Die "Reformer" haben die Schlacht in Frankreichs Regierung gewonnen

Bruno Cavalier, Chefökonom bei Oddo & Cie, sieht die französische Volkswirtschaft nach der Sommerpause in einer vergleichsweise guten Verfassung. Zwar habe das Wachstum im zweiten Quartal enttäuscht, das Ziel einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1% in diesem Jahr sei dessen ungeachtet relativ komfortabel zu erreichen. Gleichzeitig werde das Versprechen erfüllt, das Haushaltsdefizit auf 3,8% des BIP zu senken, was eher selten sei. Die niedrige Teuerung unterstütze darüber hinaus die Kaufkraft der privaten Haushalte und die Arbeitslosigkeit habe anscheinend ein Plateau erreicht, was auf einen Rückgang bis zum Jahresende hoffen lasse. Dies habe es seit 2007 nicht mehr gegeben. 

Unter dem Strich hätten also die „Reformer“ die Schlacht innerhalb der Regierung gewonnen. Noch sei die Erholung aber nicht komplett und bleibe daher fragil. Denn bislang hätten vor allem die privaten Haushalte das Wachstum getrieben, der Beitrag der Unternehmen sei hingegen begrenzt gewesen. Eine detaillierte Analyse dieses Problems habe unlängst der Bericht "Le financement de l’investissement des entreprises" für den französischen Ministerpräsidenten geliefert. Demnach investierten die Unternehmen in Frankreich zwar hohe Summen, seien dabei aber wenig effizient. So würde weniger Geld für Informations- und Kommunikationstechnologie ausgegeben als in anderen europäischen Ländern. Auch die Investitionen in Forschung und Entwicklung seien niedriger als in Deutschland oder den USA.

Die Details finden Sie im beigefügten Dokument in englischer Sprache.

Fidelity Makroausblick: China bleibt Unsicherheitsfaktor für die Weltwirtschaft

Globales Wachstum: Industrieländer bleiben wichtigster Wachstumsmotor

„Die Weltwirtschaft ist zuletzt stärker gewachsen, dieser Trend dürfte sich für den Rest des Jahres fortsetzen. Die kräftig gefallenen Rohstoffpreise könnten dem Konsum weltweit Auftrieb geben. Auf der anderen Seite werden sie aber auch die Schere zwischen Rohstoffexporteuren und-importeuren weiter aufgehen lassen. Vorerst werden die Industrieländer nach meiner Einschätzung der wichtigste Motor des Weltwirtschaftswachstums bleiben. Insgesamt wird das Wachstum jedoch eher moderat ausfallen. Verantwortlich dafür ist unter anderem die geringe Inflation. Da die Teuerungsrate wohl frühestens Ende des Jahres spürbar anziehen wird, werden die Notenbanken vorerst an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten. Unsicherheit geht von China aus: Unzureichende bzw. unangemessene Stimulusmaßnahmen könnten die Talfahrt beschleunigen und dem Welthandel einen weiteren Schlag versetzen. Das wiederum dürfte die Nervosität an den Finanzmärkten anfachen.

USA: Starker Dienstleistungssektor und Aktivitäten am Wohnungsmarkt stützen Wachstum

Bis zum Jahresende dürfte sich das Wachstum in den USA leicht beschleunigen. Die Lage am Arbeitsmarkt bessert sich stetig, wenn auch etwas langsamer. Auch der starke Dienstleistungssektor und die erhöhte Aktivität am Wohnungsmarkt stützen das Wachstum. Ebenso sollte der Konsum wieder Fahrt aufnehmen. Negativ schlägt der anhaltende Gegenwind in Form des starken US-Dollars und der schwachen Auslandsnachfrage zu Buche. Der neue Tiefstand bei den Ölpreisen wird die Energiebranche belasten. Nach wie vor ist in den kommenden Monaten nicht mit einer wesentlichen Lohn- und Preisinflation zu rechnen. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Fed die Zinsen erhöhen wird, bevor Lohnwachstum und Inflation stärker ins Plus gedreht haben. Damit könnte das Inflationsziel in weitere Ferne rücken. Eine sofortige Zinserhöhung machen die aktuellen Rahmenbedingungen meines Erachtens nicht zwingend erforderlich. Deshalb halte ich eine Zinsstraffung im Dezember weiterhin für das wahrscheinlichste Szenario.

Eurozone: Aufwärtsdruck auf die Inflation dürfte nachlassen

Die Eurozone bleibt insgesamt auf Erholungskurs, wobei sich die Wirtschaft in den Peripherieländern schneller erholt als in den Kernländern. Mit einer zwischenzeitlichen Lösung der Griechenlandkrise vor Augen sollte sich das Wachstum für den Rest des Jahres moderat beleben. Allerdings verlieren einige Faktoren, die die Erholung begünstigt haben, nun allmählich an Zugkraft. Darunter der Euro, der ausgehend von seinem Tief im April in den vergangenen Monaten um rund 5 Prozent aufgewertet hat. Zusammen mit der unverändert schwachen Auslandsnachfrage könnte das der Erholung im Export in den nächsten Wochen das Wasser abgraben. Der mit dem schwächeren Euro verbundene Aufwärtsdruck auf die Teuerungsrate wird wohl langsam nachlassen. Sollten sich die niedrigen Rohstoffpreise durchsetzen, wird dies die Inflation länger im Zaum halten. Ein Rückfall in die Deflation ist damit nicht ausgeschlossen. Konkrete Anzeichen einer Abkühlung gibt es bisher nicht. Doch ohne zusätzliche Unterstützung seitens der Politik könnte der Erholung Anfang 2016 die Luft ausgehen. Meines Erachtens wird die Europäische Zentralbank EZB deshalb ohne Wenn und Aber an ihrer quantitativen Lockerung festhalten – zumindest bis September 2016. Möglicherweise wird sie ihre Unterstützung für die Märkte sogar verstärken bzw. über diesen Zeitpunkt hinaus fortsetzen müssen, vor allem weil die Risiken ausgehend von Griechenland nächstes Jahr wohl wieder an die Oberfläche drängen werden.

Japan: Schleppende Auslandsnachfrage belastet die Aktivitäten in der verarbeitenden Industrie

Im zweiten Quartal scheint die Konjunktur an Schwung verloren zu haben, und das dritte Quartal begann verhalten. Trotz der Yen-Schwäche haben sich die Exporte nicht wesentlich erholt. Das ist auf strukturelle Gründe zurückzuführen, die Japans Wirtschaft seit Jahren lähmen. Verantwortlich ist aber auch die schleppende Auslandsnachfrage, die die Außenwirtschaft hemmt und damit auch die Aktivität in der verarbeitenden Industrie. Die nur langsam ansteigenden Löhne werden den Konsum wohl weiterhin belasten. Die Messlatte für weitere geldpolitische Maßnahmen hat die Bank of Japan recht hochgelegt, zumindest was die Inflation anbelangt. Ich gehe deshalb nicht davon aus, dass die Bank of Japan vorerst an der Zinsschraube dreht, sondern erst einmal abwartet, wie sich die etwas höheren Löhne und niedrigeren Energiepreise auswirken. 

China: Stärkere Abwertung des Renminbi nötig, um Exporte anzukurbeln

In China haben sich die Finanzierungskonditionen für Unternehmen zuletzt verschlechtert, vor allem nach dem Anstieg des Renminbi im Vorfeld der Abwertung am 11. August und – in geringerem Maße – nach dem Ausverkauf am Aktienmarkt. Mit Blick auf die Finanzierungsbedingungen könnte die Abwertung daher durchaus hilfreich sein. Um sich spürbar in den Exporten niederzuschlagen, müsste sie jedoch stärker ausfallen, vermutlich in einer Größenordnung von 20 Prozent. Weitere Hilfe für die Wirtschaft von der fiskalischen Seite wird vermutlich auch künftig über die Förderbanken China Development Bank und Agricultural Development Bank of China erfolgen. Auf diese Weise begrenzt man den Schuldenaufbau bei Geschäftsbanken und anderen Finanzinstituten. Die Stimulusmaßnahmen scheinen Ausdruck des Bestrebens Pekings zu sein, den Reformkurs fortzusetzen und ein nachhaltigeres Wachstum zu erzielen. Für das Reich der Mitte sind das gute Nachrichten. Es macht die Wachstumsstory auf der anderen Seite aber auch anfälliger für Fehler der Politik. Als ein solcher könnte sich die weitergehende Abwertung des Renminbi erweisen. Das allerdings bleibt abzuwarten und wird letztlich von den Entwicklungen in den nächsten Tagen und Wochen abhängen. Nach wie vor überwiegen die Risiken. Überkapazitäten, Kapitalabflüsse, die sinkende Wettbewerbsfähigkeit, die Antikorruptionskampagne und andere Reformbestrebungen bremsen das Wachstum nachhaltig.

Schwellenländer: Niedrige Rohstoffpreise, steigende Zinsen und Konjunkturabkühlung in China belasten die Konjunktur

Die Erholung in den Schwellenländern kommt nur schleppend voran. Für Gegenwind sorgen die niedrigeren Rohstoffpreise, die steigenden Realzinsen und die Konjunkturabkühlung in China. In Brasilien und Russland hat sich die Rezession vertieft. Eine gewisse Stabilisierung in China und bei den Rohstoffpreisen sowie ein etwas beschleunigtes Wachstum in den Industrieländern dürften helfen, die Weichen für eine Erholung in den Schwellenländern zu stellen. Allerdings dürften die ersten beiden Faktoren auf sich warten lassen, und der dritte möglicherweise zu schwach ausfallen. Die zentrale Frage lautet, ob der Aufschwung in den Schwellenländern Fuß fassen kann, bevor die Fed die Zinswende einläutet. Gelingt das, könnten sich die negativen Auswirkungen in Grenzen halten. Fraglich bleibt, ob sich die anfälligsten Länder wie die Türkei, Südafrika und Brasilien in den nächsten Monaten hinreichend gegen steigende Zinsen wappnen und damit die Zinswende der Fed weitgehend unbeschadet überstehen können.“

Carmignac: Aktuelle Marktstatements von Didier Saint-Georges

Aktuelle Marktstatements von Didier Saint-Georges, Managing Director und Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac:

„Auf Grundlage eigener Analysen und Daten ist in China auf volkswirtschaftlicher Ebene - bis jetzt jedenfalls - nichts wirklich Neues passiert. Das Wirtschaftswachstum wird auf Jahresbasis vermutlich im niedrigen 5%-Bereich liegen. Dies ist zwar eher schwach, aber darauf hatten wir ja bereits seit längerer Zeit hingewiesen. Das geringe Wachstum ist die Folge einer Kombination aus der wirtschaftlichen Restrukturierung, der monetären Verknappung und einer globalen konjunkturellen Schwäche. Nichts Neues also."

Neu ist aber folgende Mischung:

  • Die Beendigung der quantitativen Lockerung in den USA. Dieses Ereignis hat – neben anderen Entwicklungen – den Startschuss zum Abschmelzen der internationalen Devisenreserven gegeben, die China ab dem Jahr 2003 angehäuft hat.
  • Der Vertrauensverlust in die chinesischen Behörden – und zwar sowohl seitens der inländischen als auch der internationalen wirtschaftlichen Akteure aufgrund des Umgangs mit der lokalen Aktienblase und der Anpassung des Renminbi-Wechselkurses.
  • Beängstigende Berichte über eine unkontrollierte Konjunkturabschwächung in China. Unserer Auffassung nach – wie oben erwähnt – zwar unbegründet, aber mit starker Wirkung auf die Stimmungslage.


Diese neuen Ereignisse erhöhen das Risiko von Kapitalabflüssen aus China, was vielfältige Konsequenzen hätte:

  • Das Risiko einer weiteren Abwertung des Renminbi.
  • Eine solche würde andere Schwellenländer-Währungen noch stärker unter Druck setzen. 
  • Ein Export der Deflation in die Industriestaaten.
  • Aufwärtsdruck auf die US-Staatsanleihenrenditen (Auflösung von Positionen)
  • Abfederung der Auswirkungen eines deflationären Drucks auf die Renditen 
  • Eine allgemeine Liquiditätsverknappung (quantitative Verschärfung vs. quantitative Lockerung)
  • Letztlich negative Tendenz; deflationäre Auswirkungen auf Konsumausgaben und Unternehmensinvestments schwächen die Konjunktur in Industriestaaten bereits jetzt. 


Theoretisch könnten die Notenbanken der Industriestaaten jetzt natürlich noch weitere quantitative Lockerungsmaßnahmen ankündigen. Oder China könnte einen Weg finden, die Märkte wieder zu beruhigen und die Mittelabflüsse unter Kontrolle zu bekommen.

„Aber das Risiko für die Märkte, die Unterstützung durch die QE-Maßnahmen (die fünf Jahre lang ihre einzige Unterstützung waren) in einer Phase zu verlieren, in der das Wirtschaftswachstum nach wie vor sehr instabil ist, ist jetzt eindeutig gegeben – und wird vorerst auch nicht so schnell wegfallen. Außerdem bieten die Bewertungen auf ihren aktuellen Niveaus keine besonders gute Absicherung nach unten. Darüber hinaus bedarf es vermutlich einer noch kritischeren Lage, bevor die Notenbanken der Industriestaaten weitere QE-Maßnahmen beschließen."

„Dieses Umfeld rechtfertigt eine sehr vorsichtige Anlagestrategie bei unseren globalen Investments."



Über Carmignac:

Carmignac wurde 1989 von Edouard Carmignac gegründet und zählt heute zu den größten Vermögensverwaltern in Europa. Das Kapital der Gesellschaft wird zu 100 Prozent von der Unternehmensführung und den Mitarbeitern gehalten, das heißt von einem stabilen Aktionärsstamm, der den Fortbestand und die Unabhängigkeit der Gesellschaft gewährleistet. Dieser grundlegende Wert garantiert die Freiheit, die für ein auf lange Sicht erfolgreiches Fondsmanagement wesentlich ist.
Mit mehr als 55 Mrd. Assets under Management hat Carmignac eine breite Fondspalette von 23 Fonds entwickelt, die  alle Anlageklassen – Aktien, Anleihen und Mischfonds – abdeckt; mit dem Ziel einer konsequenten Erfolgsbilanz der Erträge und bei geringer Volatilität für die Anleger. Vor allem das Flaggschiff von Carmignac, der Carmignac Patrimoine, erzielte in den Jahren 2000, 2002 und 2008, während des Zusammenbruchs der Märkte, positive Renditen. Seit der Auflegung im Jahr 1989 verbucht der Mischfonds nach Abzug der Gebühren eine annualisierte Jahresperformance von 9.09 Prozent (1). Derzeit werden unsere Fonds aktiv in 12 europäischen Ländern vertrieben: Frankreich, Luxemburg, Schweiz, Belgien, Italien, Deutschland, Spanien, Niederlande, Österreich, Schweden, Großbritannien und Irland. Auf internationaler Ebene verfügt Carmignac über Büros in Luxemburg, Frankfurt, Mailand, Madrid, London und Zürich. Zudem sind alle Carmignac-Fonds in Singapur für professionelle Anleger zugelassen.
auszuhändigen.

(1) Wertentwicklungen der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf zukünftige Wertverläufe zu. Die Kosten sind in den Wertentwicklungen enthalten. Performance per Ende März 2015. Für bestimmte Personen oder Länder kann der Zugang zum Fonds beschränkt sein. Er darf insbesondere weder direkt noch indirekt einer „US-Person“ wie in der US-amerikanischen „S Regulation“ und/oder im FATCA definiert bzw. für Rechnung einer solchen US-Person angeboten oder verkauft werden. Der Fonds ist mit einem Kapitalverlustrisiko verbunden. Die Risiken und Kosten sind in den Wesentlichen Anlegerinformationen (WAI) / im Kundeninformationsdokument (KID) beschrieben. Die Prospekte, WAI / KID und Jahresberichte des Fonds stehen auf der Website www.carmignac.de/www.carmignac.at zur Verfügung und sind auf Anforderung bei der Verwaltungsgesellschaft bzw. in Österreich bei der Ersten Bank der österreichischen Sparkassen AG OE 01980533 / Produktmanagement Wertpapiere, Petersplatz 7, 1010 Wien, erhältlich. Die Wesentlichen Anlegerinformationen / das Kundeninformationsdokument sind / ist dem Zeichner vor der Zeichnung auszuhändigen.

Trotz der jüngsten Volatilitätsphase ist die Investitionsperspektive für das „Neue China“ unverändert positiv

Volatilität bietet Chancen
In den vergangenen Wochen konzentrierten sich die Nachrichten auf China. Viele Anleger äußerten Bedenken über die Geschwindigkeit des Wirtschaftswachstums und darüber, ob 7% erreicht werden können, und man machte sich Gedanken über die kürzliche Entscheidung der Regierungsbehörden zur Abwertung des Yuan. All dies traf auf eine grundsätzlich vorherrschende Nervosität, die mit dem Eintritt in einen neuen Zinszyklus in den USA einhergeht, der im September oder zumindest zeitnah eingeläutet werden wird.

Nach den Einbrüchen im Juni und Juli kam es am chinesischen Markt zu übermäßigen Verkäufen. Seit Jahresbeginn ist der MSCI China Index um 11,8% in USD gefallen und befindet sich somit wieder auf dem Niveau von Mitte des Jahres 2014.

Obwohl sich die Schlagzeilen auf China konzentrieren, sollte für einen umfassenden Zusammenhang erwähnt werden, dass die Risikobereitschaft auf breiterer Ebene zurückgegangen ist. Der MSCI Asia ex Japan Index und der MSCI Global Emerging Markets Index notierten im gleichen Zeitraum um 15,3% bzw. um 17,7% in USD schwächer. Insofern hat es den chinesischen Markt nicht am schlimmsten getroffen.

Unserer Ansicht nach sollte dies als Teil einer grundsätzlichen Reduzierung der Risikobereitschaft angesichts eines neuen Zinszyklus betrachtet werden.

Die unmittelbare Ursache liegt in Chinas Wirtschaftswachstum, jedoch ist dies nicht der einzige Grund. Wir sind davon überzeugt, dass der Rückgang nicht durch die Fundamentaldaten gerechtfertigt wird und dass durch die Konzentration auf bestimmte wirtschaftliche Datenpunkte der Umfang der Veränderung in Chinas Wirtschaft der letzten Jahre sowie die Entstehung neuer Wachstumstreiber dort nicht ausreichend erfasst werden.

Unserer Auffassung nach ist es möglich, Unternehmen zu identifizieren, die gut positioniert sind, um diese Wachstumstreiber über die kommenden drei bis fünf Jahre gewinnbringend zu nutzen. Die jüngste Volatilitätsphase sorgte für Chancen im Bereich der Titelselektion, drückte das Bewertungsniveau für Investoren und erhöhte das Potenzial für robuste Unternehmen, als Konsolidierer aufzutreten und sich noch stärker zu entwickeln.

Das Alte weicht, das Neue kommt
Die größte Sorge für Anleger liegt in der Frage, ob sich die Geschwindigkeit des Wirtschaftswachstums in China, ausgehend von dem Ziel der Regierung von 7%, noch weiter verlangsamt. Dafür werden weitläufig Indikatoren beobachtet wie beispielsweise die Stromnachfrage und die Stahlproduktion.

Unserer Erfahrung nach ist das Wirtschaftswachstum nicht zwangsläufig ein guter Maßstab für Aktienerträge, die weitaus mehr von unternehmensspezifischen Faktoren abhängen. Darüber hinaus lässt der Fokus auf solch traditionelle Einflussgrößen das Ausmaß der Neuausrichtung von Chinas Wirtschaft der vergangenen Jahre außer Acht.

Wie man an der nachfolgend aufgeführten Grafik erkennen kann, sind Schwerindustrie und Immobilien-/Infrastrukturbau seit einigen Jahren rückläufige Bereiche der chinesischen Wirtschaft. Der neue Wachstumstreiber ist der Dienstleistungssektor. Indikatoren wie Einzelhandelsumsätze, Telekommunikations-volumina und Personenverkehr weisen ein konstantes Wachstum auf. Dies gilt ebenso für Löhne, was die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen unterstützt.

Das „Neue China“ finden
Unsere Investmentstrategie ist darauf ausgerichtet, speziell von der sich verändernden Struktur der chinesischen Wirtschaft und der zunehmenden Bedeutung des Dienstleistungssektors zu profitieren.

Wir halten Ausschau nach modernen, zukunftsorientierten Unternehmen mit hochqualifizierter Geschäftsführung und robusten Bilanzen, einem klaren Geschäftsmodell, das gewinnbringend genutzt werden kann, sowie mit der Fähigkeit zur Erzielung robuster langfristiger Gewinne.

Im Zuge des anhaltenden Prozesses der Urbanisierung und der Verbesserung der Umwelt in China sind Unternehmen für uns interessant, die sich an die Regierungspolitik angepasst haben. Darüber hinaus bevorzugen wir Firmen entlang der Wertschöpfungskette, die von dem steigenden Konsum und der zunehmenden technologischen Ausstattung profitieren, ebenso wie die Marken des „Neuen Chinas“, die mit den bekanntesten Namen mithalten können.

Tencent und Lenovo sind jedem bekannt, aber unserer Einschätzung nach steht Unternehmen wie Geely Automobile, einem chinesischen Autohersteller mit Absatz in der EU, und dem Körper- und Hautpflegehersteller L’Occitane, der sowohl international als auch national gut positioniert ist, eine erfolgreiche Zukunft bevor.

Dies sind zwar nur zwei Beispiele, sie stehen jedoch stellvertretend für die gut geführten, modernen Unternehmen, die man mit einer gründlichen Recherche in China finden kann. Obwohl Automobil- und Konsumwerte in der jüngsten Volatilitätsphase übermäßig stark veräußert wurden, ist die Investitionsperspektive für viele dieser Unternehmen unverändert gut. Durch das aktuell niedrigere Bewertungsniveau bieten sie ein noch stärkeres Potenzial und unser Überzeugungsgrad für diese Investitionen ist unverändert hoch.

Höheres Aufwärtspotenzial
Hierbei geht es allgemein um die Aktienkursbewertungen. Nach der Volatilitätsphase befindet sich der MSCI China Index wieder auf einem Niveau unterhalb des historischen Durchschnitts der letzten Jahre. Unter der Prämisse, dass sich die Investitionsperspektiven nicht fundamental verändert haben, sorgt diese Tatsache im Vergleich zum Jahresanfang für noch bessere Chancen.

Darüber hinaus berücksichtigt das aktuelle Bewertungsniveau nicht die verschiedenen Anreiz- und Reformmaßnahmen, die in den letzten Monaten von der Regierung angekündigt und durchgeführt wurden.  Wenn diese Berücksichtigung finden, dürften die Aktienkursbewertungen unserer Einschätzung nach höher ausfallen. Des Weiteren erkennen wir infolge der jüngsten Volatilitätsphase Potenzial für eine bessere Wertentwicklung durch Titelselektion, da sich die Marktstimmung aufhellt und Anleger sich wieder an den Fundamentaldaten von Investitionen orientieren.

Der richtige Wallgraben zur richtigen Zeit
Ein Grund dafür, weshalb wir nach Unternehmen Ausschau halten, die bei unseren Qualitätskriterien hoch bewertet werden, ist der, dass sie über das Potenzial verfügen, der Marktvolatilität zu trotzen.

In den Fällen, in denen Investoren die Fundamentaldaten eines Unternehmens überprüfen und die Firma auf Grundlage der Fähigkeit zu Erzielung eines langfristigen Ertragswachstums bewerten, hat ein Unternehmen mit stabilen Bilanzen, einer kompetenten Geschäftsführung sowie einem angesehenen und geschützten Geschäftsmodell, das sich monetarisieren lässt, das Potenzial zum Erzielen einer kräftigen und stabilen Wertentwicklung.

Warren Buffett beschreibt Unternehmen mit einem solch starken Geschäftsmodell als Unternehmen mit einem wirtschaftlichen Wallgraben. Wir würden sie als Qualitätsunternehmen bezeichnen, aber die Vorteile dürften in jedem Fall klar sein.

Unternehmen mit stabilen Bilanzen verfügen darüber hinaus über das Potenzial, unter den richtigen Bedingungen als Konsolidierer innerhalb ihrer Industrie zu agieren, den Marktanteil zu erhöhen, Mitbewerber auszuschalten und über einen Drei- bis Fünfjahreszeitraum möglicherweise das Gewinnwachstum zu steigern.

Yuan way or the other
Auch die Entscheidung der chinesischen Währungsbehörden zur Abwertung des Yuan trug zur Besorgnis der Anleger bei, die diese Tatsache sogleich als ein weiteres Anzeichen für die zunehmende Schwäche der Wirtschaft aufnahmen. Zwar haben wir nicht vorhergesehen, wie plötzlich dieser Schritt kommen würde, jedoch war die Richtung nach der langen und nachhaltigen Abwertung keine Überraschung.

Wir sehen dies als Teil einer allmählichen Öffnung des Marktes und der Währung in China, während sich die Regierungsbehörden auf die Möglichkeit vorbereiten, dass der Yuan anderen Ländern im Kreis des Sonderziehungsrechts des Internationalen Währungsfonds Gesellschaft leisten wird, was symbolisch das Ansehen der Währung fördern würde. Kurzfristig gehen wir nicht davon aus, dass weitere umfangreiche Schritte unternommen werden.

Fazit
Wir können das Aufkommen einer weiteren Volatilitätsphase zwar nicht ausschließen, sind aber der Auffassung, dass der Ausblick für Qualitätsunternehmen des „Neuen Chinas“ besser ist, als es die jüngsten Bewegungen vermuten lassen, wobei auch die positiven Schritte der Regierung noch nicht berücksichtigt wurden. Dazu zählt die jüngste Entscheidung der chinesischen Behörden, die kurzfristigen Zinssätze zu senken und Liquidität in den Bankensektor zu pumpen, was den Markt zusätzlich unterstützen dürfte.

William Fong, CFA
Investment Director, Asia Pacific Equities
Baring Asset Management, Hong Kong

To Hike or Not to Hike

This monthly macroeconomic report co-authored by ETF Securities Research and Roubini Global Economics updates to themes introduced in their Quarterly Outlook, published in June. The focus this month is on policy divergence and the Fed’s ‘Lift-Off’. Please find the full document attached on the left.

  • The attention of investors is dominated by EM turbulence and speculation about the Federal Reserve's tightening cycle. Our view on the most likely timing of the Fed's first rate hike has moved from September to December. Given current turbulence and market volatility there is a risk of further delay into early 2016 but the speed and duration of hikes after the first rate rise in nine years is still more important than the initial lift off. Persistent disinflationary pressures have made a delay until December increasingly probable, while a slower-than-normal "normalization" path after the first hike is a near certainty.
  • This is a key element of the theme of monetary policy divergence we established in January. The first hike and messaging will set the tone for the longer normalization cycle. The Fed seems likely to be followed in tightening by the Bank of England, even as other key central banks (in Europe and Japan) ease further.
  • What to watch this month: Fed policy meeting (September 17), to see whether Janet Yellen and co. take the plunge or delay until December, or even into 2016; in emerging markets, Brazil's central bank meets (September 1-2) to decide if the 14.25% interest rate will be enough to quell inflation; in Mexico, we expect Banxico to parrot the U.S. with a hike to 3.25% on September 21, if the Fed surprises markets.

Please find the Quarterly Outlook for Q3 2015 here.

Zeit für vorsichtigen Wiedereinstieg in riskantere Vermögenswerte

Nach den jüngsten heftigen Rücksetzern an den Börsen ist für Nicolas Chaput, CEO und Co-CIO, und Laurent Denize, CIO bei Oddo Asset Management, jetzt die Zeit für einen vorsichtigen Wiedereinstieg in riskantere Vermögenswerte gekommen. Zwar habe sich das makroökonomische Umfeld negativ entwickelt, es sei allerdings noch nicht rezessiv. Dessen ungeachtet sei die Verschlechterung der Wachstumsaussichten an den Kapitalmärkten aber heftig eingepreist worden. Damit seien die Bewertungen mit einem 12-Monats-Forward-KGV von 13,6 für den Eurostoxx 50 jetzt wieder vernünftig. Gleichzeitig kämen die Unternehmen weiterhin in den Genuss attraktiver Refinanzierungsbedingungen und schließlich säßen nach wie vor die Notenbanken am Ruder. In diesem Szenario seien europäische Aktien, für die das globale Umfeld eher vorteilhaft sei, Papieren aus den Schwellenländern vorzuziehen. Gleichzeitig seien US-amerikanische Aktien für das gegenwärtige Umfeld zu teuer.

Die Details finden Sie im links beigefügten Dokument in englischer Sprache.

Chinas Yuan: Der tägliche Mittelkurs wird jetzt durch den Kassakurs bestimmt

Frankfurt, 26. August 2015. Peter Sengelmann, Senior Portfolio Manager, Emerging Market & Asian Debt – Lokalwährungen und –anleihen.

Am 11. August fiel der Yuan um 1,9 Prozent gegenüber dem US-Dollar. Zunächst erschien diese von der People’s Bank of China initiierte Abwertung relativ harmlos. Zum Vergleich: Als Argentinien 2001 die Kopplung des Peso an den Dollar aufgab, wertete der Peso binnen eines Tages um 40 Prozent ab. Und als die Schweiz im Januar dieses Jahres die Wechselkursuntergrenze zum Euro aufhob, wertete der Franken innerhalb kürzester Zeit um über 19 Prozent auf. Demgegenüber fiel die Bewegung des Yuan geradezu geringfügig aus.

Und dennoch reagierten die Märkte mit schweren Kursverlusten. Die Financial Times nannte Pekings überraschenden Abwertungsschritt eine „Eskalation des Währungskriegs“. Laut Guardian sei dieser Schritt als „Notsignal aus Peking“ zu sehen. Andere Analysten werteten die Abwertung als Versuch, die Exporte erneut anzukurbeln, da der chinesischen Regierung die Kontrolle über ihre Wirtschaft entglitte. Man fürchtet, der Yuan sei in eine Abwärtsspirale geraten. 

Chinas Wechselkursregime funktionierte bisher so: Die Zentralbank setzte jeden Morgen den Mittelwert bzw. Leitkurs fest und intervenierte dann im weiteren Tagesverlauf, um den Wechselkurs innerhalb einer Bandbreite von +/- 2 Prozent gegenüber dem Mittelwert zu fixieren. Kritiker werfen China seit Langem Wechselkursmanipulationen vor, um den Yuan künstlich auf niedrigem Niveau zu halten. Denn schließlich wurden die im täglichen Fixing festgestellten Devisenkurse auf eine Weise ermittelt, die niemand außerhalb der chinesischen Zentralbank nachvollziehen konnte. Doch im vergangenen Jahr konnte der Yuan sich überwiegend gegenüber dem erstarkenden US-Dollar behaupten, während andere asiatische Währungen bis Ende Juli um bis zu 8 Prozent abgerutscht waren. Daraus ergab sich während der letzten vier Monate faktisch ein fester Wechselkurs von 6,20 Yuan gegenüber dem Dollar.

Die am 11. August angekündigte Reform änderte diese Dynamik grundlegend. Die People’s Bank of China leitete  zunächst eine einmalige moderate Abwertung des Yuan ein. Nach Angaben der chinesischen Zentralbank sollte der Mittelwert nunmehr dem Schlusskurs des Vortages entsprechen und nicht mehr hinter verschlossenen Türen bestimmt werden. Dadurch konnte die Währung effektiv zu einem vom Markt bestimmten Kurs gehandelt werden. Andererseits bestand dabei aber auch das Risiko einer kurzfristigen Schwächung. Die Sorge, der Yuan könne langfristig gegenüber allen anderen Währungen deutlich abwerten, wuchs, als der Yuan am 12. August nach dem Fixing bei 6,3306 wiederum absackte. Doch China hatte nichts anderes getan, als den Worten Taten folgen zu lassen, denn der Schlusskurs am 11. August betrug 6,3250. Im Laufe von zwei Tagen verlor der Yuan 3 Prozent gegenüber dem Dollar und löste damit Angst vor einer anhaltenden Abwertung aus. 

Warum hat die People’s Bank of China ihr Wechselkursregime aufgegeben? Eine verbreitete These lautet, dass dies geschah, um das lahmende Wachstum anzukurbeln. Doch das erscheint nicht plausibel. Zum einen wirkt sich eine nominale Abwertung des Yuan um 3 Prozent kaum auf die realen effektiven Wechselkurse aus. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist der Yuan im Vergleich zu seinen Handelspartnern um etwa 32 Prozent überbewertet. China ist damit unter 60 Ländern das teuerste (mit Ausnahme von Venezuela). Demgegenüber sind Indien und Indonesien um rund 10 Prozent unterbewertet. Insofern ist die winzige Abwertung des Yuan kaum dazu angetan, die Wettbewerbsfähigkeit des Exportsektors zu stärken. 

Ferner hat die Zentralbank interveniert, um einer übermäßigen Abwertung des Yuan vorzubeugen und damit ein klares Signal gesetzt, dass durchaus kein Währungskrieg ansteht. Nur zwei Tage nach der ersten Abwertung wies die Notenbank die Staatsbanken an, ihre Dollarbestände abzustoßen und Yuan zu kaufen, um die Währung zu stabilisieren. Allein in der vergangenen Woche wurden rund 150 Milliarden Yuan ins Bankensystem eingeschossen, der größte Betrag seit Anfang Februar. Die Finanzaufsicht hat bereits ihre Bereitschaft signalisiert, bei größeren Fluktuationen einzugreifen. Auch gebe es keinen Grund für einen anhaltenden Abwärtstrend. Dementsprechend ist es den Währungshütern bereits gelungen, den Devisenkassakurs während der letzten paar Tage auf einem Niveau von ca. 6,39 zu halten.

Tatsächlich beruhte Pekings Entscheidung, den Wechselkursmechanismus zu überholen, auf der Notwendigkeit, die RMB-Wechselkursreform zu beschleunigen. Insofern flankiert die jüngste Maßnahme die Bemühungen der Regierung, den Finanzsektor und Kapitalkonten zu liberalisieren, sodass Investoren große Summen leichter aus und nach China bewegen können. Zudem ist es kein Geheimnis, dass Peking die Aufnahme des Yuan in den Korb der Sonderziehungsrechte (SZR) des Internationalen Währungsfonds anstrebt. Bislang sind dort nur US-Dollar, Euro, Yen und britisches Pfund vertreten. Voraussetzung für die Aufnahme in den Korb ist, dass die Währung „freely usable“, also frei handelbar, ist.

Der IWF nimmt die Abwertung des Yuan gelassen hin. Tatsächlich sieht der IWF diese Bewegung als einen sinnvollen Schritt, damit die Marktkräfte eine größere Rolle bei der Wechselkursentwicklung spielen können. Nach Einschätzung des IWF wird der Yuan aller Wahrscheinlichkeit nach binnen zwei Jahren freie Wechselkurse haben. Weitere Wechselkursreformen sind bereits in Arbeit, wie beispielsweise die Ausweitung der Handelszeiten für den Yuan. Auch dies fördert eine Konvergenz zwischen Onshore- und Offshore-Wechselkursen.

Die neue Realität ist, dass es keinen festen Wechselkurs für den Yuan mehr gibt. Der tägliche Mittelkurs wird jetzt durch den Kassakurs bestimmt. Das zeigt sich auch an der Annäherung zwischen eigentlichem Kassakurs und täglichem Fixing von über acht Basispunkten zu nunmehr nahezu null. Doch bevor der Yuan eine Währung mit gleitenden Wechselkursen ist, gibt es noch einiges zu tun. Noch übt die Zentralbank erhebliche Kontrolle aus und scheint entschlossen zu sein, den Kassakurs bei 6,40 zu belassen, bis der Abgabedruck nachlässt. Im Endeffekt kommt es dadurch zu einem beschleunigten Abbau der Devisenreserven. Doch die Gründe für Optimismus überwiegen: Die Entwicklung des Yuan wird ab jetzt transparenter sein.

“MARKT FLASH” La Financière de l’Echiquier

Paris, 26. August 2015 – Von Marc Craquelin, Head of Asset Management. Die europäischen Aktienmärkte haben seit dem 13. August eine scharfe Korrektur erlebt (-12.6% des Euro Stoxx 50). Die Risikoaversion wurde in erster Linie durch die weitreichende Unsicherheit in Bezug auf das chinesische Wirtschaftswachstum und den Sturzflug der Börse in Shanghai (-35% seit Mitte Juni) getrieben. Der anhaltende Fall der Rohstoffpreise und der Rücktritt von Alexis Tsipras in Griechenland verschärfen die Situation zusätzlich.

Müssen wir uns über den Ausverkauf in China sorgen? 
Die Marktunsicherheit ist nicht irrational: China allein repräsentiert 13% des globalen BIP und 30% des Emerging Market-BIP. Die Wirtschaft des Landes sendet vermehrt Signale von Fragilität. Zuletzt zeigte sich dies im Rückgang des PMI-Index für das verarbeitende chinesische Gewerbe um 0,7 auf 47,1 Punkte, dem niedrigsten Niveau seit 2009. Die Behörden haben Fehler gemacht, als sie veraltete Daten zur Stabilisierung des Aktienmarktes heranzogen. Und während die gelenkte Abwertung des Yuan mit Blick auf den Verfall der Emerging Market-Währungen gerechtfertigt erscheint, hat dies global gesehen eine Panikwelle an den Märkten ausgelöst. 

Wie entwickelt sich die chinesische Wirtschaft weiter? 
Während der generelle Ton pessimistisch ist, schließen wir dennoch die Möglichkeit einer harten Landung aus (ein plötzlicher und nachhaltiger Einbruch des chinesischen Wachstums auf 1-3%). Obwohl sich die Wirtschaftsleistung eindeutig abschwächt, befindet sie sich vor allem in einer Transformationsphase. Der Immobiliensektor und die Industrieproduktion verlieren an Schwung, während sich der Dienstleistungssektor seit Anfang 2014 belebt hat und die Konsumausgaben unverändert bei 10% liegen. Die nächste Runde der chinesischen Statistiken könnte durch Effekte aus dem Tianjin-Desaster verzerrt werden. Dennoch prognostizieren wir, dass sich das Wachstum bis Ende des Jahres stabilisieren wird.  

Was ist an den europäischen Märkten in diesem Umfeld zu erwarten?  
Während sich die Märkte auf die schlechten Nachrichten aus China fokussieren, neigen sie dazu, die guten Nachrichten aus Europa zu ignorieren. Der Anstieg der europäischen Indikatoren zu Beginn des Monats sorgte für Erleichterung nach einigen enttäuschenden Wochen. Deutsche Industrieunternehmen treiben den Aufwärtstrend, wodurch sich das Ausmaß der chinesischen Ansteckung relativiert. Das anhaltende EPS-Wachstum ist der wesentliche Katalysator für weitere Kurssteigerungen an den europäischen Aktienmärkten in den nächsten Monaten. Im zweiten Quartal veröffentlichten 66% der Unternehmen im Euro Stoxx Index höhere EPS-Zahlen als erwartet und 67% bessere als die erwarteten Verkaufszahlen.  

Fazit:
Die Situation in China veranlasst zur Vorsicht, solange kein Signal klare Gewissheit über die Dienstleistungsbranche liefert und bis eine Stabilisierung an den lokalen Aktienmärkten einsetzt. Wir haben unser Engagement in China teilweise reduziert (besonders unser Exposure in LVMH und im Automobilsektor). Mit einem Volatilitätsindex (VSTOXX) von 40,8 hat der europäische Markt zu Wochenbeginn kapituliert. Dennoch bleiben wir für die Eurozone optimistisch, die nach wie vor von einer positiven Ertragslage profitiert.  


Über La Financière de l'Echiquier
La Financière de l’Echiquier wurde 1991 gegründet und liegt zu 100% im Besitz der Führungskräfte und Mitarbeiter. Mit 8,4 Mrd. EUR AuM ist das Unternehmen eine der führenden unabhängigen Kapitalanlagegesellschaften in Frankreich. Mit 100 Mitarbeitern verwaltet das Unternehmen europäische und globale Aktien-, Misch- und Rentenfonds sowie Wandelanleihen-Fonds für Privatpersonen, Vermögensverwalter und Institutionelle Investoren.

„Die entwickelten Märkte sind mittlerweile über das Ziel hinausgeschossen“

London, 25. August 2015 – Im folgenden Interview kommentiert Steven Bell, Chefvolkswirt von BMO Global Asset Management (EMEA), London, die aktuelle Entwicklung an den weltweiten Börsen.

Herr Bell, was um Himmels Willen ist an den Börsen los?
Steven Bell: Die jüngsten Turbulenzen in China, ganz generell in den Schwellenländern und an den Rohstoffmärkten haben die Volatilität rapide nach oben getrieben, die Aktienmärkte der Industrienationen empfindlich getroffen und eine Rallye an den Anleihenmärkten ausgelöst. Die Lage in China beurteilen wir weiterhin skeptisch, die Kursverluste in den Industriestaaten hingegen sehen wir als Kaufgelegenheit. 

Sehen wir uns die Märkte im Detail an: Wie bewerten Sie die Entwicklung in China?
Bell: China hat echte – strukturelle und konjunkturelle – Probleme, die durch einige der gut gemeinten Reformen in letzter Zeit noch verschärft wurden. Die jüngste Abwertung des Renminbi etwa ist ein moderater Schritt in Richtung mehr Flexibilität, doch endet damit eine Zeit der Stabilität, und das schürt die Angst vor ‚Währungskriegen‘. Überdies hat das Kreditproblem in der Region am Markt generell zu höherer Risikoaversion geführt. Mit den Kursverlusten geht es der Übertreibung am chinesischen Aktienmarkt an den Kragen: Seit dem Kurshöhepunkt im Juni sind die Aktienmärkte um 37 Prozent gefallen, sie liegen aber immer noch 56 Prozent über dem Durchschnitt der ersten sechs Monate des Jahres 2014.

Hat Sie die Schwäche des Rohstoffmarktes überrascht?
Bell: Dass die Rohstoffpreise sowie die regionalen Aktienmärkte und Währungen wie etwa der australische Dollar daraufhin gesunken sind, ist keine Überraschung. Beim Öl ist die Schwäche Ausdruck des aktuellen und erwarteten Angebots (die Nachfrage steigt deutlich). Ganz grundsätzlich trennen sich die Börsenteilnehmer aktuell von Risiken und liquidieren Positionen.

Die Gründe für den Crash in China haben Sie erläutert, welche Gründe gibt es für den Kurseinbruch in den Industriestaaten?
Bell: Die entwickelten Märkte sind nach unserem Dafürhalten mittlerweile über das Ziel hinausgeschossen. Es besteht keine Inflationsgefahr, und auch Deflation zumindest durch sinkende Rohstoffpreise ist nicht zu erwarten. Die Bewertungen sind nicht übertrieben hoch, und die Geldpolitik bleibt nach wie vor extrem expansiv. Die USA und Europa, die zwei größten Wirtschaftsblöcke der Welt, wachsen – nicht schnell, aber doch schnell genug, um auch weiterhin für sinkende Arbeitslosigkeit zu sorgen. Die US-Notenbank hat mehrfach angekündigt, dass sie in der zweiten Jahreshälfte die Zinsen erhöhen will, sich bei dieser Entscheidung aber von der Datenlage leiten lässt. Da in den USA kaum etwas auf Inflation hindeutet, erfolgt der Zinsschritt nur bei realwirtschaftlichen Verbesserungen. In Europa und Japan ist nur die Frage, ob die Geldpolitik noch weiter gelockert werden soll.

Sie sehen also durchaus Potenzial für bestimmte Aktienmärkte?
Bell: Aus fundamentaler Sicht entwickeln sich die Aktienkurse in Abhängigkeit der Unternehmensgewinne, der Diskontsätze und der Risikoneigung. Selbst wenn die USA später dieses Jahr die Zinsen erhöhen, geht es mit den Anleihenrenditen nur langsam bergauf. Da die Geldpolitik in den übrigen Industrienationen nach wie vor extrem expansiv ist, bleibt der Diskontsatz niedrig. Die Gewinnprognosen für Europa und Japan sind gut. In Europa setzt sich der Konjunkturaufschwung fort, und die Gewinne übertrafen in den vergangenen zwei Quartalen die Erwartungen. Für die nächsten Jahre sind ausgehend vom heutigen Niveau durchaus Wachstumsraten von plus 20 Prozent denkbar. Japan erlebt echte Reformen mit stärkerer Konzentration auf den Shareholder Value. Umgekehrt sind die Gewinnprognosen für die USA wenig beeindruckend – bei den Margen besteht nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial, und die Lohnstückkosten steigen trotz lediglich moderat höherer Löhne. Der US-Dollar bleibt besonders gegenüber den Schwellenländerwährungen stark. 

Und gegenüber den Währungen der Industriestaaten?
Bell: Gegenüber dem Euro und dem japanischen Yen hat der US-Dollar in den vergangenen Tagen deutlich abgewertet. Grund hierfür sind Auflösungen bestehender Positionen und Sicherungsgeschäfte besonders im Aktiensegment. Beliebt sind bei Anlegern derzeit Übergewichtungen in europäischen Aktien, wobei das Währungsrisiko in Dollar abgesichert wird. Wenn die Kurse dieser Aktien fallen, müssen zur Anpassung der Sicherungsgeschäfte Euro gekauft werden.

Konnten Anleger sich auf eine Entwicklung, wie wir sie gerade an den Märkten beobachten, vorbereiten?
Bell: Der zentrale Multi-Asset-Fonds von F&Cs, der Diversified Growth Fund, wurde in Erwartung steigender Volatilität schon vor diesen Ereignissen vorsichtiger aufgestellt. Er hält Untergewichtungen in Aktien aus Asien ohne Japan und den Schwellenländern und präferiert Investment-Grade-Unternehmensanleihen gegenüber Hochzinsanleihen. Anders als in den USA, Großbritannien (rohstofflastig) und Asien ohne Japan, wo wir zurückhaltender aufgestellt sind, halten wir Übergewichtungen in japanischen und europäischen Aktien. Wir gehen davon aus, dass sich die Märkte in den nächsten Tagen beruhigen, und planen, unsere Übergewichtungen in europäischen Aktien – mit einer Euro-Währungssicherung – und allgemein in den Industriestaaten auszubauen. Die Währungen werden wir absichern. Über Aktien-Kaufoptionen halten wir eine Long-Position in Volatilität, die wir auch beibehalten wollen. Die jüngste Spitze bei der implizierten Volatilität halten wir allerdings für übertrieben.

ETF Securities Marktüberblick: Gold wieder als „Sicherer Hafen“?

Rohstoffe
Gold ETPs mit den größten Mittelzuflüssen seit Januar. Physische Gold-ETPs konnten vergangene Woche 230,6 Mio. USD an Mittelzuflüssen verbuchen, die negative Stimmung gegenüber Gold wurde durch steigende Preise wieder verbessert. Short-Positionen am Futures Markt verringerten sich seit 4 aufeinanderfolgenden Wochen. Obwohl mehrere Faktoren für den steigenden Goldpreis verantwortlich waren, fiel der Anstieg des VIX Index vergangene Woche um 85 Prozent besonders auf. Dies signalisiert, dass sich die Marktstimmung signifikant gedreht hat. Traditionell gilt Gold in schwierigen Marktsituationen als wichtigster sicherer Hafen. 

Acht aufeinanderfolgende Wochen an Mittelzuflüssen in Öl-ETPs bei gleichzeitig starkem Preisumfeld. Die Suche nach günstigen Einstiegsmöglichkeiten setzte sich vergangen Woche fort. Long Öl-ETPs verbuchten 71,8 Mio. USD an Mittelzuflüssen. Aufgrund des weltweiten Überangebots fiel Brent um 5,3 Prozent und WTI um 2,6 Prozent auf ein 6 ½ Jahrestief. Investoren gehen bei den niedrigen Preisen von rückläufigen Investitionen aus, was zu einer möglichen Produktionskürzung führen könnte. Jedoch stiegen die Rohöllagerbestände in den USA weiter an und drückten den Preis nach unten. Zudem stieg die Anzahl an US-Ölförderanlagen wieder an. ETP Investoren müssen sich gedulden und verzögerte Reaktionen von Produzenten in Kauf nehmen.

ETFS Daily Leveraged Erdgas (LNGA) mit dem größten Mittelzufluss seit 11 Wochen. Erdgaslagerbestände steigen weniger als erwartet (53Bcf vs. 59Bcf erwartet), was zu einer Preisrallye vergangenen Mittwoch und Donnerstag führte. Die saisonal starke Nachfrage für Erdgas aus dem Energiesektor für Klimaanlagen wird voraussichtlich im Herbst zu Ende sein und könnte daraufhin zu einem Preisrückgang bei Erdgas führen. LNGA verbuchte vergangene Woche 4,3 Mio. USD an Mittelzuflüssen.

Investoren verringerten ihr Long Kaffee-ETP Exposure um 4,3 Mio. USD. Die Ernte in Brasilien geht dem Ende zu und die Dürre im vergangenen Jahr führte dieses Jahr zu kleineren Bohnenstangen, was den Preis in den vergangenen Wochen nach oben trieb. Ein warmer Winter hingegen führte zu geringen Frostschäden und damit ist das Defizit in der Qualität der Bohnen durch ein höheres Angebot wieder ausgeglichen, was die Preise wieder fallen ließ. Kaffee leidet unter einem starken brasilianischen Real, weswegen Kaffeebauern ihre Ernten aktuell günstig veräußern. Zucker konnte vergangene Woche um 1,2 Prozent steigen, da ein schwacher Monsunregen in Indien wohl zum ersten Mal seit 6 Jahren zu einem ausgeglichenen Markt führt. Long Zucker-ETPs konnten 1 Mio. USD an Mittelzuflüssen verbuchen.

ETFS Palladium Trust (PALL) mit 12 Mio. USD an Mittelabflüssen, dem größten Abfluss seit September 2014. Die Automobilnachfrage aus China ist weiterhin schwach und die Nachfrageaussichten für Autokatalysatoren, welche 70 Prozent der Palladiumnachfrage ausmachen, bleiben damit eingeschränkt. Hingegen könnten verschärfte Regulationen für Emissionen in Europa im September zu einem Anstieg der PGMs (Platinum Group Metals) führen. 

Aktien
Verstärkte Volatilität an den Aktienmärkten seit China den Yuan abgewertet hat und damit über 5 Billionen an den globalen Aktienmärkten verloren gingen. Stärkere Einkaufsmanager-Index Daten (EMI) aus Europa unterlagen den schwächeren EMI Daten aus China, was zu einem beschleunigten Abverkauf an den globalen Aktienmärkten führte. Frankreichs Wirtschaft stagnierte im zweiten Quartal und obwohl Industriedaten aus Deutschland auf ein Vier-Jahreshoch stiegen, fiel der DAX um 7,8 Prozent. Rohstoffaktien, die etwa ein Fünftel der Gewichtung im FTSE 100 ausmachen, sorgten im Index für den größten Rückgang seit Dezember. Besonders heftig traf es den bekannten Bergbaukonzern Glencore PLC, der mit einem Gewinnrückgang von 56 Prozent im 1. Halbjahr zum nächsten Opfer der fallenden Rohstoffmärkte wurde. Durch ihre geplanten Vorhaben Eland Plan in Südafrika zu schließen und 23,9 Prozent ihrer Holdings in Lonmin Plc (der weltweit drittgrößte Platinproduzent) zu investieren, erhöhte sich der Druck auf das Angebot für Platin weiter. 

Währungen
Euro, Yen und Schweizer Franken bleiben inmitten risiko-aversen Zeiten am Stärksten. Niedrig verzinste Währungen wie der Euro und Yen profitieren von den Auflösungen der Carry Trades. Dennoch könnte die anstehende Wahl in Griechenland nach Syriza‘s Parteispaltung für Risiken im Euro sorgen. Fehlende Signale aus der letzten FED-Sitzung sowie ein tiefer als erwarteter EMI Index verringerten die Wahrscheinlichkeit auf einen Zinsanstieg durch die FED im September von 50 Prozent auf 28 Prozent, was den aufwertenden US-Dollar etwas abschwächt. Die weiterhin schwachen Ölpreise lasten schwer auf dem kanadischen Dollar. Positive VPI Daten aus Großbritannien unterstützen zum Wochenstart das britische Pfund, da Investoren von Anzeichen einer möglichen Zinserhöhung in Großbritannien ermutigt wurden.

China und die Fed stürzen Anleiheinvestoren in Nöte

„China muss mit seiner Wachstumsschwäche klarkommen, die Rohstoffpreise müssen sich stabilisieren, und der Anstieg des US-Dollar muss ein Ende finden. Es wird eine Zeit zum Wiedereinstieg geben, aber es ist am besten, auf die Fed und eine nochmalige Ausweitung der Emerging Markets Spreads zu warten.“
Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers

Für Anleiheinvestoren war 2015 kein gutes Jahr: Die Gesamtrenditen der Anleger liegen bei 0 oder sogar darunter, denn sowohl die Renditen sicherer Staatsanleihen als auch die Credit Spreads haben sich nach oben bewegt. Und Hoffnung auf schnelle Besserung ist nicht in Sicht – meint jedenfalls Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers: „Ich bezweifle, dass sich die Lage auf kurze Sicht deutlich bessert. Allenfalls könnte es sich derzeit auszahlen, auf höhere Durationen zu setzen, denn das Risk-Off-Sentiment zum Ende des Sommers könnte dazu führen, dass Core-Staatsanleihen sich bald wieder auf dem niedrigen Renditeniveau bewegen, das wir in der ersten Jahreshälfte gesehen haben.“

Darüber hinaus komme sicher irgendwann ein Zeitpunkt, an dem günstigere Bewertungen schwerer wögen als die fundamental begründeten Sorgen der Investoren, vor allem in den entwickelten Industrienationen, wo das gesamtwirtschaftliche Umfeld Anleihen mit Kreditrisiko nach wie vor begünstige und zudem nur geringe Zinserhöhungen zu erwarten seien. In den Schwellenländern sei die Situation dagegen nicht so einfach: „China muss mit seiner Wachstumsschwäche klarkommen, die Rohstoffpreise müssen sich stabilisieren, und der Anstieg des US-Dollar muss ein Ende finden. Es wird eine Zeit zum Wiedereinstieg geben, aber es ist am besten, auf die Fed und eine nochmalige Ausweitung der Emerging Markets Spreads zu warten.“

Insbesondere in China haben sich die Zeiten nach Ansicht Iggos rapide gewandelt. Der Dauerboom sei passé, so der Experte: „Das Wachstum hat sich halbiert, die Blase am Aktienmarkt ist geplatzt, der Leistungsbilanzüberschuss ist nicht einmal mehr ansatzweise so hoch wie in den glorreichen Jahren der vorigen Dekade, die Reserven schrumpfen, und die Zentralbank hat jüngst einer Abwertung des Renminbi um 3 Prozent zugestimmt.“ Ein Teil dieser Entwicklung sei zwar geplant und habe das Ziel, in China eine bessere volkswirtschaftliche Balance herzustellen. Allerdings sei dieser Paradigmenwechsel schmerzhaft, und der Rest der Welt fühle den Schmerz ebenfalls. Am deutlichsten gelte das jedoch für die übrigen Schwellenländer, die unter der nachlassenden Rohstoffnachfrage und dem sinkenden Handelsvolumen Chinas ebenso litten wie unter der Stärke des US-Dollar, die auf der Erwartung der Marktteilnehmer basiere, dass es in den USA bald zu Zinserhöhungen komme. „Dadurch führen selbst gute Nachrichten wie die zuletzt guten Daten vom US-Immobilienmarkt vor allem zu einer noch stärkeren Angst vor einer baldigen Zinserhöhung.“ Die Schlussfolgerung daraus ist für Iggo klar: „In gewisser Weise wäre es eine Erleichterung für die Märkte, die erste Zinserhöhung einfach hinter sich zu bringen. Das gegenwärtige Zaudern ist jedenfalls nicht hilfreich.“

Ausverkauf an den Börsen – eine Einschätzung

Fidelity Marktkommentar: „Die Schwankungen an den Aktienmärkten dürften zunehmen – ehrlich gesagt waren sie in den vergangen 12 Monaten auch fast zu niedrig. Solange die US-Wirtschaft stabil bleibt, dürfte die Welt aber nicht in eine Rezession rutschen. Trotz der zunehmenden Marktschwankungen sprechen Unternehmensdaten und globales Umfeld weiter für Aktien. Was wir sehen, ist eine Korrektur und nicht der Start eines Bärenmarkts.

Für den Kurssturz am chinesischen Markt sind mehrere Faktoren verantwortlich. Einerseits mehren sich die Zeichen für eine Wachstumsabkühlung. Etliche Indikatoren wie der Autoabsatz, Stromverbrauch und Einkaufsmanagerindex bewegen sich im negativen Terrain. Andere Indikatoren wie die Einzelhandelsumsätze und die Kreditvergabe wachsen langsamer. Auch der Reformmotor ist ins Stottern geraten. Beim Umbau der Staatsbetriebe scheint der Eifer der Privatisierung und für mehr Wettbewerb zu erlahmen und einer Konsolidierung von Wirtschaftszweigen Platz zu machen. Als Herzstück der Reform sollte den Marktkräften eine größere Rolle zugebilligt werden. Diesen Grundsatz scheint man in den letzten Wochen fallen zu lassen zugunsten verstärkter Eingriffe in den Markt. Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir es in China mit einer Abkühlung und nicht mit einem Einbruch zu tun haben. Denn auch wenn die Reformen aktuell etwas stocken, werden sie fortgesetzt. So birgt das ehrgeizige Vorhaben der 'neuen Seidenstraße' interessante Möglichkeiten. Und die Abwertung des Renminbi ist Ausdruck einer Öffnung des Kapitalverkehrs. Eine Panikreaktion auf die Wirtschaftsentwicklung sehe ich darin nicht. Weitere Lockerungsmaßnahmen wie die Senkung des Leitzinses und der Mindestreservequote sind wahrscheinlich. Sie dürften der Wirtschaft und den Aktienmärkten helfen.

China bleibt ein Risiko, auch für den japanischen Aktienmarkt. Aktuell ist der japanische Aktienmarkt in einer zwischenzeitlichen Konsolidierungsphase. Insgesamt ist er allerdings aufgrund seiner günstigen Bewertungen und dem positiven Ausblick für das Gewinnwachstum der Unternehmen im Vergleich zu den übrigen entwickelten Märkten gut aufgestellt. Zudem sind die japanischen Unternehmen dabei, ihre Corporate Governance – lange ein Schwachpunkt Japans – zu verbessern. Ich gehe zudem davon aus, dass der Finanzsektor in Japan sich im Zuge der Zinserhöhung in den USA gut entwickelt.

Der deutsche Aktienmarkt ist in den vergangenen drei Monaten stärker abgestraft worden als der europäische Gesamtmarkt, die heimischen Aktien sind in meinen Augen nun überverkauft. Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt der Dax unter dem europäischen Durchschnitt. Das ist nicht gerechtfertigt. Dabei muss man berücksichtigen, dass nur rund 10-15 Prozent der Erträge deutscher Unternehmen aus China kommen. Zudem nicht alle Exportgüter, die von Investitionsgütern bis hin zu Luxusartikeln reichen, von einer Wachstumsabkühlung gleich stark betroffen. Insgesamt gehe ich davon aus, dass die Gewinne deutscher Unternehmen in diesem Jahr um 7-10 Prozent steigen werden. Tatsächlich haben die meisten Unternehmen mit ihren Gewinnausblicken im zweiten Quartal positiv überrascht. Unterstützt wird dieser Ausblick auch von einem der wichtigsten Indikatoren, dem Einkaufsmanagerindex, der weiter von globalem Wachstum ausgeht."

Schrumpfende Margen für deutsche Autohersteller – Zalando und Wirecard auf Erfolgskurs

GAM Marktkommentar: 

Die Krise in China trifft weite Teile des europäischen Aktienmarkts. Schwer zu leiden haben deutsche Autohersteller. Laut Niall Gallagher, Fondsmanager des GAM Star European Equity, werden die Margen von Volkswagen und BMW aufgrund der jüngsten Entwicklungen signifikant fallen. „Deutsche Hersteller sind die größten ausländischen Anbieter im chinesischen Markt. Im Vergleich zum europäischen Absatzmarkt erzielen die Deutschen hier drei bis vier Mal so hohe Margen – jedenfalls bisher“, erklärt der Fondsmanager. Weil sich in China die Wirtschaft abschwäche und das Wachstum in Europa wieder anziehe, verschiebe sich die Nachfrage geografisch. Damit sei zwar ein relativ gleichbleibendes Absatzvolumen gesichert, tiefere Margen jedoch unvermeidlich. Um diese Schwankungen zu vermeiden, bevorzugt der Fondsmanager bei seinen Investitionen seit langem Automobilzulieferer, wie den Reifenhersteller Continental: „Die Margenstruktur zwischen Europa und China ist in diesem Segment nicht radikal anders, daher wirkt sich eine geografische Verschiebung der Nachfrage nicht so stark auf die Erträge der Zulieferer aus“, so Gallagher.

Zwei deutschen Einzeltiteln schenkt der Fondsmanager derzeit besonders große Aufmerksamkeit: Zalando und Wirecard. Der Onlinehändler Zalando baut seinen Marktanteil in den Hauptabsatzmärkten weiter aus und erwirtschaftete im letzten Halbjahr einen Ertragszuwachs von über 30 Prozent. „Wir glauben, dass Zalandos Rentabilität deutlich höher ist als es die derzeitigen Markterwartungen vermuten lassen“, so der Fondsmanager. Laut Gallagher habe auch das Finanztechnologieunternehmen Wirecard überzeugende Zahlen präsentiert, unter anderem ein Umsatzwachstum von rund 30 Prozent. Wirecard startete mit der Verarbeitung von Onlinezahlungen, doch mit wachsendem Kundestamm entwickle sich das Unternehmen derzeit weiter und baue das Angebot aus. „Ein besonders hohes organisches Wachstum ist Wirecards herausragender Vorteil“, erklärt der Experte. So dürfte das Unternehmen besonders vom Trend hin zu neuen Zahlungsformaten im Onlinehandel profitieren. Zudem würden über 20 Prozent der Einnahmen aus Asien stammen, wo die Perspektiven noch attraktiver seien als in Europa. „Aufgrund dieser Tatsachen sind wir der Überzeugung, dass das Unternehmen weiterhin sehr günstig bewertet ist“, schlussfolgert Gallagher.

EM-Regierungen reagieren unterschiedlich auf wirtschaftliche Probleme – politische Risiken in EM nehmen zu

Maarten-Jan Bakkum, Emerging Markets-Stratege bei NN Investment Partners. Wirtschaftliche Schwäche, eine wachsende Zahl von Firmenpleiten, rapide ansteigende Arbeitslosenzahlen, höhere Zinsen, rückläufiges Kreditgeschäft, schwächelnde Währung – all das erhöht zwangsläufig den Druck auf das politische System. Inwieweit sich eine politische Krise vermeiden lässt, hängt letztlich vom Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme und der Leistungsfähigkeit der politischen Institutionen ab. 

Nach rund fünf Jahren rückläufigen Wirtschaftswachstums und wiederholter Wechselkurskorrekturen nehmen die Spannungen in den aufstrebenden Volkswirtschaften deutlich zu. Das zeigt sich unter anderem am Finanzsystem: Die Zahl der Firmenpleiten steigt, während die Gewinne der Banken rapide sinken. Aber auch gesellschaftlich und politisch macht sich der Abschwung bemerkbar: Steigende Arbeitslosenzahlen und Zinsen höhlen die Kaufkraft aus, während die Regierungen mit wachsenden Defiziten und sinkendem Rückhalt in der Bevölkerung zu kämpfen haben. Es braucht Reformen, um der Wirtschaft eine Atempause zu verschaffen, doch die Furcht vor unpopulären Entscheidungen lähmt jetzt das System. Die Wirtschaftskrise verändert die Gemengelage innerhalb und außerhalb der Regierungen, führt zu gegenseitigen Vorwürfen sowie Enthüllungen von Machtmissbrauch. Nicht von ungefähr kommen Korruptionsskandale gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ans Licht. 

Jedes Land geht anders mit zunehmenden wirtschaftlichen Problemen um. In Ländern mit autokratischer Tradition verschärfen die Regierungen die staatliche Kontrolle; Pressefreiheit und Bürgerrechte leiden. Das war in den letzten Jahren in Russland, Thailand, China und der Türkei zu beobachten. Offizielle Antikorruptionskampagnen sowie Konflikte mit ausländischen Mächten dienen dabei zur Ablenkung von den wahren Problemen im Land.

In Ländern, in denen demokratische Traditionen stärker verwurzelt sind oder die Regierungen weniger Kontrolle über Gesellschaft und Institutionen ausüben können, eskalieren die Konflikte in der Regel im politischen System. Korruptionsskandale werden instrumentalisiert, um politische Rechnungen zu begleichen. Südafrika und vor allem Brasilien und Malaysia sind Paradebeispiele für diese Kategorie. Der Schmiergeldskandal rund um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras und die Protestwelle gegen Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff haben das Land in Aufruhr versetzt; wie es weitergehen soll, ist ungewiss. In Malaysia geht es um staatliche Gelder, die auf das Konto von Malaysias Premier Najib geflossen sein sollen. Dieser Skandal könnte das prekäre Gleichgewicht in Malaysia, mit seinen unterschwelligen ethnischen Spannungen, völlig aus dem Lot bringen.

Die politischen Risiken in den aufstrebenden Volkswirtschaften – ob erster oder zweiter Kategorie – steigen rapide. Das erklärt zumindest teilweise, warum es an den Anleihe- und Devisenmärkten weiterhin abwärtsgeht. Korruptionsskandale, Regierungskrisen und zunehmende Repressalien unterminieren die Reformbestrebungen. Und Reformen sind dringend geboten, um die wirtschaftlichen Ungleichgewichte abzubauen, das Investitionsklima zu verbessern und die Weichen für erneutes Wachstum zu stellen.

Commodities slide as investors misread policy signals

Confusion around China’s currency policy drives volatility across the commodity complex. With many market participants thinking the change in Chinese currency policy was a competitive devaluation rather than a move to introduce more market dynamics, fears that the authorities have become desperate to reignite economic growth has led to a sell-off in cyclical commodities. At the same time, the gold price has benefited, reversing some of the negative sentiment towards the metal we have seen in past months. As the dust settles, we believe that industrial metals will grind higher as supply tightens and the market realises that Chinese demand is not bad as feared. Although consensus expectations are for a Federal Reserve rate hike in September, recent Fed minutes indicate it is not a sure thing and so some of the US dollar pressure on commodities may ease. The capitulation in oil prices has driven demand higher and will likely provide high-cost producers the incentive to cut back on production. US$200bn of capex cuts have announced across the oil and gas sector, which will help the market come closer to balance as we move toward year-end and into 2016.

Please find ETF Securities' Commodity Monthly Monitor attached on the left.

BMO REP: Ertragswachstum bei UK-Gewerbeimmobilien

München / London, 20. August 2015. Die Erträge aus Investitionen in Gewerbeimmobilien im Vereinigten Königreich (UK) haben im zweiten Quartal 2015 gegenüber dem Vorquartal erstmals wieder zugelegt, nachdem die Entwicklung in den drei vorangegangenen Quartalen jeweils rückläufig war. Das geht aus dem aktuellen „Market Review & Outlook“ von BMO Real Estate Partners (BMO REP, vormals F&C REIT Asset Management) für den UK-Immobilienmarkt hervor. Demnach warfen UK-Gewerbeimmobilien im zweiten Quartal 2015 einen Gesamtertrag (Wertänderung plus laufender Ertrag) in Höhe von 3,5 Prozent ab. Im vorherigen Dreimonatszeitraum waren es 2,9 Prozent.

Angesichts der anhaltend positiven Entwicklung hat der Asset Manager die Prognose für die Wertentwicklung im gesamten Jahr 2015 erneut leicht nach oben korrigiert. Erwartet wird nun ein Gesamtertrag in Höhe von 13,5 Prozent; die vorherige Prognose hatte bei 13,1 Prozent gelegen (alle Angaben auf Pfund-Sterling-Basis). Für die kommenden fünf Jahre geht BMO REP von einem durchschnittlichen Total Return von 7,8 Prozent aus (vorherige Prognose: 7,9 Prozent).

„Investments in UK-Gewerbeimmobilien in Core-Märkten stehen trotz der starken Preisentwicklung der vergangenen Monate unverändert für gute Aussichten auf Wertstabilität“, sagt Guy Glover, Fund Manager und Experte für den UK-Immobilienmarkt bei BMO REP. In den Märkten in Central London sowie im wirtschaftsstarken Südosten des Landes werden die Immobilienerträge in den kommenden Jahren voraussichtlich über dem landesweiten Durchschnitt liegen. „Der Abstand zu den anderen Regionen könnte sich aber perspektivisch verringern, insbesondere wenn die hohe Nachfrage nach Flächen in London dazu führt, dass das Entwicklungsvolumen wieder zulegt“, so Glover.

Grundsätzlich bieten laut BMO REP die wirtschaftlich starken Regionalzentren sowie kleinere Städte mit günstiger Wirtschaftsstruktur und hoher Attraktivität als Tourismusziel ebenfalls die Perspektive auf stabile bis steigende Immobilienerträge. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund der Annahme, dass sich Immobilienkäufer starken gut vermieteten Objekten in den Regionen außerhalb Londons zuwenden, da hier höhere Renditen zu erzielen sind. Die Gesamtrenditen werden sich in Zukunft wieder stärker aus dem laufenden Ertrag speisen, nachdem sie aktuell und in der jüngeren Vergangenheit vor allem auf das Wertwachstum zurückgehen bzw. -gingen.

GAM: Öffnung der Börse Saudi-Arabiens bietet ausländischen Investoren vor allem langfristig Chancen

Auch zwei Monate nach der Öffnung der saudischen Börse Tadawul für ausländische Investoren gilt es vorsichtig zu bleiben – trotz des gestiegenen Anlegerinteresses. Dies ist die Meinung von Enrico Camera, Fondsmanager des GAM Star (Lux) Emerging Alpha. Trotz des aktuellen Markt-Hypes rechnet der Experte damit, dass die Kapitalzuflüsse wieder abnehmen werden: „Vergleichsweise hohe Transaktionskosten und eine nur langsame Anpassung an internationale Rechnungslegungsstandards dürften die Kapitalzuflüsse dämpfen“, sagt Camera. 

Öffnung könnte langfristig bedeutende Investitionsmöglichkeit darstellen

Als größte Volkswirtschaft des Nahen Ostens könnte das Land bis 2017 durch die Aufnahme in den MSCI-EM-Index von einem Frontier-Market in den Status eines Emerging Market heraufgestuft werden. Marktteilnehmer hatten denn auch weitgehend positiv auf die Öffnung des Aktienmarktes für qualifizierte Finanzinvestoren vor zwei Monaten reagiert. Sie erwarten, dass die Marktöffnung zu einem schrittweisen Zufluss ausländischen Kapitals führen wird. „Die Öffnung des Marktes könnte zukünftig eine bedeutende Investitionsmöglichkeit darstellen, da Saudi-Arabien nicht nur über einen großen Aktienmarkt verfügt, sondern auch großes Wachstumspotential bietet“, bemerkt der Experte. Mit der Öffnung des Marktes will Saudi-Arabien ausländisches Kapital anziehen, um die fehlenden Deviseneinnahmen aus dem gesunkenen Ölpreis zumindest teilweise kompensieren zu können. 

Binnennachfrage stärkt Einzelhandel, Kraftstoffvertrieb und Transportwesen

„Investoren sollten grundsätzlich vorsichtig agieren, da die saudi-arabische Wirtschaft wegen der mangelnden Strukturreformen sehr stark den Folgen der Ölpreisschwäche ausgesetzt ist“, so Camera. „Wir identifizieren Möglichkeiten hauptsächlich im Einzelhandel, dem Kraftstoffvertrieb und Transportwesen – Industrien, die von der robusten Binnennachfrage und einer wachstumsfördernden Konkurrenzdynamik profitieren sollten. Für die zweite Jahreshälfte meiden wir den Energie-, Material- und Finanzsektor, deren Ertragsdynamik vor dem Hintergrund niedriger Ölpreise und der Abwesenheit einer restriktiveren Geldpolitik herausfordernd bleibt. Alleine der Energie- und Finanzsektor zusammen repräsentierten zusammen derzeit zirka 75 Prozent der Gesamtmarktkapitalisierung des Tadawul-Index. Ein Hinweis darauf, dass die starke Marktperformance im Rest des Jahres wahrscheinlich nicht anhalten wird“, so Camera. Dies nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass der positive Performance-Trend auf breiter Ebene zu deutlichen höheren Bewertungen geführt habe. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis liege derzeit bei rund 16. „Der Markt handelt momentan mit einem deutlichen Aufschlag sowohl im Vergleich zu früher als auch im Vergleich mit den durchschnittlichen Bewertungen anderer Schwellenländer-Börsen“, schlussfolgert Camera.

Marktschwäche sorgt für Kaufgelegenheit bei deutschen Aktien

Bekommt Deutschland einen Schnupfen, wenn China niest?
Die Abwertung des Yuan durch die People’s Bank of China (PBOC) vom 11. August rief an den globalen Märkten Volatilität und Unbehagen hervor. Auch in Deutschland, wo erfolgreiche Exportunternehmen in den letzten zehn Jahren ein expansives Umsatzwachstum durch den Handel mit China verzeichneten, trübte sich die Marktstimmung ein.

Angesichts der Besorgnis um einen möglichen „Grexit“ musste der deutsche Aktienmarkt, ausgehend von den im April erreichten Höchstständen, einen schrittweisen Rückgang hinnehmen. Nachdem die Sorgen um einen Grexit mittlerweile nachgelassen haben, sackte der Dax 30 nun aufgrund der Maßnahme der PBOC innerhalb von nur zwei Tagen um insgesamt 6% ab.1  

Unserer Einschätzung nach war die Reaktion auf diese externen Faktoren übertrieben. Aus diesem Grund haben wir die jüngste Marktschwäche als Kaufgelegenheit zulasten unserer Kasseposition genutzt. Die Währungsabwertung kam zwar überraschend, was zu Verunsicherung an den Märkten führte, sie fiel allerdings vergleichsweise gering aus, da der Yuan gegenüber dem Euro lediglich 2,3% einbüßte.2  

Bei Unternehmen mit umfangreichem Exportabsatz nach China, in die wir investiert sind, zeigen unsere Analysen, dass die Wechselkursveränderungen den Ausblick für unsere Investitionseinschätzungen nicht wesentlich verändert haben. Wir gehen also nicht davon aus, dass der stärkere Wechselkurs von Euro zu Yuan ein Niveau erreicht hat, das die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen signifikant schädigen könnte. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass der Yuan gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn um 13,5% aufgewertet hat.2

Ein auf Unternehmen ausgerichteter Ansatz
Wir vermeiden einen obsessiven Fokus auf die gesamtwirtschaftliche Lage, die die Marktstimmung leicht drehen kann, und konzentrieren uns stattdessen auf solche Faktoren, auf die es bei Aktienanlagen hauptsächlich ankommt, nämlich die Qualität der Unternehmen an sich. Wir sehen viele Beispiele für deutsche Qualitätsunternehmen, die weltweit und auch in China expandieren, obwohl sich die Konjunktur dort abschwächt.

Mercedes Benz ist ein solches Beispiel. Das Unternehmen ist die Vorzeigemarke für Luxus- und Nutzfahrzeuge und befindet sich im Besitz der Daimler AG - ein Konzern, den wir im Portfolio halten. Der deutsche Autohersteller verfügt über eine attraktive, gefragte Produktpalette, die auf dem chinesischen Markt nach wie vor erfolgreich ist.
 
Mercedes verbuchte im Juli einen Umsatzanstieg von 35,2% im Vergleich zum Vorjahr, womit das gesamte Umsatzwachstum der ersten sieben Monate des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei 21,7% liegt.3 Diese Zahlen beziehen sich allein auf China, einen Markt, der etwa ein Fünftel des Juli-Umsatzes von Mercedes ausmachte. Weltweit stieg der Umsatz des Unternehmens in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 14,7%, womit ein Rekordabsatz von einer Million mehr verkaufter Fahrzeuge erreicht wurde. Der Erfolg von Mercedes beruht nicht auf gesamtwirtschaftlichen Trends, sondern vielmehr auf der Tatsache, dass es ein gut geführtes Unternehmen mit einer attraktiven Produktpalette ist, die gefragter ist als die von vielen Mitbewerbern.

Ausblick
Wenn wir uns den deutschen Aktienmarkt insgesamt anschauen, sind wir optimistisch. Deutsche Aktien bieten im Vergleich zum breiteren europäischen Markt die Aussicht auf ein überdurchschnittlich hohes Ertragswachstum. Die Ertragsprognose der kommenden 12 Monate für den HDAX Index beträgt 15,9%, verglichen mit 8,7% für den MSCI Europe Index. Unserer Auffassung nach dürfte dies sogar leicht konservativ geschätzt sein.4 Im zweiten Quartal sahen wir bereits positive Ertragskorrekturen und wir gehen davon aus, dies auch im dritten Quartal vermehrt beobachten zu können. Mit einem erwarteten KGV über 12 Monate von 15,3 im Vergleich zu 16,7 werden deutsche Aktien trotz dieser Tatsache aktuell mit einem Abschlag zu europäischen Aktien gehandelt.5  

1 Quelle: Bloomberg, Stand 12. August 2015
2 Quelle: Thomson Reuters Datastream, Stand 13. August 2015
3 Quelle: Daimler AG, Stand 6. August 2015
Quelle: Thomson Reuters Datastream und IBES, Stand 31. Juli 2015
5 Quelle: Thomson Reuters Datastream, Stand 13. August 2015

                                                                   
Robert Smith
Investment Manager, Baring German Growth Trust
Baring Asset Management, London

China erhöht weltweiten Deflationsdruck – Brasilien kämpft weiterhin mit Inflation

GAM Marktkommentar: 

Angesichts des Konjunkturrückgangs in China sind weitere Währungsschritte durch die chinesische Zentralbank wahrscheinlich. Das ist die Einschätzung von Adrian Owens, Währungsexperte und Fondsmanager des GAM Star Global Rates. „Mit der aktuellen Abwertung um 3,5 Prozent ist noch nicht einmal ein Drittel der Wertsteigerung des vergangenen Jahres rückgängig gemacht“, erklärt Owens. Der Renminbi habe seit 2011 handelsgewichtet um mehr als 30 Prozent aufgewertet. Schwache Wirtschaftsdaten dürften deshalb zur weiteren Abwertung der chinesischen Währung führen. Dies hätte laut Owens allerdings weitreichende Auswirkungen: „Verfolgt die Notenbank ihre Politik weiter, dann erhöht sie gleichzeitig auch weltweit den Deflationsdruck.“

In Brasilien hingegen ist laut Owens die Inflation eine große Herausforderung: „Brasilien kämpft gegen hohe Inflation und hebt deswegen seit zwei Jahren immer wieder den Leitzins an. Im vergangenen Monat gab die Zentralbank erstmals Hinweise darauf, dass ein Ende der Zinserhöhung in Sicht ist“, so der Fondsmanager. Für die Inflationsentwicklung gebe es mehrere Gründe. Einer der wichtigsten sei jedoch die Senkung der Staatsausgaben und die zeitgleiche Erhöhung von Steuern und Strompreis. Zudem verschlechtere sich die Wirtschaft. Das Unternehmer- und Verbrauchervertrauen sei unter das Niveau von 2008 gefallen und die Arbeitslosigkeit steige. 

Laurence Kubli: kritisiert das Aufkaufprogramm der EZB für Asset Backed Securities (ABS) und aktuelle Regulierungen für Wertpapiere

  • Die Fondsmanagerin des JB ABS Fund bewertet die Idee hinter dem ABS-Aufkaufprogramm der EZB positiv; die Umsetzung jedoch enttäuschte
  • Das ABS-Aufkaufprogramm startete im November 2014. Die EZB setzte sich das Ziel, über einen Zeitraum von zwei Jahren ABS im Wert von rund 50 Milliarden Euro p.a. einzukaufen 
  • Bisher kaufte die EZB jedoch nur Wertpapiere für etwa 10 Milliarden Euro 
  • Daneben ist die Regulierung für Kubli ein zweites wichtiges Thema – die neuen Verordnungen haben sich für die Anlageklasse als eher negativ erwiesen: Die Verbesserungen bei der Gewichtung als Risikokapital seien nur minimal, das führe zu höheren Spreads bei europäischen ABS

ETF Securities - Wöchentlicher Marktüberblick 17.08.2015

Die Entscheidung der Chinesischen Zentralbank (Peoples Bank of China - PBOC), die Währung vergangene Woche um kumulative 5 Prozent abzuwerten, sowie die Fixingmethodik für den CNY zu ändern, sorgte für negative Reaktion in sämtlichen Anlageklassen. Investoren wurden defensiver und verabschiedeten sich von zyklischen Vermögenswerten. Rohstoffsektoren die besonders dem chinesischen Wirtschaftswachstum ausgesetzt sind, wie Energie und Industriemetalle, sahen einen reflexartigen Preiserutsch Reaktion auf die Ereignisse. USD-Schwäche half Rohstoffen zu einer gewissen Erholung, da die Erwartungen einer Zinserhöhung nach hinten geschoben wurden. Viele Rohstoffpreise gaben zunächst um mehr als die Änderung des CNY / USD nach, was darauf schließen lässt, dass die Marktstimmung der Treiber ist und nicht Fundamentaldaten.

Rohstoffe
Fallende Ölpreise locken Investoren

WTI und Brent ETPs mit 48,2 Mio. USD und 12 Mio. USD Nettomittelzuflüssen, der siebten Woche in Folge. Der monatliche Bericht der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) bestätigt, dass die OPEC weiterhin die Welt überversorgt, wobei die gemeinsame Fördermenge 31,5 Mio. Barrel pro Tag (mb/d) im Vergleich zur Zielproduktion von 30 mb/d überstiegen hat. Investoren fanden Unterstützung durch den monatlichen Bericht der Internationalen Energie Agentur (IEA), der für 2015 die globalen Wachstumsaussichten nach oben revidierte, und eine Erhöhung der Nachfrageerwartungen von 1,6 mb/d im Jahr 2015 erwartet, dem größten Wachstum in fünf Jahren. Die wöchentliche Veröffentlichung der US Energy Information Agency (EIA) zeigte, dass US-Rohöl-Vorräte um 1,7 Mio. Barrel sanken, knapp unter den Erwartungen. Allerdings zeigten der EIA Bericht auch, dass die Rohöllagerbestände das Vorjahresniveau um 86,5mn Barrel übertreffen und 93,2mn Barrel über dem Fünfjahresdurchschnitt liegen. Der WTI-Rohölpreis fiel auf ein 6 ½ Jahres-Tief von 41,3 USD pro Barrel, deutlich niedriger als sein globales Pendant Brent-Öl, welches unter 50 USD pro Barrel fiel, und sich der Preisabschlag auf 7 USD pro Barrel ausweitete. Dies ist auf steigende Lagerbestände in Cushing zurückzuführen. Rohölimporte für die Woche lagen bei 7,5 mb/d im Vergleich zu 7,18 mb/d in der vergangenen Woche. Offenbar nutzte China die niedrigeren Ölpreise für die eigenen Importe und nahm ein Rekordvolumen von 30,71 Mio. Tonnen Rohöl in den ersten 7 Monaten des Jahres ab, 10 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Verkäufe in Höhe von 106,2 Mio. USD aus Gold ETPs markierte die 13. Woche in Folge von Nettomittelabflüssen. Chinas Reformen der Währungspolitik unterstützte Gold, das auf ein Drei-Wochen-Hoch von 1.120  $/oz stieg. ETP Investoren nahmen Gewinn mit, woraufhin die Abflüsse sich erneut beschleunigten, nachdem in der Woche diese sich zu verlangsamen schienen. Das World Gold Council (WGC) hat in ihrem Bericht die schwache Nachfrage nach dem gelben Metall im 2. Quartal hervorgehoben, wobei die Verbrauchernachfrage in Indien und China um 25 Prozent bzw. 3 Prozent gefallen ist. Das WGC erwartet jedoch, dass die aktuellen niedrigen Preise die Nachfrage der Verbraucher in diesen Ländern in ähnlicher Weise antrieben werden, wie sie es bereits in 2013 getan hatten.

Agrarwirtschaft ETPs weiterhin mit starken Zuflüssen. ETFS Agriculture (AIGA), ETFS Wheat (WEAT) und ETFS Corn (CORN), sahen allesamt die dritte Woche in Folge Zuflüsse, dieses Mal in Höhe von 6,6 Mio. USD, 2,3 Mio. USD und 2,6 Mio. USD respektive. In ihrem aktuellen Monatsbericht hob die USDA seine US-Maisproduktions-Prognosen um 1,2 Prozent an, woraufhin der Preis um 1,6 Prozent über die Woche nachgab. Doch mit einer höher werdenden Wahrscheinlichkeit, dass El Nino die zu Produktionsunterbrechungen noch in diesem Jahr führen kann, haben sich ETP Investoren bei Mais in Erwartung einer Preiserholung positioniert.

Abflüsse aus Kaffee ETPs auf dem höchsten Stand in 10 Wochen. Preise für Arabica-Kaffee stiegen um 10,3 Prozent in der vergangenen Woche, woraufhin es zu Gewinnmitnahmen kam. Die Preise stiegen obwohl die IBGE, ein offizielles Statistikinstitut der brasilianischen Regierung, die Prognose der brasilianischen Kaffee Ernte um 800k-Säcke auf 44,2 Mio. Säcke anhob.

Aktien
Europäische Aktien mit Verlusten, da chinesische Reformen Luxusgüter und Autosektor trafen. Die europäischen Aktien Benchmarks öffneten die Handelswoche mit Verlusten, im Einklang mit anderen globalen Börsen, da die Anleger die potenziell negativen Auswirkungen eines schwächeren Renminbi für die chinesische Wirtschaft verdauten. Sektoren wie Grundstoffe, Luxusgüter und Autos waren am schlimmsten betroffen. Die überraschend schwächeren Q2 BIP-Zahlen aus Deutschland und Frankreich beeinträchtigten die Anlegerstimmung ebenfalls. Im Gegensatz dazu haben die Chinesen Aktienmärkte nicht überreagiert, anders als viele andere Börsen, und die Woche mit Gewinnen abgeschlossen, trotz der schwächer als erwarteten Daten der Industrieproduktion und des Einzelhandels.

Währungen
Chinesischen Renminbi nach neuen Reformen um fast 5 Prozent abgewertet. Die signifikante Änderung der Politik war es jedoch, den neuen Renminbi Fixingkurs gegenüber dem Vortagesschlusskurs der CNY Rate zu setzen. Die Entscheidung der PBOC ermöglicht eine größere Wechselkursflexibilität und Transparenz von CNY Preisen. Als Grund der Reform gab die PBOC an, einen stärker vom Markt bestimmten Wechselkurs fördern zu wollen und nicht, um einen Währungskrieg zu starten. Wir halten dies als Fortschritte hin zu einem vom Markt bestimmten Wechselkurs, was vorteilhaft für eine etwaige Aufnahme in den IWF-SZR ist. In der Tat begrüßte der IWF dies als einen „willkommenen Schritt“. Nichtsdestotrotz hat der IWF geäußert, dass die chinesische Politik „keine direkte Auswirkungen" für eine etwaige SZR Aufnahme hätte. Sowohl der AUD als auch NZD verlorenen an Boden, da die Märkte teurere Exporte nach China erwarten und entsprechend geringere Nachfrage. Für beide Währungen wird weitere Schwäche erwartet, mit ihren jeweiligen Zentralbanken weiterhin im Lockerungsmodus. In der Zwischenzeit war die schwedische Krone die stärkste G10-Währung, nachdem Inflations-Daten nach oben überraschten, was die Riksbank von einer etwaigen Zinssenkung in der nächsten Sitzung abhalten dürfte.