte sich die Fed zuversichtlich zur Konjunkturentwicklung. So wies sie auf das Gleichgewicht zwischen positiven und negativen Wachstumsrisiken hin, während sie zuvor tendenziell die Abwärtsrisiken betonte. Angesichts der Sorgen um China, den Ölpreis und den High-Yield-Markt hätte so mancher mit einer vorsichtigeren Aussage gerechnet.

Offenbar geht der FOMC davon aus, dass die US-Wirtschaft auch künftig einigermaßen stabil wächst und die Beschäftigungszahlen steigen. Zweifelhaft ist für die Fed vor allem, ob die Inflation wie erwartet und prognostiziert anzieht. Dazu wäre von unserer Seite nur hinzuzufügen, dass die Kern-Verbraucherpreise bereits um 2 Prozent zugelegt haben und die Gesamtinflation wegen der Basiseffekte Anfang nächsten Jahres deutlich steigen dürfte. Legt die Kerninflation weiter zu und macht sich dies im Deflator der Verbraucherausgaben bemerkbar, dem der FOMC besondere Bedeutung beimisst, dann müssen die Märkte ihre bisher gemäßigten Zinserwartungen überdenken.

Was bedeutet das für die Märkte? BMO Global Asset Management (EMEA) hält in den meisten Multi-Asset-Portfolios seit einiger Zeit mehr Risiken. Angesichts der Rallye haben wir dieses Engagement insgesamt aber zurückgefahren, zumal jetzt, wie häufig um diese Jahreszeit, eine „Weihnachts-Rallye“ einsetzen könnte. 2016 wird es dann schwieriger. Wenn wir recht haben und der FOMC die Zinsen schneller anhebt als der Markt aktuell erwartet, dürfte der Dollar wieder anziehen und es käme zu Verkäufen an den Anleihenmärkten und bei Risikopapieren. Andererseits verfolgen die Zentralbanken in Europa und Japan einen anderen Kurs als die USA und lockern die Geldpolitik weiter. Davon sollten Risikopapiere sowohl absolut als auch relativ profitieren.

Ein kleiner Schritt für die Fed – ein großer Schritt für die Finanzmärkte

„Es mag noch zu früh sein, zu sagen, dass die Ära der Rettung der Finanzmärkte durch die Zentralbanken vorüber ist. Schließlich weiten die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan ihre Bilanzen weiter aus. Aber wir könnten auf dem Weg zu einer Situation sein, in der die Märkte wieder den Preis des Kapitals bestimmen.“ sagt Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat den Leitzins um 25 Basispunkte erhöht. Dies ist erst der Anfang, argumentiert Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers. „Die Ökonomen werden sich gegenseitig mit Prognosen zur Zahl und zum Timing der kommenden Zinsschritte überbieten, aber die wichtigste Botschaft ist, dass die Ära der Nullzinsen in den USA endet“, erläutert der Experte. „Es mag noch zu früh sein, zu sagen, dass die Ära der Rettung der Finanzmärkte durch die Zentralbanken vorüber ist. Schließlich weiten die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan ihre Bilanzen weiter aus. Aber wir könnten auf dem Weg zu einer Situation sein, in der die Märkte wieder den Preis des Kapitals bestimmen.“ Die Anpassung werde allerdings langsam vor sich gehen und starte auf einem sehr niedrigen Renditeniveau. „Das bedeutet nichts Gutes für Anleihe-Investoren, die sich auf ein weiteres Jahr mit mageren Erträgen einstellen können“, so Iggo weiter.

Immerhin aber seien die Märkte gut auf den Zinsschritt der Fed vorbereitet gewesen. „Es war ein bisschen so, als würde man Ihnen Monate im Voraus erzählen, dass Sie sich wegen einer Wurzelbehandlung zum Zahnarzt begeben müssen – und dann bekommen Sie doch nur Zahnseide“, sagt Iggo. Möglicherweise lasse sich die jüngste Schwäche auf den Rohstoff- und High-Yield-Märkten mit einer gewissen Angst im Vorfeld der Fed-Sitzung erklären. Daher könne es nun zu einer Erleichterungsrally kommen.

Mit dem Ende der Nullzinspolitik beginne nun der Zyklus der geldpolitischen Straffung. Dieser dürfte sich Iggos Ansicht zufolge lange hinziehen. In der Vergangenheit hätten Zinsanhebungszyklen im Durchschnitt zu Leitzinserhöhungen um 350 Basispunkte geführt. Iggo rechnet allerdings für den aktuellen Zyklus nicht mit einem derart starken Anstieg: „An den Märkten sind gerade einmal zwei Zinsschritte für das Jahr 2016 eingepreist – und das, obwohl der Ausblick der Fed selbst eher nahe legt, dass es vier Zinserhöhungen geben könnte.“ Den Grund für diesen Versuch der Fed, die Märkte auf ein höheres Straffungstempo vorzubereiten, sieht Iggo in der relativ robusten Lage der Konjunktur. Die Arbeitslosigkeit liege inzwischen deutlich unter der natürlichen Arbeitslosenquote, die Inflation steige und das Bruttoinlandsprodukt wachse im Mittel um etwa 2,5 Prozent. „Dieses Wachstumstempo dürfte hoch genug sein, um mehr Nachfrage nach Arbeitskräften zu wecken. An irgendeinem Punkt wird dies zu einer höheren Lohninflation und höheren Inflationserwartungen führen“, erklärt Iggo. „Wenn die Akteure am Anleihemarkt sich auf eine solche Entwicklung einstellen, wären Renditen von mehr als 3 Prozent bei US-Staatsanleihen keine Überraschung mehr.“

The market is behind the FOMC curve

In a highly telegraphed move, the FOMC has increased rates for the first time in nine years by 0.25%. Over the past 5 tightening cycles, the Fed hiked rates 7 times in the first 12 months.

Investors appear to fear a ‘1994’ type scenario when the Fed’s tighter policy triggered a bond market collapse. We expect that a bond market collapse is unlikely: the Fed’s inflation fighting credibility has increased as inflation expectations have come down over the past 40 years, resulting in a lower starting point for the current rate tightening cycle. While the Fed may be able to raise rates more gradually given its better credibility, its rhetoric must be clear: with the US economy moving towards full employment, inflation expectations must be contained.

Pipeline inflation pressure should be the Fed’s focus. If the Fed is too slow in raising rates in 2016, inflation expectations will begin to gain momentum and the only cure will be a more aggressive rate profile. Global inflation expectations are rising and there is evidence of inflationary pressure in the system. Core and trimmed inflationary readings are around 1.7-2.0%, suggesting underlying price trends are not as benign as the headline indicates. Wage growth is already near 2.5%, which is likely to strengthen as the US jobs market tightens.

Joining the dots
The Fed’s new economic projections indicate that the median expectation is for four rate increases in 2016. If such policy prevails, the market will remain behind the curve. 

Implications for the US Dollar
Currently the market is pricing two further rate rises for 2016. Recent weakness is expected to turn into strength for the USD in the near–term, but a peak is in sight. We expect the USD to strengthen, but at a slower pace in Q1 2016 as inflationary pressure sees real interest rate differentials narrow. We expect the turning point for the USD will occur when market pricing catches up to the Fed projections of rate hikes in 2016. After Q1, rising inflationary pressure alongside a flattening US yield curve will see the USD decline as growth in real yield differentials turns negative.

GAM Ausblick 2016 – Die wichtigsten politischen Risiken im Jahr 2016

Krisen sind in unserer Welt Alltag. In der Regel sind wir stets mit mehreren Krisen und Risiken konfrontiert, die das Potenzial haben, die Welt auf Jahre hinaus zu prägen. Geopolitische Risiken lassen sich naturgemäß schwer vorhersagen. Dennoch haben die Investmentexperten bei GAM einige Schlüsselthemen identifiziert, die sie 2016 im Auge behalten werden. 

Brexit – Larry Hatheway, Group Head of Multi-Asset Portfolio Solutions und Chefökonom der Gruppe 
„Es bleibt unwahrscheinlich, dass das Referendum in Großbritannien in einem Ausscheiden des Landes aus der EU resultiert. Dennoch stellen die Unsicherheit über das Ergebnis und dessen Folgen für die Wertpapierkurse ein Risiko für die Finanzmärkte dar. Eine Parallele dazu bildet das Schottland-Referendum. Die Marktauswirkungen könnten auch eine gewisse Schwäche des britischen Pfunds und der Finanzwerte beinhalten.“

Fehlendes Wachstum in Europa – Oliver Maslowski, Portfoliomanager, europäische Aktien
„Die Wachstumskrise, unter der Europa leidet, ist immer noch ungelöst und könnte durch die Migrationskrise noch verschärft werden. Hinzu kommt, dass die Schuldenkrise in der Eurozone noch lange nicht gelöst ist. Dessen müssen sich die Anleger bewusst sein. Das Haushaltsdefizit vieler Länder verstößt immer noch gegen die Maastricht-Kriterien. Das gilt etwa für Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. Dank der expansiven Geldpolitik werden die Schulden immer höher, während das BIP-Wachstum schwach bleibt. Im Augenblick verhindern nur die äußerst niedrigen Zinsen, dass die Kredite vieler dieser Länder notleidend werden. Durch die Migrationskrise werden die Schulden in der EU weiter steigen, während der erhoffte Beitrag der Migration zum Wirtschaftswachstum abzuwarten bleibt.“

Ölpreis und Naher Osten – Paul McNamara, Investment Director, Strategien für Schwellenländeranleihen 
„Meiner Ansicht nach bilden die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises im Nahen Osten das größte Risiko weltweit. Die Belastung macht sich bereits bemerkbar, und wenn der Preis niedrig bleibt, könnte dies durchaus zu Instabilität führen. In Saudi-Arabien beträgt das Haushaltsdefizit derzeit etwa 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), und die Regierung hat ein aggressives Programm zur Aufnahme von Schulden angekündigt. Allerdings verfügt Saudi-Arabien, wie die meisten Länder in der Region, dank seines Staatsfonds über bedeutende Reserven für schlechte Zeiten. Im Iran ist die Situation weniger transparent, aber die Rendite von 26 Prozent für Inlandsanleihen deutet darauf hin, dass hier ebenfalls Probleme bestehen. Wir heben diese beiden Länder hervor, da sie zusammen knapp 20 Prozent der globalen Ölproduktion hervorbringen.“

Höhere Löhne und niedrigere Margen – John Lambert, Investment Manager, globale und britische Aktienstrategien
„Die Einkommensungleichheit ist schon seit einiger Zeit ein wichtiges Thema, insbesondere in westlichen Ländern. Der Anteil der Besserverdienenden am Gesamteinkommen in der US-Gesellschaft bewegt sich auf Niveaus, die zuletzt am Ende der ,Wilden Zwanziger‘ zu beobachten waren. Die Unternehmen in den USA und in ganz Europa beginnen jedoch, die Löhne anzuheben, was sowohl auf die Knappheit an geeigneten Fachkräften als auch auf eine allgemeine Richtungsänderung der politischen Strömungen zurückzuführen ist. Das ist sicherlich eine gute Sache. Allerdings geht aus Studien zum US-Markt hervor, dass eine starke Erhöhung der Mindestlöhne negative Auswirkungen auf ein Drittel oder gar die Hälfte aller Unternehmen haben und ihre Rentabilität beeinträchtigen könnte. Da die derzeitige, schon lange andauernde Haussephase auf der Idee beruht, dass die historisch hohen Margen von Dauer sind, sehen wir hier ein erhebliches Risiko für die weltweite Konsenserwartungen.“

Irak – Roberto Cominotto, Portfoliomanager, Energiestrategien
„Ein Auseinanderbrechen des Irak ist meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit. Während sich Kurden, Sunniten und die von Schiiten dominierte Regierung in Bagdad derzeit auf ihren Kampf gegen den IS konzentrieren, gewinnen die sezessionistischen Kräfte in den kurdischen und sunnitischen Regionen an Stärke. In diesem Jahr begann die halbautonome kurdische Region mit direkten Ölexporten unter Umgehung der Zentralregierung in Bagdad gegen deren Willen. Und in Washington fordern Kurdenführer Unterstützung für einen unabhängigen Staat. Ein Auseinanderbrechen des Landes würde wahrscheinlich mehr Instabilität und Grenzstreitigkeiten im Irak, aber auch in den kurdischen Territorien in der Türkei und im Iran hervorrufen. Da der Irak einer der größten Ölproduzenten ist, könnte eine solche Instabilität weitreichende Auswirkungen auf den Ölmarkt haben. Im Augenblick beinhaltet der Ölpreis keine geopolitische Risikoprämie, und keines der anderen großen ölproduzierenden Länder verfügt über die nötigen Überkapazitäten, um eine erhebliche Produktionsstörung auszugleichen.“  

Chinas geopolitische Ambitionen – Michael Lai, Investment Director, asiatische Aktienstrategien 
„Die zunehmenden politischen Spannungen in Asien dürften 2016 die Stimmung in der Region beeinflussen. Die anhaltenden Bemühungen Chinas, seine Oberhoheit über den Großteil des südchinesischen Meeres durchzusetzen, sowie seine hemmungslosen Landgewinnungs- und Bauaktivitäten für Einrichtungen, die militärischen Anlagen gleichen, dürften die Spannungen unter den Ländern mit konkurrierenden Ansprüchen in dem umstrittenen Territorium weiter anheizen. Um der Dominanz Chinas zu begegnen, werden diese Länder die Hinwendung der USA nach Asien weiter begrüßen und könnten möglicherweise sogar ein stärker militarisiertes Japan positiv bewerten. Um die Situation noch mehr anzuheizen, werden in Taiwan im nächsten Jahr Wahlen abgehalten, wobei allgemein erwartet wird, dass das Unabhängigkeitslager um die DPP die Führung übernimmt.“

Protektionismus und Handelsschranken – Ernst Glanzmann, Investmentmanager und Leiter japanische Aktien
„Es könnte zu einem Umschwenken zu mehr Protektionismus beim Güter- und Personenverkehr kommen. Zum einen könnten die vorherrschende schwache Erholung des Welthandels und der Weltwirtschaft sowie die jüngsten exportfördernden Maßnahmen Chinas eine weltweite Erhöhung der Zölle oder anderer Einfuhrschranken auslösen. Darüber hinaus könnte die jüngste Welle von Terroranschlägen der extremen Rechten mehr Wählerstimmen zuführen, der ungehinderte Personenverkehr könnte stärker eingeschränkt werden, und einige Länder könnten eine Quote für Arbeitsvisa einführen. In einem derart im Wandel befindlichen Umfeld wird die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern gewöhnlich größer.“ 

US-Präsidentschaftswahlen – Matt Linsey, geschäftsführender Partner und Portfoliomanager bei North of South Capital LLP, die eine Strategie für Schwellenländeraktien für GAM verwaltet
„Eine seltener diskutierte Quelle politischer Risiken für 2016 sind die US-Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr. Um ein Beispiel zu nennen: Vor einigen Monaten genügte ein einziger Tweet von Hillary Clinton zu überhöhten Arzneimittelpreisen, um einen Kurseinbruch bei Biotechnologieaktien auszulösen. Es ist zwar keineswegs sicher, dass Donald Trump die Nominierung der Republikaner gewinnt, er deutete jedoch eine Reihe protektionistischer Maßnahmen an, die sicherlich Auswirkungen auf die Schwellenländer hätten. Unabhängig davon, wer das Rennen gewinnt, rechnen wir mit signifikanten Infrastrukturinvestitionen, insbesondere wenn sich das Wirtschaftswachstum in den USA verlangsamt. Denn die Geldpolitik hat ihre Mittel erschöpft. Für die Rohstoffmärkte, die immer noch unter dem Rückgang der Nachfrage in China leiden, könnte dies ein gewisser Hoffnungsschimmer sein.“

EZB und Fed: Zeit, sich zu bewegen? – Tim Haywood, Investment Director und Leiter Fixed Income
„Die EZB und die Fed laufen Gefahr, ihre erwarteten bzw. bereits umgesetzten geldpolitischen Schritte vom Dezember schon bald zurücknehmen zu müssen. In den letzten vier Jahrzehnten waren die ISM-Daten zum Industrieproduktion ein guter Indikator für Rezessionen, wenn der Index unter 50 Punkte sank, was jetzt der Fall ist. Viele regionale Umfragen zeigen ebenfalls eine Eintrübung des Geschäftsklimas in den USA an. Ist dies der richtige Hintergrund für eine Zinserhöhung? Infolgedessen würde ich das Risiko einer geldpolitischen Wende der Fed innerhalb von zwölf Monaten bei 25 Prozent ansetzen. Das kräftige Geldmengenwachstum in Europa sollte das künftige Wachstum stärken. Ist dies ein Hintergrund, der weitere Impulse erforderlich macht? Einer Kehrtwende der EZB würde ich die gleiche Wahrscheinlichkeit beimessen.“

Statements Immobilienjahr 2015 von verschiedenen Unternehmen

Hier finden Sie Statements zum Immobilienjahr 2015 von Iris Schöberl (Managing Director BMO Real Estate Partners), Erik Marienfeldt(Geschäftsführer HIH Real Estate Gruppe), Klaus Niewöhner-Pape (Geschäftsführer INDUSTRIA Wohnen), Michael Schneider (Geschäftsführer IntReal International Real Estate Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH) und Timothy Horrocks (Head of Germany and Head of Europe TH Real Estate).

Iris Schöberl, 
Managing Director BMO Real Estate Partners:
„Bereits zu Beginn des Jahres war absehbar, dass 2015 ein sehr gutes Immobilienjahr werden würde. Generell herrscht auf dem Markt ein hoher Kapitaldruck und das Angebot an Handelsimmobilien war und ist begrenzt, was die Eigentümer entsprechender Objekte natürlich umso mehr freut. Aus Renditegesichtspunkten ist im Bereich Retail an den Top-Standorten wie zum Beispiel München kaum noch etwas zu holen. Diese Immobilien sind für sicherheitsorientierte Anleger interessant, für die Wertsicherung entscheidend ist. Investoren, die auf höhere Renditen aus sind, sind hier an den Top-Standorten eher fehl am Platz. Anders sieht es in den Mittelstädten aus, auf die wir uns konzentrieren. 
Hier gibt es immer noch Potenzial und die Mietnachfrage ist ebenfalls wachsend, weil große Einzelhandelsketten, die eine deutschlandweite Flächenabdeckung sicherstellen wollen, auch in Städten abseits der Top 7 präsent sein müssen. Die Basisdaten stimmen, die Mieternachfrage ist da. Das gilt nicht nur im Einzelhandelssegment, sondern auch immer stärker für den Büromarkt. Daran wird sich auch im Jahr 2016 nichts Grundlegendes ändern, sodass dieses Jahr ebenfalls ein gutes Immobilienjahr werden dürfte.“ 

Erik Marienfeldt, 
Geschäftsführer HIH Real Estate Gruppe:
„Das Jahr 2015 war was Transaktionen angeht ein sehr starkes Jahr. Investments in Immobilien sind aus der Sicht von Anlegern trotz weiter rückläufiger Renditen unverändert attraktiv, insbesondere im Vergleich zu Alternativen wie Anleihen. Das gilt in erster Linie für Deutschland, aber auch für viele andere europäischen Märkte. Auf der Produktseite konnten wir in 2015 mehrere langfristige Investments mit regionalen und internationalen Anlagestrategien erfolgreich abschließen. Wir erkennen eine Tendenz zu Immobilien-Anlagelösungen, die den zunehmend spezialisierteren Anforderungen der Investoren gerecht werden. Auch in den Dienstleistungsbereichen haben wir im Jahr 2015 wiederum gute Ergebnisse erzielt. Dies bestätigt unseren integrierten Ansatz, der es uns ermöglicht, den komplexeren Anforderungen und kürzeren Zyklen in der Bewirtschaftung gewerblicher Immobilien mit einem hohen Qualitätsanspruch gerecht zu werden. Wir gehen davon aus, dass die hohe Nachfrage auf der Investorenseite auch im kommenden Jahr anhält. 
Angesichts der Renditekompression bei Core-Objekten mag ein Ausweichen auf höher rentierliche Sektoren oder Regionen auf den ersten Blick verlockend erscheinen, wir raten hier aber unverändert zur Vorsicht, denn die Risiken bei solchen Investments sind höher als im Core-Segment und werden aus unserer Sicht nicht immer adäquat abgebildet.“ 

Klaus Niewöhner-Pape, 
Geschäftsführer INDUSTRIA Wohnen:
„Das Jahr 2015 stand am Wohnimmobilienmarkt einmal mehr ganz im Zeichen der anhaltend hohen Nachfrage nach Investitionen. Die Renditen sind weiter zurückgegangen, sodass Investoren besonders auf die Wertstabilität ihrer Anlage achten sollten. Das Neubauvolumen ist immer noch zu gering, um die Nachfrage an den gefragten Standorten in Ballungsräumen zu decken. Die Unterbringung der Flüchtlinge kommt als weitere Herausforderung für die Gesellschaft hinzu.  
Aus Investoren-Perspektive wird der Zugang zu geeigneten Immobilien immer mehr zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Wir konnten 2015 einige Ankäufe im Rahmen von Forward-Deals realisieren, bei denen wir die Kaufverträge für Projektentwicklungen bereits deutlich vor der Fertigstellung schließen. Das sichert uns den Zugriff auf attraktive Assets zu einem guten Preis. Für INDUSTRIA Wohnen war 2015 ein spannendes Jahr. Mit dem Start „Fokus Wohnen Deutschland“ haben wir im Herbst den ersten Immobilien-Publikumsfonds von INDUSTRIA Wohnen an den Start gebracht. Damit bieten wir Privatanlegern nun neben der Direktanlage eine weitere Möglichkeit, in deutsche Wohnimmobilien zu investieren.“  

Michael Schneider, 
Geschäftsführer IntReal International Real Estate Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH: 
„Im Bereich der Immobilien-Investments, in dem IntReal tätig ist, ist das Interesse an regulierten Immobilien-Investmentprodukten anhaltend hoch. Das Spektrum wird dabei zunehmend vielfältiger: Neben Wohnimmobilien befinden sich auch Spezialsegmente wie Unternehmensimmobilien oder Logistik in einem Boom. Nachdem deutsche Anleger in den vergangenen Jahren fast ausschließlich auf Deutschland fokussiert waren, wenden sie sich nun – selektiv und unverändert risikoavers – auch wieder internationalen Immobilienmärkten zu. 
Die anhaltend hohe Nachfrage nach Immobilieninvestments lässt die Renditen in nahezu allen Marktsegmenten weiter sinken und führt zu einem erhöhten Druck auch auf die Margen der Immobilien- und Fondsmanager. Die Unternehmen reagieren darauf, indem sie sich effizienter und auch breiter aufstellen: Fokussierung auf das Kerngeschäft und Auslagerung waren und sind hier wichtige Themen. Als Immobilien Service-KVG profitieren wir von diesem Trend. Darüber hinaus verzeichnen wir ein wachsendes Interesse institutioneller Investoren an unseren Leistungen: Für eine langfristige und professionelle Umsetzung der spezifischen Reporting-Anforderungen im Immobilien-Investmentmarkt setzen sie auf die Kompetenz ausgewiesener Administrationsspezialisten. Im Trend liegen Bündelungsvehikel, in die Investoren ihren gesamten Immobilienbestand – ob direkt oder indirekt gehalten – zusammenfassen. So können sie die Performance ihrer Immobilieninvestments im Überblick behalten und gleichzeitig im Detail beobachten und steuern.“  

Timothy Horrocks, 
Head of Germany and Head of Europe TH Real Estate:
„2015 hat der europäische Immobilienmarkt einen Zufluss von Kapital aus der ganzen Welt erlebt wie nie zuvor. Der Markt für Core- und Core-Plus-Immobilien wird dadurch immer umkämpfter und die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Dabei haben die Transaktionsvolumina und die Preise die Werte des letzten Höhepunkts in 2007 wieder erreicht. 
Die Nachfrage nach Investitionsmöglichkeiten wird auch in 2016 nicht nachlassen. Obwohl man davon ausgehen muss, dass die Anfangsrenditen nochmals mehr zurückgehen werden, sind europäische Immobilien im Vergleich zu anderen Asset Klassen und im Vergleich zu Immobilien auf anderen Kontinenten weiterhin sehr attraktiv. Auf der positiven Seite erwarten wir im kommenden Jahr mehr Mietsteigerungen als bisher, da die Projektentwicklungs-Pipeline limitiert ist und die Wirtschaft in Europa anzieht. Unterstützendes Asset Management kann hier einen entscheidenden Beitrag für die Performance von Immobilien leisten. Ich gehe davon aus, dass die Zinsen in der Eurozone auch im kommenden Jahr weiterhin so niedrig bleiben werden und es ist durchaus denkbar, dass die Anfangsrenditen für Immobilien weiter fallen. Es ist durchaus möglich, dass der derzeitige Stand ein längerfristiger Normalzustand bleiben wird, man muss aber die Augen für wirtschaftliche Schocks offen halten, die überraschend zu einer kurzfristigen Korrektur der Preise führen können.“

BMO Global Asset Management: Was der Klimavertrag von Paris für Investoren bedeutet

Vicki Bakhshi, Director, Head of Governance and Sustainable Investments, und Kajetan Czyz, Analyst, Governance and Sustainable Investment bei BMO GAM, erläutern die Auswirkungen der Pariser Vereinbarung.

Der UN-Klimagipfel in Paris endete mit einem starken Abkommen mit dem Ziel, die globale Erwärmung auf „deutlich weniger als zwei Grad Celsius“ zu begrenzen. Das Abkommen ruht auf einem breiten gesellschaftlichen Fundament, wie heute nochmals deutlich wurde: Auf Initiative der französischen Regierung hin wurde heute der „Paris Pledge“ veröffentlicht, eine Unterstützungserklärung von 800 Organisationen, der sich auch BMO GAM angeschlossen hat. Dies macht deutlich: Die Entwicklung wird starke Auswirkungen auf Energieproduzenten und -verbraucher haben. Die Umsetzung des Vertrages wird darüber hinaus auch Implikationen für das Management von Fonds und die strategische Asset-Allokation haben.

Hat der Gipfel in Paris die Erwartungen der Investoren erfüllt? 
Investoren wie BMO Global Asset Management hatten im Vorfeld des Klimagipfels Gelegenheit zu Gesprächen mit den politisch Verantwortlichen. Im Kern ging es dabei darum, der Investment-Community einen klaren Hinweis auf die grundsätzliche Richtung zu geben – inklusive langfristiger Ziele, die von Plänen auf Länderebene gestützt werden. Die Vereinbarung von Paris erfüllt all diese Kriterien. 

Die wichtigsten Punkte sind:

  • Langfristiges Ziel: Die Vereinbarung zielt darauf ab, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts eine Balance zwischen Ausstoß und Verbrauch von Treibhausgasen zu erreichen. Der Höhepunkt der Emissionen soll so bald wie möglich erreicht werden. Mit anderen Worten: Die Welt soll CO2-neutral werden.
  • Nationale Verpflichtungen: Jedes der 195 teilnehmenden Ländern ist verpflichtet einen nationalen Plan zur Reduzierung von Treibhausgasen aufzustellen („Nationally Determined Contributions“ oder NDCs). Bis auf sechs Länder haben alle Teilnehmer dies bereits umgesetzt.
  • Überprüfungsmechanismus: Die NDCs werden 2018 – und im Anschluss daran alle fünf Jahre – überprüft, um sicherzustellen, dass sie im Einklang mit dem Ziel des Vertrages stehen, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen und sogar auf eine Erwärmung von lediglich 1,5 Grad Celsius abzuzielen. Eine wichtige Klausel enthält zudem die Bestimmung, dass die NDCs nicht nachträglich abgeschwächt werden können.
  • Transparenz: Mit der Vereinbarung wird eine Verpflichtung aller Länder zur Überwachung und Verifizierung ihrer Anstrengungen eingeführt. 2023 werden die Anstrengungen zur Treibhausgas-Reduktion auf globaler Ebene erfasst. Dadurch steigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass die Maßnahmen umgesetzt werden. Es führt auch zu einem höheren Druck auf Länder, die den Plänen hinterherhinken.
  • Finanzierung: Die Industriestaaten haben sich verpflichtet, den UN-Klimafonds mit einem Volumen von 100 Milliarden US-Dollar vollständig zu finanzieren – und zwar aus unterschiedlichen Quellen. Zu diesen Quellen werden auch private Mittel gehören. 

Unserer Ansicht nach ist nun völlig klar, in welche Richtung sich die globale Klimapolitik bewegt. Investoren konnten noch nie so sicher sein wie heute, dass die Politik willens ist, das globale Energieversorgungssystem in eine post-fossile Zukunft zu überführen.

Was kommt nun auf Investoren zu?
Im Jahr 2016 dürften die Finanzmarkt-Regulierungsbehörden ihre Aktivitäten im Hinblick auf den Klimawandel verstärken. Dies dürfte auch Auswirkungen auf Investoren haben. Wenn die Umsetzung des Vertrages Fahrt aufnimmt, könnte auch von Investoren ein Beitrag gefordert werden. In welcher Form dies geschieht, ist noch unklar. Zu den wichtigsten Entwicklungen dürften aber gehören:

  • Financial Stability Board (FSB): Der supranationale Finanzstabilitätsrat will eine Task Force für klimabezogene Finanzveröffentlichungen unter Führung von Branchenvertretern einrichten. Den Vorsitz soll Michael Bloomberg übernehmen.
  • Frankreich: Das dortige Gesetz zum Umbau der Energieversorgung verlangt von institutionellen Investoren, den CO2-Fußabdruck ihrer Investments anzugeben, die Eignung ihres Portfolios für den Wandel hin zu einer weniger CO2-intensiven Wirtschaft zu überprüfen und ihre Methoden zum Management klimabezogener Risiken offenzulegen. Richtlinien zur Umsetzung sollen demnächst fertiggestellt werden.
  • Schweden: Als erstes Land hat Schweden angekündigt, die eigene Finanzaufsichtsbehörde darauf zu verpflichten, sicherzustellen, dass das Finanzsystem einen Beitrag zu „nachhaltiger Entwicklung“ leistet. 

Der Vertrag von Paris macht den Klimawandel und die Erneuerung der Energiewirtschaft also zu Projekten, die Investoren nicht mehr ignorieren können. Nun wird sich der Fokus allerdings verlagern – vom Vertrag selbst hin zu dessen Umsetzung.

Frontier Market Debt - In die nächste Generation der Emerging Markets investieren

Anlegern, die in Anleihen von Grenzmärkten – den sogenannten Frontier Markets – investieren, bietet sich ein EMD-Segment, das im Hinblick auf Volumen und Emittentenzahl ständig wächst. Dieser Markt ist unterinvestiert und kaum erforscht. Das bedeutet: kräftige Risikoaufschläge und hervorragende Alpha-Chancen. von Marco Ruijer, Lead Portfolio Manager im NN Investment Partners EMD Team bei NN Investment Partners in Den Haag.

Was gilt als Frontier Market?

Vereinfacht gesagt weisen Frontier Markets folgende Merkmale auf:

  • Länder im EM-Universum, die im Allgemeinen kleiner sind und niedrige (bis mittlere) Lohnniveaus aufweisen
  • Bonitätseinstufung von Non-Investment-Grade und dementsprechend höhere Rendite aufgrund der wahrgenommenen (politischen) Risiken und niedrigeren Transparenz
  • Verfügen über unterentwickelte Finanzmärkte und treten nur unregelmäßig als Emittenten von Anleihen für ausländische Investoren auf. Liquidität, Umfang und Laufzeit ihrer Verschuldung sind daher im Vergleich zum EM-Universum insgesamt niedriger. 

Investment Case: Elfenbeinküste

Das  westafrikanische  Land  Elfenbeinküste  –  offizieller  Name  Côte d’Ivoire – hat eine bewegte Vergangenheit. Erst 2012 fand das Land nach Bürgerkrieg und mehreren Krisen wieder zur Stabilität zurück. Neben seinen Bemühungen, die widerstreitenden Kräfte im Land zu befrieden, verfolgt die Regierung ein ehrgeiziges Reformvorhaben, das  von  erfahrenen Technokraten  umgesetzt und  vom  IWF sowie anderen Geldgebern wie China, Europa und Nordamerika unterstützt wird.

Die Elfenbeinküste hat durch Investition in Infrastruktur und Bau ihre Staatsausgaben erhöht. Gleichzeitig fördert die Regierung  den Ausbau der Landwirtschaft, denn das Land am Golf von Guinea verfügt über immense Ressourcen, wie Kakao, Cashewnüsse und Baumwolle sowie Mineralien wie Gold und Eisenerz. Ferner soll die Privatwirtschaft ausgebaut werden. Zu  diesem Zweck will die Regierung die staatlichen  Anteile  an  Unternehmen im  landwirtschaftlichen,  Banken-,   Telekommunikations-  und   Bergbausektor  verkaufen.  Nicht zuletzt bemüht sich die Regierung um Investitionen aus dem Ausland, Schaffung  neuer Arbeitsplätze und  ein  entschlosseneres Vorgehen gegen die Armut. 

Sofern die politische Stabilität anhält, dürfte die Wirtschaftsleistung robust wachsen. Nach den jüngsten Schätzungen des IWF ist für 2016 und 2017 mit einer Zuwachsrate von 7,5 % zu rechnen. Dabei fungieren vor allem die steigenden Staatsausgaben als  Wachstumsmotor, während politische Stabilität und verbesserte Infrastruktur Auslandsinvestitionen  weiter  begünstigen.  Daraus  ergibt  sich  ein  positives Umfeld für eine anhaltende wirtschaftliche Erholung.

Die  Kombination  aus  wirtschaftlicher  Wende  und  zunehmender politischer Stabilität macht die Elfenbeinküste zu einem  attraktiven Investmentziel im Frontier-Market-Universum.

Fed-Zinserhöhung – entscheidend ist nun, wie schnell es weitergeht

Nick Peters, Fondsmanager bei Fidelity International:
„Man kann der Fed kaum vorwerfen, dass sie den Markt mit ihrer Entscheidung, die Zinsen zu erhöhen, überrascht hat. Rund 75 Prozent der Marktbeobachter haben diesen Schritt erwartet, nicht zuletzt aufgrund der guten US-Arbeitsmarktdaten im Dezember. Die Entscheidung der Fed ist eindeutig ein Zeichen der Zuversicht in die US-Wirtschaft. In den kommenden Monaten wird die US-Notenbank genau beobachten, wie die Wirtschaft und die Märkte reagieren werden. Ein entscheidender Faktor wird die Reaktion des US-Dollar sein. Viele Beobachter erwarten, dass höhere Zinsen zu einem festeren Dollar führen. Diese Einschätzung teile ich nicht unbedingt: Sollten wir 2016 nur wenige, beispielsweise zwei, Zinsschritte sehen, gehe ich von einem schwächeren US-Dollar aus.“

Stephanie Sutton, Investment Director bei Fidelity International:
„Die Wirtschaftsdaten erlauben es der Fed, die Zinsen das erste Mal seit rund einem Jahrzehnt wieder zu erhöhen. Nun stellen sich die Marktteilnehmer die Frage, wie schnell weitere Anstiege folgen. Der Markt hat einen moderaten Anstieg bereits weitgehend eingepreist. Kommen die Zinserhöhungen jedoch schneller oder stärker als gedacht, dürfte das für Unsicherheit und Volatilität sorgen.
Während die Zinserhöhung einerseits ein Ausdruck dafür ist, dass die US-Wirtschaft in guter Verfassung ist, erhöht sie andererseits die Last der Schulden von Privathaushalten wie von Unternehmen. Allerdings ist die Gefahr von Zahlungsausfällen auch jetzt noch gering, da die meisten Kredite eine feste Zinsbindung haben. So besitzen beispielsweise rund 90 Prozent der US-Hypotheken eine Zinsbindung. Zwei möglicherweise problematische Bereiche sind Studentenkredite und Autofinanzierungen, da beide Kredittypen in letzter Zeit relativ hohe Säumnisquoten haben. Allerdings sind diese beiden Bereiche zu klein, um die Wirtschaft und den Finanzsektor ernsthaft zu belasten.“

Kevin O’Nolan, Fondsmanager bei Fidelity International:
„Die heutige Zinserhöhung ist so bedeutend, weil sie den Beginn des ersten Zinserhöhungszyklus seit zehn Jahren markiert und nicht wegen ihrer unmittelbaren wirtschaftlichen Wirkung. Für Investoren wird der Ausblick der kommenden zwölf Monate vor allem von der Geschwindigkeit abhängen, mit der die Fed die geldpolitischen Zügel straffen wird. Es ist durchaus möglich, dass die Fed die Zinsen 2016 schneller anhebt als erwartet, weil sie sich schon sehr stark der Erfüllung ihres doppelten Auftrags – Wachstum und Beschäftigung sowie Preisstabilität – genähert hat.“

Dominic Rossi, Global Chief Investment Officer Aktien bei Fidelity International:
„Aufgrund der Stärke der heimischen Wirtschaft ist der US-Aktienmarkt weltweit am besten für die Entscheidung der Fed gewappnet. Ich erwarte daher, dass amerikanische Aktien – in US-Dollar gerechnet – im kommenden Jahr besser laufen als Aktien anderer Regionen.“

„In Europa werden sich die Unternehmensgewinne besser als in den USA entwickeln“

Die jüngste Berichtssaison dies- und jenseits des Atlantiks stand im Schatten der Notenbankpolitik. Dabei scheinen die Anleger den insgesamt enttäuschenden Unternehmensergebnissen wenig Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Es ist Zeit, dass sich das ändert, findet Steven Bell, Chefvolkswirt von BMO Global Asset Management. Denn die Aktienkurse dürften sich bald wieder an den Kennzahlen orientieren. Warum die Aussichten in den USA eher schlecht sind, während sich Europa weiter erholen dürften, erklärt er im Interview. 

Herr Bell, Sie glauben, dass europäische Aktien sich im kommenden Jahr besser entwickeln werden als der US-Markt. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung? 
Steven Bell: In den vergangenen fünf Jahren haben sich US-Titel deutlich stärker entwickelt. Dieser Trend wurde vor allem durch die Unternehmensgewinne getrieben. Wir glauben, dass er sich im Laufe des nächsten Jahres umkehrt. Im Vergleich der weltweiten Märkte steht Europa besonders gut da. Auch wenn das Wirtschaftswachstum zurzeit auf einem ähnlichen Niveau wie in den USA liegt, befinden wir uns in einem früheren Stadium des Konjunkturzyklus. Die Unternehmen haben daher noch Potenzial, die Margen auszuweiten. Außerdem fallen die Zinsen, während sie in den USA steigen, und der Währungseffekt ist positiv. Europa hat also noch viel Luft nach oben, bis es zu den USA aufgeschlossen hat. Großbritannien ist eine Ausnahme – die wirtschaftliche Entwicklung dort ähnelt eher der amerikanischen als der auf dem Kontinent. 

Wie ist die Lage in den USA und Großbritannien – haben die Unternehmen dort ihr Potenzial vorerst ausgeschöpft?
Bell: Ja, auf den Gesamtmarkt gesehen ist genau das der Fall. Um das zu verstehen, muss man eine etwas langfristigere Perspektive einnehmen. Die Margen der Unternehmen im S&P-500-Index haben zum Ende des vergangenen Jahres ihren Höhepunkt erreicht. Diese Daten reichen nur zurück bis 1990, aber sie sind eng verbunden mit denen aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Auf dieser Grundlage haben die Margen bereits gegen Ende 2011 ihre Höchststände erreicht und sind seitdem um über drei Prozentpunkte gefallen. Die Margen im S&P 500 folgen dieser Entwicklung tendenziell. Insgesamt liegen sie noch immer deutlich über dem historischen Durchschnitt. Für dieses hohe Niveau gibt es strukturelle Gründe, aber trotzdem dürften die Unternehmen nun unter Druck geraten. 

Welche Faktoren beeinflussen die Gewinnmargen der Unternehmen?
Bell: In der Vergangenheit ist die Abgabenlast der Unternehmen gefallen und auch die Macht der Gewerkschaften wurde zurückgedrängt. Außerdem haben die US-Firmen in besonderem Maße von der Globalisierung profitiert. An diesen unterstützenden Faktoren dürfte sich wenig ändern, doch andere, wie etwa das niedrige Zinsniveau, könnten schwinden oder sich sogar ins Gegenteil verkehren. Im Zuge der graduellen Straffung der Geldpolitik durch die Federal Reserve dürften etwa die Zinsen auf Unternehmensanleihen ansteigen. Dieser Prozess wird viele Jahre dauern, denn die Unternehmen haben die Laufzeit ihrer Schulden in der vergangenen Dekade vorausschauend von neun auf derzeit 18 Jahre ausgeweitet. Dennoch wird sich die Entwicklung negativ auf die Margen auswirken.

Was bedeuten diese Trends kurzfristig für die Unternehmensergebnisse 2016?
Bell: Wenn man von den Faktoren Energie und Rohstoffe absieht und auch den Effekt des US-Dollars beiseitelässt, erwarten wir, dass die Kerngewinnmargen im nächsten Jahr um ein bis zwei Prozent fallen. Angesichts eines Umsatzwachstums im niedrigen einstelligen Bereich dürften sich auch die Gewinne nur mit Mühe und Not positiv entwickeln. Ich wäre vorsichtig, Öl- und Rohstoffpreise vorauszusagen. Aber wenn wir von einem konstanten Niveau ausgehen oder uns an den Future-Kurven orientieren, dürften sie im Jahresschnitt 2016 deutlich niedriger liegen als 2015. Ähnliches gilt auch für den Dollar. Wir erwarten zwar keine weitere Aufwertung, die das Problem eher verschärfen würde. Aber insgesamt sprechen diese Faktoren dafür, dass die Gewinne 2016 im Vergleich zum Vorjahr fallen werden. 

Andere Analysten sind da eher positiv gestimmt.
Bell: Man muss solche Voraussagen zu lesen wissen. Es gibt unter Analysten eine Tendenz mit optimistischen Erwartungen in die jeweilige Gewinnsaison zu gehen. Diese werden dann routinemäßig zurückgeschraubt, je näher die Ergebnisse rücken. Dadurch haben Unternehmen die Möglichkeit, Gewinne zu vermelden, die leicht über den Erwartungen liegen. So haben die meisten Unternehmen im S&P 500 vor den Zahlen des dritten Quartals 2015 in jedem einzelnen Quartal die Erwartungen geschlagen. Trotzdem sind die Gewinne im Jahresvergleich um vier Prozent gefallen. Auch die aktuellen positiven Erwartungen sind Teil dieser Routine.

Sollten Anleger die USA jetzt also meiden?
Bell: Soweit würde ich nicht gehen. Die USA bleiben global gesehen der sichere Hafen. Dass andere Märkte sich stärker entwickeln könnten, ändert daran wenig. Aber es ist wahrscheinlich, dass auf die vergangenen fünf fetten Jahre nun erst einmal einige magere Jahre folgen.

Wir haben über Europa und vor allem über die USA gesprochen. Was ist mit dem Rest der Welt?
Bell: Ich denke, dass nicht nur Europa sich besser als die USA entwickeln wird. Die Schwellenländer sind eine heterogene Gruppe und lassen sich nicht ohne Weiteres über einen Kamm scheren. Allerdings leiden sie derzeit unter dem anhaltendem Pessimismus der Marktteilnehmer. Daher dürfte es hier einige positive Überraschungen geben, auch wenn die Volatilität hoch bleiben wird. Man sagt ja, dass die Welt sich einen Schnupfen holt, wenn die USA niesen. Ich denke, diesmal dürfte es anders kommen.

Saxo Bank veroeffentlicht zehn provokante Thesen für 2016

Die auf Multi-Asset-Anlagen spezialisierte Investmentbank Saxo Bank veröffentlicht heute ihre alljährlichen „Outrageous Predictions“ für das kommende Jahr. Dabei handelt es sich um zehn eher unwahrscheinliche Szenarien, die unter Umständen unterschätzt werden, aber 2016 enorme Folgen für die Finanzmärkte haben könnten.

Wie jedes Jahr erstrecken sich die Prognosen auf die gesamte Bandbreite der Märkte und Regionen, von einem jähen Anstieg der Erdölpreise auf 100 Dollar pro Barrel bis hin zur Verbannung der viel gepriesenen „Einhörner“ des Silicon Valley ins Reich der Fabeln. Zu den diesjährigen Prognosen gehört auch die Aufwertung des Rubel um 20 Prozent gegenüber dem USD/EUR-Korb. Weitere provokante Thesen sagen einen durch die Olympiade befeuerten Boom in Brasilien sowie einen Einbruch an den Unternehmensanleihemärkten voraus.

Steen Jakobsen, Chefökonom bei der Saxo Bank, erklärt: „Wir nähern uns dem Ende der Paradigmenparalyse, die die wirtschaftspolitische Reaktion auf die weltweite Finanzkrise geprägt hat. Quantitative Lockerung und andere Formen der Intervention haben versagt. China befindet sich in einer Übergangsphase und die geopolitischen Spannungen sind so komplex wie eh und je. Die Grenzkosten des Kapitals steigen, ebenso wie Volatilität und Ungewissheit. Das bildet den Rahmen für unsere diesjährigen Prognosen.“

„Die Outrageous Predictions der Saxo Bank skizzieren zehn relativ kontroverse, voneinander unabhängige Szenarien, die die Investmentbranche auf den Kopf stellen könnten. Es ist schon interessant zu beobachten, wie diese provokanten Thesen die Fantasie unserer Kunden anregen und die laufende Debatte beleben. Dieser Diskurs und das kritische Denken jenseits aller Herdenmentalität stehen im Mittelpunkt der zehn Thesen, die bei der Saxo Bank mittlerweile Tradition haben. Es geht darum, die Sensibilität für vernachlässigte Risiken zu schärfen“, so Jakobsen.


Nachfolgend Saxo Banks Outrageous Predictions für 2016  

1. Quo vadis EUR/USD? 1,23 … 
Europa hat einen massiven Leistungsbilanzüberschuss aufgehäuft. Die niedrige Inflation sollte zudem – jedenfalls nach volkswirtschaftlicher Logik – eine stärkere und nicht etwa schwächere Währung bedeuten. Hier schließt sich der Kreis beim Rennen um den letzten Platz: Als unmittelbare Konsequenz der US-Zinspolitik ist der Dollar jetzt wieder geschwächt. 

2. Der russische Rubel legt bis Ende 2016 um 20 Prozent zu
Ein plötzlicher Anstieg der Nachfrage nach Öl sowie die quälend langsame Straffungspolitik der Fed führen dazu, dass der russische Rubel bis Ende 2016 um rund 20 Prozent gegenüber dem USD/EUR-Korb zulegt.

3. Realitätscheck bereitet Silicon-Valley-Einhörnern Verdruss
2016 wird im Silicon Valley dem Jahr 2000 ähneln: Immer mehr Startups setzen beim Versuch, kritische Masse zu erreichen, lieber auf hohe Nutzerzahlen als auf Monetarisierung und handfeste Geschäftsmodelle.

4. Olympische Spiele lösen Boom in Brasilien und damit eine Erholung an den EM aus
Aufgrund von Stabilisierung, Investitionsausgaben anlässlich der Olympischen Spiele sowie maßvollen Reformen erholt sich die Stimmung in Brasilien. Zugleich begünstigen die schwächeren Lokalwährungen die EM-Exporte. Im Ergebnis dürfte Aktien von den EM ein hervorragendes Jahr bevorstehen, in dem sie Anleihen und andere Aktien übertreffen.

5. Demokraten stellen auch den neuen Präsidenten und erzielen 2016 absolute Mehrheit im Kongress
Die Republikaner verzetteln sich in internen Streitigkeiten über die künftige Richtung der Partei. Daher verspielen sie ihr politisches Kapital und stürzen dramatisch in der Wählergunst ab. In der Folge erzielt die Demokratische Partei einen erdrutschartigen Sieg. Dabei profitiert sie insbesondere von einer Kampagne, die sich vor allem an Jungwähler, die sogenannten Millennials, richtet, die von dem politischen Patt und den mageren Jobaussichten der vergangenen acht Jahre frustriert sind.

6. Opec-Turbulenzen lösen vorübergehenden Anstieg des Ölpreises auf 100 USD pro Barrel aus
Der sogenannte Opec Basket Price für Rohöl fällt auf den niedrigsten Stand seit 2009. In der Folge wächst sowohl bei schwächeren als auch wohlhabenderen Mitgliedern der Unmut über die Preisstrategie der Organisation. Dadurch zeichnet sich schließlich die lang erwartete Verlangsamung der Ölförderung in den Nicht-Opec-Ländern ab. Das verschafft der Opec wiederum genug Auftrieb, um den Markt mit einer Drosselung ihrer Produktion zu überrumpeln. Der Preis erholt sich bald wieder, als Anleger erneut auf der Kaufseite in den Markt drängen. Eine Rückkehr des Ölpreises auf $100/Barrel ist in Sicht.

7. Silber bricht aus seiner üblichen Range aus und legt um 33 Prozent zu
2016 werden wir ein stärkeres Interesse an Silber erleben. Der politische Wille, Kohlenstoffdioxid-Emissionen durch Förderung erneuerbarer Energiequellen zu reduzieren, steigert die industrielle Nachfrage nach Silber für den Einsatz in Sonnenkollektoren. Der Preis für Silber wird daher um ein Drittel zulegen; andere Metalle können da nicht mithalten.

8. Offensive Fed-Politik führt zum Einbruch der Kurse für Unternehmensanleihen
Ende 2016 wird Fed-Chefin Janet Yellen eine stärker anti-inflationäre Tonart anschlagen und die Zinsen in schneller Folge deutlich anheben. Durch die steigenden Renditen kommt es an allen großen Anleihemärkten zu einem massiven Einbruch der Kurse. Da die Teile der Bank- und Broker-Bilanzen, die zuvor für Bondhandel und Market-Making vorgesehen waren, nahezu verschwunden sind, fehlt ein für einen funktionierenden Markt unerlässliches Element. Der Markt realisiert dies zu spät und die gesamte Kaufseite setzt auf Panikverkäufe, sobald ausgeklügelte Risikomodelle unisono auf Alarmstufe rot schalten.

9. El Niño löst sprunghaften Anstieg der Inflationsrate aus
Der nächstjährige El Niño soll der bisher extremste werden. Das bedeutet Wassermangel in weiten Teilen Südostasiens und Dürren in Australien. Die geringeren Ernteerträge lösen zu einem Zeitpunkt Versorgungsengpässe aus, wenn die Nachfrage im Zuge der weltweiten konjunkturellen Erholung immer noch steigt. In der Folge schießt der Bloomberg Agriculture Spot Index um 40 Prozent nach oben und treibt so die Inflationsrate in die Höhe (was auch dringend erforderlich ist).

10. Ungleichheit schlägt Luxus
Wachsende Ungleichheit sowie Arbeitslosenquoten von über 10 Prozent führen dazu, dass europäische Politiker die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens erwägen, damit alle Bürger ihre Grundbedürfnisse decken können. In einer eher egalitär ausgerichteten Gesellschaft, in der andere Werte gefördert werden, stürzt die Nachfrage nach Luxusgütern ab. Der Sektor kollabiert.

Das Anlagejahr 2016 – Top oder Flop?

Die Niedrigzinsphase wird auch das Anlagejahr 2016 prägen. Auf was sollten Anleger achten und was können sie tun, um am Jahresende 2016 eine positive Bilanz zu ziehen?

Bis zum Anfang der extremen Niedrigzinsphase vor ca. einem Jahr konnten Anlegerportfolios mit unterschiedlichen Gewichtungen zwischen Aktien- und Rentenanlagen – je nach Risikobereitschaft und Renditeziel eines Anlegers – gut gesteuert werden. Diese über Jahrzehnte bewährte Strategie hat für 2016 ausgedient. Eine vom Chefökonomen der Bank von England beauftragte Untersuchung hat ergeben, dass es seit der Römerzeit noch nie eine Niedrigzinsphase wie heute gegeben hat. Anleger müssen deshalb radikal umdenken und ihr Portfolio in Strategiebausteine zerlegen, um eine auskömmliche Rendite bei eingeschränktem Risiko zu erzielen.

Liquiditätsbaustein: Tages- oder Termingeldanlagen sind kein sinnvoller Liquiditätsbaustein mehr, denn auch bei weiterhin geringer Inflation ist nach Steuern kein Kapitalerhalt mehr möglich. Flächendeckende Strafzinsen, selbst bei sehr vermögenden Privatanlegern, sehen wir jedoch nicht. Das Beispiel unseres Nachbarn Schweiz zeigt, dass die Erhebung von Strafzinsen für Privatanleger vermieden werden kann durch eine Erhöhung des Hypothekenzinssatzes zur Quersubvention. Eine solche Entwicklung ist auch in Deutschland vorstellbar. Als Ersatz für Tages- und Termingeldanlagen empfehlen wir ETFs mit kurz laufenden Unternehmensanleihen bester Bonität.

Beispiel: iShares Euro Corporate Bond ex-Financials 1-5yr UCITS ETF – ISIN: DE000A0YEEY2, mit einer Restlaufzeit von 3 Jahren und einer Effektivverzinsung von 0,94% per 10.12.2015.

Sicherheitsbaustein: Nachdem Staatsanleihen der europäischen Peripherieländer selbst bei fünf Jahren Laufzeit nur noch Renditen von ca. 0,5% erwirtschaften, erhalten Anleger in dieser Anlageklasse eher ein zinsloses Risiko anstatt eine sichere Rendite. Eine Lösung für dieses Problem ist ein Portfolio aus mindestens vier bis fünf verschiedenen „Alternativen Fonds“ mit marktneutralen, Long-Short- und Event-Driven-Strategien. Diese Produkte sind risikoreicher als Staatsanleihen, aber wenig mit den Aktienmärkten korreliert. Die Renditen gehen natürlich nicht in den Himmel. Die meisten Strategien bewegen sich in einem Spektrum von -5% und 5% per annum. Allerdings bietet ein sorgfältig zusammengestelltes Portfolio eine relativ sichere Alternative zu Rentenanlagen.

Beispiele: Standard Life Global Absolute Return Strategies – ISIN: LU0548153799
Old Mutual Global Equity Absolute Return Fund – ISIN: IE00BLP5S791
Allianz Discovery Europe Strategy – ISIN: LU0384022694.

Wachstumsbaustein: Dieser Teil des Gesamtportfolios soll maßgeblich die Rendite erwirtschaften. Aber auch hier können Anleger Möglichkeiten nutzen, um nicht den vollen Risiken der Aktienmärkte ausgeliefert zu sein. Eine gut recherchierte Dividendenstrategie aus den 25 weltweit „besten“ Aktien nach strengen fundamentalen Kriterien kann in 2016 eine Dividendenrendite von ca. 4% erwirtschaften. Allein durch die Dividendenzahlungen entsteht bei einer dreijährigen Betrachtung ein Sicherheitspuffer von ca. 12%. Die nachweislichen Erfolge einer solchen Strategie können Anleger u.a. im DAB Bank Depot Contest beim Anlegerprofil „Chance“ unter Sand und Schott Vermögensverwaltung verfolgen. Selbstverständlich gibt es auch für diese Strategien Investmentfonds, die versuchen, die Aktienrisiken in Grenzen zu halten.

Beispiele: DWS Top Dividende LD – ISIN: DE0009848119
Loys Sicav Global – ISIN: LU0107944042
DJE Dividende & Substanz – ISIN: LU0159550150.

Taktischer Baustein: Dieser Portfoliobaustein dient zur Abrundung des Depots, wird kurzfristig auf Basis von Momentum („was läuft gerade“), vorzugsweise mit kostengünstigen ETFs, gesteuert und enthält das volle Aktienmarktrisiko eines Sektors.

Beispiele: Lyxor ETF Stoxx Europe 600 Healthcare – ISIN: FR0010344879 oder der aktiv verwaltete OP Food Fonds – ISIN: DE0008486655.

Gewichtung der Portfoliobausteine: Die Gewichtung der einzelnen Portfoliobausteine hängt individuell von der Risikobereitschaft und den Ertragszielen eines Anleger ab. Damit es hier nicht zu Fehleinschätzungen durch den Anleger selbst kommt oder er der Intention seines Vermögensverwalters folgt, empfiehlt die Sand und Schott Vermögensverwaltung eine wissenschaftliche Risikoanalyse. Ein Fragebogen mit 25 Fragen, entwickelt von einer weltweit renommierten Universität im Fachbereich Psychologie, bietet die Basis für eine individuelle und fundierte Risikoeinschätzung zur Gewichtung der einzelnen Portfoliobausteine. Mit dieser Vorgehensweise kann im Jahr 2016 eine hohe Kundenzufriedenheit erzeugt werden.

Anleger, deren Budget eine solche Diversifikation nach Portfoliobausteinen nicht zulässt oder die einen langfristigen Sparplan verfolgen, können das Anlageuniversum zum Beispiel mit dem smart-invest Helios AR B Fonds – ISIN: LU0146463616 abdecken. Dieser Dachfonds hat seit Steuerung durch das Fondsmanagement der smart-invest Asset Management am 14.07.2003 viele Krisen erfolgreich durchlaufen und seitdem eine Rendite von 125,9% erwirtschaftet bei einem maximalen Verlust von etwas über 13% (Stand 30.11.2015).

Über den Autor:
Thomas Portig ist Portfoliomanager bei der Sand und Schott Vermögensverwaltung in Stuttgart und leitet die Niederlassung in München. Er verfügt über 25 Jahre Kapitalmarkterfahrung. Die Sand und Schott Vermögensverwaltung wurde mehrfach ausgezeichnet (u.a. Elite der Vermögensverwalter im deutschsprachigen Raum).

Über Sand und Schott:
Die Sand und Schott GmbH wurde 1994 von Arne Sand und Dr. Max Schott zur ganzheitlichen Beratung und Betreuung von anspruchsvollen Privatkunden und Unternehmern gegründet. Die Sand und Schott GmbH ist geprüftes Mitglied im Verband unabhängiger Vermögensverwalter. Das Produktspektrum reicht von den klassischen Kapitalanlagen wie Geldmarkt, festverzinsliche Wertpapiere und Aktien bis zu Alternativen Investments wie „Absolute Return“-Strategien. Über die smart-invest GmbH, eine Schwestergesellschaft der Vermögensverwaltung, werden institutionelle Mandate und Investmentfonds gemanagt.

Krisen belasten US-Aktien weniger als Werte anderer Regionen

Die Schwankungen europäischer Aktien unterschieden sich in den vergangenen 25 Jahren nur wenig von den Schwankungen der US-Aktien. Während die annualisierte Volatilität der Aktien in Europa (MSCI Europa) über den gesamten Zeitraum 15,8 Prozent betrug, belief sie sich in den USA (MSCI USA) auf 16,5 Prozent. Dagegen war die Volatilität der Aktien aus den pazifischen Industrieländern mit 19,6 Prozent deutlich höher. Und bei Aktien aus den Schwellenländern Asiens betrug sie in diesem Zeitraum sogar 25,5 Prozent (vgl. Grafik).

 

Maximale Kursveränderungen: Geringeres Risiko in den USA und Europa

Die geringere Schwankungsbreite der Aktien aus den USA und Europa zeigt sich auch bei den maximalen Kursveränderungen in einem rollierenden Sechsmonatszeitraum. In den USA lagen die stärksten Kursrückgänge innerhalb von sechs Monaten bei maximal 37,7 Prozent, in Europa bei 39,6 Prozent. Während der höchste Aktienkursrückgang in der Pazifikregion mit 34,9 Prozent bei einem ähnlich hohen Wert lag, brachen die Aktien in asiatischen Entwicklungsländern in einem Sechsmonatszeitraum bis zu 51,0 Prozent ein (vgl. Grafik).



Dotcom Blase und Co: Krisen wirken sich auf US-Aktien weniger aus als auf andere Regionen

In den vergangenen 30 Jahren gab es mehrere Börsen-Crashs. Die größten Auswirkungen auf die Aktienmärkte hatten die Dotcom-Blase 2000 und die Finanzkrise 2007. Und obwohl die meisten Börsen-Crashs ihren Ausgang in den USA hatten, wirkten sie sich tendenziell in den USA geringer aus als in anderen Regionen. Am stärksten betroffen waren in der Regel die Schwellenländer (vgl. Grafik).

2016 wird ein Jahr der geldpolitischen Divergenz mit großen Performance-Unterschieden

Ausblick 2016 von Anthony Lawler, Portfoliomanager und Mitglied des Investment-Komitees von GAM Alternative Investments Solutions, zur Performance von alternativen und Absolute-Return-Strategien.

Wir wollen zum Jahresende in die Zukunft blicken und darauf, was 2016 für aktive Trading und Hedge Funds bringen wird. Im zurückliegenden Jahr hat das Auf und Ab der Märkte aktive Fonds vor erhebliche Probleme gestellt. Weltweit notieren Aktien und Anleihen, gemessen am MSCI World beziehungsweise Barclays Global Aggregate Bond Index (jeweils auf US-Dollarbasis), unter den Ständen vom Jahresanfang. 

Können Anleger erwarten, dass ihnen das Jahr 2016 bessere Erträge bescheren wird? Wir rechnen mit Chancen, aber auch mit Risiken. „Es ist aufschlussreich sich zu vergegenwärtigen, dass die wesentlichen Themen und Entwicklungen, die wir für 2015 vorausgesehen hatten, tatsächlich eingetreten sind, auch wenn viele aktive Fondsmanager ihre Performance-Ziele verfehlt haben“, sagt Anthony Lawler, Fondsmanager bei GAM. „Ein Thema war, dass der US-Dollar weiter an Wert gewinnen würde, besonders gegenüber Euro, Yen und Schwellenländer-Währungen. Das ist passiert. Dann wurden europäische und japanische Aktien gegenüber US-Aktien bevorzugt, und auch das hat sich auf Basis der Lokalwährungen als richtig erwiesen. Schwierigkeiten bereiteten dabei jedoch stärkere Schwankungen und teilweise überlaufene Trades, was sich unter anderem in Verlusten bei Risikomanagement-Trades und dem damit verbundenen Timing manifestierte.“

GAM geht davon aus, dass geldpolitische Divergenzen auch 2016 ein zentrales Thema sein werden, durch das sich Chancen eröffnen sollten, so Lawler. „Wir denken, dass die US-Notenbank im Dezember die Zinsen anheben wird und dass 2016 weitere Schritte in die gleiche Richtung folgen werden. In krassem Gegensatz dazu halten die EZB, die chinesische PBoC, die Bank of Japan und andere Notenbanken an einer expansiven Geldpolitik fest. Uns interessiert besonders, was diese Divergenz möglicherweise für Anlageklassen jenseits der Währungen bedeutet. Überlaufene Long-Positionen im US-Dollar könnten einen weiteren Anstieg der US-Währung im kommenden Jahr behindern. Mögliche Folge wäre ein wieder volatilerer Dollar, der sich schwieriger handeln ließe. Wir erwarten, dass sich für globale opportunistische Strategien interessante Relative-Value-Gelegenheiten bei Staats- und Unternehmensanleihen, Aktien und eventuell auch Währungen ergeben werden.” 

Außer auf die weltweit unterschiedlichen Haltungen der Notenbanken richtet GAM sein besonderes Augenmerk 2016, wie Lawler bemerkt, „auf Unternehmensanleihen als Anlageklasse. Eine gezielte Titelauswahl in dem Bereich wird unserer Ansicht nach attraktive Renditen ermöglichen, auch im Vergleich zu Aktien. Die Credit Spreads haben sich deutlich erweitert, doch darin spiegeln sich zum Teil die Probleme im Energie- und Rohstoffsektor wider, und nach unserer Einschätzung war die Ausweitung übertrieben. Wir denken darüber nach, unser Engagement in Unternehmensanleihen Anfang 2016 in bestimmten Themenbereichen zu verstärken und dafür Aktien entsprechend schwächer zu gewichten.“ 

Schließlich, resümiert Lawler, ist GAM auch auf Gelegenheiten und Risiken fokussiert, die sich im neuen Jahr aus der Marktstruktur ergeben: „Die Veränderung beim Market-Making-Verhalten von Banken und Wertpapierhäusern hat zu bedeutenden Risiken und Trading-Gelegenheiten geführt. Was die Risiken angeht, sind die Märkte wesentlich anfälliger für starke Preisschwankungen, da die Liquidität eines Anlageinstrumentes oder Marktes schnell austrocknen kann. In dieser Situation ist es wichtig, dass ein Portfolio gegen solche Bewegungen gewappnet ist. Durch den Wandel der Marktstruktur eröffnen sich jedoch auch Chancen. Attraktive Gelegenheiten an den hochliquiden Märkten für Staatsanleihen sehen wir dort, wo die Korrektur von Kursanomalien erheblich länger dauert als in der Vergangenheit. Für Relative-Value-Strategien im Anleihebereich bieten sich hier Chancen. Alles in allem verspricht 2016 interessante Gelegenheiten, nicht zuletzt für Relative-Value-Trades. Wir sind uns aber auch der Risiken durch große Preisunterschiede und überlaufene Trades bewusst und sehen angesichts der aktuellen Bewertungen und der Probleme, vor denen die Weltwirtschaft steht, weniger Möglichkeiten, mit simplen Long-Beta-Positionen Geld zu verdienen.“

Weltwirtschaft läuft asynchron: Robustes Wachstum in den USA, Euroraum entwickelt sich mäßig, China bleibt deutlich unter Erwartungen

2016 wird die Asset Allokation für Anleger eine zunehmende Rolle spielen, da zu erwarten ist, dass sich Regionen, Währungen und Branchen unterschiedlich entwickeln. BNP Paribas Investment Partners wagt einen Ausblick:

  • Die USA wird robust wachsen, aber nicht genug, um Europa und andere Regionen mitzuziehen. Eine hohe Staatsverschuldung, niedrige Investitionen und eine niedrige Arbeitsproduktivität sind einige der Faktoren, die das Wachstum bremsen.
  • Die Perspektive für die Eurozone ist positiv, jedoch lastet die Angst vor einer Deflation auf der wirtschaftlichen Entwicklung. Besonders kritisch sind auch hier die fehlenden Investitionen zu bewerten.
  • China wird eine Vollbremsung beim Wirtschaftswachstum vermeiden können, aber unter seinem Potenzial bleiben.
  • Russland und Brasilien nähern sich dem Tiefpunkt ihrer Rezession. Eine starke Dollaraufwertung – für den Euroraum und Japan ganz klar eine positive Entwicklung – würde aber für diese beiden Länder ein Risiko darstellen, da sie in der amerikanischen Währung verschuldet sind.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung gewinnen Struktur und Aufteilung des Portfolios stark an Bedeutung. Dazu Christian Petter, CEO BNP Paribas Investment Partners in Deutschland: „Anleger müssen breit über alle Anlageklassen, Regionen und Währungen streuen, wenn sie in diesem volatilen Umfeld mit niedriger Inflation und geringen Zinsen Erträge erwirtschaften wollen. Nachhaltig werden diese Erträge aber nur sein, wenn auch das investierte Kapital mitwächst. Solche Assets sind allerdings im risikoreicheren Teil des Anlageuniversums angesiedelt. Eine ausgewogene, auf attraktive Erträge und geringere Volatilität ausgerichtete Asset Allokation spielt eine wichtige Rolle.“

So sucht beispielsweise auch der Multi-Asset-Income-Ansatz von BNP Paribas Investment Partners Möglichkeiten zur Ertragssteigerung und zum Wertzuwachs – aber nicht um jeden Preis. In dem Streben nach Erträgen meidet er Portfoliokonzentrationen in volatilen Anlageklassen. Das Management ist zuversichtlich für Anleihen, mischt jedoch in jedem Portfolio Anlagen mit niedrigerem Risikoprofil mit Anlagen, deren Profil deutlich höher ist.

Rohstoffe vor FED Zinsanstieg im Fokus

Mittelzuflüsse in Edelmetallkörbe erreichen vor der FOMC Sitzung ein neues 8-Monatshoch. Brent wird nach divergierenden Mittelflüssen im Ölsektor bevorzugt. Der OPEC Monatsbericht verdeutlicht ein anhaltendes Überangebot und sorgt für Druck am Ölmarkt. Kupfer-ETPs erhalten weitere Mittelzuflüsse, da Produktionskürzungen das Angebot für 2016 verringern. Den vollständigen Bericht mit Charts finden Sie links als PDF.

Polarisierte Aussichten, Mittelzuflüsse in Brent ETPs gleichen Mittelabflüsse in WTI aus. Der letzte OPEC Jahresbericht für 2015 verdeutlicht nach wie vor ein globales Überangebot. Im November stieg die Ölproduktion um 1 Prozent auf 31.7 Mio. Barrel pro Tag. Der Markt reagierte negativ auf diese Nachricht und Brent-Rohöl ging seit Dezember 2008 zum ersten Mal wieder unter 40 USD / Barrel aus dem Markt. Gleichermaßen fiel auch WTI auf ein 7-Jahrestief von 35,80 USD / Barrel. Brent-ETPs verbuchten vergangene Woche insgesamt 18,7 Mio. USD an Mittelzuflüsse, wonach Mittelabflüsse von 22,1 Mio. USD aus WTI-ETPs so ziemlich ausgeglichen wurden. In den Schlagzeilen bleiben jedoch die Mittelabflüsse aus WTI ETPs, was unserer Meinung nach auf einen polarisierten Markt hindeutet, denn zeitgleich wurden 11,7 Mio. USD an Mittelzuflüssen in ETFS Daily Leveraged WTI (LOIL) verbucht. ETPs aus dem Energiesektor konnten die fünfte Woche in Folge Mittelzuflüsse von insgesamt 205 Mio. USD über den Zeitraum verbuchten. 

Edelmetallkörbe erfahren drei aufeinanderfolgende Wochen Mittelzuflüsse. Mittelzuflüsse in ETP-Körbe im Edelmetallsektor betrugen insgesamt 14 Mio. USD und notieren damit auf dem höchsten Stand seit April 2015. Silber konnte sich von Gold nach wie vor nicht abkoppeln und wird voraussichtlich in einer ähnlichen Preisspanne weiterhin gehandelt werden. Die Platingruppe der Edelmetalle (PGM) wird von einem schwächeren südafrikanischen Rand beeinflusst, denn die weltweite PGM-Nachfrage wird von Südafrikas Produktion dominiert und solange der Rand schwächer handelt, können Minenbetreibern die Rentabilität erhöhen in dem sie die Produktion erhöhen. Die politische Unsicherheit nimmt weiter zu und der schwächere Rand wird auf absehbare Zeit weiterhin auf PGM Preise lasten.

Gold-ETPs nach 3 wöchiger Verluststrähne wieder mit ersten Mittelzuflüssen von 1,2 Mio. USD. Bereits im Vorfeld der FOMC-Sitzung diese Woche, in der man von einer Zinserhöhung ausgeht, handelte Gold in einer Preisspanne. Die kurzfristige Schwäche könnte in eine mittelfristige Stärke übergehen, da weltweit Inflationsdruck besteht was weiterhin auf Realzinsen drücken wird. Auch wenn der USD auf Basis der anstehenden Zinserhöhung kurzfristig an Stärke gewinnen und der Goldpreis sowie Rohstoffe im Allgemeinen weiter auf Talfahrt geschickt werden dürften, erwarten wir, dass der US-Dollar das Maximum seiner Stärke im ersten Quartal in 2015 erreichen und der Gegenwind der Rohstoffe in einen Rückenwind drehen wird.

Kupfer ETPs verbuchen drei aufeinanderfolgende Wochen Mittelzuflüsse von insgesamt 2 Mio. USD. Laut den jüngsten Berichten haben chinesische Hütten Unternehmen vereinbart, ihre Produktion drosseln. Freeport-McMoRan kündigte vergangene Woche eine Kürzung von 45.000 Tonnen Kupfer an, das entspricht rund 0,3% des globalen Marktangebots. Der Kupfermarkt befindet sich das fünfte Jahr in Folge im Defizit und die laufenden Produktionskürzungen werden erneut für ein knapperes, fundamentales Produktionsumfeld sorgen und wir glauben, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bevor Kupferpreise darauf reagieren.

„Etliche europäische Banken haben sich neu erfunden“

Bankaktien waren bei den Investoren lange Zeit nicht gut angesehen. Bis zum Ausbruch der Finanzkrise hatten viele Institute leichtfertig Kredite vergeben oder in undurchsichtige Papiere und waghalsige Finanzgeschäfte investiert. Viele Institute standen in der Krise vor dem Bankrott und wurden zum Teil vom Staat gerettet. Damit sich diese Situation nicht wiederholt, mussten vor allem die europäischen Banken auf Druck der Politiker und Bankenaufseher in den vergangenen Jahren ihre Eigenkapitalbasis stärken und die Bilanzen in Ordnung bringen. Das hat die Gewinne der Branche unter Druck gebracht. Zudem waren sich die Anleger lange Zeit unsicher, ob wirklich alle Risiken offengelegt und ausreichend abgedeckt worden sind. Die Stimmung für Finanztitel ist jedoch dabei, sich zu wandeln. Zwar bleibt das regulative Umfeld eine Herausforderung für viele Häuser, doch die Strukturanpassungen machen Bankaktien nach Einschätzung von David Moss, Fondsmanager von BMO Global Asset Management, zu einem weit weniger riskanten Investment als noch vor einigen Jahren. Welche Chancen sie Anlegern bieten, erläutert Moss im Interview. 

Herr Moss, welche Entwicklungen haben die europäische Bankenbranche in den vergangenen Jahren am stärksten geprägt?
David Moss: Getrieben von der Politik und den Regulatoren haben Banken die vergangenen sechs Jahre im Wesentlichen damit verbracht, ihre Bilanzen zu stärken und ihre Abhängigkeit von kurzfristigen Refinanzierungsinstrumenten zu verringern. Damit wollten sie sicherstellen, dass sie nie wieder staatliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Im Ergebnis hat dies zu sinkenden Gewinnen bei europäischen Banken geführt, weil sie sich aus Geschäften zurückgezogen haben, die mit mehr Eigenkapital unterlegt werden müssen, weil sie die Kreditvergabe eingeschränkt haben, sich stärker auf längerfristige und damit teurere Refinanzierungsinstrumente stützen und die Risikovorsorge für faule Kredite aus der Zeit vor der Finanzkrise erhöht haben.

Das klingt recht negativ. Zeichnen sich nach dieser langen Dürreperiode inzwischen auch wieder positive Tendenzen ab?
Moss: Durchaus. Die Eigenkapitalanforderungen steigen zwar im Zuge der Einführung von Basel III weiter, aber die Eigenkapitalquoten sind schon jetzt um ein Vielfaches höher als in der Zeit vor 2008. Wie eine Untersuchung der Europäischen Zentralbank gezeigt hat, verleihen die Banken in der Eurozone außerdem wieder Geld. Und – das ist wichtig – die Kunden sind auch wieder bereit, Kredite aufzunehmen. Zudem sinken die zusätzlichen Rückstellungen durch die Bank hinweg, weil die Wirtschaft in Europa allmählich wieder wächst und die Austeritätsprogramme zurückgefahren werden. Dennoch weht der Branche weiterhin auch Gegenwind ins Gesicht: Das Quantitative Easing der EZB und die niedrigen Zinsen beeinträchtigen die Margen der Banken, während gleichzeitig die Compliance-Kosten stetig steigen.

Was überwiegt derzeit aus Investorensicht – die Schwierigkeiten der Branche oder die Chancen?
Moss: Natürlich ist die striktere Regulierung für manche Häuser eine Herausforderung. Letztlich werden die Banken durch die Veränderungen, die ihnen auferlegt wurden, aber zu weniger riskanten Investments. Dies wurde von den Investoren positiv aufgenommen. Der europäische Bankensektor ist groß und heterogen. Egal ob global ausgerichtet oder regional orientiert – einige Banken waren erfolgreich in der Lage, sich als solide, gut kapitalisierte Institute neu zu erfinden und dadurch das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.

An welche Häuser denken Sie dabei?
Moss: Unter den regionalen Banken zum Beispiel an Intesa Sanpaolo. Das Institut ist die nach Marktkapitalisierung größte Bank Italiens und verfügt über eine starke Eigenkapitalbasis. Das Institut profitiert von dem sich verbessernden makroökonomischen Umfeld in dem Land und einer von der Regierung vorangetriebenen Reform des Bankensektors. Zudem besteht die Aussicht auf eine weitere Konsolidierung im Finanzsektor. Unter den globalen Banken ist UBS ein spannender Titel. Obwohl das Schweizer Institut in der Finanzkrise ernsthafte Probleme hatte, ist es heute eine der eigenkapitalstärksten Banken in Europa. Die Bank hat auf die regulativen Anforderungen reagiert, die Risiken im Investmentbanking radikal reduziert und sich stärker auf die Bedürfnisse ihrer Kunden und profitable Geschäftsbereiche konzentriert. Die Private-Banking-Sparte profitiert dabei erheblich von der globalen Ausrichtung des Mutterhauses, wenn es darum geht, Vermögen für die Kunden zu schaffen. 

Wie sehen denn nun vor diesem Hintergrund die Anlageperspektiven für europäische Bankaktien aus?
Moss: Alles in allem fällt der Ausblick positiv aus. Sowohl Umsätze als auch Erträge steigen im laufenden Jahr, und im Schnitt können Anleger mit Banktiteln einen Dividendenrendite von 4,4 Prozent erzielen. Die Chancen stehen trotz der nach wie vor vorhandenen Herausforderungen gut, dass der Aufwärtstrend in den kommenden Jahren anhält, zumal die Altlasten der Finanzkrise weitgehend abgebaut sind.

Luxus funkelt im Depot

Eine gute Performance dürfte das Bild der Luxusinvestments weiterhin bestimmen. Während die Aktienmärkte weltweit ziemlich volatil sind, erfreut sich der Luxusmarkt nach wie vor steigender Beliebtheit. NNIP ist optimistisch, dass die Nachfrage auch zukünftig stark wachsen wird. Verschiedene Aspekte sprechen dafür:

Die Verbraucherausgaben in den USA steigen. Der Wohlstand wächst, die Aktienmärkte ebenfalls und die Arbeitslosigkeit ist stabil. In Europa ist der Ausblick zwar nicht so rosig, da die Staatsverschuldung ebenso wie die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern hoch ist. Diese drücken die Verbraucherstimmung. Dennoch: Das Luxussegment ist hiervon kaum betroffen. 

Es gibt in allen Regionen der Welt immer mehr Superreiche. Die Zahl der so genannten „High Net Worth Individuals“ (HNWI) steigt weiter, wenn auch langsamer als in den Jahren zuvor. Allein im letzten Jahr kamen 920.000 Millionäre dazu. Der World Wealth Report 2015 gibt eine Zahl von 14,6 Millionen HNWI mit einem Vermögen von 56,4 Billionen USD an. Führend ist immer noch Nordamerika, gefolgt vom asiatisch-pazifischem Raum. Dort entsteht die neue Elite von Wirtschaftsmagnaten, die ihren Reichtum oftmals selbst erarbeitet hat. Diese ist ausgabefreudiger als die traditionelle „Erbengeneration“. Zum Beispiel kaufen Chinesen einerseits immer mehr Luxusprodukte im Inland. Aber gerade auch der Tourismus spielt hier eine sehr große Rolle. Reisen ins Ausland, in denen westliche Produkte gekauft werden, sind immer noch sehr prestigeträchtig. 30 Prozent des gesamten Verkaufs an Luxusgütern findet auf Reisen statt. Dabei geben Chinesen beispielsweise ein Drittel ihres Reisebudgets für Shopping aus. Damit kaufen sie mehr als das Fünffache an Luxusgütern als US-Amerikaner. Zum Vergleich: Für Unterkünfte zahlen Chinesen nur 11 Prozent ihres Reisebudgets. Schätzungen gehen davon aus, dass bereits im Jahr 2020 etwa 25 Prozent der Touristen in Europa aus dem Reich der Mitte stammen werden. Ein attraktiver Ausblick für Investments in Konzerne mit hochkarätigen Marken.

Schwellenländer sind die Zukunft im Luxussegment 

Auch wenn die Schwellenländer in letzter Zeit etwas geschwächelt haben: Die langfristigen Trends, also eine wachsende Mittelschicht und die Urbanisierung, bleiben, so dass der Reichtum weiter zunehmen und damit auch der Anteil der Luxusgüter am allgemeinen Konsum steigen wird.

Im Gegensatz zum breiten Markt für Konsumgüter besitzen Luxusfirmen Preismacht und haben kaum Probleme mit deutlich erhöhten Investitionskosten. Dadurch sind sie krisensicherer als viele andere Segmente. Wichtig für Investments in Luxusgüterkonzerne ist, dass diese nicht nur starke Marken im Portfolio haben und weltweit aufgestellt sein, sondern auch über ein gutes Management mit einem langfristigen Zeithorizont verfügen sollten. Investoren, die Zugang zu Wachstum suchen, schätzen die Luxusgüterkonzerne sehr. 

Luxusfonds sind weiter en vogue

Der NN (L) Prestige & Luxe Fonds des Asset Managers NN Investment Partners investiert weltweit in Unternehmen der Luxusgüterbranche. Die Konzerne im Portfolio verfügen jeweils über Prestige- und Luxusmarken, die eine internationale Marktposition besitzen. Der Fonds, der an keinen Referenzwert gebunden ist, will durch eine gezielte Aktienauswahl auf Basis einer gründlichen Unternehmensanalyse Mehrwert schaffen. Bevor das Fondsmanagementteam eine Aktie in das Portfolio aufnimmt, wägt es zwischen Kurspotenzial und Risiken genau ab. Der Fonds kann an jedem Geschäftstag gekauft oder verkauft werden und investiert thesaurierend.

Der aktuelle Anlagefokus liegt auf Unternehmen, die sehr hohe Qualität bieten, starke Markennamen besitzen und eine innovative Produktentwicklungsstrategie verfolgen. Dabei sind hohe Eintrittsbarrieren für neue Unternehmen sowie die Preismacht ebenso entscheidend wie die Möglichkeit, einen hohen Cash Flow zu erzeugen. Dies sind die wichtigsten Aspekte, die für eine attraktive Rendite sprechen.

Die stärksten Luxusgüterkonzerne

Die aktuellen Top-Investments bei NN Investment Partners ist die Richemont-Gruppe mit den Uhrenmarken  A. Lange & Söhne, Jaeger-LeCoultre und dem Edeljuwelier Cartier. Auch der britische Herrenausstatter und Pfeifenspezialist Dunhill sowie Luxusfüllfederhalterhersteller Montblanc und das Modelabel Chloé sind Marken des Luxus-Konzerns. Darauf folgen (jeweils Stand Ende September 2015), die Couturier-Marke Christian Dior Se und die LVMH-Gruppe, zu denen die Champagnermarke Moët & Chandon, der Cognac-Hersteller Hennessy, Parfumeure wie Aqua di Parma oder das Modelabel Givenchy genauso gehören wie der US-Juwelier Tiffany & Co., Uhren von TAG Heuer und Hublot bis zum Diamantenförderer- und verarbeiter De Beers und das französische Traditionshaus Louis Vuitton. Ebenso finden sich  die klassischen Whiskymarken von Glenmorangie im Depot. Im September hat NN Investment Partners eine Position des britischen Luxuslabels Burberry aufgebaut. Aber auch die Luxottica Group SpA, die für hochwertige Brillen bekannt ist, sowie der Kosmetikriese L’Oréal, der deutsche Markenartikler Hugo Boss oder Diageo, ein Hersteller alkoholischer Getränke, sind im Fondsportfolio zu finden.

Bezüglich der Länderallokation rangiert Frankreich vor den USA, der Schweiz und Deutschland. Dabei ist der Euro mit mehr als 50 Prozent der Investments die dominierende Währung. Die drei bedeutendsten Teilbranchen sind Gebrauchsgüter und Textilien, Haushalts- und persönliche Produkte sowie Nahrungsmittel, Getränke und Tabak.

Am globalen Luxustrend kann also fast jeder teilhaben. Spezielle Fonds, die sich auf Luxus konzentrieren, sind auch mittelfristig attraktive Investments. Wenn die Zahl der Reichen weltweit steigt, wird der Erfolg der Marken ungebrochen sein.

Fünf Außenseiteraktien, die Anlegern 2016 eine Freude machen könnten

Wie zu jedem Jahressende blicken auch in diesem Dezember wieder GAM-Anlageexperten aus unterschiedlichen Sparten in die Zukunft. In diesem Jahr erklären die Experten, auf welche fünf Außenseiteraktien Investoren in den kommenden zwölf Monaten ein Auge haben sollen.

BAYER – Oliver Maslowski, Portfoliomanager, europäische Aktien, GAM
«Ein Titel mit hohem Überzeugungsgrad für 2016 ist Bayer. Das Unternehmen hat sich seit Jahresbeginn schlechter entwickelt als der DAX und als die Vergleichsgruppe, denn Anleger betrachten das Potenzial der Umsätze mit Pharmaprodukten und das Engagement im Bereich Pflanzenschutz aufgrund des Einbruchs der Rohstoffpreise und des schwierigen Börsengangs der Chemiesparte (Covestro) nach wie vor skeptisch. Starke Zahlen für das dritte Quartal, ein solides Gewinnwachstum, ein Bewertungsabschlag von 10% gegenüber vergleichbaren europäischen Pharmaunternehmen und verhaltene Markterwartungen sind gute Ausgangsbedingungen für eine mögliche Outperformance im Jahr 2016.»

EASYJET – Gianmarco Mondani, Investment Director, nicht-direktionales Aktienteam, GAM
«Die Aktie liegt hinter dem Markt zurück, da man fürchtet, dass niedrige Ölpreise und wachsende Kapazitäten zu mehr Wettbewerb und geringeren Margen führen werden. Das Unternehmen ist mit dem 10-Fachen der erwarteten Gewinne relativ günstig bewertet und weist solide Margen und eine starke Bilanz auf. Außerdem bieten sich  Easyjet (genau wie Ryanair) zahlreiche Möglichkeiten, Marktanteile zu gewinnen und die Konsenserwartungen zu übertreffen.» 

INTEL – Mark Hawtin, Investment Director, Technologiestrategien, GAM
«Unserer Einschätzung nach wird es sich 2016 lohnen, Intel wieder im Auge zu behalten. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit unter rückläufigen PC-Umsätzen gelitten. Allerdings gibt es erste Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend 2016 verlangsamen oder sogar ganz zum Stillstand kommen wird. Eines der zentralen Themen des jüngsten Analystentags bei INTEL war, dass das Wachstum im Geschäft mit der Data Centre Group (Cloud) und dem Internet der Dinge/Mobilität, das rückläufige PC-Geschäft kompensieren wird. Angesichts einer relativ günstigen Bewertung (14-Fach) und einer Dividendenrendite von fast 3% kann Intel, genau wie Microsoft, zu einem Bestandteil des Korbs der Anlagen werden, mit denen sich Investoren in der aufkommenden Cloud-Story engagieren.» 

PEARSON – John Lambert, Investmentmanager, globale und britische Aktienstrategien, GAM
«Pearson ist im letzten Quartal 2015 massiv unter Verkaufsdruck geraten, nachdem das Unternehmen angedeutet hatte, dass das zweite Halbjahr schwächer ausfallen würde als angenommen. Dies war zwar eine Enttäuschung, doch unserer Einschätzung nach spricht weiterhin viel dafür, dass Pearson im Bereich Bildungstechnologie weltweit führend ist und die zuletzt schlechte Performance verbessert werden kann und wird. Technologie wird im Bildungsbereich eine immer größere Rolle spielen. Solange die Bildungserfolge in vielen Industrienationen (allen voran in den USA) hinter den Erwartungen zurückbleiben, dürfte die Nachfrage nach dem Kernangebot von Pearson strukturell intakt bleiben. Wenn das Unternehmen weiter investiert und sich strategisch etwas neu ausrichtet, kann es wieder wachsen und höhere Bewertungskennzahlen erzielen. Der Zeitpunkt der jüngsten Veräußerungen ist daher genau richtig. Das Unternehmen verkauft die FT Group und seinen Anteil am Magazin The Economist und baut damit auf Proforma-Basis den Großteil seiner Nettoschulden ab. Die Aktie erscheint im historischen Vergleich besonders preiswert und die Erwartungen sind nach wie vor sehr gering. Für konträre Value-Investoren stellt der Titel bei diesem Niveau eine sehr interessante Chance dar.»

SMC – Ernst Glanzmann, Investmentmanager und Leiter der japanischen Aktienstrategie, GAM
«SMC ist ein Hersteller von pneumatischen Geräten und Antrieben für die Fabrikautomatisierung. Der Aktienkurs hat sich 2015 wegen der Sorgen über die Entwicklung in China und der Abschwächung der Produktion und des Umsatzes von Smartphones unterdurchschnittlich entwickelt. Allerdings erwirtschaftet SMC 65% seines Gesamtumsatzes in Industrienationen und kann seinen Marktanteil dort konstant steigern. Außerdem scheint die Abkühlung in China in den Aktienkurs eingepreist zu sein. Der Titel dürfte auf erfreuliche Nachrichten wie eine Branchenkonsolidierung und weitere staatlich gesteuerte Kapazitätssenkungen reagieren.»

Ein neues Kapitel für globale Rohstoffe

„Der Rohstoff-Superzyklus ist vorbei“, sagt Duncan Goodwin, Leiter Global Resources bei Baring Asset Management. Auslöser dafür war, dass Rohstoffmärkte und Rohstoffaktien durch die sinkende Nachfrage aus den Schwellenländern sowie das Überangebot an Rohöl von zwei Seiten unter Druck geraten sind, was für starke Kursturbulenzen gesorgt hat. „Auf der anderen Seite sehen wir trotz der Rückkehr zu einem normalen Zyklus nach wie vor eine Chancenvielfalt innerhalb der Anlageklasse“, fügt Goodwin hinzu.

„Mit Blick in die Zukunft lässt sich leicht erkennen, wie eine neue Art von Unternehmen der nächsten Generation, die den technologischen Wandel vorantreibt und sich auf neu aufkommende Verbrauchertrends ausrichtet, ihren Anteil daran trägt, das investierbare Universum von Rohstoffaktien zu erweitern und zu bereichern“, zeigt sich der Rohstoffexperte sehr zuversichtlich. Die Rohstoffunternehmen der nächsten Generation sind seiner Einschätzung nach technologisch innovativ, gehen auf ein sich veränderndes Konsumverhalten ein und bieten exzellente langfristige Wachstumsaussichten von eher struktureller als zyklischer Natur. Das können zum gegenwärtigen Zeitpunkt durchaus noch Nischenanbieter sein, die jedoch mit der Zeit an Präsenz und Attraktivität gewinnen werden. „Wir sehen viele solcher Chancen in Nischenbereichen wie beispielsweise der Batteriespeicherung, bei nachhaltigen Lösungen im Bereich Gesundheit & Wohlbefinden oder bei der Metallsubstitution“, nennt Goodwin Beispiele.

Der Leiter Global Resources bei Baring Asset Management hat drei Rohstoffbereiche identifiziert, bei denen es sich lohne, genauer hinzuschauen: traditionelle Rohstoffunternehmen, verbrauchernahe Rohstoffe sowie besagte Rohstoffe der nächsten Generation. Hinsichtlich der traditionellen Rohstoffunternehmen seien weitreichende Schritte hinsichtlich der Einführung von Neuerungen, Umstrukturierungen und Neuorganisationen zu erkennen, die viele Marktteilnehmer bislang außer Acht gelassen haben. Als Beispiel führt er den Konzern Royal Dutch Shell an, der Maßnahmen ergriffen habe, um die Kosten zu senken und Impulse für zukünftiges Wachstum zu schaffen.

„Im Bereich der verbrauchernahen Rohstoffe konzentrieren wir uns auf Qualitätsunternehmen in Branchen, die ein differenziertes Wachstum in Endmärkten mit hohen Markteintrittsbarrieren bieten und dadurch über den Vorteil der Preissetzungsmacht verfügen“, erklärt Goodwin den Ansatz des zweiten Bereichs. „Diese Unternehmen sind einen Schritt näher am Verbraucher und leisten mit Blick auf ein breites Spektrum an Endprodukten und Dienstleistungen einen Mehrwert.“ Als Beispiele für interessante Unternehmen nennt Goodwin Tyson Foods und Valero aus den USA.

Unter den Unternehmen der nächsten Generation versteht der Rohstoffexperte schließlich solche, die sich am Scheitelpunkt der globalen Rohstoffindustrie befinden und von strukturellem Wachstum, basierend auf sich verändernden Verbrauchertrends und neuen Technologien, profitieren. Beispielhaft nennt er International Flavours and Fragrances (USA) sowie LG Chem (Korea).

„Insgesamt bietet der globale Rohstoffsektor eine Fülle an strukturellen Wachstumschancen, die ihren Ursprung im Rohstoffsegment der nächsten Generation haben“, fasst Goodwin seine Ausführungen zusammen. Das will er nutzen, indem er ausschließlich in solche Unternehmen investiert, die, basierend auf dem hauseigenen Bottom-up-Researchprozess und der Fundamentalanalyse, das Potenzial aufweisen, auf lange Sicht eine überdurchschnittliche Wertentwicklung zu erzielen.

Fidelity Anleihe-Ausblick 2016: Europäische und asiatische Unternehmensanleihen bevorzugt

David Simner, Fondsmanager des Fidelity Euro Bond Fund und des Fidelity Euro Corporate Bond Fund: „Zinsänderungen, unternehmensspezifische Faktoren und makroökonomische Themen haben 2015 für größere Schwankungen bei europäischen Unternehmensanleihen guter Bonität gesorgt. Trotzdem sind Anleger in dieser Anlageklasse dieses Jahr auf dem besten Weg, eine Rendite in Höhe der Kupons einzustreichen. Die Bewertungen sind dabei auf die Niveaus vom Jahresanfang zurückgekehrt und damit angesichts der lockeren Geldpolitik und ultraniedrigen Staatsanleiherenditen unverändert attraktiv.
Die Fundamentaldaten der Volkswirtschaften und Unternehmen in der Eurozone sind solide. Daher und dank der lockeren Zentralbankpolitik erwarte ich 2016 aus europäischen Unternehmensanleihen guter Bonität verglichen mit Staatsanleihen überdurchschnittliche Renditen. Auf Branchenebene ist der Finanzsektor dank besserer Eigenkapitalquoten und stärkerer Bilanzen interessant.“

Andrei Gorodilov, Fondsmanager des Fidelity European High Yield Fund: „Am europäischen Hochzinsmarkt läuft es in diesem Jahr auf mittlere einstellige Renditen hinaus. Für 2016 erwarte ich keine wesentlichen Änderungen. Denn in Europa dürfte ein weiteres Jahr mit Minizinsen die Nachfrage nach Ertragsanlagen stützen und damit europäischen Hochzinsanleihen zugutekommen.
Zudem profitiert Europa verglichen mit den USA, wo der Kreditzyklus schon weiter fortgeschritten ist, noch von sehr niedrigen Ausfallraten. Zwar nehmen die Kreditsorgen auch in Europa zu, aber die meisten Unternehmen verfügen über ausreichend Liquidität und stabile Bonitätskennzahlen.“

Rick Patel, Fondsmanager des Fidelity US Dollar Bond Fund: „In den USA neigt sich der Kreditzyklus dem Ende zu, und 2016 dürften sich die Fundamentaldaten weiter verschlechtern. Das Nettoemissionsvolumen wird die Rekorde aus diesem Jahr wohl brechen, denn die Fed beginnt mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik, während die Anleihe-Emissionen der Unternehmen ungebrochen sind. Somit bleibt es bei der hohen Verschuldung der Unternehmen bei gleichzeitig schleppendem Gewinnwachstum.
Zudem werden Anleger ihren Druck auf die Unternehmen aufrechterhalten, sodass sich die hohe Zahl von Fusionen und Übernahmen fortsetzen dürfte – mit Risiken für Inhaber von US-Unternehmensanleihen. Damit nimmt auch die Gefahr von Rating-Herabstufungen im Investment-Grade- wie im Hochzinssegment zu. Im Investment-Grade-Bereich werden Unternehmen mit dem Status ‚sicherer Hafen‘ seltener.
Am US-Hochzinsmarkt wird die Kluft zwischen Energie- und anderen Unternehmen größer. Ungebrochen dürfte die Nachfrage nach Schuldtiteln von Qualitätsunternehmen mit solidem Wachstum sein. Im Energiesektor bleiben dagegen die Zahlungsausfälle ein Problem, während die Konsolidierung voranschreitet, denn auch 2016 werden die Rohstoffpreise wohl im Keller bleiben.“

Eric Wong, Fondsmanager des Fidelity Asian Bond Fund und des Fidelity Emerging Market Corporate Debt Fund: „Asiatische Investment-Grade-Anleihen verbuchten 2015 eine bessere Wertentwicklung als ihre Pendants in den USA und in Europa. Obwohl sich ihre Spreads etwas geweitet haben, sind die Schwankungen geringer als bei anderen Risikoanlagen. Damit stellen sie einmal mehr ihre Resilienz als Basisinvestment in einem Anleiheportfolio unter Beweis. Ihre Aussichten schätze ich positiv ein.
Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern bieten zudem komfortable Risikoprämien, die die Folgen eines möglichen Zinsanstiegs in den USA abmildern können. Hinzu kommen ihre interessanten Diversifizierungsvorteile verglichen mit ihren Pendants aus den USA und Europa und ihre attraktiven Renditeaufschläge.“

Bryan Collins, Fondsmanager des Fidelity Asian High Yield Fund und des Fidelity China RMB Bond Fund: „Im kommenden Jahr stützen die attraktiven Bewertungen, kurzen Durationen und starken technischen Faktoren den asiatischen Hochzinsmarkt und den Markt für chinesische Renminbi-Anleihen. Allerdings werden sich meines Erachtens die Unterschiede zwischen den Branchen und einzelnen Emittenten am asiatischen Hochzinsmarkt vergrößern. Auch bei den Ausfallraten rechne ich mit einem Anstieg, denn in der Region verschlechtert sich die Asset-Qualität. Zudem gibt es einige in Schieflage geratene Unternehmen, vor allem in der Rohstoff- und Grundstoffindustrie.“

ifund research news - December 2015

Emerging markets managers and Europe managers showed a strong performance in November. The small- and mid-cap-bias of both peer-groups as well as the underweight in weak performing materials and utilities helped. US-managers also achieved good results but the more balanced sector exposure of the overall peer- group led to more moderate results. Net of fees, 81% of emerging market managers, 67% of Europe managers and 49% of US managers outperformed their benchmarks.

Over three months, emerging market managers head the performance table followed by Europe managers for the above mentioned reasons. US managers showed a less convincing performance as small-caps underperformed the broader index in the US.

Please find the full ifund research news for December 2016 attached on the left. 

Nach OPEC-Sitzung: Ölpreisanstieg in 2016

Vergangene Woche hat die OPEC ihre Strategie der vergangenen 12 Monate bestätigt. Die Ölfördermenge wird so hoch wie möglich gehalten, um Produzenten mit höheren Kosten aus dem Markt zu drängen. Dennoch ist ein Preisanstieg in der zweiten Jahreshälfte 2016 zu erwarten. Dieser Ansicht ist Roberto Cominotto, Fondsmanager des JB Energy Transition Fund: „Während die weltweite Nachfrage weiter steigt, wird sich das Angebot bis 2017 zunehmend verknappen.“ Grund dafür sei, dass bei den aktuellen Ölpreisen kaum mehr neue Erschließungsprojekte vorangetrieben werden. Für die nächsten Monate bleibe der Preis voraussichtlich noch niedrig. Langfristig müsse er sich aber auf einem Niveau einpendeln, bei dem die Produzenten eine ausreichende Rendite erwirtschaften können – das wären laut Cominotto in etwa 70 US-Dollar pro Barrel. Nur so könnten sie auch in Zukunft die globale Ölnachfrage von 93 Millionen Barrel pro Tag abdecken. 

USA, Saudi-Arabien, Irak und Iran beeinflussen Preisentwicklung

Die Politik der OPEC, den Markt geradezu mit Öl zu fluten, um den Ölpreis niedrig zu halten und Konkurrenten aus dem Markt zu drängen, zeigt unterschiedliche Auswirkungen für die wichtigsten Ölmärkte: Der US-Schieferölmarkt reagiert am schnellsten und verzeichnete bereits einen Produktionsrückgang, der sich fortsetzen wird. Saudi-Arabien und der Irak, beide Mitglieder der OPEC, stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Für 2016 erwartet Cominotto deshalb in diesen Regionen keine merkliche Erhöhung der Fördermengen. Einzig der Iran werde im kommenden Jahr die Produktion substanziell steigern können – als Folge der Aufhebung der Sanktionen gegen das Land. Ohne die Strafmaßnahmen könne der Iran laut Schätzungen von Cominotto die Ölfördermenge 2016 um eine Million Barrel pro Tag erhöhen.

Nicht vergessen dürfe man aber, dass die Ölnachfrage zurzeit sehr stark wächst. Global gesehen sei das Nachfragewachstum so hoch wie zuletzt vor der Finanzkrise. Für 2016 erwartet die International Energy Agency IEA einen weiteren Nachfrageanstieg um 1,4 Millionen Barrel pro Tag. Unter dem Strich dürfte dies eine deutliche Reduzierung des Überangebots in den kommenden 12 Monaten bedeuten. 2017 könnte ein Angebotsrückgang außerhalb der USA den Markt sogar in ein Angebotsdefizit bringen.

Attraktives Aufwärtspotenzial für Energieaktien

Für Investoren eröffnen diese Entwicklungen nun Chancen: „Das Überangebot an Öl hat in diesem Zyklus den Höhepunkt überschritten. Viele institutionelle Anleger sind im Energiesektor stark untergewichtet“, erklärt Cominotto. Bei Öl und Gas bevorzugt er nordamerikanische Schieferöl- und Gasproduzenten mit niedrigen Produktionskosten und soliden Bilanzen, die in der Lage sind, selbst bei Ölpreisen deutlich unter 60 US-Dollar zu wachsen. Aber auch andere Industrien entlang der gesamten Energie-Wertschöpfungskette, die auch unter dem Ölpreisverfall gelitten haben, sind attraktiv. Dazu gehören auch erneuerbare Energien.

Der Fondsmanager meidet die meisten großen Ölkonzerne: „Unternehmen wie Total, Exxon und Shell müssen 3 Ziele verfolgen: erstens die Dividenden sicherstellen, zweitens die Produktionsvolumen zumindest konstant halten und drittens das Kreditrating nicht gefährden. Bei Ölpreisen unter 70 US-Dollar ist dies kaum zu schaffen.“ 

Ausblick 2016 - Europaeische Aktien bieten weiterhin Potential

von Marc Craquelin, Chief Investment Officer bei La Financière de l’Echiquier. Wir rechnen grundsätzlich damit, dass sich die derzeitige Volatilität auch in den nächsten Monaten fortsetzen wird. Verantwortlich hierfür ist zum Teil eine so nie dagewesene Konstellation europäischer und amerikanischer Geldpolitik. Während sich auf der einen Seite die amerikanische Notenbank (Fed) vorbereitet, die Zinsschraube anzuziehen, setzt die Europäische Zentralbank (EZB) auf der anderen Seite ihre expansive Geldpolitik fort. Diese Divergenz lässt sich bereits an einem Auseinanderdriften amerikanischer und europäischer Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit beobachten. 

Steigende Zinsen beeinflussen Börsen nicht zwangsläufig negativ
Nach langem Warten dürfte sich die schrittweise Zinserhöhung in den USA in moderatem Tempo vollziehen. Blickt man zurück auf das Jahr 2004, so wird deutlich, dass steigende Zinsen die Börse nicht zwangsläufig negativ beeinflussen müssen. Obwohl der industrielle Sektor noch immer Anzeichen von Schwäche zeigt, sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den USA solide. Dies lässt sich auch an der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen ablesen. Immerhin machen die USA 16 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes aus. Das BIP-Wachstum stimmt optimistisch (jeweils 3,88 bzw. 2,69 Prozent im zweiten und dritten Quartal 2015). Und die Unternehmen insbesondere im Dienstleistungssektor werden von einer positiven Dynamik getragen. Die Anzahl der Fusionen und Akquisitionen sowie die Ausschüttungsquoten und Ankäufe von Vermögenswerten knüpfen an ihre historischen Höchststände an. Gleichwohl ist diese Erholung schon weit fortgeschritten: Das Wachstum der Gewinne je Aktie nimmt ab, außerdem sollte man nicht vergessen, dass sich der Anstieg der Börsenkurse zum Ende eines Erholungszyklus immer abschwächt.  

Erholungspotenzial europäischer Aktien längst nicht ausgeschöpft
Im Gegensatz dazu ist in Europa und insbesondere in der Eurozone das Erholungspotential der Aktienmärkte längst noch nicht ausgeschöpft. Im Vergleich zu den USA lässt ein Wachstum der Gewinne je Aktie noch auf sich warten, gleichzeitig sind die Bewertungen attraktiv: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zum 30. Oktober 2015 lag in der Eurozone zyklusbereinigt bei 12,2, auf der anderen Seite des Atlantiks hingegen bei 22,4. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern sich dank wachsenden Konsums und einer Erholung der Wohnungsbauinvestitionen. Wie schon 2015 wirken sich die expansive Geldpolitik der EZB sowie ein schwacher Ölpreis und Euro stützend aus. Das gilt umso mehr, als der Markt noch immer auf ein zweistelliges Gewinnwachstum setzt. Branchen, die derzeit am Anfang einer Erholung stehen, wie beispielsweise die Bauindustrie, bieten gute Anlagechancen.

Schwellenländer bleiben unsicher
In Schwellenländern ist nach wie vor Vorsicht geboten. Die Aktienmärkte haben sich in den letzten Jahren unterdurchschnittlich entwickelt, und die Bewertungen liegen deutlich unter dem Niveau der Industrieländer. Das KGV im MSCI Emerging liegt bei 12,4, im MSCI Developed Markets hingegen bei 16,9. Trotzdem bleibt das Marktumfeld weiterhin unsicher, eine Erholung zeichnet sich nicht ab. Anlass zur Hoffnung gibt nur eine Entwicklung: Die beschwichtigenden Aussagen der chinesischen Regierung vertreiben die Sorgen vor einer sog. harten Landung der dortigen Wirtschaft und zeigen den Willen, das Wachstum des Landes bei über 6,5% zu halten. Sollten sich die Nachrichten aus China verbessern, wäre dies ein sehr positives Signal für den weltweiten Zyklus und die großen europäischen Exportwerte würden als Erste davon profitieren. 

Übergewichtung europäischer Aktien
Vor diesem Hintergrund empfehlen wir eine Übergewichtung europäischer Aktien. Dabei bevorzugen wir Werte aus der Eurozone, die von einem besonders günstigen Umfeld profitieren. Unser US-Exposure, durch das wir bisher von dem steigenden Dollar profitiert haben, behalten wir zwar bei. Allerdings werden wir unsere Positionen voraussichtlich im Laufe des Jahres nach und nach reduzieren. Im Bereich festverzinslicher Wertpapiere bleiben wir Staatsanleihen gegenüber nach wie vor sehr vorsichtig, zumal wir von einer Zinserhöhung der Fed ausgehen. Einige Anleihen aus Peripherieländern sehen wir hingegen positiv. Bei Unternehmensanleihen konzentrieren wir uns auf hochverzinsliche europäische Papiere sowie Unternehmen mit niedrigen Schuldenständen.


Über La Financière de l’Echiquier
La Financière de l’Echiquier wurde 1991 von Didier Le Menestrel und Christian Gueugnier gegründet und zählt zu den marktführenden unabhängigen Fondsgesellschaften in Frankreich. In Paris ansässig, ist die Fondsboutique erfolgreich auf Enterprise-Picking spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 100 Mitarbeiter und verwaltet ein Vermögen von 8 Milliarden Euro. In Deutschland vertreibt die Gesellschaft aktuell sechs Aktienfonds, zwei Mischfonds und einen Wandelanleihefonds. Die erfolgreiche Fondspalette wird privaten und institutionellen Investoren außerdem in Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz, Belgien, Italien, Spanien und Luxemburg angeboten. Das Kapital von La Financière de l’Echiquier wird vollständig von der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern gehalten. 2004 wurde die Stiftung La Financière de l’Echiquier gegründet, die sich in Frankreich für sozial und beruflich benachteiligte Menschen einsetzt. Weitere Informationen zur Stiftung finden Sie unter http://www.fondation-echiquier.fr und zu La Financière de l’Echiquier unter http://www.lfde.com/de.

Kaufe das Gerücht, verkaufe die Tatsache…oder doch nicht?

Nachdem die 2015 US-Zinserhöhung eine zunehmende Gewissheit annimmt, sprang Gold schlagartig höher, da der Markt bei Gold dem klassischen „verkaufe das Gerücht - kaufe die Tatsache“ zu Opfer fiel. Ölpreise bleiben weiter unter Druck, nachdem die OPEC den Status quo beibehalten hat und Mittelzuflüsse in Kupfer-ETPs kehrten zurück, nachdem chinesische Hütten Angebotseinschnitte vereinbarten. Den vollständigen Bericht mit Charts finden Sie links als PDF. 

Zuflüsse in Energie ETPs bestehen für die 4. Woche in Folge, trotz Beibehaltung des Status quo seitens OPEC. Energie ETPs verbuchten Nettokapitalzuflüsse in Höhe von 39,3 Mio. USD, weitgehend in WTI-Rohöl und Erdgas ETPs. Wie vorhergesagt, wurden etwaige Hoffnungen in das OPEC-Treffen in Wien vergangene Woche enttäuscht, da das derzeitige Produktionsniveaus trotz des anhaltenden Überangebots beibehalten wurde. Der Mangel an Zusammenarbeit von Nicht-OPEC-Mitgliedern, namentlich Russland, Einschnitte bei der Förderung und Angebot zu diesem Zeitpunkt zu machen, gab OPEC die Möglichkeit ihre eigenen Produktionsziele aufzugeben und mehr zu fördern. Der Markt reagierte negativ auf diese Nachricht, sodass Brent-Rohöl bei einem neuen Mehrjahrestief von 42,5 USD pro Fass aus der Handelswoche ging. 

Gold ETPs erleiden die 3. Woche in Folge Abflüsse von 58,6 Mio. USD. Gold stieg am ​​Freitag 2,6%, nachdem der US-Dollar (DXY) am Donnerstag nach enttäuschenden politischen Schritten der EZB um 2,4% nachgab. Der Großteil der Kursbewegungen kam am Freitag nach einem robusten Arbeitsmarktbericht aus den USA, die den Markt dazu veranlassten, eine Zinserhöhung der Fed am 16. Dezember jetzt als eine „beschlossene Sache" zu preisen. Wie wir zuvor hervorgehoben haben, wertete der US-Dollar im Laufe der letzten Fed Zinserhöhungen oft ab und Gold stieg (im Gegensatz zur allgemeinen Wahrnehmung), da die Märkte „das Gerücht verkaufen und die Tatsache kaufen". Der unerwartete Anstieg der Erwerbsbeteiligung, sowie den  nach oben korrigierten (ohnehin schon starken) Arbeitsmarktbericht des Vormonats, machte die 2015 US-Zinserhöhung eine so gut wie beschlossene Sache. Frische Konjunkturmaßnahmen der EZB am Donnerstag blieben hinter den Erwartungen der Anleger zurück, was Investoren dazu veranlasste, die übermäßigen Short-Positionen auf den Euro abzubauen. Wir vermuten, dass auch übermäßige Short-Positionen in Gold geschlossen wurden und so den Preis unterstützten, müssen allerdings bis Freitag abwarten bis die wöchentliche Veröffentlichung von CFTC-Daten dies bestätigen kann.

Rekordtiefpreise sorgen für Schnäppchenjäger in Edelmetall-Körben. Wir konnten 7,8 Mio. USD in unserem ETFS Precious Metals Trust verbuchen, dem höchsten Stand seit 2014. Trotz der robusten US-Fahrzeugverkäufe, die sich derzeit auf einem 10 Jahreshoch befinden, hat eine Verkaufswelle im Palladium (Bekannt für die Verwendung in Benzin-Katalysatoren) seinen Beitrag zu Mittelabflüssen in Höhe von 5,4 Mio. in Palladium-ETFs gehabt.

ETFs Copper sah die höchsten Mittelzuflüsse in 8 Wochen mit 5,1 Mio USD. Die 10 größten chinesischen Hütten vereinbarten Produktionskürzungen von 350.000 Tonnen und damit ca. 1,5% der weltweiten Kupferproduktion des vergangenen Jahres. Dies weckte die Hoffnung auf eine Preiserholung in dem Industriemetall, das seit Jahresanfang um 27,7% zurückgegangen ist.

Zyklischer Aufschwung bei strukturell schwächerem Wachstum

Pioneer Investments prognostiziert für das kommende Jahr ein schwieriges Umfeld, das von weiterhin schleppendem Wirtschaftswachstum, Sorgen über geopolitische Risiken und politische Fehler geprägt sein wird, wobei viele Volkswirtschaften mit Umbrüchen und knapper Liquidität zu kämpfen haben.

„Trotz dieses nicht besonders erfreulichen Szenarios sehen wir 2016 mit Optimismus entgegen“, erklärte Giordano Lombardo, CEO und Group CIO von Pioneer Investments„Sowohl in den entwickelten Ländern als auch in den aufstrebenden Märkten finden tiefgreifende Strukturveränderungen statt. Während wir nur geringes Wachstum und eine gedämpfte Inflation erwarten, sollte der globalen Wirtschaft eine Stagnation weitgehend erspart bleiben, solange große Volkswirtschaften ihre Strukturreformen weiter vorantreiben – was wir als das wahrscheinlichste Szenario betrachten.“

Aus makroökonomischer Perspektive ist für Pioneer die Weltwirtschaft durch vielfältigen Wandel gekennzeichnet. Unserer Einschätzung nach ist das Zusammenwirken von vier Strukturfaktoren für die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums verantwortlich:

  • Der Druck zum Schuldenabbau („Deleveraging“), der noch lange anhalten wird
  • Global rückläufige Produktivitätszuwächse, welche die zukünftige Profitabilität sowohl in entwickelten als auch in aufstrebenden Volkswirtschaften gefährden
  • Ein weit verbreiteter Mangel an Investitionsbereitschaft, die einen entscheidenden Beitrag zu einer nachhaltigen Erholung der Wirtschaft leisten würde
  • Das Risiko geringer Inflation, das sich von einem zyklischen Phänomen zu einem Strukturproblem entwickelt hat.

In diesem schwierigen Umfeld werden eine expansive Geldpolitik und eine weniger restriktive Fiskalpolitik im Jahr 2016 eine Konjunkturbelebung unterstützen. Wir erwarten in den USA und in Europa eine stärkere Dynamik, während unser Ausblick für die Schwellenländermärkte eher moderat, aber dennoch positiv ist.

In den USA sollte sich die Inflation beschleunigen, da eine bessere Beschäftigungslage und ein kräftiges Wachstum der Konsumausgaben letztlich zu einem moderaten Lohn- und Preisdruck führen werden. In der Geldpolitik der USA erwarten wir eine fortschreitende Normalisierung, die unserer Einschätzung nach schrittweise verlaufen und darauf ausgerichtet sein wird, die Inflation in der Nähe des Ziels von 2% zu halten.

Für Europa ist der Ausblick positiv, wenngleich auch hier potenziell Risiken – speziell externer Art – bestehen. Dank der Reformbemühungen wird in vielen Ländern der zyklische von einem strukturellen Wirtschaftsaufschwung abgelöst, was die Eurozone widerstandsfähiger gegenüber Schocks macht als sie es in der Vergangenheit war. Der aktuelle Aufschwung bietet allen Volkswirtschaften eine wichtige, aber begrenzte Chance, sich ihren strukturellen Problemen zu stellen und auf ein ausgewogeneres und nachhaltigeres Wachstum hinzuarbeiten.

Für die Schwellenländermärkte bleibt das Bild höchst durchwachsen. Dank einer Belebung der entwickelten Märkte und einer gewissen Stabilisierung in Ländern, die 2015 starke Einbrüche hinnehmen mussten, wird ein leicht stärkeres Wachstum erwartet. Bedeutende Risiken bleiben aber bestehen, wie etwa die kommende Zinswende der US-Zentralbank (auch wenn die Lage nun robuster als in der Vergangenheit ist), anhaltend schwache Rohstoffpreise und der Druck zum Schuldenabbau.

Und was schließlich China betrifft, rechnen wir dort nicht mit einer harten Landung. Die chinesische Wirtschaft zeigt Anzeichen einer weiteren Stabilisierung, wobei Schwachstellen vor allem im staatlichen Sektor und bei den Exporten konzentriert auftreten. Die nach Sektoren unterschiedliche Entwicklung scheint auf einen tiefgreifenden Strukturwandel mit scharfen Einschnitten bei überschüssigen Industriekapazitäten hinzuweisen, während die Privatwirtschaft, die Dienstleistungen und der Konsum Stärke zeigen.

Allerdings könnten verschiedene Faktoren diesen positiven Strukturwandel und die bescheidenen Wachstumsprognosen noch aus der Bahn werfen. Geopolitische Risiken, welche die Stimmung negativ beeinflussen und das potenzielle Wirtschaftswachstum in zahlreichen Ländern und Regionen reduzieren könnten, geben Anlass zu ernster Sorge. Das Risiko politischer Fehler ist besonders hoch, da die Zentralbanken bei der Lösung der Depressionsdynamik nach wie vor eine wesentliche Rolle spielen. Auch die Umsetzung der Strukturreformen in China wird aufmerksam zu beobachten sein.

Vor dem Hintergrund mäßigen globalen Wachstums beurteilt Pioneer Investments riskante Anlageklassen nach wie vor positiv, allerdings sind die Bewertungen immer noch angespannt. Die Erträge sollten 2016 in allen Assetklassen niedrig und die Volatilität hoch bleiben.

„Unserer Einschätzung nach werden die Umsetzung ausgewählter Ideen von hoher Überzeugungskraft, flexible und keinen Einschränkungen unterliegende Ansätze sowie auf Kapitalerhalt abzielende Investmenttechniken entscheidend dazu beitragen, für die Kunden 2016 eine Wertentwicklung zu generieren“, so Giordano Lombardo abschließend.

Optimistisch für Emerging Markets

In der gegenwärtigen Marktphase, in der viele Anleger den Emerging Markets skeptisch gegenüberstehen, ist Jean-Louis Scandella überaus zuversichtlich. Der Head of Equities bei Baring Asset Management ist optimistisch aufgrund der vielen hochwertigen Wachstumsunternehmen, die Barings identifiziert hat und in den Fondsportfolios hält. „Unserer Einschätzung nach verfügen diese Unternehmen über das Potenzial, Wachstum zu erzielen, selbst wenn die Schwellenmärkte sinkende Wachstumsraten aufweisen“, erklärt der Co-Investment Manager des Baring Global Emerging Markets Fund.

Jean-Louis Scandella hält makroökonomische Betrachtungen bei der Verwaltung eines Schwellenländeraktienfonds für irrelevant. „Sie können sogar kontraproduktiv wirken“, sagt er, denn seinen Erkenntnissen nach existiert schlichtweg keine Korrelation zwischen Wirtschaftswachstum und Marktrenditen. „Beim erfolgreichen Investieren kommt es allein auf die Unternehmen an“, betont Scandella, „denn unsere Recherchen zeigen, dass 50 bis 70 Prozent der Erträge auf unternehmensspezifischen Faktoren beruhen.“

Das Global Emerging Markets-Team von Barings konzentriert sich auf Qualitätsunternehmen, die Wachstum zu einem angemessenen Preis bieten. Mit dem sogenannten GARP-Ansatz („Growth at a Reasonable Price“) lassen sich zwei Fallen vermeiden, in die Growth Manager regelmäßig hineintappen: Die Überschätzung von Wachstum, für das letztlich zu viel gezahlt wird. „Wir suchen daher zunächst nach einem Ertragswachstum, das sowohl attraktiv als auch realisierbar ist“, erklärt Scandella. Die Zielgröße liegt zwischen 10 und 20 Prozent. „Liegt das Wachstum unter 10 Prozent, ist es für uns nicht interessant, und wenn die Prognose bei über 20 Prozent liegt, ist dies ein Zeichen für eine Überschätzung.“ Die Wachstumsprognosen basieren hierbei auf einer gründlichen Fundamentalanalyse sowie Recherchen bei Mitbewerbern, Lieferanten und Unternehmen, die ein ähnliches Geschäftsmodell in anderen Regionen verfolgen. Von Vorteil ist auch, wenn die Unternehmensleitung im Unternehmen investiert ist.

„Wenn wir Qualitätsunternehmen mit starkem Wachstumsausblick identifiziert haben, schauen wir, ob der Preis angemessen ist“, erläutert Jean-Louis Scandella den zweiten Schritt des GARP-Ansatzes. Um beurteilen zu können, ob das Unternehmen unter- oder überbewertet ist, wird das Wachstumsszenario der nächsten fünf Jahre diskontiert. „Nachdem wir die Unternehmen ausgeschlossen haben, die unsere Anlagekriterien mit Blick auf Qualität, Wachstumspotenzial und Bewertung nicht erfüllen, ergibt sich unser investierbares Universum von etwa 400 GARP-Qualitätsunternehmen, aus denen wir auswählen können“, sagt Scandella. Darunter finden sich zurzeit Unternehmen wie Magnit (Russland), Coca Cola Içecek (Türkei), Pax Global Technology und Sunny Optical (beide China) sowie Airports of Thailand.

Was das Global Emerging Markets-Team von Barings indes meidet, sind Unternehmen mit einer sozialistischen oder kolonialistischen Vergangenheit, die sich nicht weiterentwickelt und ihre Geschäftsmodelle nicht modernisiert haben. „In den Schwellenländern finden sich viele dieser altmodischen Firmen, die wir außen vor lassen, egal wie überzeugend die Chance auf Wertzuwachs sein mag“, betont Jean-Louis Scandella.

Der letzte Pfeil der SNB

Joachim Corbach, Leiter Währungen und Rohstoffe bei GAM in Zürich.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) steht geldpolitisch mit dem Rücken zur Wand und scheint metaphorisch gesprochen höchstens noch einen letzten Pfeil im Köcher zu haben. Nach dem verhaltenen Schritt der EZB und im Hinblick auf eine voraussichtliche Zinserhöhung der Fed nächste Woche dürfte sich die SNB diesen Pfeil wohl für einen späteren Zeitpunkt aufbehalten.

Das Direktorium der SNB dürfte vom EZB-Entscheid vergangener Woche, der viele Marktteilnehmer enttäuscht hat, erleichtert gewesen sein. Der eher verhaltene weitere Expansionsschritt der EZB hat – zumindest vorübergehend – den Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken deutlich verringert, und somit auch den Druck auf die SNB, am Donnerstag die geldpolitischen Rahmenbedingungen noch weiter zu lockern. 

Der SNB stehen dabei grundsätzlich drei Optionen zur Verfügung: Erstens, den Zins für Giroguthaben weiter zu senken. Zweitens, den Freibetrag, bis zu welchem Geschäftsbanken vom negativen Zins verschont bleiben, zu reduzieren.  Und drittens, direkt am Devisenmarkt zu intervenieren. 

Bei welchem Zinssatz private und institutionelle Anleger von Kontoeinlagen zu Bargeldhaltung wechseln würden, ist ungewiss. Die Schwelle dürfte allerdings vom heutigen Zinssatz nicht mehr weit entfernt sein. Die SNB wird sich hüten, diesem Wert zu nahe zu kommen.

Der Freibetrag bei Girokonten  führt derzeit dazu, dass nur auf rund 30% der Guthaben Schweizer Geschäftsbanken bei der SNB ein negativer Zins verrechnet wird. Dies und die Tatsache, dass sich auch der Hypothekarmarkt dem Trend zu immer tieferen Zinsen entziehen konnte, ermöglicht den Geschäftsbanken, dem Schweizer „Durchschnittssparer“ den negativen Zins nicht weiterzureichen. Dies ist aber ein sehr fragiles Gleichgewicht, welches durch eine Änderung des Freibetrages leicht an Stabilität verlieren dürfte.

Bezüglich Interventionen am Währungsmarkt zur Schwächung des Schweizer Frankens, ist die SNB deutlich eingeschränkt. Denn dies würde zu einer weiteren Aufblähung ihrer Bilanz führen. Dennoch scheint die SNB in letzter Zeit immer wieder aktiv am Markt gewesen zu sein. Zwar deuten die wöchentlich publizierten Sichteinlagen von Geschäftsbanken bei der SNB nicht auf Interventionen am Kassamarkt hin. Ein ungewöhnlich großer Anstieg der impliziten Zinsdifferenz zwischen Euro und Franken am Terminmarkt lässt jedoch darauf schließen, dass die SNB mittels Termingeschäften im größeren Stil aktiv war.

Die enttäuschenden Wachstumszahlen der Schweizer Wirtschaft und der tiefe PMI bestätigen, dass die Aufwertung des Frankens nicht spurlos an der Realwirtschaft vorbeigeht. Die negative Inflation führt dazu, dass die Realzinsen in der Schweiz, trotz rekordtiefer Nominalzinsen, europaweit zu den höchsten gehören und somit alles andere als wachstumsfördernd wirken. Die SNB kann sich deshalb nicht leisten, das Ziel eines schwächeren (oder zumindest nicht mehr steigenden) Frankens aus den Augen zu verlieren.

Der handelsgewichtete Schweizer Franken hat vor allem dank des starken Dollars in den letzten Monaten deutlich an Wert verloren. Es ist gut möglich, dass die fast einheitlich erwartete Zinserhöhung der Fed Mitte Dezember zu einer weiteren Abwertung des Franken gegenüber dem Dollar führen wird. Die SNB dürfte nächste Woche also gespannt nach Washington blicken und hoffen, dass sich die Markterwartungen dieses Mal erfüllen werden.

Fidelity Schwellenländer-Ausblick 2016: Riskanter Kurs in Brasilien, in China ist die Qualität des Wachstums entscheidend

Nick Price, Fondsmanager des Fidelity Emerging Markets Fund:
„Letztlich wird die Bereitschaft zu Reformen das Schicksal der Schwellenländer entscheiden. Für Anleger, die dort heute investieren, kommt es fast mehr darauf an, die schwachen Bereiche dieses breiten Anlageuniversums zu meiden, als darauf, die vorhandenen Chancen aus nutzen. So gehört Brasilien zu den Ländern, in denen es aufgrund fehlendem politischen Willen kaum Aussicht auf Reformen gibt. Die Lage des hoch verschuldeten Landes wird immer bedrohlicher, da der Staat immer mehr Kredite aufnehmen muss, um die steigende Zinslast zu stemmen. Ohne ein Gegensteuern der brasilianischen Regierung könnte das Länderrating schon bald auf Ramschniveau herabgestuft werden. Auch die Türkei fährt einen riskanten Kurs. Dort übersteigt die Kreditvergabe bereits die Einlagenbasis. In dieser Situation die Kreditvergabe mit expansiver Geldpolitik weiter zu fördern, scheint hochriskant. Vor allem wenn man das hohe und durch die exzessive Importnachfrage weiter angefachte Leistungsbilanzdefizit berücksichtigt.

Indien hingegen zeigt Reformeifer und ist zudem ein Beispiel dafür, dass die gesunkenen Rohstoffpreise nicht für alle Schwellenländer ein Nachteil sind. Da das Land mehr Rohstoffe ein- als ausführt, ist die Inflation infolge des Preiseinbruchs bei Benzin und Lebensmitteln niedrig. So konnte die indische Zentralbank die Zinsen zu dem Zeitpunkt senken, als mit der Umsetzung der Reformagenda der Regierung das Verbrauchervertrauen, das Geschäftsklima, die Investitionsneigung der Unternehmen und die Kreditnachfrage wieder stiegen. Daher bin ich für Indien optimistisch. Die Reformen dürften die Wirtschaft beleben und das Potenzial des bevölkerungsreichsten Landes der Welt freisetzen, dessen Wirtschaft mit 6-7 Prozent wächst – Tendenz voraussichtlich steigend.
Die Schwellenländer, die ihre Volkswirtschaften reformieren, sind auch besser auf steigende US-Zinsen vorbereitet. Wenn die Fed die Zinsen erhöht, könnte das einigen Schwellenländeraktien sogar Auftrieb geben. Denn die Tatsache, dass die US-Leitzinserhöhung bereits seit Jahren diskutiert wird, lässt vermuten, dass es größtenteils in den Kursen eingepreist ist. Vor diesem Hintergrund könnten die Bewertungen von Schwellenländeraktien allmählich attraktiv erscheinen.“

Raymond Ma, Fondsmanager des Fidelity China Consumer Fund:
„Mit Blick auf China lautet die zentrale Frage, ob es gelingt, den Wachstumsmotor wieder zum Laufen zu bringen. Ein Lichtblick ist der sich langsam abzeichnende Aufwärtstrend in wichtigen Bereichen bzw. Frühindikatoren. So ziehen die Stromerzeugung und die Geldmenge M1 wieder an. Zudem geht es im Konsum stetig bergauf, wie der höhere Autoabsatz und die soliden Zuwächse der Flugpassagierzahlen zeigen. Vom Vorratsabbau zuletzt stark gebeutelte Industriezweige wie die Sportartikelbranche dürften künftig weniger Preissenkungsdruck verspüren und höhere Gewinnspannen erzielen. All das lässt auf einen Aufschwung in der Wirtschaft und insbesondere im Konsum im ersten Halbjahr 2016 hoffen, wenn das aktuelle Konjunkturprogramm bei Verbrauchern und Unternehmen ankommt. Optimistisch bin ich für die Branchen Konsum, Versicherung, Internet und Umweltschutz. Sie dürften mehr als andere von den kürzlich verabschiedeten Leitlinien der chinesischen Regierung profitieren.
Anleger sollten die Qualität und nicht die Quantität des Wachstums in den Fokus rücken. Denn ob Chinas Wandel von einer export- und investitionsgetriebenen zu einer stärker auf Konsum ausgerichteten Wirtschaft reibungslos vonstattengeht, ist letztlich wichtiger als ein jährliches Wirtschaftswachstum jenseits von 7 Prozent. Ihr Augenmerk sollten Anleger darauf richten, welche weiteren Reformen und konsumfördernde Maßnahmen die Regierung zur Unterstützung des wirtschaftlichen Wandels umsetzt.“

Polly Kwan, Fondsmanagerin des Fidelity Asia Pacific Dividend Fund:
„In Asien, wo die meisten Länder unter der schwächeren Nachfrage aus China leiden, dürften die Zentralbanken ihren geldpolitischen Lockerungskurs wegen der schwachen Konjunktur und dem deflationären Umfeld beibehalten. Zudem dürften Reformen und Infrastrukturprojekte die Inlandsnachfrage anheizen. So dürfte sich das Wachstum in der gesamten Region im nächsten Jahr zwar leicht abschwächen. Die geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen dürften aber einen unkontrollierten Rückgang verhindern. An den asiatischen Aktienmärkten sorgen niedrige Erwartungen an die Unternehmensgewinne, günstige Bewertungen und die verhaltene Anlegerstimmung für interessante Anlagemöglichkeiten. Ich denke, dass Unternehmen mit soliden, möglicherweise wachsenden Dividenden den Rest des Marktes hinter sich lassen werden. Denn in einer Welt niedrigen Wirtschaftswachstums bevorzugen Anleger Unternehmen, die wachsen können und über einen Dividendenpuffer verfügen.
Auf regionaler Ebene habe ich in meinen Fonds die Gewichtung Indiens verstärkt. Die von der neuen Regierung eingeleiteten Reformen dürften die Weichen für steigende Unternehmensgewinne stellen. Besonders zuversichtlich bin ich für indische Banken und Pharmaunternehmen. Auch mit Blick auf Taiwan und Südkorea bin ich inzwischen positiver gestimmt. Gründe sind die attraktiven Bewertungen und die Aussicht auf stark steigende Dividenden. An meiner neutralen Positionierung am australischen Markt halte ich fest. Ich bin zwar nicht sonderlich optimistisch, was den Ausblick für die Rohstoffmärkte anbelangt. Aber nach der drastischen Korrektur in diesem Jahr halte ich das Abwärtspotenzial für den australischen Dollar und die Rohstoffpreise für begrenzt. Zurückhaltender bin ich im Hinblick auf China. Zwar sind die Bewertungen inzwischen günstiger. Aber internationale Anleger dürften sich erst dann wieder stärker engagieren, wenn sich die Hinweise auf einen Aufschwung verdichten. Zu guter Letzt habe ich das Engagement an den ASEAN-Märkten wegen ihres wenig rosigen Wachstumsausblicks und ihrer unverändert hohen Bewertungen zurückgefahren.“

Jing Ning, Fondsmanagerin des Fidelity China Focus Fund:
„Das größte Risiko für Aktienanleger im nächsten Jahr geht in China meines Erachtens von Gewinnenttäuschungen infolge geschrumpfter Margen aus. Aber es gibt auch vieles, was Anlegern Mut machen sollte. Da in den vergangenen Jahren etliche Branchen einen Abschwung erlebt haben, bieten sich nun spannende Chancen in Industriezweigen, in denen die Kosten erfolgreich gesenkt wurden. Sie profitieren heute von einer schlankeren Kostenstruktur und höherer Effizienz. Im Blick behalten sollten Anleger auch die Umsetzung des aktuellen Fünfjahresplans und der Reform staatseigener Betriebe.
Etwas skeptisch bin ich, ob es den neuen Wirtschaftsbereichen wie dem Konsumsektor schnell gelingt, den Nachfrageeinbruch in den alten Sektoren auszugleichen. Der Wandel zu einem stärker konsumgetriebenen Wirtschaftsmodell hat begonnen und entfaltet seine Wirkung. Aber noch macht er sich vor allem in Form von mehr Effizienz und Transparenz und weniger in neuer Nachfrage bemerkbar.
Chinas Konjunkturmotor wird auch 2016 nicht richtig rund laufen. Wegen des sich weltweit abkühlenden Wachstums rechne ich mit insgesamt schwächerer Nachfrage, aber auch mit einem leichten Aufschwung in Branchen wie Immobilien und Infrastruktur. Die Regierung muss die Inlandsnachfrage ankurbeln. Verstärkte Investitionen in die Infrastruktur sind deshalb wahrscheinlich, da dieser Bereich erheblich zur Wirtschaftsleistung beiträgt und direkt über staatliche Maßnahmen beeinflusst werden kann. Ich rechne dabei mit einem umsichtigeren Vorgehen als in der Vergangenheit. Denn aus früheren Stimuluspaketen, die die Kapazitätsprobleme erst hervorgebracht haben, hat die Politik gelernt. Chinas Machthaber dürften daher den Fokus stärker auf Projekte mit Mehrwert für die Wirtschaft richten, die die Effizienz verbessern und kein Überangebot schaffen. Der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsschienen- und des Hochspannungsnetzes sowie der Abwasser- und Abfallentsorgungssysteme sind mögliche Bereiche.“

Industrial accident at the ECB

By Bruno Cavalier, Chief Economist at Oddo Securities.

Mario Draghi is not infallible. The ECB did indeed ease its monetary policy yesterday as expected and the measures announced – rate cut and extension of QE – would, not such a long time ago, have been deemed considerable. But the markets, whipped up for weeks into expecting more by the ECB's communication, reacted very badly. The euro, whose depreciation was seen as inexorable by many, experienced one of the largest surges in its history. Here, we are drawing a number of conclusions from this major communication blunder.

A bazooka? No, a water pistol

If Mario Draghi was a footballer, we would say that he scored a number of goals yesterday... against his own team. The new package of easing measures should have exerted downward pressure on the euro and interest rates while providing the equity markets with support. Instead, the euro rose by around 4% against the dollar, long rates bounced back and the European stock markets collapsed. The markets' reaction is commensurate with the magnitude of the disappointed expectations that the ECB's president and several of his colleagues had allowed to form in recent weeks. Let us try to learn some lessons from this historic day.

  • On communication and managing the market's expectations - The ECB's error in communication was not committed yesterday. It had been thoroughly (but inadvertently) prepared for around two months. Over this period, barely a day went by without Mario Draghi or one of the influential Board members (Messrs Constancio, Coeuré and Praet) telling the markets: "You will see what happens in December." At the end of the day, the ECB did indeed deliver a fairly substantial package of measures: it cut rates, extended QE and widened the pool of eligible assets. But since the market was expecting much more1, the disappointment was great. This has done nothing for the ECB's credibility, to put it mildly. We can also see that the marginal effectiveness of QE announcements is on a rapid decline.
  • On the economic analysis - In our view, since the summer the ECB's analysis has been biased, almost hemiplegic, highlighting the negative (low inflation, external risks to growth) and ignoring the positive (the business climate, employment, credit). All told, the ECB staff's economic forecasts are not so very different in December than they were in September. It is hazardous for a central bank to distort the economic reality in order to justify its policy.
  • On the euro exchange rate - The euro/dollar exchange rate yesterday registered its second-highest intraday increase of all time (with the record being March 2009 after the Fed announced QE). The violence of the correction reflects massive short positions which had to be cut immediately. This reaction should remind us that the decline in the euro is not as predetermined as some would have us believe. The disconnection between the Fed's and ECB's monetary policies is clearly a key factor exerting downward pressure on the euro/dollar rate, but this has been known and accepted for months. We do not see this as an absolute argument to predict the return of the euro to parity or under parity.
  • On the Fed - The communication blunder committed by the ECB yesterday should serve as a reminder to other central banks that even after laying the groundwork for a decision, the markets' reaction can be a) extreme and b) against expectations. Volatility is exacerbated since the monetary policy currently in place is essentially in uncharted territory. No-one can predict with any certainty all the effects of the QE policies, not to mention those of negative rates policies. The Fed is preparing to launch a cycle of monetary normalisation in mid-December. The watchword (fairly vague it should be said) is: gradual. The normalization cycle will be gradual. This is clearly the Fed's intention, although it remains to be seen whether the markets’ reaction will be also.

1On this topic, we published a (half-serious) note on Monday which listed 25 possible easing measures, some very radical, knowing that most of them would not even be considered. See our Economic Note of 30 November: "25 ways to ease the ECB's policy". 

Turnaround bei Banken in der europäischen Peripherie

Kommentar von Davide Marchesin, Fondsmanager des GAM Star (Lux) Financials Alpha.

Es ist leicht, Banken aus europäischen Peripherieländern in den gleichen Topf zu werfen – nämlich in den mit denjenigen Werten, um die man einen großen Bogen macht. Nach Jahren mit schlechten Nachrichten und Bankenkrisen in den Peripherieländern setzen die Anleger mittlerweile routinemäßig darauf, dass sich Kreditinstitute aus europäischen Kernländern besser entwickeln.

Umso mehr dürfte es überraschen, dass etwa inlandsorientierte italienische Banken in diesem Jahr zu den Spitzenreitern im europäischen Bankensektor zählten. Banken aus anderen Peripherieländern dürften diesem Beispiel folgen, da viele davon derzeit rekapitalisiert werden und sich ihre Gewinne dank niedrigerer Kosten für Kreditausfälle erholen. Die Bankbilanzen in den Peripherieländern werden weiterhin stark durch notleidende Vermögenswerte belastet – ein Überbleibsel der jüngsten Krise. Die jüngsten Trends deuten jedoch insbesondere in Spanien und Italien auf eine Stabilisierung hin, die sich unserer Meinung nach fortsetzen wird.

Banken von Kernländern könnten dagegen künftig bei den Anlegern weniger gefragt sein. Ein Grund für den Kauf dieser Aktien waren die steigenden Dividendenzahlungen, da die Aussichten für das Ertragswachstum und den rentablen Kapitaleinsatz schlecht waren. Nun müssen die Dividendenerwartungen aber möglicherweise zurückgeschraubt werden, da die Regulierungsbestimmungen immer schärfer werden und die nächste Aktualisierung der Basel-Vorschriften bereits auf der Agenda steht. 

Italienische gegenüber spanischen Banken bevorzugen
Italienische Inlandsbanken sind immer noch attraktiv, obwohl sie in diesem Jahr bereits um 35 Prozent gestiegen sind. Wir bevorzugen Unternehmen, deren Rentabilität sich weiter verbessern dürfte – gestützt durch geringere Kreditverluste und das Wachstum der Kreditvergabe und der Kommissionsgebühren. Das inlandsorientierte Geschäftsmodell sollte diese Banken gegenüber der Volatilität und der Abschwächung der Fundamentaldaten in Schwellenländern und Energiesektoren abschirmen. Die erwartete Konsolidierung der Popolari-Banken und die mögliche Erholung am Immobilienmarkt sollten ebenfalls Impulse für eine weitere Neubewertung dieses Sektors liefern. 

Spanische Banken litten in diesem Jahr unter anderem unter den politischen Risiken im Zusammenhang mit den lokalen und nationalen Wahlen. Diese Besorgnis dürfte 2016 abnehmen, und die Unternehmen sollten von einem positiven wirtschaftlichen Hintergrund unterstützt werden. Bei den spanischen Banken sind wir etwas vorsichtiger als bei den italienischen Banken, da diese immer noch unter den Folgen der Immobilienblase leiden und aufgrund des harten Wettbewerbs durch die größten Akteure mit schrumpfenden Kreditportfolios und Margendruck konfrontiert sind.

Die Rekapitalisierung in Griechenland
Selbst bei den griechischen Banken vollzieht sich vermutlich gerade eine positive Trendwende. Zwar war 2015 für Griechenland definitiv ein schwieriges Jahr, aber jetzt befinden sich die Banken in einem umfassenden Rekapitalisierungsprozess unter der Ägide der Europäischen Zentralbank. Dies sollte ihnen selbst in einem schwachen gesamtwirtschaftlichen Umfeld eine komfortable Kapitalposition sichern. Die Bildung von Rückstellungen für notleidende Kredite ist weit vorangeschritten, nimmt allerdings aufgrund der dritten Rezessionswelle weiter zu. 

Wenn die Regierung die mit den europäischen Partnern vereinbarten Reformen umsetzt, ist zu erwarten, dass die EZB griechische Vermögenswerte wieder unter ihren geldpolitischen Schirm nimmt. Dies würde letztendlich bedeuten, dass die Inlandsbanken ihren Finanzierungsmix verbessern können. Die erwartete Stabilisierung der Wirtschaft im Jahr 2017 könnte den zweiten Schritt auf dem Weg zur Normalisierung im Bankensektor vorantreiben. Banken notieren mit weniger als dem 0,4-Fachen ihres materiellen Eigenkapitals, weshalb wir beim gegenwärtigen Niveau nach der Rekapitalisierung attraktive Chancen erkennen.

„Stau“ in Portugal
Unter allen Peripherieländer-Banken befinden sich die portugiesischen Banken jetzt am schwächsten Punkt. Sie müssen an allen Fronten mit Schwierigkeiten kämpfen: schwächere Kapitalquoten als ihre Pendants in anderen Ländern, potenzielle Risiken aus bedeutenden Engagements in Schwellenländern (wie Lateinamerika und Afrika) und geringe Effizienz auf einem sehr konzentrierten Markt.

Rekapitalisierungen sind für die portugiesischen Banken im Jahr 2016 unvermeidbar. Aufgrund der negativen Stimmung nach der Verstaatlichung der Banco Espirito Santo hatten sie auf eine bessere Gelegenheit für Aktienemissionen gewartet. Inzwischen ist jedoch sogar die Novo Banco unterkapitalisiert, die die «guten» Vermögenswerte der früheren Banco Espirito Santo übernommen hatte,. Die portugiesischen Banken stecken offenbar mitten in einem Kapitalerhöhungsstau und warten einfach ab, bis sie an der Reihe sind, um neue Aktien auszugeben. Unserer Ansicht nach wird dies im nächsten Jahr der Fall sein und den Beginn eines langen Erholungskurses markieren.

Monetary policy as a prisoner’s dilemma

How do you get your own economy onto a path of sustainable growth if fiscal policy options have been exhausted, especially in the developed world, and structural reforms are not only hard to implement, but also require a long lead time before they start showing results? All you’re left with is the exchange rate. One man’s imports are another man’s exports. A country that manages to weaken its exchange rate can expect exports to increase – unless the counterparty is banking on the same tool. Since monetary policy is always ultimately exchange rate policy, too, whether intentionally or not, it quickly faces a prisoner’s dilemma.

A prisoner’s dilemma is all about deciding whether to cooperate or to opt out at the expense of someone else. The similarities to monetary policy are obvious. If central banks assume that over the long term, competitive devaluations are a zero-sum game at best, but more likely to be a minus-sum game, then the recommendation is clear: don’t start a currency war in the first place. Unfortunately, there is a downside to this: there will always be new incentives for opting out of this decision to lay low. Other central banks could lay lower for longer, regardless.

And once the race to devalue has started – a case that is much easier to argue when inflation rates are near or below zero – it is difficult to back off again. So central banks probably feel compelled to let devaluation spiral down even further rather than to run the risk of pulling back too soon and having to pay the high price of appreciation “on their own”.
The paradigm of the prisoner’s dilemma that central banks are facing not only helps to explain the more than 700 interest rate decreases that central banks around the world have implemented since Lehman Brothers went bankrupt in 2008; it could also explain why the US Federal Reserve (Fed) is being so hesitant and repeatedly postponing its increase of the base rate despite a stable US labour market. Along the lines of: if we do have to change our monetary policy, we would rather do so later and more hesitantly.

Regardless of when the Fed’s interest rate increase comes, the prisoner’s dilemma will probably still serve as an equally good explanation next year – with all the implications this will have for exchange rates, the capital markets and, of course, the global economy.

Please find Allianz Global Investor's Capital Market Monthly with tactical portfolio allocation advise attached on the left. 

Wishing you a dilemma-free new year,

Hans-Jörg Naumer

Swiss National Bank forced to act

The USD/CHF currency pair hit a five year high last week as investors continue to price in a divergent rate outlook between the US and Switzerland. In the US, lower unemployment and signs of strong manufacturing activity have increased the likelihood of a December interest rate hike, while in Switzerland 0% growth and deflation appear set to keep monetary conditions loose. In addition, the probable expansion/extension of the European Central Bank’s (ECB) asset purchase programme has stoked speculation that the Swiss National Bank (SNB) will be forced to cut benchmark interest rates further into negative territory (currently at -0.75%). We believe that expectations of monetary policy divergence with the US Federal Reserve (Fed) is currently reflected in short term nominal yields and will keep the USD/CHF rising over the next month, presenting a good tactical opportunity to build long exposure to the currency pair.

ECB action could drive looser monetary policy

% of the country’s GDP (Source: Eurostat, European Commission). The country is already reeling from the decision to remove the currency peg in January, which led to a strong appreciation in the CHF against the Euro early in 2015. We expect that any decision to increase stimulus by the ECB will force the SNB to act with the aim of limiting any appreciation of the CHF (against the Euro) from what it already considers to be “significantly overvalued” levels. Additional intervention in currency markets is likely to be the first ‘go-to’ tool for the SNB ahead of its policy meeting in mid-December.

Further CHF weakness to come

At the time of writing, 10-year Swiss government bond yields have reached record lows. Growing expectations of a SNB rate cut in December are driving government bond yields lower. Since August, the USD/CHF currency pair has been closely tracking the short term nominal interest rate differential between the US and Switzerland (see Figure 1). The spread suggests that further CHF weakness against the US Dollar is to come, which should be reinforced by both Fed hiking rates at a time when the SNB remains cautious about the economic environment. We therefore anticipate the USD/CHF to continue on its current trajectory and climb higher in coming weeks.

Investors wishing to express the investment views outlined above may consider using the ETF Securities ETPs states in the PDF version of the trade idea attached on the left. Investors interested in trading currencies and opinions on specific currencies can find further information in altii's FX Special.

Spitzenreiter sind Europa, Japan und die Schwellenländer

Für die Aktienmärkte Europas, Japans und der Schwellenländer Asiens dürfte 2016 laut Ken Lambden, CIO bei Baring Asset Management in London, ein Erfolgsjahr werden.

Spitzenreiter seiner Marktprognosen ist dabei Europa, dem die geldpolitischen Anreize der Europäischen Zentralbank und zunehmend positive Fundamentaldaten Aufwind geben. Auch die Einschätzung zu Japan ist wohlwollend, zeigen doch die dortigen Marktreformen anhaltend Wirkung. Ebenso positiv bewertet Ken Lambden die Entwicklung wichtiger Volkswirtschaften in Asien, die teilweise durch das erstarkte China Auftrieb erhalten.

Ken Lambden, Chief Investment Officer bei Baring Asset Management erläuterte: „Europa ist meiner Ansicht nach hervorragend positioniert und ich sehe gute Wachstumschancen bei Small-, Mid- und Large-Cap-Titeln. Im Gegensatz dazu dürfte der amerikanische Wachstumsmotor meines Erachtens nach im nächsten Jahr ins Stottern geraten. In der zweiten Jahreshälfte 2016 dürfte der Euro gegenüber dem Dollar vergleichsweise attraktiver sein.

Unser China-Ausblick fällt im Vergleich zu anderen Beobachtern vielversprechender aus. Dem Land wird sowohl an den regionalen als auch den globalen Märkten eine zunehmend wichtige Rolle zufallen und die Integration in die Weltwirtschaft dürfte durch Marktreformen weiter vorangetrieben werden. Nachdem der Yuan in den Währungskorb des IWF, aus dem sich dessen Sonderziehungsrechte (SZR) ergeben, aufgenommen wurde und die chinesische Regierung den richtigen Kurs zur Kontrolle ihrer Wirtschaft eingeschlagen hat, dürfte 2016 für Asien alles in allem ein gutes Jahr werden.“

Laut Ken Lambden werden sich in den Schwellenländern im Jahr 2016 vermehrt spezifische Anlagechancen ergeben, insbesondere im Small- und Mid-Cap-Segment. Diese Anlageklasse dürfte in der Gunst von Anlegern steigen, die auf der Suche nach vergleichsweise günstig bewerteten Titeln sind. Dabei ist seiner Ansicht nach jedoch wichtig, dass Anleger die Schwellenländer nicht länger als homogene Anlageklasse betrachten: Im Jahresverlauf 2016 werden Unterschiede bei den Renditen zu beobachten sein, daher spielt die Auswahl der Unternehmen und der einzelnen Aktien eine wesentliche Rolle. Lambden ist zudem der Auffassung, dass auf Unternehmensebene der Rohstoffsektor weniger Volatilität an den Tag legen wird als noch 2015, da getroffene Entscheidungen hinsichtlich Kosten und Produktionskapazitäten von nun an für eine höhere Rentabilität sorgen.

Ken Lambden erklärte: „Auch im nächsten Jahr stehen die USA im Zentrum der Aufmerksamkeit, insbesondere im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im November. Meiner Ansicht nach gibt es keine eindeutigen Anzeichen dafür, dass die Fed plant, die Zinsen im Jahr 2016 in regelmäßigen Abständen anzuheben, sofern die Inflation nicht drastisch steigt. Doch glaube ich auch, dass es für die USA immer notwendiger wird, zur Tagesordnung zurückzukehren.

Barings ist auf diese Marktentwicklungen bestens vorbereitet. Das Unternehmen hat für 2016 eine Expansionsphase eingeleitet und in Großbritannien und den USA, aber auch in Asien, eine große Zahl neuer Mitarbeiter eingestellt. Zudem können wir im neuen Jahr mit neuen Produkten aufwarten und die Vorteile unserer bestehenden Produktpalette ausbauen. Wir gehen dabei von einer Nachfrage aus, die auf unsere speziellen Anlageleistungen zugeschnitten ist.“

Fidelity Ausblick 2016: Aktien aus den USA und Japan haben gute Aussichten

Angel Agudo, Fondsmanager des FF America Fund:

„Die US-Wirtschaft ist nach wie vor in guter Verfassung. Für zusätzliche, wenn auch nicht mehr ganz so starke Wachstumsimpulse dürften die Entwicklung am Arbeitsmarkt und die Erholung des Konsums dank steigender Löhne sorgen. Ein Übriges tun die florierende Dienstleistungsbranche und die Belebung in der Bauindustrie sowie in den damit verbundenen Wirtschaftszweigen. Mein positiver Ausblick für die USA wird aber auch durch strukturelle Faktoren gestützt. Dazu gehören die Innovationskraft amerikanischer Unternehmen, die dank Schiefergas gesunkenen Energiekosten und die daraus resultierende größere Energieunabhängigkeit des Landes.
Spekulationen rund um die anstehende US-Zinswende waren in den vergangenen Monaten eines der beherrschenden Themen. Dabei scheint eine Normalisierung der Zinsen durchaus gerechtfertigt, denn die amerikanische Wirtschaft wächst mit moderatem Tempo und die Arbeitslosenquote nähert sich der Zielgröße.
Nach den wieder stärkeren Marktschwankungen und der nachfolgenden Kurskorrektur an den Aktienmärkten finde ich aktuell mehr interessante Anlagechancen als vor einem Jahr. Mit der Talfahrt an den Märkten hat sich aber auch das Abwärtspotenzial verringert, während die starken Fundamentaldaten vieler interessanter US-Aktien für erhebliche Kursphantasie sorgen. Beim Gewinnwachstum gab es zuletzt jedoch auch einige Korrekturen nach unten. Unter dem Strich werden die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 Index im zu Ende gehenden Jahr wohl kaum wachsen. Zudem könnten steigende Löhne und Zinsen in Verbindung mit dem starken US-Dollar die Margen in einigen Wirtschaftszweigen schmälern. Daher ist es wichtig, nicht nur auf die Bilanzen der Unternehmen zu schauen, sondern auch auf die Widerstandsfähigkeit beziehungsweise Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle.“

Nicholas Price, Fondsmanager des Fidelity Japan Aggressive Fund:

„Japans Reformwille ist ungebrochen, und in den Unternehmen sind positive Veränderungen zu erkennen. Japans Firmenlenker sind entschlossen, die Kapitaleffizienz und Eigenkapitalrendite zu verbessern. Viele Firmen in meinem Portfolio nutzen ihre Cashflows, um ihren Aktionären höhere Renditen zu bieten. Etablierte Unternehmen wie Hitachi und Mitsubishi Heavy Industries besinnen sich wieder auf ihre Kernkompetenzen, und Firmen mit hohen Cashflows nutzen einen immer größeren Teil ihrer Überschüsse für Investitionen. Zudem wächst der Druck auf die Unternehmen, ihre Überkreuzbeteiligungen wirtschaftlich zu begründen, daher rechnen wir für nächstes Jahr mit verstärkten Aktienrückkäufen. Natürlich ist das Tempo, mit dem sich Veränderungen vollziehen, von Unternehmen zu Unternehmen verschieden. Die allseits zu spürende Reformbereitschaft ist jedoch eine gute Nachricht für Anleger.

Ein Fokus meines Investmentansatzes ist es, Anzeichen für nachhaltige Marktveränderungen aufzuspüren. Ein Beispiel dafür ist die bisher überraschend unterentwickelte Tourismusbranche. Die stark wachsende Zahl an Touristen in Japan ist eine der Veränderungen, die 2016 attraktive Anlagechancen bietet. Die Regierung hat sich das Ziel gesetzt, bis 2020, dem Jahr der Olympischen Spiele in Tokio, die Zahl der Touristen auf 20 Millionen pro Jahr zu erhöhen. Dazu will sie unter anderem die Visabestimmungen lockern und mehr Möglichkeiten für steuerfreie Einkäufe schaffen. Dadurch wird die Nachfrage deutlich angekurbelt, was Unternehmen vieler Branchen zugutekommt: von Ferienanlagen- und Hotelbetreibern bis zu Kaufhäusern und Elektronikeinzelhändlern. Besonders gut erscheinen die Aussichten für Firmen, die die wachsende Nachfrage der Touristen im Inland in eine nachhaltige Umsatzsteigerung ihres Geschäfts im Ausland und insbesondere in China ummünzen können.

Zudem halte ich nach Veränderungen bei den Fundamentaldaten wenig analysierter Unternehmen Ausschau, die aus eigener Kraft wachsen und/oder dank ihrer Expertise ins Ausland expandieren. Auf ihrem Weg vom Anbieter im Inland zu einem Wachstumsunternehmen in Asien und in anderen Regionen der Welt stehen die Chancen gut, dass ihre Aktien neu bewertet werden. Ein Beispiel sind Hersteller von Konsumgütern mit starken Marken, die in andere asiatische Länder expandieren.“

Die EZB wird die Märkte morgen wohl enttäuschen

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird den Einlagenzins für Banken morgen voraussichtlich nur um 10 Basispunkte (0,1 Prozent) senken. Diese Ansicht vertritt Larry Hatheway, Chefvolkswirt beim Asset Manager GAM. Zusätzlich dürfte die Notenbank eine Verlängerung ihres Anleiheankaufprogramms über den September 2016 hinaus bekannt geben. „Dieses Maßnahmen-Duo dürfte die Märkte enttäuschen”, so Hatheway.

Bisher sei die Notenbank unter dem Präsidenten Mario Draghi stets in der Lage gewesen, die Erwartungen des Marktes zu erfüllen oder zu übertreffen. Diesmal allerdings könnten die Dinge anders liegen, argumentiert Hatheway: „Die Erwartungen sind hoch. Sie beinhalten eine Senkung des Einlagenzinses um 20 bis 25 Basispunkte zusätzlich zu einer Ausweitung des Anleiheankaufprogramms.“ Hatheway selbst ist zurückhaltender und führt dafür zwei Gründe an. „Zum einen hat sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone stabilisiert, seit Draghi im Oktober eine weitere Lockerung der Geldpolitik angekündigt hat. Zum anderen liegt die Inflation zwar weiterhin deutlich unter dem Ziel der EZB – Basiseffekte legen aber nahe, dass sie in den kommenden Monaten anziehen wird." 

Die Frage sei, ob die Divergenz zwischen der Geldpolitik im Euroraum und anderen Wirtschaftsräumen Aktien und weitere Risikowerte weiterhin begünstige oder eher eine Gefahr darstelle. Viel hänge von der Entwicklung des US-Dollar ab, so der Experte: „Wenn die EZB ihre Geldpolitik stärker lockert als von den Marktteilnehmern erwartet und die Fed Mitte Dezember den Leitzins anhebt, wird das den US-Dollar weiter stärken.” Dies wäre aus verschiedenen Gründen problematisch. So würden sich ohnehin schon viele Investoren die Frage stellen, ab welchem Zeitpunkt der sich abschwächende Renminbi zu einem Abwertungswettlauf in Asien und Schwellenländern in anderen Regionen führen wird. Zudem könnte die Kombination aus einem starken US-Dollar und einer Entscheidung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die Fördermenge unverändert zu lassen, die Preise für Rohöl und andere Rohstoffe weiter unter Druck bringen.

Fidelity Ausblick 2016: Gemischtes Bild bei europäischen Aktien

Matthew Siddle, Fondsmanager des Fidelity European Growth Fund:
„Derzeit gibt es viele Faktoren, die Europa zugutekommen: Niedrige Ölpreise kurbeln den Konsum an, während der schwache Euro die Produkte europäischer Unternehmen global wettbewerbsfähiger macht. Günstige Finanzierungskosten, leichter verfügbare Kredite und die Liquiditätsschwemme sind weitere sich positiv auswirkende Faktoren. Dem stehen die Wachstumssorgen mit Blick auf die Schwellenländer und besonders China gegenüber. Da dort jedoch steigende Staatsausgaben und niedrigere Zinsen die Wirtschaft und die Nachfrage stützen sollten, habe ich in meinen Fonds die Untergewichtung von Firmen mit hohem Umsatzanteil in Schwellenländern zurückgefahren und für den Jahresbeginn 2016 eine neutrale Positionierung eingenommen.
Auf Branchenebene habe ich unter anderem den Energiesektor übergewichtet. Die Gründe dafür liegen in den äußerst geringen Reservekapazitäten, während die Zahl der aktiven Ölförderanlagen abnimmt und der Anstieg der Fördermenge in den USA langsamer wird. Wegen der niedrigen Preise erholt sich zudem die Nachfrage wieder schrittweise. Ich gehe daher davon aus, dass der Ölmarkt im kommenden Jahr ein neues Gleichgewicht finden wird. Da Aktien aus der Branche außerdem günstig bewertet sind, ist das Risiko-Rendite-Profil bei vielen Energieaktien attraktiv. Trotz Übergewichtung der Energiebranche habe ich Rohstoffe als Ganzes neutral gewichtet. Denn auf Eisenerz oder andere Metalle trifft das Argument der Wiederherstellung des Marktgleichgewichts nicht zu.“

Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Fidelity Germany Fund:
„Im Jahr 2015 haben die meisten Firmen die Erwartungen der Analysten übertroffen, die daraufhin ihre Gewinnprognosen nach oben korrigiert haben. Dieser Trend dürfte nach meiner Einschätzung 2016 anhalten. Da die Märkte die positiven Fundamentaldaten auf Unternehmensseite noch nicht umfassend berücksichtigt haben, werden uns die attraktiven Bewertungen wohl bis ins neue Jahr erhalten bleiben. Für die Werte im DAX liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis ungeachtet der starken Unternehmensbilanzen immer noch um 20 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Und verglichen mit ihren europäischen Pendants sind die Bewertungsabschläge deutscher Aktien so hoch wie seit 25 Jahren nicht mehr.
Niedrige Zinsen und der damit einhergehende schwache Euro sowie die Widerstandskraft deutscher Unternehmen stellen die Weichen für gute Anlagechancen in Deutschland im kommenden Jahr. So steigen dank des höheren verfügbaren Einkommens die Konsumausgaben so schnell wie noch nie. Derweil profitiert der Export vom Handel mit wichtigen wirtschaftlich gesunden Abnehmerländern, beispielsweise den USA und Großbritannien. Auch 2016 wird es darauf ankommen, die Gewinner von den Verlierern zu unterscheiden. Die jüngsten Gewinnwarnungen von BASF, Leoni, Deutsche Bank und Hugo Boss sowie die parallel angehobenen Prognosen für Qualitätsunternehmen wie Fresenius, Grenke Leasing, Henkel oder Prosieben machen deutlich, wie wichtig ein aktives Management ist.“

Was das Jahr 2016 für die Anleger bereithält

Vor dem Jahreswechsel die Prognosen zu aktualisieren, gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen von Ökonomen. Wir bei Vontobel sind in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Aus unserer Sicht lässt sich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die robuste Wirtschaftsdynamik in den USA anhält, und wir sind dementsprechend positioniert. Die Aussichten für den Rest der Welt sind weniger klar. Die Anleger sollten deshalb sehr selektiv vorgehen und gegen Überraschungen gewappnet sein, insbesondere was den Ölpreis betrifft. Dank unserer beträchtlichen Cash-Position können wir Marktchancen nutzen. Um das Bild abzurunden, prüfen wir die Treffsicherheit unserer früherer Prognosen – ein nützliches, wenngleich manchmal ernüchterndes Unterfangen.

Ein Vergleich unserer ursprünglichen Wirtschaftsprognosen für 2015 mit den effektiven Daten zeigt, dass die Entwicklung der Weltwirtschaft geringfügig hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben ist. Verantwortlich hierfür sind aber weder die USA, wo das erste Quartal aufgrund des unerwartet harten Winters schwach ausfiel, noch die Eurozone, die sich als bewundernswert widerstandsfähig erwies. Der Grund für das Auseinanderklaffen von Erwartung und Realität ist die flaue Konjunktur der aufstrebenden Volkswirtschaften. Der Doppeleffekt aus Konjunkturabkühlung in China und Rohstoffpreisverfall traf die "Emerging Markets" schwer, namentlich Brasilien und Russland (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Rückläufige Rohstoffpreise belasten das Wachstum in Russland und Brasilien

Quelle: Bloomberg, Thomson Reuters Datastream, Vontobel Asset Management

Wir erwarten, dass die US-Wirtschaft auch 2016 als Motor der Weltwirtschaft fungiert, einen Gang höher schaltet und mit 2.8 Prozent wächst, nach 2.6 Prozent im Jahr 2015. Die kräftige Binnennachfrage wird dazu beitragen, die Negativeffekte der schwachen Exporte und stagnierenden Industrietätigkeit zu dämpfen. Insgesamt bleiben die US-Fundamentaldaten gut unterstützt, weil der erstarkte Arbeitsmarkt den Konsum befeuert, der für 69 Prozent des US-Bruttoinlandprodukts verantwortlich ist. Angesichts des festen US-Dollar, des eher trüben Ausblicks für die "Emerging Markets" und des geringen Preisdrucks rechnen wir damit, dass die US-Notenbank (Fed) sehr behutsam vorgeht, die Zinsen erstmals im Dezember 2015 anhebt und 2016 bezüglich des Tempos der geldpolitischen Straffung vorsichtig agiert. Die Eurozone profitiert vom schwächeren Euro, einer anhaltenden Erholung in der sogenannten Peripherie und einer etwas expansiveren Fiskalpolitik in manchen Ländern. Der Übergang der chinesischen Wirtschaft von einem export- und industriegetriebenen Wirtschaftsmodell zu einer Dienstleistungswirtschaft wird die Exporte der Schwellenländer nach China und die Rohstoffpreise generell jedoch nachhaltig unter Druck setzen.

Von "Aktien-Bullen" und Ermüdungserscheinungen
Was bedeutet dies für die Finanzmärkte? Die Kombination aus moderatem Weltwirtschaftswachstum und mehrheitlich expansiver Geldpolitik kommt riskanteren Vermögenswerten wie Aktien zugute. Die Bewertungen sind bestenfalls fair und die Gewinne der Unternehmen werden kaum wachsen. Infolge des moderaten Aufwärtspotenzials und der anziehenden Volatilität ist beim Anlegen ein zunehmend taktischer Ansatz gefragt, wobei der Titelauswahl zentrale Bedeutung zukommt. In einem solchen Umfeld erwarten wir, dass Staatsanleihen von den sogenannten Kernländern der Eurozone – allen voran deutsche "Bunds" – und US-Treasuries geringe Verluste erleiden. Gleichzeitig dürfte sich das Segment der Unternehmensanleihen, beispielsweise hochverzinsliche Papiere, gut behaupten, da eine Rezession ziemlich unwahrscheinlich ist. Ob sich Aktien und Anleihen der aufstrebenden Volkswirtschaften erholen, hängt stark von der Stabilisierung der Rohstoffpreise ab. Die aktuelle Reaktion auf der Angebotsseite scheint indes nicht auszureichen, um die Märkte ins Gleichgewicht zu bringen, denn die Produzenten versuchen, das Angebot aufrechtzuerhalten oder sogar zu erhöhen, um ihre Geldzuflüsse zu verteidigen. In diesem Umfeld tritt die geldpolitische Divergenz offen zutage: Das Fed wird höchstwahrscheinlich an seinem Treffen vom 15./16. Dezember die Zinsen erhöhen, während die Europäische Zentralbank bereits "indirekt angekündigt" hat, ihr Wertpapierkaufprogramm am 3. Dezember auszuweiten. Solche Divergenzen dies- und jenseits des Atlantik verleihen dem US-Dollar zusätzlichen Auftrieb, obwohl die Währung nicht mehr günstig ist. Unter dem Strich sind die Aussichten auf hohe Renditen auf den Finanzmärkten relativ verhalten, da hyperaktive Währungshüter die Bewertungen in die Höhe getrieben haben.

Ein Damoklesschwert schwebt über den Schwellenländern
In unserem Hauptszenario gehen wir davon aus, dass sich das globale Wachstum außerhalb der USA stabilisiert. Ein wirklich pessimistisches Nebenszenario sähe hingegen wie folgt aus: Eine Welle von Zahlungsausfällen in den aufstrebenden Volkswirtschaften, wo die Verschuldung der Unternehmen gestiegen ist, könnte das Vertrauen der Anleger erschüttern und das Wirtschaftswachstum sowie die Unternehmensgewinne erheblich beeinträchtigen. Sorge bereitet zudem der Aufstieg von politischen Parteien in Europa, die das Ende der Sparpolitik befürworten und sogar die Grundsätze der Institutionen und der Politik der Region infrage stellen. Dagegen könnte eine robuste US-Konjunktur – und dies ist unser optimistischeres Nebenszenario (in Bezug auf die Wirtschaft, nicht unbedingt auf die Finanzmärkte) – den Rest der Welt aus ihrer Lethargie heraushelfen und die Grundlage für eine Trendwende bei den Rohstoffpreisen legen. Dies wiederum würde bewirken, dass das Fed die Zinszügel deutlich schneller als erwartet strafft, was die Preise von Staatsanleihen und Vermögenswerten, die in den vergangenen Jahren von der Renditejagd profitiert haben, belasten würde. In diesem Fall könnten wir eine Erholung in den Bereichen sehen, die von den Marktteilnehmern am meisten gemieden wurden, nämlich in "Emerging Markets" und bei Rohstoffproduzenten. Tatsächlich sind die Aussichten für die Rohstoffpreise und insbesondere für Öl ein zentraler Faktor für 2016, denn diese Preise beeinflussen die Ertragskraft in wichtigen Aktiensektoren und die Bonität zahlreicher Schwellenländeremittenten erheblich. Wann wird Saudi-Arabien zum Schluss kommen, dass seine Strategie, hauptsächlich von US-Schieferölproduzenten "teuer gefördertes" Öl aus dem Markt zu drängen, erfolgreich war? Wird der Zusammenbruch der Einnahmen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ein strategisches Umdenken bewirken (siehe Grafik 2)?

Grafik 2: Saudi-Arabiens Einnahmen fallen im Gleichschritt mit rückläufigem Ölpreis

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Vontobel Asset Management

Fazit: Unser Hauptszenario für 2016, bei dem wir die Eintrittswahrscheinlichkeit auf 60 Prozent einstufen, trägt den Titel "Robuste US-Konjunktur, flaues globales Wachstum". Unsere Portfolios sind dementsprechend positioniert: Wir beurteilen risikobehaftete Anlageklassen größtenteils neutral, sind in Staatsanleihen, in den "Emerging Markets" und in Rohstoffen "untergewichtet" und im US-Dollar "übergewichtet". Wir halten zudem überdurchschnittlich viel Liquidität, um kommende Marktchancen nutzen zu können. Selbstverständlich hängt der Grad unserer Überzeugung von den globalen Bedingungen ab. Je nachdem, wie die Wirtschaftsdaten ausfallen, werden wir neu beurteilen müssen, welches unserer Szenarien wahrscheinlicher wird. Dabei werden wir jederzeit die Entwicklung der verschiedenen Anlageklassen im Auge behalten.

„Eine Frage der Kalibrierung“

Am Staatsanleihemarkt ist in Gestalt der EZB seit März 2015 ein neuer Käufer aktiv. Die Gefahr eines Glaubwürdigkeitsverlusts, der mit einem nachhaltigen Unterschießen der Inflation hinter der EZB-Preisstabilitätsmarke von 2% einherginge, scheint für die EZB an Bedeutung gewonnen zu haben. Während eine zusätzliche Lockerungsrunde daher nur noch „eine Frage der Kalibrierung“ zu sein scheint, dürfte der Bestand an – für geldpolitische Zwecke erworbenen – öffentlichen Wertpapieren in ihren Büchern gemessen an der Bruttostaatsverschuldung des Euroraums im Jahr 2016 einen zweistelligen Wert erreichen. Ein Umfeld, in dem Staatsanleiherenditen im Euroraum auf absehbare Zeit auf niedrigen oder sogar negativen Niveaus verharren dürften.

Den vollständigen QE-Monitor finden Sie links.

Wendepunkt am Rohstoffmarkt von Mittelzuflüssen in Rohstoffkörbe widergespiegelt

In einer verkürzten Handelswoche stiegen Preise für Öl und die meisten Industriemetalle gemeinsam mit zunehmendem Investorenvertrauen. Mittelzuflüsse in unsere Rohstoffkörbe spiegelten die Stimmung für eine Bodenbildung am Rohstoffmarkt wider.
Gold, bekannt als defensive Anlage, das in Zeiten eines höheren Realzinses schlechte Renditen erzielt, erfuhr auch vergangene Woche erneut Mittelabflüsse. Wir glauben, dass dieser Pessimismus für das Edelmetall unangebracht sein könnte.
Trotz aufkommendem Optimismus am Markt bezweifeln wir, dass die OPEC am Freitag in ihrer Sitzung ihren Kurs ändern wird.
Den wöchentlichen Rohstoffüberblick von ETF Securities finden Sie links mit Charts.

Weitere Investoren kehren an den Rohstoffmarkt zurück. Vergangene Woche wurden 24,2 Mio. USD in ETFS Longer Dated All Commodities GO UCITS ETF (COMF) verbucht, erste Anzeichen, dass Investoren von einem Wendepunkt am Rohstoffmarkt ausgehen. Die im bisherigen Jahresverlauf verbuchten Mittelzuflüsse in diversifizierte Rohstoffkörbe belaufen sich nun auf 429,2 Mio. USD, im Vergleich zu 206,1 Mio. USD im Vorjahr, 53,5 Mio. USD im Jahr 2013 und Mittelabflüsse von 21,6 Mio. USD in 2012. Es gibt unserer Ansicht nach eindeutige Anzeichen für einen Wendepunkt am Rohstoffmarkt. Eine ausgiebiger Zeitraum negativer Performance haben Bergbaumienen, Hüttenwerke, Bohrunternehmen und andere rohstoffabbauende Unternehmen zur Kürzung ihrer Anlageinvestitionen (CAPEX) gezwungen, was im kommenden Jahr zu einem geringeren Angebot führen wird. Kürzungen für Investitionsausgaben machen sich bereits in der Versorgung bemerkbar und es ist eine Frage der Zeit, bis sich dies im Preis widerspiegelt.

Mittelabflüsse aus Gold-ETPs steigen auf 75,5 Mio. USD und markieren damit ein neues 15-Wochen-Hoch. Viele Investoren haben sich angesichts der seit neun Jahren erstmals anstehenden potenziellen Zinserhöhung in den USA von Gold verabschiedet, da historisch eine Korrelation mit langfristigen US-Treasury-Renditen besteht. Dennoch möchten wir hervorheben, dass man aus einem Anstieg der kurzfristigen Zinssätze nicht einfach einen Anstieg der langfristigen Nominalzinsen schließen kann. Hierbei spielen Staatsanleihen als politisches Instrument eine zu wichtige Rolle, um Preise vor Abwärtsrisiken zu schützen. Auf der anderen Seite könnte die Inflation auch schneller ansteigen als allgemein erwartet. Niedrige Rohstoffpreise im letzten Jahr könnten die Inflation von 0,2 Prozent im Oktober 2015 auf 1,5 Prozent bis Januar 2016 anheben. Realzinses könnten somit weiterhin gering bleiben. Wir haben in früheren Zinserhöhungszyklen beobachten können (wenn Zinsen von einem sehr niedrigen Niveau erhöht wurden), dass der US-Dollar im Endeffekt abwertet (und nicht aufwertet, was man gewöhnlich erwartet). Sollte die Vergangenheit uns tatsächlich einen Hinweis für die Zukunft geben, könnten Gold und Rohstoffe im Allgemeinen eine gute Performance nach einer Zinserhöhung erfahren.

Vor der OPEC-Sitzung erfahren Öl-ETPs weiterhin Mittelzuflüsse. Long Brent und WTI Öl-ETPs verbuchten weitere 16,8 Mio. USD an Mittelzuflüssen. WTI konnte 6,2 Prozent zulegen, während Brent solide 2,9 Prozent anstieg. Saudi-Arabien verringert ihren Druck auf globale Hochkostenproduzenten, ihre Produktion entsprechend zurückgefahren. Allerdings glauben wir, trotz den jüngsten Äußerungen nicht, dass die OPEC ihre Produktion diese Woche kürzen wird. Tatsächlich gehen wir davon aus, dass Saudi-Arabien den Preiskampf nicht eher beendet, bis das Angebot von nicht-OPEC Produzenten stark gekürzt wird (was positiv für den Ölpreis wäre) oder Saudi-Arabien nicht mehr die finanziellen Mittel dazu hat, den Preiskampf weiterzuführen (was 2018 theoretisch der Fall wäre).