„Der Bullenmarkt in Europa ist durch eine US-Zinserhöhung nicht in Gefahr“

London, 30. September 2015 – Die kommende Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed dürfte für europäische Aktien nur eine moderate und zeitlich begrenzte Gefahr sein. Dieser Ansicht ist Steven Bell, Chief Economist von BMO Global Asset Management (EMEA) in London und Co-Manager des F&C Macro Global Bond Fund. „Janet Yellen hat deutlich gemacht, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Fed die Zinsen erhöht. Die historische Entwicklung des S&P-500-Index im Vorfeld vergangener Zinserhöhungen lehrt uns jedoch, dass das keineswegs der Beginn eines anhaltenden Bärenmarktes sein muss. In der Regel hat der Markt in den ersten drei Monaten nach einem Zinsschnitt nachgegeben – um dann zu einem Aufschwung anzusetzen, der unter dem Strich positive Ergebnisse gebracht hat“, erklärt Bell. Eine Zinserhöhung dürfte zwar nicht nur in den USA, sondern auch an den globalen Märkten zunächst für negative Renditen und Volatilität sorgen. Insbesondere in Europa gebe es aber weiter viel Spielraum für steigende Unternehmensergebnisse, die sich langfristig positiv auf die Kurse auswirken dürften. „Die jüngste Marktschwäche hat zwar die Nerven der ‚Aktien-Bullen‘ strapaziert, doch allem Anschein nach handelte es sich dabei eher um eine kurzfristige Korrekturphase als um den Beginn eines echten Bärenmarktes“, sagt Bell.

Europäische Aktien mit größerem Aufwärtspotenzial

Während die Unternehmensgewinne in den Vereinigten Staaten in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren dramatisch gestiegen seien, hinkten die Ergebnisse der europäischen Firmen der US-Entwicklung noch immer hinterher, so Bell. „Die ökonomischen Bedingungen sprechen dafür, dass die europäischen Unternehmen die Gewinnlücke schließen können: Es wird noch Jahre dauern, bis die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöhen muss, und noch länger, bevor die Arbeitslosigkeit stark genug gefallen ist, um die Lohnstückkosten steigen zu lassen. Vor diesem Hintergrund dürfte auch die Euro-Schwäche anhalten, von der die Unternehmen profitieren“, analysiert der Volkswirt. Die Ereignisse um Griechenland in der ersten Jahreshälfte hätten zudem gezeigt, dass die Krise keineswegs ausgestanden, die Ansteckungsgefahr jedoch gering ist. Investoren könnten daher mit guten langfristigen Renditen bei europäischen Aktien rechnen, sollten ihre Anlagen allerdings gegen den US-Dollar oder Britische Pfund absichern. 

Die Zinserhöhung ist nur eine Frage der Zeit

Nach dem lange erwarteten und dann ausgebliebenen Zinsschritt vor ein paar Wochen haben viele Kommentatoren der Fed Zögerlichkeit unterstellt. „Mit Blick auf vergangene Zinsschritte wäre ein zu langes Herauszögern tatsächlich ein Risikoszenario, das allerdings nicht realistisch ist. Vielmehr nimmt die US-Geldpolitik derzeit noch Rücksicht auf die niedrige Inflation. Historisch haben sich niedrige positive Inflationsraten als ideal für die Aktienmärkte erwiesen, und genau auf diesen Korridor zielt die US-Geldpolitik derzeit“, sagt Bell. Wenn der Zinsschritt kommt, werde er vor dem Hintergrund einer starken US-Wirtschaft stattfinden. Investoren dürften in dieser Situation gut beraten sein, sich auf Turbulenzen einzustellen, sich aber nicht zu lange von den Aktienmärkten fernzuhalten.

USD Stärke setzt den Rohstoffen zu

Rohstoffe
Kurzfristige Gold-Rallye erhöht die Nachfrage nach Gold-ETPs. Letzte Woche wurden 16,6 Mio. USD an Nettomittelzuflüsse in Gold ETPs investiert, als Gold um 3,3 Prozent zulegte und am Donnerstag bei 1.154,50 USD / Unze aus dem Handel ging. US-Notenbankchefin Janet Yellen stoppte die Rallye jedoch, als sie am späten Donnerstagabend die Möglichkeit eines Zinsanstiegs in den USA bis Jahresende bestärkte. Mit dieser Ankündigung stieg der US-Dollar und Gold fiel auf 1.146,20 USD / Unze zurück. Bis zur nächsten FED Sitzung im Oktober dürfte der Goldpreis weiter sehr volatil bleiben.

Wachsendes Interesse an Energie ETPs. Energie ETPs verbuchten 7 Mio. USD Mittelzuflüsse, hauptsächlich in ETFS Energy (AIGE) und Erdgas ETPs. Zu dieser Jahreszeit dreht sich die Erdgas Futures-Kurve typischerweise aus der Backwardation in Contango, da ein Auffüllen der Lager zwischen April und Oktober nun zu Ende geht und sich die Nachfrage in den USA für Heizen erhöht und damit die Nachfrage nach Erdgas vor der Wintersaison unterstützt. Die US-Energy Information Administration (EIA) prognostiziert einen Erdgaspreis bei durchschnittlich 2,84 USD / MMBtu (= Million British therminal Units.) für 2015, der YTD-Durchschnitt liegt derzeit bei 2,77 USD / MMBtu. Anleger dürften von einer Long-Position profitieren.
Öl-ETPs verzeichneten in der vergangenen Woche Mittelabflüsse, hauptsächlich Gewinnmitnahmen aus WTI-ETPs. WTI-Öl konnte sich seit dem Tief im August um 17,4 Prozent erholen, was nun zu Mittelabflüssen in den vergangenen drei Wochen führte.

Beständige Mittelzuflüsse in Short-Kupfer ETPs. Vergangene Woche wurden 4,5 Mio USD an Nettomittelzuflüsse in ETFS Short Copper (SCOP) verbucht. Seit zwei Wochen erhöhen sich die Mittelzuflüsse in Short Kupfer, da Anleger einen bärischen Standpunkt für das Metall einnehmen; sie knüpfen damit an die schwächer als erwarteten PMI-Daten aus China an. Nettopositionen in Kupferkontrakten, die an der LME und COMEX gelistet sind, deuten auf eine sich drehende Marktstimmung hin. Chinas offizieller Einkaufsmanagerindex sollte diese Woche für mehr Klarheit sorgen.

Abverkauf in Platin. Platin-ETPs verbuchten 9,3 Mio. USD Mittelabflüsse, nachdem der Platinpreis den niedrigsten Stand seit 6 Jahren erreicht hat. Gefolgt von einer Rallye von über 8 Prozent, verbuchen Palladium ETPs 1 Mio. USD an Mittelzuflüssen. Niedrigere Platinpreise könnten die wirtschaftliche Zukunft von Bergbauunternehmen weiter gefährden. Bei durchschnittlichen Produktionskosten von 1,209 USD / Unze ist es schwierig, das aktuelle Produktionsniveau beizubehalten, daher sind Produktionskürzungen dieses Jahr nicht auszuschließen. 

Aktien
Überraschend positive US-BIP Daten helfen den globalen Märkten aus der Verlustzone. Ein erneuter Rückgang der chinesischen Fertigungsdaten auf ein 6 ½ Jahrestief und der Emissionsskandal von Volkswagen sorgten zu Beginn der Woche für einen heftigen Rückschlag an den Märkten. Starke US-BIP Daten in Verbindung mit positiven Kommentaren von Fed Präsidentin Yellen hinsichtlich eines wahrscheinlichen Zinsanstiegs in 2015, erhöhten jedoch die Risikobereitschaft der Anleger. Aktien konnten sich von ihren Verlusten zu Beginn der Woche wieder erholen. EZB-Präsident Mario Draghi bleibt unentschlossen, ob weitere quantitative Lockerungsmaßnahmen nach einem Anstieg der Beschäftigung in Europa für den 11. Monat in Folge in Verbindung mit stabilen PMI-Daten nötig sind. Investoren verhalten sich vor den Q3-Ergebnissen jedoch vorsichtig, nachdem Caterpillar 10.000 Arbeitsplätze streicht und von einer unsicheren globalen Konjunkturaussicht warnt.

Währungen
Dollar fester, starke US-BIP Daten unterstützen einen Zinsanstieg durch die FED in 2015. Falkenhafte Bemerkungen von FED Präsidentin Yellen deuten auf einen wahrscheinliche Zinsanstieg dieses Jahr hin, was dem US-Dollar vergangene Woche zu einem Plus von 0,92 Prozent verhalf. Ein Anstieg der Konsumentenausgaben half der US-Wirtschaft im zweiten Quartal schneller zu wachsen als erwartet, was eine potentielle Zinswende befürwortet. Der Euro beendete die Woche, trotz der ausbleibenden taubenhaften Kommentare von EZB-Präsident Mario Draghi und einer Rallye aus den risikobehafteten Anlagen, niedriger. Die Norwegische Zentralbank senkte ihren Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr auf nun 0,75%. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass weitere Zinssenkungen folgen könnten, um die norwegische Wirtschaft, welche unter den fallenden Ölpreisen und der steigenden privaten Haushaltsverschuldung leidet, wieder zu anzukurbeln. Der kanadische Dollar bewegt sich inzwischen auf einem 11-Jahrestief, nachdem die Unsicherheiten vor Kanadas hart umkämpften Wahlen, die nun weniger als einen Monat entfernt sind, zunehmen. 

Spanien kann Vorbild für andere „Problemkinder“ der Eurozone sein

Mit den Sparmaßnahmen und Reformen der vergangenen Jahre habe Spanien zwar eine bittere Pille schlucken müssen, doch nun sei die Wirtschaft auf dem Weg der Besserung, meint Christophe Bernard, Chefstratege beim schweizerischen Vermögensverwalter Vontobel Asset Management. Es sei zwar noch viel zu tun, doch das Land könne als Vorbild für andere „Problemkinder“ der Eurozone gelten. Wie in anderen fragilen Volkswirtschaften in der so genannten „Peripherie“ des gemeinsamen Währungsgebiets seien weitere Verbesserungen allerdings davon abhängig, ob die Wähler den Reformkurs weiter unterstützten.

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AXA IM aktuell: Keine Blase am US-Aktienmarkt

Die wichtigsten US-Aktienindizes haben sich seit der globalen Finanzkrise verdreifacht, und die Gewinne der Unternehmen sind um 50 Prozent gestiegen. Einige Investoren fürchten sich jetzt vor einer Blase. Franz Wenzel, Chefstratege bei AXA Investment Managers (AXA IM), gibt jedoch Entwarnung: „Von einer Blase sind wir weit entfernt – auch bei einer Zinserhöhung.“

Das Kursgewinnverhältnis (KGV) des US-Aktienmarktes sei von 15 auf 20 gestiegen. Nach dem bekannten KGV-Modell von Robert Shiller liege der Wert inzwischen sogar bei 25 – für Investoren sei das ein Anzeichen für eine bevorstehende Blase. „Viele Anleger verlassen sich bei der Bewertung des Gesamtmarktes auf das Modell von Shiller. Dabei sollten sie jedoch berücksichtigen, dass die Finanzkrise einen großen Einfluss auf seine Berechnungen nimmt“, erklärt Wenzel. Die Angst vor einer Blase hält der Stratege daher für unberechtigt. Als Berechnungsgrundlage für das nach ihm benannte KGV nutze Shiller den inflationsbereinigten mittleren Gewinn der letzten zehn Jahre. Das ermögliche ihm, den aktuellen Markt mit dem realen Gewinndurchschnitt des letzten Jahrzehntes zu vergleichen. Damit beziehe er jedoch auch die Verluste der Jahre 2008 und 2009 mit ein, als die Gewinne während der Finanzkrise um mehr als 60 Prozent einbrachen. 

Wie groß die Auswirkungen der Krise auf Shillers Rechnung sind, demonstriert Wenzel, indem er den Gewinntrend für 2020 ableitet: „Angenommen wir nehmen seine Berechnungen als Grundlage und werfen einen Blick in die Zukunft. Wenn wir dann von einer normalen Gewinnrezession von 30 Prozent in den Jahren 2017 und 2018 ausgehen, erhalten wir einen Wert von 22. Das sind ganze drei Basispunkte weniger.“ 

Auch eine Zinserhöhung werde nicht zu einer Blase führen. Für das Quantitative Easing der USA stehen 3,5 Billionen US-Dollar an zusätzlicher Liquidität zur Verfügung. Der Stratege hält es für unwahrscheinlich, dass die Politiker dem Markt dieses Geld entziehen werden, wenn die Federal Reserve Bank die Zinsen hebt. Liquiditätsbedingt steige das KGV dann um 2 Basispunkte auf 17 (der langjährige Mittelwert von 15 plus zwei zusätzliche Punkte zur Berücksichtigung der Liquidität). Das tatsächliche KGV belaufe sich heute auf 19. „Das macht eine Überbewertung von etwa zehn Prozent aus – was zwar relativ hoch ist, aber weit entfernt von einer Blase“, schlussfolgert Wenzel.

Schwellenländeraktien stark von exogenen Faktoren beeinflusst – Ausblick für die nächsten drei Jahre bleibt positiv

Aktien in den Schwellenländern werden derzeit vor allem von äußeren Faktoren beeinflusst, die wenig mit deren eigentlichen Fundamentaldaten zu tun haben. Zu diesem Ergebnis kommt Tim Love, Fondsmanager des JB Emerging Equity Fund, in einem aktuellen Marktkommentar. Er verweist dabei insbesondere auf Faktoren wie das unklare Vorgehen der Fed, die absehbare Normalisierung des US-Zinsniveaus und die Abschwächung des japanischen Yen. 

„Trotz der jüngsten Kursschwäche bleibt der Ausblick für Schwellenländeraktien sehr positiv“, betont der Experte. Tim Love rechnet beim MSCI Emerging Markets Index in den kommenden drei Jahren mit einem Gewinnanstieg je Aktie von 15 Prozent jährlich. Für den selben Zeitraum erwartet er eine Dividendenrendite von 3,5 Prozent pro Jahr. Love geht davon aus, dass die Analystenschätzungen für das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) eine Neubewertung erfahren und auf 15,5 angehoben werden. „Das ist in meinen Augen immer noch eine sehr konservative KGV-Schätzung“, sagt Love. Das KGV des S&P 500 betrage aktuell 18; für den MSCI Emerging Markets Index betrage das KGV aktuell 11,5.

Love geht zudem davon aus, dass die M&A-Aktivität in den Schwellenländern demnächst zunimmt. So liege der Preis-Buchwert des MSCI Emerging Markets Index so niedrig wie zuletzt während der Finanzkrise 2008. Aktuell betrage der Wert 1,3 – verglichen mit den historischen Höchstwerten von 3,1. Die Abschläge auf den Preis-Buchwert zusammen mit dem Nettoinventarwert dürften viele Schwellenländer-Unternehmen als M&A-Kandidaten attraktiv machen. 

 

Im Portfolio des JB Emerging Equity Fund sind derzeit Unternehmen aus Indien und Saudi-Arabien übergewichtet. Tim Love, der als Bottom-up-Stockpicker investiert, kauft vor allem Unternehmen mit positiven freien Cashflows, gesunden Bilanzen und einer niedrigen Korrelation zu anderen Schwellenländeraktien. „Vor diesem Hintergrund haben sich Unternehmen aus Indien und den Frontier Markets sehr gut entwickelt“, betont Love. Die Situation bei chinesischen Firmen sei zwar zuletzt herausfordernder gewesen, dennoch gebe es auch dort Chancen. So hält er vor allem chinesische Unternehmen, die auf dem heimischen Markt eine starke Stellung haben und vom Binnenkonsum profitieren.

Hans Ulrich Jost: Bewertungsunterschiede zwischen Growth- und Value-Aktien sind auf Dauer nicht gerechtfertigt. 

  • Der Portfoliomanager des JB Euroland Value Stock Fund sieht gute Rahmenbedingungen für eine Outperformance zyklischer Werte in der Eurozone.
  • Die aktuelle Bewertung der „Zykliker“ gegenüber defensiven Unternehmen ist niedriger als im Krisenjahr 2009 – und nach Ansicht von Jost nicht mehr rational erklärbar.
  • Für das kommende Jahr rechnet Jost mit einem starken Anstieg der Ausschüttungsquote bei zyklischen Aktien von 30 auf 50 Prozent des freien Cashflows, während defensive Werte schon heute rund 85 Prozent ihrer freien Cashflows ausschütten.

Michael Lai: Chinas Dienstleistungssektor bietet immer noch gute Einstiegschancen.

  • Die Exportabschwächung der chinesischen Wirtschaft hat den Portfoliomanager des GAM Star China Equity nicht überrascht.
  • Bereits seit vielen Jahren hat Lai kaum zyklische Werte im Portfolio, er fokussiere sich stark auf den Service-Sektor.
  • Der chinesische Dienstleistungssektor verfügt immer noch über gute Aussichten, so liegt der Einkaufsmanagerindex dieses Sektors weiterhin über 50. Hier findet der Fondsmanager noch gute Unternehmen, die vom Markt oft übersehen werden.

Volkswagen und die Sorge um die Kreditqualität der Unternehmen

„Unternehmensanleihen sind derzeit so attraktiv wie seit Jahren nicht mehr. Dennoch: Die Lage könnte noch einmal schlimmer werden, bevor es wieder besser wird.“
Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers

Die Stimmung an den Finanzmärkten hat sich Mitte August deutlich verschlechtert: Die Sorgen um die chinesische Konjunktur traten immer deutlicher zutage. Die Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft übte zusätzlichen Druck auf die Rohstoffpreise aus. Dies wiederum wurde zu einer Belastung für die Wirtschaftslage in den Schwellenländern insgesamt. Auch Unternehmen in den entwickelten Industrieländern bekommen dies inzwischen deutlich zu spüren, wie Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers, erklärt: „Es sieht so aus, als schlage die Schwäche der Schwellenländer inzwischen auf Unternehmensnachrichten aus entwickelten Märkten durch. Schwellenländer bilden den gemeinsamen Nenner einer Reihe negativer Entwicklungen auf dem europäischen High-Yield-Markt.“

Allgemein schlage sich ein negatives Sentiment auf dem Anleihemarkt in Sorgen um die Bonität der Emittenten nieder. „Ein antizyklischer Investor könnte argumentieren, dass diese Sorgen in den Industrieländern übertrieben sind und wir uns lieber mit dem Zinsänderungsrisiko beschäftigen sollten, zumindest in den USA und Großbritannien“, erläutert Iggo. „Aber die Sorgen um die Kreditqualität sind verständlich.“ Es sei zu einfach, problematische Unternehmensnachrichten aus diesem Bereich als Einzelfälle abzutun, so der Experte weiter: „Der Fall Volkswagen kann als Beispiel dafür dienen. Auf einer Ebene geht es hier nicht um das zugrunde liegende Geschäftsmodell, die Produkte oder Absatzmärkte, sondern um schlechte Unternehmensführung und unglückliche Entscheidungen.“ Auf einer anderen Ebene habe der Skandal um die manipulierten Diesel-Abgaswerte aber auch klare Implikationen für die Finanzkraft des Konzerns – durch Strafzahlungen, Aufwendungen für die Nachbesserung von Millionen von Fahrzeugen, den Ruf des Unternehmens und künftige Ertragsströme. „Investoren werden dies auch auf andere Unternehmen übertragen, die Dieselfahrzeuge verkaufen – und auf die Zulieferer, die sie dabei unterstützen. Was zunächst wie ein unternehmensspezifisches Ereignis aussieht, kann sich zu einem größeren Bonitätsproblem auswachsen“, so Iggo. Bisher allerdings seien vor allem Unternehmen mit Geschäften in Schwellenländern oder einer Abhängig von den Energiemärkten betroffen.

Die Zuversicht der Investoren habe dennoch bereits stark gelitten. Dies manifestiere sich in teils heftigen Preisbewegungen und größeren Geld-Brief-Spannen. Zudem seien auch die Renditeaufschläge gestiegen, die Unternehmensanleihen im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen böten – im US-Investmentgrade-Markt liege der Aufschlag derzeit im Mittel bei 170 Basispunkten, in Europa seien es 136 Basispunkte. Hier habe der Jahrestiefststand bei nur 89 Punkten gelegen. Daher ist Iggo auch vorsichtig optimistisch, was die Aussichten des Anleihemarktes angeht: „Unternehmensanleihen sind derzeit so attraktiv wie seit Jahren nicht mehr. Dennoch: Die Lage könnte noch einmal schlimmer werden, bevor es wieder besser wird.“
Für Ihre Fragen und zur Interviewvermittlung wenden Sie sich bitte direkt an AXA Investment Managers (Daniela Hamann) oder an ergo Kommunikation.

Commodities and Fed look to China for answers

China’s slowdown weighs on cyclical commodities, with uncertainty keeping investors defensive. Uncertainty over the outlook of the global recovery has been compounded by the US Federal Reserve’s decision to delay its rate tightening cycle. The Fed’s emphasis on subdued inflation and the spillover effects of a slowdown in the Chinese economy drove cyclical markets lower. Simultaneously, defensive commodities have benefited, as central banks continue to support the global recovery with excess liquidity and record low rates. We expect that central bank stimulus and the overly pessimistic view of the Chinese economy by investors will change and other major global economies will help lift fragile demand in the months ahead. Although seasonal demand is expected to keep the energy sector under pressure in the near term, unexpected drawdowns in US inventories have seen WTI outperform and we feel that supply side issues will gradually improve towards the end of 2015. 

Please find ETF Securities' Commodity Monthly Monitor from September/October 2015 attached on the left.

What would happen if the Fed never raised its rates again?

A large majority of the FOMC has declared itself favourable to the exit from the zero-rate policy (ZIRP) before the end of the 2015, but this is not an unconditional commitment on the part of Janet Yellen and her colleagues. Whilst the recent upsurge in volatility on the markets has pushed the Fed to defer this moment, we can imagine a different pretext at the next meeting and then at the following one, etc. In short, it would be worth considering the implications of a long (H2 2016), or definitive, postponement to the Fed's rate-hike cycle. The dollar could depreciate. A number of central banks (PBoC) might welcome this, but not the ECB or the Bank of Japan.

Please find the full report from Bruno Cavalier, Chief Economics at Oddo & Cie, attached on the left.

„Das aktuelle Marktumfeld ist für Börsengänge eher ungünstig“

London, 25. September 2015 – Im folgenden Interview kommentiert Sam Cosh, Leiter European Equities bei BMO Global Asset Management (EMEA), London, die hohe Zahl geplanter Börsengänge an europäischen Börsen.

Das Geschäft mit Börsengängen zieht an – warum?
Sam Cosh: Wenn die Märkte sich gut entwickeln, nimmt auch die Zahl der IPOs zu. Blickt man auf die positive Börsenentwicklung der vergangenen Jahre, überrascht die Zunahme bei den aktuell geplanten Börsengängen deshalb nicht. Vor allem wenn man bedenkt, dass es seit der Rezession nach der Finanzkrise nur sehr wenige Börsengänge gegeben hat. So gesehen herrscht bei den IPOs derzeit Nachholbedarf.

Die Märkte sind sehr volatil – ist der Zeitpunkt gut, um Börsengänge anzukündigen?
Cosh: Wahrscheinlich wird es für die Börsenkandidaten im aktuellen Umfeld schwierig sein, einen guten Start zu erwischen. Ich würde mit einem Börsengang lieber warten, bis wieder mehr Stabilität am Markt herrscht. Es sei denn, man rechnet damit, dass wir vor dem Beginn eines Bärenmarktes stehen.

Wie wichtig sind Börsengänge für Nebenwerte-Investoren? Wo sehen Sie Chancen, wo Risiken?
Cosh: Börsengänge sind für mich als Nebenwerte-Investor nur wichtig, weil sie immer wieder mein Anlageuniversum erneuern. Allerdings müssen die Börsenneulinge erst einige Zeit an der Börse notiert sein, bevor wir ein Investment in sie erwägen. Zum einen, weil die neu gelisteten Unternehmen anfangs nur über einen schwachen Track Record verfügen. Zum anderen bietet uns der Markt sehr viele Anlagechancen, sodass wir nicht auf die Börsenneulinge angewiesen sind. Ich glaube, dass nur in den seltensten Fällen die mit dem Börsengang verbundenen Anreizstrukturen für die Verkäufer – also Banken, Private-Equity und Unternehmer – mit denen der neuen Aktionäre übereinstimmen. Grundsätzlich fehlt mir bei den Börsenneulingen aus Investorensicht eine ausreichend gute Bilanzhistorie. Auch verfügt das Management nicht notwendigerweise über die nötige Erfahrung mit dem Führen eines börsennotierten Unternehmens. Aus diesen Gründen beteiligen wir uns nicht an IPOs, wir finden sie eher irritierend.

Aus Ihrer Sicht: Was macht Börsengänge interessant, was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren für einen Börsengang?
Cosh: Die Preiserwartung sollte nicht unangemessen hoch sein, außerdem sollte die Firma über eine gute finanzielle Ausstattung verfügen, also von den Voreigentümern finanziell nicht zu stark belastet worden sein. Auch ist eine vernünftige Incentive-Struktur für das Management sinnvoll, die gut mit den Anteilseignern abgestimmt ist.

Welche Rolle spielen Börsengänge in ihrer Anlagestrategie und in der Unternehmensanalyse?
Cosh: Börsengänge sind für mich uninteressant.

GAM: „Regulierung für Asset Backed Securities muss überarbeitet werden“

Der Markt für Asset Backed Securities (ABS) bietet Anlegern durch die von den China-Turbulenzen ausgelösten Spread-Ausweitungen einen guten Zeitpunkt zum Wiedereinstieg. Zu dieser Einschätzung kommt Laurence Kubli, die für die Fondsgesellschaft GAM den JB ABS Fund verwaltet. „Alles in allem sprechen sowohl die fundamentalen als auch die technischen Marktbedingungen für ABS-Investments“, sagt die Fondsmanagerin. Gebremst werde der Markt derzeit aber durch viele regulatorische Vorschriften, die das Marktsegment gegenüber anderen Wertpapieren benachteilige. „Die Nachfrage könnte weiter steigen, wenn die regulatorischen Rahmenbedingungen mit Blick auf Basel III und Solvency II verbessert würden“, sagt Kubli. ABS seien nach dem Ausbruch der Finanzkrise übertrieben stark durch regulatorische Vorschriften benachteiligt worden, was nun viele Investoren von einem Engagement abhalte. „Wenn diese Benachteiligungen durch Überarbeitung der Vorschriften reduziert werden, wird das eine größere Wirkung auf die ABS-Spreads haben als die milliardenschweren Aufkäufe durch die EZB“, sagt Kubli. 

EZB-Aufkaufprogramm enttäuscht Marktteilnehmer bisher
Von der bisherigen Umsetzung des im November 2014 gestarteten ABS-Aufkaufprogramms der EZB hat Kubli mehr erwartet: „Insgesamt hat das Aufkaufprogramm die Markterwartungen bislang enttäuscht“, sagt die Expertin. Ursprünglich hatten die Marktteilnehmer von der EZB ABS-Käufe von 50 Milliarden Euro pro Jahr erwartet. Tatsächlich wurden zwischen November 2014 bis Mitte September 2015 aber nur Papiere im Wert von 12 Milliarden Euro erworben. Die Folge: „Nach der Ankündigung des Programms hatten sich die Spreads der betreffenden Papiere vor allem aus der Eurozonen-Peripherie noch vor dem eigentlichen Programmstart tatsächlich eingeengt; doch mittlerweile beobachten wir wieder eine Ausweitung“, sagt Kubli. Allerdings betont die Expertin bei aller Kritik: „Dass es das Programm überhaupt gibt, ist sehr positiv, weil es die Marktliquidität und die Nachfrage erhöht hat.“ 

Weitere Spread-Einengung erwartet
Insgesamt rechnet Kubli in Zukunft mit geringeren Spreads auf dem ABS-Markt: „Es dürfte sowohl bei den Papieren, die die EZB kaufen darf, als auch bei den anderen Papieren zu einer Spread-Einengung kommen, wenn auch mit etwas niedrigerem Tempo als bisher.“ Dafür sprechen aus Sicht der Expertin fünf Gründe: Erstens seien die ABS-Spreads im Vergleich zu anderen Fixed-Income-Sektoren attraktiv. Zweitens laufe das EZB-Aufkaufprogramm noch mindestens bis Ende September 2016. Drittens dürften auch die erwarteten regulatorischen Anpassungen dafür sorgen, dass sich die Spreads weiter einengen. Viertens sind ABS-Papiere deshalb interessant, da sie einen natürlichen Schutz gegen die möglichweise bald wieder steigenden Zinsen bieten. Ihre Coupons sind nämlich variabel und werden regelmäßig basierend auf dem Liborzinssatz angepasst. Und fünftens sollte die Nachfrage nach ABS mittelfristig ansteigen, da die Anlageklasse bei den meisten Investoren unterrepräsentiert ist.

Senior CLO-Tranchen bevorzugt
In ihrer Anlagestrategie favorisiert Kubli derzeit neu begebene Senior CLO-Tranchen (Collateralized Loan Obligations) mit einem AAA-Rating aufgrund attraktiver Spreads und hoher Übersicherung (Credit Enhancement). Außerdem sind für die Fondsmanagerin CMBS früherer Jahrgänge (Commercial Mortgage Backed Securities) und CLOs, die vor 2008 emittiert wurden, interessant, da sie immer noch unter par notieren und über das Potenzial verfügen, sich durch den Pull-to-par-Effekt schneller zu amortisieren, als vom Markt erwartet. Aufgrund ihrer attraktiven laufenden Rendite und der hohen Marktliquidität seien auch Prime RMBS (erstklassige Residential Mortgage Backed Securities) und Auto ABS (Auto Asset Backed Securities) interessant, selbst wenn diese Papiere auf dem aktuellen Niveau nur über begrenztes Spread-Einengungspotenzial verfügten.

Globale Wachstumsrisiken bleiben in den Händen der Fed

Rohstoffe
Investoren suchen Gold in Zeiten der Unsicherheit auf. Im Vorfeld der Fed Sitzung am vergangenen Donnerstag verbuchten Gold-ETPs letzte Woche bereits Mittelzuflüsse von 40,9 Mio. USD. Obwohl man allgemein an den Futures-Märkten von einem unveränderten Zinsniveau aus ging, so waren Ökonomen vor der Zinsentscheidung geteilter Meinung. Gold stieg am Freitag um 2,15 Prozent, während der US-Dollar um 0,6 Prozent nach der Entscheidung der FOMC nachgab. Eine lockerere Geldpolitik wirkt sich abwertend auf eine Währung aus, während Gold als sichere und defensive Anlageklasse profitieren kann. Seit Mitte August wurden beinahe jede Woche neue Mittelzuflüsse in Gold-ETPs verbucht. Seitdem der Goldpreis zum ersten Mal unter die 1.100 USD Marke fiel, nutzen Investoren dies für einen relativ günstigen Einstiegszeitpunkt. Vergangene Woche wurden die höchsten Mittelzuflüsse in Gold-ETPs in vier Wochen verbucht und viele Investoren profitierten von einem Plus von über 3 Prozent in nur zwei Tagen. Sollte das aktuelle Momentum in Gold weiter an Fahrt gewinnen, so rechnen wir mit weiteren Mittelzuflüssen in die als sicherer Hafen bekannte Anlageklasse.

Investoren bevorzugen breitere Rohstoffkörbe. Vergangene Woche wurden Nettomittelzuflüsse in breit gestreute Edelmetall-, Industriemetall- und Energie-ETPs verbucht. Viele Investoren erkennen die Vorteile der Diversifikation, indem sie breit gestreute Rohstoffkörbe zu ihrem Portfolio hinzufügen, denn diese weisen eine geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen auf. Der Effekt einer Diversifikation ist über einen Rohstoffkorb größer als mit einem Einzelrohstoff. Breis gestreute Energie-ETPs verzeichneten ihren bisher größten Nettomittelzufluss von 25,2 Mio. USD. Investoren nutzten die günstigen Einstiegsmöglichkeiten am Energiemarkt. Seit der Ölpreis zu Beginn des Jahres unter 50 USD / Barrel fiel, verbuchten Energie-ETPs Nettomittelzuflüsse von insgesamt 117 Mrd. USD. ETPs auf Industriemetall- und Edelmetallkörbe verbuchten Mittelzuflüsse von jeweils 14,3 Mio. USD und 9,8 Mio. USD, was auf einen möglichen Wendepunkt in der Marktstimmung bisherigen Abflüssen in diesem Jahr hindeutet.

Nettomittelzuflüsse in Short Kupfer-ETPs. Nach einer kurzen Erholung verzeichneten jedoch die meisten Industriemetalle vergangene Woche Verluste, welche jedoch von vorherigen Gewinnen teilweise kompensiert wurden. Zink und Nickel bildeten das Schlusslicht mit einem Preisrückgang von 5,5 und 4,4 Prozent. Ein schweres Erdbeben in Chile sorgte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag dafür, dass der Kupferpreis kurzfristig über 5.400 USD / Tonne steigen. Da es sich nur um vorübergehende Kursgewinne handelt, entschieden sich ETP Investoren 8,1 Mio. USD in ETFS Short Kupfer (SCOP) zu investieren, die größten Mittelzuflüsse seit März 2014.

Aktien
Eine taubenhafte Fed überrascht die Märkte. Obwohl die Futures-Märkte es bereits vorweggenommen hatten, dass die Fed ihren Leitzins nicht anheben wird, überraschte jedoch das Federal Open Market Committee (FOMC), zu dt. Offenmarktausschuss, die Märkte, in welchem Ausmaß sie die globalen Risiken betonten. Im Mittelpunkt steht eine mögliche Ansteckungsgefahr durch China, was zu Verwerfungen am Markt führen könnte, sofern diese nicht in Chinas Reformplan, welcher für ein stabiles Wirtschaftswachstum entwickelt wurde, diskutiert werden. Chinesische Aktien gaben vergangene Woche um weitere 4,1 Prozent nach. Obwohl die Fed ihre Arbeitsmarktprognose verbessert hat, wurden Inflationsziele und Wachstumszahlen für 2016 nach unten korrigiert. An den US-Futures-Märkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Dezember auf unter 50 Prozent gehandelt.

Währungen
US-Dollar baut Verluste aufgrund von globalen Wachstumssorgen der Fed weiter aus. Der US-Dollar fiel gegenüber den meisten Währungen, nachdem die FOMC den Leitzins unverändert lies und dies mit der niedrigen Inflation sowie den Auswirkungen der globalen Risiken auf die Wirtschaftsaktivitäten begründete. Der Euro bleibt im Zuge der US-Dollar Schwäche stark und wird durch den Wahlsieg für Syriza in Griechenland unterstütz, was die Wahrscheinlichkeit für die Umsetzung neuer Sparmaßnahmen erhöht. Ein Anstieg der Löhne in Großbritannien um 2,9 Prozent, der größte Zuwachs seit sechs Jahren, sorgt in Verbindung mit falkenhaften Anmerkungen von BoE Gouverneur Carney für Unterstützung im GBP. Der kanadische Dollar leidet weiterhin unter den schwachen Ölpreisen, trotz der wie erwarteten Verbraucherpreisindex (VPI) Lesung. Das taubenhaften Verhalten der FOMC sowie das weltweit risikoscheue Anlegerverhalten erhöhen die Nachfrage für Yen als sicheren Hafen.

AXA IM aktuell: Hochwertige Small Caps werden übersehen

Die Aktien von kleineren Unternehmen haben sich seit Jahresbeginn besser entwickelt als der breite Markt. Das gilt sowohl für den europäischen als auch für den US-amerikanischen Aktienmarkt. Gleichwohl wird dies von der Mehrzahl der Anleger offensichtlich kaum wahrgenommen.

Die Sterne (und die Zentralbanken in der ganzen Welt) scheinen es gut zu meinen mit Small Caps in diesem Jahr. Sowohl in den USA als auch in Europa haben Nebenwerte die Standardwerte geschlagen. So verzeichnet der MSCI USA Small Cap Index in einem schwierigen Markt ein Minus von 2,08 Prozent – der Standard-Index MSCI USA liegt bei -2,56 Prozent. Das europäische Pendant MSCI Europe Small Cap kommt seit Jahresbeginn sogar auf ein Plus von 9,43 Prozent, obwohl der MSCI Europe ebenfalls leicht im Minus liegt (Quelle: MSCI, Stand aller Daten: 31. August 2015). Dennoch werden die Chancen, die in Dividendenpapiere kleinerer Unternehmen liegen, von vielen Anlegern nicht erkannt. 

Für Alex Harper, Client Portfolio Manager bei AXA Rosenberg gibt es gute Gründe für das überdurchschnittliche Abschneiden dieser Anlageklasse in den USA: „Mit dem Beginn des Quantitative Easing in Europa ist die Risikoneigung der Investoren angestiegen“, erklärt der Experte. „Davon haben die Small Caps profitiert.“ Zudem fokussierten sich kleinere Unternehmen meist stärker auf den heimischen Markt. Der starke US-Dollar sei dabei ein unterstützender Faktor und ein zusätzlicher Grund für höhere Renditen gewesen.

Eine negative Auswirkung auf die Nebenwerte angesichts der demnächst wohl anstehenden Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed erwartet Harper nicht: „Die US-Wirtschaft erholt sich, die Arbeitslosigkeit sinkt, und die Löhne steigen. Für die Mehrheit der Small Caps kann das nur von Vorteil sein, denn die direkten Auswirkungen von steigenden Zinsen auf Kreditaufnahme oder Kapitalbeschaffung werden auf diese Weise abgefedert.“ Das zeigt übrigens auch die Vergangenheit: So übertraf im letzten Zinserhöhungszyklus von 2004 bis 2006 der MSCI USA Small Cap Index den Standard MSCI USA Index um mehr als 10 Prozent. 

AXA Rosenberg hat derzeit den Konsumgütersektor als aussichtsreich identifiziert: „Wir stufen Einzelhändler und Freizeitunternehmen momentan als attraktiv ein, da viele Aktien in diesem Bereich sowohl durch ihre Bewertung als auch durch ihre Ergebnisse überzeugen“, erklärt Harper. Aber darüber hinaus gebe es viele weitere Möglichkeiten, um in qualitativ hochwertige Small Caps zu investieren, die bisher offensichtlich schlichtweg übersehen worden seien.
Ähnlich sieht das Isabelle de Gavoty, Head of Small Cap Investment Team bei AXA Framlington, mit Blick auf den europäischen Kontinent: „Momentan ist das Marktumfeld volatil. Gerade jetzt bietet sich also die perfekte Gelegenheit, das Portfolio stärker zu diversifizieren. Small Caps sind mehr als geeignet dafür.“ Das zeige auch die Vergangenheit. Zuletzt hätten die Nebenwerte trotz Marktvolatilität die Erwartungen übertroffen. „Die Marktvolatilität hält vorerst an – zumindest solange, bis sich das Weltwirtschaftswachstum wieder stabilisiert. Es kann sich also lohnen, genauer hinzusehen und den ein oder anderen bisher übersehenen Nebenwert noch in das Portfolio aufzunehmen“, schließt de Gavoty.

Federal Reserve kann mit ihrer Zurückhaltung die Unsicherheiten nicht ausräumen

Barings Investment Insight von Guy Dunham, Head of Global Aggregate bei Baring Asset Management in London:

Die US-Notenbank Federal Reserve überraschte Marktteilnehmer mit der Entscheidung, das Zinsniveau unverändert zu belassen und äußerte sich gleichzeitig zurückhaltend über den weiteren Ausblick. Erste Marktreaktionen legen nahe, dass insbesondere Anleger in risikobehafteten Vermögenswerten über die anhaltende Unsicherheit rund um den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung verunsichert sind. Insgesamt bleiben wir weiterhin zurückhaltend und breit aufgestellt, sehen aber ein gesteigertes Investitionspotenzial bei inflationsgebundenen US-Anleihen.

Keine Zinserhöhung

Die Markterwartungen im Hinblick auf das kürzliche Treffen der US-Notenbank Federal Reserve verteilten sich ziemlich gleichmäßig auf die  Marktteilnehmer, die keine Zinserhöhung aber eine aggressive Ausdrucksweise erwarteten und jene, die von einem moderaten Anstieg in Verbindung mit einer beschwichtigenden Ausdrucksweise ausgingen.

Tatsächlich wurden Marktteilnehmer letztendlich von der Federal Reserve leicht überrascht, da diese ihre Entscheidung, die Zinssätze auf dem aktuellen Niveau zu belassen, mit einer verhaltenen Wortwahl kombinierte und die mittel- bis langfristigen Erwartungen um 0,25% nach unten korrigierte.

Fokus der Federal Reserve

In ihren Erläuterungen darüber, wie lange man die Zielbandbreite beibehalten würde, erklärte der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC), dass man die Entwicklungen – sowohl die realisierten als auch die erwarteten – gegenüber den Zielen von Vollbeschäftigung und einer Inflation von 2% beurteilen werde.

Man gehe davon aus, den Leitzins dann zu erhöhen, nachdem eine weitere Verbesserung des Arbeitsmarktes festgestellt wurde und man einigermaßen zuversichtlich ist, dass sich die Inflation mittelfristig auf das Ziel von 2% zurück bewegt.

Marktreaktion 

Die anfängliche Marktreaktion fiel zwar positiv aus und kurzlaufende US-Staatsanleihen stiegen rasant an, jedoch verschaffte sich die Unsicherheit der Anleger schnell wieder Geltung. Mit Blick auf risikobehaftete Anlagen war zur spüren, dass Marktteilnehmer die Gewissheit der  Unsicherheit vorziehen und sich lediglich Klarheit bezüglich des genauen Zeitpunkts der geldpolitischen Richtungsänderung wünschen.

Nachdem deutlich wurde, dass die Zinserhöhung aufgeschoben wurde, fand an den Devisenmärkten eine Rally bei entwickelten Währungen gegenüber dem US-Dollar statt. 

Unsere Beurteilung  

Unserer Ansicht nach ist eine Zinserhöhung im Oktober unwahrscheinlich und die Federal Reserve wird mit der Zinswende entweder im Dezember oder Anfang 2016 beginnen.

Da der Fokus der Federal Reserve auf den Inflationserwartungen am Markt sowie den relativ attraktiven Breakevens von inflationsgeschützten US-Staatsanleihen (TIPS) liegt, sehen wir in diesem Bereich ein gesteigertes Investitionspotential, um die Einschätzung über zukünftige Zinserhöhungen auszudrücken, da der Offenmarktausschuss einen Anstieg der marktbasierten Inflationserwartungen abwarten wird, bevor weitere Handlungen vorgenommen werden.

Es wird außerdem interessant sein zu sehen, wie sich die Devisen auf Grundlage der Entscheidung der Federal Reserve in den nächsten Wochen entwickeln werden. Unserer Einschätzung nach wird die Bank of England wohl nicht vor den USA die Zinsen erhöhen und dadurch wird eine weitere geldpolitische Lockerung durch die Europäische Zentralbank sowie die Bank of Japan wahrscheinlicher.

Ausblick

In diesem Umfeld ist unseres Erachtens die Diversifikation von entscheidender Bedeutung. Wir werden die Duration eventuell durch die Einbindung von inflationsgeschützten US-Staatsanleihen leicht erhöhen, nichtsdestotrotz dürfte die Duration insgesamt relativ niedrig bleiben. Des Weiteren behalten wir unser Engagement in verschiedenen europäischen Peripherieländern bei.

Wo es uns möglich ist, halten wir geringe Positionen in Schuldtiteln der Schwellenländer. Als besonders positiv schätzen wir Mexiko ein, da die Renditen dort attraktiv sind und steile Renditekurven die Absicherungskosten für die Währungsposition senken.

Wir investieren zwar nicht bei all unseren Strategien in Hochzinsanleihen, behalten unsere Positionen in der Anlageklasse jedoch wo es möglich ist bei, da wir hier aufgrund der jüngsten Spreadausweitung ein gutes langfristiges Potenzial erkennen.

GAM Marktkommentar: Brasiliens Anleihen außerordentlich attraktiv

Der brasilianische Anleihenmarkt liefert derzeit außerordentlich gute Anlagechancen. Diese Einschätzung vertritt Tim Haywood, Fondsmanager des GAM Star Absolute Return Bond Fund, mit Blick auf die brasilianische Zinskurve: „Die aktuelle Marktbewertung für die Entwicklung der Zinsen verläuft auf Sicht der kommenden fünf Jahre sehr flach – damit zeigt sich ein Stabilitätsmuster, das dieses Land noch nie gesehen hat.“ Haywood weist darauf hin, dass die Zinsen in Brasilien in der Vergangenheit extrem starken Schwankungen unterworfen waren. 

Der wirtschaftliche Ausblick für Brasilien bleibt laut Haywood schwach, die Wirtschaft werde in diesem und im kommenden Jahr in der Rezession stecken bleiben – das schaffe Raum für Zinssenkungen. „Bewegt sich die Inflation im kommenden Jahr im Bereich von fünf bis sechs Prozent, dann verfügt Brasilien über extrem hohe reale Zinsen im Vergleich mit anderen Ländern“, sagt Haywood. In der Summe könnten sie deshalb signifikant fallen, während andere Länder moderate Zinserhöhungen erwägen. „Wir gehen davon aus, dass die Zinsen und die Bondrenditen in Brasilien 2019, aber vielleicht sogar schon 2017, viel niedriger sein werden“, sagt Haywood. Denn wenn die Renditen weiterhin übertrieben hoch gehalten werden, ohne dass sich die wirtschaftliche Situation verbessert, dürfte die Regierung Probleme bei der Finanzierung bekommen. Außerdem dürfte das Ausfallrisiko von dem heute recht moderaten Niveau künftig höher liegen; dies in einem Umfeld, in dem die langfristigen Zinsen nicht mehr stark ansteigen werden. 

Mit Blick auf sein Portfolio behält der Fondsmanager aktuell seine leichte Short-Positionierung gegenüber der brasilianischen Währung Real bei. Er hält Absicherungspositionen gegenüber Unternehmensanleihen aber auch Long-Positionen bezüglich der lokalen Zinsmärkte via Direktinvestments als auch über einen inversen Verlauf der Zinskurve. Haywood erwartet denn auch, dass innerhalb von zwei Jahren die längerfristigen Zinsen niedriger als die kurzfristigen Zinsen sein werden.

„Sowohl das Szenario einer raschen wirtschaftlichen Erholung, einer Veränderung der politischen Landschaft als auch einer massiven binnenwirtschaftlichen Krise, die über das bereits eingepreiste Niveau in den brasilianischen US-Dollar-Bonds hinausgeht, ist sehr unwahrscheinlich“, so Haywood.  

Sushil Wadhwani: Globale Wachstumsverlangsamung wahrscheinlicher als Rezession

  • Der Portfoliomanager des GAM Star Keynes Quantitative Strategies geht davon aus, dass die aktuellen Marktentwicklung auf Wachstumsschwäche, nicht aber auf eine Rezession hindeutet.
  • Das Portfolio profierte seit Jahresbeginn vor allem von starken Währungsbewegungen, insbesondere dank der Euro-Entwicklung gegenüber dem US-Dollar.
  • Rohstoff-nahe Währungen wie Kanadischer und Australischer Dollar trugen ebenfalls stark zur Portfolioentwicklung bei.

Sind Zentralbanken für Investoren da – oder für die Wirtschaft?

„Die Aufgabe einer Zentralbank ist es nicht sicherzustellen, dass Investoren zu jeder Zeit Geld verdienen. Zentralbanken sollen zu Wirtschaftswachstum und wirtschaftlicher Stabilität beitragen. Und auch die Investoren selbst sollten sich nicht darauf verlassen, dass leichtes Geld für immer ihre oft unrealistischen Renditeerwartungen garantiert.“
Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers

Die US-Notenbank Fed hat sich entschlossen, den Leitzins vorerst unverändert zu lassen. Für Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers, wirft die Entscheidung Fragen auf: Wann wird für Notenbankchefin Janet Yellen der richtige Zeitpunkt für eine Zinserhöhung gekommen sein? „Noch ein paar Monate mit Nullzinsen, noch einige Monate warten auf den glücklichen Moment, in dem der US-Arbeitsmarkt überhaupt keine Schwäche mehr zeigt, das Vertrauen ins mittelfristige Erreichen des Inflationsziels steigt und der Rest der Welt nicht mehr zum Opfer des wirtschaftlichen Umbruchs in China wird“, erklärt Iggo. „Wenn nicht im September – warum dann im Dezember?“ 

Investoren, die das Ausbleiben einer Verschärfung der Geldpolitik als Hauptantrieb für die Rendite von Aktien und anderen riskanten Assets ausgemacht haben, können sich nach Iggos Ansicht auf solide Erträge bis zum Jahresende freuen. „Für uns Anleihemenschen lässt die Zinsrallye nach der Fed-Entscheidung das Zinsrisiko allerdings noch weniger attraktiv erscheinen“, so Iggo. Die Frage sei, wo Investoren noch hohe Erträge durch Kreditaufschläge finden könnten ohne dabei ein zu hohes Zinsrisiko einzugehen. „US-Hochzinsanleihen stechen in dieser Hinsicht weiterhin heraus“, so der Anleihenexperte. „Aber für den Rest der festverzinslichen Wertpapiere kann eine taktische Rotation zwischen Anlagen mit Kreditrisiko möglicherweise helfen. Dennoch bleiben die Erträge niedrig, und wir warten auf eine Gelegenheit, Geld auf einem Renditeniveau anzulegen, das sinnvoller erscheint.“

Für problematisch hält Iggo auch die öffentliche Wahrnehmung der Geldpolitik der Fed: „Eine ganze Generation von Anlegern, Händlern und Kommentatoren ist auf die Idee konditioniert worden, dass Notenbanken die Zinsen senken und nicht erhöhen sollten, wann immer die Finanzmärkte volatil sind.“ Daher sei es wenig verwunderlich, dass es im Vorfeld der jüngsten Fed-Sitzung viele geradezu apokalyptische Warnungen über die Folgen einer Zinserhöhung für die Finanzmärkte und die Wirtschaft gegeben habe. Iggo gibt allerdings zu bedenken: „Die Aufgabe einer Zentralbank ist es nicht sicherzustellen, dass Investoren zu jeder Zeit Geld verdienen. Zentralbanken sollen zu Wirtschaftswachstum und wirtschaftlicher Stabilität beitragen. Und auch die Investoren selbst sollten sich nicht darauf verlassen, dass leichtes Geld für immer ihre oft unrealistischen Renditeerwartungen garantiert.“ Stattdessen empfiehlt Iggo Anlegern, sich auf den langfristigen Kapitalerhalt und die Schaffung von Wert zu konzentrieren, die sich aus Investments in wirklich gute Unternehmen und der Kreditvergabe an wirklich verlässliche Schuldner ergeben.

AXA IM aktuell: Aktien trotz geringem Wachstum attraktiv

„In vielen Schwellenländern war die Konjunktur schwächer als erwartet. Hinzu kommt, dass immer mehr Investorenkapital abfließt. Das hat große Auswirkungen auf die Performance der Länder und die Nerven der Anleger.“ Diese Ansicht vertritt das Team für Research- und Investmentstrategie von AXA Investment Managers (AXA IM) um Eric Chaney in seiner aktuellen Publikation „Investmentstrategie“. So sei die Wirtschaft in Brasilien im zweiten Quartal mit 1,9 Prozent noch stärker geschrumpft als es erwartet. Damit sei eine Rezession wahrscheinlich, in der das Wachstum nochmals um 3,5 Prozent zurückgehen könne. Russland litt nach Ansicht der Strategen von AXA IM gleich dreifach – unter fallenden Energiepreisen, Wirtschaftssanktionen und der Schwäche Chinas. Die schwachen Zahlen aus Juli und August zeigen zudem, dass die Wirtschaftslage in China angespannt bleibe. 

„Parallel zur chinesischen Konjunktur hat auch der Welthandel nachgegeben, vermutlich stärker als die offiziellen Zahlen vermuten lassen“, erläutert AXA-Chefvolkswirt Chaney. Nach seiner Einschätzung führten vor allem die schwache chinesische Binnennachfrage und ihre Auswirkungen auf ganz Asien zu fallenden Rohstoffpreisen, die den Rückgang des Welthandels verursachten: „Nahezu alle Rohstoffpreise sind gefallen, ein Zeichen dafür, dass die Weltnachfrage mit dem Angebot nicht Schritt hält.“ Auf Wachstum durch Export verlässt sich Chaney daher nicht mehr: Zwar stabilisiere sich die Lage laut der jüngsten chinesischen Importdaten, und die intensiven staatlichen Bemühungen um mehr Wachstum könnten Erfolg zeigen, doch die Einbußen in der ersten Jahreshälfte dürften so schnell nicht aufgeholt werden. Erschwerend komme hinzu, dass die BIP-Elastizität der Exporte weltweit stark zurückgegangen sei – von etwa zwei Prozent in den Jahren 1988 bis 2008 auf heute weniger als ein Prozent. 

„Auch wenn die Industrieländer nicht immun gegen eine sich abschwächende Konjunktur in den Schwellenländern sind, bleibt das Wachstum der USA solide, und der Euroraum wächst immerhin moderat weiter“, so Chaney. Die USA haben ihr Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal stark nach oben revidiert – auf 3,7 nach zunächst geschätzten 2,3 Prozent. Damit hat die US-Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte stärker zugelegt als zunächst erwartet. Die Strategen von AXA IM senken ihren Konjunkturausblick für 2016 aufgrund der voraussichtlich schwächeren Weltkonjunktur in der zweiten Jahreshälfte dennoch auf 2,25 Prozent. Mit einer Leitzinserhöhung rechnen sie erstmals im Dezember. Die schwächeren Daten im dritten Quartal sprächen bislang für einen stabilen Trend des moderaten Wachstums in der Eurozone. „Wir erwarten einen leichten BIP-Anstieg im nächsten Jahr, der vor allem von Spanien, Italien und mit gewissen Einschränkungen auch von Frankreich getragen wird“, erklärt Chaney. Die Schwäche in China beeinflusse den Euroraum nur geringfügig – ein Prozentpunkt weniger Wirtschaftswachstum in China dämpfe das Wachstum in der Eurozone um etwa 0,1 Prozentpunkte.

Mehr Risiko sieht der Investmentstratege in der Politik wichtiger Zentralbanken. Geld- und Fiskalpolitik seien wichtige Instrumente für die Steuerung der Konjunkturdynamik – momentan seien sie jedoch nahezu überall ausgereizt, abgesehen von China. Zudem könnten schlecht geplante Exit-Strategien das Weltwirtschaftswachstum negativ beeinflussen. 

„Insgesamt setzen wir auf Aktien aus Industrieländern mit höherem Beta“, schließt Chaney. „Mehrere Faktoren sprechen hier für eine Übergewichtung des Euroraums: zum ersten das stabile Gewinnwachstum von etwa zehn Prozent, dann die Aussicht auf noch mehr Quantitative Easing und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 13,5 auf Basis der erwarteten Gewinne.“

Chinas Wandel auf dem Weg zur Dienstleistungsgesellschaft

China befindet sich im Übergang zu einer langsameren, aber stetigeren Wachstumsentwicklung. Der Markt hat damit einen größeren Einfluss auf den Einsatz von Ressourcen, ein ungehinderter Kapitalfluss ist möglich. Dieser Wandel ist notwendig, weil China vorher zu sehr auf Kredite und Investitionen als Wachstumstreiber angewiesen war. Die politischen Entscheidungsträger haben ein umfassendes Reformprogramm aufgestellt, das auch ein langsameres Kreditwachstum sowie eine Zügelung des Schattenbanksektors vorsieht.

China soll sich von einer industriell geprägten Volkswirtschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickeln. Die Fortschritte lassen sich am Caixin/Markit Services PMI ablesen, der im Juli seinen höchsten Stand seit elf Monaten erreichte. Der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes ist dagegen konstant gefallen. Mit 41 Prozent der Wirtschaftsleistung liefert die Industrieproduktion nicht mehr den größten Beitrag zum BIP, ein klares Zeichen für den Wandel der Wirtschaftsstruktur. Dieser Prozess bremst zwangsläufig das Wachstum. Auf kurze Sicht sind schmerzhafte Anpassungen bei Strukturreformen unvermeidlich. Angesichts der konjunkturellen Schwächung darf man bezweifeln, dass China sein Wachstumsziel von 7 Prozent 2015 erreichen wird. Als eine harte Landung kann man das aber nicht bezeichnen. 

Zahlreiche Emerging Markets hängen von ihren Rohstoffausfuhren nach China ab und haben in den Boom-Jahren ein Überangebot aufgebaut. Unternehmen wie BHP erleben einen Preisverfall bei Eisenerz von 190 US-Dollar pro Tonne im Jahr 2011 auf aktuell 50 Dollar. Für die entwickelten Märkte sind die Folgen bislang weniger gravierend. China hat nach wie vor Bedarf an Kapitalgütern aus den USA, Japan und Deutschland. Doch je weiter China in der Wertschöpfungskette voranschreitet, desto weniger Güter wird es importieren müssen. Die rohstoff-importierenden Länder haben vom Preisverfall sogar profitiert.

Den chinesischen Immobilienmarkt sehen wir positiv, da die langfristigen Fundamentaldaten solide sind. Unter anderem durch die Migration aus ländlichen Gebieten hat die Stadtbevölkerung in den letzten drei Jahrzehnten um 500 Millionen Menschen zugenommen. Über die Hälfte der chinesischen Bevölkerung lebt in den Städten. Die Regierung will diesen Anteil bis 2020 auf 60 Prozent steigern. Immobilien sind auch deshalb eine attraktive Assetklasse für Chinesen, da andere Anlageformen nur beschränkt zur Verfügung stehen. Will die Regierung ihr Wachstumsziel von 7 Prozent erreichen, muss der Sektor robust bleiben. Peking hat sein Bekenntnis zum Immobiliensektor bereits durch eine Lockerung der Hypothekengesetze und die Senkung der Grunderwerbssteuer bekräftigt. Dies hat entscheidend zur Erholung der Preise und Verkaufszahlen in den letzten Monaten beigetragen. Während der vergangenen fünf Jahre war der Onshore-Markt heimischen Bauträgern verschlossen; erst kürzlich wurde er wieder geöffnet. Dadurch konnten mehrere Immobiliengesellschaften Anleihen emittieren, auf die sie an anderen Märkten höhere Zinsen zahlen müssten. So können sie Finanzierungskosten reduzieren.  

Generell sehen wir die vorübergehende Schwäche des Immobiliensektors als gute Gelegenheit, in den Markt einzusteigen. Wir würden Immobilien nur dann untergewichten, falls sich die konjunkturellen Aussichten Chinas wirklich deutlich eintrüben würden, also wenn die Wirtschaft auf einen Crash zusteuern würde. Wir halten ein solches Szenario für äußerst unwahrscheinlich.  

Betrachten wir die aktuelle chinesische Geldpolitik, ist wohl - abhängig von der Wirtschaftsentwicklung - mit einer weiteren Lockerung zu rechnen. Die Zentralbank hat noch Spielraum für Zinssenkungen: Der Leitzins für einjährige Kredite liegt zurzeit bei 4,6 Prozent, der Mindestreservesatz bei 18 Prozent. Unserer Meinung nach handelt es sich bei der Abwertung des Yuan nicht um eine Abwertung aus Wettbewerbsgründen, die die Welt in einen Währungskrieg führt. Nach Angaben der chinesischen Zentralbank war die Abwertung vom 11. August eine einmalige Maßnahme. Seitdem hat die People's Bank of China mehrfach am Devisenmarkt interveniert, um eine übermäßige Schwächung des Yuan zu vermeiden.  Vor allem wollte die PBoC damit die Währungsreform vorantreiben, um den Finanzsektor und die Kapitalverkehrsbilanz weiter zu öffnen. Außerdem strebt Peking die Aufnahme des Yuan in den Korb der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds an. Dazu muss der Yuan aber frei handelbar sein. Wenn auch die Stärkung des Exportsektors der Hauptgrund für die Maßnahmen der Zentralbank war, so fiel die Entscheidung zu einem Zeitpunkt, da asiatische Währungen wie der malaysische Ringgit und die indonesische Rupiah seit Jahresbeginn bis Juli 2015 über 8 Prozent eingebüßt hatten, während der Yuan gegenüber dem US-Dollar stabil blieb. Das heißt, dass die chinesische Währung im Vergleich zu ihren Peers überbewertet ist. Für eine jähe weitere Abwertung sehen wir keine Hinweise. Die politischen Entscheidungsträger haben im Gegenteil den Anspruch, die Währung zu stabilisieren.

Die wichtigste Auswirkung auf Investments, ist die veränderte Stimmung gegenüber China. Einige Marktbeobachter interpretieren die Abwertung des Yuan als Zeichen, dass der politischen Führung in Peking die Kontrolle entgleitet. Diese negative Stimmung hat zu einem Exodus der Anleger aus Asien sowie den Emerging Markets allgemein geführt. Der Shanghai Composite Index ist seit dem 11. August um 24 Prozent gefallen. Der JPMorgan Asia Credit China Index verzeichnete aber nur einen Verlust von 0,99 Prozent auf Total-Return-Basis. Die Spreads weiteten sich nur um 33 Basispunkte auf 350 Punkte aus. Unternehmen müssen neben dem Zinsrisiko nun auch das Währungsrisiko ihrer Auslandsverbindlichkeiten im Blick haben. Durch die Erwartung einer weiteren Yuan-Abwertung sowie der Aussicht auf flexiblere Vorschriften sind Emittenten motiviert, Anleihen am heimischen Markt aufzulegen. Für das Angebot ist das leicht positiv, da das an USD-denominierten Papieren weiter schrumpft.

Keine echte Trendwende durch Fed

Die Investoren sollten nicht darauf setzen, dass die Fed in diesem Monat eine echte Trendwende vollzieht
Marktkommentar von Larry Hatheway, Chef-Ökonom von GAM 

An den Märkten gehen die Investoren derzeit davon aus, dass die Fed morgen ihre Leitzinsen mit einer Wahrscheinlichkeit von 33 Prozent erhöht. Damit wird die Möglichkeit eines Zinsschritts deutlich geringer eingeschätzt als noch Anfang August, als eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent gehandelt wurde. Es liegt auf der Hand, dass die Verlangsamung des Wachstums in der chinesischen Volkswirtschaft und die darauf folgenden Kursturbulenzen an den Finanzmärkten die Mehrheit der Investoren nun daran glauben lässt, dass die Fed die Zinsen nicht in diesem Monat erhöht. 

Ich gehe zwar auch davon aus, dass der Offenmarktausschuss der US-Notenbank die Zinsen unverändert lassen wird. Allerdings schätze ich, dass die Entscheidung sehr viel ausbalancierter sein wird als es die allgemeine Stimmung am Markt Glauben machen will. Die Äußerungen von Yellen, Fischer und Dudley lassen darauf schließen, dass die Top-Entscheider bei der Fed davon ausgehen, dass die makroökonomische und finanziellen Rahmenbedingungen in der US-Wirtschaft seit langem für eine Erhöhung sprechen. 

Es ist aber ebenso offensichtlich, dass die für die Geldpolitik der US-Notenbank Verantwortlichen zu dem Schluss gekommen sind, dass die Schockwellen, die von China und den Finanzmärkten ausgegangen sind, zu einer erheblichen Abschwächung des Wachstums in den USA führen werden. Sie sind sich ihrer Sache zwangsläufig jedoch nicht unbedingt sicher, denn es gibt bislang nur sehr wenige valide Daten (im Gegensatz zu einer Reihe von Stimmungsindikatoren), die nahelegen, dass sich das Konjunkturtempo in den USA verlangsamt. Die bislang vorliegenden Zahlen ergeben jedenfalls ein gemischtes Bild, deuten aber alles in allem auf ein weiterhin moderates Wachstum und - was wesentlich wichtiger ist - eine Fortsetzung des stärker als erwarteten Aufschwungs am Arbeitsmarkt hin.

Sollte die Notenbank ihre Geldpolitik unverändert lassen, beruht das unserer Ansicht nach vor allem auf der Tatsache, dass sich die Inflation weiterhin unter der Zielmarke von zwei Prozent bewegt und nichts darauf hindeutet, dass sich das Tempo der Preissteigerung beschleunigt (sowohl bei den Preisen als auch bei den Löhnen). Das ist der entscheidende Faktor!

Wir gehen zudem nicht davon aus, dass eine unveränderte Zinsentscheidung der Fed zu einer Entlastung an den Märkten führt. Zum einen, weil der negative Einfluss von China auf das globale Wachstum und die Unternehmensgewinne weitgehend unabhängig sind von den Ereignissen in Washington. Zum zweiten: Selbst wenn sich die Fed dazu entschließt, ihre Politik beizubehalten, wird das die Märkte daran erinnern, dass eine Erhöhung von den aktuellen, fundamentalen Wirtschaftsdaten abhängig und eben grundsätzlich nicht mehr sehr weit entfernt ist - eingedenk der Möglichkeit, dass der Zinsschritt dann eben im Oktober kommt. Es wird also nicht lange brauchen, bis sich der aufmerksame Blick der Märkte auf den 27. und 28. Oktober richtet, wenn sich der Offenmarktausschuss das nächste Mal trifft. 

Im Ergebnis werden die Kurse weder von Risikoanlagen noch von langlaufenden Anleihen unmittelbar positiv auf die Entscheidung der Fed reagieren, die Zinsen unverändert zu lassen. Kurzfristig sollten die Investoren jedoch nicht darauf setzen, dass die Fed bereits in der zweiten Hälfte dieses Monats eine echte Trendwende bei ihren Zinsen vollzieht.       

Markt für Luxusgüter wächst langfristig weiter

Die weltweite Nachfrage nach Luxusgütern wird langfristig weiter wachsen. Wichtige Treiber bleiben die wachsende Mittelschicht und somit die steigenden Einkommen breiter Bevölkerungsschichten vor allem in den Emerging Markets. Auf die Abwertung des Renminbi und aktuelle Wirtschaftsdaten aus China haben Luxusaktien zwar negativ reagiert. Die Aktien von Herstellern hochwertiger Güter im Premiummarkensegment – beispielsweise Schmuck und Uhren, Mode und Kosmetik sowie Automobile – bleiben allerdings dauerhaft attraktiv. Zu dieser Einschätzung kommen Scilla Huang Sun und Andrea Gerst, die Fondsmanagerinnen des JB Luxury Brands Fund. 

Renminbi-Abwertung trifft Luxusaktien, aber langfristig bleibt Luxus interessant
„Der Renminbi war fundamental überbewertet, das konnte man beispielsweise in den großen Preisunterschieden von Luxusgütern in Europa und China sehen. Chinesische Touristen haben noch mehr Luxusartikel in Europa gekauft, und der graue Markt ist gewachsen. Diese Bewertungslücke wird sich jetzt verringern“, prognostiziert Andrea Gerst. „Das Sentiment für Luxusgüteraktien war in den vergangenen Wochen stark geprägt von negativen Pressekommentaren und den jüngsten Markt- und Währungsturbulenzen in China“, sagt Scilla Huang Sun. Mit der Abwertung der chinesischen Landeswährung wird nach Meinung der beiden Fondsmanagerinnen nun eine gesunde Korrekturbewegung in Gang gesetzt. „Es ist natürlich möglich, dass noch weiter schlechte Nachrichten aus China kommen, wir glauben aber nicht, dass sich die chinesische Währung drastisch abwerten wird. Die Wirtschaft in China wird langsamer wachsen, aber der Konsum weiter an Bedeutung gewinnen. Ein ‚Hard Landing‘ ist nicht unserer Basisszenario“, so Huang Sun. 

Starke Marken und eigene Shops rund um den Globus sind Erfolgsfaktoren
Investoren sollten sich bei einer Anlage in Luxusgüteraktien nicht von der Entwicklung der Devisenmärkte leiten lassen. „Wechselkursverschiebungen sind in aller Regel kaum vorhersehbar“, sagt Huang Sun. „Wir fokussieren uns bei unseren Investments auf Luxusunternehmen, die starke Marken im Portfolio haben und rund um den Globus eigene Shops besitzen: Diese Firmen sind besser diversifiziert und nicht so stark von Währungskursschwankungen und der Konjunkturentwicklung in einzelnen Ländern betroffen“, erläutert Huang Sun ihren Investmentansatz. Als Beispiel nennt sie Hermès. Das Unternehmen verfüge über gute Markenführung und eine starke Preissetzungsmacht. Außerdem ist das Unternehmen auch offen für neue Geschäftsfelder und Ideen – wie etwa die kürzlich vorgestellten Uhrenbänder für die AppleWatch. Interessant seien zudem Hersteller großer Schmuckmarken wie beispielsweise Cartier oder Tiffany. Einen Großteil des Umsatzes erzielten Juweliere immer noch mit markenlosem Schmuck, dort können Markenhersteller noch Anteile gewinnen, ist Huang Sun überzeugt.

Europäische Luxusfirmen profitieren vom starken US-Dollar 
Gleichwohl werden ihrer Einschätzung zufolge die Geschäftszahlen der Luxusgüterproduzenten auch für das zweite Semester von den Währungsentwicklungen betroffen sein. „Wir rechnen mit soliden Ergebnissen bei europäischen Herstellern, da viele dieser Firmen weiterhin vom schwachen Euro profitieren. US-Hersteller werden dagegen wegen des starken US-Dollars wahrscheinlich eher schwächere Zahlen vorlegen – auch, weil weniger Touristen die USA besucht haben. Doch das wird insgesamt nur ein kurzfristiger Effekt sein“, so Huang Sun weiter. Bis zum Jahresende wird die Nachfrage nach Luxusgütern weiter zulegen und der Markt im Gesamtjahr um etwa 6 bis 8 Prozent gegenüber 2014 organisch wachsen. 

Die Bedeutung von E-Commerce wächst, aber physische Präsenz bleibt wichtig 
„Die Verbraucher sind weiterhin bereit, für das passende Luxusgut Geld auszugeben“, sagt Huang Sun und nennt als Beispiel Louis Vuitton – eine Marke, die Huang Sun zufolge große Anstrengungen unternommen hat, um neue Produkte auf den Markt zu bringen, die ‚frisch‘ sind. „Man darf nicht vergessen, dass der Kauf von Luxusgütern stark von Emotionen beeinflusst wird“, ergänzt ihre Kollegin Gerst. „Die Unternehmen müssen neue und emotionale Produkte auf den Markt bringen. Events wie etwa die anstehenden Fashion Weeks in London, Mailand und Paris sind dabei wichtige Plattformen, um diese Produkte zu präsentieren.“ Gleichwohl wird nach Einschätzung der beiden Fondsmanagerinnen die Bedeutung digitaler Absatzkanäle auch bei Luxusgütern steigen. „Bekannte Marken wie etwa Burberry verzeichnen zweistellige Zuwachsraten in diesem Bereich“, beobachtet Huang Sun. „Eine starke Präsenz über eigene Shops wird deswegen aber nicht überflüssig. Die meisten Verbraucher holen sich erste Informationen im Internet, möchten dann aber das Kauferlebnis vor Ort. Ich denke daher, dass Luxusgüterhersteller auf eine gesunde Mischung aus beiden Kanälen setzen sollten.“

Fidelity Marktkommentar: Dritte Deflationswelle seit 2008 hat Märkte im Griff

Kronberg im Taunus, 15. September 2015 – Dominic Rossi, Global Chief Investment Officer für Aktien bei Fidelity Worldwide Investment: „Die globale Wirtschaft steht innerhalb nur eines Jahrzehnts vor der dritten Welle einer Deflation. Die beiden ersten Wellen hatten ihren Ursprung in den Industriestaaten: Zunächst die von den USA ausgehende Immobilien- und Finanzkrise 2008/2009 und dann 2011/2012 das drohende Auseinanderbrechen der Eurozone. 

Die aktuelle Krise ist in vieler Hinsicht eine klassische Schwellenländerkrise, ähnlich der von 1997. Allerdings ist der Einfluss auf die Wirtschaft der entwickelten Länder diesmal deutlich größer. Deflationäre Preiseffekte bahnen sich ihren Weg zunächst durch Rohstoff- und andere Warenmärkte. Vor allem aber wird die geringere Kaufkraft in den Schwellenländern negative Folgen haben für den globalen Handel und das Wirtschaftswachstum insgesamt.

Es wäre ein kostspieliger Fehler, wenn die Notenbanken in den USA und Großbritannien in diesem Umfeld die Zinsen wie geplant anheben würden. Denn die Probleme in den Schwellenländern würden sich dadurch vergrößern und die Weltwirtschaft weiter bremsen, was letztendlich auch negative Konsequenzen für die Aktienmärkte bedeuten würde. Die Notenbanken sollten deshalb geplante Zinserhöhungen zurückstellen. Die Märkte sind nicht in der Stimmung für politische Fehler, und die Fed sollte klar signalisieren, dass sie vorerst keine Zinsschritte erwägt.

Wachstum in Schwellenländern verlangsamt sich

Nochmal: Der Ursprung dieser Krise ist in den Schwellenländern zu finden, nicht an der Wall Street. Die schwächeren Währungen in Ländern wie Brasilien, Russland, Indonesien, Malaysia und China sind klare Anzeichen für ein langsameres Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern nach Jahren starken Wachstums und hoher nominaler Inflationsraten.

Auf der positiven Seite ist jedoch zu verbuchen, dass die Schwellenländer im Gegensatz zu ihrer Krise 1997 über größere Devisenreserven verfügen und viele der Staaten nun flexible Wechselkurse haben. Auch die Staatsschulden stellen kein großes Problem dar, so dass – anders als damals – ein Eingreifen des Internationalen Währungsfonds IWF oder gar ein Ausfall eines Landes viel unwahrscheinlicher ist.

Dennoch werden die Folgen der niedrigen Rohstoff- und Warenpreise deutlich ausfallen, das Schrumpfen der Kaufkraft in den Schwellenländern hat negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Dabei wird das Ausmaß größer sein als 1997, als die Schwellenländer noch nicht so stark in die Weltwirtschaft integriert waren. Dieses Mal dürfte die Schwäche der Schwellenländer die ‘Eiszeit’ global niedriger Zinsen verlängern.

In Innovationen investieren

Die deflationären Preiseffekte der aktuellen Schwellenländerkrise werden aufkeimenden Inflationsdruck mindestens ein Jahr auf Abstand halten. Investoren sollten in diesem Umfeld Aktien stark fremdfinanzierter Firmen unbedingt meiden. Stattdessen sollten sie sich auf Unternehmen mit hohen Cashflows und einer soliden Kapitalallokation konzentrieren, die zudem in der Lage sind, nachhaltig Dividenden an ihre Aktionäre auszuschütten. Im aktuellen Umfeld am aussichtsreichsten ist es in meinen Augen, in Innovationen zu investieren. Speziell in Unternehmen aus den Sektoren Gesundheitswesen, Technologie und Medien. Es ist sinnvoll, die hohe Volatilität abklingen zu lassen und dann zu einer auf Fundamentaldaten gestützten Aktienauswahl zurückzukehren. Die erhöhten Marktschwankungen dürften anhalten bis die Fed Klarheit hinsichtlich ihrer Zinspolitik schafft.“