Die griechische Tragödie nimmt ihren Lauf

Valentijn van Nieuwenhuijzen, Head of Strategy, Multi-Asset bei NN Investment Partners, Den Haag.

Was ist passiert?

Eine weitere ebenso unerwartete wie dramatische Wende. Die Vertreter der griechischen Regierung brachen Freitagnacht die Verhandlungen mit der Euro-Gruppe ab und kündigten am 25. Juni an, am 5. Juli per Volksentscheid über den Vorschlag von EU, EZB und IWF (die „Institutionen“ bzw. „Gläubiger“) entscheiden zu lassen. Die Euro-Gruppe nahm ihrerseits die Tatsache, dass die griechische Regierung öffentlich ein negatives Votum, also die Ablehnung des Vorschlags, befürwortet, zum Anlass, ihren Vorschlag zurückzuziehen. Zugleich wies die Gruppe darauf hin, dass das zweite Hilfsprogramm am 30. Juni abläuft. Der Vorschlag der Syriza-geführten Regierung, ein Referendum abzuhalten, wurde vom griechischen Parlament mit einer klaren Mehrheit von 178 Stimmen (von 300) angenommen.

Dennoch hielt man sowohl auf europäischer als auch auf IWF-Ebene die Tür offen, um ggf. am Wochenende die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem betonte, bei dem Vorschlagsentwurf handele es sich nicht um ein endgültiges Angebot. Interessanterweise gab die Europäische Kommission einen Zehn-Punkte-Plan heraus, der ihr letztes Verhandlungsangebot darstellt. Darin enthalten sind auch einige der am 25. Juni in letzter Minute von der griechischen Regierung vorgelegten Vorschläge. Damit sind zwei Dinge klar:

Erstens fiel die Entscheidung für ein Referendum bereits, bevor die Verhandlungen zwischen den Institutionen und Griechenland in Brüssel Freitagnacht abgebrochen wurden. Anscheinend wurden sogar die griechischen Unterhändler von dieser Nachricht überrascht, die einige von ihnen erst über Twitter erfuhren. Zu diesem Zeitpunkt bestand noch eine reelle Aussicht auf einen Deal. Es scheint, dass Ministerpräsident Tsipras‘ Entscheidung, die Verhandlungen abzubrechen und stattdessen ein Referendum zu verlangen, vor allem innenpolitisch motiviert war. Seiner Partei Syriza drohte nämlich eine Spaltung über die Zugeständnisse, die seine Regierung bereits gegen über den Gläubigern eingegangen war.  

Zweitens haben die Institutionen zwar offiziell ihr Angebot zurückgezogen, doch haben sie auch begonnen, den griechischen Wählern eindringlich vor Augen zu führen, dass ein „Ja“ im ureigenen Interesse Griechenlands sei. Das spricht dafür, dass die Institutionen gewillt sind, die Verhandlungen fortzuführen, ob mit der gegenwärtigen Regierung oder einer neuen Führung, falls das Referendum am Sonntag mit einem Ja-Votum ausgeht. Andererseits ist unklar, wie die Gläubiger im Falle einer Mehrheit für das „Nein“-Lager verfahren werden.

Da die Euro-Gruppe Griechenlands Bitte um eine Verlängerung des gegenwärtigen Hilfsprogramms abgelehnt hat, werden die Mittel nach dem 30. Juni nicht mehr zur Verfügung stehen. Griechenland wird die anstehende Rate an den IWF daher wohl nicht zahlen können. Formal kann es bis zu einem Monat dauern, bis der IWF den Zahlungsausfall feststellt und ein Land als säumiger Schuldner gilt. In diesem Fall wird der IWF aber wohl nicht so lange warten. Das Timing einer solchen Feststellung hängt vom IWF-Exekutivdirektorium ab und hat insofern eine wichtige politische Dimension. Dabei wird das IWF-Exekutiv-direktorium unter Umständen das anstehende Referendum und seine Konsequenzen für die Reaktion der EZB auf eine solche Feststellung berücksichtigen. 

Die EZB hat beschlossen, die Obergrenze ihrer Liquiditätsfazilität ELA für griechische Banken vorerst nicht weiter zu erhöhen. In den letzten Wochen waren diese Mittel noch geflossen, um die Einlagenabflüsse zu kompensieren. Die EZB betonte, der „EZB-Rat steht bereit, seinen Beschluss zu überprüfen“, das wird aber wohl erst nach einer Neuaufnahme der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern der Fall sein. Angesichts der zunehmenden Einlagenabgänge über Geldautomaten und der Abhebungen im elektronischen Zahlungsverkehr übers Wochenende kündigte die griechische Regierung die Schließung der Banken für die Dauer von sechs Werktagen an. Dabei gilt eine Höchstgrenze von 60 Euro pro Tag für Bargeldabhebungen an Geldautomaten. Hinzu kommen Kapitalverkehrskontrollen und eine vorübergehende Schließung der Börse.

Wie geht es weiter?

Die aktuelle Situation bleibt hochvolatil und es ist extrem schwierig, die Wahrscheinlichkeiten künftiger Szenarien einzuschätzen. Den jüngsten Meinungsumfragen in Griechenland sowie den Buchmachern zufolge stehen die Chancen gut, dass der Volksentscheid mit einem „Ja“ ausgehtDas könnte bedeuten, dass sich Griechenland nächste Woche bereitwilliger zeigen wird, einen Deal mit seinen Gläubigern zu akzeptieren. Ob das nun über einen Sinneswandel der gegenwärtigen Regierung oder durch Einsetzung einer neuen Regierung geschieht, ist unklar, wenn auch Letzteres in einem solchen Szenario wahrscheinlicher erscheint.

Doch bevor das Referendum nächsten Sonntag seinen Lauf nimmt, bestehen noch zahlreiche Unwägbarkeiten. So könnten die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, das Referendum könnte abgesagt werden, der IWF könnte offiziell einen Zahlungsausfall Griechenlands erklären, die EZB könnte die Abschläge (Haircuts) auf Sicherheiten griechischer Banken erhöhen, die ELA-Obergrenze könnte gesenkt oder die Fazilität überhaupt nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. In Anbetracht der erheblichen wirtschaftlichen und politischen Folgen dieser Entscheidungen erscheint es uns am wahrscheinlichsten, dass alle Interessengruppen sich um Deeskalation bemühen werden – jedenfalls bis der Ausgang des Referendums vorliegt.

In dieser Woche wird es vor allem darauf ankommen, wer nach Meinung der griechischen Wähler in erster Linie Verantwortung für die dramatische Lage Griechenlands trägt. Die Syriza-Regierung weist den Gläubigern die Schuld zu. Es ist indes fraglich, ob Tsipras seine Wähler davon überzeugen kann, dass er nach einem „Nein“ im Hinblick auf Lebensstandard und Arbeitsmarkt wirklich eine glaubwürdige Alternative für das griechische Volk bieten kann. Die griechische Regierung wird den Wählern nahelegen, bei dem Referendum gehe es um die Akzeptanz eines künftigen Sparkurses. Demgegenüber argumentieren die griechische Opposition und die Gläubiger, dass es bei dieser Wahl um das Verbleiben Griechenlands in der Eurozone gehe. 

Unser Basisszenario geht von einer Mehrheit für das Ja-Lager aus. Diese Einschätzung stützt sich auf die jüngsten Umfrageergebnisse, bei denen sich 55 bis 65 Prozent der Befragten für ein Ja aussprachen. Auch die Wettquoten der Buchmacher sprechen für einen solchen Ausgang und nicht zuletzt das Verhalten der Griechen selbst, die während der letzten drei Tage vor den Geldautomaten des Landes Schlange standen. Anscheinend ist das Vertrauen der griechischen Bürger in die Fähigkeiten Tsipras’, eine bessere Zukunft ohne einen Deal zu liefern, begrenzt. Andererseits gab es in den letzten beiden Wochen so viele unerwartete Wendungen, dass wir unserem Basisszenario einer Abstimmung mit Ja keinen hohen Überzeugungsgrad beimessen können.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Reaktion der Gläubiger, allen voran der EZB. Die Europäische Zentralbank hat wiederholt betont, für die Wahrung der Finanzstabilität in der Eurozone bereitzustehen. Sie verfügt über ein umfangreiches geldpolitisches Arsenal (Kreditlinien, OMT, QE), um zu verhindern, dass das griechische Drama auf andere Teile des globalen Finanzmarkts übergreift, vor allem auf die übrigen Märkte der Euro-Peripherie. Ferner hat die EZB ihr Instrumentarium inzwischen flexibler gestaltet: So hat sie nicht nur zu Beginn des Jahres die quantitative Lockerung angestoßen, sondern erhielt in der Zwischenzeit auch Schützenhilfe vom Europäischen Gerichtshof (EuGH), der entschied, dass der Aufkauf von Krisenländer-Staatsanleihen (Stichwort: OMT-Programm) grundsätzlich rechtens sei.

Insofern kann die EZB erforderlichenfalls wohl mit breit angelegter Unterstützung durch die politischen Entscheidungsträger in Europa rechnen. Das ist von kritischer Bedeutung, denn die EZB wird weniger agieren, sondern vielmehr reagieren, und erst dann zusätzliche geldpolitische Maßnahmen ankündigen, wenn die Finanzlage in der Eurozone sich deutlich verschärft. Mit anderen Worten: Die geldpolitischen Instrumente der EZB und ihre Bereitschaft, diese auch zu nutzen, sind für Märkte und Wirtschaft in der EWU auf mittlere Sicht günstig, können jedoch die kurzfristig stark erhöhte Volatilität im Zuge der Griechenlandkrise nicht verhindern.

Märkte, Grexit und unsere Positionierung

Die Finanzmärkte reagierten zunächst negativ, jedoch nicht panisch. Nachdem der Eurostoxx 50 zunächst schwach eröffnete (Rückgang um 5 Prozent), geht‘s jetzt wieder aufwärts. Dieselben Trends zeichnen sich am Anleihemarkt ab, wo die Spread-Ausweitung bei Papieren von der Euro-Peripherie auf etwa 30 Bp. begrenzt ist. Überdies hat sich der Euro von seinem Tief gegenüber dem USD erholtDas deutet darauf hin, dass die Anlegerschaft nach wie vor an eine tragfähige Lösung und die Abwendung eines Grexit glaubt. Die Zuversicht, dass Rahmendaten und EZB-Politik (QE, OMT, Überbrückungskredite) stark genug sind, um die aktuelle Situation in Griechenland zu bewältigen, ist ungebrochen.

Kurz gesagt: Die Zuwächse der letzten Woche haben sich bereits – in angemessenem Rahmen – wieder verkehrt. Die Aussichten für finanzielle Stabilität in Europa, weltwirtschaftliche Erholung und die Wahrscheinlichkeit eines wie auch immer gearteten Deals mit Griechenland, der das Land in der EWU hält (nach einem Ja-Votum beim Volksentscheid), sind weitgehend unverändert. 

Gleichzeitig haben die politischen Unwägbarkeiten sowie die Wahrscheinlichkeit eines Grexit auf kurze Sicht zugenommen (liegt aber immer noch unter 50 Prozent). Im Ergebnis ist mit hoher Volatilität an den Aktien- und Anleihemärkten zu rechnen, wenn es auch an einer klaren Richtung im Vorfeld zum griechischen Referendum fehlt. 

Da die Ungewissheit noch mindestens eine weitere Woche anhalten sollte und die Kurse bis jetzt noch nicht auf attraktive Einstiegslevel gefallen sind, erwägen wir im Rahmen unserer Multi-Asset-Portfolios eine taktische Reduzierung unserer aktiven Aktien- und Anleihepositionen. Natürlich werden wir die Situation weiter genauestens beobachten und erforderlichenfalls entsprechend reagieren, falls sich unvorhergesehene Ereignisse abzeichnen. Dabei geht es in erster Linie darum, die Wahrscheinlichkeit eines Nein-Votums richtig abzuschätzen und damit einhergehend etwaige Hinweise auf einen Dominoeffekt an anderen EWU-Peripheriemärkten bzw. den europäischen Aktienmärkten allgemein.

Barings: Griechenland – Aktuelle Informationen über die Situation und Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit

Griechenland: Die Lage verändert sich schnell
Am Wochenende gab es eine Reihe bedeutender Entwicklungen in Griechenland.

Am Freitag kündigte der griechische Premierminister ein Referendum an, in dem die griechischen Bürger über die jüngsten Reformvorschläge der Geldgeber des Landes entscheiden sollen. Das Referendum wurde vom Parlament beschlossen und soll am 5. Juli stattfinden. Die Regierung rief zu einer Abstimmung mit "Nein" auf, sagte jedoch die Umsetzung der Konsequenzen im Falle einer "Ja"-Entscheidung zu.

Am Samstag entschieden die Gläubiger, den Antrag der griechischen Regierung auf eine Verlängerung des derzeitigen Hilfsprogramms abzulehnen. Somit werden nach dem 30. Juni von dieser Seite keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung stehen. Am Sonntag entschied die Europäische Zentralbank, die Notkredite für Griechenland nicht zu erhöhen. Damit bleibt die Obergrenze auf dem Niveau von 89 Mrd. Euro.

Als Konsequenz der Entscheidung der Europäischen Zentralbank und aufgrund der anhaltend hohen Bargeldabhebungen an den Geldautomaten in Griechenland  im Verlauf des Wochenendes kündigte der griechische Finanzstabilitätsrat die Schließung der Banken an, beginnend ab Montag für die Dauer von sechs Arbeitstagen.

Darüber hinaus wurden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, die Börse in Athen bleibt geschlossen, Schecks werden nicht mehr eingelöst und Abhebungen von Geldautomaten werden für griechische Bürger auf 60 Euro pro Tag begrenzt.  

Auswirkungen auf Investitionen
Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten für den Ausgang der Situation in Griechenland mit jeweils sehr unterschiedlichen Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit.

Die heutige Reaktion der Märkte macht deutlich, dass – nach allgemeiner Einschätzung der Lage am Freitag – die Situation in einer Weise geklärt werden dürfte, die es Griechenland erlaubt, auch weiterhin finanzielle Mittel aus der Eurozone zu beziehen.

Nach heutigem Stand sind die Chancen für dieses Szenario unseres Erachtens gesunken, wobei sich die Lage auf sehr kurze Sicht relativ intransparent darstellt.

In unseren Portfolios für aufstrebende europäische Länder haben wir mit lediglich zwei Unternehmen ein sehr begrenztes Engagement in Griechenland und somit eine geringere Gewichtung des Landes als die Marktindizes. Obwohl die Börse in Griechenland geschlossen ist, zumindest für die kommende Woche, haben sich andere Märkte infolge der Nachrichten nach unten entwickelt und ein erhöhtes Volatilitätsniveau ist in diesem Umfeld wahrscheinlich.

Wir werden die Situation, die sich rasch weiterentwickelt, auch weiterhin genau beobachten.

Ghadir Abu Leil-Cooper
Head, EMEA and Global Frontier Equities
Baring Asset Management, London

ETF Securities - Wöchentlicher Marktüberblick 29.05.2015

Rohstoffe
Breit gestreute Rohstoffkörbe im Fokus der Investoren
Breit gestreute Rohstoff-ETPs verbuchten über 50 Prozent der gesamten Mittelzuflüsse in der Vorwoche. Nachdem Anleihen und einige Aktienbenchmarks überbewertet erscheinen, sind Investoren zunehmend am relativen Wert des Rohstoffmarktes interessiert und erzielen ihr breit gestreutes Exposure über ETPs auf Rohstoff-Körbe über mehrere Sektoren. Obwohl die Verhandlungen über Griechenlands Zahlungsverzug ins Stocken gerieten, erschient Investoren eine kurzfristige Einigung weiterhin als für wahrscheinlich. Investoren sind zunehmend optimistisch über wirtschaftliche Bedingungen und erweitern ihre zyklischen Anlagen. Defensive Werte gingen in den Portfolien hingegen zurück und Rohstoffpreise dürften durch Chinas anhaltende geldpolitische Lockerungsmaßnahmen unterstützt werden.

Agrar-Rohstoffpreise steigen, Angebotssorgen locken Investoren. Weizen führt mit satten Gewinnen den Agrarsektor an, da ein übermäßiger Niederschlag in den USA die Ernte für den Winterweizen weiter verzögert. Schätzungen des Internationalen Getreiderats deuten auf eine Angebotsverknappung für Weizen und Mais für das Erntejahr 2015/16 hin. Aufgrund der signifikanten Lagerbestände beider Rohstoffe hängt ein potentieller Preisanstieg jedoch von einer etwaigen Verschlechterung der Wachstumsbedingungen dieses Jahr ab.

Die größten Rohstoffmittelzuflüsse über die letzten Monate verbucht Zucker mit 15,3 Mio. USD. Zucker notierte auf einem 6 ½ Jahrestief, was manche Investoren als einen guten Einstiegspunkt erachteten. Obwohl für ein weiteres Jahr ein Überangebot erwartet wird, könnte ein El Ninio das Angebot aus Indien, dem weltweit zweitgrößte Produzenten, verknappen. Daten für die brasilianische Ernte weisen auf einen erheblichen Produktionsrückgang im Juni 2015 hin, verglichen zum Vorjahr.

Optimismus für eine weltweite Erholung belastet Gold mit Mittelabflüssen. Vergangene Woche sah mit 126,8 Mio. USD die größten Gold-Mittelabflüsse seit 14 Wochen. Investoren konzentrieren sich zunehmend auf zyklische Vermögenswerte und glauben an ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum. Im Gegensatz zu Gold hat besonders Silber starke Mittelzuflüsse in 2015 erlebt. Dieses Edelmetall wird verstärkt aus dem industriellen Sektor nachgefragt.

Energie-ETPs verzeichnen mit 10,5 Mio. USD, die größten Mittelzuflüsse seit 14 Wochen. Die Nettomittelzuflüsse in breit gestreute Energie-ETPs erreichen mit 7,2 Mio. USD ein 5-Wochen-Hoch. Long ETPs auf Erdgas verzeichneten mit 5,4 Mio. USD die größten Mittelzuflüsse im Einzelrohstoffbereich, nachdem die hohen Lagerbestände die Märkte negativ überraschten. Das warme Wetter in den vergangenen Wochen hatte zu einer verstärkten Nachfrage von Energieerzeugern geführt, was zu rückläufigen Lagerbeständen führte.

Aktien
Haben die Märkte einen Zahlungsverzug schon eingepreist? Anhaltende Konflikte hinsichtlich Griechenlands Staatsverschuldung führten vergangene Woche zu einem volatilen Handel in Europa. Die meisten Börsen notierten höher, da man für einen Lösungsansatz über das Wochenende optimistisch war und damit den Zahlungsverzug von Griechenland an den IWF verhindern könnte. Das Referendum und die Kapitalkontrollmaßnahmen lassen befürchten, dass keine schnelle Lösung gefunden werden kann. Die europäischen Aktienmärkte handelten aufgrund der anhaltenden Risiken volatil.

Der MSCI China A-Shares Index schloss mit einem Verlust von 20% über die letzten zwei Wochen. Obwohl der lokale Aktienmarkt in China, trotz Korrektur, mehr als 100% im letzten Jahr zulegte, sind Behörden bemüht, dass diese Stimmung nicht verfliegt. Die People’s Bank of China hatte über das Wochenende den Leitzins um 25bps gesenkt und den Mindestreservesatz von kleinen Banken um 50bps gesenkt.

Währungen
Die Nachfrage für einen sicheren Hafen sowie die wirtschaftliche Erholung beflügeln den US-Dollar. Die finanziellen Probleme in Griechenland ließen den US-Dollar um 2 Prozent gegenüber dem Euro steigen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das aktuelle Umfeld den US-Dollar auch weiter unterstützen wird, da kurzfristige Lösungsansätze nur sehr mühsam erzielt werden können. Die Gefahr für einen Crash ist so groß wie nie, daher ist es nachvollziehbar, weshalb Währungen als sicherer Hafen gefragt sind. Gewöhnlich galt der Schweizer Franken als sicherer Hafen, doch die Schweizer Nationalbank hat versucht, dies mit verbalen Interventionen zu unterbinden. Der Franken verlor vergangene Woche 2,2 Prozent gegenüber dem US-Dollar, nachdem der Präsident der SNB ankündigte, der Franken sei erheblich überbewertet. Sowohl die US Non-Farm Payrolls am Donnerstag, als auch der ISM Produktionsindex am Mittwoch sind zwei Indikatoren, auf die der Markt achten wird, ob die FED an ihren Zinsentscheidungen für September weiter festhält. Sollte die USA die Zinsen tatsächlich anheben, wird dies nur mäßig geschehen und sehr von wirtschaftlichen Daten abhängig sein. Dies könnte die momentane Rallye im US-Dollar wieder verlangsamen. 

Fidelity Marktkommentar: Ein „Nein“ im Griechenland-Referendum ist wahrscheinlich

Kronberg im Taunus, 30. Juni 2015. Eugene Philalithis, Fondsmanager des Fonds Fidelity Zins & Dividende, und Dierk Brandenburg, Staatsanleihen-Analyst, geben ihre Einschätzung zu möglichen Auswirkungen des griechischen Referendums:

Eugene Philalithis: „So wie sich die Ereignisse weiter entfalten und Griechenland immer näher an ein Referendum rückt, gehe ich davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit eines „Nein“-Votums ziemlich hoch ist. Die griechische Regierung hat die Ankündigung des Referendums gemeistert, und die damit verbundene Propaganda ist in vollem Gange. Der griechischen Regierung gibt ein „Nein“ den Blankoscheck, so zu handeln, wie sie will, und ich glaube immer stärker, dass sie einen Grexit will. Ich gehe nicht davon aus, dass ein „Nein“ schon komplett von den Märkten eingepreist ist. Da immer klarer wird, welche Auswirkungen dies und ein Grexit hätte, glaube ich, dass immer mehr Anleger in sichere Häfen wie langlaufende US-Staatsanleihen und Bargeld flüchten werden, und die Märkte wahrscheinlich überverkauft sein werden. Ein „Ja“ im Referendum würde dagegen von den Märkten und der Politik begrüßt werden. In diesem Szenario könnte eine Erholungsrallye folgen, und die Marktteilnehmer würden sich wieder auf die Fundamentaldaten konzentrieren.

Protokolle der US-Notenbank Fed haben einen starken US-Dollar und die Probleme rund um Griechenland bislang als Gründe dafür bezeichnet, mit der Zinserhöhung zu warten. Da nun beide Fälle eingetreten sind, erscheint eine Zinserhöhung im September immer unwahrscheinlicher.“

Dierk Brandenburg: „Ein Referendum wird nicht automatisch einen Grexit auslösen, aber angesichts der Zahlungsverzögerungen ist die Staatspleite Griechenlands nun sehr wahrscheinlich. Die unmittelbare Reaktion der Eurozone wird sich darauf konzentrieren, die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, indem sie die Liquidität der Banken erhöht, wenn nötig, und das Quantiative-Easing-Programm dort anpasst, wo es möglich ist: Käufe werden beschleunigt, und der Kapitalschlüssel wird möglicherweise angepasst. Sollten andere Länder der Eurozone den Zugang zum Kapitalmarkt verlieren, können die Regierungen bei Bedarf Hilfsprogramme in Anspruch nehmen. Die meisten Regierungen haben ihre Anleiheemissionen in diesem Jahr allerdings vorgezogen, deshalb bezweifele ich, dass hier eine unmittelbare Gefahr besteht. Insgesamt erwarte ich eine ziemlich robuste politische Antwort, und die griechischen Verhältnisse sind so einzigartig, dass sie keine Parallelen zulassen.“

AXA IM aktuell: Griechenlandkrise: Wie geht es nach dem Referendum weiter?

Griechenlandkrise: Wie geht es nach dem Referendum weiter?
Der griechische Premierminister Alexis Tsipras hat eine Volksabstimmung über das letzte Angebot von Griechenlands Gläubigern angekündigt – ohne seine Verhandlungspartner darüber zu informieren. Die Finanzmärkte sind in Aufruhr, in Griechenland ist die Börse ebenso geschlossen wie die Banken. Wie geht es nun weiter? Das Team für Research und Investmentstrategie von AXA Investment Managers beantwortet die wichtigsten Fragen zur Krise. 

Welche unmittelbaren Folgen könnte Tsipras‘ Ankündigung haben?
„Tsipras will offenbar die Einsätze im Poker um die Rettung Griechenlands noch einmal erhöhen“, erläutert Eric Chaney, Chefvolkswirt bei AXA und Head of Research von AXA IM. „Damit möchte er wohl die Kreditgeber aus der Eurozone zu besseren Bedingungen und eine eindeutigere Festlegung auf einen Schuldenerlass zwingen.“ Chaney rechnet damit, dass die Vertreter der Eurozone im Laufe der Woche einen weiteren Anlauf zu einer Einigung unternehmen könnten. Zugleich werde die Europäische Zentralbank (EZB) wohl formal die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands feststellen. Dies wiederum dürfte die Liquidität beeinträchtigen, die der griechischen Wirtschaft bis zum Tag des Referendums zur Verfügung steht.

Welche offenen Fragen gibt es?
Nach der jüngsten Eskalation der Krise herrscht Unsicherheit über viele offene Fragen: Ist das Referendum verfassungsgemäß? Kann das griechische Volk überhaupt über die Annahme eines Vorschlages abstimmen, den die Verhandlungspartner zwischenzeitlich wieder zurückgezogen haben? Wie geht der Internationale Währungsfonds (IWF) damit um, dass Griechenland Zahlungen nicht leisten kann, obwohl der IWF zuvor schon Zahlungserleichterungen gewährt hatte? „Diese Frage ist wichtig“, erklärt Chaney. „Denn wenn dem Exekutivdirektorium des IWF ein Zahlungsausfall angezeigt wird, dann muss der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) entscheiden, ob er eine unmittelbare Rückzahlung der Kredite verlangt, die Griechenland bereits gewährt wurden.“

Wie geht es im Verlauf der Woche weiter?
Zunächst dürfte die EZB das griechische Bankensystem weiter über Wasser halten. „Am Mittwoch, dem nächsten kritischen Zeitpunkt, werden wir wissen, ob die Staaten der Eurozone gewillt sind, ihr Angebot noch einmal aufzubessern – und wie es in diesem Fall weitergehen würde“, so Chaney. „Der Spielraum scheint zwar begrenzt, aber eine Initiative in letzter Minute ist eindeutig eine Möglichkeit.“

Was passiert, wenn die Griechen mit „Ja“ stimmen?
Das griechische Kabinett tritt zurück und der griechische Präsident versucht mit verschiedenen Parteien eine neue Koalition zu bilden. „Eine Möglichkeit ist eine große Koalition, der auch Syriza angehört“, erläutert Chaney. „Ansonsten wären Neuwahlen notwendig. Die internationalen Kreditgeber werden wahrscheinlich die finanziellen Konditionen für Griechenland lockern, so dass Zahlungen durch den IWF und die EZB (am 20. Juli) möglich werden und das Bankensystem stabilisiert wird. Sobald ein neues Kabinett gebildet ist, werden die Vorschläge der Kreditgeber das griechische Parlament passieren und die versprochenen 15,7 Milliarden Euro an Griechenland ausbezahlt. Verhandlungen über ein drittes Hilfsprogramm und eine Entschuldung werden anschließend beginnen. „Die Finanzmärkte werden sich schnell erholen im Falle eines „Ja“-Votums“, so Chaney weiter. „Die Geldpolitik der Fed stünde dann wieder im Hauptfokus der Märkte.“

Was passiert, wenn die Griechen mit „Nein“ stimmen?
Die europäischen Partner werden wahrscheinlich davon ausgehen, dass die griechische Bevölkerung nicht mehr im Euroraum bleiben möchte. Griechenland wird klarstellen, dass es die EZB-Anleihen nicht zurückzahlen wird (wenigstens nicht zum Nennbetrag). „Die EZB wird Griechenland in diesem Fall wahrscheinlich als zahlungsunfähig und die griechischen Banken als insolvent ansehen“, erläutert Chaney. In diesem Fall gäbe es keine Basis mehr für Notfallhilfen und das griechische Bankensystem sei bankrott. Kapital- und Einlagekontrollen würden in diesem Fall verschärft und der Grexit vorbereitet.
„Sollte es zu spekulativen Angriffen auf Peripherieländer kommen – hier wäre Portugal am verletzlichsten, könnte die EZB nationalen Zentralbanken erlauben, ihre Ankäufe von Staatsanleihen zu erhöhen“, so Chaney. „Die Finanzmärkte werden wahrscheinlich negativ reagieren und der Euro um weitere 5 bis 10 Prozent sinken, genauso wie der Aktienmarkt. Dagegen dürften sich die Spreads von Peripherieländern wahrscheinlich ausweiten, angesichts der möglichen EZB-Interventionen allerdings nicht dramatisch.“

Henderson Managerkommentare zur Griechenland-Krise

Stephen Thariyan: Greece – problem child confronted with adult responsibility
By credit market standards, reaction and volatility in markets given the Greek debacle is far from extreme and could actually be described as relatively well behaved and muted. That is not to say appetite for risk assets could not worsen given that markets are having to try and price for the unprecedented.

However, the markets and the institutions that help steer its path are much bigger than the problem child that is Greece. There exists immediately several mechanisms by which confidence could improve not least actions by the ECB to ensure non-contagion in the periphery and a “yes” vote in the referendum on Sunday, which the polls are currently predicting. There is also the advantage to be had for eurozone economies if this is seen as a stronger Europe trying to recover capital that has been propping up a nation.

We have no direct exposure to Greece but the general market sell off does not improve performance, given the beta in the funds. That said, we are not minded to reduce risk or buy protection through derivatives. We acknowledge this could remain a volatile period but will ride the volatility and continue to look for attractively priced assets.

Managerkommentar Ben Lofthouse zur Griechenland-Krise
There are no immediate implications for the strategy, and we are not making any changes as a result of the weekend’s events. We are always wary of risks when selecting stocks and this event has been well flagged for several months now. The potential wider exposures are detailed below:

  • Direct exposure 0% - the biggest potential impact of the unfolding situation in Greece is upon Greek domestic companies, in particular financial sector companies. The Global Equity Income strategy does not have any exposure to Greece directly via Greek companies.
  • Southern Europe - low exposure, sub 5%. The longer term concern that investors worry about is the risk that events in Greece are repeated in other indebted countries in Europe; Spain, Ireland, Portugal and Italy. Whilst we believe that this is unlikely given the improving growth in these markets and moves towards reforms, we do not have significant exposure to these markets. The strategy has c.4% in Italian and Portuguese companies, consisting of an investment in a utility, telecom and integrated oil company.
  • Currency - the strategy has c.20% in euro denominated companies, of which approximately ½ of the exposure is in domestic companies and ½ in global companies. Global companies will tend to gain from any currency weakness that might occur as overseas earnings are translated into euros, and in some cases will gain competitiveness. Predominantly European exposed companies will see their value fall when translated into the strategy’s base currency, but should benefit longer term from the ongoing European economic improvement. If this shows signs of slowing we will reassess our exposures, but economic data last week was generally strong.

Zitat der Woche: China setzt einen deflatorischen Impuls

„Sie können zwar China ignorieren, aber China wird Sie nicht ignorieren.“
Mark Tinker, Head of AXA Framlington Asia

China wird langfristig orientierten Investoren weiterhin ein breites Spektrum von Anlagen mit attraktiven Renditen bieten. Diese Ansicht vertritt Mark Tinker, Head of AXA Framlington Asia. „China kann nach Ansicht des Experten einen deflatorischen Impuls für die Preise von Vermögenswerten setzen, so wie die chinesische Wirtschaft es zuvor bereits für die Konsumgüterpreise getan habe. Tinker erläutert seine Theorie anhand eines anderen Beispiels: „Wenn wir auf die Generation der Babyboomers blicken, dann erkennen wir, dass sie einen inflationären Impuls mit sich tragen. Das überrascht nicht, da sie dazu neigen, eine erhöhte Nachfrage zu produzieren, was mit Verzögerung wiederum zu einer erhöhten Produktion führt.“ Das wiederum führe zu einer gegenteiligen Entwicklung, nämlich einer Disinflation, weil das neue Angebot die Nachfrage übersteige. So habe etwa die durch die Altersvorsorgepläne der Babyboomer angeregte Nachfrage in den späten 1990er-Jahren die Preise von Technologieaktien steigen und zugleich die Refinanzierungskosten für die Unternehmen sinken lassen. Jetzt allerdings stünden andere Investments im Fokus dieser Generation. „Inzwischen wollen die Babyboomer vor allem festverzinsliche Papiere“, so Tinker. „Daher überrascht es nicht, dass die Kurse am Anleihemarkt deutlich gestiegen sind.“ Dies liege allerdings nicht nur daran, dass die Nachfrage der Babyboomer das Angebot übersteige – sondern auch daran, dass die Politik durch regulatorische Vorschriften die Nachfrage zusätzlich gesteigert und durch Quantitative Easing das Angebot verknappt habe.

Nun aber trete China auf den Plan: Wenn eine Entflechtung des Bankensystems und der Schuldenstrukturen im Reich der Mitte neue Anlagemöglichkeiten im Wert von mehreren Billionen US-Dollars schaffe, dann sollte das eine deflatorische Wirkung auf die Finanzmärkte haben, weil die höher rentierlichen Papiere aus China westliche Anlagemöglichkeiten mit niedrigeren Renditen aus dem Markt drängen könnten. „Höhere Renditen plus mögliche Kursanstiege im Osten versus niedrigere Renditen und potenzielle Kapitalverluste im Westen – dieses Muster ähnelt in bemerkenswerter Weise der großen Investmentgelegenheit, die sich in den 1990er-Jahren durch die Angleichung der Anleiherenditen in den Peripherieländern der Europäischen Union ergeben hat, so Tinker weiter.

Die jüngsten Ankündigungen zur Restrukturierung des chinesischen Bankensektors legten nahe, dass der Renminbi (RMB) im Laufe des Jahres tatsächlich konvertierbar werden und die bisherigen Vorschriften zum Verhältnis von Einlagen und vergebenen Krediten aufgeboben werden könnten. „Dies war ein relativ grobes Instrument, um die Banken davon abzuhalten, ihre Bilanzsummen zu sehr aufzublähen“, erläutert Tinker. „Inzwischen herrscht die Meinung vor, dass es nicht mehr gebraucht wird und ein mögliches Wachstumshemmnis darstellt.“ Dennoch bedeute dies nicht automatisch, dass die Abschaffung der Vorschriften das Wachstum stimuliere. „Die Abschaffung der Quotenvorgaben benötigt – genau wie niedrige Leitzinsen oder Liquiditätsspritzen – eine Ausweitung der Kreditvergabe, damit sie sich in ökonomische Aktivität verwandelt“, so Tinker. „Wir bezweifeln deshalb, dass diese Reform zu einer unverantwortlichen Ausweitung des Kreditgeschäfts führen wird. Sie sollte einfach als ein weiterer Schritt auf dem komplizierten Weg zur Liberalisierung der chinesischen Finanzmärkte gesehen werden.“

Oddo & Cie: Der Grexit hat begonnen, wird sich aber nicht zum Flächenbrand ausweiten

Deitdem der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras die Griechen aufgefordert hat, beim Referendum am 5. Juli die jüngsten Vorschläge der Gläubiger zurückzuweisen, ist das Tischtuch zwischen den Hellenen und dem Rest Europas definitiv durchschnitten. Das Land werde am morgigen Dienstag also das Bailout-Programm ohne Kreditlinie verlassen, schreibt Bruno Cavalier, Chefvolkswirt von Oddo & Cie, in seinem jüngsten makroökonomischen Kommentar. Somit würden die Griechen zunächst gegenüber dem IWF zahlungsunfähig und danach gegenüber sich selbst, etwa bei der Zahlung der Löhne für die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Unterdessen horteten die Bürger alles von Wert, vor Euro-Noten über Treibstoff bis zu Nahrungsmitteln.

„Der Grexit hat bereits begonnen, mit Hilfe der EZB wird sich der Rest Europas aber nicht anstecken“, so Cavalier. Gegen einen Flächenbrand sprechen nach Ansicht des Ökonomen drei Gründe: Zum ersten sei das Exposure der Privatwirtschaft gesunken, sodass ein Zahlungsausfall nicht zu untragbaren direkten Kosten führen werde. Zum zweiten gebe es mittlerweile einen großen Abstand zwischen dem zahlungsunfähigen, in der Rezession steckenden und politisch wie sozial instabilen Griechenland und anderen schwachen Euroraum-Ländern wie Portugal. Und zum dritten verfüge die EZB über die technischen und rechtlichen Mittel, um etwa gegen Spread-Ausweitungen vorzugehen, sollten sie exzessiv und andauernd werden.

Die Details finden Sie im links zum Download beigefügten Dokument in englischer Sprache.

Fidelity Marktkommentar: Chinesische Konsumbranchen stehen vor Trendwende

Kronberg im Taunus, 29. Juni 2015 – „In den vergangenen beiden Monaten hat die chinesische Wirtschaft dank der expansiven Geldpolitik wieder Tritt gefasst. Trotz einer geringen Investitionsnachfrage und schwachen Exporten lassen sich erste positive Entwicklungen beobachten. So stiegen die Verkaufszahlen am Immobilienmarkt erstmals seit 2013 wieder an. Gründe dafür waren gelockerte Bestimmungen, die Peking zur Dämpfung der Immobilienkonjunktur erlassen hatte, niedrigere Zinsen und steigende Kurse am Aktienmarkt. Ein solides Lohnwachstum und der positive Vermögenseffekt angesichts steigender Immobilien- und Aktienmärkte wirkte sich positiv auf die Einzelhandelsumsätze und den Konsum aus. Bei den Gewinnmargen in der Industrie zeichnete sich infolge sinkender Kosten und billigerer Kredite ebenfalls eine Verbesserung ab.

Trotz dieser positiven Signale ist die chinesische Realwirtschaft noch schwach, die disinflationären Tendenzen dauern an. Deshalb rechne ich im zweiten Halbjahr 2015 mit weiteren fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen, die die Wirtschaft ankurbeln. Besonders optimistisch bin ich für das dritte Quartal. Bis dahin dürfte der Effekt der Lockerungsmaßnahmen in der Wirtschaft angekommen sein. Durch den anhaltenden Konjunkturaufschwung in den USA sollten unterdessen auch die Aussichten für das chinesische Exportwachstum wieder günstiger werden.

Eine Trendwende zeichnet sich in den Konsumbranchen ab: Bei Sportartikeln, Bekleidung und Schuhen geht die Phase des Lagerabbaus allmählich zu Ende. Branchen, die zuvor unter hohen Lagerbeständen gelitten haben, werden künftig nicht mehr so stark unter Preissenkungsdruck stehen. Deshalb erwarte ich dort bessere Gewinnmargen. Darüber hinaus bemüht sich die chinesische Regierung darum, den inländischen Konsum zu stärken. So wurde etwa im September 2014 eine Ladenpassage für zollfreie Einkäufe in der Provinz Hainan eröffnet, und die Einfuhrzölle auf Hautpflegeprodukte, Bekleidung, Schuhe und Windeln wurden jüngst reduziert. An Positionen in Titeln aus konsumnahen Dienstleistungsbranchen, von deren Qualität und Potenzial ich überzeugt bin, halte ich deshalb fest. Dazu zählen insbesondere Positionen in den Bereichen Lebensmitteln und Getränke, langlebige Konsumgüter und Bekleidung sowie verbrauchernahe Dienstleistungen.“

AXA IM aktuell: US-Zinserhöhung im September – und dann?

Wenn die Fed die Geldpolitik strafft, wird sie dazu auch innovative Geldinstrumente nutzen. Welche das sind, erklärt David Page, Senior Economist bei AXA IM.

Der Zeitpunkt, da die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) die geldpolitischen Zügel wieder anziehen und den Leitzins erhöhen wird, rückt näher. Voraussetzung für diesen Schritt sind für die Fed zwei Faktoren: weitere Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt und die „begründete Zuversicht“, dass die Inflation mittelfristig steigt. Die Zeichen dafür stehen gut, denn nach einem schwachen Start ins Jahr, beginnt die US-Wirtschaft wieder zu expandieren. „Der Beweis dafür sollte im Laufe des Sommers angetreten werden“, sagt David Page, Senior Economist bei AXA IM. „Wir bleiben dabei, dass die Fed die ersten Schritte im September einleiten wird.“ 


Wirtschaftsschwäche vorübergehend

Die Fed geht davon aus, dass die Schwäche im ersten Quartal saisonbedingt war und zumindest zum Teil vorübergehende Faktoren widerspiegelte - etwa den harten Winter, den Rückgang der Investitionen im Energiesektor aufgrund des schwachen Ölpreises und die Streiks der Hafenarbeiter an der Westküste, die den Welthandel ausbremsten. Auch gab es Anzeichen einer Abschwächung des privaten Konsums im Einzelhandel, und die Verbraucher waren im April weniger zufrieden. Dennoch haben ein solides Beschäftigungswachstum und fallende Benzinpreise zusammen genommen das real verfügbare Einkommen ausgesprochen angekurbelt. Da die Verbraucher jedoch nicht viel Geld ausgaben, stieg zugleich die Sparquote an. „Wir erwarten, dass diese Entwicklung in den kommenden Quartalen wieder zurückgeht“, sagt Page. „Ein schnelleres Lohnwachstum sollte die privaten Verbraucher beflügeln, wieder mehr Geld auszugeben.“ 


Arbeitsmarkt zieht weiter an

Auch der US-Arbeitsmarkt zeigt Anzeichen einer Erholung über eine breite Spanne von Indikatoren. „Der Arbeitsmarkt ist mindestens genauso gesund wie 2004, als die Fed zum letzten Mal einen Zinsanhebungszyklus  startete“, so Page.  Die Anzahl der Beschäftigten steige wieder stärker als in den vergangenen zwei Jahren. Ein weiterer Indikator für einen anziehenden Markt sei das Lohnwachstum  – je niedriger die Arbeitslosenquote desto höher der Lohnkostendruck. Der Lohnanstieg  wiederum sichert einen mittelfristigen Inflationsdruck. Dafür sprechen laut Page auch die steigenden Lohnstückkosten, die ebenfalls Schlüsselmotoren für eine im Inland erzeugte Inflation seien. Allerdings blieben die Inflationserwartungen verhalten. „Das ist ein Unterschied zu 2004, den die Fed berücksichtigen könnte. Vermutlich wird sie harte Zahlen sehen wollen, bevor sie die Zinsen erhöht. Das sollte jedoch im Laufe des Sommers geschehen“, versichert Page.


Prozess der geldpolitischen Straffung wird komplexer

Angesichts der Veränderungen des US-Geldmarktes unter dem Quantitative Easing (QE) und der Flut an Liquidität wird nach Ansicht des Experten der Prozess der Zinserhöhung komplexer werden als in der Vergangenheit. „Die Fed wird eine Spanne für den Leitzins anvisieren, mit einem Cap für Zinsen auf Überschussreserven und einem Floor für Zinsen auf kurzfristige Einlagen aus dem Nicht-Banken-Sektor“, erklärt Page. Damit hat die Fed geldpolitische Instrumente geschaffen, die die Obergrenze und die Untergrenze steuern und so dafür sorgen sollen, dass die Marktzinsen nahe am anvisierten Leitzins bleiben.
Eines dieser Instrumente sind die Zinsen auf Überschussreserven (IOER), die die Fed 2008 einführte. „Das Angebot an Liquidität war zu hoch, die Nachfrage zu niedrig, so dass die Zinssätze auf dem Interbankenmarkt unter den Zinssatz fielen, den sich die Fed wünschte“, erklärt Page. Dank der IOER war es für Banken nicht mehr attraktiv, ihre Überschussreserven zu einem niedrigeren Marktzinssatz zu verleihen. Dadurch bildete sich ein Boden für den Marktzins. 

In der Praxis blieben die Marktzinsen jedoch weiter unter dem von der Fed gezahlten Zinssatz auf Überschussreserven. Der Grund dafür: Es gibt Kreditgeber, die keinen Zugang zur Fed haben – zum Beispiel Geldmarktfonds. Diese verleihen weiterhin Finanzmittel und sorgen so für eine Kluft zwischen den IOER und den Marktzinsen. Derzeit ist die Differenz gering (12 Basispunkte), da sich auch für Nicht-Banken die Kreditvergabe kaum noch lohnt. „Das könnte sich aber wieder ändern, wenn die Fed den Leitzins erhöht und damit indirekt bewirkt, dass auf dem Markt wieder höhere Zinssätze gezahlt werden“, sagt Page. „Dann könnte die Spanne zwischen IOER und Marktzinsen wieder größer werden.“ 

Das ist jedoch nicht im Interesse der Fed. Darum hat sie alternative Möglichkeiten für diese Institutionen getestet wie Overnight-Reverse-Repos (ON RRP) und Term Deposit Facilities (TDF). Indem die Fed allen, also auch Nicht-Banken, alternative Investmentoptionen anbietet, will sie diesen Kreditgebern den Anreiz nehmen, Kredite unter den IOER anzubieten. Das bedeutet: Wenn die Fed die Geldpolitik strafft, wird der Prozess der Zinsanhebung nicht mehr so geradlinig sein wie früher. Die Zentralbank wird sich weiter eine Range für den Leitzins zum Ziel setzen, die  gelenkt wird von den IOER und den Zinsen auf RRP.

Wirtschaftswachstum in den EMs läuft auf Kredit – Türkei extrem gefährdet

Seit 2008 wächst die Wirtschaft in den Schwellenländern vor allem auf Kredit. Stagnierender Welthandel, unzureichende Wettbewerbsfähigkeit und nur minimale Produktivitätszuwächse in zahlreichen Emerging Markets sowie zunehmende staatliche Eingriffe in die Wirtschaft – das sind die Hauptgründe, warum Exporte und Investitionen in den letzten Jahren kaum gestiegen sind. Zwar hat die Wirtschaftsleistung zugelegt, doch in erster Linie durch kreditfinanzierte Konsumausgaben. Maarten-Jan Bakkum,  Globaler Aktien-Stratege für Emerging Markets bei NN Investment Partners:

In den aufstrebenden Volkswirtschaften insgesamt ist die Verschuldung im Verhältnis zum BIP von 99 Prozent im Jahr 2008 auf aktuell 125 Prozent gestiegen. Im historischen Vergleich ist das eine massive Zunahme, vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich dabei um einen Durchschnittswert handelt. In einigen Ländern, wie Indien, Taiwan und Mexiko, verlief das Kreditwachstum eher moderat. Doch in anderen ist der Verschuldungsgrad deutlich gestiegen. Diese Länder haben jetzt mit schweren Ungleichgewichten zu kämpfen, die den Bankensektor in den kommenden Jahren ernsthaft belasten könnten. Das gilt vor allem für Thailand, Malaysia, Brasilien, die Türkei und China.

China ist ein Sonderfall. Das explodierende Kreditwachstum im Land ist in erster Linie durch die Infrastrukturinvestitionen von Gebietskörperschaften sowie anderen Investments im halböffentlichen Bereich bedingt. In Brasilien wird die Verschuldung vor allem durch die Finanzierung von Großprojekten (insbesondere im Energiesektor) sowie Verbraucherkrediten angetrieben. In den drei übrigen Ländern fungieren hauptsächlich die Verbraucherkredite als Schuldentreiber. Doch eines ist allen fünf Ländern gemein: Das exzessive Kreditwachstum war nur im Zuge jahrelanger kräftiger Kapitalzuflüsse aus dem Ausland möglich. Aufgrund der ultraniedrigen Zinsen in den USA und Europa sowie der seinerzeit hervorragenden Wachstumsaussichten an den Emerging Markets erreichten spekulative Investitionen aus dem Ausland einen Rekordstand nach dem anderen, vor allem in den Jahren 2006 bis 2011.

Inzwischen haben sich die Kapitalflüsse jedoch ins Negative gedreht. In den vergangenen vier Quartalen haben Anleger über 700 Milliarden US-Dollar von den Emerging Markets abgezogen. Grund ist vor allem die Unsicherheit im Hinblick auf die anstehende Zinswende in den USA sowie die Sorge um die Wachstumsentwicklung in China und anderen Emerging Markets. Solange diese Situation anhält, ist das hohe Kreditwachstum der letzten Jahre nicht zu halten. In Thailand hat der Korrekturprozess bereits eingesetzt. Doch in anderen Ländern ignoriert oder unter-schätzt man das Problem und lässt den Risiken freien Lauf.

Die Türkei ist dabei am stärksten gefährdet. Hier klettert das Kreditwachstum mit einer Rate von 20 Prozent. Das Leistungsbilanzdefizit der Türkei beträgt bereits 6 Prozent des BIP. Am meisten Sorge bereitet indes die Tatsache, dass der türkische Bankensektor sich vor allem mit ausländischem Kapital finanziert. Angesichts der jüngsten Kapitalflucht aus der aufstrebenden Welt und der immensen politischen Unwägbarkeiten in der Türkei könnte die Kapitalaufnahme für türkische Banken bald sehr viel schwieriger werden.  Eine einschneidende Korrektur bei der Kreditentwicklung scheint unvermeidbar.

Bantleon Quarterly Perspectives II/2015

Auch wenn das Tauziehen im Griechenlandstreit die Finanzmärkte derzeit in Atem hält – sobald sich hier eine Lösung abzeichnet, werden die Investoren den Blick wieder stärker auf die fundamentalen Rahmenbedingungen richten. Und diese sind für die kommenden Quartale klar positiv. Getragen durch eine Wiederbelebung in den USA und eine Erholung in China rechnen wir mit einer anziehenden Welthandelsdynamik. Der bislang hauptsächlich von der Binnenwirtschaft angetriebene Aufschwung in der Eurozone erhält damit zusätzlichen Rückenwind. Unter diesen Voraussetzungen ist für die Aktienmärkte der Weg frei zu neuen Höchstständen, gleichzeitig sollten die Risikoprämien von Anleihen wieder deutlich abschmelzen. Leidtragende dieser Entwicklung dürften die sicheren Häfen sein.

Mehr zu den Konjunktur-, Inflations- und Finanzmarktprognosen von Bantleon für das laufende und das kommende Jahr erfahren Sie im »Quarterly Perspectives II/2015«. Das Dokument finden Sie zum Download links.

Fidelity Marktkommentar: Am Grexit kann niemand Interesse haben

Vor dem EU-Gipfel morgen geben Dierk Brandenburg, Staatsanleihen-Analyst, und Eugene Philalithis, Manager des Fonds Fidelity Zins & Dividende, ihre Einschätzungen zu Auswirkungen eines möglichen Grexit:

Dierk Brandenburg: „An einem Grexit kann niemand Interesse haben, würde er doch einen weiteren Einbruch der dortigen Wirtschaft und damit mehr Finanzhilfen und einen Forderungsverzicht der EU nach sich ziehen.

Griechische Staatsanleihen halten wir für sicher, da sie nur geringen Anteil an der Kapitalstruktur des Landes haben – anders als die horrenden Verbindlichkeiten der öffentlichen Hand, die bereits umgeschuldet wurden. Nach dem Anleihetausch 2012 sind Staatsanleihen nun mit robusten Anleihebedingungen nach internationalem Recht ausgestattet, unter anderem mit Umschuldungsklausen, nur mit Zustimmung der Gläubiger. Abgesehen von einer geringfügigen Zahlung im Juli sind die nächsten Kuponzahlungen erst 2016 fällig. Insbesondere nach einem Euro-Austritt hätte die Regierung großes Interesse, diese Anleihen zu bedienen, um sich weiter Zugang zu den Auslandsanleihemärkten zu sichern.

Sollten die Verhandlungen scheitern, wäre die Eurozone anders als 2012 in der Lage, mit ihren Unterstützungsmechanismen und der quantitativen Lockerungspolitik der Europäischen Zentralbank die Folgen für die Finanzmärkte als Ganzes abzufedern. Daher reagieren die Anleihemärkte aktuell auch gelassen. Mit einem Grexit würde jedoch ein Präzedenzfall für andere Mitglieder der Eurozone geschaffen. Daher müssen dringend weitere politische Schritte hin zu einer gemeinsamen Haushalts- und Wirtschaftspolitik in der Eurozone ergriffen werden.“

Eugene Philalithis: „Mehr als alles andere verabscheuen die Märkte Unsicherheit. Nach dem EU-Gipfel am Donnerstag dürften die Schwankungen zunehmen, sofern man wieder keine Lösung für die Krise präsentiert. Wie immer in politisch heiklen Situationen müssen auch hier die Folgen einer Staatspleite Griechenlands und eines möglichen Grexit für die Region als Ganzes bedacht werden. Meines Erachtens ist die EU heute generell in einer besseren Verfassung als vor wenigen Jahren. Die anderen europäischen Länder dürften daher relativ gut gegen die Folgen einer Staatspleite Griechenlands gewappnet sein.“

Vontobel Asset Management: Gute Aussichten für Corporate Spreads

Die Experten von Vontobel Asset Management sind positiv für Unternehmensanleihen gestimmt. Diese Einschätzung beruht auf der Annahme, dass die Renditen der Staatsanleihen nicht überschießen und sich auf einem Niveau von beispielsweise 0,8% bis 1,2% bei zehnjährigen Bundesanleihen stabilisieren werden.

Dafür führen sie eine Reihe von Gründen an: So habe sich die Federal Reserve mit Blick auf Leitzinsanhebungen zuletzt weiter sehr zurückhaltend gegeben, um den Fortschritt der US-Volkswirtschaft nicht zu gefährden. Darüber hinaus zeige sich der Konjunkturzyklus im Euroraum tragfähiger als jemals zuvor seit der Staatsschuldenkrise 2011. Das leichte, gleichzeitig aber ordentliche Wachstum in Kombination mit der geringen Inflation werde die gegenwärtige Erholung und den Kreditzyklus verlängern. In der Vergangenheit sei dies ein gutes Umfeld für das Mid- und High-Yield-Segment gewesen.

Hinzu komme, dass sich Europas Regierungen die gegenwärtigen hohen Kosten für Renten- und Gesundheitssysteme nicht mehr leisten könnten. Daher werde man beispielsweise bei der Altersvorsorge von einem System der Leistungszusage (defined benefit) zu einem System der beitragsorientierten Leistungszusage (defined contribution) kommen müssen. Dies werde zu ganz neuen Kapital-Pools führen, die in Anleihen investiert werden müssten. Schätzungen zufolge belaufe sich daraus resultierende zusätzliche Nachfrage auf 280 Mrd USD pro anno auf Sicht der kommenden zehn Jahre. Dies werde den Anstieg der Renditen von Benchmark-Anleihen begrenzen.

Investoren bevorzugen nachhaltige Anlagestrategien

Frankfurt, 24. Juni 2015 – Immer mehr deutsche Großanleger wie Versicherungen, Pensionskassen, Unternehmen oder Stiftungen investieren nachhaltig. Gegenwärtig berücksichtigen bereits 58 Prozent von ihnen Nachhaltigkeitskriterien bei ihrer Kapitalanlage. Im vergangenen Jahr lag der Anteil noch bei 56 Prozent, im Jahr 2013 bei 48 Prozent. Ein Ausstieg aus der nachhaltigen Kapitalanlage ist für 80 Prozent der nachhaltigen Investoren undenkbar. Zu diesen Ergebnissen gelangt die aktuelle Nachhaltigkeitsstudie von Union Investment in Zusammenarbeit mit Professor Henry Schäfer von der Universität Stuttgart.

Der positive Trend am Markt spiegelt sich auch im Stimmungsindex für nachhaltige Kapitalanlagen wider. Dieser von Prof. Schäfer auf Grundlage von Befragungen institutioneller Investoren berechnete Indikator misst die Einstellung deutscher Großanleger zum Thema Nachhaltigkeit auf einer Skala von -100 bis +100. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Index um 2,2 Punkte auf einen Wert von +15,6. Noch vor drei Jahren wies der Stimmungsindex einen Wert von +4,2 Punkten auf (2013: +5,4 Punkte).

„Diese Entwicklung zeigt, dass trotz mancher Vorbehalte die Akzeptanz für nachhaltige Investmentstrategien wächst. Nachhaltigkeit hat inzwischen einen festen Platz in den Portfolios vieler institutioneller Investoren“, sagte Alexander Schindler, der im Vorstand von Union Investment für das Geschäft mit institutionellen Kunden zuständig ist.

Hohe Zufriedenheit mit Nachhaltigkeitsinvestments

Der Aufwärtstrend bei nachhaltigen Kapitalanlagen düfte sich fortsetzen. Denn 56 Prozent der nachhaltig investierenden Großanleger sind mit ihrem Ansatz zufrieden. Bei der Rendite sehen die meisten von ihnen keinen Unterschied im Vergleich zu konventionellen Investments, 18 Prozent schätzen das Renditepotenzial sogar höher ein.

Ein wichtiges Motiv für die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien ist das Risikomanagement. Mehr als die Hälfte der Anleger (53 Prozent) nutzt entsprechende Investmentansätze zur Optimierung ihres Risikomanagements. Vor allem Stiftungen, Pensionskassen und Kreditinstitute nennen diesen Beweggrund häufig.

Ein weiterer Beleg für den hohen Stellenwert der nachhaltigen Kapitalanlage ist, dass 93 Prozent der Investoren darin die mit Abstand wirkungsvollste Maßnahme sehen, um als Unternehmen bzw. Organisation einen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit zu leisten. An zweiter Stelle wird Corporate Governance, d.h. gute Unternehmensführung (81 Prozent) genannt, gefolgt von sozialem Engagement (74 Prozent) und Maßnahmen zum Umweltschutz (67 Prozent).

Skepsis ist rückläufig

Obwohl die Zahl der Anleger, die keine Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen ist, macht ihr Anteil noch 42 Prozent aus. Ihre Zurückhaltung begründen sie vor allem mit fehlenden Vorgaben in den Anlagerichtlinien (57 Prozent), mangelnder Nachfrage seitens der Gremien (47 Prozent) und mit einer geringen Kundennachfrage (39 Prozent). Als Hemmnisse werden darüber hinaus ein befürchteter hoher administrativer Aufwand, niedrigere Renditeerwartungen sowie eine mögliche Einschränkung des Risikomanagements genannt. 

„Wissenschaft und Praxis können viele dieser Vorbehalte entkräften“, zog Prof. Schäfer mit Blick auf die Zufriedenheit der nachhaltig anlegenden institutionellen Investoren Bilanz. „Schon wegen steigender Anforderungen durch die EU-Regulierung sollten Skeptiker ihre Position überdenken.“ Die befragten Investoren selbst sehen als entscheidenden Impulsgeber für die nachhaltige Kapitalanlage sich verändernde regulatorische Anforderungen (47 Prozent).

Die Großanleger wünschen sich mehr Unterstützung bei der Umsetzung von Konzepten der nachhaltigen Kapitalanlage. Alexander Schindler sieht die Fondsbranche hier durchaus in der Pflicht: „Die Studienergebnisse zeigen einen hohen Beratungsbedarf bei Investoren in Sachen Nachhaltigkeit, der auch auf steigende Regulierungsanforderungen zurückzuführen ist.“ Aufgabe der Vermögensverwalter sei es, Investoren durch eine individuelle Beratung auf Grundlage konkreter Herausforderungen zu unterstützen. „Dabei geht es nicht um Produkte von der Stange, sondern um passgenaue Lösungen“, betonte Schindler.

GAM: „Anleger unterschätzen das Potential des Reformprozesses in Indien“

Mit dem von der Regierung Modi eingeleiteten Reformprozess steht Indien in den kommenden Jahren vor einem langanhaltenden Wirtschaftsaufschwung. Zu dieser Einschätzung kommt Madhav Bhatkuly, Fondsmanager des GAM Star India Equity. „Die Voraussetzungen dafür könnten besser kaum sein, denn nach langer Zeit kommen gleich eine ganze Reihe von positiven Faktoren zusammen“, sagt er. Die Reformpläne seien zwar sehr ambitioniert, werden aber von breiten Teilen seiner Wählerschaft getragen. „Dieser Reformprozess darf aber nicht unterschätzt werden, schafft er doch die Voraussetzungen, mehr internationale Firmen anzuziehen und den Unternehmergeist in seiner gut ausgebildeten Bevölkerung zu fördern“, so Bhatkuly. 

Indiens Regierung hat ambitionierte Pläne

‚Die Briten haben die Bürokratie eingeführt, die Inder haben sie perfektioniert‘, so ein bekanntes Sprichwort in Indien. Laut Bhatkuly packe Modi mit seiner Reformagenda das Problem der überbordenden Bürokratie endlich aktiv an, mit dem Ziel, wirtschaftliches Handeln zu stimulieren. Heute brauche es sehr gute Nerven und viel Ausdauer, um bürokratische Hindernisse zu überwinden und Geschäfte in Indien zu tätigen. Eine kürzlich publizierte Studie über unternehmerfreundliche Rahmenbedingungen in verschiedenen Ländern zeigt, dass in dieser Hinsicht noch viel zu tun bleibt: Von den insgesamt 189 bewerteten Nationen belegt Indien nur Rang 142*. Zu Modi‘s Reformen gehört auch die Verschlankung und Beschleunigung der Genehmigungsprozesse bei Industrieneubauten. Heute sind dafür über 70 Bewilligungen nötig, deren Beschaffung gut und gerne drei Jahre verschlingen. Und auch das komplizierte Steuersystem, das unter anderem aus einer Vielzahl von regionalen Steuern besteht, soll vereinheitlich und einfacher werden. 

Viele positive Faktoren treffen aufeinander

Aber nicht alleine aufgrund der Reformbemühungen seien die wirtschaftlichen Aussichten in Indien laut Bhatkuly so gut wie lange nicht mehr. „Die indischen Unternehmen stehen am Anfang eines Ertragszyklus“, prognostiziert der Fondsmanager: „Die Unternehmensgewinne liegen auf dem niedrigsten Niveau seit 2003 und es gibt deutliche Anzeichen für einen Turnaround.“ Dazu hat die Notenbank die Inflation erfolgreich in den Griff bekommen, was ihr Spielraum für zukünftige Zinssenkungen eröffnet. Außerdem ist Indien – unter allen Emerging Markets – die ölintensivste Volkswirtschaft. Die gesunkenen Kosten für Ölimporte entlasten die Leistungsbilanz Indiens und verbessern damit die Aussichten für den Außenwert der Rupie. „Das Zusammentreffen all dieser Faktoren macht Indien – unabhängig von der Entwicklung anderer Schwellenländern – zu einem langfristig äußerst attraktiven Investment“, so Bhatkuly. 

*Quelle: The World Bank Group
http://www.doingbusiness.org/reports/global-reports/doing-business-2015 

Machen Sie sich auf höhere Volatilität bei Staatsanleihen gefasst

London – Paul O'Connor, Co-Head of Multi-Asset bei Henderson Global Investors, gibt seine Einschätzung zur Entwicklung der Renditen deutscher Bundesanleihen – und allgemein der bedeutendsten Staatsanleihemärkte – seit Ende April bekannt. Ziehen die Renditen weiter an oder werden wir erneut Tiefstände wie im 1. Quartal sehen?

Zurück im Eilschritt

Als die Märkte Ende April ihren jüngsten Höchststand erreichten, konnten sich Besitzer 30-jähriger deutscher Bundesanleihen über ein Plus von 23 % seit Jahresbeginn freuen. Seitdem hat eine dramatische Gegenbewegung die Zuwächse vollständig zunichte gemacht – von der Nummer eins unter den „risikolosen“ Anlagen in Europa hätte man gerade das nicht erwartet.

Auslöser dieses Phänomens war unseres Erachtens der Versuch einer Vielzahl von Anlegern, von den Themen Deflation in der Eurozone und „quantitative Lockerung“ zu profitieren, gefolgt von einer Absetzbewegung, als sie erkannten, wie überlaufen und überbewertet diese Trades bereits waren. Wenn Märkte über das Ziel hinausschießen, bedarf es nicht immer eines fundamentalen Auslösers, um eine Gegenbewegung hervorzurufen. Aber mit Sicherheit hat der Anstieg der Inflation in der Eurozone im Mai, als die Kerninflation auf den höchsten Stand seit einem Jahr kletterte, den Rückgang der Renditen beschleunigt.

Die Moral von der Geschichte

Wir fragen uns, ob die heutigen Anleger in deutschen Bundesanleihen wohl etwas daraus lernen können, was sich Anfang der 2000er Jahre am Markt für japanische Staatsanleihen (JGB) abspielte. Nachdem die JGB-Renditen seit über einem Jahrzehnt gesunken waren, hatten 10-jährige Papiere im Juni 2003 mit 0,4 % die Talsohle erreicht. Obwohl Japans Wirtschaftsleistung ab diesem Zeitpunkt acht Jahre lang schrumpfte, erzielten Anleger, die 2003 japanische Staatsanleihen gekauft hatten, in dem Zeitraum nur eine Rendite von 1 % p. a. – in den ersten vier Jahre erlitten sie sogar Verluste. Und die Moral von der Geschichte: Ist wirtschaftliche Stagnation an den Märkten erst eingepreist, können die Erträge von Anleihen selbst bei anhaltend enttäuschendem Konjunkturverlauf niedrig und volatil sein.

Die Wirtschaft der Eurozone befindet sich heute zudem im Prozess der Erholung und nicht der Stagnation. Die Konsensschätzungen für das Wachstum im laufenden Jahr werden seit sechs Monaten immer wieder angehoben und bei den Inflationsvorhersagen ist dies seit Februar der Fall. Wir erwarten angesichts des schwachen Euro, der gesunkenen Ölpreise, der expansiveren Geldpolitik der EZB und der nachlassenden Sparanstrengungen der Regierungen eine Fortdauer dieser Entwicklung. Die EZB-Politik der quantitativen Lockerung wird zwar noch bis weit ins Jahr 2016 hinein zum Rückgang der Anleiherenditen in der Eurozone beitragen, doch allmählich nimmt die wirtschaftliche Erholung Gestalt an und wird zu einer Kraft, die in die entgegengesetzte Richtung wirkt.

Schwärzestes Quartal

Bei Bundesanleihen waren die Schwankungen in diesem Jahr zwar am stärksten, doch an allen anderen wichtigen Staatsanleihemärkten war das Muster sehr ähnlich. Das 2. Quartal ist auf bestem Wege, zum schlechtesten Quartal für Staatsanleihen seit fast 30 Jahren zu werden. Wie in der Eurozone begann die jüngste Verkaufswelle, als die Euphorie des 1. Quartals nachließ. In letzter Zeit spielten allerdings auch günstigere Konjunkturdaten, speziell aus den USA, eine Rolle.

Draghis Mahnung

Nachdem die US-Konjunkturdaten zu Jahresbeginn enttäuschten, vermitteln sie seit einigen Wochen ein deutlich freundlicheres Bild. Wichtige Datenreihen – Einzelhandelsumsätze, Beschäftigtenzahl, offene Stellen, Verbrauchervertrauen, Verkaufszahlen bei Einfamilienhäusern – haben für positive Überraschungen gesorgt. Das deutet darauf hin, dass die Wirtschaft wieder an Schwung gewinnt und die Konjunkturschwäche des 1. Quartals überwunden ist. Unserer Ansicht nach wird dieser Trend in den kommenden Monaten anhalten und die US-Notenbank veranlassen, die Zinsen noch vor dem Jahresende zu erhöhen. Ein weiteres Anziehen der Anleiherenditen in den USA dürfte die Folge sein.

Wir sehen in den jüngsten Einbußen bei Staatsanleihen größtenteils eine Korrektur des übermäßig starken Anstiegs im 1. Quartal. Sollte unser Basisszenario eintreten, das von einer Fortdauer der weltwirtschaftlichen Erholung ausgeht, werden die Renditen in diesem Zyklus wohl nicht mehr auf die Tiefstände des 1. Quartals zurückfallen. Für das 2. Halbjahr erwarten wir einen weiteren Anstieg. Höhere Renditen müssen für risikoträchtige Anlagen nicht unbedingt negative Folgen haben, wenn sich in ihnen ein günstigeres Konjunkturumfeld widerspiegelt. Die Anleger sollten sich allerdings Mario Draghis jüngste Mahnung zu Herzen nehmen:
 „Machen Sie sich auf Phasen höherer Volatilität gefasst.“

Über den Manager:
Paul O'Connor kam 2013 zum Multi-Asset-Team von Henderson. Zuvor arbeitete er bei Mercer, wo er als Leiter des Bereichs Asset Allocation (EMEA) für die Vermögensaufteilung sämtlicher Kundenportfolios in der Region verantwortlich war. Darüber hinaus war er leitender Fondsmanager des Mercer Diversified Growth Fund. Bei Henderson konzentriert sich Paul O'Connor im Multi-Asset-Team auf die Vermögensaufteilung der Diversified-Growth-Fonds.

Über Henderson Global Investors:
Henderson Global Investors, eine hundertprozentige Tochter der Henderson Group, ist eine weltweit tätige Anlageverwaltungsgesellschaft mit erstklassiger Reputation, deren Geschichte bis ins Jahr 1934 zurückreicht. Henderson managt ein Anlagevermögen von 123,5 Mrd. EUR (Stand: 31. März 2015) für Kunden im Vereinigten Königreich, in Kontinentaleuropa, der asiatisch-pazifischen Region und Nordamerika. Die Zahl der Beschäftigten des Unternehmens beträgt ca. 900 weltweit. Zu den Kunden zählen sowohl Privatanleger, Privatbanken und externe Vertriebsgesellschaften als auch Versicherungen, Pensionskassen, staatliche Organe und Unternehmen. Als reiner Anlageverwalter bietet Henderson eine Produktpalette, die von Aktien und Anleihen über Multi-Asset-Produkte bis hin zu alternativen Produkten reicht.

Weitere Informationen finden Sie unter www.henderson.com.

Vontobel AM Market Update: Noch kann Griechenland den gordischen Knoten lösen

Im Streit zwischen Griechenland und seinen Gläubigern halten die Experten von Vontobel Asset Management nach wie vor einen Kompromiss für möglich. Hier ihre Kernthesen: 

  • Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras ist klar, dass die Mehrheit der Griechen den Verbleib in der Gemeinschaftswährung wünscht, und dass ein ungeordneter Euro-Austritt die griechische Bevölkerung stark unter Druck setzen und somit seine eigene politische Zukunft gefährden würde.
     
  • Während sich einige der Kernländer der Eurozone für einen „Grexit“ erwärmen, lehnt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel einen solchen Ausgang aus Angst vor potenziell unvorhersehbaren Konsequenzen weiterhin klar ab. Außerdem will die deutsche Regierungschefin nicht als Person in die Geschichte eingehen, die für die Auflösung des stärksten Symbols der europäischen Integration seit dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich war. Das Gleiche gilt für den französischen Präsidenten François Hollande.
     
  • Im Fall eines Ausfalls Griechenlands kann die EZB dazu beitragen, das Übergreifen der Krise auf weitere Länder der europäischen Peripherie zu vermeiden. Nach dem positiven Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Einführung der Outright Monetary Transactions (OMT) – mit denen die EZB nun die Möglichkeit hat, Notfallmaßnahmen zu ergreifen und durch den Kauf von Anleihen von Mitgliedern der Eurozone das Eurosystem zu stabilisieren – hat sich die Schlagkraft der Notenbank erhöht, und sie kann die Rolle des Kreditgebers der letzten Instanz übernehmen.
     
  • Die Geldpolitik der USA und die gesamtwirtschaftlichen Daten werden für die Entwicklungsrichtung der globalen Märkte viel wichtiger sein als Griechenland.

Die Details finden Sie im links beigefügten Dokument.

Luke Newman fragt: Haben Sie schon Urlaubspläne?

London – Einer alten Börsenweisheit folgend sollten Anleger im Mai ihre Aktien verkaufen und sich auf den Urlaub vorbereiten, denn über die Sommermonate ist mit Aktien auf der Nordhalbkugel in der Regel kein Staat zu machen. Mag sein, dass diese Strategie in der Vergangenheit für den einen oder anderen traditionellen Anleger mit langem Anlagehorizont aufging. Aber in einer Welt der quantitativen Lockerungen, Rettungsmaßnahmen und hohen geopolitischen Risiken könnte eine pragmatischere und flexiblere Herangehensweise die klügere Alternative sein. 

Während der Sommermonate trocknet die Liquidität an den Aktienmärkten meist aus, denn Händler, Fondsmanager und andere Marktteilnehmer machen Urlaub. Ähnlich verhält es sich im Dezember.

Wenn an engen Märkten umfangreiche Käufe und Verkäufe abgewickelt werden, neigen die Kurse zu größeren Ausschlägen, weil weniger Marktteilnehmer für das jeweilige Gegengeschäft zur Verfügung stehen. Deshalb haben wir die langfristigen Kernpositionen unserer Absolute-Return-Strategie im Sommer tendenziell am liquideren Ende des Marktes aufgebaut. Dieses umfasst die sogenannten Mega-Caps, also Firmen mit sehr großer Marktkapitalisierung, die aufgrund ihres höheren Handelsvolumens weniger unter saisonalen Schwankungen leiden. Während die Handelsvolumina in den letzten neun Monaten, einschließlich dem äußerst lebhaften Dezember, deutlich höher waren, rechnen wir in den kommenden Wochen wieder mit dem traditionellen Versiegen der Liquidität. Dazu dürfte auch das überraschend eindeutige Wahlergebnis in Großbritannien beitragen, das viele Anleger ruhiger schlafen lässt.

Unsere Reiseversicherung

Derzeit scheinen die Märkte für die jährliche Sommerpause aber noch nicht wirklich gerüstet, denn eine Reihe makroökonomischer und geopolitischer Sorgen könnte erneut aufflammen und die Schwankungen verstärken. Dazu zählen unter anderem:

  • Unsicherheiten über Zeitpunkt und Höhe der Zinsstraffungen durch die US-Notenbank (Fed),
  • Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Schuldenkrise in Griechenland,
  • Wahlen in Spanien im Dezember,
  • Geplantes EU-Referendum in Großbritannien.

Zwar können wir nicht mit Sicherheit vorhersagen, von welcher Art der nächste makroökonomische Schock sein wird oder wann er eintritt. Ziemlich sicher aber ist, dass er kommt und mit ihm die Volatilität an den Aktienmärkten in die Höhe schießt. Tritt dieser Fall ein, sind wir mit unserer flexiblen Long-/Short-Strategie gut aufgestellt, um unser Kapital bzw. unseren Gewinn sowohl in turbulenten als auch in ruhigeren Marktphasen zu schützen. Unserem Handelsbuch, das aus kurzfristigen, taktischen Positionen besteht, die durch langfristige Kernpositionen komplettiert werden, ist es egal, ob die Märkte steigen oder fallen. Es bietet uns in beiden Fällen Potenzial für positive, absolute Renditen.
 
Sell in May and go away? Wir bleiben.

Über den Manager:
Luke Newman kam 2011 als Investment Manager für europäische Aktien zu Henderson. Zuvor arbeitete er seit Juni 2009 für Gartmore, nachdem er bei Altima Partners LLP den Alphagen Octanis & Gartmore UK Absolute Return Fund verwaltet hatte. 2005 war er zu Foreign & Colonial gewechselt, wo er zunächst den F&C Special Situations Fund auflegte. Zudem hatte er den F&C Enhanced Alpha Fund lanciert, bei dem die UCITS III-Regulierung zur Einführung einer aktiven Shorting-Strategie genutzt wurde. Davor betreute er als Fondsmanager bei der Deutschen Asset Management sowohl Endkunden als auch institutionelle Mandate. Luke Newman hat einen Bachelor (BSc Hons) in Wirtschaft und Politik der Universität Warwick.

Er managt den Henderson Gartmore United Kingdom Absolute Return Fund (ISIN: LU0200083342, WKN: A0DNFC).

Über Henderson Global Investors:
Henderson Global Investors, eine hundertprozentige Tochter der Henderson Group, ist eine weltweit tätige Anlageverwaltungsgesellschaft mit erstklassiger Reputation, deren Geschichte bis ins Jahr 1934 zurückreicht. Henderson managt ein Anlagevermögen von 123,5 Mrd. EUR (Stand: 31. März 2015) für Kunden im Vereinigten Königreich, in Kontinentaleuropa, der asiatisch-pazifischen Region und Nordamerika. Die Zahl der Beschäftigten des Unternehmens beträgt ca. 900 weltweit. Zu den Kunden zählen sowohl Privatanleger, Privatbanken und externe Vertriebsgesellschaften als auch Versicherungen, Pensionskassen, staatliche Organe und Unternehmen. Als reiner Anlageverwalter bietet Henderson eine Produktpalette, die von Aktien und Anleihen über Multi-Asset-Produkte bis hin zu alternativen Produkten reicht.

Weitere Informationen finden Sie unter www.henderson.com.

ETF Securities - Wöchentlicher Marktüberblick 22.05.2015

Rohstoffe
Gold als sicherer Hafen unverständlicherweise kaum nachgefragt.
Der Markt interpretierte die Kommentare im Anschluss an die FED Sitzung als taubenhaft, weshalb der USD um 1% nachgab. Gold stieg gemessen in USD um 2% an, da die Dollar-Schwäche gemeinsam mit Sorgen um Griechenland den Rohstoff als sicheren Hafen unterstützte. Der Stillstand in den Verhandlungen um die griechischen Staatsschulden könnte den Goldpreis weiterhin steigen lassen. Da Griechenland diesen Monat eine Vielzahl an Tilgungszahlungen zu leisten hat, ist die finanzielle Situation des Landes so prekär wie nie zuvor. Die Finanzmärkte verbleiben jedoch optimistisch, dass eine Einigung in den Verhandlungen erzielt wird. Es könnte zu einigen Marktverwerfungen kommen, sollte diese Einigung wider Erwarten nicht erreicht werden. Gold sollte in diesem Zuge seine traditionelle Rolle als sicherer Hafen einnehmen, wobei die Nachfrage bisher überraschenderweise verhalten blieb.

Platinmetalle sehen inmitten Preisrückgängen Abflüsse. In der vergangenen Woche haben wir 8,7 Mio. USD Nettomittelabflüsse in Platin ETPs und 5,0 Mio. USD in Palladium ETPs verbucht, wobei die Metalle um 1,8% bzw. 2,9% gefallen sind. Auch wenn die Automobilverkäufe nicht so stark waren wir im Vorjahr, so dürften sich die niedrigen Energiepreise positiv auf den Kauf von insbesondere größeren Fahrzeugen auswirken, die entsprechend mehr Platin und Palladium in den Katalysatoren benötigen. Zusätzlich könnte die berüchtigte anstehende Streiksaison in Südafrika das Angebot verknappen. Unserer Meinung nach ist das Marktumfeld übertrieben negativ eingestellt. Somit ergeben sich taktische Einstiegspunkte für Investoren, die kurzfristig volatilere Marktphasen überstehen können.

Investoren steigen aufgrund niedriger Preise in Agrarrohstoffe ein. Drei der Top 5 Nettomittelzuflüsse der Vorwoche konnten in Agrarrohstoffen verbucht werden. Ein abwertender brasilianischer Real, sowie für die Ernte (bis auf weiteres) begünstigendes Wetter, haben die Kaffee- und Zuckerpreise um 2,5% bzw. 3,4% nach unten gedrückt. Nachdem die Preise für Weizen Anfang des Monats aufgrund heftiger Regenfälle in den USA stark anstiegen, fiel der Preis nun um 3,2% da wieder besseres Wetter einsetzte. Das Wetter wird auch weiterhin der Schlüssel für die Agrarrohstoffe bleiben. Die erhöhte Wahrscheinlichkeit eines El Niño Effekts bis Jahresende erhöht auch die Wahrscheinlichkeit von wetterbedingten Schäden an den Pflanzen, woraufhin einige Investoren den jüngsten Preisrückgang als taktischen Einstiegszeitpunkt gewählt haben. So konnten wir 5,4 Mio. USD Nettomittelzuflüsse in Weizen ETPs (6-Wochenhoch), 4,9 Mio. USD in Zucker (13-Wochenhoch) und 5,1 Mio. USD in Kaffee ETPs (4-Wochenhoch) verbuchen. Nettomittelzuflüsse in breite Rohstoffkorb-ETPs erreichten mit 9,6 Mio. USD ein 5-Wochenhoch, was die gehobene Nachfrage nach Rohstoffen als gesamte Anlageklasse bestätigt.

Öl ETPs sehen nach 12 Wochen wieder die ersten Nettomittelzuflüsse. Während es nach 12 Wochen Sektor übergreifend zu den ersten Nettomittelzuflüssen in Öl ETPs kam, fielen sämtliche Zuflüsse auf WTI (5,6 Mio. USD) aus. Brent ETPs sahen hingegen leichte Nettomittelabflüsse in Höhe von 0,3 Mio. USD, wobei der Brentpreis um 1,3% fiel und WTI um 0,5% nachgab. Unserer Meinung nach werden die Ölpreise kurzfristig weiter nachgeben, da die Erwartungen an eine Verlangsamung des Angebots sich als zu optimistisch erweisen werden. Erst wenn die Hochkostproduzenten außerhalb der USA beachtliche Produktionskürzungen vornehmen, werden wir eine Preiserholung sehen.

Aktien
Die Achterbahnfahrt bei chinesischen A-Aktien geht weiter. Nachdem MSCI ankündigte, die Aufnahme von chinesischen A-Aktien weiterhin zu prüfen, fiel der Fokus erneut auf die ungewollten Mengen an Fremdkapital in chinesischen Aktien. Das Durchgreifen der Regulatoren bzgl. unbefugter Leerkäufe sorgte letzte Woche für einen Rückschlag von über 6 Prozent bei chinesischen A-Aktien. Trotz der Volatilität erwarten wir mittelfristig weitere Gewinne, da die Bewertungen mit den historischen Durchschnitten übereinstimmen und die Marktwerte noch signifikantes Potenzial nach oben haben. Volatilität bestimmte auch europäische Börsen, die zwischenzeitlich höher als US-Indizes notierten und damit die Gefahr eines Grexit zurückstellten.

Währungen
Euro trotz potenziellem Griechenlandaustritt. Der Markt für das Währungspaar EUR/USD polarisiert zunehmend, wobei manche Anleger Gewinnmöglichkeiten aufgrund steigender Volatilität erwarten. Wir erwarten zunehmende Abwertrisiken und würden kurzfristige Rallyes eher als Einstiegsmöglichkeit für Short-Positionen beurteilen. Der Optimismus für eine Lösung mit Griechenland stützt den Euro im frühen Handel. Die FOMC Sitzung letzte Woche wurde von den Märkten als relativ taubenhaft interpretiert, damit begann die Abwertung des US-Dollars in Verbindung mit Investitionsflüssen in den Euro. Sollten sich die Sorgen über Griechenlands Staatsverschuldung etwas stabilisieren werden sich Investoren wohl wieder auf Fundamentalwerte und die relative Stärke der US-Wirtschaft besinnen. Die momentane Preisbildung am Markt deutet diese Woche auf eine weitere Stärkung des US-Dollars gegenüber den meisten G10-Währungen hin. Das britische Pfund zeigte sich freundlich und wir gehen davon aus, dass steigende Löhne und zunehmende Erwartungen an die Bank of England, ihren Leitzins anzuheben, diesen Trend vorantreiben. Die Einzelhandelsumsätze überraschten letzte Woche positiv und heben damit eine gesunde Haushaltsbilanz hervor.