Die griechische Tragödie nimmt ihren Lauf

Valentijn van Nieuwenhuijzen, Head of Strategy, Multi-Asset bei NN Investment Partners, Den Haag.

Was ist passiert?

Eine weitere ebenso unerwartete wie dramatische Wende. Die Vertreter der griechischen Regierung brachen Freitagnacht die Verhandlungen mit der Euro-Gruppe ab und kündigten am 25. Juni an, am 5. Juli per Volksentscheid über den Vorschlag von EU, EZB und IWF (die „Institutionen“ bzw. „Gläubiger“) entscheiden zu lassen. Die Euro-Gruppe nahm ihrerseits die Tatsache, dass die griechische Regierung öffentlich ein negatives Votum, also die Ablehnung des Vorschlags, befürwortet, zum Anlass, ihren Vorschlag zurückzuziehen. Zugleich wies die Gruppe darauf hin, dass das zweite Hilfsprogramm am 30. Juni abläuft. Der Vorschlag der Syriza-geführten Regierung, ein Referendum abzuhalten, wurde vom griechischen Parlament mit einer klaren Mehrheit von 178 Stimmen (von 300) angenommen.

Dennoch hielt man sowohl auf europäischer als auch auf IWF-Ebene die Tür offen, um ggf. am Wochenende die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem betonte, bei dem Vorschlagsentwurf handele es sich nicht um ein endgültiges Angebot. Interessanterweise gab die Europäische Kommission einen Zehn-Punkte-Plan heraus, der ihr letztes Verhandlungsangebot darstellt. Darin enthalten sind auch einige der am 25. Juni in letzter Minute von der griechischen Regierung vorgelegten Vorschläge. Damit sind zwei Dinge klar:

Erstens fiel die Entscheidung für ein Referendum bereits, bevor die Verhandlungen zwischen den Institutionen und Griechenland in Brüssel Freitagnacht abgebrochen wurden. Anscheinend wurden sogar die griechischen Unterhändler von dieser Nachricht überrascht, die einige von ihnen erst über Twitter erfuhren. Zu diesem Zeitpunkt bestand noch eine reelle Aussicht auf einen Deal. Es scheint, dass Ministerpräsident Tsipras‘ Entscheidung, die Verhandlungen abzubrechen und stattdessen ein Referendum zu verlangen, vor allem innenpolitisch motiviert war. Seiner Partei Syriza drohte nämlich eine Spaltung über die Zugeständnisse, die seine Regierung bereits gegen über den Gläubigern eingegangen war.  

Zweitens haben die Institutionen zwar offiziell ihr Angebot zurückgezogen, doch haben sie auch begonnen, den griechischen Wählern eindringlich vor Augen zu führen, dass ein „Ja“ im ureigenen Interesse Griechenlands sei. Das spricht dafür, dass die Institutionen gewillt sind, die Verhandlungen fortzuführen, ob mit der gegenwärtigen Regierung oder einer neuen Führung, falls das Referendum am Sonntag mit einem Ja-Votum ausgeht. Andererseits ist unklar, wie die Gläubiger im Falle einer Mehrheit für das „Nein“-Lager verfahren werden.

Da die Euro-Gruppe Griechenlands Bitte um eine Verlängerung des gegenwärtigen Hilfsprogramms abgelehnt hat, werden die Mittel nach dem 30. Juni nicht mehr zur Verfügung stehen. Griechenland wird die anstehende Rate an den IWF daher wohl nicht zahlen können. Formal kann es bis zu einem Monat dauern, bis der IWF den Zahlungsausfall feststellt und ein Land als säumiger Schuldner gilt. In diesem Fall wird der IWF aber wohl nicht so lange warten. Das Timing einer solchen Feststellung hängt vom IWF-Exekutivdirektorium ab und hat insofern eine wichtige politische Dimension. Dabei wird das IWF-Exekutiv-direktorium unter Umständen das anstehende Referendum und seine Konsequenzen für die Reaktion der EZB auf eine solche Feststellung berücksichtigen. 

Die EZB hat beschlossen, die Obergrenze ihrer Liquiditätsfazilität ELA für griechische Banken vorerst nicht weiter zu erhöhen. In den letzten Wochen waren diese Mittel noch geflossen, um die Einlagenabflüsse zu kompensieren. Die EZB betonte, der „EZB-Rat steht bereit, seinen Beschluss zu überprüfen“, das wird aber wohl erst nach einer Neuaufnahme der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern der Fall sein. Angesichts der zunehmenden Einlagenabgänge über Geldautomaten und der Abhebungen im elektronischen Zahlungsverkehr übers Wochenende kündigte die griechische Regierung die Schließung der Banken für die Dauer von sechs Werktagen an. Dabei gilt eine Höchstgrenze von 60 Euro pro Tag für Bargeldabhebungen an Geldautomaten. Hinzu kommen Kapitalverkehrskontrollen und eine vorübergehende Schließung der Börse.

Wie geht es weiter?

Die aktuelle Situation bleibt hochvolatil und es ist extrem schwierig, die Wahrscheinlichkeiten künftiger Szenarien einzuschätzen. Den jüngsten Meinungsumfragen in Griechenland sowie den Buchmachern zufolge stehen die Chancen gut, dass der Volksentscheid mit einem „Ja“ ausgehtDas könnte bedeuten, dass sich Griechenland nächste Woche bereitwilliger zeigen wird, einen Deal mit seinen Gläubigern zu akzeptieren. Ob das nun über einen Sinneswandel der gegenwärtigen Regierung oder durch Einsetzung einer neuen Regierung geschieht, ist unklar, wenn auch Letzteres in einem solchen Szenario wahrscheinlicher erscheint.

Doch bevor das Referendum nächsten Sonntag seinen Lauf nimmt, bestehen noch zahlreiche Unwägbarkeiten. So könnten die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, das Referendum könnte abgesagt werden, der IWF könnte offiziell einen Zahlungsausfall Griechenlands erklären, die EZB könnte die Abschläge (Haircuts) auf Sicherheiten griechischer Banken erhöhen, die ELA-Obergrenze könnte gesenkt oder die Fazilität überhaupt nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. In Anbetracht der erheblichen wirtschaftlichen und politischen Folgen dieser Entscheidungen erscheint es uns am wahrscheinlichsten, dass alle Interessengruppen sich um Deeskalation bemühen werden – jedenfalls bis der Ausgang des Referendums vorliegt.

In dieser Woche wird es vor allem darauf ankommen, wer nach Meinung der griechischen Wähler in erster Linie Verantwortung für die dramatische Lage Griechenlands trägt. Die Syriza-Regierung weist den Gläubigern die Schuld zu. Es ist indes fraglich, ob Tsipras seine Wähler davon überzeugen kann, dass er nach einem „Nein“ im Hinblick auf Lebensstandard und Arbeitsmarkt wirklich eine glaubwürdige Alternative für das griechische Volk bieten kann. Die griechische Regierung wird den Wählern nahelegen, bei dem Referendum gehe es um die Akzeptanz eines künftigen Sparkurses. Demgegenüber argumentieren die griechische Opposition und die Gläubiger, dass es bei dieser Wahl um das Verbleiben Griechenlands in der Eurozone gehe. 

Unser Basisszenario geht von einer Mehrheit für das Ja-Lager aus. Diese Einschätzung stützt sich auf die jüngsten Umfrageergebnisse, bei denen sich 55 bis 65 Prozent der Befragten für ein Ja aussprachen. Auch die Wettquoten der Buchmacher sprechen für einen solchen Ausgang und nicht zuletzt das Verhalten der Griechen selbst, die während der letzten drei Tage vor den Geldautomaten des Landes Schlange standen. Anscheinend ist das Vertrauen der griechischen Bürger in die Fähigkeiten Tsipras’, eine bessere Zukunft ohne einen Deal zu liefern, begrenzt. Andererseits gab es in den letzten beiden Wochen so viele unerwartete Wendungen, dass wir unserem Basisszenario einer Abstimmung mit Ja keinen hohen Überzeugungsgrad beimessen können.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Reaktion der Gläubiger, allen voran der EZB. Die Europäische Zentralbank hat wiederholt betont, für die Wahrung der Finanzstabilität in der Eurozone bereitzustehen. Sie verfügt über ein umfangreiches geldpolitisches Arsenal (Kreditlinien, OMT, QE), um zu verhindern, dass das griechische Drama auf andere Teile des globalen Finanzmarkts übergreift, vor allem auf die übrigen Märkte der Euro-Peripherie. Ferner hat die EZB ihr Instrumentarium inzwischen flexibler gestaltet: So hat sie nicht nur zu Beginn des Jahres die quantitative Lockerung angestoßen, sondern erhielt in der Zwischenzeit auch Schützenhilfe vom Europäischen Gerichtshof (EuGH), der entschied, dass der Aufkauf von Krisenländer-Staatsanleihen (Stichwort: OMT-Programm) grundsätzlich rechtens sei.

Insofern kann die EZB erforderlichenfalls wohl mit breit angelegter Unterstützung durch die politischen Entscheidungsträger in Europa rechnen. Das ist von kritischer Bedeutung, denn die EZB wird weniger agieren, sondern vielmehr reagieren, und erst dann zusätzliche geldpolitische Maßnahmen ankündigen, wenn die Finanzlage in der Eurozone sich deutlich verschärft. Mit anderen Worten: Die geldpolitischen Instrumente der EZB und ihre Bereitschaft, diese auch zu nutzen, sind für Märkte und Wirtschaft in der EWU auf mittlere Sicht günstig, können jedoch die kurzfristig stark erhöhte Volatilität im Zuge der Griechenlandkrise nicht verhindern.

Märkte, Grexit und unsere Positionierung

Die Finanzmärkte reagierten zunächst negativ, jedoch nicht panisch. Nachdem der Eurostoxx 50 zunächst schwach eröffnete (Rückgang um 5 Prozent), geht‘s jetzt wieder aufwärts. Dieselben Trends zeichnen sich am Anleihemarkt ab, wo die Spread-Ausweitung bei Papieren von der Euro-Peripherie auf etwa 30 Bp. begrenzt ist. Überdies hat sich der Euro von seinem Tief gegenüber dem USD erholtDas deutet darauf hin, dass die Anlegerschaft nach wie vor an eine tragfähige Lösung und die Abwendung eines Grexit glaubt. Die Zuversicht, dass Rahmendaten und EZB-Politik (QE, OMT, Überbrückungskredite) stark genug sind, um die aktuelle Situation in Griechenland zu bewältigen, ist ungebrochen.

Kurz gesagt: Die Zuwächse der letzten Woche haben sich bereits – in angemessenem Rahmen – wieder verkehrt. Die Aussichten für finanzielle Stabilität in Europa, weltwirtschaftliche Erholung und die Wahrscheinlichkeit eines wie auch immer gearteten Deals mit Griechenland, der das Land in der EWU hält (nach einem Ja-Votum beim Volksentscheid), sind weitgehend unverändert. 

Gleichzeitig haben die politischen Unwägbarkeiten sowie die Wahrscheinlichkeit eines Grexit auf kurze Sicht zugenommen (liegt aber immer noch unter 50 Prozent). Im Ergebnis ist mit hoher Volatilität an den Aktien- und Anleihemärkten zu rechnen, wenn es auch an einer klaren Richtung im Vorfeld zum griechischen Referendum fehlt. 

Da die Ungewissheit noch mindestens eine weitere Woche anhalten sollte und die Kurse bis jetzt noch nicht auf attraktive Einstiegslevel gefallen sind, erwägen wir im Rahmen unserer Multi-Asset-Portfolios eine taktische Reduzierung unserer aktiven Aktien- und Anleihepositionen. Natürlich werden wir die Situation weiter genauestens beobachten und erforderlichenfalls entsprechend reagieren, falls sich unvorhergesehene Ereignisse abzeichnen. Dabei geht es in erster Linie darum, die Wahrscheinlichkeit eines Nein-Votums richtig abzuschätzen und damit einhergehend etwaige Hinweise auf einen Dominoeffekt an anderen EWU-Peripheriemärkten bzw. den europäischen Aktienmärkten allgemein.

Barings: Griechenland – Aktuelle Informationen über die Situation und Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit

Griechenland: Die Lage verändert sich schnell
Am Wochenende gab es eine Reihe bedeutender Entwicklungen in Griechenland.

Am Freitag kündigte der griechische Premierminister ein Referendum an, in dem die griechischen Bürger über die jüngsten Reformvorschläge der Geldgeber des Landes entscheiden sollen. Das Referendum wurde vom Parlament beschlossen und soll am 5. Juli stattfinden. Die Regierung rief zu einer Abstimmung mit "Nein" auf, sagte jedoch die Umsetzung der Konsequenzen im Falle einer "Ja"-Entscheidung zu.

Am Samstag entschieden die Gläubiger, den Antrag der griechischen Regierung auf eine Verlängerung des derzeitigen Hilfsprogramms abzulehnen. Somit werden nach dem 30. Juni von dieser Seite keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung stehen. Am Sonntag entschied die Europäische Zentralbank, die Notkredite für Griechenland nicht zu erhöhen. Damit bleibt die Obergrenze auf dem Niveau von 89 Mrd. Euro.

Als Konsequenz der Entscheidung der Europäischen Zentralbank und aufgrund der anhaltend hohen Bargeldabhebungen an den Geldautomaten in Griechenland  im Verlauf des Wochenendes kündigte der griechische Finanzstabilitätsrat die Schließung der Banken an, beginnend ab Montag für die Dauer von sechs Arbeitstagen.

Darüber hinaus wurden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, die Börse in Athen bleibt geschlossen, Schecks werden nicht mehr eingelöst und Abhebungen von Geldautomaten werden für griechische Bürger auf 60 Euro pro Tag begrenzt.  

Auswirkungen auf Investitionen
Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten für den Ausgang der Situation in Griechenland mit jeweils sehr unterschiedlichen Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit.

Die heutige Reaktion der Märkte macht deutlich, dass – nach allgemeiner Einschätzung der Lage am Freitag – die Situation in einer Weise geklärt werden dürfte, die es Griechenland erlaubt, auch weiterhin finanzielle Mittel aus der Eurozone zu beziehen.

Nach heutigem Stand sind die Chancen für dieses Szenario unseres Erachtens gesunken, wobei sich die Lage auf sehr kurze Sicht relativ intransparent darstellt.

In unseren Portfolios für aufstrebende europäische Länder haben wir mit lediglich zwei Unternehmen ein sehr begrenztes Engagement in Griechenland und somit eine geringere Gewichtung des Landes als die Marktindizes. Obwohl die Börse in Griechenland geschlossen ist, zumindest für die kommende Woche, haben sich andere Märkte infolge der Nachrichten nach unten entwickelt und ein erhöhtes Volatilitätsniveau ist in diesem Umfeld wahrscheinlich.

Wir werden die Situation, die sich rasch weiterentwickelt, auch weiterhin genau beobachten.

Ghadir Abu Leil-Cooper
Head, EMEA and Global Frontier Equities
Baring Asset Management, London

ETF Securities - Wöchentlicher Marktüberblick 29.05.2015

Rohstoffe
Breit gestreute Rohstoffkörbe im Fokus der Investoren
Breit gestreute Rohstoff-ETPs verbuchten über 50 Prozent der gesamten Mittelzuflüsse in der Vorwoche. Nachdem Anleihen und einige Aktienbenchmarks überbewertet erscheinen, sind Investoren zunehmend am relativen Wert des Rohstoffmarktes interessiert und erzielen ihr breit gestreutes Exposure über ETPs auf Rohstoff-Körbe über mehrere Sektoren. Obwohl die Verhandlungen über Griechenlands Zahlungsverzug ins Stocken gerieten, erschient Investoren eine kurzfristige Einigung weiterhin als für wahrscheinlich. Investoren sind zunehmend optimistisch über wirtschaftliche Bedingungen und erweitern ihre zyklischen Anlagen. Defensive Werte gingen in den Portfolien hingegen zurück und Rohstoffpreise dürften durch Chinas anhaltende geldpolitische Lockerungsmaßnahmen unterstützt werden.

Agrar-Rohstoffpreise steigen, Angebotssorgen locken Investoren. Weizen führt mit satten Gewinnen den Agrarsektor an, da ein übermäßiger Niederschlag in den USA die Ernte für den Winterweizen weiter verzögert. Schätzungen des Internationalen Getreiderats deuten auf eine Angebotsverknappung für Weizen und Mais für das Erntejahr 2015/16 hin. Aufgrund der signifikanten Lagerbestände beider Rohstoffe hängt ein potentieller Preisanstieg jedoch von einer etwaigen Verschlechterung der Wachstumsbedingungen dieses Jahr ab.

Die größten Rohstoffmittelzuflüsse über die letzten Monate verbucht Zucker mit 15,3 Mio. USD. Zucker notierte auf einem 6 ½ Jahrestief, was manche Investoren als einen guten Einstiegspunkt erachteten. Obwohl für ein weiteres Jahr ein Überangebot erwartet wird, könnte ein El Ninio das Angebot aus Indien, dem weltweit zweitgrößte Produzenten, verknappen. Daten für die brasilianische Ernte weisen auf einen erheblichen Produktionsrückgang im Juni 2015 hin, verglichen zum Vorjahr.

Optimismus für eine weltweite Erholung belastet Gold mit Mittelabflüssen. Vergangene Woche sah mit 126,8 Mio. USD die größten Gold-Mittelabflüsse seit 14 Wochen. Investoren konzentrieren sich zunehmend auf zyklische Vermögenswerte und glauben an ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum. Im Gegensatz zu Gold hat besonders Silber starke Mittelzuflüsse in 2015 erlebt. Dieses Edelmetall wird verstärkt aus dem industriellen Sektor nachgefragt.

Energie-ETPs verzeichnen mit 10,5 Mio. USD, die größten Mittelzuflüsse seit 14 Wochen. Die Nettomittelzuflüsse in breit gestreute Energie-ETPs erreichen mit 7,2 Mio. USD ein 5-Wochen-Hoch. Long ETPs auf Erdgas verzeichneten mit 5,4 Mio. USD die größten Mittelzuflüsse im Einzelrohstoffbereich, nachdem die hohen Lagerbestände die Märkte negativ überraschten. Das warme Wetter in den vergangenen Wochen hatte zu einer verstärkten Nachfrage von Energieerzeugern geführt, was zu rückläufigen Lagerbeständen führte.

Aktien
Haben die Märkte einen Zahlungsverzug schon eingepreist? Anhaltende Konflikte hinsichtlich Griechenlands Staatsverschuldung führten vergangene Woche zu einem volatilen Handel in Europa. Die meisten Börsen notierten höher, da man für einen Lösungsansatz über das Wochenende optimistisch war und damit den Zahlungsverzug von Griechenland an den IWF verhindern könnte. Das Referendum und die Kapitalkontrollmaßnahmen lassen befürchten, dass keine schnelle Lösung gefunden werden kann. Die europäischen Aktienmärkte handelten aufgrund der anhaltenden Risiken volatil.

Der MSCI China A-Shares Index schloss mit einem Verlust von 20% über die letzten zwei Wochen. Obwohl der lokale Aktienmarkt in China, trotz Korrektur, mehr als 100% im letzten Jahr zulegte, sind Behörden bemüht, dass diese Stimmung nicht verfliegt. Die People’s Bank of China hatte über das Wochenende den Leitzins um 25bps gesenkt und den Mindestreservesatz von kleinen Banken um 50bps gesenkt.

Währungen
Die Nachfrage für einen sicheren Hafen sowie die wirtschaftliche Erholung beflügeln den US-Dollar. Die finanziellen Probleme in Griechenland ließen den US-Dollar um 2 Prozent gegenüber dem Euro steigen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das aktuelle Umfeld den US-Dollar auch weiter unterstützen wird, da kurzfristige Lösungsansätze nur sehr mühsam erzielt werden können. Die Gefahr für einen Crash ist so groß wie nie, daher ist es nachvollziehbar, weshalb Währungen als sicherer Hafen gefragt sind. Gewöhnlich galt der Schweizer Franken als sicherer Hafen, doch die Schweizer Nationalbank hat versucht, dies mit verbalen Interventionen zu unterbinden. Der Franken verlor vergangene Woche 2,2 Prozent gegenüber dem US-Dollar, nachdem der Präsident der SNB ankündigte, der Franken sei erheblich überbewertet. Sowohl die US Non-Farm Payrolls am Donnerstag, als auch der ISM Produktionsindex am Mittwoch sind zwei Indikatoren, auf die der Markt achten wird, ob die FED an ihren Zinsentscheidungen für September weiter festhält. Sollte die USA die Zinsen tatsächlich anheben, wird dies nur mäßig geschehen und sehr von wirtschaftlichen Daten abhängig sein. Dies könnte die momentane Rallye im US-Dollar wieder verlangsamen. 

Fidelity Marktkommentar: Ein „Nein“ im Griechenland-Referendum ist wahrscheinlich

Kronberg im Taunus, 30. Juni 2015. Eugene Philalithis, Fondsmanager des Fonds Fidelity Zins & Dividende, und Dierk Brandenburg, Staatsanleihen-Analyst, geben ihre Einschätzung zu möglichen Auswirkungen des griechischen Referendums:

Eugene Philalithis: „So wie sich die Ereignisse weiter entfalten und Griechenland immer näher an ein Referendum rückt, gehe ich davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit eines „Nein“-Votums ziemlich hoch ist. Die griechische Regierung hat die Ankündigung des Referendums gemeistert, und die damit verbundene Propaganda ist in vollem Gange. Der griechischen Regierung gibt ein „Nein“ den Blankoscheck, so zu handeln, wie sie will, und ich glaube immer stärker, dass sie einen Grexit will. Ich gehe nicht davon aus, dass ein „Nein“ schon komplett von den Märkten eingepreist ist. Da immer klarer wird, welche Auswirkungen dies und ein Grexit hätte, glaube ich, dass immer mehr Anleger in sichere Häfen wie langlaufende US-Staatsanleihen und Bargeld flüchten werden, und die Märkte wahrscheinlich überverkauft sein werden. Ein „Ja“ im Referendum würde dagegen von den Märkten und der Politik begrüßt werden. In diesem Szenario könnte eine Erholungsrallye folgen, und die Marktteilnehmer würden sich wieder auf die Fundamentaldaten konzentrieren.

Protokolle der US-Notenbank Fed haben einen starken US-Dollar und die Probleme rund um Griechenland bislang als Gründe dafür bezeichnet, mit der Zinserhöhung zu warten. Da nun beide Fälle eingetreten sind, erscheint eine Zinserhöhung im September immer unwahrscheinlicher.“

Dierk Brandenburg: „Ein Referendum wird nicht automatisch einen Grexit auslösen, aber angesichts der Zahlungsverzögerungen ist die Staatspleite Griechenlands nun sehr wahrscheinlich. Die unmittelbare Reaktion der Eurozone wird sich darauf konzentrieren, die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, indem sie die Liquidität der Banken erhöht, wenn nötig, und das Quantiative-Easing-Programm dort anpasst, wo es möglich ist: Käufe werden beschleunigt, und der Kapitalschlüssel wird möglicherweise angepasst. Sollten andere Länder der Eurozone den Zugang zum Kapitalmarkt verlieren, können die Regierungen bei Bedarf Hilfsprogramme in Anspruch nehmen. Die meisten Regierungen haben ihre Anleiheemissionen in diesem Jahr allerdings vorgezogen, deshalb bezweifele ich, dass hier eine unmittelbare Gefahr besteht. Insgesamt erwarte ich eine ziemlich robuste politische Antwort, und die griechischen Verhältnisse sind so einzigartig, dass sie keine Parallelen zulassen.“

AXA IM aktuell: Griechenlandkrise: Wie geht es nach dem Referendum weiter?

Griechenlandkrise: Wie geht es nach dem Referendum weiter?
Der griechische Premierminister Alexis Tsipras hat eine Volksabstimmung über das letzte Angebot von Griechenlands Gläubigern angekündigt – ohne seine Verhandlungspartner darüber zu informieren. Die Finanzmärkte sind in Aufruhr, in Griechenland ist die Börse ebenso geschlossen wie die Banken. Wie geht es nun weiter? Das Team für Research und Investmentstrategie von AXA Investment Managers beantwortet die wichtigsten Fragen zur Krise. 

Welche unmittelbaren Folgen könnte Tsipras‘ Ankündigung haben?
„Tsipras will offenbar die Einsätze im Poker um die Rettung Griechenlands noch einmal erhöhen“, erläutert Eric Chaney, Chefvolkswirt bei AXA und Head of Research von AXA IM. „Damit möchte er wohl die Kreditgeber aus der Eurozone zu besseren Bedingungen und eine eindeutigere Festlegung auf einen Schuldenerlass zwingen.“ Chaney rechnet damit, dass die Vertreter der Eurozone im Laufe der Woche einen weiteren Anlauf zu einer Einigung unternehmen könnten. Zugleich werde die Europäische Zentralbank (EZB) wohl formal die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands feststellen. Dies wiederum dürfte die Liquidität beeinträchtigen, die der griechischen Wirtschaft bis zum Tag des Referendums zur Verfügung steht.

Welche offenen Fragen gibt es?
Nach der jüngsten Eskalation der Krise herrscht Unsicherheit über viele offene Fragen: Ist das Referendum verfassungsgemäß? Kann das griechische Volk überhaupt über die Annahme eines Vorschlages abstimmen, den die Verhandlungspartner zwischenzeitlich wieder zurückgezogen haben? Wie geht der Internationale Währungsfonds (IWF) damit um, dass Griechenland Zahlungen nicht leisten kann, obwohl der IWF zuvor schon Zahlungserleichterungen gewährt hatte? „Diese Frage ist wichtig“, erklärt Chaney. „Denn wenn dem Exekutivdirektorium des IWF ein Zahlungsausfall angezeigt wird, dann muss der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) entscheiden, ob er eine unmittelbare Rückzahlung der Kredite verlangt, die Griechenland bereits gewährt wurden.“

Wie geht es im Verlauf der Woche weiter?
Zunächst dürfte die EZB das griechische Bankensystem weiter über Wasser halten. „Am Mittwoch, dem nächsten kritischen Zeitpunkt, werden wir wissen, ob die Staaten der Eurozone gewillt sind, ihr Angebot noch einmal aufzubessern – und wie es in diesem Fall weitergehen würde“, so Chaney. „Der Spielraum scheint zwar begrenzt, aber eine Initiative in letzter Minute ist eindeutig eine Möglichkeit.“

Was passiert, wenn die Griechen mit „Ja“ stimmen?
Das griechische Kabinett tritt zurück und der griechische Präsident versucht mit verschiedenen Parteien eine neue Koalition zu bilden. „Eine Möglichkeit ist eine große Koalition, der auch Syriza angehört“, erläutert Chaney. „Ansonsten wären Neuwahlen notwendig. Die internationalen Kreditgeber werden wahrscheinlich die finanziellen Konditionen für Griechenland lockern, so dass Zahlungen durch den IWF und die EZB (am 20. Juli) möglich werden und das Bankensystem stabilisiert wird. Sobald ein neues Kabinett gebildet ist, werden die Vorschläge der Kreditgeber das griechische Parlament passieren und die versprochenen 15,7 Milliarden Euro an Griechenland ausbezahlt. Verhandlungen über ein drittes Hilfsprogramm und eine Entschuldung werden anschließend beginnen. „Die Finanzmärkte werden sich schnell erholen im Falle eines „Ja“-Votums“, so Chaney weiter. „Die Geldpolitik der Fed stünde dann wieder im Hauptfokus der Märkte.“

Was passiert, wenn die Griechen mit „Nein“ stimmen?
Die europäischen Partner werden wahrscheinlich davon ausgehen, dass die griechische Bevölkerung nicht mehr im Euroraum bleiben möchte. Griechenland wird klarstellen, dass es die EZB-Anleihen nicht zurückzahlen wird (wenigstens nicht zum Nennbetrag). „Die EZB wird Griechenland in diesem Fall wahrscheinlich als zahlungsunfähig und die griechischen Banken als insolvent ansehen“, erläutert Chaney. In diesem Fall gäbe es keine Basis mehr für Notfallhilfen und das griechische Bankensystem sei bankrott. Kapital- und Einlagekontrollen würden in diesem Fall verschärft und der Grexit vorbereitet.
„Sollte es zu spekulativen Angriffen auf Peripherieländer kommen – hier wäre Portugal am verletzlichsten, könnte die EZB nationalen Zentralbanken erlauben, ihre Ankäufe von Staatsanleihen zu erhöhen“, so Chaney. „Die Finanzmärkte werden wahrscheinlich negativ reagieren und der Euro um weitere 5 bis 10 Prozent sinken, genauso wie der Aktienmarkt. Dagegen dürften sich die Spreads von Peripherieländern wahrscheinlich ausweiten, angesichts der möglichen EZB-Interventionen allerdings nicht dramatisch.“

Henderson Managerkommentare zur Griechenland-Krise

Stephen Thariyan: Greece – problem child confronted with adult responsibility
By credit market standards, reaction and volatility in markets given the Greek debacle is far from extreme and could actually be described as relatively well behaved and muted. That is not to say appetite for risk assets could not worsen given that markets are having to try and price for the unprecedented.

However, the markets and the institutions that help steer its path are much bigger than the problem child that is Greece. There exists immediately several mechanisms by which confidence could improve not least actions by the ECB to ensure non-contagion in the periphery and a “yes” vote in the referendum on Sunday, which the polls are currently predicting. There is also the advantage to be had for eurozone economies if this is seen as a stronger Europe trying to recover capital that has been propping up a nation.

We have no direct exposure to Greece but the general market sell off does not improve performance, given the beta in the funds. That said, we are not minded to reduce risk or buy protection through derivatives. We acknowledge this could remain a volatile period but will ride the volatility and continue to look for attractively priced assets.

Managerkommentar Ben Lofthouse zur Griechenland-Krise
There are no immediate implications for the strategy, and we are not making any changes as a result of the weekend’s events. We are always wary of risks when selecting stocks and this event has been well flagged for several months now. The potential wider exposures are detailed below:

  • Direct exposure 0% - the biggest potential impact of the unfolding situation in Greece is upon Greek domestic companies, in particular financial sector companies. The Global Equity Income strategy does not have any exposure to Greece directly via Greek companies.
  • Southern Europe - low exposure, sub 5%. The longer term concern that investors worry about is the risk that events in Greece are repeated in other indebted countries in Europe; Spain, Ireland, Portugal and Italy. Whilst we believe that this is unlikely given the improving growth in these markets and moves towards reforms, we do not have significant exposure to these markets. The strategy has c.4% in Italian and Portuguese companies, consisting of an investment in a utility, telecom and integrated oil company.
  • Currency - the strategy has c.20% in euro denominated companies, of which approximately ½ of the exposure is in domestic companies and ½ in global companies. Global companies will tend to gain from any currency weakness that might occur as overseas earnings are translated into euros, and in some cases will gain competitiveness. Predominantly European exposed companies will see their value fall when translated into the strategy’s base currency, but should benefit longer term from the ongoing European economic improvement. If this shows signs of slowing we will reassess our exposures, but economic data last week was generally strong.

Zitat der Woche: China setzt einen deflatorischen Impuls

„Sie können zwar China ignorieren, aber China wird Sie nicht ignorieren.“
Mark Tinker, Head of AXA Framlington Asia

China wird langfristig orientierten Investoren weiterhin ein breites Spektrum von Anlagen mit attraktiven Renditen bieten. Diese Ansicht vertritt Mark Tinker, Head of AXA Framlington Asia. „China kann nach Ansicht des Experten einen deflatorischen Impuls für die Preise von Vermögenswerten setzen, so wie die chinesische Wirtschaft es zuvor bereits für die Konsumgüterpreise getan habe. Tinker erläutert seine Theorie anhand eines anderen Beispiels: „Wenn wir auf die Generation der Babyboomers blicken, dann erkennen wir, dass sie einen inflationären Impuls mit sich tragen. Das überrascht nicht, da sie dazu neigen, eine erhöhte Nachfrage zu produzieren, was mit Verzögerung wiederum zu einer erhöhten Produktion führt.“ Das wiederum führe zu einer gegenteiligen Entwicklung, nämlich einer Disinflation, weil das neue Angebot die Nachfrage übersteige. So habe etwa die durch die Altersvorsorgepläne der Babyboomer angeregte Nachfrage in den späten 1990er-Jahren die Preise von Technologieaktien steigen und zugleich die Refinanzierungskosten für die Unternehmen sinken lassen. Jetzt allerdings stünden andere Investments im Fokus dieser Generation. „Inzwischen wollen die Babyboomer vor allem festverzinsliche Papiere“, so Tinker. „Daher überrascht es nicht, dass die Kurse am Anleihemarkt deutlich gestiegen sind.“ Dies liege allerdings nicht nur daran, dass die Nachfrage der Babyboomer das Angebot übersteige – sondern auch daran, dass die Politik durch regulatorische Vorschriften die Nachfrage zusätzlich gesteigert und durch Quantitative Easing das Angebot verknappt habe.

Nun aber trete China auf den Plan: Wenn eine Entflechtung des Bankensystems und der Schuldenstrukturen im Reich der Mitte neue Anlagemöglichkeiten im Wert von mehreren Billionen US-Dollars schaffe, dann sollte das eine deflatorische Wirkung auf die Finanzmärkte haben, weil die höher rentierlichen Papiere aus China westliche Anlagemöglichkeiten mit niedrigeren Renditen aus dem Markt drängen könnten. „Höhere Renditen plus mögliche Kursanstiege im Osten versus niedrigere Renditen und potenzielle Kapitalverluste im Westen – dieses Muster ähnelt in bemerkenswerter Weise der großen Investmentgelegenheit, die sich in den 1990er-Jahren durch die Angleichung der Anleiherenditen in den Peripherieländern der Europäischen Union ergeben hat, so Tinker weiter.

Die jüngsten Ankündigungen zur Restrukturierung des chinesischen Bankensektors legten nahe, dass der Renminbi (RMB) im Laufe des Jahres tatsächlich konvertierbar werden und die bisherigen Vorschriften zum Verhältnis von Einlagen und vergebenen Krediten aufgeboben werden könnten. „Dies war ein relativ grobes Instrument, um die Banken davon abzuhalten, ihre Bilanzsummen zu sehr aufzublähen“, erläutert Tinker. „Inzwischen herrscht die Meinung vor, dass es nicht mehr gebraucht wird und ein mögliches Wachstumshemmnis darstellt.“ Dennoch bedeute dies nicht automatisch, dass die Abschaffung der Vorschriften das Wachstum stimuliere. „Die Abschaffung der Quotenvorgaben benötigt – genau wie niedrige Leitzinsen oder Liquiditätsspritzen – eine Ausweitung der Kreditvergabe, damit sie sich in ökonomische Aktivität verwandelt“, so Tinker. „Wir bezweifeln deshalb, dass diese Reform zu einer unverantwortlichen Ausweitung des Kreditgeschäfts führen wird. Sie sollte einfach als ein weiterer Schritt auf dem komplizierten Weg zur Liberalisierung der chinesischen Finanzmärkte gesehen werden.“

Oddo & Cie: Der Grexit hat begonnen, wird sich aber nicht zum Flächenbrand ausweiten

Deitdem der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras die Griechen aufgefordert hat, beim Referendum am 5. Juli die jüngsten Vorschläge der Gläubiger zurückzuweisen, ist das Tischtuch zwischen den Hellenen und dem Rest Europas definitiv durchschnitten. Das Land werde am morgigen Dienstag also das Bailout-Programm ohne Kreditlinie verlassen, schreibt Bruno Cavalier, Chefvolkswirt von Oddo & Cie, in seinem jüngsten makroökonomischen Kommentar. Somit würden die Griechen zunächst gegenüber dem IWF zahlungsunfähig und danach gegenüber sich selbst, etwa bei der Zahlung der Löhne für die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Unterdessen horteten die Bürger alles von Wert, vor Euro-Noten über Treibstoff bis zu Nahrungsmitteln.

„Der Grexit hat bereits begonnen, mit Hilfe der EZB wird sich der Rest Europas aber nicht anstecken“, so Cavalier. Gegen einen Flächenbrand sprechen nach Ansicht des Ökonomen drei Gründe: Zum ersten sei das Exposure der Privatwirtschaft gesunken, sodass ein Zahlungsausfall nicht zu untragbaren direkten Kosten führen werde. Zum zweiten gebe es mittlerweile einen großen Abstand zwischen dem zahlungsunfähigen, in der Rezession steckenden und politisch wie sozial instabilen Griechenland und anderen schwachen Euroraum-Ländern wie Portugal. Und zum dritten verfüge die EZB über die technischen und rechtlichen Mittel, um etwa gegen Spread-Ausweitungen vorzugehen, sollten sie exzessiv und andauernd werden.

Die Details finden Sie im links zum Download beigefügten Dokument in englischer Sprache.

Fidelity Marktkommentar: Chinesische Konsumbranchen stehen vor Trendwende

Kronberg im Taunus, 29. Juni 2015 – „In den vergangenen beiden Monaten hat die chinesische Wirtschaft dank der expansiven Geldpolitik wieder Tritt gefasst. Trotz einer geringen Investitionsnachfrage und schwachen Exporten lassen sich erste positive Entwicklungen beobachten. So stiegen die Verkaufszahlen am Immobilienmarkt erstmals seit 2013 wieder an. Gründe dafür waren gelockerte Bestimmungen, die Peking zur Dämpfung der Immobilienkonjunktur erlassen hatte, niedrigere Zinsen und steigende Kurse am Aktienmarkt. Ein solides Lohnwachstum und der positive Vermögenseffekt angesichts steigender Immobilien- und Aktienmärkte wirkte sich positiv auf die Einzelhandelsumsätze und den Konsum aus. Bei den Gewinnmargen in der Industrie zeichnete sich infolge sinkender Kosten und billigerer Kredite ebenfalls eine Verbesserung ab.

Trotz dieser positiven Signale ist die chinesische Realwirtschaft noch schwach, die disinflationären Tendenzen dauern an. Deshalb rechne ich im zweiten Halbjahr 2015 mit weiteren fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen, die die Wirtschaft ankurbeln. Besonders optimistisch bin ich für das dritte Quartal. Bis dahin dürfte der Effekt der Lockerungsmaßnahmen in der Wirtschaft angekommen sein. Durch den anhaltenden Konjunkturaufschwung in den USA sollten unterdessen auch die Aussichten für das chinesische Exportwachstum wieder günstiger werden.

Eine Trendwende zeichnet sich in den Konsumbranchen ab: Bei Sportartikeln, Bekleidung und Schuhen geht die Phase des Lagerabbaus allmählich zu Ende. Branchen, die zuvor unter hohen Lagerbeständen gelitten haben, werden künftig nicht mehr so stark unter Preissenkungsdruck stehen. Deshalb erwarte ich dort bessere Gewinnmargen. Darüber hinaus bemüht sich die chinesische Regierung darum, den inländischen Konsum zu stärken. So wurde etwa im September 2014 eine Ladenpassage für zollfreie Einkäufe in der Provinz Hainan eröffnet, und die Einfuhrzölle auf Hautpflegeprodukte, Bekleidung, Schuhe und Windeln wurden jüngst reduziert. An Positionen in Titeln aus konsumnahen Dienstleistungsbranchen, von deren Qualität und Potenzial ich überzeugt bin, halte ich deshalb fest. Dazu zählen insbesondere Positionen in den Bereichen Lebensmitteln und Getränke, langlebige Konsumgüter und Bekleidung sowie verbrauchernahe Dienstleistungen.“

AXA IM aktuell: US-Zinserhöhung im September – und dann?

Wenn die Fed die Geldpolitik strafft, wird sie dazu auch innovative Geldinstrumente nutzen. Welche das sind, erklärt David Page, Senior Economist bei AXA IM.

Der Zeitpunkt, da die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) die geldpolitischen Zügel wieder anziehen und den Leitzins erhöhen wird, rückt näher. Voraussetzung für diesen Schritt sind für die Fed zwei Faktoren: weitere Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt und die „begründete Zuversicht“, dass die Inflation mittelfristig steigt. Die Zeichen dafür stehen gut, denn nach einem schwachen Start ins Jahr, beginnt die US-Wirtschaft wieder zu expandieren. „Der Beweis dafür sollte im Laufe des Sommers angetreten werden“, sagt David Page, Senior Economist bei AXA IM. „Wir bleiben dabei, dass die Fed die ersten Schritte im September einleiten wird.“ 


Wirtschaftsschwäche vorübergehend

Die Fed geht davon aus, dass die Schwäche im ersten Quartal saisonbedingt war und zumindest zum Teil vorübergehende Faktoren widerspiegelte - etwa den harten Winter, den Rückgang der Investitionen im Energiesektor aufgrund des schwachen Ölpreises und die Streiks der Hafenarbeiter an der Westküste, die den Welthandel ausbremsten. Auch gab es Anzeichen einer Abschwächung des privaten Konsums im Einzelhandel, und die Verbraucher waren im April weniger zufrieden. Dennoch haben ein solides Beschäftigungswachstum und fallende Benzinpreise zusammen genommen das real verfügbare Einkommen ausgesprochen angekurbelt. Da die Verbraucher jedoch nicht viel Geld ausgaben, stieg zugleich die Sparquote an. „Wir erwarten, dass diese Entwicklung in den kommenden Quartalen wieder zurückgeht“, sagt Page. „Ein schnelleres Lohnwachstum sollte die privaten Verbraucher beflügeln, wieder mehr Geld auszugeben.“ 


Arbeitsmarkt zieht weiter an

Auch der US-Arbeitsmarkt zeigt Anzeichen einer Erholung über eine breite Spanne von Indikatoren. „Der Arbeitsmarkt ist mindestens genauso gesund wie 2004, als die Fed zum letzten Mal einen Zinsanhebungszyklus  startete“, so Page.  Die Anzahl der Beschäftigten steige wieder stärker als in den vergangenen zwei Jahren. Ein weiterer Indikator für einen anziehenden Markt sei das Lohnwachstum  – je niedriger die Arbeitslosenquote desto höher der Lohnkostendruck. Der Lohnanstieg  wiederum sichert einen mittelfristigen Inflationsdruck. Dafür sprechen laut Page auch die steigenden Lohnstückkosten, die ebenfalls Schlüsselmotoren für eine im Inland erzeugte Inflation seien. Allerdings blieben die Inflationserwartungen verhalten. „Das ist ein Unterschied zu 2004, den die Fed berücksichtigen könnte. Vermutlich wird sie harte Zahlen sehen wollen, bevor sie die Zinsen erhöht. Das sollte jedoch im Laufe des Sommers geschehen“, versichert Page.


Prozess der geldpolitischen Straffung wird komplexer

Angesichts der Veränderungen des US-Geldmarktes unter dem Quantitative Easing (QE) und der Flut an Liquidität wird nach Ansicht des Experten der Prozess der Zinserhöhung komplexer werden als in der Vergangenheit. „Die Fed wird eine Spanne für den Leitzins anvisieren, mit einem Cap für Zinsen auf Überschussreserven und einem Floor für Zinsen auf kurzfristige Einlagen aus dem Nicht-Banken-Sektor“, erklärt Page. Damit hat die Fed geldpolitische Instrumente geschaffen, die die Obergrenze und die Untergrenze steuern und so dafür sorgen sollen, dass die Marktzinsen nahe am anvisierten Leitzins bleiben.
Eines dieser Instrumente sind die Zinsen auf Überschussreserven (IOER), die die Fed 2008 einführte. „Das Angebot an Liquidität war zu hoch, die Nachfrage zu niedrig, so dass die Zinssätze auf dem Interbankenmarkt unter den Zinssatz fielen, den sich die Fed wünschte“, erklärt Page. Dank der IOER war es für Banken nicht mehr attraktiv, ihre Überschussreserven zu einem niedrigeren Marktzinssatz zu verleihen. Dadurch bildete sich ein Boden für den Marktzins. 

In der Praxis blieben die Marktzinsen jedoch weiter unter dem von der Fed gezahlten Zinssatz auf Überschussreserven. Der Grund dafür: Es gibt Kreditgeber, die keinen Zugang zur Fed haben – zum Beispiel Geldmarktfonds. Diese verleihen weiterhin Finanzmittel und sorgen so für eine Kluft zwischen den IOER und den Marktzinsen. Derzeit ist die Differenz gering (12 Basispunkte), da sich auch für Nicht-Banken die Kreditvergabe kaum noch lohnt. „Das könnte sich aber wieder ändern, wenn die Fed den Leitzins erhöht und damit indirekt bewirkt, dass auf dem Markt wieder höhere Zinssätze gezahlt werden“, sagt Page. „Dann könnte die Spanne zwischen IOER und Marktzinsen wieder größer werden.“ 

Das ist jedoch nicht im Interesse der Fed. Darum hat sie alternative Möglichkeiten für diese Institutionen getestet wie Overnight-Reverse-Repos (ON RRP) und Term Deposit Facilities (TDF). Indem die Fed allen, also auch Nicht-Banken, alternative Investmentoptionen anbietet, will sie diesen Kreditgebern den Anreiz nehmen, Kredite unter den IOER anzubieten. Das bedeutet: Wenn die Fed die Geldpolitik strafft, wird der Prozess der Zinsanhebung nicht mehr so geradlinig sein wie früher. Die Zentralbank wird sich weiter eine Range für den Leitzins zum Ziel setzen, die  gelenkt wird von den IOER und den Zinsen auf RRP.

Wirtschaftswachstum in den EMs läuft auf Kredit – Türkei extrem gefährdet

Seit 2008 wächst die Wirtschaft in den Schwellenländern vor allem auf Kredit. Stagnierender Welthandel, unzureichende Wettbewerbsfähigkeit und nur minimale Produktivitätszuwächse in zahlreichen Emerging Markets sowie zunehmende staatliche Eingriffe in die Wirtschaft – das sind die Hauptgründe, warum Exporte und Investitionen in den letzten Jahren kaum gestiegen sind. Zwar hat die Wirtschaftsleistung zugelegt, doch in erster Linie durch kreditfinanzierte Konsumausgaben. Maarten-Jan Bakkum,  Globaler Aktien-Stratege für Emerging Markets bei NN Investment Partners:

In den aufstrebenden Volkswirtschaften insgesamt ist die Verschuldung im Verhältnis zum BIP von 99 Prozent im Jahr 2008 auf aktuell 125 Prozent gestiegen. Im historischen Vergleich ist das eine massive Zunahme, vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich dabei um einen Durchschnittswert handelt. In einigen Ländern, wie Indien, Taiwan und Mexiko, verlief das Kreditwachstum eher moderat. Doch in anderen ist der Verschuldungsgrad deutlich gestiegen. Diese Länder haben jetzt mit schweren Ungleichgewichten zu kämpfen, die den Bankensektor in den kommenden Jahren ernsthaft belasten könnten. Das gilt vor allem für Thailand, Malaysia, Brasilien, die Türkei und China.

China ist ein Sonderfall. Das explodierende Kreditwachstum im Land ist in erster Linie durch die Infrastrukturinvestitionen von Gebietskörperschaften sowie anderen Investments im halböffentlichen Bereich bedingt. In Brasilien wird die Verschuldung vor allem durch die Finanzierung von Großprojekten (insbesondere im Energiesektor) sowie Verbraucherkrediten angetrieben. In den drei übrigen Ländern fungieren hauptsächlich die Verbraucherkredite als Schuldentreiber. Doch eines ist allen fünf Ländern gemein: Das exzessive Kreditwachstum war nur im Zuge jahrelanger kräftiger Kapitalzuflüsse aus dem Ausland möglich. Aufgrund der ultraniedrigen Zinsen in den USA und Europa sowie der seinerzeit hervorragenden Wachstumsaussichten an den Emerging Markets erreichten spekulative Investitionen aus dem Ausland einen Rekordstand nach dem anderen, vor allem in den Jahren 2006 bis 2011.

Inzwischen haben sich die Kapitalflüsse jedoch ins Negative gedreht. In den vergangenen vier Quartalen haben Anleger über 700 Milliarden US-Dollar von den Emerging Markets abgezogen. Grund ist vor allem die Unsicherheit im Hinblick auf die anstehende Zinswende in den USA sowie die Sorge um die Wachstumsentwicklung in China und anderen Emerging Markets. Solange diese Situation anhält, ist das hohe Kreditwachstum der letzten Jahre nicht zu halten. In Thailand hat der Korrekturprozess bereits eingesetzt. Doch in anderen Ländern ignoriert oder unter-schätzt man das Problem und lässt den Risiken freien Lauf.

Die Türkei ist dabei am stärksten gefährdet. Hier klettert das Kreditwachstum mit einer Rate von 20 Prozent. Das Leistungsbilanzdefizit der Türkei beträgt bereits 6 Prozent des BIP. Am meisten Sorge bereitet indes die Tatsache, dass der türkische Bankensektor sich vor allem mit ausländischem Kapital finanziert. Angesichts der jüngsten Kapitalflucht aus der aufstrebenden Welt und der immensen politischen Unwägbarkeiten in der Türkei könnte die Kapitalaufnahme für türkische Banken bald sehr viel schwieriger werden.  Eine einschneidende Korrektur bei der Kreditentwicklung scheint unvermeidbar.

Bantleon Quarterly Perspectives II/2015

Auch wenn das Tauziehen im Griechenlandstreit die Finanzmärkte derzeit in Atem hält – sobald sich hier eine Lösung abzeichnet, werden die Investoren den Blick wieder stärker auf die fundamentalen Rahmenbedingungen richten. Und diese sind für die kommenden Quartale klar positiv. Getragen durch eine Wiederbelebung in den USA und eine Erholung in China rechnen wir mit einer anziehenden Welthandelsdynamik. Der bislang hauptsächlich von der Binnenwirtschaft angetriebene Aufschwung in der Eurozone erhält damit zusätzlichen Rückenwind. Unter diesen Voraussetzungen ist für die Aktienmärkte der Weg frei zu neuen Höchstständen, gleichzeitig sollten die Risikoprämien von Anleihen wieder deutlich abschmelzen. Leidtragende dieser Entwicklung dürften die sicheren Häfen sein.

Mehr zu den Konjunktur-, Inflations- und Finanzmarktprognosen von Bantleon für das laufende und das kommende Jahr erfahren Sie im »Quarterly Perspectives II/2015«. Das Dokument finden Sie zum Download links.

Fidelity Marktkommentar: Am Grexit kann niemand Interesse haben

Vor dem EU-Gipfel morgen geben Dierk Brandenburg, Staatsanleihen-Analyst, und Eugene Philalithis, Manager des Fonds Fidelity Zins & Dividende, ihre Einschätzungen zu Auswirkungen eines möglichen Grexit:

Dierk Brandenburg: „An einem Grexit kann niemand Interesse haben, würde er doch einen weiteren Einbruch der dortigen Wirtschaft und damit mehr Finanzhilfen und einen Forderungsverzicht der EU nach sich ziehen.

Griechische Staatsanleihen halten wir für sicher, da sie nur geringen Anteil an der Kapitalstruktur des Landes haben – anders als die horrenden Verbindlichkeiten der öffentlichen Hand, die bereits umgeschuldet wurden. Nach dem Anleihetausch 2012 sind Staatsanleihen nun mit robusten Anleihebedingungen nach internationalem Recht ausgestattet, unter anderem mit Umschuldungsklausen, nur mit Zustimmung der Gläubiger. Abgesehen von einer geringfügigen Zahlung im Juli sind die nächsten Kuponzahlungen erst 2016 fällig. Insbesondere nach einem Euro-Austritt hätte die Regierung großes Interesse, diese Anleihen zu bedienen, um sich weiter Zugang zu den Auslandsanleihemärkten zu sichern.

Sollten die Verhandlungen scheitern, wäre die Eurozone anders als 2012 in der Lage, mit ihren Unterstützungsmechanismen und der quantitativen Lockerungspolitik der Europäischen Zentralbank die Folgen für die Finanzmärkte als Ganzes abzufedern. Daher reagieren die Anleihemärkte aktuell auch gelassen. Mit einem Grexit würde jedoch ein Präzedenzfall für andere Mitglieder der Eurozone geschaffen. Daher müssen dringend weitere politische Schritte hin zu einer gemeinsamen Haushalts- und Wirtschaftspolitik in der Eurozone ergriffen werden.“

Eugene Philalithis: „Mehr als alles andere verabscheuen die Märkte Unsicherheit. Nach dem EU-Gipfel am Donnerstag dürften die Schwankungen zunehmen, sofern man wieder keine Lösung für die Krise präsentiert. Wie immer in politisch heiklen Situationen müssen auch hier die Folgen einer Staatspleite Griechenlands und eines möglichen Grexit für die Region als Ganzes bedacht werden. Meines Erachtens ist die EU heute generell in einer besseren Verfassung als vor wenigen Jahren. Die anderen europäischen Länder dürften daher relativ gut gegen die Folgen einer Staatspleite Griechenlands gewappnet sein.“

Vontobel Asset Management: Gute Aussichten für Corporate Spreads

Die Experten von Vontobel Asset Management sind positiv für Unternehmensanleihen gestimmt. Diese Einschätzung beruht auf der Annahme, dass die Renditen der Staatsanleihen nicht überschießen und sich auf einem Niveau von beispielsweise 0,8% bis 1,2% bei zehnjährigen Bundesanleihen stabilisieren werden.

Dafür führen sie eine Reihe von Gründen an: So habe sich die Federal Reserve mit Blick auf Leitzinsanhebungen zuletzt weiter sehr zurückhaltend gegeben, um den Fortschritt der US-Volkswirtschaft nicht zu gefährden. Darüber hinaus zeige sich der Konjunkturzyklus im Euroraum tragfähiger als jemals zuvor seit der Staatsschuldenkrise 2011. Das leichte, gleichzeitig aber ordentliche Wachstum in Kombination mit der geringen Inflation werde die gegenwärtige Erholung und den Kreditzyklus verlängern. In der Vergangenheit sei dies ein gutes Umfeld für das Mid- und High-Yield-Segment gewesen.

Hinzu komme, dass sich Europas Regierungen die gegenwärtigen hohen Kosten für Renten- und Gesundheitssysteme nicht mehr leisten könnten. Daher werde man beispielsweise bei der Altersvorsorge von einem System der Leistungszusage (defined benefit) zu einem System der beitragsorientierten Leistungszusage (defined contribution) kommen müssen. Dies werde zu ganz neuen Kapital-Pools führen, die in Anleihen investiert werden müssten. Schätzungen zufolge belaufe sich daraus resultierende zusätzliche Nachfrage auf 280 Mrd USD pro anno auf Sicht der kommenden zehn Jahre. Dies werde den Anstieg der Renditen von Benchmark-Anleihen begrenzen.

Investoren bevorzugen nachhaltige Anlagestrategien

Frankfurt, 24. Juni 2015 – Immer mehr deutsche Großanleger wie Versicherungen, Pensionskassen, Unternehmen oder Stiftungen investieren nachhaltig. Gegenwärtig berücksichtigen bereits 58 Prozent von ihnen Nachhaltigkeitskriterien bei ihrer Kapitalanlage. Im vergangenen Jahr lag der Anteil noch bei 56 Prozent, im Jahr 2013 bei 48 Prozent. Ein Ausstieg aus der nachhaltigen Kapitalanlage ist für 80 Prozent der nachhaltigen Investoren undenkbar. Zu diesen Ergebnissen gelangt die aktuelle Nachhaltigkeitsstudie von Union Investment in Zusammenarbeit mit Professor Henry Schäfer von der Universität Stuttgart.

Der positive Trend am Markt spiegelt sich auch im Stimmungsindex für nachhaltige Kapitalanlagen wider. Dieser von Prof. Schäfer auf Grundlage von Befragungen institutioneller Investoren berechnete Indikator misst die Einstellung deutscher Großanleger zum Thema Nachhaltigkeit auf einer Skala von -100 bis +100. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Index um 2,2 Punkte auf einen Wert von +15,6. Noch vor drei Jahren wies der Stimmungsindex einen Wert von +4,2 Punkten auf (2013: +5,4 Punkte).

„Diese Entwicklung zeigt, dass trotz mancher Vorbehalte die Akzeptanz für nachhaltige Investmentstrategien wächst. Nachhaltigkeit hat inzwischen einen festen Platz in den Portfolios vieler institutioneller Investoren“, sagte Alexander Schindler, der im Vorstand von Union Investment für das Geschäft mit institutionellen Kunden zuständig ist.

Hohe Zufriedenheit mit Nachhaltigkeitsinvestments

Der Aufwärtstrend bei nachhaltigen Kapitalanlagen düfte sich fortsetzen. Denn 56 Prozent der nachhaltig investierenden Großanleger sind mit ihrem Ansatz zufrieden. Bei der Rendite sehen die meisten von ihnen keinen Unterschied im Vergleich zu konventionellen Investments, 18 Prozent schätzen das Renditepotenzial sogar höher ein.

Ein wichtiges Motiv für die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien ist das Risikomanagement. Mehr als die Hälfte der Anleger (53 Prozent) nutzt entsprechende Investmentansätze zur Optimierung ihres Risikomanagements. Vor allem Stiftungen, Pensionskassen und Kreditinstitute nennen diesen Beweggrund häufig.

Ein weiterer Beleg für den hohen Stellenwert der nachhaltigen Kapitalanlage ist, dass 93 Prozent der Investoren darin die mit Abstand wirkungsvollste Maßnahme sehen, um als Unternehmen bzw. Organisation einen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit zu leisten. An zweiter Stelle wird Corporate Governance, d.h. gute Unternehmensführung (81 Prozent) genannt, gefolgt von sozialem Engagement (74 Prozent) und Maßnahmen zum Umweltschutz (67 Prozent).

Skepsis ist rückläufig

Obwohl die Zahl der Anleger, die keine Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen ist, macht ihr Anteil noch 42 Prozent aus. Ihre Zurückhaltung begründen sie vor allem mit fehlenden Vorgaben in den Anlagerichtlinien (57 Prozent), mangelnder Nachfrage seitens der Gremien (47 Prozent) und mit einer geringen Kundennachfrage (39 Prozent). Als Hemmnisse werden darüber hinaus ein befürchteter hoher administrativer Aufwand, niedrigere Renditeerwartungen sowie eine mögliche Einschränkung des Risikomanagements genannt. 

„Wissenschaft und Praxis können viele dieser Vorbehalte entkräften“, zog Prof. Schäfer mit Blick auf die Zufriedenheit der nachhaltig anlegenden institutionellen Investoren Bilanz. „Schon wegen steigender Anforderungen durch die EU-Regulierung sollten Skeptiker ihre Position überdenken.“ Die befragten Investoren selbst sehen als entscheidenden Impulsgeber für die nachhaltige Kapitalanlage sich verändernde regulatorische Anforderungen (47 Prozent).

Die Großanleger wünschen sich mehr Unterstützung bei der Umsetzung von Konzepten der nachhaltigen Kapitalanlage. Alexander Schindler sieht die Fondsbranche hier durchaus in der Pflicht: „Die Studienergebnisse zeigen einen hohen Beratungsbedarf bei Investoren in Sachen Nachhaltigkeit, der auch auf steigende Regulierungsanforderungen zurückzuführen ist.“ Aufgabe der Vermögensverwalter sei es, Investoren durch eine individuelle Beratung auf Grundlage konkreter Herausforderungen zu unterstützen. „Dabei geht es nicht um Produkte von der Stange, sondern um passgenaue Lösungen“, betonte Schindler.

GAM: „Anleger unterschätzen das Potential des Reformprozesses in Indien“

Mit dem von der Regierung Modi eingeleiteten Reformprozess steht Indien in den kommenden Jahren vor einem langanhaltenden Wirtschaftsaufschwung. Zu dieser Einschätzung kommt Madhav Bhatkuly, Fondsmanager des GAM Star India Equity. „Die Voraussetzungen dafür könnten besser kaum sein, denn nach langer Zeit kommen gleich eine ganze Reihe von positiven Faktoren zusammen“, sagt er. Die Reformpläne seien zwar sehr ambitioniert, werden aber von breiten Teilen seiner Wählerschaft getragen. „Dieser Reformprozess darf aber nicht unterschätzt werden, schafft er doch die Voraussetzungen, mehr internationale Firmen anzuziehen und den Unternehmergeist in seiner gut ausgebildeten Bevölkerung zu fördern“, so Bhatkuly. 

Indiens Regierung hat ambitionierte Pläne

‚Die Briten haben die Bürokratie eingeführt, die Inder haben sie perfektioniert‘, so ein bekanntes Sprichwort in Indien. Laut Bhatkuly packe Modi mit seiner Reformagenda das Problem der überbordenden Bürokratie endlich aktiv an, mit dem Ziel, wirtschaftliches Handeln zu stimulieren. Heute brauche es sehr gute Nerven und viel Ausdauer, um bürokratische Hindernisse zu überwinden und Geschäfte in Indien zu tätigen. Eine kürzlich publizierte Studie über unternehmerfreundliche Rahmenbedingungen in verschiedenen Ländern zeigt, dass in dieser Hinsicht noch viel zu tun bleibt: Von den insgesamt 189 bewerteten Nationen belegt Indien nur Rang 142*. Zu Modi‘s Reformen gehört auch die Verschlankung und Beschleunigung der Genehmigungsprozesse bei Industrieneubauten. Heute sind dafür über 70 Bewilligungen nötig, deren Beschaffung gut und gerne drei Jahre verschlingen. Und auch das komplizierte Steuersystem, das unter anderem aus einer Vielzahl von regionalen Steuern besteht, soll vereinheitlich und einfacher werden. 

Viele positive Faktoren treffen aufeinander

Aber nicht alleine aufgrund der Reformbemühungen seien die wirtschaftlichen Aussichten in Indien laut Bhatkuly so gut wie lange nicht mehr. „Die indischen Unternehmen stehen am Anfang eines Ertragszyklus“, prognostiziert der Fondsmanager: „Die Unternehmensgewinne liegen auf dem niedrigsten Niveau seit 2003 und es gibt deutliche Anzeichen für einen Turnaround.“ Dazu hat die Notenbank die Inflation erfolgreich in den Griff bekommen, was ihr Spielraum für zukünftige Zinssenkungen eröffnet. Außerdem ist Indien – unter allen Emerging Markets – die ölintensivste Volkswirtschaft. Die gesunkenen Kosten für Ölimporte entlasten die Leistungsbilanz Indiens und verbessern damit die Aussichten für den Außenwert der Rupie. „Das Zusammentreffen all dieser Faktoren macht Indien – unabhängig von der Entwicklung anderer Schwellenländern – zu einem langfristig äußerst attraktiven Investment“, so Bhatkuly. 

*Quelle: The World Bank Group
http://www.doingbusiness.org/reports/global-reports/doing-business-2015 

Machen Sie sich auf höhere Volatilität bei Staatsanleihen gefasst

London – Paul O'Connor, Co-Head of Multi-Asset bei Henderson Global Investors, gibt seine Einschätzung zur Entwicklung der Renditen deutscher Bundesanleihen – und allgemein der bedeutendsten Staatsanleihemärkte – seit Ende April bekannt. Ziehen die Renditen weiter an oder werden wir erneut Tiefstände wie im 1. Quartal sehen?

Zurück im Eilschritt

Als die Märkte Ende April ihren jüngsten Höchststand erreichten, konnten sich Besitzer 30-jähriger deutscher Bundesanleihen über ein Plus von 23 % seit Jahresbeginn freuen. Seitdem hat eine dramatische Gegenbewegung die Zuwächse vollständig zunichte gemacht – von der Nummer eins unter den „risikolosen“ Anlagen in Europa hätte man gerade das nicht erwartet.

Auslöser dieses Phänomens war unseres Erachtens der Versuch einer Vielzahl von Anlegern, von den Themen Deflation in der Eurozone und „quantitative Lockerung“ zu profitieren, gefolgt von einer Absetzbewegung, als sie erkannten, wie überlaufen und überbewertet diese Trades bereits waren. Wenn Märkte über das Ziel hinausschießen, bedarf es nicht immer eines fundamentalen Auslösers, um eine Gegenbewegung hervorzurufen. Aber mit Sicherheit hat der Anstieg der Inflation in der Eurozone im Mai, als die Kerninflation auf den höchsten Stand seit einem Jahr kletterte, den Rückgang der Renditen beschleunigt.

Die Moral von der Geschichte

Wir fragen uns, ob die heutigen Anleger in deutschen Bundesanleihen wohl etwas daraus lernen können, was sich Anfang der 2000er Jahre am Markt für japanische Staatsanleihen (JGB) abspielte. Nachdem die JGB-Renditen seit über einem Jahrzehnt gesunken waren, hatten 10-jährige Papiere im Juni 2003 mit 0,4 % die Talsohle erreicht. Obwohl Japans Wirtschaftsleistung ab diesem Zeitpunkt acht Jahre lang schrumpfte, erzielten Anleger, die 2003 japanische Staatsanleihen gekauft hatten, in dem Zeitraum nur eine Rendite von 1 % p. a. – in den ersten vier Jahre erlitten sie sogar Verluste. Und die Moral von der Geschichte: Ist wirtschaftliche Stagnation an den Märkten erst eingepreist, können die Erträge von Anleihen selbst bei anhaltend enttäuschendem Konjunkturverlauf niedrig und volatil sein.

Die Wirtschaft der Eurozone befindet sich heute zudem im Prozess der Erholung und nicht der Stagnation. Die Konsensschätzungen für das Wachstum im laufenden Jahr werden seit sechs Monaten immer wieder angehoben und bei den Inflationsvorhersagen ist dies seit Februar der Fall. Wir erwarten angesichts des schwachen Euro, der gesunkenen Ölpreise, der expansiveren Geldpolitik der EZB und der nachlassenden Sparanstrengungen der Regierungen eine Fortdauer dieser Entwicklung. Die EZB-Politik der quantitativen Lockerung wird zwar noch bis weit ins Jahr 2016 hinein zum Rückgang der Anleiherenditen in der Eurozone beitragen, doch allmählich nimmt die wirtschaftliche Erholung Gestalt an und wird zu einer Kraft, die in die entgegengesetzte Richtung wirkt.

Schwärzestes Quartal

Bei Bundesanleihen waren die Schwankungen in diesem Jahr zwar am stärksten, doch an allen anderen wichtigen Staatsanleihemärkten war das Muster sehr ähnlich. Das 2. Quartal ist auf bestem Wege, zum schlechtesten Quartal für Staatsanleihen seit fast 30 Jahren zu werden. Wie in der Eurozone begann die jüngste Verkaufswelle, als die Euphorie des 1. Quartals nachließ. In letzter Zeit spielten allerdings auch günstigere Konjunkturdaten, speziell aus den USA, eine Rolle.

Draghis Mahnung

Nachdem die US-Konjunkturdaten zu Jahresbeginn enttäuschten, vermitteln sie seit einigen Wochen ein deutlich freundlicheres Bild. Wichtige Datenreihen – Einzelhandelsumsätze, Beschäftigtenzahl, offene Stellen, Verbrauchervertrauen, Verkaufszahlen bei Einfamilienhäusern – haben für positive Überraschungen gesorgt. Das deutet darauf hin, dass die Wirtschaft wieder an Schwung gewinnt und die Konjunkturschwäche des 1. Quartals überwunden ist. Unserer Ansicht nach wird dieser Trend in den kommenden Monaten anhalten und die US-Notenbank veranlassen, die Zinsen noch vor dem Jahresende zu erhöhen. Ein weiteres Anziehen der Anleiherenditen in den USA dürfte die Folge sein.

Wir sehen in den jüngsten Einbußen bei Staatsanleihen größtenteils eine Korrektur des übermäßig starken Anstiegs im 1. Quartal. Sollte unser Basisszenario eintreten, das von einer Fortdauer der weltwirtschaftlichen Erholung ausgeht, werden die Renditen in diesem Zyklus wohl nicht mehr auf die Tiefstände des 1. Quartals zurückfallen. Für das 2. Halbjahr erwarten wir einen weiteren Anstieg. Höhere Renditen müssen für risikoträchtige Anlagen nicht unbedingt negative Folgen haben, wenn sich in ihnen ein günstigeres Konjunkturumfeld widerspiegelt. Die Anleger sollten sich allerdings Mario Draghis jüngste Mahnung zu Herzen nehmen:
 „Machen Sie sich auf Phasen höherer Volatilität gefasst.“

Über den Manager:
Paul O'Connor kam 2013 zum Multi-Asset-Team von Henderson. Zuvor arbeitete er bei Mercer, wo er als Leiter des Bereichs Asset Allocation (EMEA) für die Vermögensaufteilung sämtlicher Kundenportfolios in der Region verantwortlich war. Darüber hinaus war er leitender Fondsmanager des Mercer Diversified Growth Fund. Bei Henderson konzentriert sich Paul O'Connor im Multi-Asset-Team auf die Vermögensaufteilung der Diversified-Growth-Fonds.

Über Henderson Global Investors:
Henderson Global Investors, eine hundertprozentige Tochter der Henderson Group, ist eine weltweit tätige Anlageverwaltungsgesellschaft mit erstklassiger Reputation, deren Geschichte bis ins Jahr 1934 zurückreicht. Henderson managt ein Anlagevermögen von 123,5 Mrd. EUR (Stand: 31. März 2015) für Kunden im Vereinigten Königreich, in Kontinentaleuropa, der asiatisch-pazifischen Region und Nordamerika. Die Zahl der Beschäftigten des Unternehmens beträgt ca. 900 weltweit. Zu den Kunden zählen sowohl Privatanleger, Privatbanken und externe Vertriebsgesellschaften als auch Versicherungen, Pensionskassen, staatliche Organe und Unternehmen. Als reiner Anlageverwalter bietet Henderson eine Produktpalette, die von Aktien und Anleihen über Multi-Asset-Produkte bis hin zu alternativen Produkten reicht.

Weitere Informationen finden Sie unter www.henderson.com.

Vontobel AM Market Update: Noch kann Griechenland den gordischen Knoten lösen

Im Streit zwischen Griechenland und seinen Gläubigern halten die Experten von Vontobel Asset Management nach wie vor einen Kompromiss für möglich. Hier ihre Kernthesen: 

  • Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras ist klar, dass die Mehrheit der Griechen den Verbleib in der Gemeinschaftswährung wünscht, und dass ein ungeordneter Euro-Austritt die griechische Bevölkerung stark unter Druck setzen und somit seine eigene politische Zukunft gefährden würde.
     
  • Während sich einige der Kernländer der Eurozone für einen „Grexit“ erwärmen, lehnt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel einen solchen Ausgang aus Angst vor potenziell unvorhersehbaren Konsequenzen weiterhin klar ab. Außerdem will die deutsche Regierungschefin nicht als Person in die Geschichte eingehen, die für die Auflösung des stärksten Symbols der europäischen Integration seit dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich war. Das Gleiche gilt für den französischen Präsidenten François Hollande.
     
  • Im Fall eines Ausfalls Griechenlands kann die EZB dazu beitragen, das Übergreifen der Krise auf weitere Länder der europäischen Peripherie zu vermeiden. Nach dem positiven Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Einführung der Outright Monetary Transactions (OMT) – mit denen die EZB nun die Möglichkeit hat, Notfallmaßnahmen zu ergreifen und durch den Kauf von Anleihen von Mitgliedern der Eurozone das Eurosystem zu stabilisieren – hat sich die Schlagkraft der Notenbank erhöht, und sie kann die Rolle des Kreditgebers der letzten Instanz übernehmen.
     
  • Die Geldpolitik der USA und die gesamtwirtschaftlichen Daten werden für die Entwicklungsrichtung der globalen Märkte viel wichtiger sein als Griechenland.

Die Details finden Sie im links beigefügten Dokument.

Luke Newman fragt: Haben Sie schon Urlaubspläne?

London – Einer alten Börsenweisheit folgend sollten Anleger im Mai ihre Aktien verkaufen und sich auf den Urlaub vorbereiten, denn über die Sommermonate ist mit Aktien auf der Nordhalbkugel in der Regel kein Staat zu machen. Mag sein, dass diese Strategie in der Vergangenheit für den einen oder anderen traditionellen Anleger mit langem Anlagehorizont aufging. Aber in einer Welt der quantitativen Lockerungen, Rettungsmaßnahmen und hohen geopolitischen Risiken könnte eine pragmatischere und flexiblere Herangehensweise die klügere Alternative sein. 

Während der Sommermonate trocknet die Liquidität an den Aktienmärkten meist aus, denn Händler, Fondsmanager und andere Marktteilnehmer machen Urlaub. Ähnlich verhält es sich im Dezember.

Wenn an engen Märkten umfangreiche Käufe und Verkäufe abgewickelt werden, neigen die Kurse zu größeren Ausschlägen, weil weniger Marktteilnehmer für das jeweilige Gegengeschäft zur Verfügung stehen. Deshalb haben wir die langfristigen Kernpositionen unserer Absolute-Return-Strategie im Sommer tendenziell am liquideren Ende des Marktes aufgebaut. Dieses umfasst die sogenannten Mega-Caps, also Firmen mit sehr großer Marktkapitalisierung, die aufgrund ihres höheren Handelsvolumens weniger unter saisonalen Schwankungen leiden. Während die Handelsvolumina in den letzten neun Monaten, einschließlich dem äußerst lebhaften Dezember, deutlich höher waren, rechnen wir in den kommenden Wochen wieder mit dem traditionellen Versiegen der Liquidität. Dazu dürfte auch das überraschend eindeutige Wahlergebnis in Großbritannien beitragen, das viele Anleger ruhiger schlafen lässt.

Unsere Reiseversicherung

Derzeit scheinen die Märkte für die jährliche Sommerpause aber noch nicht wirklich gerüstet, denn eine Reihe makroökonomischer und geopolitischer Sorgen könnte erneut aufflammen und die Schwankungen verstärken. Dazu zählen unter anderem:

  • Unsicherheiten über Zeitpunkt und Höhe der Zinsstraffungen durch die US-Notenbank (Fed),
  • Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Schuldenkrise in Griechenland,
  • Wahlen in Spanien im Dezember,
  • Geplantes EU-Referendum in Großbritannien.

Zwar können wir nicht mit Sicherheit vorhersagen, von welcher Art der nächste makroökonomische Schock sein wird oder wann er eintritt. Ziemlich sicher aber ist, dass er kommt und mit ihm die Volatilität an den Aktienmärkten in die Höhe schießt. Tritt dieser Fall ein, sind wir mit unserer flexiblen Long-/Short-Strategie gut aufgestellt, um unser Kapital bzw. unseren Gewinn sowohl in turbulenten als auch in ruhigeren Marktphasen zu schützen. Unserem Handelsbuch, das aus kurzfristigen, taktischen Positionen besteht, die durch langfristige Kernpositionen komplettiert werden, ist es egal, ob die Märkte steigen oder fallen. Es bietet uns in beiden Fällen Potenzial für positive, absolute Renditen.
 
Sell in May and go away? Wir bleiben.

Über den Manager:
Luke Newman kam 2011 als Investment Manager für europäische Aktien zu Henderson. Zuvor arbeitete er seit Juni 2009 für Gartmore, nachdem er bei Altima Partners LLP den Alphagen Octanis & Gartmore UK Absolute Return Fund verwaltet hatte. 2005 war er zu Foreign & Colonial gewechselt, wo er zunächst den F&C Special Situations Fund auflegte. Zudem hatte er den F&C Enhanced Alpha Fund lanciert, bei dem die UCITS III-Regulierung zur Einführung einer aktiven Shorting-Strategie genutzt wurde. Davor betreute er als Fondsmanager bei der Deutschen Asset Management sowohl Endkunden als auch institutionelle Mandate. Luke Newman hat einen Bachelor (BSc Hons) in Wirtschaft und Politik der Universität Warwick.

Er managt den Henderson Gartmore United Kingdom Absolute Return Fund (ISIN: LU0200083342, WKN: A0DNFC).

Über Henderson Global Investors:
Henderson Global Investors, eine hundertprozentige Tochter der Henderson Group, ist eine weltweit tätige Anlageverwaltungsgesellschaft mit erstklassiger Reputation, deren Geschichte bis ins Jahr 1934 zurückreicht. Henderson managt ein Anlagevermögen von 123,5 Mrd. EUR (Stand: 31. März 2015) für Kunden im Vereinigten Königreich, in Kontinentaleuropa, der asiatisch-pazifischen Region und Nordamerika. Die Zahl der Beschäftigten des Unternehmens beträgt ca. 900 weltweit. Zu den Kunden zählen sowohl Privatanleger, Privatbanken und externe Vertriebsgesellschaften als auch Versicherungen, Pensionskassen, staatliche Organe und Unternehmen. Als reiner Anlageverwalter bietet Henderson eine Produktpalette, die von Aktien und Anleihen über Multi-Asset-Produkte bis hin zu alternativen Produkten reicht.

Weitere Informationen finden Sie unter www.henderson.com.

ETF Securities - Wöchentlicher Marktüberblick 22.05.2015

Rohstoffe
Gold als sicherer Hafen unverständlicherweise kaum nachgefragt.
Der Markt interpretierte die Kommentare im Anschluss an die FED Sitzung als taubenhaft, weshalb der USD um 1% nachgab. Gold stieg gemessen in USD um 2% an, da die Dollar-Schwäche gemeinsam mit Sorgen um Griechenland den Rohstoff als sicheren Hafen unterstützte. Der Stillstand in den Verhandlungen um die griechischen Staatsschulden könnte den Goldpreis weiterhin steigen lassen. Da Griechenland diesen Monat eine Vielzahl an Tilgungszahlungen zu leisten hat, ist die finanzielle Situation des Landes so prekär wie nie zuvor. Die Finanzmärkte verbleiben jedoch optimistisch, dass eine Einigung in den Verhandlungen erzielt wird. Es könnte zu einigen Marktverwerfungen kommen, sollte diese Einigung wider Erwarten nicht erreicht werden. Gold sollte in diesem Zuge seine traditionelle Rolle als sicherer Hafen einnehmen, wobei die Nachfrage bisher überraschenderweise verhalten blieb.

Platinmetalle sehen inmitten Preisrückgängen Abflüsse. In der vergangenen Woche haben wir 8,7 Mio. USD Nettomittelabflüsse in Platin ETPs und 5,0 Mio. USD in Palladium ETPs verbucht, wobei die Metalle um 1,8% bzw. 2,9% gefallen sind. Auch wenn die Automobilverkäufe nicht so stark waren wir im Vorjahr, so dürften sich die niedrigen Energiepreise positiv auf den Kauf von insbesondere größeren Fahrzeugen auswirken, die entsprechend mehr Platin und Palladium in den Katalysatoren benötigen. Zusätzlich könnte die berüchtigte anstehende Streiksaison in Südafrika das Angebot verknappen. Unserer Meinung nach ist das Marktumfeld übertrieben negativ eingestellt. Somit ergeben sich taktische Einstiegspunkte für Investoren, die kurzfristig volatilere Marktphasen überstehen können.

Investoren steigen aufgrund niedriger Preise in Agrarrohstoffe ein. Drei der Top 5 Nettomittelzuflüsse der Vorwoche konnten in Agrarrohstoffen verbucht werden. Ein abwertender brasilianischer Real, sowie für die Ernte (bis auf weiteres) begünstigendes Wetter, haben die Kaffee- und Zuckerpreise um 2,5% bzw. 3,4% nach unten gedrückt. Nachdem die Preise für Weizen Anfang des Monats aufgrund heftiger Regenfälle in den USA stark anstiegen, fiel der Preis nun um 3,2% da wieder besseres Wetter einsetzte. Das Wetter wird auch weiterhin der Schlüssel für die Agrarrohstoffe bleiben. Die erhöhte Wahrscheinlichkeit eines El Niño Effekts bis Jahresende erhöht auch die Wahrscheinlichkeit von wetterbedingten Schäden an den Pflanzen, woraufhin einige Investoren den jüngsten Preisrückgang als taktischen Einstiegszeitpunkt gewählt haben. So konnten wir 5,4 Mio. USD Nettomittelzuflüsse in Weizen ETPs (6-Wochenhoch), 4,9 Mio. USD in Zucker (13-Wochenhoch) und 5,1 Mio. USD in Kaffee ETPs (4-Wochenhoch) verbuchen. Nettomittelzuflüsse in breite Rohstoffkorb-ETPs erreichten mit 9,6 Mio. USD ein 5-Wochenhoch, was die gehobene Nachfrage nach Rohstoffen als gesamte Anlageklasse bestätigt.

Öl ETPs sehen nach 12 Wochen wieder die ersten Nettomittelzuflüsse. Während es nach 12 Wochen Sektor übergreifend zu den ersten Nettomittelzuflüssen in Öl ETPs kam, fielen sämtliche Zuflüsse auf WTI (5,6 Mio. USD) aus. Brent ETPs sahen hingegen leichte Nettomittelabflüsse in Höhe von 0,3 Mio. USD, wobei der Brentpreis um 1,3% fiel und WTI um 0,5% nachgab. Unserer Meinung nach werden die Ölpreise kurzfristig weiter nachgeben, da die Erwartungen an eine Verlangsamung des Angebots sich als zu optimistisch erweisen werden. Erst wenn die Hochkostproduzenten außerhalb der USA beachtliche Produktionskürzungen vornehmen, werden wir eine Preiserholung sehen.

Aktien
Die Achterbahnfahrt bei chinesischen A-Aktien geht weiter. Nachdem MSCI ankündigte, die Aufnahme von chinesischen A-Aktien weiterhin zu prüfen, fiel der Fokus erneut auf die ungewollten Mengen an Fremdkapital in chinesischen Aktien. Das Durchgreifen der Regulatoren bzgl. unbefugter Leerkäufe sorgte letzte Woche für einen Rückschlag von über 6 Prozent bei chinesischen A-Aktien. Trotz der Volatilität erwarten wir mittelfristig weitere Gewinne, da die Bewertungen mit den historischen Durchschnitten übereinstimmen und die Marktwerte noch signifikantes Potenzial nach oben haben. Volatilität bestimmte auch europäische Börsen, die zwischenzeitlich höher als US-Indizes notierten und damit die Gefahr eines Grexit zurückstellten.

Währungen
Euro trotz potenziellem Griechenlandaustritt. Der Markt für das Währungspaar EUR/USD polarisiert zunehmend, wobei manche Anleger Gewinnmöglichkeiten aufgrund steigender Volatilität erwarten. Wir erwarten zunehmende Abwertrisiken und würden kurzfristige Rallyes eher als Einstiegsmöglichkeit für Short-Positionen beurteilen. Der Optimismus für eine Lösung mit Griechenland stützt den Euro im frühen Handel. Die FOMC Sitzung letzte Woche wurde von den Märkten als relativ taubenhaft interpretiert, damit begann die Abwertung des US-Dollars in Verbindung mit Investitionsflüssen in den Euro. Sollten sich die Sorgen über Griechenlands Staatsverschuldung etwas stabilisieren werden sich Investoren wohl wieder auf Fundamentalwerte und die relative Stärke der US-Wirtschaft besinnen. Die momentane Preisbildung am Markt deutet diese Woche auf eine weitere Stärkung des US-Dollars gegenüber den meisten G10-Währungen hin. Das britische Pfund zeigte sich freundlich und wir gehen davon aus, dass steigende Löhne und zunehmende Erwartungen an die Bank of England, ihren Leitzins anzuheben, diesen Trend vorantreiben. Die Einzelhandelsumsätze überraschten letzte Woche positiv und heben damit eine gesunde Haushaltsbilanz hervor.

Strukturelles Wachstum und niedrige relative Bewertungen machen asiatische Unternehmen noch interessanter

Die Sonne geht im Osten auf
Vor dem Hintergrund des Rückgangs von Schwellenländeraktien in den vergangenen Wochen in Höhe von 9% (in USD) schätzen wir die Aussichten für Unternehmen in Asien positiv ein.

In bestimmten Branchen wirken sich niedrigere Rohstoffpreise vorteilhaft auf die Gewinnspannen von Unternehmen aus, da somit die Herstellungskosten gesenkt werden. Wenn man dazu den Einfluss des strukturellen Wandels berücksichtigt, sind die Aussichten für das Ertragswachstum von Unternehmen innerhalb der Region, insbesondere im Vergleich zu den aufstrebenden Mitbewerbern, durchaus positiv.

Dennoch wird für diese relativ besseren Wachstumsaussichten kein Aufschlag fällig. Im Vergleich zu dem breiteren Schwellenländeruniversum liegt das Bewertungsniveau von aufstrebenden asiatischen Märkten relativ betrachtet etwa eine Standardabweichung unter dem historischen Durchschnitt. Das ist der niedrigste Stand seit Jahren und unserer Meinung nach ein weiterer Grund dafür, weshalb die Region eine interessante Anlagechance darstellt.

Eine Region mit beträchtlichem Wachstumspotenzial
Diese unterstützenden Faktoren sind natürlich nur dann von Bedeutung, wenn sie auch handelbar sind. Und nach unserer Einschätzung sind sie das. In der gesamten Region mangelt es nicht an gut geführten Qualitätsunternehmen, die unsere Wachstums- und Entwicklungskriterien erfüllen. Für den Zeitraum der nächsten drei bis fünf Jahre sehen wir aus jetziger Perspektive ein hervorragendes Investitionspotenzial.

Ausschöpfen von Potenzial im Technologiesektor
Ein Bereich, der uns besonders attraktiv erscheint, ist der  Technologiesektor. An den asiatischen Märkten ist diese Branche zwar schon länger ein Thema, inzwischen sind die Unternehmen jedoch globale Marken mit einer noch breiter aufgestellten Vertriebsabdeckung in Asien und die  Chancen sind größer.

Treibende Faktoren für diese Entwicklung sind unter anderem die industrielle Automatisierung, „Big Data“ und das Internet der Dinge. Sehr positiv beurteilen wir insbesondere Unternehmen wie Largan Precision, eine taiwanesische Firma, die Kameraobjektivmodule für den schnell wachsenden Smartphone-Markt herstellt.  Das Unternehmen konnte in der Vergangenheit das Wachstum hervorragend umsetzen und wir sind der Auffassung, dass der aktuelle Aktienkurs das nachhaltige, längerfristige Wachstumspotenzial noch nicht vollständig widerspiegelt.

Mehr als kosmetische Veränderungen
Die Konsumbranche ist ein weiterer Bereich, für den wir ein starkes Potenzial erkennen, da Verbraucher mehr für Reisen und Freizeitaktivitäten sowie für Kosmetik und das Gesundheitswesen ausgeben. Die Portfolioposition Airports of Thailand profitiert direkt von der steigenden Anzahl an chinesischen Touristen - bei der letzten Zählung waren es 20% aller Touristen in Thailand - da der Konzern ein Flughafenmonopol innehat. Das koreanische Gesundheits- und Kosmetikunternehmen AmorePacific profitiert von der starken Kombination aus einem zunehmenden Marktanteil und einer steigenden Gewinnspanne, unterstützt durch die Beliebtheit der koreanischen Kultur bei den asiatischen Verbrauchern.

Bauinvestitionen in die Infrastruktur
Darüber hinaus sehen wir auch weiterhin gute Chancen in der Infrastrukturentwicklung in Südostasien, insbesondere in Indonesien. Eine unserer wichtigsten Positionen dort ist Wijaya Karya, der größte Bauunternehmer Indonesiens, mit einer starken und wachsenden Auftragslage.

Hyung Jin Lee
Head of Asia ex Japan Equities
Baring Asset Management, Hong Kong

GAM Marktkommentar: US-Zinserhöhung dürfte früher als erwartet bereits im September kommen

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wird die Zinsen wahrscheinlich bereits im September anheben. Diese Ansicht vertritt Adrian Owens, Fondsmanager des GAM Star Global Rates. „Die aktuellen Markterwartungen deuten darauf hin, dass die Konjunktur im zweiten Quartal anziehen wird. Damit ähnelt die Marktsituation der von Februar 1994 und Juni 2004, als die Fed jeweils begann Zinsen zu erhöhen“, so der Fondsmanager. Obwohl das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in den USA bisher verhalten war, habe sich der Arbeitsmarkt positiv entwickelt. Der jährliche Zuwachs beim Arbeitskostenindex sei auf seinem höchsten Stand seit Dezember 2008. Sofern die Wirtschaft sich jetzt erhole, wäre eine Zinserhöhung im September für die Fed von großem Interesse. „Wir glauben, dass die Fed in zunehmendem Maße unzufrieden mit dem aktuellen Zinsniveau ist“, sagt Owens.

„Natürlich könnten die Entwicklungen in Europa noch erheblichen Einfluss auf die Entscheidung zur Zinserhöhung nehmen“, so Owens weiter. Vor allem die Griechenlandkrise und der drohende Ausstieg aus der Eurozone könnten die Märkte verunsichern. Sofern das Szenario eintritt, wären die realen Auswirkungen auf die Märkte nach der Einschätzung des Fondsmanagers jedoch eher gering. 

Niall Gallagher: Der europäische Aktienmarkt erfordert Selektivität 

  • Der Fondsmanager des GAM Star Continental European Equity schätzt den europäischen Aktienmarkt weiterhin als attraktiv ein
  • Nach Ansicht des Fondsmanagers kann insbesondere ein selektives Vorgehen die Erfolgschancen maximieren
  • Besonders erfolgsversprechend seien der deutsche Gesundheitssektor und die neuen Entwicklungen in der Smartphone- Payment-Technologie

Griechenland, die EZB und die Fed machen Investoren nervös

„So lange keine Einigung mit Griechenland in Sicht ist, werden die Investoren in diesem Sommer die Hände in den Schoß legen und einfach nichts tun. Womöglich ist es erst einmal am besten, das Risiko herunterzufahren, Bargeldbestände aufzubauen und an den Strand zu gehen.“
Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers

Für Anleiheinvestoren sind derzeit wenig gute Nachrichten in Sicht. Das zumindest sagt Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers: „Im Moment ist die Lage wirklich angespannt. Zunächst einmal ist da Griechenland. Aktuell sieht es aus, als ob die Situation sich noch einmal deutlich verschlechtern könnte, bevor die Probleme zwischen der gegenwärtigen griechischen Regierung und ihren Gläubigern gelöst werden.“ Dass es zu einem Zahlungsausfall komme, Kapitalverkehrskontrollen eingeführt würden und ein neues Rettungsprogramm scheitere, sei wahrscheinlicher als jemals zuvor. Zwar sei Griechenland rein wirtschaftlich betrachtet mit einem Anteil von zwei Prozent am Bruttoinlandsprodukt nicht sonderlich wichtig, und die aus der Griechenlandkrise resultierenden Risiken für das Finanzsystem seien geringer als noch im Jahr 2011. Dennoch hätte ein „Grexit“ nach Iggos Ansicht schwer wiegende Folgen: „Die bedeutendsten Konsequenzen wären für mich der Glaubwürdigkeitsverlust für eine Währungsunion, die eigentlich unwiderruflich sein sollte, und die mit wirtschaftlicher und möglicherweise auch gesellschaftlicher Instabilität in Griechenland einhergehenden Risiken für den östlichen Mittelmeerraum.“

Und Griechenland ist nicht der einzige Risikofaktor – auch die Geldpolitik auf beiden Seiten des Atlantiks bereitet ihm Sorgen. So habe das Quantitative Easing der Europäischen Zentralbank (EZB) viele Investoren auf der Suche nach Rendite in Anleihen mit schlechteren  Ratings gedrängt. „Dies hat einerseits zu sehr niedriger Liquidität bei erstklassigen Staatsanleihen mit sehr niedrigen Renditen geführt, andererseits aber auch zu sehr viel Gedränge in Anleihen aus europäischen Peripheriestaaten, Nachranganleihen und High Yield Bonds.“ Dies könne sich zu einem echten Problem entwickeln, falls viele Investoren auf einmal diese Positionen auflösen wollten. „Vor allem wenn Portfoliomanager das Risiko in ihren Depots herunterfahren, um sich auf mögliche Abflüsse vorzubereiten, könnte daraus auch eine selbsterfüllende Prophezeiung werden“, so der Experte. Und schließlich mehrten sich auch die Anzeichen dafür, dass die US-Notenbank Fed früher oder später ernst machen werde mit einer Straffung ihrer Geldpolitik. „Auch dies macht die Anleger nervös“, erläutert Iggo. „Sie haben Angst vor höheren Renditen und höheren Spreads.“

Diese Nervosität dürfte dazu führen, dass sie Risiken senken und Bargeldbestände aufbauen. „Mein Eindruck ist, dass viele Investoren darauf warten, Mittel wieder anzulegen. Aber sie würden gerne höhere Renditen geboten bekommen, bevor sie das tun“, so Iggo. „Ich denke, wir könnten diese höheren Renditen bald sehen – entweder als Resultat einer Zinserhöhung durch die Fed oder als Ergebnis einer Anpassung der Risikopräferenzen im Zuge der Griechenlandkrise.“

Sentiment overshadows fundamentals... for now

ETF Securities' Commodity Monthly Monitor for June/July 2015. 

Outside the energy sector, investor sentiment for commodities has softened on the back of concern over the global economic outlook and the volatility that has pervaded financial markets. Volatility has been a ubiquitous force not only across asset classes, but across regions, as uncertainty over the health of the Chinese economy has lingered at the same time as fears of a Grexit has risen. Although policymakers have warned investors to expect protracted market volatility, stimulus in China, Japan, Europe and beyond is likely to keep demand conditions favourable for most commodities. With improving commodity fundamentals beginning to reassert, we expect that sentiment will rebound in coming months as stronger evidence of the global recovery begins to be witnessed.

  • Currency impact overshadows stronger El Niño threat for softs. Sharp moves in sugar have largely been currency related, offsetting any concern over reduced supply if the El Niño intensifies later in the year. Meanwhile good US growing conditions have kept any gains in check for grains.

  • Gold stable as tighter US policy overshadows Greece concerns. Gold outperformed other precious metals, remaining resilient despite the threat of rising US rates. Other metals in the sector were adversely impacted by evidence of softer demand.

  • Softer Chinese economic sentiment weighs on industrial metals. Despite broadly tighter fundamental conditions, deteriorating Chinese economic sentiment weighed on the industrial metals complex. We expect recovery in prices, as supply optimism begins to fade in the latter stages of 2015.

  • Energy sector buoyant as demand strengthens. Investors have cut bets of a near-term upside move in oil prices, despite rising demand. With oil supply remaining elevated on a global scale, the risk of a downside move in crude prices will increase if demand growth fades. 

Steven Bell, F&C Investments: „Griechenland ist schon heute kein vollfunktionsfähiges Land der Euro-Zone mehr“

London, 19. Juni 2015 – Im folgenden Interview kommentiert Steven Bell, Chefvolkswirt von F&C Investments in London und Co-Fondsmanager des F&C Global Macro Bond Fund, die aktuelle Lage Griechenlands nach dem gestrigen Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe.

Was ist die Haupterkenntnis nach dem Scheitern des Treffens der Finanzminister der Euro-Gruppe? 
Die Erwartungen an die gestrige Sitzung waren sehr gering; die Chancen für einen Durchbruch waren von Anfang an nur minimal. Es ist die Strategie der griechischen Regierung, über die Köpfe der Euro-Gruppe-Finanzminister hinweg auf eine Einigung auf Regierungschef-Ebene hinzuarbeiten. Dies ist eine riskante Strategie.

Es gibt Experten, die nun wieder die Diskussion um den Ansteckungseffekt für andere Länder beginnen. Hat sich die Ansteckungsgefahr nach dem Treffen erhöht?
Die Ansteckungsgefahr für andere Länder konnte in der Vergangenheit aus drei Gründen minimiert werden: Erstens sind die Länder der Euro-Peripherie besser aufgestellt als beim Ausbruch der Finanzkrise, zweitens gibt es nun Schutzmechanismen und drittens hat die Europäische Zentralbank EZB deutlich gemacht, bei Bedarf entweder durch weitere Anleihekäufe oder weitere Zinssenkungen zu reagieren. Dennoch: Ein gewisses Ansteckungsrisiko bleibt bestehen. 

Kann Griechenland Mitglied der Euro-Zone zu bleiben? 
Griechenland wird wahrscheinlich formales Mitglied der Währungsunion bleiben, aber durch die Schwäche des Bankensystems ist das Land schon heute faktisch kein vollfunktionsfähiges Mitglied mehr. 

Was halten Sie von der Idee des „Geuro“ als sekundäre Währung in Griechenland? Könnte er eine Lösung für die dortigen Probleme sein?
Ja, das kann passieren, wenn die Regierung gezwungen wäre, Schuldscheine auf ihre Zahlungsrückstände im Inland auszugeben. Wenn diese übertragbar sind, werden in Griechenland de facto zwei Währungen existieren.

Ist es für Griechenland sinnvoll, in der Euro-Zone zu bleiben? Oder könnte das Land sich ohne den Euro besser erholen?
Wenn die griechische Regierung nicht in der Lage ist, Reformen umzusetzen, die dem Land dauerhaft eine Zukunft in der Euro-Zone ermöglichen, ist ein Austritt aus der Währungsunion sinnvoll. Die vergangenen Monate haben der griechischen Wirtschaft schwere Schäden zugefügt. Dies kann so nicht weitergehen. Entweder nimmt die Regierung die geforderten Reformen in Angriff, oder Griechenland tritt aus dem Euro aus.

Trade Idee – Agrarrohstoffe: Süße Enttäuschung bei Zucker, wachsames Auge bei Kaffee jedoch erwünscht

Kaffee und Zucker fallen weiter

  • In den letzten Monaten haben Kaffee und Zucker ihren Preisverfall aufgrund nachteiliger Wechselkursverhältnisse und übermäßigen Angebotserwartungen weiter fortgesetzt. Als Ergebnis sind Kaffee- und Zucker-Preise auf Rekordtiefs gefallen, woraufhin sich die Frage stellt: Haben Kaffee oder Zucker einen Wendepunkt erreicht?

  • Wir glauben, dass trotz eines schwachen Brasilianischen Reals die Bedenken eines Überangebotes für Kaffee übertrieben sind und eine Korrektur folgen könnte, wenn die Ernteerträge später im Jahr enttäuschen sollten. Das gleiche gilt jedoch nicht für Zucker, da hier wahrscheinlich ein weiteres Jahr mit Überangebot folgen wird (siehe: Outlook Q2-15: Tightening Supply Brightens Commodity Outlook in Face of Rising US Dollar).

Nettomittelzuflüsse & spekulative Positionierungen 
  • In den letzten fünf Monaten sind die spekulativen Positionierungen im Futures-Markt für Kaffee und Zucker zunehmend bärisch geworden (Graph 1). Wir haben hingegen verstärkte Investorennachfrage gesehen und konnten Long Positionen in Höhe von US $ 121 Mio. in Kaffee- und Zucker-ETPs seit Jahresbeginn verbuchen. Da Kaffee sich auf einem 18-Monatstief und Zucker auf einem sechseinhalb Jahres-Tief befinden, haben Investoren die Preise anscheinend als attraktiven Einstiegszeitpunkt gesehen.

Zucker weiter im Abwärtstrend

  • Die Zuckernachfrage in vor allem China und Indien steigt weiterhin auf rekordhohem Niveau an. Dies wird allerdings durch eine starke globale Produktion mehr als ausgeglichen. Wir gehen sogar davon aus, dass sich der Zuckermarkt in den nächsten Monaten in einem Angebotsüberhang befinden wird (Graph 2). Die indische Regierung hat noch dazu im März angekündigt, den Zuckerexport zu subventionieren und sollte dies endgültig eingeführt werden würde der Zuckermarkt regelrecht überschwemmt werden. Damit wäre der Preisverfall von Zucker in der nächsten Zeit nicht aufzuhalten. 

Kaffee könnte Bären überraschen

  • Offizielle Vorhersagen zur Höhe der nächsten brasilianischen Kaffeeernte 2015/2016 wurden nach oben korrigiert, manche Stellen gehen gar von einer Rekordernte aus. Unserer Ansicht nach sind dies jedoch zu optimistische Einschätzungen und sollten die Ernteziel nicht erreicht werden würde der Kaffeepreis mit einer Korrektur nach oben aufwarten.
  • Im Monat Mai haben wir die höchsten Nettomittelzuflüsse in unsere Long Coffee ETPs seit 1 1⁄2 Jahren erlebt, da der aktuelle Kaffeepreis von vielen Investoren wohl als gute Kaufgelegenheit gesehen wird.

Das vollständige Dokument finden Sie links im Anhang.

Um oben genannte Ideen umzusetzen, können Investoren unter anderem folgende Produkte von ETF Securities einsetzen:

Kaffee

  • ETFS Coffee (COFF)

  • ETFS Daily Leveraged Coffee (LCFE)

  • ETFS Daily Short Coffee (SCFE)

  • ETFS EUR Daily Hedged Coffee (ECOF)

  • Swiss Franc Daily Hedged Coffee (CCOF)

Zucker

  • ETFS Sugar (SUGA)

  • ETFS Daily Leveraged Sugar (LSUG)

  • ETFS Daily Short Sugar (SSUG)

  • ETFS EUR Daily Hedged Sugar (ESUG)

  • Swiss Franc Daily Hedged Sugar (CSUG)

Energieeffizienz bietet globale Wachstumschancen

London – Die Henderson Global Growth Strategy, die im Mai 2015 auf ihr fünfjähriges Bestehen zurückblicken konnte, versucht Themen ausfindig zu machen, die maßgeblich zum globalen Wandel beitragen. Eines davon ist die Verbesserung der Energieeffizienz. Entsprechende Unternehmen, die gute Chancen haben, von neuen staatlichen Initiativen und technischen Innovationen zu profitieren, bilden seit mehreren Jahren einen bedeutenden Schwerpunkt im Henderson Gartmore Global Growth Fund.

Hinter dem Streben nach einer höheren Energieeffizienz steht eine Kombination von Faktoren. Eine wichtige Rolle spielen erstens Umweltaspekte. Kohlendioxid-Emissionen, die bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen, tragen maßgeblich zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei. Höhere Temperaturen führen auch zu einem häufigeren Auftreten extremer Wetterereignisse, die wiederum die weltweite Nahrungsmittelerzeugung und Wasserversorgung beeinträchtigen können.

Unabhängigkeit im Energiebereich

Zweitens sind die Vorräte an fossilen Energieträgern begrenzt. Das Tempo, in dem sie aufgezehrt werden, muss sinken, während parallel die Entwicklung alternativer Energien so weit vorangetrieben wird, dass sie auf breiter Front genutzt werden

können. Zudem ist eine unabhängige Energieversorgung ein wichtiges Thema aus Sicht von Regierungen, die das jeweilige Land und seine Wirtschaft vor schwankenden Rohstoffpreisen und möglichen Lieferengpässen schützen wollen. Vor diesem Hintergrund haben Staaten, die 80% der weltweit abgesetzten Pkws auf sich vereinen, bindende Ziele für die Senkung des Treibstoffverbrauchs beziehungsweise der Abgasemissionen formuliert.

Bessere Kraftstoffeffizienz

So hat beispielsweise die US-Verkehrssicherheitsbehörde (NHTSA) festgelegt, dass der durchschnittliche Pkw-Treibstoffverbrauch bis zum Jahr 2025 von zurzeit etwa 6,7 l/100 km auf 4,2 l/100 km sinken soll (das entspricht einem Anstieg der Kilometer pro Liter von 14,9 auf 23,9). Andere Länder und Regionen gehen ähnliche Wege, wie der folgenden Abbildung zu entnehmen ist.

Damit diese staatlichen Vorgaben erfüllt werden können, dürfte die Verbesserung des Wirkungsgrads von Verbrennungsmotoren noch mindestens die nächsten zehn Jahre ein großes Thema für die Autobauer sein.

Intelligentere Lösungen

Die US-Energiebehörde schätzt, dass ein durchschnittlicher Verbrennungsmotor nur 18-25% der im Kraftstoff enthaltenen Energie so umwandelt, dass sie für den Antrieb zur Verfügung steht. Somit besteht eindeutig noch Potenzial für Verbesserungen durch intelligentere technische Lösungen.

Wir investieren in Unternehmen, die Komponenten herstellen und immer bessere Technologien anbieten, die den Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren erhöhen. Aktuell halten wir in diesem Bereich etwa Continental, den deutschen Autozulieferer, Valeo, den multinationalen Komponentenhersteller mit Sitz in Frankreich, und die US-Zulieferer Delphi und BorgWarner.

Oft basieren die Verbesserungen, die diese Unternehmen erzielen, auf herstellereigenen Technologien. Dahinter stehen erstklassige Fähigkeiten im Konstruktionsbereich, die den Firmen langfristige Wettbewerbsvorteile verschaffen und ihnen helfen, ihre hohen Marktanteile zu bewahren. Die nachstehende Tabelle zeigt, wie sich verschiedene Arten von Technologien auf den Treibstoffverbrauch und die Kohlendioxidemissionen von Kraftfahrzeugen auswirken.

Aktie im Fokus: Continental

Unseres Erachtens hat der Markt die Dynamik und Nachhaltigkeit des Wachstums der genannten Autozulieferer bisher unterschätzt. Für unsere Fonds eröffnet sich dadurch eine attraktive Gelegenheit.

Nehmen wir das Beispiel Continental. Der Titel ist in unserem Portfolio mit etwa 1,7%1  gewichtet. Mit seiner Powertrain-Sparte besitzt das Unternehmen eine starke Marktstellung. Das breite Angebot an Motorkomponenten reicht von Turboladern bis hin zu Start-Stopp-Systemen – gemeinsamer Nenner sind die Verbesserung der Kraftstoffeffizienz und die Senkung der Abgasemissionen. Gemessen an unseren Anlagekriterien ist Continental in mehrfacher Hinsicht attraktiv.

Deutsche Effizienz

Außerdem ist Continental ein führender Reifenhersteller. Die Aktie notiert aktuell mit einem KGV von 14 auf Basis der Gewinnschätzung für 2016.2 Vor dem Hintergrund des zügigen Schuldenabbaus und des hohen Cashflows konnten die Continental-Aktionäre in letzter Zeit von einem steigenden Aktienkurs (siehe Abbildung unten), aber auch von erfreulichen Barausschüttungen profitieren. Wir sehen weiteres Potenzial für den Titel, vor allem weil sich Continental in Bereichen betätigt, die ein langfristiges kräftiges Wachstum erwarten lassen: Senkung der Kohlendioxidemissionen, aktive Sicherheit, Pkw-Infotainment-Systeme (Systeme, die sowohl Unterhaltungs- als auch Informationsinhalte zur Verfügung stellen).

Datum, an dem der Titel für den Henderson Global Growth Fund (OEIC) gekauft wurde: 20.9.2013

1 Quelle: Henderson Global Investors, Stand 27.5.2015
2 Bloomberg-Konsensschätzungen, Stand 18.5.2015

 

Über den Manager:
Ian Warmerdam ist seit Anfang 2007 Director of Technology Investment bei Henderson, für das er seit 2001 tätig ist. Er ist leitender Manager des Henderson Global Technology Mutual Fund, des Henderson Gartmore Global Growth Fund und des Henderson Global Growth Fund. Zudem verwaltet er das Technologiesegment eines größeren globalen Aktienportfolios. Ferner ist er Co-Manager des Henderson Horizon Global Technology Fund, des Henderson Global Technology OEIC und eines Spezialmandats. Er blickt auf 17 Jahre Branchenerfahrung zurück. Vor seinem Wechsel zu Henderson war er als Analyst für US-Aktien bei Scottish Widows und Scottish Life tätig. Ian Warmerdam hat sein Studium der Investmentanalyse an der Universität von Stirling mit einem Master abgeschlossen. Er ist assoziiertes Mitglied der Society of Investment Professionals und hat an der Universität von Strathclyde Technologie und Betriebswirtschaft studiert (BSc).

Er managt den Henderson Gartmore Global Growth Fund (ISIN: LU0200076999, WKN: A0DNEY).

Über Henderson Global Investors:
Henderson Global Investors, eine hundertprozentige Tochter der Henderson Group, ist eine weltweit tätige Anlageverwaltungsgesellschaft mit erstklassiger Reputation, deren Geschichte bis ins Jahr 1934 zurückreicht. Henderson managt ein Anlagevermögen von 123,5 Mrd. EUR (Stand: 31. März 2015) für Kunden im Vereinigten Königreich, in Kontinentaleuropa, der asiatisch-pazifischen Region und Nordamerika. Die Zahl der Beschäftigten des Unternehmens beträgt ca. 900 weltweit. Zu den Kunden zählen sowohl Privatanleger, Privatbanken und externe Vertriebsgesellschaften als auch Versicherungen, Pensionskassen, staatliche Organe und Unternehmen. Als reiner Anlageverwalter bietet Henderson eine Produktpalette, die von Aktien und Anleihen über Multi-Asset-Produkte bis hin zu alternativen Produkten reicht.

Weitere Informationen finden Sie unter www.henderson.com.

Zinsanstieg (noch) keine Gefahr für Frankreich

Wie im übrigen Europa haben auch in Frankreich in den vergangenen Wochen die Zinsen brutal angezogen. Besorgnis hat dabei weniger die absolute Zunahme als vielmehr die Geschwindigkeit des Anstiegs erregt. In den zurückliegenden beiden Monaten ist die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen um 90 Basispunkte auf 1,2% und damit wieder in etwa auf das Niveau von 2014 gestiegen. Kann diese Zunahme die konjunkturelle Erholung abwürgen und die Staatsfinanzen vor neue Probleme stellen, fragt sich Bruno Cavalier, Chefvolkswirt bei Oddo & Cie, in seinem jüngsten volkswirtschaftlichen Research.

Zinsen seien zwar ein bedeutender, aber nicht der einzige und wichtigste Parameter bei der Finanzierung einer Volkswirtschaft. Die Investitionsschwäche in Frankreich in den vergangenen Jahren hätte mehr mit dem Zugang zu Banken und dem Grad der Verunsicherung über die Entwicklung von Staatshaushalt und Volkswirtschaft zu tun gehabt als mit dem tatsächlichen Zinsniveau, so Cavalier. Zuletzt sei sogar eine Belebung der Kreditvergabe festzustellen gewesen, die mit abnehmender Risikoaversion einhergegangen sei. Der Anstieg der langfristigen Zinsen werde zwar den Fremdfinanzierungssatz beeinflussen, zumindest im Augenblick sei es aber noch unwahrscheinlich, dass dadurch die Finanzierungsbedingungen durcheinandergeraten würden.

Mit Blick auf die Staatsfinanzen merkt Cavalier an, dass sich die Verbindlichkeiten Frankreichs von 2007 bis 2014 zwar um 62% (+30 Prozentpunkte gemessen am BIP) erhöht hätten, der Schuldendienst sei jedoch dank der sinkenden Zinsen um rund 10% zurückgegangen. Auch werde der Zinsschock in diesem Jahr dadurch geglättet, dass die Schulden des Landes eine durchschnittliche Fälligkeit von sieben Jahren hätten. Darüber hinaus müsse allerdings die Frage der Entschuldung und somit der Verringerung der staatlichen Ausgaben noch gelöst werden. Anderenfalls müssten die Steuern noch weiter erhöht werden. Angesichts des kontinuierlichen Anstiegs der Steuerlast seit 2011 sei dieser Schock dann wirklich untragbar, so der Ökonom.

Die Details finden Sie im links beigefügten Dokument in englischer Sprache.

NNIP Q&A - Die Zeit wird knapp für Griechenland

Griechenland's Krise steuert nunmehr auf den Punkt zu, an dem der Regierung das Geld ausgeht. Kann also keine Einigung erzielt werden, wonach die restlichen 7 Mrd. Euro aus dem aktuellen Hilfsprogramm ausgezahlt werden, wird Griechenland seine Tilgungsrate an den IWF wohl nicht leisten können.

Wie konnte es so weit kommen?
Griechische Tragödie, dritter Akt
Wir waren stets der Meinung, ein Griechenland-Bankrott sei vermeidbar. Das Krisenmanagement der Eurozone verlief in drei klar abgegrenzten Phasen. Während der ersten Phase ging es nahezu ausschließlich um den konsequenten Abbau der Haushaltsdefizite. Das erwies sich als extrem kontraproduktiv und verschlimmerte Defizite und öffentliche Schuldenquoten wohl noch. In der zweiten Phase verlagerte sich der Fokus auf die strukturellen Defizite. Das heißt: Konnte ein Land wegen konjunktureller Schwankungen seine Haushaltsziele nicht erreichen, so wurden keine zusätzlichen Maßnahmen verlangt. Ferner begann man in der EWU, „Brandschneisen“ in Form des OMT-Mechanismus einzurichten und auf eine Bankenunion hinzuarbeiten, um eine Ausbreitung der Krise zu verhindern. In der dritten Phase wurde die Sparpolitik zum Gradmesser für die Bereitschaft eines Landes, Strukturreformen durchzuführen.

Glauben Sie, dass Griechenland einlenken wird?
Jetzt geht‘s hart auf hart
Wahrscheinlich hätte die griechische Regierung zusätzliche Sparmaßnahmen vermeiden können, hätte sie mehr Reformbereitschaft gezeigt. Leider hat sie diese Gelegenheit nicht wahrgenommen. Die entscheidende Frage ist, ob sich bei der griechischen Regierung jetzt ein Sinneswandel einstellen wird, kurz bevor der Saldo des griechischen Staatshaushalts auf null sinkt und der Regierung keine unkonventionellen Maßnahmen zur Mittelbeschaffung mehr bleiben. Es ist bereits klar, dass alle Rückzahlungen an den IWF bis zum Monatsende verschoben werden. Kann bis Ende Juni keine Einigung erzielt werden, ist eine Pleite nahezu zwangsläufig. Unser Basisszenario stellt jedoch darauf ab, dass das Land dem Druck nachgeben und sich zu Strukturreformen verpflichten wird.

Alles oder Nichts
Die „Brussels Group“ (vormals Troika) hat Griechenland ein letztes Angebot gemacht, das letztlich auf ein Alles oder Nichts hinausläuft. Damit sind geringfügige Anpassungen aber nicht ausgeschlossen. Der Vorteil dabei ist, dass europäische und IWF-Kreditgeber hier eine geschlossene Front präsentieren können. Im Ergebnis wäre Griechenland der Illusion beraubt, die Brussels Group werde in letzter Minute zu Zugeständnissen bereit sein. Dies könnte das Land zu Entscheidungen zwingen, statt weiter auf eine Verzögerungstaktik zu setzen.

Vor allem aber würde ein solches Angebot der EZB den notwendigen politischen Rückhalt bieten, um die Emergency Liquidity Assistance („ELA“) zu begrenzen, falls Griechenland das Angebot ausschlägt. Aktuell scheint Griechenland diesen Deal abzulehnen. Sofern diese Pattsituation anhält, ist in Bälde mit Kapitalverkehrskontrollen zu rechnen, denn der EZB wird kaum eine andere Wahl bleiben, als die Finanzierung griechischer Banken einzuschränken. Und schließlich sei auch noch darauf hingewiesen, dass die Strategie der Brussels Group ultimativ darauf abzielt, den politischen Willen auf griechischer Seite zu brechen. Das wird die politische Unsicherheit in Griechenland zweifelsohne noch verstärken, im Gegenzug aber die künftigen politischen Unwägbarkeiten in der übrigen EWU mindern.

Was passiert, falls Griechenland und seine Gläubiger sich doch noch einigen?
Bei Einigung
Kann eine Einigung in Form eines sogenannten Staff Level Agreement (SLA) erzielt werden, wäre die EZB bereit, Überbrückungskredite zur Verfügung zu stellen, da eine solche Vereinbarung von den Parlamenten Griechenlands und anderer Länder abzusegnen wäre. Zu den möglichen EZB-Maßnahmen zählen auch eine weitere Ausweitung der ELA, gelockerte Anforderungen an Sicherheiten sowie die Ausweitung der Finanzierung über Staatsanleihen.

Und was, wenn nicht?
Ohne Einigung
Kann keine Einigung erzielt werden, würde die EZB wahrscheinlich den ELA-Hahn zudrehen. Im Ergebnis käme es dann auch sehr bald zu Kapitalverkehrskontrollen. Wie gesagt, handelt es sich dabei noch nicht um einen Grexit, bringt ihn aber ein Stück näher.

Wie sieht die EZB die gegenwärtige Situation?
Draghi will eine belastungsfähige Vereinbarung
Bei seiner Pressekonferenz am 3. Juni schwieg der EZB-Präsident zu Griechenland, was sicherlich klug ist, denn die EZB ist schließlich einer der wichtigsten Akteure in diesem „Spiel“. So muss die Zentralbank entscheiden, unter welchen Umständen sie dem griechischen Bankensystem den Hahn abdrehen würde. Ferner hat die EZB als Bankenaufsichtsbehörde die Macht, den griechischen Banken den Aufkauf kurzlaufender griechischer Staatsanleihen („T Bills“) zu gestatten – oder eben nicht. Klar ist, dass die EZB Griechenland nur dann weiter mit Notkrediten versorgen wird, wenn es eine belastungsfähige Einigung gibt (soll heißen: wenn Griechenland sich vorbehaltlos zu Reformen verpflichtet). Eine weitere zwingende – aber nicht ausreichende – Bedingung für eine Erhöhung des von griechischen Banken aufgekauften T-Bill-Volumens wäre, dass die restlichen Mittel aus dem zweiten Programm an Griechenland ausgezahlt werden.

Falls Griechenland Pleite geht und sogar aus der Eurozone ausscheidet – wie groß ist die Ansteckungsgefahr für andere Peripherieländer?
Was die Ansteckungsgefahr betrifft, sind wir nach wie vor der Meinung, dass der politische Zusammenhalt im Rest der Region so groß ist, dass die Kernländer überaus gewillt wären, die übrigen Peripherieländer zu schützen. Zu diesem Zweck könnte die QE so angepasst werden, dass mehr Anleihen von der Peripherie gekauft werden und die Bankenunion energischer vorangetrieben wird. Dabei wird es vor allem auf das Geschick der Politiker ankommen, die entsprechende Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Märkte zu beruhigen. Zwar wird zunehmende Volatilität wohl nicht zu vermeiden sein, falls das griechische Drama zur Tragödie eskaliert, doch dürfte die Volatilität kaum das Niveau der Jahre 2010 bis 2012 erreichen.

Wie will NNIP seine Portfolios vor den mit der Griechenlandkrise verbundenen Risiken schützen?
Von Griechenland geht derzeit ein deutliches Abwärtsrisiko aus. Doch auch bei einem Zahlungsausfall Griechenlands machen uns die Langfristperspektiven keine allzu großen Sorgen, denn die politischen Instrumente sowie der politische Wille in der EWU, die Dominoeffekte zu begrenzen, sind jetzt sehr viel ausgeprägter als noch vor ein paar Jahren. Andererseits haben sich die Märkte in letzter Zeit im Hinblick auf die kurzfristigen Risiken ein wenig zu unbeschwert gegeben. Unserer Ansicht nach rechtfertigen die kurzfristigen Risiken infolge der griechischen Situation eine gewisse Mäßigung bei unserer Exponierung, doch keine Änderung bei unserer Risikoneigung insgesamt. 

Ende Mai haben wir unsere Aktienposition von einer mittleren auf eine geringe Übergewichtung sowie unsere Staatsanleihenposition von einer mittleren auf eine geringe Untergewichtung reduziert. Letzte Woche haben wir dann unsere Immobilienposition von einer leichten Übergewichtung auf neutral zurückgefahren.

Bei Staatsanleihen von der EWU-Peripherie halten wir weiter eine geringe Übergewichtung. Hier dürfte es infolge der EZB-Käufe zu einer weiteren Spread-Verengung kommen. Insoweit haben sich die Auswirkungen der Griechenlandkrise bislang in Grenzen gehalten; die positiven Effekte der EZB-Käufe dominieren und die übrigen „Brandschneisen“ halten den Contagion-Effekt in Schach. Hinzukommen günstige Makrodaten an der Peripherie.

 

Wie wird sich eine Zinsanhebung der US-Notenbank auf die Anleger auswirken?

FRANKFURT, 18. Juni 2015 - Natixis Global Asset Management Marktkommentar. Die Erwartungen hinsichtlich einer Zinsanhebung der US-Notenbank (Fed) im Laufe dieses Jahres haben am Markt zuletzt intensive Wertschwankungen ausgelöst. Haben wir es dabei lediglich mit einer Überreaktion auf die Pläne der USA für eine baldige Normalisierung der Geldmarktpolitik zu tun oder sollten Anleger weltweit in höchster Alarmbereitschaft sein?

Experten aus den Segmenten Anleihen, Währungen, alternative Anlagelösungen und abgesicherte Aktieninvestments erläutern nachfolgend, wann die Fed ihren ersten Zinsschritt umsetzen könnte, welche Märkte dadurch am stärksten beeinflusst werden könnten und wie man sein Portfolio aktuell entsprechend aufstellen kann.


Jörg Knaf, Executive Managing Director - DACH Countries
Natixis Global Asset Management 

Seit 2009 erleben sowohl Aktien- als auch Rentenmärkte eine noch nie da gewesene Bullenphase. Normalerweise ging die positive Entwicklung des einen Segments auf Kosten des anderen. 

Das scheint sich in diesem Jahr zu ändern, denn die Rentenmärkte werden in letzter Zeit von einer zunehmenden Volatilität geprägt, was sich auch am Preisverfall erkennen lässt. Grund dafür dürfte der Eingriff der Zentralbanken in das Marktgeschehen sein.

Aber gerade daraus ergeben sich Chancen vor allem bei High-Yield-Anleihen. Diese reagieren weniger empfindlich auf Zinserhöhungen und weisen damit eine geringere Korrelation zu anderen Anlagen auf. Professionelle Anleger werden darauf allmählich aufmerksam. Die großen Volkswirtschaften wachsen langsam, aber sicher, was gerade für kleine Unternehmen gut ist.

Ob der US-Dollar steigt, die Aktien-Rallye in Europa anhält oder die Fed noch in diesem Jahr die Zinsen anhebt, da scheiden sich die Geister. Aber welche Anlagen sich in diesem Umfeld bewähren, ist klar: Flexibel gemanagte alternative Asset-Klassen werden sich behaupten können.

Dass Investoren dies erkannt haben, bestätigt auch der rege Zulauf zu diesen Asset-Klassen. Anleger sollten jedoch genau hinschauen, welche Strategien hinter den vielfältigen Anlagen stecken. Mit Multi-Asset geht nicht automatisch eine geringere Korrelation zu anderen Anlagen einher.


Rick Harrell, Senior Sovereign Analyst
Loomis, Sayles & Company

Die US-Notenbank dürfte im September dieses Jahres damit beginnen, ihre Geldmarktpolitik wieder zu normalisieren. Obwohl die Binnenkonjunktur derzeit robust ist, haben der Aufwärtstrend des US-Dollars sowie das in vielen etablierten Volkswirtschaften nur mäßige Wachstum jedoch auch negative Auswirkungen. In Verbindung mit dem jüngsten Einbruch der Energiepreise haben diese Faktoren die Inflationsaussichten gedämpft und dürften die Fed dazu veranlassen, eher vorsichtig zu agieren. Angesichts dieser Voraussetzungen gehen wir davon aus, dass die Geldmarktpolitik lediglich moderat verschärft werden wird.

Obwohl eine Anhebung der US-Leitzinsen immer näher rückt, bietet sich an den Anleihemärkten aktuell eine Vielzahl von Anlagechancen. Die Fed beabsichtigt eine baldige Zinserhöhung, weil sich die Wirtschaft des Landes doch noch aus der „großen Rezession“ befreit hat und der Konsum in den nächsten Quartalen als Wachstumstreiber dienen dürfte. Dies dürfte ein günstiges Umfeld für Spread-Produkte – insbesondere für Hochzinsanleihen – zur Folge haben.

Neben positiveren Verbraucherdaten sollten durch Hypotheken auf Wohnimmobilien abgesicherte Wertpapiere (RMBS) auch vom robusten US-Immobiliensektor profitieren. Und obwohl die Schwellenländermärkte zuletzt unter Druck geraten sind, bieten auf US-Dollar laufende Hochzins-Unternehmensanleihen aus ausgewählten Branchen und Regionen der Schwellenländer zurzeit vielversprechende Anlagechancen.

Viele Märkte für Staatsanleihen sind derzeit nicht besonders aussichtsreich. Dies gilt vor allem für Europa, wo ein Großteil dieser Anlageklasse negative Renditen aufweist. Darüber hinaus erscheint das kurze Ende der US-Staatsanleihenkurve zurzeit weniger aussichtsreich. Der Grund dafür ist eine drohende Neubewertung dieses Marktsegments angesichts einer wieder aggressiveren Strategie der Fed.


Scott Schweighauser, President, Portfolio Manager
Aurora Investment Management

Ein Umfeld steigender Zinsen könnte weitreichende Auswirkungen haben. In den USA wird man höhere Zinsen sicherlich dann zu spüren bekommen, wenn man eine Autofinanzierung, einen Studentenkredit, eine Kreditkarte oder eine Hypothek auf eine Immobilie benötigt. Darüber hinaus haben steigende Zinsen aber auch Konsequenzen für Sparkonten sowie für Investments in Aktien, Anleihen oder Hedgefonds.

Anleihen sind seit Jahren eine Art Basisinvestment in den Portfolios vieler Anleger. Bei einem Anstieg der Zinsen dürften sie diese Aufgabe jedoch wohl kaum noch erfüllen können. Vielmehr könnten die Investoren eine Chance dafür sehen, andere Anlageklassen als Instrumente zur Portfoliodiversifikation zu nutzen. Eine Möglichkeit wären etwa alphabasierte alternative Investmentstrategien, die eine lediglich geringe Korrelation zu den traditionellen Anleihemärkten aufweisen. 

Alternative Strategien: wie Manager mit Zinsanhebungen umgehen

In der Vergangenheit haben steigende Zinsen Long-only-Anleihestrategien, die auf Portfolios mit langer Duration setzen, stets vor große Herausforderungen gestellt. Im Gegensatz dazu  sind wir der Ansicht, dass sowohl volkswirtschaftlich als auch einzeltitelspezifisch orientierte Manager von steigenden Zinsen profitieren dürften. Nachfolgend finden Sie einige Möglichkeiten, mit denen Manager alternativer Anlagestrategien ihre Portfolios auf eine Zinsanhebung ausrichten könnten:

  • Vorrangig besicherte Anleihen oder besicherte Kredite mit variabler Verzinsung haben in der Vergangenheit von steigenden Zinsen profitiert, weil sich die Zinssätze dieser Anleiheinstrumente zumeist ähnlich entwickeln wie der Leitzins.
  • Eine zurückhaltende Einschätzung des Anleihemarktes oder eines bestimmten Marktsegments kann durch entsprechende Short-Positionen zum Ausdruck gebracht werden.
  • Anlagen in Rohstoffe, Metalle und andere physische Vermögenswerte könnten aussichtsreich sein, da diese in Phasen steigender Zinsen üblicherweise zulegen.

Da wir auf eine Zinsanhebung durch die US-Notenbank zusteuern, dürften viele Manager alternativer Investmentstrategien ihre taktischen Allokationen anpassen. Auf diese Weise könnten sie ihre Portfolios so ausrichten, dass sie von einem Umfeld steigender Zinsen optimal profitieren. 


Brigitte Le Bris, Head of Emerging Markets & Currency
Natixis Asset Management

Höhere US-Zinsen sollten dem US-Dollar zugutekommen, während sie Währungen mit schwachen Fundamentaldaten oder sehr niedrigen Renditen belasten dürften. Angesichts der Renditedifferenzen, die durch die divergierenden monetären Strategien in den USA sowie in anderen Industriestaaten ausgelöst worden sind, wären der Euro und der Yen wohl die ersten Kandidaten für eine weitere Abwertung.

Die Folgen steigender Zinsen für die Schwellenländerwährungen sind allerdings nicht so eindeutig. Nachdem die Devisenmärkte der Schwellenländer Anfang 2015 kurzfristig von einer allgemeinen Verkaufswelle erfasst worden sind, dürfte die Entwicklung in Zukunft differenzierter verlaufen. So stehen beispielsweise die indische und die indonesische Rupie derzeit wesentlich besser da als noch im Sommer 2013. Der Grund dafür ist der Umstand, dass das Leistungsbilanzdefizit Indiens im Jahr 2015 den Erwartungen zufolge auf 0% schrumpfen wird, während es 2012 noch –5% betrug. Diese beiden Währungen sollten sich also als widerstandsfähig erweisen. Die türkische Lira hingegen wird durch politische Rangeleien sowie eine strukturell bedingt hohe Inflation in Mitleidenschaft gezogen. Der südafrikanische Rand dürfte wegen eines schwachen Wachstums sowie infolge fehlender struktureller Reformen ebenfalls vergleichsweise stark unter Druck geraten. Allerdings rechnen wir damit, dass die schrittweise Erholung der europäischen Wirtschaft den osteuropäischen Währungen zugute kommen wird. Sie dürften ihren jüngsten Aufwärtstrend gegenüber dem Euro fortsetzen.

Auswirkungen auf Anleihen in den Emerging Markets

Bei Staatsanleihen der Schwellenländer haben die Anleger infolge der niedrigen Renditen in den Industrienationen stattdessen in Wertpapiere der Emerging Markets mit Investmentstatus investiert. Seit Anfang 2015 hat sich dieses Segment mit Blick auf den J.P. Morgan Emerging Bond-Index (EMBI) deshalb größtenteils besser entwickelt als die Hochzinskomponente. Diese wurde durch die geopolitischen Risiken in Russland und Venezuela sowie durch den Rückgang des Ölpreises beeinträchtigt.

Abgesehen davon erscheint das Segment der Hochzinsanleihen inzwischen wieder aussichtsreich. Einige lokale Märkte einschließlich der internationalen Devisenmärkte bieten derzeit günstige Anlagechancen. Dazu zählen auch Indien und Indonesien. In diesen beiden Staaten wird momentan eine ganze Reihe von Reformen umgesetzt. Die jeweiligen Volkswirtschaften machen einen vielversprechenden Eindruck. Ein weiteres Beispiel ist Brasilien: Dort befindet man sich aktuell zwar in einer massiven konjunkturellen Anpassungsphase. Doch der hohe Carry, die proaktive Vorgehensweise der Zentralbank Brasiliens sowie die derzeit forcierte Haushaltskonsolidierung, beruhigen die Anleger. 

Insgesamt bieten die Märkte für Schwellenländeranleihen nach wie vor attraktive Anlagechancen, obwohl sich die Wachstumsaussichten der Schwellenländer zuletzt eingetrübt haben und steigende US-Zinsen Risiken beinhalten. An diesen Märkten hat der Reifeprozess gerade erst eingesetzt. Allerdings müssen Anleger unter den aktuellen Bedingungen sehr selektiv agieren.

Phillip Apel: Erhöhte Anleihevolatilität und die Reaktion darauf

London – Was hat den jüngsten Anstieg der Anleiherenditen ausgelöst? Seit Ende April steigt die Volatilität an den Anleihemärkten. Anfang Juni war die Zunahme zwar besonders dramatisch (gemessen am MOVE Index* erhöhte sich die Volatilität von 82,7 am 29. Mai auf 92,2 am 4. Juni), doch auch Ende April und Anfang Mai hatten die Schwankungen bereits ähnlich stark zugenommen (siehe Abbildung).

Unseres Erachtens hat eine Reihe von Faktoren maßgeblich zum jüngsten Anstieg beigetragen:

  • Verringerte Marktliquidität, durch die Bewegungen in beide Richtungen noch kräftiger ausfallen
    • Relativ niedrige Handelsvolumina genügen schon, um ungewöhnlich
          starke Schwankungen der Renditen auszulösen, da die
          Liquiditätsbedingungen weniger robust sind als in der Vergangenheit.
       
  • Positionierung der Assetmanagement-Branche
    • In Europa, wo ein Großteil der Investoren niedrigere Renditen erwartet hat
          und sich entsprechend positionierte, kann eine Umkehrbewegung viele
          Anleger auf dem falschen Fuß erwischen. Das kann dazu führen, dass Stop-
          Loss-Marken erreicht und Anleger zur Aufgabe von Positionen gezwungen
          werden. Ein Anziehen der Renditen wäre die Folge, bevor die Betroffenen
          später vielleicht versuchen würden, auf günstigerem Niveau wieder in den
          Markt einzusteigen. Geraten etliche Anleger gleichzeitig in diese Lage, kann
          das die Renditen in einem Markt, in dem sich die meisten Akteure auf
          niedrigere Renditen eingestellt haben, nach oben treiben. 
    • Möglicherweise hatten quantitative Hedgefonds-Strategien maßgeblichen
          Anteil an einigen Bewegungen in den vergangenen Monaten – manche
          haben am Rückgang der europäischen Renditen auf Rekordtiefstände sehr
          ordentlich verdient. Es lässt sich schwer abschätzen, auf welchem Niveau
          diese Fonds einen Richtungswechsel der Renditen erwarten. Im Fall
          massenhafter Umschichtungen ist aber mit sehr unruhigen Märkten und
          möglicherweise scharf anziehenden Renditen zu rechnen. 

Die Äußerung Mario Draghis, die Anleger sollten sich auf eine höhere Volatilität an den europäischen Staatsanleihemärkten einstellen, könnte ebenfalls eine Rolle spielen, wobei wir diesem Faktor keine allzu große Bedeutung beimessen.

Positionierung der Anleger

Momentan herrscht unter Anlegern weit weniger Einigkeit als im vergangenen Jahr. Wie die Zahlen belegen, waren die meisten Marktteilnehmer 2014 bei Anleihen aus Industrieländern für steigende Renditen positioniert. Die Rechnung ging jedoch nicht auf, da die Renditen weiter nachgaben. Inzwischen lässt sich unter Anlegern und Portfoliostrategen nur schwer Konsens darüber finden, in welche Richtung sich die Anleiherenditen in Kontinentaleuropa künftig bewegen werden. Risikomanagement bleibt ein Hauptanliegen der Marktteilnehmer, wobei sich volatile Börsen negativ auf die Portfolios auswirken könnten.

Anpassung der Portfolios

Bei Henderson wurde die Asset-Allokation der diversifizierten Anleiheportfolios nicht wesentlich verändert. Wie wir unsere Trades im Einzelnen umsetzen, kann aber davon beeinflusst werden, wie volatil einige Märkte sind. Zum Managen von Verlustrisiken setzen wir in verschiedenen Bereichen auf Optionen, das heißt Trades werden so strukturiert, dass der maximale Verlust von Anfang an begrenzt ist. Diese Strategie hat bei erhöhten Marktschwankungen besonderen Charme, da es ausgesprochen schmerzhaft sein kann, bei einem Trade auf der falschen Seite zu stehen, wenn die Kursbewegungen deutlich stärker ausfallen als erwartet. Mit Optionen lässt sich dieses Risiko verringern.

Aktuell zeigen die längeren Laufzeiten eine schlechtere Performance als die kürzeren. Wir waren darauf gut vorbereitet, speziell in Kontinentaleuropa. Nachdem seit Jahren kein Anstieg der kurzfristigen Zinsen in Europa erwartet worden war, sind die Renditen bei Bonds mit kürzeren Laufzeiten nach wie vor robuster als bei denen mit längerer Laufzeit. Sollte das Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank die gewünschten inflationären Effekte haben, erwarten wir einen Rückgang der Nachfrage nach Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten, da höhere Inflationserwartungen die Attraktivität der aktuell erhältlichen Anleiherenditen schmälern dürften.

Unseres Erachtens sind die Renditen in Großbritannien, den USA und Kontinentaleuropa aus fundamentaler Sicht zu niedrig. Allerdings war es sicher klug, sich nicht gegen Marktentwicklungen zu stemmen, die das Werk von Notenbanken waren. Durch stark fallende (oder steigende) Kurse an den Märkten, wie jüngst erlebt, eröffnen sich jedoch häufig taktische Gelegenheiten, wenn es zu Übertreibungen in die eine oder andere Richtung kommt. Längerfristig denkenden Anlegern werden sich daher Möglichkeiten bieten, kurzfristige Marktanomalien zu nutzen.

Kurzfristige Risiken, langfristige Chancen

Gegenwärtig scheint es so, als müssten sich Rentenanleger mit einer Marktvolatilität herumschlagen, wie sie in der Vergangenheit nur Aktienanleger kannten. An den meisten Märkten ist die Volatilität auf dem Vormarsch – wenn auch von sehr niedriger Ausgangsbasis, nachdem sie durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken längere Zeit künstlich niedrig gehalten worden war. Angesichts der Möglichkeit, dass die Schwankungen an den Anleihemärkten infolge negativer Entwicklungen in Griechenland zunehmen, haben einige unserer stärker diversifizierten Fonds die Gelegenheit ergriffen und einen Teil ihres Engagements in kontinentaleuropäischen Hochzinsanleihen mit Hilfe von Derivaten abgesichert.

Volatilität muss nicht immer etwas Negatives sein. Für Anleger können sich interessante Gelegenheiten eröffnen, kurzfristige Kurseinbrüche zu nutzen – vorausgesetzt, sie glauben an die langfristige Story ihrer Investments.

* MOVE Index: Merrill Lynch Option Volatility Estimate Index 

Über den Manager:
Phillip Apel leitet das Institutional Fixed Income Team und ist Mitglied der Fixed Income Investment Strategy Group (ISG) seit deren Gründung im Jahr 2005. 2012 übernahm er mit der Ernennung zum Head of Diversified Fixed Income and Rates die Leitung der ISG. Er kam 2005 als Leiter der Abteilung Zinsstrategie zu Henderson Global Investors und gründete das Rates Alpha Team, um die Risiken in den festverzinslichen Portfolios von Henderson zu steuern. Seine Laufbahn in der Investmentbranche begann Phillip Apel 1988 als Assistant Fund Manager bei Sun Life of Canada. Danach wechselte er als Rentenfondsmanager zu UBS Global Asset Management und wurde dort Leiter der Abteilung UK Fixed Income und Global Sovereign Strategy. Als Mitglied im Investment Committee war er für die Vermögensaufteilung verantwortlich. Sein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Nottingham hat er mit einem Bachelor (Hons) abgeschlossen. Zudem ist er Mitglied der CFA UK.

Er managt den Henderson Horizon Total Return Bond Fund (ISIN: LU0756065164, WKN: A1JX0G).

Über Henderson Global Investors: 
Henderson Global Investors, eine hundertprozentige Tochter der Henderson Group, ist eine weltweit tätige Anlageverwaltungsgesellschaft mit erstklassiger Reputation, deren Geschichte bis ins Jahr 1934 zurückreicht. Henderson managt ein Anlagevermögen von 123,5 Mrd. EUR (Stand: 31. März 2015) für Kunden im Vereinigten Königreich, in Kontinentaleuropa, der asiatisch-pazifischen Region und Nordamerika. Die Zahl der Beschäftigten des Unternehmens beträgt ca. 900 weltweit. Zu den Kunden zählen sowohl Privatanleger, Privatbanken und externe Vertriebsgesellschaften als auch Versicherungen, Pensionskassen, staatliche Organe und Unternehmen. Als reiner Anlageverwalter bietet Henderson eine Produktpalette, die von Aktien und Anleihen über Multi-Asset-Produkte bis hin zu alternativen Produkten reicht.

Weitere Informationen finden Sie unter www.henderson.com.

AXA IM aktuell: Die US-Wirtschaft expandiert wieder

Nach einem holprigen Start im ersten Quartal zieht die Konjunktur in den USA langsam wieder an.

Der Start der US-Wirtschaft ins Jahr war schwach. Doch nun gibt es laut Eric Chaney, Chef-Ökonom bei AXA Investment Managers (AXA IM), Signale für eine Erholung. Wann genau das sein wird, sei zwar noch unsicher. „Doch die Anzeichen mehren sich, dass die Schwäche zu Beginn des Jahres nur ein vorübergehendes Phänomen war“, sagt Chaney.

Was war passiert? Schwächere Stimmungsindikatoren und eine geringe Industrieproduktion ließen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 1. Quartal annualisiert um lediglich 0,2 Prozent steigen. Der Konsum legte zwar etwas zu, doch Unternehmensinvestitionen, Staatsausgaben und Nettoexporte dämpften das Wirtschaftswachstum. Dafür verantwortlich seien vermutlich unter anderem der lange Winter im amerikanischen Nordosten, niedrigere Investitionen im Ölsektor nach dem Ölpreisrückgang, der starke US-Dollar und Einmaleffekte durch die Hafenarbeiterstreiks an der Westküste gewesen, so das Research-Team rund um den Chef-Ökonomen. „Wir erleben damit ein ähnliches Wachstumsmuster wie Mitte der 1980er Jahre, als ebenfalls ein starker Ölpreisverfall zu einer Konjunkturdelle führte und langfristig das Wachstum beschleunigt hat“, erklärt Chaney. In den nächsten Monaten dürfte es seiner Ansicht nach nun deutlichere Anzeichen für eine Konjunkturbeschleunigung und mehr Konsum durch steigende Realeinkommen geben.


Surprise-Gap-Index spricht für Erholung

Überrascht hat nach Ansicht des Experten zum Beispiel die hohe Differenz zwischen der Industrieproduktion im April und den Auftragseingängen drei Monate zuvor (Surprise-Gap). Seit Juni vergangenen Jahres war der Index stetig gesunken, was auf eine Rezession hindeutete. Mit Beginn des 2. Quartals liegt er nun wieder im Plus und signalisiert damit, dass sich die Wirtschaft im Expansionsmodus befindet. Auch die Fundamentaldaten haben sich, so Chaney, in jüngster Zeit verbessert: Die wahrgenommene Arbeitslosenrate sinkt, wenn auch nicht ganz so schnell wie die tatsächlich gemessene. 


Investments in Immobilien gewinnen an Fahrt

Weiterhin rechnet Chaney damit, dass der private Konsum und Immobilieninvestitionen die Binnennachfrage wieder ankurbeln werden. Im ersten Quartal hatten sich die Verbraucher in Relation zu ihrem Einkommen mit Ausgaben zurückgehalten. Der Research-Chef vermutet, dass die Wetterbedingungen und Zweifel am Andauern der niedrigen Energiepreise Gründe dafür waren. Infolgedessen stieg die Sparquote. Diese Situation sollte sich laut Chaney nun wieder entspannen, vorausgesetzt, die Häuserpreise steigen weiterhin, wovon er jedoch ausgeht: „Immobilieninvestitionen sollten an Fahrt gewinnen angesichts des historisch niedrigen Niveaus und nach wie vor sehr niedrigen Hypothekenzinsen.“

Auch die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat kürzlich geäußert, dass sie die Konjunkturschwäche im Wesentlichen für vorübergehend hält. Obwohl sie ihre Wachstumsprognose zurückgenommen hat, geht sie davon aus, dass die Wirtschaft „moderat“ wachse und die Risiken ausgewogen seien. Zuletzt bestätigte das Federal Open Markt Committee (FOMC) seine Ansicht, dass die Inflationsrate sich allmählich wieder der Marke von 2 Prozent annähern wird. Für Chaney ist daher “eine Anhebung des Leitzinses innerhalb der nächsten sechs Monate sehr wahrscheinlich. Vorausgesetzt, die Lage auf dem Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter positiv.“


Empfehlung: Treasuries langfristig untergewichten

Die schwachen US-Konjunkturdaten hatten im ersten Quartal kaum Einfluss auf die Anleihemärkte und die Renditen stiegen an. Das Anziehen der Wirtschaft, die voraussichtliche Einleitung der Zinswende noch in diesem Jahr sowie die Lohnkosten sprechen laut Chaney langfristig für Investments in Aktien. Aufgrund der hohen Liquidität rechnet er außerdem damit, dass M&A-Aktivitäten von US-Unternehmen wieder anziehen werden. US-Staatsanleihen empfiehlt Chaney aufgrund der weniger anleihefreundlichen Konjunkturdaten auf Dauer unterzugewichten. 

GAM: „Deutsche Aktien: Die aktuelle Marktkorrektur eröffnet Anlegern Chancen“

In diesem Jahr könnte der deutsche Aktienmarkt ein Gewinnwachstum von gut zehn Prozent aufweisen. Das erwartet Oliver Maslowski, Manager des JB German Value Stock Fund in einem aktuellen Marktkommentar. Die attraktive Bewertung deutscher Aktien dürften auch jene Investoren anziehen, die bislang nur schwach in Aktien investiert sind. „Der Nachholeffekt von Investoren, die immer noch zu niedrig in Aktien investiert sind, wird auch dem deutschen Aktienmarkt zugutekommen“, sagt Maslowski. Der momentane Stimmungseinbruch sollte deshalb im Rahmen einer konträren Investitionsphilosophie eher als Chance gesehen werden. 

Kurzfristige Unsicherheit erhöht Volatilität
„Die aktuelle Korrektur des Aktienmarktes reflektiert die Turbulenzen auf dem deutschen Staatsanleihemarkt“, erklärt der Fondsmanager. Seit April sind kräftige Zinserhöhungen zu verzeichnen, wobei das Zinsniveau immer noch eher niedrig einzustufen ist. Der deutliche Zinsanstieg führte ebenfalls zu starken Währungsschwankungen. „Die kurzfristige Unsicherheit zeigt sich an einem deutlichen Anstieg der Volatilität deutscher Aktien“, so der Experte weiter. Der VDAX, ein Indikator für die erwartete Schwankung der Aktienkurse, befindet sich wieder auf Höchstständen wie zu Beginn des Jahres. Im Zuge der Marktkorrektur nähert sich der DAX seiner 200-Tage-Durchschnittslinie, die momentan bei 10.500 Punkten liegt.

Optimistischer Ausblick für das zweite Halbjahr 2015
„Aus fundamentaler Sicht bestätigt das erste Quartal eine optimistische Haltung für 2015“, betont Maslowski. In der vergangenen Berichtssaison der DAX-Unternehmen lagen die Umsätze vier Prozent und die Gewinne gar neun Prozent über den Erwartungen. Im zweiten Halbjahr kommt es nach Ansicht von Maslowski vor allem darauf an, mit einer marktkonträren Strategie auf dem deutschen Aktienmarkt Alpha zu erzielen.

Aktien mit solidem Gewinn- und Umsatzwachstum dürften belohnt werden
Hier sieht der Experte zwei Ansatzpunkte: Zum einen untergewichtet Maslowski die aktuellen Indexschwergewichte in seinem Portfolio. Der Grund: Aktien mit einer aktuell hohen Marktgewichtung im Deutschen Aktienindex, wie BASF, Bayer oder Deutsche Telekom, verzeichneten zwangsläufig eine starke Performance. Allerdings sei das Kurspotenzial bei diesen historischen Gewinnern angesichts eines nahezu sechsjährigen Wertzyklus begrenzt. „Die Bewertung erscheint angesichts des Gewinnwachstums ausgereizt“, sagt der Experte. Zum anderen dürften in einem Umfeld mit niedrigen Wachstumsraten und hoher Gewinnvolatilität Aktien mit einem soliden Umsatz- und Gewinnwachstum mit stetig steigenden Gewinnmultiplikatoren belohnt werden. Ein Paradebeispiel hierfür ist Freenet AG, die Anlegern eine hohe Gewinn- und Dividendenvisibilität bietet. „Weitere Unternehmen mit solidem Gewinnwachstum findet man in den Sektoren Informationstechnologie, Konsum und Industrie“, sagt Maslowski. Als Beispiele nennt er Dialog Semiconductor, Tui AG und Sixt. 

Historische Vermögensverdopplung im DAX alle zwölf Jahre
„Blickt man auf die vergangenen 50 Jahre, zeigt sich, dass deutsche Aktien eine ertragreiche Anlageform sind, die dem langfristigen Vermögensaufbau dient“, sagt der Fondsmanager. In den vergangenen fünf Jahrzehnten betrug die geometrische Rendite deutscher Aktien 6,2 Prozent pro Jahr. „Das entspricht einer Vermögensverdopplung alle zwölf Jahre“, erklärt Maslowski. „Zudem weisen deutsche Aktien viel häufiger positive als negative Renditen auf. Die Größenordnung liegt bei 2 zu 1“, so der Experte weiter. 

Fondsdaten (B-Anteile/akkumulierend, in EUR)
ISIN: LU0048167497
Fondsname: Julius Baer Multistock - German Value Fund 
Auflegungsdatum: 15.12.1993
Fondsdomizil: Luxemburg
Rechtliche Struktur: SICAV nach Luxemburger Recht
Anlageverwalter: GAM Investment Management (Switzerland) AG
Verwaltungsgesellschaft: GAM (Luxembourg) S.A.
Basiswährung: EUR
Benchmark: Composite DAX Index (CDAX) GD
Verwaltungsgebühr: 1,20% p.a.

ETF Securities - Wöchentlicher Marktüberblick 16.05.2015

Rohstoffe
Platin behauptet den Trend unter den Edelmetallen mit den größten Mittelzuflüssen seit 19 Wochen. Der Energiesektor stand im Mittelpunkt einer schwachen Woche am Rohstoffmarkt. Anhaltende Unsicherheiten in Griechenland und steigende geopolitische Risiken dürften kommende Woche wahrscheinlich weiterhin unterstützende Impulse für Edelmetalle geben. Am Rande davon hat der starke US-Dollar derzeit nachteilige Auswirkungen auf den Rohstoffmarkt. Allerdings glauben wir, dass ein nachhaltig steigender US-Dollar die Gewinne bei Rohstoffen auf kurze Sicht zwar einschränkt, die steigenden Wirtschaftsaktivitäten die Rohstoffmärkte auf lange Sicht jedoch unterstützen. Da Rohstoffe in USD notieren, können europäische Investoren einen Währungsgewinn erzielen, falls ihre lokale Währung gegen den USD abwertet – das Ergebnis aus unterschiedlichen Geldmarktpolitiken und einem trägen Wirtschaftswachstum in Europa.

Berichte über mögliche Streiks in Goldmienenunternehmen in Südafrika haben Investoren anscheinend unverzüglich dazu bewogen, die größten Summen seit ende Januar in Long Platinum ETPs zu investieren. Südafrika ist traditionell bekannt für Arbeitsunruhen, derzeit herrschen Auseinandersetzungen zwischen den zwei größten rivalisierenden Gewerkschaftsverbänden NUM und AMCU bezüglich den Mindestlöhnen für Goldmienenarbeiter. Palladium wird auf dem niedrigsten Stand seit über zwei Jahren gehandelt, nachdem die Anzeichen rückläufiger Automobilabsätze in China durch den Chinesischen Automobilverband bestätigt wurden. Auf Jahressicht fielen die Absätze im Mai um 0,4 Prozent, Palladium reagierte darauf negativ.

Trendumkehr bei Mittelflüssen in ETFS Industrial Metals (AIGI). Investoren bevorzugen aktuell breit gestreute Produkte auf Industriemetalle gegenüber Einzelrohstoffen. ETFS Industrial Metals (AIGI) verzeichnete 8 Mio. US-Dollar an Mittelzuflüssen, den größte Zufluss seit drei Wochen, da sich fundamentale Bedingungen für eine Reihe von Industriemetallen zuspitzen. Während sich einzelne Industriemetalle weiterhin entsprechend ihren Fundamentaldaten bewegen, gehen wir davon aus, dass zunehmende Wirtschaftsaktivitäten aus China und Europa vorteilhaft für den gesamten Industriemetallkomplex sein sollten, da die Zentralbanken beider Nationen weitere Maßnahmen zur Förderung ihres jeweiligen Wirtschaftswachstums planen.

Energiepreisanstiege sorgen für Mittelabflüsse aus Long Öl ETPs zum 12. Mal in Folge pro Woche, da Investoren eine kurzfristige Korrektur erwarten. Weitere 39,3 Mio. USD an Mittelabflüssen wurden letzte Woche aus Long Öl-ETPs verzeichnet, da eine mögliche Korrektur befürchtet wird. Die Anzahl an US-Ölförderanlagen scheint sich beim aktuellen Preis zu stabilisieren, lediglich vier Anlagen wurden letzte Woche geschlossen. Die Long-Positionierungen von Investoren in Brent und WTI gingen im Vergleich zum Vormonat um 44 Prozent bzw. 5 Prozent zurück, dies deutet auf eher pessimistischen Ansichten hin.

Divergierende Mittelabflüsse aus Landwirtschaftsprodukten, allen voran, aus Weizen und Kaffee. Allumfassende Preisrückgänge führten letzte Woche zu Mittelabflüssen aus Landwirtschafts-ETPs. Der größte Mittelabfluss im Landwirtschaftssektor seit Januar wurde mit 5,6 Mio. USD aus Weizen-ETPs verbucht. Die USDA hat die Vorhersage zum Weizenangebot überraschen angehoben. Weizenpreise stiegen zuvor aufgrund von starken Regenfällen in den Hauptanbaugebieten in den USA.

Aktien
Positive Indikationen von MSCI lassen China A-Aktien steigen. Für MSCI stellt sich die Frage „wann“ und nicht „ob“ sie die lokal gehandelten chinesischen A-Aktien in ihre Emerging Market Benchmark hinzufügen. MSCI gab bekannt, dass sie bereits mit Chinas Wertpapieraufsichtskommission zusammenarbeiten, um die letzten Hürden für eine Aufnahme zu überwinden. Weiteres würden sie mit der Bekanntgabe zur Aufnahme nicht unbedingt bis zur jährlichen Indexüberprüfung warten. Sofern die Reformen im aktuellen Tempo vorangehen, ist es sehr wahrscheinlich, dass MSCI‘s Bedenken zur Kapitalmobilität, Verteilung der Anteile und Eigentum schnell geklärt sind. Dies würde den Weg zur Aufnahme von lokal gehandelten Aktien in den Emerging Market Index, welcher derzeit ca. 1,5 Bio. USD beinhaltet, frei machen.

Bedenken zu Griechenlands unsicherer Finanzlage bleiben bestehen, weswegen die europäischen Aktienmärkte aktuell auch tiefer handeln.

Währungen
Divergierende Rohstoffwährungen. Aufgrund schwacher Rohstoffpreise, sinkender Importpreise und einer signifikanten Lohninflation hat sich die Reserve Bank of New Zeland letzte Woche daher entschieden, ihren Leitzins zu senken, was zur Abwertung des NZD führte. Weitere Leitzinssenkungen sind möglich, da die Währung trotz einer Abwertung seit April weiterhin überbewertet ist. 
Die Reserve Bank of Australia bleibt ebenfalls friedlich. Der jüngste Ölpreisanstieg unterstützte den NOK und den CAD, weswegen die Rohstoffwährungen weiter auseinander driften. Der Euro geriet durch die mangelhaften Fortschritte bezüglich Griechenlands Verhandlungen mit ihren Gläubigern unter Druck. Nach dem sich der IWF aus den Verhandlungen zurückgezogen hat, wird das Risiko für ein dramatisches Ende zwischen der griechischen Regierung und ihren Gläubigern immer wahrscheinlicher. 
Der USD bleibt für Investoren ein sicherer Hafen, solange die FED an ihren Indikationen festhält, die Zinsen im September zu erhöhen. 

Staatsanleihen: Renditen nach langer Abwaertsphase wieder in der Spur

Rothschild & Cie Gestion Marktkommentar, Paris / Frankfurt, 16. Juni 2015 – Ausgelöst durch den Renditesprung der deutschen Bundesanleihen von 0,05 Prozent auf 1,05 Prozent verzeichneten die europäischen Zinsmärkte in den vergangenen Wochen eine deutlich negative Performance. Der drastische Anstieg der Renditen europäischer Staatsanleihen hat Anleger nicht nur in seinem Ausmaß, sondern auch in seinem Timing und seiner Art auf dem falschen Fuß erwischt. 

Deswegen lohnt ein Vergleich der jüngsten Entwicklungen mit früheren Quantitative Easing-Phasen in den USA und in Großbritannien. So bilden sich üblicherweise während der Durchführung von Anleiherückkaufprogrammen zwei unterschiedliche Entwicklungsphasen auf den Zinsmärkten aus: Zunächst erfolgt eine konstante Abwärtsbewegung der Nominalzinsen, die mit der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken einhergeht. Dem folgt eine zweite Phase anziehender Nominalzinsen parallel zum Anstieg der Inflationserwartungen.

Im Falle der aktuellen Korrektur am Rentenmarkt überrascht jedoch die Tatsache, dass der Renditesprung der Bundesanleihen zu einem Anstieg der Realzinsen geführt hat – das jedoch ohne eine nennenswerte Veränderung der Inflationserwartungen. So verzeichneten die negativen deutschen Realzinsen eine deutliche Zunahme von -1,40 Prozent auf -0,75 Prozent, während sich die Inflationserwartungen nur geringfügig um 15 Basispunkte von 1,70 Prozent auf 1,85 Prozent (für die 5y5y Forward Inflation Rate) verändert haben.

Fokus auf mittleres Laufzeitensegment mit Rating zwischen BBB und BB

Seit diversen Monaten begrenzen wir die Folgen eines Renditeanstiegs bei Staatsanleihen der Kernländer. Um das Portfolio gegen langfristige Zinsänderungen zu immunisieren, ist eine flexible Verwaltung und Positionierung mit Schwerpunkt auf das mittlere Laufzeitensegment, genauer bei drei- bis fünfjährigen Papieren, erforderlich. Dieses Segment konnte sich angesichts des steilen Anstiegs der Renditekurve am besten behaupten und bot die höchsten Renditeaufschläge. Dazu wurde das Zinsrisiko über Futures weiter reduziert. Einer der Gründe für die positive Entwicklung der kurzfristigen Renditen ist zweifellos die Leitzinspolitik der EZB, die auf eine Stabilisierung der Renditen kurzfristiger Anleihen auf niedrigem Niveau abzielt.

Außerdem haben wir frühzeitig begonnen, Performancepotenziale durch Steuerung des sogenannten Kreditrisikos bei Unternehmensanleihen zu nutzen. Sind aktuell die üblichen Benchmarks einem erheblichen Zinsänderungsrisiko ausgesetzt, fokussieren wir uns hingegen auf ein intelligentes Ausnutzen unterschiedlicher Ratings. Deswegen bevorzugen wir im aktuellen Umfeld Unternehmensanleihen mit einer Bewertung zwischen BBB und BB. Dieses so genannte Crossover-Segment, das zwischen der Investment Grade- und High Yield-Kategorie liegt, umfasst Emittenten mit solider Liquidität und einem hohem Free Cashflow. Dieser ist das Ergebnis erfolgreicher Umstrukturierungsmaßnahmen in den Unternehmen nach der Finanzkrise, wie etwa der Restrukturierung von Geschäftsaktivitäten oder Rentabilitätssteigerungen. Diese Emittenten dürften von den verbesserten Wachstumsperspektiven profitieren.

Renditeanstieg wird in Etappen und mit höherer Volatilität erfolgen

Die Rentenmärkte könnten in den kommenden Quartalen noch volatil bleiben. Die Intraday-Volatilität wird immer ausgeprägter, so dass Schwankungen von 10 bis 20 Basispunkten während eines Handelstages keine Seltenheit mehr sind. Die Nominalzinsen dürften jedoch nicht linear und in gleichem Tempo weiter steigen, sondern in Etappen und mit starken Schwankungen. Der Aufwärtstrend der Renditen bei europäischen Staatsanleihen entspricht einer Normalisierung nach einer langen Abwärtsphase, in der die normalen Bewertungen von Anleihen gewissermaßen „aus den Fugen“ gerieten. Die Folge waren negativen Renditen und die Entstehung einer Blase.

Wahrscheinlich wird die Bundesanleihe in den kommenden Monaten eine neue Marke durchbrechen. Im Gegensatz zur derzeitigen Renditeentwicklung, die man als Korrektur völlig unangemessener Realzinsen betrachten kann, könnten sich die Konjunkturdaten und Inflationserwartungen in der Eurozone, die sich unserer Ansicht nach bis zum Jahresende weiter verbessern werden, als echte Katalysatoren erweisen.

Einfluss von Makro-Trends auf Unternehmensgewinne – ein Blick aus der Vorstandsetage

In den aktuellen „Macro Insights“ analysieren die Experten von Goldman Sachs Asset Management (GSAM) die aktuellen Makro-Trends und ihren Einfluss auf die Gewinne der Unternehmen – aus Sicht der Vorstandsetagen. Die vollständigen „GSAM Macro Insights“ auf Englisch können Sie dem Anhang links entnehmen.


Neben den Auswirkungen des starken US-Dollars auf die Unternehmensgewinne wurde in letzter Zeit viel darüber diskutiert, wie andere Top-down-Themen diese beeinflussen können. Ergebnisberichte, Gespräche mit Managern und Daten zum Unternehmensverhalten liefern allesamt Einblicke in die Art und Weise, wie Unternehmensverantwortliche auf derzeitige Makro-Trends reagieren. Während unsere Wertpapierauswahl unabhängig von diesen Themen erfolgt, sind die damit verbundenen Herausforderungen durchaus relevant für unsere Anlageentscheidungen. Ebenso wie der unterschiedliche Erfolg, den Unternehmensstrategien zur Lösung jener Hürden haben können.

Der aktuelle M&A-Boom mit dem höchsten Transaktionsvolumen seit zehn Jahren ist nicht nur auf die vielfach starken Unternehmensbilanzen mit hohen Barbeständen zurückzuführen, sondern auch zum großen Teil dem makroökonomischen Umfeld zu verdanken. Das schwache globale Wirtschaftswachstum führte verstärkt zu Branchenkonsolidierungen, während Akquisitionen aufgrund der niedrigen Zinsen in vielen Fällen attraktiver sind als Bargeld zu horten. Die geringe Volatilität hat zudem das Vertrauen in die Wirtschaftlichkeit von Transaktionen gestärkt. Aus Allokationssicht bevorzugen wir deal-bezogene Emissionen, um von Unternehmen zu profitieren, die erneut das verbesserte Kreditumfeld nutzen. Bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen bleiben wir weiterhin vorsichtig gegenüber Titeln und Sektoren, die M&A-Aktivitäten als Wachstumsstrategie nutzen. 

Im ersten Quartal haben viele Unternehmen verstärkt die Auswirkungen folgender drei Makro-Themen zu spüren bekommen: Ölpreisschwankungen, schwache Inflation und die ungleichmäßige globale Nachfrage.

Nachhaltiger Ölpreisanstieg unwahrscheinlich

Der dramatische Ölpreisverfall hat einige Sektoren weniger hart getroffen als erwartet. Im Gegenteil: Viele Unternehmen konnten von niedrigeren Betriebskosten profitieren, die das Gewinnwachstum trotz gedämpfter Nachfrage gestützt haben. Enttäuschenden Quartalsberichten wurde hingegen größere Aufmerksamkeit geschenkt. Insbesondere im Einzelhandel sind die Verkäufe im bisherigen Jahresverlauf schleppend verlaufen. Viele US-Bekleidungsfirmen haben ihre Gewinnschätzungen für das erste Quartal verfehlt. Diese Entwicklung überrascht, da angesichts der niedrigeren Benzinpreise mit höheren Verbraucherausgaben gerechnet worden war. Auch dürfte die aktuelle Ölpreis-Stabilisierung kaum Auswirkungen auf die Gewinnerwartungen für das kommende Quartal haben. Aufgrund des hartnäckigen Überangebots an Öl ist ein nachhaltiger Preisanstieg auf über 60 US-Dollar je Barrel weiter unwahrscheinlich. 

Strategie: Im Rahmen unserer Anleihen- und Aktienstrategien konzentrieren wir uns auf Unternehmen, die den niedrigeren Ölpreisen über längere Zeit standhalten können. Wir halten ein begrenztes Engagement in Energieaktien von Unternehmen höherer Qualität bei. Die Explorations- und Produktionsbranche, in der wir unser Exposure durch ausgewählte High-Yield-Titel erhöht haben, ist attraktiver als die Dienstleistungsindustrie. 

Steigende Gehälter als Vorboten der Inflation?

Der globale Trend zu niedrigen Inflationsraten ist ein zweischneidiges Schwert: Während die geringeren Betriebskosten für viele Branchen positiv sind, ist die Preisgestaltung in einem Umfeld relativ schwacher Nachfrage begrenzt. Bis jetzt haben die Unternehmen immer noch Wege gefunden, um ihre Margen zu steigern. Dabei setzten sie hauptsächlich auf Kosteninitiativen wie eine schlankere Beschaffung, strategische Übernahmen und gezielte Preiserhöhungen. Angesichts des sich abzeichnenden Lohndrucks könnte die Kosteneindämmung jedoch schwieriger werden. In den USA deuten inzwischen mehrere Indikatoren auf eine abnehmende Flaute am Arbeitsmarkt hin, nachdem die Arbeitslosigkeit zuletzt auf ein Sieben-Jahres-Tief von 5,4 Prozent gesunken ist. Steigen die Preise schneller als die Lohnstückkosten, können Unternehmen höhere Gewinne einfahren. Von steigenden Lohnstückkosten sehen wir dieses Jahr keine große Gefahr für die Gewinnmargen ausgehen – vor allem nicht in Europa, wo die Arbeitslosenquote hartnäckig bei über 11 Prozent verharrt. Dies ist jedoch ein schwacher Trost für alle europäischen Industrieschwergewichte, die im letzten Quartal mit einer Stagnation die schlechteste Preisentwicklung seit zehn Jahren verzeichnet haben. 

Strategie: In den USA hat die Ausweitung der EBITDA-Margen geholfen, die Auswirkungen des schwachen Umsatzwachstums zu mildern. Die verbesserten Margen haben das Gewinnwachstum und die Aktienkurse beflügelt, was die Aktienbewertungen in die Höhe trieb. Dank letzterem Phänomen ist das Verhältnis der Schulden zum Börsenwert relativ konstant geblieben, obwohl sich die Unternehmen weiter verschuldet haben. Diese Entwicklung stützt unsere selektive Übergewichtung von Unternehmensanleihen. Allerdings sind wir vorsichtig gegenüber Sektoren, die stärker zu einer Neuschuldenaufnahme neigen, wie der Gesundheits- und Pharmasektor. Die Wachstumsaussichten der USA beurteilen wir positiv, sehen aber inzwischen bei US-Aktien aufgrund der Bewertungen am oberen Ende der historischen Spanne weniger Anlagegelegenheiten als in anderen Märkten. Unsere Anleihen- und Aktienteams halten nach Anzeichen für Inflationsdruck Ausschau. Dieser hätte nicht nur das Potenzial, raschere Zinserhöhungen seitens der US-Notenbank auszulösen, sondern könnte auch den Margen schaden. Margenrückgänge und eine schwache Umsatzentwicklung könnten die Gewinne und die Aktienkurse belasten, was wiederum an der Anlagendeckung für Anleihen und Kredite zehren würde.

Globale Nachfrage nach wie vor schleppend

Trotz des anziehenden globalen Wirtschaftswachstums spüren viele Unternehmen weiterhin die weltweite Nachfrageschwäche. In den USA ist die Konsumnachfrage zuletzt unter Druck geraten. Europa liefert unterdessen ein gutes Beispiel für ein sich abzeichnendes Szenario zweier unterschiedlicher Geschwindigkeiten: Während in den Peripherieländern Spanien und Italien der Konsum gerade für eine überraschende Trendwende sorgt, macht Deutschland die Wachstumsverlangsamung in China zu schaffen. Insbesondere die deutschen Autobauer haben an der sinkenden Nachfrage auf dem weltgrößten Absatzmarkt zu knabbern. Im Gegensatz dazu läuft die Automobilbranche in Japan auf vollen Touren. Grund dafür ist die dramatische Yen-Abwertung durch die japanische Nationalbank. Die Expansion der aggressiven Geldpolitik in Japan und Europa hat auch andere Länder in den Lockerungsmodus wechseln lassen, damit sie ihren Anteil am preissensiblen Weltexportmarkt verteidigen können. Dieser „Abwertungswettlauf“ setzt einige Sektoren erheblich unter Druck. So hat der Einzelhandel in Hongkong schwere Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen, da es chinesische Verbraucher aufgrund der Yen- und Euro-Schwäche nach Japan und Europa zieht. Zu den ermutigenderen Entwicklungen in Europa gehört der jüngste Trendwechsel bei der Kreditvergabe an den Privatsektor, die im März erstmals seit drei Jahren wieder positiv war. Sofern die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern zu einer Lösung führen und damit die aktuellen Gefahren für Europas Erholung entschärfen, gibt es dort Spielraum für weitere Wachstums- und Investitionsverbesserungen in diesem Jahr. 

Strategie: Der Aufschwung in der Eurozone befindet sich noch in einem relativ frühen Stadium. Wir gehen aber davon aus, dass sich die Kombination aus quantitativer Lockerung, Euro-Schwäche und saniertem Finanzsektor als positiver Treiber für den europäischen Aktienmarkt erweisen wird. Im späteren Jahresverlauf sehen wir im Zuge einer an Fahrt gewinnenden Konjunktur Potenzial für eine Aufwärtskorrektur der Gewinnprognosen. Japanische Aktien halten wir für attraktiv, weil sie günstig bewertet und die Unternehmen mittlerweile stärker auf Aktionärserträge fokussiert sind. Hinzu kommen solide Fundamentaldaten dank rekordhoher Unternehmensgewinne. Letztere wurden durch den schwächeren Yen begünstigt, während die Lohninflation den Binnenkonsum antreiben dürfte.

Fazit

Insgesamt konnten wir aus den jüngsten Ergebnisberichten vor allem zwei Erkenntnisse gewinnen: Erstens haben es die Unternehmen trotz Umsatzproblemen geschafft, ihre Margen zu steigern. Zweitens könnten europäische Aktien bald mehr Anlagechancen bieten als ihre US-Pendants.

GAM Marktkommentar: Missachtung der Investoren macht Zykliker attraktiv

Europas Aktienmarkt zerfällt derzeit in zwei Teile. Das verdeutlicht Hans Ulrich Jost, Manager des JB Euroland Value Stock Fund: „Die eine Hälfte des Marktes, defensive Titel aus Sektoren wie Healthcare, Telekommunikation, Versorgung, Informationstechnologie und Basiskonsumgüter, wird zu historisch hohen Bewertungen gehandelt. Die andere Hälfte besteht aus zyklischen Sektoren, Aktien von Banken, Versicherungen, Industrieunternehmen, Grundstoffunternehmen oder Ölkonzernen. Diese werden von Investoren links liegen gelassen, obwohl sie vom anziehenden Wachstum in Europa profitieren, und sind daher sehr niedrig bewertet.“ Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liege bei diesen Titeln zwischen sieben und elf, während defensive Werte für das 25-Fache des Jahresgewinns gehandelt würden. Dies mache zyklische Aktien attraktiv für Anleger. Wann es zu einer Trendumkehr komme, sei nicht genau vorhersagbar, aber die derzeitige Situation sei nicht nachhaltig.

 

Die Zweiteilung des Marktes führe darüber hinaus zu einem interessanten Paradox: Einerseits suchten Investoren verzweifelt nach attraktiven Ausschüttungen, weil die Anleiherenditen sich nahe am Nullpunkt bewegten und auf dem Anleihemarkt in den kommenden Jahren zudem das Risiko negativer Erträge bestehe. Andererseits gäben sich dieselben Investoren damit zufrieden, teure Aktien zu kaufen, die kaum Aussicht auf weiteres Dividendenwachstum böten. „Das liegt daran, dass die betreffenden Unternehmen bereits 70 Prozent ihres freien Cashflows ausschütten und zugleich in den vergangenen fünf Quartalen negative Gewinnrevisionen hinnehmen mussten“, so der Fondsmanager. Im Gegensatz dazu liege die Ausschüttungsquote der Unternehmen in Josts Portfolio lediglich bei 30 Prozent des freien Cashflows. „Der Grund dafür liegt im Schuldenabbau im Nachgang der Finanzkrise“, erläutert Jost. „Dieser Prozess ist nun abgeschlossen und wir beobachten, dass Unternehmen wieder höhere Ausschüttungsquoten ankündigen.“

Als Beispiel für einen attraktiven zyklischen Titel nennt der Experte die Aktie von HeidelbergCement, dem zweitgrößten Zementhersteller der Welt. Dieser habe auf einer Investorenveranstaltung ein Gewinnwachstum vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von derzeit 2,3 Milliarden Euro auf 4 Milliarden Euro im Jahr 2019 in Aussicht gestellt. „Dies mag aggressiv klingen, ist aber sicher realistisch“, so Jost. Schließlich profitiere das Unternehmen nicht nur von organischem Wachstum, sondern auch vom schwachen Euro-Wechselkurs, vom niedrigen Ölpreis und der Wiederauffüllung von Lagerbeständen.

Michael Lai: Reformen stützen den chinesischen Aktienmarkt

  • Konjunkturdaten deuten darauf hin, dass Chinas Wirtschaft derzeit eher fragil ist.
  • Der Manager des GAM Star China Equity glaubt allerdings, dass die Reformagenda der Regierung den Aktienmarkt weiter stützen wird.
  • Abgesehen von einzelnen Sektoren wie Basiskonsumgüter oder Energie ist der Markt zudem noch relativ günstig bewertet. 

 

 

Fidelity Marktkommentar: In Europa auf zyklische Aktien setzen

Kronberg im Taunus, 15. Juni 2015 – Matthew Siddle, Fondsmanager des Fidelity European Growth Fund:

„Die europäische Wirtschaft wird aktuell von mehreren Faktoren gestützt. So kurbeln die Stimulusmaßnahmen der Europäischen Zentralbank EZB das Wachstum in Europa weiter an. Der nach wie vor niedrige Ölpreis erhöht die Kauflaune der europäischen Verbraucher und der gegenüber wichtigen Handelswährungen schwache Euro verschafft europäischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil.

Auch die größere Kreditbereitschaft der Banken und die günstigeren Finanzierungsbedingungen dürften für weiteres Wachstum der europäischen Unternehmen sorgen. Das sollte die zuletzt positive Dynamik bei den Gewinnkorrekturen in Europa untermauern. In den vergangenen Wochen sind sie ins Plus gedreht, nachdem die Unternehmensgewinne zuvor 210 Wochen in Folge nach unten revidiert worden waren. Auch beim Vergleich mit anderen Regionen steht Europa bei den Gewinnkorrekturen wieder gut da.

Interessant ist auch, dass derzeit die Geldmenge M1, Kennzahl für das im Umlauf befindliche Bargeld, schneller wächst als 2009 nach der Finanzkrise. In den letzten 15 Jahren war die Beschleunigung der Umlaufgeschwindigkeit der Geldmenge M1 ein guter Indikator für einen folgenden Anstieg der Aktivität in der Industrie.

Die größte Gefahr für dieses positive Gesamtumfeld geht von politischen Unwägbarkeiten aus, vor allem von der Schuldenkrise in Griechenland. Auf kurze Sicht könnten hiervon Schwankungen an den Aktienmärkten ausgehen. Möglichen Ansteckungsgefahren dürfte die EZB mit ihrem quantitativen Lockerungsprogramm jedoch entgegenwirken. Außerdem bestehen die Verbindlichkeiten Griechenlands inzwischen überwiegend gegenüber der EZB und dem Internationalen Währungsfonds IWF. Das federt die negativen Folgen einer Pleite Griechenlands für das europäische Finanzsystem ab.

Nach der Rally seit Jahresbeginn liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse europäischer Aktien basierend auf künftigen Gewinnen mittlerweile über dem Niveau ihrer langjährigen Durchschnittswerte und die Kurs-Buchwert-Verhältnisse auf diesem Niveau. Aber verglichen mit US-Aktien und Unternehmensanleihen sind Aktien aus Europa nach wie vor günstig. Und Zykliker werden verglichen mit defensiven Aktien weiterhin auf günstigem Niveau gehandelt, obwohl die Gewinne ersterer kräftiger gestiegen sind.

Insgesamt habe ich daher die stärker binnenwirtschaftlich orientierten defensiven Branchen unter- und die zyklischen Branchen übergewichtet. Innerhalb der zyklischen Konsumgüterbranche gewichte ich vor allem attraktiv bewertete Medientitel über. Besonders interessant finde ich Werbeagenturen wie Publicis mit soliden langfristigen Fundamentaldaten, die in den Schwellenländern und der Online-Werbung stark vertreten sind.

Übergewichtet habe ich auch die Gesundheitsbranche. Aufgestockt habe ich beispielsweise Roche und Smith & Nephew, einen Anbieter von Medizintechnik. Vorteilhaft war auch die Übergewichtung der Technologiebranche, in der ich das Engagement seit Jahresbeginn kontinuierlich erhöht habe. Dabei habe ich die günstigen Kursniveaus genutzt, um einen Bestand bei SAP aufzubauen. Seit Jahren erwirtschaftet der Softwareentwickler nicht nur starke Erträge, sondern erzielt auch ein über dem Markt liegendes Gewinnwachstum. Zweifel an der Fähigkeit des Softwarehauses, den Wettbewerb im wachsenden Cloud-Geschäft auf Abstand zu halten, haben den Kurs auf ein langjähriges Tief fallen lassen. Ich bin aber überzeugt, dass SAP, auch wenn es spät auf den Zug aufgesprungen ist, inzwischen über eine starke Cloud-Sparte verfügt. Parallel dazu baut es sein Kerngeschäft weiter aus.

Auch Energiewerte gewichte ich derzeit über, denn der Ölmarkt pendelt sich wieder ein. Dabei sind die Reservekapazitäten äußerst niedrig, während die Zahl der aktiven Förderanlagen und das Produktionswachstum in den USA rapide abnehmen. Zugleich erholt sich dank niedriger Preise die Nachfrage langsam wieder. Trotz Übergewichtung in der Energiebranche sind Rohstoffe als Ganzes in meinen Fonds schwächer vertreten als im Vergleichsindex, denn auf Eisenerz oder andere Metalle trifft das Argument der Wiederherstellung des Marktgleichgewichts nicht zu. Banken habe ich ebenfalls untergewichtet, den spanischen Bankenriesen Banco Santander beispielsweise habe ich gar nicht im Portfolio. Dies trifft auch auf Versorger- und Telekommunikationsaktien zu, denen immer noch strukturelle Probleme zu schaffen machen.“

Bedeutung von Dividenden an der Gesamtrendite von Aktien steigt

Kronberg im Taunus, 11. Juni 2015 – Caroline Pearce, Investment Director bei Fidelity Worldwide Investment:

„Der sechs Jahre andauernde Bullenmarkt hat die Aktienbewertungen nach oben gezogen, die Unternehmensgewinne sind in diesem Zeitraum jedoch kaum gestiegen. Nun wäre ein spürbares Gewinnwachstum notwendig, um nachhaltig steigende Kurse zu sehen. Allerdings sind kaum Anzeichen für stark wachsende Unternehmensgewinne zu erkennen. Dividenden dürften deshalb in der kommenden Zeit einen größeren Anteil am Gesamtertrag von Aktien einnehmen. Empfehlenswert ist es, auf Unternehmen zu setzen, die sich durch eine nachhaltige Rentabilität und gesundes Dividendenwachstum auszeichnen. Diese Strategie bietet sowohl eine gute Absicherung nach unten, falls die Märkte fallen, als auch die Möglichkeit, langfristig starke Erträge zu erzielen.

Gute Chancen bestehen vor allem bei Unternehmen aus dem Gesundheitswesen. Sie bieten nicht nur gute Dividenden, sondern auch starke Bilanzen, eine hohe Cash Conversion und eine aussichtsreiche Produkt-Pipeline. Dagegen sollte eine Investition in Energie- und Rohstofftitel – traditionell gute Dividendenzahler – besonders sorgfältig analysiert werden. Die Geschäftsmodelle hängen stark von der Entwicklung der Rohstoffpreise ab, was klare Vorhersagen schwierig macht. Im schlimmsten Fall müssen die Unternehmen entweder Investitionen drastisch kürzen, was sich negativ auf das künftige Wachstum auswirken wird, oder sie senken die Dividenden.

Die größte Herausforderung für ertragsorientierte Aktienanleger ist die Aussicht auf steigende Zinsen, denn das dürfte den Wettbewerb um das Kapital insgesamt erhöhen. Einige Aktien würden in diesem Szenario leiden. Unternehmen mit starken Bilanzen und niedriger Verschuldung dürften in einem Umfeld steigender Zinsen dagegen gefragt sein. Anleger sollten sich deshalb auf Dividendenwachstum fokussieren, anstatt einfach in Titel mit hoher Rendite zu investieren. Ich gehe aber davon aus, dass die Zinsen noch eine ganze Weile niedrig bleiben werden.“

„Beste Gewinnzahlen im EuroStoxx-Index seit 2010 – positive Entwicklung geht noch weiter“

Die europäischen Unternehmen sind so gut in das Jahr gestartet wie seit vielen Jahren nicht mehr. Diese Ansicht vertritt die LBBW Asset Management zum bevorstehenden Ende der Q1-Berichtssaison. „In Europa sehen wir die besten Gewinnzahlen seit dem dritten Quartal 2010“, sagt Markus Zeiß, Manager des LBBW Dividenden Strategie Euroland. So haben per Ende Mai 58 Prozent aller Unternehmen des EuroStoxx-Index ihre Gewinnerwartungen übertroffen, und 64 Prozent konnten zudem ihre Umsatzerwartungen übertreffen. „Das ist der beste Wert seit fünf Jahren“, erklärt Zeiß. 

Der Experte geht davon aus, dass die positive Entwicklung der europäischen Aktien noch weiter geht: „Das Risiko für eine Korrektur ist derzeit relativ gering“, sagt Zeiß. Er erwartet, dass sich die Marktstimmung in den kommenden Monaten nicht wesentlich verändert. Als wichtige Gründe nennt Zeiß die Euro-Schwäche gegenüber dem US-Dollar sowie die Zins- und Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. 

Nach dem starken Anstieg des EuroStoxx-Index um rund 24 Prozent im ersten Quartal erwartet Zeiß, dass sich die positive Entwicklung fortsetzt, mit einer größeren Korrektur sei nicht vor dem Herbst zu rechnen. Fundamental spreche die Lage aber weiter für europäische Aktien: „Die Analysten gehen in Europa von einem Gewinnanstieg zwischen zwölf und 13 Prozent aus“, sagt Zeiß. Die Kursrückgänge des DAX und des EuroStoxx-Index seit Mai erklärt der Fondsmanager mit einer technischen Reaktion auf den Einbruch am Anleihemarkt: „Hier haben die Wertsicherungssysteme gegriffen: Aktieninvestoren haben Gewinne mitgenommen, was zu einem leichten Dominoeffekt geführt hat.“ Für die kommenden Monate sei auch für europäische Aktien von entscheidender Bedeutung, wie sich die Zinsen und die Konjunktur in den USA entwickelten, denn davon hänge unter anderem auch der Euro-US-Dollar-Wechselkurs ab.

Positive Entwicklung bei Technologie- und Finanzwerten

Besonders erfreulich sei die Entwicklung bei vielen Technologie- und bei Finanzwerten gewesen: „Die Unternehmen aus diesen Branchen konnten bei Gewinn und Umsatz die Analystenerwartungen zum Teil deutlich übertreffen, nicht zuletzt durch positive Währungseffekte aufgrund der Euro-Schwäche“, sagt Zeiß. Zahlreiche Banken profitierten von einer anziehenden Kreditnachfrage. Außerdem konnten einige Institute in laufenden Verfahren günstige Urteile erstreiten, für die sie höhere Rückstellungen gebildet hatten. 

Nach Ansicht von Zeiß lohnt sich aktuell auch ein Blick auf den Industriesektor: „Steigende Konjunkturerwartungen dürften bei vielen Industriewerten zu einer Dividendenrendite führen, die im Vergleich zu Low-Beta-Branchen sehr attraktiv ist. Anders sieht seine Einschätzung für Hersteller von Haushaltswaren aus: „Im Haushaltsgüter-Sektor gibt es schon hohe Bewertungen bei gleichzeitig abnehmenden Wachstumsraten und einer verhältnismäßig geringen Dividendenrendite“, erklärt Zeiß. 

Sell in May…

Anders als in früheren Jahren sei in diesem Jahr der April nicht einer der besten, sondern der bislang schlechteste Monat für Aktien gewesen. „In gewisser Weise hat der April die Entwicklung des in der Regel schwachen Börsenmonats Mai vorweg genommen“, sagt Zeiß. Für achtsame Anleger habe diese Entwicklung aber auch Chancen eröffnet: „Es konnten gut gelaufene, überbewertete Aktien verkauft, und viel versprechende Aktien zu guten Preisen gekauft werden“, so Zeiß.

Fidelity Asset-Allocation-Barometer: Aktien, Japan und zyklische Konsumgüter übergewichten

Kronberg im Taunus, 10. Juni 2015. 

Das Asset-Allocation-Barometer spiegelt die Meinung von Fidelity Solutions, dem Multi-Asset-Team von Fidelity Worldwide Investment, wider.

Trotz der starken Marktbewegungen in den vergangenen Wochen hat sich an den grundlegenden Rahmenbedingungen wenig geändert. Die Korrektur des US-Dollar-Höhenflugs hat zu erheblichen Marktschwankungen geführt. Aber nach wie vor ist das Konjunkturumfeld für Aktien förderlich, die wir deshalb übergewichten. Rohstoffen kommt zwar der schwächere US-Dollar zugute, ihnen schlägt aber weiter Gegenwind entgegen. Bei den Unternehmensgewinnen heben sich Japan und Europa positiv vom Rest der Welt ab, weshalb wir beide Märkte übergewichten. Am stärksten untergewichtet haben wir derzeit die Schwellenländer. Nach wie vor lastet das schwache Wachstum in China auf den aufstrebenden Märkten trotz der starken Kursentwicklung an den chinesischen Aktienmärkten. Unsere Übergewichtung in der zyklischen Konsumgüterbranche haben wir im Monatsverlauf verringert und die Untergewichtung in der Versorgerbranche ausgebaut.

Anlageklassen: Aktien übergewichtet

Wir haben die Übergewichtung in Aktien beibehalten. Das weltweite Wirtschaftswachstum setzt seinen Trend fort, die Geldpolitik bleibt weiter locker. Anleihen gewichten wir unter. Nach unserer Einschätzung wird die Fed die Zinsen früher anheben als viele Marktteilnehmer erwarten. Dafür sprechen der starke Trend am Arbeitsmarkt und Anzeichen, dass die Inflation die Talsohle durchschritten hat. Leicht untergewichtet haben wir Rohstoffe. Die Reaktion auf der Angebotsseite beim Öl setzte im Oktober ein und dürfte sich bald in einem Produktionsrückgang niederschlagen. Die Fundamentaldaten für Immobilien sind günstig. Höhere Zinsen könnten aber die Bewertungen von REITs unter Druck bringen.

Aktien nach Regionen: Japan und Europa übergewichtet

In US-Aktien sind wir untergewichtet. Im ersten Quartal hat sich das Wirtschaftswachstum in den USA verlangsamt. Zudem lastet der starke Dollar auf den Unternehmensgewinnen. Aktien aus Japan gewichten wir über. Beflügelt werden sie von den Stimulusmaßnahmen der japanischen Notenbank. Auch Aktien aus Europa haben wir überdurchschnittlich stark gewichtet. Für Rückenwind sorgen hier die Unternehmensgewinne. Zudem profitiert die Region weiterhin von der quantitativen Lockerung der Europäischen Zentralbank EZB. Leicht übergewichtet sind wir in Aktien aus Großbritannien. Die Wirtschaftsdaten bessern sich zusehends, und der Wahlausgang hat die Märkte positiv überrascht. Von der Erholung lässt sich unseres Erachtens am besten über inländische Nebenwerte profitieren, denn die Large-Caps reagieren empfindlicher auf Entwicklungen bei den Energiepreisen. In den Schwellenländern sind wir nach wie vor untergewichtet. Der starke Dollar, die Wachstumsabkühlung in China und die schwachen Rohstoffpreise machen ihnen weiter zu schaffen.

Aktien nach Branchen: Zyklische Konsumgüter übergewichtet, rohstoffempfindliche Branchen untergewichtet

Unsere Übergewichtung in der zyklischen Konsumgüterbranche haben wir nach starker Kursentwicklung etwas zurückgefahren. Aber trotz gestiegener Benzinpreise sind die Rahmenbedingungen dank steigender Löhne und Immobilienpreise weiter verbraucherfreundlich. Leicht übergewichtet bleiben wir in der Technologiebranche, der eine Erholung der US-Wirtschaft zugutekommt. Zu unseren Favoriten gehört ferner die Gesundheitsbranche mit ihrer starken Produkt-Pipeline. Die Untergewichtung in der Energie- und der Werkstoffbranche haben wir reduziert, da der Ausblick für die Ölpreise wieder ausgewogener ist. Dennoch könnten die Kurse von Energieunternehmen weiter fallen, denn noch haben die Märkte das Überangebot nicht gänzlich verdaut. Die zinsempfindlichen Versorger gewichten wir unter, in der stärker konsumsensitiven Basiskonsumgüterbranche sind wir neutral positioniert.

Währungen: US-Dollar bevorzugt

Den US-Dollar haben wir leicht übergewichtet. Mit der zwischenzeitlichen Flaute der US-Wirtschaft hat der Dollar zwar an Boden verloren. Auf längere Sicht wird die Fed unseres Erachtens aber die erste große Zentralbank sein, die die Zinsschraube anzieht. Untergewichtet sind wir im japanischen Yen. Wegen der geldpolitischen Stimulusmaßnahmen der dortigen Zentralbank wird die japanische Währung wohl weiter schwächeln. Im Euro sind wir neutral positioniert. Der Abwärtsdruck auf die Gemeinschaftswährung hält an angesichts der EZB-Maßnahmen. Vom aufgehellten Konjunkturausblick geht jedoch ein gewisser Rückenwind für den Euro von seinem aktuell niedrigen Niveau aus. Das Pfund Sterling haben wir neutral gewichtet. Die Wirtschaftsdaten in Großbritannien bessern sich zwar, die Inflation ist jedoch auf dem Rückzug. Ungewiss ist die fiskalpolitische Richtung, weshalb die Bank of England bislang nicht an der Zinsschraube dreht.

Japan: Die aufgehende Sonne scheint

Patrick Moonen, Senior Strategist Multi Asset bei NN Investment Partners.

Japan hat in diesem Jahr bislang am besten abgeschnitten. Der japanische Markt gefällt Anlegern: überlegenes Gewinnwachstum, lockere Geldpolitik, hohe Aktienrisikoprämien und die Aussicht auf Strukturreformen sowie eine verbesserte Corporate Governance überzeugen.

Bislang wurden die Ertragserwartungen nach oben korrigiert. Hinzu kommt, dass die Gewinnzuwächse nicht nur von einem schwächeren Yen und höherem Wirtschaftswachstum – also konjunkturellen Faktoren – getrieben werden, sondern auch vom strukturellen Wandel im Verhalten der Unternehmen. In der Tat vollzieht sich derzeit ein grundlegender Wandel in der japanischen Wirtschaft, der von institutionellen Kräften  vertikal „top down“ forciert wird. Der Fokus  hierbei liegt auf Shareholder Value. So regt der neue Corporate Governance Code, der im Juni in Kraft tritt, an, Ertragsziele zu setzen und die strategischen Gründe für Überkreuzbeteiligungen darzulegen. Gleichzeitig animiert der „Japan Stewardship Code“ Investoren dazu, sich entschiedener für ihre Interessen einzusetzen. Nicht zuletzt sollen Steuerreformen den effektiven Kapitaleinsatz fördern.  Tatsächlich zeigen diese Maßnahmen bereits Wirkung in Form gestiegener Aktienrückkäufe und höherer Dividenden. 2014 stieg das Dividendenvolumen mit 12 Billionen Yen auf einen neuen Rekordwert – das entspricht  einer Verdoppelung der 2009 getätigten Ausschüttungen. Im Laufe der Zeit wird sich daraus ein stärker westlich-orientiertes RoE-Niveau sowie ein höheres Kurs-Buchwert-Verhältnis ergeben.

Bis dahin dürfte „Abenomics“ weiterhin Fortschritte machen, nicht zuletzt auch deswegen, weil Premierminister Abes Liberaldemokratische Partei (LDP) jetzt über stärkeren Rückhalt verfügt, um Strukturreformen durchzusetzen. Aus den Regionalwahlen im April ging die LDP als beherrschende Kraft in der gegenwärtigen politischen Landschaft hervor. Die in der aktuellen Legislaturperiode eingebrachten Gesetzesentwürfe zielen darauf ab, das Wachstum der japanischen Wirtschaft auf ein strukturell höheres Niveau zu heben.

Die Bank of Japan (BoJ) ist ihrerseits bereit, erforderlichenfalls am Markt zu intervenieren. Die Inflation ist bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben, daher hat die BoJ den voraussichtlichen Zeitpunkt für das Erreichen des Zielwertes von 2 Prozent von 2015 auf das erste Halbjahr 2016 verschoben. Ohne zusätzliche Lockerungsmaßnahmen könnten die Marktteilnehmer die Entschlossenheit der BoJ, dieses Ziel zu erreichen, indes in Zweifel ziehen.

Auch die Bewertung spricht für japanische Aktien. Der Risikoaufschlag auf japanische Aktien beträgt 4,8 Prozent. Das entspricht einer Standardabweichung von 1,6 vom Langfristdurchschnitt und liegt 0,5 Prozent über dem weltweiten Durchschnitt. Was das KGV betrifft, liegen die japanischen und europäischen Aktienmärkte in etwa gleichauf. Um Unterschiede bei der Sektorenzusammensetzung bereinigt, notieren japanische Aktien jedoch mit einem 12%igen Abschlag. Von insgesamt zehn Sektoren sind nur zwei – Versorger und Health Care – teurer bewertet als die Titel aus der Eurozone. Beim KBV sind japanische Werte sogar um 27 Prozent billiger, was allerdings auf die niedrigeren ROE-Niveaus japanischer Unternehmen zurückzuführen ist (6,8 Prozent ggü. 8,9 Prozent in der EWU). Wie  beschrieben wird Japan unserer Auffassung nach aufgrund des sich strukturell ändernden Wirtschaftsverhaltens allmählich zu den anderen Regionen aufschließen.

Last but not least sind auch Preis- und Kapitalflussdynamik positiv. Insofern gibt es überzeugende Gründe, nicht nur an unserer Übergewichtung festzuhalten, sondern sie noch weiter auszubauen.

OPEC bekräftigt Produktionsobergrenze bei 30 Mio Barrel pro Tag

Gutes Wetter sorgte diese Woche für eine Outperformance bei landwirtschaftlichen Rohstoffen. Für Kaffee wurden geringere Ernteerträge aufgrund von möglichen Ernteschäden während des brasilianischen Winters befürchtet. Weizen legte auf Wochensicht über 7 Prozent zu, da sich die Qualität des Winterweizen verschlechterte und potentielle Regenfälle die Ernte möglicherweise verzögern. Da El Nino voraussichtlich das gesamte Jahr anhalten wird, sind Wetterbedingungen wahrscheinlich weiterhin die Hauptursache für volatile Märkte im Bereich der Agrargüter. Wie erwartet hat das OPEC-Kartell seine aktuelle Richtung beibehalten. Der besser als erwartete US-Arbeitsmarktbericht von Freitag könnte für einen aufwertenden US-Dollar sorgen und damit den Druck auf Rohstoffe diese Woche erhöhen.

Die höchsten Mittelzuflüsse in Erdgas ETPs seit Dezember 2014. Der Preis für US-Erdgas fiel letzte Woche um weitere 3 Prozent (7 Prozent im letzten Monat), was dazu führte, dass Investoren, die einen günstigen Einstieg abwarteten, 19,2 Mio. USD in Long Natural Gas ETPs investierten. Höher als erwartete Lagerbestände belasteten den Preis. Die Sommerzeit in den USA ist saisonbedingt mit einer hohen Nachfrage für Erdgas für Klimaanlagen verbunden. ETC-Investoren beurteilen anscheinend den jüngsten Preisrückgang als eine übertrieben Abweichung und hoffen auf eine verstärkte Nachfrage während der Sommer Monate.

Das Überangebot am Ölmarkt führt zu 37,2 Mio. USD Mittelabflüssen aus Long Öl ETPs. Darüber hinaus flossen Investorengelder in Short Öl ETPs, was die bärische Stimmung am Markt unterstreicht. Investoren haben mehrheitlich erwartet, dass die OPEC an ihrer Produktionsobergrenze von 30 Mio. Barrel pro Tag festhalten wird, was entsprechend zu Mittelabflüssen aus Long Öl Produkten führte. Die spekulativen Long Positionen in ICE Brent Futures fielen um über 35 Prozent auf den tiefsten Stand seit Anfang April. Die OPEC konzentrierte sich auf die steigende Ölnachfrage als leitendes Argument für ihre Entscheidung. Tatsächlich produziert die OPEC über 31 Mio. Barrel pro Tag, jedoch behauptete das Kartell, zukünftig näher an ihrer festgelegten Obergrenze von 30 Mio. Barrel festzuhalten. Dies wurde als bullisches Signal interpretiert, wobei wir dennoch skeptisch bleiben. Wir gehen davon aus, dass der Markt bezüglich Angebotskürzung von nicht OPEC Produzenten zu optimistisch ist und es könnte ein entsprechender Preisrückgang bevorstehen bevor es zu einer tatsächlichen Angebotsverknappung kommt. Möglicherweise bietet dies wiederum Einstiegschancen für Investoren. Obwohl die Anzahl an Ölförderanlagen um 60 Prozent zurückging, blieben US-Lagerbestände im Vergleich zum historischen Durschnitt hoch. Die US-Rohöllagerbestände fielen zwar zum fünften Mal in Folge, aber mit steigender Produktion im Iran, Irak und Syrien könnte das weltweite Angebot sich weiter ausdehnen. Das OPEC-Kartell hat bestätigt, bis zu ihrer nächsten Sitzung die Auswirkungen von rückläufigen Investitionen auf das Angebot zu untersuchen. Derzeit beschäftigen sie sich mit der der Auswirkung von ausbleibenden Investitionen auf die Stabilität der Ölproduktion. Die OPEC hat nicht Mitgliedstaaten aufgefordert, ebenfalls zur Stabilisierung des Ölmarkts beizutragen. Allerdings haben einige Märkte, darunter die Schieferölindustrie keine Foren für eine gemeinsame Kooperation, da sie aus vielen kleinen unabhängigen Firmen besteht. Daher wird eine Zusammenarbeit mit der OPEC unwahrscheinlich bleiben. Betrachtet man die Auslastung von Saudi Arabiens Kapazitätsreserven, könnte die anpassungsfähige US-Schieferölindustrie eine wichtige Rolle zur Ausgleichung des globalen Angebots bei steigender Nachfrage spielen.

Aktien
China A-Aktien Investoren warten auf MSCI. Nach dem jüngsten starken Einbruch am chinesischen Aktienmarkt folgte letzte Woche ein Anstieg von 7,5 Prozent auf ein 7-Jahreshoch, da Investoren darauf wetteten, dass MSCI sich für eine Aufnahme der chinesischen A-Aktien in den EM-Index entscheiden würden. Dieser Fortschritt würde anfänglich mit einer Obergrenze von 1 Prozent eingeführt werden, jedoch könnte die Aufnahme der A-Aktien weitere Mittelzuflüsse ausländischer Fonds mit sich bringen und die aktuelle Rallye weiter unterstützen. Die Sorgen um Griechenland ließen europäische Aktien weiter fallen. Die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands bremst die Rallye am europäischen Aktienmarkt, welche Anfang 2015 begann. Obwohl ihre Zahlungsaufforderungen an den IWF auf Ende Juni vertagt wurden, bleiben die europäischen Aktienmärkte volatil, bis Klarheit über eine Einigung zur Staatsverschuldung erzielt werden kann und das Ausmaß dieser Einigung bekannt ist.

Währungen
US-Dollar Schwäche wird wahrscheinlich nicht lange anhalten. An Volatilität hat es letzte Woche am Währungsmarkt mit Sicherheit nicht gefehlt, als die Politik veranlasste, dass der EUR/USD in einer weiten Handelsspanne 1,09 und 1,14 handelte. Obwohl der IWF auf eine spätere Zinserhöhung beharrt, hält die FED nach guten Arbeitsmarktdaten an ihrem Zieldatum September fest. Ein schrittweiser und klar kommunizierter Zinsanstieg in Verbindung mit einer gesunden Haushaltsbilanz unterstützt durch die FED, wird die wirtschaftliche Erholung in den USA nicht beeinträchtigen, aber den US-Dollar weiterhin unterstützen sein. Nachdem die US-Arbeitsmarktdaten ein Hauptindikator für eine straffere Zinspolitik durch die FED sind, werden zudem die Einzelhandelsumsätze diese Woche für mehr Klarheit zur Haushaltsbilanz in den USA geben und zeigen, ob die Q1 Ergebnisse tatsächlich nur eine Abweichung waren. Die Volatilität im GBP wird voraussichtlich nach Gouverneur Carney’s Aussage im Parlament zur Inflation (das Hauptereignis für UK-Investoren) weiter anhalten.

Fliehen Anleiheinvestoren im Sommer in die Hügel?

„Noch stützen ordentliche Fundamentaldaten die Kredit- und Aktienmärkte. Doch die Dinge können sich schnell ändern, und vor uns könnte durchaus ein Sommer mit hoher Volatilität, griechischem Drama und einer Flucht zu den Hügeln liegen.“
Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers

Die Renditen von Bundesanleihen sind seit Anfang April um bis zu 100 Basispunkte (1 Prozentpunkt) angestiegen. Das führte zu Kursverlusten von 7 Prozent bei zehnjährigen und stolzen 20 Prozent bei 30-jährigen Anleihen. „Die Frage, ob die Kursbewegungen im zweiten Quartal den Anfang eines Bärenmarktes darstellen, ist deshalb ziemlich redundant“, erklärt Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers. „Es war ein Bärenmarkt. Am Aktienmarkt würde ein Kurssturz um 20 Prozent einen Bärenmarkt darstellen – und genau das ist es, was die Inhaber lang laufender Staatsanleihen gerade erleiden mussten.“

Allerdings bestehe ein Bärenmarkt in der Regel aus mehreren Phasen. „Angesichts der Komplexität des globalen Anleihemarktes wäre es zu einfach zu sagen, dass es das war und wir nun wieder höhere Renditen sehen werden“, so Iggo. „Ich bin sicher, dass wir bisher noch keine Kapitulation der Anleihe-Investoren gesehen haben. Das könnte allerdings geschehen, wenn Phase zwei des Bärenmarktes eintritt. „Vor uns könnte durchaus ein Sommer mit hoher Volatilität, griechischem Drama und einer Flucht in die Hügel liegen.“

Was aber könnte diese Flucht  auslösen? Für Iggo gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Die eine ist eine echte Veränderung der Geldpolitik durch die US-Notenbank Fed, die andere eine anlageklassenübergreifende Flucht von Investoren aus riskanten Assets. Die Fed müsste die kurzfristigen Zinsen so stark anheben, dass sie real wieder positiv werden, also um 150 bis 200 Basispunkte. „In diesem Fall würden die Renditen von Treasuries in die Höhe schießen und die Auswirkungen auf alle Anlageklassen wären sehr negativ“, erklärt Iggo. „Aber es ist nur schwer vorstellbar, dass dies in nächster Zeit geschieht. Dazu ist die US-Konjunktur nicht stark genug – und auch die Inflation ist nach wie vor niedrig.“

Auch das zweite Szenario stellt für Iggo keine unmittelbare Gefahr dar: „Es ist schwer, derzeit systematisch schlechte Nachrichten aus den Unternehmen oder irgendeine besorgniserregende Verschlechterung auf den Kreditmärkten zu finden“, so der Experte. „Die Unternehmen sind liquide, nicht überschuldet und werden zudem kaum durch Zinszahlungen belastet. Die Kreditnachfrage ist so stark wie immer. Kurz: Auf Unternehmensanleihen und High Yield Bonds zu setzen und gleichzeitig die Duration kurz zu halten, bleibt weiterhin vernünftig.“

GAM Marktkommentar: Die Rallye in Europa ist erst zur Hälfte vorbei

Ein Kontinent auf Erholungskurs: Europäische Aktien haben Investoren in den vergangenen zwölf Monaten stattliche Gewinne gebracht. Niall Gallagher, Fondsmanager des GAM Star European Equity und des GAM Star Continental European Equity, geht jedoch davon aus, dass dies längst noch nicht alles war: „Unser Ausblick ist optimistisch. Wir glauben, dass wir bisher nur die erste Hälfte der Erholungsrallye an Europas Aktienmärkten gesehen haben.“ Dieser Teil des Kursanstiegs sei vor allem durch eine Neubewertung der Unternehmen getrieben worden, also durch einen Anstieg von Bewertungskennziffern wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Die zweite Hälfte der Rallye dürften dagegen steigende Unternehmensgewinne bestimmen. „Die ökonomischen Rahmenbedingungen sehen gut aus für steigende Gewinne“, erläutert Gallagher. „Zunächst einmal sind viele problematische wirtschaftliche Ungleichgewichte verschwunden. Aus Leistungsbilanzdefiziten in den Peripherieländern sind Überschüsse geworden. Und viele der Länder stehen auch kurz davor, Haushaltsüberschüsse zu erreichen.“ Zudem stehe das europäische Bankensystem heute dank besserer Ausstattung mit Eigenkapital viel stärker da als noch vor wenigen Jahren. Und schließlich habe auch der deutliche Rückgang des Ölpreises die europäische Wirtschaft gestärkt – die Kaufkraft der Konsumenten ebenso wie die Leistungsstärke der Unternehmen.

Gallagher setzt daher aktuell vor allem auf Unternehmen, die von der Erholung der Wirtschaft profitieren – insbesondere in Peripherieländern wie Spanien oder Irland. Im Portfolio finden sich daher beispielsweise die Aktien von Spaniens größtem Free-TV-Unternehmen Mediaset Espana oder dem irischen Bauunternehmen Grafton Group. Und auch die ebenfalls irische Fluglinie Ryanair steht bei Gallagher hoch im Kurs. „Wir glauben, dass das Unternehmen eine starke Bedrohung für die derzeit führenden Airlines darstellt“, so der Fondsmanager. Das gelte insbesondere für den deutschen Markt, wo Ryanair den eigenen Marktanteil in den kommenden Jahren von 4 auf 25 Prozent ausbauen wolle.

Tim Love: 90 Prozent Kurspotenzial in den Emerging Markets

  • Der Manager des JB Emerging Equity Fund erklärt, dass die globale Investment-Community Aktien aus Schwellenländern untergewichtet hat.
  • Daraus ergibt sich enormes Potenzial: Viele Titel könnten sich in den nächsten drei Jahren verdoppeln. Der Markt insgesamt bietet seiner Berechnung nach 90 Prozent Aufwärtspotenzial.
  • Anleger sollten vor allem nach Aktien mit guten Wachstumschancen und hoher Eigenkapitalrendite Ausschau halten – ohne dabei Kompromisse in Sachen Bewertung einzugehen. 

Enzo Puntillo: Die Schwellenländer entwickeln sich sehr unterschiedlich 

  • Den Manager des JB Emerging Opportunities Bond Fund beschäftigt derzeit vor allem, wie unterschiedlich sich die verschiedenen Schwellenländer in wirtschaftlicher Hinsicht entwickeln.
  • In vielen Ländern Osteuropas, in Indien und in Korea befindet sich die Wirtschaft in einer relativ fortgeschrittenen Phase des Konjunkturzyklus. Dort ist das Wirtschaftswachstum stark. In China oder Südafrika verlangsamt sich das Wachstum dagegen, in Russland und Brasilien gibt es sogar Rezessions-Tendenzen.
  • Derzeit bieten vor allem Devisen aus Ländern mit Wirtschaftswachstum Chancen. Auf der Anleiheseite sind brasilianische Papiere in Lokalwährung interessant.

 

 

Frontier Markets – Die Rolle neuer Technologien im Demokratisierungsprozess

von Michael Levy, Fundmanager des Baring Frontier Markets Fund.

Politische Stabilität, Demokratie und ein unabhängiges Rechtssystem sind wesentliche Voraussetzungen für die Bereitschaft zu investieren. Frontier Markets stellen zwar kein einheitliches politisches und wirtschaftliches Bild dar, einige Länder sind jedoch aus unserer Sicht auf einem guten Weg. Ein Weg, der für uns als Investor unabdingbar für eine Investitionsbereitschaft ist.

Mit dem Sieg von Muhammadu Buhari bei den Präsidentschaftswahlen am 28. März 2015 in Nigeria wird eine neue Zeit eingeleitet – der Machtwechsel stellt den ersten Schritt für eine demokratische Regierung dar. Die friedlichen Machtwechsel in Pakistan (2013) und in Sri Lanka (2015) zeigten bereits eine Entwicklung hin zu einer demokratischen Regierung. Gemäß des jährlichen “Ease of doing business”-Rankings der Weltbank verabschiedeten im Jahre 2014 mehr als 74% aller afrikanischen Länder südlich der Sahara mindestens eine Reform, um die Geschäftstätigkeiten in ihren Ländern zu erleichtern. Einige Länder, wie beispielsweise Vietnam, wollen durch ambitionierte Unternehmensprivatisierungen wirtschaftsfreundlicher werden. Zum Vergleich: Nur 65% der OECD-Länder haben im Jahr 2014 eine ähnliche Reform verabschiedet.

Ein unabhängiges Rechtssystem ist  eine weitere, wenn nicht die wichtigste Grundvoraussetzung für ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum. Obwohl es bei den Frontier Markets große Unterschiede zwischen den Ländern gibt, haben viele von ihnen trotz ihres niedrigen Pro-Kopf-BIPs ein effektives Rechtssystem. Dies schließt Vietnam, Kenia, Sri Lanka, Marokko, Jordanien und Tunesien ein.

Technologie, am Beispiel von biometrischen ID-Karten, spielt ebenfalls eine bedeutsame Rolle im Demokratisierungsprozess. Mit der Einführung biometrischer Ausweise, wie sie in Pakistan, Sri Lanka, Kenia und Nigeria erfolgt ist, kann die Transparenz und Glaubwürdigkeit der Wahlen in den Frontier-Markets erhöht werden, wobei gleichzeitig das Risiko eines Wahlbetrugs reduziert werden kann. Ebenfalls ermöglichen biometrische ID-Karten es der Regierung, Sozialleistungen genauer zuzuteilen. In Nigeria und Pakistan ging die Regierung außerdem eine Partnerschaft ein, die Individuen einen Zugang zu Prepaid-Finanzdienstleistungen ermöglicht. Dies ist besonders für diejenigen interessant, die über kein eigenes Bankkonto verfügen. Auch für Finanzdienstleister ist dies eine willkommene Entwicklung, denn dadurch wird das Risiko einer betrügerischen Kreditvergabe gesenkt. Zugleich schafft dieser Wandel einen Technologiesprung in das Mobile Banking, von dem besonders Banken und Mobilfunkanbieter profitieren werden. Nigeria will bis Juni 2015 rund 34 Millionen Bürger mit solchen Karten ausstatten.

Darüber hinaus führte die erhöhte Stabilität, die durch den Demokratisierungsprozess und die Verkündung eines geschäftsfreundlichen Umfelds entstanden ist, zu erhöhten Investitionen in das Bildungswesen.

Fidelity Halbjahresausblick – Teil 6: US-Zinsanstieg kann Stimmung gegenüber Schwellenländern beeinträchtigen

Alex Homan, Investment Director für Schwellenländer-Aktien bei Fidelity Worldwide Investment, gibt seinen Ausblick für das zweite Halbjahr 2015.

Kronberg im Taunus, 8. Juni 2015 „Steigende Zinsen in den USA könnten die Stimmung der Investoren gegenüber den Schwellenländern beeinträchtigen. Für Aktieninvestoren ist es in diesem Zusammenhang entscheidend, sich die Bilanzen der einzelnen Unternehmen genau anzusehen. Nicht zuletzt daraufhin, ob es Widersprüche gibt zwischen der Währung, in denen sie Fremdkapital aufnehmen und der Währung, in denen sie die Zinsen zahlen. Allerdings hat die Verschuldung von Unternehmen in den Schwellenländern in harten Fremdwährungen wie dem US-Dollar abgenommen.

Politisch unterscheidet sich das laufende Jahr deutlich von 2014. Das vergangene Jahr war gekennzeichnet von Hoffnungen, die sich mit den Wahlen in vielen Schwellenländern verbanden. Nach dem Wahljahr liegt es jetzt an den Regierungen, Reformpläne zu entwickeln und umzusetzen, damit die weitere wirtschaftliche Entwicklung an Stabilität gewinnt. Ein gutes Beispiel dafür ist Indien, wo die neue Regierung ihre angekündigten Strukturreformen in verschiedenen Bereichen fortsetzt. Zudem hat die indische Regierung den gesunkenen Ölpreis als Anlass genommen, um Kraftstoffsubventionen zu beseitigen, die den Staatshaushalt in der Vergangenheit belastet haben.

Manchen Schwellenländern dürften auch die gesunkenen Rohstoffpreise zugutekommen. Zwar ist unter Investoren die Annahme weit verbreitet, dass rückläufige Preise für Industriemetalle, Öl und Gas sowie für Agrargüter negativ für diese aufstrebenden Volkswirtschaften sind. Dies trifft beispielsweise auf einige Länder im Mittleren Osten oder in Lateinamerika sowie auch auf Russland zu. Nicht wenige Emerging Markets, vor allem in Asien, sind aber Nettoimporteure von Rohstoffen. Und insbesondere für Volkswirtschaften in der Frühphase der Entwicklung mit Haushaltseinkommen von 2.000 bis 3.000 Dollar pro Jahr führt ein Preisrückgang von 40 Prozent bei Öl oder Nahrung dazu, dass die Menschen mehr für Konsumgüter ausgeben können. Niedrige Rohstoffpreise können deshalb die heimische Nachfrage stimulieren, wovon vor allem Hersteller von Basiskonsumgütern profitieren.“

Climbing China's Great Wall of Worry

China’s economic growth model is looking out of date, debt is piling up and capital outflows are rising. Policymakers are walking a tightrope, trying to balance short- term stimulus with tough reforms to ready the economy for the future. We climbed this Great Wall of Worry in discussions with Chinese policymakers, entrepreneurs and academics in Beijing in early May. Our main conclusions:

  • We recognise China’s economy is slowing, likely by more than official statistics indicate. Yet we do not expect an economic hard landing or financial market crash in the short term. This is reflected in our overweighting pro-cyclical investments – an implicit belief that China’s economic miracle will last a bit longer.

  • The four trends that most influence our investment strategies and thinking are: China’s reining in runaway credit growth; the shift toward a services economy; the risk of a property market downturn; and the government’s ability to stimulate the economy in the near term.

  • Many of us believe China can meet these challenges in the short term, with some hiccups along the way. Policymakers appear aware of the risks, and have credible long-term plans (an ambitious reform agenda) and short-term tools (room for monetary and fiscal stimulus) to address them.

  • China has contributed more than a third of global economic growth since 2008-2009, and its current slowdown is reverberating around the world. We take a peek at Australia, examining China’s effect on the country’s currency and interest rates.

  • Officials are keenly aware of the dangers of debt rollovers by state enterprises and local governments. They appear confident they can avoid a credit crunch, in part by converting short-term, high-interest local government loans into municipal bonds with longer maturities and lower coupons.

  • We think the People’s Bank of China (PBoC) will further cut interest rates and historically high bank reserve ratios in an attempt to reignite growth. The government also appears ready to prop up property prices and support the construction industry by investing in infrastructure at home and abroad.

  • China has committed to opening its capital account by year-end, but it is unclear what exactly ‘open’ means. The risk of capital flight will likely make the country tread carefully, and we do not expect a truly free-floating yuan currency any time soon. Policymakers’ focus on currency stability should anchor the yuan for now.

  • Investors should think of China as a continent, not as a country. Economic trends, development and policy implementation vary greatly by region. The economy is slowing in the Northeast (heavy industries) and West (mining) but is still going strong in the densely populated and prosperous coastal areas.

  • It is tempting to simply dismiss buying Chinese assets: too much debt, too little growth and too policy-driven. This is a mistake, in our view. One can worry about the economy and rising risks in the long run but be bullish on markets in the short to medium term.

  • China’s domestic equity markets look frothy after more than doubling in 12 months. We prefer less expensive Hong Kong-listed Chinese equities, especially small- and medium-sized stocks, because they have suffered a liquidity discount that is set to dissipate. We like selected corporate bonds in offshore markets because of their relatively high yields and limited duration risk. 

Please find the full report from BlackRock attached on the left.

Frankreichs Arbeitsmarkt krankt an regulatorischem Rheuma

Der französische Arbeitsmarkt kranke an regulatorischem Rheuma, beklagt Bruno Cavalier, Chef-Volkswirt von Oddo & Cie in Paris, in seinem jüngsten makroökomischen Research. Zur Illustration vergleicht er die Beschäftigungsentwicklung in Frankreich und Deutschland: In den zehn Jahren vor dem Ausbruch der Schuldenkrise 2008 habe die Arbeitslosenquote in beiden Ländern fast ausnahmslos auf dem gleichen hohen Niveau von etwa 9% gelegen. Aktuell nähere sich der Wert in Frankreich jedoch der Marke von 11%, während er sich in Deutschland auf 5% verringert habe. Zwar erkläre sich ein Teil dieser Divergenz aus der unterschiedlichen demografischen Entwicklung, denn in Deutschland stütze das Schrumpfen der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter die Beschäftigungslage. Dessen ungeachtet hätte in Frankreich jedoch Regierung auf Regierung mit immer neuen Hürden für Einstellungen und Entlassungen verheerenden Schaden am Arbeitsmarkt angerichtet. In solch einem System, so Cavalier weiter, könne das schwache Wirtschaftswachstum von jährlich 0,4% seit 2012 keine Beschäftigung schaffen, besonders nicht in der Privatwirtschaft.

Das Ergebnis seien die jüngsten, erbärmlichen Zahlen zum französischen Arbeitsmarkt mit einer Zunahme der Zahl der Beschäftigungssuchenden um 5,1% gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahrs und einem Anstieg um 76% seit dem Beginn des Jahres 2008. Als Reaktion hat die Regierung gerade angekündigt, die Zahl der staatlich subventionierten Arbeitsverträge zu erhöhen. Dies sei eine teure und vergleichsweise ineffiziente Maßnahme, sagt Cavalier. Hilfreicher sei es, die Arbeitskosten für die Unternehmen zu senken. Zugegebenermaßen sei in den beiden vergangenen Jahren mehr in diese Richtung unternommen worden, dessen ungeachtet bleibe die auf Arbeitsplätzen liegende Steuerlast in Frankreich größer als im übrigen Europa.

Die Details finden Sie im links beigefügten Dokument in englischer Sprache.

GAM: „Türkische Parlamentswahlen könnten Einstiegschancen für Anleger eröffnen“

Die anstehenden Wahlen in der Türkei am kommenden Sonntag werden die politische Lage des Landes mit großer Wahrscheinlichkeit signifikant verändern. Der seit Monaten rückläufige türkische Aktienmarkt hat die damit verbundene Unsicherheit bereits vorweggenommen.

Eine weitere Korrektur türkischer Aktien in Folge des Wahlergebnisses bietet jedoch langfristig orientierten Anlegern einen attraktiven Eintrittspunkt. Diese Einschätzung vertritt Erdinç Benli, Fondsmanager und Co-Head Global Emerging Markets Equities bei GAM.

Aktuelle Unterbewertung türkischer Aktien

„Türkische Aktien werden derzeit mit dem höchsten Preisnachlass der vergangenen fünf Jahre gehandelt“, sagt Benli. Das Land ist politisch gespalten und die Wirtschaft hat an Wachstumsdynamik eingebüßt, da wichtige Exportmärkte einschließlich der EU und Russlands stagnieren. Auch die türkische Lira steht aufgrund der politischen Unsicherheit vor der Wahl und der schwächelnden Konjunktur unter Druck. „Selbst wenn es höchstwahrscheinlich zu einer Ein-Parteien-Regierung unter der Leitung der bisher regierenden AKP-Partei kommen wird, haben die Chancen einer Koalitionsregierung laut den jüngsten Umfragen zugenommen“, so Benli. „Dieses laut Einschätzung der Investoren ungünstige Szenario hat der Markt in den vergangenen Wochen eingepreist.“ 

Best- und Worst-Case-Szenario aus Sicht von Anlegern

Auf lange Sicht sind die Chancen jedoch groß, dass das Land von einer größeren Pluralität der im Parlament vertretenen Parteien profitieren wird. „Das unserer Ansicht nach wahrscheinlichste und marktfreundlichste Ergebnis wäre, dass die pro-kurdische HDP-Partei die 10-Prozent-Hürde überwindet und in das Parlament einzieht, die AKP aber auf der anderen Seite ihre Regierungsmehrheit behält“, erläutert der Schwellenländer-Experte. „Dies würde die politische Stabilität erhöhen und soziale Unruhen durch kurdische Unterstützer wären unwahrscheinlich, da sie im Parlament vertreten sind.“ 

Der für den Kapitalmarkt ungünstigste Fall wäre, dass die HDP ins Parlament einzieht, die AKP gleichzeitig aber ihre absolute Mehrheit verlieren würde und eine Regierungskoalition bilden müsste. „Investoren würden dieses Ergebnis nicht begrüßen und der Markt wohl negativ reagieren, da die politische Stabilität gefährdet wäre“, prognostiziert Benli. Spannungen zwischen den Parteien könnten – zumindest kurzfristig – dringend benötigte Reformen behindern und möglicherweise sogar vorzeitige Neuwahlen bedeuten. „Mittel- bis längerfristig würde ein solches Szenario jedoch tatsächlich zu einer besseren Politik führen und Fortschritte in der Türkei fördern“, ist Benli überzeugt.

Deutscher Büroimmobilienmarkt dynamischer als erwartet

Berlin, 03.06.2015 – Deutsche Büroimmobilien stehen bei nationalen und internationalen Investoren hoch im Kurs. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank sorgt für einen weiterhin hohen Kapitalzustrom am Büroimmobilienmarkt. Als Folge steigen die Kaufpreise weiter und die Renditen geraten unter Druck. Insgesamt ist die Entwicklung der Büromärkte deutlich dynamischer als im Frühjahrsgutachten des Rates der Immobilienweisen zu Beginn des Jahres prognostiziert wurde. Die Aussichten für das laufende Jahr sind positiv. Zu diesen Ergebnissen kommen die Teilnehmer einer Online-Pressekonferenz, die der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) heute veranstaltet hat.

Investoren weichen auf alternative Marktsegmente und Assetklassen aus
„Insgesamt setzt der deutsche Büromarkt seinen Aufschwung auch im ersten Halbjahr 2015 fort und ist von einem soliden Anlageverhalten der Investoren und überwiegend leicht rückläufigen Renditen gekennzeichnet“, sagt Birgit Lenzen, Head of Capital Markets Deutschland bei Bilfinger Real Estate. „Vor dem Hintergrund des weiterhin hohen Kapitalzuflusses richteten Investoren ihren Fokus zunehmend auch auf B- und C-Städte, was derzeit zu einem intensiveren Wettbewerb und entsprechendem Druck auf die Renditen an diesen Standorten führt“, so Lenzen weiter. 

„Investoren muss man inzwischen bei ihrer Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen immer mehr Glück wünschen. Die Nachfrage nach Büroflächen ist ungebrochen hoch, aber die Zahlungsbereitschaft stößt trotz guter Konjunktur auch an ihre Grenzen“, kommentiert Andreas Schulten, Mitglied im Rat der Immobilienweisen und Vorstand der bulwiengesa AG, die Marktentwicklung. Andere Assetklassen wie Logistik-, Einzelhandels- und Hotelimmobilien sowie die Cityrandlagen der Top-Standorte und die Top-Lagen der B-Städte rückten daher immer stärker in den Fokus institutioneller Anleger. 

„Neu ist, dass institutionelle Investoren bei ihren Investmententscheidungen immer häufiger über kleinere ‚Schönheitsfehler‘, beispielsweise geringe Leerstände, hinwegsehen“, sagt Andreas Wellstein, Researcher bei der DekaBank mit Blick auf das aktuelle Marktgeschehen. Objekte in B-Städten versprächen zwar höhere Renditen, die Anzahl attraktiver Gebäude sei dort aber nach wie vor gering. „Die Märkte dieser Standorte sind eng und deswegen risikoreicher. Bei geringer Marktliquidität ist nicht sichergestellt, ein Objekt zum Wunschzeitpunkt wieder veräußern zu können“, so Wellstein weiter. 

Moderate Mietsteigerungen erwartet: Qualität statt Quantität
„Für das laufende Jahr erwarten wir leicht steigende Spitzenmieten in den meisten Märkten, die Durchschnittsmieten dürften seitwärts tendieren. Nur für Spitzenobjekte an Top-Standorten sind Büromieter bereit, noch etwas tiefer in die Tasche zu greifen“, sagt Ken Kuhnke, Leiter Vermietungsmanagement bei der HIH Real Estate. „Unternehmen gehen trotz der guten Konjunkturlage grundsätzlich vorsichtiger mit dem Kostenfaktor Bürofläche um“, erklärt Lenzen.

„In der Vermietung spüren wir, dass Mieter die Raumqualität immer höher gewichten. Sie achten beim Umzug in neue Räumlichkeiten auf eine bessere Flächenauslastung und investieren das auf diese Weise eingesparte Geld in eine höhere Raum- und Aufenthaltsqualität“, sagt Kuhnke. Gefragt seien nach wie vor Innenstadtlagen und campusartige Stadtrandlagen. 

Die Präsentationen der Experten finden Sie unter: 
http://www.zia-deutschland.de/presse/bueromaerkte-2015/

Steven Bell, F&C Investments: „Chance, dass Renminbi noch in 2015 in das IWF-System aufgenommen wird, liegt bei unter 50 Prozent“

Im folgenden Interview kommentiert Steven Bell, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft F&C Investments und Co-Fondsmanager des F&C Euro Macro Global Bond Fund, die Vereinbarung der G7-Finanzminister, dass der chinesische Renminbi in Zukunft Teil des IWF-Währungskorbs sein kann.

Die G7-Finanzminister haben am vergangenen Freitag vereinbart, dass der chinesische Renminbi Teil des IWF-Währungskorbs werden kann. Dieser Währungskorb dient als Grundlage für die Ermittlung des Wechselkurses der Sonderziehungsrechte, die international als Zahlungsmittel verwendet werden und beispielsweise Staaten in Finanzschwierigkeiten als zusätzliche Liquidität dienen können. In dem Währungskorb sind bislang die vier international wichtigsten Währungen US-Dollar, Yen, Euro und britisches Pfund gewichtet vertreten. Künftig soll auch der Renminbi in diesem Währungskorb enthalten sein. Schon heute ist der Renminbi gemessen am Handelsvolumen die fünftstärkste Währung der Welt.

Welche unmittelbaren Auswirkungen hat dieser Beschluss?

Das Sonderziehungsrecht des IWF, das dem genannten Währungskorb zugrunde liegt, wird nur selten bei privaten Finanztransaktionen genutzt. Viel größer ist seine Bedeutung für staatliche Finanztransaktionen. Die Einbindung des Renminbi könnte dazu führen, dass die Zentralbanken der Welt einen größeren Teil ihrer Währungsreserven in dieser Währung halten, wodurch sie einen leichten Aufwärtstrend erfahren dürfte – allerdings ausgehend von einem extrem niedrigen Niveau. Das dürfte, wenn man alle anderen Faktoren unverändert lässt, wiederum dazu führen, dass der Renminbi auf den Währungsmärkten an Stärke gewinnt.

Was braucht es noch, um den chinesischen Kapitalmarkt weiter zu liberalisieren?

Chinas Kapital- und Finanzmärkte unterliegen grundsätzlich strengen Kontrollen, die allerdings graduell zurückgefahren werden. Einige dieser Kontrollen, beispielsweise im Hinblick auf Lombardgeschäfte, Kreditvergabe oder Rücklagen, können aus aufsichtsrechtlichen Gründen gerechtfertigt erscheinen, während andere, wie Devisenkontrollen, die Beschränkungen bei der Kreditvergabe und Kontrollen beim Einlagenzinssatz, langsam gelockert werden. Gleichzeitig hat der Rest der Welt nach der Finanzkrise damit begonnen, seine Finanz- und Kapitalmärkte stärker zu regulieren, – insofern schließt sich die bestehende Lücke von beiden Seiten. Allerdings unterliegt das chinesische Finanzsystem immer noch massiver staatlicher Kontrolle. So befinden sich, um nur ein Beispiel zu nennen, die vier größten Banken des Landes – obwohl börsennotiert – in staatlicher Hand. Die mögliche Einbindung des Renminbi in die Berechnung der IWF-Sonderziehungsrechte belegt deutlich die Ambitionen und die wirtschaftliche Macht Chinas. Ohne diese Ambitionen würde niemand ernsthaft in Erwägung ziehen, den Renminbi in den Währungskorb zu integrieren, denn beim Renminbi handelt es sich immer noch um eine Nischenwährung, auch wenn diese einen klaren Aufwärtstrend aufweist.

Unabhängig vom jüngsten Beschluss der G7-Finanzminister müssen noch einige technische Hürden genommen werden, bevor der Renminbi in den Währungskorb aufgenommen werden kann. Wann rechnen Sie mit der Aufnahme in dieses System?

Ob der Renminbi aufgenommen wird, ist letzten Endes eine politische Entscheidung. Die technischen Fragen sind eher zweitrangig. Ich denke, dass derzeit die Chancen, für den Renminbi beim nächsten IWF-Treffen im November in das System aufgenommen zu werden, bei unter 50 Prozent liegen. Aber vielleicht ist es dann im Herbst 2016 soweit?

Fidelity Halbjahresausblick – Teil 5: Japans Aktien vor nachhaltigem Aufwärtstrend

Alex Treves, Leiter japanische Aktien bei Fidelity Worldwide Investment, gibt seinen Ausblick für das zweite Halbjahr 2015.

Kronberg im Taunus, 3. Juni 2015 – „Nach mehr als zwei Jahrzehnten nachlassender Bedeutung scheint der japanische Aktienmarkt an der Schwelle zu einem dauerhaften und nachhaltigen Aufwärtstrend zu stehen. Das hat Auswirkungen weit über die Grenzen Japans hinaus. Dennoch verkennen viele Anleger den dortigen Aktienmarkt und seine aussichtsreiche Zukunft.

Einer der Hauptgründe für die verbesserten Aussichten ist die geopolitische Verschiebung in Asien, vor allem ein selbstbewussteres China. Politiker und andere Entscheidungsträger in Japan konzentrieren sich deshalb darauf, den geopolitischen Einfluss des eigenen Landes zu stärken. Das gelingt nur mit einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung Japans.

Positiv ist in diesem Zusammenhang, dass die Politik von zyklischen Faktoren unterstützt wird. So verbessert die sehr niedrige Arbeitslosenquote die Aussicht auf steigende Haushaltseinkommen. Sie sind für die Reformpolitik des japanischen Ministerpräsidenten Abe von entscheidender Bedeutung. Denn die höheren Einkommen sollen das Verbrauchervertrauen verbessern und damit für steigende Haushaltsausgaben sorgen. Das soll dazu beitragen, das Land von der deflationären in eine inflationäre Stimmung zu führen. Steigende Konsumausgaben stützen die Profitabilität der Unternehmen und bereiten damit den Boden für Investitionen, die Japans Wirtschaft wieder auf einen dauerhaften Wachstumspfad führen.

Die Sorge, dass die niedrigen Energiepreise die Deflation in Japan wieder anheizen könnten, ist zwar verständlich, aber aus meiner Sicht unbegründet. Denn niedrige Energiepreise wirken sich zwar für mindestens ein Jahr negativ auf die Inflationsrate aus, sind aber umgekehrt für die Kaufkraft der Verbraucher und Unternehmen sehr positiv. Da Japan seine fossilen Brennstoffe importiert, werden mögliche disinflationäre Tendenzen des niedrigen Ölpreises durch die zu erwartenden positiven Konjunkturimpulse überlagert.

In den kommenden Quartalen sollte die Regierung ihren Einfluss auf die wirtschaftliche Erholung des Landes aber reduzieren. Die Zukunft Japans liegt in den Händen der Konsumenten und der Unternehmen, deren Ausgaben und Investitionen das Land aus der Deflationsspirale führen müssen. Andererseits unterschätzen viele Beobachter jedoch, wie entscheidend bislang die Rolle der Regierung bei der Verbesserung der Corporate Governance in Japan war. Insbesondere der Fokus auf eine höhere Eigenkapitalrendite rechtfertigt künftig steigende Aktienbewertungen.“

Märkte immer noch im Bann der Politik

Frankfurt, 2. Juni 2015 – Bei Baring Asset Management (Barings) ist man der Auffassung, dass sich das enttäuschende Wachstum in den USA dennoch vorteilhaft auf die Aktienkurse ausgewirkt hat und dass die Erwartungen an eine baldige Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve zurückgegangen sind. Infolgedessen glaubt Barings, dass sich die Märkte weltweit in eine Abhängigkeit von der Politik begeben haben und nicht die Wirtschaftslage, sondern die Geldpolitik die Märkte antreibt. Diese Tatsache ist nicht nur in den Industrieländern offensichtlich, sondern auch in weiter östlich gelegenen Volkswirtschaften, einschließlich China.

Nach wie vor ist man bei Barings aber davon überzeugt, dass die US-Notenbank im September handeln wird, sofern sich das enttäuschende Wachstum des ersten Quartals nicht auch im zweiten Quartal fortsetzt.

Bezogen auf Japan ist laut Barings die Unternehmensrentabilität solide, und zwar auch im Hinblick auf Firmen außerhalb des Exportsektors. In der Eurozone zeichnet sich infolge einer besseren Ausweitung der Geldmengenaggregate eine stärkere Kreditvergabe ab. Obwohl die Konjunkturdaten in beiden Regionen uneinheitlich ausfielen, erkennt man bei Barings echte Fortschritte und geht davon aus, dass beide Volkswirtschaften zukünftig einen wichtigen Beitrag zum globalen Wachstum leisten werden.

Marino Valensise, Leiter der Multi Asset Group bei Baring Asset Management, sagte:„Die jüngsten Wirtschaftsdaten fielen nicht überragend aus. Unserer Auffassung nach handelt es sich hierbei einfach um eine saisonale Abschwächung, wie wir sie auch in den vergangenen Jahren bereits erlebt haben, weshalb wir unsere langfristige Prognose für ein höheres Wachstum zum Jahresende hin beibehalten.

In den Jahren nach der Finanzkrise haben die Zentralbanken getan, was auch immer nötig war, um die Marktvolatilität einzudämmen, den Zugang zu Krediten zu erleichtern und sich an verschiedenen Arten der Finanzrepression zu beteiligen, wodurch die Sparer aufgrund der niedrigen Zinsen belastet wurden. Die wirtschaftlichen Bedingungen könnten sich soweit erholen, dass diese politischen Maßnahmen eingestellt oder sogar umgekehrt werden müssten. Sobald dies der Fall ist, besteht jedoch das Risiko, dass das, was unterdrückt wurde, mit aller Macht zum Vorschein kommt. Nachdem die Katze so lange im Sack gehalten wurde, ist es unmöglich abzuschätzen, welchen Schaden sie anrichtet, sobald sie aus dem Sack ist."

Nach Ansicht von Barings würde eine Verbesserung des US-Arbeitsmarktes, bis hin zu einem möglicherweise inflationären Niveau, politische Handlungen erforderlich machen. Darüber hinaus könnten jedoch auch zwei weitere Aspekte eine wichtige Rolle bei der Zinsentscheidung spielen.

Marino Valensise erläutert: „Erstens besteht der Wunsch nach einem Wiederaufbau des Zinsniveaus, damit die Zinsen, falls notwendig, auch wieder gesenkt werden können. Somit würde die Federal Reserve erneut Handlungsspielraum für zukünftige Abschwungphasen erlangen. Zweitens muss der Kreditmarkt diszipliniert werden und eine übermäßige Kreditaufnahme vermieden sowie die Fehlallokation von Kapital gestoppt werden. US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen ließ Anfang Mai Bemerkungen fallen, die der „irrationalen Überschwang“-Rede des früheren Fed-Chefs Alan Greenspan aus dem Jahr 1996 ähnelten. Die wichtigste Prüfung ihrer Amtszeit wird es für Yellen sein, den Ausstieg der Katze aus dem Sack zu bewältigen.“

Nach Feststellung von Barings entwickeln sich Schwellenländer auf der Aktienseite seit längerer Zeit schon schlechter als Industrieländer und man ist bei der Investmentgesellschaft der Auffassung, dass Anleger möglicherweise das Ende dieser Entwicklung sehen werden, sobald der Zinsanstieg in den USA vollständig eingepreist ist.

Marino Valensise sagt weiterhin: „Wir erkennen eine Reihe von Faktoren, die einen Wendepunkt nahezulegen scheinen: Schwache Positionierung in globalen Portfolios, schwer angeschlagene Rohstoffriesen in Russland und Brasilien,  chinesische Aktien steigen wegen der lockeren Geldpolitik stark an, Asien profitiert überdurchschnittlich stark von dem Ölpreisrückgang. Ein starker US-Dollar und eine mögliche Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank verheißen für die unmittelbare Wertentwicklung von Schwellenländern erst einmal nichts Gutes. Allerdings könnte es zu einem Wendepunkt kommen, sobald die erste Zinserhöhung verdaut ist und die höheren Zinsen und der starke US-Dollar vollständig am Markt eingepreist wurden. Dies könnte der Moment des Umschwungs sein.“

Die Anlagestrategie von Barings, einschließlich der Präferenz für Aktien und der Neigung zu Japan und Europa, bleibt unverändert. Auf Sektorenebene hat man den Finanzsektor auf das Niveau einer bevorzugten Branche angehoben, da die Bedingungen sowohl für US- als auch für europäische Banken freundlicher werden.

* Barings, April 2015.

ETF Securities Marktüberblick: Öl bleibt vor der OPEC-Sitzung volatil

Die vorzeitigen Gewinne der Ölpreise seit März 2015 wurden letzte Woche wieder abgegeben. WTI und Brent fielen um 5 Prozent bzw. 6 Prozent bevor sie sich am Freitag wieder stabilisieren konnten. Der starke US-Dollar belastete die meisten Rohstoffe. Hinzu kommt der zunehmende Konsens, dass die OPEC die Öl-Fördermengen in Ihrer Sitzung am 5. Juni nicht kürzen wird. Am Freitag legte WTI mit einer Rallye 5 Prozentpunkte zu, da die Märkte den größer als erwarteten Rückgang von US-Ölbohranlagen als Zeichen dafür interpretierten, dass US-Produzenten weiterhin preissensibel sind.

Mittelabflüsse bei Öl-ETPs aufgrund von zurückgehenden Erwartungen der Investoren hinsichtlich Produktionskürzungen. Wir haben lange argumentiert, dass die Preisanstiege seit März zu voreilig waren, da es keine belegbaren Angebotsverknappungen gibt. US-Schieferölplatformen haben in den vergangenen Monaten mit einer halsbrecherischen Geschwindigkeit ihre Produktion eingestellt aber dieser Trend wurde durch stabiliere Preise unterbrochen. Weitere Produzenten mit hohen Produktionskosten werden ihre Produktion ebenfalls zurückfahren, dieser Prozess wird sich jedoch aufgrund von längeren Laufzeiten verzögern. Die OPEC wird versuchen die Ertragsrate für Produzenten nicht weiter zu gewährleisten. Ihr Ziel ist Marktanteil. Es ist zunehmend wahrscheinlich, dass die Produktionsmengen in der Sitzung am 5. Juni nicht reduziert werden. Wir haben 48,5 Mio. USD an Mittelabflüssen von Long Brent und WTI ETPs verzeichnet, während Gewinnmitnahmen für 5,1 Mio. USD Mittelabflüsse aus Short Öl-ETPs sorgten. Einige Investoren glauben, dass es einen günstigeren Einstiegspunkt geben wird, US Produzenten werden ihre Produktion kürzen und somit das weltweite Angebot verknappen.

ETFS Daily Leveraged Coffee (LCFE) mit den höchsten Mittelzuflüssen seit Auflage in 2008. Nachdem der Preis für Kaffee letzte Woche um weitere 2,6 Prozent fiel (29,0 Prozent seit 1 Jahr), nutzten Investoren diese Korrekturen zum Einstieg. Nachdem die Preise in 2014 aufgrund der Dürre in Brasilien überproportional anstiegen, erleben wir auch jetzt eine ähnliche Übertreibung bei der Korrektur. Die Dürre in 2014, welche sich bis Februar 2015 streckte, hat unwiderrufliche Schäden an brasilianischen Kaffeesträuchern angerichtet. Obwohl starke Regenfälle seit Februar der Ertragslage begrenz helfen bleibt das Stimmungsbarometer gegenüber dem Rohstoff unverhältnismäßig bärisch. Ein El Niño könnte einen wärmeren und trockeneren Winter nach Brasilien bringen, der Frostschäden reduziert und bei der Ernte hilft.

Zahlungsaufschub des IWF reduziert die Bedenken eines unmittelbaren Staatsbankrott in Griechenland. Während der IWF Griechenland erlaubt ihre Rückzahlungen vom 5. Juni bis zum Monatsende aufzuschieben wurde unter anderem anerkannt, dass das Land die Eurozone verlassen könnte. Der Preisrückgang in Gold von 1,7 Prozent und Gold ETP Mittelabflüsse von 11,6 Mio. USD letzte Woche scheinen etwas voreilig zu sein, nachdem Verhandlungen zur Staatsverschuldung am Wochenende ohne konkrete Lösung endeten.

ETFS Daily Leveraged Natural Gas (LNGA) mit 2,9 Mio. USD Mittelzuflüssen, dem größten Zuwachs seit 4 Wochen. Ein unerwartet starker Zuwachs an Lagerbeständen schickte den Preis um 8,2 Prozent in den Keller. Hingegen erwarten Investoren in den kommenden Monaten aufgrund des Sommerwetters eine wahrscheinlich größere Nachfrage in Erdgas und damit eine Preiserholung.

Aktien
Europäische Aktien kommen trotz des griechischen Zahlungsaufschubs nicht in Fahrt. Die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands hängt weiter wie ein Damoklesschwert über den europäischen Aktienmärkten. Der Zahlungsaufschub bis zum Monatsende hat Griechenland zwar eine Atempause beschert, aber bis Klarheit darüber herrscht, ob Griechenland in der Eurozone bleiben wird, wird die Stimmung in den Aktien-Benchmarks weiterhin verhalten bleiben. Ein weiteres Rettungspaket für Griechenland ist überlebenswichtig, aber eine Einigung darüber scheint weit entfernt, nachdem IWF-Vorsitzende Lagarde einen „Grexit“ weiterhin für möglich hält. Unterdessen verloren chinesischen Aktien an Boden, da die Anleger auf erhöhte Margin-Anforderungen reagierten und die Zentralbank die Überschussliquidität von Geldmärkten abzog. Chinesische Aktienmärkte handelten entsprechend volatil und wir erwarten nicht, dass sich das in naher Zukunft ändern wird, sofern die Anleger kein stabileres konjunkturelles Umfeld sehen. Schwächere Wirtschaftszahlen dürften die chinesische Politik fest im Lockerungs-Modus halten. Daraufhin könnten in den kommenden Monaten sowohl der Mindestreservesatz als auch Leitzinsen gesenkt und Ankündigungen rund um zusätzliche Infrastrukturprogramme gemacht werden.

Währungen
USD erholt sich durch Druck auf Euro vor der EZB-Sitzung. Aktuelle Hinweise der US-Notenbank FED haben die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsanstieg erhöht. Das Wachstum im ersten Quartal enttäuschte allerdings aufgrund einer Vielzahl temporären Faktoren wie Wetterbedingungen und Hafenstreiks. Weiteres wird erwartet, dass die US-Arbeitsmarktdaten diese Woche wahrscheinlich eine weitere Verbesserung am US-Arbeitsmarkt zeigen, welcher ein Schlüsselfaktor für die FED hinsichtlich einer Zinserhöhung ist. Wir erwarten, dass der US-Dollar weiter an Dynamik gewinnt, da ein Zinsanstieg schnell eingepreist ist. Aufgrund des schwachen Wirtschaftswachstums in anderen Industrieländern wie der Eurozone und in Japan ist die Gefahr einer weiteren lokalen Währungsabwertung hoch, sobald Zentralbanken weitere Lockerungsmaßnahmen ergreifen, und den Markt mit Liquidität zu fluten. Die EZB wird diese Woche ihre Beurteilung zum Ausblick in ihrem anstehenden Meeting äußern.

Saxo Bank Rohstoffkommentar: Oelpreis steckt fest

„Der Bloomberg Rohstoffindex hat innerhalb von zwei Wochen fast die Hälfte der Gewinne abgegeben, die er in neun Wochen zuvor generiert hat“, sagt Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank. Nachdem sich der US-Dollar erholt und wieder zugelegt hat, sind die meisten Rohstoffsektoren unter Verkaufsdruck geraten. Die größten Verluste hat hierbei der Energiesektor verbucht. „Allein Erdgas hat in der vergangenen Woche rund zehn Prozent verloren. Eine Kombination aus mildem Wetter und steigenden Lagerbeständen haben den Preis stark unter Druck gesetzt“, sagt Hansen.

Sowohl Industrie- als auch Edelmetalle landeten in der vergangenen Woche im Minus. Gold und Silber sind erneut an das untere Ende ihrer Handelsspannen gefallen. „Dennoch haben die anhaltenden Sorgen um Griechenland zumindest Gold etwas Schutz vor dem steigenden Dollar geboten. Dadurch war das gelbe Metall zumindest auf Euro-Basis eines der stärksten Rohstoffe der vergangenen Woche“, sagt Hansen.

Die beiden Ölsorten Brent und WTI seien an ihre Grenzen gestoßen. Bei WTI ist es die Marke von 60 USD pro Barrel, bei Brent sind es 65 USD pro Barrel. „Das Risiko einer US-Produktionssteigerung bei einer weiteren Preissteigerung hat anscheinend bei beiden Sorten einen Widerstand oberhalb der Marke von 60 USD bez. 65 USD pro Barrel aufgebaut“, sagt Hansen. Nun richte sich der Fokus auf das OPEC-Meeting in dieser Woche. „Es ist das erste reguläre Treffen seit dem 27. November vergangenen Jahres, als die Entscheidung die Produktion beizubehalten einen Verlust von über zehn Prozent an einem Tag ausgelöst hat und einen stetigen Ausverkauf bis Ende Januar dieses Jahres nach sich zog“, so Hansen abschließend.


Den vollständigen Rohstoffkommentar auf Englisch mit Grafiken finden Sie links.

Investor sentiment dulled, as USD gains momentum

Drawn out negotiations over Greek finances and the potential for contagion of a Eurozone exit has dulled investor sentiment, in turn weighing on European equity. Volatility remains the focus for Chinese equities as concern over inflated valuations prompted a sharp sell-off, offsetting optimism of further stimulus from policymakers. Meanwhile, US policymakers have put rate hikes back on the agenda, and the stronger US Dollar has responded. Ahead of jobs numbers this week, we expect further USD gains. At the margin the rising USD is likely to continue to weigh on commodity markets, but a key focus will be the OPEC meeting.

Please find the full paper attached on the left.

Oil remains volatile ahead of the OPEC meeting

The premature gains in oil prices that we had seen since March 2015 started to unravel last week with WTI and Brent falling 5% and 6% respectively, before recovering somewhat on Friday. A firmer US dollar had weighed on all commodities. Added to that is a growing consensus that OPEC will not cut production at its June 5th meeting. We will be analyzing the outcome of that meeting in a webinar on June 8th with Amrita Sen from Energy Aspects. To register for the webinar please click here. On Friday we saw a 5% rally in WTI as the market read the larger than expected contraction in US rigs that week as a sign that US producers remain price sensitive.

Please find the full market comment attached on the left.

Fidelity Halbjahresausblick – Teil 4: Zentralbanken halten Zinsen 2015 niedrig

Andrew Wells, Global Chief Investment Officer für Anleihen, und David Buckle, Leiter Quantitative Research bei Fidelity Worldwide Investment, geben ihren Ausblick für die Anleihemärkte für das zweite Halbjahr 2015.

Kronberg im Taunus, 1. Juni 2015

Andrew Wells: „Die Notenbanken in Japan und Europa werden ihre Anleihekaufprogramme weiter fortsetzen. Zwar kamen zuletzt Spekulationen auf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Anleihekäufe vorzeitig beenden wird. Doch damit würde sie ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen und erhebliche Marktturbulenzen riskieren. Zudem dürfte die EZB mit einem solchen Schritt abwarten, bis handfeste Daten bestätigen, dass die Erholung in weiten Teilen der Eurozone angekommen ist und sich das Beschäftigungswachstum auch in den Peripheriestaaten und nicht nur in Frankreich und Deutschland beschleunigt.“

David Buckle: „Der expansiven Geldpolitik der EZB und der Bank of Japan stehen die USA gegenüber, wo die Federal Reserve Bank derzeit eher zu einer Anhebung der Leitzinsen neigt. Allerdings wird dies nicht geschehen, so lange kein Druck von Seiten der Inflation festzustellen ist. Wir rechnen frühestens Ende 2015, vielleicht erst Anfang 2016 mit einem ersten Zinsschritt.
Die Politik der großen Zentralbanken wird die Zinsen über den gesamten Jahresverlauf hinweg niedrig halten. Vor allem bei Bundesanleihen sehen wir abgesehen von kurzfristig zunehmenden Kursschwankungen keinen Grund für einen substanziellen Anstieg der Renditen.“

Andrew Wells: „Als Belastung für die Anleihemärkte könnte sich ein schwächelndes globales Wirtschaftswachstum erweisen. Allerdings scheint zum einen die konjunkturelle Flaute in den USA, die zu Beginn 2015 festzustellen war, nachzulassen. Zum anderen führt das Anleihekaufprogramm der EZB auch am Markt für Unternehmensanleihen zu niedrigeren Zinsen. Die Tatsache, dass sich Firmen günstig finanzieren können, stützt die Konjunktur. Wir gehen daher von einer Beschleunigung des Wirtschaftswachstums aus.
Negativen Einfluss auf die Anleihemärkte könnten auch Fusionen und Übernahmen (M&A) haben. Das vergangene Jahr hat vor allem in den USA eine starke M&A-Aktivität gesehen, die sich dieses Jahr fortzusetzen scheint. Da Fusionen und Übernahmen häufig mit Fremdkapital finanziert werden, erhöht sich die Verschuldung der Unternehmen. Das kann zu einer Herabstufung bonitätsstarker Emittenten führen und ginge zu Lasten der Anleiheinvestoren.“

David Buckle: „Eine positive Sicht haben wir aufgrund der geldpolitischen Lockerung in Japan und in China auf die asiatischen Bondmärkte. In China wird es notwendig sein, die geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen noch auszuweiten, um die schwächelnde Konjunktur zu stützen.“

Andrew Wells: „Interessant erscheinen derzeit auch Schwellenländeranleihen, wo der Anleihemarkt den Kinderschuhen entwächst. Sie bieten verglichen mit Titeln aus den Industriestaaten attraktivere Renditen, und ein steigendes Anlegervertrauen dürfte wieder zu stärkeren Zuflüssen in diese Anlageklasse führen. Aber auch die Hochzinsmärkte, an die derzeit gute Firmen drängen, die sich früher ausschließlich über Banken finanziert haben, erscheinen attraktiv. Der wahrscheinlich beste Weg, in den kommenden 18 Monaten in Anleihen zu investieren ist allerdings ein strategischer Anleihemix, der eher einen Total-Return-Ansatz verfolgt, statt sich an einem Index zu orientieren. Ein strategischer Mix aus Staats-, Unternehmens-, Hochzins-, Schwellenländer- und inflationsgeschützten Anleihen, der flexibel und aktiv an die jeweilige Marktsituation angepasst wird, kann das Risiko gegenüber einer konzentrierten Anlage in einzelne Märkte, Währungen oder Zinszyklen reduzieren. Dabei sollten Anleger berücksichtigen, dass die Liquidität durch das Eingreifen der Zentralbanken an den Rentenmärkten sowie durch regulatorische Maßnahmen tendenziell abnimmt. Das kann zu deutlichen Kursbewegungen nach oben und nach unten führen.“